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4

HEINRICH SEUSE

Deutsche Schriften

im Auftrag der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte

herausgegeben von

Dr. Karl Bihlmeyer.

•* ^«^.^.

STL'TTCiART. Druck und Verlapj von W. Kohlhnmmer.

1907-

f

/

nn

Dem Gedächtnis

meines hochverehrten Lehrers

Professor D. Dr. F. X. von Punk

in Dankbarkeit

gewidmet.

Vorw^ort.

Eine kritische EditioD der deutschen Schriften Seuses bedarf schwerlich einer besonderen Rechtfertigung. Denifles Ausgabe, in ihrer Art eine treffliche Leistung, kann der wissenschaftlichen Forschung nicht genügen, weil sie nur eine neuhochdeutsche Über- tragung des Originaltextes bietet, auf einer nicht völlig ausreichenden handschriftlichen Grundlage beruht und zudem unvollständig geblieben ist. Möge daher diese erste vollständige Ausgabe des Urtextes wohl- wollende Aufnahme finden! Kirchen-, Literatur-, Sprach- und Kultur- geschichte interessieren sich ja, wenn auch in verschiedenem Masse, für den liebenswürdigen schwäbischen Mystiker, der den Geist des deutschen Mittelalters nach seiner schönsten Seite repräsentiert und durch seine gemütstiefen Schriften noch heute wie ehedem zu fesseln vermag.

Das Hauptaugenmerk bei vorliegender Ausgabe war darauf gerichtet, eine möglichst breite und sichere Basis für die Herstellung des Textes zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurden, von sonstigen Nachforschungen abgesehen , auf wiederholten Studienreisen eine grössere Zahl von Bibliotheken Deutschlands und der Schweiz nach Seuse-Handschriften durchsucht, so namentlich die Bibliotheken zu Berlin, Einsiedeln, Engelberg, Kolmar, Konstanz, Maihingen, München, Nürnberg, St. Gallen, Stuttgart, Wolfenbüttel, Zürich. Der Erfolg war ein günstiger, insofern ^ine stattliche Anzahl wichtiger, noch nicht bekannter Manuskripte aufgefunden wurde, mit deren Hilfe es gelang, den Denifleschen Text an vielen Punkten erheblich zu verbessern und das Grosse Briefbuch in guter Rezension vorzulegen. Zum erstenmal werden in dieser Ausgabe jene elf Briefe, welche Seuse gekürzt in das kleine Briefbuch aufnahm, in ihrer ursprünglichen Form bekannt gemacht. Ausdrücklich sei auch auf das bis jetzt unbekannte interessante

VI Vor^'ort.

„Te«tarnent der Minne" (Brief XXVIII) aufmerksam gemacht, gegeu dcHRcn Echtheit freilich begründete Zweifel bestehen.

Der Kommentar ist im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt worden. Wie viel ich für das Verständnis und die Kommentierung der schwierigeren mystischen Stellen Denifle verdanke, bekundet fast jede Seite der einschljlgigen Partien. Mit ihm, dem ausgezeichneten Kenner der Mystik und Scholastik, konnte ich es auf diesem Gebiete nicht aufnehmen, und es war auch gar nicht meine Absicht , seine Ausgabe ganz überflüssig zu machen.

Die Einleitung versucht eine knappe, aber im wesentlichen erschöpfende Orientierung über Leben und Werke Seuses zu geben, und insbesondere seine Stellung im Entwicklungsgang der deutschen Mystik und Literatur zu präzisieren. Am kürzesten glaubte ich mich in dem Abschnitt über die Lehre fassen zu dürfen, da dieser Gegen- stand schon genügend behandelt ist und Seuse hierin weniger original erscheint. Wenn ich in der Einleitung manchmal etwas warm ge- worden bin, so möge dies mit den Worten des edlen Linsenmann (in einer Besprechung von Denifles Seuse, Theol. Quartalschrift 1877, 135) Entschuldigung finden, die ich zu meinen eigenen mache: „Dem Theologen ist das literargeschichtliche Interesse an den Schätzen der grossen Literaturperiode der deutschen Theologie im Mittelalter nicht das höchste. Was die mittelalterliche Mystik für ihre Zeit war, das könnte und sollte sie auch für unsere Zeit sein, eine Ergänzung der vorherrschend nomiualistischen Scholastik, eine Lichtseite im i'eligiösen Volksleben, ein Sauerteig, welcher Gärung und Bewegung in die erstarrten Massen des kirchlichen Lebens bringen könnte. Uns ist die Mx-stik eines Eckhart, Tauler und Seuse nicht bloss romantische Poesie, noch blosse Philosophie, sie ist dazu bestimmt^ Ix^ben zu werden und Gestalt anzunehmen ..."

Unumgänglich schien es, der Ansgabe ein ausführliches Glossar beizugeben, da wir ein solches bis jetzt von keinem der bedeutenderen deutschen Mystiker besitzen und doch tür philologische und literarhistorische Untersuchungen kaum entbehren können. Ich bin mir freilich bewusst, dass der vorgelegte Versuch etwas recht Unvollkommenes darstellt. Allein Zeit und Raum verboten, ein mehreres zu tun. Philologische Zwecke im eigentlichen Sinne lagen mir fenie; ich glaubte, die spraehgesohiohilioh-lexikalisehe Ausbeutung^ Simses den Germanisten von Fach überlassen zu Si^llen. Um auch solchen, welche mit dem Mittelhochdeutschen weniger vertraut sind, die Ausg«W lucänglich /u machen, ist in zahlreichen Fällen die

Vorwort. VII

neuhochdeutsche Bedeutung eines Wortes angegeben. Ich hoflFe übrigens, in nicht zu langer Zeit eine Auswahl aus Seuse in Über- tragung für weitere Kreise vorlegen zu können, und behalte mir die Benützung der Ausgabe für solche Zwecke vor.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, für die Unterstützung und Beihilfe zu danken, die mir von vielen Seiten zuteil geworden ist, 80 insbesondere den Bibliotheksverwaltungen zu Berlin (Kgl. Bib- liothek), Breslau (Domkapitelsbibl.), Cues (Hospitalbibl.), Darm- stadt, Einsiedeln, Engelberg, Freiburg (Universitätsbibl. und Erzbischöfliches Archiv), Giessen, Göttingen, Heidelberg, Kolmar, München (Staatsbibl.), Muri-Gries, Nürnberg (Stadtbibl.), Paris (Bibl. nationale), Raigern, St. Gallen, Strass- hurg (Universitätsbibl.), Stuttgart, Überlingen, Wien (Hof- bibliothek), Wolfenbüttel und Zürich (Stadtbibliothek), welche mir teils Manuskripte zur Benützung hieher sandten, teils die Kol- lationierung an Ort und Stelle ermöglichten, und der Universitäts- bibliothek zu Tübingen, welche die Entlehnung zahlreicher Hand- schriften in liebenswürdiger Weise vermittelte. Eine grosse Zahl von Bibliotheken des In- und Auslands erteilte auf Anfragen nach Seuse* Manuskripten gütige Antwort.

Für wertvolle Auskünfte und Winke bin ich ganz besonders den Herren Professor Dr. Ph. Strauch in Halle, Professor Dr. H. von Fischer und K. Bohnenberger in Tübingen, Hochw. P. P. von Loe 0. Pr., Prior in Düsseldorf und Herrn Dr. J. Ries in St. Peter bei Freiburg zu Dank verpflichtet. Herr Professor Dr. F. Vetter in Bern hatte die Güte, mir eine Abschrift des Büchleins der Ewigen Weisheit nach der Einsiedler Handschrift 710 zur Verfügung zu stellen, und die Kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften in München erlaubte, den schon von Preger 1896 edierten Text des Minnebüchleins wieder abzudrucken.

Der Görresgesellschaft und ihrem verehrten Hen'n Präsidenten Exzellenz Reichsrat Freiherr Dr. G. von Hertling sage ich für die Bewilligung eines Stipendiums für meine Bibliotheksstudienreisen geziemenden Dank. Ebenso der Wtirttembergischen Kommission für Landesgeschichte für die Aufnahme dieser Arbeit unter ihre Publi- kationen, und namentlich ihrem Geschäftsführer, Herrn Archivdirektor Dr. E. von Schneider in Stuttgart für stetes liebenswürdiges Ent- gegenkommen.

Für opferwillige Beihilfe bei der Korrektur schulde ich meinem

VIII Vorwort.

Bruder P. Pius Bihlmeyer 0. S. B. in Beuroii und Herrn Dr. A. Hauber in Tübingen ganz besonderen Dank.

Mein verehrter Lehrer, Professor Dr. F. X. von Funk, dessen Stellvertreter zu sein ich zurzeit die Ehre habe, hatte schon einige Zeit vor seinem allzufrühen Tode gütigst gestattet, dass das Werk ihm, dem Altmeister der kirchenhistorischen Wissenschaft, gewidmet werde. Leider hat er die Vollendung desselben nicht mehr erlebt. So bleibt mir nur übrig, es als schwaches Zeichen des Dankes für die stetige herzliche Anteilnahme und die Förderung meiner Studien auf sein frisches Grab zu legen.

Tübingen, im April 1907.

K. Bihlmeyer.

Inhalt.

Seite

Klttleltans l*-163*

Srster TeU. Die Überllefernns 'S*— 62*

A. Die einzelnen Handschriften 3*— 29*

1. Handschriften des Exemplars 3* 9*

U. Handschriften der Tita 9*— 11*

III. Handschriften des Büchleins der ewigen Weisheit . 11* IS*

IV. Handschriften des Büchleins der Wahrheit .... 18* 20* V. Handschriften des Brief büchleins 20*

VI. Handschriften des Grossen Briefbuchs 20* 26*

Vn. Handschriften der Fredigten. Das Minnebüchlein . . 27*— 29*

B. Das HandHchrift«nTerhäItnls. Art miii Weise dieser

Ausgabe 29*— 46*

I. Das Leben Seuses 29*— 36*

II. Die übrigen Schriften des Exemplars 36* 37*

III. Das grosse Brief buch 37*— 43*

IV. Die Predigten und das Minnebüchlein 4S*— 44*

V. Bemerkungen zur Orthographie des Textes .... 44* 46

0. Bilder und SpHlclie des Exemplars 45*— 67*

Senses YerltSltnis zur Kunst 67* -62*

JSEweiter Teil. Neases lieben und Werke .... 63*— 163*

Jng^nd- und Lernjaltre zu Konstanz und Köln (ca.

12»5-ia27) 63*- 95*

I. (teburtsjahr und -Ort, Abstammung 63*— 70*

H. Jugendzeit, Eintritt ins Kloster, Bekehrung .... 70* 73*

ni. Der Dienst der ewig<ai Weisheit 73* 76*

IV. Seuses Kasteiungen 76*— 80*

V. Visionen und Ekstasen 80*— 85*

VI. Studiengang zu Konstanz und KiUn 86*— 90*

MI. Das Bücfilein der Wahrheit 90*— 95*

B. Seuse als Lelitor und Prior. Seliriftstellerisclie und

soelsorgerliche Tätiglkeit (ca. 1327-1848) . . 95*— i:^*

I. Allgemeine? Verbältnisse der Diözese Konstanz und

«les r>ominikanprordens 95* 100*

*

X Inhalt.

Seite

II. Sense als Lektor in Konstanz 100* 101*

III. Das Büchlein der ewigen Weisheit, Ilorologium

Sapientiae nnd Minnebüchlein 101* 111

IV. Seuses Leiden und Heimsuchungen. Seine seel-

sorgerliche Tätigkeit 111*— 117*

V. Seuses Briefe und Predigten 117*— 122*

VI. Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth Stagel . 123* -127*

Vn. Die Jahre des Exils (1339—46). Seuse als Prior . 127*-130

*

*

V. SfMise in Ulm (ca. VUH—imi)^ soin Tod nnd Nachruhm.

Übersetzungen und Ausgaben seiner Werke 130*— 163

I. Seuses Wirksamkeit iu Ulm 130*— 132*

II. Redaktion des Exemplars 132*— 136*

III. Seuses Tod und Nachnihm. Ikonographisches . . 136* 140*

IV. Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine

Lehre 141*— 150*

V. Nachwirkung Seuses in der Literatur 150* 156*

VI. Übersetzungen und Ausgal)en von Seuses Werken . 157*— 163*

Text 1—554

Erste Abtellans:. Menses Exemplar 1—401

Prolog 3-6

Erste» Bach. S^enses Leben 7—195

Erster Teil 7—95

Prolog 7 8

I. Kap. Von den vorstriten eins anvahendeu menschen . 8-10

II. Kap. Von dem übernatürlichen abzug, der im do ward 10—11

III. Kap. Wie er kam in die geistlichen gemahelschaft der

ewigen wisheit 11—15

IV. Kap. Wie er den namen Jesus uf sin herz zeichen te 15 17 V. Kap. Von dem vorspil gbtliches trostes, mit dem got

etlichü anvahendü menschen reizzet . . . 17 22

VI. Kap. Von etlichen Visionen 22—24

VII. Kap. In weler Ordnung er ze tisch gie 24—25

VIII. Kap. Wie er begie daz ingend jor 26—27

IX. Kap. Von den Worten Sursum corda 27 29

X. Kap. Wie er begie die liehtmiss 29-30

XI. Kap. Wie er begie die vasnaht 30 -32

XI r. Kap. Wie er begie den meigen 32—33

Xin. Kap. Von dt'Ui eilenden krnzgang, den er mit Cristus

nam. do man in us forte in den tod . . . 34-37

XIV. Kaj). Von der nüzzen tugende. du da heiss^tet swigen 37—38

X\'. Kap. Von kestgung des libes 39-40

Inhalt. XI

Seite

XVI. Kap. Von dem scharpt'en kn'iz, daz er trug uf einem

nifirgen 41 44

XVII. Kap. Von sinem gelig^er 44—46

XVIII. Kap. Von dem abbrechene des tränke« 46— 5H

XIX. Kap. Wie er ward gewiset in die vernünftigen schule

zu der kunst rechter gelassenheit .... 53—64

XX. Kap. Von wetöndem undorgene 55—61

XXI. Kap. Von inrlichem liden 61 6J^

XXII. Kap. Von dem usker uf sines nehsten heilsamen be-

hulfenheit 63—65

XXUI. Kap. Von menigvaltigem lidene 66 70

XXIV. Kap. Von grossem lidenne, daz imc zft viel von siner

liplichen swoster 70 74

XXV. Kap. Von swerem lidene, daz im einest zu viel von

eim sinem gesellen 74—78

XXVI. Kap. Von dem morder 78—81

XXMI. Kap. Von wassernot 81—82

XXVIII. Kap. Von einem ruwlin, daz im got einest Hess werden 82 8S XXIX. Kap. Von einer minneklichen rechnung, die er einest

mit got hate 84—86

XXX. Kap. Wie er von lidenne eins males kam uf den tod 87 90 XXXI. Kap. Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol

got wider uf tragen 90—92

XXXn. Kap. Wa mite got ergezzet in der zit einen lidenden

menschen sines lidens 93 95

Zweiter Teil 96—195

XXXIII. Kap. Von dez dieners geischlichon tohter .... 96—99

XXXIV. Kap. Von dem ersten begin eins anvahenden menschen 99—102 XXXV. Kap. Von den ersten bilden und lere eins anvahenden

menschen, und wie sin ubunge son sin mit

bescheidenheit 103—109

XXXVI. Kap. Von kintlichem andaht eins jungen anvahenden

menschen 109 114

XXXVII. Kap. Wie er npign menschen zu gote zoh und lidendü

menschen tröste 114 117

XXXVIII. Kap. Von einem vil jemerlichen lidene, daz im hier

inne begegente 117—130

XXXIX. Kap. Von inrem lidenne 130-132

XL. Kap. Welü liden sien dem menschen aller nüzest

und got aller loblichest 132—135

XLI. Kap. Wie er etlichü minnendü herzen von zitlicher

minne zu gotlicher minne zoch 135 141

XLII. Kap. Von etlichen lidenden menschen, du mit sunder-

licher trüw dem diener zu gehorten . . . 142—144 XLni. Kap. Wie im Christus vor erschein in eins Serafins

bildi^ und in lerte liden 144—149

XII Inhalt.

Seite

XLIV. Kap. Wie vestklich der muss striten, dem der geisch-

lich pris sol werden 149—153

XLV. Kap. Von dem minneklichen namen Jesus .... 163—155

XLVI. Kap. Gate underschaid enzwfischen warer und falscher

vernünftkait in etlichen menschen .... 155—158 XLVn. Kap. Underscheid enzwischen ordenlicher und floieren-

der vernünftikeit 15b 160

XLVIll. Kap. Güter underscheid under warer und falscher

gelassenheit 160—163

IL. Kap. Ein vernünftiges inleit^n dez ussren menschen

zu siner inrekeit 163—170

L. Kap. Von den hohen fragen, die du wolgeuptü tohter

fragte iren geischlichen vat«r 170 176

LI. Kap. Ein usrihtunge, wa got ist und wie got ist . 176 184 LII. Kap. Von dem aller hohsten üherflug eins gelepteu

vernunftigen gerautes 184 100

Lin. Kap. Diss bfiches meinunge ein beschliessen mit

kurzen einvaltigen worten 190 195

Zweites Buelt. Bfichlein der Ewl|B:eii Weisheit . 196-325

Prolog 196—200

Erster Teil 200—278

I. Kap. Wie etlichü menschen von got unwissentlich

werdent gezogen 200—204

II. Kap. Wie es vor dem krüzgenne ergie 204 207

III. Kap. Wie es an dem kniz umh in stund nah dem

ussren menschen 207—209

rv. Kap. Wie reht getrüwlich sin liden waz .... 209—210 V. Kap. Wie du sele under dem krüz kunt ze einem herzklichen rüwenne und ze einem milten

vergebenne 211 216

VI. Kap. Wie betrogen der weit minne ist und wie min-

neklich aber got ist 216—223

VIT. Kap. Wie minnekliche got ist 223—229

VIII. Kap. Ein usrihtunge drier dinge, du einem minner aller meist mohrin an got widerstan. Daz ein ist: wie er so zornlich mug geschinen

und doch so minnklich sin 229—230

IX. Kap. Daz ander: war umbe er sich sinen vninden dik nah herzluste onzühet, und wa bi man

sin waren gegen wiirtkeit erkennet . . . 230—235 X.Kap. D.az drito: war umbe es got sinen vnuiden

als relit übel in zit gestattet 236 —237

XI. Kap. Von ienicr werendem we der helle .... 237 240

Inhalt. XIII

Seite

XIT. Kap. Von unmessiger vrode des himelrichs . . . 240 248

XIIT. Kap. Von nnmessiger edli zitliches lidennes . . . 248-254 XIV. Kap. Von unsäglicher guti der betrahtunge des got-

lichen lidens 254—259

XV. Kap. Von dem aiinnekosen, daz du sei mit got hate gehebt unter dem krüze, keret si sich wider

zu sinem lidenue 259 262

XVI. Kap. Von dem wirdigen lobe der reinen künigen von

himelrich 262—268

XVII. Kap. Von ire unsäglichem herzleide 268-271

XVni. Kap. Wie es ze der stund nah dem inren menschen

umb in stund 272—274

XIX. Kap. Von der ablosunge 275—277

XX. Kap. Von der jemerlichen schidunge von dem grabe 277—278

Zweiter Teil 278—314

XXI. Kap. Wie mau sol lernen sterben und wie ein un- bereiter tot geschaffen ist 278—287

XXII. Kap. Wie man inrlich leben sol 288—290

XXIIT. Kap. Wie man got minneklich enpfahen sol . . . 290—303

Gebet 303

XXIV. Kap. Wie man got grundlosklich alle stunde loben sol 304 314

Dritter Teil. Die tinndert Betrachtnngen nnd Begehrnngen 314 322

Epilog 322-324

Register 324—325

Drittes Buch. Biiehleln der Wahrheit 326—359

Prolog 326—328

I. Kap. Wie ein gelazener mensche beginnet und endet

iu einikcit« 328-329

II. Kap. Ob in der hohsten einikeit kein anderheit muge

bestan 329—331

III. Kap. Wie sich der mensche und alle kreaturen ewklich

haben gehalten, und von irera gewordenlichen

usbruche 331—332^

IV. Kap. Von dem waren inkere, den ein gelazsener

mensche durch den einbornen sun nemen sol 333 338 V. Kap. Von den hohen und nützen fragen, die ime du warheit lies werden von der glichnüsse eins

gelassen menschen 338—352

VI. Kap. Uff welen puncten dien menschen gebristet, die

valsche friheit furent 352—357

VII. Kap. Wie adellichen sich haltet ein reht gelazsener

mensch in allen dingen 357 369

XIV Inhalt.

Seite

Tiertes Buch. Brief bfiehlein 360—393

l»rolo«r 3i)U

I. Brief. Von eins anvahenden menschen ledigen vonker

von der weit zft got. Heg^num mundi et omnem ornatuni saeculi contempsi propter amorem do- mini mei Jesu Cristi 360- 863

IL Brief. Von einem demutigen undergang eins gotlichen

mensclien. Habitabit lupus cum agno . . . 363 367

TIT. P»rief. Wie sich ein mensch sol geben willeklich in liden nach dem bilde Cristi. Eisbeten der Staglin ze Tozz. Xigra sum sed formosa .... 367— 36H

IV. Brief. Wie ein ungclebter mensch sich zm im selber allein sol keren und endru menschen unberichtet sol lassen. Quomodo potest caecus ducere? . 369— 37'J V.Brief. Von jubilierender frode. die die cngel und engelschlichü menschen enpfahent, so sich ein Sünder bekeret. Exultet iam angelica turba coelorum 373-378

VI. Brief. Wie sich ein mensch sol halten uuerschrokenlich, so es gat an ein sterben. Absalon, tili mi, quis mihi det, ut ego moriar pro te? 37«— 3«!

Vn. Brief. Wie sich ein mensch in ustragenden emptern sul halten. C'ristus factus est pro nobis obediens

usque ad mortem 381—383

VIII. Brief. Wie sich ein gotlicher mensch in gotlicher suzze- keit sol haben. Elsbeth Staglin. Annunciate dilecto, quia amore langueo 384—386

IX. Brief. Wie ein mensch ze rüwe sines herzen in got

sül kommen. In omnibus reqnicm quaesivi . 387 389 X. Brief. Von etlichen stuken, die ze volkomenheit horent.

Estot« perfecti 389—391

Xf. Brief. Wie sich ein mensch zii dem gotlichen namen Jesus sol andehtklich halten. Pone me ut signaculum super cor tuum! 391—393

Zusäl/e zum Briefbiichlein : Erzählung: von der Verehrung

des Xamens Jesu, Morgengruss und Sprüche . . 393—401

yi weite Abteilung:. Die nicht in das Exemplar anf-

{Cenommenen deutschen Schriften Seases 403—554

I. Das i^rosse II rief buch 405—494

VvoWj: 405—406

1. Brief. Urx L)avi<l senuerat 406-410

II. Brief. Kegnum mundi et omnem ornalum saeculi con-

lempsi propter amorem domini mei Jesu Cristi 410—417

Inhalt. XV

Seite

III. Brief. Surrexi, ut aperirem dilecto meo 417—419

IV. Brief. Habitabit lupus cum agno 420—423

V. Brief. Sonet vox tua in auribus meis, vox enim tua

dulcis et facien tua decora '. 423—425

VI. Brief. Vineae florentes odorem dederunt, et vox tur-

turis audita est in terra nostra 425—427

YII. Brief. Trahe me, post te curremus in odore ung^eu-

torum tuorum! 427- 429

\TII. Brief. Gustate et videte, quoniam suavis est dominus 429—432

IX. Brief. Quam dilecta tabernacula tua domine virtutum! 432—434 X. Brief. Revertere, revertere Sunamitis, revertere, rever-

tere, ut intueamur te! 434 487

XL Brief. Audi, fili mi, disciplinam patris tui! . . . . 437—439 XII. Brief. Xijgfra sum, sed formosa, filiae Jerusalem, sicut

tabernacula Cedar, sicut pellis Salomonis . . 439- 444 Xni. Brief. Absalon, fili mi, fili mi Absalou, quis mihi det,

ut ego moriar pro te? 444—446

XIV. Brief. Exultet iam angelica turba celorum! .... 446—451 XV. Brief. Surge aquilo et veni auster, perfla hortum meum,

et fluant aromata illius! 451—454

XVI. Brief. In exitu Israhel de Egypto etc 454 457

XVII. Brief. Quomodo potest cecus cecum ducere? . . . 457-460

XVIII. Brief. Nemo potest duobus dominis servire .... 461 XIX. Brief. Christus factus est pro nobis obediens usque ad

mortem .• 462—465

XX. Brief. Annunciate dilecto, quia amore laugueo . . . 466—468

XXI. Brief. In omnibus requiem quesivi 4G8— 470

XXII. Brief. Estote perfecti ! 471—472

XXIII. Brief. Exivi a patre et veni in munduiu ; itenim relinquo

mundum et vado ad patrem 472 475

XXIV. Brief. Xos autem revelata facie gloriam domini spe-

culant^s in eandem imaginem transformamur a

claritate in claritatem, tamquam a domini spiritu 475 477

XXV. Brief. Mihi autem adhaerere deo bonum est ... 477 479

XXVI. Brief. Pone me ut signaculum super cor tuum! . . 479—480

XXVII. Brief. Cum essem parvulus, loquebar ut parvulus . . 480—485

XXVm. Brief.*) Testament der Minne oder Minnere^el . . . 486—494

II. PredliB^ten 495- 536

I. Predigt. Lectulus noster floridus 495 —508

II. Predigt.*) Miserunt Judaei ab Jerosolymis sacerdotes

et levitas ad Johannem, ut interrogarent eum: Tu quis es? 509—518

*) Der Asterisk bedeutet, dass die Echthoit des betreffenden Stückes zweifelhaft ist.

XVI Inhalt.

Si-ite

ITI. Predijj:t.*) Exivi a patre et vciii in munduin , iterum

reliuquo muudum 518—528

IV. Predig. Iteruiu relinquo mundura et vado ad patrem 529—53(5

III. Das aiinnebfichleiii*) 537-554

I.Kapitel 537-54;i

II. Kapitel 544-547

III. Kapitel 548—554

Berichtig:ungen und Nachträge 555 558

Glossar 659-H28

Verzeichnis der Bilder.

1. Zur Tita.

Abb. 1 (Erklärung: S. 3) 2

Abb. 2 (Erklärung S. 20) 19

Abb. 3 (Erklärung S. 51) 52

Abb. 4 (Erklärung S. 65) 65

Abb. 5 (Erklärung S. 130) 129

Abb. 6 (Erklärung S. 140.) 141

Abb. 7 (Erklärung S. 148) 147

Abb. 8 (Erklärung S. 152) 160

Abb. 9 (Erklärung S. 152) 151

Abb. 10 (Erkläning S. 155) 154

Abb. 11 rErklärung S. 195) 195

2. Zum Büchlein der Ewigen Weisheit.

Abb. 12 (Erklärung S. 253) 255

*} Der Asterisk be b'utet , dass die Echtheit des l)etreffenden Stückes zweifelhaft ist.

Verzeiclmis der Abkttrznngeii.

Vita = Leben Seuses.

Bdew = Büchlein der ewigen Weisheit.

Bdw = Büchlein der Wahrheit.

,r. x^^ f = Kleines Briefbüchlein. KI Bfh j

Gr Bfb = Grosses Brief buch.

Minneb. = Minnebüchlein.

Hör. = Horoiogium Sapientiae.

DW = Deutsches Wörterbuch. H8(s). = Handschrift(en). Jh. = Jahrhundert. ÜB = Urkundenbuch.

Archiv oder ALKGM = Archiv für Literatur- und Kirchengeschicht« des Mittel- alters.

Byga = Buch von geistlicher Armut, hrsg. von Denifle 1877.

Den. = Denifles Seuseausgabe (1880).

Diep. = Diepenbrocks Senseausgabe (*1884).

Eckhart = Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14. Jh. II Meister Eckhart (18Ö7).

Greith = C. Greith, Die deutsche Mystik im Predigerorden (1861).

Lexer = M. Lex er, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, 3 Bde (1872/78).

3I0PH = Monuraenta Ordinis Praedicatorum Historica ed. Reichert (1895 ff.).

Preger I— TU = W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter, 3 Bde (1874/93).

Preger Briefe = Die Briefe H. Snsos hrsg. von Preger (1867).

Preger Vorarbeiten = Preger, Vorarbeiten zu einer Geschichte der deutschen Mystik, Zeitschrift für bist. Theologie 1869, Iff.

Seeberg = R. Seeberg, Ein Kampf um jenseitiges Leben. Lebensbild eines mittelalterlichen Frommen (H. Seuse) 1889.

Strauch, Ad. Langmann = Die Offenbanmgen der Ad. L, hrsg. von Strauch, QF 26 (1878).

Strauch, Marg. Ebner = Strauch, M. E. und Heinrich von Nördlingen (1882).

Thiriot = Oeuvres mystiques du bienh. H. Suso, trad. par Th. T (1899).

Vetter == Th. Vetter, Ein Mystikerpaar des 14. Jh. (H. Seuse und E. Stagel) 1882.

Zfda = Zeitschrift für deutsches Altertum.

Afda = Anzeiger der Zeitachr. f. dtsch. A.

Zfdph = Zeitschrift für deutsche Philologie.

Einleitung.

»» ^9^ *•

U. Scuae, T)«iit«obe äobriftcn.

Erster Teil.

Die Oberliefening<

A. Die einzelnen Handschriften.

Die deutschen Schriften Seuses sind in sehr zahlreichen und weit zerstreuten Handschriften überliefert Soweit sich ihre Pro- venienz feststellen kisst, stammen die meisten derselben aus Nonnen- klöstern, besonders des Dominikanerordens, in Süddeutschland (Elsass, Baden, Württetnberg, Bayern) und der Schweiz, doch nicht wenige auch aus Mittel- und Niederdeutschland; na>ch dem Osten (Osterreich) scheinen Seuses Werke weniger gedrungen zu sein. Insbesondere das Bdew ist im 14. und 15. Jh. so häufig abgeschrieben worden, dass wohl fast jede grössere Bibliothek in Deutschland und in der Schweiz eines oder mehrere Exemplare davon enthält. Es kann sich daher hier weder bei der Aufzählung noch bei der Benützung der Hand- schriften um absolute Vollständigkeit handeln; fiamentlich aus Privat- biblioiheken wird noch dies und jenes Manuskript nachgetragen werden können. Möglichste Läckenlosigkeit ist jedoch angestrebt bei den Bilderhandschriften des sog. Exemplars (d. h. des von Seuse selbst redigierten Sammelwerks, seine der Hauptschriften: Vita, Bdew, Bdw und Kl Bfb umfassend), beim Leben Seuses und beim Gr Bfb. Die in dieser Ausgabe benützten Handschriften sind mit fettgedruckter Chiffre bezeichnet; von den übrigen sind die meisten wenigstens ein- gesehen worden. Bei der grossen Zahl der zu erwähnenden Manu- skripte musste die Beschreibung so knapp als möglich gehalten werden.

I. Handsehrlften des Exemplars.

A = Berlin, Kgl. Bibliothek Ms. germ. quarto 840 (acc. 9493), Perg. 160 Bl. (die Bl. 84 87 sind an falscher Stelle gebunden, sie gehören zwischen 68 iiml 69) 170 x 215 mm, Lagen von ge-

4* ßinleitnng. 1. Die Überlieferung.

wohnlich 12 BL, durchschnittlich 33 Zeiloi auf einer Seite, von ei7ier, sich aber nicht immer ganz gleichbleibenden Hand in der zweite7i Hälfte des 14. Jh. sorgfaltig geschrieben. Dieselbe Hand hat nachträglich Korrekturen vorgenommen, dann und ivann, aber seltener, auch eine zweite, spätere Hand. Dialekt aletnannischy wohl nur ganz leicht vom dsässischen beeinflusst. Inhalt: das Exemplar vollständig mit Prolog, Bildern und einigen gemalten Initialen (über die bildliche Ausstattung sielte genaueres unter C). Die Kapitels- überschriften und Anfangsbuchstabeti sind rot. BL 1 ^ oben am Rande steht von alter Hand (rot): Pater noster et Ave Maria^ darunter: Gelobt vnd gebenediet sy der werde namen ynsers berren iesn xpi vnd der hob gelobten juncfrouwe Marien siner mflter eweclicben an ende Amen. Darauf von jüngerer Hand (15. Jh., teilweise ver- wischt): lESUS MARIA zarter minneclicber berre vnd frunt . . . bertzen Amen. Darunter schwarz (14. Jh.): XI bilde. Am Schlüsse Bl. 160'' steht (rot): Explicit. Finis adest vere scbriptor wult precium babere. Die für die Seuseforschung äusserst wichtige Hs. sie ist die älteste und beste Hs. des Exemplars und daher dieser Ausgabe zu- grunde gelegt hat merkwürdige Schicksale erlebt. Sie stammt aus d'Cr Bibliothek des Johanniterhauses zum Grünen Wörth in Strass- bürg, wurde, wie ihr Zustand zeigt, von den dortigen mystisch ge- stimmten Kreisen viel gelesen und kam bei der Aufhebung des Klosters mit anderen wertvollen Hss. jener Sammlung ^) in die Strass- burger Stadtbibliothek, wo sie wie vorher die Signatur B 139 trug. Hier umrde die Hs. von K. S chmidt zu eitlem Aufsatz über Sense in Theol. Studien und Kritiken 1843, 835 ff., der auch manche Auszüge daraus gibt, benutzt^ ferner in den vierziger Jahren des 19. Jh. von dem bekannten Gei'manisten Franz Pfeiffer, der eine Ausgabe Semes projektierte^), in ziemlich mangelhafter und ungenaue^' Weise teils abgeschrieben^), teils kollationiert. Pfeiffers Manu-

^) Vgl. darüber J, J. Witter^ Catalogua Cod. Mas. in bibUotheca sacri ordinis Hierosolymitani Argentorati aaservatorum , Straaahurg 1746 (unsere Seusehs. S. 19 unter B 139, doch fälschlich als Papierhs. bezeichnet) : J. Rath- geber, Die hal. Schätze der früheren Strassb. Stadtbibliothek 1876 j 41 ff.; C. Schmidt f Zur Geach, der ältesten Bibliotheken zu Strassburg 1S82, 15 f. K. nieder j Der Gottesfreund vom Oberland 1905, 256 ff.

