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Lübben. Von demselben 35 Der Maler mit der schönen Frau. Von K, Bartsch und R. Köhler 41 Alt- und Mittelhochdeutsches aus Engelberg. Von K. Bartsch 45 I. Lateinisch-althochdeutscher Segen 45 II. Althochdeutsche Glossen zur Bibel 46 III. Althochdeutsches Wörterbuch 47 rV. Sequenz von Muri 49 V. Mariengedicht 50 VI. Segen gegen Colik 52 Vn. Geistliche Lieder und Hymnen 52 Vin. Lateinisch-deutsches Vocabular 66 IX. Geistliche Prosawerke 68 X. Verschiedenes 71 Althochdeutsche Glossen zu Horaz. Von AlfredHolder 73 Aus der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Main. Von L. Diefenbach. . . . 76 Bruchstücke mittelhochdeutscher Dichtungen aus dw mittelalterlichen Sammlung zu Basel. Von K. Meyer 80 Mitteldeutsche Predigt- und Legendenbruchstücke. Von W. Schura 96 Zum Meier Helmbrecht. Von A. Birlinger 110 Zu Bruder Hausens Marienliedem. Von demselben 112 Weinende Augen haben süssen Mund. Von R. Köhler 113 Kierspe. Von W. Crecelius 114 Anspielung an ein unbekanntes Gedicht. (Segremors?) Von H. Suchier . . . . 115 Vom Stef. Von Th. Möbius 129 Eine Sage von Theoderichs Ende in dem 'Libro de los enxemplos'. Von Rein- hold Köhler 147 Die Schwanke vom Bauer Einhirn und vom Bauer Grillet. Von demselben . . . 152 Beiträge zur Kritik der Eddalieder. Von Ludwig Ettmüller 160 7. Sigurdarkvida Fafnisbana fmdja 160 8. Brot af Brynhildarkvidu • 172 9. Helreid Brynhildar 173 Zur Chronik von Zimmern. Von Felix Liebrecht 175 Deutsche Franziscanerregel des XIII. Jhs. Von A. Birlinger 186 Sprüche und Verse deutscher Mystiker. Von K. Bartsch 195 Zur Laut-, Wort- und Namenforschung. Von Albert Hoefer 200 XXXIV. Das Nötkersche Anlautgesetz 200 XXXV. Das alts. asua 206 Nachtrag zu Seite 7 — 23. Von demselben 209 Zu brüsche (zu prüse, zu prusen) gen. Von Fedor Bech 210 Meister Walther von Breisach. Von Bauer . 213 Zur Namenforschung. Von demselben 214 Altniederdeutsche Brocken. Von W. Crecelius 215 Seite Anteloye und Alexander. Von J. V. Zingerle 220 Zu dem Engelberger Segen. Von K. Bartsch 234 Wundsegen von den drei Brüdern. Von Albin Czerny 234 Fragmente einer Handschrift von Gottfrieds Tristan. Von E. Kölbing 235 Spenden zur Altersbestimmung neuhochdeutscher Wortformen. Von Fedor Bech . 257 Bruchstücke aus Eilharts Tristan. Von Georg Jacob 274 Altwestfälische Dichtungen. Von J. B. Nordhoff 281 Zur Laut-, Wort- und Namenforschung. Von Albert Hoefer 301 XXXVII. Dualis im Niederdeutschen 301 XXXVIII. Jem, jüm, jum 303 XXXIX. Pronominales 304 XL. Das nd. Verbum heten 307 XLI. Zwei ud. Constructionen 308 Sprichwörter des XI. Jahrhunderts. Von Karl Bartsch 310 Ein Predigmärlein. Von B. Greiff . . . . • 353 Zum Passional. Von Dr. O. Meltzer 355 Übersticke. Von Lambel 357 Untersuchungen über König Eother. Von A. Edzardi. 385 Kleine Beiträge. Von Felix Lieb recht 453 I. Heidenwerfen , 453 II. Das Brückenspiel 455 III. Aschgerberstraße 456 IV. Tpra, purt 456 V. Fander, fanner 458 Bruchstücke des Gedichtes vom heil. Servatius. Von Frommann 458 Ein Gedicht von der Gerechtigkeit. Von Reinhold Köhler 460 LITTERATUR. Bergmann. Friedrich Wilhelm, Das Graubartslied (Harbardslied). Von E. Kölbing 116 Hildebrand,, Svenska Folket under Hedna-tiden. Von K. ^Maurer 121 E. Kölbing, Riddarasögur , Parcevalssaga , Valvers})ättr, Iventssaga, Mirmanssaga. Von Konrad Maurer 235 E. Kölbing, Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Pronomen. Von Ludwig Tobler 243 C. W. M. Grein, Das gothische Verbum in sprachvgl. Hinsicht dargestellt. Von F. Möller 249 Hermann Österley, Gesta Romanorum. Von Felix Liebrecht 357 Dr. Matthias Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Von Aug. Witzschel 366 Wilhelm Wackernagel, Kleinere Schriften. Von E. Wilken 381 BIBLIOGRAPHIE. Bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie im Jahre 1872. Von Karl Bartsch 461 raSCELLEN. Personalnotizen 128 Dr. Friedrich Koch. Von August Witzschel 251 Übersicht der Vorlesungen über deutsche Sprache, Litteratur etc. Von K. Bartsch 254 Personalnotizen 256 Bekanntmachung 256 Personalnotizen 384 Berichtigungen 128. 256. 508 VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. Eine Nachlese bes. aus niederdeutschen Quellen und mündlicher Mitteilung*). I. Feste und Gebräuche. Wei hu achten. Der Name Jül, hier lange allbekannt und ge- bräuchlich und erst jetzt wieder mehr und mehr verschwindend, scheint doch verhältnismäßig spät aus Schweden eingedrungen zu sein. Die älteren Quellen kennen das Wort nicht, selbst Dähnert in seinem Plattdeutschen Wörterb. 1781 läßt es unerwähnt, vielleicht verschmäht er es absichtlich als Fremdwort. De Jülklap fem. d. h. die eingepackte und mit lautem Rufen eben dieses Wortes in Haus oder Stube einge- worfene Weihnachtsgabe, — dazu das Verbum jülklappen — hieß früher Mntken Jes, das Christkindlein und die Gabe die es bringt, denn der heilige Christ beschert selbst, vgl. Zobers Strals. Chron. 3, 29 vom J. 1558: se brachte etlik kinderwerk dat de hilge Kerst den kinderen bescheren scholde. kinjes, so oder in ähnlicher Form, ist noch jetzt mancher Orten üblich, in Jul. Wiggers Plattd. Gramm. 107 ist de kinjes m. der Gabenbriuger, Bescherer, im Lütken Strohot 145 Weihnachtsgebäck, Semmelbilder, Pfefferkuchen, wie sie noch heute im Schwange. Vgl. Schiller zum Tierbuche 1, 28 kinnergespoppen. Kindesvot. Nach Franz Wessels Schilderung des Strals. katholischen Gottesdienstes bis zum J. 1523 S. 4 tasteten die Bauer- leute den Christabend bis sie die Sterne am Himmel sahen, 'so drogen se garven in de koppele efte sus in de lucht, dat se de wint sne rip efte sus de lucht beschinen konde. dat hetede men des morgens kindes- vot, dat delde men des morgens allem üt, sloch ene garve 2 efte 3 *) Ich biite durchaus nichts vollständiges zu erwarten, ich gebe nur allerlei bemerkenswerte Einzelheiten, wie sie sich innerhalb gewisser Grenzen bei Gelegenheit anderer Sammlungen ergaben und dann meist schon vor Jahren geordnet und aueinander gereiht wurden, GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVIil.) Jahrg. 1 2 A. HOEFER üt unt gaf den swineu koien enten gensen dat se alle des kindesvötes geneten scholden', auf daß sie für das ganze folgende Jahr Gedeihen hätten. W. verstand offenbar *Kiudesfuß' und daß man es so auch sonst gefaßt, ergibt sich aus Dähnert, s. s. v. kindsföt . der es von AVessel entlehnt, aber auch in anderem Sinne kennt, als Zuckerwerk das die zu Entbindungen gebetenen Frauen*) von dem ihnen dabei Aufiretischten den Kindern mitnahmen, vorsiebend, das habe das neu- geborene Kindlein \an den Zähen' d. h. Zehen mitgebracht. Wol eine Erklärung des Wortes fot. Mit welchem Rechte andere an Futter denken, mhd. vuotunge, engl, food, bleibe dahingestellt, da der Wort- sinn bei Wessel schon verdunkelt ist. Neujahr und Ostern. Die Neujahrsaschc bewahrte der Bauer und hesichiede damit sein Vieh, Wessel 4. Am Abende buken alle Leute das noch jetzt hier und sonst übliche liiejär, s. Mannhardt Götter- welt S. 14o. Das hob man zum Teil auf *bet de. meier meien wolden, so eten se därvan, menedeu, se konden sik denne nen vordrot dhon, W. 1. 1. Beachtenswerte Übereinstimmung zeigt die Sitte schwedischer Bauern, den gebackenen julagalt bis zum Frühjahr aufzuheben, um ihn dann den Pferden und Pflügern zu essen zu geben spe uberioris messis percipiendae, Mythol. 1188. Also deutlich Opferkuchen. Der noch fortlebende Osterwolf, den die Bäcker Ostern einem Ratsmitgliede lieferten, ist aus dem J. 1451 Germ. 15, 8'2 schon nachgewiesen, bei Zober Chron. 3, 37 senden die Bäcker dem Xic. Genzkow am 23 Mrz dat paskenhrot. — Ostereier, bei Dähnert paskeneier, erwähnt Wessel in anderem Sinne : de jungen sungen Sprüngen schelleden eier, was en ütermäten wol, dat se flesch und eier eten mochten. Weiter heißt es bei Wessel: Ward \allelüja gelecht' d. h. eingestellt, so sangen die Kinder allelüja is gelecht, unse maget krieht en (einen) knecht. Die auf den Mairitt, *^in dat meien riden bezüglichen Stellen aus Sastrow und den Strals. Chroniken 1, 211 und 215; 2, 162 sind wie ich eben sehe bereits Germ. 5, 276 von Uhland mitgeteilt, aber nicht einmal diese stehen in völlijjem Einklano^e mit einander und die hie und da zerstreuten zahlreichen Nachrichten stimmen in Bezug auf den teils als gekrönter Sieger bezeichneten, teils gewählten Mai- greven, den Kranz und andere Einzelheiten, die Zeit u. s. w. so wenig überein, daß der ganze schöne Brauch der hier in Pfingstkönig, *) Dafiir galt inhcUeti, 'inhaluruj, wie ich höre noch jetzt gebraucht, nach Däh- nert weiter entwickelt: se hei inhalung^ sie ist in Geburtsarbeit. VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 3 Krone und Pfingstjungen noch jetzt einen schwachen Nachhall hat, billig einmal gründlich und im Zusammenhange untersucht werden sollte. Am Frohnleichnams feste, Donnerstag nach Trinitatissonn- tag, wurden durch die grasbestreuten, maigeschmückten Straßen Um- züge gehalten. Dazu trug man zehnellenige Bäume, Lichter darauf, aus der Kirche, *6k de groten Rümelande to s. Nicolaus', Wessel S. 13. Zobers Vermutungen über das Wort befriedigen nicht; jedes- falls ist das Wort eine Anwendung des bekannten oft nachweislichen Namens, wenn auch in anderem Sinne. Ich denke. Bäume ohne Lichter sind gemeint, die, welche Bestimmung sie auch sonst noch haben mochten, als Platzmacher, Straßenräumer dienten. Ich erwähne hiebei aus Wessels sprachlich höchst merkwürdiger Schrift S. 9: '^so knede sik de pape in deme togekrempeden stole nedder, hedde dar ene flasche mit wine, halde sus to ieder reise eine (so die Hs. lies enen) efte 2 güde sluderiensen/ Ebenso S. 13: drunken güde slud., nur mit j statt i*). Der Sinn steht fest: einen oder zwei gute Trünke, Schluck, Das Wort wird bedeuten 1. ein lieder- licher Mensch, ein Schlemmer, Säufer, 2. wie der es macht, ein Trunk, ein Zug, Schluck seiner Art. Ich erkläre von slüdern, einem freilich etwas vielsinnigen Worte, und Jans neben Jan, Hans, vgl. Jan kopal, Jan hlvftohüs oder z. B. finkeljochen, das auch zuerst eine Person, dann ein schlechter Branntwein, Fusel. Oder soll man auf eine Form wie Grobianus zurückgehen? Slüderjän oder -hans wird wenn es nicht vor- kommt leicht überall verständlich sein, Slüderlischen u. dgl. ist hier oft zu hören, freilich in anderer Bedeutung. Jans ist üblicher Name. Mit dem Johannisfeuer und sonst Katzen zu verbrennen war alte Sitte, Mannhardt a. a. 0. 201 — 2- Darauf deutet nicht ohne Grund Lappenberg in den Hamb. Chroniken a. 1483 S. 349 die Worte: 'gi moten sine Hans katten wesen d. h. Johanniskatzen des Hans Schröder, der dann S. 352 darum selbst 'Hans katte' genannt wird, vgl. Lappen- bergs Anmerkung das. S. 621. Hochzeiten. So reichlich hier gesammelt ist,' so vieles wäre nachzutragen. Ich hebe nur einiges heraus. Das bekannte Poltern am Abend vor der Hochzeit mit Glas und Scherben, angeblich alte Sitte, galt als Wunsch oder Vorbedeutung: jemehr es klinge und lärme, desto mehr klinge nachher Geld. *) Das Wort ist friilier mehrmals verlesen, aber Zober gibt es richtig wieder, nur daß die Handschrift, die ich nachgesehen, an der zweiten Stelle groß S hat. 1* 4 A. HOEFER Die Krone (daher: es regnet ihr in die Krone) neben dem Kranze stand hier der Braut nur zu. wenn sie Jungfrau war. Anderes Falls bhol) ihr der Kranz, er durfte aber hinten nicht geschlossen sein. Die Braut ward dem Bräutigam zwischen Trauung und Mal am Bette übergeben, 'aufs Bette zugeworfen. Eine Verordnung von 1592 schreibt vor, daß das Bett werfen nach alter Gewohnheit ehrbar und sittsam gehandhabt werde. Vgl. Dähnert s. v. beddewerpent, Balt. Stud. 15^ 198. 201. Beim Male spielten, wie hier auf dem Lande wol noch mit- unter, die bedeutendste Rolle Hechtleberund Leberreime, rhyth- mi mensales, wie sie schon 1604 Hambg. durch Joh. Juniorem ge- sammelt, auch 1660 0. O. als Artige Reime von der Leber gedruckt sind, ein salbaderisches Reimspiel das sich oft durch Witz, öfter durch Roliheit auszeichnete. Brüthan, nach Dähnert ein Hochzeitsgeschenk der Gäste an die Brautleute, doch urspr. wörtlich verstanden, denn Hahn und Henne zur Hochzeit zu bringen war schon 1339 verboten, s. Burmeister, Wism. Bürgersprachen S. 154, Wism. Statr. 18 und Balt. Stud. 21, 160. Der Tanz begann , doch vielleicht nur bei gewissen ländlichen Hochzeiten, damit dal.^ der 'Brautdiener die Braut über den Tisch tanzte' u. s. w. Nach dem Abtanzen der Krone fiengen verwante Frauen die Braut ein, die nach vielem Sträuben den Kranz mit der Haube vertauschte und nun als junge Frau galt. So hier. Dem ""Bräutigam zu Bette helfen,' ihn in das Brautgemach begleiten^ begegnet öfters in Nie. Gentzkows Aufzeichnungen. Der Stein. Wichtiger daß bei Hochzeiten zuweilen eines Steins gedacht wird, wie sonst z. B. auch bei den Indern die Braut einen solchen betrat, vgl. meine Indischen Gedichte 2, 237. Eine Anspielung findet sich offenbar in einem hiesigen, li'üher sehr beliebten Kinder- spiele: 'ich steh auf einem breiten Stein, wer mich lieb hat, hol mich ein', so sagte ein Mädchen , dem bei Pfänderspiel die Aufgabe geworden, es scheint gleichsam um sich anzutragen, Freier einzuladen. Was für ein Stein konnte aber gemeint, was mochte seine urspr. Be- deutung sein? Vielleicht erklärt dies B. Sastrow der 3, 9 — 11 den Stein- gang oder das Steingehn, stengänt erwähnt, wobei Mohnike bereits an jenes Spiel erinnert. Er selbst hat die Sitte noch mitgemacht, ja er meint fast der letzte Bräutigam zu sein 'der auf den Stein gieng', denn nicht lange nach seiner Hochzeit im Jahre 1551 sei der alte Brauch abgestellt. Er beschreibt ihn so: die Geladenen und Freunde begleiteten um 3 Llir Xm. den Brautmann nach dem Markte nach der Seite der TON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 5 Schuhstraße,*) wo er dann allein auf der Schwelle des Eckhauses einen vierkantigen Ehl stein (al. Öhl-, Ahlstein) betrat und ein par pater noster lang innehielt. Darauf gieng der Zug nach dem Hochzeits- hause und die Trauung fand statt. Man erklifre, fügt er hinzu, der Brautmann müsse, wo jemand Einsage hätte, dessen gewärtig sein und einem sei denn auch einmal auf dem Steine Plahnrei! zugerufen. Vielleicht hatte zuerst dieselbe Bedeutung der im Frankfurter Dome bis 1607 nachweisliche s. g. Heißenstein vor der Turmtür, auf welchem die Brautleute nach ihrer Ankunft sich Treue gelobten, worauf der Pfarrer Wein über ihre Hände goß und sie zur ehelichen Ein- segnung in die Kirche führte. Auf dem Stein war eine Handtreue aus- gehauen. Vgl. Kriegk, Deutsches Bürgerthum im MA. neue Folge S. 232 und 379. Begräbnis. Dem Herzog Otto von Stettin wirft bei Kantzow 126 ein Märker, der Stettiner Bürgermeister Glinden, Schild und Helm ins Grab nach mit den Worten: 'dar licht unse herschop'^ denn er hatte Verstand mit dem Markgrafen. Da springt einer vom Adel ins Grab, holt Schild und Helm wieder heraus und sagt, das sei ehrlose Lüge, sie hätten noch Herzoge, ihre geborenen Herren, worauf sie beides an Erik und Wartislaf schickten, *^mit anbedinge eres gehorsames'. Die Verräter verhandeln dann in der Nacht unter einer Linde, die um den boshaften Handel später augensichtlich vorsorede, verdorrte, S. 128. Über die Sitte, Helm und Schild oder Schwert und den um- gekehrten Schild Leichen vorzutragen oder Helm und Schild dem letzten Sproß eines aussterbenden Geschlechtes mit ins Grab zu geben, vgl. z. B. Kriegk, Bürgerthum im MA. neue Folge 170. 372, der sie in Frankfurt erst um 1656 und 69 kennt. Stand diese Sitte damit in Verbindung, daß der Sohn des Vaters Schild und Harnisch erbte? Als Zeichen des Aussterbens soll auch das Zerbrechen beider gegolten haben. S. Nr. II. Friedenschluß. Beiläufig, als alte Gewohnheit der Rugianer bei Bündnis und Friedenschluß erwähnt Kantzow 43: der der den Frieden machte, pflegte einen Stein ins Meer zu werfen mit dem Wunsche, *) Das noch erhaltene altertümliche Haus welches allein gemeint sein kann, ist aber stets ein privates gewesen , merkwürdig genug daß es bloß seiner bequemen Lage und des Steines wegen für den obigen Zweck ausersehen sein sollte. Daß der Name aus dem von mir Germ. 14, IX erklärten alstrak mit Verlust der Silbe straJ- entstanden, glaube ich nicht, doch weiß ich ihn nicht zu deuten. Das neue Wörterbuch übergeht ihn. Mögen andere sich daran versuchen. ß A. HOEFER wer den Frieden zuerst bräche, sollte so untergehen und stürzen wie der Stein vergienge. Sitten beim Schwören. Eine höchst eigentümliche Vorschrift enthält das Lüneburgor Stadtrecht bei Kraut p. 57 : Wenn ein Mann ein Pferd als ihm geraubt anspricht, so soll der Besitzer schwören, daß er es 'bi schönem daghe und bi schinender sunnen auf dem freien Markte irckauft habe. Der andere soll auf die rechte Seite des Pferdes treten*), seinen linken Fuß auf des Pferdes rechten Fuß setzen, über das Pferd tasten, mit der Linken das linke Pferdohr fassen und mit der Rechten schwören, daß es sein Pferd u. s. w. Sodann heißt es: 'also dicke alse dat perd eme enthüt den vöt eder dat ore, weddet he achte Schillinge' wenn es nicht mit dem Vogte anders abgemacht ist. Das Urtheil ist somit dem Pferde überlassen, die weitere Entscheidung fehlt. Der alte Brauch daß der Hirte auf seinen Stab schwört, der Reiter den Steigbügel faßte, die Frau mit der Linken die rechte Brust, ist doch ganz anders und nur zum Teil vergleichbar, doch s. Osenbrüggcn Studien 73. 75. Schauspiele. Die Stralsunder Chroniken erwähnen Bd. 2, 149. 152. 189 öffentlicher Aufführungen, im Jahre 1553 auf dem alten ^larkte der Tragödie von dem Daniel durch Johannes von S. Jakobs- schule, im J. 1557 des Spiels vom verlorenen Sohne in S. Nicolaus- kirche; im J. 1584 der Tragödie von Susannen durch den Cantor, auf dem alten Markte. Dem Bürgermeister Nie. Gentzkow, dessen Auf- zeichnungen erst mit 1558 beginnen, war 1551 in Lübeck ein fünf- actiges Schauspiel gewidmet, das sich ohne Titel in Uhlands Sammlung befand. Vergl. Kellers Fastnachtspiele 3, 1474. IL Strafen. Dies Capitel ist von Grimm RA. 680 ff. und Anderen, z. B. von Osenbrüggen in seinen anziehenden Studien besonders zur schweizeri- schen Rechtsgeschichte so eingehend und sorgfältig bearbeitet und doch bieten auch hier die Urkunden, selbst die Chroniken eine Fülle neues Stoffs oder neuer Belege, wie die folgenden wenigen Beispiele dartun mögen. Dabei zeigen sich immer neue Arten der Bestrafung und dieselben Verbrechen werden nach Ort und Zeit ganz verschieden beurteilt. Bei den alten Ditmarschen ward die Entehrte von ihren *} Im Texte steht g&n stän, das ist nicht gdn, sfdn, sondern : .stehn gehn. Nach- her en fhu' ist von mttJan^ also tixi oder tuet, ü steht hier auch sonst fälschlich, wo es keine Stelle hat. VON SITTEN UND liKÄUCHEX, NAMEN UND AUSDRUCKS WEISEN. 7 V er Wanten lebendig begraben oder verbrannt, Dahlmanu zu Neoc. 2, 547; Michelsen, altditrn. Recht 313. Vgl. Osenbr. cp. 18 u. 19. Der schwangeren Magd des Nie. G. setzen 1558 ihre lärmenden Freunde eine Mütze auf und die Frau jagt sie aus dem Hause. Später wird eines Morgens au die Tliiir des Herrn Bürgermeisters geklopft und da man auftat, fand man iln* Kind davor, Svodurch sie ihm 2 Gulden abzwang', Zober 3, 23. 31. In Hamburg 1536 wird eine solche Magd die noch dazu ihr Kind umgebracht, gestäupt und aus der Stadt ge- jagt, nachdem sie unter Vorgang der hornblasenden Kacker- und Büttel- knechte de scanfsfene innme de stat getragen, Lappenb. Chron. 128 — 9. Über die Art des Stäupens enthalten die alten Ilalsgerichts- ordnungcn einiges Nähere. Danach ward die Strafe mit 30 min. 1 Strei- chen an den Marktecken nach allen vier Himmelsgegenden voll- zogen. Vgl. Grenzboten 1872 Nr. 38: der letzte Staupenschlag in Preußen, a. 1832 auf dem Ringe zu Breslau. Die vier Himmelsgegenden werden auch bei den Spießruthen erwähnt, wo also verschiedene Weisen vor- gekommen zu sein scheinen. Schand steine musten nach Dähnert s. v. auch in Stettin Ver- brecher um den Markt tragen und auf den käk oder Pranger nieder- legen, in Hamburg galt diese Strafe früher für Verläumder ehrbarer Frauen, Lappb. 1. 1. Note. Im J. 1573 wird einem Mädchen das einer anderen an Ehre und guten Glimpf geredet, — 'seit hundert Jahren unerhört', — die Schandflasche an den Hals gehängt, Zober 2, 174, und wieder wird ib. 151 ein Mädchen — es ist nicht gesagt wofür — bei dem Finkenblocke gestäupt und 'das ist der Kohlenmesser Lehren', letzteren dabei auf den Markt und fort zu tragen. Zober erklärt Finken als ehrloses Gesindel, loser Vogel, Zeisig. Ein bei Sonnenschein aus der Stadt sich zu packen angewiesener Schwärmer Prediger Avird, da er nicht geht, hinaus gebracht und muß ior Trihsesen zi7igel die Stadt verschwören, die Finger auf den Baum gelegt, d. h. den ronnehom, Schlagbaum am Stadtgebiet, Zober 3, 34 — 5, vgl. 2, 223. Einem Diebe 'van deme Kile' Avird das. 2, 180 dat strael auf den Rücken gebrannt, das Zeichen der Stat Stralsund, so mitn sträle brennen bei Dähnert und mit der sträle getekent in Kiempins Beitr. 524. Ahn- lich muntmdlj, in Lüb. Urk. 1, 42 bei Münzvergehen für die es sonst die härtesten Strafen gab, in die Hand gebranntes Zeichen u. v. a. Ein Vatermörder Avird Zob. 2, 162, ehe er von unten auf das Rad gestossen, mit glühenden Zangen totagen^ d. h. hier wohl gezerrt, gezAvackt, im J. 1564; der Aufzeichner fügt dabei hinzu 'nicht gehört 3 A. HOEFER in laugen Zeiten. An früheren Beispielen für solch Zerreissen fehlt es bekanntlich nicht. Als Kost- und Blutgeld zahlen die Verwanten eines Mörders im J. 1558 ib. 3, 20 die Summe von 750 Mark. Ein Anteil der für Todschlag gezahlten Mannbuße hieß im Ditm. Rechte hane^ vgl. ahd. hano Mord, alts. Mörder. AVenn der Mörder flüchtig ward^ erklärte ihn der Bauer, ein Verwanter des Erschlagenen, für friedlos mit eigener alter merkwürdiger Formel, indem er die Degenspitze auf den in das Grab gesenkten Sarg setzte, Michelsen S. 28. 288. Ob hiezu das von Hoffm. zu Aesop S. 80 angeführte hane gehöre, ist mir mehr als zweifelhaft. Vom Gottesrecht ist außer in den Rechtsbüchern selten die Rede, am häufigsten kommt wol das Tragen des glühenden Eisens vor, dat hantisern dreghen. Die Strecke Avird sehr verschieden angegeben, bei Grimm RA. S. 916 einmal 6 Schritt, bei Michelsen 78: van der enen tunnen in de andere? S. 106: van der tafelen unde in de tunnen, achte eleu lank. Der Scharfrichter hieß auch rumprecker der Rumpfreck er oder, noch mit einem k, Rumpfbrecher, doch bedeutete das Wort zugleich den Ruprecht, Rumprecht, vgl. Dhrt., dazu die Verba rüprechten^ Sun^ dine 1832 Nr. 2, und rumprecken, letzteres : übel handhaben, bei Richey. in. Marken und Lose. Kantzow S. 55 berichtet daß die alten Rugianer aus dem Angang der Tiere wahrsagten und daß die Frauen beim Wahrsagen ihre eigene Weise hatten, am Herde sitzend Striche in die Asche zu schreiben. Außerdem, sagt er, gebrauchten sie des Loses: sie nahmen drei Stäbchen, holtke, am dele wit u. am dele swart, de hehben se in- geworpen, hingestreut? oder irgendwo hineingeworfen? und wenn des Weißen mehr oben lag, war es ein gutes, wenn des Schwarzen mehr, ein böses Zeichen. Zeichen, Hausmarken, über die wir nun so gründlich belehrt sind, werden bekanntlich durch manche alte Urkunde bezeugt. Bei Zober 3, 8 im J. 1558 wird ein Stralsunder begraben unter dem Steine dar sin nam und merk auf gehauen ist, die Zeichen auch hiesiger Steine s. bei Homeyer. Dem B. Sastrow 3, 8 zeigt sein Schwager in dem Fenster der Kemnate seinen 'Namen und Mark'. Über das Pitschit oder Handzeichen der Kaufleute, verschieden vom Ingesigel oder Wappen, vergl. nun auch Ki'iegk 1. 1. 436. 452. Wichtiger und minder bekannt, wenigstens meines Wissens noch nicht mitgeteilt, dürfte folgender bei der Fischerei heute noch fort- VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKWEISEN. 9 lebender Brauch sein, den mir vor einigen Jahren mündlich, später genauer schriftlich Herr Gymnasiallehrer G. Richter mitzuteilen die Güte hatte, wie ich ihn hier wiedergebe mit Beschreibung der meist sehr einfachen Zeichen. Zu Polbitz im Reg. B. Merseburg sind 13 fast gleiche Bauer- güter die einen gemeinsamen großen Fischteich besitzen. Die gefangenen Fische werden im Kreise auf 13 Haufen gelegt und durch Lose ver- teilt. Jedes Gehöft hat sein besonderes, nur noch bei der Fischerei angew^antes, doch allen Ortsangehörigen bekanntes Zeichen. Diese Zeichen schneidet nun einer in einzöllige Stäbchen der am Teiche stehenden Weiden, steckt sie in die Tasche, tritt zu den Haufen und lässt für jeden einzelnen von einem Knaben eins herausgreifen. Durch das gezogene Zeichen ist dann sein Inhaber zugleich als Eigner des betreffenden Haufens der Fische bezeichnet. Die notae der sortes, deren mir nur 12 bezeichnet sind, wie anfänglich auch nur von 12 Bauern die Rede war, sind diese: 1. ringel, O ^^^ kleiner Kreis; 2. schnippe, fast ein großes M, dessen beide Seitenstriche nach links und rechts ausweichen; 3. klammer oder 'bläke', etwa wie hebr. 2, nur mit scharfen Ecken; 4. zwei ringel, durch einen kleinen Strich ver- bundene Kreislein, Q-Q: 5. krähenfuss, ein Dach, in der Mitte mit Perpendikel; 6. kreuz, schräge liegend; 7. vier kerben, vier parallele Perpendikel, oben durch einen Querstrich verbunden; 8. nichts, das Stäbchen bleibt unbezeichnet ; 9. haken, schräger Strich, oben links der abgezweigte; 10. drei kerben, wie oben; 11. bohrer, Perpend. und Querstrich, rohes T; 12. F, Anfang des Namens des am Ende liegenden, erst später hinzugekommenen Besitzers. Trotzdem und ob- gleich diese Zeichen nur noch bei dem Auslosen der Fische in Gebrauch sind, dürfte ihr Zusammenhang mit alten Hausmarken unverkennbar sein. Wäre der Gebrauch etwa irgendwo, z. B. in einer Vereinsschrift bekannt gemacht, so bitte ich um gefällige Nachricht. IV. Tier- und Pflanzennamen. Ich gebe auch hier nur einige allgemeine Beobachtungen und wenige mir gerade nahe liegende Einzelheiten. Man erstaunt, wenn man die reichen Verzeichnisse und massenhaften Sammlungen der in Wahrheit unerschöpflichen Tier- und Pflanzennamen durchgeht, über die Art und Weise ihrer Bildung. Welch hübscher Humor, welche gemütliche, sinnige, echt poetische Auffassung bricht überall durch, w^elche innige Beziehung zwischen Menschen, Tieren — gehörten doch schon in alter Zeit Haustiere zur Hausgenossenschaft — und Pflanzen, 10 A. HOEFEK Wie oft sind der letzteren Namen menschlichen Verhältnissen ent- lehntj wie häiüig tragen sie unsere Vornamen, ganz in der Weise der alten Tierfabel, "wie viel häutiger haben sie uns die ihrigen geliehen. Und dabei die Menge zärtlicher Verkleinerungsformen. Es lässt sich nicht behaupten daß dies alles dem Niederdeutschen ausschließlich zukäme, aber sicher gilt es hier vorwiegend, wie namentlich der letzte Punkt, die Deminutiva auf ken, ke^ k oder ing, Ung u. s. w. einen ausserordentlichen Umfang hat. Bloß die kleine Liste der Vogelnamen bei Chytraeus 362 fl. hat 10 solcher wie swaleke jetzt sioaelk neben swalve, küfzken und küfz^ daher Bruns 138 ghuz, gelgoesken^ jetzt gel- goeschen^ mönnikskeu^ sKlenswensken^ ziseken Bruns sisik, meseke, rothorst- ken und stertken^ unser Rothkehlchen. Dazu bei Bruns 137 ertseken, hdschrftl. zu Chytr. p. 370 velia cinerea grauw irsken (velia hennepUnk) bei Schambach artsche, bei Nemnich fringilla cannabina grauirtsch, aber auch eine motacilla heißt erizchen^ so daß mit Ettm. an 'Erbschen' wol nicht zu denken ist. Auf Rügen heißt die Elster hesterrik d. h. hester-k, wie mellik, karrik, fllr melk, kark. Von anderen Tieren z. B. ekerken Eichhörnchen, griseke Dachs, hoeken hoedus, kueken und kuekelken Küchlein, weselken Wiesel, ilken, ilke, ilk Iltis, dazu vielleicht mit Anklang an Ulrich bei Dähnert ullink der Marder, sonst marte oder märten, wovon martenfelle. Die meisten Beispiele wol bei den Pflanzen: golleke caltha, süreke lapathum, mümmelken nymphaea, roesekenrot Bezetta rubra, müsoereken, lefroeseken, fünklökschen. Von der Verkleinerung in nd. Personennamen ein ander Mal, hier nur einige auffällige Beispiele der Entlehnung von naturgeschicht- lichen Namen, die im weitesten Umfange geübt worden; ich greife eben nur heraus: Balsam, Hindebehr, Inver, Pommeranz, Sapheran, Mer- rettich, Malmros, Schörling, Elreneholt in Lüb. Urk. Ferner, gleichfalls als Familiennamen : Adebar und Aereboe, Andrich und Gendrich, Berk- han, Jarling einjähriger Hammel (doch auch: heuer), Grevingk der Dachs? Lampe, Lcverkus (Lewerk schon npr. in westf. Urk.), Lüning der Sperling (dazu lüling^), wie Knoblauch und schon alt cloheloucK), Mäusslein. Mushunt, Musekat, schon alt_, doch vgl. Muskatblüt, viele compos. mit page Pferd, Pelikan, Scharnweber^ Porcus, derselbe auch hochdeutsch Varch, so Molenverken a. 1431 und Joh. Melcfole schon a. *) Anders Woeste bei Schiller Tierb. 2, 15 doch schwerlich richtig. Daß das. angcfiihrte mösch Sperling, das musca sein soll, ist ndl. musge Graflf. Diut. 2, 226, holl. miuch, mosch. Vgl. Hoflfm. Tunnic. no. 289 eine musche volucrem pan'am. VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKS WEISEN. H 1280. Davon werden manche ursprünglich anderen Sinn gehabt haben, aber manche frühe entstellt und misverstandcn sein, so gehört Liltteke- henne zu Johann vmd Leicevalke, 1281 cons. Sund., heißt sonst Leo Valke, Lowe Valco, letzteres als Nom. und Abi. In der Tat man erstaimt über die Fülle und die Art solcher Namen, allein wie sie entstanden, zeigt die noch jetzt übliche Ver- glcichung der Menschen mit Thieren, mitunter Pflanzen, aus der leicht Beinamen wurden. Z. B. schnell wie ein Windhund, flink wie ein Wiesel, schmutzig wie die Sau, plump Avie ein Bär, frech wie ein Spatz, munter wie eine Wachtel, lustig wie ein Fink, stolz wie eine Laus im Grind, spatziert wie ein Storch, stinkt wie ein Kothhahn u. s. w., worüber man die hübsche Sammlung in der Z. f. d. Munda. 4, 465 vergleichen mag. Vereinzelter und in gewisser Art jünger ist das umgekehrte, unsere Vornamen für Pflanzen, Vögel u. s. w. Als Beispiele: Fin oder schön Margret oder Fine Gret, Trigonella foen. graec, lepelgret Art Schnepfe Kids Talk Dohle, Kläs hanik Eisente, roden Hinrik bei Richey, Grot- jochen Zaunkönig, Jäkel schlechtes Pferd bei Dähnert, wenn zu Jakob, was ich in dem selten reichen, leider nicht fortgesetzten Tier- und Kräuterbuche von K. Schiller vermisse, doch vgl. neuere Pferdenamen wie Hans, Jakob, Lisch, Mariken u. v. a. Hierbei erinnere ich an die hübschen Namen der Kühe, z. B. Gret, Jule, aber auch Jungfer, Froelen, Madam, Grötmoder^ Schoen- raäten, und wieder Rosen- und Myrthenkranz, Vergißmeinnicht, Tulpe, Nettelkönig etc., vgl. 1. 1. 2, 3. Ein beliebter Name des Bullen ist Johann. Besonderer Belege für den ersten und allgemeinsten Punkt bieten sich überall und tausendfältig dar, ich begnüge mich hier auf die schönen imperativischen Namen wie Vergißmeinnicht aufmerksam zu machen, die das Volk teils aus unmittelbarer, lebendiger Anschauung, teils durch entstellende Umdeutung fremder in großer Menge gebildet hat. In einer vielleicht Tausende umfassenden Sammlung der ganzen Art füllen die hierher gehörigen einen beträchtlichen Raum. So ist z. B. Hüppup ein Name einer Kuh, warhof des Hundes, wedelschwanz des Katers, wipstart und Genossen der Bachstelze, flickdebüx die Wachtel, leckschit Goldammer u. s. w.; zahlreicher für Pflanzen und Kräuter: gottesvergess Helfekraut, gäwechundkum nich wedder, halumundum Waldknoblauch, Hansfrägnichnä und -habenix, heildenschaden Mistel, huckufdiemagd Hollunder, jagnduevel ein Kraut gegen Behexen des- Viehes, klemop Kresse, mirkum quirkum, raakdilustich, frölich up un 12 A. HOEFER trürich dal, springauf Maiblumen^ staupungawedder gent. camp., trit- madam u. v. a. Vgl. zu einigen derselben Danneil Wtb. 134. Hieran knüpfe ich am Schluß allerlei als weniger bekannt: ein Lügenspruch lautet hier: pingstraändach upn is' lep kater buccis' un brok sikn ben; dazu bei Dälmert von dem was lange her, wahrschein- licher was nie gewesen: dat was as de ko Bartelt het un de bulle Joust. 'De hunt het Denks,' weil er ein gutes Gedächtniss hat, s. Brem. Wtb. s. V. Über ziper bei Lauremberg 2, 441, wo zu lesen dat koiken ziper het, vgl. E. Müllers Prgr. zu Laur. 1870 S. 26. De icrenscher, auf Rügen der Hengst, gehört zu icrinsclien bei Kantzow 43, wiehern, jetzt auch krönneketi. Der Frosch heißt hier scherzhaft hüppedeiker, wie hiqjperlink Heuspringer, cf. liippodege die Wiege. Wie der Fuchs de rode, al. Brauner heißt, so der Wolf de grise, de gräive, vielleicht um den Namen zu umgehen, vgl. Beyer in Meklb. Jahrb. 20. Das letztere ist noch deutlicher in einem hiesigen Schäferspruche: hest n Emiken nick sen? d. h. von em ihm, ihn und ken\ hast du den IhncJien nicht gesehn? setzt also ein heken, heking, Erclien voraus, zubhelke der Wolf bei Dähnert gehört wohl zu zuppe canicula Diefb., zohhe in HofFm. Aesop p. 83. — Der Maulwurf heißt hier gewöhnlich midlworm, in den Ostfries. Sprichwörtern von Kern u. Willms kurzweg MuUj, Junker Midi. Dagegen: de is blinder alse de wintworp, Maulwurf, in den Hamb. Chr. .497, cf. Schiller 1, 5. Daselbst heißt er in einem auch hier bekannten Rätsel Peter Krüs. Zu dem neuerdings zuweilen misverstandenen ellernholt Flieder vgl. Pfeiffers d. Arzneib. 29, Grimm German. 11, 254, Münster. Gesch. 297, Goldschm. der Oldenburger 157, Ehrentr. Fr. Arch. 1, 365, Hoffm. Aesop 2, 11. — Zu dem bei Schiller 1, 32 besprochenen ivodendungel vgl. Lappenb. Hamb. Chroniken 449 loedungelen ivortel, we für loede, weden, nicht mit Lappb. zu e. weed. ungel ist zwar ein gar nicht sel- tenes Wort, wenn auch kein urspr. deutsches, s. Stuerenbg. s. v. und Fahne 3, -298 und 301, Schmiere, Talg, dennoch ist düng und dungel schon durch icodescherne gesichert, welches neben wMewesle, -wensle *is scherlink' auch das Strals. Vocab. bietet. Daß neben Wod hier noch Wed besteht, habe ich früher schon angemerkt. Ich benutze die Gelegenheit, zu der interessanten sog. Ratsver- sammlung der Tiere bei Bruns 135, Ettm. hinter Wizlaf p. 64, nach- träglich einige Bemerkungen zu geben, v. 9 klemmen im Munde des Habichts ist mhd. krimmen, grimmen, s. Lachm. zu Nibel. 13; klam VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 13 oder klemvogelf grimmende vogel ist ganz gewöhnlich, letzteres sogar auf Büchertiteln. Dieses wird aber hier v. 10 nicht gemeint sein, gremmen scheint mir vielmehr gramjan irritare, exasperare. nemede kann nämlich ne mede sein oder wahrscheinlicher Accus, von nemet^ Zeno 306, Brand. 435. 718. Die Form des Accus, ist nicht auffälliger als niemande^ Fahne 3, 221, Der gute Sinn wäre: gegen Deinen Freund sollst Du Nieman- den aufhetzen, anstacheln. — v. 78 iinvorsagen erklärte Bruns "^unver- zagt , was nach Ettm. unvorsaget heißen müste. Sagen wir lieber: könnte, wie z. B, Ficker S. 158 und sonst, unverzagen aber wird noch heute gesagt und ist im Reim auf wagen bei A. Dräger Confect S. 43 auch zu lesen. Es wird prt. präs. sein, wie im Ssp. S. 242, 3 sittene, Germ. 9 bei Korner p. 278: wolrükener 7'osen^ Hb. chron. ridendener und sehr oft. Die Verbindung mit un belegen unchunnenti inexpertus bis umoissend. V. Bestimmungen für Raum, Zeit u. a. Die bewundernswerte Sammlung welche J. Grimm gleich auf den ersten Wurf im dritten Abschnitt seiner Rechtsaltertümer zu Stande brachte, ist anders als er selbst erwartete und wünschte bisher nur zerstreut und vereinzelt und kaum erheblich vermehrt worden, und doch ist eine Flut neuer Quellen erster Reihe hinzugekommen, und selbst die mehr untergeordneten Chroniken, Reisebücher u. s. w. , auf die ich mich hier mit einigen Ausnahmen beschränke, bieten manchen beachtenswerten neuen oder doch willkommenen Ausdruck. Besitzt doch selbst die Sprache des täglichen Lebens und des Volkes, von den allbekannten abgesehen, eine immer noch ungesammelte Schar meist origineller zum Teil erst kürzlich durch die Verhältnisse neugeschaf- fener Bezeichnungen, ich erinnere nur an die beim Rennen gebräuch- lichen "^um eine Pferde- oder Kopf- oder Nasenlänge voraus', an das volkstümliche ''alle Naselang, alle ues lang', ne nes vul z. B. Tabak, oder 'ene pip tobak wit af , was ich von der Zeit gebraucht im Englischen bei Dickens, Two Cities, wiederfinde: he (Samson) shaved the sixty-three in less than two pipes. So habe ich oben schon aus Sastrow *^ein par pater noster lang' angeführt und so hört man auch jetzt noch "^ein Vater unser lang'. Oder man sagt vom Roggen, so hoch, daß sich eine Krähe darin verstecken kann, dre kes hoch, Katzen- sprung etc. Manche dieser Ausdrücke sind ihrer Natur nach ursprünglich sehr allgemein und unbestimmt, so daß sie als Maße kaum recht geeignet scheinen, doch gewinnen sie bald einen bestimmten Sinn und werden, 14, A. HOEFER wo es tingoiit, im Durclischnitt, im ]\[ittclmaß genommen, was denn mitunter vorsichtig hinzugefügt wird, z. B. die Khifter, so weit ein mittelmäßiger Mann reichen kann, Rechtsalt. 102, oder der Daumen *enes middelmatcn manncs', Niedcrs. Archiv f. 1844 S. 454. Und wie noch heute manche Leute solcher Ausdrücke sich mit Vorliebe bedienen, andere wieder kaum je, so sind auch manche ältere Schriften vorzugs- weise reich an ihnen, vor allen Ludolfs v. Suchen Keisebuch ins heilige Land, dem ich nicht wenige der folgenden Beispiele entnehme. Die neu hinzugekommenen zahlreichen Rechtsbücher, Weistümer, Urkunden auszubeuten, nicht bloß für diesen engeren Zweck, überlasse ich billig Berufeneren. 1. Tagereise. Dafür steht nd. dachvart, aus Renner im Br. Wb., sodann Lud. 35: Japhe licht van Jherusalem dre dachvart edder umme de mate, das. zehn Zeilen weiter: bi Cipro uppe ene dachvart licht Akris. Gewöhnlicher bedeutet das Wort wie im Mhd. Verhandlung, Termin, wie dach allein, Brem. Gqu. 9L 100 u. o. 2. Meile. So üblich es in eigentKcher Bedeutung ist, so selten scheint es von der Zeit, die man zum Gehen einer Meile oder einer halben Meile gebraucht. Vgl. unten Nr. 10. Bruns nimmt letzteres als Maß einer halben Stunde, Ettm. wohl richtiger nach dem Mhd. W. als Stunde. Die volle Erklärung wird mitunter wie Eracl. 1053 hinzugefügt, mitunter fehlt sie, so nd., wo es zu lüile ergänzend reimt, Zeno 855: vristen nicht lenk wen to ener mile, ibid. 1078: dansen wol t. e. m. Flos 1078: därnä wo t. e. halven m. Was Lübbeu v. 1116 hat: do he i^n hlek van danne quam (bei Br. kort van denne) ist ganz allgemein: eine Strecke, ein Stückchen. So im Br. W. als Lücke, Durchblick, en blek Weges, dat blek. Daß es eigentlich Bleiche bedeutete, ist zu be- zweifeln; das fem. ist nachweislich, z. B. Zober 1, 31: in eine kleine blecken efte stedekeu, das neutr. aber das gewöhnlichere. 3. Sonne. So oben Nr. II: bei Sonnenschein, am Tage, vor Anbruch der Nacht, umgekehrt: twischen twen sunnen schinen schal de herde velich sin (oder wohl vhlich?), zwischen Unter- und Aufgang, in der Nacht soll er sicher, befriedet sein, Mich. Ditm. R. 44. 293. Eben hier steht als Bild für die Größe eines in die Wand gestossenen Loches, hol, daß die Sonne durchscheinen kann.*) Häufiger dient als Zeit- bestimmung der Auf- und Untergang. Dabei begegnet mancher hübsche Ausdruck: wie die Sonne zu Bette (tu ber), zur Rüste, ze reste geht, *) Daneben heißt es auch: so groß daß ein Mann mit einem Stahlhandschub hinein tasten, oder allein, oder mit einem ttgyheden schilde eintreten kann u. ». w. VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWT:ISEN. 15 80 heißt es im Gröri. Ldr., Ssj). II, 2, 209: der Ta^^ endet, wenn mau prüfen mag, daß die Sonne zo sedele (ja; bei O. Giercke, Humor S. 11 Anm. : ehe die Sonne zu Gnaden geht, und: nach der Zeit da die Sonne in Gold geht. Ob die beiden letzten Ausdrücke aus den Rechts- alt, oder wolier sonst genommen sind, weiß ich nicht, doch sind sie auch sonst bekannt. Vgl. Sclunoller 2, 680. Zu Eschenburg D. S. 240: Me sunne ging to goldc bietet mm aucli Lud. v. Such. 32 m. einen erwünschten Beleg: dach bi dach wente an den fivent dat sc to golde geit. 'Zu Gnaden gehn heißt: sinken, sicli neigen. 4. Pferd und Satteln. Daß im Nd. der Mhd. rosselouf^ poinder im Parzival, als Wegemaß vorkäme, finde ich nicht. Dagegen heißt es: es gibt strengen Winter, wenn Lichlmessen die Sonne so lauge scheint, Maß der Sattler (der da sattelt) sein Pferd satteln kann. Oder z. B. : der hat ein Gewissen, darin kann eine Kutsche mit 0 Pferden umwenden, ostfrs. Anderes vom Reiter zu Pferde mit einem Wiesbaume, Sper u. s. w. z. B. Wig. Arch. 5, 410 in Betreff der Landstrassenbreite etc. übergehe ich, doch vgl. 9; Osenbr. S. 290. 5. Armbrust. Wie der Büchsenschuß jetzt, galt früher auch der Armbrustschuß. Lud. 44: Babilonia und Carra licht nicht vorder entwei wen twe armbostschote verne. 6. Stein und Axt. Lud. 35: nicht vorder wan me mit enem stene werpen kann; 45: de balseragarde is also lank also men mit enem stene half over werpen kann. — Vom Pfänden Wig. Arch. 4, 158: wenn der Wagen so fern dem Holze, daß man mit der Axt nicht wieder in das Holz werfen kann. 7. Spaten und Schwert. Der ]\Iüller darf Torf graben nach Mühlenrechte so ferne dem Ufer, 'also men enen torf mit eneme spaden to scepe sceten mach', Marienrod. Urk. S. 224. Vgl. Ssp. 3, 6(jf 3: so tief graben, als ein Mann mit einem Spaten *die erde upgeschieten mach' etc. Grimm Rechtsa. 107. -^ Der zum Hergewäte gehörige Kasten so groß daß in demselben ein Schwert liegen kann, s. Grimm lOG, heißt nd. im Br. Wtb. 5, 424 ene sicertmäte kisfen-). — Über Schacht, Schachtrute, für schaff, Sperschaft als Maß, vgl. 0. Jänicke *) Man beachte das Adjectiv swertvUUe, das ebenso wie oben viiddehnäte ein echtes bahuvrihi oder Possessivcorapositum ist, besser als andere die man so ange- sehen hat. Im Hochd. bei Grimm steht mittelmäßig , ebenso gilt mlid. swertmaezec, doch in anderem Sinne. Vgl. Laiondoctr. p. 100: van riken und middelmäten, ebenda: mit ütcrraäte girichelt. Ein weiteres Beispiel in Eikes Zeitbuch 13ö: krumhalse gän, daneben andere: chraghhalsent, mit krumpen hals, cui'vato collo. Aus dem ^Ihd. will ich nur das eine ein •ninneuhlicker scltnr des Parzival anführen ; ([slvax fuoze fnodermaze. Iß A. HOEFER zu Biterolf und Prgr. die nd. Elemente der Schriftsprache, Wriezen 1869, S. 14. Zu schafi gehört auch schachfroioe Sperruhe, s. Homeyer zum Sspiegel 2, 1. 8. Mannshöhe. Hierher bei Ludolf S. 43: ne uppe ene stede, dar se enen manstad dep in konden komcu, lat. Stadium unius hominis, im hochd. Texte: einer Mannshöhe lang, und das ist sicher der Sinn, obschon das Wort nicht recht klar ist. Daher Partz in Hag. Germ. 5 auf manstot riet, was kaum richtig, obgleich ich Dittmer Sassenr. 157 finde: ene stoet ploegen helpen, Anm. ein Stück Werks. Ist etwa ma/i- stand oremeint? Niclrt besser steht es um einen ähnlichen Ausdruck des Ostfr. Laudr. wo es 888 heißt: kolk als ein mannstall dep. Wicht und Stürenburg erklären tal als lang, hoch und Länge, e. tall, trennen also mans-tal, wobei sie tallhake u. a. vergleichen das nicht deutlicher ist. 9. Soweit man reichen kann. Gosl. Bges. 339: iowelk clach- ter is twier vöte lengher, wenne alse en man up reken kan. Vgl. Grimm 102: ein Klafter soll sein, wie ein mittelmäßiger Mann gereichen kann in die fordern gliede'. Bei Eike 90 übersetzt klachter mensura longitudinis humanae. Hierher gehört im Sachsensp. 2, 68: dem müden Pferde mag ein wegfertiger Mann Korn schneiden soweit er es, mit einem Fuße im Wege stehend, erreichen kann. Dabei steigernde Zu- sätze: auf dem Pferde, mit dem Schwerte u. a. s. Nr. 10. So im Sachsensp. 3, Q>^j 3: Zäune oder Mauern so hoch als 'man gereken mach up enem orse sittene' , sonst auch: mit einem Schwerte. Über Zäune, Graben weite u. s. w. Wigd Archiv 5, 419. 10. Die Glieder des Leibes. Von allen die mannigfaltigste und ausgebreitetste Art. Grimm Rechtsa. 100—103. Um die allbekannten wie: enes knies ho, im Ssp. 1. 1. und Nds. Archiv f. 1844 S. 370, oder: ener dümelne hu, Ssp. 1, 52, 2 d. h. vom Daumen bis Ellenbogen, Daumelle (doch auch scherzhaft: nich n lüsdüni hret, n fingerhot vul) zu übergehen, bemerke ich erstlich, daß nach Gliedern zur Bestim- mung der Strafe mitunter Wunden gemessen werden, z. B. im Dortm. Stat. 196: is de wunde dep als van dem led(d)e eins mans düraen mit dem nagel üt; vgl. O. Giercke der Humor S. 41 und hier in der folgenden Abhandlung VI C Nr. 8 s. v. nagel; zweitens daß auch hier die oben nachgewiesenen Steigerungen vorkommen, der Hand durch den Stahlhandschuh, des Fußes durch Stiefel und Sporn. Letz- terer bestimmt bekanntlich die Größe des zum Hergewäte gehörigen Kessels, Wigd Arch. .5, 413, Grimm 106. Seine Größe wird aber auch anders bestimmt, z. B. Archiv 5, 69: dar men en schultern mochte inne seden, wie ein Huhn im sog. Grapen. VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKS WEISEN. 17 Beachtenswerter ist die Verwendung der leiblichen Grlieder^ um die Kürze der Zeit^ die Schnelle einer Handlung auszudrücken. Also wiederum Übertragung des Körperlichen, teilweise Mischung von Raum und Zeit, vgl. Nr. 2. Eine Anzahl anderer, äußerlicherer Maße gibt Grimm 98 unter der Überschrift ^schnelle handluug', die Vergleiche mit Wind, Blitz, Gedanken, oder im Augenblick, Nu, Handumdrehen, selbst das geläufige eine Spanne Zeit übergeht er hier, nur Nr. 7 'stän- des füsses e er hinder sich trede fällt hierher. Für unser *im Hand- umdrehen gebraucht auch das Mhd.: släfen niht einer hende breit, Biterolf, hantlange wile, Bert. 75, in einer hantwile, Litan., bi einer hande wile, Leys. Pred., s. das Wörterbuch.*) Das Mnd. kennt den Ausdruck auch, so heißt es Ludolf 41, 4: unde was nicht windes ; bi euer handes wile hof sik du grOt storm. Man braucht nicht die etwas anders liegenden, doch immerhin merkwürdigen nd. bi wegelank, bei Fr. Reuter bi weglang d. h. beiläufig, bi hüselanghe, bi mer langh u. dgl. anzuziehen, es bieten sich schlagendere Analogien dar, so das oben erwähnte alle neslank und so das neulich zu dem Mnd. Wtb. aus dem Volksliede Henneke v. 10 beigebrachte: 'en armes lang sprak hei en wort wol tu der sülven stunde.' en ist sicher ein^ wie hier immer en und in steht und ebenso sicher ist der Sinn, im Gegensatze zu v. 9: en wort konn he nicht spreken: da plötzlich, nach einer Armlänge, im Nu u. s. w. sprach er. Statt Augenblick, en ög'plinkeu, finde ich noch Rechtsalt. 75: so lange augebrän von der andern leuchtet, wozu Grimm selbst N. 2, 12: in slago dero brawo, ags. in eages vrince, und dann treffend Germania 11, 501: als schier so ein brahe den andern slahen mac (in ictu) Fundgr. 1, 99, 46 für ein hräze der a. hinzugeftigt hat, trotz des Mask. den eine sehr glückliche Besserung. 11. Tritt und Schritt. Die Beispiele reichlich. Eike 18: des tornes hoge was düsent trede, passuum, wo andere Hss. screde, schrede und strede geben. Nicht selten ist das letztere, nach Chytraeus 535 gradus, en gemencr schtred van drüddehalf scho; ebenso gleich nach- her. Ferner Lud. 66: en vlet kümc tein strede bret,, Hamb. Chron. 126: enen strede edder twe vorder trecken. Marienroder Urk. 1. 1. zu Anfang des 14. Jhrh. : dik erde graveu alle dat stad up na lantrechte enne strede van deme overe u. s. w. Auch hier zuweilen Übertragung *) Dazu noch die bekannte Stelle Gudr. .384 die ich kein Bedenken trage in der bisherigen Weise zu fassen, obgleich Bartsch sie anders ergänzt und erklärt hat. GERMANIA. Neue Reihe. VI. (XVIII.) Jahrg. 2 13 A. HOEFER auf die Zeit, z. B. im ostfries. Sprichwort, Kern 1177: um Neujahr haben die Tage ' n hahntra gewonnen, Hahnentritt, sonst Hahnenschrei. 12. Schall. Ich rechne dazu nicht mit Grimm 75 das Beschreien der vier Wände, AVigand Ai'ch. 5, 413, sondern Hornschall und Glocken- klang, Hahnenschrei und Hundegebell, hunnenhlaf, vor allem das Rufen der menschlichen Stinnne. Doch habe ich leider wenig anzumerken gefunden. Was Gerstäcker ausdrückt: in Rufs Nähe kommen, heißt mnd. ropmal, so Ludolf 24: dat wcrder licht bi Turchia up eme rüp- raale weges na, so weit man die Stimme, das Rufen hören kann, vgl. das mild, schritemdl passus, einen Schritt lang. Das sonst so übliche hanenkrät finde ich augenblicklich nur in den Goslar. Bergges. S. 341 : to der hanenkrät, sc. gehört ein Drittteil dem Rate, — vielleicht Name einer nach Lage oder Entfernung benannten Grube, doch vgl. das. kattenlok, an der kinderbornen u. ä. Ich gebe wie gesagt und wiederum innerhalb bestimmter Grenzen was ich eben habe, unbekümmert wie dürftig es sei. Mögen Andere bald Reicheres bringen, wo möglich eine allseitige Ergänzung und Vervollständigung der Rechtsaltertümer, aber taste man Grimms unvergleichliches Buch nicht etwa an, sondern gebe es, wenn es neu gedruckt wird, unverändert und unberührt. Selbst Grimms eigene Zu- sätze, dünkt mich, würden am besten als Anhang gegeben und ich will hoffen daß was über eine neue Ausgabe der Mythologie verlautet, ungegründet ist. VI. Nichts und seine bildliche Verstärkung bes. im Nieder- deutschen. Wie das Hochdeutsche hat auch das Niederdeutsche älterer und neuerer Zeit eine unglaubliche Menge von Ausdrücken, um das Un- bedeutende, Wertlose, Nichtige teils an sich zu bezeichnen, teils in Verbindung mit nicht, kein nachdrücklich hervorzuheben, zu stei- gern und zu verstärken. Die Anwendung solcher Ausdrücke ist so unbeschränkt wie ihre Art und Zahl, doch liegt es in der Natur der Sache, daß sie mehr in dem täglichen Leben imd der Volkssprache als in der Schriftsprache begegnen und zum grösten Teile dem Reiche der Natur und dem täglichen Verkehr entlehnt sind. Pflanzen und Lebensmitteln, Tieren, Gliedmaßen, Werkzeugen, Münzen u. s. w. Das Altertum schätzte nach Naturalien, sagt Grimm 3, 729, wir nach unserer Münze. Das mag als Regel gelten, aber die Mannigfaltigkeit ist jetzt so bunt daß sie mit allen Einzelheiten gar nicht zu umfassen und bequem unterzubringen ist. Dabei kommen auch hier drollige VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 19 Übertragungen vor, z. B. nich'n kappen ivarm oder to het^ to sat, ähn- lich wie ein Bißchen, mitunter bricht in Übertreibungen, ja Unmöglich- keiten echter Humor durch, wenn z. B. nicht bloß von Mückenbein und Fliegenfuß die Rede ist, sondern sogar von Lausdaumeu oder Karokswurst, hie und da begegnet auch das Unreine und Schmutzige. Im täglichen Leben wagt sich dann und wann auch wol ein neuer Versuch hervor und zu Zeiten und in bestimmten Kreisen gilt mode- artig einer oder der andere Ausdruck mit besonderer Vorliebe. Ge- saramelt ist auf diesem Gebiete oft und viel, aber vereinzelt, nichts Vollständiges; am reichsten vor 10 Jahren von J. V. Zingerle für das Mhd., lange vorher und in weiterem Umfange von J. Grimm Gramm. 3, 726 fl. der das Mnd. wie immer spärlich berücksichtigt, außerdem in der Zeitschr. f. d. Mundarten, von Hoffmann u. A. Ich gebe auch hier was ich eben habe, ohne Vollständigkeit auch nur annähernd zu erstreben, indem ich altes und neues verbinde und jenes durch ein oder das andere Beispiel belege. Für wint als Bezeichnung des Nich- tigen, wie doch geschehen, mehr als 100 Beispiele bringen, scheint über- flüssig. A. Pflanzen, Sandkorn, Wind u. ä. 1. hone, RVos 1698: nimande up ene böne misdön; 3579: wol ener bonen wert. So vielleicht auch die Erbse, arfl, ervet, in Wizlavs Sprüchen 5, 6, bei Ettm. 29: is kiener denne en ert, wo ert wol Ei^hse zu meinen scheint, denn man hört hier noch : de arten plur., ebenso im Ostfriesischen. 2. tüicken, vSoest. F. Emmingh. 695: nicht achten en wicken, die Feinde. Außer in Zusammensetzungen selten und wol meist im Plural gebraucht. 3. sie, Theo. Tr. 75: nauwe enen beker slein, s. Germ. 15, 76, kaum einen Becher Schlehweins. Vgl. das Mhd. Wtb. und Register zu Ayrer 5. Das Wort heißt englisch bekanntlich sloe und ebenso noch hier in sloioit, das ist das im Brem. Wtb. unerklärte slüwit, wit as en slü. Vgl. damit ten Zehe, e. toe, ostfr. ton, Kern Nr. 550. 4. gras, Sachsenchron. 113: also was et allent alse en gras. Schon im Sanskrit ebenso: manje trinäja achte für Gras. 5. hlat, Wiggert 2, 36: is nicht en blat achten. Anders rosenhlat im Gegensatze zu Jcodrek, vgl. unten E. Laub, lof, habe ich nicht ver- zeichnet, es wird jedesfalls selten sein, 6. Statt der Wörter Bast, Halm, Spreu, Stroh, Strohhalm (im Hamlet: the question of this straw oft im pl. two straws, one straw) 2* 20 A. HOEFER werden mit Vorliebe gebraucht: vese, nicht achten en vesen, Soest. F. 694; kaf, Wig-g. 2, 50, RV. 1386 und oft; zuweilen haverkaf Theo. Das. 154: unimo ghüt is mi alse umme en haver kaf, So. F. 629; »pir und sp7rken, ersteres sonst auch fem., hier beide ntr. wie im Brem. Wtb., jede kleine Spitze, bes. Gras- und Kornspitze, z. B. en spirken o-ras, nich en spirs kürn. nich en spir melk. Doch begegnet z. B. hast im Laieud. bei Scheller 8. 185: wisheit docht ok nicht en hast, de u. s. w. Dazu gesellen sich eine Schar neuerdings gebräuchlicher, wie fasei\ faserken, fussel, fissel und ßnzel, nichn fiss oder fufi^ nichn ßmsen^ Eichwald Sprichw. Nr. 534, stümpken (bei Lyra S. 10 shimp nich gar nicht), ib. 33 und 86 n kären to drinken (ob zu kern?)j nich en gots- korn Brem. Wtb., ostfr. gotskörrelke, nich n kolstrunk Kohlstengel u. s. w. Dali die Feige nirgends begegnet, ist wol erklärlich, um so wunder- licher ihr häufiges Auftreten im heutigen Englischen. 7. krom Krume, dial. krömpela, in der Utlegg. der Sprichw. 32: kroemken makt 6k brot, ähnlich wie z. B. albot heipt; sammelholt brent 6k; en drup helpt n annern up. hrot allein wird kaum wie im Mhd. vorkommen, doch: nich tn oder vor en hotterhrot. 8. spon Span, üpst. Ettm. v. 1705: jüwe lesen wege ik vor spune, achte ich für nichts. 9. sant ntr. findet sich wol nur als santkorn^ sonst eher als Be- zeichnung des Gegenteils, der Fülle, Menge. Bemerkenswert ist bei- läufig over se und sant sein, kommen, holen u. s. w. als häufig wieder- kehrende Formel. 10. stof Staub, wahrscheinlich schon lange mit kurzem o, Grimm 3, 733 schreibt sfö/; es steht z. B. Sachsenchr. 98: dat halp allent nicht en stof: orlof, vgl. 129. Soest. F. 642: to nichte maken alse en stof. Utlegg. 5* : se sint vor em (Gott) als en stof. Mit unserm Sonnen- stäubchen vergleicht sich mhd. kleine sam daz in der sunnen vert, swebt etc. Anders bei Staphorst im Rosenkranz S. 229: diner dener so vele als sunnenstof: bedrof. Aber das unter C. 6 erwähnte tioinke kommt hier noch in Betracht. 11. v;mi Wind, wie im Mhd. z. B. Sachsenchr. 257: dat is allent gar en wint, im Red. Spil 1038, Ettm. 1031: dar is uns umme so gn wint; Zeno 216. Die sich hieran anschließenden beiden Blase und Tropfen, 12. blase und drup, druppen, werden im älteren Nd. in dieser Weise selten oder gar nicht üblich sein; auch im neueren Nd. bleiben sie, wie Grimm 730 sagt, in ihrer sinnlichen Grenze, also von Flüssigem. So selbst: en drup helpt n annem up, das dann allgemeiner gilt; nich n VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKS WEISEN. 21 drup liebben, nich ne natte drup u. s. w. Dagegen ist das Otfriedsche drof anderer Art^ vgl. z. B. 1, 5, 28: drof ni zwiuolo tliii, oder 138 Psalm V. 27 : noli trof ih ne loiigino. hläse kenne ich nur aus HofFm. RV. S. 157, wonach die Comb. Hs. des Rein, hläse für visevase liest. Vielleicht diente dafür auch hubhel, huhhelken. B. Tiere. 1. Die bisher aufgeführten Wörter beziehen sich fast alle aufpflan- zen, Früchte und was damit in Verbindung steht, die folgenden be- treffen gröstenteils das Tierreich, was ihm entstammt, angehört u. s. w. Natürlich kommen hier zunächst die kleineren lästigen Tiere in An- wendung, von den nützlichen ihre wertlosen Glieder, die größeren nur wegen ihres Alters, wie z. B. kein alter hund u. s. w. Heißt es doch sogar : n oll fru un n olle ko sunt ümmer wür to (d. h. zu irgend etwas nütze, oder: dat get ümmer to) ; n oll man un n oll pirt sunt beid nix wirt. Vorhersehend sind Mücke und Miete, in neuerer Zeit die Laus, seltener Fliege, Siere, dann Teile von Ziege, Katze, Hase, Gans, Karok die Krähe, Hecht, Kröte, dann Ei, Feder, Gräte u. v. a. 2. müs Maus, Haupt Z. 5, 896: dar inne so was nicht ene müs gebleven, das Haus Avar 1er. Gleich nachher heißt es: dar inne was nemant, wi vunden nicht men blote wende. 3. mugge Mücke, schon 1. Buch der Könige bei Merzd. S. 52: worumme vorvolghestu enen doden hunt unde ene levendighe mugghen. Deutlicher Theo. Das. 419: unde trore nicht ene mugghe. Dazu: nich n muggenben; wie einen Mückenstich so wenig einen beachten, im Daheim. A. flege Fliege, Wiggert 2, 52: min acht ik din den ene flegen: dazu fle : dre, im Hartebok 236, was ich doch jetzt nicht vergleichen kann. Ferner: nich n flegenfot, Dähnert. 5. lüs Laus, das vor einiger Zeit in dem Worte 'nicht die Laus außerordentlich im Schwange war, begegnet schon mehrmals alt, z. B. bei Emminghaus 615: achteden ere viande nich en lüs, oder 643: min als en lüs. Ostfrs. Sprichwort: du kanst mi gen lüs ' ofstarven läten, mir nichts anhaben. Neu: n lüsdümbret, Z. f. Mda. 4, 478. 6. mite Miete, Milbe., daher: dat mal is mitich, e. mite, Grimm 733. Soest. F. 706 : nicht ene miten. Wiechmann nd. Lit. in Mecklen- burg 2, 94: vor em mi nicht en miten grüwede. Vgl. Kl. Bür 754 und zu 179, wo das masc. enen miten : riten steht. 7. «wer lat. siro, ndl. siere, siertje, Milbe, s. Grimm 733, Hofim. hör. belg. 2 und zu den holl. Liedern, bis jetzt nur aus Chytraeus 22 A. IIOEFER bekannt, doch kommt nach dem Brom. Wtb. noch nich en s^uer vor. Andere Formen bei Frisch. 8. medel Made, Grimm 733, ftü* das Mnd. kaum erweislich, doch von Ettmüller Rat der Tiere v. 10 ohne Not für: nemede vorgeschlagen. Zusammenhang mit nute ist schwerlich vorhanden, ebensowenig mit meut bei H. Sachs, das vielmehr wol falsche Form zu mite. 9. zegenhort hier, kattenstert RV. 2978, hier auch hesterstart] hanen- kop bei Lüntzel H. Stiftsf. 164. 276: also döt gebleven dat men nich en h. vor om hedde geven; scherzhaft: ik bidde di um en gosei, im Brcm. Wtb.; hier: dat gelt fif witten un ne karokswust, ähnlich bei Richey wieder mit der Fünfzahl: fif poggen un n hekt, wenn nichts dabei herauskommt. Die Kröte scheint gemeint im Trierschen Theoph. V. 351 : de ene kroden nicht enhevet, wofür Hoffm. gräden aufgenommen hat, weil diese Redensart noch jetzt in Norddeutschland gebräuchlich. Die ältere Sprache bietet kaum ganz sichere Beispiele, allenfalls im Soest. Daniel S. 62: he heft der scrift ken grät vorstant. Das gewöhn- liche greif ^ an den gräden des Münsters, Eike, in der himmel grät, Wiggert, der eren grät, Schäkspil, gelt heft nü den hoegsten grät, Werltspröke, groten hates grät, oder: it stunt an sulken grät u. a. in der Sachsenchronik ist natürlich nicht zu vergleichen. Sicherer und öfter nachweisbar ist dagegen 10. ei Ei, oder doch eierschelle RV. 6474 (im Hamlet : even for an eggshell) und auch Theo. Das. 248 : it is ju alse en eighes dop, beide geeigneter als das Ei selbst, von dessen mhd. Verwendung Zingerle mehr als 50 Beispiele bringt. Aber was heißt dapl Es ist mitunter als Dotter genommen, aber man sagt: en half ei is beter as en leddigen, oder idel dop, femer: üt dem dop krüpen, folglich meint es Schale. Im Strals. Glossar heißt es: dop edder schelle. Redensarten wie: de het nich dat solt up de eier, de botter upt brot u. s. w. übergehe ich. 11. Ob das Wort f edder Feder, im Englischen nicht unüblich, in diesem Sinne vorkommt, kann ich nicht entscheiden. Doch hört man wohl fedderj-jos. Beispiele wie die beiden von Zingerle S. 26 beigebrachten dürften hier auch wol aufzuti'eiben sein. Übrigens gibt das Mhd. für das seinen eigenen Weg gehende Mnd. und Nnd. keinen sicheren Maß- stab, wenn mir auch mancherlei entgangen sein soUte. C. Der Mensch, sein Leib, seine Beschäftigung. 1. Das folgende Capitel begreift alles, was den Menschen selbst angeht, seinen Leib und dessen Teile, seine Lebensweise und Beschäf- tigung, also Glied und Har, Ausdrücke die dem Auge, dem Munde, VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 23 dem Zahn, dem Nagel, dem Nähen, Schreiben, dem Licht und selbst dem Denken entlehnt sind. Nur erwarte man auch hier nicht vollständig alle Punkte vertreten oder aus alten Quellen belegt und nachgewiesen zu sehen. Manches sonst erweisliche und bekannte ist vielleicht als nd. nie üblich gewesen, ich denke z. B. an Schweiße worüber Schmeller im B. W. und Zarncke zu Seb. Brant 299 zu vergleichen. Aus dem Niederdeutschen gehören mit Ausnahme des ersten hieher : 2. lid Glied, Vilmar im Hess. Idiotikon: nicht ein ledchen soll übrig bleiben, nicht das Geringste. 3. hdr Har, Wigg. 2, 60: nicht en här achten, Laiend. 153: de lüde dochten nicht en har. Theo. Das. 471: ik wil sorghen nicht en här, ähnlich Flos 467, Eramgh. 705, Esop 20, 29, Chytr. 103, öfter in RV. den Werltspröken und sonst, sowie eben dies Wort eines der üblichsten unserer Art sein mag. Ahnlich dial. gmncU zu grane Barthar. 4. 6g Auge, in manchen Verwendungen, z. B. hier und im Brem. Wtb. : nich so vel as men int og lidcn kan, wie auch Auerbach Neues Leben 1, 272 sagt: er ist mitleidig, aber nicht was man im Aug' leiden kann gibt er. Eine andere weit verbreitete Redensart gleiches Sinnes ist: enem nich de ogen (dat 6g) inn kop günnen, oder: nich dat wit int 6g günnen, oder: in'n 6g verschonen. Daran schließen sich ein par andere das Blicken oder Flinken, Zwinzen, Zwinkern der Augen- lider auffassende Ausdrücke, welche Grimm 3, 732 besprochen hat, nämlich ticint und hoink. 5. hoint, besonders im Mndl. sehr gebräuchlich, s. Hoffm. zu RV. S. 162 und hör. belg. 3, 158, im Nndl. aber erloschen, ist von Grimm im Reime zu Idnt für Nam. u. Val. 254 Staph. nytwink (d. h. ne oder entwink) vermutet, gewis mit Fug wenn der Reim der ohnehin zer- störten Stelle feststünde. Ein anderes thuint bei Leibnitz 3, 139 hat Grimm selbst als unrichtig bezeichnet, während Scheller in der Sachsen- chronik S. 272 dafür: 6. ticink Versucht hat': it halp allcnt nicht en twink, raen forde one hen unde on hink. Grimm erinnert an zioinken, ziuinkern^ engl, to twinkle, micare, an unser: nicht einen Augenblick zweifelhaft sein, ich finde dazu ostfr. n ogval in Z. f. Munda. 4, 478; er weiJ^ aber nicht ob ttcink sich näher rechtfertigen lässt. Freilich steht es unantastbar fest, selbst wenn Scheller, der es sicher gut gekannt hat, es auch im Laiendoctrinal S. 193 Z. 13—14 eingeschwärzt haben sollte: de wise bedrovet sik nicht entivink, oft he vorlust frunt efte kint. Denn erstlich begegnet es auch im Schäkspil 69^ : unde nicht ne wet van di unüoink im Reime zu enffenk^ ohne von dir etwas zu wissen, da ich dich doch 24 A. HOEFER gar nicht kenne; bei Kautzow tU : he rogede sik nicht ein twinke, ebenso in dem hochdeutschen Texte zwink; zweitens hat auch Schmeller 4, 307: kain zwinkerlein, nicht ein Bischen, Augwendlein, dazu: zuinch- ouo-er, nd. en plinkog; drittens gibt der Stralsunder Vocabularius theotonicalis: twinke, is en stof dat dar vlucht in der sunne, efte de klenen bubbelken up deme güden wine in deme glase, atamus, atha- mus. Dazu: huhhele, ene blase up deme water. Das Wort selbst und sein Ursprung steht also wol hinreichend fest, selbst die Bedeutung halte ich ftir erwiesen und durch das Str. Glossar nicht für erschüttert. Vielmehr denke ich: Soiuienstäuhchen und wieder auch: Bläschen^ also zwei weit verschiedene Begriffe werden entweder ledighch Anwendungen, Übertragungen des aus der ursprünglicheren Bedeutung bereits fest entwickelten: das Geringste, Kleinste sein, oder was wahrscheinlicher alle drei: Augenzwinkern, Sonnenstäubchen und Bläschen gehen zurück auf den zu zivei gehörigen Grundbegriff: hin und her fahren, zittern, sich bewegen, was für alle drei gleich gut paßt. 7. Mwid und Zahn. Hiezu stelle ich das allbekannte heten, das hier als ntr. also wol für hetken gilt, wie mäten für mädken? ein Bißchen, daneben laschen u. a. Im RV. 1557: hir finde ik van honren nicht enen bitten, 4378: gevet mi enen betten : eten. Auch im Br. Wtb. ist es m. wie der Bissen. Sodann das in dem Eingange bereits erwähnte haps, happen, beide masc, letzteres aber auch ntr. und wie bemerkt in weiterem Umfange gebraucht, nicht bloß vom Essen, ein Bissen, Mundvoll, ein wenig. Im Brem. Wtb. und bei Richey fehlen beide, doch s. Schambach, Danneil u. a. — Andere Redensarten, wie: dat kan man achter de küsen steken, ist nur ein kleiner Bissen, oder: so vel in de tenen hakt, beziehen sich nur auf das Essen. 8. Nagel. Hieher gehört, mitunter gebraucht: nich so vel as dat swarte unnem nagel, bei Fr. Reuter in bemerkenswerter Anwendung 12, 9: de noch nich dat sw. u. na. von takt hadde. Damit vergleicht sich bereits im alten Rechte bei O. Giercke der Humor S. 41 aus Weist 4, 655 §. 3 die Bestimmung der Kopfwunden: wenn sie so groß ist, 'als einem priester, der alle tage messe hält, das schicarze uf dem ixageH, natürlich scherzhaft für: jede noch so geringe Wunde am Kopfe. 9. Weiter als dem täglichen Leben zufallende, ursprünghch viel- leicht von bestimmten Beschäftigungen entlehnte, zum Teil in be- schränkter Weise verwendete Ausdrücke können gelten: natel, knoep- natel und knoepnatelskop, engl, pin, at a pins fee, dann : punkt, nichn stipken, Wrake, nich stik, stich sen , Br. Wtb. und Z. f. d. M. 3, 45 und 5, 30(»: nich n tüttel, schon Hbg. Chron. 92: in dem ringesten tuttel VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 25 nene macht hebben; dazu engl, not a tittle ot'it; dann: stremel, schnippel u. a. Ob nd. knop vorkommt, weiß icli nicht, engl, button, not worth a brass button ist häuüg, so ndl. also goet als 4 bottoen, wertlos, nichts, s. Germania 11, 380. Vereinzelt finde ich im Br. Wtb. he het nich den lepel upn brede beholden; ebenso hört man zuweilen: nich n piklicht, auch im Br. Wtb., nich n frilicht u. dgl. Indem ich noch spür, prov, ide, gedanke, kurz nenne, erwähne ich zuletzt einer auffälligeren und kaum noch sicher erklärlichen Ausdrucksweise. Nach dem Brem. Wtb. heißt nämlich: nich dat bitterste: nicht das Geringste, und so ist das Wort oft bei Lyra Plattd. Briefe gebraucht zu finden, z. B. S. 108; dann S. 18: nich met n bittersten wurden, d. h. nicht mit den geringsten Worten. Dazu habe ich hier: nich dat lidenste del, auch: nich dat lidenste bitter, vielleicht auch: nich dat bitterste liden? alle in dem gleichen Sinne vernommen, doch lasse ich einstweilen dahin gestellt, wie man sie am besten verstehen zu können meine. D. Münzen. 1. Es folgen nun die Namen kleinerer Münzen und Gewichte, selbst solche, die längst nicht mehr gebräuchlich sind. So hört man hier noch allgemein: nich enen witten, pennink, sösslink, Sechser, schillink, gröschen, dann heller, deut, je nachdem sie bekannt und im Gange waren, hellink, groten u. s. w. Die meisten derselben gehören nur dem täglichen Leben und der Sprache des Volkes an, einige be- gegnen jedoch auch hie und da in der Schriftsprache. So pennink: bei Grautoff 2, 414 heißt es: he hadde eneme büre laten afsniden nese unde oren umme penninksake willen und ichteswelken läten afslän de koppe dorch desulve sake, cf. engl, he is not worth a pennyworth of dogs-meat, keinen Schuß Pulver wert, oder: to seil a merry penny- worth. Dann xcitten, da Kl. Bür v. 38: dar vor (für Hören der Beichte) gevestu küme enen witten, doch wohl nicht buchstäblich zu verstehen ist. Damit gänzlich unverwant ist das überaus häufige engl, whit, früher auch icight, also wicht, s. hier cap. F Nr. 1. — kein judenheller wert, Leoprechting Lechrain 293. — grote\ he scholl sik um enen hal- ven groten den finger afbiten, oder: eine treue Magd ~ scholl crem heren en groten ton daler maken, Brem. Wtb. — nich en helh'nk wert, Sti'odtmann S. 85. 2. Anderer Art sind, doch wieder alt, zuerst löt: Zeno 497 — 99: der Wirt sagt: das wäre zu stark, würde hundert Mark kosten, wor- auf die Antwort: hundert mark sint so en 16t, ik wege se jük over in den schot, Bruns v. 476. Zweitens ort: Laiendoctr. pag. 207: Maria 2Q A. HOEFER achtcde nicht en ort, wat al der werlde togehort. Das Wort bedeutet den vierten Teil, besonders von Münzen, en ort guldcns, Br. Wtb. ; öjije in ostfr. Sprichwort. ]\Ian hat es sogar von quartus ableiten wollen. Angeführt ist auch Z. f. Mundarten ö, 309 und 2, 76: kan uart, doch im Sinne von nirgends. Drittens as: Laiend. 172: he is en dwas, he dot den hören nicht en as, was Scheller schon als kleinste Münze, nicht das allergeringste genommen hat. Im d. Wörterbuch: den men- schen nit um ein äss frummer machen, aus Frank. E. Unreines. Es ist schon oben erwähnt, daß mitunter auch schmutzige Ausdrücke begegnen, nicht bloß im Leben, sondern auch in Schriften verschiedener Art, daher ich denn einige Beispiele zu geben nicht unterlassen d^rf Das derbste ist erstlich scMffdr^ Tunnicius Nr. 346: vele kiven umrae ene seh., ebenda Nr. 1005 ähnlich, lat. nihil und Ijma aselli; auch bei Kil. schijt- oder strontvoere; ähnlich hier schef^ schetteri, ostfr. schltschetere , Z. f. Mda. 4, 122, 31 c. not. 129. Zweitens Klas Bür 6S3: en bür de nicht en wet van decreto sehet efte dret, was früher von mir wie im Holst. Idiot, nicht verstanden war, während das Verbum driten, prt. drei : let aus Fastnachtspielen, de horgers he- driten d. h. beti'ügen, aus den Werltspröken und sonst als echt nd. nachweislich ist. Beide sehet und dret sind synonyma, wie wir heute noch hören: von etwas nicht einen Dreck wissen, sik nich n drek dnrüt maken, durum to kummern hebben. So schon RV. 4075 des biclitcnt helpct nicht enen drek. Drittens in den Münsterschen Chron. 1, 123 Ficker: so vele dat en ko scheit, vacca pepedit. Dazu im Br. ^^ tb. : de lev de fallt so licht up enen kodrek as up en rosenblat, dann die Variante: nich en festen, fursten, zu Lüntzel S. 228; ferner hier scherzhaft z. B. : du säst hebben wat de hau locht un nich de eier. Anderswo Pferdeeier im Gegensatze zu Hühnereiern. Milder und fami- liärer, meist nicht mehr verständlich sind andere wie quark (Käsematte, Kot), stnint stercus. Kl. Bür 179: ik achte jüw bannent nicht enen strunt, u. a. was man in den gedruckten niederd. Wörterbüchern leicht linden wird. F. Allerlei. Nach alle dem bleibt noch ein buntes Allerlei von zahlreichen Ausdrücken und Wendungen übrig, die teils nicht genau zu bestimmen sind, teils hier nicht recht bequem unterzuordnen waren. Doch hebe ich davon nur einiges was wichtiger heraus. VON SITTEN UND BRÄUCHEN, NAMEN UND AUSDRUCKSWEISEN. 21 1. dinglein^ vgl. Sastrow 1, 131: er hielt sich still, bekümmerte sich mit dem was geschah nicht ein Dinglein, sondern las fleißig in der heiligen Schrift. Mohnike übersetzt * nicht im mindesten.* Der Ausdruck ist ganz allgemein, nicht ein etwas, wenig, vergleichbar ist schon gothisch ni vaihts, ni vaiht, althd. ni wiht, Grimm 734. Das oben D. 1 angeführte häufige engl, iclilt gehört ebenfalls hierher, z. B. to be no whit absorbed by u. s. w. oder not a whit, she is every whit as bad as. Zu vergleichen ist ferner auch das in den Wörterbüchern oft sehr ungenau behandelte engl, drug, a mere drug nichts wert, not a drugy das sich keineswegs bloß auf Arzenei oder Waren beschränkt. 2. visevase, z. B. im Sündenfall 2704 vom Biere: ik wet, et is nen visevase, oder RV. 248: nü klaget de hase en mereken und ene visevase, also dort etwa: elendes Zeug, hier: Schnickschnack, Wischi- waschi; Hoffm. hat hell, wisjewasje und aus Kil. v. phantasia, phan- tasma angeführt. Dem Ursprünge des Wortes nachzugehen unterlasse ich. 3. hrüde. Dähnert verzeichnet : ik wet de brüde davan, was weiß ich davon? ik scher mi de brüde darum, bekümmere mich nichts darum; also etwa wie: den Teufel, Henker, Kukuk. Daneben hrüden zum Besten haben, irre machen, hrüderi Spaß, lere Worte, die doch beide nichts erläutern; ebensowenig erklärt hd. brühe von etwas haben, d. h. das geringste, d. Wörtrb. 2, 424, denn auch hrüden^ hrüen und brühen berühren sich miteinander ohne strengen etymol. Zusammenhang. 4. Von hüll oder tüll nich wcten, heißt hier so viel als: von gar nichts wissen, unerfahren oder einfältig sein. Der hier sehr häufige Ausdruck fehlt in dem Brem. und Pomm. Wtb. und entzieht sich ge- nauerem Verständnisse wie manche andere reirahafte Formel. 5. visepetent. Das zu Kl. Bür 68 u. 938, in meiner Zeitschrift 2, 212; 3, 213 auch aus Wendunmut als hochd. fisij^otent nachgewiesene und besprochene Wort, in welchem Grimm den Vicesuperintendenten sah, ist leider noch immer unverständlich. Das damit in Verbindung ge- brachte'füsimatenten machen, was auch 'fü- od. fisipotenten' lauten soll, fördert nichts , so lange nicht ein vicepotent nachgewiesen .werden kann, auf welches der Wortlaut zunächst zu führen scheint. G. Weder groß noch klein u. ä. Am Schluße ist noch einer anderen bisher unberührten Art zu gedenken, die unser nichts oder kein. Niemand, durch Adjectiva oder deren Adverbia ausdrückt die in Gegensätzen mit einander ver- bunden werden. Fehlt die Negation, so entsteht natürlich der entgegen- gesetzte Begriff: all, jeder. Man vergleiche also zunächst RV. 1895* 28 ^^. HOEFEK, VON ^ITTEN V. BRÄUCHEN, NAMEN IT. AUSDRUCKS WEISEN. se volgedeu alle nä, arm unde rikc, eine einfache Verstärkung, die auch durch: groü und klein, oder: hoch und niedrig, alt und jung ge- geben sein könnte. So im Stockh. Tlieoph. ed. Dasent v. 246: de alle dink gheschopen hat, beide ghüt vnde quat. Dagegen in Verbindung mit der Negation Laiend. 35: wan wi em geven kleine noch grot; '22: des ne wot noch grot noch klene neman. 115: en achtet sines sulves kleine noch irrot. Dabei tritt öfter unter Einfluß des Reimes snml ein: ib. 120: noch wet grot noch smal : wal; 197: wi Avcten gröt noch smal : schal. Deutlich auch im Reineke 183: he rogede sik nicht klen noch gröt. Mit anderer Wendung erstlich RV. 2726: ik do R. wer ki'um efte recht: ib. 4664: Avat he dan secht, dat do ik, it si krum efte recht; zweitens im Laiendoctrinal p. 27 merkwürdiger: en hevve ji lüt noch stille, gevet jüwen willen, — wo vorhergeht: is juwe gut klene, daher Scheller p. 227 richtig übersetzt: habt ihr ganz und gar nichts, nicht das Geringste. Wörtlicher dagegen scheint bei Yorausgehendem 'desse bodeschop drege ik' im RV. 1273: it si lütbär efte stille. Bei weiterer Aufmerksamkeit wird man dergleichen auch wol in den neueren nd. Wörterbüchern erwähnt finden, auf jeden Fall ist diese gewis bemerkenswerte kühne Ausdrucksweise in der Sprache des Volks noch heute nicht ganz erloschen, oder der vortreffliche Fritz Reuter hätte nicht zu sagen gewagt 'se reden nicli swart un wit' d. h. gar nichts^ — auf den ersten Blick wunderlich genug und doch wol gerechtfertigt. Ich zweifle nicht, daß die vorstehende lose geordnete Sammlung, die meine eigenen Aufzeichnungen schon bereichern ließen, nach allen Seiten, aus alten Quellen wie aus der Volkssprache leicht ergänzt und vermehrt werden kann. Dennoch zeigt sie deutlich die Mannigfaltigkeit und die Eigentümlichkeit dieser niederdeutschen Redensarten. Freilich ist eine gewisse Einförmigkeit und Beschränkung in Anwendung der- selben nicht zu verkennen und ebenso bestimmt ergibt sich, daß letz- tere mit crerincren Ausnahmen auf die dichterischen Denkmäler sich beschränkt, denen sie doppelt bequem gewesen sein mögen. Eine und die andere Chronik bietet vielleicht nicht ein einziges Beispiel. Nachträglich: zu S. 17 ob. finde ich: verschiebe es um keines Pulses Dauer; zu 18, 7: auf Rufweite; zu 23: ihn nicht eines Hauches achten: zu 25: Pfenningswerth als Eigennamen in Danzig. GREIFS WALD, im September 1872. A. HOEFER. A. HOEPEE, NOCHMALS ALTVILE IM SÄCHSENSPIKGEL. 29 NOCHMALS ALTVILE IM SACHSENSPIEGEL. (Ver^l. Gerai. 15, 417.) Das rätselhafte Wort beginnt zu reizen. Nach der früher er- wähnten völlig unmöglichen Erklärung der Herren de Vries und de Wal sind die Herren K. J. T. Haupt, der inzwischen verstorbene Leverkus, A. Lübben und Vj L. Rochholz mit mehr oder minder aus- führlichen Versuchen aufgetreten und schon kündigt auch J. Zacher in der Zeitschrift für deutsche Philologie 3, 331 seine eingehende Untersuchung mit abweichenden Ergebnissen an die sobald es ge- schehen kann veröffentlicht werden soll und also einstweilen in Geduld abzuwarten ist. Den übrigen Versuchen aber die doch im Grunde gegen mich gerichtet sind, darf ich wol schon jetzt in der Kürze einiges erwidern, obwol sie zur Sache selbst insgesammt so gut wie nichts bieten, denn bei Lichte besehen handelt Herr Haupt doch nur von Elfensagen und Zukunftsm jthologie , die Herren Leverkus-Lübben von dem Stamme dvala, toll, Herr Rochholz von den Namen der Cretins, mithin lauter Dingen, die mit der Lesart altvile neben altfile und dem Sachsen- spiegel nach den Grundsätzen vernünftiger Kritik nicht das Geringste zu schaffen haben. Der Herr Pastor der sich beiläufig nicht wenig auf seine Kenntnis des Volkes und des Volksglaubens zu gute tut, mir aber solche S. 9 abspricht, weil ich S. 7 für Kobolde oder Nicker in rechtlichen Satzungen keine Stelle finde, greift den durch lateinische Übersetzungen schwach genug gestützten und längst beseitigten Einfall Sachsses auf, alvile sei Deminutiv von aJfi um daran allerlei anzuknüpfen. Daß dem schlechten alvile, ahvile mehr als 12 Lesarten unvereinbar entgegen- stehen, daß daraus nimmermehr altfile, altveüe, aldefil werden konnte, stört ihn nicht im Mindesten, f ist ihm einfache Verhärtung des, wie er annimmt, ursprünglichen w, ja er gesteht S. 3, mehr bescheiden oder mehr vornehm als billig, wörtlich: 'äußere diplomatisch-kritische Gründe die Lesart ohne t zu bevorzugen habe ich nicht, denn ich verstehe davon überhaupt nichts'. Aber auch von grammatischer Kritik scheint er nichts zu verstehen, er hätte sonst notwendig von dem bei Homeyer und Germ. 15, 418 sicher genug erwiesenen altfile und seinen Schwesterformen (vgl. meine Schrift S. 30. 39) ausgehen müssen. 30 A. HOEFER Die Abhandlung des Herrn Leverkus füllt G Seiten wesentlich mit Homeyers nnd meinen Ermittlungen, indem sie unbefangen und wenig statsrätlich von den letzteren eine ganze Anzahl als eigenste Entdeckung erscheinen lässt*). Dabei belehrt er mich über nephinius aus mir selbst, denn w^. 37 und 40 läßt er unberücksichtigt. Meine Schrift wird überhaupt nur zuletzt wie beiläufig mit dem Bemerken erwähnt, daß ich mit Recht 'geistige Krüppel' als Inhalt des Wortes angenommen. Aber dies, was bisher allen entgangen war und was er selbst von mir erst gelernt hat, nennt er jetzt 'nahe liegende Deutung'. Das Neue was hie und da begegnet, ist mit Ausnahme der friesischen Übersetzung 'op derten lyued' durchweg mislich oder verkehrt. Wenn er statt dwerge (er meint dicerghe) vielmehr diverve vermuthet, so scheint er nicht zu wissen, daß im Niederdeutschen gh unendlich oft mit v reimt, wenn er aber gnaviis für sein Gegenteil, statt ignavus erklärt, so sollte dieser sicher ganz und gar unwahrscheinliche Abfall des i, den mau bei Ducange, Diefenbach oder Schuchardt vergeblich sucht, billiger Weise erst nachgewiesen werden. Dagegen hätte er sich die nichtssagende Lehre S. 322 ersparen können \laß altvile keine Sin- gularfonn ist', denn davon abgesehen daß ich auf dem Titel den Plural meine, wie er im Ssp. steht, war er selbst auch nicht entfernt im Stande den Singular mit Sicherheit zu bestimmen. Jenes wichtigste alt vilen des 14. Jhrh. verschlägt ihm natürlich nichts. Aber das ist alles entlehntes Nebenwerk, Anhängsel, füllende Einleitung, um eine angeblich neue Erklärung zur Geltung zu bringen, denn der ganze Artikel gipfelt in dem für mich wenig überraschenden, vielmehr erwarteten Gedanken, daß al-hoil einfach zu nd. dwehn ge- höre, also einfach falsch sei. Aber, fügt er hinzu, die regelmäßige mnd. dw-Form ist nicht die einzige. Und damit bricht er ab. Herr Lübben aber spinnt den Faden fort. Aber was hat er denn durch seine 'reichhaltige und anregende Erörterung' erreicht? Er kann einige neben rechtem dw vorkommende falsche tw anführen, wie noch heute mitunter ficas für diocis zu hören ist. Ja im Berliner Volks- dialekte soll nach einer brieflichen Mitteilung das arme Ticall, das dumme Twall im Sinne von *Cretin, simpel' noch heute üblich sein, was HeiT L. denn zu benutzen nicht ermangeln möge. Aber er weiß dtüil oder twü überhaupt nur äußerst schwach zu begründen, er über- *) Dies Verhältnis das andere näher prüfen mögen, hier zu berühren, kann mich der Tod des Herrn L. nicht hindern, aber ich kann annehmen, Herr L, würde seine Arbeit selbst nicht so veröffentlicht haben wie sie hier erscheint. Dem Heraus- geber scheint das entgangen zu sein. NOCHMALS ALTVILE IM SACHSENSPIEGEL. 31 sieht, daß wenn damit wirklich das rechte getruffen wäre, jenes aldwile, richtiger aldicele in der Menge der Handschriften sicher doch einmal auftauchen würde und endhch er merkt nicht daß des Herrn Leverkus anscheinend kluge Erfindung bei der oberflächlichsten Vergleichung der anderen Lesarten noch fast unmöglicher ist als der Einfall des Demin. alvile, so daß Herr Liibben auch gar nicht den ohnehin unmöglichen Versuch macht, sie, also namentlich alt vilen, alffile, altveile, altvile, alt- fyle, altißle u. a. mit seinem aldioele in Einklang zu bringen. Natürlich, eine Unmöglichkeit führt ja zu der anderen. Oder nimmt PTorr L., der seine Erklärung auf Annahme eines Fehlers gründet, etwa stillschweigend auch für sie lauter Fehler an, Verhärtungen, Vocaleinschub ä la daioalon u. s. w.? Und doch waren die Herrn L. L. sorgsam gewarnt, denn ihre anscheinende Entdeckung ist, was sie verschweigen, nichts als mein eigener Einfall, den ich manchmal erwogen und dann nach Ge- bühr verschmäht und abgewiesen habe, vgl. S. 5 Z. 1—5 v. u. meiner Schrift. Und freilich lag er nahe genug, wenn man mit Homeyer al-t trennen will, wenn erst die Hauptsache, der Inhalt des Wortes richtig erkannt und aufgedeckt war und wenn man sich willkürlich auf eine and die andere Lesart beschränken wollte, die übrigen alle ignorirend. So wie denn lange vorher auch der Berliner Mitteiler unabhängig, nur durch den Sinn geleitet auf denselben Gedanken gekommen war, s. oben Seite 30. Wesentlich gleicher Ansicht ist denn auch Rochholz der alivile für eine altdeutsche Bezeichnung des Cretinismus zu halten scheint? bei Zacher S. 339, und dann also fortfährt: 'Schon J. Grimm hat die Lesung al-tvile veranlaßt, indem er damit tvetulle, lüidillo vergleicht. Es bleibt somit! der Wortstamm tüll, tiW und damit gelangen wir auch hier zu der Familie Till^ Teil und Genossen, die uns schon durch Herrn Lübben als verwante vorgeführt sind. Nur schade daß der ganze schöne Gedanke an Cretins, den meine Erklärung übrigens nicht ausschließt, auch nicht mehr neu ist, denn er taucht schon bei Herrn Pastor Haupt auf. Meine kleine Schrift hat mir Erfahrungen eingetragen wie sie Göthe in Band 22 und 32 (Ausg. in 40 B.) so hübsch geschildert hat; aber ich bin weiter gewitzigt; denn ich lerne, man kann gewissen Kritikern gegenüber des Guten leicht zu viel tun. Manche flüchtige Bedenken die ich, um sie zu beseitigen, offen äußerte, sind nun als Waffen gegen mich benutzt und weil ich meine Erklärung schüchtern und bescheiden ausgesprochen, hat man sie um so dreister bemängelt 32 A. HOEFER und bezweifelt. Der Herr Statsrat beruft sich S. 322 keck darauf, daß ich S. 26 meine eigene Deutung selbst 'unglaublich aussehend' nenne, er lässt aber dreister ein dabei unentbehrliches 'an sich', das hieß 'für Leien und Unverständige , aus und steigert seine Kühnheit zu dem ihm wenig zustehenden Ausspruche, 'ernsthaft einer solchen Etymologie zu widersprechen, erscheint unmöglich*, worauf er denn nur jene nichtssagende Bemerkung macht: 'daß altvile keine Singular- form ist.' Eine reiflich erwogene, wol gestützte, von einer Seite sogar er- wiesene Ansicht auf solche Ai't abtun und bcseitio:en wollen, ist frei- lieh leicht und bequem, aber wer sich leichtfertig dazu hergibt, sollte sich nicht verbergen, daß der Schein der Lächerlichkeit gar manchmal lediglich auf den Angreifer zurückfällt. Und wie steht es denn um meine Deutung, daß der erste beste unberechtigte Richter, Pastor oder Statsrat, sie mit ein par hohlen Redensarten abzufertigen vermeint, mit Hinweis auf 'das juristische Lehrbuch', 'ernste Rechts spräche', mit Bezeichnung als 'Unmöglichkeit', Tri\'ialität u. s. w. ? Sämmtliche Widersacher übersehen oder leugnen geflißentlich alles, worauf es hier vornehmlich ankommt und was das sicherste oder doch w^ahrscheinlichste ist, nämlich: L daß es sich hier zunächst gar nicht um den Sachsenspiegel, sondern um eine ihm ursprünglich fremde, grundverschiedene, gereimte, für das Volk oder den praktischen Gebrauch bestimmte, volkstümliche Stelle handelt; 2. daß die Grundlage derselben wahrscheinlich ein Rechtssprich- wort bildete, für dessen Erklärung in das Volksleben zurückgegangen werden muß, vgl. J. J. Smits, Abdruck aus den Nieuwe Bijdragen S. 2 fl. und Graf und Dietherr d. Rechtsspr. S. 210. 213, die jedoch noch 'zwitter übersetzen d. h. ihnen zweigliedrig; 3. daß als Kern der Form unerschütterlich die Lautgruppe -Itfi- feststeht und damit unantastbar altfile gesichert ist als erste, älteste und reinste Lesart, als Quelle aller übrigen; 4. daß hinter al- zu trennen und al-hcile oder gar aldwele oder alwile als vornehmste Lesart an die Spitze zu stellen ein geradezu un- mögliches, aller Kritik widerstrebendes, unwissenschaftliches Verfahren; 0. daß jenes ungesucht und von selbst sich ergebende altfile nach menschlicher Einsicht nichts anderes meinen kann, als was ich ihm habe entnehmen müssen. Alt feile oder Altfeil, alt vilen der Dres- dener Handschrift; 6. daß dieses weiter als deutscher Name und als Schelte, im Englischen in ähnlichem, in Holland in gleichem Sinne (Germania NOCHMALS ALTVILE IM SACHSENSPIEGEL. 33 15, 418) nachgewiesen, mithin nicht aus der Luft gegriffen oder ein- gebildet und wilkürlich erfunden ist; 7. daß diese Bildung an sich so gut wie jeder andere entlehnte Ausdruck verschiedenes bedeuten kann*), daß aber der Begrif stumpf, stumpf- oder bliulsinnig richtig und vernünftig erschlossen ist; endlich 8. daß, wenn dieser Inhalt des Wortes irgen.lwo, wie natür- lich angenommen, fest entwickelt und geläufig war, seine darum auch nicht mehr miszuverstehende Verwendung, vollends als eines Compo- situms, selbst in einem^ überdies gereimten Rechtsspruche durchaus erlaubt und ohne Anstoß sein muste: denn: als Compositum ent- fernte Altfeile oder Altfeil sich weit von \lie alte Feile , ward ein eigener, prägnanter, volksmäßiger Ausdruck, der vielleicht als ein scherzhafter, wahrscheinlicher als ein milde schonender und doch hinlänglich deuthcher derberen Bezeichnungen vorgezogen werden mochte. Wer aber jene dem Leien freilich wol unverständliche oder auf- flillige innere Entwickelung des Wortes altfeüe (das nur körperlicli 'abgelebt' sei) und darum dessen Verwendung in einem Rechtsspruche, *in der ernsten Rechtssprache', nicht zugeben will, der zeigt daß er eius wie das andere w^enig kennt, weder die Sprache noch das deutsche Recht. Ist es denn so ernstlich gemeint wenn im 'recht van der vroweii rrido' als zu dieser gehörig neben Hühnern und Enten muese und rotten, katten und ander ungefaF genannt werden? Von Poesie und Humor im deutschen Rechte ist neuerdings nach Grimm mehrmals eingehend gehandelt worden^ zuletzt von O. Gierke Berlin 1871, y^.. Nordd. Alig. Zeitung Beilage 1871 Nr. 181, 182, 187. Und was die Sprache des täglichen Lebens und auch die Schriftsprache angeht, so bieten alle guten Wörterbücher Beispiele älnilicher Entwickelung und Verwendung in Fülle dar. Darauf ist aber noch weniger aufgemerkt worden wde die Sprache des Rechts mit besonderer Vorliebe Dinge und Begriffe belebt und selbst als menschliche Wesen, 'als Personen behandelt, daneben wieder Begriffe als greifbare Dinge fasst. So heißt es z. B. Gewalt wird handvoll und das Recht wird sackvoll gemessen. *) Nicht einmal das begreift man oder will man einräumen, denn man hält mir entgegen da[> das englische old file auch alter Filz. Kratzer', nicht al)er Htumpi, blödsinnicr* bedeute, man weiß also nicht daß hunderte deutscher Wörter im Euf?lischcn anderen Sinn haben als im Deutschen, daß hunderte im Deutschen wie in jeder an- deren Sprache ihren ursprünglichen Inhalt mit der Zeit verändert^ andere Bedeutung entwickelt haben. GERMANIA. Neue Reihe. VI. (XVIII.) Jahrg. 3 34 A. HOEFER, NOCHMALS ALTVILE IM SACHSENSPIEGEL. das Recht geht aber auch auf Krücken; der Wolf frißt kein Ziel, Kirchengut hat eisernen Zahn, Muß ist ein böses Kraut, Friede düngt den Acker, Schulden wachen auf, sind keine Hasen, faulen und rosten 'nicht, gute Worte heilen schlimme Ware, Kostgeld schreiet vor aller Welt, Handkauf lacht, Scepter soll Augen haben u. s. w. Es wird für Kenner nicht nötig, für Andere aber überflüssig und vergeblich sein diese Sammlung fortzusetzen, aber man darf die Frage aufwerfen und dreist bejahen, ob die Sprache der solche Aus- drucksweise geläufig war, die gelegentlich nidene für circa genitalia, sprächkameren fiir latrina, kammerlange für urina, hofivart für Hund sagt (s. meine Schrift S. 33), nicht auch Alt feile oder Alt feil für 'stumpf, schwachsinnig' sehr wol verwenden durfte ? Es fehlt in rechtlichen Satzungen sogar nicht an schmutzigen Aus- drücken, z. B. als Äußerungen der honspräke, wie jeder weiß der alte Rechtsbücher, Statuten und Urkunden fleißig gelesen hat. Und wieder auch die alten Namen sind nicht hloil sehr oft hochkomisch und lächerlich, sondern vielfach geradezu unanständig und unaussprechlich. So liegen die Dinge und bis auf weiteres muß ich unbekümmert um Anstoß und Einrede annehmen, daß ich das Richtige getroff'en, wie die Ergebnisse meiner Untersuchung denn auch von mehr als einer Seite, Philologen und Juristen anerkannt, teilweise selbst weiter als von mir bewiesen worden sind. Ich aber werde fortfahren jenen wenn auch etwas unerquicklichen Bestrebungen treulich zu folgen und besonders dem was über a 1 1 fil e noch auf den Markt kommen sollte, meine volle Aufmerksamkeit zu widmen. Nachschrift. Vorstehendes ist nicht ohne Grund lange zurückgehalten und so sind denn inzwischen zwei neue Äußerungen über denselben Gegen- stand hinzugekommen, die eine in dem Mnd. Wörterbuche Heft 1, die andere von dessen lehrhaftem Göttinger Recensenten, vgl. meine An- zeige. Auf beide dachte ich hier näher einzugehen, indes das erste läßt die Abhandlung bei Zacher unerwähnt und bringt nur zwei Be- merkungen die oben schon abgetan sind. Die auf Orthographie und Declination gerichteten Bedenken des Recensenten aber hinwegzu- räumen muß ich ihm billiger Weise selbst überlassen. Vielleicht ge- lingt ihm das im Laufe der Zeit. Das von ihm herbei gezerrte Elt- ville ist *alta villa' und von dem Namen AI will ist eben ausser für ihn selbst leider auch kein Gebrauch zu machen. GR. im August 1872. A. HOEFER. A. HOEFER, ZUM MITTELNIEDERDEUTSCREN WÖRTERBUCIIE. 35 ZUM MITTELNIEDERD. WÖRTERBUCIIE VON K. SCHILLER UND A. LÜBBEN. Das vorliegende viel ersehnte und mich nahe angehende Werk öffentlich zu besprechen hat ursprünglich nicht in ro einer Absicht gelegen. Dennoch galt es mir ein Urteil zu bilden welches die mir zu Gesicht gekommenen Anzeigen vermissen lassen, zum Teil auch gar nicht geben konnten, und so habe ich denn einige Tage daran gesetzt, das erste Heft mit meinen Sammlungen zu vergleichen. Indem ich das Ergebnis dieser Prüfung hier mitteile, bemerke ich daß das erste Heft keinen i'echten Maßstab gibt, denn einmal lässt es Plan und Absicht des Werkes, worüber nichts gesagt ist, nur unbe- stimmt erkennen, sodann stand ihm bis S. 90 Kosegartens fertiger Teil zur Seite, endlich füllen zwei Dritteile desselben die Wörter achte, a\ amhachf^ die Composita mit achter, af und an. Es geht auf 128 Seiten bis zu dem zweifelhaften arnt und umfasst im Ganzen, ohne die Zn- sammensetzungen und Ableitungen, ein kleines Häuflein AVörter, dar- unter meist bekannte, schon verzeichnete, wenig seltene, neue, was nicht Schuld der Herausgeber. Daß ihr Material zum grösten Teile aus Incunabeln gezogen wäre, Germania 17, 104, ist nicht der Fall imd würde ohnehin sehr überflüssig, ja wol schädlich sein. Freilich machen sie mit Beschaifang alter Drucke gewaltigen Aufwand, abor welchen Nutzen diese im Großen gewähren, steht dahin, wenigstens darf man fragen, ob denn die Masse der sichersten und wichtif^sten Quellen, der am besten herausgegebenen und am leichtesten zugäng- lichen Urkunden, Rechtsbücher^ Chroniken, Dichtungen zuerst und vor allen Dingen ausgenutzt und ausgebeutet sei? Vollständigkeit welche die Herausgeber sichtlich erstreben, ohne sie schon völlig erreichen zu können, bezieht sich zunächst auf den Umfang der Quellen und den ihnen zu entnehmenden Sprachschatz, sodann auf Form und Bedeutung der einzelnen Wörter. Was sich im Mnd. findet, mnd. ist, ist wichtig, mag es auch sonst, z. B. für deutsche Sprachgeschichte, sehr geringe Bedeutung haben: ob es dem Hoch^ deutschen gleich oder davon verschieden ist, kommt nicht in Betracht. So scheinen die Herausgeber selbst zu urteilen, denn sie verschmähen nicht eine Menge triviales Zeugs, reihen es an Ort und Stelle ein und 3* 36 A. HOEFER belegen es oft mit reicliliclien Beispielen*). Von diesem Standpunkte aus^ der von meinem eigenen weit absteht, scheint mancherlei zu fehlen, wovon ich, ohne Kosegartens Arbeiten zu berücksichtigen, Folgen- des in aller Küi'ze oder mit einigen Bemerkungen nachtrage. Der Eingang über a belehrt uns daß wir junge a unter älterem 0, e, dagegen altes a vor It, Id unter jüngerem o zu suchen haben. So kommt es denn daß alt, alder, van aldinges in Heft 1, wo man sie sucht, gänzlich fehlen. Die Geschichte des nd. a, ä ist hier nicht erschöpft, auch die beiden ersten Artikel, a und -ä, sind dürftig, Imperative wie sxcichä, die Reime allenä : ])lena ^ to vordretä : ^propheia, ik vortia : Maria das Hoffmann verderbt, fehlen. Überdies ist a auch Interjection für ach z. B. Laurembg. Sodann fehlen: der ahdisken, die ebdiske, ehdisse^ -pl. ehte; dat gilldne ahc^ ahchok; Abel und Ahelensone, f. Abele; loitte ablafen; ach mrnes lives; achtebreve edder keiserbreve; agbdr; ik achte ju doren; achfentik; zu achter cf. atter Mteiiy Haupt V 396 und achter rursum, 2 Kq^^ Mzd. S. 70; — achter lan- den loperij, achterber, achterbort^ achterkastei und -schip puppis, vor dem achterredende im B. der Weisheit Mgdb. 1538 (B. B. flökende), wol achterredet in Spr. S. B. B. 10, 18; dazu niters u. achterreders hebben, auch Spr. Sah; — achtervolgt, befolgt, tverden von einer ordinanzi bei V. Wicht; achterwegen läten^ dat lant, verlassen, LvSu; endlich in den acht er seien up brodes ende kamen ^ Wiechm. H. — Für -achtich auch achtj echt, haft, haftig. Vornamen wie Achim und Akim, Adrian, Ameling u. v. a.; Fremd- wörter wie addereringhe, addicien Brsw. Chr. dat acker des rikes ivart so vruchtbär, Korner 76'', cf. 103*^ H, daneben den acker 172'*; ackeren u. amen B. Bi. — Ist neben dat eckeren ntr. ackern allein nicht nachweisbar? adamant; addern galle, Hiob BB; alse adebars flögele, Zach. 8 B, A. ist hier noch npr; — zu adel vgl. hd. die rugianische adel, 2 Zob. 115, doch \^ellei cht falsch; dat loedderf achten de adel, Ktz. 217, ib. 151 icat adelische gestalt it (das Pferd) an sik hedde, dazu Dhnrt. iq? er adelsch, cf. Kl. Bür 790. — adelarn, nur nebenbei genannt und nicht *) Davon kommen freilich Abweichungen vor. Denn Wörter wie afbemen, em dat här, und afvAnnen, den monnen dat Mis, oder afimkei-n u. s. w. nehmen sie an Ort und Stelle auf, aber von solchen die wie afdoden, afltaivjen, afniorden dem Nd. be- sonders angehören und zum Teil nicht hd. sind, geben sie nur einige, sogar ohne Beispiel, s. v, «/zu Ende, was schwerlich durch den dat. pers. gerechtfertigt, jedes- falls inconsequent ist, vgl. unten ähnliche Verbindungen mit af. ZUM MITTELNIEDERDEUTSCHEN WÖRTEEBUCHE. 37 belegt, begegnet als comp, öfter bei Korner, in der S. chron. und sonst. -— Für äducht auch avechicht. af steht auch für of, ob. — Zu den comp, mit af, ave gehören noch: van af harnende Zo; aßoegen vom Wege Br. Gqu; de dit af bracht heft Zo; af danken sich dankend entfernen, empfehlen, id., mit krüt u. lot af gedankt icerden, entlassen, abgefunden; afdelich expers; sik smes hinderlists afdlion, so auch bei Ktz.; afdörper pl. Dhnrt.; afdracTitlik wesen, to afdrage fordern Zo 3, 418; afdragen das Essen, oppos. up- dragen ders. ; af dringen zurückweisen Upstd. 724 E. ; af droschen ab-, derogare ; afdiodn , afdwoch ; de afescher exactor ; de swin afeten oft dot hiten von Bestien; anders hedde de gantze ort afgegän wäre abgebrannt Zo; dazu andere afgdn; de afgoder m. sgl. idolatra; ob afgot auch ntr. ist? afgunnen beneiden, misgönnen; zu af handeln^ afhemicheit, afholt die schon alt, vgl. Dhnrt., zu afhehhen Zob. zu 1, 44, wenn es richtig: er konnte sich nicht rechtfertigen, frei machen? af harren steht bei B. Russow und sonst, z. B. bei Ktz. 61 und afharreden, dat; ib. 46 hehhen des hertogen af hanget; ib. 102 (dat he scheide) siner heteringe an den ogen afharren; zu afhouicen neben schw. houicede af stark afhoio 3 Zober 145, dar se den kinderen hende u. vote afhüioen, Graut. 2, 421 u. 516; daneben hüw, heio, hev, heu und andere vorkommen. — af- kernen und afkerven abdicare, afknipen Brs. Chr.; af künden bei Zob. gleich af kundigen^ dies c. ü auch gleich aufbieten, von Verlobten; de hogesten noten aflangeri; ican fuer stro a. kan; aflän : gän; ob S. 28* af- laden und afledst richtig erklärt? ~ aßege und aflegung; blümen aflesen. Koker; afgelevede lüe^eiüen Wiechm. ; aflivisch Oelr. ; aflonen c. dat.; eiflik efte afloslik; aflüden, -lüdich absonus, -dicheit in vocab. ; afmälen eigentl. Laurb; afmoten; alse de iverlt afmitt u. denkt; de en afgemordert icart; ebenso de en afgeslagen u. afgeicundet icurden, p. ürk; afneming s. Dhnrt.; afdghelen^ -ler abadolator; afplücken^ afquisten u. c. e; af rönnen auch Ktz. 149; afrift u. afrist var. zu afschevet Ssp; afrinnich auch bei Fidicin; af säten, statt d^ absamen; mit sinem af scheide zog es sich hin, 3 Zob. 377 und oft für Hinscheiden, Tod; afschedelkost ; afscheten ab- solut, sc. de pile ; afscheven wird nicht zu schüven gehören, sondern zu schaben. Zu afschümen ist affimen aus Sastr. ; zu af sichtlich ist afsüne difFormis aus alten vocab. zu entnehmen; — afschüioen auch Ktz. 120, dazu dorch afschowunge u. verfuermig Zob. 1, 287. — dat dem hertogen de toi luer afgeschlogen 3 Zob. 211; dat loil men afgesneden hebben, ab- gestellt? — so ivart doch für gut angesehen 3 Zo. 211. — afspennich maken, knechte s. zu Barn. B. Ordn. — upgevot und afgespenet von einem Kinde, Westf. — afstorrich durch egenkoppes erklärt. — afstoten auf die Seite bringen, Zob. — gade afstutzich werden Ktz. — afte f ofte; 33 A. HOEFER aflrit und enen aftrede hidden, abtreten zu dürfen Zob. — en voi' enen aftrunmger melden^ daneben manchmal richtig c. e, vam loven oßrennich^ de aflrennier logener^ Zob. 1, 115; — vgl. 103" ansichtiger^ — mit to- vloten u. afvloteiij p. Urli; gut wart afgefaret; sik affören, Wräke; — der sake nicht afweten liMen, Lp. ndelb. Chr. 103, vgl. var. — Itt se af- iciken, abtreten, Zob. Zu dem folgenden Teile beschränke ich mich, einiges wenige was wichtiger oder seltener scheint, herauszuheben. sicarter agatstein; Agete f; agripinnisclie penninge\ academe Lrbg. ; aker^ akelter \i. a. ein Kraut; a?/?'a/i^'e Wasserkraut, doch s. Dht. ; dazu füge ich noch aus dem Gothaer Arzneibuch bei Regel S. 8 die Pflanzen- namen affrodilly agrimonie, allemamoortele^ allexandre^ alloe, andivien, ans- lok^ anderes bei Kemnich und Diefenbach zu übergehen. — Dann algemak; algans LvSu. 22 und 29; ellernholt ist Flieder, zu alhorn 2, nicht mit Lks. 51 zu Eller, Erle; alarum schrien Wiechm., ebenso aU.enn s. Ktz.; allerjärlikes, sehr oft so c. aller. Auf altvil, zwei ganze mir bis auf den Schluß entlehnte Spalten, wie auf den bedeutungs- losen Zusatz des Göttinger Recensenten komme ich besonders zurück, doch nehme ich Act davon daß die jüngste Abhandlung in Zachers Zeitschrift hier ignorirt worden. Sie beruhte ohnehin nur auf einem von mir selbst weggeworfenen Einfall. (Vergl. den vorigen Artikel.) Zu 'JO gehören auch alsink^ ansink; für amie auch aniicitia-, als m. amis : icis; ammelkorn Lacbl. ; Ameling Bück; der ämer, wol gen. pl. sc. eit, Brsw. Urk. 1, 26J ; ande und; zu anderik npr. Andrich; ticivels dne und lange dne kragen rocke; anegink: dink] kop ang an Theo. Tr. ; anerhodich, anerhedich\ anheimisch komen] anhengich sin c. gen; anjänen] anhelden, anke, a/iÄ:e/2 bei Dhnrt. ; angeknüttet ^Q\A\\i. Y^ . \ anlät in verschiedenen Verbindungen mit stellen, mit tuschen scheint: Ver- gleich, Vorschlag, vgL anlaz; anlenghen animadvertere ; anmäl macula, nae^^s; mit anoeginge, Wiechm. 2, 16; mit enem anschrie üt — springen; anselik'j das wunderliche anskinge im Brem. Wörterb. ist mit Recht übergegangen, es wird ansokinge gemeint sein, das aber hier auch fehlt; segel ansldn besiegeln, Fahne 3, 248; we sine käue (koi) vor ossen an- spent : helzent, Koker; anspannen mit, etwa anbinden mit; enen mit rove, mit düv:e anspreken, als Dieb, Hhg. RxA.., vgl. Fahne Do. Stat. 67; it düvich of rovich ansjjreken, ib. 72; anstat, anstet, anstede; sik loretlik alistellen, Renner; he steke an dat hüs, — dat he an den hof gesteken, Wigd. Ai'ch. ; angesticket jegen se in Liebe entbrannt, Judith 12 B: anstedinge auch Anstiftung, Balt. Stud. ; antichristlik u. s. w. WVäke ; de en Met antragen, Zob. 3, etwa für antrocken, beeinflußt durch aii- ZUM JVnTTELNIEDERDEUTSCHEN WÖRTERBUCflE. 39 tagen? — antrüwen ist Vb. und Adverbium für entrüwen traun; ant- werdesman reus, Oeh\ Rig. ; van Antwoiye Chr. sei., van Andorpen P. G. D. 2, 215, Andorpen als nora. Chytr, 592; zu anvechten vgl. var. in ndelb. Chr. 60; der ketterie anvlichten Zoh.] anfort in de Ptne u. have- ninge Ktz. ; anvide soll duevelsdrek sein ; ob anwal, auch in Wig. Arch., gleich anval? amoar iverden gewahr, gew. enwar, und amoarer so! als alt bei Dhnrt. ; po^ von Silber angewagen an den pot etc. Po. G. D. II, 78, scheint: zusammengewogen mit, mag die ganze Stelle auch unklar und vielleicht falsch sein. Wichtiger ist anicerden c. acc. p. 78 und 118, 'angehen, Zu- mutung machen, petere'. Aber anicerden hat zunächst auch sächlichen Accusativ bei sich und bedeutet wie noch jetzt ganz gewöhnlich: an sich nehmen, sich gewöhnen u. s. w. , z. B. : don wurr he den driink, dat drinkent an. In diesem Sinne kennen es nicht bloß alte Glossare, als assuescere, assolere, gleich anwanen^ was hier mit Zubehör fehlt, sondern es ist auch alt nachweislich, am deutlichsten Jes. Sirach 23, 19 Mgdb. 1538: dat du nicht anicerdest de narheit, Luther: ge- wohnest der N., B. Bibel: dat du di nicht gewönnest tor narheit. Das alid. anaiverdan c. acc. Graff 1, 990 ist nach dem D. Wtb. 1, 519 *an einen kommen, gelangen , Mhd. und Nhd. haben nichts entsprechen- des, aber vergleichen lässt sich mir ist an, d. h. angenehm, lieb, ich habe Lust, bei Schmeller 1, 61, ähnlich wie heute: das ist mir mit, oder nicht mit, bei C. Stieler 173 libitum est, placet. Der sinnliche Grundbegrif des *ich werde an ihn, an etwas wird also sein: ich nähere mich, neige, wende mich zu, werfe mein Auge auf, zu, gebe mich hin, gewöhne mich oder habe gern, lieb u. s. w. Hiernach sind mit einiger IModification alle 6 Stellen zu verstehen, von 'angehn' ist wol in keiner die Rede, dazu stimmt weder also dat in 4 und 6, noch der Wortlaut der Bibel. Schwanken kann mau in der Wahl des Ausdrucks allein bei 4, wo biblisch nur: gewann sie lieb, he krech Rahel lef, entspricht. apungeter'j solckenn apenspill anrichten, Zob., doch kaum für solken; Apenrä; ajypelhakesche ; bedeutsamer ist LvSu. 18 de. ene d. h. den ivech arheiden künde, wobei travailler und to travel, Schmeller, 1, 101 zu vergleichen. Aus demselben Ludolf p. 52 enes kindes an arheit gän aufzunehmen hätte zwei Citate aus MSS. entbehrlich gemacht. — ardom bei Schlüter W. und art oder ard., Amt sollen wol folgen, doch er- wartet und vermist man hier Arendes hof, Arends oder Arensgulden, arincpenninge, Lüb. Urk. ; — arkelei ist aus Dhnrt. zu vervo llständigen, s. Schmeller 1, 106; erker unbelegt, in Mkl. Jahrb. 3, 135; — arm 40 A. HOEi^E, ZUM ÄUTTELNIEDEKDEUTSCHEN WÖKTERBUCHE. und cp. viel zu dürftig, z. B. ea arm des meres Lud. 24, eigentüm- licher im Volksliede en armes lang sprak he eii luort^ was ich mit Ludolf 41, 5 u. dgl. oben erklärt habe; armhant m. und ntr., plm\ arm- hende wie pl. halshende, welche Form oft ohne Grund bezweifelt sehr häufig vorkommt, bedeutet auch 'manipula', der Messe; armpipen im uds. Archiv. — arm für orme wie arlef; arhost] arnasch Dhnrt. ; arone und papenpint soll ein Kraut sein, vgl. bei Regel anerone, Diefb. s. v. auronum; aber was ist arschen ahell, dl Zob. 3, 498? Doch nicht amschen? Als pl. von arnt fehlt arnde, arende der B. Bibel. Jenes arntj mit dem das Heft schließt, aus P. Gesch. D. 2, 209. 213, auf dessen Erklärung man gespannt sein darf, wird einfach zu streichen sein, denn es steht wie ich höre in der Hs. wshrscheinlich vorguldet arm. Und so ist wie man weiß allerlei durch Fehler und sonst geworden, z. B. hier aUetliken 56'', Zob. 3, 290 afmaken für afpanden. Diese Zusätze und Nachträge, ohne Mühe zu vermehren, nach allen Seiten gerichtet, sind absichtlich alle oder zumeist aus einem kleinen Kreise von Quellen gewählt welche die Verf. fast alle kennen und benutzen, aber in ihrem Streben nach Hdschr. und alten Drucken nicht entfernt ausgenutzt haben. Ausnutzen ist freilich schwer, wol unmöglich;, aber hier ist es einer Masse der genannten wichtig- sten Quellen doch zu schlecht gegangen; am übelsten den pommer- schon. Bloß die schöne Barter Bibel, kaum je citiert, die Stralsunder Chroniken, ,Kantzow u. a. bieten noch die Fülle; die Arbeiten von Dähnert, Bohlen, Fabricius, Fock, Kruse u. v. a. sind nicht gebraucht imd nicht genannt. Dasselbe Schicksal haben leicht mehr als hun- dert andere, ältere und neuere Quellen und Hilfsmittel, Sammelwerke und Zeitschriften, Wörterbücher, Ausgaben u. s. w. deren Aufzählung ohne Ende wäre. Namen sind bis auf spärliche Vornamen ganz über- gangen, während Personennamen als Sprachquelle und Ortsnamen in merkwürdigen Formen Berücksichtigung verdient hätten. So kommen auch Fremdwörter etwas kurz weg, obgleich agnus del, antiffen, alle- luja, welche aufgenommen sind, auch avoI ebenso gut fehlen dürften. Die oft schwierige Bestimmung und Ordnung der Bedeutungen, fehlt auch einiges, ist im Ganzen sehr sorgftiltig. Die Beispiele sind ungleich gewählt, oft ohne Not gehäuft, ohne rechte Rücksicht auf die Formen die vielfach unbelegt bleiben und damit ganz fehlen, wie nicht selten die Nebenformen der Wörter selbst, s. oben. Die Einrich- tung ist verschieden, nach der älteren und auch neueren Form, Ver- weisungen kommen nicht immer zu Hilfe, so kann man lange suchen, z. B. apjoteke, anherch, adder , anharden, ankevader u. v. a. Dagegen K. BARTSCH, BEB MALER MIT DER SCHÖNEN FRAU. 41 sind ahhessate und amhasiate^ sogar afhernen und afhrennen je zwei Artikel geworden. Für die w^eitere Erklärung der Wörter, auch nur durch Ver- gleichung des Alten und Neuen, ist offenbar zu wenig getan, vgl. afstroifen, anhesten, anclaw^ anden, andren, anspechtich u. a. oder sie fällt mislich aus, wie bei aldorgen, -achtich, amachtich, äme, das wenn richtig erklärt schwerlich masc. gen. sein würde, andregen, am u. a. Dabei ist ein durchgehender Übelstand die wunderliche Behandlung der Quantität die alte Kürzen hie und da als lang, alte Längen als kurz oder auch gar nicht bezeichnet. So wird S. 67 name = pracda, noinen' gesetzt und ame, angeblich gleich näme, geschrieben, so finden wir älhorn, andei^den, aber wieder ah^e und alre, ungenau antwer, entwer, allos, jarlikes, armtuch u. dgl. für eine sprachwissenschaftliche Arbeit allerdings etw^as auffällig und verwirrend*). So mein wie ich denke wol begründetes Urteil das ich um so vollständiger und unbefangener gebe, als mir daran gelegen, meine eigenen Arbeiten auf niederdeutschem Gebiete auch vor dem Scheine der Unselbständigkeit und Abhängigkeit zu bewahren. Daß der dar- gebotene Anfang seine Mängel hat, weder fertig noch vollständig ist, ein Fehler dem auch diese erste Nachlese nicht entgangen, das soll meinem Sinne nach keinen Tadel aussprechen, noch Wert und Ver- dienst des Geleisteten herabsetzen. Vielen denen das verwahrloste Niederdeutsche immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist, wird es, eine Quelle reicher Belehrung, schon jetzt die Augen zu öffnen dienen. Schätzte doch der große Meister seine Bedeutung fortwährend zu gering, weil er es nicht genügend kannte. August 1872. A. HOEFER. DER MALER MIT DER SCHÖNEN FRAU. Die vielbenutzte Heidelberger Sammlung von Erzälilungen und Beispielen, Cod. 341, enthält eine Anzahl von Blättern, deren erste Schrift ausradiert und mit andern Sachen überschrieben ist. Es sind *) Die abscheuliche, vielleicht zuerst im Reinike aufgebrachte und oft nach- gemachte Weise, Ionen wie komen, dreien, xoorden wie gdn, stä/n zu behandeln, die noch heute nicht ganz verschwunden, sollte doch endlich abgetan sein. 42 K. BARTSCH dieß die Blätter 89 — 92 vollständig, und ausserdem von dem voraus- gehenden Blatte 88 die letzte Spalte, so wie ein kleiner Theil der vor- letzten, so wie von dem folgenden Blatte 93 die erste Spalte und sechs Zeilen der zweiten, nur unterscheidet sich das letzte Blatt (93) von den ttbrisfen dadurch, daß hier über den ausradierten Text kein neuer geschrieben ist*). Lesbar, und auch nur zum Theil, ist daher bloß was auf Bl. 93 steht, auf den übrigen Blättern kann man hin und wieder noch die Reimworte erkennen, wenn die darüber geschriebene Zeile kürzer war als die ursprüngliche. Drüber geschrieben sind das Gedicht 'Got ist daz anegenge' (Wilkcn Nr. 40) und der Mönch Felix (Nr. 41). Mit dem ersten Gedichte gleichzeitig begann das erste aus- radierte; es hatte eine rothe Überschrift von zwei Zeilen, wie die übrigen Stücke der Handschrift und reichte bis Bl. 90". Es umfasste 320 Reim- zeilen, wenn auf jeder Zeile immer ein Vers stand. Es war eine Er- zählimg wie man aus dem mehrmals im Reime und am Versanfange vorkommenden sprach und Do sprach ersehen kann. Z. 7. 8 waren die Reimworte an : hau, Z. 9 lovgen, Z. 17 gelouhet. Ich habe bis jetzt nicht zu ermitteln vermocht, welchem Gedichte diese Reimworte an- gehören. Dagegen lässt sich das zweite Gedicht bestimmen. Es begann Bl. 90" und reicht bis Bl. 92^. Es ist Heinrichs von Freiberg Pilger- fahrt des Johann von Michelsperg, welche den Schluß der Hs. bildet (Bl. 373) und nach diesem Texte durch v. d. Hagen (N. Jahrbuch der Berliner Gesellschaft 2, 92 ff.) herausgegeben ist, aber ohne Anfang. Die Überschrift auf den radierten Blättern stimmte, so viel sich er- kennen lässt, mit der der Koloczaer Hs. (a. a. 0. 2, 93) überein. Es ergibt sich, daß vor dem ersten Verse bei v. d. Hagen im Ganzen 10 Reimzeilen fehlen. Auf Bl. 92*^ beginnt ein drittes ebenfalls ausradiertes Gedicht. Es ist dieß dasselbe, das in der Karlsruher Hs. 481, Bl. 132*^ steht, aber unvollständig abbricht, da Bl. 133 — 135 ausgerissen sind (Keller, altdeutsche Hss. S. 21 f.). Jener unvollständige Text ist in Kellers alt- deutschen Erzählungen S. 173 — 176 gedruckt. Die rothe Überschrift der Heidelberger Hs. begann mit Difz^ wie die meisten, und umfasste zwei Zeilen ; die erste schloß, wie es scheint, mit dem Worte molertne. Auf Bl. 92 standen noch die Verse 173, 3 — 174, 6, mit einigen Ab- weichungen, namentlich 173, 18, welche Zeile nicht so lang wie in der Karlsruher Hs. war, 24 ist das Reimwort geicant (nicht wat), das an- *) Auch Bl. 246—249*, 15 sind rescribierte Blätter, deren Inhalt ich aber nicht zu enträthseln vermochte. DER MALEE MIT DER SCHÖNEN FRAU. 43 dere Reimwort ist nicht erkennbar, 174, 1 und statt er, 174, 2 . . munch gewesen icere. Das folgende Blatt ist ausgeschnitten; der Schluß der Erzählung steht auf Bl. 93'—''. Da nun das ausgeschnittene Blatt 160 Verse enthielt, die Karlsruher Hs. aber nach 174, 6, wo Bl. 92"^ abbricht, noch 75 Verse hat, so fehlen zwischen 176, 7, wo die Karls- ruher Hs. abbricht, und dem Wiederanfange der Heidelberger auf Bl. 93' noch 85 Verse. Das ganze Gedicht hatte demnach, da auf Bl. 93 noch 46 Verse stehen, 238 Reimzeilen. Von jenen 46 Versen auf Bl. 93 ist noch folgendes lesbar*). Do er hin paz Vnd sprach Vol her waz ist daz Daz an dem cruce fanget? Der sere belanget (?) Im ist getan vnrehte Iz habent gemeistert die knehte.* Gar zornick er do schein. Nu lag neben im ein stein. Da er daz messer an gestreich. Hin danne er von dem cruce entweich Vnd begunde vaste wefze?i an. Er sprach 'ich laz iz so niht stan. Ich muz iz baz sniden zu, Daz iz mir niht schaden tu An miner meisterscheft'. Biz er daz beheft. Der munch sich ab dem cruce swanc^ Mit ?>nelle ... er hin uz spranc Vz der kamer mit unsiten. Die da stunden vn sniten, Die wunderten sich der mere. Nach im wischt der meiere Vnd schrei vaste an in 'Habt uf, mir louft min bilde hin, Daz ist mir unversunnen Von dem kruce entrunnen. Der munch vaste von im prast. Der wart sines gutes ein gast. Der stete und euch des landes Vnd ouch sins edelen gewandes Must er alles wesen bar. Man und wip luffen dar Do der meiere Klagte sine swere. *) Ergänzungen bezeichne ich durch Cursiv. 44 R. KÖHLEE, DER MALEK MIT DER SCHÖNEN FRAU. Wie im daz bilde wer entloufen; Er wolde iz gerne verkoufen, Der mir iz molite brino-eu wider Der schimpf wart gemeret sider Daz mau iz ze relite vernam, Wie daz bilde wer vertan (?) (93^) Von den sechs Zeilen dieser Spalte sind nur einzelne Buchstaben leserlich. Über den Zusammenhang des Stoffes mit ähnlichen Erzählun- gen lasse ich meinen Freund Reinhold Köhler sprechen, der mich auch zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, daß dieß Bruchstück und das Karlsruher zu derselben Erzählung gehören. K. BARTSCH. Es liegt der Erzählung ein in Frankreich, Italien und Deutsch- land mehrfach behandelter Stoff zu Grunde. Ich kenne folgende Be- arbeitungen: 1) das Fabliau 'du prestre crucifie' in den Fabliaux et Contes, publies par Barbazan, nouvelle edition par Mdon, III, 14 ff., 2) die 84. Novelle Fr. Sacchetti's; 3) das von Meißner in seiner Quartalschrift 'Für ältere Litteratur und neuere Leetüre' 1783, 1, 77 ff.; aus einer Dresdener und von Keller in den Fastnachtspielen III, 1180 ff. aus einer ^lünchener Handschrift herausgegebene, Rosenblüt zugeschriebene Gedicht; 4) die 20. — in der Handschrift selbst die 34. — Novelle in Le grand Parangon des Nouvelles nouvelles, compose par Nicolas de Troyes et public d'apres le manuscrit original par E. Mabille,' Paris 1869; 5) die nur in den ersten Ausgaben der Piace- voli Notti des Giovan Francesco Straparola als 4. Favola der 9. Notte sich findende Novelle von Frate Tiberio Palavicino und der Frau des Bildhauers Checino, an deren Stelle seit der Ausgabe von 1557 die Novelle vom Priester Papiro Schizza getreten ist. (Siehe G. Passano I Novellieri italiani in prosa, Milano 1864, S. 410 und J. Brakelmann G. Fr. Straparola, Göttingen 1867, S. 22). Von diesen Erzählungen kann der Hauptinhalt so angegeben werden : der Liebhaber der Frau eines Malers oder Bildhauers, von letzterem bei ersterer überrascht, stellt sich als sei er eins der Crucifixe des Meisters, fällt aber alsbald aus der Rolle und flieht nackt von dannen, als der Meister Anstalt macht, ihn zu castrieren, oder — wie das Fabliau und Nicolas von Troyes erzählen — ihn wirklich castriert hat. In den ersten Zeilen des Heidelberger Bruchstücks thut der Maler, als bemerke er bei Betrachtung des Crucifixes mit Unwillen, daß eine gewisse Partie desselben durch Schuld der Knechte zu groß K. BARTSCH, ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 45 ausgefallen sei. Ebenso unwillig stellt sich im Fabliau, in dem andern deutschen Gedicht und im Grand Parangon des Nouvelles der Meister, nur nimmt er im Fabliau die Schuld auf sich selbst: — vilainement Ai en cest ymage mespris, J'estoie yvres, ce m'est avis, Quant je ceste chose i lessai. Das Schärfen des Messers an einem Stein wird auch im Fabliau besonders hervorgehoben : Lors comenga a aguisier Son coutel ä une grant kex. Zu dem Verse: 'Habt uf, mir louft min bilde hin' vergleiche man im Fabliau die Verse : Seignor, prenez mon crucefis, Qui or endroit m'est echapez — und in dem Rosenblüt zugeschriebenen Gedicht: — Werft ab prucken und steg, Die götzen laufen mir alsampt weg. R. KÖHLER. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. TON KARL BARTSCH. Während eines mehrwöchentlichen Aufenthaltes zu Engelberg im August d. J. nahm ich Gelegenheit ^ die dortige Klosterbibliothek zu durchforschen. Von deutschen Sachen aus derselben war nur das wenige bekannt, was Graff im zweiten und dritten Bande seiner Diutisca mit- getheilt hatte. Die große Gefälligkeit des Herrn Subpriors P. Odermatt ermöglichte mir die Handschriften der Reihe nach durchzusehen und die mir wichtig erscheinenden auf seinem Zimmer in Muße zu be- nutzen. Ich theile im Nachfolgenden die Resultate meiner Nachfor- schungen mit. I. Lateinisch-althochdeutscher vSegen. Auf dem Vorsetzblatte der Handschrift 3/2, welche S. Bernhardi Sermones (XH. Jahrhundert) enthält, findet sich folgender Segen: 46 K. BARTSCH In nomine domini nostri iliesu christi. Tres augeli ambulaverunt in monte Synay. Quibus obviavit Nessia, Nagedo, Stechedo, Troppho, Crampho, Gigihte^ Paralisis. Ad quos angeli dixerunt 'Quo itis?' Qui dixerunt *Nos imiis ad famulum dei .N. caput eins vexare, venas eins enervare, medullam evacuare, ossa eins contcrere, et totam compaginem membrorum eins dissolvere.' Quibus augeli iterum dixerunt 'Adjuraraus te, Nessia, Nagedo, Stechedo, Troppho, Cramphoj, Gigihte, Paralisis, per patrem et tilium et s. s., per sanctam Mariam virginem et matrem do- mini, per aposlolos, per martires, per confessores, per virgi (1. vir- gines), per omnes sanctos et electos dei, ut nou noceatis huic famulo dei .N. non*) in capite, non in venis, non in medullis, non in ossibus suis, nee in aliqua parte corporis sui. Amen. Eine Beschwörung gegen nesso in altsäcbsischer und althochdeut- scher Fassung ist bekannt (Müllenhoff und Scherer Nr. IV. 5), nicht so gegen die andern hier aufgeführten Krankheiten. In dem von Mone citierten Segenspruche (Anzeiger 1837, Sp. 4G3) werden wie hier mit dem nösch oder nöschtropf zusammengestellt der stech, der krainpf, und das geicht (gegi'cht). Vgl. Denkmäler S. 26S. Die Zusammensetzung nöschtropf entspricht im zweiten Theile dem Troppho des Engelberger Segens. Auffallend ist neben die deutschen Namen noch Paralisis ge- stellt zu sehen, welches sonst mit gegihte wiedergegeben wird (GrafF IV, 142j; wahrscheinlich ist es aus einer Glosse in den Text gerathen. IL Althochdeutsche Glossen zur Bibel. Die althochdeutschen Bibelglossen der Handschrift 4/11 sind von Graff in der Diutisca 3, 422 — 432 herausgegeben. Eine CoUation ergab folgende Berichtigungen und Nachträge**). 422, 4 (des ahd. Textes) nach armboga ist ausgelassen collide- bantur spurnten. — 6 1. vzsvemmen. — 9 1. pinezahaj; dann: sabulo sanda, und dann erst muciet. — 14 nach phellola: purpura purpur- phellola. — 15 nach chrowila: cydarl hout. 423, 12 papularum ancheveza. — 14 holother. — 20 ptoumata. — 31 pipsprachant (sie!). 424, 9 procrepruisset (sie!) mari wurda. — 16 coccum bistinctum zwir gizato phellol. — 21 asterlinga (sie!). — capscellam. — 22 vor panificas: tinctorias zuuari. — 29 perendie ubergene (so statt uber- morgene). *) n, ebenso im folgenden, aber zuletzt nee. **) Ich habe auch die Schreibfehler der Hs. mit aufgeführt, weil einem Heraus- geber ahd. Denkmäler nicht zukommt, dieselben stillschweigend zu bessern. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 47 425, 8 sufmosili. — 11 gratuita firegebin. — 16 suriscorrenta (sie!), anaglifa manliba. — 18 widergichramstes. — 21 denotatio scelta. — 22 pincernas scechun. — 23 widi statt wildi. — 24. 25 die Glosseu iuniperum undar atiunculas in umgekehrter Ordnung. — 25 spureha. — deinesteman. — 31 gebab (statt gebal). — 33 lauantarii lauantarares. 426, 2 inextricabiles. — 7 staurario. — 9 isinliata (statt isin- halta); dann: pensationes cinsa. Nach 10 gizinsta sind mehrere Glossen auf Bl. 30'' ausgefallen: unus samiwelcher. exaltais gihohent. inscriptio capitan. scribendi capitalunga. titulus capitailan. und dann auf inscribuntur capitulantur folgt unmittelbar 'Psalterium' etc. (= 426, 11). 426, 12 kizolo. — 15 gizinga. — 17 cisaminachufta. — afhei. — 20 hanzan. — 22 cheistigastafFen als ein Wort. — 23 calcanei. — 26 emigrabit. — 30 trophizuga. - 32 irouindunga. 427, 16 stanph. — 24 pruniie. — 28 nach Ion: sustentationes giduldi. — 32 crime kann auch crune, crime, erune gelesen werden. 428, 1 sanguinare. — 5 sararahi. — grezin. — 8 riusa. — 15 uber- morne in Einern Wort. — - menbranum uel (nach howisil) — 34 ir- minsua. 429, 5 gilusti. — nach luba steht (ausgewischt) vel lughvs. — 16 nach gauascoten folgt: cataplasma dicitur quod sola inductio sit, über inductio steht: marent, oder inarent. — 30 tuuichuga. 430, 10 wisantam. — 14 ferescaz. Die nächste Glosse ist: ederam ebue. — 18 leunchuliu. — 21 nach firgittogot folgt: nent spinnent. — nummularius. — 30 giuorbtelarer. 431, 10 mistoge. — 11 zitigen. — 13 unzigachlichan. — 18 chorn- enter. — 23 orchacho. — 30 werhmiester. — 34 anbreui in Einern Worte. III. Althochdeutsches Wörterbuch. In derselben Handschrift, welche die Bibelglossen enthält, be- findet sich ein von Graff übersehenes Glossar (Bl. 68'' — 77*^), in welchem hebräische^ griechische und lateinische Worte durch lateinische, mit- unter aber auch durch deutsche erklärt werden. Das Glossar umfasst nur die Buchstaben A — C. Ich verzeichne nur die deutschen Glossen. 48 K. BAKTSCH 69' 70^ 70*^ elaho. l'' fascia 11' Oa < j: 72" 73" 73'' aualoirium. lectoriuni. lectar. autidotum. contra datiim. ti'aiich. ala. ascella. ouchsa. ansa. hanthaba. vel liasta. ariila. nas prunarum. i. glout- plianna. alictuni. auis erincjriez. attacus hehera. t. vel ut qui- dam humbel. areola. loctulus in horto, über letzterem Worte: i. bente. alx. sreniis bestie. i. aquamaiiile. hantcar. andela. ])rantreita. ariola. lioiiba. amiculum. peplum. pectoralis. hobettoch. acer lierba c.-undereba vel ar- bor mazziltra. anetum. tille. apiiim. ephe. ascolium (sie!) ascloh. ano^uilla. aal. piscis. alapa. orslac. aurugo. species coloris. i. ge- liwi. aulicus. houelinc vel houetrut. ainasius amori electus; dann (ausgetilgt) blido (?) ancomiscos. incastratura i. nout. aspisdiscos uucinus. i. craplio. acunei. uintune. axidonum. sessorium. i. stnol. anus. uetula. uel alibi ars. ascia dehsela uel parta. auca. uel anser. gans. aneta. anit. auis aquatica. ammf-ntum ligantiura inmes- sili. auena. wiltbabero. aruina pinguedo uel unslit. allieeo. inuito. spano. assentier, adulor. slihtelon. amus. i. anfiel. berith. quedarn herba. lauan- dis 73' 73'^ 74' '4'^ 74c .i'i 74 r.y' 7ry 7ry 75'* 76" 76^^ birsa. pellis. i. liut. bothonia. urna. i. eimer. botholicula. stouf. t. balasium. iniacco. i. bilide. bootes. bubulcus. ohsinare. bucertys. bubalus. i. wisant. bubalus. wisant. carnibus mag- nis bovi similis. bubo. auis nocturna, i. liuo. braca. femorale, i. broch. bulla. sperula aurea. i. rincb. balista. sagitta uel genus ia- culi. i. federari. balleua. species piscis i. wa- lira. bastaban. t. bremo. bitumeu. gluten terre. i. erd- lim. buculare. labium. i. labil, bracile. broche. bipennis. barta uel pial bis acuta, botrus. wintrubo. butirum. liancho. battudo. slegileimo. bassis. quicquid fundamento superponitur. i. staffil. balbutius. t. balpzonte. bombix gotweppe wrm. basterna species uehiculi. i. sanibucli. balbus. t. nesilenter. bulla. platera. blesus. t. lisbenter. cidarini. mitra uol pclleus. i. hotili. cataplasnio. t. gafascon. cyclade gotweppe. t. cenccephalus. huntlioboto. t. cardiacus. lierzesubtiger. cl)illoii. laliion (?). caprea. siluatica. i. steingez, capra domestica. i. geiz, castor. i. biber. cücubus, loriclji. capreolus vel cambolus. rech, ceculus cecus anffuis. blinde- slich 0. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 49 capedo. species piscis. i. alant. 16^ conca vel concula. rauscula vel labcl. Cancer cbrebiz. capus falcho. cuculus. t. gocli. caradrion. lericha. cornix. chra. carduellus. distiliinclio. coturnix. perdix. rebhon. cautio. scribgezuch. cauterium vel cauteriolum. t. cantare. caluitium. chalwa. 77" ceruix vel Collum, i. hals. colapbus. lialslag. cartilago. molle os i. chro- stilla. care vel clunes. t. diech vel o'osse. " o cerebella. hirnereba. steffal. tenar. calx vel calcaueum. t. l'er- senna. crus vel tibia. t. scincha. cliens vel clientulus guoz vel servitor. Diese Glossen stimmen im Wesentlichen mit den Florentiner Glossen, welche E. Steinmeyer in der Zeitschrift für deutsches Alter- thum 15, 332 ff. herausgegeben hat; nur ist die Florentiner Sammlung viel reichhaltiger, ihr fehlen nur wenige Glossen der Engelbergcr Hs., während diese, so weit sie reicht (bis 214 St.) eine viel geringere Zahl umfasst. IV. Sequenz von Muri. Diese zuerst von Graff in der Diutisca 2, 294 ff., zuletzt von Müllenhoff und Scherer Nr. XLII herausgegebene Sequenz befand sich, wie schon Graff angibt, auch in einer Engelberger Handschrift. Der im vorigen Jahrhundert verfasste Handschriftencatalog gibt eine Ab- schrift, welche bis Z. 38 reicht. Ein zweiter Catalog, auf welchen mich P. Odermatt aufmerksam machte, führt die Abschrift etwas weiter, nämhch bis Z. 50, ist also älter als der andere. Wiewohl der Text Lachmanns auf Benutzung der Engelberger Abschrift beruht (Denk- mäler S. 394), scheint es mir doch nicht überflüssig, dieselbe nach beiden Catalogen mitzutheilen. GEEMANIA. Neue Reihe VI. (XVm.) Jahrg. 4 77'' coclea turris in qua per cir- cuitum ascenditur. i. wendil- stein. cripta. i. churt. cenieutum phlaster. calx. chalh. cementarius, murarc. curia dinclius vel sprachus. curialis. esago. calips. stal. cauterium. ferrum quo anima- lia uruntur. i. bolz. clauus tunirnagil uel zwech. clauis sluzil. creagra. chrewil. circinus. rizza. circulus vel ciclus. i. rink. carra vel carruca vel carpen- tum wagant. carpentarius wagenare. cenaculum. muosgade. 77" cartallum. canistrum. i. cratto. 77'^ cratera. naph. coclear. leffil. cantarus naph vel kanneta. 50 K. BARTSCH *) ein Hecht der christinheit^) maria aller magede ein lucerna frowe dich gottes cella beslozenü porta. do du den gebere der dich und al de weit gescof nü sich wie reine ein vaz tu maget du wäre. Send-) in mine sinne des himels chüniginne geware red soze daz ich den vater und den sün und den vil heren geist geloben moze. lemer maget an^) ende*) muoter ane missewende ^) frowa du hast uersonet daz eue zerstörte du got aberhorte. Nü hilf mir frowa here. tröste uns armen dür die*^) ere wan dich got uor allen wiben ze moter erdachte als dir gabriel brachte. Do du in ueiTieme wie du von erst ercheme din uil reinü shame irschrach ') uon disen meren wie maget ane man iemir chint gebare. An dir ist wündir moter und maget. dar ünder ^) dir die helle brach der lach ^) in dime ^^) libe dune wird dar ümbe nie ze wibe. Du bist alleine der seiden porte ioch wird ^^) du swanger von Worte ^^) dir cham ein chint frowe dür din ore des Christinen ^^) iudin'*) und die heidin^^) sint und des genad ie was endlos^®) daz chint dich ime ze moter erchos ^^). Din wirdigcheit die ist nit chleine frouwe du vil reine daz lebend brot daz wäre christ selbe der sinin mund ze dinin bru- stin bot '«). La mich geniezin swenne ich dich nemme wan ich maria frouwe daz gelobe und daz erchenne. V. Mariengedicht. In der Handschrift 4/23 (pcrg. 4. 12. Jahrh.) steht auf Bl. 12^ das folgende Gedicht, von einer jüngeren Hand des 13. Jahi'hunderts geschrieben. Ich gebe es unverändert in seiner wunderlichen Ortho- graphie, nur mit Absetzung der Verse, die in der Handschrift fort- laufend wie Prosa, auch ohne Punkte dazwischen, geschrieben sind. *) Der Anfangsvers fehlt. ') Christenheit h (der jüngere Catalog). ^) Wahrscheinlich hatte die Hs. send' d. i. Sende, und ebenso gleich nachher red' = rede. ^) ane a. *) end h. ') missewend h. ^) din h. ') irsrach h, *) der dar under a. ^) lac b. ") dinem a. ") wirst a. '^j wortin h. *^) christenin «, **) inden h, '') hedin h, *«) Hie) mit uhließt h. '') Z. 39 fehli. '*) Z. 46— 48 /e/tZ^. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 51 Wrowi die maria got mag durch den vil frodinrieh moth den dir der werde engil brathi dv din zi motir gydathi 5 got linde menchi ward von dir dur minne an sunde gar. Wrodic mothir rein, die das chinth an lanchithe, des du richi sint, das sich dur menchihchi noh 10 gegin din brustilin both, das dinner milchi sich bigien unde dich mit armen umbe fieg. Wro dich strot der welthe ubir al, der gynrut also with ir zsal, 15 das och du wildi hedinscath uz santhe ir chungelichi craft^ du dir brathi rilichin solt, mit mirren wiroch unde golt. fro dich vil liether sunnun zint, 20 der Crist an der urstendi sin vil frolichi gotdin morgin both unde sich dich nac der martir tot liez in glanzir wisi sechen: also mosi, frowe, och mir gischechin. 25 frowi dich die got gy hotih nih hat da imme chen engel nahir stat, alsi er dir, Aaron gerthi, gihez an sinir ufverthi. frowi, dur disi wrodi din 30 binin mir alle svere min imde la mich dir bivolchin sin. binin mir alli min sere, mag edele unde heri, imde hete du ich zinath unzi zi tage 35 an libi un gymothe dragi. gnade, frowe, mir unde in den ich gibetthis zuldich bin. dele in din sele mith allen den für die ich bithi so] 40 unde sende her zitalli den landin uib al das ich dir die wili ich lebe ginade sege unde ere gebi. 1^1. maget guot. 6 I. äne sünde gir. 8 an lachete? 9 1. not. 13 1. trost. 14 gynrut, undeutlich; gybrut? 15 es steht fraft, darüber c. 19 1. schin. 24 1. gischehin. 25 1. gihohit hat. 26 1. daz imechein. 33 1. magt. 34 1. [unde hete] die ich zi naht und zi tage. 38 1. selde. 39 sol zu streichen. 41 1. in den. 1. über al. 52 K- BARTSCH Es scheinen sechszcilige Strophen beabsichtigt zu sein, wie der gleiche Anfang bei V. 1 7. 13. 19. 25 und die großen Buchstaben bei V. 7. 13 vermutheu Lassen. VI. Segen gegen Colik. Ich beschwer dich, bernmuoter, bi dem vil hailigen bluote, bi dem vil hailigen taff und bi dem vil hailigen grab und bi den hailigen gotten stunden und bi den hailigen fünf wnden und bi den hailigen dri naglen die unserm herren ihesu crist durch sin hende und durch sin fuess wrden gesclagen, daz du dich nider legest und dich niena *) regest; und regest du dich me dz du disem menschen. N duost we, dodest du sinen Hb, sam mir der vil hailig tag, man lait lich bedi in ain grab, in gottes namen. amen. Hs. 5/34, auf BI. 53 von einer Hand des vierzehnten Jahrhunderts. hernmuofer ist Colik; vgl. Konrad von Megenberg S. 578. VII. Geistliche Lieder und Hymnen. Die Handschrift 4/25 (4. Papier), im Jahre 1372 von den fratres Walther und Johannes Grebler und Walther Stouflfacher geschrieben (BI. 75), enthält zum größten Theile lateinische Hymnen mit Musik- noten, aber auch mehrere deutsche geistliche Lieder, worunter einige unbekannte. Zunächst BI. 4 (alter Zählung, BI. 1 — 3 fehlen) Ein liet uff des monschen hinvart, mit Musiknoten. (1*) Wol uf der von! die zit ist hie, der herre der wil rechnung han umb alles dz er dir beuolhen hat. Het ich dem wol gedienot ie, 5 so stunde ich frolich uflF der ban: sus furcht ich leider dz mir schach un mat Gesprochen werd umb grosse hab, die ich nit Trider rechnen kan. er welle mirs den lassen ab , 10 80 bin ich iecz ein vellig man: *) niema. 4 deo. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELliERG. 53 die urteil gib ich selber dar. hilf, Maria, die got gebar. (2*) Ich ruef dich an, wand es tut not, ich mag gewichen niemand me. 15 genade vol, erzog an mir din kraft. Ich leben noch und bin och tot : süss ist mir beide wol und we, wenn ich gedenk an die giselleschaft Die do ze himelriche lebt 20 in ganzen fruden eweklich, und ich da wider han gestrebt und ir nit volgt, dz rüwet mich, und wolte dz es anders wer. bitt für mich, magt, den du geben 25 (3*) Die zit die hat verlouffen sich und alle minen jungen tag, darinne ich solte got gedieuet han. Ach herre, erbarm dich über mich, wond ichs nit widerbringen mag: 30 vast zittrend muos ich vor gerichte stan. Nu list man, herre, von dir dz wie dz du solt gesprochen han : wen hie dem sünder wirdet nass sin oug, du wellest in nüt lan, 35 und er ersüfczet umb sin schult, da mit erwerb er wol din huld. (4*) So bitt ich, süsser ihc, dich, sun des lebenden gottes, Crist, verlieh mir rüw und bicht vor mine end, 40 Und du des, herre, gewerest mich, wond du sin wol gewaltig bist, ze spise mir din fronlichamen send, Und ouch ze trank din heilig bluot: so bin ich werlich wol bewart 45 und ist sei unde lib behuot, gerichtet uf die rechten vart, und mag kein sach geschaden mir. xpc, min geist beuil ich dir, (5*) Als du tet dinö vatter zart, 50 da du hiengt an des crüzes stam, gar ungetrost von al der weite schar. m* recht eilend^ sterben wart, den du tet, Crist, gutlicher nam, zder rechten band des Schachers nempt du war, 55 Dz machet sin bekennen groß, dz er hat umb die schulde sin: 15 gnade. 29 mag fehlt. 54 K. BARTSCH da von do wart er fri und loß und lidig von der helle pin. darzuo lud inn in süser wis 60 mit dir hin in das paradis. (6') Ob nit mis rüwen ist genuog umb all die schulde die ich han uff mich geladen ietz gar langi zit, Doch hat din liden all unfuog 65 gewegen nider sunder wan: in dim verdienen unser selde lit. Ein trophli het gemachet los vil me den hundert tusent schar, dz von dim zarten libe flos: 70 nu wollest dus vergiessen gar. da von so bin ich unverzagt. bis min geuert, Maria magt. (7') Ein scheiden hie geschehen wil bedi an sei und och an lip 75 von eine , der ist üch gar wol erkand. Nieman kan werben fürbas zil, dz hörend beidi man und wib: such den biderben, so ist er genand. Got hab die sei in siner huot 80 und ouch die liebe muoter sin, und dz hie werd ein ende guot, des hilf, Maria künegin. nu suoch ich den biderben recht, den herren selb und nit den knecht. 85(8*) Sid ich dich, herre, gesuochet han, vatter, sun, geist, ein warer got, so hilf mir ouch dz ich bi dir belib. Niemande anders ich mich gan , du fuer mich in des himels rott, 90 von miner sei all mine viend trib. Sid du gebenediget bist in diner hohen maiestat , (5) vatter und geist, sun ihs crist, ein wesen in der trinitat, 95 la mich von dir nit durch die magt, die dir ze muoter wol behagt. (9') Das userweite reine vas man ich mit fliss und och mit ernst, so min Vernunft best kan geraten mir, 100 Und och den schätz der dar inn waß, got vatter ert si aller gemst und ouch der heilig geist mit stetter gir. 62 schuld, 63 mich fehlt. 68 tuseng. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 55 Du las mich armen si'mder nicht durch diner höchsten namen dri. 105 ab mir uf erden hie du rieht, so stau ich vor gerichte fri. ich gloub, din liden für all schuld mir hab erworben ewig huld. Bl. 5*. Ein lied von unser frouwen, die erste Stroplie mit Musik- noten : 'Herz un sinne raiige dicli , dasselbe dreistrophige Lied, welches in der Kolmarer Hs. unter Meister Meffrides Namen steht (m. Meister- lieder S. 550 f.). Der Engelberger Text hat folgende Varianten. 2 min- nenklich. 3 die userweiten. 5 Ir lob ist alles lobs ein tach. 6 ir lob kein munt nie vol gesprach. 7 und wirt ouch niemer me v. 9 leygen phaffen. 10 dar ob ir lob hoch in den lüften. 11 könd sie noch vol- loben. 12 ob. 13 der froide fruchteberendes ris das uns genade br. 16 an dir. 17 üz] der. 18 Magt hochgeloptes. 19 von yesse ein brunn maria meit. 21 [magt] der Hechte 1. 22. 23 mit 24 — -26 ver- tauscht, aber durch a und b an richtige Stelle verwiesen. 23 Maria din lob kein zung nit mag volsprechen. 25 Magt hochgeloptes. 26 dri- ualt. 27 das ris was gar driualteklich und wolt. üf fehlt. 27 — 30 und 31 — 34 vertauscht. 27 wart. 29 magt] du. Statt edel steht ccol. 31 lopt dich magt der. 32 din minne schuof. 33 driualteklich uf reine vart. 34 zuo dir in warer. 35 Du werd ie gottes höchste arch. 36 got] er. 37 du nu tochter und muoter. 38 uns den waren Crist. 39 das er uns tüg genaden schin dz wir von sünden keren. Bl. 6^ In die parasceue super Rex christe factor omnium. Von diesem Hymnus (Wackernagel, Kirchenlied 1, 74) gibt es eine freie Verdeutschung des Mönchs von Salzburg (Wackernagel 2, 455). Das hier folgende Lied ist von jener ganz unabhängig und nicht sowohl eine Übersetung als freie Dichtung mit Benutzung einiger Gedanken des Originals. Ach got und herrd i^ crist, durch lins din hertz verseret ist. von angst von sinem Übe floss bluotvar der sweis mit trophen gross. 5 Sin gütlich Hb geuangen wart, gebunden und geschlagen hart, verschulten und verspuwen ser wart er von dem judenschen her. Si schlugen in mit geislen gross, 10 dz bluot von mengen wunden floss. 108 huld] rieh etc. 56 K. BARTSCH sin zartes houbt gedruket wart mit einer krön von dornen hart. Owe dz crütz er selber truog, dar an man in mit naglen schlug, 15 durch hend durch fiiss sin zarten lip, des weinent hüt man unde wib. Owe der engstelichen not , do er ruoft hely, do wz er tot. longinus in sin siten stach , 20 dar us floss bluot recht als der bach. Nu vallend nider uf viuri knü und bettend pater noster drü und bittend got durch sinen tod das er lins helf uss aller not. Bl. 7 fehlt; Bl. 8 beginnt mitten in der Sequenz des Mönchs von Salzburg 'Ich grüess dich gerne meres steme lucerne aller cristenheit, welcher Anfang auf 8'" am obern Rande steht. Es fehlen 1 — 3, 11 des Textes von Wackeraagel (Kirchenlied 2, 448 f.), der Text beginnt mit von himel fuort in triiwen den alten und den niiwen. Folgendes sind die Abweichungen von dem Texte der Nürnberger Handschrift (Er- lösung S. 293—296), mit welchem dieser Engelberger am meisten stimmt. 30 aller] der. 31 der siechen stab her moab. 36 der L 37 der alte man. 39 der fehlt, wie auch in N. 45 din reinü. 50 die kle. 53 boschs der gruene. 55 in] nach. 56 wert statt ver- richte. 57 lins des himelbrotes iemer me. 58 wnnen. 59 brunnen. 64 gift, und so auch wohl N. 67 nahe. 68 das wir wirdenklichen crist. 71 b. und beschücht — nahe (reine fehlt wie in N.). 72. 73 Hör lins wol frouwe gnaden vol. 74 dir nicht verziehen sol. 77 du — verlihe. 79 brunnen. 82 din gotlich w. 83 wel dir. 88 den fehlt. Beide Handschriften stammen offenbar aus derselben Quelle; da nun die Engelberger aus dem Jahre 1372, also älter als eine der übrigen ist (Wackernagel 2, 409), so wird man kaum die Nürnberger Redaction, wie Wackernagel (2, 449) that, als eine sehr entstellte Überlieferung bezeichnen dürfen. Wichtig ist die Datierung der Hs. für die Lebens- zeit des Mönchs von Salzburg. Man setzt ihn an den Schluß des 14. Jahrhunderts; ist die Übersetzung des Ave Maria und die gleich folgenden des Ut queant laxis und Fange lingua von ihm, dann wer- den wir ihn bis 1360 hinaufrücken dürfen. Nach dem bekannten lateinischen 'Dictamen de prespiteris' 'Multi sunt prespiteri qui ignorant quare folgt Bl. 10* *üt queant laxis verbo 20 rech. 21 I. iuriu. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 57 et melodia' in deutscher Übersetzung des Mönchs von Salzburg (Wacker- nagel 2, 426) mit folgenden Abweichungen. 1, 1. 2 klimme — stimme. 3 zu klenke. 4 din wunder. 6 gnade. 2, 1 fründbott. 5 nam amptn*" leben. 7 dem. 3, 2 was der zwiuelere. 3 er bald. 5 sine gebürte. 6 nwr] im. 4, 1 amme. 2 wamrae. 7 da offen wrden. 6, 1 In jungen. 2 erkoren. 3 fliehend die gmeine. 6 icht kein leit an handel. 7 nienter. 6, 2 kemh. 4 huff. 7, 2 nwr] vor. 3 verre. 4 herre. 5 du zeigst. 8, 1 als der weide. 2 wart nie. 3 heiligers. 5 der den da louffet. 9, 2 niener. 3 unwissend. 4 schäm. 10, 1 Drig- ualtig. 7 prisent. 11 , 2 wie so fiirste. 3 weichst. 4 siinde. 6 vinstre] unser. 12, 2 heiler. 5 bis. 13^ 1 got den grisen. 2 lob dem sune wisen. 4 lobe. 5 blib eine. 6 gedriten. Auch dieser Text enthält manche bessere Lesart als der bei Wackernagel, namentlich auch eine reinere Orthographie. Daß die österreichische Mundart freilich auch die Vorlage der Engelberger Hs. hatte, beweist der Schreibfehler dem (V. 2, 7) für dein. Bl. 10^ Fange lingua per omnia verbo et melodia, ebenfalls vom Mönch von Salzburg (Wackernagel 2, 433) mit folgenden Varianten. 1, 1 zune: des eren. 2 licham. 3 und des bluotes kostberlichen. 5 dins libes. 2, 2 wandeis. 3 in der weit giwandlet. 4 sam sins libes fr. 3, 1 dem lösten. 4 was von dem gesetzte was. 5 spist die zwelfen. 6 mass. 4, 1 Wart ein fleisch ein luters brote. 2 da zuo fleisch mit wort er macht. 3 bluotes rote. 4 zwifels kraft. 5 drate. 6 genueg fehlt, sacht. 5, 2 wirdig wir diemueteklich. 3 wiss und 1er behendet. 4 nüwe sitte schon. 5 auch fehlt. 6, 2 sey fehlt. 3—6 d^ar zuo wirt kraft und heil gesworen. si und riches lobes dus. dem geist von den zwein erkoren, stett geliches lob alsuss. Der Text stimmt am meisten mit D^ welche Hs. Wackernagel ungebührlich vernachlässigt hat. Die Lesarten des Engelberger Textes verdienen meist Beachtung. Bl. IV. In der langen wis frouwenlobs als adam den ersten man den. Ein lied von priester wirdikeid. 'So wol dir priester hoch gelopter gottes knecht' fünf Strophen, von denen die ersten beiden und die letzte mit Kolm. Meisterl. X übereinstimmen. Die Strophe, auf welche die Überschrift anspielt, beginnt Adam den ersten menschen den betreue ein wip (EttmüUer S. 102; Hagen 3, 355"; Kolmarer Hs. 95^). Die Abweichungen jener drei Strophen sind folgende. 3 ze] uf. 4 Untugend. 5 hochgeerter. 7 Du bringest in mit werten her des muos ich. 9 got selbe in dinen henden. 11 der für uns an dem crüze hieng menschlich. 12 des wol in wart wer got us. 13 rüwe. 14 er 58 K- BARTSCH fehlt, bicht nach sines. 15 dem. 16 rilichü. 17 die frod die. 19 wand wiss dz got sin reines bluot. dur dich. 20 AVel priester teglich misset den got alhie. 21 den got der ie. 22 mit trüwen uns. 23 so fehlt. 24 des höchsten gotz priesterlicher hört an im. 25 dz den sin munt hie twinget. 26 Vor ougen messig Sprüchen. 27 da sich die dry. 28 driet. 29 ir einer wart gebiet. 30 ir lust hat getan, das si gelobet, das gebenediet. 31 wenn got allhie al us dem tron in priesters hend sich bringet. 32—38 Allfür in in ein teglich brot. der sich fiir unser schulde bot. in soliche not. sin bluot so rot. verseret wart wir waren tod. er bsorget uns fruo und spat, gottes raarter und sin bitter tod band uns die not beringet. 39 du solt über alle. 41 argi' gesiebt. 42 dz sich kein valsch. 43 kom in dis herzen gir gedenk dz dich gotz. 44 vor alle, vestekliche. 48 sunder arge. 49 dienst erscheine. 50 din tag din zit und dine. 51 hend die sen dir sin. 52 vor valche griffen gar unfruot. 55 got selber und sin reines. 56 got aller gut ein. 57 geleitet sin zuo. Die dritte und vierte Strophe lauten: Wie vil ein arger priester siind hat getan , si muos in lan wenn er sich gegerwet und also schon geserwet: so stat er luter als ein glancz als einer der geverwet von keinen dingen nie nüt wart: dz merke wer es künne. Wenn er an sich geleit den edlen klaren schilt, uf sich gespilt, der kunt von edlen bliken, so kan sich wol in striken got in ein lebendiges brot umb unser heil zu schiken : so dient im zuo der selben stund der höchsten engel wuune. Priester, du solt in tugenden leben, das dinem schopfer kome eben, der mönschlich leben (dir) hat gegeben. dur dich wolt er in tode streben, das er dich brecht im glich eneben; und tuost du das, so bist du gar alr tugende gar ein brunne. 4* Wer priester eret und ouch reini werde wib, des muot, des lib nach hohen eren wirbet. ob im der lib erstirbet, ich weis das siner seiden hört vor gotte nit verdirbet. nu wissent das in beiden hat got lobes vil gemessen. Ir reinen frouwen, dur die magt die got gebar, ir nement war ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBEHG. 59 WZ üwer leben swende. den priester tuo nit sehende, sid dz sich linser höchster trost git in eins priester hende. einiger nam , du solt dich ir lobes nit vergessen. Der reinen priestern tugenden zil ich niemer tag verswigen wil, wan gottes spil lit an in vil, der frouwen lob ich nit verhil. er ist ein diep wer eim da stil. die zwei die band mit iro zucht den höchsten pris besessen. Nacli diesem begegnet ein deutsches Lied erst wieder auf Bl. 89* Sicut letabundus verbo et melodia (mit Noten durchgängig). Es ist eine Übersetzung der bekannten Sequenz des h. Beruhard 'Laetabun- dus exultet fidelis chorus alleluia', verschieden von der einzigen bisher bekannten Verdeutschung Heinrichs von Laufenberg (Wackernagel 2, 586) und älter als diese, auch in der Form gewandter*). Vrot lieh alle geloubigii lüte mit schalle lobeliche. Ein magt renn 5 birt künig aller künig einii wnderlichen. Boten der ze rate wirt aller weld si kiischü birt, Sterne smineu. 10 Sunn an allen nidergank, Sternen lachtet ane wank wol mit wnnen. Als der sterne birt den schin , also birt ein kindelin 15 magt mit eren. Noch den sternen mag sin schin noch die magt ir kindelin mag fürseren. Der cederboun uf Libano 20 wirt gelich dem ysopo uf unser erde. Des höchsten wort an sich genomen hat litklich fleisch , dar in er komen ist nach werde. 25 Esayas hat geseit, das weis wol du iudensheit, doch si in ir blindenkeit noch belibet. Ob si geloubt ir buochen nicht, 30 gloubt an heidenschu gedieht, wie du wisii sibille gicht, dii so schribet. Armer Jude, fürder dich, du verdirbest sicherlich , 35 gloub dien alten prophecien. Sich das kind an mit gir, de du Schrift zeiget dir: das ist geborn uns von Marien. *) Über lateinische und romanische Nachahmungen dieser Sequenz vgl. meine lateinischen Sequenzen S. 223 ff. 4 1. reinü. 7 1. ze rate. 11 1. liichtent. 26 1. judescheit. 27 1. blinde- keit. 30 1. gloub. 60 K. BARTSCH Zunächst folgt auf Bl. 131 Surrexit cristus hodie mit einer deut- schen Übersetzung von jüngerer Hand (des 15. Jahrhunderts), zwischen den lateinischen Text geschrieben. Die Übersetzung weicht von den sonst bekannten (bei Wackernagel 2, 733 — 735) ab und ist älter als sie. Erstanden ist der heiig Crist, der aller weit ein luser ist. Er hat erlitten grosse not um uns und ouch den bittern dot. 5 Es kamen drje frouwen gan, die woltent Crist gisalbet hau. Ein engel sachens, der was wis, der kunt in frod mit ganczem flis. Ir frouwen , ir sönd balde gan 10 gein Galile an allen wan. Den jungren kundent uf diser frist: erstanden ist der heiig Crist. An disem österlichem tag ein ieklich mensch got loben mach. Die, letzte Zeile ist durchstrichen und dafür geschrieben : den got nieman voUoben mag. Bl. 172'' steht folgendes dreistrophige Gedicht, das mir aus anderen Handschriften nicht bekannt ist. Uff gottes brüst ein adeler entschlieff, der wart verzuket, uf swang er in des himels tron, engelschen don hört er mit lobes wnne. 5 In richer kust sach er ein wib, der lob nie wart verdruket, ob allen frouwen us gezelt, von got erweit, bekleit hat si der sunne, Mit zwelf Sternen durlüchtet gar 10 ir houbet was gezieret, ir sei, ir lib, ir muot was klar mit küscheit durehflorieret. secht, uf dem mane stat si mit ir fuessen gewalteklich , da von ze vil 1 rpc. 6 xpc. 8 flis fehlt; die Zeile endet mit ganczem. 12 xpc. 3 den. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 61 15 nieman kan si geloben noch gegruessen. si git, wer von ir nemen wil, gnade ane zil, si ist erbermd ein brunue. Den höchsten pris hast du beiagt, Maria raagt, alleine. 20 got selb ist din und du sin watt: beklaret hat dich sines geistes ziinder. Mit hohem flis du trinitat bekroenet hat dich reine mit tugenden die dir zimmend vvol, 25 der du bist vol . . . ich ir bcsunder. Kuscheit erbermd dir nit gebrist, trüw hat dich umbevangen. das du gottes drut worden bist, 30 dz hat diemuot begangen, gemesheit, kraft, zucht er und wäre minne, wisheit, frid und din luterkeit gewirket band das du bist küniginne des himmels und der weite breit. 35 trib von uns leit, in tugenden mach uns munder. Die himel nie den mochtend noch die dement geuahen, der barg sich zuo dir, frouwe zart, dz doch nie wart 40 din luterkeit entgenzet. Uf erde hie soltest du in gar ane mass enphahen, recht also gancz ein luter glas belibet, das des sunnen schin durchglenzet. 45 In dir wuochs ünsers heiles ast, Jhesus der seidenbare, din reiner Hb den hohen gast truog und gebar ane swere. des lass uns, magt, Maria zart, gemessen. 50 verein uns mit der engel schar, lass din erbermde, herre, zuo uns fliessen, hilf durch die magt, die dich gebar, das werdend gar der sünde band zerschrenzet. Diese Strophen gehören noch guter Zeit an und man wäre be- rechtigt, sie in die reinen Formen mittelhochdeutscher Sprache um- zuschreiben. 24 tugend. 25 Lücke in der Hs. 33 künginne. 42 als so. 62 K. BARTSCH Bl. 173* findet sich folgender Anfang eines Liedes: Ach zarter got, all iiuser not setzen wir, berr, in din gebot, lass uns den tag in gnaden uberschinen. diu . . Damit scliließt 173*, die Rückseite des Blattes ist leer. Es ist der Auffing des bekannten dem Grafen Peter von Arberg beigelegten Tageliedes, welches nach der Kolmarer und Straßburger Hs. in meinen Meisterliedern Nr. 181 gedruckt ist, nach der Straßburger und einer niederrheinischen Pergamenths. des 14. Jahrhunderts bei Wackernagel, Kirchenlied 2, 329 ff. Wir besitzen demnach dieß Lied jetzt in drei Handschriften und einem Fragmente. Das letzte Deutsche, was die Hs. enthält, ist folgendes gereimte Gebet auf Bl. 178\ (D)er megde sun, la dich erbarmen über Marien die vil armen, die muoter und ouch maget ist. la dich erbarmen, ihesu crist, 5 dz si nu worden ist eilende. von iamer windet si ir hende, dz dich so iemerlich verriet Judas der boesen iudeschen diet. owe wie mit so grosser not 10 suochte si dich, herre got. dez laz si geniezen, Crist, und troest si, wand si trurig ist, Maria, himelischü brut, sich wa Crist din liebes trut, 15 den din trurig herze meinde und nach im bitterlichen weinde. Diese Verse stammen aus einer Vorlage des 13. Jahrhunderts; der Schreibfehler lach für laz (V. 11) ist aus der nur noch im 13. Jahrh. üblichen Form des z zu erklären, welche einem h ähnlich sieht. Dieselbe Handschrift nun enthält auf Bl. 171'' f zwei lateinische Lieder, welche nach Form und Inhalt mit dem übrigen lateinischen Inhalt der Hs. nichts gemein haben und nach beiden Seiten Beachtung verdienen. Die erste Strophe beider Lieder ist mit Musiknoten ver- sehen. 9 owe zweimal. 10 sucht. 11 lach. IS himelschlichn. 15 raeind. 16 weind. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 63 Dictamen de fraude mundi. Cautim grus vulpem invitavit, laucius quem per vitrum pavit, 5 in quod jus fuderat hec grus. Vulpis , die quit pro tua parte? modo sie 10 vallitur ars arte. illic bic, alius vult sie. Vis vim vi , fr aus repellit fraudem. 15 illi qui vanam querunt laudem prebet si quitquid hiis adplaudem, nam uon hü 20 sunt inconstantes dyy. Audias vulpis causam ibi: si quit das dabiturque tibi , 25 ubi stas hodie vel cras. Dare res pro rebus solemus; sonans es 30 ex verbis habemus. fellit spes: hinc ne fidem des. Fuge hos qui mel gerunt ore. 35 sepe flos splendidus colore putris glos intus est. ex more socios 40 odit rodens os. Unus nam si posset ambire, » cuncta jam vellet deglutire. 45 dixit clam, audias palam. Igne plus ardens cor avari suum crus 50 nescit quietari. tanto plus crescit tumulus, Quantum hiis gravis instat causa. 55 quando vis, bone doctor, pausa, vulpis sis ... in clausa. multum scis 60 quando dives sis. Item aliud dictamen. Quidam pater familias sie filium suum docebat quem habebat : Mi fili, tibi primum do consilium quod est sublime. deum time 5 A quo procedunt omnia. mi fili, vita sompnia, fomenta viciorum. In verbis sis virilicus nee ulli sis dampnificus 10 dum veneris ad forum. Bene loquaris cunctis mulieribus, pro laude Christi te confer pauperibus , quomodo , audite. qui est dator vite, 3 lancius. 16 vanum. 18 quit q. 22 ca. 23 qt. 39 socius. ß4 K. BARTSCH bonitatem , disciplinam [et] scientiam thesauriza in animam 15 per carnis abstinenciam. Super aiirum et omnem pulehritudinem mores morales curiales elige, mi fili. Ebrietatis spernas egritudinem, modcste vive, sta cum cive pro jure civili. 20 In manu fortitudinis Stateram rectitudiuis cunctis palam teneto. Injustas violencias perjuiia sententias 25 ne facias caveto. Quod tibi non vis nunquam tu fac aliis, superbitatem non vestire paliis. sie nato suo loquebatur sapiens. si decus laudis queritas, 30 tunc, fili mi, sis paciens. Fili, muudus non quasi mundus dicitur, nam litus aras, sie te paras mundo te servire. Ejus dulcorem quicunque annectitur sub fano mellis hamum fellis glutit mortis dire. 35 In mundo non est sanitas, sed vanitatum vanitas et omnia sunt vana. Si, fili, non credideris, salvus esse non poteris 40 nee regula est plana. Fili, patris qui non tulit Imperium, quod cunctis in properium , sie nempe, fili, curris hie in glacie: cur post et ante clamita: 45 subveni, mater gracie. Bei den lateinischen Liedern Bl. 168 ff. finden sich am Rande deutsche Bemerkungen, welche leider durch Beschneiden der Blätter verstümmelt und unverständlich geworden sind. Bei dem folgenden Liede (168'') Veni sancte spiritus. Da dona fari cetibus illustra cecam meutern , catervamque presentem , ut plebs devota maneat, numen tuum ne deserat. per te sit homo lepidus R. Veni s. ad filii parentem. R. Veni. steht am Rande 18 Ebrietat( spemes. 25 facies. 2G vis nüc fac. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 65 Sol m(aw?) dienst sin(^6«?). Es scheinen also Bemerkungen über die Bestimmung der Lieder gewesen zu sein. Bei der folgenden Strophe 0 virgo, pelle vicia Duo nos ab hac tristicia nobisque sis propicia, eolorisque leticia, alleluia, alleluia, tuum placando filium. fruamur post exilium. Da virtutum inicia, IC. virgo concordium mundicia, alleluia. R. Virgo. steht am Rande Dis pa ich us; Bl. 168'' bei 0 stirpe regis filia (de S. Maria) dich alle so bin ich ; 169* bei Salve virgo margaretha Ein wild uf gen; 169'' De angelis: Congaudent omnes angeli wilduaug e genade 169'' bei Ave Stella maris maria niuipt mir 1 d fröd Die letzteren Randbemerkungen scheinen mehr auf deutsche Liedertexte zu gehen, die dieselbe Melodie hatten. Schließlich will ich folgende auf Bl. 168' stehende Versus in dedicatioue super deus in adiutorium in primis vespere mittheileu. De supernis affero nunciuin, deum esst consiliarium , deum fortem , principem gencium. 0 quam festa dies. 0 tu cantor , qui debes canere, aut iucipe vel fac mcipere. jam tempus est psallendi vespere. 0 quam. NuUum, frater, tibi sit tedium, runpe moras, rüpe silencium et die : Deus in adiutorium. GEKMANU. Neue Reihe. VI. (XVÜI.) Jahrg. 5 66 K. RARTSCM VIII. Lateinisch deutsches Vocabular. Die Handschrift 6/8 i^perg. 8.), im 14. Jahrhundert geschrieben, enthält auf BL 1 — 109* ein alphabetisches Vocabular oder Glossar; 109' steht Explict glose. Hierauf folgt zunächst eine Art Briefsteller. Bl. 114* Incii)it aliud vocaboloriuni, sachlich geordnet, beginnt: Caput houbt. crinis har, und schliel.U mit capsia lutersalcz. Bl. loo"* Item incipit nliud vocabularium, alphabetisch geordnet, enthält meist ab- stracte und philosophische Begriffe, beginnt: Abstractum abgeczogen. Bl. 139* Aliud vocabolariuni, wieder sachlich geordnet, und im Wesent- lichen mit dem zweiten (Bl. 114 ff.) übereinstimmend, aber unvoll- ständig, beginnt: caput houbt. crinis har. Unter diesen vier Glossaren nimmt das erste nach Umfjinfi: und Inhalt die bedeutendste Stelle ein. Die Sprachformen haben noch vielfach althochdeutschen Charakter, und wenn auch in der schweizerischen Mundart sich volle Endvocale (a, 0, u) durch das ganze Mittelalter hindurch bis auf den heutigen Tag erhalten haben, so weist doch manches darauf hin, daß dieses Glossar nur Abschrift eines viel älteren ist. Ich theile im nachfolgenden aus den Excerpten, die ich mir gemacht, eine Anzahl bemerkens- werther Worte und Wortformen mit. (P) abbacia aptigiia. abbatissa eptiscina. abellana nespela. abenas lora thec (d. h. theutonice) ziecho line. abortivus theutonice verworfene. (2') abusio. i. unguahet. (3^') adulacio ambicio gesilchsuunge (1. gelichs- nunge). (4*) attestor ich chilsin un zügon. (4') afflueuter überflüsit (aus ubei-flusic verschrieben), ager aker vel glede. (ö'') ailia vermis robe. i. wibela. alea schafzabelbret vel wrfezabilbret. (5'') alietus theat. eringries. altilia mastvogil. alveolum trügelin. (6*') amolum mülistüppe. ampulla theü. ampella. (7") ancile schirmschilt, andela brantreita. (7') anologium. theut. lecf'ir. (10") arida gluotphanna. arciotida wecol- tilberi. ascolonium eseheloche. asciola thehsila. (11") auella vel suber- loüft. (12*) auricula aurigol. (12^') azimus panis. i. unkebilot brot. i. sincerus vel non ferraentatus. (13^') aricia argilla terra, i. ruherda. baienala lectulus qui in itinere baiulatur. i. vartbetli. balanice uve. i. hulus drubin. (15*) bittumen hertlein. bibex plaga ex vga. i. suacca. bibliotheca buochcaraera. (16'') bootes ohsinera (1. ohsinare). (17") blate svirstela (1. fuirstela). crater napfo. caddarium ilebeschessi. (17*") calamanla tvichila. (18') calcem kalche vel versenna. (18'') capitale houbithüssi (l.-chüssi). capitolium richinse. (19*) canistrum binchar. (20*) capetuli lecti fune- bres anpogi. (20'') cardone. i. krata. (21*) carruca. i. reitwagen, cas- sula. i. messachel. (22=^) caupilus scafa. (22'') celia theut. gruzzit. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 67 (23") celidouia herba. i. schelwrza vel grimtwrza. centauria herba. i. matrene. (23^') cepe vlanza teut. (24'') cicendula klena. cidonia. i. cbut- tuma. chilindrum. i. welliblech. cilinm. i. tegnclli. cinis. i. ei?cha, vel est incendium per agros inutilem humorem exudans tbeut. asanc. (27") coagilator walkare. coclee wendilstein alte et rotunde turres vel t'stega. (27') colaphiso halssclilegilon. (28") commercia negoeia opcöes. chofeschazzot vel mergitha. (29'') confideneia zowsicli '•■'-) (30'") coliim- bar tuochhus. coraula cantator theiit canzare vel inimus. conopcum est rete quo culices excluduntur in modum tentorii. i. mucgun nezeze (sie). (31") conpliiit bereginot. (3P) consul. i. scnthe. consultatio rat- fragunga. (32'') copadium walthawachs. coritus teca sagittarum. i. bogia. (33') cornus arlis boim. (34"') crustiila kriische. (34") crustinia pira wingiftinua vel genus oliue. (37') delirus awiccicge. (39'') dext' cum opus. i. weberwerche. (42") diversorium reeeptorium ubi viator callem divertit. i. schöpfe vel schiira. (42*") donativum rittergaba. (44") elleborum herba est theut, sicirwrcz. (45^) emticius. i. koufschalcb. (52'') exil vel misellus ovenschüssel. (53") fascialis i. windinck. (54") fastidium Dausia. i. maslede. (55") filiolus fillon. filiola phillolin. fimus miste vel teische (55'') fiscus. i. vronkopf. fluctus was wette r. forcipula cluppa. (56') frixorium roste- pfanna. (56") fui-firio auis dornadregel. (5V") galanga i. galgan. (59") heresis chezeria. (57") horologium horlegia. (58") hostorium stri ha. (ßO^) ingerum iughhiitta. (62") labrusca winttrola. (63") ligones weginsa. (64'') lippus suroge. litura rulchin. lolium lülche. loguacitas klacheit. (64") luria lürra. Macellum mecia. (65'') unter mensis die Namen der Monate : iar- raanot, hornug, nierzo, abbrello oder ostermanot, meio, brachmanot, hoimanot, ogstemanot, herbstmanot, wdemanot, wintermanot, herte- manot. mergices garba vel bozün. i. fasces spicarum. (06'j militat riterschot. (♦•7') moneta trunna vel müniza. (67'') muscosi foutes ge- miesot brunneu. nauclerus schifherro. (68") nequam ungengc. (68") nucifraga nuscebrecha. nugas lugina. (69") nugigerulus lugetrager. (70') oeccanus wendermer (1. wendclmcr). occellus oguli. (71") ora- *) z kann auch h sein. 5^= ii8 K. BARTSCH rium oiigfanno. osanua id est lieilant vcl wilcliomo. (71^) ouilia schaf- festiga. ouilliim sohaffostigli. palatimis pfiülinzegrauo. palate. i. conmeste. (72") palearia in biibus. i. brustelappa. panifex brotbekko. papiliones pfiffoltra. papirum. pinzo. paraclvtus trostegeist. paradigma reterscha. (72') parrochianus kilchherro. pastinaca gerole vel morha. passus V. pediim schritmal. (73*) patrissat vatterlott. (73") pelex geilla. pellexit wrvntoch. pelitatus wrvutriioch. (74") perpendiculum murwaga. (74') pestilentia schabiio. pihim pluola. pisalis pisal phiesül. pilatium blezzo. (75") phitoues lachnera. phitonissa lachnera. (75') plaiido hautschlegolon. polimita giggilveh roch. (76") pobles knürra. pori svezlokiir. (78") privilegia bantfestiua. (80'*) pudeutia schamheit geltaba. (80'') pappis posterior pars navis est pflihta. (82") quisquilie geraspe. (82'') raptim kripfelich. reeiprocacio wideraugeuangunga. (83'') re- gula autreti. (84^) retinacula lora giezalne. rima scrunda. (85'') ros marinum grensinc. rubia rizza. (Sß") saccutum vinum sakwin, salix salsa. saguisuga egula. sario gitto vel hako. satyrus waltsrato. satisfaccio wolbenugimga. IX. Geistliche Prosawerke. Die Handschrift 6/20 (perg. 8.) aus dem vierzehnten Jahrhundert enthält auf Bl. 1 — 8 ein kleines geistliches Prosawerk, aus dem ich Anfang und Schluß so wie einige bemerkenswerthe Worte und Wen- dungren mittheile. Des almehtigen gottes frid si getrCdich mit allen dien die dis gegenwrtig büchlin mit andaht lesent und mit zühten hörend lesen und geb in eweclich sin genad an sei und au lip. amen. Wan der mensch in dis eilend als der gedultig Jop gesprochen hat ze arbeiten geborn ist und oucli darinne lüzel zites lebt. Ach da von so ermanot uns sanctus Paulus das es uu ist ein zit der erbarm- herzigen genad gottes. und wan dis gezit steteclich hinflüzet und doch nit gewisses end hat. da von sol der mensch alle stund flis haben wie er es nach siner sei ewige heil mit volkomnen tugenden in gottes liebsten willen loblich vertrib. owe wan dis eilend leben zergat alles mit bitterkeit und mit we und ist alles sin wesen nit wan ein bitter- keit des todes in einer gelichniist. gen dem ewigen leben. Das bewert der hoch lerer sanctus Gregorius und sprichet alsus in siner schrift. Ach swenn man dis zitlich leben dem ewigen gelichet so heisset es billicher tot denn leben, aber in dem ewigen so tötet das leben den ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELRERG. 69 tot. und da von sol der tugenthaft mensch emsigen flis haben das alle sin gedenk anvang sinii wort mitli und sinii werk end nement in dem genadfliessenden Ursprung des lebenden brunnen. Es bricht Bl. 8'' ab mit den Worten: mit siner hohen gotheit als er sich cleit in mariun. Bemerkenswerthe Stellen und Worte: bigelin, Bienchen. nach des deinen bigelins gewonheit 4*. bluotswizzende. in bluotswizzender angst 2'', entschöphen. das antlüt. . entzieret wart und entschophet 3\ entzieren, der Zier berauben s. entschöphen. erfitndeln, erfahren, erforschen, erfündel (imp.) ouch an den zwein lungern 4". gunlichi (= guotlichi?). die arch der guenlichi 7^ din lop und din gunlichi 7^. himelfürstinne. der himelfürstinnen 7^ cleinfuge. des cleinfugen meisters Liconiensis 4^ der cleinfueg meister heimo 5^. contemplierer. der hoch contemplieror. s. Dionysius 4*. cristane. o cristanii sei 2". mettizitlich. den mettizitlichen sterii 5''. minnbant. mit dem starken minnbant 2^. minnhungrig, die minnhungrigen herzen 4". minntrehen. gus mit ir uf die fues siner erbernd hizzig minntrehen süntlicher rüwe 2^ minnvähig. alle minnend selan und minnvahigii her/.en 4*. nachvolgerinne. diser iuncfrowen nachvolgerinan 8*. pelkit. wind in (den gestorbenen Christus) in das pelkit schlehter einvaltekeit 3\ rihthüs 2^ rilichi stf. von der fruht diner minneclicher rilichi 7^. niwerinne. mit der minnenden riiwerinun ^lariun Magdalenun 2^. schnatte. grife mit Thoma in die schnatten siner fiinf wndon 4*. susreder. der süsreder S. Bernhardus 4^ tretten, prät. tratte. tratte den man under ir fusse 8*. trostlos, bi der trostlosen gebererinun Mariun 2'. tugendzwigende. vrag mit ir (Magdalena) den tugendzwigenden gartner o^. überedel, das du uns ze überedel bist 7*. überwunneclich. in siner überwnneclichen glori 6*. understüzzen. understüzzent (imp. plur.) mich mit bluomon (citat 70 K. BAETSCH aus der minn buocli) 3^ unsäglich, do erkaud si neiswas unsäglicher süskeit 5*". uusiunrich. uusinnrichen und verkereudan herzen (dat. plur.) 4*. vatterlieimuot. in die obrostin hohi der ewigen vatterheimuet 6^. vereinberen. so wirdet got und der mensch in zarter wolnüst geistlich vereinbert 2". vergellen, vergiftet und vergellet ist (der weit schoni) 3*. wolnüst s. vereinberen. Bl. 9 — 23 eine andere Hand. Anfang: Almechtiger iewesender und ewiger got. ich armer krancher un- wirdiger mensche, lopen und eren dich, und danken dir aller der ge- naden und gute etc. Lob Gottes, schließt: des helf uns der vater und der sun und der heilig geist. amen amen amen. Bl. 24 ist ein einzelnes deutsches Blatt ebenfalls geistlichen In- halts. Der Rest der Handschrift ist lateinisch. Ein Pergamentdoppel blatt in kl. 8 aus dem 14. Jahrh. enthält Bruchstücke eines geistlichen Werkes aus dem Kreise der Mystiker. Die Vorderseite des ersten und die Rückseite des zweiten Blattes sind sehr verwischt. Der größte Theil der Rückseite des ersten Blattes enthält fol- gendes : daz man sprichet. er si ein trieger oder ein smeher. so danket gotte. daz er im git. daz unser herre selber gehaben hatte, wan un- seren herren ihesu cristo dicke wart smacheit gebotten. umb sine tagende. (D)er ahtede kneht. der nimt nieman sinen guten lümeden. durch daz er nieman tode in sime herzen. Der het einen raeister über in. der ist alle .zit bereit leren und bredigen. die lere und daz leben unsers herren ihesu xpi. durch daz daz lob gottes. gemeret und ge- breitet werde, in aller menschen herzen. (Djer nünde kneht u. s. w. Die äußere Seite des zweiten Blattes: halten, und sich vor dem minsten als vor dem meisten hüten. Güten lüten heinlich sin. andehtig gebet, heilige betrahtunge. himelsche wort han. ze allen ziten. rehten ernst üben, und allen stunde nuwes lichtes warten, und in geistlicher frode ruwen. (D)is sint fünf weslich tageweide. durch die fünf wunden unsers herren. in dem jubeln iar. zuo dem gotlichen Rome. daz ist minne in gotlicher einekeit. Der weg durch die wunden des linken fuoszes ist in begirlicher st^rbunge. vichliches natürliches und alles creatürliches gelustes. untz in die gebrechliche lustekeit gottes. Der weg durch die wunden des rehten fuoszes. ist ein stark krcftig durchtringen. alle ALT- UND iMlTTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. 7] Aviderwertekeit. mit gedultiger volhcrtlicher hingbeitichcit in daz über- weslich guot. daz got selber ist. Der weg durch die wunden der linken hant ist in aller wiirklicher tugende ein demuotiger gehorsamer under- wurf sin . . . X. Verschiedenes. Ich verzeichne im Nachfolgenden die tibrigen Handschriften, welche Deutsches" enthalten, auf die ich aber nicht näher einzugehen Anlaß fand. 2/4. 15. Jahrh. pap. fol. Lateinisch- deutsches Vocabular. 2/27. pap. 15. Jahrh. Deutsche Episteln und Evangelien. Anfang: In gottes namen amen. Hie vohent an epistelen und ewangelien an sunnentagen mittewochen und fritdagen durch daz gantze jore. Prü- dere wisßent daz die stunde ist ietz daz wir uff' standent u. s. w. 4/24. 14. Jahrh. pap. 4. Lateinische Hymnen mit deutscher Inter- linearübersetzung in Prosa. 5/13. Hinten von einer Hand des 14. Jahrhs. Recepte: Das ist von der luugen so das harn luter und rot ist u. s. w. 5/25. 15. Jahrh. pap. 4. Lateinisch- deutsches Vocabular (Hugwicii catholicon). 5/32. 15. Jahrh. pap. 4. Suso's Buch der ewigen Weisheit. Bl. 2 beginnt das Register. Hie hebet sich an ein register des buoches der ewigen Weisheit und ist colligeret usser anderen büchei-n das es ge- rechet ist allen dingen und Wie ettliche menschen unwi ssiglichen von gotte werdent gezogen. IUI. Bl. 4. Dis ist des süsen buuch. Es stund ein prediger zuo einer zitte, u. s. ^v. 6/21. enthcält auf Bl. 6 ff", das von Graff" in der Diutiska 2, 288 bis 291 herausgegebene Gebet einer Frau, wahrscheinlich einer Nonne, denn es war in Engelberg von Alters her auch ein Nonnenkloster, bereits im 12. Jahrhundert. Der Abdruck bei Graff'ist ziemlich genau; ich bemerke 288, 3 gopferait. 6 irscinen, über c steht em Zeichen f-. 7 heilekheit. 9 cristenehit. 16 brachtost. 290, 13 Hecht. 291, 2 mit- tinen. 6 sathane. 6/31. pap. 15. Jahrh. 8. enthält einige deutsche Glossen. Item liquor sutikcit. lymus w'^ leim. o. erde, lippus schilcnder. zelus lieb oder has u. s. w. 6/34. 15. Jahrh. pap. 8. Lässer liab ein fryen muot und halt dich dennocht in guter huot. Ein ader ist ze aller vorderst an der Stirnen etc. Beschreibung der Adern im Körper mit anatomischer Zeichnung. 6/35. 15. Jahrh. pap. 8. Vom Leiden Christi. 79 K. BAKTSCH. ALT- UND MITTELHOCHDEUTSCHES AUS ENGELBERG. Anfang: Inspice et fac sccundum exercplar Exodi XX^ Also re- det der ewio^ got zuo sime dieuer moyses iiil sprach sich es an un tuo nach dem bikluer. AVer nu mit dem seligen moyses ansehende ist u. s. w. Schhiß : der süÜe minnende ihs der mit dem vatter und mit dem heiliiren meiste richset von ewen zuo ewen. amen. 6/36. 14. Jahrh. perg. 8. Gebete zu Christus und Maria, von einer Frau. Anfi\n£j: Herre ich manon dich der betrübte die du herre ihü xpe hattost an dem hohen donrstag. Ein Pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts in kl. 4. von einem Bücherdeckel abgelöst, enthält Bruchstücke eines deutschen Lectionariums. Ich gebe eine kurze Probe von Bl. 1" an dem zigestage lucas ew"gel (roth). In der zit do ihc' in ierl'm kä do wart alle die stat beweget und wart gesprochen wer ist dirre do sprachen etteliche u. s. w. Der Katalog führt außerdem in Hs. 5/17 (pap. 15. Jahrh.) auf 'Methodus promulgandi in diebus festis iingua vernacula', allein dieser Theil der Hs. fehlt. Eine Waltharius-Handschrift war gleichfalls vorhanden (12. Jahrh. 4: vi,^l. Katalog S. 493), ist aber jetzt nicht mehr da. S. 502 führt der Katalog unter C. 8 ein Vocabular des 14. Jahrhunderts auf Per- irament in 8 auf, auch diese Hs. ist nicht mehr vorhanden. In einer Anzahl von Handschriften liturgischen Inhalts sind die Überschriften und Anweisungen in deutscher Sprache. So in 5/34 (13. Jahrh.), 3/34, 3/35, 4/22, 4/26 aus dem 14. Jahrhundert. Ich will von denselben nur ein paar aus 5/34 anführen. Bl. 61' alsus sprich vespera an dem samiztage so der advent vahit; 61^ ze vespere an dem sunnintage ub^ i^^ag. 6P' an dem mentage ze pnme. 6^ an dem cigis- tage üb' mag ä . . an der mitewochen ub^ bn, ä . . an dem samiz- tage . . lis vespere alus (sie!) an dem samistage. 61*^ lis antifene v' alse davor an dem werchtage. unz an den heiligen abent. an dem men- tage vV bn ä. . . an dem zistach . . an der mitewochen . . an dem dunrestage. 62 an dem frigitach . . an dem samiztage. 62* an der froni fastin ze raeti sprich dise collecte. zen anderen tageziten sprich diso collecte aurem tuara. 63"^ sprih dise vesper du hie gescribin ist stetichliche unz an die octave des zwelftin tages. swaz du ioh andirs lesist. 64' chome dise tage an einen sunnentach so sprich dise ä ze meti ä Dum medium silentium. aide chome in dise oct' ein sunnen- tach so sprich si ouch. Die so eingerichteten Handschriften waren ohne Zweifel für den Gebrauch der Engelberger Nonnen bestimmt. ALFRED HOLDER. ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN ZU HORAZ. 73 ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN ZU HORAZ. Zu Horaz sind alid. Glossen meines Wissens noch nicht zu- sammengestellt; nur einzelne wenige sind von Docen im 7. Bande von Aretin's Beiträgen, in Grafts Althochdeutschem Sprachschatz und in C. Kirchueri Novae Quaestiones Horatianae (Xuinburgi 1847) bekannt gemacht. Im Nachstehenden veröffentliche ich die ahd. Glossen zweier jetzt in München aufbewahrten Handschriften und eines Dessauer Codex, die den Text des Horatius mit Schollen enthalten, sowie eine einzelne durch Herrn Professor W. Hartel gütigst mitgetheilte Wiener Glosse. I. Münchener Pergamenths. Lat. 375 aus dem Anfange des XH. Jahrhunderts in 4^, ohne Zweifel aus Freysing bei ^lünchen stammend;, wenigstens findet sich auf der ersten Seite des 2. Blattes das Freysinger Wappen, der Mohrenkopf auf silbernem Felde, und auf dem linken Deckel steht St. C. n. 34 eingeschrieben, wodurch wahrscheinlich der hl. Corbinianus als Besitzer des Buches bezeichnet wird. In Text nebst Schoben folgen sich die einzelnen Dichtungen in nachstehender Reihe: carmina, ars poetica, epodoe, Carmen saeculare, epistulae und endlich sermones. CARjM. I. 25, 11 f inter Lunia] wedal quia tunc terapestates concitantur (Blatt 14^). 31, 1(3 malue.j pappulun {l'i'). CAKAf. III. 4, 12 palumbes] columbae. hege- tubun (35"). 8, 10 Corticem] pil. opertorium (3r). ä 17, 11 Eurus dicitur quod ab eoo. i. Oriente flat coniunctus subso- lano. et dicitur ostsunderer (44""). CARM. IUI. 4, 18 uiudelici] wertähe*) i^ß""). 7, 9 zephyris] lubrecche (59"). Vgl. auch zu epist. I 7, 13 unter Nr. 28. 12, 5 hythin] filius progne. et di- citur taha. uel (dann pro, aber ausradiert) pirihhön uel. auis italica quae fasan dicitur (62""). ARS POETICA. 22 urceus] giezuaz (66''). 121 inexorabilis] ungeuueriger (680. ^ 122 nndtü] guotlicho (680- 219 Sortilegis] lozchiesigen (70'")- 403 exacuit] erpaldte (74'"). 411 coniurat] geeinot (74'). 1^419 preco] putil (740. 453 morbus regius] gelesuht (75""). 473 Clatri sunt fustes rotundi 10 *) Die "NVertach, Nebenfluß des Lech. ALFRED HOLDER qiiibus obfirmatur cavca. vel qiiod vvlpfo dicitur Lanne (75'). EPOD. 1. 1 liburuis] flozschef (75'). 2, 32 piagas.] Plajre proprie sunt ftmes quibiis retia tenduiitur. Über Plage proprie steht runi- stranch (76''). Genaueres findet sich zu epist. I 6, 58: Plagae proprie dieuntur funes illi qui tenduntur circa imam et sum- mani partem retis. ^2. 57 lapathi] Latouhc (77'-). 2. 58 ^ralue] pappulvn (77''). 4. 14 mannis] bruningen (78'") ; vgl. Xr. 29. 12. 11 subaudo] proprie porcorum est subare .i. prumin (83"'). 17. 61 toxicum] eiterwurz (BS""). EPIST. =^-i I. ^ 1, 28. Hie liuceus tarn acutum uisum habuit ut ipse rome positus. naues de affrica pro- cedentes uideret. vel de lince bestialoquitur que uvlgo dicitur Ivhs (90'). 2, 52 podagram] fuozsuht insa- naVjilis morbus est (93'"). 6, 58 uenabula] weidemezzer . (96'). 7,13 zephyris] loprecchen (97"'); ^'gi* -^^r. i. g,|ui sunt 7, 77 mannis.^ 30 8, 10 ueterno brunixgen (98"). i. rito f98'). 10, 22 nutritur] wirtkehain (99"). 11, 18 Penula] chotzo (ICyr). 13, 10 lamas] horelachun aOl'"). 13, 14 glomosj cliuvueli (101'). 3-^4, 19 tesr.ua] struzhahe (102'"). 16, 19 pruna] phrumun (l()V). 18, 7 commendatj geluibet (106"). EPIST. IL 1,114 habrotanv] sitteruvrz (112"). 2, 161 occat] eget (1190- 40 2, 170 populus] albare (lUf). SERMON. I. 1, 29 caupo] zaphfenare (121"). 2, 9 opsonia] zuomose (123"); vgl. Nr. 57. 3, 44 strabonem] schelocan schi- lehenten (126"). 3, 45 petum] zuinchogen (127''). 45 3, 73 tuberibus] masere (127"). 3, 74 uerrucis] uvarzzun. (127"). 3, 119 scutica]. i. keisila. qua percuciuntur pueri ( 128''). 3, 127 crepidas] peinperga vel aliud genus calciamenti (128"). 5, 30 colliria] ochsalbun (132"). 50 6, 106 Mantica] maiaha (136''). 6, 116 echinusj glasauaz (136''). 8, 48 caliendrum]. i. capillamen- tum und darüber Hoteli (138""). gireip. (139"). 10, 4 defricuit 10, 31 mare ci (1400. ;ra] disehalp meres SERMON. IL 55 1, 27 Pugnis.] cestibus plichol- ben (1420. 2, 13 discus] wela (143"). 2, 41 obsonia] zuomoise (144''). 74 turdis] brahuogele (144'"). 117 perne] paccho (145"). Ii9 Blatta'rü] fledermuse (148"). 144 trulla] chella (149''). 161 cardiacus] tebediger (149""). 245Luscinias]nahtegelun(151''). 69 bacca] olebere (1.540. 89 ador] amer (159"). 114 molossis] canibus grecis. i. rüden (160''). 2 2 3 3 3 4 65 6 6 *) übrigens fand der Schreiber der Scholien eine andere Reihenfolge der hora- zischen Gedichte in .seiner Handschrift vor, vgl. schol. epist. II 2, 68: 'cubat] cgrotat. nt superius 'rierm. T M. »8) trans tiberim longe cubat', woraus folgt, daß in dem Exem- plare, welches ihm vorlag, die Episteln auf die Sermunon folgten. ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN ZU HORAZ. 75 8, 8 Rapula] riioppe und darüber 7o 8, 10 acernam] de acerno faetam. vel rafanum (102"). i. mazaltrine (162";. 8, 9 Peruellunt stumacliuni]. i. 8, 42 murrena] lantfVida (Ißo""). mouent ad opeziii. i. ad come- 8, 91 merulasl amfsela (164''). dendum (162"). 8, 91 palübes.J hegetubun (164'-). 8, 9 allec] liarinch (162"). In derselben Handschrift finden sieb noch fol»,^ende geogra))hische und mittenateinische Glossen, welche interessant sind, nämlich: Carm. I. 35, 9 Daci sunt nord- Carm. IUI. 2, H6 sygambros.]. i. manni. gens aspera bellis. dacum fluvium inhabitans (18'). 35, 40 Massagetas] gens est traciae. Dicti massagete. quasi graues. i. fortes getae (18"). Carm. II 20, 18 dacusj nortman- nus (31"). Carm. III. 6, 14 dacus] north- mannus (38""). rtu 8, 18 Daci dieuntur no,raanni. quia sicut dammae uultum ca- pitis exporrigunt. inde enim no- men habent (39"). 12, 4 Qualus metonoraicos pro laneticio ponitur. Est autem qua- lus in quo pensa vel trama (vgl. Diefenbach, Nov. Glossar. S. 369) ponitur. quod rustice canestellum dicitur (42'"). 24, 11 gcthe] gothi uel traces (47^). 27, 7 Manni dieuntur equi piisilli. quos vulgo brünicos uocant (49") ; vgl. Isidor orig. XII 1, 55: 'man- nus vero equus brevior est, quem uulgo brunicum (uar. buricum) uocant.' francos (54"). 4, 17 retii] gens galliarum (56'). 4, 18 Uindelicus est amnis ab ex- tremis galliae erumpens. iuxta quem fluuium habitasse nomen- que inde traxisse dieuntur wan- dali (56'-). 12, 17 Onix uero genus est ain- pulle marmoreae. quod uulgo staupum dicitur (63'). 14, 51 sicämbri] gens galliae. i. franci (64''). 15, 22 gethe], i. gothi (65'). Epist. I 1, 95 subucula] camisia (91"). 13, 12 ala]. i. ascella (101"). Serm. II 6, 53 dacis] nortmanni (158") 6, 85 acinü] botrum (159"). 8, 43 patina] scutella. (163'). 8, 55 patinam] scutellam (163"). 8, 86 Mazonomo] magna scutella. — Mazonomus est genus scutelle in qua ponuntur escae et est simile grandi salsari. II. Münchener Handschrift (Lat. Nr. 146-^5) aus St.'Emmcram iu Regensburg^ aus dem XI. Jahrhundert. Zu Hör. Epist. I 1, 79 in uiuariaj r ad retia ad nasas. hec nas. (84""). I 7, 65 scruta. Quas uulgo grutas uocant. Beide Glossen finden sich ganz gleich in dem Pariser Horazeodex Nr. 7975 aus dem XL Jahrhundert . aus Fontainebleau, nur daß die Pariser Handschrift t vor ad an der ersten Stelle weglässt. Zu Hör. serm. II S, 42 murena] lantfrida. 76 L- niEFEBNACH III. In dem Horazcodcx A der herzoglichen Bibliothek in Dessau, in der Abtei Nienburg gegen Ende des IX. Jahrhunderts geschrieben. Zu Hör. carm. I 9, 8 Diota.] uinarium uasculü. Chüofa. sine. Chrüoc. Wiener Hs. nr. 145 (X. Jahrh.) zu Ars Poet. 476 Bl. 17: yrudo] .i. Cirila. CARLSEUHE, den 31. Heumonats, 1872. Dr. ALFRED HOLDER. AUS DER STADTBIBLIOTHEK ZU FRANK- FURT AM MAIN. I. ^laßniann und Graff haben die ahd. Glossen der Canones Con- ciliorum (Codex Xr. 64 resp. Kr. 50 der Dombibliothek) verzeichnet; vgl. Maßmann, Denkmäler S. 83 flf. Graff, Ahd. Sprachschatz I S. XXXVIII. Graff hat die Hs.^ soweit sich mein College Dr. Haueisen erinnert, nie persönlich eingesehen und mag die Glossen nach Maßmanns Excerpten gegeben, mitunter willkürlich verändert haben; indessen fehlt eine von ihm mitgetheilte {elicor, s. u.) in Maßmanns Drucke, und ebenso Grafts richtige Angabe, daß einige (unten angegebene) Glossen interlineare sind. Meine Revision ergab folgende Nachlese und Correctur mehrerer Angaben Beider nebst ihrer Vergleichung. Darneben mögen einige ander- weitige Bemerkungen Raum finden. Die vorgesetzten Ziffern bezeichnen, die Seiten der Handschrift, die Abkürzungen M. und Gf. die genannten Forseher. 1. gemist confecta bezieht sich auf 10. arhe'ote^ d. i. arhiote mit punk- die Stoffe des Meßopfers. tirtem = gelöschtem e (arhe'ote 5. indiguloj Marginal zu commen- M. arVjiote Gf ). daticias litteras ist eine nirgends 12. cele (lateinisch?) steht ohne verzeichnetePluralform vonmlt. Einfügungszeichen über dem indiculum, kaum ein ahd. Fremd- zu (quod non debeant hereti- wort, wie etwa u. nilla. corum baptismata) conprobari 6. uuonanti raoratus {imonanf ]\I. gehörigen Marginal Corona. Gf.). 15. forher'm (forbere"n M. forheran elicor prr.rsus (Gf. I 237. fehlt Gf ). bei M.). 16. wnuuiftom pussillanimitate; ft 7. purgio fideiussorem (fehlt M. ähnelt sf, wie umgekehrt o. q. v. Gf ). consti. 9. consti. st gleicht zwar ß^ je- gelwnf'flicko. Das übergeschrie- doch auch in einigen sicheren bene Zeichen unterscheidet lateinischen Wörtern der Hs. sich einigermaßen von dem AUS DER STADTBIBLIOTHEK ZU FRANKFl'KT AM MAIN. 77 gewöhnlichen ebenfalls piiiikt- losen für i\ Gf. gibt hier gilum- fliho neben fjilumßlcJio. Vgl. die folgende Glosse. 17. geriche Marf::inal zu optineat und geri'che Interlinear zu ob- tinuit, letztere wiederum mit dem übergeschriebenen Zei- chen der vorjrenannten Glosse {geriche zweimal bei ]\L, vier- mal bei Gf. II 387). 18. situ habitu (fehlt M. Gf.); ent- sprechende Glossen s. bei Gf. VI 1(30 ff. 33. in domo (lat.) Marg. zu in idolo, d. i. im Götzentempel (indomo? M.). 38. imiz'igun Interlinearglosse über diuinationes. 40. frumunga (so M. ; frummungu Gf. j ; über dieser Marginalglosse steht lu. 48. elimosina (eher deutsch als lateinisch, vgl. verwandte Glos- sen und Formen bei Gf. I 239) agapas (fehlt M. Gf.). 56. hehti ist Interlinearo-losse über possessionesque. 58. missazema (episcopos) dissidere (fehlt M. Gf.), vgl. missezimet Gf. V 662, auch missazunfton dissonent ib. 667. 69. tnigesce (ohne Verlust eines Buchstabens) indifferenter (un- gesce'ydlicho) M. unqisceidlicho Gf.). S6, odil patrimoniorum {edil M. edil? Gf.). Ein andres vermuth- licli umgedeutetes odil hat un- sere Pergameuths. (Rollo) eines Passionsspieles aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. in dem Scheltworte odil crage, vgl. mhd. der ode krage, auch nhd. geizkragen u. dgl. Einer spä- teren VeröffentHchung vor- greifend bemerke ich, daß diese (mangelhaft in Fichards Frankf. Archiv III 131 ff ab- gedruckte) Handschrift das Interjectionalsuffix ä stets als nach dem zubehörigen Worte getrennt stehendes a schreibt. 90. forun conuolarunt (facientes ^ forun M.; fehlt Gf.). 117. hrlfa (prestet) diligentiam (fehlt M. Gf.). 119. niuuicomo (das erste o ähnelt dem rt) neolitus (niuuicumo M. niuuicumo Gf). 135 thera frihhidagirida. Marginal zu auariciae cupiditas; ein nicht ganz deutHches (ver- mutiilich zweites Einfügungs-) Zeichen über dem ersten a {u) las M. irrig in seiner Ab- schrift thera frihhidoi girida (so Gf.), das wenigstens gra- pliisch einheitliche Wort tren- nend. 139. aruuertitin (sicher r, nicht s) deprauati (so Gf. I 958; M. in Note aruuersitin?). 140. sagen inculcentur hat Tinte und Schrift des Textes, nicht der übrigen Marginale. 144. in (m)eginfrahari kann m durch den Buchbinder abgeschnitten sein. 145. uilla (nicht etwa uillas) Marginal zu praedia pl. acc. ; mag deutsch sein, obgleich es die Wörterbücher nicht kennen. 85 II. Die vorher von Germanisten nirgends genannten ahd. (nieder- rheinischen?) Glossen einer, Arators Werke und Prospers Sinnsprüche enthaltenden, auch an lateinischen Glossen reichen Handschrift (Nr. 139 unserer Dombibhothek) habe ich in meinem Novum Glossarium latino- 78 L. DIEFENRACII germanicum (Frankf. 1867) uutcr Nr. 48 excerpicrt, aber keineswegs vollständig und mitunter fehlerhaft. Ich gebe sie im Folgenden voll- ständig, "u^edermn mit einigen Zuthatcn und Fragen. Die Ziffern be- deuten die Verszeilen beider Bücher von Arators Apostelgeschichte und die (wenigen) Nummern von Prospers Epigrammata nach den Aussraben von ^lio-ue Patrolos^ia latina Voll. 51. 68. De actibus Apostolorum Liber I. 302. clageh'cha lacrimosa n. pl. o9o. ö s))iIdego predige. 394. coufu commercia. 395. gn-h'cho ambiciose. 403. ficxidkcxxesf ^IfirAnal zu de- bere (f;\cis), d.i. sculdicmierg? 967. spretunga uclamina (vexilla, brachia crucis) ; vgl. gispreitit exteusum velum Gf VI 394. 968. ?V5fozn//fa Marginal, zunächst vor subjungensque monet, kann aber Tdurch ein Zei- chen) mit der Marginalglosse interrogat 967 correspon- dieren. 1018. tmdngit prouocat (über sti- mulatj. inderu fmminahti in nocte profunda. 1023. bihihti inter diem et noctem reiht sich am Rande an te- nebre lumen Christum, welche Worte über crepuscula solem stehn. 1033. {olim ?) ziiohaffa (lateri) sub- nexuit; ft gleicht st, ist aber sicher, vgl. Gf IV 752. 1036. scafan generata sleihti pro- pago. 1047. uvichun cessere, vgl. II 1212 foriinichendan (uelis) ceden- tibus, da^cegen Prosperi Epigr. XVll (in adversis) irpAchit über frangit (trepi- dos), vgl. u. a. giuueichan frangere Gf. I 712 ff. 1C49. slozzun claustris. 1058. uohta celebrauit Tdivinum opus). 1059. II m Pr. Ep. XXVIII Z. 6 mina (mla) gratia; Ep. XVI mine gratiae; II 154 mma affectu (so minna öfters bei Graff glossiert, nicht gratia). 1061. cosida loquitur. 1062. furneman sensisse: (rhode 'über puella 1058. 1062 ist Frauenname 1058). 1071. umhifangedu circumdat vgl. Migne ad Liber IL 1 L. ckerzun lucerna. 6. hurada sich incipit (über pergit adire paphum); vgl. 154 gihurida contigit. unfron über olim, nach luxu- riis, Glosse über amoribus; die mögliche Lesung unsron stimmt nicht zu den Bezie- hungen dieser Wörter; aber was ist unfron? 7. linorlusdi (vgl. Gf II 290) libidinis; hiernach über an- trum die Glosse huorhus lupuuar, vgl. 713 lupanar id. heidinera i. ueneris. Marginal zu sacrilege, worüber in- munde steht. 9. irvvuos procedit (apex, dar- über celsitudoj ; vgl. Gf 1086. 12. statda materia (est adjecta). 19. uuirdeniuendi retorquens, durch Punktierung des ersten r gebessert in uuider-\ da- gegen ungeändert 1142 wio^- dargeholita repetita, neben 1250 uaidazcdduon repetitan, AUS DER STADTBIBLIOTITEK ZU FRANKFl'IiT AM MAIN. 79 20. 27. 28. 53. 54. 55. 58. 67. 81. 105. 109. 115. 124. 126. 138. 142. 147. 170. 172. 174. 183, vgl. Formen und Glossen Gf. I 635. 758. 762. histanderi bellator (ecclesie paulus); vgl. \n\\{\. hütender, ahcl. ih histüonf propiiü:navi Gf. VI 602. analenidi (gressibus) instet. irhannendi miseratus. aderon uenis. uirsperrent reserant. icazzerlichon aequorreos gici- hun laciis. qifluzkla uadum (vgl. Gf. III 753). anagewassinu innata (sc. lex; vgl. anaganuahsan innata Gf. I 686). ler monstrat {leren monstrare Gf. II 256); 74 ler sabbata. cihrengine ponere; 1138 hren- gm auferre. aidaro humilis; 147 niderer inferior. durida pretium (libertatis). hisigilan signare (cum lapide sepulcrumj. clingan resonare. dritage triduo. urä stellt über (de) lege; wenn vram(?), zu de gehörig. samammga (gentiles stu- puere) globi; vgl. 506 gise- mini agmina. gimelduda prodidit. hinderer breuior. c l h df dm deflent. egeleizimo gange frequenti gressu (über motuque^ pro- greditur claudus). mittunt modo (so aucli Gf. II 666). hohifgeheinde Coronas florum (über deserta ministrant, vgl. houpufguhentüi sortis Gf. III 138). sprateliun am Ende der über mactare (greges) fibrasque tepentes stehenden Glossen sacrificare uenas calidas (vgl. 184. 196. 204. 211. 218. 225. 248. 258. 280. 335. 456. 507. spratalon palpitare Gf VI 392). raff rage consulcro. scadahafda dampnosa. zuc captura. ferro gelegenun (in) longin- qua; bCA) f error gelegenun ulteriora. icercmesdar artifex (über ar- chitectus). ringi orbes (oculorum). hilidi species. hordumes iuris (apostolici); 1 '22Q herduom caput (mundi)^ 1232 honor; 1218 herduomun culmina (rome). (in) froniski formositas, über lux baptismate (mundatj. hisidida (cenoque) grauati. sin ingenn. 533. 548. 565. 569. 645. 886. 894. 937. 992. 1002. 1017. 1021. 1023. 1034. 1052. 1055. spilestetin gymnasiis. znimeriscun bimaris(que Co- rinthi). gegin kerif ingerit (oculos radiisj. uuerhan uersare (manu in cithara). iagonfi (pisces Petrus) agens. umhifaranan lustratis (finibus arua); vgl. umpipifaran con- lustrare Gf. III 563. anagefarinan peruasum flo- cum hominem) ; vgl. ana- giuaran pervadere Gf. 1. c. locheta mulcet. roum cannis. aharefemo repetito. imlisglegle suppliciis (vgl. Gl. vi 773).' anagenamun sili inposuere sibi. manageren plures. scaron maniplis. ersam honeste. cuisca modesta n. pl. lanc bardun (ad) latium. ich bannun (ad cesaris solium uosj prouoco. 80 K. MEYER. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 105G. 1057. 1058. 10G9. 1072. 1073. 1078. 1083 1086. 1089. qidingun appello [gidingo id. Gf. V 189). duom stuol tribimal ; 1235 cheisar stol id. spanendeni stimulante (raetu) ; vol. u. a. gispuoii iustif^asset Gf. VI 339. spgeles iieli(que). doi'en Seen über incaudiiit in dem Verse : Rupta qies polagi tumidisque iucanduit undis^ über dessen vier ersten Wor- ten: est tranquillitas maris eleuatis. stilli trugiUcha pax iicta (ma- ris) uuotda furit (öfters deut- sches Praeteritum neben lat. Praesens). OK sfin steht über presidiis. sturnageles claui. hisuere obruat. nuangan (nicht uuagan) (hec solis radiis sub nubibus emi- cat) axis. 1092. 