*) Über diese seine Pläne vgl. K. Bartsch in seiner Biographie Pfeiffers in ^Briefwechsel ßwischen Jos. ?'on Laasberg u. L, U bland* hrsg. von F. Pfeiffer 1870, XXX f., XL VII.

') Ein Teil der Abschrift ist allerdings nicht von Pfeiffer selbst, sondern von unbekannter Hand,

Die eine^en EaDdMduifteB.

skriple ') l.-<nnm wich seium Tode ff 29. Mm 1808) in die Iloßihliothek zu Wifn (=Suppl.. 2778 [N. S. 308 j enthaltmd Vila% Bdw, Kl Bfh, und Suirpl. 3779 [Nr. 15379; vgl. Tabuloe codd. VIII, löö f.] enthnltend Bdew, Gr Bfb f». »nicr VI], Prediyi I wtd IV [f. tintfr VII], und einige Stücke von Eckhart nach Abschrift von J, Hntipt), ICO sie nuch Dtnißi- für seine Ausgabe heniitzte. Die Stroashurgcr Hx. selbst galt als verloren, da am 24. August 1870 bei der Belagerung die Stadtbibliothek in Brand geschossen und zer- niSrl tvurd^. Gross icar daher die Überraschung, als Schreiber dieses im September 1903 dos verlorene Manuskript in Berlin wieder ent- deckte. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist es im Srptember 18(i8 aitn dem Navhlasn Pfeifers käuflich erworben worden. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Gelehrte die Hs. zur Benützung entliehe» halte, Jedoch starb, ehe er sie zurückgeben konnte, und dass Äi'e darauf als sein Eigentum angesehen und rerkattft ipurde; das» man in Strasaburg den Verlust nickt bemerkte, ist zwar auffallend, über dem Krieg konnte die Sache aber wohl in Vergessenheit geraten. Ein Ziceifel an der Identität der Hs. kann nicht bestehen: nicht nur ist die alte Signatur B 139 auf dem Bücken des Einbandes »och deutlich sichtbar, sie stimmt auch aufs genaueste mit den Exzerpten Schmidts uiul den Abschriften Pfeiffers. Habent sua fatn If belli!

K = Eiiisiedelit, Slißsfnbliolhek Hs. Nr. 710, Pa,,.9+233 ,.on alter Hund numerierte Bl. fol. (208 y< 303 mm), doppetspalHg in der zweiten ') Hälfie des 15. Jh. sehr sckün geschrieben, reich mit Miniaturen ausgestattet fs, unter C). Sprache: alemannisch- achwäHsch. Inhalt: Bl. 5"'~-7"' Register; Bl. I—XXI (alte Be- zifferung) Gedickt voit Christus und der minnenden Seele (mit Bildern), das sich auch in der Donaueschinger Hs. Nr. 106 Bl. 1 40,

') Ül>»r seinen bis ifUt ganz ungtnügmid ausgmütztoi und besc/iriebentn, für du GtsckiehCr drr drutsehen Mystik irerlvollen Nachltum vgl. jrltl Otto Simon, Übtrtiffrrung und /iandschriflenverhältiiln dts Traktates ,,Sehii>i3ter Katrei', IHss. Hallt 1906. H f.

') Dir tfgtK Hälftt derselben ist nach der Stuttgarter He. Cod. aseit. lö, freUieh nicht »eilen nachlä»»ig abge^chnrben and noch der Straagburger Hs. luitlationieit, was Dtniflt XX,e3T und Z/da XXI, IST nicht erkannt hat, in drr neeifm Uälftt igt nw das Slratsb. Manuskript kopiert.

•) Dmifle XXVIII tedst die Hl. dem Anfang der 15. Jh. lu, ab"- die CON dtrstlbm Hand geschriebene Einsiedler Hs. 2fr. ä63 ist im Jahr« 1482 vollendet (vgl. Caialogus Codd. mss. in >'ihl. Monast. Einetedl. descript. a. P.

a.Utier I [waaj seo).

6* Einleitung. I. Die Überlieferung.

zu Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ, 91 Bl. 1 80 (ebenfalls mit Bädern), und Überlingen, Hs. Nr. 22 (=U) Bl. 3-20 findet'); BL XXIII^—CLXXXIIII'^ das Exemplar vollständig mit Prolog; von da bis Schluss Bl, CCXXIX kleinere asketische und mystische Stücke (vom christlichen Lehen, von einem geistlichen Kloster nach St. Bernhard, Bruderschaft der etvigen Weisheit im Auszug [Bl. CCII—CCIII], von voUkommetier Demut, von den Graden und Staffeln der Geduld, von einem anfangenden, zunehmetiden und voll- kommenen Lehen u. a.). Die Hs. stammt laut altem Eintrag Bl. 4** aus dem Dominikanerimienkloster St. Peter zu Konstanz; ein Vergleich mit Hs. Nr. 283 und 752 ^) legt die Vennutung nahe, dass sie wie diese von dem reichen und angesehenen Patriziergeschlecht der Ehinger ihr Wappen findet sich in cUlen drei Hss. dort- hin geschenkt wurde. Auszüge aus den vier Schriften des Exemplars nach K bei F. Vetter, Lehrhafte Literatur des 14. und 15. Jh., 2. Teil: Geistliches (=^ Kürschners Deutsche Nationalliteratur XII, 2 [1889]) 109—247.

R = Hs. der Domkapitelsbibliothek in Breslau, ohne Signatur, Pap. 293 Bl. fol. (220 x 320 mm), mit Bildern, am Ende des 15. Jh. von Schwester Katharina Menttellwergerin (Bl. 220**) ziem- lich flüchtig geschrieben. Dialekt: bayerisch. Die Hs. stammt aus dem Dominikanerinnenkloster zum hl. Kreuz in liegen sburg, und wurde von Kardinal Diepenbrock der Bibliothek des Domkapitels in Breslau vermacht. Inkalt: Bl. 1*^ 244*"^ das Exemplar vollständig^) mit Prolog (vom Bdw fehlen aber die Kap. 3, 4, 6, 7, vom Kl Bfb Brief 6 und 7); Bl. 244^^—79** 23 Briefe des Gr Bfb (s. unter VI); Bl. 279 -^-'82^ Zusatz zum Bfb (393,8—96,5); Bl. 282^^^-93'^ Bruderschaft der ewigen Weisheit.

W=: Wolfenbüttel, Herzogl. Bibliothek Cod. 78. 5. Aug. fol., Pap. 322 BL, im 15. Jh. (Bd. 322^:1473) in bayerischem Dialekt von mehreren Händen geschrieben und mit Miniaturen aus- gestattet. Die Hs. stammt vermutlich aus einem Nürnberger Kloster und enthält das ganze Exemylar mit Register, Prolog utui den Nach- trägen zum Bfb, die Bruderschaft der emgen Weisheit und das

*) Ein Brucfietück ist in Man es Anzeiger VIII (1839) 334 ff. abgedruckt, die Anfange und Überschriften ans U bei F. Vetter, Das Leben der Schwestern SU Töss 1906, X f. Beschreibung bei A. Peltser, Deutsche Mystik und deutsche Kunst (Studien sur deutschen Kunstgeschichte H, 21) 1899, 181 f.

*) Beschreibung dieser Hs. bei Simon a. a, 0. 31 ff.

^ Denifles Angabe XXVIII f. dass das Bdew fehle, ist unrichtig.

^etüiSIfleii

Neittij'el:<enbu<:h Mersu'im '). liesc/ireibuni/ in 0. ruit Hviuemün» s Kntaloij 2. Aht. IV (liim) 7.

f = //(.-. der Freiburger Üittveraitätsbibliothek Nr. 453, P,tp. 213 Bt. fol. (220 X 2.90 mm) 15. Jh. (BL 212'^ : 1440), in nlemannisch-schwäbischem Dialekt, das Exemplnr eollsiändig mit Re- tfisttr, VoiTede, Nachträgen und dir Bruderschaft der eu: Weiak. tnthallend; frühtr im Besitz des Frauziskam-r-Tertiarierinnmklosters zu Imigkofen bei Sigmarin<jen, dann des Professors F. K. Gries- hnber. noch dessen Tod (1866) die Hs. nach Frabviy gelangte.

H Hs. der Stadtbibliothek in Nürnberg (knU VII, 90, Pap. 173 Bl. 4" {150x210 mm) vom 15. Jh., in bagenscher Mnndiirt; sehr fehlerhaft und ohne Verständnis tjeschrieben, früher dem Dominihiner Konrad Förster von Ansbach zu Nürnberg ge- hürig. Enthält Bl. 3—66 Bdew ooUständig ; Bl. 67—123 Vita bis Schluss von Kap. 44, teils stark gekürzt, teils mit Auslmmng einzelner Kapitel (z. B. 6, 30, 33, 34, 37 usw.), wofür dann andere ah- ijeteilt und mit neuen Überschriften versehen werden'); Bl. 124 3!) Bdir; Bl. 14i> 73 25 Briefe, eine Kompilation aus Briefen des Kl (11 Nr.) und Gr Bfb (14 resp. 15 Nr.) mit den Nachträgen ;«»( A7 Bfb. Vgl. die Tabelle zu VI.

m = fis. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 819, Pap. 246 Bl. 8", 15. Jh., in bagerischem Dialekt. Der hüinlt ist, von dem fehlenden Bdew abgesehen, genau derselbe wie in N mit allen charakteristischen Eigenheiten und Abweichungen, besonders in der Vita und im Briefbuch; man ist zur Annahme genötigt, das.i ent- weder beide Hss. eine getneinsame Vorlage hatten, oder dass eine von der anderen direkt abhängt (wahrscheinlich m von N). Beschreifiung der Hs. in Sihmellers Katalog 139. Das Briefbuch der lls. m hat \V. Preger 1867 unter detn Titel: „Die Briefe Heinrich Susos >Mch einer Handschrift des XV. Jahrhunderts'^ ediert in der irr- tümlichen Meinung, darin das endgültige, von Seuse redigierte Brief- buch geftitiden zu haben (weiteres unter B).

B' = Hs. der Kgl. Bibliothek in Berlin, Ms. germ. fol. 658, Pap. 2H2 BL, 15. Jh. (zweite Hälfte), in bagerischem Dialekt, mit Bildern, aus dem Dominikanerinnenkloster Altenhohcnau bei Wasser- burg in Oberbayern, dann im Besitze Meusebaehs. Besteht aus zwei

') Cbir diteta vgl. Strauch %i, Zfi^h 1902, 338.

*) I}tr Schreiber btgründft sein Verfahren ntn Schluss lies Prologs drr Vila: doch hon ich daz peet dorami gele-icn in kortzen worteo, U'irf £/. 139": pecoatum est fieri |>er pliira, qiind pntfRt fleri per imnciora.

8* Einleitung. I. Die Überlieferung.

1 eilen: 1. BL 1 85 Heiligenleben, Teil eines PassioncUs; 2, Bl. 1 147 Vita mit Prolog des Exemplars und Bdew, aber ohne die 100 Betrachtungen, Text spät und unzuverlässig,

P ^= PariSy Bibliothique nationale, Ms. alletn. 222, Pap. 313 Bl. 4^y 15, Jh., in alemannisch-elsässischem Dialekt, aus dem Do- minikanerinnenkloster St. Nikolaus in undis zu Strassburg stammend. Inhalt: Bl. I^—IOO'' Vita; Bl. lOO'^—lW KlBfb ohne Nr. 11 {Pone me); Bl. 118^ 24^ die Bilder des Exemplars in sehr roher Ausführmig mit den Sprüchen dazu. Über den weiteren Inhalt der interessanten mystischen Sammelhs., auf die zuerst F. Vetter^) aufmerksam gemacht hat, siehe die Beschreibung bei 0. Hu et, Cataloque des mss. alletnands de la bibl. natiotiale, Paris 1895, 121 ; vollständiger und genauer bei Simon (s. o. S. 5* A. 1) a. a. 0. 27 ff.

S = Cod. ascet. 15 der Kgl. Handbibliothek in Stuttgart, jetzt {seit 1901) in der Kgl. Landesbibliothek, Pap. 233 Bl. 4^ (145x210 mm), von zwei Händen in der ersten Hälfte des 15. Jh. schön geschrieben; alemannische Mundart. Inhalt: Bl. 1^ Sprüche vom ersten Bilde; Bl. 2^—233^ Exemplar mit Prolog ohne Bdeiv. Die Bilder fehlen, aber der Platz dafür ist freigelassen. Die Hs. war früher im Besitz des Dominikanerinnenklosters Ötenbach bei Zürich laut Notiz auf der Rückseite des vorderen Deckels von einer Hand des 15. Jh.: Dis buch ist des conventz an ötenbach gentz (^ gebet es) dur got wider ; später kam sie nach Weingarten (BL 1 ** oben: Monasterii Weingartensis 1674). Bl. 233 "" steht (rot): Ge- denken t Jobannes geys (wohl Verunstaltung aus Seüs) durch got, darunter: Gedenkent durch got Jungkher Diethelms von klingen von dem band wir dis bfich.

S ^ = Cod. theol. et philos. fol. 281 der Kgl. Landesbibliothek in Stuttgart, Pap. 228 BL 210x310 mm, alemannisch-schwäbi- scher Dialekt, zweite Hälfte des 15. Jh. (BL 39'' : 1476, BL 228"-: 1475). Enthält BL 1^—39'' das Leben der seL Margareta von Ungarn^), das sich auch in der St. Galler Hs. 603 (vgl. Vetter, Viten von Tos VIII), in Cgm 750, in dei' Hs. der Nürn- berger Stadtbibliothek Cent. VI, 53, und in U (s. S. 9* und Vetter a. a. 0. XII) findet; BL 42*-— 220"^ Exemplar mit

^) Ein Mystikerpaar (s. S. 97) 57ßO Anm. 47 und 62.

*) Tochter König Belas /F, f 1271 als Dotninikanemonne. Ihre Vita ist von dtm Dominikaner Garinus 1340 veiftust, von seinen Ordensgenossen Jörg Valder und Konrad deutsch bearbeitet worden. Vgl. darüber Kaindl im Archiv für Österreich. Gesch. 91 (1902) 53 ff.; Hist. Jahrbuch 1906, 110.

Die einseinen Handschriften. 9*

Register^ Prolog und Nachträgen zum Bfb, aber ohne Bdetv; Bl. 220'' '-28'' Bruderschaft der ew. Weish. S^ ist mit f nahe verwandt ufid hat dieselben zahlreichen Fehler; dem ersten Druck von 1482 lag eine S^f 'ähnliche Hs. zugrunde (vgl, Denifle in Zfda XIX, 350 ff.).

U = Hs. der Überlinger Stadtbibliothek Nr. 22, Pap. 321 BL Jol. (210x295 mm) in alemannisch-schwäbischer Mundart, aus dem Dominikanerinnenkloster Zofingen zu Konstanz stammend, In- halt: Bl. 3*" 20 *" Gedicht von Christus und der minnenden Seele (s. oben S, 6*); Bl. 20 "^ 125'' Exemplar mit Prolog, doch ohne Bdew'); Bl. 115 ''—25'' 14 Briefe des Gr Bfb (s. unter VI); über den weiteren Inhalt der Hs. (Viten von Töss und Katharinental, Leben der sei. Margareta von Ungarn und des hl. Ludwig, Traktat von den 40 Myrrhenbüscheln) vgl. die Beschreibung bei Vetter a. a. 0. X—XIII").

H. Handschriften der Tita.

Ausser den unter I aufgeführten Hss., welche sämtlich als erstes Buch des Exemplars das Leben Seuses enthalten, sind folgende noch besonders zu nennen, in welchen sich nur die Vita oder Bruch- stücke derselben finden.

A ^ = Hs. der Universitätsbibliothek in Strassburg Lgerm. 75, Pap. 142 Bl. 4^ (145x220 mm), 15. Jh., alemannisch-elsässische Mundart, aus dem Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Kolmar stammend. Enthält Bl. 2*" 4*' den Prolog des Exemplars, Bl. 4^ bis 142^ die Vita.

M = Hs. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 362, Pap. 116 BL, von denen zwei an falscher Stelle (das 25. nach dem 35., das 36. nach dem 38.) stehen, 4^ (145x220 mm) vom Anfang des 15. Jh. oder vielleicht noch etwas früher, ziemlich flüchtig mit teil- weise stark verblasster Tinte geschrieben, in alemannisch-schwäbischem Dialekt; enthält die Vita in ganz eigener, von den übrigen Hss. ab-

^) Die Schreiberin begründet Bl. 90^ die Auslassung damit ^ dass das Bdew „sonst als wohl und gut geschrieben^ in ihrem Kloster vorhanden sei. In der Tat sind zwei Exemplare des Bächleins aus dem Zofinger Kloster noch erfialten (s. unter III F^ und FV-

*) Die ebenfalls das Exemplar voraussetzende Kolmar er Hs. Nr. 266 (sie führt das Bdw und Bfb als 3. und 4. Buch ein) wird unten unter IV auf- geführt.

10* Einleitung. 1. Die Überlieferung.

weichender Rezension, worüber unter B atisführlich zu handeln ist. BL 1 ** steht oben : assit principio sancta maria meo. Item der wnder s^es; unten am Rande von späterer Hand: das bflch von dein diener der ewigen wizhayt; BL TS"" unten (bei Kap. 38): ich han den syssen lieb von hertzen. Vgl, auch die Beschreibung der Hs. durch Strauch in Äfda IX (1883) 140.

Vollständig, aber in ziemlich verderbter Form enthalten den Text der Vita auch Cgm 4374 Pap. i^ 15. Jh. Bl. 1—129 (vql SchmeUers Katalog 449) und die 1596 geschriebene Hs. der Uni- versitätsbibliothek in München Nr. 146.

Nur im Auszug von Kap. 1 44 und zwar ganz in der Re- zension der oben angeführten Hss. N und m findet sich das Leben Seuses in folgenden drei Hss. :

Ms. Theol. 123 der Göttinger Universitätsbibliothek, Pap. 167 Bl. 15. Jh. in mittelfränkischem Dialekt (vgl. W. Meyers Katalog II, 363); Hs. dsr StadtbibliotJiek in Mainz, ohne Signatur, Pap. 15.116. Jh., ebenfalls in mittelfränkischem Dialekt (Beschreibung von F. W. E. Roth in Zfdph 26 [1894] 67 J.); Wien, Kaiserl. Hofbibliothek Nr. 3022 Pap. 236 Bl. i^ 15. Jh., niederrheinisch (den weiteren Inhalt der Hs. in Tabidae codd. If, 180 und bei Hoff mann von Fallersleben, Verzeichnis d^tr altdeutschen Hss. der Hof bibliothek zu Wien 1846, 346).

Eine Anzahl von Hss. ^) endlich enthalten Bruchstücke der Vita: Berlin, Ms. germ. oct. 69 (s. unter VI) Bl. 135 49, 264—73: Kap. 49 und teilweise 50, 11, 12, 8; Göttingen, Ms. Theol. 292 Bl. 55, 131—36 : Kap. 49 und teilweise 20 ( W. Meyer, Katalog II, 472 ff.) \ Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76: Kap. 9 (vgl. Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschen Literatur 1886, 314): München, Cgm 455 Bl. 1—6; Cgm 456 Bl. 64—70 und Cgm 457 Bl. 318—23: Kap. 13; Cgm 531 fol. Bl. 116—24: Kap. 1—9; Muri-Gries, Stiftsbibliothek Cod. 10. 157 Nr. 104, Pap. 16. /17. Jh., enthaltend Kap. 1—33 und im Aus- zug 40—49; Stuttgart, Cod. theol. et phil. oct. 19 (vgl. unter VI) Bl. 61—64: Sprüche aus Kap. 35; Cod. ascet. 203 Bl. 101, 176—82, 191 f.: Kap. 6, 49, 35.

Nach K. S chmt dts Angabe in Theol. Studien und Kritiken 1843, 865 Anm. befanden sich in der 1870 verbrannten Hs. der S trass burger Stadtbibliothek B 146 Teile d^r Vita. Eine Hs.

0 Sömtlieh Pap. und wo nicht anders angesehen dem 16. Jh. angehörend.

Die einzelnen Uaudschriften. 11*

in Privatbesitz (ür. Karl Wichnann), Perg. und Pap. iö. Jh. (1420), verzeichnet K. Roth, Deutsche Predigten des 12. und 13. Jh. 18S9, 3 Anm.

III. Handschriften des Bfichleins der ewigen Weisheit.

Die Zahl der Hss. des zweiten Buches Seuses ist Legion. Keine detn Gebiet der deutschen Mystik angehorige Schrift wurde so oft kopiert wui so viel gelesen. Bei diesem Buche ist man daher auch in der glücklichen Lage, eine Anzahl alter Pergamenthss., die in die Zeit Seuses selbst zurückgehen oder ihr wenigstens nahe stehen, zur Verfügung zu haben. Von den unter I aufgeführten Hss. des Exemplars ist das Bdew in A K R W f N B ^ enthalten, von denen aber nur A ufid K zur Rezensierung des Textes verwendet worden sind. Ausserdem sind zu nennen:

E^Hs. der Stiftsbibliothek zu Engelberg Nr. 141, Perg. 113 Bl. 4^ (118X165 mm), 14. Jh., alemannisclier Dialekt. Be- schreibung bei B. G Ottwald, Cat^logus codd. mss. in bibl. monast. Engelb. 1891, 144. Die Kapitelüberschriften und Initialen sind rot ; die Hs. ist von einer alteren gleichzeitigen und eitier jüngeren Hand des 15. Jh. nachkorrigiert worden, von lezterer ziemlich will- kürlich. Leider fehlt etwa ein Drittel des Bdew : der 2. 5. Sextern ist vollständig verloren gegangen, von dem ersten sind nur zwei BläUer übrig. Inc. Bl. V : enwoltest dv (202,12), Schlv^s Bl. 2": kiÄcegen ergie (204,2); Bl. 3'" beginnt: gerent das dv Mmelichen (240,26). Da^ Manuskript stammt aus dem Benediktinerinnen- kloster St. Andreas zu Samen, das sich bis 1615 in Engelberg neben dem dortigen Mönchskloster befand. Auf der letzten Seite stehen von zwei verschiedenen Händen eine Reihe von Einträgen, von denen die für die Geschichte der Hs. bedeutungsvollen aufgeführt seien: Lieben geistlichen frowen gedenkent ouch min Jo. frikers des alten Schribers von lucem der vch da half singen dur got. Datum circa Verene (1. Sept.) Anno domini MCCCLXXVIIP. Weiter unten von älterer Hand, welche mit der ersten korrigierenden identisch ist: Gedenkent dvr got. S. (= Swester) Elyzabeten staglin ze töz in dem kloster vnd ir vater Rfidolfes Margareten ir mfiter vnd drier ir bräder . fridrihes . otten . vnd Rftdolfes. Gedenkent 5ch eines brüders hies brüder iohans von Rauenspurg von dem man vch den mersten ^)

0 Goüwald a, a. 0. liest mensten, es hiess aber sicher mersten, woraus eint spätere Hand meysten gemacht hat.

12* Einleitung. I. Die Überlieferung.

teil ED dis Buch gab. Am der letzteren Notiz geht hervor, dass die Hs. aus dein üominikanerinnenhloster Töss stammt und in irgend- welcher Beziehung zu Seuses geistlicher Freundin, Elsbeth Stagel, die „mit solchem Fleisse und göttlichen Treuen beholfen war^% seine Büchlein zu „vollbringen^*, d, h. abzuschreiben ( Vita 109, 6 f,), gestanden hat, sei es nun, dass sie dieselbe selbst schrieb \), oder wenigstens durchkorrigierte. Die Notiz über den Bruder*' d. h. offenbar Dominikanermönch Johann von Ravensburg'^) will in ihrem zweiten Teile wohl besagen, dass aus einer von diesem nach Töss gemachten Stiftung die Kosten der Herstellung der Hs, zum grössten Teil bestritten wurden. Später kam dieselbe in den Besitz des Luzerner Stadtschreibers Johannes Fnker^), d-er sie 1378 nach Engelberg schenkte. Als älteste aller Seusehss, hat sie auch jetzt noch hohe Bedeutung,

E' = Hs. derselben Bibliothek Nr. 153, Perg. 147 Bl.

*) Dies ist Denifles Annahme (305 A. 1).

') Es lassen sich mehrere Johannes von Ravensburg nachweisen. Der eine, Sohn des Schuhmachers Heinrich von Bavensburg, war Notar oder Hofschreiber des Bischofs Nikolaus I von Konstanz (1334 44) , Laie, und starb vor 1380 (vgU Regesta episeoporum Constantiensium II, 17 J, 193; Ph. R Up- per i, Die Chroniken der Stadt Konstanz 1691, 45 ff.). Ein anderer, aus dem Ravensburger Patrisiergeschlecht dei' Huntpis ( Uumpiss) stammend, Priester und Choi'herr am Kollegiatstift Münster' (Beromünster im Kanton Luzern), ist ur- kundlich zwischen 1340 und 1369 zu belegen (Geschichtsfreund XXXII, 160; XXXIV, 352; X, 90; V, 199: dominus Joh. de R.; Reg. ep. Const. II, 333 n, 6767, vgl, n. 5994). Doch handelt es sich wahrscheinlich um keinen von diesen beiden, da die Bezeichnung »Bruder^ doch wohl auf einen Mönch, d, h. hier einen Dominikaner hinweist. Es ist daher wahrscheinlich Johann von Ravensburg, staufischer Ministeriale und Herr zu Lmvental (bei Eriedrichshafen) gemeint, der 1250 in das Dominikanerkloster Konstanz eintrat (Ereib. Diöz. Archiv 1901, 31, 47 f.) und zwischefi 1250 und 1264 bei Rechtsgeschäften umr liegender Nonnenklöster seines Ordens oft als Zeuge erscheint (Reg. ep. Const, I, 201 n. 1764: Wirt. Ürk.-Buch V, 181, 212, 215, 285, 298, 301, 360; VI, 132, 139; Zürch. Urk.-Buch III, 218, 246). Sein Name ist in dem Kalendarium eines Dominikanerinnenkloster (in Konstanz oder Töss?) aus dem 14. Jh., in der Einsiedler Hs. Nr. 623 Bl. 6^, am 20. Api'il eingetragen.

*) Joh. Eriker de Brugga (Brugg, Kanton Aargau) ist als noiarius von Luzern öfters bezeugt ; er vereicfUele 1378 auf sein Amt, nachdem er es 17 Jahre verwaltet und zog sich „in den Hof auf die Laienpf runde'* (wohl am Chor- herrnstift zu Luzern) zurück, starb am 24. Eebruar unbekannten Jahres (Ge- schichtsfreund II, 136; IV, 222; XXII, 154). Er schrieb auch die Engel- berger IIs. Cod. memhr. 125 und schenkte sie 1380 dem Erauenkloster in Engelberg (G otiwald, Catalogus 133 f.: If. Wacker na gel. Altdeutsche Predigten und Gebete 1876, 290).

Die einzelnen Handschriften. 13*

(BL 101 fehlt) 8 ® (82x 120 mm) 14. Jh., zweispaltig schon ge- schrieben in aletnannischem DicUekf, mit gefnaiten Initialen, ebenfalls aus dem Frauenkloster Engelberg-Sarnen. Die Hs, ist vom Miniator und ausserdem von einer späteren Hand durchkorrigiert worden. Der Epilog (325, 18—28) fehlt. Vgl. auch Gottwald a, a. 0. 149.

¥ = Hs. der Freiburger Universitätsbibliothek Nr. 474, , Perg. 228 BL 8^ (77x120 mm), 14. Jh. alemannisch, aus Gries- habers Vermächtnis. Zwischen 212 und 213 fehlt ein Blatt. Ent- hält Bl. l'-—223'' Bdew; 223''— 28 "^ Gebete zu Maria, die aber Seuses Stil nicht verraten, vgl. Denifle 500 A. 5. Die Hs. ist von Franz Pfeiffer in Stuttgart 28. Dez. 1842—10. Jan. 1847 ab- geschrieben und mit der Strassb. Hs. B 139 kollationiert worden; die Kopie ist jetzt in Wien, Cod. Vindob. Suppl. 2779 Bl. 1—149 (s. oben S. 5*).

F* = Hs. des Erzbischöflichen Archivs in Freiburg i. B., ohne Signatur, Pap. 136 Bl. 4 " (148 x 202 mm), Anfang des 15. Jh., alemannisch-schwäbisch, aus dem Dominikanerinnenkloster Zofingen (s. oben S. 9* A. 1). Bl. 1^-^72*' Bdew ohne Vo'mahnmig an die Abschreiber'; BL 72^ 73*^ myst. Gedicht: von armfit des gaistes (dasselbe bei Tauler 1543 f. 332% in Cgm 447 und 455, in Cod. Berol. germ. quart. 191 Bl. 170—71); Bl. 75''—133'' myst. Trak- tate (Inc.: Es ist ze wissent daz in der sei obrosten yernunft . .; Bl. 83": von luterm leben; Bl. 90 ''—102'' deutsche Stücke unter lateinischen Überschriften : de resurrectione materie hominis', de com- positione hominis, virginitas, novitas vite usw.; Bl. 108^ Maister Egghart sprach Cristus mag nit enpfangen werden in des men- schen sei . . .)•

¥^ = Hs. desselben Archivs, ohne Signatur, Pap. 191 Bl. (100x148 mm), 15. Jh., alemannisch-schwäbisch, ohne den Epilog an die Abschreiber, ebenfalls aus dem Zofinger Kloster.

H = Hs. der Universitätsbibliothek in Heidelberg, Cod. Pal. germ. 446, Perg. 110 Bl. 4"" (130x170 mm), 14./ 15. Jh., ale- mannisch-schwäbisch, geschrieben von Cfinrad von Wynsperg (Bl. IW). Beschreibung in K. Bartschs Katalog 1887, 139.

Z = Hs. der Stadtbibliothek in Zürich C 172 (früher 726), Perg. 146 Bl. 8^ (90>: 125 mm), 14. Jh.', alemannisch; drei BläUer (zwischen 8 und 9, 19 und 20, 66 und 67) fehlen. Die Hs. hat sehr guten Text und namentlich die Väterzitate am Bande am vollständigsten, eine spätere Hand hat Korrekturen, die leicht er- kennbar wid ohne besondere Bedeutung mid, angebracht. Auf der

14* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Rückseite des vorderen Deckels steht: dls buch ist des conventen in fittenbach. gebend es durch gott wider (vgl. oben S. 8*).

Zu den beachten^Hwerten alten Hss. des Bdew (sämtlich Perg.) gehören ferner folgende: Aar au, Kantonsbibliothek B 98. 1. a 14. Jh., ohne die 100 Betrachtungen^ aus dem Frauenkloster Uennetsch- loyl bei Muri; Maihingen, Fürstl. Ötfittgen-lVaüerstein. Biblio- thek III 1. 8"" 1. 154 Bl. von 1408, aus dem Kloster Kirchheim im Ries; München, Cgm 174, 124 BL, 14. Jh.; Wolfenbüttel Cod. 67. 9. Aug., 184 Bl. 8" 14. Jh., Bl. 2^^130'' (ogl. v. Heine- manns Katalog IX, 134); Zürich, Kantonsbibliothek Cod. 145^ 131 Seiten 8^ 14. Jh. aus Kloster Rheinau, unvollständig (Kap. 1 bis 15 fehlen).

Die Papier hss. des Bdew aus dem 15. Jh., soweit bekannt, seien summarisch aufgezählt: Berlin, Ms. germ. quarto 173 Bl. 2—148; 194 Bl. 3—105'); 1121 BL 1—121; 1135 Bl. 7—100 (aus dem Klosfei' Buxheim); oct. 379 (unvollständig). Angefügt sei Ms. germ. fol. 1155 Bl. 1 71 aus dem 16. Jh. Bern, Stadtbibliothek (ogl. F. Vetter in Germania 1877, 357). Breslau, Universitätsbibliothek Ils. 1 8^ 27 ton 1402 (vgl. Anzeiger f. Kunde der dtsch. Vorzeit I [1832] 282). Eich statt, Seminars- bibliothek (nach gütiger Mitteilwng von Prof. Dr. Schlecht in Freising). Einsiedeln Nr. 623 und 708 BL 122—64. Engelberg Cod. 340 (Gottwald a. a. 0. 240). St. Florian, Stifts- bibliothek Cod. XI. 276 Bl. 57—146 (vgl. Czernys Katalog 1871, 114). St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. 961 und 995. Gotha, Herzogt. Bibliothek Cod. 138^ Bl. 127—70 (aus St. Klara in Nürn- berg). — Heidelberg, Universitätsbibliothek Cod. Pal. germ. 28 Bl. 1—81; Cod. Pal. germ. 474 Bl. 1—77 und 570 Bl 1—104 (vgl. K. Bartschs Katalog 9 Jf., 144, 154). Kolmar, evangel. Pfarrbibliothek Nr. 321 Bl. 11 123 (beschrieben im Jahr- buch für Geschichte, Sprache und Literatur Elsass- Lothringens XIX [1903] 20 ff.). Konstanz, Gymnasialbibliothek Nr. 29 aus

') Enthält Bl 199*'— 212^ das Lehen des seligen Elsbeth von Beute in älterer, zuverlässigerer Version (alemannisch), als der von Birlinger in Ale- mannia IX, 276 ff. X,*81ff. 128 ff. nach einer Strassburger und Innsbntcker Hs. edierte Text. Ich gedenke es in Bälde nach diestr und der Maihinger He. III 1. 4"" 8. Bl. 254—301 mitzuteilen. In der Berliner Hs. steht Bl, 213—235 Merswins Bearbeitung von Ruyshroeks ,Zierde der geistlichen Hochzeit*. Stücke aus dem Bdetc hat Bormann »w v. d. Hagens Germania II, 172 ff. ver^ nffenilicJU.

Die einzelnen Handschriften. 15*

{fem Konsiamer Franziskanerkloster. Maihingen III 1. 4^ 5. Bl. 193—304; 1. 25. aus Kloster Kirchheim. Mainz, Seminarbibliothek zwei Hss., beschrieben von F. W, E. Roth in Germania 1892, 283 f.; die oben S. 10* erwähnte Hs. der Stadt- bibliothek in Mainz enthält im ersten Teil das Bd^w (alemannisch) von 1511. Melk, Stiftsbibliothek Cod. 72 Bl. 1—174 und Cod. 178 Bl. 1 281, beide in bayerischer Mundart (vgl. Catalogus codd.- mss. in bibl. mon. Mellicensis I [1889] 142 ff., 258). Die Staats- bibliothek in München zählt ausser dem oben angeführten Cgm 174 und abgesehen von den kleineren Bruchstücken noch zwölf Hss. des Büchleins: Cgm 352 Bl. 1—96; 403 Bl. 106—71; 405 Bl. 1—106 aus Wessobrunn; 406 Bl. 59—153; 746 Bl. 127—234 aus Tegem- see; 759 Bl. 1 102 aus St Ulrich in Augsburg (vgl. Strauch in Zfdph 1902, 236 f.); 765 Bl. 114—240 aus Fölling; 820 Bl. 1—146; 3900 fol. BL 27—69; 4275 unvollständig; 4308 aus dem 17. Jh.; Clm 15604 Bl. 218 f. aus Kloster Rot am Inn. Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. VI, 43'' Bl. 122—85; Cent. VI, 81 Bl. 1 248 aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina in Nürnberg, alte Signatur Iv (vgl. den Bibliothekskatalog des Klosters bei Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger [Collectanea Fribur- gensia IV J 1895, 133); Cent. VI, 85 Bl. 1—131. Paris, Bibliotheque nationale Ms. allem. 303 (vgl. Huet a. a. 0. 138). Pesth, Ungarische Landesbibliothek Cod. germ. 15 bezw. 14 in 12^ (vgl. A. Hartmann, Deutsche Meisterlieder hss. in Ungarn 1894, 2). Prag, Universitätsbibliothek Cod. XVI G. 25 Bl. 225—343 (vgl. Serapeum 1859, 56 f.). Raigern bei Brunn, Stiftsbibliothek Ms. Theol. 360 Bl. 4—121 aus dem Kloster St. Katharina in Nürn- berg (vgl. Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekstvissen' Schaft 1877, 353 ff.). Stuttgart, Kgl. Landesbibliothek Cod. theol. et philos. fol. 19 Bl. 1 47 mit einem gereimten Eingang in 14 Zeilen von dem Schreiber: ach höster vatter Jbesu Grist . . . (vgl. K. Bartsch, Beiträge 366); 57 Bl. 1 ff.; 4"" 98 Bl. 28 bis 80, beschrieben von K. Helm i?i seiner Ausgabe des Evangelium Nicodemi, Lit. Ve)'ein 224 (1902) IX. Wien, Bibliothek des Schottemtifts Nr. 57 Bl. 84—180 (vgl. Hübler, Catalogus codd. 1899, 58 ff.); Hofbibliothek Nr. 2974, nicht vollständig (Tabula^ cod. etc. Ilf 165). Würzburg, Universitätsbibliothek M. eh. 9. 47 (vgl, Archiv des hist. Vereins für den Untermainkreis IV, 3, 158). Zürich, Stadtbibliothek Cod. C 108' Bl. 1—122.

Nach der Vorschrift Seuses in seiner Schlussermahnung an die

16* Einleitung. L Die Überliefcrang.

Abschreiber (325,22 f,) sollten nur die hundert Betrachtungen aus dem Bdew gesondert abgeschrieben werden dürfen. Trotz der dem Zutviderhandelnden angedrohten göttlichen Rache finden sich doch in sehr vielen Hss,^) Bruchstücke des Büchleins^, so in den fol- genden: Berlin, Ms. gernud'' 125 Bl. 25—26; 8"" 42 Bl. 43—60; 69 Bl. 194-200; 8^ 364 BL 115—28. Büdingen, Fiirstt. Isenburgsches Archiv 4 Bl. Perg. 14. Jh. (vgl. Zfda X [1856] 290). Einsiedeln Nr. 645 Bl. 16—69, 16. Jh. Engel- berg, Cod. membr. 94^ Bl. 8 9. Frauenfeld, Kantons- archiv Hs. Y 80 Perg. 14. Jh. (vgl. Katalog der Thurgauet* Kantonsbibliothek 1887, 489). St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. 955 S. 251; 982 Bl. 127—67; 986 S. 135—63; 1142 S. 490 bis 624. Göttingen, Ms. Theol. 292 BL 231—32. Heidel- berg, Cod. Pal. germ. 617 Bl. 273—85; Cod. Salemit. IX, 16 Bl. 36—38. Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 91 Bl. 30.

Klosterneuburg, Stiftsbibliothek Cod. 1226 Perg. 14. Jh. Bl. 26—29 (vgl. Anzeiger f. Kumle d. dtsch. Vorzeit 1861, 310 ff.).

Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76. Krems- münster, Stiftsbibliothek Cod. VI. 184 (vgl. J. Bach im Theol. Literaturblatt 1868, 210). München Cgm 58 Perg. 14. Jh. Bl. 206-8; 215 BL 166—97; 354 Bl. 139—46; 412 Bl. 1—29; 437 Bl. 101—6; 488 Bl. 1—28; 831 Bl. 56—63; 843 Bl. 125—30; 4880 Bl. 261—69. Muri-Gries Cod. 239 Nr. 103 Bl. 1—6, 10—11. Nürnberg, German. Museum Nr. 18525 Bl.98—136.

Stuttgart, Cod. theol. et phil. 19 Bl. 34—44; 8' 24 Bl. Iff.

Besonders häufig wurde da^ 21. Kapitel des Bdew: Wie man sol lernen sterben etc. separat abgeschrieben meist von 280,7 an und mit eigener Einleitung als Sterbebüchlein verbreitet ^ so z. B. in folgenden Hss.: Dresden, Kgl. öffentl. Bibliothek M 277 Bl. 89—106 (cgi. Schnorr von Carolsfeld, Katalog II, 516 f.). Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 105 Bl. 76—90. Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 97 Bl. 7 33 (von 1560).

Mai hingen 111 1. 4'' 23. Bl. 284—96; 1. 4'' 32. Bl. 80—90.

München Cgm 234 Bl. 177—22; 622 BL 156-62; 763 Bl. 37—44; 835 Bl. 56-74; 841 Bl. 72-89. Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. IV, 36 Bl. 152-58; VI, 43''; VII, 88.

^) Wo nicht anders bemerkt sind es PapierJiss. des 15. Jh. ^) Besonders häufig Kap. 13 über das Leiden, 8) Vgl. die Änm. zu 27S,^>.

Die ßinzelnan Hiuidachrit'teTii

Von der Erlaubnis, die hundert Betrachtunt/en, irekkc ihn dritten Teil des Bdeui bilden, separat abzuschreiben und zu ver- breiten (325,23), wurde reichlich Gebrauch ijemacht '). Sie ßnden Mch in folgenden Hsk: Bamberg. Kgl. Bibliothek N. 178 Ed. Vlll <i Bl. 50—100 (lö.llfi. Jh.). Enijelber,j Nr. 15^ Perij. 14. Jh. Bl, 9 23, Freibury, Üniversitiitibibltothek, Deutsches Oebet- huch 15. Jh. 8" Bl. 37 ff. Karisruhe, Co>L Sl. Oeorg. Perfj. Germ. 41 Bl, 15 ff.; Cod, St, Fet. Pap. 9; Cod. Licht. 37 vom 14. Jh. (nur der Anfang): Cod. Licht. 99: Cod. iVomenth. 16 •■om 16. Jh. Kalmar Nr. 271 Bl. 25—38 (aus Unterlinden). Maihinyen 111 1. 4" 5. B1.1S7-43; 1.4' 41. BL250—58; 1. 8" 12. Bl 155—88. München Ggm 455 Bl. 126—48; 763 BL69—75; 851 Bl, 1—17. - Nürnberg, StadtbiÜiothek Cent, V App. 81 Bl. 23—30; Cent. VI, 86.

Die binher angefiihrfeii Usk. den Bdei" "inä mmt/ich in hoch- deutschem Dialekt geschrieben. Das Erbauuungsbuch war aber auch in Mittel- und Nieilerdeutschland nicht weniger beliebt und verbreitet und wurde namentlich im 15. Jh. sehr oft ganz oder teilweise abgeschrieben. Eine Hs. in mitteldeutscher (ItessiBcher ) Mvndnrt , Penj. von ca. 14fH>, aber nur frugmenlansch erhalten, ßndet sich im Fürst!. Hohetizollernschen Museum zu Sigmaringen, Ha. 18 (vgl. Lehner, Verzeichnis der Hst. 1872, 21); ferner zwei solche zu Giessen, Universitätsbibliothek, Cod. 778 Bl. 2—216, Perg. 14. Jh.: Cod. 852 Bl. 22—94, und eine in der BibUotheca PhiUiiinea zu Cheltenham Nr. 647 BL 1—67 (vgl, lt. Priebsch, Deutsche Hss. in England I [1896 J 60 f.). Zahlreiche nieder- deutsche und niederländische Hss. des Bdew oder von Teilen desselben in Amsterdam, Ebslorf, Flensburg, Greif swalde, Haag, Hamburg, Hildesheim, Kopenhagen, Münster. Oldenburg, Osnabrück. Rostock, üpsala, Wolfenhüttel beschreibt sehr sorgfältig Bore hiing in seinem 1. 3. , Heisebericht', Nachrichten der Oötlinger Gesellschaft ikr yVissenschaften, Beiheft 1898, 85, 103, 127, 176 f.. 243. 254 f., 289, 299, 309, 315: 19m),

'I Dits gaiehah bteönder* ujUer Atm Titel: ,Kun oder Tageeüm (nd. getidtn) von der etetgen Wrisheit^t "itt Vertfilung der Btlrachfungen auf dit finsrtnm Tag« und Hortu, wie auch M Di*peul)roek* 416 ff.

18* Einleitung. I. Die Oberlieferung.

26, 38, 40, 127, 158, 175, 194; 1902, 44, 85, 214'). Dazu kommen noch folgeiide: Berlin, Ms. gertn, fol. 76; qiAarto 172 BL 1 57 ; 553 BL 1—63; 1253 BL Iff.; oct. 346 BL 1—147 aus der Arm- waldtschen Sammlung (vgl. Jahrbuch des Vereins für nd. Sprach- forschung 1883, 132 f.); 349 BL 12—16 (vgL Jahrbuch a. a. 0.); 380 BL 1—26; 393 BL 50—87. Bonn, Universitätsbibliothek Cod. 390 vom 16. Jh. BrüsseL KgL Bibliothek Nr. 2846 (vgl. Jahrbuch a. a. 0. 132 Anm. 2; ebd. ist eine Leidener Hs. des 16. Jh. notiert). Cues, Hospitalbibliothek M 115 BL 1—67 (Beschreibung unter V). Darmstadt, Grossherzogl. Bibliothek Cod. 1847 BL 71—155 (vgL unter VI); Cod. 1956 (vgL Germania 1887, 343). Greifswald, Ms. theoL N. 8 BL 61S6 vom 14. Jh. Heidelberg, Cod. Trübner 44 BL 49 ff.; 1474 BL 74 f. Sigmaringen, Fürstl. Museum Hs. 45, 48 utid 49, alle drei Perg. vom 15. Jh.

Zum Schlu^sse sei noch auf einige verlorene bezw. verschollene Hss. des Bdew hingewiesen. Die verbrannte Stadtbibliothek in Strass- bürg enthielt deren mehrere, vgl. Witter l. c. (s. oben S. 4* A. 1) 19 f unter B 139, 140, 147, 148; G. Hänel, Catalogi liborum mss. 1830, 468 f. und K. Schmidt in TheoL Stud. und Kritiken 1843, 851. Weitere Notizen im Zentralblatt für Bibliothekswesen 1900, 421 und in Germania 1886, 336 f. Auf ,Catalogue off he library of Dr. Klose of FranckfoH a. M.' 1835 verweist Strauch, Allg. deutsche Biog^\ XXXVII, 179 (vgL ders., Marg. Ebner XVII, A. 2).

IT. Handschriften des Bfichleins der Wahrheit.

Die oben aufgeführten Hss. des Exemplars AKKWfNmSS^U enthalten auch das Bdw ; sie sind alle ausser RW und m für diese Ausgabe herangezogen worden. Abgesondert findet sich dieses Bück- lein, das wegen seines schxcerverständlichen Inhalts nicht so Mufig abgeschrieben wurde wie die übrigen Schriften Seuses, in folgenden Hss. :

B = Berlin, KgL Bibliothek, Ms. germ. quarto 191, Pap. und Perg. 398 BL (150X220 mm), 14. und 15. Jh., aus Daniel Sudermanns^) Besitz, früher in einem Strassburger Klostef*; in-

^) Zu beachten ist was Borchling, 1. Reisebericht ISO sagt: „Auszüge aus den Werken Seuses sind wohl häufiger, als man amiimmt, utUei' den ver- schiedensten Titeln versteckt,^

^ Sudermann ist geboren am 24, Februar 1550 zu Lüttich, war lauge Jahre Hofmeister bei verschiedenen Grafen und Herren in Deutschland, seit 1588 in Sirassburg y iro er nach 1631 starb: Schwenkfeldianer^ geisüicher Liederdichter

tcressaitle, mn mehreren Händen gesckriebetie mystische Snmmflhü., d«r»» einzelne Stücke (1 XLVIII rot numeriert) erst später zu- sammengebunäen teurden. Mundart: alemannisch-ehässifch, Haupt- inhalt: Bl. 1(F llij' Predigten und Lehren von Bruder Heinrich, Beichtiger zu Sckönensleinbach ( Bominikanerinnenkloster im Elmas); hl. 115'' IS' von dem Sterben des Genannten, aufgezeichnet durch seinen Ndchfolyei- Johann t>on Mentze^) (Mains); Bl. 132'— 202' Predigten und Traktate von TmUer, Eckhart, Heinrich von Löwin u. a. *); Bl. 205—16 12 Perij.-Bl. U. Jh., mgst. Traktat des Bruder Konrad von Weissenburg, betitelt „Der BamngaHen" , teilweise gedruckt in V. der Hageng Germania II, 303—10 (vgl. dazu P reger II, 51 f. und Strauch In Äfda IX, 121); Bl. 219'-— .37' Bdw mit gutem Text; Bl. 237'—76' Legenden (von der seliqen Schererin, f 1409 zu Strossburg, und von der seiigen Krüppelgreden, Klausnerin zu Konstantinopel, Barlaam und Josaphat, St. Peternelle) ; Bl. 778' bis 302r von dem Baum göttlicher Lieb und Tugettd; Bl. 352'— 91' Spräche tun Mystikern (darunter Gregor, Augustinus, Bernhard, Diongmts; div der deutschen sind bis auf u-eiiige-') von Pfeifer in Üeitnania III, 225—43 abgedruckt [vgl. dazu P reger II, HO f. und Strauch a. a. 0. 127 A. 1]); Bl. 391-— 94'- drei Predigten von Bruder Konnid von Esslingen, Provimial Wolfram ') und Lese- nieister Nikolaus von Köln (^ von Strassburg), nach der Adelhiniser Chrtmik im Freib. Diöz.-Arckiv 1880, 180—93 veröffentlicht.

C = Kalmar, Stadtbibliothek Nr. 266, Pap. 137 Bl. 4" (150x220 mm) 15. Jh., alemannisch-elsässisch, w**s Unterlinden; der Schreiber bis Bl. 60 schnitt derselbe su sein wie bei A '

(Ph. Wacktrnagd, Das deutsche Kirchenlied I, 666 ff. V, 546—676). Die zahlreichen von ihm gesammelten Hss. der deuUchtn MysUktr kamoi in dia KgU Bibliothek nach Berlin; Vtrzeichni» drraelhm und vi»» Surlermanm Sehriftett (u. a. Aufgaben von Taiüer, Ruysbroei, Eckharl, Stuf) b«i A. F. H. S chntidtr. Zur Literatur der Srhwmkfeldischtn Liederdichter bis Danitl Sudermann, Programm Berlin 1867,13 f. 17 f.

') Ein Brief von ihm (f 14ö7) in der Nürnberger Hs. Gent. VII, SO. Vgl. auch K. SchieUr, Joh. Nidtr 1885, 354 und Joh. Meytr, Ltben d'f .'ichimeniteinbachfr Schvetitrn tTiibingen, Ünivers.-Hibt. Ha. Md 456).

■) Bl. 203" unten strht schwer leeeriich: dite böcli iat lirQder .. iohans lenemeister teuschen ordens (?),

') AuffaÜtnderititisr sind gerade die Sprüche des Johannes Futertr (vgl, Vita 33,1 Artm.) ebrrgangen. Ich werde sie bei and<rer Gtlegrnheil mitttilai.

') SVohl identieeh mit bräder Wolfram finser proflncial, der in den Vilen vm T'x» <ed. Vflter 67,1) gtnauiil ist. In dei- Fr^ihurgir H». heissC er Wnl/arl.

20* Einleitung. I. Die Überlieferung. ,

(s. oben S. 9*). Enthält Bl. 2^—24'' Bdw; BL 25''— i9^ Kl Bfb (11 Briefe); Bl 49^—57'' Predigt Lectulm; 57^—60^ drei Briefe aus dem Gr Bfb: Surge aquilo, Quomodo potest und Nemo poteet (XV, XV U, XVIII); Bl. 61^—136'' von anderer, späterer Hand geschriebene Briefe und Predigten von dem Dominikaner Johannes Nider (f 1438) , götlicher kvnste meister^ seinen geistlichen Kindern (Nonnen) geschriben and gelert zu den ziten, als er leszmeister^) waz. Es sind 23 Stücke, meist mit lateinischem Vorspruch (Egredere de terra^ Exaudiat dominus orationes, Fylia confide, Adoma tha- lamuni usw.), von Sense beeinflusst, aber ohne seinen Geist^).

Eine spätere, fehlerhafte Abschrift des Bdw eniMlt Cod. aecet. 203 (4^ 15. Jh., aus dem Kloster Oggelsbeuren) in Stutt- gart BL 153 75, in welchem neben anderem sich auch Stacke V07i Taulei', Eckhart, Merswin (Ruysbroeks ,Zierde der geistlichen Hodi- zeiV bearbeitet, vgl. Strauch in Zfdph 19(/7, 124) und der Traktat von de7i drei Fragen finden. Ein kleines Bruchstück ist in Ber- lin, Ms. germ. quarto 125 BL 75 76*.

T. Handschriften des Briefbfichleins.

Von den bisher beschriebenen Hss, ist das vierte Büchlein des Exemplars in AKRWfNmPSS^UC, in Nm freilich in eigentümlicher Wrquickung mit dem Gr Bfb, gegeben. Abschriften einzelner Briefe finden sich dann und ivann, doch ohne besonderen kritischen Wert, so in St. Gallen, Cod. 1067 Bl. 235— 41 Brief III, IV, VI, VII; München, Cgm 456 Bl. 54—60 Brief VI; 843 Bl. 120^ und 123"^ bis 125*- Stücke aus Brief IX, III und II; Muri-Gries, Cod. 239 Nr. 103 Bl. 6—10 Brief III und I; Xürnberg, Cent. VII, 20 Bl. 197 201 Stücke aus Brief III und IV, In einigen anderen Hss. sind Briefe (ks Kl BJb unter die des Gr Bfb gemischt, s, unter VI.

VI. Handschriften des Grossen Brlefbnches.

Ist die Überlieferung der Schriften des Exetnplars eine im grossen ganzen geschlossene und einheitliche, da sie von Seuse selbst

\) Xider war 1426^27 Profess&r an der Universität und Lektor an der OrdtnsschuU zu Wien.

') Der 11, Brief ist an WeihnaclUen zu Nürnberg geschrieben (Bl. 109^); das weist auf 1427 oder 14:^8 hin. Von obigen Briefen Niders weiss ScJiieler in seiner umfangreichen Biographie (vgl auch seinen Artikel im KirchetHex, JX*, 342 ff.) nichts. Briefe Niders finden sich auch in Nürnberg Cent. VIT, 20, wohl auch Cent. VI, 46^, ein einzelner in Cgm 372 Bl 141—43; vgl auch Jo.stes a. a. 0. XXI A. I.

L

5le eiiuelaeB HandBcbriften. 21*

ifei/en l-hidv feinen Lebens revidiert und zur llernu^i/ai/e it^Humit worden sind, so wird bei den Schriften fÖr BfO und Predigten), deren Art der Kopierung und Verbreitung mehr oder aeniger dnn ZuJaÜ ftnheim gegeben tmr, das Bild ein fiel »lantiigfiütigeres und da» kritische Verhältnis IcotnpUzierter, Von den Briefen enthalten die einen He», nur einige Nummern, andere etwa ein Duizetid, mehrere 23—36; im einzelnen ist grosse Vfirüition, doch lässt die Aufeituinder- folge und Textgesinltung der Briefe auf ein einheitliches Schema in der Anordnunr/ und auf eine Ureorlage schlieasen. Zur Erleichterung der Übersicht ist am SchlusM diei^es Abschnittes eine Tabelle bei- gegeben, dnrch welche der Inhalt der Hsa. den Gr Bfb und zu- gleich dessen Verhältnis zum Kl Bfb statistisch dargestellt toird.

Die einzelnen Hss., von denen bisher der Forschung (Denifie, P reger/ nur der Ideinere Teil bekannt war. sind folgende:

b = Berlin, Ms. germ. od. 69, Pap. 308 Bi. JOOxHS mm, mn mehreren Händen am Ende des 14. und im 15. Jh. in aleman- nisch-elsässiachem Dialekt geschrieben, aus Daniel Sudermanns Besitz, der die Hs. mit vielen Bandglossen versehen hat, früher einem Strass- burger Nonnenkloster') gehörig. Hauptinhalt: Bl. 2' 35' asketischer Traktat, Lehren einer ,erleuchteten, grossen dottesfreundin', worin auch der Täweler, der von berSwe, von btcle zitiert werden, mit quielistischem Einschlag ähnlich der Gottesfreundlileratur , unvoll- ständig überliefert; Bl. 38'— IW Prolog zum Gr Bfb, 18 Briefe und Predigt LecttUu», meist unter der Aufschrift (rot): eine gute bredige; Brief XII ist nach derselben Vorlage doppelt abgeschrieben fs. S. 439), Nr. II und XX sind unvoUständig : Bl. 112'— 35' Traktat com .ho/tett Berge' (vgl. Denifie, Taulers Bekehrung 1879, 10); Bl. 135'-~49' und ä64'—73' Auszüge aus Seuses Vita, Bl. 194' bis 2O0' aus dem Bdew; Bl. 153" 5f>" Predigt des Lesemeisters bei den Bnrfüssern bSmirlin"); Bl. im'— 78' Brief IV aus dem Gr Bfb; Bl. 182'— 91' Traktat von der Messe; Bl. 20O'~306' Stücke aus

') Der Umttand. dnne h im Brief Audi fili I43S,1I Katheriiia ftatt Ängneae »chreibt. wtiit wohl auf das DofninihaneTinntnklotter St. Katharina bin (rgl. auch dir Anm. tu Vita 33,11, mas vitderum di« Vermulimit nahe hgf, daiis dan Bitr in 6 äbtrlieferte Testament der Miitne < Brief X X VIU) an daeseibe Kloster gesimdt tBnrdm igt.

') Konrad Bömlin ,B6mblinJ, Frantiakaner, gib. um 1380, trat in Eaelingtn in rfen Orden, 1409 LfMor tu Sch"-äb.-HaU, 1449 tu Hmlhronn r/e- tlorlrn. Vgl. über ihn K.Brthm t«i Diät.- Archiv fUr Schwatten 1904, 139 f. DriUtehe Predigtm Bömliiu ßndtn eich auch in Berlin, Ms. germ. r/uarto 194 ; KarWuht, Cod. St Blas. 71.

22* Einleitung. I. Die Überlieferung.

TauUrs Predigten; BL 218''— ^^O'' mystische Sprüche (Bl 22^: der von berowe); Bl. 230^ 43^ Leben der sei. Margareta von Ypern ff 1237), nach dem Lateinischen des Bruders Rygerus 1391 geschrieben; Bl. 248^—60^ Testament der Minne od^r Minneregel (vielleicht ron Sense).

Die Briefe Seines nach b finden sich in Abschrift von Stider- tnanns Hand nebst der Predigt Lectulus und vielen anderen Stücken aus Tauler, EckJiart und spateren Mystikern in der Berliner Hs. Ms. germ. quarto 344; derselbe hat sie darnach in einem Sammel- werk unter dem Titel: Güldene sendtbrieflf vieler Alten Oottsedigen Kirehen Lehrer : Als Johann Thaulers, Heinrieh Seüssen, Johan Greützerg vnd mehr Anderer: In etliche Theil abgeteilt vnd den vhralten Schrifften durchausz gemäsz gantz vnverfälscht an dasz Liecht ge- geben. D. S. Anno 1622 (34 Seiten 4^), herausgegeben^).

C = Kolmar Nr. 266, oben unter IV beschrieben, enthält drei Briefe, davon Nr. XVII unvollständig,

C = Cues, Hospitalbibliothek Ms. 115 (früher D 41), Pap. 118 BL fol., 15. Jh., niederrheinischei' Dialekt, Beschreibung (ungenau) beiJ, Mar,Tj Verzeichnis der Hss,'Sammlung des Hospitals zu Cues 1905, Ulf Inhalt: Bl. 1—67** Bdetv; Bl. 67'*-iyi'* vom Leiden Christi, ine: Elegit suspendium anima mea . . . (teilweise eine Na<:hahmung des Bdew und der Vita Seuses); Bl, 83"^— 113^ 26 Briefe des Gr Bfb mit Prolog und vorausgehendetn Register, in 26 Kap. eingeteilt, Br, X VII utul XX unvollständig; Bl, 113^^—18^ Predigt Lectulus.

d ^=i Darmstadt, Grossherzogliche Bibliothek Cod. 1847, Pap. 342 Bl. 8^ (100x145 mm), 15, Jh,, niederrheinisch. Beschreibung von F, W, E.Roth in Germania 1887, 341 f. Enthält Bl. 206*-— 68^ 24 Briefe, davon X, XVII, XX, XXI nicht vollständiij.

q= St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. iÜO, Pap. 319 Seiten 4^ (135x200 mm), 15 Jh,, alemannisch. Beschreibung in Scherrers Katalog 363 f. S.13—71 Traktat Audi filia über das hl. Sakrament,

^) Dei' Titel iuich A. F. H. »Schneider a. a, 0, 16; vgl. auch Denifle in Zfda XIX, 347,370, dessen Angaben durch obiges zugleich ergänzt und 6e- richtigt sind. Ein Exemplar des Druckes ist in Wolfenbiittel ; er enthält nur den ersten Teil, eben Seuses Briefe (mehr scheint nicht erschienen zu sein). Mir liegt ein Exetnplw der üniversitätsbibliotfiek Tübingen vor, mit folgendem Titel: Der Erste Theil, Inhaltend Etlich schone auszerlesene Brieff auch Kurtse Predigten, welche Herr Hainrich Seusse vor ohngefehr dritthalbhuiidert Jahren an Geistliche Juugfraweu geschrieben vnd gefertiget hat . . . abgeschrieben durch D. S. fohne Oti und Jahr).

enüaSSacti

lier in Hss. oft begeijHet (xo in Berlin, Karlsruhe, Kohiiar, Mftikingen, Nämbery, Stuttgart, Zürich); S. S2'~85' Brief Habitabit (IV); S. 137 39 und 150 der Prolog und weitere lO Briefe, von denen die meisten aber unvollständig sind, wie überhaupt g manche Spuren einer gewissen Übernrbnitung (teils Kürzung, teils Verwässerung) an sich trägt; S. I3fl und 149 50 zwei Predigt6J:3erpte % ine.: n) Jesam queritis Nazarennm . , , dien wort sprach der engel . . . h) Delicie mee . . . mir ist gar wunneklJch . .; S. 140 49 Predigt hecttUus, stark ijekürzt.

h = Cod. Heidelberg. 358, 38, Pap. 3-^6 BL, 16. Jh., in schwäbischer Mundart. Beschreibung in Bartschs Katalog 208. Bl. 3r~14' Bruderschaft der ewigen Weisheit; BL l'5'—80' 26 Briefe mit dem Prolog (Bl. 21'), davon aber XVII, XX und XXVI in der Rezension des Kl Bfb und zmi sehen hinein Bl. W 19' die Er- zäilunff von der Verehrung dei Namens Jesu und der Morgengruss (393,8—396,5); Bl. 80'—84' Vocatim est und Sprüche (396,30 bis 401,8).

m =. Cgm 819 und N = Nürnberg Cent. VII, 90. Über beide Hss. s. oben S. 7*. iVir haben tu ihnen eine ziemlich fehlerhtiße, Don einem späteren Abschreiber herrührende Zusammejtachweissung des Kl und Gr Bfb, in der Weise gearbeitet, dass auf Brief I /// des ersteren 14 Briefe des letzteren folgen, dann wieder sieben des er*teren (IV X), darauf als 35. Brief Vocatum est mit den Sprüchen, als Nr. 36 Pone me (XI rom Kl Bfb) mit der Erzählung vom Namen Jesu und Margemjruss'). Die Inferiorität dieser Überlieferung gegenüber der in den anderen Hss. des Gr Bfb liegt wtf der Hand und wird unter B (S. SU* ff.) ausführlicher nachgewiesen werden.

n = Nürnberg Cent. VI, 55, Pap. 344 Bl. 4" (150x305 mm), 15. Jh., (Bl. 319'' : 1447), bayrischer Dialekt, aus dem St. Katharinen- iioster in Nürnberg, alte Signatur E XXXVJ (vgl. J ostes a. a. 0. 134 f.). Mystische Sammeihs., darin Bl. r—37'' Augustins Hand- biichlein deutsch; Bl. 37' 66' innerliche Bede der Seele mit dem Herzen und des Herzens mit der Seele ; Bl. 67' 76' Bede Richards ton St, Viktor mit dem Herrn nach seiner gegenwärtigen ewigen Glorie; Bl. 97' 201' Von dem Leben der geistlichen Schwestern;

') Da*« sie von Beute ttammeii, viofar ihre Untgthung sprechen konnte, tri mOfflirh, aber tiiehi sehr teahrtelii^nlieh. An AHktariläUn trerdtn Augustin, Bernhard, Ohrysoitomus, Qrtgor und Ambrosive eititrt.

*) Britf Mihi aut. üt mit einem Slflci aus der ersten Predigt verbunden.

24* Einleitung. 1. Die Überlieferung.

Bl. 228''— 9(r 20 Briefe des Gr Bfb, die aber sämtlich stark be- arbeitet, teils gekürzt, teils erweitert, teils umgestellt sind; der zweite Teil von Begnum mundi steht nach Nr. XXVI, der erste nach X; in Nr. II, XI, XVII fehlt ein grösseres Stück.

R = Breslau, Domkapitdsbibliotheky s. oben S. 6*, Enthält BL 2i4^^—79'^ 23 Briefe mit Prolog, davon aber XIV Exidtet in der Rezension des Kl Bfb.

S ^= Stuttgart Cod. theol. et phil. quarto 67, Pap. 84 BL 145x205 mm, 15 Jh.^), in alemannisch-elsässischer Mundart Vom ersten Blatt ist die untere Hälfte weggerissen und zwischen 10 und 11 fehlt ein Blatt Inhalt: Bl. r^—62^ Prolog und 25 Briefe, in Abschrift^ von t. Pfeiffer in Cod. Vindob. Suppl. 2779 Bl. 158—244 (beendigt 24. März 1851), vgl. oben S. 5*; Bl. 62^—76'* Predigt Lectulus, nach deren Schluss: Explicit liber Deo gracias Amen ; Bl. 77"^— 84^ von späterer Hand geschrieben und nachträglich angeheftet drei Predigten Tatders, Frankf. Ausg. II, 323 ff, 397 ff^ III, 133 ff.

s' = Stuttgart Cod. theol. et phil. oct. 19, Pap. 176 Bl. 100x150 mm, 15. Jh., alemannisch-schwäbisch. Bl. 17^ 49"" und 136^— 37"^ sechs Briefe aus dem Gr Bfb; Bl. 92 f. Meister Eckharts Wirtschaft zu Köln; Bl. 125 ff. von zwei Predigern und einer MüUerin; Bl. 127 ff . von 12 Meistern zu Paris; Bl. 133'' -35^ die Klagsprilche des leidenden Menschen (397,9 ff.).

U = Überlingen Nr. 22, s. oben S. 9*. BL 115*' 25"^ 14 Briefe, davon Nr. II nur zur Hälfte.

Z = Zürich, Stadtbibliothek Hs. C 96, Pap. 139 Bl. 4^ (145x210 mm), 14J15. Jh., alemannisch -schwäbisch. Beschreibung der Hs. bei Vetter, Ein Mystikerpaar 59 f. A. 62; Preger, in Zfda XX, 374 f. , vgl. seine Ausgabe des Minnebüchleins (s. S.537) 441 A. 1. EntMlt: Bl. r -4P 21 Briefe des Gr Bfb mit Prolog, davon Nr. XI und XVII unvollständig, II in zwei getrennten Hälften (die zweite erst nach XIX); Bl. 63^ 75"" Minnebüchlein Seuses, jiach dieser (einzigen) Hs. von Preger (zugleich mit den nicht von Sense stammenden Gebeten Bl. 75''— 80^) und in dieser Ausgabe ab- gedruckt. Weitere Stücke aus der Hs.: Bl. 100^- -lor Brief eines Gottesfreundes, 1W 2P ein gfit lere des Tälers (schwerlich echt!), 12r—22^ Brief Taulers (0, 122^—22^ Sprüche sind bei Preger,

') Deniße Zfda A'iA', 3Ö7 nimmt wohl mit Unrecht daa 14, Jh. an. ') Wie die ühi'igen ßüclUig und ungenau gemacht.