1098. Jlll. 1122. 1157. 1172. 1175. 1176. 1177. 1195. 1210. 1225. 1233. 1248. anagelizun sich indulsere (cibis); vgl. gute indulsit Gf. niissihuri ruina (vgl. Gf. III 168). nzwerflinga iactura. gefangenemo arrepta (tellure). spachun sarmenta. hiuundun probant. cliuli cigangan glacies tepe- facta. cifuor soluitur (in cineres). liizzun uapores. meren (plenius, Gl. mani- festius, in) clari (cernenda); vgl. mari clarus Gf. uuunnisamen nitidi (ueris). hiuange (Petrus in ecclesie surrexit) corpore (princeps); vgl. Gf. III '413. cheiserlichan corone , am Schlüsse des Verses; darauf folgt 1234 Cesareas. diese h§c. LORENZ DIEFENBACH. BRUCHSTUCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN AUS DER MITTELALTERLICHEN SAMMLUNG ZU BASEL. Im ersten Bande der Bruchstücke und Nachbildungen von Hand- schriften auf S. 73 befinden sich zwei mit 7.3 c und d bezeichnete Pergamentblättchen , welche Sprüche Reinmars von Zweter enthalten. Sie sind der Sammlung von Herrn Dr. ^lax Rieger in Darmstadt ge- schenkt worden und stammen, wie die von Crecelius in Haupts Zeit- schrift (X, 273 ffj mitgetheilten, aus dem Isenburgischen Archiv zu Schoenrain. Auf Format. Schrift, Interpunktion, Initialen u. s. w. passt das von Crecelius a. a. O. bemerkte so vollkommen, daß ich es hier nicht zu wiederholen brauche; die Blätter gehörten ohne Zweifel der- selben Hand.-5chrift an wie die dort mitgetheilten. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 81 Reinmar v. Zweier Spr. 89, 88, 90, 91, bei v. d. Hagen Ms. H, 193 73c S. 1. Sunden angesigt. wanne sunde sint ge- meine daz nieman lebet der gar on sun de si. des mag man alles sich erholn. wan dem der rehte gelaube vz sinem herze wirt verstoln. von den kristen dieben die vns mit falscher lere slichent bi. daz ist ein lere die also tiefFe gründet, daz sie mit sun den nieman vber sundet. nu wachet edele kristen wachet, daz vns der leiden ketzer rat. iht scheide von der trinitat. do mit wir sin zu kristenheit geraachet. feunden,*) gclust mit widerw'. swer do mite ist behaft der stritet wid* ein kreftig her. wanne in vil sere anvihtet Sunden glust. mit kamphe manige stüt. Sunden gelust ist sunde niht. swenne er wirt sigelos vnd daz mit widerw* geschiht. Sunden gelust mit widerw'. tut croneb^n kemphen kunt. sunden gelust der din er lozzen were. daz der alle sunde gar v^bere. daz were niht ein marf crone. dem hung* 73c S. 2. nimm*" we getut. nimt got des vasten wol vgut. daz ist ein dinc des got im selbe lone. fewem**) liep geschiht vn doch nit wol. sw* des gan sinem frunde der gan im anders danne er sol. wan dru liep gesche he sint nit so gut alsam ein wol geschehen. er dunket mich ein wise man. der liep ge schehen vnd wol geschehen relit erkene kan. wanne liep geschehen vnd wol gesche hen die laut sich dicke sunder spehen. vö ' liep geschehen vil lute in kümer vellet. wol im zu dem sich wol geschehen gesel let. der ist der drier dinge lere, daz sunde *) Initiale blau, roth verziert. **) Initiale roth u. s. w. ; blaue und rothe Initialen wechseln regelmäßig mit einander ab. GERMANIA. Neue Reihe. VI. (XVni.) Jahrg. 6 82 K. MEYER schände schade si. daz wol geschehen ist wandeis \Ti. daz liep geschehen ist dicke VTeluckes rat ist sinewel. [wandelbere. im leuffet manig' nach doch ist ez vor im gar zu snel. vnd let sich doch erhiufe willecHch. den ez betriegen wil. sw' stiget vi geluckes rat. der darf wol gut' sinne, wie er behalte geluckes stat. daz ez vnd' Tod S. I. on ere geil, ir abent spil lip vn sele vneret. Ms. 11^ 198. JJie haut die muzze selig sin. da mil te vnd eilen beide schone habent gehuset in. der zweier tugende mac ein selig man. von schulden wesen geil, ist aber eilen vberladen. mit erge in ein haut daz tut an wirde grozzen schaden, eile bi der erge erwirbet selten gutes mannes heil, sw^o milte vnd eilen sich behuset beide, daz ziert den lip alsam d' kle die beide, bot aber milte sich behuset. in zagen haut daz sol man klagen, so muz der schänden bürde tragen, vii wirt ir lop in schänden hol vercluset. (jTerne gew n vngerne biten. sw' die zwei an im vindet lat. daz kümet von edeln siten. nider geheizzen vii hohe leisten die zwei sint gar lobelich. ein munt vö riehen worten vol. do bi ein itel herze die kleident niht zu sämen wol. do sint die hende müzzic bi des li 73d S. 2. be wolt ich schämen mich, der also gehen det geherzet were. get vz her lip ir lip ir sint \Timissebere. sin vngeneme wölke e gusse. ez si ein iuncfrawe od ein wip. di also missewenden lip. an sinen munt im Uie milte [mer sloffende küsse, manigen herre hat. ir knehte d' weiz ich lutzel an min herze mir daz gat. gut leben wa.> bi ir knehten. nu ist die wile bi ir herre laug, ii herre sint so here gar. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 33 daz sie in ir keines herze nimm' woi enku met dar. wil sie mit ir iht wVben des müz sie warten vnd* einer banc. vn ob ir ein' lihte des geruchet. daz er sie durch guden wiHen suchet, d' stunde muz sie dän varen. des taten uiht ir knehte do. die envvur den nimm' fro. biz an die wile swenne V ro milte [sie in ir dienste waren, ir sit vnd sit doch niht. die zwei vnd' einer wete des man iu d' wund' gibt, daz ir so werben kunnet. ich sage vch wie. II. Vier Pergamentblätter fol. von einer Hand des XIV. Jahrhunderts sauber und deutUch geschrieben, Blatt 2 und 4 sind vollständig er- halten, 1 und 3 hingegen sind am äußern Rande beschnitten. Den Inhalt der Blätter bilden Bruchstücke aus dem Kriege von Wartburg, welche im ganzen wie im einzelnen der Jenaer Handschrift nahe stehen. Ich habe die einzelnen Strophen daher nach Ettmüllers Ausgabe mit eingeklammerten Zahlen numeriert. Jede Seite enthält zwei Spalten, jede Spalte 3fe Zeilen; jede Spalte ist horizontal liniert und außerdem von zwei senkrechten Linien eingeschlossen. Innerhalb einer Strophe sind die einzelnen Verse nirgends durch neue Zeilen hervorgehoben, wohl aber durch einen Punkt. Es finden sich ferner dreierlei Majuskeln. Erstlich am Anfang einer jeden Strophe abwechselnd rothe oder blaue große Initialen. S. 1 beginnt mit rothem H, und auf der verstümmelten S. 2 ist das einzige H ebenfalls roth; S. 3 beginnt mit blauem D, und S. 4 endigt mit rothem E; S. 5 be- ginnt wiederum mit blauem D, während S. 6 in Folge der Verstümm- lung bloß rothes V und blaues S enthält. S. 7 und 8 wiederum voll- ständig, beginnen mit rothem V und endigen mit blauem W. — So- dann zweitens kleinere ebenfalls abwechselnd rothe oder blaue Initialen innerhalb der einzelnen Strophen. In den Strophen, welche im Thüringer Herrenton gedichtet sind, also S. 1 — 4, beginnt regelmäßig der fünfte, neunte und dreizehnte Vers mit einer solchen Initiale; die erste der- selben, S. 1 Sp. 1 Z. 1 ist blau, auf S. 2 (Str. 10) folgen hingegen zwei blaue (D und I) unmittelbar auf einander; auch auf S. 4 Sp. 1 Z. 4 ist das S roth statt blau. In den Strophen des schwarzen Tones hin- gegen, S. 5 — 8, beginnt die vierte, siebente und achte Zeile mit einer solchen kleinem Initiale. Die erste, das D, S. 5 Sp. 1 Z. 6 ist roth; G* 34 K- :meyer nur Str. 26 Z. 4 fehlt dieselbe (D) ganz, und Str. 27 sollten die beiden W blau und das N roth sein, während sich die Sache in Wirklichkeit o-erade umsekehrt verhalt. Der Punkt, welcher sonst am Schlüsse der einzelnen Verse steht, fehlt vor diesen gemalten Initialen regelmäßig. Drittens endlich mit Tinte geschriebene ^Majuskeln zu Anfang jedes Verses, der nicht mit einer gemalten Initiale beginnt. Diese letztern sind übrigens häufig von den Minuskeln f:ist gar nicht zu unterscheiden; ich habe jedoch in der Regel in unsichern Fällen die Majuskel gesetzt, da dieselbe von dem Schreiber jedesfalls beabsichtigt war. Die Namen der Sänger stehen auf S. 1 — 4 roth gemalt rechts über den ihnen zugeschriebenen Strophen, hinter den letzten Worten der vorhergehenden. Was die Orthographie dieser Bruchstücke betrifft, so ist das vor e und i fast überall für g gesetzte gh sehr auffallend; auch dh für d kommt vor, jedoch bei weitem weniger häufig als jenes. Statt z steht im Anlaut überall tz. Auf dem Gebiete des Vocalismus findet sich mehr- mals o statt u (wordhen = wurden u. s. w.), ferner sehr häufig y statt i und i (myr; vry, by), ey statt ei (heynrich, reymar). Das i trägt öfters einen Strich (i), jedoch keineswegs überall. Einiges, namentlich das so häufige gh, ist sonst dem Niederländischen eigenthümlich. Da aber im allgemeinen die Sprache der Handschrift die mittelhochdeutsche ist, so mag jenes bloß der Individualität des Schreibers zuzuschreiben sein. Bei den beschnittenen Blättern (S. 1 und 2, 5 und 6) habe ich an die Stelle aller nur unvollständig erhaltenen Buchstaben einen Punkt gesetzt, auch wo dieselben aus dem Zusammenhange leicht zu errathen waren. S. 6 Sp. 2 ist durch einen großen Tintenfleck ein Wort unleserlich geworden. III, 145, S. 1. danc vnde setzet swen er wil Daz kvnst vur saget ir wol an keiser otten da scouwen b von brvneswich. Den schiet er Swen ich g von me riebe vnde tete in mani- tac. alrest. ger eren vry. heynrich von öfter- nymmer dinghen swich. Vnde miz sie ke vursten g ghen eyn ander nicht daz vn- singhen i ghemezzen sy Swelich leite- Von ysen hvnt wil suchen vnrechte vart. ber vns. des sit ghemant. eyn straf ym syme swe wart. By myner tzit von synes an vnser meisters hant. Ofterdinge Swem m. (7) n er scriber ir noch vwer hant vür bite. . H BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 85 (8) die mvghent myn meistcr nicht p^hesyn als uwer ravnt vur iach. (9) Reymar von tzwcten si dar tzv benant vnde der von eschenbach. Her Walter den ich itzv sach. Swaz Singer leben in divsdischen landen hie oder anders wa. Eyn kra tzv eynem edhelen valken spracli. her guckuc sit ir da Der selben kra der habet ir wol ^he tan an myr ghelich. Her scriber do ir von dem leitehvnde kvnden saghen. Ich byn v. doch tzv kvns- ten rieh. Ja mvzet ir in welfes wise div wider verte iagen Myn ticht daz ist von meister kvnsten siecht. Ich wil vch weren. Rup hart myn knecht. Müz uwer hat ^) den toren gheliche scheren. Nv wirt ghesvngen. scriber. ane vridhe. Synt uwer kne- cht myn reytez har sol toren ghe- liche scher. He walter komet bal (10) de mit der widhe. Den haher brin- ghet her. So tzeig ich waz min U: ze le. on d bei. Lobet den edhel vurstcn s Wen er i Vvolt i Wes phli des wirt edhelen ghewant kleyt De heym tz. hant. Da chen mv rieh, her Wa vind tughend. ter kvnst ouch. Na mer gou lob mit. JiiHch sprich et III, 145, S. 2. vz osterrich (10) at. Der ir strebet, by ym vö . vninghe lebet. Die nt. Div so der pres en. senende ruwe set. n vlüt De ners büz .r edhele tzorn wil lenger swighen nicht her scriber daghet mir. Ich sie ein as da vür mich hivte bar. Vnde kome in rabens ghir Eyn kater duckte sich tzv tzart. Daz er die svnnen wolte vrven so sie vrohe of ghienc. Vnde nam doch synt nach syner rechten art. Eyn tier daz mvse vienc Eyn tvmmer stiez der pfannen stil inz venster amme tor. Der scaffe mvchte ni cht hin nach nv höret wie ir ghe scach. Daz breite ist allez noch hie *) lies: har. 86 K. MEYEK ge laut. z wordho . vter fterdinge . vz der iv- . az vm die wich, her ner also z österlich nt swer. .ze nicht aghe. Den div sele de pris be iche tzv . .Vil raa- nden man y. Also die Myt vreu- wisel dar empfel en leben . swen an biterolf. r. Der vor. Walter, reymar. vnde ir aller racister der von eschenbach illyn tzorn der lezet vch wol scouwen waz ich kan. An disem taghe. Dich tvmmer man. Heynrich von ofter- dingen odhel kraghe. Biterolf (13) XTer stempfei tret vns naher by. J_JLSo mvze ich nv irstochen wer dhen in eynes diebes tzil. Vyn- dich nicht eynen graben ^) wandeis vry. Als ich ez bescheidhen wil. Vver was tzv megentze da ge- scach. Do man dem vulder vurs- ten wolde krenken hohez recht, der düringe herre den stid tzv kei- ne brach. Vnde machte kvmme^) siecht Da was vil manigher wer- dher deghen die betten grozen tzorn. Da wordhen tusent swert ghetzucket an der selben stat. Von hennenberc der hoch ghe- bom. In eynes lewen mvte her vnr der duringe herren trat. Von stale eyn becken hübe wart ghetzoghet. Vnde des hou- III, 145, S. 3. betes ghenüc. Den edhelen voget Man toden ghelich da var den kei ser truc. her bitterolf. (14) T^^z ere by der manheyt sy. Sca JL'me. Vnde truwe. milte. tzucht. da barmvnge ynne stat. Von du- ringen edhelen herren Stent mir by. Synt hie diz allez hat. Da gaben ghenvghe vursten wich. Do trat er vür der duringe herren in eynes tracken kvr. daz sach der vil edhele vz osterrich. Heynrich nv brynghet vür Vva hat der 'j lies: graven. ') lies: krvmme. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTS CHEK DICHTUNGEN. 87 miltc vz ostcrrich so hohen pris getan. Also der henncnbergher tete vur den von duringen lant. Man sach in viir den edhelen stä. Es were dem berner gheniic ghewesen do in her ecke vant. Der vurste vz duringen sprach hie hat den mvt. Daz hundert lant. Vnde al ir gut. Tzv synen I eilen weren wol bewant. OftMige ch wil der duringe herren ghe- ben. Tzv helfe den von brande- burc den hennenberger dort. Kä der vz osterriche nicht schöner leben. So tu mir stempfei mort. Got ym noch oughen tzwey beschere. In synen nac vnde hen- de tzwo daz were synes hertze leben. Swen er sich mit den tzwen den vienden were. Daz tzw den gherenden gheben. Den kv- ninc von vngherlande man ke ghen ym in hazze sach. Do er den schilt tzv arme nam myt ellenthafter hant. Tzv syme kamer er e her sprach. Nv scafFe daz der gherenden dhiet irloset sin die phant. Die mvzen an herren tu ghenden sich vür stan. Die singhes phlegen. AI svnder wan. Sie turre die dri 'vursten kegen ym wegen. n(3) Xi^y^ vurstin vnde ir vrouwen h'reimar J-Jsynt. vns beidhen al tzv na- he by daz wirt von myr ghekla get. Von tzorne müst ich tzabelen als eyn kynt. Dem man daz eyg vür saghet. Dynes scalles ist nu gar tzv vil. Heynrich von öfter dinghe reymar wil dyn vient we- 3S K. MEYER scn. Den') swer iich selben dcankes toden wil. Wer hülfe dem i^hene- sen. la ne mac der miltc vz oster- riohe der tuc^ent nicht ffhetragen. Also der duringe herre nv vür alle vursten hat. Swer vberla- det synen wagen. Der brichet ym. din sino-en vz eynes toren mvnde gat Vvenne betten alle vurste engel namen. AI svnder spot. Vii ane scamen. So were der duringe R herre wol ir got. Ofterdinge. , , eymar von tzweten la dich man. Diz bispil myne truwe durch dyne tvmpheyt nicht vür birt. Swa mvse loufen eyne katzen an. Vnde die vür bizzen wirt Daz mvz der mvse sin gar vil. Ir tvm- men singer tut den kleynen tie- ren an mir ghelich. So sten ich allez in der katzen tzil. Vnde bize al vmme mich la het ich tzv der duringe herren selben wol die phlicht. Daz kvninc noch keyser III, 145, S. 4. of erdhen nicht so werdichlichen lebet. Were der vz osterriche nicht. Des tu- ghende in hohen lüften oben alder werlde swebet. Swie man des lib hie of der erdhen set. In osterrich. Div werlt mir ihet. Syn tughent Hdie stighe artuses tughent gelich. ^ .^ eynrich von öfter dynghen sa- ghe. Weistu wie got den tiubel durch syn vbermvte bant. Sol ich dich binden daz ist mynes hertze klaghe. In mynes herren lant. In presters wis müz ich dich ban. von eschenbach ich wolueram ob *) Steht in der Hs., jedoch ausgestrichen. BRUCHSTÜCKE MITTELIIOCHDEUTSCHEK DICHTUNGEN. 80 dv beheftet sis, Mich ravsen haz- zen vrouwen vndc man. liez ich dich sanges pris Der duringe herrc weldich syn. vur maniges kvninges leben. Grot gab I allen vursten daz sie bilde von ym ne- men. Die hie nach wirdhe kvnnen streben. Daz sich keghen gotes hulde vnde tzv der werlde kan ghetzemen Ileynrich von of terdinge tu den seghen. Da sla dich gach. vil haghels regen. Tzoget dir myt donre blitzen Hvon mir noch. ofterdinge. ^ , er terramer sit wille kome. Nv twinghet mich die hey- dhenscaft mit manigher krye dhon. Ez wirt noch hivte storm keghen v. ghcnome. Daz der vö naribon Ghewaltichlicher nye ghehielt. Da manich storye wart tzv tränt des mir div menye lach. Of alyzanz da vil der helme spielt. Vnde lanzen vil tzvbrach. Eyn vrosch vz eyme kvlen brvn- nen spranc in heyze glut. Vnkvnde vurte muwen manigen der sie su- chen wil. Dem selben vrosche ir gheliche tut. Ir suchet ouch den vürt an mir des ist vch altzv vil. Vvalter reymar. ir vnde bitter elf. habet ghense wan. Swen sie den wolf. Erkennen vnde doch vz ir tzvne gan. h. .Itier^) ch Walter kome in sanges klaghe. -heynrich von ofterdingen saghe wes hastu ghedacht. Daz ich dir dynen vbermvt vüt*^) traghe. Der mich in tzorn hat ghebracht Daz II *) h» waltier? *) Ues viir. 90 K. MFA'EK myi' rayu tzvngo was tzv snel. Des cdlieleu vursten vz ostcrrichc het ich mich vür tzegcu. Daz sie vür swellen mvze vnde oiich die kel. ob wir den tzorn vurlegen. Mir ist gheschen rechte als adarae der den apfel sLant. Von des tivbels rate vnde was nicht des mvtes synewol. Daz wort ich nymmer me vür wät Mucht ichz irgrifen alsam den ap- fel ich brechez vz der kel. Vil edhe le hochijhelobete vurste wert. In osterrich. Myn kriech der ghert. vur kivs nach gotes orden wider (21) Emich. ofterdinge yn kvninc vnde tzwene wurs- ten^) rieh. Synt vz ghenomen so prübich al der werlde tzv sterne glast. Die besten sint dem morge Sternen gelich. Swen er ie vrohe of brast. Ich ne mac des lengher nicht vur daghen. Der tzwier vursten eyner wol der svnnen ge- III, 145, S. 5. gest wider spreche. (12) T^ie brodher wordhen do besant JL/vnde tzwene pfaffen die man in ir kvnste vant. Die daz recht wol tvv vnrechte kvnden machen Die broder von der beydher kür. Irscrucken do man in die mere leite vür. Vnde redheten daz ir engel mvste lachen Ich kos euch daz ir varwe vnpran vnde sach ir ougen winken So we in die diz haben ghetan. Sprach ir mvnt e. wir den valschen by gestan. Wir Hetzen alle kloster e. vür sinken. (15) prübet d, pfarre sulh. ir den selben Vvas py. Her tv her wolde v. den er schuf hoen die di. vmme en v der pfafFen. mvz man a myt auron scallen Vn by. So wolt ') lies : vuTdten. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 91 (13) T^o sprach von bvnne kertzcn J_>' dacht. Wyr haut cz of ir leit ez wirt ouch vuUen bracht, an uwcr aller danc ir ordonere Vvolt ir vns pfafFen wider stan. Vndc doch in divdischen pfarren by vns bete len gan. Wir machen daz die sec ke bhben lere. Herberge, v ouch twre wirt daz sülc wir wol jre- scaffen Der gardian wart tzor nes vol. er sprach der vch vürcr ret der gheveghet vch wol. Do scheidhen sie an ir volge von den pfaffen. (14) "TT"ore pfafFe wes J-Xdv dich macht Schemen. Wil tu aurones phenninc vmme den krysemen nemen. Mit svnden vü myt scanden hastv ghewunnen. Vvamite sol sich der sieche labe. Swen duz mit dyner valschen ghirde ym brichest abe. Daz arme wib hat ez vil kvme irspvnne Hie mite so mestcstu den Hb so ghet ez an eyn vryen Ir leyen IIIj 145, S. 6. . rvn ist .ghen Ir blich. Vür .0 wirt V der eile hin myt lughenere. hymclriche Nv hast. , , tu dich weist die re dich prestV helle abgrv. sich selben t rat. Wiltu galgen scaf wunder ha vollen. Sw le traghen. tu daz hyn wirt nicht Vnen w . , ver al daz graz. . vnde walt riefen die stete. Vva gheborn. V alle selten Ja got nich den Sternen die klame- . heydher eghen yndia .z buch in randan of .nt. Nv sage .u ghepriset tivre Brandan so lange mvste varn. Vnz daz ym got syne hohe gute wolte vmbarn. Do sprach der enghel tzv dem manne ghe- tivre Brandan wes ane gotes tzorn dv macht wol wider wn- gen Vnde merke wa tzwey vivr of gan .... tzwey ougen die in eynes oxsen houbete stan. Dye riechen ^) dyr eyn buch von syner TTtzvnghen. (21) \^ y -) namen dv has mich war ghesaget. Wiltn nv hören wye dv selde ist dir betaget. Daz man *; lies: reichen. *) lies: By. 9!^ K. MEYER e vander .tete Ez en .ban. Nicht rdhou wiscn nde ir keyn (19) .syncr bant. icf der qua .be wir an ezzen Vveiz gbcwant. (22) in gotes tou- .r kvnst hat zen Sie wa- . vt vnde stvn- e scrift was .Myt alle my nye durch phifer wol (20) es nicht ghe urch beschei .ghers. So .remdhe aben- dir hoher meistcrschefte iehet. Eyn wiser enghcl by dir gat. Der dynen tivbel so von dir geschey- dhen hat. Daz er dich widher höret noch en sehet Kartcnye leyte er an dich da von dir tichten leydhet. Doch ymmer an den vierdhen ta- ghen. Viir irret her dyn hohez synghen vnde saghen. Vnz daz yn aber der enghel von dir scheidhet. Saghe of dyne sele svnder wan. Ob dv des vierdhen taghes d}Ti tichten mvzes lan. Des soltu mir al hie tzv stvnt vur iehen Stet dir des loughenvnghe by. So wil man wenen daz ich nicht ein meis- ter sy. Der vurste mvz myt synen oughen sehen Vvie verre dir der tivbel gat die vier taghe in der Wo- chen Ich willes vur iehen offen eyt. Dv has al war by myner tru- wen sicherheyt. Da wart ghekla ghet er hete sich versprochen III, 145, S. 7. TTvie heldestu den enghel wert. (23) vJ Der da nach gotes heyze dyner seiden ghert. Vnde ouch vur argen valsche hat gheleyte Da mite dich der tivbel lemet. der dich teghelich of houbet svnde tzemet. Welich va ter wil synes kyndes selte breyte Vn- de der der volghe nicht nc hat der ist ein merterere Nv teyle dyn pater noster mite. Dynem enghele her be hütet dich in vater site. Eyn izlich kristen merke disse mere. (24) ^Tviez vm die phifer si ghetan. V vier hom die hohen edhelen an irme mvnde han. Der eyne re- dhete kegen dem wisen manne. BRUCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 93 Vnde ouch der abbet sprach ym tzv. Ir sült die phifen balde von de mvnden tv. Daz sy gheboten v. by mynen banne Der vraghe mag ich nicht vmpern waz divten dise basvne. Der enghel sprach an al len var. Dynen ban vorcht ich ni- cht als vm eyn halbez har. Wir horent hie nach eynes Wortes Ivne. (25) X^er abbet sprach tzvm engel -L^vry. Durch got nv saghe mir wie dem mere mvghe sy. Daz ir ke- gen eyme worte sten bereyte er*) engel widher den abbet iach. Do got daz anegenge myt synem mvnde sprach. Do hiez er vns mit disen hörnen beyte Vnz daz her spreche blaset of tete wir sie vö den mvnden Qvem vns daz wort den^) an der tzit. Gheloubet myr an aller slachte widerstrit. Syne hulde wir nymmer me ge- wynnen kvnden. (26) nr\er abbet sprach so we myr we _L/Sült ir kegen eyme worte dur- ch bescheyden ste. Vnz alle menscheit gar eyn ende ghewynnet Der engel an den abbet sach. Vz synem mvnde her senfte by dem hörne sprach. Dv redhes also der sich ni- cht wol vur synnet. Eyn strafen heyzes dv den tot den doch div sele mynnet. Daz vleisch lit eyne wile da nider. Tot. daz ezzent die worme dar nach kvmpt ez wider. Lib vnde sele dan nymmer ende gewynnet. (27) Xjlyn strafen X_J nennet myr dyn mvnt. Ob *) lies: Der. ') lies: dan. 94 K MEYER siv die sele mynnet daz ist myr wordheu kvnt. Ich habez ghemez- zen ir tzv manigem leydhe. Vvie sprichestu sie weiz doch wol. Daz der Hb tzur erdhe widher werden sol. So ghebirt in doch syn mvter ander weydhe. Nv ghekedenkes- tu wie sich voghele vnde vische des ases nveteu Vvie sol daz vleisch her wider komen. Swen dv erde hat ravnes hornes duz vurno- meu. Des meres grvnt. mvstez her wider byeten. (28) "VTv sprich of dyue sicherheyt. Xl Sol mich ghebere myn mvter saghe mirz anderwcyt. Synt daz dyn mvut die keyne lughe spri- chet Treit sie mich viertzich Wochen gar. alsam sie tete do mich ir reyne lib ghebar. Der engel sprach wisheyt an dir ghe- brichet Div erdhe adames mvt^ III. 145, S. 8. was ir sit ouch inder phlichte Vnde werdent als ir warent e. Sol ich viir dir in sorghen durch bescheydhen ste So vraghe ot vurebaz la dir berich (29) TPVo sprach der herre waz te -L'sol sy. Swen dv daz hörn er schellest vnde die selben dry. Dye ge- liche keghen dir sten in den ghebere Der engel sprach ich wil dir sagen. Swen so wir gotes tzorn mit disen ' hörnen klagen. Die engele storben ob sie menschen weren Got der ne wart nye keynen tzwelf boten also süze Ghehorten sie mynes hornes scal. Sie vrdchten ') algheliche synes tzomes val. Vnde vluhen gotes mvter vür die vuze. *) lies vnrchtcn. BRÜCHSTÜCKE MITTELHOCHDEUTSCHER DICHTUNGEN. 95 (oO) "VT^vaz trostes ravghen sie au ir V ghehan. Swen man so sich sie die goteheyt in tzorne stan. Vnde izslich luft ghemischet wirt myt vivre Dye wilde mach ich dir wol tzam. Gabriel da eyn wort von go- tes munde nam. Daz sprach er tzv der reynen meyt gehivre IVv wis ghegrüzet der seiden kynt der dich von erdlien machte Den kivs tzv kynde in meghede prys. her ne wil dir nymmer nicht vür sagen in mvter wis. Diz ist eyn süzer trost. Vwiltuz betrachte. , , vie ofte blestu in daz hom. Daz sage myr lieber herre gar an allen tzorn. Waz magich von dem ersten scalle sprechen Er sprach wiltu vmme der hörne ruft. Der dvnre wider slet sie in der wölken luft. Ir kighen riz mvz alle velse brechen. So wirt eyn vivr dan vz ghelan daz steyne vnde erdhe bren- net. Dye starken wynde nicht vur bern. Sie diezen daz ich dich ebenun- ge un bürgen wern. Vnd al div er- dhe gheliche wirt ghetennet. (32) T~\o sprach der herre svnder tzorn -L^Torst ich dir mvten daz dv weites in daz hörn. Eyn lutzel schel- le daz ich den dhon vür neme Der engel sprach mit guten siten. Die hei ligen vnde die engele torsten mirs nicht biten. Noch gotes mvter ob- sie myt in queme Der enghel sprach wer ich eyn mensch daz ich ir sterben kvnde Eyn wort were mich eyn dvnerslac. Ez mvz mir ymmer nuwe syn nacht vnde tac. Daz ichz ghehoret hau von dyne mvnde 96 w. scHüiki (33) ITVer edliele von der -I_/meusclielieyt. Sprach herre hau ich missetan daz ist myr leyt. Vnde stens vür dir in bezzeruuge pyne. Der engel sprach kan dich ghetzemen. Daz dv keghen dinre vraghe wilt bescheydhen nemeu. So ist dyn kouf vil bezzer wen der myne Div harfe hat vil süzen sanc swer kreuwer *) ir nach prise. |{istu der witze nicht eyn kynt. Ich han noch selten vil die vnghervret synt. Die suche wol myt vraghe bistu (34) XTwaz bedivtet vns wise. T daz erste mal. Daz woltich gherne wizzen rechte svnder twal. Ez mac wol syn eyn wunderliche spehe. Der engel sprach dv has al war. Sage al der werlde of mynen MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDEN- BRUCHSTÜCKE. I. Zcu gebene, daz ist dangnemickeit der enphangin gäbe, wann in deme selbien daz do fedirslagen lutet, so waz got dorynne lutende, wannen he der dangnemickeit zcu haut mit nuwer gäbe uffinbarende unde wedir bytende ; wann Elizevsz der . . . .'^) uffinbarunge entgynck, so hysz he om harffin unde von der suszigkeit des lutes so ted sich syn hercze ufF daz om daryn eyne lust unde froyde quam unde in der froyde gab sich om got unde uffinbarte om allis daz das he wyszen wolde unde solde. Der engil lysz ouch dy vittiche nedir uflf das pphi- satam unde bedutit uns do mete daz was dy stad do dy kynt von Israel phlagin zcu wartene gotis unde do he sich on zcu uffinbarende *; lies : kreuwet. ') Schrift vollständig zerstört. MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDENBRUCIISTÜCKE. 97 phlag vnde do stunt uffe dy arcke. By deszeme nedirlaszene by den vittechin syn wir gelart wy die kreffte sullin syn geschickit; wannen sy sich also geubit habin nocli alk^ deme daz sy vermögen , so sullin sy sich nedirlaszin unde entylin allir eygen macht unde sich mittenan- dir laszin ufF got waz he mit on wolle unde wurin unde worzcu . . . , . .^,. ._., ., . . ^) daz ist mal ubir unsere^) macht. By om ist geschrebin wer ist desze dy ^. .^..^) mete vor *) Mercket waz yndruckunge sy, daz daz ^) spricht sanctus Thomas: indruckunge ist erhebunge des gemutes pobin daz daz do eygin ist der naturen mit eyner ubirnaturlichen krafFt zcu eyme ubiruaturlichin ende. Unsir herre Jhesus Cristus spricht: du salt lieb habin dynen herrin got von ganczeme herczin, daz ist von ganczir vernunjfft ane errunge unde dy vornunfft vol gotlichir w^arheit unde usz ganczir scle, daz ist usz gan- czeme willin ane wedirstrebunge unde der wille vol gotlichir gute unde von ganczeme gemute daz ist von ganczeme gehugnisse ane vorgessin- heit unde dy'^'^ ;'".^ '/'/'. ^) gehugnisse vol gotlichin lobis unde eren unde von allin krefftin daz ist vol von stetir unde frisschir wackern donunge ane laszheyt unde daz lebin vol heilickeit unde hymmelisschir.wande- runge. Dy dingk hyndirn den menschin an gotlichir liebe ^ daz erste ist eyne snelle zcunge czu unnutczin wortin, daz andere ist eyn tregin lyb zcu gotis dinste, daz dritte ist eyn unordelich hercze zcü heyligen gedanckin, wortin unde werckin. Unsir lieber herre Jhesus Cristus spricht: wer noch mir komen wulle, der vorloykene syn seibist unde neme uff syn cruce unde folge mir noch etc. Eyn meister spricht: is en ist nicht wirdiers danne daz eyn mensche folge addir gehorsam sy syneme schepphere. Nu spricht Beda von sebin fusztaphhin sundir- lichin in deme volkomen lute unsirs herren Jhesu Cristi noch folofcn sullin. Der erste ist eyne ordenliche sachsamkeit vorgenclicher dinge, der andere ist, daz man syn selbis ere nicht begere, der dritte ist, daz man begere zcu lydene durch dy gerechtikyt, dy') ist, daz man von nymande ubele spreche, der funffte ist, daz man luten daz beste spreche, der sechste ist, daz man gotis cruce®) swer sy an om selbir; seth so wirt is doch gar senffte unde sere suse zcu tragene, alfee man is ebene in unsirs herrin cruce sencket unde sich om genczlichin leszit und sich befelit an gotis hant, in der dy sele der rechtin syn, da sy keyne *) Siehe pag. 99 Anm. 1. ^) unsere ist Conjectur. ') Siehe p. 99 Anm. 1. *) Siehe p. 99 Anm. 1. ^, Wohl eine fehlerhafte Wiederholung. ^) Lücke durch Abschneiden entstanden. ') Hier fehlt das Wort „vierte" oder noch mehr. ^) Auch dieser Satz scheint nicht vollständig zu sein, [man ist wohl zu streichen.] GEKMANIA. Neue Reihe VI. (XVm.) Jahrg. 7 98 W. SCHUM schedeliche ipyne bcriireu mag. Als spricht dy schritt, unde trocz ioch alhn creaturen daz sy om ioch eyn har tun'eu krummen, got vorhinge is dannen on zcu groszem gute. Alse he selbir spricht: wes forchtit ir uch, alle dy har uwers houbtes syn geczalt etc. Daz dritte cruce daz do gotis frunt uff sich nemen sal daz hat ouch vier orte. Der nedirste ort ist e}Tie grundelosze demutikcit in deme sy nicht also tyeff undir got gesingken kunnen, als sy gerne woldiu, abir der ubirste ort wechset in eyner ... n. 1 Bclczebugk byn ich genant, Mvnen gesellin ben ich wol bekant; Dy lute ich ubirwinde, Or gebete ich gar vorslynge, 5 Ich mit on allin vechte Unde alle myn geslecbte. Kevner dich ubirvvindin mag, Wannen du bist mir eyn wedirslag. Ou we mvnes gesellin ! 1 0 Gut kt dure gefelle. Ich forchte sere des cruczes macht Und sehe an dir dy gotes krafft; Du hast mir myne craft benomen. Margaretha dy sprach : von wannen bistu komen? 15 Der tüfil sprach: ich kan die luthe machin Beyde weynen und lachin , Das sy gotes wol vorgessin Mit trinckin und mit essin , Daz on dy wäre wiszheit 20 Werdit io von herczin leit. Su slafin adir wachin, Von mir sy alle trachtin, Ich vechte mit on aliin , Etliche mir wol gefallin 25 Dy do habin dynen mut, Daz duncket mich vil gut , Nicht volgin sy myner lere, Domete sy gerne ich wolde bekere: Dorumme flye ich von oren bandin 30 Hy und in allin landiu, Daz ay mir icht legen sulche pyn Also mir von dir ist geschien. Eya Juncfrouwe sancta Margareta, Dynen orlob wolde ich gerne ha: 35 Du twingest mich so sere, Mir werret dannoch mere: Dy muter unde der vater din Dy synt beide wurdin myn: Wiltu vechten wedir mich, 40 Thu is nicht, daz bete ich dich. Do sprach dy reyne wolgestalt Sage mir von wes gewalt Vichtestu den menschin an? Der tufil sprach czu der mayt wol getan 45 Daz ich frage daz berichte mich : Wy ist got komen in dich ? So sage ich waz ich weisz dir Ab du wedir sagist mir. Dy Juncfrow sprach wedir do: 50 Neyn er tufil, nicht also. Dy rede mogit ir wol vordagen, Ich enthar uch nicht werdikeit sagin, Ir ensoUit nicht wissin dy werdikeyt Dy got selbir an mich hat geleyt."* 55 Der tufil sprach: unsir herre sa- thanas Vil hoch in dem hymmel sasz, He wart do von vorstoszin Mit andirn synen genoszin. Wiltu wissin wer wy weszin , 60 So saltu dy buchere leszin: So erfare-stu wol mit rechte Von alle mynen gesiechte. Ich tar dyr nicht zcu sprechin mee. Ich se gote by dir stee 65 Mit allin engiln werlich. Margareta, ich bete dich, Lledie mir die bant. So sage ich dir zcu hant: 4 L vorslinde. 10 1. dirre. 52 1. dy werdikeit. MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDENBRUCHSTÜCKE. 99 Salomon eyn koning waz, 70 Der sloysz in ejn beslossin vaz, Mit syneu listen tcd lic daz, He Tvaiff uns uff daz mcr dorch sy- neu hasz. Do qnomen dy von l^abylonia, Sy dachten sy fundin güldene 75 Sy slugen zcu haut uff daz fesselin, Do wir warin geslossin yn ; Do wurdin wir irlost, Dy werlt liabin wir vorbost. Su sprach : vertiuclit systu ! 80 Hab mynen orlob nu. Der tufil wart fro zcu hant, In dy erdin he vcrswant. Olybrius hysz Margareten brcngin, He enwolde is nicht me lengin. 85 Do sy U8Z dem kerckore gyngk, Das crucze sy vor sich ving. He sprach hy mag nicht weszin an, Opphere mynen goten san. Su sprach : du soldist dy warheit bekenen , 90 Du soldist got unde synen namen neuen , Der dy gute geschaffin hat; Daz duchto mich der beste rat. Nu bistu leydir wurdin Von gote vorterbit in sundin. 95 Olybrius hisz dy knechte syu Daz sy dem schonen megetin Die vorstchendoii Bruclistückc einer deutschen mystischen Prediirt und einer ii^ereiniten Legende der lieiHgen iMargaretha stellen aul' zwei dem Erfurter Stadtarchive gehörigen l\^rgamentbhittern, di(^ friilier den Uuischhig eines Zinsregisters des großen llospitales dort aus den Jahren 1604 bis 1611 bildeten M- Si(^ möofen einem Lectionarium Tetin alle ore cleide blosz. Ir was der lib wisz als eyn slosz. He hysz sy wol irczornon, 100 Mit lichtin fackeln burnen. Do brauten sy dy schone mayt, Gote sy oren iammcr claA't: Myn lyb unde myn herczin Burnet von den smerczin 1 05 Daz ich von sundin .... Und von der helle rost irlost. Der grefe sprach: *Margarcta, Volge noch mynem rate na. Du bist betrogin mit des tufils lyst.' 110 Su sprach: er grefe, ich enthu syn nicht, Got hat an mich geleyt Syne gute gar wyt undo breyt. Der grefe hisz do schencken , Dy mait wolde he ertrencken. 115 He lysz brengin eynen bot ich grosz, Vol wassirs man on gosz. Ore fuszc und ore hende Dy baut man zcu molc sere ane ende. Do sach sy den hymmol an, 120 Su sprach \Vm rieh ist wolgetan , Lledie mir mync baut, Daz thu herre alczu hant. Daz wassir sy myne touffe, Der tufil von mir louffo. 125 Sende mir den heiligen geist, Daz bete ich dich allirineist. 70 1. sloiz uns in. 74 1. golt da. 91 I. gote. 9Ci f. 1. daz schone mege- tin — or cloidcr. 105 f. 1. werde irlost unde von der helle rost. ') In Eolge des längeren Handgebrauches sind namentlich die äußeren Seiten — die erste Hälfte der Predigt und die zweite Hälfte der Legende — in der Schrift sehr beschädigt, doch ist es mir mit Hilfe chemischer Reagentien gelungen, den Text bis auf die oben angemerkton Lücken wiederherzustellen. Conjecturen sind ebenfalls besonders augedeutet; einzelne Buchstaben, durch Wurmstiche und Ausschnitte des Buchbinders vernichtet, habe ich ohne Weiteres ergänzt. 7* 100 W. SCHUM entstammen imd in der Reformationszeit aus einem aufgehobenen Kloster, dessen Güter jener milden Stiftung einverleibt wurden — viel- leicht aus dem I^Iarieuknechts-Kloster — dorthin gelangt sein. Die Schrift beider weist uns auf den Anfang des 15. Jahrhunderts, die Sprache auf Mitteldeutschland und in Sonderheit auf Thüringen, sie erinnert in ^^elen Beziehungen an die thüringische Chronik des Johannes Rothe, deren Eigenthümlichkeiten in dieser Zeitschrift bereits mehrmals und eingehend besprochen wurden. Aber während wir die Abfassung der Predigt wohl auch gleichzeitig mit ihrer Niederschrift^) anzusetzen haben, scheint der Legende wohl ein höheres Alter beigemessen wer- den zu müssen"). Was die äußere Form der Handschrift betrifft, so ist nicht unbeachtet zu lassen, daß die Verse der Legende nicht ab- gesetzt sind, wohl aber deren Anfangsbuchstaben roth angestrichen — wie auch einzelne Namen und Buchstaben in der Predigt in gleicher Weise dui'ch Unterstreichen hervorgehoben werden — und der Schluß derselben zum größeren Theile durch kleine trennende Doppelstriche bezeichnet ist^). -y^'^'^ ^-^^i« "^'■>' '/- -»-jj^i-' «-«i--^ Besonders eigenthümlich indeß wird die vorliegende Version durch ihr Verhältniss sowohl zu der im „Sauctuarium" des Mailänders Boni- nus Mombritius (II, 103 — 107)^) enthaltenen lateinischen Fassung als auch zu einigen der bisher bekannten und veröffentlichten deutschen Behandlungen dieses Stoffes, nämlich dem „Sand Margreten püechlein" (Haupts Zeitschrift I, 152 ff.), der im 3. Buche des von Köpke her- ausgegebenen Passiouals enthaltenen Legende „Von sante Margareten einer iuncvrowen", vor Allem aber zu jener „Sante Margareten Marter", die Bartsch nach einer Prager Handschrift des XV. »lahrh. in der Ger- ') Freilich scheint sie auch keine Origiualhandschrift, sondern eine Abschrift zu sein, denn es finden sich Wiederholungen wie Auslassungen von Worten vergl. oben p. 97 Anm. 9 und 5, 7. Bei mehrfacher Durchsieht der von Fr. Pfeiffer herausgegebenen Werke des Meisters Eckhard habe ich dieß Bruchstück nicht unter denselben auf- finden können, bin aber um so mehr in der Vermuthung, daß auch diese Predigt von ihm herrühren könne, bestärkt worden. ') Die unreinen Reime {rnacht : hrafft 11, wachin : trachtin 21, vmrdin : sundin 93, li^t -.nicht 109) weisen auf das 14. Jahrhundert, die mundartlichen Reime, namentlich die apokopierten Infinitive (vorslinde 4, hektre 28, hd 34, .st^ 64j, femer hrengin (: len- gin 83), genehm part. für geschehen (: ptn 32), Lumen für brennen (: irzomen 100), auf Thüringen. ^) Vgl, Germania IV, 462, womach sich diese Eigenthümlichkeiten im XV. Jahrh. nur dann finden, wenn eine mechanische Copie eines älteren poetischen Werkes, viel- leicht aus dem XII. Jahrh., zu vermuthen ist. *) Nach Wattenbach ca. 1475 erschienen und des unveränderten Abdrucks alter Handschriften wegen belobt. An die Texte der Acta Sanctomm (Juli 13) und den L. Surius, de probatis sanctomm vitis, Cöln 1618 finden eich nur äußerst geringe Anklänge. MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDENBRUCHSTÜCKE. 101 mania IV, 440 — 471 veröffentlichte und zu der J. M. Wagner in Wien Germania VI, 37G — 379 die Abweichungen einer Klosterneuburger Handschrift zusammenstellte *). Die Selbständigkeit resp. die Abhängig- keit der Erfurter Handschrift von den übrigen näher zu bestimmen und zu verwerthen, soll nun hier in kurzen Zügen versucht werden^). Das vorliegende Bruchstück (E) führt uns in den Anfang der Unterredung zwischen der Heiligen und dem Teufel, der ihr während der Kerkerhaft erschienen, von ihr jedoch durch das Zeichen des Kreuzes besiegt und gefesselt ist. Er bittet um Freilassung, die ihm Margaretha jedoch nur gegen Angabe seiner Herkunft und des Ur- sprunges seiner Macht zugestehen will. Hierauf antwortet der Teufel E 1 und zwar mehr übereinstimmend mit M: „Beelzes mihi cognomen est post Beizebub", als mit B,: 421/2 ich heize Belial, ouch Belezepuop ist min mal. Während hierauf Vers 2. 3 E als selbstständig zugesprochen werden muß, entspricht 4. 5 völlig dem oben bei M sogleich anschließenden: Ego multorum justorum labores in ventrem meum conglutivi et ego contra omnes pugno, wo B, freiere Wendungen, nur 'ich vichte mit in allen' wörtlich hat und durch Vers 425 'und seit ir arbeit' an die „labores" erinnert. E 6 — 8 scheint einestheils wiederum eine verschobene Auffassung, anderntheils eine Nachahmung des 'et nullus me potuit vincere, tu autem virtutem meam confregisti' gegen eine auffällige Abweichung von B, za sein. So kann auch nur E 9 auf M 'occidisti Ruffonem' — den der Margaretha vorher als Drache erschienenen Teufel — bezogen und die dunkele Fassung E 10 als eine mißlungene Übersetzung des lateini- schen '(nunc quia video in te Christum manentem), facis quod tibi placet' angesehen werden. Deutlicher zeigt sich dieß letztere Verhältniss in E 11 — 13, in denen wir die bei M noch durch einzelne Bemer- kungen getrennten Sätze, wie: „altam in te video formam, et signum Christi in te ostenditur; cum ipso signo vicisti me et per ipsum Ruffo- nem occidisti, per quem et alligasti me; Christus ergo requievit in tc per cuius sigillum colligasti me" etwas freier und gekürzt wiederfinden. Enger schließt sich zwar noch B, 430 — 34 an den lateinischen Wort- laut, fällt aber doch in 430: „du hast mir benomen min chraft" ganz mit E 13 zusammen. E 14 folgt nun eine Zwischenfrage der Marga- *) Der Kürze wegen bezeichne ich dieselben mit M, H, K, B und B„. [Dazu kommt die Margaretha Wetzeis Germanist. Studien I, 1 ff.] ') Gar keine Verwandtschaft besteht auch mit der nach Kölner Drucken von 1513 und 14 von Oscar Schade in den ..Geistlichen Gedichten vom Niederrhein" ge- gebenen Bearbeitung der Margarethenlegcnde. 102 W. SCHUM retha nach der Herkunft des Teufels, die B, und M fehlt, der Teufel fährt bei ihnen gleich in einer mit E 17 ff. übereinstimmenden Weise fort seine !Macht zu schildern. Das geschieht auch in den beiden an- deren Bearbeitungen, wo jedoch auch erst hinwiederum eine Frage eingeschoben ist. H 51 1/2 'Nv sag mir pey Jesum christ, All dein schünt- tung vnd list', K 331, 8 ff. *nu saltu mich wizzen lan, durch waz ir ubelen geiste mit böser volleiste die Christenheit so reizet'. Hier passt dann doch wenigstens die Beantwortung auf die Frage, was in E nicht geschieht, sondern der Teufel mit Schilderung seiner Macht auf die Frage nach seiner Herkunft antwortet. Umgekehrt findet etwas später ein entsprechendes ]Mißverhältniss statt. Denn sondert man E 44—54 als zwei sich erledigende gegenseitige Einwürfe aus, so folgt in E 55 die Antwort auf E 41 — 43, aber auch hier nicht die vollkommen pas- sende, sondern wie oben der Teufel mit der Schilderung seiner Macht auf die Frage nach der Herkunft antwortet, erwiedert er hier mit dem Berichte der letzteren auf die Befragung nach seiner Macht. Wären nicht E 13 und 14 durch die beiden Reime zusammengehörig, so möchte man annehmen, daß eine einfache Verstellung der Verse stattgefunden habe, vielmehr scheint deühalb wohl mit gutem Grunde vermuthet wer- den zu müssen, daß der Verfasser bei seiner Absicht, die Lebendigkeit dui'ch neue Zwischenreden zu heben, doch einen zu geringen Reim- vorrath besessen und diesem zu Liebe sich zu solchen Ungenauigkeiten in Frage und Antwort habe hinreißen lassen. Die Ursache zu dieser Verwechslung mag vor Allem darin gelegen haben, daß der lateinische Text an einer E 40 — 43 entsprechenden Stelle allerdings eine doppelte Frage: „cnarra mihi genus tuum inique, quis te genuit" und „vel quis te praecepit in sancta opera insidiari," letztere aber mehr beiläufig, enthält. Der Autor von E indeß, in der Absicht, nach dem Vorbild vielleicht von H und K hier eine Zwischen- rede einzulegen, ergriff gerade die Hauptfrage und versetzte sie an die frühere Stelle, wo sie nun sowohl wie die an der späteren Stelle allein zurückgebliebene Nebenfrage nicht mehr in der richtigen Verbindung mit den Antworten sich befinden. Mit Ausnahme von Vers 18 verräth E 17 — 24 eine gegen das Ende immer stärker werdende Abhängigkeit von M: obcaeco oculos eorum et obscuro sesus eorum, et facio eos oblivisci omnem caelestem sapien- tiam, et cum dormierint venio super eos et excito illos a somno . . . et quos non possum de somno movere, facio in somno peccare et qua- cunque sorte ventillo eos, ut mihi placet, .... et cum omnibus pugno. Bei B, klingen nur die Verse 436/7 „die rehten ich betoere, ich trüebe MITTELDEUTSCHE PKEDIGT- UND LEGENDENBRUCHSTÜCKE. 103 ir gelouben (B„ hercze, sin vnd augen^ offenwar vnd tawgen) sowie Vers 441/2 „ich trüebe die Hute slafiuide vnd miic si oiicli wachunde" an den lateinischen Text an, während H eine ganze Reihe andere Laster aufführt, durch die der Teufel die Menschen Gott vergessen macht, dabei aber doch das Essen und Trinken (E 18) nicht bringt. Es erscheint dies somit wohl als eigene Zuthat von E. Dasselbe gilt auch von E 26 — 28, nicht aber von E 25, der vielmehr, ebenso wie 29 — 32, diesen zugleich eng angeschlossen, in weiterer voller Abhängig- keit von M steht: nam qui tibi similes sunt, confusus et vacuus ab eis discedo, quemadmodum a te hodie, o beata Margareta, superatus sum. Erst die nun bei M folgende Schilderung der Angriffe des Teufels auf die nicht vollendeten Frommen sind nicht in E und K hinüber- genommen, auch nicht nach H und B, wo nur Vers 443 — 446: „al min chrafft nu liget, mir hat ein dierne angisiget; ich biete sin niht schände genomen, ob mich ein man biet überchomen*' auf ein näheres Verhältniss zu M: „arma mea confusa sunt, vel si juvenis nie vinceret non curassem: ecce a tenera puella superatus sum" deutet. Trotzdem nun E 34 ein eigeuthümliches Einschiebsel dieser Bearbeitung, zeigt sich schon in dem „Eya" 33 und „du twingest mich" ein offenbarer Zusammenhang mit jenem „ecce" und ,, superatus sum,"' der in E 36 — 38 wieder zur vollen Übersetzung von M: „et in hoc doleo quia patervct mater tua socii mei fuerunt" übergeht. Wenn M hier nun noch fortfährt „et modo ista adversus generationem meam surrexit," so trifft dieß dem Sinne nach vollständig mit E 38 und 39 zusammen und differiert nur in der etwas erweiterten Form. B, obwohl Vers 447 — 54 etwas freier, hält sich am Ende doch wieder an die in E nicht berücksichtigten Ausdrücke des lateinischen Textes: 0 mirandum qua filia tenera superavit (o wc welich ein wunder, daz ein magt besunder) patrem et matrem et omnem generationem suam (allez din chünne) . . . liget daemones (mac uns tievelin angisigen) . . . a puella superatus sum (daz muoz ich dir underligen). So wenig E 39 und 40 in den Zusammenhang passen, so wenig sind sie in einer anderen deutschen oder lateinischen 'Bearbeitung als nur in der vorliegenden enthalten. Über Vers 41—43 ist bereits das Nöthige oben bemerkt und vom Folgenden bis incl Vers 49 lässt sich leicht erkennen, daß es mit Ausnahme von Vers 44, der besonders leb- haft au B, 484 „do sprach diu mnget wolgetan" erinnert, fast wörtlich die Rede des Teufels: „die mihi Margareta . . quomodo ingressus est Christus in te, et ego dicam tibi opera mea omnia" enthält, ebenso auch in Vers 52 — 54 die Antwort der Heiligen: „Non mihi licet haec 104 W. SCHUM tibi nimtiare, quia noc digniis es aiidire vocem meam, gratia enim Dei sum, quod siim. Vers 50 uud 51 sind Zusatz unserer Handschrift, und zwar der erstere ganz selbständig, während der letztere nur auf eine neben der Übersetzung des lateinischen Textes hergehende eigene gleich- zeitige Benützung einer der anderen deutschen Bearbeitungen, wohl B, oder B„ zurückzuführen ist. In den letzteren heißt es nämlich Vers 456/9: „unde muoz ouch stille dagen, ich sihe pi dir Jesum Christ, dem du ergeben pist, ich fürchte in sere," und werden somit, da hier nicht, wie in E und ^I eine Zwischenrede der Margaretha einfällt, diese Worte nicht nur dem Teufel in den Mund gelegt, sondern auch mit dem bei M später kommenden ähnlichen Ausrufe desselben: „ego non ausus sum loqui tibi, video Christum circa te ambulantem et contremisco" verschmolzen. Dem folgt natürlich möglichst sorgfältig die Bearbeitung E in Vers 63 und 64: ich tar dyr nicht zcu sprechin mee, ich se gote by dir stee. Findet somit der doppelt in E vorkommende Vers: „ich enthar uch nicht werdikeit sagin" und „ich tar dyr nicht zcu sprechin mee" seine Begründung in dem lateinischen: „non licet mihi haec tibi nuntiare" und „non ausus sum loqui tibi," so fehlt doch immer die Quelle flu' das „dy rede mogit ir wol vordagen," wenn sie nicht eben, wie also augenscheinlich, in dem Vers 456 „vnde mouz ouch stille dagen" der Bearbeitung B, oder dem „vnd muzz nun furbas dagen" von B„ zu erblicken ist. Von dem zwischen diesen beiden Reden liegenden, die Vertrei- bung des Teufels aus dem Paradiese behandelnden Theile des Gedichtes findet sich mit Ausnahme einer kurzen Andeutung von K, womit an einer früheren Stelle 331, 17 ff. die Nachstellungen des Teufels gegen die Frommen motiviert werden, in den anderen deutschen Versionen keine Notiz; ebenso fehlt diese Stelle in manchen lateinischen Texten, nur in M nicht. Dieser enthält vielmehr in den Worten: „Sathanas rex noster est, qui projeetus est de paradiso in aerem . . ., in libris tarnen Januae et Manbrae invenies genus nostrum, scrutare et vide", und der oben citierten Stelle „ego non ausus sum etc." und „peto te agna Dei relaxa me modicum, ut vivum verbum loquar tibi" die genaue Vorlage für E 55 — 68, die nur Vers 58 etwas umschrieben, Vers 65 durch einen kleinen Zusatz unterbrochen ist '). ') Beiläufig mag hier bemerkt werden, daß die anscheinend Idermit im Wider- spruch stehenden Verse 461 — 66 in B, : so pite ich dich, daß du besliezest mich in die gruntlosen helle, da ich immer inne müze twellen, daz ich müeze gevehten mit chiuschen vnd mit rehten," doch auch ihre Grundlagen im lateinischen Texte gerade an dieser Stelle finden: adjuro te (Marg.), ne me planius de animo ejicias, sed magis liga rae in manu terrae usque in vita tua, ut non pugnem cum justis neque adversus te. MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDENBRUCHSTÜCKE. 105 E 69 — 78 berichtet nun von der Einschließung der Teufel in ein Gefäß durch König Salomo und deren Befreiung durch Babylonier, worin die Hauptpunkte der lateinischen Erzählung: „Nam Salomo in vita sua inclusit nos in uno vase .... et invenientes homines Baby- loniae putaverunt aurum invenire et fregerunt vasa et tunc nos laxati implevimus orbem terrarum" enthalten sind ^). Merkwürdig dürftig fällt aber der Schluß dieses Abschnittes bis Vers 82 gegen den reichen lateini- schen Text aus; kaum daß die Sätze: „sancta Margareta respondit: Daemon inique obtumesce et terra suscepit eum" benutzt sind. Obwohl sonst in der Behandlung fi-eier, zeigt hier sowohl B, als K engeren Anschluß an M. Daß die Teufel nach Salomos Tod Feuer aus dem Fasse ausstoßen, ist sonst nur in B, und K übergegangen. Das „orbem implevimus" ist bei B, genauer mit „wir fuoreu in die werlt san" als auch das „die werlt hebin wir vorbost" in E wiedergegeben. Auch die von dem letzteren ganz unberücksichtigt gelassene Stelle des lateinischen Textes: „sile et hoc iam non audiam verbum ex ore tuo: et consignavit eum in angulo carceris" findet sich fast ausschließlich und wörtlich in B, Wxcder. Noch auffälliger aber müssen gerade an dieser Stelle Beziehungen sein, die zwischen einzelnen selbständigeren Wendungen von E mit K obwalten. So weist E 71 auf K 331, 39 und 40: „er hete in wiser volleist, beslozzen maniges tuvels geist," sowie E 81 auf K 331, 77 „und was der ledegunge vro". Auch in den neuen Abschnitt, der den Anfang der eigentlichen Marter enthält, zieht sich zunächst bis Vers 91 das alte Verhältniss zwischen E und M, wo es heißt: Altera die jussit praefectus beatam Margaretam adduci et cum exiret de carcere consignavit corpus suum signaculo Christi . . .; praefectus dixit: Margareta consenti mihi et adora deos meos . . ad quem Margareta respondit: te decet, prae- fecte, meum Deum adorare et Christum filium eins ut araicus sis pro- phetarum, si dignus es. Freilich schließen sich aber hier einmal andere deutsche Bearbeitungen näher als E an M an. So schreibt H 531/2: Do hyes der wüetreich mit grymmen, dy magt für in pringen; B, 491 gibt wenigstens das „altera die" durch „des margens do ez taget" wie- der, während B„ 492 genauer nach M: „dem rihter pracht man die maget" als B, „dem rihter fuorte man die maget." Femer findet sich die in M erwähnte Anwesenheit und Theilnahme von Zuschauern nur in K 331, 86 — 93, allerdings ziemlich frei, benutzt. Andererseits zeigt *) Auffällig ist vielleicht, daß B, „vas'* mir mit „glas," B„ einmal mit „vaz" und einmal mit „glas,'' E nur mit „vaz" und „feszelin" übersetzt. 106 W. SCHUM sich aber auch eine auffälHge schwankende Wechselbeziehung zwischen den einzelnen deutscheu Bearbeitungen. So hat E 84 sonst keinen wei- teren Anhalt als in K 331, 84 „daz er wolde groze not legen an sie unz uftin tot:" forner E 87 „hy mag nicht weszin an," wohl nur in H 554 „dw must im nur wcscn pey," und E 91 und 92, wo uns die lateinische Grundlage im Stich lässt, zu H 560 ff.: „das du nuer den schepffer mein noch nicht erchenuen wilt, du pist des layding teufeis pild, ia wirt mein vil guet rat." Deutlicher ist natürlich noch die Ver- wandtschaft von E 86, 88 und 92 mit einer früheren Stelle in B, (295) „daz chriuze si für sich tete" und hier mit 497/8 „daz si sin got an paete; si chert sich niht an sin raete." So ängstlich sonst sich auch nun E an M als Vorbild anklammert, so lässt sich in der letzteren doch keine Stelle nachweisen, die für E 93 4: „Nu bistu leydir wurdin von gote vorterbit in sundin" hätte als Grundlage dienen können. M sowohl als B, und B„ gehen sofort zum Bericht der Feuermarter über, nur bei H ist die Rede der Marga- retha etwas länger ausgesponnen, wobei namentlich die Verstocktheit des Olybrius und seine gewisse Verdammung hervorgehoben wird (565 bis 68: dw verst aber an zweyfel gebyss, in dj ewig vinsternüss, vnd jnn dj ewig helle, der tyefel ist dein geselle). So gering die Ähnlich- keit der Worte, so drücken sie doch denselben Gedanken wie jene Verse in.E aus und liegt daher wohl nicht fern zu vermuthen, daß die lateinische Quelle von E um jene Verse vollständiger als M gewesen und eine dieser ähnlichen auch H vorgelegen habe. Freilich weicht im Folgenden H gleich bedeutend von M wie von den anderen deutschen Texten ab, sie kennt keine getrennte Feuer- und Wasserraarter, sondern verschmilzt beide zu dem Versuche des Olybrius, die Margaretha durch heißes Wasser zu tödten. Die anderen Bearbei- tungen, K, B und E bestreben sich dagegen, auch hier die lateinische Vorlage möglichst getreu wiederzugeben. Der ganze Wortlaut derselben: Praefectus dixit: „Expoliate eam et in carcere suspendite et incendite eam lampade ardente; quaestionarii itaque fecerunt et comburabant corpus oius, et ipsa orabat, dicens: ure dominus renes meos et cor meum, ut m me non sit iniquitas" kehrt vor Allem E 95 — 106 wieder. Wenn rt'ber der Verfasser derselben einerseits z B. das „suspendite eam in carcere" (B„ er hiez si uf pindenj ausstieß, so daß es scheint als habe die Marter unmittelbar vor dem Richterstuhle des Olybrius statt- gefunden, so gefällt er sich Vers 96 — 99 und 106 in eigenthümlichen Ausmalungen, von denen die eine, Vers 97, allerdings ganz gleich lautet mit K 332, 98 „man machte sie der kleidere bloz." Auch in der MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDENBKUCHSTÜCKE. 107 Wiedergabe des „ardente lampade" steht K 333, 2 burnde vackeln den „lichtin fackeln burnen" von E am nächsten, und B„ mit „mit fachein vnd mit pech" näher als B, „mit wallunden pech". Das sich hieran E 107 — 112 schließende Zwiegespräch des Oly- brius und der Margaretha wird in den anderen deutschen Bearbeitungen völlig übergangen. K enthält 331, 90—93 kaum einen Anklang daran, bei B vermitteln zwei ganz unabhängige Verse „do daz niht gefrumen mähte, er stuont und betrahte." In den Hauptmomenten bleibt aber auch hier die Herleitung von E aus M ersichtlich: „Praefectus dixit: consenti mihi et sacrifica diis, cui illa: non consentio nee adoro deos surdos et mutos, non eüim poterit diabolus vincere castam puellam, consignavit enim omnia membra mea Christus." Kürzungen und Weite- rungen sind indeß natürlich- bemerkenswerth vielleicht die Greschicklich- keit, mit welcher das „non enim — puellam" durch eine Behauptung des Olybrius und eine Entgegnung der Margaretha wiedergegeben wird ^). Größere Selbständigkeit scheint in E 113 und* 14 zu bestehen, denn nur in K finden sich die etwas anklingenden Verse: 332, 6 u. 7 nu wolde man si villen ein teil mit langsamer not. An der entsprechen- den Stelle in M gehen erst die Spccialanordnungen der Wassermarter voraus, ehe es heißt: „jubet . . . ibi eam mortificari." Diese ein- gehendere Schilderung ist erst in E 115 ff. enthalten. Gleich nahe fast steht aber hier auch B, 511 — 14: „er hiez pringen ein potigen groz, die was wazzers überdoz, hende und füeze man ir pant, man warfs in die potigen ze haut" dem bezüglichen lateinischen Texte: Jubet itaque praefectus afi'erri vas magnum plenum aqua, ligari pedes et manus beatae Margaretae et ibi eam mortificari; quaestionarii ^) itaque fecerunt, sicut erant docti. Dieß Verhältniss möchte uns aufs Neue auf die bereits angedeuteten Beziehungen zwischen den ver- schiedenen deutschen Bearbeitungen hinweisen, namentlich scheint E nicht ausschließlich aus M, sondern nur unter gleichzeitiger Benutzung einer deutschen Version und zwar einer B am ähnlichsten hervorge- gangen zu sein. Das nun beginnende Gebet der Heiligen übertrifft an Umfang bei M die sämmtlichen anderen Bearbeitungen, indem sich vornehmlich *) Auch hinsichtlich der Würde des Olybrius hält E stets an dem Ausdruck „Graf" für das „Praefectus" und „Praeses" von M fest, während K und H meist die Bezeichnung „Herr," B „Richter" gebrauchen, oder in Ausdrücken der Verachtung „valant, wüthrich" sich bewegen. *) Sie werden in E und B nicht besonders erwähnt, es tritt vielmehr unpersön- liche Congtruction ein. H dagegen bedient sich des Ausdruckes „dy chnecht". « 108 "W-. SCHUM einige wenige Gedanken in mannigfachen Wendungen wiederholen. Der Hauptsache nach in den Worten: „Beata Margareta aspiciens in ^ coehim dixit: doraiue, qui regnas in aeternum, disrumpe vincula mea .... fiat mihi haec aqua fons baptismatis indeficientis .... veniat super me sancta tua cohimba spiritu sancto plena .... expolia me veterem hominem" enthalten, kehren sie fast Wort für Wort in E wieder. Eine Ausnahme nur machen Vers 120 und 126, der letztere ein E wohl selbständiger, aber sonst höchst gewöhnlicher und nahe- liegender Schlußreim, während der andere uns wieder auf die Be- ziehungen zu B, und B„ führt. Hier ist es im Gegensatz zu der zuletzt erörterten Stelle B„, die in Vers 517/8: „her din reich ist an ende, nvn laz mir deyn gepende" sich strenger an das lateinische „qui regnas in aeternum" hält, als E 120: „din rieh ist wolgetan" und als das noch viel ferner stehende B, 517/8: .,anevanch vnde ende, nu loese mir min hende". Umgekehrt stellt sich der Handschriftenconnex be- züglich E 124^ wo ersichtlich, daß der Verfasser derselben nicht ganz aus eigenem Geiste darauf kommen konnte das „expolia me veterem hominem'^ mit „der teuül von mir louffe" wiederzugeben. Eher scheint ihm auch eine deutsche Vorlage zur Hand gewesen zu sein, die ihm den Ausdruck „laufen" zuführte, was dann nur B, in Vers 522/4 „daz min lib lazzer, darinne werde getoufet, so wirt die sele der helle ent- loufet" gewesen sein könnte, da hier B„ am Schlüsse in „so wir dye sei dve hell berawbt" variiert. Ob mit E 126 hier auch schon der Abschnitt über die Wassermarter der Heiligen seinen Abschluß ge- funden, lässt sich auf keine Weise entscheiden; es ist wenigstens kein zwingender Grund vorhanden nach dem Sinne der Schlußverse anzu- nehmen, es sei hier auch noch, wie B und M übereinstimmend thun, die Selbsttaufe der Margaretha im Namen des dreieinigen Gottes be- richtet worden. Durch das Abbrechen unserer Handschrift an das Ende der Ver- gleichung geführt^ mögen die bereits angedeuteten Resultate derselben hier wohl einmal kurz zusammengefasst werden. So eng wie keine der deutschen Behandlungen der Margarethenlegende schließt sich die Erfurter Handschrift an den lateinischen Text, sie ist im Wesentlichen nur eine versificierte Übersetzung desselben und wenn wir auch hie und da Abweichungen von demselben begegnen, so sind sie im Wesent- lichen entweder durch die Reimverhältnisse bedingt oder durch das Streben die Ausführung in Rede und Gegenrede zu beleben, gewisser- maßen ein wenig zu dramatisieren, hervorgerufen. Aber die Hülfsmittel des Erfurter Autors waren nicht einzig auf jenes lateinische Vorbild beschränkt; ihm muß daneben auch noch eine Bearbeitung in der Mutter- MITTELDEUTSCHE PREDIGT- UND LEGENDEN BRUCHSTÜCKE. 109 spräche zur Verfügung gestanden haben. An mehreren Stellen lag es offen zu Tage^ wie es ihm nur mit Hülfe einer solchen gelang, sich den Sinn des fremden Textes klar zu legen und in die erforderlichen Formen umzuschmelzen. Die freiere deutsche Behandlung war es viel- leicht, die ihm nicht genügte, mißfiel und seine Kraft herausforderte, eine neue sorgfältigere und vollständigere Arbeit zu liefern. So häufig und so eng nun auch die Beziehungen zwischen dieser Erfurter und jener Prager Handschrift (B,), daß man in dieser wohl die Nebenvor- lage jener erblicken könnte, so ergaben sich doch auch ebenso große und deutliche Abweichungen von ihr, wie andrerseits Annäherungen an B„ (die Klosterneuburger Recension). Hiernach kann jedenfalls nur eine diesen beiden bereits gemeinschaftliche und ältere Quelle in Krfurt zur Verwerthung gekommen sein. , ' Daneben standen aber auch noch zwei andere deutsche Bearbei- tungen unseres Stoffes, das bei Haupt veröffentlichte Sant Margreten- püechlein und die dem Passionale einverleibte Legende der Heihgen; beide zeichneten sich durch eine größere Freiheit der lateinischen Fassung gegenüber aus, dennoch enthielten auch sie Übereinstimmungen sowohl unter sich als als mit der Erfurter Niederschrift, die zum Theil wohl auch auf jenen lateinischen Text zurückzuführen waren, zum Theil aber auch über diesen hinausgiengen. Die Veranlassung hiezu könnte wohl nur in dem etwaigen Bestehen einer um etwas ausführlicheren lateinischen Quelle, als der uns bekannten, sowie in der getreuen Be- nutzung derselben in Erfurt, wie einer freieren Behandlung seitens des Passionais und des Margreten püechleins zu suchen sein. Von so geringer Bedeutung auch die Darlegung dieser Verhält- nisse sein mag, so liefert sie doch aufs Neue einen Beleg für die eigen- thümliche Thätigkeit namentlich der geistlichen Poesie des Mittelalters. Es fehlt die größere Auswahl der Stoffe, man kommt immer suf die alten bereits behandelten zurück, widmet ihnen neue Kraft und Eifer ohne aber gerade besondere Fortschritte zu machen und Hervorragen- des zu leisten. Die am Meisten erfreuliche Erscheinung, die uns hier- bei entgegentritt, ist die noch immer nicht in gebührender Weise be- tonte historische Thatsaciie von dem lebhaften geistigen Verkehr der verschiedenen Theile unseres Vaterlandes und von der unter dem Ein- flüsse der kirchlichen Organisation überall hin gleichmäßig vertheilten Geistesbildung. Im Norden, im Süden, im Osten legt das Vorhanden- sein wie die sprachliche Beschäftigung mit der Margarethenlegende Zeugnisse dafür ab. MÜNCHEN. Dr. WILH. SCHUM. 110 A. BIRLINGER ZUM IMEIER HELMBRECHT. V. 819 ff. die beiden Oclisennamen Eaeme und Ei^ge hat der vor- letzte Helmbrecht-Herausgeber, Keinz, wohl nicht richtig erklärt. An ramniel, räniel zu erinnern, was Schmutzkruste u. s. w. bairisch be- deutet, lag nahe; das passt aber zu einem „Ochsen" ganz und gar nicht; der Ochse selbst liebt den Schmutz von allen Thieren am wenigsten, dann duldet der Bauer eben gerade an ihm aus Stolz den Schmutz wieder nicht. Wackernagel „Die deutschen Appellativnamen" in dieser Zeitschrift IV, 151 macht auf schweizerisches Raem, Raemi (Stalder H, 256) = Rind von schwarzen Flecken, von Rußfarbe auf- merksam; nimmt aber stillschweigend räm an, das wieder bairischem rammel, rämel zu Grunde lie2:t. Die Sammluno^ von Schweizer Kuh- reihen und Volksliedern Recueil de Ranz des vaches et de Chansons Nationales de la Suisse. Dritte vermehrte und verbesserte Ausgabe. Bern, Burgdorfer, 1818. S. IX'': Les mots: Brämi, Gyger, Rämi, Brändi, Schäggi, etc. sont autant de noms que Ton donne aux vaches et qui ont tous une signification. Brämi, par exemple, est une vache a man- teau rouge fonce, tirant sur le bruu, couleur de suie; Rämi^ une vache hrime avec de raies noires u. s. w. Daher die Weideplätze auf den Alpen auch Rämisgumme (zu gauman, goumen = hüten) im Berner Land heißen. Das erinnert an liamel bei Schmeller 3, 81 = schicarzgesfreiffer Mezger- hund. — Ich setze hieher noch eine zweite mögliche Erklärung. Wie es scheint stammt Schmellers Beleg aus dem bairischen Wald und eben dieser hat manches Wort mit dem Schweizer-Bersralemannischen gemeinsam. Die ? in den genannten Schweiz. Namen sind echt schwei- zerische Bihlungen und das dafür eingetretene auslautende e bekundet noch seine Herkunft im Umlaut der Wurzelsilbe. Mittolhochdeutsches, nicht mundartliches i) j hier muß aber ein -ja, -jo früher gewesen sein, also fhjramja, (h)ramjo, rami, rämi, räme; diese i-Bildung zeigt an „den der sich das ram zum Geschäfte macht;" ram aber ist der Zucht- stier, urspr. Eber = der Steiger, Springer, Aufhocker, dazu muß ein altes Zeitwort ramein angeführt werden. Zu ram = vervex Graff 2, 505. Wir haben also dieselbe Bildung wie in Ei-ge aus arge, arjo —- der Pflüger, Pflugstier zu aren ackern; vgl. Ferge, Scherge z. varjo, scarjo, bergen u. s. w. Über die Ochsennamen überhaupt sieh Wackernagel Germ. 1. c. Frommann's Zeitschrift IV, 114, wo aus dem 17. Jahrh. gegen 70 ZUM MEIER HELMBRECHT. Hl Namen mitgetheilt siud. Auf Hebels Horni, Laubi machte Wacker- nagel aufmerksam (IV, 151) ; Merz sieh Pauli in Kuhns Ztschr. f. vgl. Sprach f. 18^ 46. Auf Räm ^= Stier mit schwarzen Flecken hat schon Bergmann in seiner Ausgabe des „Mayr Helmprecht" (Wien 1839 55. Bd. der Jahrb. der Lit.) aufmerksam gemacht, ebenso auf Ram = Widder. S. 60- V. 367: über ecke\ ist allgemein süddeutsch, aber genetivische Adverbialbildung doch häufiger. V. 390 Sturz ebenfalls süddeutsch; überhaupt vgl. mein Augsb. Wb. 415^ Zu Giselitze V. 473. (Vergl. Germ. 16, 82.) Ein handschriftliches Receptbuch dick bairischen Idioms, benannt nach dem Allerwelts Bar- tholomäus, 15. Jahrh. ehemals dem Prof. G. Veesenmeyer in Ulm ge- hörend, enthält S. 50 folgende Stelle: Cycuta haist zu deutsch wiser- ling, der ist von kalter natur vnd ist man in als ein geisliz vnd wem gifft wirdt geben der wirt slekich und in newst in starkem wein vnd trinkt vnd leg er dann an dem tod, er genist u. s. w. V. 1003 maser; allgemein süddeutsch, V. 1205^ 1207 isenhalt in alem. Denkmälern nicht selten. Im Leben d. hl. Liutgart von Wittechen (14. Jhr.), Mone Quellens, erklärt. V. 223 spargolzen. Auf italienisches calzoni hat die neue Auflage von Schmellers Wb. aufmerksam gemacht. Sollte 8par- dem tira- in tiracalzoni entsprechen, was die calzoni, Golzen, anzieht, hält, aufzieht? Vielleicht sind die breiten aus Tyrol und Altbaiern bekannten Hosen- träger gemeint. Ein ehemals dem Kloster Wiblingen bei Ulm angehörender halb bairisch halb alemanisch gefärbter Vocabularius des anhebenden 15. Jhds. führt auf coturnus manschuoch vel bunt schuoch; paticus, paticli (sie) Spargalcz. Über paticus = sockeln, barfuosen scliuoch Diefenb. Gl. Nov. 282". V. 1189 Kotz Hellsack! eine Art Fluch. Oberer Necar. Was die Keiuzischc Ausgabe S. 16 von Schacher sagt bezieht sich nicht auf Wald sondern auf scähhäri = Schacher, die 2 mit Christus gekreuzigten bekannten im Mittelalter volksthümlichen Figuren in Feld- und Waldcapellen, in Nischen; das „Weiss" dürfte volksetymologischer Rest des alten wizzi sein = poena, Strafe; wohin die vielen „Ecce homo" mit dem Namen j, Unser Herrgott in der Wis" gehören, was schon das 13. Jahrh. mit in prato aus Unkenntniss gibt. A. BIRLINGER. 112 A. BIELINGER, ZU BEUDEE HANSENS MAEIENLIEDEEN. ZU BRUDER HANSENS MARIENLIEDERN V. 4155. Lobben. In Bruder Hcanseus Marienliedern V. 4155 steht: „al truegh ein sau ein lohderanz und ein esel einen rosencrantz." Lexer mhd. Wb. 1946 mit? In der Germ. IG, 85 habe ich aus einer Düsseldorfer Streitschrift 1752 einen Beitrag zu den Volksbüchern mitgetheilt vom „Beschreiten ^chlaratienlaud, allwo die Hüner Lohhenkrä'g tragen". Ich möchte darum an die Stelle lobderanz lohhena-anz setzen. Frisch I, 618'': ein angelesen Hemd mit Lohben supucula collari rugato (rugare = fälteln). Der Be- leg ist aus Apherdlaui Petri methodus discendi formulas latinae linguae; deutsche Zuthaten erhaltend von einem M P erschien des Directors von Harderwick Buch in Cöln a. 1577. 8. Weiter führt Frisch an: Lobbe, belg. rugatum collare, rugosum, striatum, canaliculatum u. s. w. Das Kovum Dictionarium Belgico-Latinum — e Dictionario R. P. Francisci Pomey. Antwerpae (ohne Jahrzahl) 8. S. 332* : lohhe^ kraeg, lobas, collare. Das Lexic. Latino-Belg. Nov. ed. Tachard-Pitiscus^ Amsteldami 1704; 4. S. 254 ''r collatatus: breed, lang, loydlopig] coUatata oratio icydlopige i'ede. Aus einem handschriftl. Vocab. Saxonico-Lat. (1425) theilt Diefenbach Gloss. S. 562*" s. v. subunculare-fo6ofe/i mit, was sicher- lich für loboten verlesen ist. Das Berthold'sche plurale collective lohelach, lohelehe'^) 320, 8; 54, 7; 173, 4; 397, 9, das Wackernagel Wb.'^ 183^^ zu unserem lohe, lobhe zählt, würde sachlich passen, allein Oberdeutschland kennt lohhe nicht. Auch konnte es Berthold nicht von seinen rheinischen Reise- predigten mitgebracht haben, denn die Leute hättens nicht verstanden. Wackernagel legte viel zu wenig Werth auf das landschaftliche Vor- kommen von Wörtern. — hch, lehe f-leche) ist den augsburgischen alten Denkmälern eigen, wie ich in meinem Wörterb. mehrmals es be- legte; ebenso in der Kuhn'schen Zeitschrift XX 62 (Geilers (302) Pilgrim Augsb. Druck und Heft 29, 30 ad 1865 S. 106. Public, des Augsb. bist. Vereins). Aber was soll loh- sein? Liest man die vier Ber- thold'schen Stellen durch, so bekommen wir die Gewissheit, dass ein Kleidungsstück darunter zu verstehen ist; in Verbindung mit „tuech- *) An Löklich (Locken) b. Schnell. I^, 1434 darf wohl nicht gedacht werden. R. KÖHLKR, WT^.INENDE AUGEN HABEN SÜSSEN MUND. 113 lach; tucchelech" müssen wir an den Kopfputz denken; von dem entwickelte sich sekundär die Bedeutung Putz überhaupt^ wozu eine Stelle ßertholds nöthigt. Nun heissen in Augsburg und Ulm im Mittel- alter Lappen, Hirnlappen (Hirnschlazzen, Augsb. Wb. 231 ff.) gewisse mit Luxus getragene Hauben, deren Form in meinem Wb. a. a. 0. und bei Schmid S. 336 näher angegeben ist. Darum Läpplack, Löbblach ursprünglich gemeint sein wird; in Regensburg kann ein Schreiber Löblach gemacht haben. Gegen den zu grossen Luxus dieser Kopfbedeckung mussten wiederholt magistratliche Erlasse ausgefertigt werden. Augsb. Wb. 232*. Wollen wir aber eines anders Putzartikels uns erinnern, so ist es fol- gender. Lappen hießen nämlich auch eine Art Manchetten an dem Vorderarmgewandstück. In Bertholdi Episc. Argent. Synod. stat. v. 1375 steht: appendicias manicarum, quae dicuntur Lappen excedentes mani- cos tunicae inferioris, item alias de novo palades dictas u. s.w. Diesen Luxusstreifen, der Clerisei oft verboten, wenn sie anders denn zu priesterlichem Abzeichen (d. h. der höhern Priester) und zur Schau dienten, entsprachen bei den Frauen des Mittelalters ähnliche Artikel; ich meine die am eng anliegenden Vorderärmel herabhängenden Ober- ärmel, weit und lang. Sie mussten bei Handverrichtungen als hinder- lich heraufgenommen und um den Arm gewickelt werden. Vgl. Nib. 427, wo Brünhild die weissen Ärmel um den Arm schlägt. Sie gehörten nicht strenge zum Kleide, sondern waren angeheftet, luxuriös mit Stickereien, Borten und Edelsteinen besetzt. Vergl. Weinhold, Frauen 443. Hier und in den umgeworfenen Kopf- und Halstüchern konnte die von Berthold verpönte Eitelkeit so recht sich ansetzen. — An Collohium, das ein lob wie Cobokesheim ein Bochum abgeben könnte, darf nicht gedacht werden, da es nur priesterliche Kleidung bei der Messe war. A. BIRLINGER. WEINENDE AUGEN HABEN SÜSSEN MUND, Im Parzival 272, 11 lesen wir: ouch ist genuogen Hüten kunt: weinde ougen hänt siiezen munt — und im Lohengrin 384, 1: nü ist genuogen liuten kunt, daz die nazzen ougen hahent suezen mimt. GERMANIA. Neue ßeihe. VI. (XVm. Jahrg.) 8 114 W. CRECELIUS, KIERSPE. An beiden Stellen ergibt der Zusammenhang, daß das Sprich- wort bedeuten soll: Die Thränen eines Weibes machen ihren Mund, d. h. ihren Kuß, um so süßer. Das Sprichwort kömmt aber noch an einer dritten, bisher nicht beachteten Stelle*) vor, und zwar in anderem Sinne. In Ulrich Fütterers bairischer Chronik (bei J. Christ. Freih. von Aretin, Älteste Sage über die Geburt und Jugend Karls des Großen, München 1803, S. 110) heißt es: Als diese schöne und adeliche Jungfrau mit bitteren Zäherver- gießen die zwen so gar erbärmlich anrief, so daß ihr Gebärd und Bitten durch ein steinern Herz m()chte gedrungen haben, da wurden sie beide mit ihr betrübt und erseufzten, wann es ist wol ein wahres Wort, das man spricht, daß reiner Frauen nasse Augen haben zukker- sü^sen Mund. Hier ist also der Sinn: Die Thränen einer reinen Frau machen ihren Mund, d. h. ihre Rede, um so süßer. WEIMAR, Juni 1872. REIN HOLD KÖHLER. KIERSPE. Die Herausgeber des Mittelniederdeutschen Wörterbuches (Heft 2 S. 160) erklären he und pe in Namen von Bächen aus verstümmeltem heke. Mögen auch manche der von ihnen zusammengestellten Namen so zu deuten sein, in keinem Falle darf das aus Westfalen beigebrachte Kierspe dahin gerechnet werden. In einem alten Werdenschen Hebe- register aus dem 11. bis 12. Jahrb., das ich in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins (Band 2) veröffentlicht habe, lautet der Name Kirsupu (a. a. 0. S. 306), während ebendaselbst S. 307 noch voll- ständig Saluheki geschrieben wird. Wir haben also in jenem eine Zusammensetzung mit upa = apa zu suchen: es ist möglich, daß die Casusendung u hier die Assimilation des vorhergehenden a herbeigeführt hat. Der Name bedeutet vielleicht Kressenwasser. Fr. Woeste wies mir aus Seibertz (Quellen H, 304j das mittelwestfäl. Keirsse (Brunnen- kresse) nach. W. CRECELIUS. *) Die beiden vorgenannten Stellen hat J. V. Zingerle, Die deutschen Sprich- wörter im Mittelalter, S. 15. H. SUCHIER, ANSPIKLUNG AN EIN UNBEKANNTES GEDICHT. 115 ANSPIELUNG AN EIN UNBEKANNTES GEDICHT. (SEGREMORS?) In einer Anspielung in Türlins Willchalm (Casparson S. 126 b) kommen die Namen diu magt Amande(r) Duzzicors Junalet künic Prinel Segremors Tungenäl vor, die ich mit Ausnahme von Segremors sonst nicht nachweisen kann. (Amander im Erec 689 ist Männername.) Es scheint also, daß das Gedicht, auf welches hier angespielt wird, uns nicht erhalten ist. Ich vermuthe, daß es dasselbe Gedicht ist, dessen Held der auch sonst bekannte Segremors war. Dieses Gedicht (von unbekanntem Vf. in md. Sprache) ist in drei Bruchstücken, wie es scheint, einer Handschrift (f.^^ Pg. 14. Jahrh. 1 Seite zu 2 Spalten, 1 Spalte zu 36 Zeilen) auf uns gekommen, welche von Reinhold Köhler (Germania V, 461), Karl Regel (Haupts Zeitschrift XI, 490), Heinrich Hoßhiann (Altdeutsche Blätter II, 152) abgedruckt sind. Das erste Bruchstück erzählt, daß Segremors sich aufmacht, Gawein zu suchen, und seine Geliebte Niobe sich entschließt, ihn zu begleiten. Im zweiten Bruchstück erfährt Sesrremors, daß Gawein sich auf der Insel der Fee Karmente aufhält, und im dritten Bruchstück kämpft er mit Gawein, der sich ihm gefangen gibt. Obige Namen erscheinen freilich auch hier nicht, aber die drei Bruchstücke gehören nahe zusammen und bildeten somit nur einen kleinen Theil des Gedichtes. Hier folgt die Stelle aus dem Willehalm*). 254 Der künegin man gezogen hat ein pfert alse irz der keiser sante. des pferdes schoene mich ermante, daz diu magt Amande reit 20 da ir Junalet tet Sicherheit ze Karitöl vor der künegin da vil lichter antlütze schin vil ritter herz üf minne twanc. diu äventiur diu wser ze lanc, *) A = Heidelberger Hs. 395 Bl. 160 bc. B = Ihn (1 = Heidelberger Hs. 404. h = Hanöverische Hs. n = Kasseler Hs.) C = Leipziger Hs. 254, 17 pferit A pfert 1. alse irz] daz ir BC, sant : ermant A. sante : ermante 1. 18 pferides A. pferdes 1. 19 amande C. amman da 1. amander Ahn. 20 do B. 21—23 fehlt C. 21 karidol n. 22 antlvtschin A. antlütze schin 1. 24 diu fehlt BC. wser] wurde B. Alles folgende fehlt in C. 8* 11 G LITTERATUR: BERGMANN, DAS GRAUBARTSLIED. 25 da von er Sicherheit hie bot. künip^ Prinel was nach ir rainne nOt, und hete gesworn einen eit, em würde betwimgen Sicherheit, daz er nimmer koeme wider. 30 sus valt er disen ritter nider. diu tjost im gap ir rainne sider. 255 Vor Tungenäl sin tjost ouch shioc einen ritter, der priss genuoc ouch hete, daz was Segremors. sin süeze ämye Duzzicors 5 diu fianze pinte sere. HERMANN SUCHIER. LITTERATIJE. Das Granbartslied (Harbardsliod). Lokis spottreden auf Thor. Norrsenisches gedieht der Saemunds Edda kritisch hergestellt, übersetzt und erklärt von Dr. Friedrieh Wilhelm Bergmann. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1872. 8**. Das HarbardsHed ist ohne Zweifel eines der schwierigsten unter den norraen fornkvaedi. Um so freudiger ist daher die ausführliche Monographie zu begrüßen , die einer der ältesten Eddaforscher der südgermanischen Länder uns in diesem Buche darbietet. Wer so, wie Prof. Bergmann, während eines Zeitraumes von mehr als dreißig Jahren der nordischen Mythologie und den auf dieselbe bezüglichen Liedern ein eingehendes und begeistertes Studium zugewendet hat, der scheint vor anderen berufen, in die Bedeutung dieser letzteren einzudringen und zu ihrem Verständnisse beizutragen. Und dafür ist das vorliegende Buch ein schöner Beweis. Bisher sind die Ansichten der Gelehrten über die in diesem Liede unter dem Pseudonym Harbardr sich bergende Persönlichkeit ziemlich gleichartig gewesen. In der Kop. Eddaausgabe III p. 413 wird er als die Personificierung des winterlichen Himmels oder als der von Riesen abstammende Gott des Winters selbst aufgefasst, der dem Thor, der seine gewitterzeugende Macht nur im Frühling und Sommer ausüben könne, den Eintritt in die bewohnten Länder streitig mache. Gudm. Magnusson dagegen sagt ebds. I p. 90 s. Anm. : Per Harbardum igitur nostrum intelligo Odinum, qui hie sub vili portitoris persona voluerit filium ludere et ejus Ingenium experiri. Abgesehen von der Motivierung 2.5 wä B. 27 het A hete 1. 28 Er AI. era h. Er in n. mit Sicher- heit B. 29 kome A quem 1. .31 minnersider A minne sider B. 255 1 Vor] Von B. tngemal n. onch] in B. 2 priss fehlt B. .3 Och het A. het€ prises B. 4 svzze amye AI. dvllicors A, duzzithors 1. duzzicors hn. 5 Die fianz 1. LITTERATUR: BERGMANN, DAS GRAUR ARTSLIED. 117 schließen sich dieser letzteren Ansicht die späteren Herausgeber (Lüning p. 63, Möbius Ind. p. 292, Bugge Ind. p. 387) sämmtlich an, ebenso Liliencron H. Z. X p. 180 ss. in seinem Aufsatze über das Harbardslied. Der Name llarbardr wird von Bergmann p. 76 s. durch Graubart über- setzt*), von Egilson (Lex. poet. p. 298") vielleicht richtiger erklärt durch his- pida bcü'ba, entstanden aus Hardbardr durch Ausstossung des ä zwischen zwei Consonanten. Diese letztere Form findet sich wirklich Forum. S. II, 203, 3, in einer Skaldenstrophe, ein Beweis wenigstens dafür, daß diese Erklärung zu- lässig ist. Dieser Name kann an und für sich jeden alten oder struppig aus- sehenden Mann bezeichnen und enthält keine specielle Anspielung auf eine Beschäftigung oder That Odins. Freilich nennt Odin selbst Grimn. 49 Harbardr als seinen Namen med godton, und auch in der Snorra-Edda (vielleicht gestützt auf jene Stelle in Grimn.?) wird er mehrmals so bezeichnet. Aber ebenso wenig, wie man daraus, daß Odin sich 1. c. v. 47 u. a. auch Fjölsvidr nennt, schließen dürfte, daß er mit dem Wächter der Menglödburg identisch sein müsse, ebenso wenig muß Harbardr immer denselben Gott bezeichnen. Auch Fjölsvidr ist ein allgemeines Epitheton, das Fjölv. v. 4 richtig erklärt wird durch: ek d frödan sefa. So heißt Odin ferner Grimn. v. 48 SidsJceggr, aber auch Bragi wird Snorr. Edd. I, 266 sidskeggi dss genannt, und vom Epitheton zum Namen ist nur ein Schritt**). Auf den Namen ist also kein Beweis zu bauen. Im Übrigen aber — und darin muß man Bergmann vollständig zustimmen — spricht eigent- lich nichts dafür, daß unter Harbardr auch in unserem Liede Odinn verstanden werde. Warum sollte eigentlich Odin in der ihm sonst gar nicht eigenen groß- sprecherischen Weise sich dem Thor gegenüber seiner (stellenweise sehr zweifel- haften) Heldenthaten und Abenteuer rühmen? Doch sicherlich nicht, um seinen Verstand zu prüfen (Ingenium experiri)! Und die „Laune souveränsten Humors'*, mit welcher Liliencron (1, c. p. 187) den Allvater ausstattet, fiele denn doch mitunter ganz verzweifelt derb aus! Die Zeilen, Str. 24: Odinn ä jarla pd er i val falla, en Pörr d prcela hjn geben ihm und Uhland (Schriften zur Ge- schichte der Dichtung und Sage VI p. 51) Veranlassung, in dem Gegensatze zwischen dem Kriegsgotte Odin und dem Vertreter des Ackerbaues unter den Göttern den Sinn des ganzen Liedes zu suchen. Aber wenn Odin den Thor wirklich von dem socialen Gebiete fern halten will, auf dem der kriegerische Gott noch mit seinem Cultus allein herrschen und verehrt sein will, wie ist dann V, 56 zu erklären, vor allem die Worte: ok mun hon kenna hdnom ött'unja brautir til Odins landa'^. Demnach würde Odin seinen Gegner, den er nicht in sein Reich lassen will, indirect selbst hiugeleiten. Und Thor seinerseits er- scheint in unserem Liede nirgends als der Gott des „Anbaus mit seinen neuen bescheidenen Tugenden", sondern als Held im Kampfe mit Riesen und Riesen- töchtern, als der Vertreter der frischen, nervigen Volkskraft, die dann freilich ^) Über die bei dieser Gelegenheit p. 76 angestellten sprachlichen Erörterungen, die mit Bergmanns sprachvergleichender Methode überhaupt zusammenhängen, mögen Fachmänner urtheilen. **) Ein ähnlicher Name, den jeder bei passender Gelegenheit sich aneignen konnte, ist VidföruU, was jeden vielgewanderten Mann bezeichnet, tlber den häufigen Gebrauch desselben vgl. Maurer: Die Bekehrung des norwegischen Stammes zum Christ enthume I p. 204, Anm. 7. So nennt sich z. B. auch Mägus in der nach ihm benannten Saga Cap. 35, als er seinen eigentlichen Namen verbergen will. 118 LITTERATIT?: BERGMANN, DAß GRAUBARTSLIED. auch jenem iudireet Vorschub leistet durch Vernichtung der friedensfeindlichen Elemente, vor allem aber erscheint er im Gegensatz zu dem boshaften, hinter- listigen Hiubard , dessen lockeren Grundsätzen gegenüber er v. 61 sein Miß- fallen often genug zu erkennen gibt. Der Gegensatz, auf den wir hier stoßen, des offenen ehrlichen Kampfes einerseits und der ehrlosen Schlaulicit, die nie um Mittel verlegen ist [v. 20) und der Sucht nach liederlichen Liebeleien andrer- seits sollte dem zwischen Thor und Odin bestehenden entsprechen V Mir scheint es nicht so. Hingegen psisst sie — und ich komme damit von dem negativen Theil des Beweises, den Bergmann weniger hervorhebt, auf den positiven — Zug für Zug auf Loki , der die listige Berückung stets dem offenen Kampfe vorzieht. Und fragen wir, wie er dazu kommt, dießmal gerade dem Thor so übel mitzuspielen, so liegt auch darauf die Antwort nahe. Mag die uns vor- liegende Fassung von Oeyisdrekka nun älter oder jünger (so Bergmann p. 58) als Harbard^ljöd sein, jedenfalls will in diesem letzteren Liede — was mir der Erklärer nicht nachdrücklich genug hervorgehoben zu haben scheint — Loki sich für die ihm bei den Äsen von Thor angethane Schmach, für das ihm abgezwungene Geständnisse en fyr per einum mun ek üt ganga, rächen. So ist Harhardsljöä gewissermaßen eine Fortsetzung von Oegisdrekka. Daß es zu demselben überhaupt in Beziehung steht, deuten schon die von Bergmann p, 58 zusammengestellten, in beiden fast identischen Ausdrucksweisen an. Auch die Beschimpfung und Verläumdung der Sif von Seiten Loki's ist beiden Liedern gemeinsam; in beiden findet sie sich ziemlich am Ende der Scene, weil Loki die bitterste Kränkung sich bis zuletzt aufhebt. So bekundet sich also die erbitterte Stimmung Lokis sowohl in der directen Weigerung, den sich nach Hause sehnenden Thor über den Sund zu setzen, als in den schneidenden Worten, mit denen er in weniger humoristischer als scharf boshafter Weise den Donnergott angreift, der, durch das Wasser von ihm getrennt, ihm nicht so auf den Leib rücken kann, wie beim Göttergelage. Doch genug. Es zeigt sich , daß Bergmann , indem er von der traditionellen Auffassung des Liedes gänzlich abweicht, einen ebenso richtigen als neuen Gesichtspunkt aufstellt. Auch die Durchführung desselben im Einzelnen, auf die ich hier nicht weiter eingehe, ist scharfsinnig und treffend. Wenn ich in den folgenden Bemerkungen über die Textgestaltung dem gelehrten Herausgeber nicht durchweg beipflichten kann, so möchte ich dadurch den Werth des Buches, der in der That hauptsächlich auf Seiten der Exegese liegt, durchaus nicht geschmälert wissen. Ich möchte vielmehr nur bei dieser Gelegenheit der bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft einzig richtigen, kritischen Behandlung der sogenannten Eddalieder das Wort reden, p. 65 wird die Überlieferung des Harbardsliedes besprochen und in Bezug auf die Papier- handschriften bemerkt, daß diese alle in der Kopenhagener Ausgabe kritisch benutzt worden seien. Hier hätte unbedingt hinzugefügt werden müssen, daß die, wie B. selbst bemerkt, jetzt kritisch und exegetisch ungenügend gewordene Ausgabe durch den vortrefflichen Text Bugge's fChristiania 1867j vollständig ersetzt ist, ja daß Bugge den für die Behandlung des Textes so äußerst wich- tigen Nachweis geliefert hat, daß sämmtliche Papierhandschriften einzelner Edda- lieder, welche existieren, direct oder indirect aus dem Cod. Kegius geflossen sind und mithin alles kritischen Werthes entbehren. Damit fällt aber jedes Recht zur Bemfang auf dieselben oder Benutzung derselben bei der Herstellung LITTERATUE: BERGMANN, DAS GRAUBARTSLIED. 119 des Textes absolut weg. Mögen wir Bugge's Ansichten über das Alter und den Werth der einzelnen Lieder oder seinen Emeudationen beistimmen oder nicht, sein Text, der eine Autopsie der Manuscripte fast ersetzt, sollte unbedingt allen neuen Besserungsversuchen und Ausgaben zu Grunde gelegt werden, da sämmtliche frühere, nordische und deutsche, durch ihn antiquiert worden sind. Von diesem Standpunkte aus sind die folgenden meist negativ gehaltenen Einzel- notizen geschrieben. Ich eitlere nach Beigmanns Ausgabe. V. 13 schreibt Bergmann: '^- miin per stödvi keiina, und bemerkt dazu: „Nach der Abschrift 0 ist sf'ödvi zu lesen, statt der corrupten Lesart staudva der Cod. S und E, und statt der conjecturierten Lesart stödna der Kopenh. und Rask. Ausgaben." Aber staudna ist keine Conjectur, sondern die wirkliche Lesart von R, wie Bugge lehrt. Und eine Änderung in stödvi^ von stödvir = qui sedat (das wohl nur mit einem hinzugefügten Genitiv wie strida vorkommt) erscheint mir nicht nothwcndig; das vorausgehende hingat kann sehr wohl im Allgemeinen das andere Ufer, auf dem Thor sich befindet, bezeichnen, während stöd den Landungsplatz genauer angeben soll. v. 26 ist mit Bugge zu lesen: Hvat skaltu of nafn hylja\ skaltu um etc. hat 0, eine Papierhandschrift (vgl. Kop. I p. XLIII). v. 29 schreibt Bergmann: Harmljotan mer jjikkir, i per, at vada etc. Ob man Recht thut, härm Uotan als ein Wort zu betrachten, macht die von Egilss. Lex. poet. p. 528* und Bugge z. d. St. angeführte Stelle Snorr. E I, 276, wo harmr in Verbindung mit demselben Adjectiv liotr auftritt, zweifelhaft. Die Conjectur: i per für i pvi erscheint nicht glücklich. Abgesehen davon, daß sie sich auf die werthlose Lesart der Papierhandschrift G stützt*), wird die Construction durch das Zusammentreten von mer und per ohne Ilinzufügung eines Infinitivs undeutlich ; zudem verliert der dann folgende Infinitiv at vada seine allgemeine Beziehung und ist nach den Regeln der nordischen Syntax in dieser Stellung kaum denkbar. Auch wird die Änderung vom Zusammenhange des Satzes nicht gefordert, da der von Bergmann verlangte Gedanke in v. 31s zur Genüge enthalten ist**). Ob durch Bergmanns Lesart ogr die Schwierigkeit des handschriftlichen avgur gehoben ist, wage ich nicht zu entscheiden. Es ist ein unglücklicher Zu- fall, daß gerade dieß Wort verschrieben ist; liegt doch sicherlich in ihm die Lösung des Räthsels, weßhalb „derselbe Thor, dem sonst keiner der Eisströme in der Riesenwelt zu reissend und zu tief ist, der (im Hymeliede) mitten im Eis- meere die Füße gegen den Boden des Meeres stammt, um die Midgardsschlange heraufzuziehen, den kleinen Sund, über den hin sich so bequem plaudern lässt, nicht zu durchwaten vermag." (Liliencron). Ein Fehlgriff ist es wohl, wenn in der Anm. zu V. 32, p. 85 komumk mit Ausdrucksweisen, wie ot tieqI toi/ TlaQixXsa oder dem nordischen peir komingr parallelisiert wird. Die richtige Erklärung der Form findet sich in Wimmers altnordischer Grammatik, übers, von Sievers, p. 136. Schon das dop- *) pW findet sich in nordischen Handschriften niemals für per (Bergm. p. 84)> sondern nur pier , um die — etymologisch freilich nicht zu erweisende — Längte des e anzudeuten. **) köguraveini v. 31 ist wohl nur aus Versehen in zwei Worten gedruckt, ebenso wie ennihvitu nach Bergmanns Lesart v. 97. 120 LITTERATUR: BERGMANN, DAS GRAUBARTSLIED. pelte ek spricht dagegen. Was soll auch hier oder v. 98 Ich komme (mit dir)? Übrigens wird an unserer Stelle, wie in v. dS^ kcemumk zu schreiben sein. Vgl. Bugge z. d. St. Gegen die Änderung von ek in ok v. 53, die dem Sinne nach ganz richtig wäre , spricht einigermaßen die auffallende Stellung des ok nach upp, sowie, daß das Subject des Satzes, Alfödr, fast am Ende desselben steht. V. 92. Selbst wenn ein Wort ei)ihritr denkbar wäre (eine Parallele zu dieser Zusammensetzung habe ich nicht finden können), so könnte man es hier in der nächsten Nähe von linhvitu v. 93 und (nach Bergmanns Lesung) enni- huitu V. 97 nicht für statthaft halten, wenn nicht geradezu ein Wortspiel da- mit beabsichtigt sein soll. Neben long piny^ v. 93. hätte vielleicht die nicht minder ansprechende Lesart von A: launping, berücksichtigt werden können. Die Strophen lOlss sind sicherlich unecht. Sie finden sich nur in einigen Papierhandschriften, anders woher eingeflickt von einem Abschreiber, der vor der Frage: Hvat vannt pü pd medan , Hlorridi^ einige Zeilen Text vermisste und deßhalb dann eine sprichwörtliche Redensart einschob, weil sich eine solche auch an der entsprechenden Stelle v. 63 fand.*) Die Lesart öli yfna statt oliufan, v. 114, wird unterstützt durch die Schreibweise oliyfä der Handschrift A. V. 119s, aus denen bis jetzt Niemand einen erträglichen Sinn herausbe- kommen hat (denn wie hätte der Gott jene scharfen Worte in den Gräbern lernen sollen ?), hat Bergmann geschickt, aber freilich ziemlich kühn hergestellt und auf die Fahrt zu Skrymnir bezogen, kühn, insofern sowohl v. 120, wie 122, der Eigenname Sh-ynu}!.^ hineinconjiciert ist. Zu der Änderung von mönnum in einum, das allerdings der Alliteration wegen besser, dem Sinne nach aber ziemlich gezwungen wäre, ist kein genügender Anlaß, da auch die überirdischen Wesen zuweilen mit madr bezeichnet werden ; vgl. Skf. 7 : Asa ok dlfa pat vill engl madr etc.; madr in diesem allgemeineren Sinne steht mennzkir menn gegen- über, z. B. Isl. S. II p. 360j 3: ekki var hann sem mennskir menn at afli. Wie die Worte: er pü kallar pat Skrynwis heimis sköga übersetzt werden können durch: wenn du jener erwähnst in des Skrymnis Heimatwäldern, kann ich nicht verstehen. R bietet für das pat einiger Abschriften pcer, und ich würde, darauf gestützt, kalladir vorschlagen, wenn kalla in der Bedeutung erwähnen hinreichend belegt wäre. V. 123. Eine Form wie svalikt (wenigstens svdlikt zu schreiben) aus dem im Nordischen allein üblichen slikt zu reconstruieren und sogar in den Text zu setzen, ist sicher unthunlich. Das V. 136 in der Mitte des Satzes eingeschobene ]kj ist unerträglich. Wo p)ö in der Edda erscheint, steht es am Anfang des Satzes, mit Ausnahme von Häv. 18, wo es gleich auf das Verbum, einen Imperativ, folgt. V. 146 schiebt Bergmann nach taka einum ein, um die Alliteration her- zustellen. Aber diese Lesart stützt sich auf eine autoritätslose Handschrift, und i dag heißt isl. wie noch jetzt im Schwedischen und Dänischen heut; hier steht ihm die spöttische indirecte Verneinung at upj/uerandi solu entgegen. V. 150. Für sinn = i annat sinn finde ich keine Parallelstellen. *) Ffir flcerd d v. 101 ist nach Bergmanns Anm. 46 flcerd at zu lesen. Im Texte steht d. LITTERATUR: HILDEBRAND, SVENSKA FOLKET. 