Die einzelnen Handschriften. 25*

Mystik III, 411 ff. ediert, Bl. löP—S^ ist ein Brief elfter Gottes- freundin, in verderbter Form gedruckt bei Tauler 1543 f. 329^.

Endlich sind noch zu erwähnen einige Hss. von geringerer Bedeutung, welche nur den einen oder andern Brief aus dem Gr Bfb enthalten: Berlin, Ms. germ. quarto 125 BL 74 75, St. Gallen Nr. 965 S. 134—35 (vgl. Simon a.a.O. 17) und Cgm 447 Bl 27*" 27^ haben ein Stück am Br. XI Audi fili; Berlin, Ms, germ. quarto 149 Bl. 75*'— 77" Br. XII Nigra sum (des 8&sen bredige), Bl. 125*' ^27'' Br, XXVI Pone me; Ms. germ, quarto 182 Bl. 30 bis 40 Br. XXVI, III und II (von allen aber nur ein Stück und fnit geänderter Einleitung). St, Gallen Nr, 1014 (vgl. Sbherrers Kenalog 386 f.) S. 89 116 Br, X Bevertere, aber nur den Anfang davon, der mit dem Traktat ,von rechter, wahrer, sicherer AndachV ') zusammengefügt ist. Göttingen, Ms. TheoL 292 (vgl. oben S. 10*) bl. 137*"— 47*" Br, XII Nigra sum in ziemlich fehlerhaftem Text (als g^ bei der Edition 439,9 f. benutzt). Die verbrannte Strass- bürg er Bs. F 128 enthielt 23 Briefe in der Reihenfolge von s, als vorletzten aber den Br. Exivi (XXIII), der in s fehlt (P reger in Zfda XX, 375).

Die folgende TabeÜe soll die Überlieferung den Gr Bfb in den wichtigeren Hee.y natnenüieh die Aufeinanderfolge der eineeinen Briefe veranschaulichen. Die sughich im Kl Bfb enthaltenen sind gesperrt gedruckt, die beigeg ebene Z(M (in runder Klammer) zeigt ihre Reihenfolge an. Eckige Klammer bedeutet, dass der betreffende Brief in der Hs. in der Rezension des Kl Bfb enthalten ist, der Asterisk, dass ein Teil desselben fehlt. Brief XK VIII (Testament der Minne) ist, weil nur in b sich findend, weggelassen. Zu bemerken ist noch, dass h Bl, 61 ^ und 66 *" eine Notie hat, womach Br, XXI (In omnibus) und XXVI (Pone) fälsch eingereiht sind; ersterer sollte eigentlich nach XIX (Chri- ttus), letzterer nach XXV (Mihi autem) stehen.

^) Kommt häufig in Hss. vor, so in Berlin, Ms. germ. 4^ 174: Karls- ruhe, Cod. St. Pet. 19; Kolmar 268; Cgm 457; Nürnberg Cent, VI, 43^ (Bl. 274 ^ steht am Rande : Eberhart Madach [Dominikaner prior in Nürnberg 1425—28, vgl. Schieler a, a. O, 73 ff.]) : VI, 100,

26'

Einleitung. I. Die Überlieferung.

Übersicht Ober die Oberlief erang des Grossen Briefbaehs.

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e ernaeffieir'fen^icfinuenr^

^^pm. Handschriften der Predigten. Da» Minnebüchlein.

Nur die erste Predigt Seuses ist in reicMicket- Weise überliefert, toas wohl mit der besonderen Wertschätzung susammenhünfft, deren sie sich bei ihm selbst (131,28 f.) und bei anderen Gottesfreunden enrfreule; sie begegnet öfters (so in f/Ccgs) unter den liriefen und erscheint gleichsam als zu diesen gehörig. An der Verbreitung der übrigen Predigten lag Settse wohl wenig, und daher sind sie nur mangelhaft erk'dten. Dabei tritt die auffallende Erscheinung zu- tage, dass für Predigt 2 4 fast nur mittel- und niederdeutsche Hss. in Betracht komme». Es lässt sich dien wohl nur damit er- klären, dass einerseits das Nach- und Abschreiben homiletischer Er- zeugnisse der mystischen Literatur im 14. und 15. Jh. in Mittel- und Niederdeutschlnnd (Niederrhein) ganz besonders im Schwünge war, andererseits die überragende Kraft und ' Auktorität Taulers als Prediger diejenige Seitses in den Hintergrund gedrängt hiit. Schon frühzeitig wurden die Homilien des letzteren immer von der ersten abgesehen mit denen Taulers vermengt. Es ist wohl möglich, dass eine sgstematische Durchforschung und stilkritische Untersuchung der Ttiulerüberlieferung neue Predigten Seuses zutage fordert oder wenigstetis eine bessere Baats für die Tejtesrezensienmg der be- k<mnten schafft; diese Arbeit lässi sich aber nur im Zusammenhang mit einer kritischen Taulerausgabe unternehmen.

1. Die Predigt Lectultis ist in folgenden Uss. enthalten:

b = Berlin, Ms. genn. oct. 69 Bl. BS'—tll' (s. oben 8. 21*).

b* = Basel, Universitätsbibliothek Hs. B XI 23, Perg. 226 BL lß°, 14. Jk Beschreibung bei H'. IV ackernaget. Altdeutsche Predigten 547 f. Enthält S. 314— 6fi die Pr. Lectulus, welche nach dieser Vorlage bei Wackcrnagel a. a. 0. 552— ßl abgedruckt ist. Die S. 172 314 vorangehenden Gebete zu den Tagzeiten und zur Kommunion ßei Wackerjuigel 5til 83) verraten nicht Seuses Stil.

C Kalmar 206 Bl. 49' —57' (s. oben S. 19*f.).

c = Cues, Ms. 115 Bl. 113'^— 18" (s. oben S. 22*),

g = St. Gallen. Jl/w. 970 S. 140—49 (b. oben S. 22* f.).

' m = Cgm 819 und H = Nürnberg Cent. VII, 90 haben nur

? Btäck aus d-er ersten Predigt (vgl. S. 495 «. ob. S. 23* A. 2).

n'= Nürnberg Cent. VI, 43', Pap. 298 Bl. 4", 15. Jh., bwjerischer Dialekt, ans dem Kloster St. Katharina in Niirnberg. Bl. l-r.-i Traktat i'om U. Sakrament (vgl. oben S. 22*); Bl. 53-136 Buch von wahren Tugenden Alberts des Gr.; Bl. WO 6'7 Stücke aiu dem Benner Hugos von Trimlerg; Bl. 248 Pr. Lectulus.

28* Einleitung. I. Die Überlieferung.

S = Stuttgart, Cod. theol et phil quarto 67 Bl. 62^— 76"* (s. oben S. 24*), Abschrift von Pfeiffer in Cod. Vindob. SuppU 2779.

Weiter findet aich die Predigt Lecttdus, meist mit minder- uertigeni Text, in folgenden Hss.: Bamberg Nr. 178 Ed. VIII 6 (Katalog von Leitschuh 1, 330 f) Bl. 1—22. Berlin, Ms. germ. quarto 149 Bl.77''—84%' 174 Bl. 138''— 48%' 580 Bl. 1—8; 1094 BL 102 "^ lO'' niederdeutsch (vgl. Jahrbuch für nd. Sprachf 1884, 36). München Cgm 447 Bl. 86—92; 456 Bl. 90—116. Münster, Kgl. Bibliothek Nr. 501 Bl. 7 28, moderne Abschrift einer älteren Vorlage (vgl, Katalog von Stände r 110). Nürnberg Cent VI, 43^ Bl. 135*' 45"^, im Verlaufe aber stark abweichend. Stuttgart, Cod. theol et phil. fol. 155 BL 264—72 (aus dem Dominikanerklostei' in Rottweü; vgl. auch Denifle Bvga XI). Zürich, Stadtbibliothek' Hs. B 2231730 enthält ein Bruchstück der Pr. Lectulus (vgl. Wackernagel a. a. 0. 259, 552, 558 ff.). Die Strassburger Hs. A 88, welche ebenfalls die Predigt hatte (vgl. K. Schmidt in Theol. Stud. und Knt. 1843, 856), ist rerbrannt.

2. Die zweite Predigt ,Miserunt Judaei^ (Echtheit zioeifelhaft!) ist handschriftlich fast nur mittel- und niederdeutsch erhalten:

b^ = Berlin, Ms, germ. oct. 329 y Pap. 348 BL, 15. Jh., nieder- deutsch, aus dem Kloster der Franziskanei'tertiaren in Aachen. BL 114 56 Collacien von Joh. Brinckerink; Bl. 118 J^. Stücke aus M. Eckhart; BL 274''— 8P Pr. Miserunt.

g^ = Gi essen, Universitätsbibliothek Nr. 850, Pap. 239 Bl.

fol.y 15. Jh. (Bl. 239*': 1460), mittelfränkisch. Beschreifmng in

V. Adrians Katalog 251 f. BL 1-167 der Seelentrost; BL 194 ff.

229 ff . Predigten von Tauler; BL 205 29 Marcus von Lindawe

über die zehn Gebote; Bl. 235 ^^ 39^ Seuses 2. Predigt.

r = hs, der Gymnaßialbibliothek in Rostock, unsigniert 8 BL 4 ^, 15. Jh., niederdeutsch. BeschreibuTig und Abdruck im Jahr- buch f nd. Sprachf orschujig 11 (1877) 11 18.

Dieselbe Predigt ist nd. auch in Brüssel, Bibliotfieque royale Cod. 14688 y Perg. 14. Jh. Bl. 93*' llti*'; genaue Beschreibung der Hs. bei Borchling, 1. Reisebericht 268 ff,, mui von Priebsch in Zfdph 1904, 58 ff. Ein Auszug aus der Predigt Einsiedeln Cod. 708 BL 6 ''—8*' (alemannisch).

3. Die dritte Predigt ,Exivi a patre' (ob echte") war bisher nur in dem Taulerdruck von 1543 bekannt und ist darnach S. 518 -ff, abgedruckt. Nachträglich wurde ich auf die Taulerhs. Cod. Vindob. 2739, Perg. 14. Jh. niedsrrheinisch, aufmerksam, welche die Predigt

Das Handschriftenverhältnis. Weise dieser Ausgabe.

I. Das Leben Senses.

Für den Frolo;/ 'ie,s Ej'emptin:-^ , der der

Art und

Vita iQrnuü'jeht, lie auch RVW

Exivi Bl. 79''— e?"* enthält; eine Kollation dieser H». folgt in dm Nachträgen. Jn dendben Hs. Bl. 67** 92" findet sich unter Seases Namen die vierte Predigt ,Heruni relinquo'; benutzt wurde eine Ab- «ciirift von J. Haupt in der ]yiener Jis. Suppl. 277'.» lil. 347'-— 5ff (cjl. oben S. 5').

4. Das Minnebüchlein ist aüein in z ^ Hg. der Ziirickcr titadtbibliothek C Ofi Bl. tf3'-75' überliefert (t. oben S. 24*).

und a ^ erste Ihvckausgahe Seuses, Auqsburg 1482; die letztgenannten Hsg. und der Druck weisen sämtlich sehr rerderbten Text auf.

Für die Heistdlung eines guten Textes der Vita^) sind vor uilmn AA'KMPS, subsidiär auch B'NIiS'UWf zu benützen. Von A und M sind die Varianten vollständig in de» kritischen Apparat aufgenommen, um ein genaues Büd ton diesen Has. zu geben, von K die meisten, roti A'PS die bedeutsameren, von den übrigen Hss. und mn x, die sämtlich von Fehlem und Verderbnissen tnimtn^n, konnten nur in eineebten wichtigeren Fällen die Lesarten verzeichnet werden. Übrigens ixt bei den ersten Kapiteln das gilt auch für die folgeiiden Schriften Scvses ei» reichlicherer Viiriantenapparnl beigegeben, der in der Folge auf das Nötigste beschränkt wird.

iVeiUius den besten, wenn auch nicht fehlerfreien Text bietet A, welche Hs. daher zugrunde gelegt ist. A zunächt stehen in bezug auf die Güte der Überlieferung K und S, dann folgen A'MP mit schon sehr vielen Fehlem und Lakunen. A zeigt rerhältnisniäsmg die nächste Verwandtschaft mit S, S mit P, ohne dass jedoch auf direkte Ab- hängigkeil zu schliessen wäre; APS bilden eine zusamtnengehSrige Gruppe, wie eine Anzahl gemeinsamer Lesarten und auffallender Auvlassutigen zeigen (z. B. 49,13.38; 5f>.8; 72,80; 83,14; 126,5;

') Diere Ätugate sahlt nur 53 Kapitel, Denißr Ö6, Di^mlroek ,^7 and der irnte Druck 59. Ute baten He», markiei-en bei 8,4; Ü(>,U4: 140,16 ru>nr finen AbeaU, aber kein neue» Kapitel; Hn aolcht« wird »otist immtr durch tigene Chernekfift ijrketinzeirlini-t.

30* Einleitung. I. Die Überliefemng.

145,18; 158,24 usw.). Femer stehen unier sich in gewisser Beziehung die Hss. A und A^, K und M, SP und M, besonders aber M und A^^ die eine Reihe, allerdings meist minder icichtiger Lesarten gemeinsam haben; in der Hauptsache gibt A^ die Textgestalt von A wieder, wie es auch den Prolog des Exemplars enthält, der in M fehlt.

Wie man sieht, ist das Hss.-Verliältnis ein kompliziertes und daher auch nicht möglich, in allen Fällen eine sichere Entscheidung über eine bestimmte Lesart zu treffen; eine gewisse Bürgschaft für die Zuverlässigkeit des Textes bieten die Gruppen AA^K, AKP, KMP, besonders auch A^KMol gegenüber von APS. Jedenfalls ist es aber in dieser Ausgabe gelungen, den Text gegenüber Denifle an nicht wenigen Stellen zu verbessern.

Eine gesonderte Betrachtung fordert die Hs, M. Sie zeigt an zahlreichen Stellen tiefgreifende Äiiderutigen , Auslassungen und Zusätze^), welche unmöglich alle von blosser Schreiberwillkür her- rühren können und somit dazu nötigen, die Entwicklungsgeschichte des Vitatextes zu untersuc/ien. Diese Verschiedenheit von M gegen- über den übrigen Texteszeugen ich nenne sie A-Gruppe nach dem Hauptrepräsentanten hat Anlass zu einer heftigen Kontroverse zwischen Preger^) und Denifle^) gegeben. Erster er behauptete, A und seifie Trabanten stellen die erste, M die letzte, für das Exemplar bestimmte Redaktion der Vita dar, letzterer, dem sich im wesentlichen auch Strauch*) anschloss, trat mit Entschiedetiheit für die Priorität von M ein.

Es kayin nun aber, vollends auf Grund des durch diese Aus- gabe erschlossenen reicheren Materials, kaum mehr einem Zweifel unterliegen, dass die Pregersche Hypothese durchaus verfehlt ist. Wenn zwei Redaktionen der Vita zu untencheiden sind, so kann man in M nur die erste sehen; das hat Denifle, der überhaupt über eine gründlichere Kenntnis d^^r Hss. verfügte, siegreich nachgewiesen. Ausschlaggebend ist allein schon der Umstand, dass sämtliche Hss. der Vita, welche das Exemplar enthalten oder wenigstens voraussetzen (im ganzen ca. 20), samt den Drucken die Rezension von A auf- weisen; es wäre aber doch ein merkwürdiger ,ZufalV zu nennen, wenn gerade das für das Exemiüar bestimmte Leben Seuses aussei*-

*) Dieselben sind weder hei Denifle noch bei P reg er (s. folgende Änm.) vollständig aufgeführt,

«) Zfda XX (1876) 406 ff,; Gesch. d, d. Mystik II, 310 ff, ^ Zfda XXI (1877) 126 ff,; Smse XVIII— XX, *) Afdn IX, 138—40,

Das HdinlachrittflnTerhSItiiW.^

hiUb desaeliien geraten, dm nicht für die Veröffentlichung vorgesehene dagegen in das gerechte' Exemplnr ( Vita i,0) gelangt itiir«'). Wtittre Gründe werden im folgenden Erwähnung ßnden.

Ist es nun alter unumgänglich notwendig, anzunehmen, dani^ Seuse seine Biographie zweimal redigiert habeY Vor allem ist zu nagen, dasa der Text von M öisher ziemlich überschätzt wurde; er ist weder so alt noch so gut, wie Denifle und Preger meinten*). Eine Prüfung lUs Variantenapparates zeigt, dass der Schreiber von M nickt ufort und fort den grösslen Fleifs"') aufgewendet hat, sondern sich zahllose Nachlässigkeiten zu Schulden kommen Hess. Oft hat er bei schwierigeren mystischen Partien den Sinn nicht mehr ver~ »landen, irie dies bei späteren Abschriften gewöhüich der Fall ist (so z. B. 164,13; 165,17; 167,5; 168,15. 24; 170,12. 19; 174,23; 175,26 usto.), häußg macht er Änderungen und Zusätze, um das Verständnis zu erleichtern (z. B. S,3; 10,llf.; 21,6; 46,5f. 60,6; 62,12 f.; 67,6 f. 10; 70,7 usw.), wobei aber äfters etwas ganz Un- geschicktes*) und Sinnloses herauskommt (so 12,10; 16,9; 37,15; 34,17; 77,21; 83,20 ff.; 105,26; 108,9; 111,3 usw.); Überhaupt ist die Tendenz zur Ertedterung d. h. Verflachung und Vertcässerung des Textes hervorstechend (z. B. 50,8; 57,4; 59,23; 66,4 f.; 70,3; 73,18; 7 5,14 f.; 77,25; 86,23 f.; 87, 23 ff. usw.). Man sieht sich nuf drund von alle dem zu der Annahme genötigt, dass in M bezui. nein&r Vorlage nicht so fast die Hand eines Abschreibers, als die eines Bearbeiters tätig war.

Daneben weist aber M manche Spuren höheren Alters auf Zusätzen gegenüber der A-Gruppe, die nach Ausdruck und Inhalt HO echt susonisches Gepräge tragen, dass sie nicht als Interpolationen angesefien werden können''). Bei 15,4 und 82,11 f. Hesse sich der Aunfail eines Satzteils allenfalls durch Homoioteleuton erklären, nicht aber bei 133,lf. vnd 159,13 f. Es ist kein Grund abzttsehen, warum hier Seuse bei einer ziceiten Redaktion sollte gestrichen haben;

') Dit VtitmUuiiff Freggrs II, 34^ ff., Setue aei durch dm Tod gehindert u-orrfen, stin vierteilige» Werk tu einem Bande tu im-einigen, und wn Schreiber I dann MUfaÜig die faUche Vita in Ana Exemplar at^genommeti, int doch mcbl and datu schon durch den Prolog hinrtichmd teiderUgt. ') Vgl. dagegrn da» voreiehtigere Urteil Strauche a. n. 0. 140. \ ») Denifle, Zfda XXI, 131. •) Darunter gehört auch 59,2ä die Anselrung eines ntiim Kapitrh mii astenden Überschrift: Wie er siuli ajuig hielt. I *) Ich hnbil diaielbni in <Ü_ ^ gt4eW.

32* Einleitung. I. Die Überlieferung.

mindestens ebenso plausibel ist die Annahme, dasa schon im Arche- tt/pus der A Gruppe die Auslassung durch ein Schreiberversehen geschah.

An einer Anzahl von Stellen hat M Sonderlesarten von ge- ringerer Bedeutung, die zwar gegenüber von A und seiften Anhängern ursprünglißh sein können, aber keineswegs sein müssen und es meines Erachtens auch nicht sind, da sie sich ungezwungen aus der schon konstatierten Art des Abschreiber-Bearbeiters erklären lassen (so 12,14; 50,27; 51,10; 62,15; 80,22; 86,25; 88,9; 99,3; 100,30; 103,10/,; 118,24; 126,20; 135,32; 143,32 f.; 158,25; 168,3; 172,6; 177,23; 179,32; 180,1).

Vo7i besonderer Wichtigkeit ist die Lesart von M 18,11 f.: daz (nämlich das Gebet Anima niea) er do schreib an dem nach- genden briefbfichlin (vgl. auch A^ in den Varianten) und der Zu- satz 155,7: als an dem nüwen briefb&ch(l)iDy daz hie ze hindrost och stet, aigenlich ist geschriben. Der M-Text kann an dieseti Stellen, wie auch Preger^) sah, nicht von erster Redaktion her- rühren, denn er setzt ja das abgeschlossene Exemplar voraus, aber auch nicht der zweiten, endgültigen Redaktion bei Veröffentlichung des Exemplars angehören, denn sonst wäre es unerklärlich, warum alle anderen Hss., von M und teilweise A^ abgesehen, berichten, Seuse habe den Morgengruss nur an „etliche'' neue d. h. gekürzte Brief" büchcein geschrieben (18,12). Diese Nachricht muss aber richtig sein, denn keine alte Hs, enthält den bezw. die Zusätze (vgl. Anm. zu 393,6). So bleibt nur die Annahme einer Interpolation übrig, die auch von Denifle^) und Strauch^) gemacht wurde und zu dem Charakter vo7i M gut passt. Dies gibt uns aber das Recht, auch den ungeschickten Zusatz in M 175,21: als da vor gesait ist als eine spätere Einfügung zti betrachten.

Einem Schreiber-Bearbeiter y der sich solche Eingriffe in den Text erlaubt, wird man auch Auslassungen zumuten dürfen. Vita 63,14 ist in M der Name Anna weggelassen und der Satz entsjyrechend geändert, 64, 1 65,3, enthaltend die zweite der Anna gewordene Offenbarung samt der Rosenvision, fehlt. Mit Sicherheit ist hieraus weder auf erste noch auf zweite Redaktion zu schliessen: Seuse konnte ebenso gut nachtragen als tilgen^). Imtnerhin spricht mehr

') Zfda XX, 407,409; Mystik II, 311 f.

2) Zfda XXI, 128,137.

«) A, a. 0. 139,

*) So auch Strauch n, a. 0,

für Drnißes Auffassung, da es jn, wen noch lebende Anna JOickidcht ttehtnen Namen wtyzulassen ; zudem int Kap, 37 genannt, ieelche wahrscheinlich mit der

n der Sc'hri/UUller auf die wollte, f/enütft hätte, ikreti auch in AI tine Anna Kap. 2'^ erwähnten identisch

ist. Aber auch Deiiißes Annahme, M verrate hier die erste Redaktimi, iH nicht zwingend, denn es konnte atick der Schreiber Pon M den Te^t an der ersten Stelle ändern und an der zweiten die beiden Er- zählungen streichen, ohne dass irir den Grund Jiiefiir mu erkennen vermöchten; vielleicht geschah das letztere deshalb, weil in Kup. 34 zwei aknlichK Erzählungen folgen. Ganz ähnlv-h liegt der Fall auch in bezug auf den in M fehlenden Passus von dem ,Heuen Biichlein', das in den Rhein fiel itil,li 13), und bei den kleinen Auslassungen 51,2—4 nnd 8ö,lS—l'J.

Am tiefsten einschneidend und für unsere Frage am leichtigaten sind die Abweichungen von M in Vita 130,1 ff. und 177, t ff'. Am ersleren Ort bringt die Hs. statt der allgemeinen Andeutung, dass Seuses so schwer verleumdete Unschuld sich herausgestellt habe, die ganz konkrete Xachrii-ht, der Ordensgeneral and der Provitizial von Teutonia hätten die Sache genau untersucht und alks als böswillige Verleumdung erkannt usw.; ausserdem ist die folgende. 10 Zeilen umfassende Erzählung oon der Erscheinung eines Freundes, der Jenem früher Unrecht getan, gestrichen. Auch hier stehen mir vor der Alter- native, Streichung des interessanten Zusatzes in A, oder spätere Hin- zufägung in M anzunehmen. In der Tat möchten Dentfle*) und Strauch*) din Zusatz der ersten, Preger'^) der zweiten Redaktion zuweisen. Aber wahrscheinlich ist keine der beiden Annahmen richtig. Kinmal finden wir in jenen Worten Seme« sonst so leicht erkennbaren Stil nicht wieder, die Ausdrucksuvise klingt fremdartig ') und sehr nüchtern, sodann ist Preger zuzugehen, d«ss Seusc, wenn er einmal Keine Ehrenrettung durch die höchsten Instanzen des Ordens in trockenen Worten niederschrieb, sie schwerlich in der zueilen Hedoktion wieder getilgt hätte. Daher empfiehlt sich auch hier wieder die An- nahme, dass ein Unbekannter die Interpolation gemacht und die Änderung vorgenommen hat. Seuse selbst hat sich wohl in bescheidener Zurückhaltung mit allgemeinen Andeutungen begnügt, seine Un-

') Zjda XSJ, 13uf. ') A. a. U. 139 f.

■) Zfd-i XX, 4ob; Mystik II, 314 jK *) Aueh Strauch a. a. O, ßndet die Les n freschmitct totit aneielienih-r. Isnticha Soh ritten.

I A pottincher und für

34* Einleitung. I. Die Oberlieferung.

schuld ist ja Voraussetzntiy der (janzen Erzählxnig! nach seinem Tode aber hat ein mit den Verhält ninsen Vertrauter ^ vielleicht ein Ordensgenosse im Ulmer oder Konstanzer Konvent^ die Notiz ein- gefügt Anregung dnzu mochte ihm die Befnerkung (126^13 f.) über das Kommen der Ordensoberen (nach Konstanz) gebeny die von selbst dem Leser die Frage nach dem Ausgang der Untersuchung auf die Zunge legte; die anschliessende Erzählung über die Erscheinung dt» verstorbenen Freundes konnte dann als entbehrlich wegfallen.

Wer den Text zu Beginn von Kapitel 51. wo über die Gotteserkenntnis gehandelt wird, nach der A-Gruppe und M mit einander vergleicht, erkennt unschwer, dass hier eine einschneidende Änderung in ganz bestimmter Tendenz vorgenommen tcorden ist. Während in M nach dem Vorgange Bonaventuras, der hier als Quelle dient (vgL den Nachweis in den Aiimerkungen zu 176,11 ff.), und Meister Eckharts^) dargetan wird, dass Gott das primum cognitum sei und dieser Gedanke dsn ganzen Abschnitt beherrscht, wird in A der Frage nach dem Ersterkannten ausgewichen und der Ged/wken- gang in recht gezwungener Weise dahin gewendet, d/iss Gott nicht in die zerteilten Weseji aufgehe, sondern der Enthalt aller Dinge sei ^). Kein Zweifel, dass der Text in M besser fliesst und den Ein- druck d^r Ursprünglichkeit macht. Daher meint Denifle% das Hervorgehen des Textes von M aus A lasse sich in keiner Weise begreif euy wohl aber umgekehrt; anfangs habe sich Sense fast sklavisch an (las fünfte Kapitel des Itinerariums gehalten, später aber, als er daranging, die Vita zur Veröffentlichung vorzubereiten und die schwierigen mystischen Fartien dem Provinzial Bartholomäus vorlegte {Prolog f)jlSff.), habe er den Text „so gut es ging^ geändert, weil

') Vgl Denifle in seinem Archiv II, 619 f.; 587,21: 600,15; 606,6.

*) Vgl Denifle, Zfda XXI, 131 f. Der Versuch Pregers II, 317 nachz uteeisen, dass zwischen A und M kein wesentlicher Unterschied besiehe und dass die letztere Hs, und Bonavefitura Gott nicht für das ErsierkawUe halten, verrät so wenig Ke^intnis der scholasiischtn Terminologie, dass er als ganz verfehlt nicht weiter zu berücksichtigen ist. Vgl auch Denifles scharfe Zurückweisung im Archiv II, ö2t) A. 1, 587. Dass die Lehre der älteren Franzis- kanerschule von der ,cognttio in rationibus aeternis^ mit der thomistischen Lehre nicht harmoniert, die Herausgeber des Itinerariums fs. Anm. zu 176,6), Scholion p, 487 ff . suchen vergebens Bonaventura und Thomas in Einklang zu bringen hat new'rdings lichtvoll und überzeugend M. Grab mann, J)ie philosophische und theologische Erkenntnislehre des Matthaeus von Aquasparta (=^ Theoh Studien der Leogesellschaft H, 14) 1906, 56 ff. gezeigt (S. 60 f. über Bonaventura). Vgl auch Krebs, Meister Dietrich (s. S. 328) 124 ff.

'-') Zfda XXI, 131 ff.

Das HandachrifteiiTerbältiiiÄ. Art am! Webe ilifscr Aiwgalio. 35

jWie Xe/ire der im Orden slren;/ rorgeschriebeaen ') tltomististhen Doktrin widersprach.

Die Lösuni/ den Problems ist sicher eine ansprechende, wemi- gleich nicht rille Bäteel schwinden. Auffallend bleibt dann immerhin, tBarum Seuse bei seiner „ängstlichen Furcht" (Deniße) nicht besser dafür sorgte, dass die Spuren der anstüsxiyen Lehre verschwanden, und u4e er überhaupt dazu kam, in dieser wichtiyen Frage von Tkonuie, den er so hoch schätzt und dessen Gegner er so sehr tadelt (Vita 180,16 f., Hör. 151 f.), abzuweichen^ Doch wird man die Möglichkeit nicht leugnen können, dass er trotsdem jene Theorie, die sich auf die Auktotität des grossen Angitatinm stützte und von einer Reihe von Theologen seiner Zeit, vor allein von seinem Lehrer Eck- hart, vertreten wurde, adaptierte und in seiner mystischen Spekulation anfanglich zum Ä^mdruck brachte. Viel schwerer wird man zu der Annahme greifen, und sie bliebe allein nodi übrig dass etwa auch hier der tnteipolator Bon M, der die Notiz 130,lff. einfügte, seine Hund im Spiele hatte, indem er sich angetrieben fühlte, den Text der Vita nach Bonaventuras Itinerarium, von dem Seuse so plötzlich abweicht, zu ändern und zu ebnen.

Dofi BeSMltat dieser Untersuchung ist demnach folgendes: wohl nur in bezug auf deii Anfang den 51. Kapitels kann man mit ziem-

') Auf dem Gtntmliapilel von 1378 irurdtn dir Dominikaner streng auf dir Lthrr des hl. Thomat twn Äq^uin verpflichtet und eugltieh eigene Inq^uisilorot aufgteteüt, durch vrlehe die Nicht-Thonüxten bestraft, aus ihrer Proeine aua- gietMsen undjcdtn Amtea enthoben iceräen «oliteH (MOPK III, 19H). Ähtdiehc Batimmuugen wurden öften tBieder/uitl, »o auf dtn Geaeralkapileln eon 1370, 1366, 1309, 1313, 1329, 1343, 1344 usk., ein Btwei», etaes sie nicht immer gmou eingehalten irurdtn und dose die antithomistischt StrBmung auch im I^edigtr- arden nicht unbedeutend war. Meister Eckhart und Dielrieh von Freihtrg, die trotidem hohe Ordensuletlungm h'kleidelcn, sind Zeugen dafür. Über des letzteren Erkenntnialehre , leeleb» liienfalU antithomielüch i*( und, wenn auch von anderen philonaphieehen Grundlagen atugekend, doch iit der ffauptnache mit der der älteren i'mHZiskanerachtdt lusammentrifft , vgl. Ki-tb« a.a.O. 113 ff,, 185'f., 303': ebd. 330' auch aber den Traktat i-oii der Minne (bei Preger II, 419 ff.).

*f Als Gegininstanz iriVri man weniger beConen dürfen (t>gl. Deniflr a. lu 0. 134 A. 3), daM Seuse kwi rorhei- (172,1 ff.) den Weg der GoUeserkenntnis fier ertainras auf arittotelisch-ihomistische Art beschreibt, und dass auch das mfiff. angeführte Beispiel vom Licht und von den Fledermausaugm der Lehre, das göttliche Weeen sei da» primum eognttum, nicht recht entiipriehl. Ein der' artigea IneinanderspieUn tiugustinischer und arietoteliseher Gedanken findet »ich auah in dem System Bonatienturast M Matthäus von Aquasparla u. a. {vgl. Grab- ^^■M a. a. 0. 5/1 ff., ISO fh

3ü* Einleitang. I. Die Überlieferung'.

licher Wahrscheinlichkeit von einer doppelten Redaktion der Vita redt'n; einen grösseren Umfang hatte diese schwerlich^). Doch wird bei dieser Annahme der Avsdriick yfDojypelredaktion*" besser ver- mieden ^), denn auch die Rezension von M war von Anfang an für das Exemplar bestimmt^): Vita 18,11 f und 155,7 (s. oben S. 32*) ist von dem Brief biichlein die Rede, 96,2 wird das Leben als erstes Buch, nämlich des Exemplars, bezeichnet, und es fehlt auch nicht der Hinweis auf die Bilderausstattung desselben (103,24),

II. Die flbrigen Schriften des Kxemplsrs.

1. Das Bdew hat eine verhältnismässig sehr alte, gute, aber doch nicht ganz einheitliche Überlieferung. Von den benutzten Hss, (s. S. 196) ist der Konformität halber auch hier A zugrunde gelegt, obwohl wir in EE^Z einen älteren und besseren Text vor ufis haben; in rein sprachlicher Hinsicht stimmt jedoch A mit diesen Hss. fast vollständig überein. Relativ den besten Text hat Z, das auch die Autorenzitate am Rande am genauesten verzeichnet, dann folgen E und E\ Diese beiden Hss. weisen Korrekturen von einer ältet'en und Jüngeren Hand auf welche nicht immer mit voller Sicherheit zu unterscheiden sind, Z nur solche aus späterer Zeit ; die sicher jüngeren und unrichtigen Korrekturen sind im Variantsnapparat nicht berück- sichtigt. In E^ und F, welche miteinander verwandt sind, zeigt sich häufig eilt willkürliches Eingreifen des Schreibers; E^ hat daneben aber auch oft sehr gute und alte Überlieferung. Verwandt sind ferner F und F^, E^F und F\ natnentlich aber A und K, denen sich noch manchmal a anschliesst. AKx, welche das Bdstc in der Form repräsentieren, wie es in das Exemplar auf genominen wurde, stehen durch zahlreiche Änderungen , Auslassungen und sonstige Korruptelen allen übrigen Hss., welche das Büchlein separat über- liefern, als eigene, minderwertige (jiruppe gegenüber, was zu dem Schlüsse berechtigt y dass der Vorlage von A keine sehr gute Abschrift (= X) des Bd^w, das schon ca. 3r> Jahre ror der Redigierung des

^) Höchstetia wäre noch 169,13 f. an ein Kingreifen Seusea aelbsi zu denken, '^) Auch Denifle redet wiederholt nur hypothetinrh daron (Seuse XX,'

Z/da XXI, 137).

°) Unrichtig sagt Denifle, Seuse XIX: „es steht fest, dass das Lehen

in M von Seuse nicht für das Exemplar heMimmt imr." Dagegen mit Recht

F reger, Mystik II, 3:Jlf.

Das Handschriften yerhältnis. Art und Weise dieser Ausgabe. 37*

Exemplars verfasst war, zugrunde lag^); und zwar muss X in einiger Beziehung zu der in Töss geschriebemn Hh, E gestanden haben, dcts zeigt da^ öfters vorkommende Zusammentreffen von A und E, AK und E, AKol und E, neben d^m jedoch auch die Ver- bindungen AF und AH bemerkenswert sind. In Zweifelsfällen wird man sich bei Rezensierung des Textes tw der Regel auf jene Hss,- Gruppe zu stützen haben, bei der Z vorkommt. Es gelingt auf diese Weise öfters einen zuverlässigeren Text zu erzielen, als ihn Denifle hat, der E und E^ bevorzugte,

2. Das dritte Büchlein (Bdw), weniger kopiert und daher iceniger verdorben, ist ziemlich gut überliefert. Führerin ist A, und von diesei' Hs, bezw. ihrer Vorlage scheinen alle übngen abzustammen ; verwandt sind besonders A und B, A und K, A und S, AB und S. Die Varianten von CNSfm, welche voll Fehlern stecken, sind nur zum kleinsten Teil angeführt. Gegenüber Denifle, der geringeres Material benützte, ist der Text an manchen Punkten verbessert.

3. Beim Bfb gilt so ziemlich dasselbe, wie beim Bdw, A über- ragt alle übrigen Hss., von denen CK PS manche, NUlVfmoL sehr viele Verderbnisse aufweisen, weit, und nur sehr selten muss von ihr abgegangen werden. Verwandt sind untereinander besonders A und S, C und S, AC und S, K und ü, m und N.

4. Die Zusätze zum Bfb '^) sind in mangelhafter Weise über- liefert, und zwar weichen die Hss., welche das Exemplar enthalten {RS^Wf), und 7. öfters ab von denen, welche sie in Verbindung mit dem Gr Bfb bieten (Nhms^). Der letzteren Gruppe wird meistens, namentlich bei den Sprücheny der Vorzug zu geben sein. Denifle Jutt, wie es scheint, nur a und m benützt. Zur Grundlage sind S^ und f genommen, weil diese Hss. die älteren Sprachformen und defi alemannischen Dialekt am meisten bewahrt haben.

III. Das Grosse Briefbach.

Nach Seuses Zeugnis hat seine geistliche Tochter Elsbeth Stagel aus „allen*^ Briefen, die er ihr und andern seinen geistlichen Kindern gesandt, ein Buch gemacht; er selbst nahm einen Teil der

*) Auffallend ist dies aller dings, da Seuse nach Prolog 4,1 ff. über Sthreiher- Verderbnisse, speeieü im Bdew, klagt und von seinen Bemühungen um ein ,ge- reehtes^ Exemplar berichtet. Man wird aber von einem mittelalterlichen Schrift- steller keine aUsu grosse Akribie erwarten dürfen.

*) Vgl. die Anm. S. 393.

$Q* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Briefe, kürzte sie und machte ein neues Büchlein (H73,22: diz klein ding) von elf Briefen daraus, dus er als vierten Teil dem Exemplar einverleibte ; die Briefe, welche ihm zur Aufnahme nicht tauglich schienen, vernichtete er (Prolog zum Exemplar 4,18 ff.; Vita 18,12; Kl 360,1 ff., 373,22 ff.),

Ist nun wirklich das ursprüngliche, ungekürzte Briefbuch der Stagel unwiderruflich verloren, oder ist es in irgend einer Form er- halteu geblieben? Über diese Frage ist vor 30 Jahren zwischen Denifle^) und Preger^) eine heftige Kontroverse ausgefochten worden, die zwar kein völlig sicheres Resultat herbeiführte, deren Verlauf aber doch unzweideutig erkennen Hess, auf welcher Seite sich der grössere Scharfsinn und die umfassendere Kenntnis des hand- schriftlichen Materials befand^). In seinem ersten Aufsatz hatte Denifle ausgeführt, dass das ursprüngliche Brief buch nicht, wie man glaubte, verloren sei, sondern sich im wesentlichen in der Stuttgarter Hs. Cod. theol. et philos, 4^ 67 (=^ s, s. oben S, 24*) erhalten finde, während das von Preger 1867 hetyiusgegebene Brief buch des Cgm 819 (s. oben S. 7*, 23*), das dieser für die endgültige, von Seuse für das Exemplar bestimmte Bedaktion ansah, sich nur als ein ungeschicktes Konglomerat aus Briefen des ungekürzten und gekürzten Briefbuches darstelle. Dem gegenüber suchte Preger nachzuweisen, dass die Stagelsche Sammlung gar nicht erhalten sein könne, da Seuse na<:h seinen eigenen Worten (373,27 ff,) sie vernichtete; derselbe habe wiederholt eine Auslese ans ihr veranstaltet : die erste besitzen wir noch in s (das „alte^ Brief buch), die zweite in den 11 Briefen des ersten Druckes (das ^neue^ Briefbüchlein), die dritte, für das vierteilige Sammelwerk bestimmte, die aber durch einen Zufall nicht in das Exemplar kam, in m.

Das neue Material, das in vorliegender Ausgabe der Forschung unterbreitet wird, ergibt mit Sicherheit, dass Denifle in allen wesent-

') ..Zu Seuses ursprünglichem Brief buch,'' Zfda XIX (1876) 346—71; ..Ein letztes Wort über Seuse^ Briefbücher ,"" ebd. XXI (1877) 89—136. Vgl auch Seuse XXVII.

») ,.Dic Brief bücher Susosr Zfda XX (1876) 37:i—41ö. Die Abhand- lung in Gesch. d. d, Mystik Ily 331 ff. bringt nicJits Neues von Bedeutung bei, ebensowenig die itersünlichen Erklärungen der beiden Gegner in Afda III^ Sil 13.

*) Strauchy Afda IX, 138 hält Dmifles Ansicht für glaubhafter, in AÜg. dtsch. Biogr. 37,179 schliesst er sich derselben rückhaltlos an. Vetter a. a. O. 59 f. meinte, es habe nicht bloss zwei, sondern mehrere Briefbücher von abtceichender Heihmfolge und Austrahl der Stücke gegeben, die ..Kürzung^' durch Seuse sei nur entschuldigende Fiktion eines späteren.

liehen Punkten das £rchlit/e ijeseken hnt, Freier diujt^ijeH irie in bezui/ auf die Vita so auch hier sich auf /alscher Fährtr befand. Was zunächst das kleine oder neue ((fekürste) Büchlein mit 11 Briefen anlangt, so kann es keinem Zweifel mehr unierlieijen, dass wir darin die letzte, in gam bestimmter Tendenz^) bearbeitete vnd in das Exemplar aufyenommene Auswiild Seusen vor um haben. Gegenüber dem Zeugnis der Uss., welche dasselbe sämtlich ausser m und N in einheitlicher Form bieten und als viertes Buch dem Bdtv anfügen, mnken die Pregerschen Erklärungsversuche und KombinaUonm *) nichts zusammen, m, wozu als Doppelgängerin die fast identische Hs. N kommt (s. oben S. 7*), kann dagegen unmöglich als Schluss- redaktion Seuses gelten und ist überhaupt gar keine Originnlarbeit^). Die Entstehung dieser Kompilation lüsst sich umchuer begreifen. Der Münchner beew. Nürnberger Bearbeiter hatte ein» Hu. Por sich, in welcher auf das Kl Bfb das ungekürzte (und wohl auch die Predigt Lectulus) folgte, solche Hss. haben wir noch in B und V er nahm das ersifre ganz auf, von dem letzteren aber nur die- •enigen Briefe (14), welche ein abtceichendes Motto trugen und fügte sie nach Br. 111 (Nigra sum) ein (rgl. oben S. 23*). Dieses Ver- fuhren hatte notwendig Ungleichheiten in den Überschriften und eine Reihe nnnützer Wiederholungen zur Folge*).

•) Dk Vitrrfde ajiri^ von einer lere, jtder Brirf itt mit einrr eigenen Cbtrtehrift »«rmAen, die Kärtung, Zutammtnaeteung and Ähfnlgt dtr Brief« iit itocA sachliehm Gtnehlipunklen i». S.43* Ä. ]) bewerkstelligt. Aun Vilii 16,ttff. geht htrvor, dass Abschriflen de» Kl lij'b »dtun rar der Scbliien- redaktion dre Exemplam im Umlauf leartit,

*) Zfda XX, 416; MgnUk II, 3t3f. Vgl. dagtgen nimtntlii-h Denifli-, Zfda XXI, im.

*) Die eimeluen Argumente Pregers , drr öftere ungeschickt operitrt, braucAea hier nicht mehr mdtrlegt mvireden; Dtnifle hat die» fast tu ollm Stacken eitgreich getan, vgl. /Ktandei-e Zfdtt- XIX, 366 f. XXI, 103 f. HO ff.

•) Dies aehon die einleuchtende Krklärang Deniflea, Zfda XXI, Vi5. Hier eimgr writere Natiten über die Beechaffenheit des Texte» in m N. Da- Prolog iet deritlbe toie im KlBfb, Die 11 Briefe des leleteren eind, vrttn auch sehr verderbt, in der Bezetision von A, doch Itat der Kompilatoi' nicht vinchmäht, tto es ihm jiiunend schien, eineelne Wörter und Phrasen aus dem T/V Sfh »u übfniehtnen, betw. rineetnes austulasaen, Keil es dort nicht stand.- i»H/ einige Beispiele hat schon Deniflr, Zfda XXI, llUff. aufmerksam ge- vtaehl. So ist JIÖ,]3 (ich Zitiere Prtger nach Seiten und Zeilen) iu ilen IJer- garten = Gr Bfb 411,12: 29,1 steht beBcheideoheit atatl inrkeit = 430,6.- 30,1 du diaz = i37,lo; 61,17 waz will leraii = tST,n : fl,?,JO aa Beinern gebet = 4iti,3l! «3,3 gotüchen = ■M.VI' .■ HU,! govta peinaJiei = «ö^JiS.' lO.ls fehlt IM ÜäUehtit = 450,1S. Am Schluss ron Brief II, TU, XXII, XXIV (nach

40* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Dem gegenüber weisen s und die dmnit zusammen ztistellenden Hss. bCc dg g^hnR s^Uz untrügliche Merkmale auf^ an denen tüir noch die Sfa^elsche Sammlung erkennen können. Der Prolog (405,1 ff.) redet nicht von einer Auslese wie beim Kl Bfb (360,2 ff .), sondern weist deutlich auf die Originalhriefe hin ^); es fehlen die redaktionellen Zusätze, welche Brief IV y V, VI (Anfang und Schlu^s) im Kl Bfb erhalten haben^), samt doch ausgenommeti hUs^ der Erzählung von der

Prejjer) ist ein lateinischer Spruch : hec nobis concedat illc, qui passus est pro nobis (oder ähnlich) angefügt. Die redaktionelle Bemerkung 64^4 7 (Brief Quomodo polest, vgl. diese Ausgabe 371,32 Vor.), aus welcher P reg er (Zfda XX, 405; Mystik II, 339 f) für seine Hypothese Kapital schlägt, hat iJenifle, Zfda XXI, 119 ff. überzeugend als Einschiebsel des Kompilators nachgewiesen.

0 Es ist Seuses Gewohnheit, in den Vorreden und sonst bei Ge- legenheit sich über die Entstehung seiner Schriften auszulassen (vgl. Denifle a. a. 0. 100 fj; irie das gekürzte Bfb zu stnnde kam, erzählt er sogar dreimal. Hier aber heisst es einfach : die (briefe) sante ... Ist das nicht ein deutlicher Fingerzeig, dass wir keine von Seuse vei'an staltete Sammlung vor uns haben? Er pflegt sich sonst auch nicht ein, sondern der diener der ewigen wisheit zu nenneti. Dass ein Satz in beiden Prologen fast identisch ist, darf nicht be- sonders auffallen, denn Seuse hat auch Verse der Stngel einzelnen Abschriften des neuen Bfb zugesetzt, und einige davon unter die zu Bild 1 und 12 gehörigen Sprüche aufgenommen, Preger räumt übrigens selbst die Möglicfikeit der Ent- lehnung ein (Zfda XX, 380).

2) Brief XVII (Quomodo potest) des Gr Bfb (vgl Kl Bfb IV) erfordert gesonderte Betrachtung, Er zerfällt in zwei deutlich geschiedene Teile, die nur ins unter einem Motto, doch durch rote Initiale und Absatz getrennt (468,10), hei einander stehen, während C c d nur den erstefi, n z nur den ziceiten Teil enthalten. Im Kl Bfb sind die zwei Stücke mit Br. XVIII {Nemo potest) zu- sammengeschmolzen und haben eine historische Einleitung erhalten., aus welcher hervorgeht, dnstt alle drei Teile an dieselbe Adressatin, wemi auch nicht alle zu gleicher Zeit geschickt worden waren. Da nun im Gr Bfb vor der zweiten Ab- teilung von Br. XVII dieselbe Einleitung steht, wenn auch ausführlicfter und mit c/iarakteristischeti Zügen bereicheri (458,10—469,9), wie im Kl Bfb (370,1—21), so sieht Freger (Zfda XX, 380: Mystik II, 333 f. f darin einen untrüglichen Beweis der Redigierung durch Seuse selbst. Doch ist die Argumentation nicht beweiskräftig und schon von Denifle (Zfda XXI, 9aßj genügend widerlegt worden. Warum soll jene Einleitung nicht schon in Stagels Sammlung gestanden haben 'f Es ist anzunehmen, das» Seuse den zxceiU^ Teil zugleich mit dem ersten au dieselbe Nonne sendete : deshalb hatjvner auch kein eigenes Motto, was sonst bei allen Briefen Seusts der Eall ist. n allein (s. im Variantenapjmrat zu 468,10) kann dagegen nichts betreisen, da diese lls. überhaupt einen sehr stark und oft willhürlich bearbeiteten Text enthält: auch bei 4:J1,19 setzen n und d unmoi ivieriertnisc den Beginn eines neuen Briefes nn. Eher noch könnte das für sich unrerslän'Uirhe Er nm Beginne der Erzählung (458,1(J) auffallen, aber vielleicht hat die S tag vi hitr geändert.

Dm HandwiinlieDTerhl

^ruwf des Nnmms Jtsit, MoTgengrun» und Sprüchen, und liOer- )pi ergibt sich das Gr B/b ') hei grnauer Verghichuiuj unzwei- deutig als dir Vorlage zu erkennen, »ach der die 11 Briefe den Kl Bffi gekürzt und zusammengestellt worden sind'). Bin Blick in die Tabelle S, 2H^ {vgl. auch die S. 25* vorangehende Notiz) zeigt, dasa die Aufeinanderfolge der Nummern des Or Bfb in den Mus,, zu denen auch die ehemalige Strassburger Hs. F l'^S (s. oben S, 25*) zu stellen wäre. die nur wenige Briefe enthallenden Mannskripte kommen nicht in Betracht im wesentlichen konstant int ; nur gegen t^chluita macht sich ein leichtes Schwanken geltend. Verhältnismässig tim besten scheint die Abfolge des Original)! in s refräaentiert. Es ist eine interessante Beobachtung und zugleich eine Probe für die Richtigkeit obiger Beweisführung, dass die Art, wie die Briefe des

') kh ijehnmeht diese BcMtiehnung, nicht wie TJ*niße „UTigt/nirttes" Britf- haeh, weil mir nicht tiehtr wisnen, ob alle Briefe der Stoffeleehtn Sammlimg irhalUn tind. Zudem mai/ der «in« odrr andtie noch nachträglich data gt- kummtn «ein. » ial Nr. XXV 11 nur in drei gpiUcrm Baf., XXV 111 (AV Echtkeil priUiimiert) nur in einer Bbertieftrl.

') i«t pon Inlerrsst Seiteen Vorgr/ieri hierbei eu beobufhteit. Er küret nicht bloaa, «ondtm macht tbmn utid wann auch kleinere oder grlisstr« ZulStte I bei Briff IV VI Einleitungen, ». S. 40*), »erdeuUieht durch Vertaunehung MiiM Aufdrucke durch einen anderen, bringt kleiiit itilistiache Vtrbes^ei'Hnge» an. Die SiJrache im Or Bfb int öftere origineller, kröftigcr, weniger gefeilt, im Kl Bfb glatter, weniger ptr»rmliek. Infnlgr der Küreung wird dtr Gedanken- gang lUirr nicht immer klarer, z. B. ist 368,27 f.: 370,16: 383,17 ohni die Vor- tage kaum reratiiudUch. Im einzelnen mUpreehen »ich die Briefe im Kl und Gr Bfb in folgender Weise (die betreffenden Partien de» Kl Bfb sind immer rorangattllt und die Briefe de* Gr Bfb mit römischen Ziffern bezric/melt: 1. itegnum mundi lietteht au* 11 1. Trä (360,Vi—362,lU = 410,10- 413,171 und fintnt Stück von III Surrfxi 1363,20—33 = 418,6-419,16); der 3. Teil von Hepnum maudi im Gr Bfb, der gant apeeietle Balacldäge für eine Nonne tnl- halt, iet im Kl Bfb ilbergangrn, ihn al* eigenen Brief antutehen iPregtr in Zfda XX. 375), iet aber kein gelingender Grund. 3. Habitabit igt aue eeclu vrtchitdenen Teilen tuaammengesettl : al 363,4—364,16 = IV llabitabü; *) 364,16— 3S = V Simet 423,18— 434,3:i : c) 364,30—366,2— VI Vineae 436,23-36; dl 365,3— Hl = VIII Guetatr 430,5— U: el 365,11-366,6 = X Htoerlrrt i3ti.4— 437,13: f) 366,7—37 = XI Audi 437,31-43.9.7. 3. Nigra eum iti aus XII ttark gtkuret. 4. In Br. Quomudo poteat rntapricht 369,4-371,3^' IM wesentlichen X Vll und 371,33—372,35 X VIII Nemo potrat. 6. ExuUet = XIV. 6. Ahaaton = KIII (tietnlich erirritert). 7. (Chriattul, 8. fAunun- tiaiet and 9. (In omnibual gtbra die Vorlage Br. XIX— XXI unKeaentUch mrändert irirder. 10. Eiiote healehl aue twei Teilen: at 3Slf,M—390,ä7 = XXII 471Ji—47L'.ll ; b) 391,1— 10 = XXIV Hob autm 476,7— 34. 11. Pone iiu= XXVI am Schluaa crwtiterl.

42* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Kl Bfb aufeinanderfolgen und wie die einzelnen kombiniert sind, deutlich erkennen lässt, dass Seuse eine Sammlung vor sich hatte, welche die Briefe so ziemlich in gleicher Reihenfolge und Anzahl wie s enthielt^).

Man wende nicht mit P reg er '^ ein: Stagels Sammlung ist ja von Seuse vernichtet worden, wie kann sie dann erhalten sein ? Wir können doch nicht annehmen, dass Elsbeth ohne sein Wissen und Wollen eine Briefsammlung veröffentlichte! Darauf ist zu sagen, da^s die Absicht einer Veröffentlichung in den Worten des Prologs nicht notwendig gefunden werden muss; sie haben einen guten Sinn, wenn Elsbeth die Briefe auch nur für ein Kloster bestini$nte% Übrigens ist ein eigentliches Verbot, die Briefe anderen mitzuteilen , auch nicht gegeben worden, die Bedenken Seuses gegen eine weitere Verbreitung (7,9ff\y 113,24 ff.) bezogen sich zunächst nur auf das, was er von seinem eigenen Leben, seinen Übungen und Leiden erzählt hatte, und davon enthält da^ Gr Bfb nicht viel. Dass sich Seuse in seiner Meinung, das ursprüngliche Brief buch sei bis auf den ins Kl Bfb übernommenen Re^t vernichtet, getäuscht hat, ist richtig und immerhin auffällig. Aber die Tatsachen verlangen die Amiahme: es muss noch ein zweites Exernjüar des Briefbuches, sei es in der Hand der Stagel oder einer Gesinnungsgenossin (vgl, 113,24 ff.), existiert haben, das erhalten blieb. Völlige Aufhellung des Rätsels wird uns wohl nie gelingen.

^) Vgl, die vorige Änm. Warum im Kl Bfb von Nr, IV VI eine andere Ordnung beliebt ist, ist leicht ersichtlich. Er war detn Lehr zweck angemeesen, gleichartiges zusammenzustellen : Br. I V behandeln geicissermassen die Anfangs- gründe des geistlichen Lehens. Das Wort ,,alle*' im Prolog (4,19) ist nicht zu pressen ; es wäre auch kaum möglich gewesen, dass Elsbeth alle, möglicheneeise weit zerstreuten Briefe Seuses in Abschriften zusammenbrachte, Dass uns nur ein ^Brucltstück^ (Denifle, Seuse XXVIII) der Sammlung erhalten sei, ist daraus aber nicht zu folgern (vgl, auch Pregcr II, 333), Die in die Vita verarbeiteten Briefe sind selbstverständlich nicht in die Stagelsche Sammlung aufgenommen worden: dafür waren manche von ihnen nicht geeignet und es musste geniigen, sie auf jene Weise vor dem Verlorengehen bu betoahren, Dass Br, XX Annuntiate in allen Uss. des Gr Bfb unvollständig ist, dürfte lediglich Schuld der Abschreiber sein, die den Schluss, weil völlig gleichlautend mit dem Kl Bfb, icegliessen.

») Zfda XX, 376 f. 379 .^^Mystik II, 332 f.

•) So Denifle, Zfda XXI, 93. Gane verkehrt ist es zu sagen, die Erwähnung des ..neuew Bfb setze voraus, dass ein ,^dltes'^ existierte und be' kannt war {Fregvr, Zfda XX, 3t>9 A. 1 : Mystik II, 333). „Neu^ heisst es doch nur mit Büclsicht auf seine Entstvhuug aus Stagels Sammlung, von der Seuse dreimal ereöhlt.

^ Du HunlachrifleiiTeriiÜtiuA. Axt und Welse dieeer Äntgfabe. 43*

^^V Wog (lau HuTidxchriftencefhälinis in bezug uuf dos Qr Bfb betrifft, so i»t es nicht leirhl, ein klares Bild /liemov und eine »ichere Orundlaye für die Te-jctgestnltung zu gewinnen, und dies insbesondere deshalb, treil fast bei jedem Brief dw ZalU der Ihn äberlieferiiden Hss. sich nnder)! zusammensetzt und weil es an einer eigentlich fahrenden Hs. fehlt. Sämtliche Texteszeugen sind vom ArcheU/pn.1 nchon ziemlich weit entfernt, und keiner denselben ist frei ron zahlreichen Verderbnissen und Auslnssungen. Verhältniasmässig nm besten ist z, dann folgen b und s, hierauf ch HU, Cds^; recht ichUschien Text haben mN, g zeigt viele starke Eingriffe des Schreibers, und n ist wegen seiner zahlreichen Erweiterungen und Streichungen eher eine Umarbeitung ais Abschrift zu nennen. Nach dem (iesagien ist auch der kritische Wert der einzelnm Hss. zu bemeseen. Eine gewisse Sicherheit für richtige Lesart gibt das Zusammentreffen von z und b. Verwandt sind folgende fiss.: b undC, b und c, b und s, b und U ; d und s; g und n; h imd R, h und s; m und N, n und z; s und «'; U und z; bks, bhlis, bmN, dmX, hmN, hÜs. hlts', hRas\ gm. Die Varianten sind bei Brief I und lll fast nollstäiidig an- 'jr'jeben, hei IT die meisten, von IV an musste mit IHicksivht auf den Baum eine bedeutende Einschränkung eintreten, indem nur mehr

^JJB. wichtigeren, für die Testgeschichte bedeutsamen Abweichungen

^^fcrt wurden.

^^^m In 8]irachlicher Hinsicht ist z zugrunde gelegt, weil diese IIn.

^v^lSge ihres Alters und ihrer Muiulart dem Original am nachten ■stehen dürfte; doch sind nicht alle Inkonseiiuemen der Schreibung «klaviseh kopiert, für das und dz ist stets daz geschrieben und zufisehen waz (Belat.) und was ( Verb.) unterschieden. Bei den Briefen, welche in z nicht stehen, ist ■•< bevorzugt unter Berücksichtigung «Ml b und V. bei Br. XXIIl b und bei XXVII s'.

tl. Die Oberlieferung der ersten Predigt (Lectuius) ist kfitir krs gute; auch die relativ beste Hs. b', welche zur Grund- lage genommen ist, hat nicht wenig Fehler. Als zusammengehörig erweisen sich namentlich b und fi ", i ' und s, b und C, Ö und c, C und c, g und s, /»' und s, ferner bCc, bb*C, gn^s. g zeigt be- sondere gegen Schluss starke Kürzung. Von den Varianten sind , nur die wichtigsten verzeichnet.

IT. Die Predigten nnd da» Mlnaebachlein.

44* Einleitung. I. Die Überlieferung.

2. Bei der Predigt Misenmt wie bei den beiden folgenden ist wegen des unzulänglichen Materials nicht immer ein sicherer Text zu erzielen. Für die ersfere ist in S2>rachlicher Hvisicht die mittel' fränkische (hessische) Ha. g^ beniHzf, die aber in sachlicher Beziehung wegen ihrer zahlreichen Interpolationen weniger Vertrauen verdienU Sie ist zu verbessern durch b\ und namentlich durch die Gruppe bh\ Für die Predigt Exivi stand nur der schlechte Abdruck in der Tauler^ ausgäbe von 1543 zur Verfügung, d-er hier mit einigen Konjekturen und mit Ausgleichung und Beduzienmg der inkonsequenten und ver- wilderten Schreibungen unedergegehen ist; vgl, jedoch oben S. 28* f Für die vierte Predigt haben wir eine ältere Hs. niederrheinischen Dialekts, die aber d-as hochdeutsche Original noch stellenweise durchblickefi lässt, und den Taulerdruck, über den Zusatz in letzterem vgl. die Betnerkung S. 536.

3. Das Minnebilchlein ist bis jetzt nur in z gefufiden worden, wornach es schon Preger 1896 edierte (s. S. 537). Für den mitunter tnangelhaften Text hat der erste Herausgeber iveniy getan, es ist hier durch vorsichtige Konjektur an einigen Stellen eine Besserung versucht worden. Ausserdem ist der Text nicht wie bei Preger diplomatisch genau abgedruckty sondern wie beim Gr Bfb leicht retouchiert. Da^s die in Pregers Edition 466 71 angehängten Gebete nicht von SeUn'ie stammen, wird später gezeigt werden.

y. Bemerkungen zur Orthographie des Textes').

Der Einheitlichkeit halber, und zugleich^ um diese Ausgabe für philologische Zwecke möglichst brauchbar zu machen, ist beim Exemplar die Schreibart der vorzüglichen Hs. A, obwohl sie sich nicht immer konsequent bleibt'^), möglichst beibehalten worden. Wo geändert ist, sei es um das V'erständnis zu erleichtern '^ oder weil ein offenbarer Schreibfehler oder eine falsche Lesart vorliegt^ wird die Lesart von A

^) Die folgenden (rrundsätee sind tunlichtsi mit dm von der „deutschen Kotnmittifion*' dtr KgL Freuasisclun Akademie der Wissenschaften für die Her^ ausgäbe der „deutschen Texte des Miti 'Inlters^* aufgestellten in Übereinstimmung gebracht trorden. Vgl. lieft 1 der .,7't'.<7t": Friedrich von Schwaben, hrtg, von Jellinck 11H)4 S. VL

-) Xammtlich in der Anwendung ran w, ss, z, sz herrscht starkes 6'chivankefi, Beim Te^vt des Bdew zeigen sich sowohl bei Vokalen (z. JJ. n, oi), als bei' Kon- sonanten ( häujigere Dopplung!) Abweichungen gegen friihtr.

^ Aus diesem Grund ist in einigen wenigen Fi^lkn waz ( Verb.) in was getindcrt, wo es nahe mit waz {Helat.) zusammetisteht.

(tu Vtirianlenapiiarat eerzric/iHel. ^on der Hegel einer yewiueii Wiedergabe oon A ixi jedoch ferner in ftdtfenden Füllen abgewichen morden : statt der Schreibung e. welche die Hg. bis auf einigemal festhält, ist stein 6 gesetzt; u und v, i undj sind nach dem Lautwert verteilt; Abbreviaturen') sind aufgelöst, Eigennamen gross geschrieben und willkürliche Grossschreibungen bei anderen K örtern beseitigt, iVorttrennung tind -Zusammensetzung soune Interpunktion noch moderner Weise geregelt. Bei der Ansetzung »euer Abschnitte habe ich mich möglichst an die {^Zeichen in A gehallen, jedoch öfUrs auch nach Denißes Vorbild bei längeren Auslassungen Unternbteilnngen gemacht. In Spen-druck isl gegeben, was in der Hs. rot geschrieben oder unterstrichen ist. Zw bemerken ist noch, dass zwischen 3 und ii in A nicht immer mit Hicherheit unterschieden werden kann; es ist in diesen Fällen die nach der Analogie wahrscheinlichere Lenarl gewählt.

Vorstehende (rruudsätze sind im wesentlichen auch hei den nicht im Exemplar stehenden Schriften in Anwendung gebracht worden, jedoch mit etwas mehr Freiheit in bezuy auf Beseitigung inkonse- quenier Schreibinigrn. Hiis einzelne ixt "clmn unter III und 1 1' gesagt.

C. Bilder und Sprüche des Exemplars. Seuses Verhältnis zur Kunst.

Aus Anlass der Redaktioit drx Exemplarx hat Seuse dasselbe mit Bildern und Sprüchen ausgestattet, welche den Zweck haben, „von dieser falschen niederziehenden H'elt wieder auf zu dem minnig- lichvn Gott reizlich zu ziehen" (4,'^ f.). Sie sollen den Eindruck der Worte verstärken, das Unsichtbare und Unaussprechliche, soweit es möglich ist, der Anschauung und dem Verständnis nakerücken (rgl. 193,24). Sicht als ob Seuse die mgstische Spekulation selbst in Linien und Farben hätte bannen wollen „wie kann man bildloses bilden?" fragt er selbst f 191,6), und erklärt seine ^entworfenen Bilder' und „verbildeten Worte" der blossen Wahrheit ferner und ungleicher, als ein schwarzer Mohr der schönen Sonne ist (193,32 f.), sondern sie stellen teils die mystischen Erlebnisse in symbolischer Weise dar,

') xpa ist in Crialus. JA.» in .fMu« aafgelr,«t, toiV diu Hs. auc/i manch- mai ausführlich schrtibl.

46* Einleitaug. I. Die Überlieferang'.

teils halten nie die in der Beschauung gezeigten Phantasiebilder fe^. Eine Ausnahme macht nur das elfte Bild, welches, auf Bitten der Stagel wohl sclion früher entworfen (190yi7 ff,), den Ausgang der vernünftigen Kreaturen aus Gott und ihren Wiedereingang in über' aus sinnreicher Weise veranschaulicht y und von Seuse selbst im 53. Kapitel der Vita erklärt wird.

Der Entwurf der Bilder und allem nach auch die Autführung stammt von dem Autor selbst, denn sie sind von höchst origineller Erfindung und ganz organisch aus den Einzelheiten des Textes, den sie illustrieren, hervorgewachsen, tragen auch in allem den Stempel seiner reichen und edlen Phantasie.

Bilderhandschriften des Exemplars sind uns in AKRWB^, teilweise auch in P, erhalten% wozu noch die Druckausgaben von 1482 und 1512 kotnmen. Die Ausführung der Bilder im etnzdnen zeigt entsprechend der mehr oder minder grossen Gewandtheit und Sorgfalt der Illuminatoren manche Unterschiede, wenn auch der Hauptcharakter der Komposition gewcJirt bleibt; von den beigegebenen Sprüchen fehlt in den jüngeren Hss, ein Teil (namentlich die latei- nischen), noch mehr in den Drucken. In der vorliegenden Ausgabe sind aus den vier Haupthss. AKR W die bezeichnendsten Bilder aus- gewählt und nachgebildet^); alle aus der ältesten Hs. A zu nehmen ging nicht an, weil hier verschiedene Bilder sehr roh ausgeführt und mangelhaft erhalten sind. Die folgende Beschreibung und Wieder- gabe der Sprüche bezieht sich jedoch zunächst auf Hs. A *), wo das Ori^ ginal Seuses wohl am treuesten wiedergegeben ist; die wichtigeren Abweichungen von K und den anderen Manuskripten sind verzeichnet, ebenso die bedeutsameren Varianten zu den Sprüchen, Übrigens ist bei den letzteren in A der Text vorzüglich und nur an ganz wenigen Stellen zu verbessern.

1. Bild (yibb.l S, 2 nach K) in A BL P vor dem Prolog. Oben steht: Disu bild bewiseni der''^^ Ewigen wisheit mit der sele geisch-

«) die K

^) Denifle kannte davon nur K und B; er gibt in seiner Ausgabt jeweHa genaue Beschreibung der Bilder und Sprüche erster er Hs. Reproduziert sind bis jetzt von den Bildern der Hss. nur Nr. 11 nach K bei Denifle^ Nr. 1 naoh B bei A. S al z er ^ Geschickte der deutschen Literatur 1904 ff,, Beilage 61,

^) Durch ein Verseilen ist bei einem l'eil leider ein zu kleiner Massstab genommen worden, so dass die Details nicht alle leicht erkennbar sind.