121 Schließlich noch ein sprachliche Bemerkung, p. 77 bemerkt Bergmann, in den Eddaliedern, die die ältesten Denkmale der norraeua seien, müssten die älteren Formen mit u den jüngeren mit o vorgezogen werden. Aber wir müssen uns bei der Schreibweise doch nach den ältesten auf uns gekommenen Hand- schriften richten. Zu diesen gehört bekanntlich Cod. Holm. 15, 4^, herausgeg. von Th. Wis^n, Lund 1872, Dort findet sich aber in den Flexionsendungen die Form auf o viel häufiger als die auf u (vgl. das. p. VI). Ebenso steht es in der Islendingabök. Diese Form wird also auch in den Eddaliedern den Vor- rang behalten. Das eingehende Studium jedes Eddaliedes lehrt, wie ausserordentlich viel hier noch in Bezug auf Kritik und Exegese zu thun ist. Aber jeder neue Er- klärungsversuch, mag er allgemein für richtig anerkannt werden oder nicht, bringt uns dem Ziele näher. Möge es dem geschätzten Gelehrten, der uns mit diesem Buche erfreut hat, gefallen, auch die übrigen fornkvaecti, vor allem vielleicht Fjölsvinnsmdl, dessen Erklärung noch immer sehr im Argen liegt, in ähnlicher Weise monographisch zu behandeln! STRASSBURG, im Oct. 1872. E. KÖLBING. Svenska Folket ander Hedna-tiden. Af Hans Olof Hildebrand Hildebrand. Andra, omarbetade och illustrerade upplagan. Stockholm, Jos. Seligmanns Förlag, 1872. XVI und 242 SS. 8. Im Jahre 1866 in erster Auflage erschienen und schon damals von be- rufenster Seite gewürdigt, erscheint diese Schrift nunmehr zum zweiten Male in vielfach veränderter und erweiterter Gestalt. In 10 Capitel getheilt, bespricht sie zunächst einleitungsweise die älteren Bearbeitungen der Geschichte des heidnischen Schwedens, aowie die schriftl. Quellen dieser Geschichte, — er- örtert sodann die Bedeutung der nicht schriftl. Denkmäler für die Geschichte und Volkskunde, — behandelt der Reihe nach die Germanen überhaupt, die Goten und die Schweden , nachdem zuvor in einem eigenen Capitel von dem Lande und den vorgermanischen Einwanderungen in dasselbe gesprochen war, — verfolgt die Ausdehnung der Niederlassungen am Schlüsse der heidnischen Zeit, und handelt sodann in einem eigenen Capitel von der Insel Gotland und ihren Bewohnern, — und unterzieht endlich in zwei weitern Capiteln die socialen und rechtlichen, sowie die religiösen Zustände einer übersichtlichen Betrachtung. Ein eigenthümliches Verdienst der Darstellung liegt dabei in der lebendigen Verwerthung der Archäologie für die Zwecke der Geschichtsfors.chung, und es verlohnt sich sehr, den selbständigen Wegen zu folgen, welche der Verfasser dabei eingeschlagen hat. Gegenüber der geringen Zahl und um nichts größeren Verlässigkeit der schriftlichen Nachrichten , welche für die altschwedische Ge- schichte zu Gebote stehen, glaubt er nur durch Heranziehung der sachlichen Denkmäler, der „fornsaker,** einen festen Grund für diese Geschichte gewinnen zu können, und die Blicke, die er uns von hier aus in die Vorzeit eröffnet, sind in der That sehr weite, und zum Theil doch zugleich auch ziemlich fest begrenzte. Er scheidet zunächst eine Steinzeit, Broncezeit und Eisenzeit, und bezeichnet deren Gegensatz als einen Gegensatz national, nicht bloß zeitlich 122 LITTERATUR: HILDEBRAND, SVENSKA FOLKET. verschiedener Culturen; ohne sich einläßlicher mit ihnen zu befassen, weist er die beiden ersteren der vorgermauischen Zeit zu, nicht ohne sehr bestimmt hervorzuheben, daß sowohl die Zurückführuug der Steincultur auf den lappischen, als die der Broucecultur auf den keltischen Stamm zur Zeit noch jeder erweis- lichen Grundlage entbehre. Für beide Culturperioden ist der Verfasser geneigt wieder eine Zweithciluiig anzunehmen, bei der es sich aber nur um verschiedene Entwickelungsstufen eines und desselben Volkes handeln würde; die Sitze aber beider Culturen sind ziemlich dieselben, nämlich Schonen und Vestrgötland als Hauptlaude, von wo aus einerseits Hailand, Bohuslän und weiterhin Dalsland und Vermland, andererseits aber Blekingen, Öland, Möre, Stnaland und Öster- götland sich anreihen, während in Xärike und Vestmanland, Uppland und Södermauland die Funde nur sporadisch sich zeigen, im Norrlande aber die Steincultur sehr eigenartig auftritt, die Broucecultur aber ganz zu fehlen scheint. Eine Abhandlung von 0. Montelius über „Bronsalderen i norra och mellersta Sverige'' hat inzwischen die Autiqvarisk Tidskrift för Sverige in ihrem dritten Bande zu bringen angefangen, und ein weiteres und umfassenderes Werk über die Broucecultur überhaupt stellt unser Verfasser selbst in Aussicht. *) Weiter- hin unterscheidet der Verfasser wieder innerhalb der jüngsten jener drei Perioden eine ältere und eine jüngere Eisenzeit, welche unter sich ebenfalls wieder in keiner organischen Verbindung stehen; die zumal von dänischen Forschern aufgestellte mittlere Eisenzeit erkennt er dagegen als eine selbständige nicht an, vielmehr betrachtet er, ganz ebenso wie dieß Professor 0. Rygh in seiner Abhandlung ..Om den aeldre Jernalder i Norge" (Aarböger for nordisk Oldkvn- dighed og Historie, 1869) bezüglich Norwegens thut, diese letztere lediglich als eine Unterabtheilung der älteren Eisenzeit. Vermittelst einer sehr mühseligen, aber dennoch sehr klar dargelegten , und durch trefflich gewählte und ausge- führte Hliistrationen wesentlich verdeutlichten Untersuchung der Typen für ge- wisse Schmucksachen, der Münzfunde, endlich auch der Runenalphabete wird das Ergebniss gewonnen, daß das Volk der älteren Eisenzeit dem südgermanischen, das Volk der jüngeren Eisenzeit dem nordgermanischen Stamme angehört haben müsse, welcher letztere, schon frühzeitig von dem ersteren abgetrennt, von ge- meinsamen Ausgangspunkten aus sich eigenthümlich, wenn auch langsamer, ent- wickelt, und diese seine eigenthümliche Entwickelung später bei seiner Ein- wanderung in Scandinavien mit dahin gebracht habe. Auf die Ergebnisse der neueren Sprachforschung gestützt, führt der Verfasser aus, daß die Germanen schon vor ihrer Abtrennung von den übrigen indogermanischen Völkerschaften einer nicht ganz geringen Cultur sich erfreut haben müssen, welche, als sie schon längst vor Cäsars Zeit am Rhein auf die Römer stießen, bereits eine weitere, und durchaus eigenthümliche Entwickelung erfahren hatte. Er sucht ferner darzuthun, daß die südgermanische Bevölkerung in Skandinavien, von deren Existenz die dortigen Alterthümer Zeugniss geben, nicht etwa ein Über- rest einer von dort ausgewanderten germanischen Volksmasse gewesen sein könne, sondern umgekehrt vom Süden her im Norden eingewandert sein müsse. 'j Unter dem Titel: Bidrag til spännets historia, hat derselbe inzwischen im IV, Bande der Antiqvarisk Tidskr. för Sverige einen Anfang zu solchen Erörterungen gemacht, und soll diese Abhandlung als die erste eine Reihe ähnlicher des Verfassers ^Studier i jämförande fomtorskning" eröflFnen. Die Archäologen vom Fach werden diese Studien ernsthaft in Erwägung zu ziehen haben. LITTEHATUR: HILDEBRAND, SVENSKA FOLKET. J2o und er glaubt diese Bevölkerung mit den Goten (Gautar) identificieren zu sollen, welche noch die späteren schriftlichen Denkmäler als im Süden der skandinavischen Halbinsel wohnhaft kennen. Über Dänemark und den Oresund nach Schonen, oder von Jütland aus nach Südnorwegen, oder von der Südküste der Ostsee aus über Bornhohn und Oland nach Blekingen und Möre, oder auf allen diesen Wegen zugleich mochte diese Einwanderung seiner Meinung nach erfolgt sein; jedenfalls aber dürfte sie sich über ganz Dänemark, über Nor- wegen bis nach Helgeland hinauf, und in Schweden bis nach Medalpad und Jämptland erstreckt haben , und nicht später als um Christi Geburt herum er- folgt sein. Nach archäologischen Anhaltspunkten scheint die Culturstufe des Götenvolkes eine ziemlich hohe, und dessen Handelsverkehr mit dem Süden, für welchen zumal die Inseln Oland und Bornholm als Stützpunkte dienten, ein sehr reger gewesen zu sein; auch bezeugen einzelne bei Prokop und lor- nandes erhaltene Nachrichten jenen Verkehr, während das Beovulfslied auch seinerseits die Erinnerung an die Macht des gotischen Volkes bewahrt hat, nicht ohne der von den Geatas mit den Sveou geführten Kämpfe zu gedenken. Von Osten her sollen die Schweden eingewandert sein, und hält der Verf. dafür, daß die Abtrennung der Nordgermanen von den Südgermanen in der Nähe der saratowschen Gebirge erfolgt sein möge, von wo aus dann die Schweden der Wolga entlang und über den finnischen Meerbusen ziehend ihre jetzigen Wohn- sitze erreicht hätten. Über Uppland müsse jedenfalls die Einwanderung gegangen sein, und zwar wohl zunächst über dessen südöstlichsten Theil ; aus dem Fehlen oder Auftreten der Bracteaten sowohl als der römischen Goldsolidi soll sich die Wahrscheinlichkeit ergeben, daß um das Jahr 400 n. Chr. bereits ganz Svijijod von den Schweden besetzt, und um 500 auch bereits die ganze Küste von Götaland, einschließlich der Insel Oland von ihnen unterworfen gewesen sei. Das Vordringen der Nordgermanen nach Norwegen und nach Dänemark lässt der Verfasser über Schweden, und erst nach der Zeit erfolgen, in welcher sich dieselben in diesem letzteren Laude festgesetzt hatten; aus diesem Grunde, meint er, trete denn auch das jüngere Eisenalter in jenen Ländern erst später ein als in jenem ersteren, wenn auch der, zumal von dänischen und norwegischen Antiquaren für seinen Eintritt angenommene Zeitpunkt, das Jahr 700 nämlich, sich nicht erweisen lasse. Auf das Recht der Eroberung will dabei die Aus- breitung des schwedischen Stammes dem gotischen gegenüber gestützt werden, und soll es sich z. B. von hier aus erklären, daß der Schwodenkönig in Götaland den dritten Theil aller Almenden anzusprechen hatte, während ihm das gleiche Recht im Schwedenlande fehlte; mit alleiniger Ausnahme des süd- östlichsten Winkels von Uppland soll in Folge derselben allerwärts im Norden eine Mischung südgermanischer und nordgermaiiischer Elemente sich ergeben haben, und aus der Verschiedenheit der Mischungsverhältnisse der Unterschied zu erklären sein, welcher zwischen den Schweden, Dänen und Nordleuten von früh an bestand. Bemerkenswerth ist dabei die vom Verf. bereits in einem früheren Aufsatze ,Den äldre jernälderen i Norrland" (Antiqvarisk Tidskrift för Sverige, Bd. II) vorgetragene Ansicht, daß in Helsingland die gotische Herr- schaft sich noch geraume Zeit erhalten habe, nachdem sie im eigentlichen Schwedenlande bereits gebrochen gewesen sei ; bemerkenswerth auch die Hin- weisung auf den Runenstein von Rök, welcher von einem der gotischen Runen nicht mehr kundigen schwedischen Künstler gehauen sein soll; bemerkenswerth 124 LITTEKATUR: HILDEBRAND, SVENSKA FOLKET. endlich der Versuch, mit Hülfe der aufgefundenen Alterthümer die Culturstufe des einwandernden Schwedenvolkes zu bestimmen, wobei sich ergibt, daß die Cultur der Nordgermanen einen selbständigeren und von classischen Einflüssen viel weniger berührten Weg gegangen war, als die der Südgermanen. — Der geschichtlichen Zeit sich nähernd, gibt der Verf. sodann einen kurzen Überblick über den wesentlichsten Inhalt der schriftlichen Denkmäler, welcher hier übergangen werden darf; zugleich macht er aber auch auf die zahlreichen Funde kufischer Münzen aufmerksam, welche Schweden aufzuweisen hat (gegen 20.000 Stücke\ und schließt aus ihnen, so wie aus den sie begleitenden Barren, Drähten und Schmuckgegenständen aus Silber auf den massenhaften Verkehr des Nordens mit dem Südosten , welcher übrigens auch durch arabische und byzantinische, fränkische und russische, ja theilweise selbst durch isländische Gesehichtsquellen bestätigt wird. Die älteste jener in Schweden gefundenen Münzen ist im Jahre G98, die jüngste im Jahre 1010 geprägt; doch scheint der Verkehr am lebhaftesten in den Jahren 880 — 955 betrieben worden zu sein. Gewichte, welche sich vielfach mit derartigen Münzen, andere Male frei- lich auch mit Gegenständen ganz anderer Herkunft verbunden finden, will der Verfasser, anders wie Holmboe, nicht dem nordischen, sondern dem arabischen Münzsvsteme zuweisen, neben welchem freilich, wie er aus einem einzelnen Funde darthut, auch bereits die aus demselben nicht abzuleitende Markenrechnung in Schweden bestand; wenn er aber versucht, das Silberhundert der isländischen Quellen auf eine Zahl von 120 arabischen Mithkalen zurückzuführen, so dürften sich doch erhebliche Einwände gegen solche Annahme geltend machen lassen. Die von ihm angezogene Stelle der sog. Gragäs setzt das Silberhundert nicht 500, sondern viermal 120, also 480 Ellen vactmäls gleich, wie denn auch nur unter dieser Voraussetzung die Unze Silbers gleich einer halben Mark vadmäls wird, d. b. sie besagt, daß zu der Zeit, von welcher sie redet, die Unze Silber gleich vier Unzen vaftmäls, oder, da wir doch wohl die Elle gleich einem örtugr vadmäls setzen dürfen, gleich zwölf Eilen vadmals stand, woraus sich dann weiterhin ergibt, daß die Einheit für das Silberhundert der örtugr Silbers, gleich vier Ellen vadmals, bildete, und daß somit dieses Silberhundert gleich fünf Mark Silbers stand. Aber die Stelle handelt von der Zeit „er kristni kom üt hingat til Islands," d. h. vom Jahre 1000 n. Chr., während zu Anfang des 13. Jhdts. der lögeyrir nur noch sechs Ellen vadmals, also die Hälfte galt; das Gewicht des norwegischen örtugs im Jahre 1287 darf demnach nicht mit ihrer Angabe combiniert werden, wenn man zu verlässigen Ergebnissen gelangen will. Daß schon der erste christliche König Schwedens, Olof skötkonung, durch angelsächsische Münzmeister in Sigtuna auf seinen Namen Münzen schlagen ließ, unterlässt der Verfasser nicht hervorzuheben; interessanter noch ist aber, was er über die schwedischen Runensteine ausführt. Es weist diese ihrer überwie- genden Mehrzahl nach der ersten christlichen Zeit zu, unterscheidet aber unter ihnen eine ältere und eine jüngere Gruppe. Zu der ersteren rechnet er die zahlreichen Steine, welche für Leute gesetzt waren, die an Ingvars Heerfahrt, d. h. an einem sonst unbekannten (unternehmen gegen Esthland und dem weiteren Osten, nicht etwa den Kämpfen des russischen Großfürsten Igor (913 — 45) theilgenommen hattpn , sowie auch die nicht minder zahlreichen Steine, welche Jarlabanki, vielleicht jenes Ingvars Sohn, um das Andenken an seine friedliche Wirksamkeit zu erhalten, sich selber setzte; der letzteren Gruppe dagegen ge- LTTTERATÜR: HILDEBRAND, S^T^NSKA FOLKET. 125 hören die kunstreiclieren Arbeiten Ubbis an, welche der Verfasser der dimklen Zeit nach Emund Olofsson's Tod, also etwa der Zeit der ersten Könige aus Stenkils Haus, zuweisen möchte. Sehr ausführlich bespricht derselbe die muth- maßliche Ausdehnung der Landescultur in Schweden am Ausgange des Heiden- thumes; ich kann diesen Theil seiner Darstellung indessen um so mehr unbe- rücksichtigt lassen, als derselbe im Wesentlichen Schlyter's älterer Arbeit „Om Sveriges äldsta Indelning i Landskap, och Landskapslagarnes Upkomst" (1835) sich anschließt, wenn auch in einzelnen Punkten von derselben abweichend, und in anderen, wie zumal durch Angaben über die Art und Zahl der in jeder einzelnen Landschaft aufgefundenen Alterthümer, sie ergänzend. Ich bemerke nur, daß sich für die Annahme, der Bericht der Ynglinga saga über K. Olaf tretelgja's Colonisation in Vermland sei ein geschichtlich unbegründeter, allen- falls auch der Umstand noch geltend machen ließe, daß im Ynglingatal selbst der Name der Landschaft nicht genannt wird, und daß dieser somit recht wohl erst durch eine Conjectur Snorri's mit K. Olaf in Verbindung gebracht worden sein könnte ; ich erwähne ferner als beachtenswerth die Vermuthung des Ver- fassers, die entschieden nordische, und doch aus der nordischen Sprache nicht erklärliche Bezeichnung der nordischen Soldtnippen in byzantinischem Dienste als VsBn'ngjar möge den Namen eines in Rußland zurückgebliebenen und später verschollenen Zweiges der Nordgerraanen uns aufbewahrt haben. Was der Ver- fasser über die wirthschaftlichen und Verfassungszustände des heid- nischen Schwedens mittheilt, beschränkt sich, wie ich sehe, auf eine sehr über- sichtliche Darstellung des bereits Bekannten; doch fällt mir auf, daß dem Mitschwedischen Rechte die Majoratsordnung zugeschrieben werden will (S. 215), während ihm meines Erachtens diese sowohl als überhaupt jede Individualsuc- cession völlig fremd war, — daß ferner in dem schwedischen Lagmanne ein Rechtsnachfolger der alten Kleinkönige gesehen werden will , während doch alles darauf hindeutet, daß derselbe ganz ebenso wie der isländische lögsögu- mactr von Anfang an und principiell nur als juristischer Lehrer, Berather und Führer der Bauern gegolten hatte, aber von jedem Antheile an der Executiv- gewalt ausgeschlossen war, weßhalb denn auch noch später ein jarl, landsdomari oder landshaerra neben ihm über die Landschaft gesetzt sein konnte. So will mir ferner auch noch immer nicht einleuchten, daß die Eintheilung des Landes in heröd, wie sie in Grötaland und Dänemark vorkommt, anderer Entstehung sein solle als die schwedische Eintheilung in hundari , und daß wie im schwe- dischen Norrlande so auch in Norwegen, und zumal in Drontheim diese ganze Eintheilung fehlen solle. Da ich schon früher einmal in dieser Zeitschrift (Bd. XV, 5, 452 — 53) meine gegentheilige Ansicht demselben Verfasser gegen- über ausgesprochen habe, will ich hier nicht ausführlicher auf di'e Frage zurück- kommen ; ein paar vereinzelte Gegenbemerkungen kann ich mir indessen nicht versagen. Im Norrland, wo selbst in späterer Zeit noch die schwedische Be- völkerung fast ganz auf die Seeküste beschränkt war. ergab sich die Eintheilung in Schiffsverbände statt in hundari ganz natürlich und aus denselben Gründen, aus welchen auch die Seelande Upplands in solche sich theilten, und auch im Drontheimischen mag aus gleichen Gründen die Eintheilung in SchifFsrheden die in heröct verdrängt haben, wie ja nachweisbar das skipreiduj^ing hier an die Stelle des heradsJDinges einrückte^) ; aber doch finden sich hier noch ge- *) Fr)>L., Einleitung. §. 23. 126 UTTERATITR: HILDEBRAND, S\T:NSKA FOLKET. legentlich territoriale Abtheilungen derselben Art erwähnt, wie sie im übrigen Norwegen vorkommen Q^rittjüngar, ^ordüngar, dann settungar, iittiingar), ^) und wie sie mit anderen Namen auch wohl als h^röd bezeichnet werden, auf das Zeugniss aber, welches die jüngere Edda für die sprachliche Identität der Ausdrücke herad und hundari ablegt, ") dürfte der Verf. denn doch zu wenig Gewicht legen. Allerdings ist richtig, daß die Zahlbezeichnungen, welche jene Stelle aneinander reiht, gutentheils sehr verdächtiger Art sind ; aber ebenso richtig ist auch, daß andere technisch juristisch begründet sind, wie dieß z. B. für die Ausdrücke flokkr und föruneyti sich darthun lässt,^) und daß gerade der Ausdruck herr unter diesen letzteren Gesichtspunkt fällt, lässt sich drin- gend wahrscheinlich macheu. Der Begriff des Heeres wird nämlich dem alt- gennanischen Rechte wichtig, wenn es gilt, den Thatbestand desjenigen Ver- brechens festzustellen, welches als hernadr oder hervirki, hereteam, heriraita oder exercitus bezeichnet wird, und da fordert das langobardische Recht für denselben eine Anzahl ron mindestens 4, "*) das dänische von 5, ^) das angel- sächsische von 35,^) und das bairische von 40 oder 42 Männern;') warum sollte da das nordische Recht unter einem Heere nicht ebenso gut eine Anzahl von 100, oder vielmehr 120 Männern haben verstehen können? Daß der Aus- druck herad hinterher zu einer viel allgemeineren , appellativischen Bedeutung gelangen, und für jeden beliebigen Landbezirk gebraucht werden konnte, kann kaum auffallen j zumal da die ursprüngliche Zahlbedeutung sich anders als beim "Worte hundari, schon frühzeitig verloren zu haben scheint; was Norwegen be- trifft dürfte überdieß das Aufkommen neuer, von Anfang an localer Bezirks- bezeichnungen , sowie der isländische Sprachgebrauch in gleicher Richtung ge- wii'kt haben, welcher letztere vermöge der eigeuthümlichen Verfassungszustände der Insel den Ausdruck überhaupt nur in untechnischem Sinne verwenden konnte. Ob übrigens in Schweden an der Spitze des hiera}) oder hundari ursprünglich ein hersir gestanden sei, wie in Norwegen, wird sich schwer feststellen lassen. Erwähnt wird ein solcher ein einziges Mal, in der Landuäma, III, 9/195 (nicht in der Isfirdinga saga, wie der Verf., S. 220, Anm. 1 angibt), und es ist allerdings bedenklich aus dieser einzigen Stelle einen Schluß zu ziehen, zumal da eine ungeschickte Übertragung der dem isländischen Verfasser bekannteren norwegischen Zustände auf Schweden sehr nahe liegt ; andererseits dürfte aber doch die Stellung des gotischen hserapshöfdingi und des schwedischen domari der des norwegischen hersir materiell ziemlich entsprochen haben, und somit immer- hin anzunehmen sein , daß die Sache , wenn auch nicht der Name , hier wie dort gleichmäßig vorhanden gewesen sein werde. — Auch über die religiösen Zustände des schwedischen Heidenthums bringt der Verfasser wenig positiv Neues, so anregend im Übrigen seine Bemerkungen über die hier maßgebenden Gesichtspunkte sind; doch bemerke ich, daß derselbe aus sprachwissenschaftl. Gründen Tyr für den ursprünglichen Hauptgott der mit den übrigen arischen ») Ebenda U, §. 7 und 14; IV, §. 8. ') ß-käldskaparm. , c. 66 s. 532 bis 4: herr er hundrat. ^) GJ)L. §. 154; vgl. auch Fr})L: X, §. 6. *) Ed. Rothar §. 19; vgl. Rachis, §. 10. ^) Eriks saell. Lov. H, §. 16; Valdemars ssell. L., §. 56 und 64; Skanelagen §. 87, und Andreas Sunonis, §. 60; Bjaerkoret» §. 47; K. Knuts Verordnung, S. 438—9. «) Ine, §. 13—15. ") Leges Ba- juw, III, cap. 8, §. 1. LITTERATUE: HILDEBRAND, SVENSKA FOLICET. 127 Stämmen noch vereinigten Germanen hält, in Freyr und den Vanen aber die ursprünglichen Hauptgötter der von den Südgermanen bereits abgetrennten Schweden erkennen zu sollen glaubt, — Letzteres eine Annahme, welche doch nicht unbedenklich sein dürfte, da einerseits gerade die ^sir, nicht die Vanir, in der uns vorliegenden Mythologie als die eigentlichen Nationalgötter der Xord- germanen erscheinen, und andererseits bekanntlich auch mehrfache Spuren auf eine Verehrung des Freyr oder Freyja, ja vielleicht auch Xjörd's, bei süd- germanischen Stämmen hindeuten. Zum Schlüsse habe ich noch ein paar Worte über die Darstellung zu sagen, welche der Verfasser den eigenthümlichen Verhältnissen der Insel Got- land widmet. Die Erzählung über die erste Bevölkerung der Insel, welche als Anhang zu dem ältesten Eechtsbuche der Insel uns überliefeit ist, betrachtet er mit vollem Recht als unhistorisch, und von Hans Xielssön Strelow's Fabeleien nimmt er wie billig vollends keine Notiz; dagegen weist er an der Hand der Alterthümer nach, wie zwar die Stein- und Broncecultur auf Gotland ver- gleichsweise keine bedeutende Entwickelung zeigte, eine um so bedeutendere aber die Cuitur der Eisenzeit, welche ein volles Jahrtausend hindurch, nicht unberührt zwar durch fremdländische Einflüsse, aber doch mit großer Selb- ständigkeit und ohne irgend einen gewaltsamen Sprung sich verfolgen lasse. Während auf Oland nur etwa 100 und im übrigen Schweden nicht voll 50, auf Bomholm nur wenig über 200 und im ganzen übrigen Dänemark nicht volle 600 römische Münzen aus der Denarzeit gefunden wurden, betragen die- selben für Gotland über 3000 Stücke, und zwar reichen dieselben von Titus (t 81) bis Septimius Severus (1211), wiewohl sie erst von Mark Aurel ab (t 180) zahlreicher werden. Mit Septimius Sevenis brechen die Münzen mit einem Male ab, und zumal finden sich solche aus der constantinischen Periode nicht; auch die in Dänemark und Schweden so häufigen, aus diesen letzteren Münzen hervorgegangenen Bracteaten sind der Insel fremd, indem die hier aufgefundenen Goldbracteaten in der Art ihrer Ausschmückung vollständig von denselben abweichen. Minder reich als anderwärts ist auch die Periode der solidi auf Gotland vertreten, soferne man hier deren nur 63 gefunden hat, und überdieß gehören die hier gefundenen erst einer etwas späteren Zeit an als die zumal auf Oland gefundenen, nämlich erst der Zeit vom Beginne des 6. Jahrhs. an; um so massenhafter treten dagegen die arabischen Münzen nebst den sie begleitenden Silberbarren, Schmucksachen und Gewichten auf, und auch von westländischen, zumal angelsächsischen Münzen fand sich eine ungeheuere Zahl, mehr als in Dänemark und Norwegen nicht nur, sondern auch in Schwe- den, dessen Ostküste doch überaus reich ist an den derartigen Funden. Über 13.000 kufische Münzen und über 30.000 westländische sind erweislicher Maßen auf der Insel gefunden worden, und zeigen sich dieselben zumeist von silbernen, seltener goldenen Schmucksachen begleitet; aus den Umständen, unter welchen man die einzelnen Funde entdeckte, ergibt sich dabei mit Sicherheit, daß diese regelmäßig in vergrabenen Schätzen bestanden. Es hält hiernach nicht schwer zu erkennen , welche Glanzperiode der Handel Gotlands in den angegebenen Zeiten erlebt haben muß : nicht minder beachtenswerth ist aber die hohe Cultur- stufe, auf welcher schon frühzeitig Kunst und Gewerbe der Insel gestanden haben müssen. An der Hand einzelner Funde weist der Verfasser die Art nach, auf welche die Schmucksachen daselbst gearbeitet wurden, und die Verschieden- 19« MISCELLEN. heitcn, welche sieh mit der Zeit bezüglich dcrselbcu ergäbe«; sehr bestimmt hebt er ferner die typische Eigen thümlichkeit der gotländischen Alterthümer hervor, nicht ohne die Beziehungen anzudeuten, in welchen diese zu so manchen in Norddeutschland und zumal auch in Kent gefundenen Sachen stehen. Wunder- licher Weise finden sich übrigens die specifisch gotländischen Typen ausserhalb der Insel sehr selten, ausser etwa in Esthland und Lifland, und scheint dem- nach mit denselben kein bedeutender Handel getrieben worden zu sein, so be- deutend auch nach aufgefundenen Münzen und sonstigen Alterthümern, ja selbst nach späteren schriftlichen Aufzeichnungen der Handelsverkehr gewesen sein muß, welchen die Insel mit Schweden einerseits und mit dem Osten anderer- seits unterhielt. Daß die Insel, welche sich in 22 hundari theilte, schon am Schlüsse der heidnischen Zeit als zu Schweden gehörig, wiewohl nicht als schwedische Provinz galt, ergibt sich nicht nur aus der bereits angeführten Guta saga, sondern wird auch durch den Reisebericht bestätigt, welchen Wulfstän dem K. yElfraed erstattete (1901); aber von den Gautar wie von den Svi'ar ge- schieden, nehmen die Gutar, wie sich die Bewohner Gotlands selbst nennen, in nationaler Beziehung eine durchaus eigenthümliche Stellung ein. Von Süden her muß wohl das, ziemlich zahlreiche, Volk eingewandert sein ; der Verf., der nicht einmal die ursprünglichen Wohnsitze der Goten an der Ostküste für er- weisbar gelten lassen will (S. 89 und öfter), unterlässt es, über die Herkunft der Gotländer eine bestimmte Meinung zu äussern, — mir aber will die Er- innerung an den Namen, welchen nach dem gotischen Kalenderbruchstücke das Gotenvolk sich selbst gab, Gut-})iuda, sich aufdrängen, und damit der Gedanke, daß es südgermanische Goten gewesen seien, welchen die Insel ihre auffällige Cultur rerdankte. MÜNCHEN. October 1872. KONRAD MAUEER. MISCELLEN. Personalnotizen. Dr. E. Kölbing, welcher soeben seine Sammlung der altnordischen Riddarasögur hat erscheinen lassen, ist an der kaiserl. Universitätsbibliothek zu Straßburg angestellt worden. Dr. K. Schiller in Schwerin, der verdiente Herausgeber des mit A. Lübben unternommenen mitteldeutschen Wörterbuches, ist durch Entschließung Sr. königl. Hoheit des Großherzogs von Mecklenburg von seinen Unterrichts- stunden am Gymnasium dispensiert worden, um seine Kraft ganz dem Wörter- buche zuwenden zu können. Es darf diese Entschließung wohl als ein Resultat der in der Germanistensection auf der Philologenversammlung zu Leipzig ge- pflogenen Verhandlungen (s. oben XVII, 382) betrachtet werden und wäre zu wünschen, daß auch Dr. Lübben eine gleiche Vergünstigung zu Theil würde. Berichtigung. Bd. XVII, 462 1. statt „des Kölner Stadtarchivs" — „der Bibliothek des Marzellengymnasiums zu Köln." VOM STEF*). L Der der altnord. Dichtung eigentliümliche Refrain, das stef, unterscheidet sich vom omkvsed der späteren nordischen Balladen- poesie im Wesentlichen dadurch, daß es nicht, wie das omkvsed, sich bei allen Strophen des Gedichtes findet, sondern nur in denen seiner Mitte und auch hier nur bei einer bestimmten Anzahl. Zwar erscheint der allen Strophen gemeinsame Refrain auch in der isländischen Dichtung, näml. in den sog. fornkvsedi; sie sind jedoch keine dem Isländer eigenthümliche Dichtart, sondern haben die Balladen (folkeviser, ksempeviser) des skandinav. Festlandes zum Vorbilde. In der von Jon Sigurdsson und Svend Grundtvig begonnenen Sammlung der isländ. fornkv^di (1. 2. 3. Kbh. 1854—1859) wird demgemäß der Refrain nicht stef, sondern omkvsed genannt; die isländische Be- nennung für omkvsed ist: vidkvsedi (vgl. Olafsen, Nord, gamle Digt. S. 144 ff. u. S. 252). Ebenso wenig kommt die Bezeichnung stef dem aus einem oder zwei Versen bestehenden Refrain zu, der gleichfalls allen Strophen gemeinsam entweder am Anfange oder am Ende einer Strophe er- scheint. So am Anfange: in allen Strophen der Kräkumäl, nur mit Ausnahme der letzten, (Fas I, 300 — 310): hjuggu ver med hjörvi oder in allen Asbjarnarvisur, außer der ersten, (Fms III, 218 — 220): annat var ))ä er inni; am Ende: in jeder der gamanvisur des norw. König Haraldr hard- rädi auf die russische Fürstentochter Elisabeth (Fms VI, 169—170): \)6 laetr Gerdr i Gör dum gollhrings vid m^r skolla. *) Vom Refrain überhaupt handelt: Ferd. Wolf, üb. die Lais. Heidelberg 1841, S. 18 ff., vom stef insbesondere Srbj. Egilsson in den Einleitungen zu seiner lie- arbeit. der ReksteQa in Scr. bist. Isl. III (1829), 224 ff. und zu seiner Ausg. der Fjög. göm. kvsedi. 1844 (Cat. 29), dem sog. Bodsrit {Einladungsschrift) p. IX ff. Außerdem konnte ich eine Anzahl Bogen des noch nicht vollendeten III. Bandes der SE. AM. benutzen. GERMANIA. Neue Reihe VI, (XVIII.) Jahrg. 9 130 TH. MÖBIÜS oder in den visiir des Bryujülfr ülfaldi (Ilkr. VII, k. GO u. Fiat, n, 54): braguingr gaf mdr brand ok Vettalaud. Noch weniger wird mau hierher die gleichen Anfänge einer mehr oder minder großen Anzahl Strophen in den Liedern der Ssem.-Edda rechnen dürfen, so besonders in dem Havamal u. a. ; oder die fast gleichen StroplionausgängOj wie z. ß. in dem Fragmente der Busluboe (Fas III, 202-205), u. a. Das stef findet sich nur in den Drapa's, jenen feierlichen, mit allem Schmuck der Diction und des Metrum reich ausgestatteten En- comien, vorwiegend auf fürstliche Personen, Könige, Jarle u. s. w., doch auch auf Christus, ]\laria. Heilige, Bischöfe. Das stef ist jeder andern Dichtungsart fremd und der dräpa eben so eigenthümlich, als die drapa des stef nicht entbehren kann, sondern als eines ihr durchaus wesentlichen Bestandtheiles bedarf. Gleichwohl finden sich Ausnahmen. Von Gedichten, welche nicht dräpur sind und dennoch ein stef aufweisen, kann Völuspä genannt werden, deren drei-, bez. viermal wiederkehrende Halbstrophe: geyr Garmr mjök fyr Gnipahelli festr mun slitna, en freki renna unleugbar einen stefartigen Charakter trägt (s.: S. Bugge zu Vspä I, Str. 49, S. 8—9 und Zeitschr. für deutsche Philol. I, 410). Eben dahin möchten wir auch von den unten verzeichneten Drapa's rechnen: Ragnarsdräpa und Haustlöng, Hiisdräpa, Hafgerdingadräpa (?), Stjörnu-Odda draumr, Joms^akingadräpa, Mälshättakvsedi — Gedichte, die zwar z. Th. ausdrücklich als dräpa bezeichnet werden und sämmt- lich das stef sammt den hierdurch bedingten Bau einer dräpa mehr oder minder aufweisen, gleichwohl durch den Mangel jedes encomia- stischen Inhaltes nichts weniger als einen dräpa-artigen Charakter tragen, wenn auch formell in einigen derselben allen Ansprüchen der dräpa auf kunstvollen Ausdruck und Versmaß genügt wird, in andern da- gegen mit völligem Verzichte darauf durchaus einfache Sprache und einfaches ]\Ietrum herrschen. Als eine dräpa ohne stef würde Egils 'Arinbjarnardräpa' (Eg. S. k. 81) nur dann zu gelten haben, wenn diese Überschrift des stef- losen Gedichtes nicht auf einem bloßen Irrthume der Abschreiber be- ruhte, während die Saga selbst (Eg. k. 81, 20V^ jt.) es ganz richtig VOM STEF. 131 als kvsedi bezeichnet. Ob die rorsdrdpa des Eilifr Gudriinarson des stef gänzlich ermangelte? das ansehnliche Fragment von nicht weniger als 19 zusammenhängenden Strophen, das uns in SE I, 290 — 302 auf- bewahrt ist, weist kein stef auf. Daß aber das stef der dräpa wesentlich sei und jedenfalls nur ausnahmsweise ihr gefehlt, ergiebt sich theils aus mehrfachen directen wie indirecten Angaben bei den Alten, theils aus noch vorhandenen Drapa's oder Drapa-Fragmcntcn, wie aus einer Anzahl besonders aus- gehobener stef-Verse. Vom isländ. Dichter rorarinn loftunga erzählt Hkr VII, k. 182 (OH 1853, 180 Fms V, 5 Fiat II, 306), daß, als er auf den dän. König Kniitr hinn riki (f 1035) nur einen flokkr gedichtet und dieser dar- über erzürnt ihm eine dräpa befohlen, torarinn seinen flokkr mit ein Paar Strophen vermehrt und durch Einfügung von stef zur dräpa um- gestaltet habe (s. nr. 14); üb. d. Unterschied des kürzeren flokks (ohne stef) und der längeren dräpa (mit stef) s. mein Glossar. Der Dichter Audun, am Hofe des König Haraldr härfagri, dichtet auf diesen eine dräpa; da er für sie das stef aus einer ähnlichen dräpa des Ulfr Sebbason entwendet, erhält seine dräpa, während er selber den Beinamen illskailda: poeta malus davonträgt, den Namen: stolin- stefja, d.h. dräpa mit dem gestohlenen stef; s. saga skälda Haralds konungs härfagra in Fms III, 65. Eben dahin gehören die Drapa- Namen: sexstefja von einer dräpa mit 6 stef, die tjodolfr skäld auf König Haraldr hardrädi dichtete; Jiess getr tjodolfr skäld i dräpu J^eirri er hann orti um Harald konung er sexstefja er köllud. Fms VI, 129 u. V, 88; ferner: rekstefja von einer dräpa mit getrenntem stef, die Steinn Herdisarson auf König Olafr Tryggvason dichtete (s. unten nr. 19); namentlich aber: stef- lausa, Avie die dräpa skjälfhenda des (tordr) Veili auch genannt wurde (SE I, 646-^), somit eine Bezeichnung, die den Mangel des stef in der dräpa als Ausnahme besonders kennzeichnet. NB. Der Aus- druck stefja dräpa, den ich nur bei Neueren hier und da finde, hebt unnöthig hervor, was sich von selbst versteht. Von Drapa's und Drapa-Fragmenten mit erhaltenem stef, so wie von besondern Anführungen des stef kennen wir folgende: 1. Ragnarsdräpa des Bragi hinn gamli (c. 770 — 850), zwei Fragmm. in SE I, 370—374 und 436—438, in denen der Dichter den Schild beschreibt, den er vom dän. König Ragnar lodbrok, wie dessen das stef gedenkt, zum Geschenk erhalten (vgl. Gisli Brynjülfsson in AnO 1860, 3—13 und SE III, 308—309); stef (SE I, 3U''-'^ und 438^"«); 9* 132 TH. MÖBIUS rses gäfumk reidar rndna Ragnarr, ok fjöld sagna. 2. Haustlöng (sc. dräpa 'auctumnalis longa cantilena [?] Thor- lacius), ein Gedicht des r jodolfr or Hvini, worin er gleich dem Brage in der Ragnarsdrapa einen ihm geschenkten Schild beschreibt und ebenso des Gebers, Porleifr (spaki?) in dem stef gedenkt; zwei Fragmm. in SE I, 278-284 und 306—314 (vgl. Bened. Gröndal in AnO 1860, 291—326 u. SE III, 401—403); stef (SE I, 3W~'^ und 284*"^): baugs J)a ek, bifom fäda, bifkleif at rorleifi. 3. Ada Ist eins -dräpa des Egill Skallagrimsson auf den engl. König Athelstan, im J. 927 (Eg. k. 55, 117^7 j|>): ))d orti Egill dräpu um Adalstein konung . . . en J^etta er stefit i drdpunni: nü liggr nsest und hraustum hreinbraut Adaisteini. 4. Höfudlausn des Egill Skall., dräpa auf den norweg. König Eirikr blodöx, im J. 936 (Eg. k. 63), vollständig in 21 Strophen, mit zwei stef: 1. (in Str. 6 u. 9) ords tir of gat Eirikr at {)at 2. (in Str. 12 u. 15) band ülfura hrse Eirikr of sse 5. Gräfel dar- dräpa des Glümr Geirason auf den norweg. König Haraldr gräfeldr, im J. 965; in der Melabök der Landn. III, 30 (Isl I, 233, n. 13) *hans (Geira) son var Glümr skäld, er orti Gräfeldar-dräpu, er J^etta er stef i: vig(eiso) tekr visa valfall Haralds alla' 6. B ä r d a r - d r ä p a auf den von Vigfüss Vigaglümsson erschlagenen Bärdr Hallason, im J. 977; in der Melabok der Landn. III, 16 (Isl I, 220) 'Vigfüs Vigagliimsson vä Bärd, son Halla ens hvita, ok er um hann ort Bärdar-dräpa, er J)etta er stef i: Bärodr of ristr bäru braut land varar andra'. 7. Hiis- dräpa des Ulfr üggason auf den Isländer Olafr pä, dessen mit Bildwerken reich geziertes Haus sie schildert, c. 986. Fragm. in SE, gesammelt und erklärt von Finn Magnusen am Ende der Laxd. AM (1826) p. 386—394 und von Gisle Brynjülfsson in M. Goldschmidt's Nord og Syd, et Ugeskrift 1858, nr. 8 u. 9, s. 154—169; stef (SE I, 238'« und 2bS''): 'Illaut innan svä minnum' VOM STEF. 133 8. Hafgerdinga-dräpa: Carmen de fluctibus raarinis in litus illisis, gedichtet von einem madr sudreyskr d. i. von den Hebriden, um 986, in Fiat I, 430—431 (GhM I, 208): med Herjülfi var ä skipi sudreyskr madr kristinn sa er orti Hafgerdinga(r)-dräpu; ])ar er J^etta stef i: minar bid ek munka reyni meinalausan fara beina; heidis haldi liärrar foldar hallar drottinn yfir mer stalli! 9. Fertuga-dräpa (d, i. dräpa von 40 Strophen) des torleifr jarlaskäld auf den dän.-norw. König Sveinn, um 990, in Fiat. I, 210 (Fms III, 93): torleifr kvad })ä fertuga dräpu ok er jjetta stef i: oft med sernri giftu ödlings himins rödla Jötra gramr hinn itri Englandi rodit branda. 10. Olafs-dräpa des Hallfredr vandrsedaskäld auf den norw. König Olafr Tryggvason, um 1001; (Fragmm. gesammelt in Fornsög. (1860), s. 207—210; vgl. SE III, 483-487). Hallfredar s. k. 11 (Fs. 112, 207 u. 210^^- ^6 und Gislason, Pröver 37): bann orti ))ä Olafs dräpu ok er jjetta stef i: nordr eru öll um ordin aud lönd at gram daudan, allr lemsk fridr af falli flugstyggs sonar Tryggva NB. Die dem Hallfredr irrthümlich zugeschriebene Olafs-dräpa in der Bergsbök (Catal. p. 135) besteht aus zwei Fragmenten, aus 16 Strophen des Anfangs und 11 V2 (^^i'- ^^ — 2^) ^(^^^^ Ende. 11. Dräpa des Gunnlaugr ormstunga auf den engl. König Ethel- red, um 1001—1002; Gunnl. s. ormst. k. 7 (Isl. II, 222, vgl. Jon tor- kelsson, visna-skyringar 1868): G. flutti fram kvaidit . . . en J)etta er steht i: herr sesk allr hinn örva Englands, sem gud, J^engil; sett lytr grams ok gumna gunnbräds Adalrädi. 12. Dräpa des Gunnlaugr ormst. auf den irischen König Sigtryggr silkiskegg, um 1002; Gunnl. s. ormst. k. 8 (Isl. II, 229): G. kvad J)ä dräpuna ok er J^etta steht: elr Svaru skae Sigtryggr vid hrae. X34 TH. MÖBIUS 13. Banda-drapa (deorum Carmen cf. SliI II, 273, a.) desEyjolfr dada-skald auf Eirikr jarl Hakouarsou (f 1023); Fragmin, in Ilkr VI, k. 96 u. 97; stef: Eirikr und sik geira . . . vedrmildr ok serar hildi . . . irunnblidr ok red sidan . . . jarl god vor du hjarli. 14. Knütsdrapa (1. od. Höfudlausn) des forarinn loftunga auf den dän. König Knütr hiun riki, um 1028; Heimskr. VII, k. 182 (OH 1853 k. 166 Ems V, 5): torarinn orti ]3a stef IpcüSk er stefit: Knütr verr grand, sem gsetir Griklands himinriki. 15. Knütsdrapa (2. od. Togdrapa) des torarinn loftunga auf den dän. König Knütr h. r., um 1028 (?); Heimskr. VII, k. 182 (OH 1853 k. 66 Ems V, 6 Elat II, 306): torarinn orti })a adra drapu um Knut konung, er köUud er Togdrapa .... ok er J)etta einn ste^abalkr: KniXtr er und solar. . sidnaemr med lid u. s. w. 16. Knütsdrapa des Sigvatr skäld auf Knütr h. r. (f 1035); Fragmm. in Hkr VII, k. 157 u. 159 (OH 1853 k. 137 u. 139 Ems IV, .3.54 u. 359) und Eagrsk. 80—81; stef: Knütr var und liimnum ... höfudfremstr jöfarr. 17. Haraldsdräpa des tjodolfr skald Arnorsson auf den norw. König Haraldr hardrädi (1047—1066); Ems VI, 339: svd segir tjodolfr i dräpu Jieirri er hann orti um Harald konung . . . ]:)etta er J^ar stefit i di'iipunni (vgl. Ems VI, 269) : lytr folkstara feiti, fatt er til, nema jätta Jiat, sem ])A vill gotnum, ]^j6d öll, konungr bjoda. 18. Haraldsdräpa des Stüfr skäld auf denselben norw. König Haraldr hardrädi: Eragm. in Hkr IX, k. 12 u. 34 (Ems VI, 161. 162. 258) stef: Haralds önd ofar löndum . . . hafi riks jiars vel likar . . . vist um aldr med Kristi. NB. Die zwei e Zeile ist Hkr (552^" V) eigenthümlich ; statt ihrer hat Msk (11'^) die erste. VOM STEF. 135 19. Rekstefja (d. i. dräpa mit rekstef) des HalLar-Stein od. viel- melir Steinn Herdisarson (um 1070) auf den norw. König Olafr Trygg- vason; vollständig in 35 Str., herausgegeben und erklärt von Svbj. Egilsson in ShI III (1829), 224—276; stef (in Str. 9-11 ff.): hann var rikstr konungmanna .... (cf. Fms VI, 448^^) Olafr und veg solar . . . höU ok fremstr at öllu. 20. Olafs dräpa des Steinn Herdisarson auf den noi'w. König Olafr kyrri (1069- J 093); Fragmm. in Hkr IX, k. 88, X, k. 1 u. 10 (Fms VI, 427. 428. 436. 438. 439. 441. 447); stef: Olafr borinn solu . . . riklundadr veit undir . . . sik beztan gram miklu 21. Dräpa des (Gull-) Asu-JDordr aufVidkunnr Jonsson (1103 bis 1122); ])ättr af Gull-Asu-f ordi (sex sögu]3?ettir, lierausgeg. von Jon rorkelsson. Reykjavik 1855, S. 73): sidan hof hann (rordr) kvsedit ok var Jjat fimmtug dräpa ok var ]3etta stefit: hart ridi Hildar berti hjälm i folk gumna Jons settstudill einatt allfrodr i styr ))j6da. 22. Geisli: radius , dräpa des Einarr Skülason auf den norw. König Olafr helge, vorgetrag. im Dome zu Drontheim im J. 1152 (Morkinsk. 226-227 Fms VII, 355 vgl. Munch, det norske Folks Hist. II, 865): vollständig in 71 Strophen, obwohl nur in der Bergs- bok (Cat. 61), während in der Flateyjarbok I, 1 — 7 (Fms V, 349 bis 370) drei Strophan fehlen. Unter Hinzufügung dieser Strophen aus Bb., die zwischen S:r. 30 und 31 in Fiat, einzuschalten sind und unter Versetzung von Str. 60. 61. 62. 63 Fl. zwischen Str. 17 und 18 Fl. restituiert Svbj. Egilsson im Bodsrit p. X das Gedicht folgendermaüen, I: 1-21 II: 22-49 III: 50-70 -f 1 (vgl.: Jon Sigurdsson in SE III^ 357-360; s. unten, S. 139); stef (in Str. 18 ff. Fiat.): greitt mä gumnum letta guds ridari i stridiim röskr ])iggr allt ])at er oskir Olafr af gram solar. 23. Inga dräpa des Kolli skäld auf den norw. König Inge (1157—1161); Fragm. in Hkr XIV, k. 2 (Fms VII, 209 cf. ShI Vll 206, d); stef: Tigfimr konungr himni. 136 TH. MÖBIUS 24. Erfidrapa des Blakkr skald auf f orleifr breidskegg (um 1191, s. Munch III, 220—221); Sverrissaga in Fiat. II, 636 (cf. Fms VIII, 277): Blakkr orti erüdräpu um Breidskegg ok var J^etta stefiti: hafdi her medan lifdi hvarttveggja Breidskeggi, — nü er fridspillir fallinn — fiest gott ok dul haesta. 25. Placidus-drdpa, auf einen Heiligen dieses Namens, ged. zu Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrh.; Fragm. von 51 Strophen, die beginnenden und schliessenden Strophen fehlen, herausgeg. von Svbj. Egilsson 1833 (Cat. 140); zwei stef: 1. (in Str. 11 ff.) hlaut sä er oeztr er yta idn Placidus frida: Eystactius sefi albazta ser valdi 2. (in Str. 32 ff.) lytr engla lid itrum angr-hrjodanda ok })jödar; einn er öllu hreinni, *allt gott sä er skop, drottinn. 26. Jomsvikinga-dräpa des orkad. Bischofs Bjarne Kolbeins- son (j 1223) auf den Zug der Jomsvikinger nach Norwegen und die Schlacht im Hjörunguvägr im J. 986; voUständ. bis auf die letzten Strophen, welche fehlen: die erhaltenen, c. 47, herausgeg. in Fms XI, 163—176; stef (in Str. 14 ff.): ein drepr fyrir mer allri ... itr-manns konan teiti; göd-sett of kemr grimmu . . . goedings at mer stridi. 27. Mälshätta-kvsedi: Sprichwörtergedicht des 13. Jahrhund.; am Ende des cod. reg. der SE 2367. 4^ (gamle kcng. Saml.); voll- ständig (bis auf ein paar Lücken) in 30 Strophen; stef (in Str. 11 ff. cf. Fiat I, 583 Fms X, 208): ekki vard-at fordum farald, ^ Finnan gat ])6 serdan Harald, honum syndist solbjört sü, | sliks dsemi verdr mörgum nü. 28. Dräpa des Snorre Sturluson auf Sküli jarl, im J. 1220; Sturl. IV, k. 25 (I, 2, 56): Snorri hafdi ort um jarlinn tvau kvsedi, vom klofastef i dräpunni ok alhend: VOM STEF. 137 hardmüladr var Skuli . . . rambliks fraraar raiklu ... gnaphjarls skapadr hjarla. 28\ Dräpa des Stjörnu-Oddi (Oddus astronomus) , Mitte oder Ende des 13. Jahrb., ein von St.-O. im Traume gefertigtes Gedicht und von dem er nicht mehr als die auch mitgetheilten 11 Strophen erinnerte — : ok mintist sidan ä dräpuna ))ä er hann jiottist sidar kvedit hafa u. s. w. (Stjörnu-Odda draumr k. 9, herausgeg. mit der Bärdar saga snaifellsäss von Gudbr. Vigfüsson Kbhn. 1860 s. 120 — 123 vgl. p. VII) ; stef (in Str. 2. 5. 8) : })6 er gotneskra gumna Geirvidr konungr })eira. 29. Heilags anda visur — eine dem Gedichte von Svbj. Egilsson gegebene Bezeichnung — , Ged. auf den heil. Geist J Fragm. von 17 (16 Vq) Str., wie die drei folg. Ged. vom Ende des 13. oder Anf. des 14. Jahrb. und mit ihnen herausgeg. von Svbj. Egilsson in: Fjögur gömul kvsedi 1844 (Catal. p. 29) s. 52 — 56; drei stef, vom 2. und 3. stef nur Fragmm. : 1. (Str. 1) frä lida fsest en lestir fridr })eim er synda idrast: hljota menn af msetum miskunn lifsins brunni. 2. (Str. 9) syngr öskalof lengi landherr spökum anda . . . 3. (Str. 17) greindr skinn ord ok andi . . . 30. Leidarvisan: vise monstratio, ged. auf die Heiligung des Sonntags; vollständ. in 45 Str., in Fjög. göm. kv. s. 57 — 70; zwei stef: 1. (Str. 13 ff.) lüta englar itrum ottlaust ok lid drottni: einn er siklingr sunnu setrs hvivetna betri. 2. (Str. 25 ff.) gramr sköp haudr ok himna hreggranns, sem kyn seggja: einn er salkonungr solar snjallr hjalpari allra. 31. Liknarbraut: trames misericordiae (Bp I, 94''^^), gedichtet auf das heilige Kreuz; vollständ. in 52 Str., in Fjög. göm. kvsedi S. 35—51; stef (in Str. 13 ff.): Krists vinnr krapt ens hsesta krossmark vidum hnossa 138 TH. MÖBIUS alls bezt; lofar seztan öll dyrd konung fyrcta. 32. Harms 61: sol i maerore, ein canncn poenitentiale, vollst, in 65 Str.,, in Fjög. göm. kvsetti S. 1 — 34, außerdem mit schwed. Über- setz, u. Erläutt. von Hj. Kempff., Ups. 1867; zwei stef: 1. (Str. 20 ff.) ern skop haudr ok hlyrni heims valdr, sem kyu beima, örr er ok öUu dyrri elsetrs konungr betri. 2. (Str. 35 ff.) sterk lofar drott ok dyrkar dagstalls konung snjallan, himins er fylkir fremri frodr hvivetna godu. 33. Lilja: lilium, drapa auf die Jungfrau Maria, gedichtet von Eysteinn Asgrimsson (f 1361); vollst, in 100 Strophen, herausgeg. von Finn Jonsson in Hist. eccl. Isl. II, 398 — 448 (Catal. 128), neuerdings mit engl. Übersetz, und Erläut. von Eirikr Magnussen, London 1870; zwei stef: 1. (Str. 26 ff.) se J^dr dyrd med sannri prydi sunginn heidr af öllum tuugum eiliflega, med sigri ok sselu ssemd ok vald [ntt minnist aldri. "2. (Str. 51 ff.) sefinlega med ly-ftum lofum lof rodandi ä kne sin bsedi skepnan öll er skyld at falla, skapari minn, fyrir äsjo jiinni. 34. Gudmundardräpa I. des Bruder Arngrimr auf den isländ. Bisch. Gudraundr Arason zu Holar (f 1237), vom J. 1345; vollständ. in 60 Str., in Bp. II, 187—201; zwei stef: 1. (Str. 20 ff) allar fekk af engla stilli yfirmannkosta dygdir sannar; Gudmundr fekk af guddoms auda gnogligt vald med dyrd um aldir. 2. (Str. 32 ff.) lüti gjörvöll landsbygd iirum lim stolkonungs bjartr himna drottinn, heyrdu nü mildr ok mättugr mina bsen, at hann hvili i skrini. 35. Gudmundardräpa II. des Bruder Arni Jonsson, ged. auf denselb. Bischof, in den J. 1371—1379; vollst, in 80 Str., in Bp. II, 202—220; zwei stef: VOM STEF. 139 i. (Str. 23 ff.) Märiii unni saett at sönnu ssell Gudmundr um allar stundir, honum veitir nü heidur maetan himins drottning, svo aldri J^rotnar. 2. (Str. 43 ff.) Drottinn mildr, er elskar aldir, ägsetustum virding mseta Gudmundi fyrir gsezku reynda gefr eilifliga stjöraum efra. II. Das stef besteht aus mehreren (2 od. 3 od. 4) Versen, die den integrierenden Bestandtheil einer Strophe bilden und als solcher in einer festbestimmten Folge wiederkehren; dem Sinne nach zusammengehörig drücken sie einen dem Inhalte der dräpa angemessenen allgemeinen Gedanken aus und stehen entweder verbunden, so daß sie (2 od. 4) das Viertel oder die Hälfte der Strophe bilden, oder von einander getrennt und zwar in der Weise, daß sie (2 od. 3 od. 4) auf mehrere Strophen vertheilt sind oder in einer und derselben Strophe, bez. Halb- strophe Anfang und (oder) Ende bilden; letztere heißen klofastef und rekstef (vgl.: 'Rekstefja ShI III, 229). Am häufigsten erscheint das verbundene stef, das zweizeilige öfter in den älteren, das vierzeilige öfter in den spätem drapur. Zweizeiliges erscheint z. B. Haustlöng (SE I, 314**"*®): höfu skjott, en skofu sköpt ginnregin, brinna; en son bidils svidnar, sveipr vard i för, Greipar. JDaz of fät ä Qalla Finns ilja brii minni. haugs pd ek, hifom fclda, hifkleif at Porleifi. außerdem in: Ragnars dräpa, Adaisteins dräpa, Höfudlausn, Gräfeldar dräpa, Bärdar dräpa, Hallfred's Olafsdräpa, Gunnlaug's' dr. auf Sig- tryggr, forarin's (1.) Knuts dräpa, dräpa des Stjörnu-Oddi. Vi erzeiliges z. B. in Geisli (Fms V, 354, str. 18): füss er ek J)vi at vann visir var hann mestr konungr flestra drott nemi mserd ef ek msetta manndyrdir stef vanda; greitt md gumnum lefta 140 TH. MÖBIUS guds ridari stridum röskr juggr allt sem ceskir Olafr af gram solar, außerdem in: Haf^jcrcliuga dräpa, Fertuga dräpa, Gunnlaug's dr. auf Adalnidr, Haralds dr. des Stiifr, dräpa des Asu])6rdr auf Vidkunnr, des Blakkr auf torleifr, Placidus dr. , Malshättakvsedi , Heilags anda visur, Leidarvisau, Liknarbraut, Harmsol, Lilja, in beiden Gudmundar- drapur. Getrenntes stef (klofastef und rekstef), zwei- oder drei- oder vierzeilig, innerhalb einer Strophe oder über mehrere vertheilt, findet sieh in folgenden drapur. Zweizeiliges in Sigvat's Knuts dräpa (Fagrsk. 80—81): Knütr er und himnum — hygg ek sett at frett Haralds i her hug vel duga; let lyrgötu lid sudr or Nid Olafr jöfurr ärsaell fara. [dazwischen zwei Strophen] mättuat drottnar Danmörk spanit und sik sökum snarir herfarar. hafdi snarpla Skäney Dana hlödr herjada. höfud/remstr jöfurr. Ebenso scheint auch die 2. Knuts dräpa des törarinn, die soge- nannte Togdräpa (s.: SE I, 686 HI, 341— .342), mit zweizeiligem stef gedichtet zu sein, obwohl nur die erste Zeile in gleicher Stellung, am Anfang einer Strophe, bez. eines ste^abälkr aufbewahrt ist (s. oben) Drei zeiliges stef, jede der drei Zeilen als letzte (8.) in drei auf- einander folgenden Strophen, erscheint in: Plaraldsdräpa des Stüfr und in den beiden dräpur des Steinn Herdisarson, in der Rekstefja und in der Olafsdräpa. In der dräpa des Snorri Sturluson auf Sküli jarl war das dreizeilige btef, das ausdrücklich als klofastef bezeichnet wird. VOM STEF. 141 in der Weise vertheilt, daß je eine Zeile am Ende der Halbstrophe — kljiifandi, diffindens stropham — erschien; dieß ergibt sich aus der Strophe einer Parodie von Snorre's Gedicht, die a. O. (s. oben nr. 28) mitgetheilt wird und in welcher die erste Zeile der klofastef die 4. Zeile bildet: hardmüladr er Sküli. Vi erzeiliges stef in Banda-drapa und Jomsvikinga-drapa, doch in beiden verschieden vertheilt; in Banda-drapa bilden die beiden ersten Zeilen den 4. und 8. Vers der einen Strophe, die beiden letzteren den 4. und 8. Vers der darauf folgenden, stehen somit am Ende der Halbstrophen; in Jomsvikingadräpa ist das vierzeilige stef auf Anfang und Ende jeder Halbstrophe ( als V. 1. 4. 5. 8.) in der stef-Strophe vertheilt, z. B. (Str. 14): ein drepr fyri mer allri ütraudr d log skeidum örr })engill bad yta itrmanns-konan teiti; göd-cett of kemr grimmu gekk herr ä skip, darra hinn er kunni gny, gumna goßäings at mer stritti. Außer den angeführten Beispielen getrennter stef mögen sich in den Drapa-Fragmenten der Saga's und der Snorra-Edda noch manche andere bisher nicht entdeckte verbergen. Oft sind es nur einzelne Zeilen, die es ungewiss lassen, ob sie einem zwei-, drei-, oder vierzeiligen stef angehören, so die vereinzelte Stefzeile in Hüsdrapa (s. oben nr. 7) oder in Kolle's dräpa auf König Inge (s. oben nr. 23). Andrerseits mögen die besonders ausgehobenen Stefzeilen, während sie stets als verbundene angeführt werden, in der betreffenden dräpa selber bisweilen als ge- trennte erschienen sein (vgl. nr. 28). Nicht selten geschieht es, daß die dräpa mehr als ein stef ent- hält; öfter zwei z. B. in Egils Höfudlausn (nr. 4), Placidus dräpa (nr. 25), Leidarvisan (nr. 30), Harmsöl (nr. 32), Lilja (nr. 33), Gud- mundardräpa I. u. H. (nr. 34. 35) — , auch drei z. B in Heilags anda visur (nr. 29), ja sogar sechs, wie dieß der Name von tjodolfs dräpa auf König Haraldr hardr. : sextefja (Ems VI, 129 s. oben S. 131) bezeugt. m. Der Zweck des stef ist die symmetrische Gliederung der dräpa Das stef erscheint nur in dem mittleren Theile der dräpa und bewirkt 142 TH. MÖRTUS hierdurch zimiichst eine Dreitheihmg derselben. Das Mittelstück wird begrenzt gegen die vorausgehenden oder einleitenden Strophen durch erstmaliges, gegen die folgenden oder schließenden durch letzt- maliges Auftreten des stef, bez. der Strophe, welche das stef enthält. Die hierdurch gewonnenen drei Theile sind: I. inngangr oder upphaf II. stetjab;ilkr oder (ra) stef oder (ta) ste^arael III. sla3mr oder nidrlag oder älyktan. NB. Von diesen Ausdrücken sind nur stef, stefjabalkr, stefjamel (-mel, -mal) und slsemr in der alten Literatur (in Hkr. , SE und n den dräpur selber) nachweisbar, werden aber von den Alten ebenso wenig als von den Neuern überall in gleichem Sinne verwendet. stefjabalkr begegnet in Hkr VII, k. 182 (s. oben nr. 15), wo Snorre aus rorarin's Togdräpa sechs Strophen mit den Worten ein- führt: ok er ])etta einn stefjabalkr. Die Zahlangabe, daß es einer (von mehreren) sei, ergiebt, daß Snorre mit steQabälkr nicht das ganze Mittelstück, sondern nur einen Theil desselben (ein ste^amel) be- zeichnet, der überdieß nicht einmal vollständig angeführt wird, da diejenige Strophe fehlt, die die zweite Zeile des zweitheiligen stef zu enthalten hatte (vgl. ShI V, 6 — 7). Außerdem findet sich stefjabalkr, doch wie es scheint vom ganzen Mittelstück, in der II. Gudmundar- dräpa (nr. 35) 23^: stefjabälk mun ek Jjangat hefja stefjamel (oder stefjamäl) findet sich in SE I, 686 in den Worten: er rett at setja kvsedit med svä mörgum stefjamelum (Reg. -malum Worm.) sem hann vill ok er ]3at tidast at hafa öll jafnlöug en hvers stefjamels (Reg. -mäls Worm.) skal stef upphaf ok nidrlag. stefjamel (-mel gesichert durch die Assonanz: helug börd i stef- jameli) in einem Verse aus Arnor's Magnüsdrdpa (Hkr VIII, k. 25 "532"-^ U): heyra skaltu . . . i stefjameli Über die Identität von steQamel, -mel, -mal und darüber, daß dieser zweite Bestand des Wortes dem goth. mel : tempus (nicht maj^l ; oratio) entspricht, kann wohl ebenso wenig ein Zweifel sein, wie daß der Begriff von 'Zeit' durch den von 'Zeitmaaß' mit dem hier er- forderlichen von *Maaß, Abschnitt' vermittelt ist. Doch hat das Wort diese Bedeutung von Versuum intercalarium Sectio oder classis' nur an der ersten Stelle, während es in Arnor's Verse — pars pro toto — für drdpa zu stehen scheint. VOM STEF. 143 Svbj. Egilsson bezeichnet mit steQamal in seiner Ausgabe der fjög. göm. kv. (Cat. 29) je das ganze Mittelstiick^ dagegen in seiner. Bearbeitung der RekstcQa die einzelnen Abtheilungen desselben. Jon Sigurdsson (SE III, 424) versteht unter stefjamal oder -mel die zwi- schen den stef liegenden Strophen (vgl. SE I, 686). stef, im Sing, wie im Plur. , wird mehrfach in den Gedichten selber zur Bezeichnung des Anfanges wie Endes vom Mittelstücke gebraucht, ohne daß dabei immer deutlich wäre, ob stef im engeren Sinne von Schaltvers oder in dem von stei^^mel oder stefjabalkr gemeint sei; vgl. ReksteQa 24, Geisli 18^ Placid. 11*, Mkv 11', Leidarvisan 13'. 25*, Liknarbr. U\ Harmsol 20*, Lilja 26. 51, Gudm. I. 20*. slaemr (d. i. sloemr) findet sich gleichfalls ein paarmal in Ge- dichten (Svbj. Egilsson, bodsrit p. XI — XII), so in einem Mariukvsedi (Ai\[ 757, 40) 28*: hef ek slsem, en lyk steQum, Leidarvisan 34^-2.- slsem skal ek upp . . . hefja Harmsol 46^, Rekstefja 24*, Gudm. I. 41-^ An allen diesen Stellen ist das Wort so angewendet, daß sich seine Bedeutung von epilogus, Schlußtheil von selber ergiebt. Das I. und III. Stück oder upphaf und slaemr sollten wohl gleich viel Strophen enthalten ; so ist es in Höfudlausn : 5 u. 5 (-|- 1) GeisU: 21 u. 21 (-f 1), Mälshättakvsedi: 10 u. 10, Leidarvisan: 12 u. 12, Lilja: 25 u. 25, Gudm. IL: 22 u. 22; dagegen in Rekstefja: 8 u. 12, Liknarbraut 12 u. 23, Harmsol 19 u. 20, Gudm. L: 19 u. 20. (NB. Pla- cidus dräpa am Anf. u. Ende, Jumsvikingadräpa am Ende verstümmelt.) Umfang wie innere Gliederung des IL oder Mittelstücks des stefja- balkr sind bei den einzelnen drapur sehr verschieden. Der Umfang des ste^abälkr, durch den der ganzen drapa mehr oder minder bedingt, ist regelmäßig größer als jedes der beiden andern Stücke, jedenfalls immer größer als das erste Stück, bisweilen doppelt so groß wde im Höfudlawsn (I. 5 Str. IL 10 Str. III. 5 Str.) und in Lilja (I. 25, IL 50, III. 25), w^ohl nur selten gleich groß, wie in Mäls- hättakvsedi (I. 10, IL 10, III. 10). Er ist häufig am Anfange, bisweilen auch am Ende, durch Ankündigung der nun beginnenden stef, bez. der geschlossenen, besonders gekennzeichnet. So heißt es am Beginne des steflabälkr in Gudm. II, 23-: ste^abälk man ek J^angat helQa * oder in Geisli 18: fiiss er ek (at) vanda stef, ähnlich in Mälshätta- kvsedi 11, in Placidusdräpa 11, Harmsol 20, Liknarbraut 13, Gudm. I, 20; am Schlüsse in Rekstefja 24: hefi ek J)ar lokit steQum 144 TH. MÖBIITS in Leidarvfsan 34: eru stef lidin . . . skal ek hefja upp slsem in Gudm. I, 41: gef }iii mer skildar ord i slsem hinn slötta Die innere Gliederung geschieht durch eine Anzahl Strophensätze, stefjfvmel, deren jeder aus mehreren Strophen besteht und durch das stef, je nachdem es ein gebundenes oder getrenntes ist, in verschiedener Weise gekennzeichnet wird. Das gebundene stef k 2 oder 4 Zeilen steht regelmälMg am Ende der letzten Strophe des stefjamel und bildet sonach deren 4. Viertel (v. 7 — 8) oder 2. Hälfte (v. 5 — 8); das getrennte, wenn es aus zwei Zeilen besteht, beginnt mit der ersten die erste Strophe des ste^amel und schließt mit der zweiten dessen letzte (s. oben S. 140); wenn es ein dreizeiliges ist, beendet es mit je einer seiner (3) Zeilen die (3) aufeinander folgenden Strophen des stefjamel (s. oben S. 140): wenn es endlich ein vierzeiliges ist, vertheilt es seine vier Zeilen entweder auf das Ende von Halbstrophen oder auf Anfang und Ende derselben (s. oben S. 141). Die Zahl der stefjamel ist eine willkürliche; Snorre sagt (SE I, 686^^) — wenn auch an dieser Stelle zunächst von der togdräpa die Rede ist — : er rett at setja kvsedit med svä mörgum steQa melum sem hann vill. Und so finden wir in den erhaltenen Drapa's stefja- balkar von 4, 5, 6, 8, 10 stefjamel. Die Zahl der Strophen, aus denen jedes stefjamel besteht, ist gleichfalls willküi'lich, obwohl in sofern gebunden, als ihrer, wie viele es auch sind, mit Ausnahme des ersten stefjamel, das den stefjabälkr eröffnet und nur aus einer Strophe besteht, gleich viele sein müssen — je 3 od. 4 od. 5 od. 6. od. 7 Strophen. Diese Ordnung findet sich am frühesten in Geisli und dann in allen folgenden dräpur. So besteht in: Geisli der stefjabälkr (von 28 Str.) in 10 stefjamel = 1 -f 9 (a 3 Str.) (von 36 Str.) in 6 „ = 1 -\- 5 {k 7 Str.) (von 21 Str.) in 6 „ = l-f-5(ä4 Str.) (von 10 Str.) in 4 „ = 1 -\- 3 {k 3 Str.) (von 21 Str.) in 6 „ = 1 -\- 5 {k A Str.) (von 17 Str.) in 5 „ = l-f-4(a4 Str.) (von 26 Str.) in 6 „ = 1 -|- 5 (ä 5 Str.) (von 2 ä 25 Str.) ä 5u.5„ =al-f4{ä6 Str.) (von 21 Str.) in 6 „ = 1 4- 5 {k 4: Str.) (von 36 Str.) in 8 „ = 1 -f 7 (a 5 Str.) NB. Diese Ordnung des stefjabälkr (1 -j- x) wird durch die Mehr- heit des stef, die sich in einigen Drapa's findet (s. oben S. 141), nicht weiter beeinflußt; so enthalten Placid., Leidarvisan, Harmsol, Gudm. I bei je zweifachem stef nur einen steQabälkr, ohne daß beim Eintritt des zweiten stef die einmal beliebte Größe und Folge der stefjamel Placid. V f» Jomsvik. r n Malsbattakv. n V Leidarvisan n T) Liknarbr. n r Harmsol n n Lilja r n Gudm. I. V n Gudm. 11. m n VOM STEF. 145 geändert würde; z. B. iu Harmsol mit 6 stefjamel in Str. 20 (1.) -f- 21 — 25 (2,), + 26—30 (3.), + 31—35 (4.), + 36—40 (5.), + 41—45 (6.) ist das erste stef enthalten in Str. 20. 25. 30, das zweite in 35. 40. 45. In Lilja dagegen mit zweifachem stef ist jedem sein besonderer, doch einer dem andern völlig gleicher stefjabalkr zugewiesen, während in Gudm. IL zwar in gleicher Weise jedem der beiden stef sein be- sonderer stefjabalkr znorthcilt ist, doch um das einstrophige stefjamel zum Beginne des zweiten stefjabalkr zu gewinnen, das unmittelbar vorauso^ehende um eine Strophe gekürzt worden, daher 1. steijabiilkr (Str. 23—42): 1 -f 3 a 5 und 1 ä 4 (nicht 5); IL stefjab. (Str. 43—58): 1 4- 3 a 5. Noch sei hervorgehoben, daß in Placidusdrapa ihre beiden stef a V2 S^i'- das erste in Str. 11. 18. 25. 32, das zweite in Str. 32. 39. 46 in der Weise einander aufnehmen, daß das zweite stef zum erstenmal nicht als stef, sondern als erste Hälfte der letzten stef-Strophe vom ersten stef in Str. 32 erscheint. In den älteren dräpur, deren uns nur zwei vollständig erhalten sind: Egil's Höfudlausn und Stein's Rekstefja, ist die Ordnung eine andere. In Rekstefja weicht sie zwar nur in soweit ab, als das 1. stef- jamel nicht bloß eine Strophe, wie Geisli u. s. w., sondern ebenso viel wie die übrigen enthält, so daß ihr stefjabalkr von 15 Strophen in 5 ste^amel a 3 Strophen besteht. Der Grund dieser Verschiedenheit liegt wohl nur in der Anwendung des getrennten (d reizeiligen) stef, das auch für das 1. stefjamel nothwendig eine Mehrheit von Strophen erforderte; wir dürfen annehmen, daß diese von der obigen verschiedene Gliederung in allen Drapa's mit getrenntem stef stattgefunden habe. Egil's Höfudlausn zeigt dagegen noch andere Eigenthümlichkeiten. Es besteht aus 21 Strophen, so geordnet, daß dem stefjabalkr 5 Stro- phen als Eingang vorausgehen (Str. 1 — 5) und ebenso viel als slsemr (Str. 16 — 20) folgen; die 21. Str. (eine Halbstrophe), ist wie in Geisli als ein besonderes epodium zu betrachten, so daß das Gedicht in der That als eine dräpa tvitug, d. h. eine Drapa von 20 Strophen zu gelten hat, gemäß der vorher erzählten Aufforderung des Arinbjörn an Egill, er solle gleich seinem Vorfahr Brage gamle eine dräpa tvitug dichten (Eg. k. 262, s. 145-146 Jf). Der stefjabalkr enthält sonach 10 Stro- phen, doch — eigenthümlich genug — 10 ungleiche Strophen, 6 voll- ständige (7. u. 8., 10. u. IL, 13. u. 14.) und 4 Halbstrophen (6. 9. 12. 15.) ; diese letzteren sind die stef-Strophen, und da Egill ein zwei- GEKMANTA. Neue Eeihe. VI. (XVm. Jahrg.) 10 14n TH. MÖBIUS, VOM STEF. taehes stef angewondct, deren jedes aus zwei verbundenen Zeilen be- steht, enthalten 6 und 0 das eine stef, 12 und 15 das andere (s. oben no. 4). Sonach ordnet sieh Höfudlausn folgendennal.H'u: I. 1 — 5 (5), IL 6-15 (10), III. l()-20 (5) + 1; der stefjabalkr (6— 15) im Beson- dem: 6. 7—.^. 9. 10—11. 12. 13-14. 15. [Die von Jon torkelsson in seiner Ausgabe (1856) angegebene Ordnung stimmt, abgesehen von den Benennungen der einzelnen Theile, mit der obigen im Wesentlichen überein, nur daß sie Str. 16 — 18 als (5) stefjannil und 19 — 20 als jilyktan dr;ipunnar bezeichnet.] Diese Verlegung des stef in besondere Halbstro})hen scheint Egils Höfudlausn gemein zu haben mit Brage's Ragnarsdrapa und Ilallfred's Olafsdnipa. In der Ragnarsdrapa erscheint das stef: rajs gafumk reidar raana Raguarr, ok fjöld sagna zweimal als zweite Hälfte einer Halbstrophe (SE I, 374 u. 438), deren erster Hälfte es durch die W(U'te ok fjöld sagna auch syntaktisch ver- bunden ist, nach bez. zwischen vollständigen Strophen. Ebenso erscheint in Hallfred's Olafsdrapa das stef: allr glepz fridr af falli flugstyggs sonar Tryggva einmal zwar (Fsk. 67) am Ende einer Strophe, doch das anderemal als zweite Hälfte einer Halbstrophe (OTr [1853] 61 u. Didr 2): nordr eru öll um ordin .... Tryggva; da aber die letztere (nicht bloß die beiden Stefzeilen) in Ilallfr. k. 11 (Es 112) ausdrücklich als stef an- geführt ist, wird sie als stef-Strophe zu gelten haben und ebenso in Fsk 67 von der Strophe: Nordmanna hygg ek nemiiini .... die zweite Hälfte: Grams daudi bra g(l)edi gods üfärar ])jodar, allr glepsk fridr af falli flugstyggs sunar Tryggva als besondere stof-Strophe abzutrennen sein. Der größeren Drapa- Fragmente, geschweige der vollständigen Drapa's, mindestens aus der älteren Zeit^ sind so äußerst wenige, daß unsere Einsicht in den Urspining des stef und seine allmälige Ent- wicklung nur eine sehr mangelhafte sein kann. Nur so viel wird sich auf Grund dt^s übei-lieferten Bestandjes mit Siclierheit behaupten lassen; n. KÖHLER, EINE SAGE VON THEODERICHS ENDE. 147 daß das stef aus dem Bedürfnisse hervorgieng, die in den Einzelnheiteu des sprachlichen Ausdruckes und des Metrums mit so vielem Aufwand von Kunst ausgestattete Dichtungsart der Drapa, auch in ihrem ganzen Bau einer durch Kunst gegliederten Regelung nicht entbehren zu lassen und dieß wohl nicht ohne die Nebenrücksieht, daß dem Hörer durch das in bestimmten Zwischenräumen wiederkehrende, jedenfalls im Vor- traire besonders ausirezeichnete und hervorgehobene stef ein Anhalt für eine leichtere Auffassung des ganzen Gedichtes geboten werde. Ferner dürfen wir annehmen, daß das stef, wenn es auch bereits in den ältesten Drapa's als verbundenes zweizeiliges erscheint, doch in der älteren Zeit vorzugsweise in seiner getrennten Form angewendet worden, um später allein in der verbundenen vierzeiligen zu herrschen. Wenn nach Svbj. Egilsson's Worten (ShI IIT, 228): 'versus autem inter- calares posse integram stropham occupare, per se habet' das stef in einer ganzen Strophe bestehen kann, so habe ich in der älteren Lite- ratur, so weit sie mindestens gedruckt ist, vergebens nach einem Bei- spiele gesucht. KIEL, April 187:;. TH. MÖBIUS. EINE SAGE VON TITEODERICHS ENDE IN DEM 'LIBRO DE LOS ENXEMPLOS\ In dem spanischen 'Libro de los Enxemplos', welches wahrschein- lich dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts angehört*), lautet das 43. Capitel also: Diabolum serviens finem cum eo facit. El que al diablo escoge servir, Con el acaba et ha de morir. Teodorico fue rey de los Godos, que destruyo poco menos a toda Italia, e mato ä Boecio, de gran linaje, e en todas las s'ciencias muy gran säbio, e ä Simaco, que eran consules de Koma, e fizo poner en cärceles al papa lohau, onde muriu, e mato muy muchos hommes sin *) Das 'Libro de los Enxemplos' ist von Pasciial de Gayangos in den 'Escritores en prosa anteriores al siglo XV', Madrid 1860 (Biblioteca de autores espanoles, Tomo LI), S. 443—542, herausgegeben worden. Außer der Einleitung von Gayangos sehe mau über dieß Buch auch Jose Amador de los Rios, Historia critica de la literatura es- paüola, T. IV, Madrid 1863, S. 305—318. 10* 148 ^- KÖHLER lo merecer. Mas liif^'o despues de IIa inucrte del Papa vino veuganza e ira de Dies sobre el, porque por su muerte tovieson fin tautas mal- dades. Un ermitafio sancto en inedio del dia viö a este Teodorico entre el Papa lohan e Simaco decineto e descalzo, e las nianos ata- das atniSy segun dice San Gregorio*), e que llo echaban en una olla forviente de fuego, commo quier que en otra nianera se dice de su muerte, que este seyendo muy cruel deleitabase en llas muertes de los homnies. E este stände en la eibdnd de Roma, asechaba las guar- das de la cil)dad, e todos cuantos fallaba donniendo de noche, nianda- balos matar. Acaescio una noclie que velando uno hemme que habie nombre Cariolo, el rey en habito disimulado, segun solie, vino acechar a llos que velaban, e llam(') ä este Cariolo, e non le respondio. Dijole: 'Moriräs, Cariolo, ca te falle dormiendo.' El dijo : 'Non dormia, ante pensaba.' El rey dijo: *(^Que pensabas?' Dijo: 'Pensal)a que la picaza tenie tantas penullas blancas commo negras/ Dijo el rey: 'Si non fuere verdad, moriräs.' E fue fallado que era verdad. Otra vegada fallo d este Cariolo que non le respondie; pensando que dormie , dijo: *^Mor- ras, Cariolo, que agora cir^rtamente dormies.' E dijo: *Non dormia, mas pensaba.' E dijole: 'Pues di que es lo que pensabas.' Dijo: 'Pen- saba que la raposa tenie tantos nudos en el rabo como en el spinazo.' E fallaron que era verdad. E la tercera vegada vino el rey de noche, e llamt'» ä Cariolo, commo solle, e non le respondio, e mandnlo matar. *) Nämlich im 30. Capitel des 4. Buchs seiner Dialogi. Ich lasse die ganze Stelle hier folgen: Julianus, hujus Komanai Ecclesiae, cui Deo auctore deservio, secun- dus defensor, qui ante Septem ferme anuos defunctus est, ad me adhuc in monas- terio positum crebro veniebat et mecum colloqui de animse utilitate consueverat. Hie itaque mihi qnadam die narravit dicens: Theodorici regis temporibus pater soceri mei in Sicilia exactionem canonis egerat atque jam ad Italiam redibat. Cujus navis appulsa est ad insulam, quse Liparis appellatur. FA quia illic vir quidam solitarius magnse vir- tutis habitabat, dum nautse navis armamenta rei)ararent, visum est praedicto patri soceri mei ad eumdem virum Dei pergere seque ejus orationibus commendare. Quos vir Domini cum vidisset, eis inter alia colloquens dixit: Scitis quia rex Theodoricus mor- tuus est? Cui illi protiniis respondenint : Absit, nos cum viventem dimisimus, et nihil tale ad nos de eo nuncusque perlatuni est. Quibus Dei famulus addidit dicens: Etiam mortuus est, nam hesterno die hora nona inter Johannem Papam et Symmachum patri- cium discinctus ntque discalceatus et vinctis manibus deductus in hanc vicinam Vul- cani ollam jactatus est Quod illi audientes sollicite conscripserunt diem, atque in Jtaliam reversi, eo die Theodoricum regem invenerunt fuisse mortuum, quo ejus exitus atque supplicium Dei famulo fuerat ostensum. Et quia Johannem Papam affligendo in custodia occidit, Symmachum quoque patricium ferro trucidavit, ab illis juste in ignem missus apparuit, quos in hac vita injuste judicavit. — Zu Vulcani ollam' ist in der 1705 zu Paris erscliienenen Benedictiner Ausgrabe der Werke Gregors bemerkt: 'Jn nonnullis mss. Xormannicis insulam, quse lectio coi.tirmatur ex versione grseca,' EINE SAGE VON THEODERICHS ENDE. 149 El dijo, que non dormie, mas pensaba cosas negras e de gran duelo. Dijo el rey: 'Declara lo que pensabas/ E respondio Cariolo: 'Yo pen- saba, e verdaderamente es asi, que tu eres liomme del diablo, e que el es tu sennor, 6 te levarn lioy vivo de entre los hoinmes, 6 si esto non fuere verdad, quiero luego morir.' El rey de que esto oyo luego fuese c diole tregua e termiuo que aquel dia non muriese; 6 ese mesmo dia Teodorico, stände en el bafio ä deshora, fuc turbado d comenzo de dar muy grandes voces: 'Ven, diablo, ven 6 Udvame.' E luego vino un Caballero escuro e tenebroso encima de un caballo muy negro, e lanzaba por la boca e por las nariees Ilamas de fuego. E dijo al rey que le llamaba: 'Vesme aqui, que me llamaste, pues sube e lleva- rete/ E el con gran furia e muy gran sana, embriago e ciego, saliö del banno desnuyo, e de su propia voluntad subio en el caballo, e ansi fue llevado al fuego de los diablos, ä los cuales siempre servirä. E desto se puede bien recollegir que el que llos diablos sirve, con ellos ha de morir. Wir haben hier eine, wie es seheint, bisher übersehene eigenthüm- liche Ueberlieferung der alten Sage von Dieterich von Bern, welche Otto von Freisingen (Chronicon V, 3, bei W. Grimm, Die deutsche Heldensage, Zeugnisse No. 24) leider nur zu kurz bezeichnet als 'fabula illa, qua vulgo dicitur: Theodorieus vivus equo sedens ad inferos descen- dit.' Im 438. Capitel der Thidrekssaga ist die Sage — nach A. Raß- manns Übersetzung in seiner 'Deutschen Heldensage' H, 684 — also überliefert: Als König Thidrek fast kraftlos vor Alter war, blieb er dennoch rüstig mit den Waffen. Einst hatte er an der Stätte, welche jetzt Thidreks- bad heißt*), ein Bad genommen, da rief einer von seinen Knappen: 'Herr, hier läuft ein Hirsch, und nimmer werde ich ein so großes und prächtiges Thier gesehen haben.' Als Thidrek dieß hörte, sprang er auf, nahm seinen Bademantel und umhüllte sich damit, und rief, als er das Thier sah: 'Holet meinen Hengst und meine Hunde!' Da Hefen die Knappen so eilig sie nur konnten und holten seinen Hengst. Nun däuchte es den König zu lange zu warten, da das Thier schnell lief, und er sah, wo ein sehr großes Roß mit dem Sattel stand; dasselbe war schwarz wie ein Rabe. Er lief zu dem Roß und sprang auf dessen Rücken. In demselben Augenblick ließen die Knappen die Hunde los, die Hunde aber wollten diesem Roß nicht nachlaufen. Nun lief das *) D. i. das nördlich von Yiterbo gelegene Bagnarea. S. Müllenhoff in Haupts Zeitschrift XH, 324. Die nachher erzählte Veroneser Sage verlegt das Bad nach Verona, unsere spanische Überlieferung nach Eom. 150 ^'- KÖIILEK Roß fast schneller imtcr ihm, als ein Vogel fliegt. Sein bester Knappe ritt hinter ihm her auf seinem hosten Hengst Blanka, und dort folgten alle Hunde. Da fj\nd König Thidrek, da 15 dieses kein Roß sein mcichte, und wollte sich nun von dessen Rücken losreißen, aber er konnte keinen Schenkel von dem Rosse aufheb(Mi, so fest saß er da. Da rief der Knappe ihm zu und sprach: 'Herr, wann willst du wieder kommen, weil du so schnell reitest? Da antwortete König Thidrek: 'Ich reite übel, dieß muß der Teufel sein, auf dem ich sitze. Aber ich werde zurückkommen, wann Gott will und Sancta I\Iaria.' Und demnächst kamen sie mit den Rossen von einander, so daß der Knappe König Thidrek nicht sah. Und nimmer hat man seitdem etwas von ihm ver- nommen. Daher kann niemand von König Thidrek sagen, was aus ihm geworden ist; aber so sagen deutsche Männer, daß ihnen in Träumen kund gethan sei, König Thidrek habe von Gott und Sancta Maria dessen genossen, daß er ihres Namens bei seinem Tode gedachte. Ganz ähnliches berichtet folgende Stelle aus Leos von Rozmital Ritter-, Hof- und Pilgerreise 1465—1467, Stuttgart 1844, S. 122 (vgl. 3Iüllenhoff in Haupts Zeitschrift XII, 428 und A. AVesselofsky in seiner Ausgabe der'Novella della flglia del re di Dacia', Pisa 1866, S. XLVII): Sub arce Veronensi juxta flunien balneum est, in quo Theodoricus Veronensis lavare consueverat. Fama tenet, Theodoricum, cum in bal- neo lavaret, visis quibusdam feris extemplo equum conscendisse atque eos insecutum esse, ex eo tempore postea nunquam apparuisse, ita ut quo devenerit in hanc usque diem ignoretur. Wir brauchen hier nur zu ergänzen, daß das Roß der Hölle ent- stammte, und wir haben dieselbe Sage wie in der Thidrekssaga. Diesen Stellen über Dietrichs Ritt in die Hölle'-') reiht sich nun unsere spanische Erzählung an. Was aber das in dieser Erzählung dem Höllenritt Theoderichs vorausgehende Begegniß mit Cariolo anbetrifft, so vergleiche man in dem lateinischen 'Salomon et ]\Iarcolphus' **) folgende Stelle: *) Auf die in den Gesta Bomanonim, Caji. 100 der Ausgabe von Ostevley, sich findende Erzählung vom König 8ymachu.s — oder Antiochus, Hs. II, 34, CXXVII, 5.S, CXXVIIL 46, oder Donatus (Tunatus), Hs. I, 49, CXII, .52 , der ebenfalls vom Bad aus* auf ein Teufelsroß steigt und einem Hirsch nachjagend zur Hölle fährt, und auf die dazu stimmenden beiden Reliefs und lateinischen Hexameter am Portal der S. Zeno- Kirche in Verona, die man auf Theoderich gedeutet hat, gehe ich hier, wo es sich nicht um Untersuchung der Entstehung der Sage von Dietrichs Ritt zur Hölle handelt, nicht ein. Man s. Müllenhoflf in Haupts Zeitschrift XII, .3.30 ff. **) Über die verschiedenen Ausgaben sehe man Kemble, The Dialogue of Salo- mon and Satumus, with an historical introduction, London 1848, pg. 31 ff,, Grässes Co EINE SAGE VON THEODEKIfFIS ENDE. ^5t Salomon sa^t zu ^larcolphus , don er zu sich beschieden hat: Si in hac noctc non ita bcne vigilavcris sicut cgo, in crastino de capitc tuo non poteris contidorc' Und hierauf heißt es weiter: Salomon et Marcolphus consederunt, parvoque intervallo facto Marcolphus dormire cocpit et ructare. Cui 8aIonion ait: Dermis, Mar- colphe? Marc. Non dormio, sed penso. Sah Quid pensas? Marc. Penso, tot leporiö esse juucturas in cauda quot in spina. Sah Nisi hoc proba- veris, reus mortis eris. Itcrum Salomone taccntc Marcolphus dormire coepit. Cui Salomon: Dermis, ]\Iarcolphe? Marc. Non dormio, sed penso. Sal. Quid pensas'? Marc. Penso, tot pennas albas in pica quot ni<^ras. Sal. Nisi etiam hoc probavcris, reus eris mortis. Iterum Salomone taccntc Marcolphus ructare et dormire cocpit. Cui Salomon: Dermis, Marcolphe? Marc. Non dormio, sed penso. Sal. Quid pensas? Marc. Penso, nullam rem sub sole esse candidiorem die. Sal. Nunquid ergo dies candidior est lacte? !Marc. Est. Sal. Probandum est hoc. Post hoc Salomone tacente et vigilantc Marcolphus dormire et sufFlare coepit. Cui Salomon: Mar- colphe, adlmc dermis? Marc. Non dormio, sed penso. Sal. Quid pensas? Marc. Nihil tute esse credendum mulieri. Sal. Et hoc a te probabitur. Iterum Salomone tacente Marcolphus sufFlare et dormire coepit. Cui Salomon: Iterum dermis? Marc. Penso, plus valere naturam quam nutri- turam. Sal. Nisi hoc probavcris, cras morieris. Post haec transacta nocte Salomon fessus vigilando se in loco suo collocavit Sole Oriente et terram illuminante curia regis impletur, et Salomon a lecto consurgens sedit in throno palatii siii. Tunc jussu regis lepus quairitur et in prajsentia defertur. Et tot junctura^ in cauda quot in spina a Marcolpho numeran- tur. Dein de qusesita pica et coram rege allata tot 'pennas alba? quot nigrse a Marcolpho enumerautur*). Cariolo also darf als Wächter, Marcolf in Folge eines besondern Befehls Salomons nicht schlafen. Cariolo erwiedert auf des Königs Beschuldigung, dal.N er geschlafen habe: *Non dorniia, mas pensaba/ ^[arcolf: 'Non dormio, sed penso.' Beide müssen ihre Gedanken sagen, und beide sollen sterben, wenn ihre Gedanken oder Behauptungen nicht am nächsten Tag als wahr erwiesen werden. Beide behaupten, Tresor de livres rares et iirccieiix VI, 1, 250 f. und K. UofmHini in den Sitzungs- berichten der bairischen Akademie der Wi-sseiischaften, pbilos.-philol. Classe 1871, S. 422. Mir liegen die Abdrücke in Boswells Frondes caduc?D (Kemble S. 33) und in Gartneri Dicta proverbialia, Franeof. 1598 (Kemble S. 34; vor. — Tn dem entsprechenden, von von der Hagen herausgegebenen deutschen Gedichte vergleiche man V. 718 ff. (S. 53) und in der deutschen Prosa in von der Hagens Narrenbuch S. 241 ff. *) Wie Marcolf im Folgenden auch die Richtiokeit seiner drei andern Behaup- tungen erweist, können wir hier übergehen. 152 K. KÖHLER dali die Elster so viel weiße als schwarze Federn hat*), beide, daß ein gewisses Thier — nach Cariolo der Fuchs, nach Marcolf der Hase — ebenso viel Gelenke im Rückgrat wie im Schwänze habe. Ich begnüge mich, auf die Übereinstimmung beider Erzählungen hinzuweisen; ob sie zu einander in einem Abhängigkeitsvcrhältniss stehen, darüber wage ich keine Vermuthung. AVEDL\K, Februar 1873. REINHOLD KÖHLER. DIE SCHWANKE VOM BAUER EINHIRN UND VOM BAUER GRILLET. I. Der von A. Wolf Bd. XVII, S. 322 if. aus der im Jahre 1736 erschienenen Lachenden Schule mitgetheilte Schwank vom Bauer Einhirn ist einer beinahe 200 Jahre früher verfassten Sammlung von Erzählungen entnommen, nämHch dem im J. 1559 erschienenen Nacht- büchlein des aus Leipzig gebürtigen Schriftgießers Valentin Schu- mann**), jedoch ist die Erzählung mehrfach sprachlich verändert und *) Kemble a. a. O. S, 27 theilt aus einer englischen Handscln-ift des 14. Jahr- hunderts folgenden, auf den ersten Anblick ganz unverständlichen Hexameter mit: AI pi pen ca bas tot habet ni nas quot habet gras, d, i. eine Verstellung der zum Theil in ihre einzelnen Sylben zerlegten Worte: Albas pica pennas tot habet quot habet nigras. In einer Schweizer Sage (bei Firmenich, Germaniens Völkerstimmen II, 658 — daraus wiederholt von O. .Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz, 2. ver- mehrte Auflage, Aarau 1873, S. 227 — und in etwas anderer Fassung in Vernalekens Alpensagen No. 233) fragt ein Edelmann oder Amtmann einen Knaben: Kannst du mir sagen, ob die Polster mehr schwarze oder weilJe Federn tiatV' Der Knabe antwortet: Mehr schwarze, weil der Teufel mit den Zwingherren mehr zu schaffen hat als die Engel. Auch der fernere Verlauf der Sage erinnert an Salomon und Marcolf. Der Edel- mann hetzt nämlich, durch die Antwort des Knaben erzürnt, seine Hunde auf ilin, aber der Knabe lässt sofort eine Katze los, die er versteckt bei sich trägt, worauf die Hunde nicht ihm, sondeni der Katze nachsetzen. Ebenso lässt Marcolf. als Salomons Diener nach des Königs Befehl die Hunde auf ihn hetzen, einen Hasen los, den er unter seinem Gewand versteckt hat. Man vgl. auch Zeitschrift für deutsche Mythologie III, 56, Simrock , Deutsche Märchen Nr. 53, und Sutermeister a. a. O. No. 48, wo eben- falls ein Bauer oder Hirt einen versteckten Hasen laufen lässt, als der Herr die Hunde auf ihn hetzt. **) Man vergleiche über dieß seltene Buch, welches mir durch die Güte des Herrn Oberbibliothekars Dr. 0. von Heinemann in dem Exemplar der Wolfenbütteler DIE SCHWANKE VOM BAUER EINIIIHX UND VOM BAUER GRILLET. 153 ein paar Reflexionen Schumanns sind weggelassen. Da es nicht unin- teressant ist den ursprünglichen Text mit dem späteren zu vergleichen, so lasse ich die Erzählung, wie sie im ersten Theil des Nachtbilchleins S. iS*"— 19'' steht, buchstäblich genau hier folgen, und bemerke vorher nur noch, da(.^ im ersten Jahrgang dieser Zeitschrift (S. 350 f.) Gödeke diese Erzählung des Nachtbüchleins schon im Auszug bekannt ge- macht hat. Ein Hystorj vonn eim Bauren, mit namen Einhyrn, vnd seinen Bauren im selben Dorff, biß sie sich alle ertrenckten. Ein Bawr ist gesessen inn einem Dorff, des nammcn ist mir ab- gefallen, der hett einen Son, der war sehr mutwillig. Nun als der Vatter starb, hub der Son vil schalckheit an, vnnd thet den Bauren vil scha- den, das sie verursachet wurden, auch jhm schaden zu zufügen, ob sie jhn mochten auß dem Dorff bringen, diser Son hieß Einhirn. Nun theten die bauren auf ein nacht eins, Schäften an dz dom Einhyrn ward [14| sein Bachofen eingcworffen, vermeinten er solt kein Brot mehrbachen, dieweyl er nicht vil vberiges het, jm auch keiner [1. keinen] mehr bawen kundt, so wolt jm auch keiner vergunnen, das er inn seinem Ofen bliche, weiten jn also vertreyben, so gescheyd waren sie. Nun der gut Einhirn gedacht ich hab offt hören sagen, Was man gehn Augspurg bringet, das gilt alles Gelt, vnnd nam den roten leymen von dem Ofen, stieß den auffs aller schönest vnd kleinest, thet dz fein in ein liderlin [1. liderin] secklin, zoch also auff Augspurg zu, vnd zoch zu Herberg bey einer Wiertin, die war ein Witfraw, het nur ein einige Tochter, mit der hielt sie also hauß. Nun thet der gut Einhyrn eins, vnd sprach, zu der Wiertin, mein liebe Wirtin hebt mir das secklin auff, fein fleyssig, dz mir kein schad darzu widerfare, dann es stund mir sonst verderben darauff, vnnd ich müßt entlauffen. Da sprach die Wiertin, Ey mein lieber freündt, jhr dürfft kein sorg haben, vnnd wann das lauter schon gemalen gold were, so solt euch [14''| kein steüblein daruon kommen, also thindt die frommen Wirtin alle, machen sich so gewiß vnnd fromb. Nun als der Einhyrn schlaffen was, dachte die Tochter was hat er nur im sack, das ers so theür vnd wol be- filcht, gieng hin vnd machet den Sack auff, fände den leymen, mainet es wer lauter gemahlen gold, lieff hin vnd sprach zu der Mütter^ War- lich der hat lauter gemahlen gold im sack, Die Müter besähe es auch Bibliothek vorliegt, Gödekes Grundriß I, 375 f. In der Titelcopie des ersten Theils bei Gödeke lese man aber statt 'vnd mancherley sachen : 'von m. s.' und statt 'recitieren : r ecitiern'. 154 K. KÖHLER maint es wer jhm also, spracli: Halt ich wils außlarcn, vnnd will jhm schwartze pfenninp; darein tliun. Er wirdt es morp;en nicht mcrcken, mainten GOtt hett sie bcrahtcn, da liett sie der Teuflfel beschissen. Als am nior«xeu der gatte Einhyrn auftstund, hieß jhm sein Sack geben, da bracht sie jhm den Sack mit den schwartzen Pfenningen, er sach Avol das er nicht wäre wie er vorhin gewesen wäre, schweyge still, dancket der Wirtin vmb jhr llerbcrg, zoch heymwertz. Als er für dz thor kam, band er sein sack auflf, den er voller schwartzen pfcnning [15J lande, der war von hertzen fro, gieng heim, vnd sprach zu den Bauren, Rotz hyrn wie habt jr mir ein schalckheit gcthan, das jhr mir mein Bachofen eingeworffen. jetzt liab ich ein Sack voller pfenning darauß geloßt, ich kan wol ein andern machen, das verdroß die Bawren, vnnd fragten jhn wa er sein Erdt oder leymcn verkaufft hett, sprach er zu Augspurg loßt man auß aller war Gelt, die Bauren giengen haim, vnnd schlugen all jhre Bachofen ein, führen mit grossen Wagen gen Augspurg, meinten sie wolten vil Gelt heran ß bringen, vnd hielten aufF dem Berlach, es kam aber niemand ders failßte wil geschweigen zu- kauffcn, sie hielten biß nach mittage, loßten aber kein gelt, deß waren sie sehr zornig, vnd fi.hren wider zur Statt hinauß, fnren die gantze nacht, biß sie heim kamen, hungerig vnd durstig, auch die Roß müdt vnd raat, da wurden sie dem Eyuhyrn noch feinder, weiten ju gar vmbbringen , vnd sprachen der laur hat vns beschissen, wie sollen wir jra nur fl5'] thun, das wir jhn bezalen, vnd giengen zu rath. Nun het der gut Einhyrn ein Küe, die trib man auß mit andern küe, die wolten sie jm erschlagen, als sie dann theten. Da der glitte Einhyrn die Küe fände, flucht er nichts, sähe wol wo es herkäme, Schand sein Kue, vnnd nam die haut, zoch wider aufF Augspurg zu, da geriet jhm aber ein beut*). Als er aufF dem Berlach stund, vnd sein haut faul [lies: failj het, da kam ein alter Lederer oder gerber, wie man sie dann heißt, fragt wie er jm die haut wolt geben, vmb zwen gülden bot er sie, vnd wurden des KaufFs eins, das er jhme solt funfF vnd zweintzig batzen darumb geben. Nun mußt der Lederer noch etwas außrichten, das er nit gleich heim gienge, sprach zum Einhorn höre Baur, gehe vnnd frage aufF dem ^littellech, nach einem Lederer, so wirdt man dir mein Hauß zeygen, das sieht also, gab jlim darniit alle warzeychen, wart mein ich will bald kommen, vnd dicli zu friden stellen, da gieng der gut Einhyrn dahin, fand wie jhm der [16] Mann saget. Der alt Lederer ein schon Jung Weib het, die hett villeicht auch mangel an ' j Uliland, Volkslieder 584: mir ist ein beut geraten. Grimm Wb, 1, 1750'". DIE SCHWANKE VOxM BAUt-K KINHIRN UND VOM BAUER GRILLET. 155 der kleinen Haußarbeyt*), als sie den Bauren sähe, das er Junpj vnnd starck was, auch sicli alleine bcy jhm fände, fieng sie mit ]hm an von der sach zureden, sprach. Lieber Baur was schied**) es, das jhr mir ein dienstlein thetcn, der Einhyrn verstund jhrcn willen, willig wäre, vnd sein sach machet. Als er fertig ward, sprach er, Fraw jetzt wann cwcr Mann kompt, so will ich jm sagen, das jhr so leichtfertig scyt, vnd so bald euch vnder ein frembden legt, Da sprach die Fraw, ach nein das tliiind nicht, jhr brecht mich von HeülMichen Ehren, vnd inn ein grosse schand, vor meinen Freunden, Ich will euch hundert Gul- den geben, vnd kommet wider wann jhr wolt, nemet ein haut zum fürzügel***), ich will alle zeit gar willig sein. Der gut Einhyrn nam das Gelt, wart biß der Mann kam. der gab jhm auch fünff vnnd zwcintzig batzen, also zoch er dahin. Wie vil meinet jhr, das der [16' ] AVeybcr in allen stctten sein, die dz auch geren thetcn, wann sie nit jhrer freund seh äfft daran schonten, oder sonst kondten haimlich zu wegen bringen. Als da der Einhyrn heym käme, sprach er zu seinen Naehbauren, Ey wie habt jr mir ein schalckheit gethan, das jr mir habt meine Kuh erschlagen, jetzt hab ich auß der haut hundert gül- den geloßt, zeyget jhnen hicmit das Gelt, das thet jhnen erst recht zoren, glaubtens vnd giengen haim, schlugen all jhre Kuh zu Todt, schandens, namen die Heüt, vnnd zohen wider auff Augspurg hinzu, hettens fail, Da kamen die Lederer wolten heüt kauffen, wann sie *) Vgl. Nachtbüchlein I, 9: 'Hiebey sollen lernen die, die Weyber nemen wollen, das sie zum ersten besinnen vnd betrachten, ob sie ein Weib können mit leibs notturti't versehen, als Kleyder, Essen vnd tiincken, vnnd als dann auch mit nächt- licher notturfFt, Wann einer ein Weib nimpt, vnd kan das klein haußarbeytlein nit, so hab ich doch sorg, er müsse offt vbel fressen, vnd hart ligen.' Ein Schwank im andern Theil des Nachtbüchleins S. 71^ ist überschrieben: 'Ein Geschieht von eines Bawren Son, der die kleine Haiißarbeit lernet, vmb zehen Guldin, vnd jm zu letzt den Quoniam abschnitte und fängt an: Ein reicher Bawr ist vor zeytten zu Langenaw, zwo Meyl von Vlra gesessen, der het ein Sun, der war einfeltig vnd fromb, es het jhm der Bawer geren ein Weyb geben, aber was solt er thun, der Sun war zu einfeltig, vnnd nani sich vmb keine Jungfraw , noch vmb kein Weyb nicht an, das machet er wüst von der kleinen Haußarbeit nichts, gedacht also, es war ihm seyn Zypffel nur von bruntzens wegen gewachsen.' Das Grimmsche Wörterbuch u. Hau.-arbeit führt folgende Stelle aus einem Lied in Hofl'manns von Fallerslebcn Deutschen Gesellschafts- liedern des 16. u. 17. Jahrh. (No. 1.53 der ersten, No. 306 der zweiten Auflage) an: weil er die klein Hausarbeit nicht, wie sichs gebührt, verriebt. **) Ich erinnere mich nicht, sonst das Zeitwort schaden stark conjugiert geftmden zu haben. ***) Fürzügel s. v. a. Vorwand? 156 K. KÖHLER dann ein Bauren fras^ten, wie theür die haut, sprach er vmb hundert gülden, vnd dann der ander auch also, biß aufF den letzten, da spra- chen die Lederer, Wir «glauben die Bauren sein vnsinnig, oder sie meinen wir sein Narren, das sie ein Jiaut vnib hundert gülden bieten, spotten jhrer, vnd failßten nur desto nfftcr, legten ye einem hundert funffh allerer*) darauff, oder \\1] hundert Creützcr^ dcß wurden die Bauren sehr zornig, vnd weiten nur den iMnhyrn gar aulk'oten, das [er] sie erst auch hct vmb jhrc Kuh bracht. Nun hett der Einhyrn ein gute alte Mutter, da fielen die Bawrcn inn sein Hauß, weiten jhn vmbbringen, zu allem Gluck war er nicht daheyraen, da schlugen sie jhm sein gutte alte Mutter zu todt, giengen wider daruon. Als er heym kam, vnnd fand sein ]\Iu(ter also Todt ligen, sähe er avoI wer es gethan hette, nam sein Mutter also erstarret, vnd trug sie weyt auß dem Dorff, lainets an ein standen, da kam von weytem ein Wein Fiirman gefaren, der het vier starcker Geül, vnd ein gut fuder wein, das het der Ein- hyrn ersehen, nam sein Mutter, stellet sie flux mitten inn weg, ehe sein der Furman jnnen ward, versteckt sich wider hinder die standen, wolt sehen wie es gehen wurd. Als der Furman nur [1. nunj daher füre, sach die Frawen im weg stehn, vnnd nicht weichen wolt, schrey er hola Fraw geht weck, oder ich fare vber euch, [17'] aber die Fraw wolt nicht weichen, tliet eben samm hört sie es nicht, als dann auch war wäre, der Furman ward auch zornig, sprach das dich Gott sehende, wilt du mich erst vexieren, vnnd mein spotten, hyb auff seine Getile, vnnd für flux das todt Weib vmb, gleich vber sie hin, das sach der Einhyrn, wuscht hinder dem Zaum he[r]für, ey du schclm hast mir mein Müter zu todt gefaren, du müst auff eim Rad erfaulen, der Fur- man meint es weren jr mehr da, hyb seim Sattelgaul die streng ab, vnnd rit eylendts daruon, vnd nam der Einhyrn sein Mütter, begrub sie, saß auff das ein Pferdt, fiiret den Wagen mit wein in sein dorff, vexieret die Bauren sprechend, p]y der grossen schalckhoit, das jhr mir mein ^Mutter habt erschlagen, yetzundt hat man mir drey Roß vnnd den Wagen vol Wein darumb gegeben , da weiten die Bauren gar toll werden, namen jhn rrefangen, vnd Rathschlagten, wie sie doch sein nur abkemen, hielten jhn gefengklicli, biß an den Morgen, da gien [18] gen sie zu Rathe, vnnd weiten den guten Einhyrn ertrencken, schoben jhn in ein Sack, vnd trugen jhn auff die Brücken, dann der I *) D. b. hundert Fnnfhellerstücke, denn solche gab es, s. Schmellers baierisches Wörterbnch II, 169, n. A. I, 1076. In der Lachenden Schule ist geändert; hundert und fünf Heller. DIE SCHWANKE VOM BAIT:R ETXHIRN UND VOM BAUER GRILLET. 157 Lech floß vor dem Dorff hin. Als sie nun also stunden, wollen jhn in das wasser werfFen, fieng ein alter Baur an vnnd sprach, Ey sollen wir dann au dem morgen fni ein tod volhriuf^en, vnnd hahen noch kein Meß gehöret, wir W()llen vor inn die Kirchen gehen, vnnd ein Meß horen^ wollen den Einliyrn dieweil inn dem Sack lassen ligen. Als sie dahin giengen, vnnd der Einliyrn h()rtG das keiner nicht mehr da ward, schrye er für vnnd für, ich mag es nicht lornen, ich will es nicht Lernen. Sich da mein lieber Landtsmann, ol) das gelück nicht wunderbarlich ist, vnnd wem es wol will, dem kommet es mit häuften, GOTT gebe wann sich die AV^elt zerrisse, auch toll vnnd vnsinnig wurde, so hilft't es doch nicht, vnd wann mancher das Gelt vnden zum llauü hinnauß schlüge vnd wurff*, so fiel es oben zu dem Tach wider hinn- ein, dar |18''J gegen, wann es einem vbel wil, so hilft't weder Krisum [1. Krisam| noch Tauft"*), auch wann sich einer zerrisse, vnd mit vr- laub beschisse, so laßt es sich nicht noten. Als nun der gute Einhirn also im Sack stacke, schicket es sich vngefehr, das ein Sewtreyber einen hauff'en Sew trybe, der höret das schreyen, dacht was ist es doch, das er nicht lernen will, gienge hinzu, fraget, was wiltu nit lernen, antwort der Einliyrn, ey da will mein Vatter nur ein Goldschmid auß mir machen, so kau vnd mag ichs nit lernen, O sprach der Sewtreyber, wie wolt ichs so geren lernen, wann maus mich nur lernen liese, da sprach der Einhyrn, lieber kreuche du inn den Sack, wann dann mein Vatter kommet, wirdt er dich an mein statt das Goldschmidthandtwerck lernen lassen. Der einfeltige Sewtreiber ließ sich vberreden, machet den Sack auff", vnd schloff* hinnein, den ließ der Einhyrn also ligen, treyb die Sew den Lech hinab. Als nun die Bauwren von der Meß kamen, wurff'en sie den [19] Sewtreyber inn das Wasser, vnnd er- trenckten jhn. Als es nun Abendt warde, kam mein g.'^iter Einhyrn wider mit den Säwen, das nam die Bauren sehr wunder, mainten er trybe die Saw auß dem Wasser, wurden "zu ratli, sie weiten einen inn das Wasser werft'en, vnnd wann er am boden etwas sehe, solt er die liänd vbersich werft'en, so wolten sie alle mit einander hinein springen, auft" dz ein yeder so vil Saw bekomme. Als der Baur hinein käme, sähe (verstehe inn das Wasser) nichts dann Wasser, vnd wolt er- trincken, warft" er die händ vbersich, vermainet sie selten jhm helff"en, verstünden die Bauren er sehe ein hauff'en Sew, sprangen alle in das *) Vgl. Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen IV, 379 (Lied von 1516): da hülft kain Crisam und kain Tauf. S. das Grimmsche Wb. u. Chrisam und Krisam. 158 ^- Kr)HLEK Wasser,^ crsauffteu sich selber, vnd bracliteu sich alle vmb Leib vnd Leben. Also p;eschicht gemeinklich allen denen, die ander leüten ein o:ruben frrabeu, vnnd zu letst selber darein fallen, Sihe aber wie GOTt SO gar seltzam vnnd langmutig ist mit seinen Wercken, die Bauren vermainten so sie den Eiuhyrn auß dem Dorff fl9''] betten, so weren sie gar aller sorgen frey, wuDten nicht das Er sie wurd vmb leib vnd leben bringen, also denckt die narrische Welt, vnd die ^^'eltweyseD, wann ich nur deß oder jenes ledig were, so hette ich schon gewunnen, wissen nicht das es Gott anders will haben, vnnd nach seinem willen macheu, AMe dann auft' ein zeyt auch ein Weib dachte, wann sie nur jhren Mann alle tag verklaget, so müßt er darnach thim was sie wolt, wul.U nicht das es ein andern weg mußt gehn*), von dem genug, darumb hab ich dise kleine Verßlein daran gehenckt, wie vnden stehn. Wolgethan hat mich betrogen, Ich het recht vnd ward erlogen. Die Zutietler seind den Herrn lieb, Vnd Stelen mehr dann ander Dieb"^'*). Soweit Valentin Schumanns Erzählung. Was die zahlreichen, in neuerer Zeit aufgezeichneten, mit diesem Schwank bald mehr, bald weniger übereinstimmenden Volksmärchen anlangt, so verweise ich auf meine Zusammenstellung in Benfeys Orient und Occident 11, 486 ff. und auf meine Anmerkung zu Laura Gonzen- bachs Sicilianischen Märchen No 70 und 71. Zu den an beiden Orten beigebrachten Märchen sind seitdem noch einige hinzugekommen, näm- lich bei G. Morosi, Studi sui dialetti greci della Terra d'Otranto, Lecce 1870, S. 74, A. De Gubernatis, Le Novelline di Santo Stefano, Torino 1869, No. 30, Zingerle, Kinder- und Ilausmärchen aus Tirol, 2. verm. Aufl., Gera 1870, No. 42, RadloJÖT, Proben der Volkslitteratur der tür- kischen Stämme Süd-Sibiriens I, St. Petersburg 1866, S. 302 ff., III, 1870, S. 332 ff. IL Der andere aus der Lachenden Schule a. a. 0. S. 327 mitgetheilte Schwank vom Bauer Grillet ist aus dem Französischen übersetzt, *) Diese Worte beziehen .sich auf persönliche Verhältnisse Schumanns, auf die er in der Widmung und sonst noch anspielt. **) ^^S^- über Zutüttler, Zudüttler die neue Ausgabe von Schmellers baieri- chem Wfjrterbuch I, 554, wo auch eine Variante der obigen Verse — mit Ven^'eisung auf V. Längs bairische Geschichte I, 193 — angeführt ist: Die Zududler haben ire Herren Heb, Doch stehlen sie als vil als andere Dieb. DTK SCHWANKE VOM RAITER FJNTTTRN ITNt) VOM RATTRR GRTLLKT. 159 zum Theil freilich nur auszuf^sweise. Das Orl<^inal ist eine Erzählung des Sieur d'Ouville'''). Der deutsche Übersetzer hat aber nicht die ganze französische Erzähhmg übersetzen woHen, sondern er wolltt; da aufhören, wo die Lakaien sich entdeckt ghiuben, und um kurz ab- brechen zu können, hisst er deshalb die Lakaien sofort ihrer Herrin den Diebstahl gestehen. Ln französischen Original aber gestehen die Lakaien nicht ihrer Herrin, sondern dem Wahrsager den Diebstahl und händigen ihm den Diamanten ein, worauf die Erzählung folgenden weiteren Verlauf hat: Grillet lässt einen Hahn den Edelstein ver- schlucken und erklärt dann der Dame, der Stein sei ihr entfallen und einer ihrer Hähne habe ihn verschluckt, in dessen Magen man ihn finden werde. Der bezeichnete Hahn wird geschlachtet und der Dia- mant gefunden. Gleich darauf kehrt der verreist gewesene Gemahl der Dame zurück, vermuthet in dem Wahrsager einen Betrüger und be- schließt ihn zu prüfen. Er thut ein Heimchen (grillet) zwischen zwei Schüsseln, fordert den Wahrsager vor und bedroht ihn mit Prügeln und Ohrabschneiden, wenn er nicht errathe, was zwischen den Schüsseln sei. Grillet hält sich für verloren, blickt gen Himmel und sagt laut: Helas pauvre Grillet! te voilä pris!' Der Herr, der nicht weiß, daß der Bauer Grillet heißt, bezieht natürlich die Worte auf das zwischen den Schüsseln steckende Heimchen und ist nun auch überzeugt, daß der Bauer ein großer Wahrsager ist, und entlässt ihn reich beschenkt. Die Erzählung d'Ouvilles beginnt: ' On appelle grillet un petit animal noiraut, fait environ comme une petite cigale, quicriela nuit dans les cheminees. Un certain villageois nomme aussi Grillet avoit etc.' Da der deustche Übersetzer den Schluß der französischen Erzählung weggelassen hat, so hätte er nicht nöthig gehabt, den Anfang so treu wiederzugeben und den undeutschen Namen Grillet beizubehalten. WEIMAR. REINHOLD KÖHLER. *) Die Contes des Sieur d'Ouville sind zuerst 1644 erschienen. Vgl. Bruneis Manuel unter Ouville. In der mir vorliegenden 'Elite des contes du Sieur d'Ouville' (a la Haye 1703) steht die Erzählung 'D'un Devin feint' T. II, pg. 210—224. Schon vor Jaliren habe ich in Benfeys Orient u. Occident III, 184 f. einen Auszug aus dieser Erzählung gegeben. Sie findet sich auch in 'Les recreations fran^oises, ou recueil de contes a rire', Paris 1658, II, 210- 223, oder Utopie 1681, II, 158—1.57. Die Recre- ations' sind fast ganz identisch mit der 'Elite des contes du Sieur d'Ouville'. J60 L. ETTMÜLI.ER BEITRAGE ZUK KRITIK DER EDDALIEDER. VON LUDWIG ETTiAIÜLLER. 7. Sigurctarkvida Fafnisbana ]M'i<1]a. Dieß Lied ist minder verderbt ^ als die bisher besprocheneu. Es ist im fornvrdalag oredichtet, aber die Vierzeiligkeit dieser Strophe ist nicht bewahrt; ob man jedoch Lücken oder Zusätze hie und da vorzunehmen habe, das wird eine nähere Betrachtung lehren. Die vier ersten Strophen sollen, nach Lüniugs Behauptung, später hinzugedichtet sein. Einen Grund dafür gibt er nicht an, und er wird auch keinen anderen haben, als daß eben diese Strophen nicht im Cod. R. stehen und einer Papierhandschrift entnommen sind. Soll dieser Grund gültig sein, so müssten auch Str. 19 — 37 des Sigrdrifu- mäl als unecht bezeichnet werden, denn diese Strophen fallen in die irleiche Lücke, die Cod. R. hier hat. Es wäre zu untersuchen: L ob die Papierhandschriften wirklich nur Abschriften des Cod. R. sind; 2. ob die Lücke in Cod. R. schon vorhanden war, als die Abschriften genommen wurden. Daß unsere vier Strophen auch keine Andeutung enthalten von allem dem, was Sigurd bei Sigrdrifa und nachher, als er sie verlassen hatte, erlebte, kann nicht als Grund der Unechtheit zur Geltung kommen, um so weniger, als diese Erlebnisse Gegenstand selbstständiger, jetzt freilich verlorener Lieder waren. — Doch zu dem Einzelnen. Str 3, 2 Völsuugr ungi ok vegakunni. So schreibt Lüning nach Munch, und erklärt: ..etwa der Weg- oder Kampfkundige", aber mit einem? Allein kunnr bedeutet nicht sciens, sondern notus, clarus. Die Kopenhagener trennen vega kunni und übersetzen qui pugnare sciebat. Das ist ganz gut, nur ist es sonderbar, daß die copnla ok statt des Relativpronomens stehen soll. Das geht nicht an; man lese also ent- weder statt ok er, oder wenn man glaubt ok bewahren zu sollen, schiebe man nach ok er ein. Str. 4 ist fünfzeilig, aber es ist keine Zeile zu entbehren. Man hat also nach armi ein Punktum zu setzen und mit Zeile 5: Mey frumunga fal hann megi Giuka Str. 5 zu beginnen, wohin sie auch dem Zusammenhange nach fiiglicher gehört. RFJTFÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. Ißl Str. 5. Nun wird freilich diese Strophe fünfzeilig, aber man er- kennt leicht, daß diese Strophe mit hygdi zu schliessen hat uud daß Z. 5 Gengu J^ess a niilli grimar urdir der Beginn einer neuen Strophe ist, von welcher jedoch die ferneren drei dazu gehörenden Zeilen ver- loren sind. Es ist also nach urdir eine Lücke von drei Versen zu be- zeichnen. Str. 6 (nun also 7) Ein sat hon üti aptan dags, nam hon svä bert um at mselask: hafa skal ek Sigurd, eda ])o svelta, mög frumungan mer ä armi. So die Handschrift. Man sieht, der zweite Vers hat keinen Stabreim. Ich weiß nicht, wer den unglücklichen Einfall gehabt hat, nach bert ord einzuschalten und dadurch einmal einen matten Ausspruch (sie begann ein offenes Wort darüber zu sagen) hervorzurufen, dann aber auch den Vers zu stören; denn nicht auf ord liegt der Hochton, son- dern auf bert, und diel- muß folglich den Reim tragen. Wie gesagt, ich weiß nicht, wer diesen P^infall gehabt hat, aber Lüning ließ nach Munch also drucken. Die Kopenhagener bereits waren auf dem rechten Wege, nur wählten sie ein uurichtiges Wort, als sie vorschlugen nam hon svä ort um at mailask, d. h. sie begann so kühn darüber zu reden. Auch würde aus ort, mochte nun ort (mit durchstrichenem o) oder avrt in der Handschrift stehen, kaum bert geworden sein. In der Handschrift steht ohne Zweifel oert, d. i. oert, o aber kann bekannt- lich leicht als b gelesen werden. Nun bedeutet oerr delirus, amens, die Worte: nam hon svä oert um at mselask besagen aber: sie begann in Liebesraserei also sich auszusprechen, und nur dieß erwartet man hier zu hören. Der dritte Vers ist nun aber auch bedenklich. Ich habe bereits es gesagt, daß im fornyrdalag Verse mit dem Stabreime auf der letzten Hebung meist immer verdächtig sind. Nun sind aber hier dazu noch die Worte: eda ))6 svelta in rein prosaischer Satzstellung, man lese also: eda svelta ])d. Die ganze Strophe hätte demnach zu lauten: Ein sat hon üti aptan dags , nam hon svä oert um at mselask: hafa skal ek Sigurd, eda svelta J)ö, mög frumungan, mer ä armi. ä armi hat nichts als den Uebelklang wider sich; wollte man den ver- meiden, so dürfte man gleich gut at armi schreiben. Die Strophen 7, 8, 9 (= 8, 9, 10) sind in üblem Zustande; 7 hat 3, 8 hat 5, 9 hat gar nur 2 Zeilen. Dazu kommt noch, daß die ÜIKMANIA. Neue Reihe. VI. (XVHI.) Juhr^. 1 1 162 L. ETTMÜLLER erzählende Strophe -"^ das Selbstgesprcäch der Sifi;rdrifa sehr imschick- lich unterbricht. Man wird also unbedenklich Str. 9 vor Str. 8 stellen dürfen, imd nun kann man aus diesen drei formwidrigen Strophen leicht zwei tadellose herstellen. Also nämlich: (7) „Ord majltak nü, idrumk eptir })ess, kvan er hans Gudrun, eu Gunnars ek ; (^•) von geng ek vilja, vers ok beggja, verd ek mlk goela af grimmum hug''. {S) Opt gengr hon innan ills um fyld, isa ok iökla, aptan hvern, er hana Sigurdr sveipr t ripti , konuno;r inn hünski kvan fria sina. Jetzt zur Rechtfertigung meiner zwei Streichungen, die Versetzung ist bereits gerechtfertigt. Nach Str. 7, 2 hat die Handschrift noch : liutar nornir sköpu oss langa j^ra. Solch einen Ausspruch (abgesehen davon, daß man okkr statt oss erwarten sollte) kann Sigrdrifa in ihrer so höchst aufgeregten Gemüthsstimmung nicht wohl thun. Sobald ein Gekränkter zur Er- kenntniss kommt, daß was er leidet ihm vom Schicksal auferlegt worden sei, gibt er den Kampf dagegen auf, denn er weiß, daß er doch umsonst ist. Sigrdrifa thut jedoch dieß keineswegs, und so würde obiger Satz in ihrem Munde zur reinen Floskel. Aufgeregte Gemüther bedienen sich niemals solcher. Obendrein klingt der Satz, zumal durch den Plur. oss, wie eine von allen Menschen gültige Sentenz, kurz, er ist Ergebniss der Reflexion; aber Sigrdrifa in ihrer Erregtheit kann gar nicht reflectieren. Der Vers rührt auf keinen Fall von dem Dichter des Liedes her, denn der hat gezeigt, daß er recht wohl wisse, was und wie die erregte Leidenschaft spricht. Zweitens habe ich in Str. 8 den dritten Vers: er ]iau Gudrun ganga ä bed, gestrichen, denn er enthält nichts als eine Erklärung des folgenden Verses. Man mochte wähnen, das hana desselben, das sich auf Gudrun, Str. 7, 2 bezieht, sei nicht deutlich genug, und schob deßhalb einen den Namen enthaltenden Vers hier ein. Str. 10 ist untadelhaft und gibt zu keiner Bemerkung Anlaß, aber Str. 11 hat wiederum eine Zeile zu viel. Der eingeschobene Vers ist der zweite: med näbornum nidjum minura, der als nähere Bestim- mung dem J)ars der ersten Zeile zur Erklärung dienen soll; aber diese Erklärung ist ganz und gar überflüssig. Str. 13, die aus sieben Zeilen besteht, und doch nur vier haben darf, zeigt recht augenföllig, was die Erweiterer für nüthig erachteten, BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 163 und wie sie verfuhren. Die echte Strophe schließt mit V. 4: hvat hänum vseri vinna soemst und die folgenden drei Zeilen sind Zusatz. Zuerst folgt die bis auf ein Wort gleichlautende Wiederholung: eda hä- num vseri vinna bezt, die völlig leer ist. Und nicht schicklicher fährt der Zusatzfertiger fort: alls sik Völsung vissi firdan; ok at Sigurd söknud mikinn. „da er sich des Völsungs beraubt wusste und an Sigurde großen Ver- lust"^ denn nicht das erwägt Gunnar, was nach Sigurds Ermordung für ihn das beste sei zu thun, sondern vielmehr, was für ihn das ziemlichste sei, Sigurd zu tödten, oder ihn leben zu lassen. Nebenbei bemerke ich noch, daß die Dative Völsung, Sigurd statt Völsungi Sigurdi sehr bedenklich sind; der erste ist geradezu ein grammati- kalischer Schnitzer, da Völsungr der 1. Deck folgt. Str. 14 lautet: A. Ymist hann hugdi iafhlanga stund, — J)at var eigi afartitt, at frä konungdom kvänir gengu, — nam hann ser Högna heita at rünum, ])ar ätti hann alls fulltrüa. Lüning bemerkt dazu: „Was diese Bemerkung „das war nicht gar häufig, daß Frauen von dem Königthum schieden", wie Brynhild Str. 11 gedroht hatte, hier bedeuten soll, ist immer noch zweifelhaft genug". Allerdings ist das zweifelhaft genug! Die Sache ist aber ganz einfach. Der Schreiber der Handschrift begriff nicht, daß die Worte „)3at var eigi afartitt" auf ^^mist hann hugdi iafnlanga stund" sich beziehen, nahm daher nach afartitt eine Lücke an, und ergänzte diese, unge- geschickt genug, nach Str. 11. Daß dadurch die Strophe fünf Zeilen erhielt, irrte ihn auch nicht weiter. Eben fällt mir noch bei, daß das ymist dieser Strophe auch zu der nachgewiesenen Verlängerung der 13. Strophe die Veranlassung gegeben haben dürfte. Die Strophen 15, 16, 17 sind untadelhaft, aber mit S,tr. 18 und 19 sieht OS minder bedenklich aus. Str. 18 hat sechs, Str. 19 dagegen nur zwei Zeilen. Es ist kein Zweifel, Str. 18 hat mit den Worten msegd ä foldu zu schließen, und die darauf nachfolgenden zwei Zeilen sind zu Str. 19 hinüber zu nehmen, wodurch beide Strophen regel- rechten Bau erhalten. Es fragt sich aber, ob die Folge der Zeilen die jetzige bleiben dürfe, oder ob auch noch eine Umstellung der beiden Halbstrophen stattfinden müsse. Ich entscheide mich für die Umstellung. Högni, dem die Strophen 17, 18, 19 zugehören, geräth, während er 11* 164 L. ETTMÜLLER spricht; mehr und mehr in Eifer, gerade dadurch aber wird es gerecht- fertigt, wenn die Verse nicht genau so aufeinander folgen, wie es eigentlich ihr Inhalt verlangt. Man erwäge nur einmal die beiden Strophen, wie ich sie abthcile: l!^. Vituma vit a moldu menn in sselli, mcdan iiorir vor folki radum, ok sa inn hünski herbaldr lifir, ne in majtri msegd a foldu. 19. Ek veit görla, livadan vegir standa : eru Brynhildar brek ofmikil; ef ver fimm sonu fajdum lengi , ättum goda ocxla knsettim! und man wird mir wohl beistimmen. — Jetzt noch einige Worte zur Er- klärung der allerdings etwas dunklen Stelle. Lüning stößt sich zuerst an fiorir und fragt: „wnr viere" Gunnar, Högni, Guthorm und: Giuki? Brynhild? denn Sigurd wird ja besonders bezeichnet, so daß es gleich darauf fünf sind. Von Brynhild kann bei den vieren keine Rede sein; denn sie ist ja Guunars Gemahlin. Es sind die Giukunge gemeint, deren wir ja gerade viere kennen, nämlich Giuki, Gunnar, Högni, Guthorm. Die letzte Zeile las Grimm ättum goda (statt goda) oexla knsettim und übersetzte sie: die Geschlechter der Götter könnten wir stürzen. Diese Deutung nahm auch ich vor Jahren an, jetzt verwerfe ich sie; denn oexla hat nie den Dativ, immer den Accusativ bei sich, woraus folgt, daß goda nicht Gen. Plur. von god sein kann, sondern der Acc. Plur. masc. von godr sein muss. Demnach aber kann ättum nur der zu goda gehörende Dativ der näheren Bestimmung sein, also ättum goda bezeichnet die durch Geschlecht, Abstammung Guten, die Edlen. Freilich kennt die Edda sonst nur sett, nicht ätt, wie Lüning richtig bemerkt, dennoch dürfte hier die sonst gar nicht seltene Neben- form ätt mit Absicht gewählt sein, weil bei vocalischem Stabreime man möglichst verschiedenen Laut liebt, » und oe aber zu nahe aneinander rühren. Egilsson verzeichnet ein oexla und ein öxla, gibt beiden die Bedeutung augere, progenerare, nimmt sie auch nach seiner Weise für ein und dasselbe Wort; aber wenn oexla zu vaxa, 6x crescere, gehört, so kann es mit öxla nichts gemein haben, denn oexla würde ahd. wuohsilon, öxla aber ahsulon lauten. Wenn also beide Wörter wirklich gleiche Bedeutung haben, wie Egilsson behauptet, so kann öxla nur ein Schreibfehler sein, wo es auch stehen mag. Str. 20 ist fehllos, Str. 21 dagegen scheint die zweite Hälfte ein- gebüßt zu haben, doch verhält üich vielleicht die Sache auch anders. Il BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. |65 Str. 23 nämlich, die jetzt dreizeilig ist, scheint mir keinen Vers ver- loren, vielmehr einen Zusatz erhalten zu haben. Streicht man in Str. 23 die erste Zeile, die in der That entbehrt werden kann, so erhält man zwei regelrechte Strophen, denn dann lässt sich also verbinden: 21. Dailt var at eg^rja obilgiarnan , stod til hiarta hiörr Sigurdi ; 22a. red til hefnda hergiarn i sal, ok eptir varp ubilgiörnum. 22b. Flu til Guthorms grams ramliga kynbirt iarn or konungs hendi; 23. hendr ok höfud hne a annau veg, en fota hlutr feil aptr i stad. Da der Dichter hier sichtbar den raschesten Fortschritt der Erzählung beabsichtigte, so ist es kaum glaublich, daß er zwischen hendi und hendr die Worte: Hne bans um dölgr til hluta tveggja einschob, denn eben dieß wird durch die beiden letzten Zeilen klar genug ja ausge- drückt. Aber das gleich hintereinander zweimal gesetzte obilgiarn sieht dem Fehler eines unaufmerksamen Abschreibers allzu ähnlich, als daß ich es dem Dichter aufbürden möchte; der sprach oder schrieb wohl an der zweiten Stelle öfundgiörnum, was fast das gleiche ausdrückt. Die Strophen 24 — 30 sind fehllos überliefert, ebenso Str. 32, aber Str. 31 und 33 haben jede eine Reimzeile zu viel. Bei Str. 33 ist die epische Formel: ^])ä kvad J)at Brynhildr Budla dottir'"' in Klammern eingeschlossen, ohne Zweifel , weil sie einer späteren Handschrift ent- nommen ist. Auch der erste Vers von Str. 31 : ^Hitt kvad J^a Gunnarr gramr haukstalda" ist zu tilgen, denn sie gehört ursprünglich ebenso wenig zum Liede, wie die eingeklammerte erste Zeile der vStr. 33. Die Strophen 31 — 40 enthalten das Gespräch, das Brynhild und Gunnar auf ihrem Lager zusammen haben, als sie den Weheruf der Gudhrun hören und dadurch erfahren, daß Sigurd umgebracht sei. Unter diesen Umständen kann die epische Eingangsformel in einem Liede fehlen, und sie muß ohne Weiteres gestrichen werden, wo sie das Ebenmaß der Strophe zerstört, wie es hier in Str. 31 und 33 der Fall ist. In den Strophen 34 und 35 ist alles in Ordnung, die Strophen 36- 40 jedoch haben theils Einschaltungen theils Anhängsel. Str. 36 hat ein hiiclit erkennbares Einschiebsel. Sigurd zeichnet sich bekanntlich durch seine leuchtenden Augen aus. Wenn daher Brynhild von ihm sagt: varat bann i augu ydr um likr, so ist das völlig genügend, um ihn von Gunnar und Högni zu unterscheiden ; die darauf folgenden Worte: ne ä engi lut (1. hlut) at älitum sind also 1(^6 L. ETTMÜLLER ganz und gar überflüssig und dazu noch unwahr. Streicht man sie, so Tvird die Strophe rcgeh'ccht. Schlimmer steht es um Str. 37. Sie bedarf auch sonst der Be- richtigung, und so will ich sie berichtigt hersetzen: Ok mer Atli ])at einni sagdi, at hvarki h?zk höfn um deila guU ne garda, nema ck gefask letak, |)ä er mer i('>dimgri eiga seldi. Ich habe zunächst das höfnum (dat. plur.) in höfn um getrennt, weil die anderen Objecte zu deiLa hier im Accus, stehn, welcher wieder durch den Acc. |)a er gesichert wird (wäre höfnum richtig, so würde auch gulli. gördum, ])eim er stehen). Ich habe ferner das iardir der Handschr. in garda verwandelt und zwar weil der Acc. plur. ))ä ein Masculinuni fordert (iardir würde JDser er verlangen), dann weil gull und garda allitterieren. Dieü meine durch die Sache selbst gebotenen Änderungen. Jetzt die ausgeschiedenen Zusätze. Nach der dritten Zeile ward eingeschaltet: ok engi lut (1. hlut) audins fiär, ganz überflüssig, da ihr Erbgut (auditt fe) bereits ja schon durch gull und garda satt- sam bezeichnet ist. Endlich ward nach der vierten Zeile angeheftet: ok mer iodungri aura taldi. Wenn dieser Vers nicht geradezu eine Variante zur vierten Zeile ist, die durch ok (statt j^ä er) angeknüpft ward, ist er ein rein nichts neues sagender Zusatz und dann durch das wiederholte iodungri doppelt verdächtig. Str. 38 hat nur einen Zusatz nach der vierten Zeile, die mit vera ganz gut schließt, nämlich die Worte: mörgum manni at munar stridi. Diesen Satz durfte der Dichter ohne Zw^eifel in der Erzählung aus- sprechen, aber er darf nicht, wie hier geschehen ist, der Brynhild selbst in den Mund gelegt werden. Str. 39 hat zu schließen mit den Worten aura vildak. Die an- gehängten zwei Zeilen haben die erste Hälfte der Str. 40 zu bilden, welche nach Bereinigung zu lauten hat: Unna einum ne ymisum; bioat um hverfan hug menskögul! allt mun })ät Atli eptir finna: })ä mun ä hefndum harma minna! Nur so ist diese Strophe eines echten Dichters würdig. Nun höre man aber, was die Abschreiber daraus gemacht haben. Als ob das eptir in Verbindung mit der letzten Zeile nicht hinreichend wäre die Ge- sinnung der Brynhild sattsam kund zu thun, wird nach der dritten Zeile eingeschoben zur Erklärung des eptir: er hann mina spyrr mord- BEITKÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 167 tbr görva d. h. wenn er erfahrt, daß meine Todesfahrt vollendet ist. Aber so mit dem Zaunstecken brauchte Brynhild gar nicht auf ihren Entschluß hinzuweisen; die minder klare Ilindeutung ist verständlich genug und nur um so wirksamer. Aber hiermit nicht genug, der Er- weiterer knüpft an das finna noch folgenden Satz an: at f>eygi skal })unnged kona anuarrar ver aldri loida, d. h. daß doch nicht soll eine zartsinnige Frau einer andern Gatten im Leben geleiten (mit ihm zu- sammenleben). Das nimmt sich doch im Munde der Brynhild sehr sonderbar aus, da sie ja gar nicht mit Sigurd „zusammengelebt" hat. Und die Sache wird nicht besser, wenn man mit den Kopenhagenern statt )iunnged, zartgesinnt, ])ungged, strenggesinnt, liest. Aber die Zu- satzverfertiger überlegen selten alles genau genug bei ihrer Arbeit; und das ist denn gut: denn sonst würde es schwer fallen Zusätze als solche zu erkennen. Hätte Brynhild mit Sigurd „zusammengelebt", so hätte sie weder ihn tödten lassen, noch sich selbst getödtet. Eben weil sie nicht mit ihm leben konnte, that sie alles was sie that. Sagt sie ja selbst Str. 6 : hafa skal ek Sigurd eda svelta J)6! Die Strophen 41 — 46 sind in schlimmem Zustande. Str. 42 und 46 hat nur zwei Reimzeilen, wogegen Str. 43, 44 und 45 je sechs Zeilen haben. Dazu kommt noch, daß, wie der Inhalt zeigt, die Halbstrophen versetzt sind und obendrein Str. 44 einen Zusatz enthält. Herzustellen sind die Strophen also : 41". Upp reis Gunnarr, gramr ver dungar ok um hrds kouu hendr um lagdi; 43". nam hann ser Högna hvetja at rünum ; „seggi vil ek alla i sal ganga! 43'' rina med minum (nü er })örf mikil), vita ef meini mordför konu, unz af m^eli eun mein komi: J)ä lätum ])vi })arfar rada." 41^'. Gengu allir ok J)o ymisir af heilum hug hana at letja ; 42. hratt af hälsi hveim ]3ar ser, leta mann sik letja langrar göngu. 44. Einn j^vi Högni andsvör veitti: „letia madr hana langrar göngu, ])ars hon aptrborin aldri verdi mörgum manni at modtrega!" Der von mir ausgeschiedene Zusatz findet sich nach 44, 3 und lautet: \ß9> L. KTTMÜLLER hon kröuG^ of komsk fyr knc m6(tur, hon 86 borin ovilja til. Das konnte wohl der Dicliter sagen, wenn es überhaupt gesagt werden sollte, aber Högni nicht, den man es doch sagen lässt. Dieser berück- sichtigt hier nur die Zukunft, nicht die Vergangenheit. Übrigens ent- hcält der Satz eine Unwahrheit; denn Brynhild war keineswegs von Geburt an grimm- und mordgierig, sie ward es erst, als sie den an ihr geübten Trug erkannt hatte. Soviel über den Zusatz; die Versetzungen, denke ich, rechtfertigen sich durch sich selbst. Str. 45 und 40 (sechszeilig und zweizeilig) erfordern nur eine andere Abtheilung, um regelrecht zu werden, nämlich also: 45. Hvarf ser ohrodugr andspilli frä, Jjar er mörk menja raeidmum deildi; leit hon um alla eigu sina; soltnar ))yjar ok salkonur. 46. Gullbrynju smo, vara gott i hug, adr sik midladi msekis eggjum; hne vid bolstri hon a annan veg ok hiörundud hugdi at rädum. Die Strophen 47 — 49 geben zu keiner Bemerkung Anlaß, Str. 50 dagegen halte ich für einen spcäteren Zusatz, und zwar aus verschie- denen Gründen. Erstens ist die Strophe nur dreizeilig, ohne daß sich etwas -zur Ergänzung durch eine vierte Zeile darböte; dieß Lied aber ist ursprünglich in regelrechten vierzeiligen Strophen abgefasst. Zweitens ist es sonderbar, daß Brynhild, die bereits Str. 47 den Mägden, wenn sie ihr freiwillig in den Tod folgen wollen, Gold und andere Kostbar- keiten verlieißen hat, jetzt^ nachdem sie abgelehnt haben, um sie doch noch zu gewinnen, sagt: „auf euren Gebeinen wird weniger Gold brennen, wenn ihr später einst mich zu suchen kommt." Das ist im Munde einer Walkyrie widersinnig; denn eine solche weiß, daß ihre Mägde später sie gar nicht aufsuchen k(3nnen, selbst wenn sie wollten, da sie in Walhall nicht Zutritt erhalten. Endlich schließt sich auch Str. .51, die tadellos ist, an Strophe 49 besser an, als an Str. 50. Str. 52 und 53 (jede hat nur drei Zeilen, und 52 ist auch sonst bedenklich) sind wohl spätere Zusätze; sie beruhen auf der Verbindung der Sage von Sigurd mit der von lörmunrok. Freilich, wenn sie ge- strichen werden, muß man auch die Strophen 60 und 61 streichen. Es fragt sich nur: ist dieß Lied älter als die Verknüpfung der beiden Sagen, oder nicht? Lüning meint, dieß Lied sei keineswegs sehr alt, und es dürfte erst nach der Verbindung der beiden Sagen gedichtet BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EhnAIJEDER. 169 worden sein. Gründe für diese seine Ansicht brin^^^t er nicht bei; auf keinen Fall dürften sie darauf beruhen, daß diese Strophen jetzt ein- mal im Liede sich finden. Das jüngere Alter des Liedes müsste zu- nächst aus den sprachlichen Verhältnissen desselben nachgewiesen werden oder dann aus Ansichten des Lebens oder des Glaubens, die nothwendig einer späteren Zeit angehören, und dabei dürften begreiflich nur die unbestritten echten Worte des Liedes in Betracht gezogen werden. Da weiß ich nun aber wirklich nicht, ob man wird im Stande sein, das jüngere Alter des Liedes überzeugend nachzuweisen. — Doch wieder zu unseren Strophen. Str. 52 lautet jetzt: Satt munud it Gudrun snemr en |^u hyggr. hefir kunn kona vid konung daprar minjar at daudan ver. Die zweite Zeile ist gar kein Vers des Fornyrdalag, und zudem könnte kein Mensch sagen, welcher König mit diesem konung gemeint sei, wenn wir nicht noch andere Quellen hätten. Es ist Alf, König der Dänen, gemeint, der Pflegevater Sigurds, zu welchem sich Gudrun nach ihres Gatten Ermordung zurückzog. Aber auch diese Kenntniss bei den Hörern des Liedes vorausgesetzt, muß man doch, um den Vers herzustellen, wenigstens: vid konung Dana lesen, obgleich dieser König so noch im Dunkel bleibt. Wer nun aber diese und die folgende Strophe für echt hält, kann hier Zeile 2 und 3 streichen (es ist damit nichts verloren) und Zeile 1 mit der folgenden Strophe 53 verbinden, wo- durch er eine regelrechte vierzeilige Strophe erhält; aber der Aufent- halt der Gudrun bei König Alf wäre dann ganz und gar nicht er- wähnt*). Str. 54 und 55 sind auf jeden Fall echt, nur daß die Strophe 54 jetzt fünf, die Str. 55 nur drei Zeilen hat. Es ist mit folgender An- ordnung zu helfen: 54. Gefa mundu Gudrünu godra nökkurum, skeyti .>koeda skatna mengi; liana mun Atli eiga ganga, of borinn Budla, brodir minn. 55. Zinnat at vilja verssei gofin. — margs ä ek minnask, hve vid mik forud, J)a er mik sära svikna höfdud, vadin at vilja vark, medan ek lifdak. Man sieht leicht, daß 55, 1 dem logischen Zusammenhange nach auf ^) Wer das tbut. muß danu aber 53, 1 statt J)ar er: J)ä er lesen. 170 L. ETTMÜLLEK 54, 2 folgen müsse ; aber Dichter binden sich nicht immer an die streng logische Folge der Sätze, und dieser steht in der That zu Anfange von Str. 55 ebenso gut. Schließlich bemerke ich noch, daß die Hand- schrift 55, 2 foru hat, aber es folgt ]>a darauf und höfdud. Str. 56 ist ein Einschiebsel, und ist ganz gleichgültig, ob es jünger ist als Oddrünar gratr oder älter, wie ich früher annahm. Str. 57 ist nur ein Bruchstück. Die jetzt fehlende zweite Halb- strophe hat ohne Zweifel den Tod Högnis zum Inhalte gehabt. Käme es auf Ausfüllung von Lücken an, so ließe sich die Strophe etwa also herstellen : rik mun Atli illu beita; mundu i öngau ormgard lagidr, siz or Högna hiarta skäru: eru Gudrüuar grseti at fleiri. Str. 58 wird vollkommen regelrecht, sobald man die nicht nur überflüssige, sondern sogar abschwächende Erweiterung: „sselu sinni ok sofa lifi" streicht. Dieß Lied, in seinen ersten Theilen, liebt keines- wegs solche Weitschweitigkeit. Str. 59 ist ganz regelrecht und unverderbt, und über die Str. 60 und 61 ist bereits oben gesprochen (bei Str. 52j. Wer die beiden Strophen nicht für spätere Zufügungen hält, der wird, um dem Gesetz der Strophe gerecht zu werden, Str. 60 die Zeile: eru if ä rädum lonakrs sonum zu streichen haben; Str. 61 aber mit dem Verse: ))viat lörmunrekr o]jarft lifir schließen müssen. Die noch folgenden zwei Zeilen enthalten einen sehr müßigen Zusatz; es sind zwei Bemerkungen, wie sie jedem Hörer des Liedes sich aufdrängen mochten. Str. 62 ist echt, doch enthält sie einen Vers, der dem Charakter der Brynhild wenig gemäß ist, indem er dem Ganzen eine sentimentale Färbung gibt, nämlich die Worte: sü raun i heimi hinzt boen vera. Wenn man diesen Vers ausscheidet, erhält man eine regelrechte, vier- zeilige Strophe*). Str. 63 entbehrt einer Reimzeile. Sie lässt sich nach der Völ- sungasaga herstellen. Demzufolge würde die Strophe nun also zu lauten haben: ) Will man das hinzt nicht ganz aufgeben , so kann man in der ersten Zeile der Strophe statt bcenar einnar mit der Völsungasaga boenar efstu lesen. BEITRÄGE 7.UR KRITIK HER K HP AT. IE DER, 171 Tialdi J>ar um ))ä borp: tiöldum ok skiöklum ok af raudum rekka blodi valarift vel fad ok vala mengi ; brenni mcr iiin liunska ä hlid adra. Nun noch einige Worte zur Erklärung. Lüning weiü nichts ob er rift (Z. 3) als fem. oder neutr. , als Dativ oder Accusativ nehmen soll, fad, das dazu gehört, zeigt, daß rift gen. neutr. ist und im Accus. Plur. steht. Der Scheiterhaufen (borg) ward mit Decken (rift) bedeckt, darauf wurden die Todten gelegt und das Ganze mit Teppichen und Schilden umgeben. Rift und mengi stehen also in Apposition zu borg. Str. 64 lautet: Brenni enum hünska ä hlid adra mina J)i6na menjum göfga, tveir at höfdum ok tveir haukar; ]3a er öllu skipt til jafnadar. Metrisch ist gegen diese Strophe nichts einzuwenden, aber sonst desto mehr. Sie sieht aus, als hätte man sie nach der Völsungasaga, aber ungeschickt, zusammengesetzt. Man soll dem Sigurd zur andern Seite verbrennen die Knechte der Brynhild, gleich darauf aber heißt es: zwei zu Haupt en und zwei Habichte. Zur Seite und zu Häupten, das geht doch nicht wohl an. Noch fügt die Völsungasaga hinzu: tvä at fotum, zwei zu Füßen. Diese Worte können schon der Sache nach nicht wohl entbehrt werden, denn die Diener finden ihren Platz gewiß vor Allem zu den Füßen des Herrn. Fügt man die Worte jedoch ein, so erhält man einen Halbvers zu viel, und ergänzt man diesen, so bekommt die Strophe fünf Zeilen. Endlich sind die Nominative tveir und tveir haukar nur durch eine Ellipse zu erklären: man muß se hinzu denken. Alles erwogen, stelle ich die Strophe also her: Brenni mina ])i6na menjum göfga hanum tvä at höfdum, tvä at fotum, ok tvä hauka, hunda tvä: ]3ä er öllu skipt til iafnadar. denn man weiß, daß neben Habichten auch Hunde (Jagdthiere) mit den Todten verbrannt wurden. Dieß zur Ergänzung der Einschaltung. Die Strophen 65 — 68 sind völlig in Ordnung*). *) lata am Ende von 68 steht nicht für lätask, wie Liinincr meint, sondern es steht elliptisch ; fiörvi oder lifi ist hinzuzudenken. 172 L. ETTMÜLLER 8. Brot af Brynhildark vidu. Simrocks Versuch, durch Änderungen und Versetzungen dieß Gedicht als ein ganzes darzustellen, musste mißglücken, da wir eben nur Trümmer vor uns haben und nicht nur der Anfang, sondern auch das Ende des Liedes fehlt. Versetzungen freilich sind n()thig, auch wenn mnn die Überlieferung nur als Bruchstücke betrachtet. Die erste PTiilfte der ersten Strophe mag immerhin echt sein, obgleich sie nur Papierhandschriften entnommen ist; aber sie gehört nicht zur zweiten Hälfte dieser Strophe, die nothwendig fragende Worte Högni's enthält, worauf Gunnar Str. 2 antwortet. Lässt man die erste Strophe in ihrem Bestände, so muß Str. 2 als Antwort der Brynhild gefasst werden, wogegen jedoch der Inhalt spricht. Brynhild darf gar nicht sagen, daß Sigurd ihr Eide geschworen und sie dann betrogen habe, denn das würde eine ganz andere Gestaltung der Sage vor- aussetzen. Außerdem müsste dann zwischen Str. 2 und 3 eine Lücke angenommen werden, denn Str. 3 kann nur Högnis Rede sein. Man nimmt also besser zwischen den beiden Hälften der ersten Strophe eine Lücke an , wenn man die erste Hälfte als späteren Zusatz nicht ganz streichen will. Also: Str. 1, 1 — 2 Frage Gunnars an Brynhild, dann Lücke. Str. 1. 3—4 Frage Högnis an Gunnar. Zwischen Str. 3 und Str. 4 fehlt zum wenigsten eine Strophe. llu' Inhalt war der Rath Gunnars den jüngeren Bruder Guthorm zu Sigurds Morde aufzureizen. Str. 6 fehlt zwischen V. 1 und V. 2 eine Zeile, etwa: Giuka sonr, gedsvidr halr, oder etwas anderes der Art. Str. 7 und Str. 8 gehören in die Lücke zwischen den beiden Hälften der ersten Strophe ; das zeigt deutlichst ihr Inhalt. Vielleicht waren sie einmal auf dem Rande einer Handschrift nachgetragen und wurden sodann an unrechter Stelle eingeschaltet. Str. 0 schließt sich genau an Str. 6 an, nur hat die dritte Zeile: vel skolud ninta landa rik }iegna, wie man sieht, keinen Stabreim; da jedoch der zweite Theil der Str. 9 den Inhalt der ersten Hälfte von Str. 7 ironisch wiederholt, so hat man sicher an beiden Stellen gleich zu lesen, nämlich: vel skolud niota väpna ok landa. Str. 11 ist mir zunächst Z. 1 bedenklich^ denn ich glaube nicht, daß man sagen kann: soltinn vard Sigurdr sunnan Rinar, vielmehr muß es wohl heißen: soltinn var Sigurdr sunnan Rinar. An Z. 4 dieser Strophe: munu vigskä of vida eidar nimmt Lüning nicht ganz mit Unrecht Anstoß. Indeß vidr statt des gewöhnlichen vinur findet sich BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 173 mehrere Male in der Edda, und so darf wohl auch der Infinitiv vida neben vinna als mundartliche Verschiedenheit freiten. Das mundartliche ist in der altnordischen Sprache überhaupt noch viel zu wenig in Er- wägung gezogen worden; dieß nur nebenbei bemerkt. Ferner bedeutet vinna mit dem Acc. ohne Zweifel „überwältigen" (vgl. Gudr. II, 30, unz ])ik aldr vidr), und so wird vinna of: „ganz und gar überwältigen" ausdrücken, eine Bedeutung, die hier völHg passt, der Bedeutung „ver- nichten" bedarf es nicht. Str. 13,2 hitt herglötudr hyggja toedi. Mit Recht belustigt sich Lüning über die skandinavischen Erklärer bei dieser Stelle. Diese nehmen an toädi sei = tiadi, von tia (ahd. zihan) zeihen, beweisen, darstellen, und habe hier bloß auxiliarc Bedeutung; aber Lüning sieht nicht, daß das altnord. toeja genau das goth. täujan, ahd. zouwan, parare, facere ist. — V. 3: hvat Jjeir i bödvi bädir sügdu. Büdvi kann unmöglich richtig sein, aber Niemand nimmt daran Anstoß. Was soll denn besagen: „was die Beiden (Aar und Rabe) im Streite sagten"? Aar und Rabe streiten nicht mit einander, und i bödvi kann unmöglich ausdrücken „über den Kampf, den Mord". Wie zu bessern ist zeigt Str. 11 hrafn at meidi hatt kalladi (ein Rabe auf dem Baume schrie laut). Man lese also: hvat j^eir i badmi badir sögdu (was die Beiden auf dem Baume sagten). Str. 14 hat zu schließen mit fiötri fatladi i fianda lid. Die an- gehängten zwei Zeilen, wenn sie echt sind, woran ich sehr zweifle (denn ihr Inhalt ist bereits Str. 11 ausgedrückt und auch Str. 17, 2 besagt streng genommen nur dasselbe), müssen als Reste einer selb- ständigen Strophe aufgefasst werden. Str. 17, 3: nü helir ]3u hänum j^at allt illu launat. Hier sind zwar die Worte echt, aber nicht ihre Stellung, da sie ja doch einen Vers bilden sollen. Man lese also: nu hefir |iü allt J)at hänum illu launat. 9. Helreid Brynhildar. Str. 1, 3 ist ?e hinter rekja zu streichen, denn durch dasselbe wird der Hochton auf rekja gezogen, der jedoch auf borda zu ruhen hat. Str. 2, 3 — 4 J)ü hefir, vär gulls, ef })ik vita lystir, mild af höndum manns blöd J)vegit. Lüning bemerkt zu vär gulls: „soll Hüterin des Goldes, d. h. Weib bedeuten. Ich weiß aus vär nichts zu machen." Ich auch nicht, und auch Egilsson lässt, die Sache bei Licht betrachtet, in Stich, denn er hat nur : vär, f. =^ vor, dea, nympha, una Asidum. Vär kann zu vor allenfalls im Ablaut stehn^ aber nicht mit ihm das gleiche Wort sein. 174 I-- KTTMÜLLKR VAr gulls muß eine Schelte sein im Munde der Riesin, woraus folgt, daß man nicht vor gulls schreiben darf, weil dieß eben keine Schelte wäre. Die Nornagestsage gibt die beiden Zeilen also: ))u hehr vörgum, ef ]nu vitja (muß aus syntaktischem und metrischem Grunde vitjudu lauten) mörgum til matar manus hold ge^t Das ist deutlich, aus vär gulls ist aber durchaus nichts zu machen, denn die Deutung Hüterin des Goldes = Weib, ist nur haltlose Vermuthung. Da Brynhild Val- kvrja war und sie deßhalb bescholten wird, so lässt sich die Stelle also berichtigen: ]3Ü hefir valgiörn, ef ])ik vita lystir, mild af höndum manns blöd ])vegit. Str. G, 1 — 2. Let hami vära hugfullr konungr ätta systra undir eik borit. Daß Brynhild als Valkyrja noch sieben Genossinnen gehabt habe, davon ist sonst nichts bekannt; übrigens erscheinen, wenn Valkyrien in Mehr- zahl auftreten, immer 3, 6, 9, 12. Auch kann kein Mensch errathen, daß mit hugfullr konungr Agnar gemeint sein soll. Nicht minder ist auffallend, daß Agnar dadurch, daß er die Gewänder der Valkyrien in den Wald tragen lässt, sie zwingen soll, ihm als Valkyrien zu dienen. Wenn ein Held einer Valkyrie das Gewand wegnimmt, so zwingt er sie dadurch vielmehr, ihrem Berufe zu entsagen und sich ihm zu vermählen. Hier ist also die sachliche Schwierigkeit noch viel bedeutsamer als die sprachliche. Viel verständlicher ist wiederum hier die Nornagestsaga, welche liest: Let mik af harmi hugfullr konungr Atla systur undir eik büa. d. h. aus Zorn ließ der muthvolle König mich, die Schwester Atli's, unter der Eiche wohnen, d. h. er verbannte mich, trieb mich in den Wald. Auch hier fehlt Agnars Name: er wird vor Atla zu ergänzen sein, also: Agnarr Atla systur undir eik büa. Zum völligen Verständ- niss wird vorausgesetzt, daß Brynhild dem Willen Odins gemäß sich anfänglich geweigert habe dem Agnar als Valkyrie zu dienen. — Agnars Name darf aber auch im Texte des Cod. R. nicht fehlen; dem- nach hat man unsere Stelle zu lesen : Let hami vara hugfullr konungr Agnarr systra undir eik borit. wodurch zugleich die anstößige Zahl acht beseitigt wird. Von Strophe 7 ist nur die erste Hälfte erhalten, die zweite fehlt. Str. 14: Munu vid ofstrid alls til lengi konur ok karlar kvikvir foidask; FELIX LIEBRECIIT, ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. 175 vit skolum okrum aldri slita Sigurttr saman. sökkstu gygjarkyn! So der Cod. R. Das heißt nun: Es werden ziini Unheil allzulange Frauen und Männer geboren; wir beide, Sigurd und ich, sollen unser Leben zusammen enden (oder auch: von jetzt an zusammen leben). Versinke, Riesenweib! Wie matt, ja hier geradezu nichtssagend die beiden ersten Zeilen sind, entgeht wohl keinem. Zum Theil besseren Text hat auch hier die Nornagestsaga: Munu ver of strid alls til lengi kvinnur ok karlar kvikir um foedask; vit skulum okkrum aldri slita Sigurdr samförura. Sökztu uü, gvgr! Fehlerhaft ist nur in V. 1 ver of strid; denn da die Präposition of den Stabreim nicht tragen kann, so folgt, daß man ver vid ofstrid lesen müsse. — Der Sinn der Strophe aber ist nun: Wir werden zum Unheil allzulange als Frauen und Männer geboren werden; wir beide, Sigurd und ich, sollen unsere Zusammenfahrt niemals endigen. Ver- sinke nun, Riesin! — Die Strophe kündigt also, wie man sieht, eine Wiedergeburt Sigurds und der Brynhild an. Die Lesart des Cod. R. ist nun aber also zu berichtigen: ]\Iunu vit vid ofstrid alls til lengi konur ok karlar kvikvir foedask; vit skolum okkrum aldri slita Sigurdr samffjrum. Sökkstu gygr! ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. Da ich unlängst Veranlassung hatte, die genannte Chronik von neuem genauer durchzugehen, so begegneten mir noch mehrere Stellen, die eines näheren Nachweises bedürfen, von mir jedoch in meinem früheren Aufsatze (Germania XIV. Neue Reihe II, 386 ff.) übergangen worden sind, theils unabsichtlich, theils aber auch, weil mir die be- treffenden Nachweise, worunter Stellen classischer Autoren, nicht wichtig genug dünkten. Da ich indeß hier einen Nachtrag nicht uninteressanter Notizen zu geben beabsichte, so mögen auch jene eingereiht werden; sie dürften vielleicht doch einmal einem oder dem andern Leser der Chronik nicht unwillkommen sein. Es versteht sich übrigens von selbst, 17t) FELIX LIERRECHT daß noch gar manches der Aufhellung Bedürfende zurückbleibt, ganz abccesehen von der sprachlichen Seite. Band I S. 6, 33 ff. „Es sagt Cornelius Tacitas . . . ., das die edlen auß Teutschland hei seiner Zeit in brauch gehabt^ ire schilt mit den aller edlesten und bösten färben malen zu lassen; haben dieselbigen nachmals mit sich in die schlachten genommen.^ S. Germ. 6. I, 10; 29 flf. y^Drumb wart dise statt [Eotweil] von Ptolonieo und an- dern geograj^his in griechischer sprach Taxagethium genannt.^ S. Ptol. Geogr. II, 12, 5. Talyattiov. I, 18, 11 ff. ^Strabo . . . sagt^ das sie [nämlich die nach dem cim- brischen Chersones zurückgekehrten Cimbern] dem Kaiser Augusto ain gesegneten eerinen kessel zu ainer großen Verehrung geschickt und daneben gepeten, iren Voreltern^ welche den Römern so großen schaden zugefuegt, zu verzeihen.'' Strabo VII, 2 p. 292. I, 18, 15 Ü\ ,^Auch schreibt Cornelius Tacitus, welcher sein histori under dem löblichen Kaiser Trajano nngevarlich ain hundert und sibenzig jar nach Christi gepurt vollendet, das zu seiner Zeit die Cimbri ir erste landtschaft ingehabt'^ u. s. w. S. Germ. 37. Tacitus starb übrigens wahr- scheinlich schon zwischen 134 — 136 n. Chr., Trajan bereits 117 n. Chr. I, 18, 22 ff. j^Es zeucht auch Florus an, das iren ain tail nach der beschechnen schlacht bei Verzell bis an den meotischen see komen und alda sich nidergelassen haben.'"'' Bei Florus steht nichts der Art. 1, 18, 24 ff. So meldet Strabo, es haben sich iren ain thail nach der niderlag zwischen Zug und das Zürcher gew begeben und seyen auch alda beliben.^ Strabo 1. c. p. 293 sagt dieß keineswegs, sondern nur, daß die Helvetier (^ÜXlötcc 6' uvicov TiyvQtjvovg xs aal Tavyevovg) sich den Cimbern anschlössen und zusammen mit ihnen von den Römern geschlagen wurden. I, 121, 24 ff. j^Conrado de Lutzelhard, quem Italici Muscam — in — cerehro [Moscancervello] nominant eo quod plerumque quasi demens vide- retur.- S. Grimm R. Fuchs S. CV und CCLXXXII. In Betreff der da- selbst angeführten Titussage s. auch Tendlau, das Buch der jüdischen Vorzeit. Stutt^. 1845 2. A. S. 312 f.; über Nimrod s. Herbelot s. v. Nemrod. Baring Gould, Logends of Cid Testament Characters. Lond. 1871. I, 195 f. Eine ähnliche Sage bezog sich auf Vespasian, der Wespen in der Nase gehabt haben sollte; s. Maßmann zur Kaiser- chronik 3, 733. Leg. Aur. c. 07 ed. Graesse p. 299. Der Zug des rahd. Reinhart von der Ameise in des Löwen Kopf brachte wahrscheinlich den Verf. der Zimm. Chron. auf den Ausdruck „mirmidones [d. i. Grillen] in schedel kommen lassen"; s, I, 276, 3. Vgl. die birman. ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. 177 Fabel, angeführt nach Bastian in der German. XI, 458, wo auch eine Ameise dem Löwen in den Kopf kriecht. I, 134, 18 — 22: „-Bei kurzen jaren, in mentschen gedechtnus^ darvor, sein iren sovil geivest^ das ainer, genannt herr Baho, mit fünfzig sonen uf ain reichstag mit grosem verwunder des remischen kaisers und alle}' reichsstenden geraist, loie dann die historia an vil orten heschriben.^ Von den vielen Orten weiß ich nur einen einzigen anzuführen und auch diesen verdanke ich dem Nachweise meines Freundes Hermann Kurz in Tübingen, der auch so gütig war mir die betreffende Stelle ab- schriftlich mitzutheilen. Sie findet sich in Johannis Aventini des Hoch- gelerten weitberümbten Beyrischen Geschichtschreibers Chronica. Frank- furt a. M. 1566. 5. Buch. fo. 386 und lautet folgendermaßen: „Von Babo Graffen zu Abensperg vnd Ror. Vnder Keiser Hein- richen dem heyligen hat gelebt Babo, ein Graff zu Abensperg vnd Ror, von dem man noch sagt vnd singt, vorauß in meinem Heymat Abensperg, der hat bey zwey ehelichen Weibern dreissig Sön oder (wie man glaublich noch singt, vil das gemein geschrey ist) zwen und dreissig Sön, vnd acht Töchter, die er alle lebendig bey einander ge- habt vnd erzogen hat, Sind die Sön all nach seinem ableiben noch im leben gewesen, wie denn solches noch aufgeschriben vnd zu Veiten- burg im Kloster, auch zu Salzburg, in ihren Chroniken vnd Todten Registern vorhanden ist. Genannter Graff Babo ist gewesen ein Son deß Landgraff Baben von Scheiren, vnd ein Bruder Ottonis deß ersten Pfalzgraffen von Scheiren. Er ist auch zu Regenspurg Burggraff, vnd Sanct Künigund der Keiserin Hofmeister, gewesen, ein berümpter Herr im ganzen Römischen Reich. Auff ein zeyt als Keiser Heinrich zu Regenspurg war, da er gemeiniklich Hof gehalten, befahl er obgenannten Graff Baben, er solt mit jm auff das Gejägd reihten (wie denn die Teutschen Fürsten jren lust haben zu jagen) doch solt er nicht viel Diener mit jm nemmen. Da gedachte der Graff, es were eben ein gelegne zeyt, daß er möchte seine Sön dem Keiser zeigen vnd be- fehlen, Nam deshalben alle seine Sön mit jm, ließ sie sauber vnd schön anthun vnd herauß butzen, so höflich vnd hüpsch es ymmer seyn kundt, gab einem jeden ein Diener zu, kam also mit all seinen Sönen an den Hof geritten, wartet auff den Dienst, biß daß der Keiser auf das Gejägd reihten wolt. So bald der Keiser soviel Reisiger bey Graff Baben sähe, ließ er yn fordern, vnd sagt es were sein Befelch, er solte mit wenig Dienern kommen, so hett er das widerspiel gethan vnd so viel zu jm genommen. Da antwortet Graff Babo: Er hette ja nicht mehr als ein einigen Diener. Sagt Keiser Heinrich: Wer sind GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVni.) Jahrg. 12 178 FELIX LrRBUECHT denn die andern? Allergnedigster Herr Keiser, antwort GrafF Babo: Es sind Euwer Keiserlichcn Maiestat Diener, und all meine Sön, die schenck ich vud vbcrantworts Euwer Kaiserlichen Maiestat, Gott wöll glück darzii geben, dass sie nach jrem Stammen vnd Namen Euwer Kaiserlichen Maiestat im Fried ein zier, im Krieg vnd ernst ein bey- standt seyen, wie denn Graffen vnnd Herrn wol gezimpt, habs auch mit höchstem Fleiß darzu gezogen, Ich hoff sie sollen Euwer Keiser- lichcn Maiestat lieb vn angenem seyn, gemeinem nutz zu wolfahrt ent- spriessen. Dem Keiser war das ein herrliche vil liebe schänkung, sprach die jungen Graffen all nach einander an, gab jnen die Hand, vnd umb- tienge sie, nennts seine Söne, befahl sie solten am Keiserlichcn Hof seyn vnnd bleiben. Mit der zeyt versähe der Keiser einen nach dem andera, schenket jnen Schlösser vn Flecken, Lehen deß Reichs, also daß sie all Herrenstandt führen kundten. Von welchen noch auff disen tag der meist Stammen von Graffen vnd Freyherren in Beyern, auff dem Kortgau, Kernten, Franken, vnd am Rhein, jr herkommen haben, wie denn etliche Authores gründtlich schreiben. In meinem Heymat Abensperg helt man noch all jar einen Jarstags vnd besingnuß disem Graffen Babon, vnd opffert mennigklich, es gehn alle Bürger in die Kirchen, dem Graffen zu ehren \Tid ewiger gedächtnuß." — Kurz bemerkt zu dem oben mitgetheilten Titel von Aventins Werk : „Selbst- verfaßte Verdeutschung seiner Annales Bojorum „„darinnen unter- schiedenes vollkommener als in dem lateinischen Exemplar sein soll"", sagt Jöcher. Die obige Stelle daraus ist übrigens im Original gleich- lautend, klingt aber deutsch viel körniger und treuherziger." Noch füge ich hinzu, daß auch in Goldsmith's Vicar of Wakefield gleich im ersten Capitel auf den Grafen Abo mit folgenden Worten angespielt wird: „the famous story of Count Abensberg, who in Henry II.'s pro- gress through Germany, while other courtiers came with their trea- sures, brought his thirty-two children and presented them to his sovereign as the most valuable offering he had to bestow." Man wird bemerken, daß hier nur von zweiunddreißig Kindern die Rede ist, während Aventin außer ebenso viel Söhnen auch noch acht Töchter erwähnt, welche Zahl in der Zimmerischen Chronik auf fünfzig Söhne steigt. I, 207, 7 bis 209, 1. Graf Mangolts von Rordorf Männermauern. — Vgl. W. Herz, Deutsche Sage im Elsaß. Stuttg. 1872 S. 128 f 301 Anm. 139, wo aber die obige Sage nicht erwähnt wird; füge auch noch hinzu Rochholz Schweizersagen aus dem Aargau 2, 342 f. „Er- bauung der Habsburg," der dazu auf Sparta verweist, „welches keine ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. 179 andern Mauern als die Brust seiner Männer haben sollte." Der locus classicus ist Plut. Lyc. 19. Apophthegm. Lac. 29. 30. I, 279, 10. Nachtrag zu meiner früheren Bemerkung Germ. XIV, 390. — Hölzerne Rosse, die durch die Luft fliegen, bei Delrius Dis- quis. Magicae 1. II qu. 6 p. 132" cd. 1657 und in der spanischen Ver- sion des Romans von Peter und Magelonc s. Don Quijote P. II c. 40; vgl. Valentin Schmidt zu Straparola S. 272 ft\ Ein solches bildet auch den Stoff des altfrz. Rittergedichts „Le Cheval de Fust" (das hölzerne Roß); s. Kellers Romvart S. 113 ff. I, 300, 7 — 12; vgl. 22 — 26. y,Auch ist ein alt weih zu Messkirch seßhaft gewesen, wann im dieselhig, so er verreiten wellen, in gedachter statt Messkirch, oder darvor, hekomen, hat er umhgewendt and ist wider in das Schlos geriten, denselhigen tag alda helihen, und als oft im dasselhig weih hegegnet, hat er alwegen sein furgenomen rais desselhen tags underlassen und ahgesfellt.^ Der Angang eines alten Weibes wird nämlich für unheil- bringend gehalten. Grimm D. M. 1077. Wuttke, Deutscher Volks- und Aberglaube 2. Ausg. §. 288. 290. I, 301, 12 ff. Nachtrag zur frühern Bem. Germ. a. a. 0. über die Bauern von Wittershausen, die ihre ineinander verwickelten Füße nicht entwiiTcn können. — Dieser Schwank wird auch in Island von den Bakkabrüdern erzählt; s. Jon Arnason, Islenzkar rjodsögur etc. Leipzig 1864. II, 529. I, 313, 13. j^Die Chremetes hohen mueßen stil schweigen und zu- frieden sein.^ Chremetes (sing. Chremes) heiÜen bei Terenz gewöhnlich die geduldigen Väter; hier steht es auch zugleich für die geduldigen Ehemänner, in welchem Sinne es auch wieder weiter unten (s. zu II, 523, 16 ff.) vorkommt. I, 326, 28. ^Es hahens die scharhen alles an sich gezogen.^ Das richtige Wort ist scharhen, wofür nicht, wie der Herausgeber meint, schaben zu lesen ist. Die Scharbe (carbo cormoran) ist ein Raubvogel aus der Gattung der Pelikane, der auf Fische stösst und daher auch zum Fischfang abgerichtet werden kann. I, 365, 26 ff. Schloß Schwanau und die Frau von 'Geroldseck. — Diese Sage gehört zu der von den Weibern zu Weinsberg; s. Herz, Deutsche Sage im Elsaß S. 111 ff. 261 f. Anm. 125. Kirchhofs Wend^ unmuth VI, 242 und dazu Oesterley (Stuttg. Lit. Verein). I, 373, 12 ff. jjDiser herzog . . hat mertails uf Wasneck gewonet.^ Aus der Anm. des Herausgebers ersieht man, daß der hier leer ge- lassene Name des Herzogs von Teck Lutzmann lautete. Er hatte einen Bruder, der ebendas. im Text Z. 2 als Pfarrherr zu Oberudorf be- 12 9* jgQ FELIX LTEBRECHT zeichnet und S. 140, 16 Litzelmann genannt wird. Ein Bruder muß also Lutzmann, der andere Litzelmann geheißen haben. Dieß ist mög- lich, da zwei denselben Namen tragende Brüder schon früher einmal vorkommen (I, 273, 23—25). Auch Otto I. von Witteisbach (f 1183) führte den Beinamen der' Ältei-e oder Größere oder Senior de ß wegen, weil sein Bruder ebenfcills Otto hieß. Hervarars. c. 2 zwei Brüder Haddingi; Saxo 5, 68 drei Brüder Grep. Ein Herzog Lutzmann von Teck erscheint auch S. 370, 15, dessen Bruder Ludwig heißt; keiner von beiden wird jedoch als Pfarrherr genannt. I, 450, 1 ff. Herr Ludwig von Lichtenberg zaubert bei einem von ihm gegebenen Gastmahl Speisen aus der Ferne herbei. — Ahn- liches wird von Faust berichtet; vgl. Düntzer in vScheible's Kloster V, 141. Letzterer Schwarzkünstler ist auch in der Zimmer. Chron. mehr- mals genannt; s. im Register s. v. Faust. I, 453, 5 ff. Rosse werden beim Passieren eines Gewässers zu Strohbüscheln. — Von Faust und dem böhmischen Zytho wird ganz dasselbe Zauberstück erzählt; s. Düntzer a. a. O. S. 179; ferner Ulen- spiegel, Hist. 65 (ed. Lappenb.). Derselbe Streich kommt auch im Orient vor. S. Gerv. v. Tilbury S. 64 Anm. I, 548, 12 — 14. „Wie Marcus Cicero von ainem romischen richter, Lucio Cassio, spricht, das (er) in ainer ieden conjecturali causa, toem der nutz zukomen, in anfang der handhmg befragt.^ Philipp. 2, 14. Pro Milone 12, 32 und Ascon. zur letzten Stelle. II, 81, 23. j^Venusherg in Italia.^ S. Simrock Quellen des Shakesp. 2, 162 (2. A.). II, 219, 33 ff. ^Die alten haben fabulirt, es hob der bes gaist vm- jaren ain pfaffenkellei^e hingefnrt, die hob er in solcher gestalt eins weisen fules daher geordnet''^ u. s. w. Über Pfaffen köchinnen (Pfaffenfrauen), die vom Teufel in Pferde verwandelt und auch von ihm mit Hufeisen beschlagen und geritten werden s. Grimm D. M. 1. Aufl. Anhang S. CXLI no. XXXIV. J. W. Wolf Niederl. Sagen S. 690 Anm. 258. Ztschr. für deutsche Myth. III, 114^'«, no. 60. 116^% no. 86. Evangile des Quenouilles 4, 5. 6, 11. Grimmeishausen, Simplicianische Schriften 3. Theil S. 333, 10 ed. Kurz („Pfaffenhuren werden ewig verdammt und zu des Teufels Leibrossen"). Schneller, Roman. Mundarten in Süd- tirol S. 224. II, 220, 36—222, 35. Nachtrag zu meiner Bem. Germ. XIV, 394. — V^gl. das Sicilian. Volkslied „La Donna di Calatifimi;" s. GGA. 1871 S. 662. U, 255, 15 flf. „er [Landgraf Wilhelm von Hessen] ainer solchen gewonheit sich angemast, das er mehrmals mit dem frawenzimmer nach ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. 181 essens spazieren gangen, eine under inen, die im gefeilig gewest , an die handt genommen, mit derselhigen allain in ivaldt geißelten, nachgends mit derselben zu seiner gelegenhalt in heisein seiner gemahl, der furstin, die sich desshalhen nit regen dörffen, wider kommen, unangesehen das sie baide mit rotten 0)'en und zei^strewtem har, wie man vom Kaiser Aiigusto schreibt, gesehen sein worden.^ S. Suet. Oct. c. 69. II, 300, 4 — 6. „Kaiser Äntoninu^ sprach: Soll ich mein weih von mir thon, so mueß ich ir das heiratguet auch wider zustellen.''^ Capitol. in vita c. 19. II, 304, 8 fF. j^Bei der hegert sich der guet herr nachts zu erzaigen, in maßen Apuleius sich ruempt, zu Larissa in Thessalia gethon hahen.^ Apul. Metam. p. 131 f. Oud. II, 427, 26. y,Deiis nobis haec ocia fecit."' Virg. Ecl. 1, 6. II, 461, 6 — 8. y^Disem graf Eitelfriedrich [von Zollern] wardt kurz- lich darnach zu Pavia von dem Antonio von Leven vergeben; geschach den loten Januarii anno 1525.'^ Dieselbe Nachricht wiederholt III, 171, 19-20. 474, 34 ff. Sie erhält Bestätigung durch folgende Stelle der Historia General de Espana von Modesto Lafuente. P. III. L. 1. C. 10 (Edicion economica P. VI Madrid 1865 p. 186), wo zuerst von dem Anlangen des Herzogs von Bourbon in der Lombardei mit 12,000 Landsknechten (Januar 1525) die Rede ist und es dann weiter so heißt: „La mayor dificultad para las imperiales y especialmente para la guarnicion de Pavia era la extrema escarcez de viveres, de dinero y de municiones. Los tudescos, que constituian la mayor parte y que eran los menos sufridos, amenazaban entregar la ciudad, y solo la sagacidad y la fermeza de Leiva pudieron impedir una rebelion. En este conflicto y con noticia que del apuro tuvieron Lannoy y Pescara, descubrieron cierto arbitrio para enviar algun socorro a la ciudad de Pavia de que merece darse cuenta." Hierauf wird nun erzählt, wie zwei Spanier, Cisneros und ßomero, sich für Ausreißer ausgebend, im französischen Lager Aufnahme fanden und es ihnen auf diese Weise gelang, dreitausend Escudos nach Pavia hineinzubringen; weiter heißt es dann: „Con aquel socorro Antonio de Leiva pago a los imperiales tudescos, y uno de sus capitanes, de quien todavia desconfiaba, murio envenenado; borron, que sentimos hallar en la vida del valoroso de- fensor de Pavia." II, 491, 14 ff. Nachtrag zu meiner frühern Bern. Germ. XIV, 336 f. —Vgl. Kirchhof Wendunmuth I, 2, 76. 77. II, 523, 16 bis 524, 9. y,Es hett ain reicher hurger zu Costanz, ge- nannt Hanns Mutscheller, ein jungen schreiher, der hieß . . . Moser, der 1,(59 FFXIX LIKRUKCITT sollt vn seine fjeicerh und hendel, so er in dentschen und. welschen landen hefy versehen. Derselhifj nher ließ sich seins hefrJchs nif her/nnegen, sondei' nam sich seins herren, des Kmifmans, weihs Sachen, die dazumal noch qnnz jtmn war, soviel an, das der fjnet Miitscheller letzstlich merken muest, wie die sach beschaffen. Der ließ sich nur nichs merken, fhef uf ain zeit dergleichen, als oh er ins Tnrf/eic zu reiten, in etlichen tagen nit loidefr kommen kunte. Dess waren die fraw und der schreiher wol zu muet. Es kante der Kanfman so haldt nit iißer dem haus komev , die fraw ließ ir ain hadt zurichten, darin saßen der schreiher und sie zusamen. Aber der kanfman, obqenannt, war zu dem ain thor ußgeritten, kam zu aini andern thor wideinimb heimlich in die statt. Er het sich uf die sach gerust und iyn ein großen hühin strigel zurichten lassen; mit dem und etlichen seinen freunden lam er unversehenlich und ganz verborgenlich in sein haus. Er trang den nechsten der badstuben zu, darin begriff er baide, sein weib und den Moser, sein schreiher. Das weih entlief im, aber den Moser sirigelt er mit dem hihin strigel, in maßen er in im badt vor todt ligen liß, der auch hernach in kurze des Unfalls halb sterben muest, damit er gebust; dann die nhrigkait nam sich der Sachen weiter nit an, dieweil der schrei- her an der thatt ergriffen. Solch strigeln im badt biß uf den todt ist bei wenig jaren darvor eim pfaffen zu Zürich auch begegnet, der ist auch der- maßen von aim burger daselbs im badt beim weib ergriffen lüm-den. Aber wieu-ol dem Mutscheller, obgenannt, das weib entronnen 2tnd zu iren freun- den kommen, so tcarde doch außer zulassen der obrigkeit durch beiderseits freundt und ander guet, ehrlich leut sovil gehandelt, das de)' guet alt Chre- mes toider beguetiget und. sich bereden ließ, auch das weib von der kinder wegen under annam. Die war hernach als vor ain huer , die plib .sie.^ Diese Geschichte po]] zur Zeit des Freiherrn Gottfried Werner von Zimmern, also uno:efähr zu Anfang des XVI. Jalirh. vorgefallen sein. Hat sie etwa zu dem Volkslied vom „Striegelain" Anlaß gegeben, oder ist sie aus demselben hergenommen? S. Uhland no. 289 und dazu Schriften 4, 255. III, 39, 10. j^Herr Panthleon.^ So nannte zuweilen im Scherz Graf Eitelfriedrich von Zollem den Freiherrn Wilhelm Werner von Zimmern, der Rector der Universitcät zu Freiburg gewesen war (vgl. III, 10, 8 bis 14) und später Vermögenseinbuße erlitt; der heil. Pantaleon aber war gleichfalls ein Gelehrter (Arzt) und Märtyrer; s. Konrads von Würzburg Gedicht über ihn. Auch ein neugriechisches Gedicht giebt es: ^Aöun rov J'/lov nar^ltri^iovoq in 570 Versen herausgegeben von Sakellarios (vgl. meine Anz. in den GGA. 1869 S. 1585). III, 65, 23 jff. ^Der man markt lool, vde es zugieng, .schleucht lierzii und findt den pfaffen ob dem v;eib, wie die tabule legum sprechen, m£7nhr ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. I33 in memhris.^'' In den attischen Gesetztafeln (a^oi^^g, avQßsLg) war auch von dem in flac^ranti ertappten Ehebrecher die Rede: ^iav zig fiotxov Aaßr] SV sgya ägd^gcc iv agd^gotg i'x^vrci^ o, tl ccv ßovXrjrai ;^p^a0^at;" v^l. Lucian Eunuch. 10: xccl (xolxos bccXco Ttots^ ag o "Ai,cov (pr^alv^ agd-Qa iv agd^goig sxav.'^ III j 155, 9 fF. „?^ie man sprucht von pauren in Schlaurafenlandt, die uf den pmimen icachsen, und da sie zeitig, fallen sie herunter mit den fuesen geradt in die stiffel, die inen gerecht und under den paumen auch geioachsen sein.^ S. Hans Sachs „Das SchlawerafFen-land" V, 339 v. 16 bis 19 ed. Keller (Stutt. Liter. Verein). „Gleich wie in unserm land die pflawmen. „Wens zeytig sind, so fallens ab, „Yeder in ein par stifel rab." III, 384, 7 — 19. .^Sprach grave Jerg von Tengen zu grave Friderichen von Ottingen, er hett uf ain zeit die königin Maria, Icaiser Carls schicester, uf ainem ross sehen hrunzen, loie ein r aisiger knecht. Das mag villeicht mit aim hesondern darzu gerichteten instrument zugangen sein, dann sonst sollt es tinmuglichen sein. — Bei ivenig jaren haben loir ain closterfrato zu Hapstal gehapt, ist ain Ei-kmenin gewesen , sie hat gehaisen . . . , die kains solchen instruments hedorft, dann sie uf ain zeit mit dem Hanns Wolfen von Zulnhart und Jacob Gremlichen von Meningen umb ain gülden toert fisch verwettet, sie welle in ain klainen silberin becher brunzen, das kain dröpflin neben ab gehen soll; ist auch darauf in ir aller beisein und insehen uf ain disch gestanden und das, ivie oblaut und sie sich ußgethan, verricht, auch das gewet damit geiconnen. Die anderen minnen haben gleich die fisch holen lassen und kochen, haben sich nidergesetzt zu tisch und den Zulnhart und Gremiich dermaßen getimnken, das sie bald den selbig tag mit muhe ire heuser loider erraicht.'"'- Ein ähnliches Kunststück, wie die genannte Nonne, verrichtet gleichfalls eine Nonne bei Straparola N. VI Fav. 4, deren Überschrift nach der Übersetzung von Louveau und Larivey heißt: „Grande con- tent ion se meut entre trois religieuses asscavotr laquelle doit estre abbesse. Le graud vicaire de rovesque ordonue que ce -sera celle qui fera plus digne preuue de sa vertu" und wo die betreffende Stelle so lautet: „Apres, estans toutes assises, soeur Venerande, qui estoit la plus aagee de toutes, se mit au milieu de la place, et tirant de sa cucule une petite eguille de damas (eine Damascener Nähnadel), la- quelle y estoit attachee , leva ses robbes et sa chemise par devant, puis haussant une cuisse cn la presencc de tous les assistans, pissa si delicatement au travers de Teguille, qu'une seule petite goutte ne tomba a terre que premier eile n'eust passe par le trou." 1^4: FELIX LIEBRECHT IV, 51, 3 ff. Kachtrag zu meiner frühern Bern. Germ. XIV S. 399. — In Betreff der Redensart ^ilher den Rhein fahren^ vgl. meine Anz. von Bartsch's Herzog Ernst GGA. 1870 S. 1232 zu S. 219, und was das ^gesessen" betrifft, so vgl. auch Fastnachtspiele ed. Keller S. 224, 19. 20. Doch duukt mich, es geschcch zu Zeiten, — Das die frauen auch aufsitzen und reiten." IV, 68, 27 ff. „Und zu einem heschluss dieses capitels kan ich von dem ohgemelien diener, den der cammerrichter hei sich gehapt, nit timhgeen, u'HS von seinem absterben^ dieweil das gar iingeioonlicher tceis beschehen, zxi, vermelden. Diesen hat er von knahen weis uferzogen, war von Leipzick u^er der stat und hieß Melcher Schenk .... er wardt ain solche)' epilen- ticits [1. epileyticus], da^ er zu Speir in aller jugent und basten alter mit todt verging; beschach den dritten Octobris anno 1553. Ls sein seine mit- gesellen, andere diener, baldt darnach in sein cammei' gangen, zu besehen, wie es ihm gieng, dann niemands vermaint het, das er noch sterben sölt. Do haben sie in todt gefunden, aller nackendt uf dem boden an dem ruggen ligen und ist ime sein mannlich glidt so hart und uf recht gewesen als oh das gefroren oder er noch gelebt het. . . Und ist im des orts ergangen, wie man einest von eini lieben hailigen sagt, nit weit von der stat Burges [Bourges] in Frankreich, haist zu S. Oliverga, der soll auch ain sollichs endt genommen haben, daher dann die schönen frawen zu Burges und auch uf dem landt des herzogthumbs Bei^ri bei meinen zeiten ein grose wahfart zu siner kirchen heten angei'icht, merthails die unherhaft waren und gern kinder hetten gehapt. Und wie man sprucht, so ist es vilmals gerathen, insonderhait die nach beschehner icalfart des pacem redeundo hei den faisten munchen zu S. Ambrosio mit andacht und einer gueten gotzforcht sich haben thailhaflig gemacht.''' An dergleichen Heiligen fehlte es in Frankreich auch später nicht. „Even after the Reformation, France introduced Saint Foutin into the Christian calendar, to whom offerings were made by the faithful who found thcmselves unable to procure the blessing of fertility; — they are thus described: — „„T^moin Saint Foutin de Varailles, en Provence, auquel sont dediees les parties hon- teuses de Tun et de Fautre sexe, form^es en cire; le plancher de la chapelle en est fort gami, et quand le vent les fait entrebattre, cela debauche un peu les devotions a l'honneur de ce saint."" (La Con- fession de Sancy, vol. V. Journal de Henri III., by Pierre de l'Etoile, ed. Duchat, pp. 383. 391). Other saints were worshipped for similar purpose^ as St. Guerlichon, or Greluchon, at Orange, Porigny, Cives, Vendre, Auxerre, Puy en Velay, in the convent in Girouet and at Bourg Dien, St. GiUes in Brittany, St. Reni in Anjou, St. Regnaud in ZUR CHRONIK VON ZIMMERN. 185 Burgundy, St. Arnaiul and St. Guignolo near Brest and in Berry {Ttcn Essays on the Worship of Priapus. London 1865; privately printed)." Ancient Faiths etc. By Thomas Inman. London 1872. 2''. ed. I, 61 f. Daß vielen, wenn nicht allen dieser die Fruchtbarkeit befördernden Heiligen ursprünglich, namentlich zur Römerzeit, der Dienst irgend einer priapeischen Gottheit zu Grunde lag, ist sehr wahrscheinlich, und nicht bloß das verga i. e. virga in dem Namen des St. Oliverga weist darauf hin. Vgl. zu Gervas. von Tilb. S. 211 das über die alljährliche festliche Ausschmückung (d. h. ursprünglich Verehrung) der phalli- schen Statue Pepesuc zu Beziers Angeführte. Noch will ich bemerken, daß früher (vielleicht auch jetzt noch) unter den Katholiken der Vers umlief: „Qui monacha potitur, virga tendente moritur," der mit dem Obigen vielleicht in irgend welcher Verbindung steht. IV, 103, 12 ff. Graf Gebhart und die neun Brunos. — S. Grimm DS. no. 571 „Die acht Brunos;" Tettau und Temme, Die Volkssagen Ostpreußens u. s. w. no. 62 „Meinhart von Querfurt;" Kuhn und Schwarz, Norddeutsche Sagen no. 242 „Die Eselswiese und die neun Brunos" nebst der Anm. S. 494. IV, 116, 23 bis 117, 2. ^Nun het kunig Liidioig in Bayrn ein vitz- thumh, hieß der Weigel, icelcher, iviewol er nit edel, so war er doch from, weis und f ursichtig. Der hawet ein schloß, das nampt er ^Traw nichs.'^ Wie min kunig Friderrich gefangen, warde er diesem Weigel, vitzthumh, zu lei'waren hevolchen. Der fürt in if sein schloss ^Traw nichs.^ So bald kunig Fridei-rich das schloss ansähe, fragt er, wie es hieße. Sprach der vicethumh, es hieße ^Traic nichs.^ Sagt der kunig. .^Es haist billich j^Traw nichs,^ dann ich nit getrawet das ich gefengclich darein solt sein gefurt worden.''^ Er lag vierthalh jar darauf gefangen und erlitt vil vom bösen gaist, der in icolt user der gefengknus gefurt haben und darvon gepracht; aber wolt er ledig iverden, inuest er under andern conditionen annemmen, das in ewigkeit, wann ein herzog von Bayrn vnd ain herzog von Oster- reich in dei' wähl ains römischen königs [hier scheint etwas zu fehlen], so soll der Österreicher dem Bayr iveichen. Das hat er sich insonderhait hoch muesen für sich und das haus Osterreich verschreiben.'"'' Abweichend bei Grimm DS. no. 497 „Herzog (1. König) Friedrich und Leopold von Osterreich." LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT. 186 A. BIRLINGER DEUTSCHE FRANZISCANERREGEL DES XTII. JHS. (T) Nvcolaus der bapst, der ein kneht ist aller c;otcs dicner, en- biutct sinen lieben kinden den brudern und den swestern von dem dritten orden sant Francisci, die da gegenwertik sint und die noch kunftik sint zu dirrc rege), sinen gruz und 5 sinen segen und spricliet also, daz cristenliches lebenncs dur- nahtii gruntvcstin ist cristenliclier geloube, der neimer von keiner bände kummernüsse mag erlöschet werden. Daz ist der geloube den die junger unsers herren Jhesu Christi geleret haut und den der stul ze Rome behaltet; daz ist der geloube 10 ane den unserm herren nieman mag wol gevallen oder üep werden; daz ist der geloube der einen weg beraitet zu dem himele und uns gehaisset den' lun der cwigon froude. Da von (1'') der hohgelobte herre sant Franciscus, dises ordens ort'hab, hat erzeiget mit wortcn und mit werekcn sinen kinden den weg 15 zu unserem herren und geleret, der an rehtem gelouben lit, des sie eimer me verjchen süln steticlichen und halten vestic- lichen und mit den wercken erfüllen. Disiu regel ist getailt in zwelf capitcl: an dem ersten ist gescriben wie man enphahen sol die disez ordens begernt, 20 und sprichet also. Wir bapst Nvcolaus wellen discm orden bi sin mit grozzem gunste und siner erhohunge wellen wir flizzic sin und ordenen zem ersten daz alle die disez lobens begcrnde sint, c daz sie enphangen werden, so sol man sie flizzeclichen versuchen an 25 dem cristenlichen gelouben und an der gchorsami gein dem still ze Rome. Und ist daz sie dez vesteclich verjehcnt und (l*^) werlichen gelonbent, so mag man sie sicherlich | enphahen zu dem orden. Wan sol och behüten flizzeclichen daz kein kezzer oder den man arcwenik hab von unglouben oder der da von 2 enbntet h. 3 francisccn h. 5 Icbis h. 6 durnahtüg h, nümcr h. 10 ane; der Ci^cnmflex üt durch den Zeichen " hezeichnet. Dieß kann jedoch auch ein von h hinzvfjefiifjles \\ hedeuten, icelcher die jünrjere schwäbische Avsaprache (aune, raut) aitJidriickl. 12 liimol h. IG imer b. 22 crliuliung b. flizzig b. 28 Man b. 29 argwenik b. DEUTSCHE FRAXZISCANERRKGEL DES XTII. JHS. 187 verlüirKlet ist iemmcr enph.an^cu werde zu disem orden. Und ist «aber daz man selcher lüte ieraan sint in disem orden^ den sol man rupfen den die f^ewalt ha-nt ungloubi^e lüte ze büzzenc. Dar nacli die maister diz lebenes, die den p^ewalt hant ze en- 5 phalienne zu disem orden, die süln wizlichen ervarn daz ambt und daz antwerk und die sitc der lüte die enplian«]^en wellent werden. Sie sün in kunt tun die bürdi dirre bruderscbaft und aller maist daz sie ireltcn und wider sieben da sie vromdes ^utes habent mit phanden oder mit beraiten phenningen, und 10 süln sich och versün mit allen den die sie besweret hant. So (\^) daz allez gesche|hin ist, so ma^ man sie cleiden nach des Ordens gewonheit, und nach sinem ersten jfir mit etelicher bcscheidenr briider und swester rat, ist daz er si ez wirdi^ dunket, so sol man in enphahen also daz er elliu diu ^ebot 15 unsers herren gelobe ze behaltenne und och gelobe ze büssenne nach sines visitators willen, swenne er im geruget wirt umbe alles daz er iemmer me getüt wider disera lebenne. Dize ge- lübde sol man uf der stat vestenen mit einer endelicher schrift. anders sol nieman enphangen werden von den maistern, sie 20 dunke denne daz man nach der lüte site und gewonheit anders mfizzi tun. Daz ander capitel sprichet daz nieman der disem orden gebunden ist da von gescheiden mag. Wir ordenen wrbaz und sezcen daz nieman der dirre brüder- (2') 25 Schaft ' gebunden ist, wider zu der weite komen mag. doch so mag er varn zu einem hohem geislichem lebenne. Die frouwen och, die wirten sint gebunden, die mugin nit komen zu dirre geselleschaft ane ir wirte urlop und ane ir gunst. Daz dritte capitel leret von den cleidern und von dem 30 gewande. Die bruder och dizes lebens die süln sich cleiden gemeinlich von demuttigem tiich an der tiüri und an der varwe , daz es weder wizze oder swarz genzlich sie, es si denne daz die visitatores mit der maister rat von offenbarre und ehaftiger 35 Sache etlichen gnade tun an der tiuri dez tüches. Mantel och 1 vcrlümdet, im latein. infamatus. 2 .solclier h. .S büzzent h. 5 enplia- hent h. wizeclichen h. 7 si'mt h. 8 aller h. da] was h. 9 haben h. 13 bescheidern. 15 behaltent h. biissent h. 24 wr (:= vur) durchfjänfjifj, daßir h meist fiir. 26 lateinisch ad reli^onem aliani approbatam. leben b. 34 visitator, Schluß der Zeile. .iö mantel-knrsennc] lot. clamides-pelles. 188 A. BIRLINGER und kurseiine die siiln vornan getaut oder ganz sin, also doch daz sie gehaft sin als geislichen lüten gezimet. Ir ermel siiln (2^) och beslozzin sin. , Die swestern süln och gecleidet sin mit mantil und mit rokken von solchem demüttigem tuch, Sief 5 mugin och haben mit dem mantel ein obergewant von wizzem oder von swarzem barchat oder von schamlat oder von linim tuch äne velte oder wachheit. An der demuttikeit des gewan- des der swestern, an mantil und au kursenne und an den beizen nach der liite und des landes gewonheit mag man in 10 gnade tun, also doch daz die kursennen lembrin sin. Hiillen och und omeler von siden süln sie niht haben. Gürtele och und biitel süln sie hän von leder äne alle siden gesteppet bediu bruoder und swester und niht anders, und süln sich och gelouben allir üppiger gezierde dirre weite nach dem hailsamen (2^) 15 rate sant Peters des fürsten der heiligen zwelf boten. In si och verboten vesteclichen unersamiu Wirtschaft und vcrlazzen lügen und kaphen und tanz und hove da weltlichu verlazzenheit ist. Spillüten och umbe ir üppikeit süln sie nihtznit geben und süln och ir gesinde verbeiten daz sie in nihtznit geben. 20 Daz vierde capitel sprichet von der spise die si miden suln und von der zit so sie vasten suln. Alle brüder und swestern diz lebenes die süln flaisch miden an dem mäntag und an der mitichen und an dem fridtag und am samztage, sie sin denne seich oder crang. Swelhe aber 25 geläzzen hänt, den ist ez drie tage erloubet, und ist och den erloubet die da arbeitent uf der verte. Ez ist in och erloubt ze grozzen hohgeziten so andir cristanlüte von alter gewonheit (2^) flaisch gewont hänt ze essenne. Andir tage so man nit vastet so mugin sie khese und aiger ezzen. Swenne sie och geladet 30 werdent von anderen geislichen lüten, die eines bewerten Or- dens sint, SO mügin sie mit in da sie mit huse sin essin swaz in 2 gehaft. lat. affibulatar. 3 ouch fj. 4 rokken h. solchem 6. 5 Der lateinische Text lautet hier: rel saltem cum clamide habeant guamellum seu placen- tinum coloris albi vel nigri aut palludellum amplum de canape seu lino absque ulla erispatura consuta. 8 kursenne, lat. pelliciones. 9 gewo"nheit. 11 ouch h. lat. Pindia et ligaturis sericis non utantur. giirtel b. och ausradiert. 12 bütel] sekel b. 14 weit b. 1.5 ouch b. 16 unersamü b. verlazzen lugen la^. spectacula. 17 gaffen b. hone] hof b. 18 ouch b. spilhiten etc., lat. Istis omnibus sue vani- tatia intuitu nihil donetur. 19 verbieten b. nihtzit] nüncz b. 21 süln b. 23 mit- wochen b. 24 siech b. Swelli b. 26 ouch 6. 28 ezzent b. 29 ouch b. 31 da sie mit huse lin au^adiert. DKUTSCHK FRANZISCANERRKGEL DES XTII. JHS. 189 wirt wr gesezcet. Sie sol och beniigin ze zwei mäln ze essenne am tag, sie sin denne seich oder crang oder sie arbeiten denne uf der verte. Mezzic süln sie och sin an ezzin und an trinkenne, wan daz evangelium sprichet *hiit iuch daz iuwer hercen niht 5 beswert werden von uberigem ezzene und trinkenne'. Sie süln och vor imbiz und vor ezzin sprechin ein pater noster und darnach alsam unserm herren ze loh und ze eren. Swer aber daz versuraet, der spreche driu pater noster ze ))uzze. Alle fridtage des jares süln sie vastin, ez si denne daz sie 3') 10 seichtage oder andriu ehaftigiu sache entschuldige oder ez gevalle der heilige tag ze wihennahtten an den fridtag. Von allir heiligen hohgezit süln sie vasten die mitichen und den fridtag biz ze ostern. Andir vasten die diu cristenheit ge- mainlichen behaltet in dem jar oder die di bischschoffe sezcent 15 ze vastenne süln sie och behalten. Von sant Martins tag biz ze wihennahtten und von dem sunnentage vor der vasnaht biz ze ostern so süln sie vasten alle tage äne die sunnentage, sie irre denne seichtage oder ehaftigü not. Die swestern och die swangir sint biz an den tag daz sie ze kirchen gende sint, 20 die sint niht gebunden ze keiner vasten. ir gesezztes gebet daz süln sie doch sprechin. Die aber mit ir tegelicher arbeit '3') müzsin sich betragin, den ist erloubet dristunt ze ezzin |ne an dem tage von ostern biz zuo der hohgezit sant Franciscen, swenne ez ir arbeite vordert. So sie aber an andirre lüte werc 25 sint, so si in erloubet elliu spise die man in wrsezcet, wan an dem fridtage und an anderen tagen die diu cristenheit ge- mainlichen vastet. Das fiunfte capitel sprichet von der bihtte, wenne man bihtten sol und wenne man sich bewaren sol. 30 Alle brüder und swestern disez ordens suln ze minsten ze drien mäln in dem järe, daz ist ze wihennahtten und ze Ostern und ze phingsten, luterlichen bihtten ir sünde imd andehtteclichen enphahen unsers herren fron|lichamen. Sie süln sich och versim mit ir ebencristan und wider geben swaz sie habent fremdes 35 gutes. Schedelichiu wäffen süln die brüder niht tragin wan mit 1 essent b. 2 siech 6. 3 Mezzig b. trinken b. 4 herzen b. 5 ezzen, irinken b. 6 ouch b. 7 alsam, am (?) radiert, darüber uil b. 10 siechtage b. 12 mitwochan b. 14 bischsch-vffe in zwei Zeilen; am Schluß der ersten von b bei- jefögt of. 15 vastent b. tag b. vielleicht naht? lai. in quadragesima vero beati Martini. 18 siechtag b. ouch b. 22 ezzint b. 33 ouch 6. 290 '^- BIKLINGER (3") dem urlobc ir maister, | es si dennc daz sie zc schirme komen dem ötul ze Romo oder cristenliclicm geloubeu oder irem lande. Daz sechste capitol leret von dem gebet und von der tegelichcr zit. 5 Alle bruder und swcstern süln sprechen alle tag die siben zif daz ist mettin, prime, terei, sexte, none, vesper, complet Phatfen die den salter künnen süln wr die prime sprechen Dens in nomine tuo et Beati inmaculati bis an legem pone. ze anderen ziten süln sie sprechin die sahnen nach der phaffen lU orden und alle wege mit eim gloria patri. So sie aber ze kirchen nit koment, so süln sie sprechin wr die raettin die salmen di die jdiaffen sprechent oder die man sprichet gemeinlichen in dem bistum. Oder gevallet ez in baz, so sprechen wr die mettin zwelf pater noster und ie wt die andern zit siben pater noster (3*^) 15 mit eim gloria patri. Swer ez aber kan, der sol | ze prime und ze complet sprechin credo in deum, den gelouben, und miserere mei deus. Sprechent sie aber ir zit ze rehtter stunde nit, so süln sie sprechen ze buzze driu pater noster. Die seichen sint nit gebunden der tagezit, sie wellens denne gerne tun. In der 20 vastcn vor wihennahten und in der hoher vasten so süln sie tegelich ze mettin gän zuo der pharre, ez si denne daz sie entschuldige redelichiu sache. Daz sibende capitel ist von dem selgerethe. Alle die in dirre brüderschaft sint und sin stat habent, die 25 süln ir selgerethe sezcen von ir gute in den nehsten drin manoden so sie enphangen werdent, dar umbe daz ieman ver- scheide äne cristenliche rihttunge und sunderlichen an dem sel- . gerethe umbe frid und umbe sün under den brüdern und under (4'j den swestern und och gein | usseren lüten die in unfrid lebent, 30 daz die versünet werden, und daz geschehe nach der maister rät, die mugin och des bischschoffes von dem lande rät haben, ob sie sin bedurffin. Ist aber daz die bruder und die swesteni von gewalt oder von hcrren oder von vocten werden besweret von stiure oder von keiner hande ungemaclie wider ir rehtte 35 und wider ir hantvestin, die maister die da gesezzen sint die süln Hizzik sin kunt ze tünne den bischschoffen von dem lande und anderen die gewalt habent iren kummer, und nach ir rate und ordenunge so süln sie sich halten an solchen Sachen. 8 et aiui dem lal. Texte aufgenommen. 18 sieclien f>. 19 tagzit b. gern h. 25 selgerethe, Uit. te«tamentum. 29 ouch b. 31 oucti 6. 34 öture 6, I Deutsche franziscanerregel des xiii. jhs. 191 Das ahtode capitel lerct daz sie uit swcrii sulu. Alle die disem orden gebunden sint die suln sich hüten vor (4'') gestabten eiden, sie twinge denne not dar zu an solchen ' Sachen als ez in erloubt ist von dem stul ze Rome, daz ist 5 umbe frid und umbe snn und umbe cristenlichen gelouben und daz sie nieman an sprechen ze unrehtte an dem gerihte und ane geziucnüsse und och an kophenne und an verkophenne und da sie ir giit von in enphrumden wellent. An gemeiner rede so Silin sie sich hüten als verre als sie mügin vor allen aiden. 10 und swer keines tages velti an der zungen und viel in gemain aide, als gewonlich ist an mangir hande rede, des selben tages dez abendes, so sie betrahtten süln ir missetat vvr solche aide, so süln sie sprechen drin pater noster. Ir iegliches sol och flizzik sin daz sie ir gesinde schunden zu unsers herren dienste. 15 Daz niunde capitel sprichet von gotis dienst ze horenne und almüsin ze gebene. (4'") Alle brüder und swestern, | swa sie gesezzen sint, süln alle tag, mügin siez getün, messe hören, und alle manot so süln sie komen ze einer stat da die meister gut dunket und süln 20 da hören messe. Ir ieglichez aber sol da gebin einen phenning der gewonlicher munse diu da ist dem der dar zu gesezcet ist. und die selben phenninge sol er samenen und sol sie tailen nach der maister rat under die armen brüder und swestern disez lebenes und allir maist under die seichen und och under die 25 die von ir selber gute niht mügin erberklichen zu der erde bestatet werden, und dar nach under ander arme liite. Sie süln och eren die kirchen von den selben phenningen da sie ir samenunge habent. sie süln och denne haben, ob sie sin stat habent, einen gelerten geislichen man, der sie mit dem (4*^) 30 gotes Worte , schünde zu der riuwe, zu den werken der er- barmehercckeit und ze allen tugentlichen dingen. Ir iegliches sol sich flizzen daz sie halten ir swigen in dem gotes dieniste und in der bredige, wan denne sol ir andaht sin an dem ge- j^gte und an dem gotes dienste, ez si denne daz sie von ge- 35 mainem neize der bruderschaft geirret werden. 3 gestabten eiden, lat. juramentis sollempnibus. zwinge b. solchen b. 7 geziugnüsse b. euch b. kouffen, verkoiiffen 6. 12 solche b. 13 ouch b. 14 schunden] schike b. 15 f. horent-gebent b. 18. 20 hören b. 22 phfe- ninge b. samlen b. 24 aller 6. siechen b. ouch b. 27 ouch b. 28 same- luuee b. ouch b, 30 schundel dcn-aus künde uiul darüber sture b. 31 er- baiinh, b. 35 nutze b. 192 A. BIRLTNGER Daz zclieudc capitel daz sprichet wie man die seichen sol ffesehin und wie man den toten und den lebenden lielfin sol mit gebet. Ist daz in dirre bruderschaft ieman seich wirt, die maister die 5 Silin selber oder mit ir botin gesehin den seichen ze einem mfd in der wochen, ist daz ez in der seiche schaffet kunt getan, und süln in flizzecliche manen daz er sich rihte ze rehtter riuwe. Sie si'iln ime och ze staten komen ob erz be- (5*) darf von dem gemain | alinusen. Und ist daz der seiche scheidet 10 von dirre weite, allen den brudern und den swestern die da sresezzen sint, den sol man es kunt tun daz sie selbe da zu der begrebbede sin. Sie süln sich och nit scheiden von dem ampt biz der licham bestatit wirt. Und die selben wise sol man behalten gein den seichen und den toten swest6rn. Dar nach 15 biz an den ahten tag so sol ein ieglicher brnder und swester der die da gesezzen sint umbe des toten sei, ist er ein preister, so sol er sprechen eine messe; der den salmen kan, fünfzig salraen, der ungeleret als vil pater noster, und nach iegelichem süln sie sprechen reginam eternam, und dar über elliu jar 20 umbe die toten und umbe die lebenden, die in dirre bruder- schaft sint, sol ein eiglicher preister drie messe singen oder (5) sprechen; der aber den salter | kan, der spreche in und die andern die sprechen ein hundert pater noster und nach ieg- lichem reginam eternam. 25 Daz eilfte capitel seit von den maistern und von den anderen ambten. Diu ampt diser bruderschaft sol ein ieglicher dem ez bevolhen wirt andehteclichen enphahen und getriuweclichen sich daran üben, und einez ieglichens ambt sol im bevolhen werden ze 30 so getaner zitfrist als man denne ze rät wirt. Neiman sol och bevolhen werden diu maisterschaft zi sinem lebenne: daz sprechen wir da von, wan sin ampt sol also gemäzzet sin ze so getaner zit als man denne ze rate wirt. 1 siechen h. 4 siech h. 5 boten h. siechen 6. 8 ime ouch h. 9 sieche h. 12 ouch h. 13 licham bistat h. 14 siechen h. 16 der am- radiert. priester b. 17 funczig b, auf radiertem Gründe; es stand wohl fivnfcec. 21 ieglicher priester b. 30 Neimam. ouch b. 31 zi] zu 6. DEUTSCHK FRANZISCANERRKGEL DES XlII. JHS. 193 Daz zwelfte capitel daz leret von der Visitation und von dem ampt des visitators. Wir ordenen och daz daz die niaister und die bruder und die (5'') swestern da sie gesezzin sint komen zu einer gemainer ' visi- 5 tation an cteslicher geislicher stat oder in einer kirchen und haben von einer bewerter regel einen visitator, der ein preister si, der in buzze setze war umbe sie im gerüget werdent, und neinian anders wan der preister sol sich des amptes under- winden. Wan aber sant Franciscus disez ordens orthab ist ge- 10 Wesen, so raten wir daz die visitatores und die lerer von dem orden der minren bruder werden genoraen, die di custer und die gardiaii dar zu setzen. Wir wellen och nit daz disiu same- nunge werde von keinem laigen gevisiteiret. Diz Visitation die sol man zi einem mCde halden in dem jar, ez si denne daz 15 man sin me bedürfe von eteslichcn Sachen. Die sich aber nit bczzeren wellent und die ungehorsamen sol man dristunt vor (5*^) manen daz sie wider komen. Ist | aber daz sie sich nit bezzeron wellent, so sol man sie mit der bescheidenr bruder und swester rat genzlichen scheiden von dirre samenunge. Die bruder und 20 die swestern die süln mit flizze sich hüten under ein ander vor allem unfrid. Ist aber daz sich erhübe under in kein un- frid, den sol man zehant zerstören. Swer och des niht volgen wolte, den sol man riigen dem der den gewalt hat sie ze büzzenne. Die bischschoflfe und die visitatores die mugin och 25 den brüdern und den swestern allen an vasten und an wachen und an anderre hertekeit von redelichen sachen genedecliche abe lazzen an der gesezter buzze- Die maister die süln och kunt tun dem visitator die oftenen schulde der bruder und der swestern, daz er sie dar umbe ze buzze sezce. Swer dar über (6") 30 sich nit bezzern | wolte, so er dristunt würde gemant, den süln die maister von eteslicher bescheidener bruder und swester rät künden dem visitator; der sol denne den selben menschen scheiden von dirre bruderschaft und sol daz dar nach künden in der samenunge. Dar uljer an allen dingen die hie an dirre 35 regel geschriben sint so wellen wir nit die brader und die 3 oucli h. 5 ettelicher h. 7 setze, die drei letzten Buchstahen auf radiei-iem Chninde von h. lat. injungat. 8 priester h, 11 die di h. 12 setzen ^, « / radiertem Grunde. 13 gevisitieret h. 14 zu h. 18 bpscheidern. stören h. 24 büzzent h. bihcschoffc] bischoflf h, ouch h. 27 onch h. GERMANIA. Neue Reibe. VI. (XVin. Jahrg.) 13 194 A. BIRLTNGEK, DEUTSCHE FRANZISCANERREGEL DES XHI. JHS. swestcrn binden ze totsimden, ob sie dar wider tetin, ez wer denne daz sie tetin widor diu gebot nnsers Herren oder wider der cristenheit j^csezcede. Doch swer in dirre bruderschaft lebet anders denne er solte, der sei demütticUche büzze en- ") phahen und sol sie flizzeclichen vollefürn. Wir t;;n daz kunt allir der weite daz nieman so frevelir oder so geturstik si der disi c^eschrift nnserre gesezzcde und un- (6') scrre ordenungc p^etürri zerstören oder ! getürre frevellichen widersprechen. Swer daz aber frevcllich versiichende were, der 10 sol daz wizzen daz er vellet in den Ungunst gotes von himel- riche und siner hailigen zwelf boten sant Peters und sant Paulz. Nota de professione. Ich bruder und ich swester der dritten regel gelübe in die 15 hende bruder. N. mit miner triuwe daz ich wrbas behalte den Orden der bruder und der swester von der dritten regel, der orden der da gevesteuet ist von unserem geislichem vater, dem bfipst Nycolaus, und dar zu swaz er gesezzet hat an disem lebenne, daz wil ich merken und ti"ni mit guten triuwen äne 20 geverde und gelobe daz ich mich neimer geschaide von disem orden, ich kome denne zu einem hohem geislichem lebenne mit der genade des hailigen gaistes. Vorstehende deutsche Franziscanerregel findet sich in einer dem 13. Jahrhundert angehörenden Pergamenthandschrift in kl. 8 im Besitz des Herrn Buchhcändlers Killinger in Wiesbaden. Sie umfasst 12 ßl., von denen El. 1 — 6" den deutschen, El. 6' — 10' den lateinischen Text der Regel enthalten. Der Rest von 10' und 10' enthält Zinsverzeich- nisse des Franziscanerklosters zu Reutlingen, lO'' lateinisch, 10'^ deutsch mit der Aufschrift Diz sint die zinse der sicesfern von der dritten regel da ze Riutelingen, von einer Hand des 14. Jahrhs. El. H"""'' ein latei- nischer ordo ad vestigendum sorores; die Rückseite und El. 12 sind leer. Die Handschrift ist von einer Hand des ausgehenden 14. Jahrhs. oder noch jüngeren durch corrigiert, die Sprachformen sind mit jungem vertauscht, auch ältere Worte durch jüngere ersetzt. Ffir die Geschichte der Sprache sind diese Änderungen nicht ohne Bedeutung; sie sind durch b bezeichnet worden. Leider ist der ursprüngliche Text nicht 3 swer] wer b. 7 unser heidevial h. 8 getiirre zerstören h. 18 waz h. •20 nümer h. -21 leben h. 22 ^enarl? 1». K. BARTSCH, SPRÜCHE UND VERSE DEUTSCHER MYSTIKER. 195 mehr überall unter den Rasuren und jüngeren Schriftzügen zu er- kennen. Unter den sprachlichen Besonderheiten der Urschrift sei die Verwendung von ei für ie hervorgehoben; vgl. Weinhold, alemann. Grammatik § 59. Der letzte Abschnitt des deutschen Textes (Nota de professione) hat im lateinischen nichts entsprechendes ; dafür folgen im lateinischen Texte noch Erlasse von den Päbsten Alexander und Clemens. BONN. A. BIRLINGER. SPRUCHE UND VERSE DEUTSCHER MYSTHvER. (1") Christus dot ist und die heiligen ir leben haut gegeben. Unser here sprichet 'was dimket dich minnenclicher unde edeler denne daz mir aller gelichest ist, daz ist liden, oder geleit ie creätüre alse bitterliche alse ich gellten han? swem ich geordent habe daz pin- 5 licheste leben in der zit, der sol ouch in der ewikeit niessende wer- den des aller süeseste marc miner gotlicher nätiire. Der tiefFe ver- senket wil werden in daz grundelose mer der gotheit, der muos ouch tieffe versenket werden in daz mer der bitterkeit: do von sulle wir gerne liden. Es sint drü dinc, de bewerent obe du die 10 minne krefteclichen best: daz eine, daz dich enkein widerwertekeit herzen noch libes von gotte gescheiden müge; das ander, obe dich die minne also oberwunden hat daz du erbeitest mit minnen unde mit dienste den die dich besweret hänt unde durchehtet hänt One dine schulde, unde das du wol für sü bittest in dime gebette. das 15 dirte ist willen brechen unde durch got gehorsam sin; daz bringet den menschen äne wissende an gottes anesihte. Santo Augustinus sprichet: der töd ist ein düer, durch die man gät in das ewige leben, unde ist ein ende aller unserre bitterkeit unde alles leides, unde ist ein anvanc der ewigen froude unde des gruszen lones, den 20 wir besitzen sidlent in dem ewigen leben, so der mensche (1'') ster- ben wil, so sol er sich frouwen alse der mensche, der in eime ker- kere lit gevangen unde man dannan wil losen unde in in ein ander 1 vor xpüs allsgestrichen betrahter dar vmb. 2 vn; ich habe aufgelöst unde geschrieben, weil diese Form ein paar mal sich findet. 12 oberwndet. erbeistet. 13 durch ehtent. 22 man in dannan? 13* 196 K. BARTSCH laut wil fiireu do er iemer here weseu sol one allen gebresteu. Eiu giiot mensche wart gefraget war nmb er aller gednltigest were in grusem lidende, in dem er was. du sprach er: wenne ich gedenke daz liden ein so hohe gäbe ist unde so wirdig von gotte, daz sin 5 von auegenge der weite nie kein mensche wirdic wart denne alleine gottes sun, solte ich mich denne mit frouwen aller der erbeite die üf mich gevallen mac von siechtagen oder von betruobesal unde von aller widerwertikeit, wan ich bin sicher, gobet mir der hime- lische vatter mit simc einbornen sune hie üf ertriclie, daz er mir 10 euch in dem ewigen leben wil gen zuo niessende mit ime alle die froude, die er besessen hat in sime ewigen riebe, alse vil es mir mügelich ist zuo entphrdiende. Sanctus Gregorius sprichet: mensche, wiltu wise sin unde der beste koufman, der ie wart, so gip daz dinc, daz du mit behaben mäht, umbe daz dinc daz do niemer I 15 zerget. daz dinc das du mit behaben mäht, das sint alle zergent- | liehe dinc; die soltü geben umbe die ewigen froude. Mensche, be- sprenge dich mit unsers heren bluote, so werdent alle dine viende sigelos. denne bespreugestü dich (2*) mit unsers heren bluote, so du gedenkest an sin bluot unde an sine martel, so dich ane vichtet 20 der tivel oder die böse weit oder din lip, das du denne gedenkest: sprich, du böser tivel, du ungetrüwe weit, du unreiner lip, dis enwil ich niemer getün, ich enwil mine sele, die got koufte mit sime heiligen bluote, niemer me entreinen mit den sunden, unde ist mir innencliche leit daz ich ie sunde getet, unde sin rösenfar 25 bluot, das er für mich goü an dem heiligen cruce, daz enwil ich niemer entere noch geuntwirdigen mit den sunden. swenne du alsüs gedenkest, so hestu dine sele besprenget mit unsers heren bluote, so werdent alle dine viende sigeloß. Sanctus Augustinus sprichet: solte ein mensche drü tüsent jor leben in aller der froude, die sin 30 herze erdenken künde, die solte der mensche alle versmfihen dar umbe daz er got mit wan zuo einem mole sehe in siner gotlicher herscaft, unde ensolte er in joch dar noch niemerme gesehen. Es was ein selige dorfmaget, ir rinder hette sie üz gegaget 35 mit einer vil langen ruoten: ir was so wol zuo muote. dö begegetent ir zwene prediere. sü sprach: vil leben heren, 9 ainborne. 13 wisen. 14 niemar. 24 roserfar. 25 ich fehlt. SPRÜCHE UND ^^^RSE DEUTSCHER MYSTIKER. 107 gedenkent min. do sprach der eine predierc: uns mac so wol sm daz wir wol vero^essent din. SU sprach: vil liebir here, vergessent ir niin in der üsorkeit, 5 so gedenket min in der inerkeit. do sprach der (2') eine prediere: nu sage mir, vil liebe dorfmaget, du redest so rehte wisliche: wie verdrifstu diue zit 10 mit disen dorflutcn? do sprach sie: vil lieber here, das wil ich sagen üch. so ich des morgens fro üf stan, so milke ich mine kuo; 15 mine metten bette ich dar zuo. so ich die milch sihe, so bette ich mine prirae. alse ich die rinder dribe, so han ich kirwihe. 20 alse ich die kese mache, alle dinc ich fursache. als ich schrote das kriit, alle mine zite bette ich uberlut. so wrt es denne, here, mitten tac, 25 so fülle ich, here, minen sac; so grase ich mime kalbe, so bette ich mine siben salinen, so ich strouwe den stal, mine vesper bette ich dan. 30 so ich das für betriebe, mine gümpelete ich spriche. des obendes so ich für min bette gon, an mir eine ich ston. des tages rede ich von ime, 35 des nahtes getreumet mir von ime. das gebet ist alles guot, das die vil selige dorfmaget duot. Es giugent zene hohe phaflfen von der predier orden, si sühten ein guoten mullerin, von der was in guotes vil geseit, wan sie von 40 gotte wol kimde reden, sie giengent imde snhtent sie unde fündent sie in eime armen mülen hüse. sie grustent sie und botent sie ur- lop zuo vregende. si sprach: vrogen si üch wol irloubet; was ich weiz, daz verrihte ich Cich. sie vrogetent was ein engel were. sie sprach: ein engel ist ein edel geist und ein min- 6 der Funkt steht nach prediere. 7 dort inage. 