•^ Di*' einzelnen Bilder sind in der Hs. von alter Hand mit Ziffei' I-XI (Bild 6" und 9 sind als eines gerechnet) numerieti.

Ider und Sptflcbe om ExemplK

lieh ^emalielsebaft") (rol). Link'' David (übi^ der betreffenden Person steht je ihr Name) müfotgendtn Sjirüchen: loicitiiii sapiencie timor (iomini (Ps. 110,10; Siriich 1,16; vgl. Bdew 287,7). Ein anvang der getlichn wisheit ist got flisechlich dienen in vorchtlicher behfit- keit; recht'' S&lomon: Der sunnen bild ist nit'') eo tin, sin vbertriffet der Sternen scbin ( Weish. 7,29: vgl. 4fM>,Sf.). Unter David Die ewige wieheit mit den Sprüche»: fili, concupiscie sapienciam ete.') (Sirach l.'^iH) Kind mins, begeret du der getlichen wieheit, so be- halt die tugent der gerelitikeil ; unter Salomun Der diener der Ewigen wisbeit, neben dem steht: hanc amavi. Diz ban icb gemintiet vnd YSges&cbet von minen jungen tagen vnd ban mir ei vserkorn ze einer'') geroahel (Weish. 8,2; v(ß. 200,14 ff.). Unten linkt Job mit den Worten: Sapiencia non iniienitar in terra Boauiter Diuentinni {Job 2H,i:-if.}. Wer sines libe» mit zartbeit pflegen, der endarf sieb der Ewigen wisheit minn') niemer angeuemen. Der weit minne mÖBS er lan, der die Kwigen wisheit ze einem Hep wil ban; rechts Aristotilez: Sapientis est ordinäre (Jrixtut., Metaph. 1,2 982a 17 f.). Wer diser wisbeit wil pflegen, der aol ordnen alles sin leben (egl. llorol. 210). Die einzelnen Personen tragen Spruchbänder, auf denen die deutschen (nicht die lateinischen) Sprüche gtehen. Die ewige IVeisheil (mit Königsmantel und Krone, die Wellscheibe mit Sonne, Mond und Sternen nuf der Bnixt haltend., vgl. 103,17) und der Diener (im Dominiknnerhabit, den Namen INS avf der Brust, bart- los [eo stefs in A.'J, ohne den Kram von Hosen, den er in K und \V trägt) tind in ganzer f'igur, die vier übrigen Personen im Brust- bild; David und Stdomon tragen die Ki'migskrone, Job und Aristoteles npilzige Matze. In KB'KWx steht die ewige Weisheit rechts, Seuse Unk», die Spruchbänder fehlen zum Teil, im übrigen sind die Ab- weichungen unbedeutend.

2. Bild (Abb. 2 S. 19 nach W) in A Bl. 8\ Vorher steht: Diz nagend bilde bewiset eins wolannabenden menscben raizzlicb gcsflche nach getlichem tröste (rot); auf dem Bilde selb^^t: Er bat mich vnd ieh in minneklieh vinbuangen. dez stau icb aller ereaturen ledig vnd bin mit in vnbehangen. Dan Bild "teilt Seuse dar über ihn sUtht: der diener der Ewigen wisheit in sitzendem- Stellung, auf Keinem Schosse umarmen sieh die ewige Weisheit in kleiner Figur und lies Dieners Seele, die nach mittelalterlicher Art aüt nacktes Kind

") gemahelechafft mit der sei geiBtlichen B'ß '') alt fi-hll B' W •^j ctc ftUt KU •*) funem K meinem B' >) mlan fehlt ER

48* EinleituD^. I. Die Oberliefenuig.

abgebildet ist. ^) Kecht^^ und links stehen zwei Engel (in W nur einer rechts und fünf kleinere oben, s. Bild), die auf den Diener hinzeigen; in K .schweben sie in der Luft und halten einen Kranz von Bösen um Seuses Haupt.

H. Bild- (Abb. 3 S. 52 nach W) in A El 22r Oben sieht: Dix nagend bild meinet eins wolzAnenienden menschen f bigen durpracb (rot). Das Bild stellt dar^ wie Maria, auf einer Bank sitzend, und das Kind Jesus dem knieenden Seuse (über ihm steht: der diener'), er trägt von jetzt an den Rosenkranz, der sein Haupt wie ein Heiligenschein umgibt) zu trinken geben. Rechts von den Figuren steht: wer sin vichlichkeit mit strengen wirigen ^) f bongen hat da hin geleit, dem wird von got erlobet sins libes pflegnAs in erden* licher messikeit. In K ist das Bild durch eigene Zutaten des McUers (gotischer Baldachin, prächtiger Thronsessel, reiche Gewänder, allerlei Hausgeräte mit realistischer Beobachtung dargest^ellt) verschönert.

4. Bild (Abb. 4 S. 65 nach A Bl. 28"), Doppelbild, vor dem steht : Dis nagende bilde mit dem reselohtem ringe betütet tnengerkd liden, in den ein warer gotesfründ mftss beweret werden (rot). Oben Seuse (überschrieben: der diener) mit dem Kranze und mit den roten Malzeichen an den Händen und Füssen (vgl. zur Erklärung 64,24 ff 0 inmitten seiner Ordensbrüder (links und rechts

je drei Dominikaner), ein Engel ihn umarmend; links oben eine aus den Wolken reichende Hand mit Kreuznimbus, die göttliche Vorsehung (dextera Dei) bedsutend^). Unten Anna in nonnenartiger Kleidung^ knieend, mit einetn Kreuzchen in der Hand, von einem Efigel nach oben auf den Diener hingewiesen. In K steht das Bildchen mit A7ina vor dem anderen.

5. Bild (Abb. 5 S. 129 nach K) in A Bl. 57 r Oben: Diz nagende erbermklich bilde zeget den strengen vndergang etlicher vserwelter gotes fründen ^) (rot). Auf dem Bild selbst stehen folgende Sprüche (über deren Zuteilung zu den Figuren die Abbildung zu vergleichen ist) : Liplichü f bang dv tut we, aber eines gelassen menschen voller vndergang tasentstunt me.

Wer in sinem bitern liden ane himelschen trost och mftss sin, daz ist grosse jamer vor allem^) pin.

") der dioner fehlt KBW *) wirdigen B^W ^) der ganze Vorepruch fehlt K d) aller KPJiW

') V(jl, Krebs, Die Mystik in Adelhausen {s. Anm. zu 113,14) 82. ^ Vgl. F, X. Kraus, Gesch. d. christl Kunst I (1895) 117 ff.

Got rou birael der hat mich gelassen, dez lid ich ewarlich") ffK alle luEifiBe.

Dn bist worden ein äffe viid ein torc, vnd an den eren swerzer <)enn ein more.

Ein beaer lieger Tnd ein falscher trieger von'') billich liden sol, wan er bat es verechuldet wol.

Mit essich vnd mif^) galten, wellen wir in trenken mit Bchalleu*'),

Einen hingeworfenn geheimen Bol nieman klagen, wan buI in dv vntier lassen gnagen.

Ein füetQcb boI man hin werfen den hunden vi den mist, wan CS erelos vnd vnsuber ist; dz fAstüch sol sich nit waren, es sol sieb von billich lan mennlicb zerzerreu.

In li^r Mitte links: frater eram leonum et socius stmcionum'), daritttier Job (3o,'-!9; mjl. Hör. 114): Min briider waren mir grimm lewen vnd minO gesellen yngehür") Strassen, Dun Bild stellt dnr, wie Seuse von boxen Geistern und flttrvh Verleumdung der Menschen geptinigt wird. Er steht in der Mitte, die Kapuze fiw über die Augeit herabgezogen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagend, böse Geinter in allerlei Spukgestidten ( Ajf'e, Habe, Schwein u. s.w.) giessen und fpeien Feuer und Üchirtfel auf ikn, einer bedroht ihn mit einem Bohrer (vgl. 6L,L4ff.), ein anderer mit einem Pfeile ( 131,22 f.); rechts obun befindet sich die verriegeile Himmelstür, die Trostlosigkeit bedeutend, links in der Mitte ein mit sjiitzigen Nägeln beschlagenes Kreuz (vgl. Kap. IG), auj' dem der Name I H S eingegraben ist und von dem zwei Geissein mit je drei Zacken herab- hängen (43,4 f.); in K sitzt auf dem Kreuz noch eine Eule. Am Kleide des Dieners nagen und zerren »llerUi Tiere: Hund, Löwe, Strnuse, Sehlange, Skorpion, Rechts befinden sich mehrere Personen^): drei Dominikanerinnen, von dtnen eine einen Kessel trägt und dem Diener mit einem Schwamm Essig reicht, ferner drei Männer (Domini- kaner, oder ein Mönch und zwei Laien'!'); mehrere von den Persotien deuten mit dein Finger auf Seuse. Unterhalb davon zwei Füchse, welche ein kleines Tier zernagen , und ein Hund mit dem Fusstuch im Maul (58,6 f.).

6. Bild (Abb. f. S. Hl nach U) in A Bi. V2'. Vorher liest man:

') ifaeh flw&rlich i»l vud tum grösiten Teil heraurradiurt A *) von fdtU K *) mit/eAh A "i schal A aohslle KP •) dir tat. Spruch frhll EPS t) min fMl A ') fast ganz teegmiiitrt A

') In K, tnc echeinl, ticci Dnintnikaner und drei Ilntainikantr innen. )<>•>, DsBlisha Sohtman. ^1

50* Einleitung. I. Die Überlieferung:.

Disv**) nagenden'') bild gebend ze versten die trostlichen vnderlibi, die got einen lidern vnderwilent lat werden (rot). Marin mit Königsmantel und Krone auf dem Haupte, das Kind auf dem Arm, das eine Paternosterschnur oder einen Rosenkranz in der Hand hält in R hat Maria eine Rose erscheinen Seuse (überschrieben : der diener), der dakniet und die Arme ausbreitend zu Jesus spricht: Ach zartes herzentrat. Auch rechts herüber, teilweise noch über Maria steht HERZTRÜT. Links ein Engel stehend, in den Wolken ein weiterer kleiner Efigel mit einer Harfe (in K zwei Engel mit kleiner Orgel und P salter iuni ).

7. Bild (Abb, 7 S. 147 ymch K) in A BL ()5^: Christus erscheint als gekreuzigter Seraph dem knieenden Seuse, über dem der diener*) sieht. Vorher die Worte: Diz nagend bild lert den menschen, wie er nuzzberlich sol liden (rot). Bei dem oberen der drei Flügdpaare ist geschrieben: lern liden cristförroklich, beim mittleren: trag liden gedulteklich, beim untern : enpfah liden willeklich, zwischen Christus und Seuse: Ach herr, 1er mich, daz ich knnne liden nach dibem aller liebsten willen. Da^^i Kreuz ist in W und ol, wie in der spät- mitielalterlicheu Kunst häufig, ein Rosenstrauch mit ausgebreiteten Asten (cgi. auch Bild 12). Es ist nicht unmöglich, dass das Bild, welches den Grundgedanken d-er Mystik: die Nachfolge Christi sym- bolisch zusammenfasst , von der Darstellung der Stigmatisation des hl. Franz von Assisi^) beeinflu^st ist. Eine tnoderne Düsseldorfer Nachbildung (Stahlstich) s. hei Den ifle. Das geistliche Leben ^1880, Titelblatt.

H. u. .9. Bild (Abb. fi S. 150 nach W, 9 S. 151 nach K) in A Bl. 67 % zwei zusammengehörige Bilder: Seuse empfängt himmlische Tröstung und wird als geistlicher Ritter investiert. Vorher die Worte: Diz**) nagenden bild bewisent aller gotlidender menschen himelschen trost in zit vnd ir gross erc vnd loblich wirdekait, die sii son besizen in in ewikait (rot). Auf dem oberen Bild Seuse (überschrieben: der diener«), neben einem Stuhle Gehend und von einem Engel umarmt, rechts ein kleinerer Engel auf einer Leiter mit einer Harfe (K: Hand- orgel), ferner ztrei weitere mit Buch und Geige, ganz oben die ewige

") die K ^) radiert A '^) K fügt hinzu: der ewigen wiszhait •') die k «) fehlt K

^) Vgl IL Thodcy Franz con Assist und die Anfänge der Kunst der Renaissance in Itcdim '1904, 144 ff,, der 10 italienische Darstellungen des wunderharcn Vorganges aus dem 13. Jh. aufftVtrt. Die spätere Kunst bis 1500 hält den durch Giotto (f 1337) geschaffenen Typus fest.

taheit (Christus) mit Mnrin in Brustbild. ÄH'a weichen in un- Uutendeii Einzelheiten nb. Atif tievt Jiilde die Sprüche: Der yon der Ewigen wielieit vod von dem") balligen enge!') ist vmbvangen, den nag enkein acbedlich vngeliick niemer erlangen.

Mit himelscher aüzlkeit, götliclier wisheit vnd eugelBchlicher Zartheit ergezzet got slu diener aller Ire wider wert! keit. Auf dem unteren Bild reicht Christus die ewii/e Weisßieil (Brustbild: in B' und H wird ein Emjel daraus), von Wolkennivibvä umgebe», dem kttUenden Seu»e (über ihm fleht uieder: der diener') eiyien Hing, drei Engel bringen Schuhe, liitierkleid, Oihiel und eine Krone, rechts oben blasen zwei Engel die Posaune, ein dritter schlägt die Pauke. Unterhalb ein Schild mit Topf heim; dan Feld ist toeiss und rot und mit cijiem Kranz von Hosen geziert, darüber steht I H 8 *)■ Rechts hieoon zwei Bitter auf Pferden mit ettiem Fähnlein, das ebenfalls mit IHS gezeichnet ist, hinter ihnen ein Knappe. Dazu yekoren die Sprüche: Rltterllchi'i klaid ?nd ere eon »d ewektich niesBen, die sieb hie dar got lldens vud midens nit Innd verdriesBen.

Wer sich gütlicher rlttcreciiaft iiimet an, der sol in allem liden eine mannes herz in vnverzagter wiee b&n.

Utn den Schild herum steht: Dz wiss ield betütef) luterkeit, daz rot geduitekelt.

Garn utitcn am Rande ist in A notiert: äh obren bild bArend herab. Darnach hätte der Illuminator die Bilder fuhch gruppiert; auch in den andern Has. ist die Reihenfolge dieselbe. Zum fratändnis des zweiten Bildes vgl. Kap. 20 und 44.

10. Bild (Abb. 10 S. 154 nach K) in A Bl.f>8': Die Ewige wia- königlicher Gestillt mit Szepter (in K auch Reichsapfel) hält unter dem weit ausgebreiteten Mantel*) eine Anzahl Personen: links Seu.'ie (überschrieben: der diener). rechts seine geistliche Tochter,

[1 B'liW h) engein £'«»

") fthh K rfi betötet fehU AP

) FhantattUch ist es, wenn f. J. Mont auf Grand diesu Bilde» Seuse als Lfhrmei»ter und Aukioriläl in der Htraldik antithl (Diöz.-Arehiv von Sehteaben X [1893/ 64; XV [1697] 140>.

^ Das Büd seheint Itciußusst von der Jdee und Darstellung der Schule- inMschaft Maria (vpt. 117,14. 547,3iiff.), die gerade im 14. Jh. in Domini- kanirkreism aufkam, vgl. E. Krebs in .,Freibwger Münsttrblätler" I (1905); Kraus, Qesch. der chrisll. Kuiul II, 1 (lti97) 433f.: Peltitr (». o, S. 6') 171 f. Gant im Einklang dumit sieht, dats in A aitf Bild 9 und 10 dit ewige Weisheil in weiblicher Form, hartlOK und tnil gelbem Haar dargfsUUt ist; in E wird auf Bild 10 deutlich Maria daraus.

d

52* Einleituug. J. Die Überlieferung.

nher der Elisabct") (rot) steht, im Dominikanerinnenhabit, auf einem Throne sitzend und von einem Engel gekrönt; neben ihr ein Buch^). Seme und Klsbeth halten einen Kranz von Rosen, inmrhalb dessen IHS*) sieht, rechts von ihnen sind ein Mönch und eine Nonne des Dominikanerordens , unterhalb eine bürgerlich gekleidete Frau mit zwei Mädchen (diese beiden fehlen in K) und drei Männer, welche sämtlich nach den von der Stagel ausgeteilten Namen I H S die Hände ausstrecken. Links oben ein kleiner Engel mit einem Buch% in K noch einer rechts den Mantel haltend. In B^RWol fehlen verschiedene Einzelheiten (Thron der Elsbeth, Kranz u. s, w,). Vor dem Bilde stehen die]Worte: Diz nagend bild zeiget, wie ein AbernoUes herz gotes das selb och gern gemainsameti vil andren menschen (rot): auf demselben: In minen getlichen schirm'') wil ich nemen, die minen nameu JesQS in ir begird wen tragen.

11. Büd (Abb. LI S. 195 nach A Bl. 82^), d<is wichtigste von aUen*), den mystischen Weg darstellend. Einleitend die Worte: Disü nagendü bild bezeichnent der blossen gotheit iewesentheit'') in persenlicher driheit vnd aller creaturen ns vnd wideringeflossenheit vnd zegent den ersten begin eins annähenden menschen vnd sinen ordenlichen darpruch dez zänemens vnd den allerhehsten vberswank vberweslicher volkoraenheit (rot). Links oben drei einander umschließende Ringe (vgl. 191,25 f.) und eine2Art Triptgchon mit der Überschrift: Diz ist der ewigen gotheit wisloses abgründe, daz weder anvang hat noch kein ende. Aus der Einheit des göttlichen IVesens gehen die drei göttlichen Personen hervor, in ganzer Gestalt dargestellt, links Gott Vater bärtig y in der Mitte der hl. Geist mit der Taube, die anderen Personen^ umfassend als die Liebe, die aus beiden au^ geht, rechts der Sohn gesenkten Blickes, womit das Leiden angedeutet ist. Dazu die Worte: Diz ist der pevsonen driheit in wesenlicher einikeit, von dem cristanr gelob seit. Als erstens geschopfliches Wesen folgt der Engel: Disu figur ist der ussfluzz engelschlicher natur; daneben ein Dämon, abwärts schiessend, welcher den Engels^ Sturz symbolisiert. Darauf als zweites Geschöpf d^r Metisch in

"-'') fehlt K c) gehrin A <«) getrennt tjeschrieben IT, \^ fehtt B^R

*) Bedeutet offenhtir die von ihr gemachte Sammlung der Töseer ViUn; vgl. 97,^ ff.

'■') Bedeutet wohl Seuses Schriften ; vgl. 394,23,

='j Abbildung nach K bei Denijle 302.

Bfider and 8i»11die des Exemplus. Setues VerhUttÜB nur^Kunst. 53*

FraumigtslaW^) : Dtz ist menschlicbn gescbaffenbeit gebildet nach der gothcit. Jetzt scheiden sich die^^Wege: die einen weitd«» sich zu der Lust der Welt und gehen mit ihr zugrunde, daher rechts luden ein tniurnde« Liebespaar (ein Ritter mit dem Schwert wm- ijürtii kiiii eine modisch gekleidete Frnit an der Hund; in K Jüng- ling und Mädchen), über welchem steht: Diz"j ist der weit minne, dv Dimt mit jatner ein ende, und hinter ihnen der Tod in teuf- lischer Fratze mit der Sense") (über ihm stdit: Diz ist der tSt*), die anderen kehren sich zu Gott vnd gelangen auf dem Wege der Reinigung, Erleuchtung und Einigung zur höchsten y'oUkommen- /uit. Deshalb die mit einer Kette gefesselte ( versinnbildet Bezähmung der Leidenschaften), knieende Nonne mit dem Spruch: Minen") ker wil ich ST got nemen, wan diz ist gai- ein kurtzee leben, und die daneben steheiule in grosser Figur, die von Pfeilen und Svhu-eiiei'n verwundet, von Schlange und Skorpion (in K auch von einem Hunde) bedrängt, steh dfir Betrachtung des Leidens Christi hingibt; sie half mit der rechten Hand ein grosses Kruzifixhild und spricht: Ach Ifig, wie icb müz sterben vnd mit Cristas gecrutzget werden! Durch Meiden und Leiden kommt die Seele zur rechten Gelassenheit, dargestellt durch eine tceibliche Gestalt, welche mit herabgesunkenem Haupte, geschlossenen Augen und schlaffen Armen in einem hohen Lehnslvhl sitzt") und zu der die Worte gehören: Gelassenheit mich berSben »vil, WS min'') ie waz ze vil. Der Weg fahrt weiter über das schon erwähnte KruzifisbUd zu einer Halbfigur, ebenfalls wie schlafend und mit herabhängenden Armen dargestellt, welche denZustand der Besehanung iiersinn bildet: Die sinne sint mir entwörcket, die hoben kreft sint vberwürket. Die folgenden Bildchen stellen die mystische Vereinigung dar: a) die Seele im Schosf.e der Gottheit: Hie ist der geist in geBwnngen md wirt in der driheit der personen fundeu; li ) in der h&chsten Beschauung, in den Abgrund des göttlichen Wesens starrend und doch wie in einem „Ausschlag" (vgl. 193,10. 189,13): lob bin

«) äa» K >•) Uoa» der tod B'KÜW ') Einen B'H •<') minnfl /' Taynu B' lieb U imio ist Gvntl.^de« Meinigru)

') BriK. als Könne dargtsMU. irobl deshalb, weil das Bild auf BUImi Htr Stogrl, also lunächat fßr yonne», enttoorfen wurdt.

^ Di« Üarstrllung ial vifHticht von einem Bildt der TolfJtanityklm an- gtrtgt, dem Entslehung man geitöhnlie/i mit der gras»eu Pent des li. Jh. <13tS-50l in Zutammenltaitg bringt; vgl. Kraus II, l, 44tiß'.

*) Bei dieser und drr folgtnden l-'igi*r ist in K und noch mehr in aniUren E»a. die PoinU iiemlieh verwitcht, rgl das Bild'hrl Drniße.

54* Einleitung. I. Die Überlieferung.

in got vergangen, nieman kan mich hie") erlangen (vgl. Gr Bfb 478/i3); c) als letztes Ziel: „des Geistes Überfahrt^* (193,11*), wo in Gott der Beginn und das Ende eins wird: In dem inschlag han ich aller ding vergessen^ wan es ist grundlous vnd vngemessen.

Das ganze figurenreiche Bild-, dessen kurze Erklärung Seuse selbst gibt (191,30 ff.), veranschaulicht somit geschickt den Werde- gang der Mystik im einzelnen Individuum; der Weg ist durch eifie kräftige rote Linie, welche die Figuren verbindet und jeweils in der Gegend des Herzens in ein Ringlein (der „Seelengrund^^, vgl. 192,4 f.) einmündet, bezeichnet. Aber nur in A ist der Entwurf noch klar und scharf erhalten, schon K und noch mehr spätere Hss. haben wesentliche Bestandteile weggelassen *); in den Holzschnitten der beiden Drucke ist die Bedeutung der Figuren und Sprüche kaum mehr zu enträtseln.

12. Bild (Abb. 12 S. 255 nach A BL 109''). Einziges zum Bdew gehöriges Bild, eigentlich eine Verbifidung zweier Bilder, die in K denn auch getrennt sind. Einleitend die Worte: Diz nagenden bilde ineinent ein süsses trSsten mit himelschen worten aller trarigen herzen (rot). Oben Christus am Kreuz, dessen Fuss ein Kosenbaum ent- spriesst; oberhalb des linken Querbalkens ein geflügelter bärtiger Kopf, wohl Gott Vater darstellend (in K deutlich ein Engelskopf). Links unten steht (in K kniet) Seuse (überschrieben: der diener*); rechts auf dem Baum da^ Kind Jesus, Rosen auf den Diener werfend (vgl. 102,18 ff.). Dazu die Verse:

Alles liden wenden tut, der Jesus treit in sinem mAt.

Rosen wil ich brechen, vnd yf liden trechen.

Jesus min herz verwundet hat, gezeichent'') da min Jesas stat*).

Zum unteren Bild zwei Engel mit Spruchband: Wer sunder lieb von got wil han, der sol in lait von billich stan. Lidens sei er tragen vil, der gottes früntschaft haben wil. Es ist Christus als Schmerzensmann^ dargestellt, yieben der Geisselsäule stehend (vgl. 198,24 ff. und Anm. ebd.); Seuse (überschrieben: der diener**), auj einer Bank sitzend, berührt mit der Hechten die Wunden Christi

«) hie fehlt KW «•) «• <r) fehlt K n bezaichnet K

*) So fehlt in W der Entjelssturz, die Figuren stchm sehr dicht auf" eitMuder, die Linie itft verwirrt und selbst unterbrochen : ähnlich auch in J5* und H.

*) Diese drei Verse hat Seuse tcohl aus den Sprüchen der Siagel ikher~ nommeny vgl 3Uti,14f. ^f. 401,3 f.

•*l Ein in der mittelaUerlivhen Kunst häufiges Motiv, vgl. Kraus 11^ i, 306 f.; Pelt::er tQ:i ff.

Csgl. 199,8) und greift mit der Linken in ein Pstilterium (»gl. 250,18 Anm.), das ihm ein Engel übergeben. Rechts sitzen zwei weibliche Pereoneit ( eine davon Nonne '^ J, über denen äeht: DazBintzwei lidendü menschen (vgl 253,19. 198,17 f.). Das obere Bild ist in W und in den beiden Drucken eimte abgeändert schon beim Schluss non Kap. 34 der Vita, also bei der dazugehörigen Ersä/diing gegebe«.

Ausser den bifher beschriebenen zwölf grosseren Bildern finden sicA ('» mehreren Hss., namentlich in den älteren und teilweise auch in den Drucken, noch einige kleinere, meist als Initialeneerzierungen. Et ist 2u vei-muten, duss auch diese auf Seunes Hand zurückgehen. Bei Beginn des Prologs zum Exemplar (3,2) eine schöne gemalte Initiale I und in dieser zwei Engel mit Wappenschild, auf dem I H S iteht (AKB^Wx), ähnlich wie auf dem 9. Bild; beim Anfang der Vitti (7,2) eine Initifde E mit Brustbild Seitses, betend und um das Haupt den Bosenhram (AK, in W einfacher); zu 17,5 der Name IHS mit Goldfarbe getnali (AB^KB): 96,5 hntiale C mit Pelikan die Jungen nährend ( A K), vgl. 99,2 ff. ; 155,14 bei Beginn des »liekulativen Teils der Vitn ein Adler mit ausgespannten Flügeln in der Initiale S (AKol); 196,3 bei Anfang des Bdew der Name IHS und Brustbild Seuses (wie oben) in der Initiale E (AKW ; in oe UarsteUung der Verkündigung Maria); 2011,14 Initiale H mit einer nackttf}i menschlichen Figur ^= die Seele (A); 320,4 (Bdtv) Initiale E rot und blau (AW; in K wie bei 196,2, in W und « Bild der Ver- kündigung Maria); 360,2 und 10 (Bfb) je eine farbige Initiah (AKW; in R und x Bild des Dieners mit Buch und Äbtsstab (!)). Aus»erdetn haben H' und die beiden Drucke zum Schfuss des 34. Kapitels der Vitn ein kleinen Bild: Anm in der Burg betend (vgl. Anm. :u 102.2).

Was das Technische und Künstlerische der Bilder anlangt, so sind sie in .iB^PR W in der bei der deutschen Buckmalerei des a«*- gehenäen Mittelalterg so beliebten lavierten Federzeichnung ') ausgeführt, oft roh und unbeholfen, sehr mangelhaft in Perspektive und Anatomie, aber d^ich flott im Vortrag, nah und treuherzig, con bemerkenswerter

') Vgl darüber Jan tische k, Guebiehle der äeaUchtit Mahrei IsW, lOäjr.; R. Rautmeh, Einleitende 'ErBel^ungen »« anrr GMchichU df dtüUelieii Jlnndechriftmiilustration im np/llmn Mittetaher 18äi: Klein- »ehmidl, Zur »üddtutschfn Bttehmalerei d-s niinlerm'MttUlalWe, in der iiiUMtiiitchrift : ..Hie vhriMkhe Kumt" IT (190516) S.'^ff. SeSff.

M

56* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Gewandiheit im Ausdruck der Seelenstmmungen und in der CharakUri- siervng der Personen, Zur richtigen Beurteilung ist unchtig, im Äuge zu behalten y d($ss die Bilder nicht Selbstzweck sind, sondern nur dem Bestreben dienen, zum Wort die Illustration zu liefern. Im einzelnen sind manche Unterschiede, zwischen den verschiedenen Hss. Am nächsten steht d^m Original yl, i7t welcher Hs. die Bilder noch am meisten archaistisch sind; die Farbe ist sehr matt und unschön, Teile der Zeichnung sind, mitunter selbst unkoloriert gelassen. Stilkritisch betrachtet stellen sich die Darstellungen wohl am nächsten zu der um 1350 zu Konstanz entstandenen „Armenbibel*' ^), £ und W vei-- einfachen das Detail, geben den Gestalten mehr Rundung und Fülle und wirken kräftiger durch lebhafte Kolorierung, Ähnlich ist es auch bei den bemalten Holzschnitten des ersten Druckes ^) (Augsburg, Anton Sorg 1482); die des zweiten Druckes (Augsburg, Haus Othmar 1512) sind zwar saMich dieselben, haben aber künstlerisch viel ge^ Wonnen: sie sind in den mittlerweile aufgekommenen neuen Stil «w- gearbeitet und können daher der Bemalung entbehren, R, Muther^ meint, es lasse sich fast mit Sicherheit sagen, dass der Künstler, welcher die Umarbeitung vornahm, Hans Burgkmair war.

Eine besondere Stellung nimmt K ein (vgl, oben S, 5*f.), Die wohl von einem Berufsschreiber und -Illuminator*) hergestellte Prachths, bringt die Bilder noch mehr miniaturenartig und unter Benutzung der älteren Manier der Deckmalerei, in kmftigen, leuchtenden Farben (viel Oold), Hier allein macht sich auch die realistische Richtung, die in der ersten Hälfte des 15, Jh, in der Buchmalerei Oberdeutsch» lands sich regt und zum Durchbruch gelangt, in etwa geltend, so z, B, beim dritten Bild (s. o. S, 48*)^ ferner in dem zierlichen Rankenwei'k

») Hrsg. von Laib und Schwarz 1867, ^1892, Zur richtigen Datie- rung vgl, Schreihers Einleitung zu P, Heitz, Bihlia pauperum 1903, 29,S4f,

^) Vgl. R. Muther, Die deutsche Bücherillustration der Gothtk und Friihrenaüsance 1887 I, 31 Nr, 168; II Tafel 70 und 71 (Reproduktion des 1. und 10, Bildes),

») A, a. 0. I, 165 Nr. 983,

*) Vermutlich ist e,s dei'selbe, der auch an der Ausschmückung der Ein' Siedler Hss. :283 und 752 tätig war. Auf Bl. 60 der ersteren steht: Anno salutis

1482 Johannes Satler presbiter mc fecit, auf deni ersten Blatt der letzteren:

1483 liensli me ivcii. Vielleicht ist es der im Konstanter Ratshuch 1471 unter anderen Malern und Goldschmieden eingetragene maister Haus (Ph, Rupperi, Konstanzer geschichtl. Beiträge II [18^0] 10J2), Ein bischöflicher Nokir namens Gehhard Sattler ist 1469 bezeugt (J. Eiselein, Geschichte und Be- Schreibung von Konstanz 1801, :J56).

erwähnten Initialen, besondere aber au/ dem zwjfjebenen nmungsbiifie Bl. 4 fi>in Engel, zwei Wappenschilder haltend, unteti f'n Heh und Hirsch, in den Ranke» hilbsche Dröleriesj.

^^^F i)if Illmtrierung von Seuses Saminehrerk eriJß'nH uns einen t 4u^ick auf ein interess'antes, noch nickt genügend erforschtes Gebiet: die Beziehungen zwischen deutscher Myntik und deutscher A'unst'). Wenn Mystik und Kunst verwandt sind, und nie sind denn beide richten sich vorzugsweise an dasselbe Seelenvermogen, die Phantasie, künstlerische Konzeption und visionäre Sehauung ietaen gteichmässig imiei'e Gestaltungskraft und eim ausgeprägte Indiciduvlität voraus, so wird eine gegenseitige Beeinflussung not- "'^ndig die Folge sein und auch bei Sense') wird sich dies irgendwie "«fxeigen lassen. Und in der Tat , wenn bei irgend einem dsr deutschen Mystiker, so bei ihm, dem phaniitsiecollsten und poetischesten

') Die neutaU SpuiaUUeratur : A. Pellser, Deutsche Mystik und deut- '^A* Kunai lö9y, und Ü. Bintee, Der Einftusa dtr Mystiker aaf die älttre Kö/iMr Maitrschule, Brulauer Dias. 1901; ders. in WtstdeuUche Zeitachrift ^IfSesff. (BeJtprtehiing vim Sehtibler-Aldtnhoven, Geschichle dtr Kölner MeUir- "ftHle IWSI, befriedigt tcmig: ihre- Vii-f nsaer lassen i-iehtiijea Vtislffnänia der '"SWii, wir abtrhaupt hiHoriaehe Schulung aehr rtrmisam (egh über Ftltitr *>« Kharft Urteil Finke» in Ältinannta 1901, 129: 1903, 276ff.). Immer noch '*ti%titxrt tat daa achöne Kapitel bei Scknuaae, Geschichte der bildendsn Jf^*Wfa in Mittdalter VI (ISGl) 27—60. In der umatrittmen Frage, ob die ^""t^rtunde (auch Srmt.'i auf die Kölner Malerachule (Wilhelm von Herle, ^''^•Minn Wynrich w. a.) an der Wende des 14. Jh. einen EinJIuss ausgeäbl, ^^flen dU Bemerkungen von Kraua II, l,3S0f. wüAJ daa richtige trrffen '*■•' HiMge S6ff. ist die Sacht sehr abertrieben). Wie atle groaaen Erscheinungen ""f dem fjthiete des rtÜgiöaen hrhens hat aiehir auch die tnilttlalterliche Mystik, "^eh« gerade die edelsten in ihren Bnnn eng und ihre EiMpßndungeteeit bt- **"*"!(«, der bildenden Kunst Anregungen gegeben, die allerdinga oft mehr nach- "'*nytjiaden als stalietisch auftutählen sitid. Eiir Matthias Grüneieald hat de» ^^B»*B der mytttachtn Idem jängat in musterhafter Wetae fr. Schneider ^ Stil. Mar Aligem. Zeitung 1304 iVr. 334 und 235 nachgewitaen (die knitende •ftiehengeatalt auf dem Isenhtimer Allarwerk ist nicht Maria in JuxlaposUion, "i* anehPellter 64,174 noch annimmt, KOndern Feraonißtation der „mtjinenden &*• ob Braut Christi),

*) Siehe die eingehenden, aber nicht immer überzeugenden Awfführungen ki Ftltter »äff., Hintse 15ff.2Sf. Vgl. auch Kraua II, 1 439: .Wag bm man aOe» für die Anschauung der Zeit und der KOnstler aua Heinrich äuohrnml-

58* Einleitung. I. Die Überlieferung.

ufiter ihnen. Seuse war eine künstlerisch empfindende Natur. Sein reichbegabter, für aUes Schöne so empfängliclier Geist begnügt sich nicht mit nebelhaften Phantasiegebilden , er stellt sowohl das in der Vei'ziickung Geschaute wie die innig meditierten Begebenheiten der Heilsgeschichte, besonders des Leidens Christi, plastisch greifbar vor unsere Augen; mitunter ^glaubt man geradezu Beschreibutigen von Gemälden zu lesen*' *). Ebenso spricht sich seine malerische Begabung in der Freude an bildlichen Darstellungen aus. Seiner Andacht will er „in bildreicher Weise** (103,15) genugtun: schon in der Jugeiid lässt er die ewige Weisheit in minniglicher Gestalt^) auf Pergament malen und nimmt das Bild mit auf die hohe Schule, um es täglich anzusehen (103,10 jf.), veranlasst die Ausstattung seiner Kapelle mit Bildern und Sprüchen der Altväter (60,12, ff., 104,1 ff,) und atuleren andachtigen Materien (Nafne Jesu, Rosenbaum des zeitlichen Leidens und Baum der weltlichen und göttlichen Minne, vgl. 396,21 ff.), und sendet eine Kopie der erstgenannten an Elsbeth Stagel (107,1 f.). Er kennt genau die Einzelheiten der künstlerischen Technik und redet gerne davon (60,16, 64,11 f. 323,17 ff\; Hör. 60, 150), schildeH die Himmelswonne mit dem Brunnen des Lebens ') und den einzelnen Choren der Heiligen (242,3 ff,, 243,24 ff.), den Efujelstanz (21,6 ff.), die Madonna mit dem Kinde (267yl4ff., vgl. 15,10 ff.; Hör. 142) in so lebhaften Farben und mit soviel Anmut und Holdseligkeit, dass man meinen köymte, er habe Bilder der alten Kölner oder flamischen Malerschule oder der Sienesen und Florentiner des 14. und 15. Jh., namentlich seines Ordensgenossen Fra A)igelico da Fiesole*), vor Augen gehabt. Da^ Leiden Christi stellt er, Kapitelssaal, Kreuzgang mui Chor der Kirche seines Klosters zur via dolorosa machend und die einzelnen Stationen des Leidetisweges in Betrachtung miterlebefut, in so dramatischer Lebendigkeit sich und un4i vor, daes man mit Fug bei ihm die Idee der Kreuzwege, deren Darstellung doch erst

'y Strauch in Allg. (lisch. Bioyr. 37,176.

-) WoM ganz ähnlich tcie auf Bild 1 (8. o. S. 47*).

=M Vgl. dazu auch die Vi »ton der Beli von Lieftenberg zu Töss, Viten 31,16 f.

^) T>er Vergleich Angelicos mit Seuse liegt nahe^ vgl. Denifle XI V, 413, Über den ..mystischen Mahr** par cjcceUence handelt ausgezeichnet Schrörs in Zeitschrift für chrisil. Kunst W98y 193 ff. u. ö. Vgl. das Urteü Meschlers in Stimmen aus Maria Lanch 1897 1, 409: Angel icos Werke sind die höehtU mystische Poesie der Farbcy so wie die Schriften Susos und anderer die Myttik des Gemütes sind:*

r Bilder nnd SprUahe 6m ExempIarB. äeuM« Vertilltub zur Knatt. 59*

. Jk. auftaucht, eorgebildet sehen (Uirf). Endlich hat er, »einem künstltriacken Drange folgend tiach dem Vorbilde früherer Mifatiker*) seine Schriften selbst mit Bildern ausgestattet, die, wenn sie auch iti vielmi mit dem Ai>pnrat herkömmlicher Atischauungen arbeiten und sich mitunter Kokl nttch direkt an Vorbilder anlehnen'), doch (ds Game» für originelle Schöpfungen gelten dürfen.

Ein persötäiches Verhältnis Seiises s^tr Kunst ist nomit un- btstreitbitr. Nicki ebenso leicht ist die Frage su beantworten, ob er in irgend einer Weise auf die Kunstübung seiner und der folgenden Zeit eingewirkt hat. Es ist bereits su denSprücken S98,10f. darauf hingewiesen worden, dass athlreiche in der ehemaligen Dominikaner- kirche zu Konstanz, dem jetzigen Inselhotel, aufgefundene Fresken des 14. Jh., Martyrien darstellend vnd die Hand eines tüchtigen Meisters verratend'), neuerdings in Beziehung zu Seuse gebracht worden sind. Vielleicht mit einigem Recht; aber beweisen lässl sich

fuer freilich nichts, und Jedenfalls ist Sense nicht selbst dabei als

ausübetider Künstler tätig zu denken, wie Peltzer^) annehmen machte.

JEbensQwenig werden wir etwas darüber ausmachen können, ob sein Wort oder Beispiel für die Kunstpfiege hi den mgstisc/ien Domini-

icanerinnenklöstern .ilemanniens, wie ide für Unterlinden, Klingental,

') Vj/i. Prltier Öiff., im einzelm-n v-altl cu irtit gtJterui. Die erste Er- I dta Kreutvrgt scheint bei dem Dominikaner Alvarua von Cordota ft J*30 oäir 14309) m »tin ivgl. Kalhatik 1896 I, 326; Thuratan, The Station» of the Gross, London 1906). Sehr ivahrscheinlieh sind die Kreueweffe aus einer Verbindung non b'blitchtn Pansioiuiiizenfn mit Voi-wUrfen der mysti- achen Kontemplation enletanden (Kraux II, l,Sf>e,>.

1 So Btigen namentlich swri Wiesbadener und SeiiUlherger Uns. i«. XII bette. XIIll des Liber 6'dviae der hl. Hildegard zahlreiche Miniaturen, meial Visionen dtr Mystilitrin darsteUend. Au^ührliche Beschreibung bei A. von ÖehtlhUuser, Die Miniaturen der UniversüäUbibliothek tu Heidelberg 1 (ISST) 75 ff.: Peltzer Mff. (ebd. 41 f. aber eine Bilderks. der Werke Elisabtth» ron Sehmiau).

*) Bei mehreren Bildern ist oben .ichon darat^' hingetvieten worden (MatUel' lehaft Marin, der Tod und das tamindt Paar, Christus al» gekieutigter Seraph und ah Schmertensmanii, diis Kreui als Hosenbaum),

'] Ißm- weitere Spuren von Wandgemälden in der Kirche (Kretnigungs- yrup/ie an der nördlichen Letlnernisehe, teilumsr erkalten) und im Kreuegang vgl. M. Wingtnroth in Zeitfchrift für Getchiiläf dts Oberrheins N. F. 20 (19001 433 ff.

1. U. 101.

GO* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Adelhausen und namentlich Töss bezeugt ist^), von Bedeutung war. Dagegen wird man den Anteil Seu^es an dsr Anregung und Be- fruchtung ^ welche die mittelalterliche Kunst durch die symbolischen VorsteUmigen der Mystik^) empßng, ziemlich hoch eifischäfzen dürfen, denn geraderer hat sie in so ungemein zaiier mul poesievoUer Art ausgebildet und angewendet: so die Vorstellung von der etvigen Weis- heit, die bald auf Christus bald auf Gott Vater, in getcissem Sinne auch auf Maria ^) bezogen mrd, von der minnenden Seele als Braut Christi, die Symbolik der Farben ßesonders roty grün, weiss, gelb, vgl. 64,7. 199,2. 244,2 usw.), Blumen (Bösen*), Lilien, Veilchen, vgl. 33,10 ff., 59,8 ff., 64,7 ff., 25 ff., 102,19 ff., 224,21 ff.) und Edel- steifte (242,8 f. 252,25. 271,20); auch die Übertragung hofischer Anschauungen in da^ Religiöse, z. B. bei Schilderung des Himmels (242,8 ff. 432,26 f. 457,1 f), und die sinnige Naturbetrachtung des Mystikers ist in diesem Zusammenhafig zu ertvähnen. Ganz besonders aber dürfte das biblisch begründete Bild von der geistlichen Ritter- Schaft, das bei Seuse Lieblingsmotiv ist (vgl. 55,19 ff., 149, 4 ff., 205,7 ff., 252,14 ff., 370,22 ff.. Hör. 29, 81, 122), durch ihn seine Volkstunüich- keit wie seim Einführung in die Kunst gefunden haben. Anfangs wurde es in Literatur und Kunst wie bei Seuse noch mehr im Sinne einer speziellen Berufung aufgefasst, sjjäter aber auf jedes Christenleben übertragen. Von der deutschen Mystik lässt sich eine direkte Verbindungslinie ziehen bis auf Dürer (vgl. dessen Kupfer- stich von 1513: Ritter, Tod und Teufel) und Erasmus (vgl. sein

') Vgl. Pelteer TOff.j der aber auch hier wie öfters zu weit geht, über Töss siehe besonders die Monographie von J. B. Mahn^ Bauten und Wand' gemölde in Töss (== Mitteilungen der antiquar. Gesellschaft in Zürich XKVI, H. 3) 1906. Der Kreuz gang war mit biblischen Fresken aus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jh., zum Teil aber auch aus früherer Zeit, ausgestattet. VöUig aus der Luft gegriffen ist es, wenn F. J. Mone im DiöB.' Archiv von Schwaben XVI (1898) 128 meint, dass einige plastische Figuren neben dem Südportal des Übei'linger Münsters (Johannes der Täufer und Sebastian [nicht Judas!]) nach den Angaben Seuses gemacht worden sein,

^ Vgl. Peltzer 158 ff\ Freilich ist nicht zu vergessen, dass manche derselben ihren eigentlichen Nährboden in der kirchlichen Liturgie hohen. Doch ist die Poesie der Farben- und Blumensprache durch die Schriften der deutschen Mystiker, besonders Seuses, aufs höchste ausgebildet worden (vgl. Kraus 11, 1,444).

*) Vgl. oben S. 61* Anm. 2, Dieses Ineinanderspielen ist der allegorischen Auslegung des Weisheit^sbuches und der Liturgie der KircJie geläufig,

*) Peltzer 202 wagt die Vermutung, dass Seuse zuerst das Motiv der Böse als Sinnbild des Leidens und des liosenbaums als Symbol des Kreuzes in die deutsche Kunst eingeführt habe.

,Enchiridion tttilitis c/tristintti' lii02, deutsch und illustriert von Urs Graf 1520*)," und /«ys« uir hinzu schon £u der DaisteUany der „Streiter Christi" auf item Kölner Dombild und (fenter Altar. Vielleicht ist Sease überhaupt der erste, der dag Motiv künstlerisch rem-ertet hat (in seinem 9. Bild).

Anregung liat Seuses Illustrierung des Exemplars auch der deutschen Holzschneidekunst des 15. und 16. Jh. gegeben, wie .ichon bei Besjirechung der alten Drucke ausgeführt wurde. Aunser diesen Bildern ßnden sich mtHrfnch zu Devotionsztrecken hergestellte t'inblattdrucke , welche sich an Seuses Werk anlehnen*}. So stellt ein bemalter Holzschnitt, um 1470 zu Augnburg oder Nürnberg ent- iitimden, das Christkittd dar, in eitlem Korbe Rosen tretend und mit Spruchband, auf dem paciencia steht; unterhalb eine fünfzeilige Unterschrift, die mit geringer Änderung den Sprächen beim 12. Bild Seuifes, von dem die Komposition ja sichtlich beeinßusst ist, entspricht (Ich wil rögen brecben . . . Wer sander lieb . . . Liden sol er haben vil . . . tgl. 398,4 9); vtu Exemplar davon im Kgl. Kupferstich- kabinet zu Berlin, Leicht variierte Kopien dieses Holzschnittes mit denselben Versen befinden sich zu München und Nürnberg (Ger- manisches Museum); von letzterer ist noch der Holzstock, früher dem Klarissenkloster SöfUngeti bei Ulm gehörig, Eorhunden "). Noch näher berührt sich mit detn 12, Bild ein um 1470160 in Schwaben, wahr- scheinlich in Ulm beziv. Sößingen, entstandener bemalter Holzschnitt, in zuxi Exemplaren zu Stuttgart (Landesbihtiothek) und Nürnberg (Germanisches Museum*} erhalten: Seuse knieend mit dem Kranz con Rosen und dem Monogramm IHS, rechts oben Maria (bezw. die ,ewige Weisheit'} mit Krone, Szepter und Reichsapfel, unten der Hund mit dem Eusstuch, links das Jesuskind auf einem Rosenbaum,

'* P. Wther, Beür/Ige ta DürerK WdioMschauw^ (Studien xur deut- lichen Kunglguachichle H. 231 1900, 30. Ebd. 18 ff. angthende littrariwhe und kungl historische Naclnutisungm, Eine intareasanlr Slfllt ans Tauler Pelttcr lS6f.

•) Genaat Beechreibutty dtr folgemien fünf HoUgchnittt bei W. L.Schrei- brr, Manuel de l'amateur de la grnmre sitr böig et »ut milat au XV' <i«c/« IilSSl) 23if. Nt. ttil—23: 11(1892) 176 f. Nr. 1698, 1699.

') Vgl, Katalog der im Gtrm. Museum tu Nürnberg vorhandtami Holt- etöekt I (ISfäi 15,- Abbildung S. IS und bei (EsutniOtiH), die SoUschnitte dtt 14. und 15. Jh. m Germ. Museum 1874, Tqfel S6.3.

*) DitMS Exemplar wie der thm ertoUhntr UoleMack umr früher im Ut- »Ott DOn frofeas&r Baseler in Ulm.

l-^k.

62* Einleitanja:. 1. r>ie Üherliefenuig.

Kosen auf Sense werfend, unten das Wappen von Ulm. Als Utiie)^ sckrifi trägt da» DewoHoHnbild die Verse:

Der selig hainrich ms ze costentz geborn am bodmersee

Nam die ewig wysshait zftm gmahel gaistlicher ee

Sein gespoDS tet im den namen verwannden

Amandas hiesz sy in nennen in allen lannden

Sein leben wz er in irm dienst vertzeren

Des frödt sich vlm die sein grab vnd hailtam halt in eren. Abbildung nach dem Nürnberger Exemplar bei Essenwein (s. S. 62* Anm. 3) Tafel 92 und danmch in verkleinertem Massstab bei Demfle (Titelbild), Derselbe Holzschnitt, aber mit lateinischen Versen (Hie est beinriens constancia quem generauit Sasz etc.), ist in Berlin \).

Weiteres soll später, wo von der Ikonographie Seuses gehandelt ivird, Erwähnung findsn.

») Vgl, Schreiher a, a, 0, II, 176, Nach Käreher (Freib. DiöM.- Archiv 1868, 215), der sich auf eine briefliche Mitteilung Sigharis berufte befand sich im Dominikanerinnenkloster AUenhohenau dorther stammt auch die Hs, B^y s, oben 8.7* ein fünf Fuss hohes Bild Seuses, wie er in einer Vision den Hund mit dem Fusstuche erblickt. Bei Murer^ Helvetia eaneta 314 ein Holzschnitt mit ähnlichem Büd wie das oben Buletst genannte, doch mit anderen Sprüchen und im Hintergrund das Konstanser Predigerkloster,

**-^m^

Zweiter Tcfl.

Seuses Leben und Werke').

A. Jugend- und Lernjahre zu Konstanz und Köln

(ca. 1295— 1327).

I. Geburtsjahr und -Ort, Abstammnng.

Nur weniges ist uns über den äusseren Lebensgang Seuses, insbesondere über seine Geburts- und Abstammungsverhältnisse iiber-

0 VerzHehnis der Literatur (Detaüuntersuchungen werden zutreffenden Orts angegeben): 1. Biographien bezw. Monographien: F. Brieka, Jüesai 8ur la vie, les ecrits et la doctrine de Henri Suso, Thhse, Strasbourg 1654, 48 p, (unbedeutend); W, Volkmann, Der Mystiker H, Suso, Programm DuiS' hurg 1869, 63 8,: F. Vetter ^ Ein Mystikerpaar (s, Anm, zu 96, 7; beachtens- werte Anmerkungen); R, Seeberg, Ein Kampf um jenseitiges Leben, Lebens- bild eines mittelalterlichen Frommen (Seuse) in protestantischer Beleuchtung, Dorput 1889, 148 S, {im literarhistorischen Teil gut, in der Beurteilung vor- eingenommen), gekürzt unter dem Titel: „H, Seuse, Der Gotterfreuful^ auf- genommen in B. Seeberg, Aus Religion und Geschichte, Gesammelte Auf sätze und Vorträge, I (1906) 188—246; Th. Jag er, Heinrich Seuse aus Schwaben, Basel 1893, 160 S. (populär -erbaulich). 2, Grossere Abhandlungen tn Sammelwerken, Aufsätze und enzyklopädische Artikel: Acta Sanctorum 26, Jan, II (Antwerpen 1643) 662 89 (ganz nach Surius, daher ohne selb- ständigen Wert); H. Murer ^ Helvetia sancta, Lucem 1648, 315 46 (ebenfalls nach Surius, doch mit eigenen, nicht immer zuverlässigen Zutaten); Fr, St ei II, Ephemerides Dominicano-sacrae I (Dilingeti 1691) 145—64 (mit Vorsicht zu henützen!); Quitif et Echard, Scriptores Ordinis Fraedicatorum I (Paris 1719) 663—59, II (ebd. 1721) 821 (wertvoll, meist kritisch und quellenmässig); A Touron, Histoire des hommes illustres de Vordre de S, Dominique II (Paris 1746) 436 60 (erbaulich); A, Weyermann, Nachrichten von Ge- lehrten usw. aus Ulm, Ulm 1798, 499—608; K. Schmidt, Der Mystiker H, Suso, TheoL Studien und Kritiken 1843, 835—92; ders. in Memoires de VAcadhnie royale des sciences morales et politiques de V Institut de France,

64* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.

liefert, und aus d-em wenigen können icir nur mit Mühe das zu- cerlässiye herauslesen. Ein einfaches Mönchleben setzt eben die Federn der Geschichtsschreiber weit weniger in Bewegung als die Taten derer, die auf der Höhe der Menschheit wandeln. Kein seiner Zeit nngehöriger od^r ihr nahestehender Chronist ^) nennt seinen Namen,

t. II savants itrangers 1846, 396—436 (mit dem deutschen AufsatM beinahe identisch); St, Bormann, Über den Mystiker H, Suso, v, d. Hagens Ger- mania II, 172—81: Fr, Böhringer, Die deutschen Mystiker des 14, und 15, Jh. (Die Kirche Christi und ihre Zeugen II, 3), Zürich 1866 (2. Aufl, Stuttgart 1877) 297—441 (sehr brauchbare, warme Darstellung); K, Greith in Kath, Schtoeieerblätt^ II (1860) 65 ff., 137 ff., 399 ff.; ders., Die deutscht Mystik im Predigerorden 1861, 71 ff,, 219 ff, 303 ff.; J. Bach, Meister Eck- hart, 1864, 164—70; E. Böhmer in Giesebrechts Damaris 1866, 291—327; L, Kärcher, H. Suso, Abhandlung über Ort und Zeit seiner Geburt, Freib. Diöß.'Arch. 111(1868) 187—220: W,Freger, Vorarbeiten su einer Geschickte der deutschen Mystik, Zeitschr. f. historische Theologie 1869, 119 37 (kritische Untersuchung der Lebensdaten); ders,, Gesch. der deutschen Mystik II (1681) 309 416 (viel wertvolles Material neben manchem Anfechtbaren, vgl, die Kritiken von Strauch, Afda IX (188d) 136—44, und Denifle, Deutsche Lit,-Ztg, 1882, 201 ff.); Fr, Bevan, Three friends of God (Tauler, Nikolaus von Basel, Suso), London 1887, 301 88 (wissenschrftlich wertlos und tendenziös); Seh. (Schurer ?), H, Suso, ein Originalbild dieses grossen schwäbischen Mystikers, Diös.-Arch. von Schwaben III (1886) 41, 49 u. ö. (erbaulich, kritisch wertlos); A, Baumgartner im Kirchenlexikon F* (1888) 1721—29; Ph. Strauch in Allff. deutsche Biographie 37 (1694) 169—79 (treffliche Zusammenfassung); H. Suso the Mystic, in The Church Quaterly Review 61 (1905) 164—61 (mir unzugänglich) : Cohrs in Rtalenzyklop, f. prot. Theol XIX* (1907) 173—76 {mangelhaft). Zu vergleichen sind auch die Einleitungen in den Ausgaben von Denifle und Thiriot (s. u.) und die (aber nicht vollständige und su- verlässige) Aufführung der Literatur bei U. Chevalier, Repertoire des sources hist. du moyen-dge, I Bio-Bibliogr., 2. Sd. Paris 1906, 2101 f. Auf einem Irrtum beruht es, wenn K ob er st ein, Deutttche Nationalliteratur K*, 447 Anm. 36 und Strauch a. a. 0. 179 eine populäre Darstellung des Lebens Seuses von Denifle in ,Alte und Neue Welt', Einsiedeln 1883/4, Heft 10 u. 11 angeben; es handelt sich um eine kurze Biographie Heinrich Seuse Denifles,

*) Der Dominikaner Joh, Meyer at^s Zürich (1422 86), eifriger Sammler und fleiasiger Chronist seines Ordens über ihn jetzt zusammenfassend P. Albert in Zeitschr. f Gesch. des Oberrheins 1898, 255—63; 1906, 504—10; vgl. Rieder in Freib. Diöz.-Arch. 1906, 291 f. weiss an verschiedenen Stellen, wo er von Seuse spricht, so im ,Chronicon de Praedicatonbus^ (Mone, Quellensammlung I, 221), im ,Liber de illustribus viris ordinis fr. Praedicat. (ebd. II, 167), m ,Leben dir 32 ersten Meister des Predigerordens'' (Addhauser Sammelband im Ereiburger Stadtarchiv Bl. 303, nach gütiger Mitteilung von Herrn Archivrai Dr, P. Albert), und in der Vorrede der Tösser Viten (ed. Vetter 4ff,)j so gut tote nichts eu berichten, was er nicht aus Seuses Schriften geschöpft haben kannte.

Gebnrtejahr und -Ort, Abstammung. 65*

und die Urktwd^'.n und Büchersehätze der Kloster ^), in denen er /jewirkt, sind durch die Ungunst der Zeit fast ganz verloren gegangen. So sind wir zur Eruierung der Lebensdaten Seuses in der Haupt- sache auf seine eigenen Schriften angewiesen, die aber weit mehr das innere Seelenleben als die äusseren Umstände beiücksichtigefi, und zudem bei dem Mangel einer streng chronologischen Ordnung nur wenige sichere An/talts^p unkte bieten. Da und dort, namentlich in d^r Vorrede zur Druckausgabe von 1512 und bei den nur mit Vor- 4cht zu benützenden Hagiographen Murer und St ei II y finden sich einzelne ergänzende Notizen,

Seuse erzählt selbst (Vita 44,4 f.) ^ dass er am St, Benediktus- tag (21. März) in ,diese elende WelV geboren worden sei; das Jahr erfahren wir nicht Die Athsichten der Neueren, um von älteren, uiüialtbaren Meinungen ^) abzuMhen, schwanken zwischen 1295 ^) und 1300^), beide Zahlen rund genommen. Der erstere Ansatz hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich, das ergibt sich au4a Rückschlüssen aus anderen d<itierbaren Ereignissen in Seuses Leben '*). Wenn er, wie j^äter gezeigt werden soll, um 1324 nach Köln übersiedelte und um rlieselbe Zeit durch Eckhart von seinen quälenden Zweifeln, die 7iach -f^einer Bekehrung (im 18. Jahre, vgl. 8,4 f.) gegen 10 Jahre ged^auert ^intten (63,2), befreit wurde, so werden wir ungefähr 1295 als Ge- burtsjahr anzunehmen haben ; doch sind 1 2 Jahre Spielraum zu

"j Das Archio des Konstanzer Predigerklosters ist in deyi Hefoifnations- 94nruhen (ca. 16:i7) verloren gegangen {vgl. Monc, Quellensammlung IV, 39): x:on der Bibliothek ßnden sich Spuren noch in dt;n ziraneiger Jahren des 19. Jh. rvgl. E. von Zeppelin in Schriften des Vereins f. Gesch. des Bodensees Vly 24). Jn Ulm ist nur das Kopialbuch des Predigerklosters erhalten (im Stadtarchiv), tias aber Seuses Xom:fn eu seinen Lehzeiten nicht nennt (vgl. Kornbeck im Mitteilungen des Vereins f. Kunst u. Altertum in Ulm und Oherschwahen 1891, Heft 2, 11).

^) Literarhistoriker wie Altamur a, Bellarmin, Dupin, Cave u.a.

setzen Seuses Tod teils um 1306 an und lassen ihn schon 1323 mit Thomas

von Aquin zur Kanonisation vorgeschlagen werden, teils rucken sie ihn über

1369 hinaus! Nach einer handschriftlichen Notiz von 1516 in einer Ausgabe,

die Diepenbrock (vgl. sein Suso 16 A 1) hesass, wäre er schon 1260 geboren.

^ So Wey ermann, Volkmann^ Preger, JJenifle (Seuse XIII: .^zwischen 1295 und 1300'\' Das geistl. Leben XXI: .,um 1295^), Seeherg.

*) Murer, Steill, Quetif und Echard, Schmidt, Böhringer, Greith, Kärcher, Vetter, Strauch.

^) Die Virsuche Pregers, Vorarbeiten 124 ff., aus der Abfassungszeit einßelner Schriften auf das Geburtsjahr Seuses zu schliessen, sind hinfällig, da sich jene Datierungen als unrichtig erweisen.

11. Scute, Deutsche Scbriiten. 5*

(>6* Einleitunji?. IT. Seuses Leben und Werke.

lassen (wohl 1293 95). Damit stimmt dann auch, wenn Mar er ^) ihn 1365 (richtiger 1366) im Alter von 70 Jahren, Joh, Meyer^ ,gar alt an den Jahren^ sterben lässt, und eine Notiz aus d^m 15. Jh. in Clm 15312 BL 84 '^ besagt: decrepitus obiit anno domini 1366.

Die Frage nach Semes Geburtsort'^) häfigt enge mit der nach seiner Abstammmvg zusammen. In der Von'ede der Druck- ausgäbe von 1512 f. 1^ ist berichtet, er habe eigetitlich Heinrich von Berg geheissen, sein Vater sei ein adMger HetT van Berg im Hegau getcesen, seine Mutter, deren Namen er selbst ans Verehimfig für sie annahm, hiess Seüsserin. Murer*) und St ei 11^) wissen zu erzählen: um das Jahr 1205 vermählte sich ein Hen' von Berg odtr Berger aus Konstanz mit einem Fräulein von Saussen aus Überlingen, beide aus altem und vornehmem Geschlecht; um 1300 wurde ihr berühmter Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Heinrich erhielt. Darüber hinaus erfahren wir bei späteren Schriftstellern*^) nichts weiteres von Belang.

Obwohl die angefühiien Nachrichten ziemlich spät sind, so darf doch wohl die übereinstimmende Angabe, dass Seuae au^ einem adeligen Geschlecht von Berg .stamme und dass seine Mutter eine gebürtige Su$ oder Süs (so die ältere alemannische Namensform) war, für glaub- würdig gelten. Zweifelhaft aber bleibt, ob der Wohn^titz der Eltern und Geburtsort des Sohnes Konstanz oder Überli}vgen ist. Von den zahlreichen adeligen Geschlechtern von Berg, die im 13. ut\d 14. Jh. in Schwaben und in der Schweiz ansässig waren '), ist am ehesten

') Helvcüa s. 346. Die Zahl 70 ist jtäoc/t mit Rücirsicht auf Ps, 89, 10 nicht zu pressen. Ein lajtsus viemoriae ist es, wenn Murer 315 Seuse doch um 1300 geboren sein Ifisst. P reger, Vorarbeiten l:iti meint^ er habe die Zahl 1:^05 als Geburtsjahr in einer alten Quelle gefunden.

^ Kurze Chronik des Prvdigerordenss Tübinger Cniversitätsbiblfaihek, Ifs. Md 4ötf de3 15. Jh. (aus Inzigkofen; s. oben S. 19* A. 1).

•') Ich habe über Seuses Abstammung und Geburtsort ausführlich in Hist.-pol Blmter 130 (lUOÜ II) 4t;— 5S, 10t]—17 gehandelt: hier eine kurze Zusammenfassung mit einigen Nachträgen,

') Hehftia s. 315.

') Ephemerides J, 14ti. Sieill fügt am Schlüsse hinzu: Haec ex MS. Antiq. Adellius., was sich wahrscheinlich auf ein*' (jetzt verlorene i^) Schrift des .loh. Megcry der zu Adtlhausen lebte, bezieht.

'') So bei Sari US in der Voirede seiner lateinischen Übersetzung SetiSfs: Tiiifeli n u s , Consta ntia lihenana lUti} , :i60 : (J u e t if et K c hard I, 663 usv.

'') So in Württemberg zu Berg <)A. Ehingen, liarensfmrg, Tettnan^, in der Schireiz zu Berg am Irchd, bei Arbon und bei Weinfelden. Im Hegau -- con den Grafn von Ueiligenberg, dir Sevin, Kaiser Botharts l**ronhiif

an (lim Kuuittoiizer P atrizierge^cklecht von Berg ru denlcen, Uiene Herren von Berg »asiten, wie es »chfint, ursprünglich als Mini- eterialeii (k.i Bischo/s eon Konstam zu Berg bei Weittfelden im Kanton Thurgaii, wich der Mitte des 13, Jh. aber zog Ulrich von Berg wie manche andere Landedelleute in die Stadt. Aiige/iörige des Gegc/Uechtes s/iielvn in der groKnen Zun/thewegung des 14. Jh.

ÜbtrUngtn 1900, 71 ahm Gtitnd mit SttMt in Bttithung bringt, wird abtu- »thai »ein tuitj im Überlingen lägst nirh ein adfligtn (hechlteht von Berg nicht naehweisftt. Nach twH Berichten avn dem Uominihanerordtnaarekiv in Rnm, Vrlcht der Rrgennl/urger Fredigti'kiinvent im Jd, Jh. (den einen 1754, dtn andern wtnig früher} an dtn Ordensgenrral bfnr. an da» Grneraliapilrl sandte (eerBfftntUeht in Analreia fh-dinis Praedicatorum VIII [tyioj 691, H'Jfl; Auetug in Zdinehr.f. kath. l'heol. 1M3, äOöff.J, wUrdt Seuge eon eitlem Griffen- gttchltchl iion Berg and ,Sauaenbrrg abelammen. Es loird nJliiilieh darin gtsugl, diui- der Vater Siueee (HenriciiH coines de Honte et Ssiueuberg-, quibnsdam Subo dictne) im Jährt 1300 am Tage dr» Aposlth Thomas iSl. Det.) gestorben und im Krtuegang äfii Jiegfnaburyer Klosters begraben, die Überreste aber iliSO in tiit tagen. Albertuiliaprllt ül/ei-tragen und in einem Grabe mit dem brllannten JJominikaner Joh. UeroÜ if 1468) btslattrt uxirdrn eein. Art einer benUehbarteu •Sänl« hallt man eine Inschrift (nicht mehr erhallen) mit eintr Notit über die hridm Toten angebracht. Ich glaube nicht, doKS mit diesem rehr npSlen Zi-ugnis »rgrnd eitPai aneufangm ist. J-k sieht mit dem Prolog der Ausgahe eon 1612 und anderen Srrichten durchaus im Widerspruch. Schon das Datum 1300 trwtckt Misetrauen, denn damaUt vor Seuee, drm der Vater nach srinrm Tade rrechienen edn soll <Vita ää, ^Iff-I. erst ein jMtar Jahrr alt. Seinr Familir gthSrtt auch schverlieh dem Hoehadei an. Es gab ferner gar kein Gra/en- ^taehUeht ,von Berg und Sausenbei-g' : die Burg ,Satigenberg (2'/s ft'id. eOdtoeullieh von MüUheim im Breisgau) war im Beeitäe der Marhgri^frn ron Baden-Haeh- herg und erst 1306 nannte, sich rin Zweig des Geschlechtes infolge Teilung des Beeiltex BaehbvrgSaueenberg iidrr Hachbtrg-Rötteln (». die Hegesten der Mark- grafm von Baden und Uachbrtg. I bearbeitet von B. Erster lUOO, h 60ff. Kindter von Knobloch, f>he.-badische» Getehlechteriwh l [189HJ äoitf.). Es «eheint gane, alt ob jene Nachricht durch fwien findigen Gelthrtrn au» dtvi Namrn Saueenbtrg (Sueenberg = Berg dr^ 8aao, vgl. A. So ein, Mhd. Namtih- buch 19*13, 196; Krieger, Topograph. Wtbch. von Baden II', 7^91 heraus komirinierl irorden icäre. Man mag auch die Vermutung wagen, data Markgraf Heinrich II von Hachberg, der um 139a in dm Deutschorden trat und 1300, unbiikannt «ro, starb (vgl, Fester a.a. O. h II, 94) im Htgmsburgrr Duminikanrr- kluitrr bestattet wvrde nnd dast sein Grab später Anlas» eu jetirr Legende gab. liier sei angefügt, dose dns neue Material, das Dcniflr nach einrr Mitteilung Strauchs iii DeuUche Lit.-Ztg. ISbl, 84: Afda IX, 143 ,• Alig. dtech. Biogr. 37, 179 aafgefundeti haben sollti; sich, irie er mir selbst 1901 engte, auf die nl)mgenanntci', in ihm- IJ-'dittliciiri anfange sehr AbtrschiilitCH Berichte beschrSnkt.