27 minen. I 198 K. BARTSCH (3') diner iininusBip^er und unnutzer zit, undc wil vergessen aller 1 der gedenken, die du ie wider sinen willen gedchte, unde wil die büße, die du in dem fegefüre sollest liden tüsen jor, alse geringe abe nemen e daz der lip erkaltet, daz dine sele ist in den ewigen 5 frouden, unde wil selber zuo dime ende sin unde wil euch selbe sin din ewiger lun. Ein lerer sprach von dem siechtagen, daz der mensche dultecliche durch got lidet, daz deme menschen wider- varent fünf grosse nütze. Der erste nütz ist daz got den menschen sunderliche minnet; der ander, daz sich got zuo siner sele fucget 10 alse ein getrüwer frünt zuo sime üserweleten fründe; daz dirte, daz dem menschen ein paternoster in siechtagen mit gedult nützer ist denue in gesuntheit zehen seiter; daz vierde, daz er in einer stunde me siner sunde abe weschet denne in drizig joren in dem fegefüre; daz fünfte, daz sich ime got vesteclicher zuo erkennende j 15 git denue ob er gesunt were. Do der mensche an sime tode lit, mac er deme sin herze dar üf gesetzen, daz er gedenket: here got, dise erbeit und disen tot wil ich gewillicliche durch dinen willen liden — der selbe mensche wrt der marterer genöz. unde hette der mensche alle die sunde geton, die ie mensche getet, er 20 mac denne alse andehtecliche liden, daz er niemer in kein fegefür kümet. ist oucli daz ein mensche ettewenne in allem sinem leben zuo einem (3') mrde gedenket: herre, waz todes du mir zuo fuoges, den wil ich gedultecliche durch dich liden. swie der mensche stir- bet, unde stürbe er joch in bescheideuheit, so entphähet er doch 25 den Ion umb die erbeit, die er lidet; aber hat er dirre dinge nie mit gedäht, so enwrt ime euch umbe die erbeit kein Ion. Der an unsers heren martel gedenket, dem wrt die weit unmere; des herze wrt erwecket mit rowen; des lip wrt gedultic in ungemache; dem wrt got liep unde wrt starc wider den tüvel unde wider die sunde 30 unde gewinnet starke zuoversicht an dem tode. die lüte, die von dirre weite versmehet sint, die sint irwelt gotte, kerent su es zuo siner minne, wan es geschit dicke daz die selbe vorsmehede den menschen wider ladet zuo ime selber. Mensche, wiltu daz das himel- riche din si, so entphähe vorsmehede, wan also vil men hie vor- 35 smeter ist, so vil wrt man groslicher geeret vor gotte. wiltu in himelriche under den hoesten der hoste sin, so soltu üf ertriche under den nidersten sin. Sante Augustinus sprichit: die minneste 10 userwelenten. 11 pateiir. 24 in fehlt.. 31 verswehet. 32 wor- swehede. 34 diu sin. vorswehede. vorsweter. SPRÜCHE UND VERSE DEUTSCHER MYSTIKER. 199 tegeliche sunde, die hie abe nüt wrt gelcit, die treit in jener weite me pine den man uf erden erdenken künde, uude wibte der mensche den schaden^ den er ime selbir tuot mit der minnesten tegelicher sunde, de er geuoben mac, er litte c den tot unde lisse alle dinc 5 zergan e (4") denne er eine tegeliche sunde tete. tegeliche sunde machet slewic ander minne nnde krenket den flisz der tugende unde bedecket die verniinfte unde machet kleine den runs gütlicher gnade unde machet mittel zwischent uns unde gutte, wan es ist nüt so kleines nie. Swigen bringet siben nütze: svvigen ist ein geistlich 10 züht; swigen ist des heiligen geistes zuofluht; swigen ist ein sam- menunge eines verirreten herzen; swigen ladet got in die sele; swigen ist ein lieclit einer Intern conscientien; swigen belialtet got in der seien ; swigen fuoret die sele in die kamern der heiligen drivaltikeit. Dis leret wi du gnaden eiiphähest, beheudikeit zuo 15 swigende, unde tragheit zuo redende^ unde stetikeit in gedult. Du sallt han strafFunge der sunde^ gerehtikeit des lebendes unde vorhte des gerichtes. Daz ist rehte wisheit: gottes wort gerne hören unde an sehen sine tugeiit unde sine werg unde aller heiligen leben unde deme volgen alse men sah der heiigeste mensche, der üf ertriche 20 ist, enHiihe der nüt zit uude State unde böse geselleschaft, er wrt ehi großer sunder. do von sol men vor allen dingen böse geselle- schaft vlien. Es wellent vil lüte dcmütic sin unde doch ane ver- smehede; es wellent vil liite arm sin unde doch daz in nüt ge- breste; es wellent vil lüte kusche sin unde doch one kestunge des 25 libes; es wellent vil lüte gedultic sin unde doch One wider- (4'') wertekeit unde one erbeit. es süchent unde begerent vil lüte tügende, die doch erbeit der tügende fliende sint. in wollust des libes ver- dirbet gerne küschekeit, in zorne verdirbit gerne gedultikeit, in vil rede verdirbit gerne warheit, in werltlicher ummüße virdirbit gerne 80 gotlich werc, in zergenlicher liebe verdirbit gotlich minne. Also dicke der mensche einen muotwillen lät durch got, wi kleine er ist, nüwent ein üppic wort oder ein üppic sehen, alse dicke so ent- phäliet er got geistlich in sine sele, alse werliche als in der priester entphahet obc dem altäre. Du solt dich gerne bevelen in der lute 35 gebet; dar von köment vier grosse nütze, der erste nütz ist: solte der mensche eines gehen todes sterben, des überhebet in got. der ander, solte der mensche vallen in eine houbetsunde, do vor be- 5 er fehlt. 8 nach mittel ein paar Buchstaben ausradiert. 0 kleines es me. 24 kestigunge? 29 wertlicher. 34 bcvclent. 3G des] der. 200 A. HOEFER huotet in got. der dirtc, daz irac got drißic jor fcgcfiircs abe nimet. der vierde niitz ist, soltc der mensche in den ersten kor kummen, CS mohte der mensclie für in bitten daz er in den aliten kur kerne, es mac ein solich gebet über in bitten daz ir in den nuenden kör 5 kerne; der muß aber ein vollckiimener mensche sin. So du ein guot werk best ze wirkende unde dich denne dar umbe beratest, daz ist ein zeichen das es von dem heihgen geiste nüt en ist. die jun- 10 gern berietent sich nut gute werc ze wrkendc. wiltii dich dar iirabe beraten dar umbe Vorstehendes bildet den Inhalt zweier Pergamentdoppelblätter von einer Handschrift in Octav aus dem vierzehnten Jahrhundert, in meinem Besitz. Es stimmt zu einem kleinen Theile mit den Sprüchen deutscher ^lystiker, die Pfeiffer in der Zeitschrift für deutsches Alter- thum 8, 209 ff. herausgegeben hat. Die übereinstimmende Stelle ist S. 216, 5 von unten bis 217, 6, welcher in obigen Fragmenten S. 199, 34 bis 20C), 5 entspricht. Sie ist in der Einsiedler Handschrift unter dem Namen von Bischof Albrecht gegeben. Nicht ohne Interesse sind die Verse von der Dorfmagd, sowohl in formeller Beziehung wegen der darin herrschenden Assonanz, als auch in sprachlicher wegen einiger nicht belegter Worte und Wortformen (dorfmafjef^ milke^ hetriche). Die Sprache hat ein stark mitteldeutsches Gepräge und in Mitteldeutsch- land werden diese Verse und Sprüche wohl auch verfasst sein. K. BARTSCH. ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. VON ALBERT HOEFER*). XXXIV. Das Notkerschc Anlautgesetz. Das für jeden Lautforscher merkwürdige Gesetz welches wir das Sangaller oder Notkersche zu nennen pflegen, ist durch zahllose Aus- nahmen und fortwährende Fehler der Handschriften überall verdunkelt und entstellt: dennoch steht die Regel für jeden aufmerksamen Beob- achter klar und unverkennbar fest. Das Gesetz selbst trifft nur Stumme und die Regel ist einfach genug: *) Fortsetzung von Genn. 15, 411 fl. ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 201 Nach weichem Auslaut fol^t weicher Anlaut, Nach hartem Auslaut fol^^^t harter Anlaut. Natürlich hänpjt nun alles von der Fra^^e ab: welche Laute sind weich? welche sind hart? auf die uns die Geschichte unseres Sprach- stamraes, insbesondere die auch hier giltige Unterscheidung der sans- kritischen sog. Sonoren und Surden ausreichenden BcscIkm«! gibt Weich sind erstlich die Medien g, b, d, zweitens die Liquidae 1, r, m, n, drittens sämmtliche Vocale, die wie immer im Sanskrit {fad asti id est neben tat tu hoc autem) so bekanntlich auch im Mhd. (tjah er) oft die Wirkung weicher ausüben. Hart dagegen erstlich die Tenues k, p, t, zweitens die Spiranten s, f, h. Aber voll so einfach liegt die Sache nicht nach der Darstellung Anderer, zumal Grimms, dem Alle fast ohne Ausnahme folgen, Hahn-Jeitteles, Heyne, Holtzmann u. A. Nur W. Wackernagel hat sie noch mehr vereinfacht, denn sie lautet bei ihm Lit. Gesch. 82 nur so: die harten Anlaute p, t, k werden er- weicht durch Vocal und Liquida. Umgekehrt gicng Bopp von den wei- chen aus, die nur hinter Vocalen und Liquiden unverändert bleiben. Ganz anders dagegen bei Grimm Grannn. 1" 156. 181 und Gesch. d. d. Sprache 364, denn erstlich erweitert er die Regel, indem er sie, wenn nicht auf f, das überall stehen kann, doch auf v aus- dehnt, das nach Gr. 135 — 6 niemals nach harten stünde. Grimm gibt also den fater als möglich zu, leugnet aber des vater. Weniger vor- sichtig Heyne S. 107. Zweitens, Grimm verengt sie, indem er, ohne zwischen media und tenuis zu scheiden, für den Auslaut, bei har- tem Anlaut, einfach nur Muta verlangt, 'der stumme Auslaut greift den nächsten Anlaut an, GDS. 365, also yah cold, maiwj cot ^ säluj pin und wieder alles kdhes, daz cold^ Ih phi stehen ihm völlig gleich und gleichberechtigt da, während ijab cold natürlich keine strenge Assimila- tion ist, sondern notwendig entweder (jai) cold {colt) oder tjah gold lauten müste. Drittens ist es eine weitere Verengung, wenn Grimm die Regel zwar auf alte dem got. th gleiche d anwendet, nicht zu- gleich für die dem got. d entsprechenden t gelten lässt. Jene d sprin- gen ihm in t zurück, z. B. in dih^ ih tih, diese t haften ihm ohne Unterschied, der tay, des tages. Dabei ist indes zu beachten, daß er doch tey dag Gr. 1, 158 noch selbst gelten ließ. Viertens endlich vermutet er eben hier, daß 'organische tr in triuwa etc. des Wechsels mit dr unfähig sind'. Allein auch diese Beschränkung hat er später in GDS. so gut wie den ersten Punkt aufgegeben, denn beide bleiben hier völlig unerwähnt. Grimm schwankt wie man sieht hm und her, aber wenn seine schheßlichen Aufstellungen selbst durch die Texte bestätigt würden, 202 A. HOEFEK was keincswocrs c:anz der Fall ist, so würden sie an sich und vor der Conseqiienz des Gesetzes selbst wenii^ wahrscheinlich sein. Leider sind die Handschriften, selbst die Fra2;mente der ano^eblich besten, die Vor allen authentische aus Sitten* bei ÄTaßmann und die 'noch dem 10. Jahrh.' zugehörigen beiden Blätter bei W. Wackernagel voller Fehler, und wenn auch nicht voll so schlecht wie die späteren, doch fern von der Gleichförmiixkoit und Strenge, die für die lebendige Aussprache der Sangaller, in gewissen Stücken, notwendig anzunehmen ist, für die damalige ungelenke und unfertige^ ohnehin in fast jedem Denkmale eigenartige Orthographie aber gar nicht erwartet werden kann. Ich erinnere hiebei an trhufen bei M. oder zemiiscen, zeuuifele u. dgl. bei W. Wackernagel, nach dessen Urteile S. 10 die Wiener und die Sgaller Hs. der Psalmen den harten und weichen Anlaut gar nicht unter- schieden. Dennoch spricht das Gesetz für sich selbst, und wie es schriftlich dargestellt werden sollte, unterliegt kaum einem Zweifel. Das Gesetz betrifft nur got. g, b, d imd th, also ahd. g, b, t und d, für die streng althochdeutsch k, p, t und d (daneben th, dh) zu gelten pflegen; natürlich nicht got. k, p, t, die als ch, z u. s. w. hier nicht in Betracht kommen. Es hat also den Anschein, als ob in der Sangaller Mundart beide deutsche Aussprachen mit Vorwiegen der härteren neben einander bestanden und dann unter der ganz natür- liclien Einwirkung des vorhergehenden Lauts je einzeln zur Anwen- dung kamen. Oder darf man annehmen, b — p, g — k wären ungeschie- den ein Laut gewesen, der sich dann unter Umständen in b, g oder p, k gesondert hätte? Wie z. B. Holtzmann S. 341 für oberd. g und k annimmt, daß der Unterschied der Aussprache dem Ohr nicht mehr recht fühlbar gewesen. Daß sich dabei dann auch d, d. h. th zu t er- hob und umgekehrt wieder t, d. h. goth. d zu d sich senkte, das mag man als eine Folge der Analogie und des Vorgangs jener b und g oder wie man sonst will beurteilen, auf jeden Fall wird die Tatsache selbst wie unten erwiesen nicht zu bezweifeln sein. Ist der Notkersche Lautwechsel sonach gar nicht überraschend, so ist der anzunehmende harte Auslaut fak^ gap, rat, den die Wirkung auf den Anlaut für die Aussprache gar nicht bestreiten lässt, in Wahr- heit noch weniger auffallend. Im Alth. begegnet er oft neben dem weichen, teilweise ausschließlich, wie im Alamannischen, im Mhd. steht er fest, kein Wunder, daß er in Sangallen galt. Mich dünkt, es wird damit gegangen sein wie mit unserem g, b, d des Auslauts, das man sich noch immer gern als Folge wirklich medialer Aussprache denken möchte, die man doch nur selten hört und rein und vollkommen, wie « ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 203 man sie am englischen hig^ dog od. 7noh^ roh od. mad, head lernen kann, wol nirgends vernimmt. Die Media herrscht bei Notker in der Schrift vor, zum Teil allein, icli finde jedocli z. B. Boeth. 182'' folleclichör, Ps. 28 Anibr. IIs. bei Müllenh. Spnichprob. 7() daz sanc, 77 chalp, sonst fast nur tagj, mag, nur gah, loh, aber das war die Weise eben der Schrift und verschlägt nicht viel mehr als die anderen Fehler der Handschriften ; zudem steht ja fest, daß auslautendes t überaus gewöhn- lich, wenngleich auch nicht einzige Regel ist. Z. B. chint, wint, lant, tot, wart, chat (gew. ward, chad), abent, stant üf u. dgl. sind überall zu finden. Ob hiebei jene auffälligen ng, rg, lg, z. B. dang, werg, da- neben loerh, B. 84^, W.Wa. 12, als Ausnahmen anzusehen seien, lasse ich dahingestellt. Der nächste allgemeinere Punkt betrifft den Gebrauch des f und V od. u, s. oben. Auch Holtzm. 304, welcher f und v für merklich ver- schieden hält und nach alter Weise (gleich got. yj und f) scheiden will, ist noch der Meinung, daü beide, ^innähernd nach der Regel wie p und b, bei N. wechseln , er gibt aber anders als (irimm Aus- nahmen, V nach h^ s zu und findet im M. Cap. nur f, keine v, was richtig sein kann. Obgleich auch ich ein parmal v nach s, h und zu Anfange, nämlich B. 26* Uerstast (nach lat. tuo), Arist. 476* tinges uer- sage, 481*' ouh uore u. a. (doch 476 einer uestenot, aber: daz festenon) nachweisen kann, so ist doch v überall äußerst selten und f, an allen Stellen zu finden, so entschieden vorherrschend, daß N. höchst wahr- scheinlich V ganz verschmähte und sich allein mit f begnügte. Die Kritik hat meines Erachtens Recht und Pflicht, die wenigen einge- drungenen V mit f zu vertauschen und somit endlich Avenigstens in einem deutschen Denkmal reinen Tisch zu machen. Daß ahd. t, gotischem d entsprechend, nie zu d werden sollte, der Regel also widerstrebte, wie Grimm, dieser jedoch erst GDS. 365 gegen Gramm. 1, 158, und Holtzmann noch behaupten, ist an sich ohne die geringste innere Wahrscheinlichkeit. Dennoch sagt Holtzm. 286: hochd. t wird nie erweicht, sondern bleibt immer t, ebenso 341: tac, d. h. altes dag behält immer t. Das ist um so unbegreiflicher, als letzterer selbst 285 und 291 nachweist, welche Beschränkung dieses t im Hochd. nicht bloß bei Otfrid, sondern auch bei anderen erlitten hat. Es darf eingeräumt werden, daß dieses alte d, offenbar durch Schuld der desselben ungewohnten Schreiber, da wo es stehen sollte, meist mit dem üblichen t vertauscht worden, allein es bricht alles in allem doch noch so häufig durch, daß man an seiner Berechtigung nicht füglich zweifeln darf. Ein Peispiel dieser Art bietet uns Psalm 204 ^^- noKFER 140: so du täte in practcrito, so diio in futuro, bei W. 12 ergänzt; ebenso im Boeth. (12* = Graff 57 : also man duot. temo man zartot. Dazu selbst 305'': wito indanez. HiiuHii^er ist nacli weichen flot oder dod, z. B. Boeth. 23'': Soerates ten döt; 158'': sinero chenün dod chlagonde, vgl. MüIIenlioff 79; 205'': in den död soufentiv, morgens obitu. Dem- nächst am häuligsten das geleugnete dag, z. B. Boeth. 22'' den dag, 37* churzeren dag, 44'' heiteren dagen, ebenso nach n 55', 94", 160'' u. ö. Hieran schliel.>e ich: mit welen undüron 33", undürlicho 52'', sonst auch uutürlicho. (Vgl. Graff V 452). Dabei darf nicht wundern, aller- wärts Tungekehrt und fehlerhaft t nach weichen Lauten in den ge- nannten und ähnlichen, gotischem oder doch niederdeutschem d ent- sprechenden Wörtern bewahrt zu finden, wie er tefa oder sm tohter, ne fugen, manuo tumhesto, tu tiuva, wofür die Beispiele so reichlich fließen, daß es ihrer Sammlung nicht bedarf. Ebenso wenig sind sie erforder- lich, um den nicht beanstandeten Wechsel von d = th und t oder die nicht selteneren Verstöße dagegen (Ps. 139: doli die, alles des daz) darzutuu, aucli hier kehren sie überall wieder. Dagegen mögen einige Beispiele für die Behandlung des oben berührten tr, dr nicht unerwünscht sein, zumal für die früher einmal bezweifelten wie triuica. Ich finde indessen gerade itndriuua sehr oft, z. B. Boeth 20. 31. 37. 39. 47. Ferner, wenn das hieher gehört: mit undrnste, Boeth. 21"; guoten drost 44", 60^; in den Psalmen sm drost bei Maßmann 122. Natürlich ebenso gut auch wieder fehlerhaft: Tine triuua 48' B. Ebenso wechseln dann, mag das t hier zum Teil anders liegen oder unsicher sein: follez träno 19", mit ernestlichen dränen 15", aber: tir träne 18' und 26*. AVeiter sind dann zu vergleichen: die druo- ben 40', d. h. Trauben, drüben, aber: so troug si, nu trüreg, tiu trang, si tribet, imo troumda und andere Verstöße. S. Holtzmann 287. Indem ich des steten Wechsels von: iwih twinget, und wieder: er dwinget, der auch wol an unser Gesetz gebunden sein wird, neben- her erwähne, habe ich auch zu b — p und g — k wenig Bedeutendes zu bemerken, denn auch hier fehlen nirgends die Beispiele des Richtigen wie des Verkehrten : taz pluot neblüotegota 76", nepezeichenet 468, iht pez. ib. und wieder 469: nebez. Richtig 29: leidaren bin ih, bei Graff 19: pin ih. So auch 1.5.5 üzkienge, ingienge; ih kab tir, mit clase, spen- döndo guot kuoten 2.54, doch auch: mih gagen, Neronis geböte, syl- logismorum kemeina 465'' Ar. Holtzmann hat den Versuch gemacht, einen und den anderen dieser Fehler durch Annahme von Pausen zu rechtfertigen, allein das reicht um so weniger aus, als die wirklichen und sicheren Anfänge ZUR LAUT-, WORT- IJND NAMENFORSCHUNG. 205 und Abschnitte selbst nicht imnior richtig behandelt werden, Pausen ohnehin oft gar nicht zu bestimmen sind. Regel ist bekanntlich, daß zu Eingange und nach Punkten nur f, außerdem immer Tennis stehe, woraus mit GD8. 366 zu folgern ist, daß eben sie den Sangallern 'eigentlicher Laut' war, nicht die Media. Ausnahmen begegnen aber auch hier wie sonst, selbst in den Eingängen, wie oben schon ein U nachgewiesen ist, besonders auf Seiten der Dentalen, so Des, Dia, Dar, Do, Dannan, Daz, z. B. B. 238", indem jedoch, wie es scheint, das vor- ausgehende Latein mit in Anschlag zu bringen sein dürfte. 253 miiiime. daz netüot; futurum, (lotes u. dgl. sind wol nicht als Verstijße anzu- sehen. Dennoch f(ihlt es an solchen vereinzelt auch bei Labialen und Gutturalen nicht, denn wir haben zur Genüge bereits gesehen, daß hier, nach den Handschriften, von nie, von nur und immer eben nie die Rede sein darf. Daß unser Gesetz sich lediglich auf Nutkr*r oder Sangallen be- schränkt habe, ist an sich unwahrscheinlich, dennoch fand Grimm an- fänglich Gramm. 1, 131 nichts Vergleichbares. Später freilich hat nun Holtzmann innerhalb des Althochdeutschen wenige unsichere Spuren gefunden, z. B. S. 305, und schon GDS. 366 konnte Grimm nicht ent- gehen, wie wirksam es namentlich bei Wolfram fortwaltet, vorzugsweise auf labialem Gebiete und vorzüglich in dem Sangaller Codex D, ob- gleich mitunter auch im Münchener G und anderen, selbst gegen D. Die Beispiele treten zu Hunderten auf, bei den Dentalen sind sie wol auf tu und das Demonstrativ, bei den Gutturalen auf Coraposita, meist auch sonst geläufige Fälle beschränkt, man vergleiche hastu, tuostu und P. 198^ her, du, aber ib. 11 daz tu; sodann enkalt 167, 11 und 227, 17 oder enkurt 197, 6; hochkezit 216, 14, wo G hochzit, sonst immer g hat. Doch sieh die Note zu 4, 1. Daß sich außer in zahl- reichen Namen wie Ruprecht gegen Robert, Auersperg, Reichensperger, Anspach Spuren auch jetzt noch in dem st der zweiten Sgl., dessen t lediglich dem du, tu gebührt, ferner in desto erhalten haben, ist bekannt. AVerfen wir hiemach noch einen flüchtigen Rückblick auf Notker und sein feines Lautgesetz, so steht, wie mir scheint. Folgendes also fest: es ist ein Gesetz der ausgebildetsten Assimilation der Muten, die vorwärts und zum Teil auch rückwärts wirkt. Von Abstufung oder Verstufung der Laute zu reden hat keinen Sinn. Der Auslaut hat nur Tenuis, sie wäre denn durch nachfolgende Vocale oder Liquida er- weicht*) — ob auch vorausgehende Liquida Einfluß übte, wie in ng, *) Der Einfluß zumal der Vocale auf deu Auslaut ist sicher auch im Mhd. viel bedeutender gewesen, als man gewöhnlich annimmt, indem man ihn auf die par Fälle beschränkt, in denen er zufällig durch die Schrift dargestellt worden. 206 A. HOEFER rrter ihre Do])pelform neben sich. Dem fügt sich auch t gleich altem gotisch-niederdeutschem d und selbst tr macht kaum eine Ausnahme. Dagegen liegen f und v außerhalb dieses Gesetzes, das doch manchmal auf sie mit Unrecht angewant zu sein scheint, um so mehr ohne Grund, als urs])rünglich gewis nur f, kein v, im Ge- brauch war. Es ist keine Frage, Notker hiernach behandelt und umgeschrieben, wird ein wesentlich anderes, reinlicheres und correcteres Ansehen be- kommen, als er bisher in den seine feine Art entstellenden Hand- schriften und Abdrücken gezeigt hat. Und doch wird der Versuch, ihm seine Regel rein und unverkürzt zurückzugeben, hier so wenig zu um- gehen sein, wie man ihn bei Herausgabe mittelhochdeutcher Denkmäler hat umgehen können. Denn mag man über Art und Umfang gewisser Ausnahmen und einige Nebendinge, die noch weiter zu untersuchen sein werden, immerhin streiten, die Hauptsachen glaub ich stehen un- antastbar fest, wie ich sie seit Jahren gelehrt und nun hier vorläufig aus der Fülle eines großen Materials dargestellt habe. Um so erfreu- licher war es mir, einzelne wichtigere Punkte nun auch von H. Rum- pelt in seinem System der Sprachlaute ähnlich aufgefasst zu sehen, wälirend er doch in seiner Lautlehre S. 101 und 310 noch ganz der alten Weise folgt und das Gesetz nicht bloß dem t entzieht, sondern wie alle Anderen auf f und v anwendet: denn es heißt das. noch aus- drücklich : *Notker hat auch hier Lautabstufung, wobei er f als Fortis, V als Lenis behandelt, — doch kommen sehr viele Abweichungen vor\ XXXV. Das alts. asna ist bisher nur einmal aus der Freckenhorster Heberolle nachgewiesen, welche Grimm anfänglich zwischen 920 und 935, dann nach Einsicht der Schriftprobe ins elfte Jahrhundert, in die Zeit Heinrichs II, setzte, während sie im Hermes v. J. 1827, doch schwerlich richtig, bis auf Heinrich ^^I, 1312 oder 1313, heruntergerückt ward. S. Grimms Klei- nere Schriften IV 205 und 270; V 1. Nach M. Heyne, Kleinere altnied. Denkmäler S. 65, gehörte unsere Handschrift ans Ende des 10. oder in den Anfang des 11. Jahrh. Das Wort steht bei Dorow-Maßmann 2, 34, 13, bei Heyne S. 80 z. 555, die Stelle lautet nach letzterem so: thit is thiu asna thiu tu themo batha höred (al. häred), d. h. Grimm: officium (oder früher auch: ZUR LAUT-, WORT- UND NAÄrENFORSCHUNG. 207 servitium) quod pertinet ad balneum, nach ScLmcUer zum Ileliand 8'' servitium, emolumeDtum? wogegen Heyne 'asna f. Zins, Abgabe' an- setzt. Das Wort scheint gleich dem sonst gebrauchten pl. sculdi, ofligeso 478 allerdings etwa: Leistung, Verpflichtung, ursprünglicher aberwol: Abgabe, Lohn zu bedeuten. Das Gotische bietet nur asneis ^Lö&cjtdg^ (xcöd-iog^ denn anno, das V. Schmid im Schwab. Wtb. p. 99 für asno nehmen wollte, leitet man ja gewöhnlich auf annona zurück; im Ahd. entspricht das Gr. 2, IGl bezweifelte asni im Tatian 133, 11 (nicht 113) und asneri mercenarius. Aber das altfriesische m. esna bei v. Richthofen 7Jß ist bestimmt Lohn, und so mag auch ags. aesne, esne in Zusammensetzungen wie mit icyrhfn, Lohnarbeiter, zu nehmen sein, obgleich esne für sich oft genug sei^us, vir bedeutet. Als altenglisch ist es nicht verzeichnet, doch gebraucht noch W. Scott imWaverley 322Theow and Esne für: thrall and bondsman. Weit merkwürdiger ist, daß das Wort sich im Niederdeutschen der älteren Zeit erhalten hat und noch im 15. Jahrh. verständlich ge- wesen sein muß, obgleich es nachher, so viel ich weiß, gänzlich ver- schollen und nirgends erwähnt wird. In den alten Glossaren und in Diefenbachs Supplementura habe ich es vergebens gesucht. Dagegen findet es sich mehrfach im Braunschweiger Statrecht (Br. Urkundeubuch von L. Hänselmann, Bd. 1, 1862) zuerst in dem früher verdächtigten, um 1227 oder 1233 angesetzten sog. Ottouischen Statrechte S. 6 § 45: swelich man sinen menen asnen vorderet vor deme vogede, he sal it bcwisen wetelike, war he ene vordhenit hebbe. so mach he ine bat mit sines enes hant behalden, dan ine iene mit sines enes hant ent seggen möge. Das Statut ist dann mit sehr gering- fügigen Abweichungen wie sicelic oder iintsecken aufgenommen in das Str. von 1265, ib. S. 13 § 45; ferner in das Str. vor 1303, S. 24 § 51: swelk — ghemeynen — scal — behalden bat wan — eme untsegken m. Endlich kehrt diese Bestimmung auch noch in dem zu Anfange des 15. Jahrh. geltenden Str. S. 105 § 41 wieder, in jüngerer Sprache, z. B. welk — wür he one — bad — wen on jenne, und mit dem Zusätze: He mach is nicht mer beholden wen vif schilliughe, id en si datme om mer bekenne. Ohne in eine weitere Erklärung dieser Stelle einzugehen, ist doch wol klar, daß asnen hier nicht etwa Knecht, sondern vielmehr Lohn bedeutet, wie das Alts. Fries, und Angels. bestätigt. Zudem sind beide Bedeutungen, wenn die Wörter zu asans, am, arnäri gehören, unschwer zu vereinigen. Der Grundbegriff würde messis und messe r sein, dann Ertrag, Abgabe und Lohn, oder Arbeitsmann, Knecht etc. Gr. im Januar 1873, 20s A. HOEFER XXXVl. Das lind, liiscli ist ein nicht gerade seltenes, aber doch nur hie und da erhaltenes Wort, nach Dahnert 186 *ein abgeteilter Haufen Leute, Leute aus ein ein Hause, ein Häuschen, mit einem oder mehren anderen unter einem Dache zusaminenü:ebauet\ Jetzt «xilt es hier nur in dem letzten 8inue, als eine für sich bewohnte Abteilung besonders der ländlichen Einliegerhäuser, daher: en katen von twe hisch, en drehischigen katen. Doch beruht dies wol auf späterem Gebrauche, denn der Vocab. Theo- ton, erklärt: hisch, twe echte lüde in euer waninghe, oder: is en par Volkes (^mit) creme inghesinde, alse mit eren kinderen, megheden unde knechten. Also inoo:hen in eneme hüse wanen twe efte dre efte vele hische. ok het en minsche mit sineme inghesinde *en hisch . Damit rückt uns denn ein ursprünglicherer Begriff näher, das Wort meinte offenbar: Hausstand, Familie oder, vielleicht zuerst, Haus, Familien- wohnung, und nun springt in die Augen, daß es nichts anderes ist als alts. ahd. hiwiski, wozu Graff 4, 1068 die Formen hiiske, hüske? hiwisch (domus, domum) u. a. hat: altn. hyski, nordfrs. hiske. Den- noch ist das Wort Balt. Stud. 15, 2, 195 für wendisch erklärt, aber schon Kantzow nennt 'hitzsche, familia, Freundschaft' im Anhange bei 1 W. Böhmer p. 262 (vgl. 268. 269) sächsisch. Obschon es im älteren, und mittleren Kd. nicht oft nachzuweisen sein wird, begnüge ich mich hier zwei Stellen aus den Altditraarschen Rechtsquellen bei Michelsen anzuführen, so aus dem Landrechte von 1447 § 62: ofte eneme manne sin körn edder wisk uppe ettet werde, den schaden schal de wert mit sinem hiske weten, M. 'der AVirt (Hausherr) mit seiner Hausgenossen- schaft erweisen'; sodann § 170: eft dar ein hisch vorstorve, de des al ens weren in deme güde, wan de leste stervet etc., d. h. stürbe eine Familie, ein Haus aus, worin Hab und Gut ungeteilt gewesen, so hinter- lässt der zuletzt sterbende sein Älusteil (meddel), wo er sein Baugut lässt u. s. w. Der überaus fruchtbare Stamm hiwa, den das gotische heiva- frauja zeigt, hat im Niederd zahlreiche Sprossen getrieben, ich erinnere nur an heuelic gut? hiwelik, hilik oft echtschap, hiJlix vorworde, hilk, hilliken heiraten u. a., in denen sich hileih und htlih zu mischen scheint, für die es keiner Beispiele bedarf; ferner an das merkwürdige honer- hive, Hühnernest, des Brem. Wtb. II 635 das nebst c. hive (doch ags. auch hyfej oft hieher gestellt, also Hühnerhaus bedeuten würde, wie hive, Bienenkorb und Schwärm, eigentlich Bienenhaus oder Familie^^ Hausstand wäre. NACHTRAG ZU SEITE 7—23. 209 Daß außerdem heieny hien zu huvjan, hiwen in schmutzigem Sinne gehöre, was dann verhiet schalk oder zers und was das erste oder gewohnlichere nngeheit bedeute, ist schon Gerra. 15, 79 deutlich genug gesagt und durch l^eispiele, wie durch hrueen neben hrueten erläutert. Die Belehrung ' hlmi ist futuere, hität opus gignendi' in Germ. 16, 78 kommt also etwas zu spät, oder trennt sie beide etwa von hiwen? Ohnehin irrt sie, indem sie reiben als Grundbedeutung aufstellt, vei'- Mt 'eher ins Gegenteil' von castratus*) verkehrt und nn in nngeheit verstärken lässt, — letzteres nach einer Vermutung Schmellers II S. 132 über sein zweites ungeheif unter 3'', weil er hier den Sinn des ein- fachen geheit verkannte. Übrigens trennt, wie ich sehe, auch das Deutsche Wtb. heien, keien, d. h. werfen, schlagen, von dem Schmeller ausgeht, mit Recht von heien, keien, d. h. coire, wie ich es aus dem Spiele ließ, es führt aber heien molestare mit S. auf jenes, nicht wie ich auf dieses zurück. Gr. im März 1873. NACHTRAG ZU SEITE 7—23. Gleiche Strafen wie no. II S. 7 erwähnt zu 0. Gierke, der Humor, Europa 1872 no. 22. — Zu IV Schluß S. 13 unvorsagen vgl. Namelos und Valentin v. 1287 des Stockholmer Druckes unvormüden : hüden. — Derselbe bietet v. 462 zu heker slein in VI, A, 3: ik achtede er nicht enen sie : dre; — zu C, 5—6 in v. 1919 denselben Keim kint : twink, der an sich kaum auffälliger als ib. v. 533 eten : spreken u. dgl., was nicht selten begegnet. Gr. März 1872. A. HOEFER. *) Wem das mieigentlich gebrauchte Wort aus dem Zusammeubaug^ nicht ver- ständlich wird, der findet die deutlichere Erklärung bei Frisch, dem ich es kurz ent- lehnte, um das derbere zu sparen. GBRMANIA. xNeue Iteihe VI. (XVIII.) Jahrg. 14 210 FEDOE BECH ZU BRÜSCHE (ZU PRÜSE, ZU PRÜSEN) GEN. Die Redensart s?/*) hrüsche gm findet sich bekanntlich an zwei Stelleu der Livländischeu Reimchrouik, und zwar (nach Pfeiffers Aus- gabe) 2852 folg. ich icaene daz Milgenne Gingecke unde Tusche giengen wol zu hrüsche ?*)? Longeicines lande u. s. w. und 4222 folg. nach der von Leo Meier aus den Hdschr. hergestellten Reihenfolge der Verse : der eine der hiez Tusche, der gienc lool zu hrüsche: der ander der hiez Milgerm, der ica^ küne sam ein sivin: Gringecke der dritte hiez, der an vrumekeite liez sich allewege vinden. Statt dessen aber heißt es an zwei andern Stellen derselben Chronik zu prüse oder zu prüsen gen, nämlich : 11219 folg. die riten mit der hrüdre schar kein Semegallen, daz ist war, vor die hure zu Dohlen: die sack man zu prüse gen. in were da gelucke geschehen, wen daz sie ivären vor besehen: daz Volk in uf die hure entran. und 4390 folg. (nach L. Meiers Verbesserung): da man vant hi^uoder Burkarden, der genant v:a8 von Hornhüsen. er künde gen zu prüsen wol mit djm heidenscheften torste er sich heheften. *) Zu, nicht 2Ö, ist die dem mhd. ze entsprechende md. Form ; kurz und tonlos auch das Verbalpräfix wie in zuAz&ii, zuteilen = mhd. zer^zen, zeteilen. zu BRÜSCHE (ZU PRÜSE, ZU PRUSEN) g6n. 211 Diese vier Stelleu sind kürzlich, zur Erörteruug der obigen Redensart, von Leo Meier in der Zeitschr. für deutsche Philologie IV, 429 folg. besprochen worden. Jedermann wird dem dort gesagten beistimmen, wenn es heißt, daß „die Formen hrüsche, prüse, prüsen für gleichwerthig neben einander gebraucht zu halten" seien, und daß überall hier die nämliche Redensart vorliege ; auch ist klar, daß damit die Tapferkeit bei Kriegern gerühmt werden soll. Wenn aber weiter gefolgert wird: „der Begriff des heimlichen Ausziehens gehört aus- drücklich hiezu, das zn hrusche gen ist kein Vordringen zum offenen Kampf, sondern ein mehr verdeckt gehaltenes Aufsuchen des Feindes, das uns an die kühnen Streifzüge unserer recognoscierenden Ulanen erinnert" — so ist dieses eine Annahme, die der Zusammenhang an zwei Stellen wohl zulässt, aber nicht nothwendig fordert; auch wider- spricht dieser Auffassung der sonstige Gebrauch des Wortes prüs oder h'üs. Denn auf prüs, hrüs und hrüscli stm. (nicht hrüsche f.) ist das Wort zurückzuführen. Was unter hraus, sfrepitus, aestus bei Grimm D. Wort. II, 327 steht, findet auch auf die hier erörterten Stellen seine Anwendung; dort ist bereits unsere Redensart mit Rücksicht auf die daselbst herangezogenen Beispiele richtig erklärt: „zw hrause, mit einem oder loider einen, laufen hieß vormals rauschen, stürmen, zanken : mhd. ze hruse gen.^ Außer den Beispielen aus den Fastnachtspielen Sp. 1416 und Sp. 56, 9, auf welche Grimm verweist, kann ich noch anführen zwei Stellen aus dem von Bernhard von Utzingen verfasstcn Gedichte: Vom Würzburger Städtekrieg, herausgeg. von R. v. Lilien- cron in den historischen Volksliedern der Deutschen I, 161 — 201 (a. 1397 — 1400). Vers 429 heißt es: die hurger liefen ser ze bims Hinahe zuo dem räihüs und V. 529: do regt sich maneger harnischring, Sie liefen grülich ser ze hrüse, Von hof ze hof, von hüs ze hüse. Ebenso verwendet findet sich früs in den Beispielen, die Pfeiffer in seiner Ausgabe des Nie. v. Jeroschin S. 207 zusammengestellt hat: so (nach Strehlkes Ausg.) 12576 hwon si hegunnen Mit eim gemeinin prüse Loiißn kegn dem hüse; 16664 dannen sie sich wantin Zu dem Clement vor daz hus Vnd mit hertis sturmis prüs Alumme daran stuntin; 23019 darnach kurzlich einen pruis Herüz si vnddir nämen Mit den cristnen zusammen; 27180 des virden tages trat mich zu Der hrüdre her dem hiise Mit vrechis sturmis prüse Vaste den herg ufsttgende; 12006 st nämen hin di her Mit vwntlichin prüsin Vor di hure Vischhüsin Vnde sturmtin daran; 15047 daz (Ozzek) mit sturmis pimsin Wart snel von in geicunnin. Dazu halte man die Beispiele von geprüse bei Pfeiffer S. 159; femer das Wort hriishan, hrüshane für Kampf hahn, Kampf- 14* 212 FEDOR BECH, ZU BRÜSCHE (ZU PRÜSE, ZU PRÜSEN) GÄN. straiulläiifer, Tiinya pugnax bei Nomnich III, 148G. Hiernach kanu zu hrüse oder pruse gen kaum etwas anderes heißen als: zu Sturme gehen, stürmen, sei es gegen einen befestigten Ort oder gegen einen Feind, sich unerschrocken in den Kampf stürzen, herzhaft auf den Feind eiu- driugeu, in Kampfeswuth darauf losgehen. Nicht verschieden von prüs ist, wie oben schon bemerkt, hj'usch in zu hrüsche gm, dessen sich der Dichter nur im Keime auf Tusche, sonst nirgend weiter bedient; vgl. hrüsche, f. bei Lexer Ilandw. I, 371 (aus i\Ialagis und Cod. Mind. d. i. Altd. Dichiungeu von Meyer u. Moyer 47, 200} ; in nid., nd. und md. Dialecteu findet man pruyschcn (Cornel. Kilianus ed. Ilasselt 509, huUire, fervere, infevvere cum munnure), hrüschen (= brausen, Schambach 34'') neben pruysen, brüten. Wenn es daher von dem lettischen Helden Tusche in der oben citierten Stelle (4222) heißt: de?- gienc da wol ze hrüsche, so ist damit weiter nichts als sein herzhaftes Angreifen, sein entschlos- senes Vorgehen gemeint (vgl. die epischen Ausdrücke sturmgUe, sturm- rtcke [Renner 10309], sturmicic [J. Tit. 3442]); der Ausdruck beabsichtigt weder mehr noch weniger als das was gleich darauf von dem Helden Milgerin gesagt wird: er icas küne savi ein swin oder was von dem dritten Helden gerühmt wird : der an vrumekeite liez sich alle wege vinden. Ahnlich zusammengesetzte epische Redeweisen, den Muth im Anstürmen und Angreifen, das kühne Vorgehen zu bezeichnen, waren ze stürme gen (Livl. Reimchron. 11294, Godefrit Hagen 2503), ze loige komen (Karlmeinet 188, 10), besonders häufig aber ze hile gen, so beim Pfaff'en Lamprecht 4512 si giengen alle loile Wider einander ze hile. Konrad Troj. 4223 si giengen da ze hile Sam die luilden ebere; 5026 die jungen kunige hochgehorn giengen da ze hile; 9878 si giengen da ze hile Der iin- gehiure tracke und er; 37246 si giengen da ze Mle Gelich zwein wilden htren; ähnlich im Engelhard 1893, im Pass. II. 172, 41. Schließlich bezweifle ich auch, daß das Wort hrüsch wie L. Meier vermuthet mit dem bei Lexer (T, 371) aufgeführten hrüsch in irgend welchem etymologischen Zusammenhange steht, als ob es aus bürsch birse von birsen durch Mctathesis entstanden wäre, trotz Weinhold Aleman. Gramm. §. 197. Die Stelle in Oheims Chronik von Reichenau, aus der Lexer citiert: „die Feinde lägen gegen ainandern uff der hrüsch,^ vermag ich jetzt selbst nicht nachzuschlagen; ich kann aber einige andere, fast wörtlich gleichlautende ihr an die Seite setzen. So heißt es von herzog LiutjxM und kunig Ludwigen in Ettmüllers Ältesten Jahrbb. von Zürich 63, 13: si koment zuo einander bi Strauzburg lif der brüesch und Idgent also gegen ainander zuo ainer lanhver; von denselben Fürsten sagt Closener in seiner Chronik 68, 17: si Idgent üßewendig der etat zu Schaftoltzheim und üf der Brutche dö zuo lantwere gegen enander; BAUER, MEISTER WALTHER VON BREISACH. 2l3 und bei Jacob Twinger von Königshofen 466, 2: dö ^Sgent die zwene erweleten künige zu lantwer gegen einander üf der Brilsch hi Schnftolzheim, Achenheim, Wickersheim cett. Was aber die Rrüsch in und bei Straß- burg bedeute, brauche ich den Lesern niclit erst zu sagen. Nur zur näheren Erläuterung der mißverstandenen Präposition üf, hier = franz. sur, will ich, da im IMlid. Wörterb. kein Beispiel dieser Bedeu- tung vermerkt ist, noch auf einige Stellen verweisen. Closener 31 (ed. Strobel) er hete eine loonunge üf dem Eine in eim stetelin = 45, 18 ed. Hegel; Livl. Reimchron 5123 si Melden da hi uf einer hach] 8143 der strtt icas uf der Diihenä; Joh. Rothe Cliron. c. 161: konig Irmenfrid jioch in Schul ichin, das üf der Unsfrüt leit {■=: sita super flumine U. nach Ekkeh. 177, 16); Urkundenbuch des Kl. Arnssburg ed. Baur no. 1121: geben zu Frankfurd uf dem Meyne (a. 1398); Deutsche Reichs- tagsakten ed. Weizsäcker I, 19, 9 daz die wale und kur in unser stad zu Frankeford uff dem Meune geschien sulle (a. 1376); und 19, 16: daz die loale und kur geschee in dem haumgarteu zu Rense uff dem Rine hii Sfoifzenfels gelegen. ZEITZ, März 1873. FEDOR BECK. MEISTER WALTHER VON BREISACH. Da wir uns nicht entsinnen, die Ergebnisse neuester Forschungen über obigen Dichter irgendwo zusammengefasst gefunden zu haben, so dürfte eine Zusammenstellung derselben wohl zeitgemäß sein. Meister Walther war seines Berufes lateinischer Schulmeister und wirkte bereits im Anfange des J. 1256 zu Breisach. Magister Walterus scolasticus in Brisaco, Urk. v. 21. Jan. 1256. Mone, Zeitschr. 9, 336. Nach einer bei Rossmann und Enz „Geschichte der Stadt Brei- sach" S. 464 citierten Urkunde wirkte derselbe noch in gleicher Ei^en- Schaft daselbst im J. 1266. „Und desselben Dinges sind Gezüge Meister Walter der schuolmcister." Daß W. ein geborner Brcisacher gewesen, erhellt aus keiner der beiden noch irgend einer andern Stelle. Von da ab erscheint in Breisacher Urkunden kein „Meister Walther" mehr. Da- gegen tritt in einer Freiburger Urkunde v. 27. Feb. 1271 unter den Zeugen ein Magister Walter scolasticus in Friburgo auf. Die Vermuthuug liegt nun gewiß nahe, daß dieser Walter identisch mit dem Breisacher sei. Diese Annahme gewinnt noch mehr an Sicherheit durch den Um- 214 BAUER, ZUR NAMENFORSCHUNG. stand; daß fragliclior Walter anfänglich hier den Namen „scolasticus" führte, ihn aber später gegen den hier schon vorher üblichen Amtstitel „rector puerorum" vertauschte. „Magistro Waltero rectorc puerorum in Friburgo'^ Neugart Cod. Dipl. II, 355. W. brachte somit den Titel „scolasticus"^ von einer andern Schule hierher umsiedelnd mit. Und wer möchte nun bei solcher Bewandtniss niclit alsbald an die zu Breisach denken, zumal in jenen Zeiten es nur wenige Schulen gab? — Dali er die dortige Schulmeisterstelle gegen die in hiesiger Stadt vertauschte, ist leicht begreiflich, wenn man be- denkt, daß um diese Zeit schon Freiburg ein an Gewerbfleiß und Be- völkerunirszahl viel bedeutenderes Gemeinwesen als die Nachbarstadt Breisach war, darum eine Schulstelle, welche ohnedieß so spärlich dotiert waren, liier größeren Ertrag in Aussicht stellte, und jeden Falles den Erwartungen W. entsprach. Denn über 30 Jahre stand er hiesiger Lateinschule als rector vor, da noch 1303 in einer Urkunde des be- nachbarten S. Märgen derselbe Meister Walter als Schiedsrichter er- scheint. Über anderweitige persönliche Verhältnisse vermögen wir ur- kundlich Nichts beizubringen. FREIBUEG i. B. BAUER. ZUR NAMENFORSCHUNG. „Aber ein Tristan will sich nicht finden" meint Steub in seinem herrlichen Büchlein „die oberdeutschen Familiennamen" S. 160. Wir sind in der günstigeren Lage, einen „Tristan" sowohl als Ruf- wie als Geschlechtsnamen beizubringen. Als Rufname erscheint er in dem Nekrologium von Weisenau: anno 1591 obiit fr. Tristantus Schick ex Tcttnang, plebanus primus in Grinkraut. Mone Zeitschrift f. Oberrhein 8, 319. — Als Geschlechts- name tritt er uns entgegen in dem hiesigen Häusersteuerbuch v. 1473 bis 1525 (Stadtarchiv), in welchem ein Oswalt Tristan als Hausbesitzer eingetragen ist. Auch die HerzehiO^e fehlte unter den durch das höfische Epos von Frankreich aus eingebrachten Namen nicht; (vgl. Mone, Zeitschrift 1, 470) und es möge bei dieser Gelegenheit auch die Thatsache Er- wähnung finden, daß ein Parcival Haspar Hurtcr Heroldsdienste bei Hagenbachs Hinrichtung zu Breisach versah. W. CRECELIUS, ALTNIEDERDEUTSCHE BROCKEN. 215 Aber auch die Ncamen gefeierter Dichter waren hier nicht unbe- kannt. In einer Urkunde von Montag vor S. Lucas 1470 (Rathsprot.) stossen wir auf einen Heinrich ThanhCtser und ein Hans Fraivenloh tritt in einem andern Eintrage v. 1510 (ebend.) entgegen. Ein Hans Marne)'' war hier ansässig, denn in dem oben erwähnten Steuerbuch erscheint Elsa Mariierin, Hans Marners ehliche Frau. — Ob jedoch die Träger dieser Namen mit den bekannten Dichtern verwandtschaftlich zusammen- hängen, vermögen wir nicht zu entscheiden. FBEIBUßG i. B. BAUER. ALTNIEDERDEUTSCHE BROCKEN. Das Erscheinen des zweiten Heftes vom Mittelniederdeutschen Wörterbuch mahnt mich an eine schon vorlängst begonnene Arbeit, welche ich aus Mangel an Zeit bisher nicht zu Ende führen konnte. Bei dem Durchforschen der Urkunden und Handschriften aus Essen und Werden, die in dem Staatsarchive und der Landesbibliothek zu Düsseldorf liegen, sind mir mannigfache Reste der älteren niederdeut- schen Sprache aufgestoßen. Meist bestehen sie nur in einzelnen Wör- tern: indeß bei dem geringen Umfang der uns erhaltenen altnieder- deutschen Literatur muß ein jeder, wenn auch an sich wenig bedeu- tender Zuwachs zu unserer Kenntniß der Sprache willkommen sein. Daran wurde ich erinnert, als ich im zweiten Hefte des Wörter- buches S. 143 bakisern, mit einem Fragezeichen versehen, aus einer Urkunde von 1262 aufgeführt fand. Das Wort ist schon zwei Jahr- hunderte früher in einer Aufzeichnung aus Werden zu lesen und be- deutet wohl nichts anderes als „Backeisen", d. h. Eisen zum Backen von Kuchen. Damit meine Sammlung nicht noch länger im Pulte vergraben bleibt, bloß darum weil ihr der Abschluß fehlt, gedenkö ich sie in kleineren Partien in dieser Zeitschrift zu veröffentlichen. A. In dem von Lacomblet (Archiv für die Geschichte des Nieder- rheins II) herausgegebenen ältesten Heberegister von Werden — ich bezeichne es in meinen Collectae mit WI — findet sich auf fol. IS** eine Aufzeichnung über die Dienste und Abgaben, welche eine Selihova 216 W. CRECELIUS uncl anclere clazn gehörige Pflichtigen zu leisten haben. Eine spätere Hand hat dem Abschnitt die Überschrift Selbem curtis gegeben und Lacomblet hat dieselbe S. 230 beibehalten, ohne nur anzudeuten, daß sie nicht von der alten Hand herrührt. In der Aufzeichnung selbst berechtigt uns nichts an Selliem, d. h. Seim in Westfalen zu denken; ebenso Avenig können wir aus der Stellung in dem Register Schlüsse ziehen. Denn fol. 18* ist leer; auf fol. 19 stehen nur wenig Traditionen, die offenbar später, wenn auch vielleicht zum Theil in derselben Zeit, dort aufgezeichnet wurden; die mit 18 und 10 zusammenhangenden Blätter 16 und 17 enthalten die Einkünfte aus Venkinne, Hasgoa (Hase- gau) und Lyri. Ich lasse einen genauen Abdruck nach der Handschrift folgen, weil der bei Lacomblet theils fehlerhaft, theils unvollständig ist und sich einzelne deutsche Wörter in dem Abschnitt finden. Selihoua cum duobus aratris uno anno, altero anno cum duobus aratris maUerot ' Bernnuini de pleno manso unum solidum. viil m bracii ordei depressi. arat i ii iornales. metit II dies. X aceruos infert in orreum. i Redger vi denarios de capite suo. vi m bracii depressi. arat ii iornales. ii dies | metit. seruitium dimidium. | Thrudmar plenum seruitium. iiiii rn bracii & solidum & de capite i solidum. iii iornales arare, iii dies metere. II d '). linum & sigl | In Hasal beki. Ricolf soli- dum de capite & solidum de manso. & iliii m bracii. ili iornales | arare. & V dies metere. x aceruos ' ATbuuini in eodem im m bracii. iii den- solidum de capite. dimidium seruitium , Liberi. Reginbold X m bracii & i solidum & plenum seruitium ' Filius eiusdem Uualdric solum per omnia similiter et seF^) | Theginger v m bracii. & vi den & seruitium dimidium ' Raduui libram lini bene purgati. hoc est iheküod. filia eius- dem Albj-un similiter ' Bennuka similiter. Uuilla similiter. Burgui simi- liter. Uuahstinsigon. q. t. Athaluuig. Stenheri. AVÜker. Ashild. Egila. \ Uuinico. q t. Bernger Hathuca de eins censu. Uuillica. filia Hrod Hilda. p. t. Immo et Ath \ Nach einer Zeile Zwischenraum folgt: Cum metunt semel datur eis a dno in die | Cum arant die ultimo datur eis cibus & potus. Cum stercus in agros I deducunt datur eis cibus et potus. Darauf sind nach Freilassung eines kleinen Raumes noch hinzu- geschrieben die Namen: Blidulf Meginho. Snelger. ') Lacomblet lässt denarios drucken. Die Abkürzung d steht aber in der vor- liegenden Aufzeichnung für „dies". Vielleicht ist zu erklären: zwei Tage Dienst beim Einthun von Flachs und Roggen (sigl = sigilum secale). ') D. h. servitium. ALTNIEDERDEUTSCHE BROCKEN. 217 Heyne erklärt maUerot als Malz bereiten; allein dielJ paßt in keiner Weise in den Zusammenhang und außerdem haben wir dafür das altsächs. gimeltian in demselben Werdener Hcberegistcr. Das Wort ist wahrscheinlich verschrieben. Ebenso möchte ich auch statt ihek'dod bloß hekilod lesen. Nachtrag. Eine Anfrage an Herrn Archivrath Dr. Harlcß in Düssel- dorf, mit der Bitte um erneute Ansicht der zweifelhaften Stellen in WI, hat mich in den Stand gesetzt, die fragliche Form malterot ganz beseitigen zu können. Es steht nämlich in der Hs. inalteroi ^ nach der Vcrmuthung von Harleß in Alterot (? Ahlrott, jetzt Rittergut im Kreise Lüdinghausen, in welchem AVerden sehr begütert war). Jedesfalls ist das unmögliche malterot hiermit beseitigt und aus dem Lexikon des Altniederdeutschen zu tilgen. — An der zweiten, mir bedenklichen Stelle der betreffenden Aufzeichnung in WI steht allerdings ihekilod so deutlich, daß an der Richtigkeit der Lesung nicht gezweifelt wer- den kann. Es wird also der Schreiber selbst sich geirrt haben; denn ich kann mir i vor dem Worte in keiner Weise erklären. Abt Duden schreibt im Dialect seiner Zeit hinzu : geheikilt flas. B. In dem von mir (Index bonorum et redituum monasteriorum Wer- dinensis et Helmonstadensis) zum großen Theile bekannt gemachten Heberegister WII hat eine Hand, die etwa der ersten Hälfte des 11. Jahrhs. angehören mag, auf der Rückseite von fol. 27 beginnend, eine am Anfang unvollständige Aufzeichnung von Abgaben eingetragen, welche die Verwalter der Klosterhöfe zu entrichten hatten. Da mehrere altdeutsche Worte in derselben vorkommen, so theile ich das Ganze hier mit. ij brac. pro precio uini. iiij mo(dii) sig. farinae. iiij. mo. pisa- rura. ij amph. mellis. i lagunculam. i uaccam et ij oues. In festi- uitate s. andreae xil porcos saginatos et i uerrem. In festiuitate sei remigij iiij mald cas. In nat. dni ij brac. et x minores crateras et ij maiores et i uaccam et ij porcinas uictim. vi dierum ac noctium man- sionem. In festiuitate sei liudgeri ii brac. et x crateras minores et ij maiores et i lectisternium. et plumacium. i mensale. i piscem. et al- terius piscis vi denar. precio. i mald cas. et i mo. ouarum. et amph. adipis. In resurrectione dni ij ouinas uictimas et totidem porcinas. In ascensione dni vi den. scoffischas. et i mald cas. et x oues. De ascensione dni usque in festiuitatem sei remigii in vi ebd i mald cas. Saleger et Aluo et Nizo in ascensione dni i lebetem daturi 218 W. CRECELIUS sunt. Vualthere et Vuezil et Azzikin in ascensione dni alium. In fostiuitate sei remigii i caprinum corium. et coriuiu capellfe. et ij linena sokkos. et i cingulum eiusdem generis. Tres uiri I s om- ni lt. Nizo in natiuitate dni xx crateras minores et ij maiores et XII patcn. et iij mansiouum plusquam ceteri uilici. et Saleger non plusquam iiij mansion. dierum. Nizo in festiuitate sei liudgeri LX paten. et duos male, et Benzo totidem. et Aluo i pat. et Bunikin totidem. Ad seruiciiim res^is v mald panis. et v uictimas. et x gall. et X cas. et i porcellum aut agnieulum. et c ouas. Nizo ad seruicium regis L pat. Aluo similiter. Benzo ad regis seruicium c pat. Buni- kin ad regis seruicium L pat. Ruozelo xx crateras ad regis seruicium. Azikin similiter. Saleger similiter. Azelin similiter. Vualthere simi- liter. Vuezil similiter. Duo i stenbikil debent nutrire per totum an- nura. Vnusquisque fabricatorem unum debet nutrire ad vi ebd. et x mo. auene ad regis seruicium. In natiuitate dni i brac. auen. ad pa- stum sequorum et in natiuitate sei liudgeri alterum. et unusquisque il horrea plena frumenti. et v hominum calciamenta. Vilicus de arm- bugila alla thia budin geto ad coquinam et ad brouhus. Aluo de scirinbeki thia troga ad brouhus. et Renziko l tinam ad brouhus et l cuuin ad balneum dni nri abbatis. et Benzo l lebe- tem ad pistrinum et Bunikin lebetem et craticulam et bakiseren. Aluo et Ruozelo sicut unus homo daturi sunt et non plus. Dieselben Namen von Verwaltern oder Schultheißen der Kloster- höfe finden sich in einem Register , auf welches von späterer Hand folgende Worte aufgeschrieben sind „Abbatie Werdenenß Anno Dnj 1032" und durch eine andere (Abt H. Duden f 1601?): „Conscriptus est presens liber de Curtibus Monasterij circa annum dni M. xxxii". Ich theile daraus die Anfänge der einzelnen Posten mit: 1. De uillicatione quam Bunikin tenet in fundis Enhere (jetzt Einern bei Barmen) et Kalkhouon (jetzt Kalkoven bei Werden). 2. De tribunatu Renzi- konis. 3. Ruozelo de Ekitha (Ickten). 4. Azilin de Armbugila et Hilinon (jetzt Arenbögel und Hillen bei Recklinghausen). 5. De villicatione Vualtherii ex Marthinna et Vualdthorpa (jetzt Märten bei Lütgendortmund und Waltrop im Kreis Recklinghausen). 6. Sutire de Krauuinkala (Krawinkel bei Boclmm). 7. De tribunatu Aluonis inScironbeki. RethietHalla (Schermbeck, Rede und Hall). 8. Har- drad de Vuernon et de Silehem (Werne und Seim). 9. De uilli- catione Saligeri in Liudinghuson etForkonbeki (Lüdinghausen und Forkenbeck). 10. De tribunatu Adulfi inBagge (Bögge). 11. Ruo- zelo de Hirutfeldon et Fahtlerc (Herzfeld und Vechtler). 12. Nizo ALTNIEDERDEUTSCHE BROCKEN. 219 de Hlcri et Scapahamma (Leer im Kreis Steinfurt und Schapen). 13. De officio Liuzonis in Hulusdung. 14. De Frimareshem. 15. De Rumiloo. 16. De Hattarscetha. 17. De Helmunstedi. Hildichin etc. Adhuc Hildichin de Rodissa. Genhuson et Dre- tida etc. Eine Vergleichung der oben mitgetheilten Aufzeichnung mit diesen Namen ergibt, daß die beiden Verzeichnisse derselben Zeit angehören, und die Bemerkungen, welche auf dem zweiten von späteren Händen gemacht sind, wonach dieses der ersten Hälfte des 11. Jlis. angehören soll, mag das Richtige treffen. Wenigstens kommen unter Abt Gerold (f 1050) unter den Zeugen von Urkunden Bunikin und Ruozelo wiederholt als servientes der Abtei vor; dieß sind aber gerade die- jenigen von den oben genannten Schultheißen, welche nahe bei Werden wohnten und darum am leichtesten bei Urkundenaufstellung als Zeugen zugezogen werden konnten. Was die Worte alla thia budin geto anlangt, so stimme ich in Beziehung hierauf F. Woeste bei, welcher mir schreibt: „Ich er- kenne darin das mwestf. getouw (von Steinen, Stück VI pg. 1570: egde getouw = scharfes Geräth), heutiges Bergisches getan, aber in einer älteren, weitern Bedeutung: Geräth, Geschirr; hier also = Hohl- geräth, Fässer u. dgl." Das Wort Getan wird in Elberfeld jetzt meist von den Maschinen zur Herstellung von Geweben, Bändern und Schnüren verwendet, man spricht von einer Bandsgetau (zur Anfertigung von Bändern), einer Remenget au (auch Remende seh, zum Verfertigen von Cordein und Litzen), einer Sidgetau (Seidenwebstuhl) und Fitschgetau (namentlich Leinenwebstuhl). Allein noch leben in der Erinnerung der heutigen Generation die Landgetäuer, das heißt die Fuhrleute, welche mit einer Landgetau (einem großen Fuhrwagen) den Gütertransport auf weiteren Strecken besorgten, ehe die Eisenbahn dieß Geschäft übernahm. Es bezeichnet also Getan wirklich jedes WerkzeuG* und IMittel für die Arbeit und den Erwerb. In diesem Sinne hörte ich selbst noch einen Weber, welchem der Gedanke an eine andere Beschäftigung als die des täglichen Broterwerbes ferne lag, von einer Claviergetau reden. ELBERFELD. W. CRECELIUS. 220 •'• V. ZINGERLE ANTELOYE UND ALEXANDER. Unter den kleineren nilid. Erzählungen gebührt dem Gediehtc von Anteloye und Alex«andcr ein hervorragender Platz wegen seines Inhaltes. Die hier erzählte Sage ist, wenn sie sich auch an Alexander anlehnt, ganz dem Volksglauben des Mittelalters entnommen M, und in keinem zweiten mhd. Gedichte finden wir ein so vollständiges Bild eines Zwerges wie hier. Die verschiedenen Züge des elbischen Charakters, die uns sonst in älteren Sagen nur getrennt und einzeln begegnen, sind hier zu einem Gesammtbilde vereinigt. Der Zwergkönig erscheint als Heger und Schützer des Wildes^), ist der Lüge und dem Truge abhold^), verräth und bestraft die Bösen, und zeigt gerade in der Art und Weise, in der er dieß thut, seinen elbischen neckischen Humor'*). Er gebietet als König über ein zahh'ciches Volk ^), das, wie er, Tarnkappen besitzt^), und die in Zwergensagen so oft vorkommende Braut be- gegnet uns auch hier. Dieser volksthümliche Inhalt und der Humor, der im zweiten Theile waltet, scheinen diese Erzählung beliebt gemacht zu haben, wofür die verhältnissmäßig zahlreichen Handschriften zeugen. Wir besitzen noch folgende vollständige Handschriften und Frag- mcnte^: 1. Vollständig in der Dresdener Papierhandschrift 42 (Bl. 86 — 90). Ich bezeichne diese HS. mit D''). 2. Die ersten 112 Zeilen dieser Bearbeitung auf einem Pergament- blatte aus dem 14. Jahrhundert, zwei Spalten auf der Seite. Ich be- zeichne es mit A^). Nach diesen zwei HS. veröffentlichte M. Haupt das Gedicht Altd. Blätter I, 250—266. 3. Bruchstücke einer Pergamenthandschrift des 14. Jahrhunderts in Maßmann's Besitze, veröffentlicht von Pfeiffer. Haupts Zeit- schrift V, 425. 426. Sie enthalten nur 40 Vc-rsc. {M) ') W. Wackernagel, Basler Handschriften S. 27. ^) Wolf, Beiträge II, 330. Gnram, Sagen I, 387. Rochholz, Sagen I, 333. Lütolf S. 484. 487. Vonbun, Beiträge S. 52. Sagen aus Tirol S. 66. ') Grimm Mthl. 427. Simrock Mthl. 407. 410. *} Birlinger, Volksthümliche.s T, 49. Rochholz, Sagen I, 386. Meier, Sagen S. 55. Sagen aus Tirol S. 48. 50—54. 59. 60. 63. 413. ^) Grimm Mthl. 421. Simrock, Mthl. 41.3. 416. Schönwerth II, 298. «) Grimm Mthl. 431. Simrock Mthl. 417. Wolf, Beiträge II, 311. Kuhn, norddeutsche Sagen No. 189, 4. 248, 2. 270, 2. 3. 291. ') Vgl. lit. Grundri'i S. 314. 315. Altdeutsche Blätter I, 250. ') Altdeutsche Blätter I, 238. 2.50. I ANTELOYE UND ALEXANDER. 221 4. Basler Handschrift-*) des Alexander v. Ulrich von Esclienbach, der am Anfange des neunten Buches die Geschichte von Alexander und Anteloye Bl. 55 — 56 erzählt. Wackernagel thcilte die Erzählung mit in den „Basler Handschriften" S. 27—30. (B) 5. Die Reinichronik im Besitze des Herrn von Vintler in Bruneek (Pergament, 305 Bl. in Großfolio, dreispaltig), geschrieben von Hainz Sentlinger 1394, gibt auch die Alexandreis des Ulrich von Eschen- bach und darin (Bl. 186 B 2 — 187 A 1) Alexander und Anteloye. Unter diesen Handschriften bieten nur D, B, S einen vollständigen Text. D mit seiner Einleitung 1 — 31 und mit seinem Schlüsse 482 bis 516 scheint ein selbständiges, in sich abgeschlossenes Gedicht zu sein. Dem ist aber nicht so. D stimmt von V. 111 (S. 92) ~ 478 (S. 435), einzelne Einschiebsel und Abkürzungen abgerechnet, zur IIs. ^S", die einen viel bessern Text gewährt, so daß D nur als eine schlechte niederdeutsche Bearbeitung des Gedichtes, wie es in S vorliegt, gefasst werden muß. Selbst in den V. 39 — 105, wo D seine eigenen Wege geht, geschieht es nicht zum Vortheile. Es fehlt hier die Jagd, das Fällen des Hirsches, wodurch in B und S die Begegnung Alexanders mit dem Zwergköuige glücklich motiviert ist. Ein Vergleich des JJ und S gemein- samen Theiles zeigt, daß S nicht aus D fließen könne, daß aber D nur eine Verarbeitung einer Vorlage, die S nahe stund, sein müsse. Die Handschrift B hat den Anfang V. 1 — 96 mit S gemeinsam, weicht aber dann von S ebenso ab, wie D am Anfange. Besonders bemerkenswerth ist, daß, wie schon M. Haupt bemerkte '^), hier Anti- lois bloß seinen elbischen Muthwilleu ausübt, ohne durch seine Schläge die Bösen dem Könige anzeigen zu wollen, während nach SD das Kennzeichnen der Untreuen der Zweck ist, der durch die Schläge er- reicht werden soll. Es fragt sich, ob SD oder B das Altere, Echte bieten. Nach dem einzigen Zeugnisse, das wir über Anteloye besitzen, scheint SD den Vorzug zu verdienen. Der Unverzagte fordert die Herren auf, die Schälke von ihren Ohren zu entfernen und fährt fort: mir gräwent alliu miniu här ze hove, wenn ich den kerl an se mit ambet, daz er rünen kan. zehant wirt min gemüete swär. vil tougen ich sie wol erspe. sie irrent m anigen guoten man. Müest ich ein Anteloye wesen, dem lieze ich einen niht genesen. "; Pergament, 93 Blatter in Foliu v. J. 1322. *") Altdeutsche Blätter I, 250, 222 J. V. ZINGERLE ich wolt sie platzen mit der haut, daz in der kerl würd erkant: sie habent vil Herren hove geschant "). Obgleich ^platzen" au die Verse er sluoc da luauigem werden man, dem an deu hals, dem an den glatz mauigen uugefüegeu platz ^^) in B erinnern, so geht doch aus der ganzen Stelle hervor, daß nach des Dichters Ansicht Autelove die bösen Höflinge geschlagen habe, um sie als solche zu bezeichnen. Was die Fragmente belangt, schließt sich Ä der Dresdener Hand- schrift au, gibt aber einen etwas bessern Text^^). il/ stimmt mehr zu S als zu D, man vergleiche V. 147, 148, 151, 152, 155, 181, 182, obwohl V. 178, 179 mit D gemeinschaftlich sind. Nach diesen Vorbemerkungen gebe ich die Erzählung nach Sentlinger. J. V. ZINGERLE. Darnach daz buoch uns also seit, daz Alexander aldä jeit. ez wolt der unverzagte man ein swin selber gevellet hän. 5 nu bin ich des bewiset sus: von Kriechen Ermoläus was do ein junger man, der was bi Alexander, als ich ez las, der dannoch niht swertes fuorte. 10 hohiu geburt in ruorte von den hoehsten üz dem lande , die man ouch fürsten nande. der jungelinc geheret was schiezens wol geleret. 15 Calistenes sin meister hiez, als mich daz buoch wol wizzen liez. an Aristotiles allein so wart nie bezzer meister kein. Ermoläus begreif einen spiez, 20 sin art in manheit niht erliez. daz wart an der stat wol schin , vor Alexander valt er daz swin. daz was Alexandro zorn, in düht, er biet die er verlorn , 25 und begund ez für übel haben, er sluoc den kindischen knaben über daz houpt mit einem stabe. da von begunde der edele knabe weinen unmäzen. 30 daz bat in sin meister läzen. er sprach: „gedenket dar an, daz ir werden sult ein man und daz ir mannes bilde traget." Alexandro diu rede niht behaget, 35 er vienc die rede also, daz er si meinte üf ein dro , wenne er gewüehse ze einem man, 80 solde er sich rechen dan. der künic an den meister sach, 40 zuo dem er zorneclichen sprach: j? ) Basler Handschriften 30^. ") Altdeutsche '') EMS. 3, 44". Blätter I, 230. 1 daz neunde buch also saget B. 2 daz fehlt B. aldä jeit] was an einer jaget B. 6 Menelaus ;S'. 7. 8 fehlen S. 9. 10 umgestellt B. der selp d. S. 10 hoch B. in doch r. S. 13 der selb j. S. 14 w. der schüzze S. 15 Calisteus — was B. 16 als ich in dem lande las B. 17 aristemonem B. V,^ der jung E. >S'. 20 verhez B. 21 wol] da B. 22 velt S. vor Alexander] Ermoläus B. er fehlt B. 23 Alexander S. 24 douchte er bete di ere B. 25 und] er B. hegende B. 28 do begonde B. 31 gedenck B. 34 Alexander S. di B. 35 so B. 37 wenne] so S. er gewuchse zu eime B. 39 dem B. 40 zomleichen B. ANTELOYE UND ALEXANDER. 223 „ir habet rät üf min lebeu iuwerm herren gegeben. daz wirt iu niht ze guote." do schuof der ungemuote 45 bi sinen bulden und gebot, daz mau sie beide slüege tot. des klagt man si äne raäzen. die jeger beten di bunt geläzen ze einem hirzen, den da jeit 50 Alexander, der sieb verreit, wan er vor zuo den herren sprach , nieman volge im da nach. bi im nieman bestuont, niwan daz wilt und ein bunt. 55 den hirz der künic valde. ditz geschach vor einem walde üf einer breiten ouwe lieht. nu beert, wes uns daz buocb vergiht. Alexander bort ein stimme, 60 in vil michelm grimme kam den ellenthaften man ein ander künic geriten an üf einem rosse als ein rech in der groeze. ez was ouch vecb. 6 5 sin gereit was schon gezieret. ein gewant wol gevieret an sinem lip er fuorte, daz groziu richeit ruorte, wol gesniten unde lanc. 70 sin zoum und sin gereit erklanc von guldineu schellen wol geworht nach hellen, sus kam er gezieret schöne, ein zeptcr und ein kröne 75 fuorte der künic armuot blöz. er was kleine und niht gröz in der mäze , als diu kint, BÖ si in vier jären sint. sin ros an raäzen dräte lief. 80 mit grimme er an den fürsten rief: „iwerr höchvart mich bcvilt. war umbe slahet ir min wilt und verderbt mir minen plan unddiebluomen, di icli geheget hau ? 85 waert ir an triuvven nilit verzagt, berr, so biet ir mir entsagt. ze nihtiu ez iu töhte, wan daz man spraech daz ichz ver- möhte üf diser ouwe baz dan ir. 90 des fürht ich, daz verwiz man mir. ich wolt in schier gevertigt hän, daz alle künige wurden eriän, daz ir fürbaz ze keinen ziten üf iren schaden möhtet riten. 95 nu wil ich zuht an iu began und wil iuch hie bi leben län." Alexander sprach alzehant: y,sage mir, wie bist du genant, oder wannen bistu komeu? 100 daz biet ich gerne vernomen. 43 euch n. zu B. 44 do] davon S. 46 bede B. ze tot S. 47 des fehlt B. man clagte si an B. 48 die ieger hete gelazen B. 49 den da jeit] er darnach reit S. 50 der] und B. verjeit S. 51 wan [wen B] er vor] daz er S. nicht sprach S. 52 im salde nieman volgen nach B. volgte S. 53 nieman me bei imb B. 54 niwan] neur S. nieman B. 55 hirzen der bunt valde B. 56 ez B. 57 aw S. awen B. 58 waz S. 59 Alexandro eine B. 60 in michelem B. 61 kern dem B. 63 eime orsse B. 64 groze er was ouch vrech B. 65 was fehlt B. schon] wol B. 66 g. er wol B. 67 übe fürte B. 68 groz B. 69 und S. 70 clanc B. 72 nach] gar B. 73 sust B. also S. er] der S. 74 cepter ein teure c. B. 77 die S. di B. 78 so] wen B. zwein S. 79 orsse unmazzen B. 81 ewrr >S'. ewer B. 82 war umb slacht ir mir m. B. 83 dar zu verterbet ir mir B. 84 und blumen B. 86 herre so het ir mir gesagt B. 87 zu nicht ez euch tochte B. 88 wen | spreche | ver- mochte B. 89 dirre B. aw S. 90 daz furchte ich daz man daz wize m. B. 91 ydoch solde ich euch schire beverten h. B. 92 des ^S*. wem B. 93 für- baz fehlt B. 94 mocht gereiten S. 95 euch B. 96 hie fehlt B. 97 Alexan- der] der kuning AD. al] san A. 98 nu s. A. mir fehlt AD. 99 wennen MD. von wan S. her komen MD. 224 J. V. ZINGERLE [Bl. 187 A^] dudunkest mich 80 riebe und also gewalticliche. daz pfcrt, dax du hast überschriten , daz ist nach wunderlicheu siten 105 und also seltza^ne. ich weiz wol unde wa.'uc, daz ich bi allen minen tagen nie mere von dir horte sagen." do sprach daz twerc kleine: 110 ^ich bin hie niht aleine, als ir mich hie habt gesehen. ich wil iu mines namen jehen. ich heize Anteloye und bin ein künic der roye 1 1 5 ze Prise bi Muntäne. ich hän üf disem plane hers ein michel wunder, des ir hie besunder niht müget beschouwen. 1 20 wir fueren eine vrouwen her üz disem berge einem andern twerge. diu ist mir undert&n." „ja, des bin ich sunder wän," 125 sprach dö Alexander, „daz hie nieman ander si diner genöze. du machtest rede groze. kund mir nu von dir geschehen, 130 daz du mich woldest läzen sehen die seltzaenen liute und dar zuo die kleinen briute , daz wolt ich dienen immer mer. " daz twerc ruoft dö iu sin her 135 vil balde unde über lüt: „all die minen und diu brüt , die ziehen ab ir tarukleit. und lät iuz niht wesen leit, daz iuch der künic beschouwe 140 hie üf diser ouwe , daz er daz wizze sunder wän, daz ich in niht betrogen hän." do Anteloy die rede getet, zehant sach er an der stet 100 het M. hatte ich lange g. D. 101. 102 fehlen D. 101 dich S. 102 zerte- liche M. 103 beschreten MD. 104 daz ist feldt M. nach also M. von so w. D. 105. 106 fehlen D. 107 alle M. ich weiß doch, daz ich bi mynen D. 108 dir] die M. -nie me horte von dir D. 109 zwerg chlain S. getwerc reine D. 110 hir D. 111 koning zo du mich hast D. 112 dir D. nam verjehen S. 113 mich heisset Antyloyc D. Anteloy S. 114 der roye] von roge D. roy S. 115 preis S. czu prysse Pomosane D. 116 habe D. 117 es ist ein wiindir alzo groß D. 118 das du, koning, und din genoß D. 119 machst mit nichte beschauwin D. 120 vuren hir &. D. 121 von desim berge sunder wan D. 122 fehlt D. zwerg S. 123 die S. andir getwerge ist mir vele undertau D. 124 fehlt D. 125 do sprach der koning AI. D. 126 niemant S. ab hir nymant wandir D. 127 genozen M. du hast mich korzlich dingyß bescheiden D. 128 das solde dir nicht komen zu leide D. 129 wen konde mie daz von die g. M. nu] daz D. 130 mir D. mich si liezest s. S. 131 seltzeinn S. die gar selczene luthe D. selzenin luite M. 132 und fehlt M. darzuo] ouch D. brüte M. brüte D, 133 daz vordiene ich al min lebin, des wil ich die raine truwe gebin. laz ich dir die mine, kuning, daz du die dine M. daz vordine ich mit mynem leben. des wil ich dir myne truwe gebin: „ja ich wil dir wisen die myue, ab du wilt die dine 134. 135 der getwerg ryff obir lut D. abe balde uwir Lehn cleit D. tornklait S. schauwe D. 140 hie fe?dt D. desir breitin auwe D. 142 im nicht gelogin D. 143 — 146 do gesach her in korczir sttmt der getwerge me wen tusunt D. laßin halden da vor besundir; koning, zo raachstu schawen wundir". der koning gebot einen vrede bie dem halse und bie der wede, der do zcu wolde sprengin, das man den solde hengin hoer denne einen dip. das getwerg sprach: „das ist mir lip". D. 136 alle | raine | die I). 137 czihet 138 laßit uch 2>. 139 iuch] si S. 141 das her wisse D. ALEXANDER UND ANTELOYE. 225 145 vor dem selben berge mer dan hundert twerge riten mit phelle von Arabie. den fuort da mauic frie harte wol gesuiteu. 150 und diu pfert, diu si riten, (Bl. 187 A^) diu waren gelich den Schafen. si fuorten an ir wäfeu, als sie woldeu stechen und iriu sper zerbrechen. 155 daz wären kleiniu scheftelin, küm vingergroz mohten si sm. ouch fuorten diu twerc wilde küra fuozbreite schilde wol gezierot umb den rant. IGO smäragten und jächant, topaze unde rubin, die tiure steine mohten sin mit borten wol gevetzet , da mit si warn durchpetzet. 165 Alexander sach si an, unz daz her geriten kam der getwerge küniginne mit höchrertigem sinne und dar zuo diu wibel schoene. 170 ich sag iu sunder hoene , daz si fuorten schoeniu här und ir wät was goltvar. der frouwen wol ein hundert die wären üz gesundert 175 nach bilden wol getan. daz wil ich iuch hoeren län: also wären si gestalt als kint bi vier järeu alt. ir baerde wären fremde: 180 ir ieglichiu fuort ein herade oben über iriu kleit, daz was mit golde wol durchleit. also riten si velt und fürt, und heten seltzien buhurt 185 mit stechen vor der briute aldä die kleinen Hute. do nu daz stechen was getan vor Alexander üf dem plan , Anteloy sprach der kleine 190 zuo den sinen algemeine: „nu ritet mit saelden hin!" daz geschach. daz twerc het wisen sin. daz beleip alein bi Alexander. und dö si hielten bi einander, 195 Alexander begunde jehen: „nu ist mir liep hie geschehen, 147 liten mit fehlt MD. ph eller un almarie M. phellel von Almarye D. 148 den fehlt D. vurte dar vil manch D. da fehlt M. 149. 150 fehlen D. 149 augesnetin M. löO die | die SM. retin M. 151 die pferd waren D. geliche groz den schapheu M. 152 hattin D. wapen M. 153 also M. recht ab sie D. 154 ire sper mit zoste zu b. M. ire | zcubr. D. 155 uü daz w. deine M. deine sporelin D. 156 kume MD. vingers groz M. gesin D. 157 vurte man- chir getwerg w. D. zwerg S. 158 küm fehlt D. 160 iochant S. beide smarag- dus u. D. 161 tnbas | raben ^S". darczu granat und robin D. 162 wie mochte bessir steynte sie D. 163 ire schilde waren gecziret mit deine D. 164 als ez das getwerg deine D. 165 der koning und sine man D. 166 die liilden do ez geretin quam D. 167 des getwerges *S'. 169 manche frauwe schone D. schon S. 170 ich spreche daz sundir hone D. hon S. 171 — 174 fehlen D. 175 also die bilde getan M. sie warin recht alz die b. D. 176 ew 8. uch nu h. D. 177 alzo rechte wol g. D. sie waren also g. M. 178 also kinder vier iar a. MD, 179 pfärt 8. ire cleider MD. 180 idich M. iezlich D. 181 fehlt D. ober die anderen wat M. 182 durchleit] benat M. bewart D. 183 si retin hin und wedirvart D. 184 — 188 fehlen D. 184 seltzein S. 187 wart 8. 189 do sprach das getwerg kl. D. 191 r, hin mit saldin D. 192. 193 fehlt D. 192 daz twerc] Anteloy 8. 193 do bleib do alleine behaldin D. 194 daß getwerg Anteloye D. 195 begund do 8, und Allexaud^r der wise roye D. 196 Allexander sprach: mir ist werde gesehen D. GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVm.) Jahrg. 15 226 J. V. ZINGERLE daz ich hän gesehen dise diete. du solt mir gebieten. ich wil dir sin mit tri wen holt; 200 wilt du silber oder golt, des gib ich dir genuoge". ^nein ich", jach der kleine kluoge, ^ich hau golt und silbers vil und vil üz der mäze zil. 205 doch sit du kiiuic bist genant gewaltic über Kriechen laut, milte, hübsch und rieh an guot, so wil ich allen minen muot wenden an din ere. 210 nu volge miner lere, daz mac dir wol gezemen. du solt an dinea rät nemen ander liute, wan du hast. wan du mit schelken umbe gast, 215 si ratent und betriegent dich. des lä dich , herre, her an mich. vil dick des wolves kint tuot nach dem vater selten guot. wo der schale ze rate gät 220 des fürsten hof vil übel stat." Alexander daz getwere an sach. zuo im er zühteclichen sprach: „ist ez war, daz du mir hast geseit, wer mir ze rate dir beheit^ 225 den wil ich an min rät nemen." ,,künic'', sprach ez , „lä dich ge- zemen: nu gebiut morgen balde zuo einander junge und aide und sprich, du wellest si empfäu 230 und kurzwile mit in hän. so weiz ich wol für war, daz manic edel man kumt dar und manic schale wandelbaere. so hebent sich hohiu maere. 235 so sol ich dan aleine hoch sten üf einem steine vor dines gezeltes tür; so mac nieman komen für, er enmüeze mir komen so nähen, 240 daz ich in mug enpfähen. daz du, künic, wol mäht sehen, waz da wunders sol geschehen, wen ich an den hals slahe und in also enpfähe. 197 disen dieten >S'. daz ich die dinen habe gesehen D. 198 fehlt D. 19Ö trewen S. ich bin dir ummir von herczin holt D. 200 und D. 201 gebe D. 202 ja wüste ich wer das trüge D, 203 sprach das getwerg deine D. 204 ich habe noch an golde reyne D. 205 doch sit] wol daz D. koning D. 206 obir alle cristen 1. D. 207 milde hobisch vnd gut D. 208 alle D. 209 din] die Z>. 210 im volge miner] mit rate und mit D. 211 das ez dir best mag gez. D. 213 wan] denne D. 214 wenn D. 215. 216 was mag geratiu dir der man. des vatir eren nye gewan D. 216 herre fehlt S. an] zu S. 217 vil fehlt D. dicke wulfes D. 218 deme D. 219 czu | geit D. 220 der hoff ye lestirlichen steit D. 221 der cristen sprach czu dem heidin D. 222 du solt mir hie bescheidin Z>. 223 mir fehlt S. 224 wer zcu D. 225 ich nemen an mynen rat Zf. 226 wie mirs ouch hir nach ergat D. 227. 228 der getwerg gar togentlichin sprach: „vns kumpt schire der pfingest tag, so gebut du weldiglichin myt den forsten dine hochczit" D. 229 entbut in, du wellest sie schone entphan D. arze w. Ij. 231 so wene ioh und weis vor w. JJ. 233 manchir wandeis b. D. 234 sich dan h. S. sammen: so laz mich alleine stein vor der ther. 235 solt du ^S^. 236 ainen S. 238 niemant S. 239 er müzz S. so mussin sie mir alle komen zo nahe D, 240 mag S. 240—242 fehlen D. 242 wunder S. 243—246 das ich sie an den hals sla. wen ich denne sla der schalkhaftigon ein, alsus hoc ist der stein, das ich in wol mag irreichin, mit der haut gebe ich jm ein zceichin I). 230 und ein k. S. 232 manch | kumpt D. 234—238 zieht D zu- ALEXANDER UND ANTELOYE. 227 245 der ist der schuldigen einer guaut, als ich dir vor tet bekant. da von merke da bi, wer biderbe oder boese si. aber wen min hant mit fride lät, 250 den soltu nemen an dmen rät. (Bl. 187 B*) daz rät ich dir mit triu- wen, daz dich fürbaz niht sol riuweu.'" der künic wart der masre vro. zuo Anteloye sprach er dö: 255 ,,nu Ion dir got, friunt min! du solt mir willekomen sin. tuost du, als du hast geseit, so naenn ich für die wärheit goldes niht zwei tüsent pfunt, 260 mir en wurden mine also kunt." zuo im sprach der kleine beiden „wir müezen uns uu ächeideu, ich wil niht lenger halten, got müeze din walten!" 265 sin pfertel er dö ruorte, mit Sprüngen ez in vuorte hin zuo der hochgczit. da er was die naht sit> da, het er guoten gemach. 270 Alexandrö was ouch gäch hin zuo der sinen schar, darnach sag ich iu für war, 247 daz du wol machst merkin da bie D. 248 biderbe] gut D. 249 aber fehlt D. weme myn hant vrede 1. D. 250 soltu] machstu D, 251 mit triuvveu] nach eren D. 252 als einem forsten bereu D. 254 Antelojen D. er] he B. 255. 256 uvigesteUt B. 2ö7 kummestu alzo du mir sagist B. 258. 259 da vor ich tusent pfund nicht neme dez tagis B. 260 wurden die meinen also S. Hier folgt in B: wen ich bete dich stille swigen das getwerg sprach au der stuut. und nymand nicht dovon zcu sigen, „da vor nerae ich tusent pfunt, wen welchir daz vorneme, das ich daz jmande sagete wie uode he deime dar queme! was uch, herre, nicht behagete". 261 sprach do der S. c/u dem cristen sprach der beide B. 262 nu alhir seh. B. 263 lengir bie dii- h. B. 264 g. der m. S. got] heil B. din alle- czit B. 265 pferdez B. 266 mit] in B. 267 hochzit S. 267 — 269 wen daz uvmant wen he g^esach. der koning zcu den sinen sprach: he solde gar snelle sin geiyten, wer den helt mochte irstryteu B. 270 Alexander S. 271—275: 269 do *S'. was] het S. gha B. 271 zuo seiner S. dar hen zcu Macedouia. Allexauder der milde hiß sich do werkiu schilde und andir edil gesmyde; beide vou pliellel viid von side bis her sie machen vnd webin, die mau zcu der huchczit solde vergebin der koning die botin us saute wyte in alle sine lante, welch mensche die botschaft vorueme . das es balde zcu hove queme: bie sinen huldiu her das bot. do wart manch phellel rot vnd manch thiure baldekiu, die do zcu hove wordin schin. die hern quamen zcu Macedonia in die stat des kouings p alias wart besät mit manchem stolczin gaste: wie das gesteine glaste ! das was geworcht in der nat: man sach da manch thure wat. dem koninge wart czu sire die daz swert woldin enphau, die sach mau bie enandir gau; nach werdigkeit stunt al ir lebin. ich meyne, da wart vil vorgebin. Allexauder doch harte vaste nach Antyloyen syme gaste. an deme ptingesttage vru his man messe singen nu. do gotis dinst was getan, do his man Ae alle vor deir sal stau. der koning der his gebin swert den deme ez duchte wert. do sach man in den gecziteii manchin schonen ritter ryten. do gotis dinst was gebort, do trat der koning balde vort kegin des pallazes thor: do lyff der portener her vor. dem koninge stunt alle gesiebte dar B. 15 Pv* 228 J. V. ZINGERLE do ez tagen began, üf stuont do der werde man 275 und sach hin iinde dar und nam flizeclichcn war, ob daz twerc komen wtere, daz er scecb seltsa^niu maere. dö sach er daz getwerc an. 280 üf einem steine sach erz stau, unde do er ez ersach , sin herze freuden im verjach und wolt ez enpfangeu hän. daz twerc winken im began , 285 daz er stille sweige, biz er im die wärheit zeige, nu kam ein torwart gegangen. der wart von erste enphangen. wan ez gap im einen slac, 290 daz er an der erde lac. er sprach: „herr, ich bin geslageu lind weiz niht, über wen klagen, wan über dise stein wan t. mich düht, ez taete daz ein hant 295 oder der tiufel durch sinen spot." „nu swic, daz dich gesegne got!" sprach der künic selbe, „ich waen dich trieg der elbe." nu ilte ouch der marschalc dar. 300 Anteloye nam sin war, (Bl. 187 B^) nach siuer herzen gier wart im ein slag am goUier groz und ungefüege. «ja und ich daz vertrüege," 305 sprach er dö mit zorne, „so waer ich der verlorne." der im der allernaehste was , den greif er an mit sinem haz. er wänt', er biete ez getan. 310 da von begund er in dö slän, jener was ein helt halt, er weste niht, wes er engalt, und sluog in vast hin wider, dö schiet man si sider, 315 da mit sie giengen balde dan mit klage für den künic stän. Alexander lachte unde sprach: „ir herren, habet iwern gemach und sit alhie geduldic, 320 ez ist noch niht der schuldic." die wile si stuonden in den klagen, dö wart ein trugsaez geslagen, daz im daz ör ersüste und sinem geiste grüste 325 und daz wange serte. diu klage sich dö merte 275 und S. 276 nam dez mit großem flyße D. 277 getwerg ich queme alleine D. 278 fehlt D. saech die seltzeiim S. 279. 280 do sach her jn stein uf dem steine D. 281 so her jn aller vernest sach D. 282 h. jm grossir vroudin jach D. 283 wol S. imd her wolde in liplichen entvan JD. 284 das getwerg weukte jm san D. 285 swaigt >S'. swege I). 286 zait S. vnd vor sich in den sal sege D. 287. 288 fehlen D. 289 dem thorwertir wart ein slag D. 290 an der erde] vor im gestrackt D. 291 here D. 292 und] ich D. niht fehlt S. obir weme Z>. ich klagen S. 293 sol über disen S. den obir dese D. 294 daz fehlt S. tede eines mannes h. D. 296 nu felilt S. geseine D. 297 koning seibin D. . 298 trygen die elbiii D. 299 eilte der m. auch dar S. m. begiiude ylen D. 300 Anteloye] das getwerg D. sin gute w. D. 301. 302 fehlen D. 301 in seiner gier S. 302 ward im ein gollier S. 303 im wart ein slag gros und u. D. 304 und] ab Z>. 305 er dö] der marschalk D. 306 die D. ich bin geslagin so sere, daz ich ez vonvynne nymmirmere D. 307 nächst do w. S. die allirneste Z>. 308 deme greiflf he wedir in sin vas D. 309 wont S. und begunde jn sere slan D. 310 he nieynte, daz he das hette getan D. 312 he wüste | he entgalt Z>. 313 he slug in vaste wedir D. 314 sedir Z>. 315 da mit fehlt D. g. beide hin dan D. 316 vor D. 317 Alexander] der konig B. 318 heren | uwir D. 319. 320 fehlen D. 322 do] die wile D. die tmgseße D. 323 ore susete D. 324 u. ouch der geist irgrusete D. 325 fehlt D. 32G sich dö fehlt D. ALEXANDER UND ANTELOYE. 229 vor dem künige vaste von Anteloyc sinem gaste. darnach kämen zwen schenken, 330 den begiind er gedenken mit einer orenwinde. diu wart in so geswinde, daz sich ir hals verkerte, als in der tiufel siege l§rte. 335 der künic sprach: „ez ist mir leit, daz man die siege also kleit." ditz horten zwene rätgeben. der ein begiinde sere streben und vil zorneclichen. 340 vor Alexander dem riehen wart im do ein kropfstoz , daz er üf die erde schoz und sich küme versan. danc habe des der kleine man, 345 daz er die schelke erkante und ir doch keinen nante. hie wart ein grozez gedranc. ei, wie Anteloye ranc, e er die schelke gar gesluoc ! 350 der vaut er in dem dränge gnuoc. (BI. ISTB"^) ir einen er aber stiez, der sich do bald berihten hiez , wer in hiete geslagen. daz enkundc im uiemau sagen. 355 für den künic er do gie. er sprach: „der tiufel der ist hie, der uns al nu sehenden wil." der künic sprach an dem zil: „biet er dich ze tode erslagen , 360 daz horte ich noch nieman klagen." „ja", sprach er „spot und swsere daz sint vil altiu masre. die muoz ich hie nu dulden. waer ez von iwern schulden, 365 so diuhte ich mich sin wol wert, daz mir daz laster waer beschert." Do daz getwerc die valschen sluoc und ir keinen übertruoc, do gienc ez mit witzen 370 ze Alexander heimlich sitzen. 327 vazzt S. 328 diz was von Antiloi s. S. Antilooyeu syme g. D. 829 darczu quam der seh. D. 330 den wolde he euch bed, D. 331 m. einem oren winden D. einem orgewinde S. 332 wurden S. im alzo swinde D. 333 sich an in der h. T. sich im der D. 334 alz im der slag do larte D. 335 ez] daz D. 336 d. man sus myn gesinde sleit D. 337 erhörten S. das muffete dem hoestin r. D. 338 der begunde kein Antioioyen str. D. 339. 340 fehlen D. 341 deme gab her einen k. D. 342 her jm vor die fuße schoz und lange wile so gelag, das he wedir gehorte noch gesach D. 343 unt] czu lest he D. vorsan D, 344 des fehlt D. 345 schelke] unge trewcn S. da he den schalk wiste D. 340 das her sin nicht vormiste sine vrunt tratin do hir vor und woldin jm helfin czu dem thor D. 347 do i gros D. 348 wie wunschlich A. D. 349 eir he D. gai-] alle D. 350 dreng S. 351. 352 fehlen D. 353 sie sprachen al, wer sie hette ge- slagin D. 354 kund im niemant ges. S, des enkonde nymant s. D. 355 — 360 : Werne man mochte meldin. „ja her muß sin doch entgeldin'' sprach der ungeborne: doch ging he mit dem zcorne vor den koning und sprach „here, habit uwir gemach: das ich hüte bin geslagin, wolde man mir den schuldigen sagin, ich weide mich rechen selbin, solde ich ez joch entgeldin". der koning sprach „des tud dir not. doch hette he dich geslagin tot, du blebist wol ungerochin: wen du best jm leit gesprochin: he kan so heymelichin slan, her mag dir lange vor gan" D. 360 niemant S. 361 sprach er fehlt D. 362 sin aide D. 363 hir D. 364 ewrn S. mynen D. 365 ich duchte mich dez sin gewert D. 366 mir was daz lastir hy b. D. 367 do her die valschin alle gesl. D. 368 und dez keime nicht vortrug D. 369 gie S. g. he mit guten w. D. 370 ze] bie D. heimlich] den koning D, 230 J. V. ZINGERLE der wile kam ein knnicraprc, der dicke lügehchiu mjere sim herrcn ze hove brahte, pwa er im des gcdalitc. 375 er het manigen an gelogen und sich selben damit betrogen. nu wolt er sich dem künige nahen. daz begunt dem twere versmahcn. ez trat im an die siten 380 und gap im ein galiten, daz ez vil lüte erhal unde im daz mül geswal. da von rief einer üz dem her: ^eiä, daz uns got erner 385 und uns hie müg gesegnen! wil ez hie nu siege regnen, daz ist selten e vernomen. von wem sint die siege komen? ja kan ez nieman gesehen. 390 man mac hie wol wunder spehen." da mit si ruofen alle mit gemeinem schalle: ^her kiinic, hüetet nu ouch iur in diser wilden äventiur 305 in diser hurte mppre!" do dem kameracre der groze slac was getan, der kuchenmeister kam do sän. der fragte urab die mppre, 400 wer da geslagen wa^rc. (Bl. 188 A')de.s wolter haben sinen spot. Anteloye, so im lone got! wan do er den schale an sach, sin herze freude im verjach. 405 er trat wider üf den stein und sluoc im an daz halsbein, daz ez der kiinic wol vernam und vil maniger do erkam. da von ruoft ein jungelinc: 410 „hie get der tiufel umb den rinc oder sin altiu muoter und git mit siegen fuoter!" do kam einer, der die schüzzeltruoc. der het valscheit genuoc. 415 daz twere gap im ein hantmäl, daz er lac üf dem wal. daz wart im da künde, eiä waz man ir noch funde 371 in der w. S. do D. 372 die dicke und vele logenmere D. 373 sei- nem S. syme herren zcu oren hrochte D. 374 wo S. wen he daz gethun mochte D. 375 he D. manchin belogin D. 376 selb S. sinen herren dicke b. D. an manchirhande werdigkeit, im was der vorsten ere leit D. 377 he begunde sich D. 378 twerge vorsm. D. 379 ez] das D. 380 ein pulch gelj-te D. 381 do irschal D. 382 vnd nii der muren wedir hal D. 383 bis 39.5 fehlen D. 384 ei .S'. 385 müg fehlt S. gesegen S. 386 regen S. 389 ez] si >S'. 390 mac wol wunder hie S. 393 nu hutt auch ewr S. 396 do deme valschin kemmerere, als uns sait dese mere D. 398 chuckelmaister S. do quam der kiichmeistir gegan D. 399 umme D. A(X) do D. 401 dez begunde he h. D. 402 Anteloy so] das getwerg daz 4f>3 wan fehlf, D. an gesach D. 404 vroudin nicht vorjach D. 405 er] do trat her vff einen D. 406 yn an D. das ez alxo Inte irclang, wo] einer mile lang D. 407 daz] do JJ. 408 wer mit valscheit zcu hove quam D. 409 do ryff ein andir j. D. 410 geil hir der tnfal umme d. D. 411 adir sin eldirmuter D. AVI gibt D. 413 dö] in des S schusseln D. 414 der v. het g. S. hatte Z>. an syme herczin vorborgin. den stis her ane sorgin D. 415 daz twere] vnd D. 416 das von Rome ein cardenal D. 417 des nicht Tulschriben künde D. 418 wez S. daz man ir noch zo vele v. D. m D ez S. ALEXANDER UND ANTELOYE. 231 der ungetriuwen i ätgeben , Alexander der künic riche 420 die mit valscheit kiinnen leben I 430 nam daz getwerc liepliche biet wir nocb Anteloye und sazt ez zuo im nider. den kleinen edelen roye, näcb sinem rate sider daz er uns oucli die veigen besazte er den hof do , also begunde zeigen , daz si sin alle wurden frö. 425 so stieze sieh etlicher dran. 435 da mite schiet ez von dan. der sust von bosheit niht wil län , Alexander wart ez undertän als ir hie habt vernomen. mit lip unde ouch mit guot. do nu ditz was voUekomen , des wart der künic wol gemuot. Anmerkungen. Das neunte Buch der Alexandreis des M. Philippus Gualtherus ') beginnt: Ultima terribiles Macetum sensura tumultus India restabat multo sudore domanda Et gravibus bellis : quam dum petit ille deorum Aemulus in terris, Clitus, Hermolaus et ejus Doctor, Aristoteli praetor quem nemo secundus, Extremum clausere diem, documenta futuris Certa relinquentes : etenim testatur eorum Finis, amicitias rcgum non esse pcrennes. Der deutsche Bearbeiter benützt diese Steile , um die f?o ganz aus dem Volksglauben des Mittelalters heraus ersonnene ^) Zwergensage dem Gedichte einzuflechten. 1. 2. vgl. 40. 234. 257. 345. Solche Zusammenzichungcn in der Ale- xandreis häufig z. B. richoit : geleit 193 A^. wärheit : geseit 105 B''^. gcseit : unverzeit 106 A"'. leit : geseit 197 B\ richeit : geseit 197 B^ geseit : reit 197 B -. friheit : geseit 198 A". seit : streit 195 A^. reit : seit 197 B ^. breit : geleit 195 A^. 197 B'. leit : gejeit (gejagetj 100 A'. vgl. Woinhold b. Gr. §. 77. 10. Vgl. 68 und bogen unde zerf. daz ruorte tiuriu kost gar riche 184 B^ und mhd. W. II, 814. 420 die mit sulchin schandin lebin dicke rmd vele von hove gan), (wie sie die cdelin heran twasen das machit allis oren krut, und jn in die oren blazin, das zcu höre nymmer werde liit D. dar vnune mus ein getruwer man 421 liette wir Antyloyen I). 422 cdelcii loyc] wison ro^'gen D. 423 bis 428 Jehlen D. 428 volkomen S. 429 so nam der koning rirhe D. 430 nam fehlt D. do lieplich S. vil lipHchen Ij. 431. 432 ez bie sich uff den stul. der was von adcl wol geborn. deme her sinen rat do bevul, Antyloye hatte in us irkorn, das waz ein sundirlicher gast, das her dem riche soldc an dem der eren nie gebrast; wol raten, ab her woldr D. 433 der selbe saczte den hof alzo D. 434 sie alle wordin D. 435 und scheidin lipliclien dan. dar nach lis he den edeliu man sines rates waldin. sint blebin ungespaldin des koninges ere und sin etc. D. *) ed. F. A. W. Mueldener. Lipsi« 1863. ') Wackeraagel, Ba«ler Hand- schriften S. 27. 232 J- V. ZINGERLE 11. Vgl. V. 55. crkandc : lande 191 A^ waldcn (silvis) : behalden 191 B^ und Weiuhold b. Gr. ^. 146. 23. Vgl. V. 34 und frö : Alex:indio 192 A^ 193 B^. Alcxandro : fro 192 B*. 53. Vgl. stuont : kunt 169 B\ 180 A-. stuondcn : wunden 188 B^ kunt : stuont 180 B*^ : tuont 173 B" und Weinhold b. Gr. §. 114. 57. Vgl. lieht : gibt 194 B' : uiht 194 B\ niht : lieht 191 B^ und Wein- hold b. Gr. §. 90. 63. vgl. sin ros was ze der siten vech und in der groerc als ein rech. Laurin 165. E. 413. Grimm. Mth. I, 434 u. Ulrichs von Türheim Tristan 555. 65. 66 Vgl. da bi daz volc crbouwen vant einen tempel gevieret und wunniclich gezieret. 180 A*. 70. 71. Vgl. Nibel. 409, 3. Servatius 2919. Flore 2836. Parzival 122, 3. Wigalois 235, 12. 271, 30. Über Zwerge und Schellen vgl. Rochholz Argauer Sagen I, Nr. 212. Naturmvthen S. 111. Wolf, Beiträge II, 310. 75. der armuot bloz Lohcngrin 740, 2. 78. Vgl. 178. Die Dresdener Hs. hat: wol vierdchalbe spanne was die lenge von deme manne. Von Alberich heißt es : du bist in kindes mäzc des vierdcn järes alt. Ortnit 96, 1. Über die Größe der Zwerge s. Grimm Mthl. I, 418. In den Volkssagen wird dieselbe angegeben 2 Fuß. Vernaleken, Mythen 207. Landsteiner, Reste des Heidenglaubens S. 72. Schönwert II, 296. Grohmann, Sagen I, 182. Sagen aus Tirol Nr. 68. Rochholz Arg. S. II, 326. V/^ Schuh. Vernaleken, Mythen 212. Grohmann, Sagen I, 180. Schönwert II, 299. 27a Fuß. Rochholz Arg. S. 1, 313. Meier Sagen S. 61. 2 Spannen. Grimm, Sagen Nr. 54. 3 Spannen, Ver- naleken Mythen 213. Wolf, Beiträge II, 309. 3% Schuh, Vernaleken, Alpen- sagen 206. Eine halbe Elle. Meier Sagen S. 55. % Elle, Grimm, Sagen Nr. 37. Eine Elle. Meier, Sagen S. 65. Wie ein Kind von 6 Jahren. Vernaleken, Mythen S. 223. Kniehoch. Virginal 568, 12. 570, 12. 983, 12. 1071, 5. 82. Meines Wissens ist dieß das älteste Zeugniss für den Wildschutz der Zwerge. 84. Vgl. Laurin 255. 85. 86. Vgl. Laurin 294. 91. Vgl, mit gab und mit gewandc vertigt er si ze lande 198 B^ 98. Vgl. sagent, wie ir sit genant. Laurin E. 521. 104. wunderlichen site Parz. 104, 10. wunderlichen sittcn Boncr 76, 2. 133. 134. Die Bindung e:e begegnet in der Alexandreis oft z. B. mcr : her 174 A^ her : mer 172 B\ 173 A*. her : der 173 A^ ker : mer 182 B». lerte: werte 170A^ Vgl. Weinhold b. Gr. §. 48. 137. tamkleit fehlt im mhd. Wb. I, 840. 151. Vgl. ez ritet ein res als ein geiz Laurin 346. sin ors ist als einiu geiz Laurin E. 346. in hirzes hoche man im bot ein ros und dristunt also ■tarc Virginal 142, 11. 156. mit Tingergrorcn strängen Erec 5395. ALEXANDER UND ANTELOYE. 233 160. smaracten iinde jächant Rother 35(33. smaragden und jäcliande Aristoteles und Fillis 246. 161. thopazje und granat. Parz. 589, 20. topazjen und sardinc. Lanz. 4130. 165. n : m oder m:n öfters im Alexander z. B. nam : man 169 A^ ge- wan : kam 174 A**. 167. Vgl. ßi (die Zwerge) brähten al ir vrcuwon dar. mit der küniginne wol hundert getwerginne komen herlich geritcn. Garel. R. Fr. 8"^. 169. Vgl. pfertel 265. schcffel 192 B^ hemdcl 193 B^ 178. Vgl. V. 78. 182. Vgl. Alphart 123, 2. 143, 4. Pass. 230, 21. Pass. K. 581, 56. 204. Vgl. Mai 158, 27. Wigalois 236, 25. 226. Vgl. Parz. 143, 28. 170, 15. 174, 6. Pass. K. 417, 16 235. Ich änderte solt du der Handschrift in sei ich mit Rücksicht auf 280 flf. 405. 261. Vgl. Grimm Myth. 428. Lütolf, Sagen S. 477. 480. Grohmann, Sagen I, 190. 264. Vgl. Karl 1372. Lichtenstein 44, 17. 278. Vgl. Nbl. 90, 4. Arm. Heinr. 185. 285. Vgl. Weinhold b. Gr. §. 78. 291. VgL Weinhold b. Gr. §. 167. 298. Vgl. Grimm Mth. 432. Pfeiffer Arzneibuch 2, 14^ Fundgruben I, 327, 18. 303. Nibl. 425, 3. 310. Fundgi-uben 2, 53. Wigalois 251, 1. Alexanderlied 824. 323. Vgl. daz ir daz ore süste. Kaiserchronik D. 377, 26. daz 6r süst ir lange. Heinrich u. Kunegunde 3708. 361. Vgl. d. Sprichwörter des MA. 128 und: spot nach schaden hoerct. HGA. 41, 311. wer verliuset, der muoz alwegen spot zuo dem schaden hän. Großer Wolfdietrich 1509, 2. 372. lügelichiu maere Klage 1527. Barlaam 198, 34. 382. er dö vil vaste geswal. Alexandreis 199 A^. 411. Vgl. Grimm Myth. 959. Simrock Mth. 256. 259. 416. Vgl. davon behielt er daz wal. Alexandreis 170 B"^. 436. Vgl. daz lant wart Alexander sider mit gewalt do undertän. Alexandreis 189 A . 437. VgL Strickers Karl 639. 10885. Tristan 14,37. Meleranz 1204 etc- 234 K- BARTSCH, ZU DEM ENGELBERGER SEGEN. — CZERNY, WÜNDSEGEN. ZU DEM ENGELBERGER SEGEN. Germ. XVUl, 45. Wattenbach macbi mich auf eine in der Admunter Hs. 393 (XII bis XIII. Jahrb.) stehende und von ibin in Pertz' Archiv 10, 639 mit- getheilte Beschwörung aufmerksam, welche auch den Herausgebern der ^Denkmäler deutscher Poesie und Prosa' entgangen zu sein scheint^ und in der fast alle dieselben Krankheiten wie in dem Engelberger Segen aufgeführt sind. Sicut cervus tbebeus viperam naribus producit, sie ego te nessia. tropho. crampho. herdo. nagado. accadens morbus in nomine patris et filii et spiritus saneti et in nomine omnium sanctorum educo etc. Ich will bei dieser Gelegenheit aucb auf den ebenfalls von Watten- bach (a. a. 0. 10, 679 f.) aus einer Olmützer Hs. des 15. Jahrhs. mit- getheilten AVundsegen hinweisen. K. BARTSCH. WUNDSEGEN VON DEN DREI BRÜDERN. Der nachfolgende Segen findet sich auf dem Vorsetzblatte der Handschrift XI. 119 der Stiftsbibliothek zu St. Florian, von einer Hand des 13. Jahrhunderts geschrieben. Er ist eine etwas abweichende Fas- sung des in den altd. Blättern II, 323 und darnach von R. Köhler in dieser Zeitschrift XIII, 184 herausgegebenen Segenspruches. In nomine patris et filii et spiritus saneti. Tres boni fratres per unam viam ambulabant et interrogabat eos dominus: Tres boni fratres, quo ibitis? Responderunt et dixeruntei: Domine, ut videamus herbam donationis et percussionis et ceptionis. Dixit eis dominus: Jurate mihi in crucifixi Christi et intactae virginis (sie) quod in abscondito (non?) eatis, neque mercedem accipiatis et accedite in montem oliveti et acci- pitc oleum purum et lanam ovis et ponite in omni datione; dicite: In nomine patris et filii et spiritus saneti. Neque collectero, neque putredo fiat, amen. Dominus erit in adjutorium et sicut Hebreus Longinus lancea fixit in — — — — (abgeriebene Stelle) domini nostri Jesu Christi, non ancavit, non fiammavit, non putredinem fecit, ita fiat. Plaga non flammet, non ardet (sie) non putredinem (faciat?). In nomine patris et filii et spiritus saneti. Pater noster ter die faciens crucem ad quamque dictionem. St. FLORIAN. ALBIN CZERNY. E. KÖLBING, FKAGMENT. — LITTER ATUR: KÖLBING, RIDDAKASÖGUR. 235 FRAGMENT EINER HANDSCHRIFT VON GOTT- FRIEDS TRISTAN. Auf hiesii^er Üniversitäts-Bibliothek wurde kürzlich vom Einbände einer von der Universitäts-Bibliothek in Göttingen geschenkten In- cunabel ein Pergamentstreifen abgelöst, der einer in zwei Columnen geschriebenen Tristan -Handschrift angehört hat; derselbe umfasst V. 9785—9825 und V. 9907 9947. Die Abweichungen von Bechsteins Texte sind, abgesehen von graphischen, folgende: 9791 diu vil saelige magt. 9792 al diu. 9798 do sprach der kunic. 9801 vnd erbite. 9805 vnt lobtens ouch si di beide. 9808 sin selbes hant. 9814 vnt wagte durch si den lip. 9818 ist des da mit niht ge- nüch. 9908 braht vür. 9912 der minne art (Schreibfehler, verursacht durch das minnest der folgenden Zeile). 9915 dv sist ouch dermite. 9921 waz niraestv. 9925 dine*). 9930 du wellest wan ysote. 9931 vnt sine welle. 9934 die si. 9935 ir ist des. 9938 gerate ist. 9940 also tut. 9942 michel liebe. 9945 ieslichen. STRASSBUKG. E. KÖLBING. LITTERATUR. Riddarasögur. Parcevalssaga, Valvers])attr, Iventssaga, Mirmanssaga, zum ersten Mal herausgegeben , und mit einer literarhistorischen Einleitung versehen, von Dr. Eugen Kölbing. Straßburg, Karl J. Trübner ; London, Triibner & Co., 1872; — 8, LVI. u. 220 SS. 8°. Herr Dr. Kölbing ist den Lesern dieser Zeitschrift durch eine hübsche Untersuchung über die nordische Parcevalssage und ihre Quelle (XIV, 129 bis 181, und XV, 89 — 94). durch eine weitere über die nordische Erexsage und ihre Quelle (XVI, 381 — 414), sowie durch seine Bemerkungen über islän- dische Bearbeitungen fremder Stoffe (XVII, 193 — 197) bereits vortheilhaft be- kannt. Ohne andere Gebiete der germanischen Philologie zu vernachlässigen, von deren Betrieb seine Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Pronoraens in den germanischen Sprachen (Straßburg, 1872), sowie ein Aufsatz über „Enti", *) Wie H. Paul (Germania XVII, 392) mit Recht für das von den neueren Herausgebern aufgenommene dines herstellt. 236 LITTERATUR: KÖLBING, KIDDARASÖGUR. den Nachsatz einleitend, in der Zeitschrift für deutsche Philologie IV, 347 — 349, Zeugniss geben, hat derselbe seine Thiitigkcit wesentlich einem bisher noch sehr wenig betrachten Quellenkreise zugewandt, den altnordischen Bearbeitungen näuilich fremder Sagenstoffe. Die Wahl dieses Arbeitsfeldes ist eine entschieden glückliche. An selbstständigem künstlerischem Werthe und an historischer Be- deutung ihres Inhaltes mit den Islendinga sögur und Noregskonünga sögur ent- fernt nicht zu vergleichen, liefern doch auch die Riddarasögur in grammatica- lischer sowohl als zumal in lexicalischer Beziehung manchen interessanten Beitrag zur Geschichte der nordischen Sprache. Sie gewähren ferner , wie dieß erst neuerdings einer der ersten Meister auf diesem Gebiete, Hr. Gas ton Paris, in einer Besprechung des vorliegenden Werkes anerkannt hat*), ein willkommenes Hülfsmittel zur Feststellung der Texte der einschlägigen fremden Vorlagen selbst, und zur Verfolgung ihrer Geschichte. In literarhistorischer Heziehung endlich sind sie wichtige Documcnte einerseits für die ebenso ausgedehnte als massen- hafte Verbreitung der französischen Ritterromantik, andererseits aber auch für die plötzliche Wendung der Geschmacksrichtung, welche zuerst in Norwegen, und weiterhin auch auf Island im 13. und 14. Jhd. sich vollzog, also für eine sehr tief- und weitgreifendo Culturströmuug des nordischen Mittelalters. Bereits am Schlüsse seiner eben erwähnten Untersuchungen über die Parcevalssage hatte Hr. Kölbing eine von ihm ,,mit Zugrundelegung des Cod. Ilolmianus besorgte editio princeps aller altnordischen romantischen Saga's" in Aussicht gestellt, — ein Versprechen, dessen vollständige Erfüllung bei der großen Zahl, und dem theilweise auch großen Umfang der hierher gehörigen Stücke wohl lange auf sich warten lassen wird, und gegenüber der Thatsache, daß für einzelne derselben, wie z. B. die Alexanders s., die Trojumanna s. und die Breta sögur, die Karlamagnüs s. und die Barlaams ok Josaphats s., die Blomsturvalla s. und die Strengleikar bereits sehr tüchtige, für andere wie z. B. die Konrads s. kt-isarasonar, die ])jalar-J6ns s., Bragda-Magus s., die saga af Flores ok Blankillur, Tristrams s. ok Isoddar und Samsouar s. fagra, wenig- stens insoweit genügende Ausgaben vorliegen, als man sich aus denselben über die Gestaltung der betreffenden Sagen in der nordischen Ueberlicferung orien- tieren kann, zum Theil auch ruhig erwartet werden kann. Eine theilweise Er- füllung aber bringt das vorliegende Bändchen, und wenn es zwar vorläufig nur 3 oder 4 Sagen sind, welche dasselbe uns bietet, so sind diese doch sämmtlich noch niemalen vollständig herausgegeben worden, und überdieß zu den wichtig- sten Erzeugnissen des betreffenden Sagenkreises zu rechnen, sodaß man insoweit allen Grund hat dem Herausgeber für deren Mittheilung dankbar zu sein. Wenn der Plan der vorliegenden Ausgabe hiernach nur gebilligt werden kann, so dürfte deren Ausführung dagegen zu manchen begründeten Ausstellungen Anlaß bieten, auf deren einige hier aufmerksam gemacht werden will, damit dieselben bei der seinerzeitigen Weiterführung der Ausgabe soweit thunlich Berücksichtigung finden mögen. Die Einleitung des Werkes behandelt gesondert die Parcevals s. sammt dem Valvers ]>. CS. I— V), die Ivents s. (S. V— XXXVIII) und die Mirmans s. (S. XXXIX — XLVIII), wobei stets der Bericht über die Hss. von den Erörte- rungen über die Quellen der betreffenden Sage und ihr Verhältniss zu anderen *) Revue critique d'Histoire et de Litterature 1873, S. 7. LITTERATUR: KÖLBING, RlDDARASÖGljR. 237 Bearbeitungen derselben getrennt gehalten wird ; ein Anhang ferner bespricht die Schreibweise der Hss. (S. XLVIII — LV), oder vielmehr das deßfalls von (lern Herausgeber selber eingehaltene Verfahren. Es folgt sodann der Text der Parcevals s. (S. 1 — 53) und des Valvers }). ('S. 55 — 71), der Ivents s. Artüskappa (S. 73 — 13G), und der Mirmans. s. (S. 137—213). Den Schluß endlich bilden die Register sowie einige Nachträge und Berichtigungen. — Was nun zunächst die Angaben über die handschriftlichen Verhält- nisse betriftt, so scheinen diese keineswegs vollkommen zufriedenstellend, und im Zusammenhange damit ist auch die Behandlung des Textes in der Ausgabe keineswegs immer genügend motiviert. Am deutlichsten tritt Beides hinsichtlich der Mirmans s. hervor. Über das Alter derjenigen Membrane, welche der Her- ausgeber mit C bezeichnet (an der entscheidenden Stelle, S. XL steht freilich A, jedoch nur in Folge eines Schreib- oder Druckfehlers), lässt derselbe uns ohne allen Aufschluß ; von einer mit b bezeichneten Papierhs. wird ferner ge- sagt, daß sie einen Text vertrete, welcher zwischen A und C in der Mitte stehe, jedoch mit A näher verwandt sei als mit C, und daß sie etwas später als um die Mitte des 17. Jhdts. geschrieben sei (vgl. S. XLI mit S. III). Wie soll man sich nun das Verhältniss dieser drei Hs. zu einander denken? Repräsen- tirt b den ältesten Text, aus welchem sich in verschiedener Richtung ausein- andergehend, A und C erst abzweigten, — oder bildet jene Papierhs. das Mittel- glied, welches A und C verbindet, — oder endlich gibt dieselbe nur einen aus zwei verschiedenen Vorlagen durch den Abschreiber willkürlich compilirten, also für uns völlig werthlosen Text? Da die Abweichungen zwischen A und C, wie der Herausgeber selber anerkannt, sehr bedeutend, wenn auch der Regel nach nur formeller Natur sind, wäre es immerhin der Mühe werth gewesen, diese Fragen sowohl, als auch eventuell die weitere Frage, ob wohl der Text A oder C als der ältere zu betrachten sei, sich aufzuwerfen und soweit mög- lich zu beantworten. Die bloße Gegenüberstellung eines vollständigen Ab- druckes von A, sowohl als C^ neben einer unvollständigen Collation von b, wie solche der Herausgeber bietet, enthält keine Lösung, sondern nur eine Um- gehung der Schwierigkeit, und zwar eine für den Leser sehr zeitraubende, weil er sich nun genöthigt sieht mit unvollständigen Hülfsraitteln nunmehr die Arbeit selber zu thun, welche der Herausgeber mit vollständigen seinerseits hätte thun sollen. — Ebensowenig genügend sind die Bemerkungen über die Ortho- graphie der Hss., und auch in diesem Falle macheu die in dieser Beziehung vorfindlichen Mängel sich wieder in bedauerlicher Weise bei der Constituirung des Textes fühlbar. Zuweilen ist bekanntlich die Orthographie der Hss. eine lediglich irrige, wie z. B. wenn doppelte Consonanten hin und wieder in Worten gesetzt werden, wo einfache zu stehen hätten, oder umgekehrt, -^ oder wenn das r als Nominativendung, weil „ur" gesprochen, mehrfach mit wurzelhaftem ur verwechselt wird^), u. dgl. m. Andere Male handelt es sich nur um Schwan kungen graphischer Art, wie z. B. wenn u und v, d und d nicht unterschieden werden, oder wenn c, oder ch, für k geschrieben wird, u. s. w. In nicht wenigen Fällen aber ist die Verschiedenheit der Schreibweise von Hss. aus verschiedenen Zeiten oder aus verschiedenen Orten auch durch Verschiedenheiten der Aus- *) Vffl. Jon |>orkelsson's schönes Projrramm „Ura r og ur i nidrlagi orda og orästofna i isleuzku", Reykjavik, 1863. 238 LITTERATITR: KÖLBING, RIDÜARASÖGUR. spräche motiviert, und das Schwanken einer und derselben Hs. hinsichtlich der Sehreibung ist dann auch wohl durch ein Sehwanken oder eine Undeutlichkeit der Aussprache bedingt, welche den betreÖeuden Laut richtig aufzufassen er- sclrwerte. Wenn mau z. B, in einer Hs. bald sv-h. , viipn, bald svo, vopn ge- schrieben findet, wird man anzunehmen berechtigt sein, daß die wirkliche Aus- sprache zur Zeit ihrer Entstehung, oder doch etwas früher, zwischen ä = au und 0 geschwankt habe; wenn wir bald börduz, jördina, bald borduz, jordina geschrieben sehen, werden ^\^r geneigt sein auf einen zwischen o und ö in der Mitte liegenden Laut zu schließen. Wenn wir dagegen sehen, daß nur die aor- wegischen und die ältesten isländischen Hss. zwischen ae und oe genau unter- scheiden, während die späteren isländischen IIss. diesen Unterschied nicht mehr streng festhalten, oder gar, wie dieß frühzeitig schon die Regel wird, ausnahms- weise « schreiben, so werden wir uns überzeugt halten, daß der Umlaut ce von d von der norwegischen Aussprache als ein gesonderter festgehalten, von der isländischen Aussprache dagegen schon frühzeitig mit dem Umlaute a3, sprich ai, von ä zusammengeworfen worden sei, wie man denn in der That auch heu- tigen Tages noch auf Island aedi, baendr (von odr, bondi) schreibt und spricht*). So schrieb man denn auch )>ier, siet, nicht per, set (per, set), weil man ie, nicht e sprach, — giöra oder giera, nicht göra, gera, weil man nach g wie nach k dem folgenden e oder ö ein i oder j vorschlagend hörte, — leingi, eiugi, nicht lengi, engi, oder deigi, seigja, nicht degi, segja, weil man vor dem fol- genden g oder ng hinter dem e einen schwachen i-Laut vernahm ; — man schrieb allenfalls auch kall, jall für karl, jarl, weil ersteres kadl, jadl, letzteres aber kardl, jardl, mit einer wenig merkbaren Nuance der Aussprache lautete, u. dgl. m. Die nordische Sprache hat eben, was man nur allzu lange unberücksichtigt ge- lassen hat, von Anfang an ihre Dialekte gehabt, und überdieß auch im Verlaufe der Zeiten ihre Wandlungen durchgemacht ebenso gut wie jede andere; sie ist insbesondere auch auf Island keineswegs stationär geblieben , und neben viel- fachen Veränderungen im Wortvorrathe oder auch in der Geltung einzelner Worte, dann neben mancherlei Veränderungen in der Flexion, machen sich auch nicht wenige Veräuderuujeu in der Aussprache einzelner Laute oder Lautver- bindungen bemerklich. Wer die heutige isländische Aussprache mit der Aus- sprache der norwegischen Dialekte vergleicht, und dazu die Anhaltspunkte be- nützt, welche uns für die Feststellung der in altern Zeiten üblicheu Aussprache zu Gebote stehen, kann darüber nicht einen Augenblick im Zweifel sein, daß derartige Verschiedenheiten theilweise bereits bis in eine sehr alte Zeit hinauf- reichen. Schon am Schlüsse des 12. Jlidts. schreibt z. 13. der norwegische Mönch Theodorich Hocon. Hologaland, wie man noclj heutigen Tages in Norwegen spricht; der Isländer dagegen spricht jetzt Haueon, Haulogaland, und diese alte Schreibung mit ä, nicht o , lässt diese Aussprache als eine ursprüngliche erscheinen. So schreibt ferner Theodorich Ki'ngr, Rani Luirscogaheithr, während acht isländische Hss. aus älterer Zeit stets Hriugr, Hrani , Hlyrskögsheidr bieten, und bis auf den beutigen Tag herab das anlautende hl, hr auf der Insel festgehalten, ja dao anlautende hn, hv hin und wieder, zumal im Nord- lande, sogar zu kn, kv verhärtet gesprochen wird. Neben den Alliterationen, Assonanzen und Reimen in den Gedichten gewährt aber die Schreibweise der *; VgL Konräd Gislason, Um fruniparta, S. 52, Anm. LITTERATUR: KÖLBING, KIDDARASÖGUR. 239 IIss. fast den einzigen Stützpunkt für die Verfolgung derartiger Umgestaltungs- processe, welche denn doch für die Sprachgeschichte von erheblicher Bedeutung sind, und die trefflichen Bemerkungen, welche Gudbrandr Vigfüsson zumal an der Spitze jedes einzelnen Buchstabens in seiner Bearbeitung des Cleasby'schen Wörterbuches in dieser Richtung an die Hand gibt, hätten wohl auf den Werth einer genauen Verfolgung aller Eigeuthümlichkeiten der verschiedenen Hss. in derartigen Beziehungen aufmerksam machen können ; dennoch hat unser Heraus- geber sich auf ein Minimum von Notizen über deren Orthographie beschränkt, ohne sich auch nur über den Unterschied klar geworden zu sein, der zwischen bloßen Irrthümern eines Schreibers, dann lediglich graphischen Differenzen, und Besonderheiten der soeben besprochenen Art besteht. Bei der Gestaltung seines Textes erklärt derselbe ferner einen normalisirten Text herstellen zu wollen, weil die zu Grunde gelegten Membranen zu den jüngsten gehören, und darum für sprachliche Untersuchungen eine weitere Ausbeute nicht gewähren können, dann auch weil er durch jene Normalisirung der Schreibweise die Lec- ture der betreffenden Sagen erleichtern wollte. Aber der erstere Grund ist ge- radezu falsch, da die Geschichte der Aussprache, welche nach dem eben Be- merkten einer genauen Verfolgung der Orthographie der Hss. nicht entratheu kann, denn doch als ein sehr geeigneter Gegenstand „für sprachliche Unter- suchungen" betrachtet werden muß; der andere Grund aber mag allenfalls eine Normalisirung begründen, lässt uns aber über das Princip durchaus im Unklaren, nach welchem bei derselben verfahren werden soll. Unser Herausgeber nun scheint nach gar keinem Princip verfahren zu sein. Auf der einen Seite scheidet er scharf zwischen oe und ae, schreibt er ferner )ier, set, hanum, väpnum, u. dgl., auf der anderen Seite aber lesen wir bei ihm leingi, eingi, deigi, seigi, reiddist, kall, jall (neben karl, jarl), und berichtigt er sogar (S. LIV), wenn er einmal gjöra in gera verwandelt hat; ja man findet sogar auf einer und derselben Seite (S. 168) gjöra, kemr, gekk geschrieben, während doch in gjöra ebenso- wohl wie in kemr das i oder j lediglich phonetisch, nicht radical ist*), und nur in gekk als einem ursprünglich durch Reduplication gebildeten Präteritum das eingeschobene j oder i eine innere Berechtigung hat. Was soll nun bei solchem Verfahren das leitende Princip sein? Soll die Etymologie oder die Aussprache für die Rechtschreibung massgebend sein, und sollen wir die Sprache des beginnenden 13. oder des schließenden 14. Jhdts. zu lesen bekommen? Vielleicht wäre es am richtigsten gewesen, wenn der Herausgeber sich auf die Beseitigung entschiedener Verstösse in der Orthographie, sowie rein graphischer Differenzen beschränkt, und alle diejenigen Eigeuthümlichkeiten der Schreibweise unverändert zu lassen entschlossen hätte, welche mit der Geschichte der Sprache, beziehungsweise ihrer Aussprache zusammenhängen ; aber auch wenn er dieß, wie sich allerdings vertheidigen lässt, nicht thun wollte, so musste er doch wenigstens ein folgerichtiges Verfahren bei seiner Normalisirung einhalten, und zugleich seine einleitenden Notizen über die Schreibweise der Hss. ungleich umsichtiger und vollständiger ausführen als geschehen ist. Im Übrigen habe ich über den Text der Ausgabe nur sehr wenig zu sagen. Da dieselbe, sonst sehr gefällig ausgestattet, durch nicht wenige Druckfehler entstellt ist, lässt sich in den meisten Fällen nicht mit Sicherheit "j Vgl. Gudbraud Vigfüsson, s.v. göra. 240 LITTERATÜR: KÖLBING, RIDDARASÖGUR. erkennen, was einem Verseben des Herausgebers und was einem solchen des Correctors zur Last zu logen sei. So ist zwar pakkast für „})okkast" (S. 160, Z. 5 V. u.) in den Nachträgen berichtigt; aber loiustum für leingstum (d. h. lengstum, S. 139, Z. 9), ok für „ek" (S. 143, Z. 27) und ak für „ok" (S. 173, Z. 13), pvorn für „hveru" (S. 182, Z. 6 r. u.), Gudifreyr für „Gudifrey'^ (accus.; S. 194, Z. 2), med Gudifreyr für „med Gudifroy" (S. 198, Z. 7), er med reid ofan für „er mik reid ofan'' (S. 211, Z. 14), liätte derselben Bericht! gung bedurft, gleichviel ob dabei der Schreiber der Hs., der Herausgeber oder der Setzer geirrt habe. Wenn ferner auf S. 167, Z. 17 das „ekki" fehlt, welches der Zusammenhang fordert und der Text C riclitig hat, — wenn gleich am Anfange der Sage (S. 139) die Worte stehen: „Um eldadoms dögum Clemens papa'" statt a eldadoms dögum oder um eldadoms daga, — wenn einmal ge- sagt wird (S. 148, Z. 14) „Nu fanust hann Katrin drottning um jjetta allt saman framar rn hofi gengdi," statt: nü fannst Katrin drottniugu, u. s. w., — wenn wieder ein ander Mal zu lesen steht „hramdyra flokk" (S. 205, Z. 11), was keinen Sinn gibt, und wofür entweder hreindyra flokk, was graphisch näher liegt, oder rauddyra flokk zu lesen ist, was C bietet, so wiederholt sich derselbe Zweifel, obwohl in diesen Fällen allerdings wahrscheinlicher ist, daß der Her- ausgeber nur eine schlechtliiu nothwendige und zugleich ziemlich naheliegende Correctur unterlassen hat, welche der Leser wohl von ihm zu erwarten berechtigt gewesen wäre u. dgl. m. Die quellengeschichtlichen Untersuchungen, welche der Heraus- geber der Ivents s. und der Mirmans s. voranschickt, während er sich bezüg- lich der Parcevals s. und des Valvers ]). wesentlich auf die früher schon von ihm veröffentlichte Arbeit zurückbezieht, würden an und für sich zu mancherlei Controversen Veranlassung geben; ich unterlasse auf dieselben einzugehen, weil der Gegenstand meinem Studienkreise zu ferne liegt, und ohne sehr weitgrei- fende Untersuchungen selbstverständlich nicht in fruchtbarer Weise erörtert werden könnte. Nur in Bezug auf die Mirmans s. kann ich mir ein paar Be- merkungen nicht versagen, welche sich gewissermaßen von selbst darbieten und ohne alle Weitschweifigkeit vorgebracht werden können. Der Herausgeber spricht (S. XL VII) die Ve .muthung aus, daß der Bearbeiter dieser Sage einen latei- nischen Text vor sich gehabt habe; er uuterlässt aber wunderlicher Weise ge- rade denjenigen Grund anzuführen, welcher meines Erachtens am Schlagendsten für diese Vermuthung spricht. Nachdem nämlich die Sage erzählt hat, wie König Lücidarius oder Lüdarius mit dem Jarle Mi'rman, oder wie er sich nennt Justi'nus kämpft und von diesem tödtlich verwundet wird, lässt der Text A den letzteren sprechen: „ef \ju vserir kristinn madr, vaerir J^ü godr riddari;" im Texte C dagegen steht geschrieben: „Fuisse christianus, ef ]m vaerir kristinn, ].ä vaerir [»ü godr riddari" (S. 191). Offenbar hat hier der letztere Text ein paar Worte seiner Vorlage unübersetzt herübergenommen, ein Umstand, der für die lateinische Abfassung dieser letzteren ein gewichtiges Zeugniss ablegt, aber allerdings auch dazu benützt werden könnte für das höhere Alter des Textes C geltend gemacht zu werden. Ferner: Der Herausgeber bezeichnet den Inhalt der Mirmans s. als einen „echt deutschen Sagenstoff," (S. XLVUI), und er ver- weist (S. XLHI) bezügHch seiner und einer Reihe verwandter Sagen auf Be- merkungen „Über die Heimat und das Alter eines nordischen Sagenkreises," welche er in der Zeitschrift für deutsche Philologie von Höpfner und Zacher, LITTERATUR: KÖLBING, RIDDARASÖGUR. 241 Bd. III, S. 313 — 16 niedergelegt hat. Diese Bemerkungen geben nun aber, im Anschlüsse an einen von Gisli Biynjülfssou in Kopenhagen gehaltenen Vortrag, lediglich die Vermuthung dieses Letzteren zum Besten , daß die Vilhjalms s. sjods und eine Reihe anderer, ungenannter, isländischer Erzählungen „alte, sagenhafte Berichte von den Stammvätern der großen sächsischen Kaiser (Hein- richs des Voglers nnd der Ottonen) und fränkischen Kaiser enthielten", und daß dieselben bereits im 11. Jahrh. von Deutschland aus nach Island gebracht worden seien. Hr. Kölbing bezeichnete diese Vermuthung schon damals als „sehr beachtenswerth", und scheint an dieser Ansicht auch jetzt noch festhalten, ja sie speciell auch auf die Mirmans s. erstrecken zu wollen. Mir meinerseits will diese Sage dagegen ganz und gar nicht als eine echt deutsche , sondern vielmehr als eines der unbedeutendsten Erzeugnisse der wälscheu Ritterromantik erscheinen. Einen K. Hlödverr, der zu Nero's Zeiten in Frankreich regiert, und dabei jüdischen Glaubens ist (S. 144), — einen gleichzeitigen K. Adalrdd in England, der in London sitzt und eine Tochter Namens Katrin hat, aber doch, wie alles Volk nördlich der Alpen (S. 139) heidnischen Glaubens i.st, — einen Herman jarl in Sachsen, der eine ungarische Köuigstocher Namens Brigida zur Frau hat (S. 139), und den Mohamet anbetet (S. 152), während seine Frau aus „heidnischen Büchern" große Weisheit schöpft (S. 139 — 40) und ihren Sohn, den jungen Mirman, im Lateinischen und in der Kunst, „welche gramma- tica heißt" unterrichtet (S. 141, vgl. 142) u. dgl. m. wird man schwerlich in einer „echt deutschen" Sage zu suchen haben. So ist denn auch die ganze Geographie der Sage eine solche, wie sie von einem französischen Rittergedichte, aber ganz und gar nicht von einer deutschen Sage erwartet werden kann, und selbst entschieden französische Namensformen schlagen oft genug durch die lateinische oder nordische Umbildung hindurch. Frankreich z. B. wird regel- mäßig zwar mit nordischem Namen als Frakkland bezeichnet; aber gelegentlich findet sich dafür auch die Bezeichnung Frans gebraucht (S. 174; 198). Als Bezeichnung des deutschen Reiches gilt regelmäßig nordischem Spraehgebrauche folgend, Saxland ; indessen kommt vereinzelt auch die Bezeichnung JDyska riki vor (S. 151). Dabei hat Sachsen seinen König, welcher allenfalls „i Kolni", d.h. in Köln residiert (S. 201), wogegen dessen mächtiger Jarl Hermann seinen Wohnsitz in Meginza oder Megiuzborg, d. h. Mainz hat (S. 139). Die Reise aus Sachsen nach Frankreich geht „upp med Ri'n til Boslaraborgar (Basel) ; eptir j)at til Vivilsborgar (Wiflisburg), ok j^adan i Frakkland" (S. 144), dessen König 1 Reinsborg, d. h. in Rheims residiert; in der Nähe von Vivilsborg gränzt das deutsche Reich an Prankreich (S. 151; vgl. S. 203 und 204), und es geht demnach umgekehrt die Reise von Frankreich nach Deutschland übe;* Wiflisburg den Rhein herab nach Mainz (S. 151). Die Reise von Frankreich nach England geht „af Reinsborg vestr til Paris, ok J^adan til Sendinis ok til Kampani'e (Compiögne) ok sva uordr til Döfra (d. h. Dover") nach London (S. 146), wobei nur auffällt, daß St. Denis diesen seinen Namen, und zwar in gut französischer Form, bereits zu Kaiser Neros Zeiten trägt, in einer Zeit also, da der König des Landes noch ein Jude ist, und ehe derselbe noch von dem heil. Dionysius bekehrt wurde (S. 149). Dem französischen Könige ist auch Flaemingjaland, d. h. Flandern unterthan (S. 161); eine Schule befindet sich im Lande, die von italienischen Klerikern besucht wird (S. 184 — 85); gegen Spanien zu aber liegt eine Stadt, welche Gisordj oder Girordr heißt (S. 161, und 190: in C GKßMANU. Neu« Reihe. VI. (XVIII. Jahrg.) 16 242 LITTERATUR: KÖLBING, RIDDARASÖGUR. Gisur), und etwa Cahors sein mag. Im Übrigen zeigt sich noch genauere Be- kanntschaft mit Italien. Wenn die Alpen als MundiutjöU bezeichnet werden, so ist dieß ebensogut dem nordischen Bearbeiter zuzuschreiben, wie wenn Sicilien (.Sikilej) seiner Grösse nach mit Island rerglichen wird (S. 175), und die Stadt Valerina oder Valeriaborg (S. 175 und 193 — 94), welche als Hauptstadt Siciliens genannt wird, mag eine erfundene sein; aber wenn von Sicilien aus die Reise „nordr til ütrent i^Otranto; vgl. borg pji a Piili er Utrent lieitir, S. 188) edr Brandaus" (Brindisi, S. 200), und dann westwärts über Apulien (Pul) und dann dem Meere entlang bis nach dem Meerbusen von Venedig (til Fenedibotna, S. 200, vgl. ur Fenixbotnum, S. 204), und weiterhin über die Lombardei (Lung- bardi), nordwärts über das Trientiuischc (til Trentudala) nach Deutschland geht (S. 201), so ist damit die Lage der einschlägigen Ortlichkeiten treffend bezeichnet. Zu einem Turniere ferner, zu welchem die Ritter aus Römania, d. h. der Gegend von Rom, einerseits und aus Sicilien und Apulien andererseits zusammentreffen, und welches bei der Stadt Kapra (Capua?) in Apulien gehalten wird, kommen Ritter aus der Burg Tusculäna (Tusculum), Sütaraborg (Sutri; die Lesart in C ist vorzuziehen) „af J^eirri borg er heitir Leöpandens, en Nordmenn kalla Han- gandiborg" (Aqua pendente-, S. 181 — 2), alles Angaben, welche auf ziemlich genaue Bekanntschaft mit Italien schließen lassen. Im Übrigen wird noch Spanien (Spanialand) und Ungarn (Ungaraland) gelegentlich erwähnt, auch einmal eine Stadt Salestra a Bolgaralandi, d. h. in der Bulgare!, Erwähnung gethan (S. 184), endlich ein K. Lücidarius oder Lüdarius aus dem Lande „er Dänubium heitir" genannt (S. 179 — 80), dessen Reich westwärts von Sicilien gelegen ist (S. 187), also doch wohl in Africa; aber in allen diesen Angaben ist keine Spur von wirklich geographischer Ortskenntniss zu finden, ausser etwa soweit die Lage Spaniens westlich von Frankreich und die Nachbarschaft Ungarns zu Deutschland richtig vorausgesetzt wird. Gerade das Maß von geographischer Kenntniss ist demnach in unserer Sage zu finden, welches wir bei einem französisch -nor- mannischen Dichter zu erwarten haben, und nur einem solchen sind Namens- formen wie G^difrey und Rogerus zuzutrauen; aber wie soll das Alles zu einem „echtdeutschen" Sagenstoffe passen, welcher, bereits im 11. Jhd. aus Deutschland nach Island übertragen, mit den Stammsagen unserer Kaiser aus dem sächsischen und fränkischen Hause sich berühren soll? Unser Herauegeber selbst erklärt in seinem Nachtrage (S. 218), daß er die hierher gehörigen Sagen für Erzeugnisse der Normannen halte; aber wie reimt sich dieses mit jenen anderen Angaben zusammen, welche er in demselben Büchlein vorher gemacht, oder doch Gi'sli Brynjülfsson nachgesprochen hat? Der Herausgeber stellt für den Fall, daß das vorliegende Bändchen einer günstigen Aufnahme sich zu erfreuen haben sollte, weitere Ausgaben verwandter Sagen, und zugleich litterarhistorische Arbeiten über solche in Aussicht (S. XL VIII; S. 218 — 19;, und Rec. möchte ihn trotz aller Ausstellungen, welche gegen so manche Seite seines vorliegenden Werkes zu erheben waren, hiezu dringend aufmuntern. Weniger möchte dagegen zu einer gleichfalls in Aussicht gestellten Herausgabe, wenn auch abgekürzter, Übersetzungen derartiger Sagen zu rathen sein, da kaum viele Leser deren Styl so leicht und gefallig, und deren Inhalt für uns Deutsche so speciell anmuthend finden möchten, wie Hr. Kölbing dieß in seinem Vorwort ihnen nachrühmt. MÜNCHEN, im März 1873. Dr. K. MAURER. LITTERATUR: KÖLBING, AUSFALL DES RELATIV- PRONOMENS. 243 Kölbing, Dr. E., Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Pronomens in den germanischen Sprachen. Straßburg 1872. Kurze Zeit nachdem meine Abhandlung „über Auslassung und Vertretung des Fron, relat. " im dritten Hefte des rorigen Jahrgangs der Germania er- schienen war, sandte mir der Verfasser der oben genannten Schrift diese zu, mit der Bitte, ich möchte sie anzeigen. Ich willfahre gern diesem Wunsche, da ich es thun kann, ohne einerseits meine vorher ausgesprochenen Ansichten über den- selben Gegenstand zu widerrufen und andrerseits ohne zu verkennen oder gar zu verwerfen, was Hr. K. zu nochmaliger gründlicher Untersuchung desselben beibringt. Vielmehr anerkenne ich seine Arbeit als eine willkommene Ergänzung der meinigen, was sie um so mehr ist, da der Inhalt beider trotz dem gemein- samen Hauptgegenstande im Übrigen nicht zusammentriflft. Ich glaube , die Streitfrage ist nun von den zwei Seiten, die sie in der That darbietet, so er- schöpfend dargestellt, daß die Fachgenossen zur Entscheidung schreiten können, die wenigstens ich meinerseits ihnen gern überlasse, da ich mir kein größeres Maß von Unbefangenheit zutraue als ich bereits in meiner Abhandlung bewiesen zu haben glaube. Übrigens kann ich keineswegs klagen, daß Hr. K. seinerseits einen schroffen Standpunkt einnehme, sondern nur bezeugen, daß er auch in versöhnlichem Entgegenkommen mit mir wetteifert. Ich benutze gern die mir gebotene Gelegenheit, mich über einzelne Punkte berichtigend und ergänzend nochmals auszusprechen, und bedauere nur, daß Hr. K. meine Abhandlung erst zu Gesichte bekam, als die seinige bereits fast fertig gedruckt war, so daß er dann nur anhangsweise noch einige ausdrückliche Bemerkungen mir gegenüber beifügen konnte; indessen läuft dann auch meine Replik um so weniger Gefahr, allzu persönlich zu werden. Ich will also zunächst das Persönliche abthun, um dann um so ungetheilter der Sache nachzugehen. K. wundert sich (S. 54), daß mir die Auslassung des Relativums im Alt- nordischen gänzlich entgangen sei oder daß ich ohne weiters das Demon- strativum für das Relativum angesehen habe; auch die einschlagenden angel- sächsischen Stellen soll ich mit Stillschweigen übergangen haben. Da ich in den letztern fast ohne Ausnahme nur Attraction fand, welche ich ausdrücklich von der Behandlung ausschloß, so musste ich mich mit der Bemerkung S. 266 begnügen; eine Menge von Stellen, in denen das Relativum durch the vertreten wird, finden sich behandelt S. 286 flF. Was das Altnordische betrifft, so war mein Material allerdings unvollständig, weil mir für die Sagenlitteratur die uöthigen Hülfsmittel fehlten, und ich anerkenne besonders hier, so wie für das Altschwedische und Altdänische, in der Arbeit des Hrn. K. eine schätzenswerthe Ergänzung der meinigen. Ich war fast ganz auf die Edda bescfhränkt, aus welcher auch K. nur wenige sichere Beispiele von Auslassung beizubringen weiß; in diesen wenigen nahm ich allerdings das Demonstrativum als Relativum , im Übrigen verließ ich mich auf die Angabe von Dietrich, der p. LXXIV der zweiten Ausgabe seines altnordischen Lesebuches als erste Ausdrucks weise des Pron. rel. „das bloße Demonstrativum" ansetzt. Fälle von Auslassung habe ich (S. 279) ausdrücklich als möglich zugegeben. Den von mir nicht anerkannten Gebrauch des ahd. thar statt des Pron. relat. glaubt K. (S. 27) belegt zu haben. Hütte er die von ihm angeführte Stelle aus Notk. syll. in ihrem Zusammenhang nachgesehen, statt sie bloß aus Graff aus- zuschreiben, 80 hätte er gefunden, daß in den Worten : tie stete der genemmit 16* 244 LITTERATÜR: KÖLBING, AUSFALL DES RELATIV- PRONOMENS. sint — (sedes qui^ numerantur) nicht dei- sondern iie Übersetzung von qu(f ist, der also nur Zusatz zu tie. Auch die von K. als Beleg angesehene Stelle aus dem Ev. Mat. (Fragm. 11, 28) ist nicht beweiskräftig. Der Übersetzer hat offenbar den lateinischen Text mißverstanden, sonst hätte er iro nicht mit dero fortgesetzt und dieses vor dar gesclioben ; Tatian (112, 3) gibt richtig: fhie thar und nach- her in sie. Dass die von mir S. 279 — 80 angeführten drei altschwedischeu Stellen gleich aufgefasst werden müssen, will ich zugeben, aber nicht daß in allen dreien Auslassung des Rel. unausweichlich anzunehmen sei, da für das Pron. then relative Auffassung möglich bleibt und für das som in der dritten Stelle die Analogie der beiden andern. Indessen habe ich für das Altschwedische und Dänische die Auslassung bestimmter als für das Altnordische von vornherein eingeräumt. Auch für das Angelsächsische muß ich sie zugeben in der von K. p. 16 ohne Zweifel richtiger als von Grein erklärten Stelle Genes. 2119, auch Elen. 1196, wenn 5e nicht indeclinabel gesetzt werden oder für ^Äe verschrieben sein kann. Andr. 718 ist Attraction allerdings schwieriger anzunehmen, doch nicht unmöglich, da man überhaupt nicht einzelne Stellen allein und directe ins Auge fassen muß, sondern eine ganze Reihe von mehr oder weniger ähnlichen, welche einander erklären helfen. So habe ich (S. 273. 278) ausdrücklich zu- gegeben, daß die von mir als Verschränkung bezeichnete Construction sich auf manche Stellen nicht ohne einige Gewalt anwenden lässt, und will sie z. B. für Parz. 749, 1 nicht mehr behaupten, da der Ausruf o wol ihr entgegensteht wie das wt Musp. 25 der Auffassung des demo als Attraction; auch Otfr. 5, 23, 25 ist Verschränkung nicht möglich. Nach diesen Zugeständnissen muß ich hinwider Hrn. K. entgegentreten, wenn er (S. 23) in der Stelle Hei. 2583 das Relativum ausgelassen findet; that ist dort nicht Demonstrativum, sondern Conjunction, welche in der von mir S. 292 besprochenen Weise das Pron. rel. vertritt. Den Beweis liefert V. 2587, wo nach demselben that thar das Object Itra erst noch folgt; 2583 steht säiu absolut und that als Object hätte auch gar keinen Sinn, da zunächst angegeben werden soll, wer säet, erst nachher was gesäet wird. — Hei. 2406. 2644. 3431 nimmt K. mit Recht thar als Verstärkung des Pron. rel., 2358 aber soll es zur Vertretung desselben dienen. Er beruft sich darauf, daß the in diesen beiden Functionen vorkomme, aber das beweist eben eher, daß von thar dieß nicht gelte, und Heyne, dessen Glossar er für the citiert^ führt unter thar (p. 333) die von K. angenommene Verwendung nicht an. Auch ist auf- fallend, daß K. für the in diesem Sinne gerade V. 4113 als Beleg anführt, wo es nach dem offenbar als Demonstrativ betonten thena (nachdrückliche Wieder- holung von ?7?a, um die Identität der Person hervorzuheben) vielmehr selbst das Pron. rel. vertritt. — S. 29 sagt K., in der Verbindung so hvt so vertrete so hve das demonstrative, das zweite so das relative Element; aber wenn K. später fp. 39 — 40) sagt, im Althochdeutschen komme im selben Sinne auch das einfachere so hwer mhd. swer vor, in welchem nach Grimm der relative Theil abfallen konnte — nhd. vjer im Sinn von quicunque — so war also doch das erste so schon relativ, das zweite pleonastisch, und das hwer in der Mitte Inde- finitum, vgl. das griech. öarigovv, oorig fJijTroT«. Doch genug von Einzelheiten, über die man hin und her streiten kann, ohne daß die Hauptsache dadurch gefördert wird. Die Differenz zwischen Hrn. LITTEEATUR: KÖLBING, AUSFALL DES RELATIV- PRONOMENS. 245 K. und mir ist, wie ich gleich Anfangs sagte, nicht principiell in dem Sinne und Grade, daß eine Verständigung ausgeschlossen wäre, sie ist auch nicht eigentlich von materieller Art^ aber von formell methodologischer, und ich will versuchen, die Hauptpunkte derselben zusammenzufassen. Ich habe S. 273 deutlich genug ausgesprochen, daß ich den Mangel eines nachweislichen Relativums an vielen Stellen als Thatsache durchaus zu- gebe, aber in dem Worte „Auslassung" keine Erklärung dieser Thatsache finde. Dieß gilt besonders unter der Voraussetzung — die in dem Terminus „Auslassung" stattfindet — daß die Sprache sonst im Besitz und Gebrauch eines Relativums sei; dann muß ofi'enbar die „Auslassung^ selbst erst aus zu- reichenden Gründen erklärt werden. Hr. K. hat dieß ebenfalls gefühlt und auch wirklich versucht, solche Gründe ausfindig zu machen (p. 21. 24. 34. 39. 43. 49. 51), aber ich kann sie nicht zureichend finden. Wo das Pron. rel. nach- weislich gleiche Form mit dem demonstrativum hat — was in allen altgermani- schen Dialecten ausgenommen im Nordischen und Gothischen der Fall ist — geht auch Hr. K. (p. 25 — 27) ganz richtig von jenem Gleichlaut aus, der bei gleichem Casus ein vollständiger war, um die Auslassung des einen oder andern Pronomens zu erklären; wenn sie dann auch in der Stellung an einander stießen, so konnte sehr leicht eines von beiden ausfallen. Welches von beiden es war, ist eben wegen des Gleichlautes nicht unmittelbar ersichtlich, aber die Analogie der nächst verwandten Sprachen, des Griechischen und Lateinischen, wo trotz ungleicher Lautform der beiden Pronomina in diesem Falle immer nur das Demonstrativum wegbleibt, und die Natur der Sache, wonach das- selbe viel leichter im Gedanken sich ergänzen lässt als das Relativum, ist entscheidend; oder sollte Hr. K. in dem von mir (S. 262) angeführten Verse von Schiller „Die ihr suchet, trägt den Schleier" — wo zwar Gkichlaut, aber nicht einmal gleicher Casus stattfand, „die" als Demonstr. mit .Auslassung" eines relativen nehmen? Zunächst schliessen sich dann einerseits die Fälle an, wo statt des Pron. demonstr. scheinbar der Artikel mit einem Substantiv steht, der aber mit dem Pron. rel. im gleichen Casus durch die von mir „Verschrän- kung" genannte Construction zusammengefasst werden kann, andrerseits, bei ungleichem Casus, die Attractionen. Die Verschränkuugen kommen unserm heutigeu Sprachgefühl allerdings fremdartig d. h. mehr lateinisch -griechisch als deutsch vor, aber zwischen der Analogie , welche unsere Sprache im ersten Fall noch heute, und dei jenigen, welche sie, wenigstens früher, in den (von K. anerkannten) Attractionen mit den antiken Sprachen zeigt, müssen wir auch jene dritte als möglich zugeben, mit der oben gemachten Bemerkung betreftend die Erklärung einzelner Stellen. Den Zusammenhang zwischen Auslassung und Attraction, resp. die Möglichkeit, ja Notiiwendigkeit, einen beträchtlichen Theil der Auslassungen auf Attractionen zurückzuführen, hat natürlich auch Hr. K. eingesehen und gelegentlich benutzt (p. 17), aber nicht zu einem durchgreifenden Schluß, der doch (z. B. p. 34) nahe genug lag. Freilich lässt die mit der Attraction verbundene Auslassung des einen Pronomens im Deutschen immer noch die Frage offen, welches das ausgelassene -sei, aber auch hier zeugen die alten Sprachen un- zweideutig und ausnahmslos für Auslassung des Demonstrativums, und wenn K. dieses Zeugniss als ein ausländisches verwirft, so muß ich meinerseits den Schluß verwerfen, den er (p. 21) vom Nordischen auf die übrigen germanischen Dialecte (die doch die Mehrheit bilden; ziehen will, unter der etr/as naiven Voraus- 246 LITTERATUR: KÖLBING, AUSFALL DES RELATIV- PRONOMENS. Setzung, daß Gleichmäßigkeit aller germanischeu Sprachen auch in diesem Punkte „wünschenswerth" sei. In der That brauchen wir aber hier gar keine äußern Zeugnisse, sondern welches der beiden Pronomina ausgelassen sei, wird danach zu entscheiden sein, welches in den Fällen, wo beide stehen, dem andern durch Attraction assimiliert wird. Da nun nach den eigenen Angaben des Hrn. K. immer nur dasRclativum attrahiert wird (sogar mit Verwandlung von Nominativ in Accusativ) und die Attraction leicht dazu führt, daß das eine Fron, weggelassen wird, weil es eben im Casus des andern seine Spur zurückläsßt, so ist damit wohl hinlänglich bewiesen, daß das ausgelassene Pron. jeweilen das Demonstrativum ist, was K. (p. 35) gegenüber Grimm mit Unrecht bestreitet, ausgenommen was Grimms Auffassung des goth. ei betrifft. Dieses behandelt K. p. 46 ff", noch besonders, und im Ganzen richtig, nur daß p. 47 der Unterschied zwischen goth. ei und altn. er in Hinsicht auf den Casus des vorangehenden Demonstr. irrig angegeben wird ; auch kann ich nicht finden, daß der Gebrauch des blossen ei (ohne vorhergehendes Demonstrativum als „Stütze") bereits an Weglassung desselben streife (p. 49), (welche doch im Gothischen nirgends vorkommt), und der Ausdruck „Stütze" in jenem Sinne erscheint etwas seltsam, wenn (nach p. 52) trotz solcher „Stütze" das Relativum schließlich soll wegfallen können. Was die andern Gründe betrifft, welche K. neben dem Gleichlaut der Pronomina für Auslassung des einen anführt, so sind es, mit Ausnahme eines vorangehenden Superlativ, dieselben, die ich auch in meiner Abhandlung bei den betreffenden Stellen geltend gemacht hatte; aber ich gebe ihnen etwas andern Sinn als K. Er findet, quantitative Begriffe wie all und kein oder ein Superlativ (nnter welchen sich auch der Begriff der Identität „derselbe" bringen lässt, da selbst selber die Form eines Superlativs hat wie ital. medesimo aus met'ipsisßimus) , verstärken oder vertreten das Demonstr. so nachdrücklich, daß das Relativum ganz unterdrückt werden könne. Ich dagegen meine, das Rela- tivum könne nach solchen Begriffen unterbleiben, weil sie selbst schon Relation enthalten; denn durch folgenden Nebensatz eingeschränkt sind sie eben nicht mehr absolut. Wenn K. ferner (a. a. 0.) ein Zeichen der Unterordnung des Relativums darin erblickt, daß es Attraction erfährt, so sehe ich umgekehrt ein Zeichen seiner größern Kraft darin, daß es das Demonstrativum in sich aufzunehmen vermag. Im Allgemeinen kann man mit K. (p. 52) wohl sagen, das hypotaktische Satzgefüge bringe, nachdem es einmal aufgekommen, eine fortschreitende Unter- ordnung des Nebensatzes unter den Hauptsatz mit sich, aber daraus folgt meines Bedünkens wiederum nicht, daß der Nebensatz das Zeichen seiner Unterord- nung, eben das Pron. rel., verlieren dürfe, sondern eher das Gegentheil! Hiemit komme ich schließlich auf einen für meine ganze Ansicht ent- scheidenden Gesichtspunkt. Man ist darüber einig, daß die germanischen Sprachen ursprünglich kein Relativum hatten und daß der Gebrauch demonstrativer Pro- nomina (auch Partikeln wie sam , so) noch deutlich parataktische Satzordnung verräth, was K. ^p. 45j an der Doppelnatur des daz im ältesten Althochdeutsch treffend nachweist. Allmählich aber machte sich auch in den germanischen Sprachen das BedürfniBs entschiedener Unterordnung gewisser Sätze und ausdrücklicher Bezeichnung dieses Verhältnisses geltend; sie schufen dafür durch Differenzierung einzelner Demonstrativformen, später auch durch Anwendung des Interrogativuras, mit Inversion u. s.w. bestimmte Ausdrucksweisen. Ich frage nun: ist es a priori LITTERATUR: KÖLBING, AUSFALL DES RELATIV- PRONOMENS. 247 wahrscheinlich, daß eine Sprache, wenn sie einmal diese Bahn betreten und Relativa eingeführt hat, dieselben da und dort wieder ,, auslasse?" Das ist kaum denkbar, wohl aber bleibt möglich, daß jene Einführung eben nie eine durchgehende gewesen, sondern für Fälle, wo sich die Relation leicht ron selbst verstand, facultativ geblieben war. Ich »ehe nicht ein, warum Hr. K. (p. 51) diese Annahme, auf die er selbst verfallen war, schlechthin verwirft, und (p. 5b) mich eines Widerspruchs zeiht, dass ich sie selbst verworfen und nachträglich doch zugelassen habe. Ich habe sie verworfen als ausreichendes Princip für alle Fälle der Auslassung, als ob die Sprache, nachdem sie einen neuen Standpunkt erstiegen, plötzlich wieder Neigung empfunden habe, auf den früheren zurückzusinken; aber ich habe sie zugelassen zur Ergänzung, da wo das andere Erklärungsprincip, die Attraction, unzureichend oder unanwend- bar erschien, Je später ein förmliches Fron. rel. nachweislich aufkam, um so eher konnten einzelne Fälle des früheren Gebrauches gegenüber dem neuen sich behaupten und auch auf ähnliche andere sich ausdehnen. Wenn Hr. K. daran Anstoß nimmt, daß einzelne Reste des früheren Gebrauches inmitten des spätem gleichsam versteinert sich erhalten haben sollten, wäre eine solche Vorstellung allerdings wieder unzureichend, aber ich habe (S. 283) bei Anlaß der romanischen Sprachen ausdrücklich von lebendiger Erneuerung, nicht von bloßer Erinnerung gesprochen. In diesem Sinne und Maße ist das Princip des Atavismus auch auf andere Spracherscheinungen schon angewandt worden, während wir sonst allerdings mehr dem Darwinistischen Princip fortschreitender Anbequemung und Umwandlung huldigen müssen. Wenn ich an der Arbeit des Hrn. K. im Ganzen etwas vermisse, so ist es eben ein mehr historischer Sinn, eine mehr genetische Methode der Auffassung und Behandlung. K. sucht mit Recht vor allem die Erscheinungen innerhalb der einzelnen Sprachen mög- lichst sauber und vollständig darzulegen, aber in Vergleichung und Durchdringung hat er seinem Material nicht Alles abgerungen, was es ergeben konnte, haupt- sächlich weil er die einfache Auslassung und die Attraction zu spröde ausein- ander hielt, und in Folge davon ist denn auch zwischen den nordischen Sprachen und den übrigen eine zu große Kluft geblieben. Im Übrigen kann ich die Sorg- falt und Umsicht, womit er gearbeitet hat, nur rühmend anerkennen, und seine Schrift im Ganzen aus dem gleich anfangs aufgestellten Gesichtspunkt den Fach- genossen bestens empfehlen. Ich benutze nun diesen Anlaß noch, um einige anderweitige Nachträge zu meiner Abhandlung zu geben. Betreffend die Attraction , welche auch nach Hrn. K., sowie die Auslassung, das Relativum nur im Nominativ und Accu- sativ trifft, verweise ich noch auf meine im vierten Heft d. Zeitschr. f. deutsche Phil. 1872 erschienene Abhandlung über jene beiden Casus. Betreffend die S. 293 angeführte Verbindung des Relativums the mit Pion. pers. in den sächsischen Dialecten trage ich nach, daß sich dieselbe auch bei Tatian findet. 111, 2: thie tho her sie gisah quad = quos ut vidit, dixit, und so wohl noch an andern Stellen, ohne Zweifel veranlasst dmrch die lateinische Redeweise, die der Übersetzer nicht anders wiederzugeben wusste; doch gibt er 103, 2 qtiam cum vidisset einfach durch: thie mittiu gisah. Bemerkenswerth ist der Gebrauch des mhd. als geradezu statt Pron. rel. ; was ich für die S. 291 beigebrachten Stellen nicht bestimmt zu behaupten wagte, scheint mir durch die folgenden erwiesen: 248 LITTERATUR: GREIN, DAS GOTHISCHE VERBUM. Wolfr, Willch, 60, 5: Der marcgravc die borten erkaude als er gcriemet was. die Borten, mit denen der Schild versehen war, 95, 12: wer müht ouch haben den gewin als ich von dir beraten bin? 90, 21 : ir schämt iuch manges pfandes als iwer volc dort lidct. 139, 7: so muoz diu helfe gar verderben als ich Gyburge enthiez , die ich in grozer angest liez. Hier stehen als und die neben einander, wahrscheinlich nur damit nicht zweimaliges die den Wohllaut und das Verstiiudniss gefährde. 194, 29: ir muget die kost lihte hän als ich nu ger von iwerr hant. 231, 11: diu mir her nach die not klaget als ir durch mich habt gedoit. Ich verkenne nicht, daß in einigen von diesen Stellen die Übersetzung des als durch tcie nothdiirftig ausreicht, und dasselbe gilt aucli noch von 206, 17. 420. 3. Parz. 107, 11. 18. (wo doch Bartsch das als durch das Pron. rel. er- klärt) Gotfr. Trist. 2265 (wo Bechstein eben dasselbe thut) ; aber der Übergang aus der gewöhnlichen Bedeutung in die seltenere muss ja natürlich durch Stellen jener Art vermittelt werden; eben indem man solche neben die andern stellt und die geringen Abstände vergleicht, erkennt man die Möglichkeit des Über- gangs, und nach diesem Princip bin ich eben auch bei meiner Gesammtansicht vom Pron. rel. verfahren. BERN, Dec. 1872. LUDWIG TOBLER. Nachtrag. Bartsch erinnert mich, daß auch in Flore u. Bl. v. 1868 die handschrifthche Lesart ohne das relative den, das der Herausgeber zusetzte, bestehen könne. Grein, Dr. C. W. M., das Gothische*J Verbum in spraclivgl. Hinsicht dargestellt. Kassel 1872. 8^. IV und 75 S. Von unserm tüchtigen Angelsachsen eine neue Schrift, voll von höchst belehrenden Aufklärungen. Dieselbe soll ein Glied aus der Kette zusammen- hängender Untersuchungen auf dem Gebiete der deutschen Grammatik sein, und schließt sich an des Vei fassers Schriftchen über den Ablaut 1862 an. Der Schwerpunkt auch dieser Arbeit liegt hauptsächlich auf dem Nachweis von dem engen Zusammenhang des Ablauts mit dem ursprünglichen Accentuationssystcm, wie es in der Sanskritconjugation vorliegt; sie umfasst aber dießmal auch die schwache Conjugation. Abweichend von der ersten Schrift ist die Bezifferung der Conjugationen , nämlich nach Grimm» Weise in der GDS. 5 ablautende, 5 nicht ablautende oder reduplicierende statt der XIV Reihen der ersten Schrift. Dabei sei hier gleich bemerkt, daß der Vf. auch von der bisher allgemein *) Wir böhalten hier das th des Vfb. bei. LITTERATUR: GREIN, DAS GOTHISCHE VERBUM. 249 üblichen Ordnung der drei schwachen Conjugationen abweicht, nämlich 1, 3, 2 statt 1, 2, 3, und gewiß hat er damit einen nicht unnothigen Schritt gethan, indem die alte 3. Conj. (dn) weit mehr Ursprüngliches aufweist als die 2, (on), welche fast alle Vocalverhältnisse verwischt. — Einen weiteren Fortschritt in der Untersuchung bildet die Darstellung der secundiiren Wurzeln mit ja, na, va, na -|- va §. 38 — 55, in Verben wie bidjan, frathjan — bindan, briggan — saihvan , vilvan , divan zu ) ^ dab , bauan zu \/ bag — briiinan rijinan (hier hätte man Besprechung der Verba wie thrimman, svimman , auch trimpan er- wartet, weil es §. 2 heißt, daß sämmtliche Verbalwurzeln auf dem Gebiete der deutschen Sprache auf einfache Consonanten auslauteten; Doppelconsonanz beruhe aber auf Metathesis, wie barg = brag) — bliggvan, stigqan u. s. f., bei denen zum Theil Übertritt in andere Classen nach Analogie der Bildung statt- findet. So bildete die \/ thrah in den übrigen „deutschen** Sprachen: thringan, thrang, thrungvm , thriingan, das Gothische aber durch Verdichtung {wie jühiza neben juggs , thühta »eben fhugkjan) ein thriha, d. h. nach gothischer Eigen- thümlichkeit (Abneigung gegen t) aber threiha, fJiraihans, und da dieß das Aus- sehen eines Verbums IV. Ci. erhalten hatte, so bildete sich nicht nach der I. Gl. ihrah, threhum, sondern nach der IV. Cl. analog thrdih^ thraihumy ähnlich gi-ei- pan, sneithan^ skreitan. Den Verbalstämmen truda-, vnia-, ist eine besondere Betrachtung §.37 gewidmet. Des Vfs. Auffassung weicht aber von der Grimms GDS. 847 (schon in der ersten Schrift) dadurch ab, daß er eine Angehörigkeit zur I. Cl. abweist und jetzt Bildung von einer secundären Wurzel trod annimmt, wie nach §. 3 eine Menge von Nominalstämmen als einfache Verbalstämme be- handelt wurden; so wurde St. fara- zu einer secundären Verbahvurzel fär, slepa- zu sldp, faltha- zu falth u. s. f. Helleres Licht ist über die Vorgänge der Vocalscliwächung und Steigerung in dieser Schrift verbreitet, indem noch entschiedener das Eintreten dieser bei- den Erscheinungen im Zusammenhange mit dem Wortaccent aufgezeigt wird. [S. 5 Z. 5 v. 0. wünschten wir nach den Worten: „wovon unten" u. s. w. §. 39 mit Ziflern angezeigt.) Hier wird ferner klarer (was in der ersten Schrift nicht hervortritt), warum auch der Themavocal oder Stammvocal, wie ihn der Vf. (manchmal etwas störend) nennt, sich schwächt; aus demselben Grunde, warum der Wurzelvocai geschwächt wird; nämlich wegen mangelnden Accentes. Dabei sei hervorgehoben, wie nur aus der Annahme eines Themavocales sich die Er- scheinungen so lichtvoll erklären lassen, v^ährend man mit dem früheren liinde- vocal überall ins Gedränge kam und für dessen Gestaltung nichts Überzeugen- des anführen konnte. — So gewinnen wir beispielsweise die Themate für 1) ind. praes. brika-, briki--^ nach der VI. Sanskritclasse mit stets unbetonter Wurzel- silbe aus der \/ brak-^ das zweite i nach Eintritt der logischen' Betonung auf der Wurzelsilbe; — 2) conj. praes. brikd-, d. i. hrika -f- a (der Vf. vindiciert diesen Conjunctiv der 1. sgl. u. pl., sog. Adhortativ); in den übrigen Personen ists Optativ; daher 3) opt. praes. brikai-, d. i. brika + az; für Wriddhi äi hat das Gothische ai, während es für Guna al oder a -\- i nur ei hat, wie es im opt. praet. und andern Formen (von denen nachher) erscheint. Der Vf. behauptet nämlich, und wohl mit Recht, daß auch für das Sanskyt das Moduselement des Optativ ai und nicht bloßes i gewesen sei. Im Gothischen nun stieß das ai den Themavocal a von sich aus und lautet darum, wie wir eben bähen, ei d. i. Ur- a». Daher erklärt sich nach dem Vf. der Imperativ bidei etc. in folgender Weise: 250 LITTERATUR: GREIN, DAS GOTHISCHE VERBUM. die Wurzelerweiterung ja tritt an das Tlicma nach Ausstoßung des Themavocales und bildet nach der eben gegebenen Darstellung die PriisensstUmme hidja- und hifiji- ; nur bei solchen Wurzeln, die auf zwei Consonanten auslauten, wird das thematische a nicht ausgestoßen, und a -\- ji verschmolz zu ai, d. i. goth. ci; also 3) Sgl. vahseith-^ in der 2. sgl. imp., welche den reinen Stamm enthält, bleibt bei allen Wurzeln das volle aja, was nach dem Auslautgesetz zu a^, d. i. goth. ei wird, also hidci-^ bei der 2. pl. imp. ist das Verbleiben und Aus- fallen des Themavocales gestattet, und daher hafjith neben hafeith. Darnach fügen wir weiter als Stamm an: 4) opt. praet. hrekei-\ indem das Optativelement ai den Themavocal a vor sich ausstößt, entsteht brrkai-, d. i. goth. hrekei- (die 3. Sgl. verkürzt wie Sanskr. ei zu /). Ebenso behalten bei der ersten schwachen CoDJugation [aja^ die laogsilbigen Stämme den Themavocal bei dem geschwächten Ji, also sokeith neben 7iasjith. Noch Leo Meyer in seinem 1869 erschienenen Werk: „Die Gothische Sprache" S. 362 sagt: ^ei gieng ohne Zweifel zunächst aus ji hervor", wie man weniger auffallend bei dem älteren Hahn liest: „Folgt ein /, so verschmilzt es (das Bildungs-i? der ersten Classe) mit diesem zu ei; so wurde es früher stets erklärt, eine Erklärung, die nichts Überzeugendes hatte. Ferner erklärt sich ebenso der Stamm des schwachen Fem. vom Part. Präs. hrikanddn = hrikanda -\- jan, und ebenso entstehen andere Formen wie aflcir- geinif balveini, fadreini, obwohl Leo Meyer a. a. 0. S. 641 auch hier behauptet, ei sei nicht diphthongisch = ai, sondern durch Zusammenfließen von j •\- i entstanden; denn er gibt ja selbst zu, daß allen diesen Abstracten Themata abgeleiteter Verba auf ja zu Grunde liegen. — Es blieben noch darzustellen die Themata für den 5) ind. praet., wie brak-, breku-, welche in §. 7 — 16 sehr überzeugend erklärt werden , wobei ebenfalls ein Fortschritt gegen die erste Schrift zu bestätigen ist*). Von andern Punkten erwähnen wir, daß der Vf. jetzt den inf. für eine neutrale Accusativform auf -nam erklärt, gegenüber seiner früheren Pronominal- form auf -nad (offenbar besser). Ferner die Erwähnung von Meyers Participial- form veitvods und Schleichers bhus^ns , die wir bei Helfenstein (Germ. XVIE, 463) noch vermißten. Zum Schlüsse noch Einiges über die Prätorito-Präsentia, insbesondere ?. 97. Der Vf, sagt in der Vorrede, daß er neben einer andern Schrift die Paulis über die deutschen Prät.-Präs. dankbar zu erwähnen habe. Bei 1) skal zieht der Vf. gegen Grimm mit Pauli die Ableitung Kuhns von \/ skhal vor, was auch wegen scelus das Bessere sein mag. Bei 2) man denkt der Vf. an das sinnliche man in manere und u^vfiv, was neu ist. Bei 4) mag hält der Vf. an Graffs ] mah cr<>srere fest. Bei 6) kann erinnert der Vf. an die sinnliche Grundanschauung in /«ro? Glanz: das Erkennen beruht auf Klarheit und Deut- lichkeit des Erkannten; Pauli ist {ür\/^gan, die auch in vf-nio steckt; also kann = ^es ist mir aufgegangen". Bei mehreren andern ist der Vf. ebenfalls nicht in Übereinstimmung mit seinen Vorgängern, und man wird sagen dürfen, daß das Princip Grimms, „Grundwurzeln mit sinnlicher Bedeutung sind aufzu- *) Ganz Tortrefflich und zum erstenmal erschöpfend ist die Erklärung für die Erscheinung, daß die 2. sgl. ind. praet. den dritten Ablaut zeigt, was man am Orte selbst (S. 8, 9 u. 10; nachlesen muß. MISCELLEN. 251 suchen'^, das richtige, daß aber vor der Hand der Conjectur hier noch viel Spielraum gelassen sei. Einzelne kleine Vorsehen im Satz mögen unerwähnt bleiben, störend aber wirkt einen Augenblick S. 8 Z. 6 v. u. das zweimal wiederkehrende n statt ii in bhi-bhdnda, bha-bhdnda — S. 11 Z. 9 v. u. ist dreimal zl statt sl in sai- slejpa-, sai-sl^p-, sai-slepu- zu setzen, wie in §. 15, 67 u. 69 — S. 32 Z. 23 ▼. 0. steht Praet.Äwer'y statt hndiv — S. 48 Z. 18 v. o. mikileid statt mikileith — S. 58 Z. 11 V. u. ist hausjan hören zu streichen — S. G6 Z. 2 v. u. ist griech, y statt V zu lesen. In Summa müssen wir bekennen, seit langem keine so anregende Schrift gelesen zu haben, und wir können sie den Fachgenossen nur bestens empfehlen. P^RIEDBERG i. d. W. PHngstferien 1873. Dr. F. MÖLLER. MISCELLEN. Dr. Friedrich Koch. Am 5. Sptbr. 18 72 starb Dr. Friedrich Koch, Professor am Großherzogl. Realgymnasium in Eisenach, ein einfacher Lehrer, dessen Name aber einen guten Klang hatte unter den Sprachforschern in Deutschland und dem auch das ferne Ausland die verdiente Anerkennung nicht versagt hat. Den Freunden und Be- kannten des Entschlafenen hat Prof. Dr. Hotzel ein kurzes Lebensbild gewidmet in dankbarer Erinnerung an seinen Lehrer, Collegen und Freund*). Demselben entnehmen wir nachfolgende Mittheilungen über Kochs Leben und Wirken. Fr. Koch wurde am 15. Nov. 1813 zu Berka a. d. Werra, einem Land- städtchen bei Eisenach, geboren. Von seinem Pathen hatte der Knabe einst eine lateinische Grammatik erhalten. Dieses Pathengeschenk ward Veranlassung, daß der Knabe, dem bei des Vaters zahlreicher Familie eine höhere Ausbildung Anfangs wohl kaum zugedacht war, von einem benachbarten Geistlichen wenig- stens im Lateinischen Unterricht erhielt. Durch seine raschen Fortschritte wurden die Eltern weiter bestimmt , ihren Sohn das Gymnasium in Eisenach besuchen zu lassen und nach wohl bestandener Abiturientenprüfung ihm auch das aka- demische Studium zu ermöglichen. Er studierte nach seinem und nach seiner Eltern Wunsch, doch ohne eigentlichen Innern Beruf, Theologie. Im Jahre 1836 hatte Koch das Candidatenexamen gut bestanden und er durfte nun nach etwa 10 — 12 Jahren auf eine Anstellung hoffen. Bei so trüben Aussichten übernahm er eine Hauslehrerstelle in der Familie eines Beamten des Eisenacher Oberlandes und gab seinen ersten Schülern eine tüchtige grammatische Vorbildung für das Gymnasium. Dann gründete er 1839 ein eigenes Unterrichtsinstitut und Pro- gymnasium in Eisenach. Die mit den Erfolgen wachsende Lust an pädagogischer Thätigkeit, dann eine Anstellung (1843) an der zunächst städtischen, später zur *) Zur Erinnerung an Dr. Friedrich Koch weil. Professor am großherzoglichen Realgymnasium zu Eisenaeh. Eisenach, Verlag von J. Baemeister. 252 MISCELLEN. Staatsanstalt erhobenen Realschule bestimmten ihn die theolojrischc Laufbahn ganz aufzugeben und sich ausschließlieh der Schule zu widmen. AVir unterlassen es hier, Kochs Tlüitigkeit und deren glückliche Erfolge in seinem Lehramt eingehender zu schildern; nur so viel sei bemerkt, daß er mit eindringender und sorgsamer Auffassung den Lehrstoff bis in seine Details zu bewältigen, durch Einfachheit der Darstellung für die Sache zu gewinnen, durch Klarheit zu fesseln und zu überzeugen wusste. Es war ihm hauptsächlich sprachlicher Unterricht zugetheilt. Bei seiner vorwiegend verstandcsmaßig ange- legten Natur betonte er hauptsächlich dessen grammatische Seite und gab sich mit Vorliebe dem Studium der dazu nöthigen Hilfsmittel hin. Für seinen deutschen Unterricht wollten ihm weder die alten praktischen, noch die nach Beckers Principitn gearbeiteten I>ehi bücher genügen und es widerstrebte überhaupt seinem historischen Sinn, den Sprachstoff nur nach allgemeinen Denkgesetzen zu unter- suchen und zu construieren. Jacob Grimm hatte ja die Sprache als „einen in der Zeit sich entwickelnden und wieder zersetzenden Naturkörper" in ihrer ganzen Entwicklung beobachtet und die Grammatik zu einer „Geschichte und Natur- beschreibung der Sprache" erhoben. Die Lehrerwelt hatte sich freilich bis dahin mit wenigen Ausnahmen noch nicht an das Studium einer deutschen Grammatik gewagt, die alle verwandten germanischen Mundarten vergleichend herbeizieht, imd Niemand hatte es unternommen, die „Resultate der historischen Forschungen Jacob Grimms, soweit sie zum Verständniss der jetzigen neuhochdeutschen Sprach- formen nöthig sind, in einer für den Schulgebrauch geeigneten Form darzulegen*. Koch übernahm diese Arbeit. Im Jjihre 1848 erschien seine „Deutsche Gram- matik nebst Tropen und Figuren". Sie liegt bereits in der 5. Auflage vor. Die bedeutenden Aendei ungen und Verbesserungen in der 2. und 3. Auflage lassen erkennen, mit welchem Eifer und Erfolg der Verf. seine grammatischen Studien fortsetzte; in der 4. Aufl. hat er auch einige Ergebnisse der sprachvergleichenden Grammatik für die Schule zu benutzen gesucht und die 5. Aufl. bietet einen vermehrten Stoff aus den altern Sprachperioden. Zu dieser größern Grammatik kam 1860 noch eine kleine Elemcntargrammatik für die untern Schulclassen als gemeinsame Grundlage des gesammtcn Sprachunterrichts. Sie hat bis jetzt 4 Auflagen erlebt. Seiner Arbeit auf dem Gebiete der deutschen Sprache und Grammatik lag der ideale Gedanke zu Grunde, das Verständniss dessen, was die Meister der deutschen Sprachforschung gefunden, und das Licht, das ihr Geist über unsere Muttersprache verbreitet, aus den Hallen der Wissenschaft hinüber zu leiten in die Schulstube und durch sie unter das gebildete Volk. Durch diese Studien war Koch auch zur Beschäftigung mit dem Angel- sächsischen geführt und ihm der Wunsch nahe gelegt worden, auch die ver- wandte englische Sprache zu erlernen. Er nahm zunächst Privatunterricht im Englischen, trieb es dann eine Zeit lang für sich allein und gieng im Sommer 1849 einige Wochen nach England, V^on jetzt an widmete er alle von seiner Berufsarbeit freie Zeit dem Studium dieser Sprache. Was er bis zum Jahre 1863 gelernt hatte, zeigt der 1. Band seiner „Historischen Grammatik der englischen Sprache". Neu und ihm eigenthümlich ist darin die Darlegung des historischen Verlaufs der Lautzeichen und Laute, die Geschichte des Accents und die gram- mati?che Behandlung der Zwischenperioden des Neuangelsächsischen, Alteng- iischeii und Mittelenglischen. Dem 1, Bande, der Laut- und Fiexionslehre, folgte MISCELLEN. 253 1865 der 2. Bd., die Satzlehre, und 1868 im 3. Bde. die Wortbildung der englischen Sprache. ,,Indciu der Verf. vom Angelsächsischen ausgeht, dessen Weiterbildung im Neuenglischeu zeigt, die mannigfaltigen Formen des Englischen zusammenstellt und die vom Altcnglischen bis zum Ncuenglischen sich unter Zutritt und Einfluss des Romanischen gestaltenden Formen nachweist, gelingt es ihm, auf die Formen der modernen Sprache ein ganz neues Licht zu werfen. Indem er ferner bei der Wortbildung von der sichern Grundlage des Sprachstammes im Allgemeinen und des Deutschen im Besonderen ausgeht, die verwandten deutschen Sprachen stets zur Vergleichung heranzieht, weiß er die schwankenden Formen des Angelsachsischen genauer zu bestimmen, deren historischen Verlauf aufzuzeigen, Ordnung in das Chaos der englischen Sprache zu bringen und in dem so geordneten Sprachgebäude den fremden Elementen ihren Platz anzu- weisen." Nach 23jähriger Arbeit schenkte ein deutscher Lehrer der englischen Nation die erste wahrhaft wissenschaftliche historische Grammatik ihrer Sprache. Der Verfasser fand dafür nicht allein in deutschen gelehrten Zeitschriften, im Literarischen Centralblatte, in der Germania, in der Zeitschrift für deutsche Philologie, sondern auch in der englischen und amerikanischen gelehrten Presse die verdiente Anerkennung. The Athenaeum vom 25. Juli 1868 gesteht, daß Kochs Grammatik an Gelehrsamkeit und Gründlichkeit alle englischen Gram- matiken übertreffe; die Philological Society of London ernannte Koch zu ihrem Ehrenmitglied und die in New- York erscheinende Round Table vom 21. Nov. 1868 sagt, daß diese Grammatik alle ähnlichen amerikanischen Werke in Schatten stelle. Noch sind eine Reihe kleiner Arbeiten zu verzeichnen, welche theils vor, theils neben den größern Werken entstanden sind; so die Programmabhandlungen über „die mehrfache Negation", „die grammatischen Methoden", „die Bildung der Nebensätze", „der englische Accent", ,,der Angelsachse im Kampfe mit dem Normannen", „der Christus der Sachsen"; ferner die Beurtheilungen von Müllers Etymologischem Wörterbuche und Stratmann's Dictionary of the Old English Language; eine Reihe von Abhandlungen über Shakespeare's Namen, über die vocalischen Ableitungen im Angelsächsischen, über die angelsächsische Brechung ea, über angelsächsisches eäy über angelsächsisches eo^ englische Etymologien. Eine Arbeit, die Koch noch vor seinem Tode vollendet und druck- fertig hinterlassen hatte, ist bereits unter der Presse und erscheint in Kürze im Verlag von J. Bacmeister in Eisenach unter dem Titel: Linguistische Allotria und behandelt die Laut-, Ablaut- und Reimbildungen der englischen Sprache. Bei seiner ungeschwächten Arbeitskraft und voll der Freude des Schaffens hoffte Koch noch verschiedene andere bereits vorbereitete Arbeiten glücklich zu Ende führen zu können. Namentlich hatte er zu einer grammatischen Dar- stellung und Vergleichung der englischen Dialecte in ihrem historischen Ver- laufe, um zu ergründen, von welchem derselben die jetzige Sprache ausgegangen ist, reiches und umfängliches Material gesammelt; aber während er den Stimmen dieser Volksdialecte lauschte und ihrem Zusammenhange mit der Schriftsprache nachsann, trat ungeahnt der Todesengel in sein Zimmer, nahm ihm die Feder aus der Hand und führte ihn hinüber in das Land der ewigen Ruhe. A. WITZSCHEL. 254 MISCELLEN. Übersicht der Vorlesungen über deutsche Sprache, Litteratur etc. an den Universit'äten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz im Sommersemester 1873*). Vergleichende Grammatik: Des Sanskrit, Griechischen, Lateinischen und Deutscheu: Güttingen-Beufey ; einige Capitel der vergleichenden Grammatik besonders vom Verbum: Greifswald-Hofer; Einführung in das Studium der vgl. Sprachwissenschaft: Basel-Heyne; Resultate und Methode der vgl. Sprachwissen- schaft: Heidelberg- Windisch. Den tsche Grammatik: Berlin-Müllenhoff; Freiburg-Martin; GÖttingen- W. Müller; Halle-Zacher; Jeua-Sievers; ausgewählte Capitel: Marburg-Lucae ; Syntax der deutschen Sprache: Gießen- Wcigand; Kiel-Groth; deutsche Wort- bildung: Bonn-Andresen. Gothische Grammatik: Bonn-Birlinger; Innsbruck-Zingerle; Marburg- Justi; Münster-Storck ; Rostock-Bechstein; über die gothische Sprache: Halle-Pott. Althochdeutsche Grammatik: Bonn-Diez. Mittelhochdeutsche Grammatik: Greifswald-Höfer. Neuhochdeutsche Grammatik: Wien-Tomaschek. Angelsächsische Grammatik: Halle-Leo. Englische Grammatik: Halle-Tschischwitz ; englische Syntax.- Berlin vAkad. f. mod. Phil.)-Mätzner. Altnordische Grammatik: Erlangeu-Raumer; Kiel-Möbius; Marburg- Grein. Deutsche Mythologie: allgemeine und vergleichende Mythologie: Ber- lin-Steinthal: vgl. Mythologie der Indogermanen : Heidelberg-Lefmann; vgl. Dar- stellung der altnordischen, altdeutschen und ultslavischen Mythologie: Straßburg- Bergmann. Deut sehe Alterthümer: angelehnt an Tacitus Germania: Bern-Tobler; Freiburg-Martin; Graz-Schönbach; Münster-Parmet. Deutsche Rechtsquellen, Erklärung: Basel-Heusler ; Berlin-Behrend; Freiburg-Buß ; Greifswald-Franklin ; Königsberg-Dahn ; germanistische Übungen : Leipzig-Stobbe ; StraßburgLaband; Erklärung der Lex Salica: Heidelberg-Scherrer; des Sachsenspiegels: Halle-Lastig; Leipzig-Höck; Marburg-Röstell; über die deutschen Rechtsquellen: Bonn-Schulte. Deutsche Litteraturgeschichte: vergleichende Litteraturgeschichte : München-Carriere; Litteraturgeschichte des Mittelalters: Halle-Gosche; deutsche Litteraturgeschichte: Tübingen-Keller; bis zur Reformation: Leipzig-Zarncke; Geschichte der altdeutschen Poesie: Königsberg-Schade; der deutschen Dichtung, 1. Theil: Göttingen-Tittmann; im Mittelalter: Gießen-Zimmermann; der neuern deutschen Litteratur: Kiel- Weinhold; vornehmlich im Zeitalter der Reformation: Straßburg-Scherer; von Sachs bis auf Opitz: Göttingen -Wilken; des 18. Jahrhs,: Graz-Schönbach; im 18. und 19. Jahrb.: Leipzig-Biedermann; im 18. Jh. seit der Epoche des Sturms und Drangs: Wien-Tomaschek; von 1720 bis auf die Gegenwart: Gießen-Weigand ; Halle-Haym; Geschichte der neuesten deutschen Litteratur: Innsbruck-Zingerle; Geschichte der deutschen Prosalitteratur: Heidel- berg-Laur; über elsäßische Litteratur und Sprache: Straßburg-Scherer; über *) Nicht eingegangen ist das Verzeichniss von Prag. Die Bed. MISCELLEN. 255 Schweizer Volkssage uud Volkspoesie: Bern-Tobler ; über das germanische Epos: München-Hofmann; die Lyrik der Deutschen etc.: Leipzig-Minckwitz ; Geschichte der deutschen Lyrik seit Opitz: Bern-Schüni; über das religiöse Schauspiel des MA.: Tübingen-Fehr; über Lessing: Kiel-Groth; Leipzig-Bcrnays; Straßburg- Scherer; über Schiller und Göthe: Leipzig-Hildebraud ; Göthe's Faust: Heidel- berg-Fischer. Englische Litte raturgeschichte: Straßburg-ten Brinck ; 2. Theil: Königsberg-Schipper; vom 16. Jahrh. an: Berlin-Solly ; von 1525 — 1674: Berlin (Ak. f. mod. Phil.)-Schmidt; über die Quellen von Chaucers Dichtungen: Berlin (ebenda) -Vatke ; Shakespeares Hamlet: Wien-Zupitza. Deutsche Metrik: Heidelberg -Bartsch; altdeutsche Metrik: Berlin- MüUenhoff; Straßburg-Scherer. Sprachdenkmäler: Gothische: Ultilas: Basel-Heyne; Erlangen-Raumer; Rostock-Bechstein; gothisch und ahd. Freiburg-Martin. Altdeutsche Sprachdenkmäler: Königsberg-Schadc. Althochdeutsche: Basel-Meyer: lunsbruck-Zingerle; Leipzig-Paul ; Er- klärung von MüllenhofFs und Scherers Denkmälern: Bonn-Birlinger ; Otfrid: Leipzig-Zarncke ; Tübingen-Keller. Mittelhochdeutsche: Graz-Schöubach; über eine mhd. Dichtung: Er- langen-Raumer. Gottfrieds Tristan: Leipzig-Paul. Hartmanns armer Heinrich: Freiburg-Martin; Straßburg-Scherer; Wien-Heinzel. Kudrun: Göttingen -Wilken. Lyriker: Innsbruck-Zingerle; Leipzig-Hildebrand; des 12. Jhs. : Heidel- berg-Bartsch ; Straßburg-Scherer. Nibelungenlied: Bern-Tobler; Breslau-Rückert ; München-Hofmann; Wien-Heinzel; mit Einleitung: Bonn-Simrock; cursorische Leetüre : Basel-Meyer; Halle-Zacher; ausgewählte Stücke mit Einleitung: Würzburg-Lexer; Walther von der Vogelweide: Berlin -Müllenhoflf; Göttingen- W. Müller; Greifswald-Höfer; Münster-Storck. Wolframs Parzival: Gießen-Zimmermann 5 Marburg-Lucae. Altsächsische: Heliand: Gießen- Weigand ; Göttingen- W. Müller. Angelsächsische: Gedichte: Marburg-Grein. Altnordische: Eddalieder: Leipzig-Zarncke; München-Hofmann; Tü- bingen-Holland; Völuspa : Straßburg-Bergmann. Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz- chen werden gehalten in Basel, Berlin, Breslau, Göttingen, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Leipzig, Marburg, Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würz- burg. Germanistische Vorlesungen an der Universität in Zürich im Sommer- semester 1873. Erklärung ausgewählter Lieder der Edda: Ettmüller. — Er- klärung des Reinaert die Vos: Derselbe. — Deutsche Literaturgeschichte: Hon- egger. — Herders Leben und Schriften. Vögelin. — Deutsche Dramatiker der Neuzeit: Stiefel. 256 MISCELLEN. Personalnotizeu. Berufungen haben erhalten: Professor K. Bartsch in Heidelberg an die Universität Breslau (abgelehnt); Professor Bernhard ten Brinck in Marburg an die Universität Straßburg (Ostern 1873); Professor R. Heinzel in Graz an die Universität Wien (Ostern), uachflem Professor M. Lexer in Würzburg den Ruf nach Wien abgelehnt hatte; Dr. A. Schönbach in Wien als ausser- ordentl. Professor an die Universität Graz (Ostern). Dr. A. Birlinger, Privatdocent an der Universität Bonn, wurde zum Extraordinarius daselbst befördert. Habilitiert haben sich in letzter Zeit: in Bonn Dr. Alex. Reifferscheid am 3. Mai 1873 (Antrittsrede De quatuor filiis Aymon); in Leipzig (Michaelis 1872) Dr. Hermann Paul mit einer Habilitationsschrift, in welcher die Frage nach dem Vorhandensein einer mittelhochd. Litteratursprache untersucht wird; ebenda am 3. Mai 1873 Dr. Rieh. Wülcker für altenglische Litteratur und Grammatik, mit einer Habilitationsschrift über die neu angelsächs. Sprachdenk- mäler; in Marburg Dr. Herrn. Suchier (Ostern 1873) besonders für romanische Sprachen und Litteraturen ; seine Habilitationsschrift hat die französischen Quellen Ulrichs von dem Türlin zum Gegenstande. Gestorben sind: am 25. Februar d. J. Heinrich Kurz in Aarau; an dem- selben Tage Adolf Bacmeister in Stuttgart; am 23. April Wolfgang Menzel in Stuttgart; am 2G. April K. Pabst, Professor der neuern Litteratur in Bern; am 28. April Th. G. von Karajan in Wien. Bekanntmachung. Die 29. Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten wird in den Tagen vom 23 — 26. Sept. d. J. zu Innsbruck stattfinden, wozu die Unterzeichneten hiemit ganz ergebenst einladen. Indem sie die geehrten Fachgenossen ersuchen, beabsichtigte Vorträge sowohl für die allgemeinen als auch für die Verhandlungen der Sectionen bald- möglichst (längstens bis 20. August) anmelden zu wollen, erklären sie sich zu- gleich bereit, Anfragen und Wünsche, welche sich auf die Theiluahme an der Versammlung beziehen , entgegenzunehmen und nach Möglichkeit zu erledigen. Innsbruck^ im Juni 1873. Das Präsidium: B. Jülg. W. Biehl. Berichtigungen. S. 48'\ Z. 7 ist cornihus zu lesen; S. 79", 54 1. groibun. SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEU- HOCHDEUTSCHER WORTFORMEN. TON FEDOR BECH. Unter den mannigfaclien Vorzügen, welche das treffliclie „deutsche Wörterbuch von Karl Weigand" zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel für das Studium unserer Muttersprache machen, ist für den Verfasser dieser Zeilen namentlich auch der von großem Interesse gewesen, daß es sich überall angelegen sein lässt, das erste Auftreten der Wörter und ihrer neuhochdeutschen Formen nachzuweisen. Für die Geschichte unserer Sprache ist dieß von großer Wichtigkeit. Nur ist es, wie jeder Fachmann zugestehen wird, mchi bei jedem Wort leicht, genau zu bestimmen, in welcher Gestalt und wann und wo es zuerst aufgetaucht ist. Trotz der größten Belesenheit, und wenn sie auch wie bei den Gebrüdern Grimm, bei Weigand, bei Hildebrand das reichste Quellen- raaterial durchstöbert hat, ist es kaum zu verhüten, daß sich nicht ein und das andere Wörtchen den spähenden Augen des Forschers verbirgt. Gar oft will es ja nur der Zufall, daß der eine findet, was anderen unbemerkt geblieben ist. Wo aber Genauigkeit und Voll- ständigkeit zu erreichen nicht in der Macht des Einzelnen steht, da wird man denke ich Niemand verschmähen, der sein Scherflein beizu- tragen sucht. Aus diesem Grunde dürfen auch die hier angesammelten Lesefrüchte, die mit Rücksicht auf das erste Heft der neuesten Auf- lage von Karl Weigands deutschem Wörterbuche ausgewählt sind, als kleine Beiträge zu dem oben bezeichneten Zwecke auf geneigte Be- rücksichtigung hoffen. ♦ Aherselj m. und n., scheint dasselbe was in der Lex Bajuv. 13, 4 avursum (mit Varr. auursan, auuorsan, auuarsan), bei mhd. Schriftstellern aicürse, mcürhse, avmrsel (neben aiuasel^ aiceselj, aicesen u. dgl.) hieß, vgl. Deut. Wort. s. v. aicasel und Lexers Handwörterb. I, 106; im Kulraischen Recht ed. Leman S. 150 u. 151 u. 159 findet sich die Form awarsil (vgl. daselbst vS. 216 — 217); in der Hohenfurter Bene- dictinerregel VII, 128: ?c/z hin ein lieicize der Hute und aiversne des Volkes^ wo der Herausgeber ohne Noth äicerfe in den Text gesetzt hat. GEEMANIA. Neue Reihe VI. (XVIIJ.) Jahrg. 17 258 FEDOR BECH aheincitzy m., erscheint schon im 14. Jahrh. als die aherwitz im Vocabul. optim. ed. Wackernagel S. 15, 21 ; vgl. Zarncke-Müller III, 794''. abtceg, m., lässt sich lange vor 1500 nachweisen, bei Walther von Rheinaii 72, 21: gebirge, ahtcege nnde icalf ; in der Chronik Jacobs von Königshoven S. 219 ed. Schilter (= Chroniken der D. St. IX, 610, 21) Sil süchfent vil ahewege nnd Sachen icie sü sich iind ire frilnde hi der her- schaft möchtent beheben. accise, f. ; zu vergleichen ist das in rheinischen Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts vorkommende assisie, bei Kehrein Samml. 2'; asshe bei Godefrit Hagen Reimchron. 2208, 2348, 2808, 5324 = imgelt; Fahne Forschungen I, 2, 70; II, 2, 108; Dief'enb. Gloss. 55* s. v. assi- sia, axisia; endlich zise, ziese bei Frisch II, 477'; Gengier Codex muni- cip. 243* icynsyse^ biersyse^ grote syse, bötersyse. akelei, f., diese Schreibweise schon bei Eberhard Zersne in der Minne Regel 352: und. die schone ackeley (: der mey). ackerpferd, n., aus mhd. Quellen nachgewiesen in Zachers Zeitschr. für deutsche Philol. II, 369. aldermann, m., im Sinne von Senior, Rathsherr, bereits bei Ernst von Kirchberg S. 800: nach der stad eldesten beginne Und nach der aldir- manne sinne, altreiß, ra., erscheint am frühesten bis jetzt in Förstemanns N. Mitth. III, 2, 44 (= A. Ges. von Nordhausen) : swelch rüze farniste met erden dy schü, dy gybet vumf Schillinge (um 1324); vgl. Konr. Stolle in Haupts Zeitschr. VIII, 342: so kamen die Steinmetzen Vnd die fassbender Und die altgewender Und die alden rüssen, Die icollent es gar verhüssen; dazu das nd. oldrüse bei Adelung s. v. altreiß. anhangen, anhängen bereits in der Meinauer Naturlehre S. 10: dise tvinde unde ir anhengende winde macht du kiesin an dirre figüren; Heinrich V. d. Türlin in der Krone 22708: sie begunden mir anhangen (: enphangen) alle mit gemeiner bet. armselig, Adj,, aus dem 15. Jahrh. nachweisbar bei Leo von Rozmital 175: und. hetten gar ein hert armselig leben. artlich, Adj., bisher nur in der Zusammensetzung unertlich aus dem Mhd. bekannt, findet sich bereits im Frei bergischen Stadtrechte ed. Schott S. 91, Z. 8: der vogf — — sol mit zv)en bürgern — — — erkennen, ob des (suchtesichen) s7chfüm also erdelich (= so geartet) sie, dacz er vcn^ llhes not nicht vor gerichte körnen niuge; Michael Beheim Buch V. d. Wienern 49, 25 rehte art nit unertet, unart nit artlich zeiiet; vgl. auch Rein frid 21555: von geblümte was er groz an artecltcher schouwe. SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEITIOCHD. WORTFORMEN. 259 ästig, Adj., zeigt sich walirsclieinlich schon in Rudolfs Weltchronik, vgl. Schütze Gereimte Übersetzung der histor. Bücher des A. Test. II. 201, wo es von Absalon heißt: Hude. quam under eyne hesnyeden (?) eich Eütechtig (?) mit grozen esten groz; für estechiig ist entweder estecht (vgl. Diefenb. Nov. Gloss. 313* s. v. ramosus) oder estic zu lesen. aite^ f., das Mutterschaf; nachzutragen ist hier, daß sich das Wort mittelhochd. (omce) noch beim Meier Helmbrecht 675 Hndet, vgl. Lexer HWörterb. I, 193. mifgeM, n., vgl. Thoraas von Buttelstedt in den Neuen Mitth. des Thüringisch-Sächs. Vereins XII, S. 448 (a. 1440 — 43) : item ye des jars II sex. S6gl. iiffgeldes den von Salza, das sie ern Bussen Viczthumb uff 116 gülden uff das golt her noch gehen müssen; S. 450: II sex. S6gl. uss den andern erhzcinsen zu uffgelde geben. auf ruck, m., schon vor dem 16. Jahrhunderte, bei Michelsen Reclits- denkmale aus Thüringen IV, 403: da mit sie gütlich hericht sin sullen, eyne parthie der andern dieser gebrechen halb nümmer meher keynen uff- ruck czuthdn {= Gerichtsbuch des Käthes zu Erfurt a. 1483); noch früher ufrHken swv. in diesem Sinne, so bei Dreyhaupt Beschreibung des Saal-Kreyses II, 301 : das dyselbe sache von uns allen — myd arge nummer sal ufigeruckt werden (a. 1382); S. 972: icir und iinser er- hin sollin ön da^s nummer mehr uffgerucken (a. 1436) ; Michelsen 1. 1. S. 398: icelcher soliche früntliche berichtung bricht ader eyner dem andern hernäch- mdls über kurtz oder lang uffruckte u. s. w. ; Dreyhaupt 1. 1. I, 63: dat sie des eine ganze sone hebben mit uns, also dat sie noch wie (= wir) des mit arghe nummer mer uprucken scolen; S. 144: nimmermehr gedenckin, uffruckin noch sy darumb betedingin (a. 1454); Förstemann, N. Mitth. I, 4, 118 {--= Bruchstück aus dem Cönnerschen Stadtbuche): nummer to argene noch nummer u^p tu rückene von der sake icegen. ausdruck, m., kömmt schon im Heiligenleben Hermanns von Fritz- lar vor 129, 29: di phantasie und di bildende kraft dl mugen icol valsche bilde wirken und valschen liztruc halen; vgl. den Prediger Heinrich Eg- wint in Haupts Zeitschr. VIII, 224, Z. 5 von unten : mit eime üz ge- druhtem zeichen des willen gottes; 227, Z. 18 von oben: in sime üz ge- truhten (Hs. gruchten) glanzerichen bilde. aussatz, m., „ansteckender Hautausschlag", am frühesten im Renner 21419 erwähnt: nü schreibt uns meister Avicenne, Daz einer die üzsatz vorhte so hart, Daz er vor vorhten üzsetzic ivart. ausiüurf m., bereits bei Konrad von Megenberg 220, 14: des vogels mist ist gar hitziq an dem auzwurf. 17* 260 FEDOR BECfl hangigkeit, f., finde Ich als hangekeif am frühesten bei Johannes Marienwerder im Leben der Heil. Dorothee S. 454, Z. 3: dy zele \cirt ouch vol arbeit^ nngerüet und vol bangekeit {= ^laboriosa, inquieta, anxia^) und S. 481, Z. 10: her Uez sy noch in bangekeit und in quelunge bW>en (noch vor dem Jahre 1417 verfasst). banse, f. u. m., „weiter Scheunenraum zur Seite der Tenne": ältere Belege dafür bieten das Rechtsbuch nach Distinctionen von Ortloff II, 4, 8: Flad eyner sinen tcanf kästen adder shien bansen vormid (= im Eisen- acher Rechtsbuche III, 134: sin kornlouben adir schünen)\ in Purgoldts Rechtsbuche II, 49 : hadt eyner seinen icaynkasten , schünenbansen adder kornlouben umtne zcins vormitteth; vielleicht gehört auch hierher Weist. V, 637, Z. 16: und soll derselbig becker den deig holen in den hüsern und dasz holcz in den bant zin (? = bantzin oder hansin?). bariarisch, Adj., bei Otte Baldeman Von dem Laufe des Römi- schen Reiches, 231 : üz barbarischer terre, Vil laut nohe und verre; Niclas von Wyle Transl. 110, 8 (a. 1461): daz ich der Kriechen und Barbarischen geschwyge; vgl. Barbarie in der Chronik von Königshoven 300, 12 (nach der Variante) und 305, 2, sowie das Glossar dazu s. v. barher. baarschaft, f., in Schreibers Urkundenb. der Stadt Freiburg II, 71 : item umbe die von Mundrachingen, den er ire 'pferit und ir barschaft ge- nomen het (a. 1388); Jac. Twinger von Königshoven S. 69 ed. Schilter (= 351, 5 ed. Hegel): daz er an barschaft arm wart und sine soldener nüt hette zu bezalende; in Schilters Anmerkungen zu Jac. Twinger von Königshoven S. 930: zwene woteseck mit silber, barschafft, und gutem dinge j Oswald von AVolkenst. 31, 2, 2 mein parschaft die ist klain\ 109, 3, 9; Niclas von Wyle 244, 22; Weist. VI, 316. barbierer, m., list man schon in einer Urkunde Karls IV. vom Jahre 1358 bei Böhmer Urkundenb. von Frankfurt S. 655, Z. 4: is kurnpt zu euch Nickel barbirer von den Cotten, unser alter diener. Vgl« barbiren in der Kronika fau Sassen S. 141 : Van Brünswic der junge Leit sek baden unde barbiren Unde sinen Vf ziren. barscherer, m., bereits in einer Urkunde Kaiser Ludwigs vom Jahre 1332 bei Würdtwein Diplom. Maguntina I, 481: Wilkin bard- scherer, Amolt bardscherer, Gysse der bardscherer u. s. w. ; Gesta Roma- norum S. 155, Z. 6 von unten: paH. scher aer\ Konrad von Ammenhausen im Schachzabelbuch (Zofinger Handschr.) fol. IGl": er bediutet, als uns tuot bekant Dizbüch, einen bartscherer\ fol. 165'': der bartscher er ich nit vergessen sol. bearbeiten^ swv., in einer Urkunde von 1435 bei Dreyhaupt 1. 1. I, S. 119: darauff sali und icill der hochgeborne fiirste - — sich hey dem ßPE^DEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEUHOCHD. WORTFORMEN. 261 heiligen concilio zu Basel hearheiten, das der han und acht und alle gerichte — — gentzlich ahgethan — — werden'^ S. 142 (a. 1454): darczü wir allen iinsern fließ ihnn und uns darinne hearheiten sollen und loollen. hefahren^ 1. = hevarn, stv., in der Magdcb. Scliöppcnchron. 264, 5: de eldesten, de meist in der iverlde hevarn weren; — 2. hevären, hevaeren swv., iu Joli. Rothes Chron. S. 605: die kefzir hef arten sich der herren nichtis nicht; Dorow Denkmäler I, 1, 46.- als dyt horde de leve ebdisse, ivart se in eren herte van blödes wegen hevären und heivegen mit graten medeliden; S. 48: he wart hevären. Vgl. auch Karlmeinet 48, 18(?). befangenheitj f., aus dem 12. Jahrh. nachweisbar in Haupts Zeit- schrift V, 454, Z. 13 : da aller stete bevangenheit (= Denkm. von Müllen- hoff u. Scherer XCI, 20). begehrlich^ Adj., war nicht bloß mitteld. , auch oberd. früh vor- handen, vgl. Walther von Rheinau 258, 18: 6 begerlichiu magt; Renner 17682: ein schätz begerlich ze aller stunde. — Begirlichkeit , f., in Laü- bergs LS. II, 687, 5: da ist nit begirlichkait Als man hie zer weit trait; dagegen begerlichkeit bei Küditz von Salfeld 27, 32. — Ebenso ist be- giric, Adj., schon vor dem 16. Jahrh. zu finden, z. B. bei Meister Eckart 199, 35, vgl. Zeitschr. für Deutsche Philol. II, 369. behaart^ „mit Haaren bewachsen", lautete mhd. behär^ vgl. Ziugerle, Eine Geographie aus dem 13. Jahrh. 358: als ein tier und als ein swin Sint sie, daz sagt diu schrift für icär, Wan buch und brüst ist rüch behdr. behältlich, Adj. u. Adv,, „vorbehaltlich'', in der Chronik der Heiig. Stadt Colin bei E. v. Groote zu Christianus Wierstraat S. 99: beheltlich Inffs ind goitz (Gutes) ; — andern Sinn hatte behaltenlich in den Predigten 'ind Legenden der Heiligen des Cod. Stuttgard. theol. et philos. no. 64 ^a. 1393) : dise verldzen tage vergänt unde die behaltenliche tage koment her. behelf m., in Pfeifiers Predigten und Tractaten deutscher Mystiker i Haupts Zeitschr. 8) 460, Z. 13: diser grünt ist vol valscher behelfe und ist grundlos; Nie. von Basel 223, Z. 10: muost dich halten one aller creäturen behelf; Die Gottesfreunde ed. Schmidt 88: öne aller menschen hehelf; 187 : one allen bevintlichen behelf. beholzen, swv., zeigt sich sclion um 1390 bei Schreiber, Urkundeub. von Freiburg II, 85 : Item dem rysman, das räthüs ze beholtzende, X lib. belf, m., erscheint in beltemer bei Ernst von Kirchberg S. 639: Heinrichs hende Dinten cd dl lant der Wende Zusehen Elbe und dem belte- mer und S. 756: dt laut der Wende Zusehen Elbe üf und den beltemere. berüchtigt — trifi't man schon in einem Cölner Eidbuche bei Fahne Forschungen, II, 2, 77 (aus dem J. 1327): die Juden de da riffidne inde böse bcrug^hede Juden sint; ebenda: den bösen her ugtheden Juden; in einem 262 FEDOK BECH Cölner Scheffenweisthum a. 1375 in Grimms Weist. II, 747, Z. 26: von andern lueden, die von müsedaif heruchfigef weren; dazu die heruchte- qnnqe aus dem Jahre 1411 in den Scriptores rer. Pruss. IV, 391 Anm. Außerdem heiC^t es bei Ernst von Kirehberi^ S. 806: si hlihen recht nnschuldiq Von dem hiMir vord an nie, Des si wären berücktet e. beschäftigen, swv., vgl. dazu Offenbarungen der Schwester ^leeh- thild ed. Morel S. 95, Z. 1 : diu minne beschafte mich so sere mit disen mindern; femer das Adj. bescheflich bei Hermann Korner in der Ger- mania 9, 26'). Z. 1: desse stolten kempen iveren klnk iinde bescheftich. beschlag, m., tindet sich bei Lacomblet Archiv I, 79: hy solde der riddtrschaß foeder (Futter) ind beslag geven und 8. 155: ronwfoeder ind heslag (Diefenbach s. v. fei'ramentum). bestallen, swv., bietet am frühesten, und zwar in der Bedeutung von obsidere, Ernst von Kirchberg S. 746: eine stat bestallen und iiber- lesten; S. 747: dy solden czthen viirhin Geyn Borne und solde daz bestaUin. Da vsolde der keysir nach in icallin; S. 808 und 813. bestiey f., in der jetzigen Form schon seit dem 14. Jahrhundert, so in den Fragmenten einer md. Evangelienübersetzung in Haupts Zeitschr. IX, 287: und ivas mit d.en bestien, und di engele dieneten ime; im Ordensbuche der Brüder vom deutschen Hause ed. Schönhuth 8. 20: zu beicarene ire bestien, die in bevolen sint; S. 21: an den dingen die zu der ritferschafi gehorent, an bestien, an u:äpene, ane knechten; 8. 22: daz dikein bruder wäpen oder bestien bi namen simderliche sule eischen; S. 31 : dikein bruder sol heizen hüten vremdes vihes oder bestien mit unseren; S. 61 : der meister sol haben ein ros und dn bestien, — — einen prister und einen schillere mit drin bedien; daß bestie hier = müle oder pfert ist, lehrt 8. 66. betrieglich, Adj. und Adv., in dieser Form bereits bei Konrad von Megenb. 243, 18: so ist ir gesiht gar betrieglich und in Bruder Hansens Marienl. 507: her ist recht bedriechlich zu mir komen; aber bei Berthold ed. Pfeiffer .515, 7: mit tanzen und mit treten hast du dinen Itp — — gebrochen üppicllche undie betrügenliche. bettel, m., .schon bei Niclas von Wyle Transl. 161, 3 (a. 1464): ire kind werden — — hin weg geschickt den bettel suchende. beut — heie, f., „Böttcherschlegel zum Antreiben der Keife". Das Wort heie, Hammer, mhd. schon vorhanden im Wilhelm von Oestreich 18687: mü shier grozen heim (: meien) nach Regel: ebenso 12063 (: l£ien), Konrad 8tolle fol. 302'': her fant eyne heigen, dy nam her mit sich und fant synen vater sloffen und slugk on eins mit der heigen\ Purgoldts Rechtsbuch IX, 58: d^r rad^meister }uidt eine heigen vor im, domithe szo SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEUHOCHD. WORTFORMEN. 263 vormanet er cly radtsmann] Hondorff, Beschreibung des Salzwerkes in Halle c. Xin, S. 60: der würcker leget die pfann auf die erden nider und klopfet mit einen kleinen eisernen hammer, der einen höltzernen stiel hat (der sckeep-hammer genannt)^ ingleichen höltzernen hege oder hämmer- gen auff die Seiten oder pförte an der pfannen, wozu man vergleiche Frisch I, 433^ hezirken, swv., findet sich bei Heinrich von Mügeln, vgl. dessen Dichtungen besprochen von Schröer S. 465: ein icdrer arczt der sal von schulden alle dinc bezirken und hewlsen. hiderweib n.; schon Reinmar von Zweter (in MSH. II, 195) 102 sagt: swelch guot man hat ein bider icip-^ Köditz von Salfeld 27, 15: ein zuchtig bidderioi'p macht einen züchtigen bidderrnan ; Gentlie I, 418, 233. bloß, einer adverbialen Bedeutung nahe kommend schon früh in folgenden Wendungen: Livländ. Reimchron. 6880: diu burc wart ver- brennet blöz, (: verdroz) = ganz aus oder nieder gebrannt; 11419 man reit so dicke dar mit her Und braute dar unib so bloz (: verdroz)'^ 11606 biz man die burc gebraute bloz'^ Nie. v. Jeroschin 1587 si hertin unde braut in bloz und 4778; 10253 nCi ivizzit bloz, Sulch gelt sult ir mir gebin\ J. Rothe Rittersp. 2113 nimandin sal her schatzin bloz, Daz her müze betiln gehin ; vgl. bloz decken, aufdecken, im Deutschen Wörterb. II, 146 u. 147. Und endlich, was heißt bloz geioerfen im Pass. K. 285, 52; u. 290, 50? was bloz buzen bei Herbort Troj. 7568? Hermann von Fritz- lar 198, 21: aber da si {= di vornunft) sich keimet in iren gegenworf bloz, do heizit st vornunft. bockshorn, n., im Mittelalter auch als Baumart bekannt: cassia, fistula, bokis hörn, Sumerlat. 56, 6; Diefenb. Gloss. 104^; bei Konrad V. Megenb. 364, 17 kassienroern. Als Beiname erscheint es in Böhmers Urkundenb. v. Frankf. S. 361 : consensu Berthold i dicti Bockishorn. Merk- würdig ist auch eine Stelle in Hans Vindlers Blume der Tugend, Haupts Zeitschr. 9, 86 : es loaer zwar wol, daz got der her Die selben strafet, die im sein er Wellent also nemen hie daz in für ir haub ze stetten Wuochz ausz dem haubt ein poxhorn, Darumb daz sie den hochgeborn Nicht eren loellen. bohle, f., mittelhochdeutsch in der Form bole schon in der Liv- ländischen Reimchron. 8733: zwischen zwene bolen in viel sie'^ vielleicht auch bei Heinrich von Freiberg in der Ritterfahrt des Ritters Joh. von Michelsberg 76 : zwelf kerzen groz alsam die boln (: unverholn), die wurden vor im do ze stunt Mit feuwers flammen enzunt, wo die Hndschr. holn für boln hat (gerade umgekehrt, hol für hol zu lesen ist im Nicol. v. Jeroschin^5961). 264: FEDOK B£CH horax, in., war bereits im 14. Jalirli. unter dem Namen luras vor- handen nach dem Vocab. optim. S. 50' (— XLII, 21): horax ^ biiras; vgl. Schmeller-Frommann I, 267 bon-is, burriß, horax, aurigluten^ chi-y- socoUa nativa, auri sanies; ehemals viel zum Löthen gebraucht, daher heißt es in des Teufels Netz 10898 von den Goldschmieden: pm ras (cod. C. hurras) smelzen und das slaglot Hilft inan dik üsz grosser not. boretsch, hurrdsch, m., tritt schon im 14. Jahrh. auf, im Vocab. optim. S. 52* (= XLIIl, 158) porrago bu/retsch; vgl. Diefenb. Gloss. 79''. bork£, f., dazu vgl. die mud. Übersetzung des Speculum humanae salvationis bei Nyerup Symb. 447 — 448: de schomelster leid de harke af .s-cAe^/e» = Wiedeburg, Ausführl. Nachricht 136: der schnmeister liss die nnden abschelin. borst, m.. „auseinander gebrochene Stelle", aus dem Niederdeut, sehen aufgenommen, wo es bursf^ borst lautete; Homeyers Register zum Sachsenspiegel I, 298 s.v. biirst: Kiudlinger Gesch. der D. Hörigkeit S. 477: icat alsodäner stücke borst is eder weH (a. 1370); Zeitbuch des Eike von Repgow 466, 16: Isleve irdraac van euer icolkenborst ande vele lüdes darinne (y^ex entjjtione niibium cum universo popido est sub- mersa"^). böttcher, m., in dem Rechtsbuch nach Distinctionen bei Ortloff I, S. 101: dy bvttenere adder botchere] im ürkundenbuch der St. Leipzig ed. Fr. von Posern-Klett I, S. 57 : Hans Boteher (a. 1387). brauch, m., taucht gegen Ende des Mittelalters wieder auf bei Niclas von Wyle Transl. 107, 30; 135, 35; 152, 11; 285, 25; 290, Vi u. 33; 311, 3; 326, 11: meist brithe geschrieben, nur 312, 25 des braches] ebenso missebrähe 350, 24 u. 364, 8 (analog heißt es hier auch buhe -^ buch 280, 21 und gernahe = gemach 339, 30 und lihe = lieh 303, 27 j. bucklicht, Adj., vgl. Gesta Roman. S. 137: von allen pugklochte)i und grinttingen. bücking, m., ist aus dem 14. Jahrh. belegt von Kehrein Samml. 5\ Außerdem steht das Wort schon in einem Frankfurter Zollrodel bei Böhmer I^rkundeub. von Frankf S. 505, Z. 8 von unten : item ein stro buckingis ein lichepenig (um 1329); in einem Freiburger Zollrodel (vom 29. Juni 1369) in Schreibers Urkuudcnb. I, 552: von einem tonen hering und. von niaem strov bugging, die hinnan gänt, von der iegllchem git man 4 den.] in einem Zollrodcl bei Fahne Forsch. 11, 2, 90: de tunne herincz. j. engiüiche; de meyse t.nckincsh V. haller; S. 92: item una meysa hackinc- norum (so !) /. den. bündelf n., lässt sich aus dem 12. Jahrh. schon belegen, vergl. Germania 12, 465, 34: Jure die rouden nim ein buniel des peteresiles et SPENDEN ZUK ALTERSBESTIMMUNG NEUHOCHD. WORTFOEMEN. 265 nescelen u. s. w. Ausserdem gehört hierher Otto Rulands HandluDgsb. 