()8* Einleitunjü:. II. Sense« Leben und Werke.

zu Konstanz tviederholi eine Uolle^). Konrad dictus Tuchsciierer de licryej 128G bezeugt ^^)j war lieUcivht Heusvs Vater, manclif Patrizier verschmähten es nichts ein vornehmeres Handwerk, wie d<is der Tuchmacher, bezw, Tuchhandel zu hetreiben. In Ulrich von lier(jy Chorherr bei St, Johann in Konstanz, d-er 1298, 1301 und 1307 nrkundet % dürfen wir wohl einen Oheim des Mystikers sehen *). Damit ist nun auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gegeben, dass Seuse selbst in Konstanz geboren ist. Das älteste Zeugnis, dos wir besitzen, die Unterschrift des oben S. 02* beschriebenen Ulmer Holzschnitts von ca, 1470 besagt deutlich: hainrich füs ze costentz geborn am bodmersee. Im Ernste kann wohl nur Überlingeti Konstanz die Ehre, Geburtsort Seuses zu sein, streitig machen, und in der Tat haben nicht wenige, nachdem früher Konstanz in der Vorderhand gewesen war, den eingehenden Darlegungen Kärchers'*) folgend, wenn auch teilweise mit Reserve, sich für erstere Stadt entschieden ^), Doch sind die Beweise schwerlich stichhaltig, Kar eher legt mangels älterer ^Nachrichten das Haupfgewic/it auf das negative, bereits als unhaltbar nachgewiesene Moment, dass sich in Konstanz kein Geschlecht von Berg nachweisen lasse, ferner auf drei in Über- lingen aufbewahrte Seusejwrträts, welche die Aufschrift tragen, dat^s der DargesteJlte ebendort (um 1300) geboren sei, ttnd auf die Lokal-

') Seit l:ili] öfters in Konstanz urkundlich bezeugt: vgl, die Zusammen- stellung in Hist,-pol. BL a. a. O. 61 ß., ötiff. und daeu Heg. ep. Cntutt, II M. 5814, 603Ü (IStiS und 1301 Knnrad von Berg), n. 6317 (Johann von Berg [de Monte], Kleriker, öff'entlichir kaiserlicher Xotar), n. 6440, 6441 (1377 Bruder Huhert von Berg /de Monte], ep, Uossensis, Weihbischof Heinrichs 111 von Konstanz). Nicht hieher werden gehören : f rater Johannen de Berg connrsus (1319) und F, Thomas de Bergen (1361), beide im Xeci'ologium des Freiburgir Dominikanerklosters nrreichnet f Freib. Diöz,-Arch. X V^I, 4:2).

-) Würftemb. l'B IX, 79: Fürstenb, ÜB V, lini: K. Begerle, Die Knnstanzer Uat.slisten l}<9ti, 63 f. Das Haus derer von Berg lag (1360) in der Paulsgassc und hifss ,Bur Taschen*, vgl. K. Beyerle, (rrnndeigeniumsverhüli' nuise im mitiehdterl. Konstanz II i 190:2) 37 5 f,: Marmor, Gcschichtl. TrtjtO' graphie von Konstanz ItiOO, 1^0,

'^) Cod.dipJom. Salem. II,ö3t^: III,li?9: Reg. Kp. Consi. II n. 3,H)8,3Q19: Freih. Dün.- Archiv 1903. 131 f. In der Urkunde von 130 J wtrden sein vir' storbener l'ater Man/uard, seine Matter Mcchthild und seine Schttester Mar* garet a genannt.

*i Dies ist auch die Ansicht Begerles, Fr eilt, Diöz.- Archiv 1903,137,

'*) S. den oben S. 63*' Änm. 1 zitierten Aufsatz: vorher schon ähnlich im Vreih. kath. Kinhcnblatt lüiit:. .76V.\r"., 371 f., 3iSlf.

'•; So namentlich hcnifle, Pregrr, Siran eh.

Geburtsjahr und -Ort, Abstammung. 69*

traditiofiy welche cUis Haus Nr. 492 in der seit 1889 so genannieih Susogasse als sein Geburtshaus bezeichne. Allein jene Bilder gehören d^m 18. f frühestens 17. Jh. an und haben somit ganz geringe Auk- torifäf, die Tradition aber für das angebliche Susohatis ^), das vor einigen Jahren mit Hilfe der badischen Regierung pietätvoll restanrieH wurde und immerhin eine Sehenswürdigkeit der Stadt bildet, ist mit Sicherheit kaum über 100 Jahre zurück zu verfolgen, ja ihr Vor- Iiandensein wird von Sevin^) ganz in Abrede gestellt.

Es bleibt aber, wenn auch Seuse selbst allem tiach zu Konstanz geboren ist, doch die Möglichkeit offen, dnss Seuses Mutter aus Über- lingen stammte, wie auch Murer und S teilt berichteti. Dann würde sich am ungezwungendsten erklären, wie man dazu kam, Überlingen als Heimat Seuses, der sich nicht nach dem Vater, sondern nach der Mutter nannte, zu bezeichnen. Zwar lässt sich der Familienname Sus, Süs^) im späteren Mittelalter in den Gegenden am Bodensee und

») Näheres Hist-poh Bl, a. a. (). 113 f. Bas im ältesten Teile Überlingens gelegene Haus kann nach dem Urteil Sachverständiger seinem Kerne nach wohl in das 14. Jh. zurückreichen; vgl. /*'. II. Kraus , Kunstdenkmäler des Gross- herzogt ums Baden I (1887) 666 f.; H.Sevin, Üherlinger Häuser buch 1890, 60.

-) Kaiser Rotbarts Fronhof 72.

'^) Die älteren Hss,, welcfie dem alemannischen SpracJigebiet angchönn, schreiben durchweg Süs, Suse, oder auch SuR(e), Heinrich von Nördlingen: der Susze (Strauch, M. Ebner XXXI, 22) und der Süsse (LI, 86 f.). Dem Suse entspricht in schwäbiscMayrischer Mundart Seuse, dem Sus Saus. Erstere jF^orm ist besonders durch die Augsburger Aufgabe V07i 1482 verbreitet worden ■uiui durch Denifle wieder in Aufnahme gekommen; Suso ist das latinisierte *Süse uiul kommt schon im 14. Jh. vor (so in dem später zu erwäJinenden J^pitaph von 1366). Der Personenname Sus (sus) scheint nach Förstvmann, ^ItdetUsches Namenbuch /* (1900) 1373 zu dem ahd. süson, süsjan, mhd. süstn, ^usen, nhd. sausen gu gehören; ein Suso findet sich zuerst im 9, Jh. {Tradi- tionen Corbeienses ed. Wigand 1843, 244), Ebenso pflegte auch Seuse selbst meinen Namen abzuleiten: nach dem Prolog von 1612 die Anekdote scheird fßliiuhhaft überliefert munterte er bei seinen Predigten seine Zuhörer und sich selbst auf mit den Worteti: Merckt auflP, wanu der seüss will seüssen^ oder: Nu wolan seüsz, du must seusen ; wenn er das Volk strafen wollte, sprach ei-: Da mäsz der seüss seusen, das euch die oren seüseu ; oder, wenn er sich nicht getraute, etwas zu sagen: Der seüsz getar da nit seüseu. Vielleicht liegt auch in Vita 27,21: süsent uf in die hohi eine derartige Ansjjielung vor. Ohne Grund bringen St eill, We y ermann und K ä r eher den Namen mit dem mhd. stiege (dulcis) zusammen (vgl, auch die Ubtvschrift der Vita 7,1 nach M : der wnder sües). -411/ einer Verwechslung von G und S scheint es zu benihen, wenn in der Hs, S (s. oben S, 8*) geys, und bei Zittard, Kurze Chronica des Domini- kanerordens, Uilingen 1596, 47,63 {doch vergleiche am Schlüsse die Errata and

70* Einleitung. IL iSeuseH Leben und Werke.

Oberrhein f:erschie(l^ tätlich nach weisen % doch scheint auch in Über- lingen eine Familie dieses Namens existiert zn haben, da sich in einem Anniversarienverzeichnis des dortigen Pfarrarchivs 152S ein Jahrtag für Siisanna Süserin, ihre Vorfahren und Nachkommen^ notiert findet^ Kaum wird man, wie Sevin (s. oben S, 6ß* Anm, 7 ) will, die eine halbe Stunde westlich von Uberlingm gelegene Süssen- bezw, Siessenmühle hier hereinziehen dürfen, da dJc Ableitung dieses Namens ganz unsicher ist'^),

II. Jugeudzeit, Eintritt ins Kloster, Beltehmng.

Die Eltern de.H jungen Heinrich *) von Berg waren, wie er selbst erzählt (23,21 Jf\, 142,17 ß',), sehr ungleichen Charakters; schroffe (iegen^ätze standen einander gegenüber , wie wir es im Mittelalter

Strauch, M. Ebner 364) Geins geschrieben ist: es ist aber auch möglich, dojts eine Konfundierant/ mit dem Wiener Vrofessor und Dr, theol. Johannes Geuss (Geizig f 1440, vorliegt, der verschiedene asketische Schriften verfasete (die Uss, 721 und 756 in Giessen enthalten Coliationes super Ave Maria und Sermonet von ihm).

') So in Wil bei SU Gallen (St. Galler ÜB 111, 360,426 ll32ü des 8Ü8en niüli/; IV, 053), in Strassburg (vgl, Anm. zu 74.2) und Basel (Siiser, ÜB JIJ, 142 f.; IV, 173,261): vgl auch So ein a. a, O. 443, Ober die in einein Briefe Heinrichs von Nördlingvn (Strauch XXIX, 37 f.) vorkommende Sussin ze Hoch- stctten vgl. die Anm. zu 74,2.

-) Genaueres Hist.-pol, Bl, a, tu (), KKi Anm. 2.

•') Von einem Bersonennamen Süs, oder von ahd, sioeza^ WeideplaWif Vgl. Buch, Oberdtsch. Flurtiamen 1860, 259: ders. in Schriften d. Ver. f. Gesch. d. Bodensees XI, 113; Krieger a. a. (). 1132,

*) SchuuTlich echt ist der Xame Johannes, der sich in manclien Hss. des Hör. (MO in Clm 1860S, 1^137: Cod. Mellic. 106 usw.) und namentlich in den Hss. der nltfransösischen ÜbtrsHzung ditscr Schrift ( t^uetif et Kchard I, 653: Theol. Stud. und Krit. ItHo, 852), dagegen nur ganz vereinzelt in deutsrhin Hss. (s. oben S, S*: vgl. >S. f;9* Anm. 3) Jindet, - - Der Name Amandas, ,Liebetrnut^ oder ,Herj:rnfraui^ (vgl, 140,7), ist nicht, wie rielfach geschieht (K ü rv h e r 20t): Vetter 2't : Strauch 169 uew,) als Klostername aufzufassen die Ihnninikamr jjjlegten damals bei der Profess den Namrn nicht zu ändern, - sondern gewissermassen als Seuses nom de guerrt als Mystiker, den tr nach seiner Krzühlung in der Jugend von der ewigen Weisheit selbst erhielt (Hör. 216: in eti visionis gnitia quodam novo et luystico nomine ab ipsa [Sapientiti] vocatus frator Amandus; vgl. tbd. 17,222). Es wäre sonst nicht zu erklären, doss der Xamt xcedtr in einer deutschen Hs., noch hei Heinrich von Nnrdlingcn oder Joh. Meger odtr in Seuses Kpitaph vorkommt, sondern nur in zahlreichen Hss. des Hör. (rgl, Strange 5; QuHif et Kchard I, 653, 656 f.: (Um 7819, 14604 usw.): düse schöpften ihn eben einfach üus

nicht iifltrn antreffen '). Der VaUr wnr durchaus u-fllUch ifemtiii, die Mutter dayegeH eine .heilige' Frau, ,mit deren Herz und Leih Oott Wundtr') wirkte bei ihrem Lehen'; sie war .voll Gottes" und hätte gente darnach ,lieiUg', U. h. ihren Übungen der Frimmiijkeil und Askc'»' ijelebt, allein d-es Mannes rauhe Gemiitmrt war dein abgmtigl, und so ßd ihr manches Leiden zu; sie tcar ,aUe ihre Tage eine groxse Leiderin'. Beide Eltern starben tvohl, efte der Sohn, neben dem nur noch con einer Tochter'), die Klosterfrau wur, die Rede ist (70,17 Jf.), das volle Mannesalter erreicht hatte. Auf seinen <i eist und Charakter hat die Mutter massgebenden Einßuss auageübt; das überviächtige religiöse Üe/iihl, dfis die edle Frau einst .minnesiech' ') machte und am Karfreitag oor Teilttahtne an den Leiilvn des Ge- kreuzigten sterben lieng, das iiebeswarme, weiche und sinnige Gemüt mit dem Zug ins Elegische ist als ihr Erbteil auf ihn übergegangen. Wahl glaublich ist es daher, wenn berichtet wird"), er habe steh gftäler nach der Mutter Geschlecht genaniU; schon ]3:i8 bezw. J347 ttennt ihn Heinrich con Nördlingen ") sehlevhtteeg ,den Süssen', und unter dem Stichwort ,d«r Stise' ging später die Vita (vgl. 7,1) bezw. il/is Exemplar in die Welt.

Den von Jugend auf kränklichen (56,16 f., 280,1 f.. Hör. 83, ln6) Knaben, der wohl für einen weltlichen Beruf nicht recht tnugen mochte (vgl. 146,11 ), bestimmten die Eltern für das geistliche Leben und //rächten ihn im Alter rion Jahren den Dominikanern in JConstans als Novizen. Dax idyllisch am Ausßnns des Rheins aus

i. TT e. 7 tlts Bor., wie auch /, Ji. NolUn, um ,Schlu»fe de» Bm-ht« in Clin '7819 und 1S313 draltieh zeigt". üntiUreffmil ist f», wenn der l'riilog eon 35tü tiagt, S*iut habe dtn Nameu Amandu/i bti Lebenleu geheim gthatlen, der- eelbe »ei erst nach xtineiH Tode in »einen OJfcnbai-ungen ff^unilen wurdtii. Aber <r utand ja in arm 1334 publieierten Horologium! Ein Dominikanrr Amandwi iet 1396 (Basier ÜB III, Uli u. 13<)3 (ah Priniintial doh Teulmin, vgl. Pregrr, Vorarbeiten 391 btitugf.

te') Ein intcrtutantt» Beispiel ertShlt Stuse Hör. Llfj. •) Das Wort wunder i244) ist nicht bucltstäbtieh tu fassen, simdtrii wich auf du« J42,36jl'. eraäUU Vuthommnit (vgl. auch 07,4. 103,4). *) Murer ■31,'> sjiriclii Boit mehreren Kinrlem, Kcl'UirrUch als suvtrliissiger ^-....„lerstatler.

■) Gant dasselbe mied von Btli fo« Sure in Thts (Vilm ed. V'ilir 1 Elisabeth ron Hsulingen «« WUer erzählt. [ ») Prolog drt ßrackts von 1513. b^ Büege oben 3. US' Anm. 3.

72* Einlcitim«^. Tl. Seuscs Lehen und Werke.

dejn Bodensee gelegene Inselklosfer^) (vgl. 48,8 f.) war foHan die längste Zeit seines Lebens seine Heimat j und die Handschriften d^s Hör. *) bezeichnen ihn mit dem offiziellen Titel als frater Henricus Su80 (bezw, fr. . Amandus) ordinis praedicatoram conventus (od^r domus) Constantiensiß. Der Predigerorden stand damals in Deutsch- land auf dem Höhepunkt seines Ansehens vnd seiner Exj^ansivkrafty und übte als der vornehmere, die Wissenschaft ex ]yrofes>o pflegende Zweig d^r Bettelorden auf die Söhne adeliger Familien immer noch eine nicht geringe Anziehung aus *); im Innern des Ordens freilich begann die ursprüngliche Zucht, welche fast das ganze 13, Jh, stand- gehalten hatte, sich zu lockem, und es zeigten sich manche bedenkliche Spuren d^s Niedergangs. Das Konstanzer Kloster machte hierin keine Ausnahme '). Es hat Seme später bittere Seelenpein verursacht^ als ihm gesagt wurde, seine Eltern hätten hei Gelegenheit seiner Auf- nahme ins Kloster, die sonst nicht vor dem 15. Jahre geschehen durfte, ein grösseres Geschenk gemacht (62^:^3 ff., vgl, die Anni. dazu). Wir wissen nicht, ob dabei wirklich eine Unordnung vorkam der Kontert spricht schwerlich dafür, jedenfalls aber spiegelte seine aufgeregte Seele ihm vor, ^.s- sei Simonie gewesen, und er litt gegen zehn Jahre schwer darunter, bis ihn Meister Eckhart durch rer- nünftigc Belehrung von seinen Skrupeln befreite.

Die ersten fünf Jahre des Klo.'<ferleben.<i verflossen ohne etwas Aussergewöhnliches ; wie der rückwärtsschauende Asket in strenger, wohl allzu strenger Selbstbeurteilung erzählt f Vita 8, 4 ff.; Bdew Kap, 1; Hör. 15 ff'. 56)^ trug er zwar .geistlichen Scheint d. h. das Ordens- gewand, das nach aller Anschauung , rechtlich betrachtet, an sich schoyi den Mönchscharakter verlieh '), aber sein Gemüt blieb jun- gesammelt^ er begnügte sich mit dem Gewöhnlichen, ohne sich besondere sittliche Anstrengungen zuzumuten. Doch .seine ideal angelegte Natur fand bei dieser Halbheit auf die Dauer kein Genüge-, er war in seinem Innern stets unruhig und unbefriedigt, ein unbestimmtes

••) 1236 (/eg rundet, i/^i3 ron Kauter Joseph II aufgehoben, seil lS7i , Insel hotel\

') Vgl. oben ö'. 70* Änm. 4.

•') Vgl. Fiiike^ Ungedruchii Domimkanerhricft dis 13. Jh, lisDJ, 10.

') Vgl. Vita 'J,üOJ). J4ö,:JoJf'. ^ach Hör. VJ gingen manche Mönche nach der Xon in div S'tndt, um Bikanntv zu b(Sut'hni : dir disciirsus inutiles evaü^elizantiiim tadelt /sV«,vt scharf ( l. c. 111). \Vriterr.s üher die Zustünde im l'redif/crftrdi ft uitti'r /) 7.

■•) \'g/. li. Schert r, Kirchenrecht 11 (If^UI) tSOö*.

Der Dienst der ewigen Weisheit. 73*

Sehnen und Dürsten nach etwas Grosseniy das die ganze Seele aus- füUtj bewegte ihn unablässig ^). Die innere Umwandlung, psychologisch schon lange vor bereitet, verdichtete sich in seinem 18. Lebensjahre, also um 1313^), zu dem durchgreifenden Ent-schluss (der geswinde ker 8,14), sein Leben fortan ohne Uückhalt in den Dienst Gottes zu stallen. Durch einen ,verborgenen lichtreichen Zug von Gott^ fühlte er sich mächtig gestärkt, durch Kampf und Askese hindurch nach der ^höchsten Kunst rechter Gelassenheit (o3,6 f. 15) zu ringen. Und er führte seinen Vorsatz aus, obwohl dem Anfänger Zweifel über das Gelingen und fremde Einreden, selbst Spott, nicht erspart blieben (8,21 f. Hör, 18 f.) und er unter seinen Klostergenossen keinen gleichgestimmten Freund fand, der sein Streben hätte unteryti'ffzen können (9,20 f). Mit rf^r Ablegung einer Lebensbeichte (-13,13 f 99,20 f.) begann er seine ,Vita nuova', die er in all ihren Phasen mit rückhaltloser Offenheit und unnachahmlicher Zartheit schildert.

III. Der Dienst der ewigen Weisheit.

Die Religiosität Seuses nach seiner Bekehrung nahm eine ganz ^charakteristische, ihm eigentümliche Ausprägung an. Wir sehen in yjir von Anfang an zwei verschiedene, scheinbar sich widersprechende Jiichtungen neben einander herlaufen: die gefühlsmässig-schtvärmerische 9^nd die asketisch-selbstquälerische,

^Er hatte von Jugend auf ein minnereiches Herz\ bekennt er

^j)on sich selbst (11,27 y vgl, 12,14 f, Hör. 10). Seiner lebhaften

J^hantasie genügte es aber nicht, Gott nur im allgemeinen als das

Jdcal der Güte und Schönheit sich vorzustellen, es r er langte ihn nach

Einern Sgmbol, oder besser einer Personifikation der göttlichen Voll-

fcommenheitenj die ihm greifbar nahetreten und mit der er in Verkehr

treten konnte. Er fand diese in der „ewigen Weisheit^, In seiner

Vit(i (Kap. 3) und noch deutlicher im Hör, (15 ff.) berichtet er, wie

er zu dieser Vorstellung kUm und welche Entwickhingsstufen sie bei

ihm durchmachte. Angeregt von den ,Lil>ri Sapientiales* des alten

Testamentes, besonders dem Buch der Weisheit, den Sprüchen Salomos

lind Jesus Sirach, deren Aussprüche über die „ewige Weisheit** seit

*) Die Erzählung ti,4Jf', erinnert nn diejenige der hl. Gertrud im Legatus divinae pietatis, lievelat. Gertrud, ac Mechthild, 1 (1675) 103 ff.

') Unrichtig Seeberg 135: „seine Btkehrutfg geschah am St. Agnestag. also am Ul, Jan. 1313**. Aber es handelt sich hier (Vita 10,11 f.) um eine Vision, die ,in seinem Anfangt, d. h. in der ersten Zeit nach der Bekehrung ,tfich ereignete.

74* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.

alters von der theologischen Spekulation nicht bloss auf die Eigen- "ichaften Gottes, sondern auf eine eigene göttliche Ugpostase, den Logos, gedeutet und in der kirchlichen Symbolik und Liturgie des Mittelalters vielfältig in diesetn Sinne verwendet wurden (vgl. oben S. 51* A. 2 u, S, 60* A. S), fasste er sie zunächst ganz allgemein ah den hibegriff alles Schönen und Liebenswürdigen, identifizierte sie aber dann fortschreitend mit dem ,ausquellenden Ursprung der blossen Gottheit^ (14,30 f.), d. h. mit dem göttlichen Wesm an und für sich, darauf konkret mit der persönlichen, menschgewordenen ewigen Weis- heit: Christus, ohne jedoch die allgemeinere Auffassung ganz auf zu- gebest, und lässt auch, wie es in der Liturgie geschah bezw. geschieht^ die Bezugnahme auf Maria dann und wann miteinfiiessen.

Seine Seele rang nach bildlichem Ausdruck seitter inneren An- schauung und begehrte die Geliebte zu sehen; sie zeigte sich auch wirklich seinen ,inneren' Augen in bedeutungsr ollen, der hl, Schrift entnommenen Bildern: sie leuchtete wie der Morgenstern inui strahlte wie die aufgehende. Sonne, bald erschien sie ihm als schöne Jungfrau, bald als edler Jüngling, bald als weise Meisterin, bald als stattliche Minner in, und sprach zu ihm gütlich: ^Sohn, gib mir dsin Herz!*^^) (14,10 ff. Hör. 20 f 57). Die Worte Pauli ron Christus als ,Gottes Kraft und Weisheit^ (I Kor, 1,24), ,iH dem alle Schätze der Weis- heit und Wissenschaft verborgen sind* (KoL 2,H), Wiegen ihn weiter auf die zweite göttliche Person hin, durch deren leidende Menschheit er zur Gottheit vordringen solle (Hör, 21,25; Bdew 203,8ff.). Als Sinnbild der ewigen Weisheit in letzterem Sinne erschien ihm der Name Jesus (400,20 ff'. ), und ihm widmete er einen bis ins kleinste geregelten Kult, der in der ,Bruderschn/t d4*r ewigen Weisheit^ in weitere Kreise verbreitet wurde (Kap. 45; 393,8 ff.). Daneben führte er aber doch stets die Idee der ewigen Weisheit auf ihren lJrsi)rung und Quellpunkt, das Wesen Gottes als den ,grundlosen Abgrund aller Zartheit, Schönheit, llcrzenlust und Lieblichkeit' (14,29 ff. Hör. 22) zurück. Einen unauslöschlichen Eimiruck machte es auf ihn, als er am St, Agnestag erstmals in einer Verzückung corübergeliend jenen

\) Aus der prfivhiiyt'U Schildtrung der Viia hat Herder den Vorwurf zu aeinein schönen (rcdichie .JJir cwuje Weisheit'* (abgedruckt hei Diep. 21 24) (jenommcn. Eingehenden (Quellennachweis hat R.Kv hier geliefert in , Berichte der Kgl. aiichfi. Gesellschaft der Wiss.' 7667, l<)5—24 (dir Aufsatz inceitert m Köhlers Kleineren Schriften III llSOOj 107-21) und festgestellt, dojss Herder nicht den Urtext, sondern Murer, Jlelvetia s. 31UJf\ benutzt und das Gedicht 1796 verfassi hat.

Der Dieust der ewigen Weisheit. 75*

Zustand des Sichselbstverlierens und der mystischen Einigung mit Gott erlebte (Kap. 2, Hör, 22), auf den alle Mystik hinzielt. Was er da sah, kann er nicht beschreiben: es war formlos und weiselos' die Vision war also mehr eine intellektuelle als eine bild- liche^) (vgl. Hör. 22: in hoc fontali principio nee forma erat nee materia) und doch war es alles Entzückens voll; er konnte nur ^ch selbst vergessend einstarren in den glanzreichen Widerschein der Gottheit. Als die Erscheinung zu Ende war, sank er erschöpft wie ohnmächtig zu Boden, seine Seele und Gemüt aber waren voll jhimm- lisclten Wunders', und lange Zeit blieb ihnen der fühlbare Eindruck davon *).

Die Liebe zur ewigen Weisheit ist fortan die überirdische Atmo- sphäre, in der Sense schwebt, „Diener der ewigen Weisheit*^ die stehende Bezeichnung, die er sich gibt. Was nur je irdische Minne an Lobspriichen erdenken kann, häuft er auf dieselbe: sie ist sein Serzentraut (217 ,4:. 140,7 ), seines Herzens Kaiserin (15,17), sein jfröhlicher Ostertag, des Herzens Sommerwonne, seine liebe Stunde C 27,1 f., Bdew 223,23 ff., Hör. 58 ff.), mit ihr glaubt er sich vermählt tele Franz von Assisi mit der Armtit (vgl. Hör, 217), und strömt €.i€n Jubel seines Herzois über diese Gnad^ in Worten voll stibmischer Megeisterunq aus (Kap. 3; Hör. 215 f., vgl, Preger II, 362 f). Er ^m4)idmet ihr, besonders in den Tagen seiner ,blühenden Jugoid^ (110,4), <:la sein Antlitz noch vo7% frischer, blühende^' Farbe war (110,14), ^nen Dienst voll rührender Zärtlichkeit ^), wie es ganz seiner poetisch- womantisehen Anlage, seitier ritterlich-adeligen Erziehung entsprach, ^nd fühlte sich darin unaussprechlich selig; seine tägliche Lebens- ordnung, seine ,kindlichen Andachten^ (110,3), seine Naturbetrachtung sind unter diesen Gesichtspunkt eingestellt. So wenn er ein neu£s Oewnnd anlegt, oder sich zu Ader lässt oder die Tonsur erneuert (110,4 25), wenn er Lieder singen oder Saitenspiel erklingen hört (15,3 ff.), unterlässt er nicht sie zu ,meinen* und um ihren Segen zu bitten; das Weltall mit allen Geschöpfen ruft er zu ihrem Lobe €/t//(Sur8um corda! Kap, 9). Zu Ehren der ewigen Weisheit verfasst er ein eigenes Gebetlein lateinisch und deutsch als ,Morgengruss* (18,12 f, 395,18 ff.) ^ dessen V^ er breitung er .sich angelegen sein lässi,

») Vgl Anm. eu 342/J6ff.

*) Zum Vergleiche ist sehr lehrreich die dichterisch'Symholif<che Schilde- rung der Ekstase bei Bichard V07i tSt. Viktor, Benjamin Maior IV , 23 (ange- führt bei Krebs, Meister Dietrich [s. Anm, zu 328,17] 133 A. 4).

*) Hübsche Schilderung bei hringer 304 6.

76* Einleituiijr. TT. Seuses Leben nnd Werke.

setzt sie in holder Spielerei als Tisch (/enossen vor sich hin, d<9«a m ihm Sjms und Trank mpw (Kap. 7), erhittH oon ihr am Netijahr wie die JUnylintje in Schwaben ein Kränzlein (Kap. 8), und setzt am ersten Mai als seinen (jeistlichen Maibaum das Kreuz mit allerlei lüumenzier geschmi'tckt (Kap. 12). Er lässt sich auch die ewige Weisheit in minniglicher Gestalt, wie sie Himmel wui Erde in ihrer (reu alt hat, auf Pergament malen^ nimmt das Bild mit auf die hohe Schule nach Köln nnd bringt es wieder zurück in ,seine Kapelle' in der Predigerkirche ::u Konstanz, in der er gewöhnlich seiner An- dacht pflegte (103,14 ff.). Wie er in einem eigenen prächtigen Jw- dacht^buche. dem Bücldein der ewigen Weisheit, das Lob seiner (ieliebten rerki'nulete, soll später Erwähnung finden. Seine Liebes- inbrunst ging sogar so weit, dass er einmal in seiner Anfatyszeii mit einem eisernen Griffel sich den Xamen Jesus als bleibendes Mal- zeichen in die Brust eingrub^), .gleichwie weltliche Liebhaber den Namen ihrer Dame am Kleide tragen'; unvertilgbar blieb er da bis zu seinem Tode, nur zwei vertrauten Freunden und Elsbeth Stagel offenbarte er das Geheimnis (Kap. 4; 148,3:^ ff. 393,12/.; Hor.76,221; Minneh. 538,5 f.).

lY. Seuses Kastelun^eii.

,Zur Minne gehört ron altem Uvvht Leiden^ .Jeder Minner ist auch ein Märtgrer^ ( 13^5 f.), das war Seuses Überzeugung, der auch hierin die Idee des mittel tilterlichcn Frauendienstes ins Religiöse ilber- trägt% Der ewigen Weisheit zu lieb ist er daher bereit, alles, auch das sch/rerste zu leiden (31,13 ff., ITor. 18fi5). Vnd er wartet nicJtt, bis Leiden von selbst kommt, sondern beginnt bald nach seimr Be- kehrung damit, seinen .wilden Mut\ den ,verwöhnten, widerspenstigen

'i Ähnliehes tn'rd cr::ähh von der hl. Kadff/undiA (y 587) und Ii!ditha (Y iff^4t, Vf/l. Zoch'ivr, Ashcsr und Möudduin H- (lt<ii7) 4^*9 : ders,, Dan Krvuz (-hri.sti Lh'tö, :Ji} : von (liriaiinn Khnt'V, n/l. Lochner, Lehe^i nnd (rcsichtc der Chr. J\ ts'tjj, 11: ferner von Veronika Giuliani /-J- 1727), vgl. Stimmm aus Maria-J.ntich n*o't II, :Jti4.

-I Vf/L Hör. SI : iiiilitiac siM'cii's amor fst: I.e. U f.: litore quot eonehae, tot simt in iiiiKuu ([«»Ions . . . Kovolve iiiiiunirra et stiipi'uila, «juao le^^riHti et iiiulivisti. qiiiu' ]in)li])Uilur liuius niiiiidi amatoifs o\ aiiuire viuiissimo su.<^tiDuenlnt•. Xoiiiu- iii*4(Miiis('L'i>ns, e-iMii ail notiriaiii tuaiii ])crveint iuveiii'iu 4iien(lam tibi notum in tantiMii t'iiisse rascinatmn. iit i)b aniorrui unius ]Mi<'lIao iVrnim quoddaui carni snat' intixuin portarct? Mnn fühlt sirh aun^illkürlich an die Liebestollheiten ririchs rrtn I.irhienst.in (rinnrt, dor .sich um neini-r Ihnne irillen einen Finger nhharhtt!

Seuses Ka8teiun8:en. 77*

'Leib% seine ,lebendige Naiur^, mit der er sich überladen fühlte (9,19. 26. 39,3 ff,, 108,18 ff., Bdew 200,20), durch ein erfinderisches System von Äbtotungen und Knsteiungen zu bezwingen und zu unterjochen. Die Eingrabung des Namens Jesu in die Brust ist schon erwähnt worden. Seine Zunge hielt er in strengster Hut, so doM er inner- halb 30 Jahren bei Tische nie das Stillschweigen brach (Kap, 14); zehn Jahre blieb er in seinem Kloster abgeschieden von aller Welt (59,30 f., 103,5 ff.), trug lang ein härenes Hemd und ei)ie eiserne Kette um den Leib, schlief des Nachts wohl 16 Jahre in einem engen, mit Nägeln besetzten Unterkleid, die Arme in Sc/Uingen gespannt ocfer die Hände in lederne Handschuhe gesteckt, die mit spitzigen Messingstiften versehen waren (Kap. 15). Acht Jahre trug er ein mit scharfen Nägeln und Nadeln beschlagenes hölzernes Kreuz unter dem Kleide auf dem Bücken, und nahm mit demselben wie auch mit einer eigens präparierten Geissei häufig Disziplinen (Kap. 16). Un- gefähr acht Jahre schlief er auf einer alten Türe oder in einem enijen Stuhle sitzend, ohne hinreichende Bedeckung im Winter, wärmte ^ich gegen 25 Jahre nie am Konventsofen und mied alles Bad, ass laitfje Zeit nur einmal des Tages und brach sich nicht nur, wie im Orden zu geuHSsen Zeiten üblich, das Fleisch, sondern auch Fisch