29: darin ist 100 püntl^ ye 3 cluczef an 1 imntl; Buch der Beispiele von Antonius Phor 18, 13: iüntU. blind niss, n. , war laiii;e vor dem KJ. Jahrh. vorhanden; so in Schreibers Urkundenb. I, 1^89 (vom 20. Juli 1333): in dirre luntnisse und gel'dbde und in dirre Luntnilst ebenda; S. 407 (a. 1350): nnib die huntnUsche\ ebenso S. 408; S. 411 (a. 1351): umb die hnntnusch'^ in Böh- mers Urkundenb. v. Frankf. S. 074 (a. 13öO): das si luider uns und das reich kein schedlich puninuzz getan hetten; in Ettmüllers Jahrbüchern von Züric'li 02, 21: der bischof hüte mit den von Zürich ain j^untnuss,' 82, 14: duz si dester me glimpfes zuo der puntmis haetint\ 94, 15: daz si den puntnus und den frid getriuweclich an in hielten. cassieren, svw., kennt bereits das Zweite Cölner Eidbuch bei Fahne Forsch. II, 2, 134 (a. 1331): euer (=^ item) insal man in deisnie Loichge ässnidcn noch casseirn noch guetzschin, man inhinde id dein zumaile äs. Wurde euer mit egnchme sämenisse of hehentgeide gecasseirt einch punt he inne, dat insal neit hindern u. s. w. cement, m. und n., erscheint als „nagendes Pulver das zum Cemen- tieren des Metalls^ in der Münze gebraucht wurde, als eine Art Beize zum Scheiden oder Ileinigen schon in Würdtweins Diplomataria Magunt. II, 243 (a. 1399): d'Z solich gelt als er nach dem stallen gemunzet hette nit foUecUchen und gerechte uz deme färe und cemente enqueme; S. 282 (a. 1425) : bedächte aber denselben, das die probdtien nicht glich zo gegangen were und dat die ouen nicht glich mit dem cemente in dem foir getoegen u. s. w.; S. 298 (a. 1437): der gidden sal halten nuntzehen gräit fyns golts äss dem zement sunder remedium und mit dem stryche glich syn der ndlden; S. 251 (a. 1404) : so man daz golt in define zymente prohert hette; ebenso S. 259 (a. 1407); S. 312 (a. 1454): bedächte den selben, daz der ofen ge- rissen were und nit gliche mit dem zymenten inn dem fuwer get7iogen hette ; S. 360 (a. 1477) : gülden schlagen, der iglich halt nänfzehen grädt fyns golds äss dem zyment odir luassir; S. 368 (a. 1477): die montp:en probieren und uffsetzen im zyment odir im wassir\ S. 373: bedächt den .montzmeister, das die prohätz nit glich zägangen oder das der ofen gerissen loere und nit glich mit dem zyment zu dem fewr gezogen heit oder mit dem wasser geuert icere u. s. w. Dazu vgl. Frisch I, 167"; Fastnachtsp. 1153: das ist ein zyment und- peiß (: siceiß) Dorynnen sein sele wird so gep>leicht; 1154: dorynnen nympt die sele ein sollich zyment Hecht als die sunne auf glät zu Orient. Davon findet sich ein Zeitwort zunenten = beizen, scheiden, reinigen, z. B. in den von Leyser mitgetheiltcn Priameln Rosenblüts, in Espes Leipziger Bericht v, 1837 S. 19: als golt von vierundzicentzig OHf; FEÜOR RECH karät Sich Janter zymeni in fetores grdt^ Das es der sechs metal freij stdt, Also ziment sich in dei'peicht Die sele, daz alles daz von ir weicht u. s. w. und bei Roj>enblüt in den Fastnachtsp. 1190: den armen seien. Die in dem fegfeucr mflssen quelen, Bis das sie sich zimenten und vercleren. Ferner ist nun auch klar, was der zimeyüer zu bedeuten hatte, den ich in den Bischöflichen Satzungen über das Eidgeschoß in Zeitz (Zeitzer Osterprograram a. 1870) S. 15 in der Anmerkung erwähnt, aber nicht richtig gedeutet habe; die Erklärungen von Michnay und Lichner im Wortverzeichnisse zum Ofener Stadtrechte S. 298^ s. v. ziment und 21- menter sind hiernach zu berichtigen; vgl. Adelung s. v. cementieren und ceinentierer. Schliel.Uich ist noch die Form sementeu swv. zu erwähnen, = mit Mörtel versehen, bei Eberhard Zersne 64: mit hertem adamante Was sie gefundamentet^ Van iaspide mit sante Was sie fast gesementet. consecrieren, swv., erscheint in dieser Form öfter bei Ernst von Kirchberg z. B. S. 694: konig Frederich, Den solde coromren Der habist und consecriren; S. 763: der hahist Celestinus, d&i' consecrirte toirdiglich Den vorgenanten Hinrich Zu keisirlichen wirden; ebenda consecrdcie, die Weihe, S. 702: der icolde im ouch tun gräcien Mit siner consecräcien. ddtum, n., als Masculinum schon gebraucht im Karlmeinet 539, 1 : der däturn tcart geschreuen up syn gi'aff'^ Würdtwein Dipl. Magunt. II, S. 240 (a. 1399): nach dättini diesis hrieffs und von data diess Irieffs'^ S. 227 (n. 1388): von der data diess brieffs- S. 229 (a. 1389): nff ddtum d. br.; Nicolaus von Basel S. 59 (= Schmidt, Gottesfr. S. 176): unlange vor dem beginne unsers gebüwes zuo dem Griienenwerde und der vorge- schribenen dxiten; Augsb. Stadtr. S. 189; Kurz, Beitr. I, S. 47 u. 300. • däuchten, swv. ; das bei Luther einige Male auftauchende Präsens deucht (vgl. Dietz, Wörterbuch zu Luther I, 464"*) beruht wohl auf niederdeutschem Einflüsse; altmitteldeutsch lautete die Form düket, vgl. Hartmanns Iwein 1872 nach der Heidelberger Handschrift: düket iz (= mhd. dunket ez) und 1945 dvket (= mhd. dunket); ferner Salfeldische Statuten bei Walch Vcrm. Beitr. I, 30: dg zcwolfe dl sullen icechtere gewinnen wo sy düch (= mhd. dunl^e) da st ir bedürfen (14. Jahrb.); Griseldis ed. Schröder 20, 6: vjie dücht dich Um die jungfrowe. d^chaneij f , im 13. Jahrh. schon vorhanden, so in der Hohenfurter Benedictinerregel 21, 3: die sorcsam sin über ir techente; und im 14. Jahrb., so im Henneberg. Urkundenb. II, 7, 6: zu der thechanie (a. 1333)- 69, 10: geeygent d^m stifte und der techeme (a. 1345); Müldener Antiqu. (jröllingens. S. 129: Albrecht techant unser techinigen (a. 1385); Böhmer Urkundenb. v. Frankf. »S. 570; unter unsre dechemen ingesigel\ Ernst v. Kirchberg S. 666 decheny (: däly)\ Renner 832 technie und 9010. I SPENDEN ZUK ALTERSBESTIMMUNG NEUHOCHD. WORTFORMEN. 267 declarieren, swr., findet sich schon in den Deutschen Reichstags- acten von Weizsäcker I, 45 , 12: auscjenomen dises artikels, den icir dedariref und gesaczt haben (a. 1384) ; in den Magdeburger Fragen ed. Behrend 11^ 2, 17 (2) steht dafür dedärin. dedinieren, swv., tritt bis jetzt am frühesten auf in des alten Weibes List (bei Bartsch Mitteid. Gedd.) 24: sican si danne cjäzen, So gingen si dann studlren, Zu andern dedimren] in des Teufels Netz 11723 (nach BC) and soltinds leren decklinieren und och singen. decret, n. , im Schwabenspiegel ed. Wack. 4, 26: aU die meisfere uz decreten und decretdlen hahent gezogen'^ in der Erlösung 2690: rehte als die prophefen Hanf in den decreten Der heiligen schrift vor gesaget. Außerdem decernieren in den D. Keichstagsacten ed. Weizsäcker I, 345, 39: wir sprechen auch erkennen und decernieren mit kungUcher machte (a. 1582j. degradieren, swv., kennt schon das Buch der Könige (die Rep- gauische Chronik) ed. Gustav Schöne 93'': dar umhe loolte der pähesf Innocentius den selben pfajfen degradieret haben, wan daz er a'ppdlieret an einen zukünftigen pdbent'., Ortloff^ Rechtsb. I, S. 206: vjd her sy dygra- diren daz hegst dy icy abenemen. des'pot, m.j linde ich am frühesten angeführt in der Chronik Johannes von Posilge (ed. Voigt u. Schubert) S. 316: des dysbufen sitn, der do herre ist der Boss in und Servye (= Scriptores Rer. Pruss. III, 366) und S. 317: ouch so ist der junge dyshuth geträlich vor di cristenheit. discant, m., ist schon vor dem 15. Jahrh. zu finden: im Reinfrid 23086: ir quinte and ir discante (: zertranfe) gie äz mit süezem schalle^ Bruder Hansens I\[arienl. 3454: wie sold man eynen esel leren pf'fen Oder eynen ox discant lern singend Eberhard Zersne 422; Clara IlätzL S. 235/ 73. dietrich, in., dazu vergleiche man den Ausdruck bei Konrad von Ammenhausen im Schachzabelbuch (nach der Zofinger Handschrift) foL 156'': er sol oach niemanne machen Dieislüssel, daz doch dicke beschihf. dispensation, i\, daraus md. dispensdcie bei Köditz von Salfeld, 40, 20: der farste sante hotschaft in den hof zu Rome umbe eine dispen- säcien] 48, 13: der selbe herzöge kein Rome zoch umbe eine dispensäcien der mageschaß. dAssonanz, f., bei Oswald von Wolkenst. 19, 2, 9: durch manche valsche dissonantz (: concordantz) \ vgl. dissonieren bei Clara Hätzlerin S. 235^ 66. domicil, n. ; gehört hierher danzili^ im J. Titurel 1939, 2: Erec der so schone erstreit Mabdnagrhi ab dem dunzilei in dem boumgarten? 96,Q FEDOR BECH durchlmichtj Adj., md. durchlücht, schon lange vor dem Ende des 15. Jahrhunderts, so bei Ernst von Kirchberg S. 7G9 : sin ditrchlüchte frmce zart Was geheizen Luthgart] und bei Köditz von Salfeld 6, 11: ein edeler dorchlüchtir fiirste] sogar in einer aargauischen Urkunde vom Jahre 1383 in den Beiträgen von Kurz und Weißenbach I, 149: des durliichten hochcrhornen fUrsten, herzog Lupoiden von Oesferrich lantvogt. Das adjectivische durchliuht auch sonst häufiger und früher, so in der Martina 10, 10 tin durchliiihU; gimme'^ Reinfrid 2153 diu minnecUche blilefe Durliuhter dann ein inandel\ 119(31 ir nam Durchliuht als ein karfunkelstein An aller mäsen hresten schein'^ 18684 in durliuhtem golde f'ins släfes trunc. dreihort^ n., erscheint in einem Frankfurter ZoHrodel, um das Jahr 1320, in Böhmers Urkundenb. v. Frankf. S. 505: item ein drihort ein Uchin penig. durchschlag, m., weist schon das Rechtsbuch nach Distinctionen von Ortloff auf, V, 11, 12: durchsieg, preime^ neheger u. s. w. enmüz er (== d.er s^nid) auch nicht srniden. duseln, swv., vgh Deyks, Carm. epic. german. fragmenta, S. 10, 48: ah hi home wände uprihten weder, Do düselde he vort ind viel cht. dutzend, n., ist mir am frühesten begegnet bei Otte Ruhind S. 1 (a. 1444): und beleibt mir mer 8 duczend less^ je 3 duczend vir 1 gülden'^ sonst sagt derselbe tutzet S. 15 u. 36 und tutzat S. 7; mehr entsprechend dem ital. dozzina, franz. douzaine lautet das Wort tüsin bei Ortloff 1. 1. I, S. 204: und icaz sich czühet czu thüsin czal, daz schol man ii ganzen thüsin (Var. dufzinen) vorkouffen: S. 299: der kursner enschol auch kein tCisen (Var. tliasin, tosen, dutzin) noch techericek arbeiten ] Caspar Wein- reichs Danziger Chronik (in den Scriptores rer. Pruss. IV) S. 746: ein tossin schoffelle 2 mk., ein tossin Lokfei 4 mk. Hierher ziehe ich auch eine Stelle in den Chroniken der Deutsch. Städte I, 101, 15: von tcuo- sent wechsi?) werLs oder warnen ^ ß.? "^'o gewiß nur 1 tüsen vehiverks gemeint ist; ebenso erkläre ich eine andere Stelle in den Breslauer Stadtbüchern (im Anzeiger f. Kunde d. Vorz. a. 1871) S. 133: y^sechs tosyn hozen kosten 4 Rh. Gulden'^, wo Frommann schwerlich das Richtige getroffen hat, wenn er auf ahd. tusin, gilvus verv»^eist. echt, Adj. ; als solches ist das Wort z. B. bei Ernst von Kirchberg S. 781 schon zu finden: her gab si zu echten dingen im = in matrimoniuin ei\ und ebenda: di ga^) irs vatir brüdir so Dren greven zu echtir dinge fad, Ir eime nach dem andirn drdd. Die aus dem Sachsenspiegel ab- geleiteten Rechtsbücher mögen zur Verbreitung dieses ursprünglich nd. Wortes viel beigetragen haben; vgl. noch Hildebrand zum Lf;ipziger Sachsenspiegel S. 136. SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEUHOCHD. WORTFORMEN. 269 ehrwUrde, f., am frühesten iu den Deutschen Interlinearversioueu der Psalmen von Graff^ Ps. 68, 23 : du iceis — erwirde mme — - tu scis — reverentiam meam. ehrenfesf, Adj., bereits in Purgoldts Rechtsbuche I, 7: ein fromes iogentsames v:ip, die gehorsam, guülich und. erenveste s1e\ Schönemann, Der Süudenfall 2573 : gy schullen niy sin ein leuer gast, Dat love ik juk fm'stinne erentvast. eifer, m. Noch nicht angeführt finde ich folgende Stellen in den Translationen des Niclas von Wyle: 267, 32 so loord ich (als Esel) von den rossen verargicaenet und veryfert inen als ain eehrecher schaden ze tun] ebenda 267, 35 daz ich umb nichte sölicher yftrye moeht endrünnen] 323, 35 es heschicht aber daz die aller besten cicyber mit yfrung (Eifersuclit) und. argwdne loerden erzürnet. eigensinnig, Adj., im Sinne von spontaneus bei Ernst von Kirch- berg S. 816: da hü'>en sich hunder oder zwenzig Gar eigensinnig sundir spar in. eigemuillig, Adj., schon vor dem 15. Jahrh. lebend bei Ernst von Kirchberg S. 680 (vgl. Lexers HWtb.); Rulman Merswin, Buch von den neun Felsen S. 90: du solt icissen, das kein eigimvillig mensche mag kumen in dirre zit zu swie Ursprünge^ Nicol. von Basel S. 321: sü sint etteicaz einrihtig und eigenwillig. einheit, f., traf ich am frühesten an in den Bruchstücken einer md. gereimten Apokalypse in v. d. Hagens Germania X, S. 168: de vroive vlo und iconete sint An einer grozen einheit, De ere got hatte bereit] hier einheit -^^ solitudo. einig, Adj., = aliquis, idlus ist doch in md. Schriftstücken, nament- lich in solchen, die reich an nd. Formen sind, weit häufiger anzutreff'en als man bisher angenommen hat. Außer Pass. K. 549, 8 verweise ich Beispiels halber auf die obersächsischen Urkunden bei Espe , Bericht von 1845 an die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft S. 11 (a. 1358): ouch leeres daz eninge stad eynen rouher oder mer anvertigete, dar czu sullen in unse voyte und man behulfen sin] S. 21 (a. 1380). wenne unse bürgere ennigen umgen ohir die Elbe füren lassen^ so sidlen sie yo von eim ivagene ohirczufürende gebin czioen pfenninge] ebenda: loere daz ennich gebür adir eyn andir man sien körn mit den burgern ynlegete in den kanen, der sal acht pf. von dem loinschephil gehen] S. 24 (a. 1389) geschegis och, daz engir dar ohir tete und hiiicete] in einer Urkunde Karls IV., gegeben zu Mainz a. 1376, bei Weizsäcker 1. 1. 1, 12, 27: in eyncher hande wys] 13, 6 umh des nches eynches furstentiims herscheffte oder eyncher anderer Sachen ivillen] 13, 9 eynche kriege] 13, \1 ob unser 270 FEDOR RECH geistlicher vader eynche nngunsf oder imgnadc hefte; ebenso 19^ 1 und 2. Sehr häufig begegnet das Wort im 13. und 14. Jahrhundert am Rhein, so bei Godefrit Hagen 418: eynche stat - aliqua urhs\ 520 son- der i^nichen vrisi\ 5f^2 mocjin loir mich ordel geven Dat eyman geit an syn leven? 1G21 it is myr leit , Dat men üch einich unr eicht deit; 2622 we saich Je so wonderliche Eyne vrie stat in eynichen riche Mit bwgen aho umhsat? u. s. w. : Höfers Auswahl S. 10 (a. 1259): quemed also^ dat UV einich {= cor um aliquis) wild funde up deme sineme^ dat mach he jagen; is id onch aho, dat ur einich in des anders lande inde gerihte hüicen hedde, darumhe ensal he u. s. w. : Fahne Forsch. I^ 2, 22 qnemit also, dat einich man van unser hriider schaffe iemanne sm gewant horgede'^ S. 23 so ensal engein unser hrüdere ieme einich gewant horgin\ ebenso n, 2, 45 und 49. Aber auch in den Nürnberger Polizeiordn. ed. Baader S. 256, Z. 2 — 3 von unten: das sie keinem iceinschencken — — in der statt eynichen newen icein — — in eynichen keler oder under eynich oh- tach nyt eynlegen sollen] S. 259 Z. 2 u. 3 und öfter (15. Jahrb.). Am häufigsten erscheint aber das Wort, und zwar seit den ältesten Zeiten, in nd. Mundarten, so z. B. im Urkundenbuch von Hannover ed. Grote- fend und Fiedeler I, no. 142, 40 (a. 1320) : ginge aver der borgen jenech [aliquis) af] no. 143, 43 (a. 1322): icere oc, dat jenech hispräke eder jenech hinder ialiquod impedimentum) an desseme kope worde] no. 218 (a. 1340), 14: icered aver^ dat jenych schelinge loorde u. s.w.; in den Freckenhorster Legenden (13. Jahrh.) bei Dorow, Denkmäler I, 42: d^ frucht xcas so suverlyke roet, soeter dan yenige ander appell) S. 64 he enhegerde noch golt noch sulver offt yenigerleye dynk-^ vgl. auch die Beispiele bei Homeyer im Glossar zum Sächsischen Lehnrecht und dem Richtsteig Lehnrechts S. 587 s. v. jenich u. s. w. Hiernach ist an- zunehmen, daß der betreffende Ausdruck von Niederdeutschland und vom Unterrheine her in das Neuhochdeutsche eindrang. einsam, Adj., und einsamkeit, f. ; vgl. Johannes Marienwerder S. 289 : icy icol ich nicht gerne hy sieze einsamlich (vor 1417). einsiedUr, m., schon in der Hohenfurter Benediktinerregel S. 227 (1, 3): daz andei^ gesUchte sint einsideler (13. Jahrb.); ferner in dem Zeitbuch Eikes von Repgow 272, 28: swate Meinrät en einsidelaere) 323. 30; Anzeiger für Kunde d. d. Vorzeit (a. 1834) HI, 48: heremita, esedelere, mnrh. (13. Jahrb.). e^npfänglichkeit, f., auch mhd. vorhanden, so in den Myst. I, 276, 39: wenne daz öl nUrae enphenglicheit in mir vindet] Meister Eckhart 2Q, 7: sin name ist niht dan ein mügelich enpfenglicheit, und 214, 5; eben der- selbe in Haupts Zeitschr. 15, 409, 5: da inhlibit nicht dan eine inphenc- licheit. SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMITNCt NEUHOCHD. WORTFORMEN. 271 empfehl, m., ist lange vor 1700 anzutrefteD; in den Translationen von Niclas von Wyle 232, 9: durch üwer gnaden en'pfelch: 274, 2: daz er durch enpfelch mis herren gestraffet tvurd. empfehlen^ str. ; die nlid. Flexion dieses Wortes und des verwandten befehlen hat ihre Vorläufer schon im Mittelalter; so statt des plur. praeteriti indic. enphidhen (wie bei Albertus in St. Ulrichs Leben 155) findet sich emphälhen und hevälhen bereits in Philipps Marienleben, vgl. Rückert zu 507; in den Jahrbüchern Zürichs ed. Ettmüller 48, 25: si emphälchent; bei Konrad von Ammenhausen im Schachz. fol. 196* (S. 318): daz ir an zioein stilken mir Emphtdhent Silbers lool zwelf mark\ in der Elisabeth ed. Rieger 4345 si bevolhen\ König Rother 744 se hevälen; — die 2. Person sing, praeterit. du Jevele, jussisti, im Morolf I, 3884; dem entsprechend wird in md. Schriftwerken auch der Conjunc- tivus davon hin und wieder nach der dritten starken Conjugation gebildet, so bei Ebernand 1704 bevele (: sele) und in der Livländ. Reim- chronik 857G: si rieten algemeine sän, Daz man bevelhe (^= bevaelhe) in sine hant Prinzen unde Ntßant. Auch der bei nhd. Schriftstellern (wie bei Lichtenberg und Göthe bekanntlich) vorkommende Imperativ be- fehle und empfehle statt befiehl^ empfiehl findet sich schon im Alterthum, so in Godefrit Hagens Chronik 2658 bevele dich der drweldicheide ! und in Mones Altd. Schausp. S. 103, 3050 : bevel dem ritter^ der hy sfät, den hauer ! empfindung, f.; in den Predigten u. Legenden des Cod. Stuttgard. theol. et philos. no. 64 (a. 1393) fol. 5'' y^inphindunge, experientia^. entdecker, m., im Urkuudenbuche der Stadt Leipzig von Fr. v.Posern- Klett I, S. 243 (a. 1454) : alsus sal iß holden der endeckir (= Abdecker). entdeckung, f., ist mir zuerst im 14. Jahrh. aufgestoßen, in der md. Evangelienübersetzung bei Haupt Zeitschr. 9, 299: ein licht zcu intteckunge (Vulg. ad revelationem) der heidenen. erbarmer, m., in den Deutschen Interlinearvers, der Psalmen von Grafi" (Cod. Windberg. 12. Jahrh.) S. 404: unde du herro got erbarmaere = et tu domine miserator] Germania 4, 447, 26G] GAbenteuer I, 11, 232. erdrauch^ m. , als Pflanze schon in den Sumerlaten Hofimanns 56, 73 : fumus terrae, ertroich (13. Jahrh.) ernde, f., messis, bereits bei Hugo von Langenstein in der Martina 79, 84: in den tugenderichen stadel Hastü seiden vil gesniten Und der richin ernde erbiten^ 269, 26: so ist der ernde ztt bereit. erobern, swv., im Sinne von erübrigen, gewinnen schon bei Hada- mar von Laber 196, 5: verlegenliche geheime (Vertraut sein, Annäherung) dicke erobert Daz (= guod) ritterlichez faren Von fremden (durch Ent- fremdung, durch Meiden) leider nimmer wol erkohert. 272 FEDOR BECH ei'zgruhe, {., vgl. Niclas v. Wyle Translat. 234^ 34: goldes und Sil- bers sint unevschöpfbar ertzgniohen (um 1468). essensspeise ^ f., halte ich für entstanden aus essende speise^ denn ezzende sp7se findet sich schon in einer Cölner Urkunde von 1331 bei Fahne Forsch. II, 2, 37: «bei M. Beheira im Buch von den Wienern 135, 6 essendig speis und ebenso 134, 14; vgl. ezzendez phant bei Lexer HWtl). T, 719; nahfezzende zif bei Nicol. von Basel 166, 3; an ezzenden siten im Pass. K. 431, 86. essenZf f., vgl. J. Haupt, Über das md. Buch der Väter 5 (73), 30: seht da durch und dar inne Vereinet die drt j9e?'50?ien sm In einer essen- den an in] Heinrich von Egwint in Haupts Zeitschr. 8, 229: gotlicher naturen essentie. etwelch^ irgendweich, irgend ein; in etwas anderer Bedeutung schon bei Ernst v. Kirchb. S. 770: daz ungerech etsioilche zid loerete und S. 770: etsicilcJie zid her In ir bleib (= einige Zeit); vgl. Zeno ed. Lübben 1141 ichfesivelke voreden ore swert'^ Bruns Romant. Gedd. S. 358: mit ichtesicelken ridderen^ ürkundenb. v. Hannover ed. Grotefend und Fiedler I, no. 427 (S. 441): ichteswelke use ammechtlüde unde voghede' Janicke im Glossar zur Magdeb. Schöppcnchron. S. 452 s. v. ichteswelke. examinieren, swv., am frühesten bis jetzt bei Ernst von Kirchb. S. 777: dy hatfin dg ersten czicene vur Geexamimret mit der spur. fachen und einfachen, swv., „zum volleren Dasein aufregen"; sollte sich das Wort nicht aus dem alten enphähen abgeleitet haben? Dieß hatte ja nicht bloß die Bedeutung von Feuer fangen, in Feuer ge- rathen. incalescere, wie im Reinfrid 26493 der huf ve/rbri7inet, der ander Hof dar nd enpfähet (: gdhet) und 26502 der huf verbrinnt., der dritte Enpfdhet von der hitze gar\ sondern auch: in Feuer bringen, erwärmen, heizen = enpfengen, vgl. Hohes Lied ed. J. Haupt 1, 10 — 12: der heilige geist ernpjhähet nnde eitet, brennet iinde zerlät de golt odir de silber^ der tieuil inphahet de saffelose holtz und sicerzet ez\ Burkart von Hohenfels 1, 1 (in 1\ISH. I, 201^): loir sulen den icinter Die stuhen emphähen, Wol uf, ir kinder, Ze tanz sul wir gdhen! Reinfrid 17371: daz icilde fiur^ als ez von sicebel Waer empfangen und. enbrant] Oswald von Wolkenst. 32, 2, 11 empfangen sind die Hechten glentze von manger varbe. fanden, fahnden, swr., vgl. die Belegstellen dazu in "Germania 15, 416 und Fr. Pfeifr':^r in Frommanns D. Mundarten Hl, 51". fassnng, f., schon in einer Interlinearversion der Benedictinerregcl, Cod. Stuttg. theol. no. 230 n3. Jahrh.) fol. 47^^: die vazzunge der fuoze, indumenta pjedum] bei Ortloff in Purgoldts Rechtsbuche HI, 8: alle wtb- liche kleyder und kleynofhe: fingerlin, vorspan, krentze, vaatiange, halsbant^ armegolt u. s. w. SPENDEN ZUR ALTERSBESTIMMUNG NEUITOCHD. WORTFORMHN. 273 feietdich, Adj., in Haupts Neidhart von Reuenthal XXXVI, 29: in valde lac ir virelich gewant'^ Weizsäcker D. Reichstagsacten I, 233, 31 (a. 1379j in fewrlichen (Var. feyerlichen) hochzeiten. feigenhlatt, n., vgl. Konrad von Megenb. 323, 12: unzeitigm, fri- schen veigenplefer. feldfluchtig, Adj., tritt schon im Jahre 1462 auf in den Weist. IV, 578 und bei Jacob Twinger v. Königshoven ed. Schilter S. 377 (a. 1476): mün mocht man frogen, ivohin der hertzog von Burgimdy käme, do er zu Grause veldfflüchtig lomi:. fett, Adj., finde ich mitteldeutsch zuerst bei Ernst von Kirchberg S. 764: der palanzgreve Hinrich, Von deme sagit man sulche mere, Daz der also vet loere, Daz ym kein loib mochte so nähin, Daz st kinder künde entphähin, Von sinre groszin vettikeit] vgl. Bartsch über Karlmeinet 341. ßnanzen, pl. ; ehemals finantie, in den Cölner Eidbüchern bei Fahne Forsch. II, 2, 122 : dit is die morgensiwäche van den woichger ind finan- tien] und ebenda: id sy kirnt, dat gheyn man noch loyff loochern ensuelen noch nyemant van yren loegen noch gut verkouffen tzu finantien, of dat finantie heisschen mach (aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts). ßngerzeig, m., kannte man auch im Mittelalter, so in Rudolfs Welt- chronik bei Vilmar, Die zwei Recensionen u. s.w. S. 26 = Tadel; vgl. Reinfrid 2253: al der lip Der sol zieren reiniu wvp An alle vingerzeige (: seige). fenn, n., „Sumpfland", vgl. Weist. IV, 746; Karlmeinet 138, 57: heyde walt ind venne (: Mumgelenne) , Beyde herch ind dael Quämen sy ouer all\ außerdem die finne, ein Höhenzug mit theilweise sumpfiger Hochebene am rechten Ufer der Unstrut zwischen Beichlingen und Naumburg, in Düringer Urkunden hin und wieder erwähnt, so in der Aufzeichnung des Thomas von Buttelstedt (Neue Mitth. des thüringisch- sächs. Vereins ed. Opel XII, 480) uff der Fynne\ und schon in Urkunden der Klosterschule Pforte (a. 1141 und 1177) bei Schöttgen und Kreysig Diplom. Nachlese I, 447 u. 451 grangia in Vinne cum appendiciis suis, flader, eine Baumart, findet sich in einem Mainzer Verzeichnisse erwähnt aus dem Jahre 1319 bei Würdtwein Dipl. Magunt. II, 139: item unus ciphus de vladir; item unus ciphus qui dicitur coppus de vladir; item unus ciphus cum pede de vladir; vgl. vleder bei Osw. von Wolkenst. 4, 2, 30(?). flammig, Adj., schon bei Heinrich von Freiberg im Tristan 1794: sie slügen flammic fiuwer Einander üz den helmen. fleckig, Adj., kennt bereits das Eckenliet 120, 5: des wart sin hals- perc silbervar Von smen siegen vleckic gar. ÜEBMANIA. Neue ßeihe. VI. (XVm.) Jahrg. 18 274 •^T/no-iTjit'.v .iJTinOTr.oEORG JACOB.Ta^H.TTJA m\ zaaz.Tq?'. fteischer, m., in der Bedeutung ,, Henker ''aus dem' 14; Jahrli. über- liefert in Dioraers Kleinen Beitr. I^ 123, Z. 2; und 125y Z. 11. Das alte Wort, an dessen Stelle jetzt ßeischer getreten ist im Sinne von Schlächter (wenn es nicht gar daraus verkürzt ist!), lautete meist ßeischhouii'pr oder gewöhnlich fleisclionwor, vgl. Die alten Gesetze von Nordhausen in Förstemanns N. Mitth. III, 1, 67: swelich unsere vleis- hotcer vinm'c vleish vorkofit\ Freiberger Stadtrecht bei Schott III, 275 und 276 di vleischower hohen ouch eine innunge zu Vrlherc^ Kolocz. Cod- 92, 55; Joh. Rothes Rittersp. 3477: di zimmerlüte tmd fleischoiver, Di mezzerer, hecker und lower'^ desselben Chronik cap. 692; Walch Verm. Beitr. II, 102: fleischauer'^ Godefrit Hagen 283, 296, 316 vleischhemuer. ßiichfen, swr. ; sollte sich nicht hierher ziehen lassen Hadamar von Laber 440 , 1 : daz wild hedarf zool flüchten (: an züchten) hin gen der lecker'ie ? ZEITZ, in den Osterferien 1873. FEDOR BECH. BRUCHSTÜCKE AUS EILHARTS TRISTAN. In dieser Zeitschrift XVI, 338 ff. hat Hr. Graf Hugo von Walder- dorff als Vorstand des historischen Vereines von Oberpfalz und Regens- burg über einen Vortrag berichtet, den ich über einige Fragmente aus einer Regensburger Handschrift des Jüngeren Titurel hielt, und hat bereits bei jener Gelegenheit darauf hingewiesen, daß wohl noch fernere Mittheilungen über ähnliche Regensburger Funde nachfolgen würden. Im Anschlüsse hieran will ich heute über zwei Fragmente aus einer Regensburger Handschrift des Tristan von Eilhart von Oherge berichten, die ich in der Januarversammlung 1873 des hiesigen histo- rischen Vereines vorlegte und besprach. Meine Fragmente stammen gleich den obenerwähnten des Jüngeren Titurel aus dem ehemaligen Stifte Obermünster in Regensburg, wo sie nebst andern verschiedenen Pergamentstücken als Überzug eines von einem Hausbuche gewaltsam abgerissenen Deckels dienten. Es sind zwei Blätter in Kleinoctav mit circa je 100 unabgesetzten Versen, welche durch Punkte getrennt sind. Die Initialen bei dem Beginne eines neuen Absatzes sind roth, die kräftige, deutliche Schrift trägt den Charakter des 12. Jahrhunderts. Beide Blätter sind leider etwas beschädigt, das eine i8t^.auf,^€iner, ^eiteuiaofra») gedoch ziemlich BRUCHSTÜCKE AUS EILHAßTS TRISTAN. 275 leicht zu ergänzen, das andere ist zugeschnitten, und zwar so stark, daß die Ergänzung sehr schwierig ist. Ihre Höhe beträgt 16—18 Centm., Breite 11 — 9 Centm. Allem Anscheine nach entstammen die Blätter demselben Codex, welchem auch die von Barack*) und Roth**) mitgetheilten Fragmente angehörten. Von Koth's Fragment ist dieß sicher, da er es von dem verdienten Geschichtsforscher Schuegraf erwarb, welcher es ebenfalls in Regens- burg aufgefunden hatte; aber auch Barack's Fragment stimmt in Bezug auf Schreib- und Sprachweise, auf Schrift und namentlich auch Initialen mit meinen Fragmenten überein. So z. B. stimmt das mit v über- schriebene o, ferner vv statt w u. dgl. Dagegen muß ich der bisherigen Annahme, welcher Barack und Roth huldigen, daß nämlich ihre Fragmente demselben Codex ent- stammen, aus welchem Hoffmann von Fallersleben einige Stücke publi- cierte***), entschieden widersprechen. Der Beweis für diese Behauptung ist leicht zu führen; es hat nämlich eines der Fragmente Hoffmann's den gleichen Stoff zum Inhalt wie eines der unsrigen und entspricht letzteres dessen Versen 2869 bis 2971. Außerdem ist die Sprache in Hoffmann's Bruchstücken vielfach von jener der Fragmente von Barack, Roth und der unsrigen ver- schieden. Wir stellen nachfolgend einige Verschiedenheiten zusammen und bezeichnen Hoffmann's Magdeburger Fragmente mit M, dagegen unsere Regensburger Fragmente mit R. z. B. : M zuwene, zuwibil, zuwäre, etuswer etc. ; R zvein, zvivel, zeware, etteswer etc. — M niwt, nicht; R nivht, niht. — M sach, sprach, ich, gedachte etc.; R sah, sprah, ih, gedahte etc. — M cuning, kamenaten, cruze, tuwerk, berc etc.; R chunich, chemnatin, chruze, tvverch, berch etc. — M hüte, bete, rehte, scate, sineme, wavone etc.; R hiit, het, reht, schat, sinem, vvavon etc. — M were, wene, spehere, tede; R vvaere, vvaene, spehaere, taete. Schon dieß wenige genügt, um bei dem Regensburger Codex den süddeutschen Ursprung zu erkennen. Es steht also fest, daß bis jetzt zwei unter einander in der sprach- *) Germania IX, 155 — 158. Übrigens kann dieß Fragment möglicherweise auch einem dritten Codex angehört haben. **) Bruchstücke aus Jansen des EninkeFs gereimter Weltchronik. München 1854 S. 37—39. ***) In von der Hagen s Gottfried von Straßburg II, 313 fl; (1823) und in Hoff- mann's Fundgruben, Breslau 1830. I, 231 ff. 18* 276 GEORG JACOB liehen Form nicht selten ziemlich verschiedene Codices des ursprüng- lichen Eilhart von Oberge in ihren Resten vorliegen. Ehe wir an die Wiedergabe der Fragmente selbst gehen, wollen wir nur noch bemerken, daß zufällig für die Scene des „belauschten Stelldicheins", welche in unserm zweiten Fragmente geschildert wird, in Regensburg sich eine, wenn auch nicht der Handschrift gleichzeitige, so doch wenigstens aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammende bildliche Darstellung gleichfalls erhalten hat. Auf einem der ältesten Teppiche im ehemaligen sogenannten Fürstencollcgium des Regens- burger Rathhauses befinden sich, in freier Hand auf schwerer Linnen- unterlage gestickt, 24 Medaillons, je vier in einer Reihe, verschiedene Scenen aus dem Minnek'beu darstellend, und jedes mit einer Um- schrift versehen; das letzte Medaillon der vierten Reihe von oben gibt nun die Darstellung des belauschten Stelldichein's. In der Mitte steht der Liudenbaum, in dessen Zweigen der Kopf des Königs sich zeigt, bedeckt mit einer Krone; unten spiegelt das Wasser eines kleinen Teiches oder Brunnens dieses Bild w^ieder. Links davon steht sinnend und entsetzt über diesen Anblick Tristan, rechts naht Isolde und be- trachtet gleichfalls das Spiegelbild. Die Umschrift lautet: ^ih, sich, in. des. prunne. schel. auf. de. bome. de. her. mein'^. Diese Worte stam- men bekanntlich weder aus dem Eilhart'schen noch dem Gottfried'schen Gedichte, sondern sind nur Erklärung. Schließlich die Bemerkung, daß die beiden Pergamentblätter sich jetzt in der bischöflichen Dr. Proske'schen Musik-Bibliothek in Regens- burg befinden. REGENSBUKG, 10. Januar 1873. GEORG JACOB. I'*) ze der vrovven chemenaten. Do si div chunegin gesah. nu horent wie si sprah. v\^illechoraen Viehez wip. daz du behalden hast den lip. des lob ih got uon hime^e. er M/'as zvare hie nidere. vnd hat dir geholfen uz der not. tetar mir nu denselben tot. den ih dir hat gedaht. oder versenchit mih sin chraft. *) Gottfried von Straßburg v. 129.30 ff. Ausgabe von Reinhold Bechstein in Pfeiffers Classikem des Mittelalters 7. u. 8. Band. [Die cursiv gedruckten, von mir herrührenden Ergänzungen beruhen auf dem aus. den Jüngern Hsb. aich ergebenden exte. K. B.] BRUCHSTÜCKE AUS EILHARTS TRISTAN. 277 also uerre in abgrimc/e. oder vergehe mir mine sunde. so rillt er cheiserliclie. do viel div vrovve riche. brangeue ze vüze. si bot ir gvoze huze. unde minneclilichiv vvort. daz si vergaeze den mort. den si loolde m\i ir began. och sulite brangeue san. der chmieginne genade. daz si ir uergaebe. ob siv ieht hat getan. daz si vermiten solde han. da lagin si beide, mit michelin leide, icaren si bevangin. dar lagin si so lange. daz si niemen nf hup. unz ez si beide dvhte gut. daz si vf stünden, vnd den nit versunden. Do ktistin sih die vrovven zvo. diii cÄuneginne daht do. wie si ergezte brangene. der michelen liebe, die si ir habite getan, do was der vil chune juan. Tristrunt da niht ze huse. er was mit dem chuni^e uz. geriten birsen in den walt. do im daz maere wart gezalt. von Kurvenale sincm trüt. do wart dem herren ... beide lieb vnd zorn. dizze waere bezzer uerborn. sprah er zu der chuneginue. nu des niht moht sin. nv sal verchicsen. durh min liebe. ir müzint ge . . . . n daz si chvme ist genesin. des ergetzint si mit eren. do spch div chimigin here. daz si iz gerne taete. do wart div süne staete. 278 GEORG JACOB Q") Do c'luistin sih die vrovvcn do wart aber Trisirnnt scre uersniten. nv mercliet rehte wa mite. er wart govcht an dem liovc. von einem riehen herzogen. vnd von vier gravin. die des cliuniges hoves phlagin. ih wil iv sa^'m vmb waz. si hatin micheln liaz. daz er mit vrou den lebete. vnd nah den eren strebite. vnd daz beste tete zallefr zit. dar vmb hatin si den nit. wan si vvarin ^elbe niht vromc. als iz vil diche is schin chomen. vnd s:eschiht noh jrein frvmen manne. daz im der böse niht engan daz man wol spreche sin wort svenne so er in lobin hört. mag er iz niht wider reden. er get lihte uon dem Yvege. und spnchet lihte iz ist ein lugene. daz gezaeme uns ?dlin ubele. 5'oMen wir iz merchin. wand mit solichin vverchin. selten nie nehein man. so grozin bris ne gewan. vnd also stäete ander minne. nvra ivngelinge. ^edenchet an die vrumecheit. vnd lazint iv die bosheit vvesin leit. Sver got mit herzin minnet. vnd nah den eren ringet. dem volgit selten vnheil. och mag er icol sin teil. gewinnen al des er bedarf. ovvol in daz er ie loart. svei' biderbe vnd getriv ist. vnd dan vvisliche list . . . .ten an sin herze hat. der mag des habin gütin rat. ob in die bosin niden. wan si ne miigin iz niht vermiden. si muzin im vnwillich sin. 60 is im aVjir min traehtin -/ / T^T^BRUCBS^TÜCK^j AUS BILHABT:^. . TRIßTAN. m-r -, 2^2- und alle. ^^t^liutet, holt. , f., <;jj.\j j^\^ daz hg^t.ftiTiiVercJiieriß^ V.acli;yei;^hA\t nioh ai vnd noh alle tage t.vtwt;^ irri rrocfo hIqvs i)'aih dcnnoh so ist döriil^osilv jfn^lö c-Sn t) isi ob so hart zv im erholgm< tm 'in idvht -lo sßb .ilir\v\;e ob 'lu iiodl'^cj rni vs ir*) Do der chunich in^^en^!^4vMt/tiyfe.^"'" "^ vnd der vvenicrc man. ; . .r , :. vil rcht het uernomcü,;?.^^''.' ;"",' "'[> ^'•'j »» ^ daz tristrant zv der vrow^n'^'il^e'chöiiiön! er sprah zv dem chimige saii. ' ' ^-r herrc ir sult nur mit mir gan. ' ^''^vo'iv vib vnd tvn als ih ivh licizen.^"^'^^'^^" f ^.^ ''f do gien^en ^i mt Akelei ze'/^ "^^.'T« noh is j,h ZV der linden div bi dem brunnen stünf. ^'f C ) ih sag zu Äerre wäz ir tx^t. ^'V''^ f ^''^^ Z'^^, sprah der gotleidige tvverch/","^^^^"^;'^«''^! wir nehabin anders neheinen berch.'"' 7' *^[* vvan ir svlt hel^'lif stigep.'^^'^^j'^ "^i> ^a j? b vnd vil stille svigeül\'^-^ r!'!''^^' 'f ^\ ^^^>« «f' vf disem selbem ,b6me:' ^ •'^* oldoiiivv bnv svle wn- nemeü golne. , ' waz ir gesehet van disefi zvein'.';|*-* ^.'" ^^'* der mane so hebte öcheiri/' ;^'^^^'^^. ^^'^ ^«^^ als iz tach vvaere.^ :.•","''';. '^. r^''* r^ do steich der chvnich'li'ere. ^^"7 ?// den bom als er in hiez. der tvverch des nivht neliez. er ne stiere nah im dar uf. !!f 'roh ih vvaene in sin geselle dar uf hüb. satanas der tievel. ih bin ioh an zvivel. er hülfe im sicherliche. vvan er wil sin riebe. mit im han gemeine. wie moht er in dan so eine uf den bom lazin stigen**). daz si beide got vervvazze. Do ne stvnden si niht cangc. e Tristrant cham gigangen. -.An des loubes er brah. ^ ,j^ und warf iz, in des brunnen wach. er liez ir den span nabf,| , .odo^, 'jbhjii iii':i öTi-jil fiiiu nur xi;b 11 70'IV *) Gottfried von Straßburg, v. 14Ö87.f. r-r-Presdner H»fxdi^^t des Eilhart von Oberge, v. 2869 — 2971. .svod tnoftia ni ?iRvv 0 di ^^^» **) 1- stigeu laain. .iiiJübs OlüWi lih livv di 280 OEORG JACOB, BRUCHSTÜCKE AUS EILHARTS TRISTAN. da duz chruze vf was angescribcn. in dem brunne sah er hi de schimeu. dise zvein oben im stan. do tet er als ein vvise man. daz er nivht uf ne sah. ZV im selben er do »jjrah. nii muz ih leider tot sin. ovvi vvestv chunegin. die hüt div uns ist getan, do floz daz 16p vnd der span. flurh die chemnatiu. div vrovve do vil drate. ZV dem nezzeline giench. da si den span mit viench. Q) si begvnde daz chruze schovven. do v\nste vvol div vrovve. Tristranden in der warte, do ilete si harte, da si den chunen helt vant. do saz der herre Tristrant. vnd winchte alliz wider sih. der riebe got gesegen mich, dat div chuneginne. waz ist disem ivngehnge. daz er niht vf nestet. vnd niht engegin mir get. des was ih harte vngevvowe. ih ne weiz niht wavon iz chome. Do gesah si daz winchin. vnd begund san denchin. im wirret sioaz so iz si. ih waene hier is etteswer bi. der unsir habe yehüt. bi dem brunne si gestünt. vnd wart der spehaere gewar. der mane truch den schat dar. an den brunnen von den mannen zvein. der vrowen wisheit da schein. daz si div ogen niht dar ne cardc. vnd reht also gebärde. als si ir niene wiste. vnd sprah mit grozem liste. tristrant waz sold ih her zv dir. vrovve daz ir helfent mir. daz mir min herre sin hulde gebe. vnd mih abir laze webin. als ih e was in sinem hove. ih wil dir zvare gelobin. J. B. NORDHOFF, ALTWESTFÄLISCHE DICHTUNGEN. 281 dar zu ne hilf ih dir uiht. vvan mir ist harte liep. daz er dtV so gram is. des vvis zevvare gcvvis. daz ih dir dar zv niht nc frurae. vvan ih bin ze vvortc chomcn. von dir ane mine schvlt. ih was dir durh minen herrcn holt. vvan dv si?i neve vvaerist. vnd siner eren phlagest. baz denne die? andirn alle. nu bin ih ze schalle. von dir chomen ane not. taete dir min herre nv den tot. daz vvaere mir vnmaere. nein vrovve durh din ere. dv Salt mih des geniezin lau. ALTWESTFALISCHE DICHTUNGEN. VON J. B. NORDIIOFF. Die Königl. Paulinische Akademie-Bibliothek zu Münster besitzt mehrere, seither gar nicht bekannte, oder docli verkannte Miunelieder in einer Handschrift, deren genauere Beschreibung wir uns um so weniger erlassen dürfen, als sich damit zugleich einiges Licht ver- breiten dürfte über die Zeit und den Ort ihrer Entstehung und andere Dunkelheiten, zu deren Aufhellung sonst keine bestimmten Haltpunkto gegeben sind. Die Handsclu'ift ist von Papier, 26 Quartblätter stark, von ver- schiedenen Händen geschrieben, stellenweise fleckig und unzweifelhaft Fortsetzung eines andern nur 10 Blätter starken Handschriftrestes, der bisher von jener getrennt war. Dieser Rest von 10 Blättern hat mit jener Handschrift gemein das Format, die Wasserzeichen und die Be- schaffenheit des Papiers und namentlich die Art, wie die Blätter ver- bunden sind. Während nämlich die Handschrift von 26 Blättern in zwei Blattlagen vereint ist, bilden die 10 Blätter des schwächern Restes nur eine geschlossene Blattlage und diese war, wie die gemeinsame Farbe des Rückenkleisters zeigt, ehemals unzweifelhaft als erste mit den beiden andern Lagen zu einem Hefte von 36 Blättern verbunden. 282 J. B. NORDnOFF ' V Wcun ausserdem der Ihnschlag des lObliittrigeu Iveslcs .eine Aufschrift trägt: „Hinten in finden sich einige alte deutsche K^Jitic'^ und diese erst am Ende der 26 Blatt starken Handschrift stcähSn'' so ist damit die vormalige Vereinigung beider handschriftlichen qtilqkQ, beziehentlich Reste, wohl erwiesen. .-itl t\i nftvv Jene Aufschrift stammt von der Hand des- letzten» /Besitzers^ des Pfarrers J. Nicsert zu Velen, und sie erffei/''lnSoFoi'ri^' nicht jrerinjxe Verwunderung, als dieser Sammler und Fdrsclier/'derr'Xönst die Local- geschichte bis auf Münzen und Bibliographie^ 5p,|je;p^sig.,find gründlich betrieb, der Sprache und Dichtung seiner HeJmlät ^d wenig Aufracrk- sjimkeit schenken konnte, daß eridie Ckjdiehtci'diöses Manuscripts ein- fach mit der Bezeichnung „einige alte" dentschfeTlfeiniö'* abfertigte. Den Hauptinhalt bilden Formeln fiu' allerVei ßriefe'und Adressen, Urkunden, Verkäufe verschie4f^nqi\ A?;t^;Qui^ulagexl,JlCes^^9nen, Wechsel, Freilassungen u. s. w. ; femer (mit dem Bl. 25) verschiedene Recepte, namentlich zur Anfertigung von Dinten, goldenen Buchstaben, goldener und silberner Kupferschrift*), endlich (von Bl. 26 — 35") wieder For- mularien für Briefe- luicl .yrk\ind^n,, wpyopvin^ci^mebre^^ aus- gefertigten Schriftstücken und Originalen*' genommen zu sem" scheinen. Es sind nämlich mehreren Briefen bestimmte Adressen, mehreren Ur- kunden bestimmte Daten beigeÄi^t' Wnd m einigen dieser Schriftstücke nennt sich die Ausstellerin : Maria Gräfin von Tecklenburg, Äbtissin zu Freckonhoi'st,' oder es handelt sich vorzugsweise um Angelegenheiten des I'reckenhorBt er Stift« odör um 'benachbarte Ortschafteai' wie Evera«- vrinkd, Sendenhorst, Vinnenberg, Lengßrich (t^) ]31atti 26'V 2^6'', 27'V28/1, 29, 04"). ^^ imis'.lt ihh !'fji}> ituy.y.ci-fn 'v>yt\cif*'/^ Die Abtif^sin Maria von Tecklenburg regierbe noch 1517 **:)^i rund Vlieeer Zeit gehören audi die : datierten ürkuiadeii .an;,! die*: g^n«^«n -eyn wenich offt^ ; ^q^ offte fcvpel, 4€ir deyLeyn,!, .,,j,j,„, ,;l. „,f,|;,j ,,i un-ji^-> r. >-iuiuAi:[ 'vyfry. ,„,,,ltem wan |men imlden eder eulven kopperscrmt overstril}:e;n will, so . sal men nemeu pemep , un ^yßm.en dat un^ don ^dar eyeswyt to un raengan dat to iiope und 'laVen'^aii dat dhige werdfen und strikeVi 'dar cTaH' aver MW*^ölae'.''(Bl.^'25»>.)'^ ^'^"^'''^ .üobiiL'*feyjjQaW ÜrfeUAd^'- df^jj-ßti^i^XrcÜivöiiM 1^ iii*)hii/i Hobiod üoi» ALTWESTFÄLISCHE DICHTUNGEN. 283 später; denn dal.N man nicht zu den frühem zu allerhand Formularicn sich eignenden Urkunden zurück;or zu Hamchi*). Wer auch auf den Beitrag, den Johann von Unna p;en. von Soest mit der hochdeutschen Übersetzung der Marc;aretha von Limburg (1471 — 1480) zum deutschen Volksbuchc gesteuert hat, wenig Gewicht legt, weil sie nicht in Westfalen und westfälischer Mundart gefertigt ist**); der wird der Fülle der Volkslieder seine Anerkennung nicht ver- sagen können. Man hat die Vermuthung ausgesprochen, die Sprichwörter, zumal die gereimten, seien die Schlulireste längerer Gedichte, deren Haupt- stock, eine Thierfabel, Allegorie oder Lehrgedicht verloren gegangen, so daß nur die „Moral der Geschichte" in dem zum Sprichwort ge- wordenen Schlulh-eim übrig geblieben sei. Ist diese allerdings sehr an- sprechende Ansicht richtig, so wiese sie auf eine bunte, reichhaltige auf das Thier- und Menscheideben gestützte Lehrdichtung zurück; denn noch heute ist der Schatz der westfälischen Sprichwörter ausser- ordentlich reich und theilweise hochpoetisch; leider ist er zu wenig gesammelt und bringt ihm das moderne Leben immer mehr Ver- luste bei. Die Volkslieder lebten noch bis weit in die Reformationszeit im Munde und Gesänge fort. Die Wiedertäufer konnten in Münster ihren Liedern damit am einfachsten das Verständniss und die Anhänglichkeit des Volkes gew^innen, daß sie ihnen die Form und die Weisen passen- der Volkslieder gaben. Ein Exemplar des wiedertäuferischen Gesang- buches war früher im Besitz des Archäologen P. Tyrell, eines Liesborner Exbenedictiners, und lag noch den Verfassern der „Münsterischen Ge- schichten, Sagen und Legenden 1825" vor, und dieß war, wie Professor Christoph Schlüter zu Münster mir mittheilt, ein kleiner Octavbaud von mittlerer Stärke, gedruckt ohne Jahreszahl wahrscheinlich in Köln (vgl. ib. S. 227). Die Lieder tragen die Überschrift: Zu singen nach der Weise des (Volks)-Liedes . . . Bisher ist es meinen und meiner Freunde emsigen Nachforschungen noch nicht gelungen, ein Stück oder eine Spur dieses Buches oder anderer Wiedertäuferlieder wiederzufinden, und wenn, wie es scheint, sich Nichts davon erhalten hat, so haben der Localforscher, der Bibliograph, der Liturgiker, Dogmatiker und Literaturfreund, jeder für sein Interesse, den Verlust zu bedauern. Verloren sind die Anfänge *) Laube, Geschichte der deutschen Literatur I, 170. **) Koberstein, Grundriß der Geschichte der deutschen Nationallitteratur 5. Aufl. I, 304. — Abt Balduin von Liesbom (1130 — 61) ist Freund des Dichters von Keinhart Fuchs. (Grimmsche Ausgabe S. LXXXIU.) 298 '^- B« NORDHOFF und Melodien der für die Wiedertäuferlieder maßgebenden Volkslieder und es waren gewiß von diesen nur wenige, die eben am passendsten schienen, ausgewählt, die Zahl jener, die noch gesungen und recitiert wurden, weit größer. Verloren sind mit den Liedern die Melodien und sollte sich die eine oder andere in den Liedern unserer Hirten auf dem Felde oder der am Herdfeuer versammelten Gesinde erhalten haben, — es fehlt an Aiiknüpfun«;spunkteD, ihr Alter zu erkennen. So fest gewurzelt und so mannigfaltig war das hiesige Volks- lied, daß selbst die lateinische Litteratur und Poesie der Humanisten, die bis in die Ascese der Klöster*) erklang und dort Pflege fand, es nicht hatte zu beseitigen vermocht. Auch zur Stunde haben sich in Westfalen mit den alten Sagen noch verhältuissmäßig viele Volkslieder erhalten, indeß gewiß nicht die besten und ästhetisch werthvollsten ; mehr mögen später, wo das Volkslied einmal verklang, Nebensachen, wie'z. B. eine geläufige Melodie oder ein humoristischer Inhalt, das Fortleben des einen oder andern Liedes bedingt haben. Dahin gehören die „Zwei Königskinder," „Aus dem Münsterlande'***), „Die beiden Schwestern^' in der Sage und in einem alten Volksliede, welches noch gegenwärtig von den Landleuten gesungen wird. Ausser diesem enthalten die „Mtinsterischen Geschichten, Sagen und Legenden" noch manche, unserm Lande einheimische und eigenthümliche, Lieder und darunter unzweifelhaft viele, so namentlich die Lambertslieder, von hohem Alter, wenn auch mit der Zeit sprach- lich umgestaltet. Sie bringen am Schluße von den oben genannten Wiedertäufer- liedern leider nur vier und Kirchenlieder gar nicht. Auch das Nach- forschen nach alten Kirchenliedern wollen wir berufenem Kräften ^em überlassen und zweifeln nicht, daß sie dabei manche erfreuliche Funde machen werden. Schon die: Alte Catholische | Geistliche Kirchenj- gesäng, auff die fürnem|ste Feste, auch in Processionen | Creutzgängen und Kirchenfärten: | Bey der H. Meß, Predig, in Häu|sern. und auff dem Feldt zu gelbrauchen, sehr nützlich | sampt einem Gate | chismo. | Durch jmedigem Gonsens | deß Hochwürdigen Füristen und Herrn, Herrn Diethe I riehen Bischoffen deß Stiffts | Paderborn etc. AuCgangen | Ge- druckt zu Paderborn, Bey |Matthaeo Pontano. 1 1609 | — ein 12** von 315 bezifferten Seiten, einer Vorrede von 3 Blättern und 53 Seiten für Register und Cathechismu? bezeugen mit den Widmungsworten des *) Vgl. Nordhoff, Chrouisten des Klosters Liesborn 1866 S. 42. **; Bei ß. Hüppe, Geschichte der deutschen Nationallitteratur 1846 S. 104. ALTWESTFÄLISCHE DICHTUNGEN. 299 Buchdruckers Pontanus an den Bischof den seitherigen Reichthum der Kirchenlieder, und nebenbei auch die Gewalt und die Arten des da- maligen Profangesanges. Es heilU darin: . .. „In P^rwegung dann, der Mensche nit gemein von Nature zum Gesänge geneigt, und dahero viele sich bc fließen durch ei tele weltsüchtige Gedicht die Irdische Weltkiuder zuerlüstigeu : Andere durch gcschmincktc hypocritische Syrenengesänge die Unverständigen in Irrsalen und zu- vergleiten^ dagegen aber viele wegen christtragender Liebe und An- dacht unzellige Geistliche Cantiones, so auß den Psalmen Davidis, als alten Krichischen Hymnis in teutsche Rhythmos verfasset, und dadurch Gott zu verehren den Catholischen fürgebildet haben demnach mehre Ursach genommen sich in derngleichen geistlichen Ge- dichten zugebrauche, ist also ein Büchlein auffs ander herfürgangen. Weile demnach. Gnädiger Fürst, durch die menge der Autor n, gedachter Gesänge anzahl, von tag zu tag dermaßen ge- wachsen und zugenommen hat, daß unmöglich ist, alle in ein buch zu begreiffeu, gleichsam das dieselben zumahl von allen überlauffen, gelehret un zum gebrauch gezogen werde, Als hab ich auff antreiben und gutachten etlicher trewherzigen wenig fürnehme Collectanea auß den Alten und Newen nach Arth und erheischung dere Festen und Zeiten außerlesen in ein Fasciculum zusammengetragen und ans Licht kommen lassen, in Hoffnung, weile dieselben wegen deß Büch- leins geringigkeit von jedwedern ohn sonderbare Kosten können zu weg gebracht, durchsungen und behalten werden. Auch daß die materi und Posten theils an sich bekand theils newe geist- und lieb« liehe Gedichte haben, Solle dieser Arbeit nicht allein Vielen angenehm und gefellig seyn, Sondern beyde Jungen und Gewachsenen sich da- mit zu Hauß, Feldt und Kirchen, Christlich zu üben Anlaß geben. ..." Und ein Kenner des Kirchenliedes (B. Hölscher, dao deutsche Kirchen- lied vor der Reformation 1848 S. 81, 143 — 146) theilt aus diesem Ge- sangbuche zwei Wallfahrtgesänge mit, „welche jedenfalls sehr alt sind und nach seinem Dafürhalten wenigstens noch aus derp 15. Jahrh. herrühren." Derselbe bemerkt (S. 104, 105) zunächst hinsichtlich des Liedes: Christe qui lux es et dies. Auch in Westfalen muß es vor der Reformation schon in plattdeutscher Sprache bekannt gewesen sein. In dem ausgezeichneten Gebetbuche: „Oldtvedder Boick. dat is Ein Uther- lesen Gülden Catholisch und andechtig Beddeboick etc. durch Johannem a Detten. Münster by Lambert Raßfeldt 1593 ist es wenigstens als ein older Loversank bezeichnet, welche Bezeichnung sonst keiner Über- setzung von Hymnen in diesem Buche beigefügt ist. Von plattdeutschen 300 J. B. NORDHOFF, ALTWESTFiVLISCHE DICHTUNCxEN. Gcsäiiircu aus dieser ältesten Zeit habe ich sonst nichts Wesentliches auftluden können, obgleich nicht zu bezweifeln ist, daß ihrer wenig- stens einip^o im Gebrauch gewesen sind. Das älteste plattdeutsche Ge- sanirbuch ist meines Wissens: „Catholische Geistlike Kcrkengcsang up de vornembste Feste und BOnstcn dorch dat ganze jähr nüttelick ihn gc^bruken. Sampt den seven Bothpsalmen und andere utherlesene Catholische Lcder und Psalmen. Dem gemeinen Vaterlandt tho nütte in düße körte Form und Sprake avcrgesatt. Gedruckt tho Münster in Westpli. bei Bernard Raßfeld im jähr 1G29.'' Auch dieß Denkmal altwestfölischer Sprache und Poesie ist verloren und nur der Titel Hölscher bekannt geworden. Neues Ravensbergisches | Evangelisches | Gesangbuch j darinnen | Außerlesene Alte und Neue | Gesänge | An der Zahl 400 1 Nebst | einem geistreichen , Gebet-Buch | Und nothigen Registern | enthalten | Mit Chur- Fürstl. I Bran|denb. Freyheyt. | Bielefeld, in Verlegung | Sei. Joachim Dibruchs Wittw. | zu haben j bei Johann ... Dibruch | (1687) enthält in der Vorrede folgende Bemerkung: Man hat ein Zeitlang in dieser Graflfschaft bemercket, daß bald dieses bald jenes Buch wegen Vielheit der Gesänge oder aber wegen einiger Verbesserung der Gemeinde angepriesen worden, da es dann geschehen, daß man theils nur eine unnöthige Last nach der Kirchen geschleppet, in dem solche Gesänge nicht gesungen worden, theils daß man nur diejenigen irre gemacht, welche sothanig nicht ge- kaufft hatten. Ist dannenhero einhellig beliebet worden, daß ein Buch für diese Grafschaft verfertiget würde, in welchen die ältesten und edel- sten Gesänge, deren Melodie bekandt, mit großem Zifferzahl möchten zusammen getragen werden, damit die durchbin brauchbar und füglich an die Tafeln geschrieben werden könten. Solches ist auch eiligst und möglichst geschehen ; und hast du dessen aufrichtiger Leser hier eine Probe; ein Buch von 400 außerlesenen alten und neuen Gesängen, zwar von den alten die gewöhnlichsten, von den neuen die nöthigsten, von beiden die nützlichsten. . . . Professor Christoph Schlüter bewahrt in Abschrift noch zwei geist- liche Lieder aus einem Brevier des Nonnenklosters Niesinck zu Mün- ster, die, wie die beiden ersten Verse darthun sollen, wenigstens noch dem 15. Jahrhundert entstammen und eine geschickte Handhabung des Rhythmus und des Reimes bekunden: Her god hyr vclt eyn scheiden hyr cn is ghyn blyven nicht laet uns dan dar to reiden unde maken unse saken schlicht A. HOEFER, ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 301 unse werck to done bi daghe de uns tor tyd noch schint un myden de late klai»'he dar nummet mcde en wynt. Das andere beginnt: Och god wat vrouden se hyr smakeu de enes selves versakeu un waken van bynnen to gode myt purer mynnen o-estadeHck. ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. VON ALBERT HOEFER*). XXXVII. Dualis im Niederdeutschen. Das nd. Pronomen welches manche sprachgeschichtlich wichtige Form bietet, ist Grammatik I, 780 — 800 ganz übergangen. Die Ge- schichte der D. Spr. holt einzelnes nach, so in dem lehrreichen Ab- schnitt 39 vom Dualis. Hier ist nordfriesisch jat, neuwestfäHsch-mär- kisches gättj iät als dualer Nominativ zweiter Person erwiesen und dem alts. git, got. jutf an die Seite gestellt. Aber die mnd. Zwischenstufe die doch vorausgesetzt werden muß, wird vermist: 'weder die mnd. noch mnl. Schriftsprache verraten eine Spur' dieses Dualis, vgl. 2, 975. Es ist wahr, Urkunden und andere Denkmcäler behelfen sich, wo für den Gebrauch des Dualis Gelegenheit wäre, wie oft genug der Fall, in der Regel mit dem Plural, jede Spur des Dualis darf man deshalb nicht leugnen. Ohnehin liegt ja alles doch an der Form selbst und ihrer Zeit, auf Ort und Art des Gebrauches kommt meist weniger an. Eine seit fast 20 Jahren zugängliche, sichere Stelle, die sich mir gleichwol lange entzogen, findet sich in einem Briefe, den ein vornehmer Mann a. 1443, schlecht aber deutlich und mit eigener Hand aus dem Ge- fängnis an zwei Brüder schrieb : sie lautet im Original genau so : 'wolde gy my hyr boven nycht helpen, dar (dat?) yk quyd worde, so schole yud eyn ysslyck jamer smaheyd vnnd eyn speghel all der werld an my vjesschen vnnd wyl den so sulven my helpen etc. k *) Fortsetzung von Gem. XVIII, 200. 302 ^- HOEFER Die bei£2:etügte Übersetzung gibt: so sollet (Ihr) einen gräulichen Jammer an mir sehen, richtiger: so sollt ihr beide ein jeglicher Jammer, Schmach etc. an mir erfahren und ich werde dann selbst mir helfen; den sO wie noch jetzt: denso. Hier ist yud d. h. jut, obgleich fünfmal (5ri und viermal jiw.jc da- neben steht, reiner Dual, verbunden mit 2. pl. schole und en istik, das oben mit eislik verwechselt worden. Vorher findet sich ynd d. h. in de vor stad, was am Ende auch hier für yud gelesen werden könnte, aber hier ohne Sinn wäre. Die Kenner des Niederdeutschen denen dies nichts neues sein mag, werden sich hoffentlich beeilen, andere Spuren und Reste des alten Dualis nachzutragen. Inzwischen begnüge ich mich auf zwei, zwar wenig sichere, doch immerhin gedruckt vorliegende merkwürdige Formen aufmerksam zu machen. 1. Das Bremische Wörterb. 2, 699 gibt: 'ink, kurz abgebissen in der Aussprache, daü man i kaum hört, in gemeinen Reden statt mik oder mi\ he het ink it secht, er hats mir gesagt'. Der Herausgeber dachte schon an den Dual, denn er erinnert an das westf. ink das richtiger euch bedeute*), er nahm also wol ink für unk den Dualis aber als Plural für den Singular, uns für mich oder mir. Die Möglich- keit einer solchen Erklärung darf zugegeben werden, indessen unk selbst ist wenig nachweisbar**), wahrscheinlich ist also nk nichts als eine Entstellung von mk, mik, das dem vorhergehenden Worte ange- schleift worden, het — nk für het — mik. Der Heliand kennt zwar nur mi, aber mik ist schon im Psalmencomm. Accus, und später ist selbst van mek so gewöhnlich wie van gik, wenn auch örtlich beschränkt. 2. Mit mehr Schein könnte man dem Niederdeutschen sogar ver- bale Dualformen zu erweisen versuchen. Oder wie soll man z. B. wetz d. h. wets deuten, das in Namelos und Valentin der Stockholmer HS. um 1400 fünfmal begegnet und wißet meint? So heißt es z. B. v. 2336: heren, redet ju, — — - tet — — unde wetz dat, gi vinden etc. Vgl. 213. 1581. 2232 und 2375. Die 2. sgl. ist west : gest, sie lautet auch mnd. v:etes, jetzt west und v:etsf, allein sie paßt hier nicht. Aus wetet was allein gemeint sein wird, kann nimmermehr wetz oder ^cets ent- stehen : so bleibt nur übrig, entweder, doch wol etwas zu kühn, an eine dem Schreiber vielleicht geläufige Dualform wie gihats, gebts zu denken. ♦) Vgl, Grimms GDS. S. 975. Koene, Woeste u. A. erwähnen des ink nicht. **; Grimm GDS, 976 kennt es nur als nordfriesisch; doch will A. Kohl Z. f. ä. M. 6, 171 urJcer auch im Egerhnde gehört haben. ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 303 oder einen fünffachen Druck- oder gar Lesefehler anzunehmen. Es ist möglich, ja in diesem Falle so gut wie gewis, daß wetet durch einen auch sonst nachweislichen Zug der Abkürzung etwa wet^ geschrieben und daim wetz gelesen worden. Alle anderen et, tet sind richtig ge- geben, aber der schwedische Herausgeber hat offenbar vieles versehen wie z. B. 468 sclouen, vgl. 140.): 175 u. a. Übrigens hat die HS. bei unzähligen Fehlern doch manch Neues und Seltenes. Ich rechne dazu das noch nicht nachgewiesene fem. däii, mordän, ahd. gatänt, rahd. ge- tsene, welches 264. 295. 320. 1565. 1862 durch die Reime ghän, unt- fän, man gesichert ist, während v. 1539 und 2172 dän : hän fälschlich für dät : hat steht, vgl. 1.597. Die bedeutend abweichende Hamburger HS. hat nichts von alle- dem, statt wetz 213 liest sie merket, statt ddn 264 steht van : ghegän, statt 295 geddn, ja oftmals laßen sich die einzelnen Wörter bei ver- ändertem Ausdruck gar nicht mehr vergleichen. XXXVIIl. Jem, jüm, jum finden sich in den älteren nd. Wörterbüchern mit verschiedenem Sinne verzeichnet, bei Richey: jüm ihnen, Ditm. ihr, euch; im Brem. Wtb. jein ihm und ihnen; bei Schütze: jüm ihnen, ihr, euch; vgl. 2, 187 jem und sem; von neueren bieten Koene, Woeste, Schambach nichts, Danneil kennt neben em auf dem Lande jevi, jüm, jim, Stürenburg jom euch, jüm., veraltet deren, ihr. Aber diese Formen sind außerdem oft besprochen und in gewisser Weise gedeutet: nach Müllenhoff zu Quickborn S. 298 stünde jüm ihr, euch, euer 'statt jim eigtl. ihnen, got. im', nach Z. f. d. M. 6, 142, 19 wäre ;em^ jüm, jum ihm, ihnen, sie umgekehrt 'ursprünglich: ihr, euch, euer. Dennoch werden beide sicher zu sondern sein: vgl. altfr. hi,heer thu,dudu hia sie, hiam ihnen iemma ihr, euer, euch helgol. ja sie, jam ihnen jüm ihr, euch föhr. jo sie, ihnen j^^^ ihr, euch Vgl. V. Richthofen 1080, Z. f. M. 3, 26, Johansen 60. Man sieht, helgol. jam und jüm berühren sich nahe und helgol. jam ihnen und wieder föhringer oder amrumer jam ihr, euch decken einander und doch zeigt die Vergleichung mit altfr. hiam und iemma, daß beide ihren eigenen Weg gegangen und sorgsam zu scheiden sind. Die zum got. hita, himma, hina gehörigen Stämme hi, hia und ihr Verhältnis zu ita, im weiter zu verfolgen ist hier nicht der Ort und ich muß es auf sich beruhen laßen, wenn Grimm Gr. I, 786 in 304 A- HOEFER dem Anlaute Vorgeschobene Spirans' erkannte, auch mag dahin gestellt bleiben, ob in hi : hie oder in him : hiam das Verhältnis besteht, welches lat. is : skr. jas, is : eum zeigt; für sicher und unzweifelhaft darf man jedoch halten, da altfr. hia schon ia, iha neben sich hat, daß sämt- liche altfr. und neufr. mit i oder j anlautende Formen des geschl. dritten Pronomens auf hi^ hj zurückweisen. Für die ohnehin seltenen und beschränkten ud. Formen ßm u. s, w. steht freilich ein anderer Weg als Entlehnung offen, lautliche Erweiterung wie z. B. selbst in jek für ik. Um so leichter und sicherer läßt sich dagegen über die andere Form, den Plural der zweiten Person urteilen, eine wenig oder gar nicht beachtete altfi'iesische und wie man sieht noch fortlebende Form die für die geschichtliche Grammatik hohe Bedeutung hat*), ücnn sowie sich got. thamraa : skr. St. tasma, nach meiner Annahme auch got. imma : skr. St. jasma verhält, so steht altfr. iemma zu skr. St. jusma, jushma und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß iemma, jam, jüm, abgesehen von den Endungen, getrost den gr. vpLetg^ v^i^eg ver- glichen werden dürfen. XXXIX. Pronominales. 1. Das geschl. Pronomen der 3. Person zeigt im Altsächsischen himo ihm, hin ihnen, hira als Gen. pl. ; so wie ostfr. hilm, hum ihm, hn, hör ihr, sie und ihnen, sie, noch fortbestehen. Aber dies sind ver- einzelte, nicht einmal sicher alle dem he angehörige Reste, das ge- wöhnliche Mnd. bildet die entsprechenden Formen vielmehr dem Gotischen gleich von dem Stamme i das dann zu e, ö, o zu werden pflegt. Die gewöhnlichen älteren Formen z. B. des Sachsenspiegels sind: ime, eme ihm, in, ine und en, ene ihn und ihnen, ebenso im RF. eme, em, ene, en, nur daß ome, one daneben vorkommen; wie denn in großen Gebieten schon früher ome, om, one, on, ot u. s. w. vorhersehen. Bemerkenswert ist daß i sich z. B. im westf, ime lange rein erhält und wieder daß der Dativ sgl. frühe, wie in den alts. Psalmen farliet imo, fangit imo, zugleich den Accusativ vertritt, z. B. men schal ehme mit recht därtö driven oder bringen, jetzt: em driven**). *) Der gew. altfr. Plural ist i und gi, iuwe, iu, io, daneben kommen in einem bei Schwartzenberg abgedruckten Denkmale vor: ienima^ ihr, euer, euch, auch iemvian, iemnaf iennaf und zwar die erste an zahlreichen Stellen. **) Ebenso gilt hier nämlich jetzt nur em für ihm, ihn, ^ für ihr und sie; ja 6r ihr ist ein sehr gewrjhnlicher Vertreter für plur. ihnen, wol gar für sie eos. Vgl- mi, di, unser euch u, s. w. ZUR LAUT-, WORT- UND NAMENFORSCHUNG. Dazu kommt aber eine Fülle mehr oder minder merkwürdiger Nebenformen, zum Teil selbst erst in späterer Zeit auftauchend, von denen ich nur eine und die andere heraushebe. So bieten für den Accus, sg. m. die Münsterschen Chroniken nicht bloß enne: dat enne beweget, eum, sondern sehr oft innen, an innen geloeven, innen fragen, innen doeden, cum (daneben: in boven got holden, in werpen), was dann an got. ina, alts. ina, selten: inan, ahd. inan erinnert. Ferner für den Dativ pl. begegnen oftmals im, em, eme, emme, daneben inen, innen, enen, enne u. s. w. Beispiele: Münst. Chron. 2, 142: dat sie teidunge kriegen die im nicht behaget, wo kein he vorhergeht. In der Chron. von Niesink ib. 426 viermal eni: desse hedden einen iungen mit em, vgl. Lüb. Ztschr. 1, 99—104. Sodann Mü. Chron. 2, 67. 115. 272 innen und enne, im Stockh. Val. 39: de wege wGren enen (in H. em) wol bekant u. s. w. 2. Das ntr. it wird im Mnd. bekanntlich oftmals als Artikel ver- wendet, in Rechts- und Greschichtsbüchern , Urkunden und volkstüm- lichen Liedern, vom Sachsensp. au bis zu Neocorus und später, doch keineswegs überall, in sehr vielen Denkmälern sicher gar nicht. So sind außer anderen Beispielen nachweislich: it wif, Ssp., it blot, Eike 555, it slot, Brera. Grqu, it water, Sudendorf 2, 25, it schip, Wehrm. Lüb. Zuuftr., ith vüer, Kraut 78, it lant, Neoc. gl. u. s. w. Ein gleiches it hat man in einer Stelle des Shakespeare angenommen, außerdem ist das ndl. het verglichen, während das Alts, und Mnl. doch nichts ähnliches aufweisen. Es liegt daher wol nahe, in jenem it nicht das Pron. it, sondern eine kürzere Form des angeschleiften Artikels zu suchen, der ja in der Schriftsprache wie in den hd. und nd. Dialekten überall inclinirt und dann seinen Anlaut einbüßt: s. das Register zur Z. f. d. M. So hören wir hier täglich Ausdrücke wie: 't kint is int water, in'n sot follen, bet an'n rant, up'n dak, Gr. 4, 371. Auch steht ja Walthers: setze en weisen üf, oder: läze den hof, gewürme dez fleisch verzert, oder im Tatian 89, 4 ubar iz wazzer, gar nicht anders und so hat auch Grimm 4, 372 das ndl. het offenbar richtig erklärt. Anders steht es um den Gen. is, z. B. Kraut 19: de scolen is sik underwinden, wo die Var. sik des. 3. Im Mnd. findet sich hie und da ein auflfälliges sir, das indes, so verführerisch es aussieht, nichts als eine Nebenform von siner ist und daher langes i haben wird. Vgl. z. B. Niesert 3, 248: so vere als he des Stades rechtes plegen wil und men sir därto mechtig is, oder 276: dat he de sake richten solde und syr nergen an em versümede, wo der Genitiv bei mechtich sin oder bei versümen nicht anstößig ist. GEKMAMIA. Neue Keilie, VI. (XYm. Jahrg.) 20 30(^ A. HOEFT!T? smer selbst ist wenn auch nicht allzuhäiifig doch manchmal nachzu- weisen, z. B. im Stockh. Valentin v. 743: nemen siner to rugge war; Münst. Chron. 2, 198: sie künden seiner nicht finden, hei was därvon; van siner wegen, in den Goslarschen Berggesetzen. Zudem fehlt es nicht an ähnlichen Zusammenziehungen, ich erinnere an nerreleie, nerre- Ji^he gelt in Braunschweiger und anderen Urkunden. 4. Indem ich den etwas verwickelten Gen. des und den noch mannigfach erweislichen alten Instrumentalis hier übergehe, erwähne ich eines besonderen desto, dest, das sich von dem gewöhnlichen, vor Comparativen stehenden desto, deste nicht unerheblich entfernt. Dies Wort begegnet öfter im Sachsenspiegel, wo Homeyer es 3, Q6, 3: deste man ene dore hebbe, und 78, 5: deste he selve irs selves have nicht ne neme, beidemale durch 'so dass' wiedergibt. Zwei andere Stellen im Lüneb. Str. bei Kraut S. 18: is erer mer den en, dest se like därtu geboren sin, so solen se dat like delen, und ebend. S. 21 : desse ding schal men geven to deme herewede, dest se dar sin. des dar nicht en is etc. In beiden Fällen hat der Dreyersche Text einfach so. Für die zweite Stelle paüt am besten Wr daß', für die letzten 'falls, wenn, vorausgesetzt daß', eine Bedeutung, die sich mit dem ersten Inhalte des zur Conjunction gewordenen Wortes sehr wol vereinigen läßt. 5. Neben jenich, jennich führt das Brem. Wtrb. jenne an, welches nach jmeiner Erklärung gleichberechtigt, aber viel seltener ist. Vgl. Lüneb. Str. 11, 9: sin güd uphalden noch bekümmeren to ieme wis, d. h. irgendwie, für jeneme, Dreyer: nenerlei; oder S. 44, 20 und 28: velle den kinderen yen güd an. Daneben besteht mich in dem Sinne von eimc, any. 6. Dem alts. Nom. sgl. des st. Adj. geht alle Flexion ab, nie steht blinder, bliudu, blindat', Grimm 1, 730. Dasselbe gilt vom Ags. Sogar das ehrwürdige 'suäsat chind' beweist nichts dagegen, heißt es, es soll nach Germ. 9, 291 aus ahd. suäsaz gemacht, das unaussprech- liche z zu t geworden sein! Aber gesetzt, der Schreiber kannte kein z und wollte es auch nicht schreiben, warum wählte er dann nicht die ihm geläufige Form, statt zu einem nichts zu greifen, das nur zufällig den Schein alter organischer Bildung bot? Und wie kommt es doch, daß diese Neutralform auf et noch heute nicht ausgestorben^ vielmehr jedet oder grotet, klenet, hlindet in mehr als einer Gegend zu hören ist? Auch dem mnd. Adjectivum ist die Endung et sicher nicht ganz fremd gewesen, wenigstens ist allet, alUnt, disset, desset sehr oft, jent, das noch kürzlich ganz misverstauden, selbst ivelld, solkt u. dgl. mehrmals nachzuweisen. Will man dergleichen nun nicht bloß als eine in der Tat ZVR LAUT-, WORT- UKD NAMENFORSCnUNG. 307 kaum wahrscheinliche Nachbildung erklären, dürftig genug nach dem Verhältnis von it : es, dat : das, so wird man dem Alts, sein unantast- bares suäsat wol belaßen und annehmen müßen, diese alte echte Bildung habe sich, wie an sich glaublich, gleich mancher anderen mit der Zähigkeit der Volkssprache einzeln und beschränkt fort und fort erhalten. Indem ich reichlich zu Grebote stehender Beweise hier spare, er- wähne ich beiläufig als Möglichkeit wie -et beseitigt sein kann, drei Stellen des Stockh. Valentin, in denen auf unbestimmten Artikel und unflectirtes Adjectiv noch dat folgt, so ib. v. 244: imde vant dar vleten ein den dat schrin, in H. ein schrin, ebenso schon v. 164: ein kleine dat schrin, wo dat in H. fehlt, und wieder v. 1261: ein deine dat vetelin, wo für d. v. in H. : vlasschelin. Gibt die HS. was gelesen und gedruckt ist, so scheint dies auf ein ursprünglicheres en klenet hinzuweisen. Jedesfalls ist an das adverbiale m klene in allen drei Stellen nicht zu denken. 7. Das nd. üsik, ösk, welches ich in meiner No. XXIV, angeblich bald nach Anderen, durch fünf am Ende auch entlehnte Beispiele er- wiesen habe, steht auch z. B. in den Urkunden der St. Hannover a. 1356 S. 353: 6k en schal he üsek nicht entsetten der slot unde des ammechtes. Die in Zachers Zeitschrift 2, 506 nachgetragenen jüngeren ösch^ ösek, sek sind alle schon bei Schambach S. 55. 148. 189 ver- zeichnet, irr ich nicht, auch in Z. f. d. M. und anderswo und eben bringt auch B. Spiess sich f. uns aus dem Fränkischen. Die Lust ein älteres sik dieser Art nachzuweisen laße ich mir einstweilen vergehen. XL. Das nd. Verb um heten hat im Alts, hetis, hetid, prt. het, biet, hetun ; im Mnd. betet, het, was mit dem prt. het zusammenfallen würde. Offenbar ist dies mit Grund, daß das prt. schwach hetede, hefte, hete, heite gebildet ward. Diese überaus häufigen Formen stehen wie unser hieß teils activ, teils in- transitiv. Vgl. Germ. 9, 269, 30: so hetede min vader; 27.0, 31 en bür de bete Nicolaus; Graut. Lüb. Chr. 1, 473: de hovetman hetede Peter. Dagegen Ficker 1, 310: bussen de se heteden stürwolt; Brem. Gqu. 87: deden also en ere here hetede, vgl. Germ. 18 S. 1 aus F. Wessel. Und so begegnen Beispiele überall. Merkwürdig ist die genaue Über- einstimmung mit got. haitada, welches buchstäblich übersetzt nur hetede geben könnte. Und so hat ja auch Grein Ablaut 37 im ags. hätte, haette, neben häte, eine für Präs. u. Prät. geltende gotische Passivform 20* 308 A. HOEFER zu erkennen geglaubt, obgleich das Zusammenfallen von mnd. lietede und got. haitada sicher nur scheinbar ist. XLI. Zwei nd. Constructionen. 1. Accusativ als Nominativ. Die scheinbare Verwechslung beider Casus der Adjectiva und Pronomina ist von mir und anderen manchmal besprochen, doch dürften einige klare mnd. Beispiele nicht übertlüliig sein. So heißt es im sog. Koten Buche bei Niesert 3 No. 53: wante unsen räet ninen annevank eu sal doen; ebenda 5, 82 — 83 um 1400 : einen sOne is berämet tuschen unsen heren unde ; oder bei Fahne im Gildenrecht von 1410: dat hie enen £:nedich richter si. Da- mit vgl. Lüb. Ztschr. I, 99: war güden hat is, dar is güdes frede, so! Selbst even sone gilt in den Meklb. Jahrb. als Nominativ. Dieselbe Weise des Ausdrucks lebt hier und anderswo fort, aber: minen man, eren säen is dot, würde man nicht sagen, dagegen: dat was huet n schoenen dach, oder: et was mal n riken koenich west, für nn rik bei Grimm im Märchen, was auch gehört wird. In der Regel steht die n-Form nur wo im Hochd. ein r ist, doch gilt die flexionslose Form daneben und sicher denkt Niemand dabei an den Accusativ, sondern man fühlt trotz der geänderten Form deutlich den Nominativ durch. Der Gebrauch beruht eben nur auf einer Erweiterung der n-Form. 2. Das Part. Präter. bei nd. läten, heten. Die bekannte, oftmals nachgewiesene Construction begegnet nirgends, kaum im Altn. häufiger als im älteren Nd. Man darf nur einige Urkunden nachsehen, um zu Ende wo vom Ingesiegel die Rede ist, sicher neben läten oder heten ein Part. prt. zu finden. So ürk. der St. Brnsw. v. J. 1367 S. 54: an en erkunde desser dinghe hebbe we üse ingheseghel ghehenghet läten to desseme breve, oder 187: gehangen heten. Vgl. Sudendorf 2, 35, 13. 5, 31. 51. 73. 130. 249. 260 u. oft, nach iMen, 57 nach heten. Wigands Archiv 5, 49: läten gehangen. Natürlich kann auch der Inf. hengen stehen, Sudend. 79, oder ^«fen fehlen: wi hebben gehangen, ge- henget, Sudend. 72. Derselbe Gebrauch bei läten in allen möglichen Verbindungen, doch immer mit vorausgehendem hehhen, heft, haddej u. s. w. Sieben Stellen verzeichnet das Glossar zur Mgdb. Seh. Chr., dazu : he wolde om läten vorgeven hebben. Andere vgl. in St. Brnsw. U. 20, 13 und 68, 85 ghesworen läten; Lisch 3, 128 und 5, 2^2] Marienroder Urk. 374, 11; Lük. Ztschr, 2, 68; Fundacie der kerke to Frekenhorst 10: getimmert und gehilget l.; Licht der seien, a. 1484: oftu se recht gedopet hefst läten; Nordelb. Chron. 79 hadde gebüwet läten, aber 3 Zober 469 büwen l.: nd? Arch. für 1844, 31b und 371; ZLTH LAUT-. WORT- UND NAMENFORSCHUNG. 309 Kraut 17, 5 bescreven hebbet läten; Merzdorf 156 hadde ghemaket 1., fecerat; ferner Ancelra 1153 wes hästu uns 1. over bleven, de jodden en lätet uns nicht leven; Korner Hann. HS. 188. 212. 215 u. öfter. Etwas anders in der Soest. F. Eram. S. 595: se hebben den bref sein to laten nicht verwatet, wol unrichtig; oder Hb. Chron. 5.50: sik be- lerende to läten. Correcter: dat he hadde heten tö dödende, Komer Germ. 9, 274, 4. Aus der Masse anderer Beispiele hebe ich noch drei besondere heraus: he sal tö geven geläten werden, man soll ihn zahlen laßen : Marienr. TIrk. 402 so hebbe ek dar ein goding over gheseten uude dat mit vorspreken ghehandelt gän läten unde bestadet alse görecht is: ebenda S. .S80 unde (we) hebbet se hulpen ghede- j^hedinghed unde gheendet. Vgl. Gr. 4, 129, 21^ zu Reinh. 281. Wichtig ist die letzte Stelle die dahin weisen könnte, in sämmt- lichen obigen hehhen läten statt den Infinitiv das Particip zu erkennen, eine Ansicht die zumal bei Beschränkung auf das Mnd. viel für sich hat, aber selbst für das Mhd. nicht ganz abzuweisen ist. Denn offen- bar liegt hier eine Art Attraction vor, wie umgekehrt in: ich habe sagen hören, verglichen mit: ich hän hört gesaget Gr. 169. 128. Ebenso bei Korner 127'" H: also he de breve hadde ghelesen hörd. Natürlich ist jenes zweite Particip nicht an ein anderes Particip gebunden, es steht, unabhängig davon, auch nach anderen Formen, wie schon ahd. im Hvmn. matut. 10: incaleitit unsih ni läzzis, induci nos non siveris, oder Nith. 81. 29: wolde er st geruowet län, vgl. S. 208 giruowen län. Aber warum in den von Grimm genannten beiden Stellen, oder Herb. 1996 er liette in heizen geblant, Nib. 634 B. het läzen daz ge- tan, C. : gegunnet wolde hän, Str. Karl 11410 betest die die vart niht heizen vermiten, heizen^ letzen^ län sinnloser Infinitiv und nicht vielmehr Particip sein sollte, ist nicht abzusehen. Übrigens genört hierher mit vorausgehendem väs auch Beovulf v. 992 thä väs häten Heort innau- veard folraum gefrätvod, da war geheißen Heorot im Innern mit Händen geschmückt, befohlen geschmückt zu werden. Nachtrag bei der Correctur. Über wetz als mutmaßliche Abkür- zung für icttet in no. XXXVII, 2 sollte auf W, Grimm in Haupts Z. 1 , 12 verwiesen sein Vgl. nun auch Lit. Centralbl. vom 2. August? no. 31 Spalte 975. GREIFSWALD, im Juli 1873. 310 K. BARTSCH SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. VON KARL BARTSCH. Die Handschrift 196 der Kölner Dombibliothek, ein Pergament- quartband dos 11. Jahrhunderts, enthält ein, wie es scheint, noch iränzlich unbekanntes dichterisches Werk eines Priesters E. Prora et Puppis genannt, von dem Verfasser einem Bischof Adalbold ge- widmet. Dieß ist, wie Wattenbach*), dem ich die Kenntniss und Mit- theilung der Handschrift verdanke, nachweist, Adalbold, seit 1010 Bischof von Utrecht, j 27. Nov. 1025 oder 1026, ein Schüler Notkers, der 972 — 1008 Bischof von Lüttich war. Der Dichter bezeichnet sich als einen Mitschüler des Bischofs, und war wie dieser in Lüttich unter Notker gebildet. Er war, wie sich aus mehreren Beziehungen ergibt, damals als er sein Gedicht schrieb, Schulmeister in den Ardennen. Sein Werk, welches demnach zwischen 1010 — 25 entstanden ist, theilte er in zwei Bücher, deren erstem er den Namen Prora, den zweiten den Namen Puppis gab; das zweite Buch beginnt Bl. 47' u. reicht bis zum Schi. 63"; den Grund der Benennung gibt die unzweifelhaft von dem Verfasser selbst herrührende Glosse zu Vers 2 an. Es ent- hcält in seinem vorderen Theilc Sprichwörter, erst einzeilige, dann zwei-, drei- und mehrzeilige; daran reihen sich kleine Geschichten e:eistlichen und weltlichen Inhalts. Zunächst interessieren uns die Sprichwörter, weil sie unmittelbar aus dem Volksmunde entnommen sind; die Glosse gibt häufig die einfachere Form an, die in der ge- schraubten Versform weniger klar erscheint. Daher ist zu bedauern, daß die Glossierung nicht über Bl. 11 hinausgeht. Ich theile die Glossen am untern Rande der Seite mit und iügo Verweisungen und Bemerkungen gleich bei. (1*) Incipit libellus Prorae distincte. Secundus vocatur Puppis erata. ad Alboldum episcopum. A. gratia dei episcopo, litterarum studiis admodum instituto, E. servorum dei humillimus presbiter ut eam cui preest ecclesiam digne in dei oculis regere et in extremis verbo et opere cum grege suo suramo pastori possit placere. *) Ge.«chichtfiquellen 1\ 282 f. SPRICHWÖKTEK DES XI. JAHKHUNDERTS. 311 Ambo olim a pueris apud scolares alas in uno auditorio milita- vimus; quo magis novimus nos inter nos et ideo coniidentius privatum- que magis alloqui te, quia fretus de te, hoc rustici sermonis opusculum emeDdandum audeo commendare. In comrauni enim sermone multi Bepe multa loquimtur et plurimis ad usum necessariis exemplis illa vulgi sententia profertur; quod quidem hausi, mecum id reputans, quod in his pliirima versarentur utilia, et si aliquatenus retineri possent per- spicua, que quoniam nusquam scripta fuissent, quo magis mcmori pec- tore servarentur, indiligentes propterea facerent auditores. Undc ego que comminisci per horas {V') interdiu noctuque potui singulis ea versiculis, sepe duobus, interdura tribus^ uti in ordine scriptos videbis preterea novis atque vulgaribus fabellis, aliquid divinisque paucis inter- serens, in duobus tantum coacervavi libellis. Nam non bis qui sunt assidua Icctione ad virile robur exculti, sed formidolosis adhuc sub disciplina pueris operam dedi, ut dum absentibus interdum preceptori- bus illa manus inpuberum quasdam inter se nullas tamen in re nenias aggariret, uti in his exercendis et crebro cantandis versiculis ingenio- lum quodammodo acueret, tum istis potius uteretur. Quoeirca si ad hanc rem utcunque opus sit codicello eo jure in tuam sinceram com- mendo lidem, ut errata corrigas, superflua reseces, ut in te primo post deum permanende securitatis querat asilum. Non enim quisquam, ita ut sciam, et tu perliquido nosti, inventum aliquid*) scriptitans posteris raonimentum de se ullum reliquit. JXilus ut Egyptum perfundit flumine dextro, (2") sie tua percurrat peto lingua diserta libcllum. 1. Ferunt qui de terra Egypti vera didicerunt, quod in terra illius non pluat, sed quoties Nilus ripas suas excedit et finitima arva ablnit, postquam in alveura suum redierit, statim cultores semina jactent, deinde post paucos dies fruetus colligant, et si bis aut ter in anno efFusio ejus fiat, totiens serant et metant. Unde de quodam qui ibi fuerat legendo comperimus, qui hoc asserebat, a die jacti seminis fructum in die trigesimo maturescere, et aditiens *^vidi', in- quit, ibi rem mirabilem, oUam ferventem ad solem, et si credi fas est ova in meridie coquere posse in sabulo . Nam sicut Nilus effluendo fin,itima looa per- currit et cultores letificat, ut inde spem vivendi habeant, ita tu excurso libcllo et emendato, ut paucis possit prodesse, letificabis auctorem. 2 — 4. Ineipit iste libellus cui nomen fecunda ratis, eo quod plena jocis et rusticis instrumeutis, et sicut navicula dividitur in duabus suis partibus, prora et puppi, ita et iste. libellus, cum sit unus, in medio suscipit sectionem, ut prior pars eius vulgaribus stipetur exemplis, altera propter mixturam veteris testamenti et novi aliquid altius quasi fre fulgidiore \ideatur obtecta. ^) Zwischen inventum und aliquid von anderer Hand übergeschrieben: hinc. 312 K. BARTSCH Imtris foeta Jocis divcrsa aplustria portat, cujus prora nitet vario distincta colore. 5 Sic me juvisti velut ardens flamina tectura. Absque suo nihil eventu consistere dicunt. Ad cujus veniat seit cattus lingere barbam. Omue bonum pulcre veniens in fiue beatuni. Jure canes rumjmnt niaculantcni furt'urc vultuni. 10 It lupus inter ovcs cum sermo ccditur indc. Kana super sedem velotius exit honorem. Sic ubi torret amor mirantur luniiua formam. Crebra manus palpat quo menbra dolore coquuiitur. Tecum migret honor solus quocunquc recedas. 15 Qui rem disuadet caram sibi suscitat iram; Nam quod fastidit perfecte nullus amavit. 3. Aplustre dicitur in(8)trumeiituin navicule qualis naviciila et alia ejus armamenta, et quia dicitur parva, ideo portat et levia. 5. Quando in contra- rium vertuntur auxilia et plus offitiunt quam juvant; hoc utimur exemplo : ven- tus solet domuin urere, uon liberare. G. Nichil potest fieri quod non eveniat secundum piedestinationem suam. In deutscher Fassung: swaz geschehen sol, daz geschiht, bei Zingerle, die deutschen Sprichwörter im Mittelalter S. 50. Die dem Vf. vorliegende Fassung war aber: Iz giscihet niwiht wane daz ge- scehen ecol; vgl. G. Frau 858 i\ 7. Quando inpune aliquid agitur et pre- sumptor neminem prelatuni metuit. Vgl. Die Katze leckt nicht jeden Hart, bei Wander s. v. Katze Nr. HO; die Katze weiß wohl warum sie den Bart leckt (welchen Bart sie leckt) Nr. 136. 137. 8. Non laudat deus initium . sed finem bonum. Ein genau entsprechendes Sprichwort kenne ich nicht, docli gibt es manche verwandte; vgl. Der Anfang und die Mitte gut, ohne gut Ende nichts nützen thut, Wander s. v. Anfang, Nr. 39; daz anegenge ist selten guot daz bresez ende hat, Walther v. d. V. bei Zingerle S. 13. 9. Qui se sponte commaculat furfure dignum est ut a canibus consumatur. Über furfure im Texte : quod excutitur de farina. Das bekannte Sprichwort: Wer siel» unter die Kleien mischt, den fressen die Schweine (Säue). Mlid. melnfach bei Zingerle S. 136. Nirgend aber begegn»-t darin der Hund statt des Schweines. Die Fassung des ll.Jahrh. war vielleicht: so wer sich under die klien miscit, vone sculden in der hunt vrizzit. 10. Cum de lupo loquirnur solet inter oves venire. Mhd. sf't man den wolf nennet, so (= sa; er zuo drenget Zingerle S. 17 7. 11. Si ranam posueris in loco palliato, cito tibi indc saltabit in luto. Setz' einen Frosch auf goldnen .Stuhl, er hüpft doch wieder in den Pfuhl, Wander s. v. Froscli Nr. 43, und ähnlich 44. .';. 6. 12. Ubi amor. ibi oculus. Wo man liebt, da ist das Auge hingewandt, und wo's schmerzt, da ist die Hand, Wander s. v. Liebe Nr. 142. lllic est oculus qua res est quas adamamus Denkmäler XXVII, 2, 81. 13. Ubi dolor, ibi frequens manus herebit. s. das eben angeführte Sprichwort. Est ibi uostra manus qua nos in parte dolemus Denkm. 27, 2, 57. 14. Non solum inter multos, sed etiam ubi solus fueris, honore fruaris. Kein Sprichwort, sondern ein Segenswunsch. 15. Qui hominem de re cara aver- tere velit, inde sibi odium excitabit. 16. Non est perfectus amor qui tibi fastidium generabit. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 313 Defuncli vitiili senior bos tergora traxit. Ante novaiii moriens prociimbit cornipes herbam. In curte est pecus adveniens iiutritus apud riis. 20 Compescatur aqua quod quisque minatiir in igne. It sero canis ad coplas senioribus annis. (2*') Non semper pueri nee edendi teni])ora mora. Non quecuuque vides intentant nubila uymbos. Ossa canes rodant ubi noctis tempore latrant. 1^0 Unde oneras plaustrum pavor in temone resultat. Non sie veste nova saturo quam ventre joeatur. Quid comedat sapit omnis avis per eoruea rostra. Qui fuerit lenis tarnen haud bene creditur amni. Digresso pastore pecus dilabitur omne. 3o Quam euperet meretrix incestas vivere eunetas. 17. Sepe solet bos corinm vitiili ad molendinam traheie; ita et senex tenerum puernm (jui non spi-iat vivendo superat. Vgl. Avand niurt veel que vache, Haupts Zeitschrift 11, 144. 18. Antequam herba veniat sepe videtur equus inortuus. Das Pferd stirbt oft eh das Gras wächst, Simrock Nr. 7847; Stirb nicht, lieber Hengst, es kommt die Zeit wo Gras wächst 7848. 19. Puer rusticus domi nutritus in curte est brutus quasi pecus. man hat ein heim ge- zogen kint ze liove dicke für ein rint. Freidank 139, 14; vgl. Müllenhoft" u. Scherer, Denkmäler S. 324, zu v. tiO. 20. Qui tibi minatur malum ea qua poteris debes oppositione extinguere. Es gibt wohl manche sich im Sinn«- be- rührende Sprichwörter, aber keines das dieselbe Einkleidung hätte. 21. Vete- rem canem ante desuetum tarde coges in vinculis currere. Swer alten hunt ze lannen leit, der vliust et michel arbeit, Freidank 109, 26, und viele ähnliche bei Wander 2, 818 tf.; vgl. MS. Denkm. S. 325 zu v. 129. Altfr. tart est veil chien mettre au lien, Zeitschrift 11, 118. 22. Mora per totum annum non morantur nee semper presto sunt pueri qui ea manducent; ita et bona tempo- ralia non possunt esse continua. 23. Omnes nubes qu^ videntur non con- tinuo pluviam prestant; ita et homiiunn mine ad operationeni non perveniunt. Nicht alle Wolken regnen, Simrock Nr. 11818. 24. Ibi canes debent ossa rodere ubi contingit eos latrare; sie et calones ibi pauem manducare ubi onera portaro. Wo der Hund bellt, da mag er auch fressen, Wander s. v. Hund Nr. 1323. 25. Quicquid super plaustrum posueris, hoc ad temonem trahen- tium animalium venit; ita quicquid a servis delinquitur, ad correctorem familie destinatur. In der Fassung vergleicht sich: Swer sinen wagen überladet, der brichet in, Zingerle S. 16 '. 26. Plus quam nova vesto letificantur pueri saturo ventre. Ein voller Bauch ist besser als weiße Manschetten, Wander s. v. Bauch, Nr. 76. 27. Quamvis aves habeant corneum rostrum, tarnen quid edendum sit sapiunt. 28. Lenis aqua sepe profunda est et ripas consumit; sie et tranquillus homo invidia torquetur et aliis maus quibus potest machinatur. Stille Wasser sind tief; der entsprechende altdeutsche Ausdruck für lenis wird lise gewesen sein. 29. Ubi non fuerit pastor . grex in dispersionem vadit. Wenn der Hirt die Herde verlässt. so zerstreuen sich die Schafe, Wander s. v. Hirt Nr. 53; vgl. auch 62. 30. Ubi fuerit meretrix, omnes feminae sibi similes vellet, et nuilam pudicam. Ein Hur weit gern das alle frommen frawen hum weren, Wander s. v. Hure Nr. 4:2. 314 K. BARTSCH Castigat natam 'quod sum nc desere' scortum. Ignis anocibus ore licet privignus at idem. Non nuriii placet ulla sue nisi mortua socrus. Pormissa est magne plerisque licentia culpae. 35 Dum deerit cattus, discarrens conspicitur mus. Fortis ab invalido metuat persona periclum. Sepe leo fortis muscarum sumitur escis. Cousumptum redit in nihilum rubigine ferrum. Venatur tristis ciü desunt crustula panis. 40 Qui male consulitm' melius quid suadet agendum. Cum bove non ludant vituli per cornua victi. Bos nisi vult bibet invitus dum ducis aquatum. (3*) Vitibus ut mater tantum nocet ipsa capella. Promptius instabit res quisque suas alienis. 45 De pulera subolent contracta piacula pelle. Iste supervacuus tamquam poletrinus in hoste. 31. Mulier incesta docet natam talem se prebere qualem se videt pre- cedere. 32. Vitricus sive bene sive male faciat privigno , continuo in ad- versis habebit eiindem, rarissime in prosperis fidum. 33. Inter socrum et iiurum ex autiquo rixe fuere coutinue; econtra nurus nunquam letior quam ut socrum raortuam audiat. 34. Omnes deteriores fiunt licentia. 35. Ibi mures perstrepant ubi cattus videtur abesse; tales et pueri absente magistro. Als die katze üz kumet, so richsent die miuse, ßerthold bei Zingerle S. 79. Wenn die Katze nicht daheim ist, haben die Mäuse ihren freien Lauf, Wander 2, 1192. Altfr. la ou n'a chat sorit se revelent, Zeitschrift 11, 137. 36. A majo- ribus, non semper miuoribus injuria est irroganda, quia ab his potentiores aut jure aut de vita possunt periclitari. 37. Interdum improbe musce leonem bestiarum fortissimum vel mortuum comedunt; sie et pauperes injurioso prin- cipi si non vivo vel mortuo derogant. Vgl. Ist der Löwe todt, so raufen ihm die Hasen den Bart, Wander s. v. Löwe Nr. 64. 38. Rubigo levioris nature forte ferrum consumit. Rost frisst Eisen ; in mhd. Fasöung bei Zingerle S. 123 f. 39. Non letabitur sola venatione cui domi contingit panis de- ficere. 40. Multi aliquando aliis bene consulunt qui sibi non possunt nee aliis bene suadentibus credunt. Vgl. manec man git guoten rät der im selben keinen hat, Zingerle S. 118. 41. Meticulosa res est vitulo cum forti bove luctanti; sie invalido cum fortiori rixanti. 42. Bos minatur ad aquam nisi sitiens bibere cogetur ; ita et in malivolam animam non introibit sapientia. Man kann den Ochsen wohl zum Wasser bringen, aber nicht zum Saufen zwingen. Wan- der 8. V. Ochs Nr. 128, und die dort angeführten dänischen und holländischen Sprichwörter; ebenso Nr. 195. Vgl. auch das westfälische me twinget wuol en lesel int Water, awwer nicht dat he süppet. Wander s. v. Esel Nr. 342. 43. Quantum nocet capra in vinea, tantum et filia ejus; ita quod faciunt mali parentes, imitantur noxii filii, 44. Iste mos inter nos antiquius inolevit nostra potius curare quam aliena. 45, Sub magna pulcritudinc corporis latet viciosa contagio mentis. under schönem schade lüzet, Pf. Konrad 71, 16, 46. 47. Stultus aliquis non magis est necessarius inter reliquos quemadmodum nee poletrinus in comitatu exereitus et quinta rota in plaustro. Er ist das fünfte Rad am W^agen war bisher nur seit dem 14. Jahrh. bei Boner belegt. SPEICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 315 Quem fastidimus, qiiinta est nobis rota plaustri. Propter cqimm magis incedes secure, viator. Cornice inmuni tollet stipendia milvus. 50 Gallina ut semper trahit anteriora retrorsum. Tu circa puteum noli discurrere, psaltes. Injustis alienns amor ne crede novercis. Dum durat follis semper dominatur asellis. Invidia puer et vetulus coDSumitur ira. 55 Regem habeat comitem qui regi comparat hostem. Dei3ita longa trahens pro frumine solvat avcnam. Qui frustra sua consumunt, aliena catillant. Inplet et exten dit locupletem curta supellex. In scamno fatuus tibias per inania vibrat. 60 Vocis in articulo stolidus dinoscitur erro. Quo careat quis nummatur? solum superest pus. Morbus ovem que sola gregem mox inquinat omnem. 48. Melius viatori equum secum ad onus portandum in via ducere quam sine eo solum incedere. Über propter steht die Glosse iuxta. Vgl. Besser den Esel treiben als selbst Säcke tragen, Wander I, 855. 49. Cornice incon- sulta soli dabimus stipendia railvo; bis quos timemus daraus, infirmioribus nulla largimur. 50. Gallina ut pura grana legat in posteriora trahit anteriora; ita et nos in poetarum scriptis abiectis sordidis utiliora queramus. Über semper im Texte steht die Glosse s(cilicet) solet. Die Hühner scharren überall rück- wärts, Wander s. v. Huhn Nr. 48. 51. Si sanus sis circa puteum noli fre- quenter currere ne fürte in co contingat oppetere; ita et de majori te non debes temere injusta tractare. 52. De injusta noverca non sunt privignis salubria querenda consilia. 53. Non est spes asinis dominis carere dum pendet follis in pariete. 54. Senem frangit iracundia et puerum necat in- vidia, ut Salomon ait. 55. Qui adversus regem debet occurrere in bello, necesse est ut regem habeat in auxilio. Über hostem steht s(eilicet) se; aber hostem bedeutet hier wie v. 46 Heer, afr. ost 56. Debitor malus et inobs pro frumento solvat avenam, quia si posset mutare invitus eandem. Für alte Schuld nimm Haferstroh, sonst machst nur Advocaten froh, Simrock Nr. 9234. 57. Qui perdite vivunt et sua sine temperantia devorant, aut furando aut verenter petendo ad aliena transibunt. Vgl. Wenn der Verschwender nicht eigene Güter hat, so nimmt er was er findet, Simrock 10899. 58. Hi qui minus habent semper sua addunt ditioribus. Vgl. Die Armen müssen geben, dali die Reichen können leben. Wander s. v. Arme Nr. 84; die Armen müssen die Reichen er- nähren Nr. 82. 59. Istud omnibus notum et vulgo visum, fatuos in scamno sedere et ex more crura movere. Vgl. die Redensart Einen Esel ausläuten , wenn jemand mit den herabhängenden Beinen schlenkert. 60. Stultus dum tacet intelligitur aliquid esse, ubi incipit loqui deprehenditur cujus sit ingenii. Wenn der Narr schwiege, so wäre er weise. Wander s. v. Narr Nr. 998; wenn der Narr schwig, so hielt mau jhn für gelehrt und weiss Nr. 999. 61. Qui multos nummos habet in arca omnia habet necessaria, sola deest pustella. 62. Una ovis morbida totum gregem commaculat. Ein räudig Schaf steckt die ganze Herde an, Simrock Nr. 8808. 31fi K. BAFTSrH (3^) AJbior est nequidcm cornix studiosa lavandi. Famina nostra docet picara esuries imitari. ^5 Nam livor fjuibus est plenus vetat ossa caninus. Subsidet in tecto passer, dum mißrat hirundo. Qui picas fovere habeant quod dicere nolo. Nondum vonit in iitre suo, jam Baccbus acessit. Qui telam orditnr telara disterminet idem. 70 Pluris enim constat dilatio nocte sub una. In quo sunt similes aper et rubicundula vnlpes? Corticis et ligni medium ne fixeris une:uem. Ordea manduces panis dum coo^it e^estas. 63. Imininente pluvia cornix se magis aquis immergit, sed niger color naturaliter insitns in albedinem nnnqnam vertetur; sunt multi quidem qui lau- tiores volunt videri quam sint, sed id nulla sua ratione merentnr. sich badet diu kra mit allem fliz und kan doch niemer werden wiz, Freidank bei Zingerle S. 84, wo auch andere mhd. Belege. 64. Corvus et alip plereque aves propter esuriom ventris discunt hominum verba formare, sed venter magister artls compeliit hoc facere. Vgl. Hunger lehrt viel Künste. Hunger ist der Künste Meister. Wander s. v. Hunger, Nr. 79. 103. 65. Canis invidus cum fnerit o?sibus plenus, cum non ipse amplius poterit nee aliis contingere per- mittit, est enim quilibet homo qui hoc habet parcitatis vitium, id quod habet sibi soli habet, nulli partitur amico. Ein böser Hund frißt selber nicht und lässt auch andere nicht fressen, Wander s v, Hund Nr. 349; Ein neidischer Hund mißerönnt fremdem und eigenem Schlund Nr. 498; Der Hund liegt auf dem Knochen : er frißt ihn selber nicht und lasst ihn von keinem andern fressen, Nr. 236. 66. Multi passeres nobiscum perpetuo perseverant, cum hirundo semel in anno redeat; hoc datur intellegi cultiores debere esse nobiscum in servitio perseverantes quam novitios hospites. MS. Denkm. S. 326, zu v. 155. 156. Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier, Simrock Nr. 9330; vgl. 9331. 67. Qui aA'iculas delicate nutriunt, quid aliud pro diligenti cura foventibus reddunt nisi quod stercora dicunt. 68. Antequam in utrem mitta- tur vinum acessit : hoc proverbium illi.s dicitur qui nuper regimine accepto ante incipiunt in subjectos insanire quam bnne vite exemplurn mon(s)trare. 69. Qui res perperam involutas et clausas proponit, quis melius solvit quam qui eas ne aliis paterent conclusit? Wer ein Gewebe angefangen, muß es auch zu Ende weben. Wander 1, 1651. 70. Indutio unius noctis dicimt valere centurn .solidis. Vgl. Über Nacht kommt Rath, Nacht bringt Ratb, Wander s. v. Nacht Nr. 82. 93. 71. Quando due res sunt dissimiles et inter se differenfcs, uti- mur hoc expmplo de majore ad minorem , ita similes quem admodum aper et vulpes. Vgl. Fuchs und Löwe zugleich sein, Wander s. v. Fuchs Nr. 415; auch Nr. 413. 418. 72. Inter cortieem et lignum nemo potest digitum inserere; sie non debes inter patrem et filium, virum et uxorem legitimosque amicos discordiam seminare. Zwischen Holz und Rinde muß man nicht die Finger legen, Wander s. v. Holz Nr. 281. 73. Si semper fueris usus pane farreo et reliquo bene purgato, priusquam fame pereas, meo consilio , si ad manum venerit, utere ordaceo. Besser Haferbrot als Hungersnoth , Wander 2, 257. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 317 Corvus non crocitando cadaver solus haberet. 75 Absque suis paleis nequit ulla annoua venire. Dum flagrat vicina domus, sors proximal ad te. Non sincera levat sua qui pulmenta supinat. Ignavum mordere canem haud vereare latrantem. Plaustra molendino ut veniunt, discedite, folles. 80 Pane quis attentus, nimirum attentior auro. Qualis ad ediculas, non talis in hoste voluptas. Heu male sorbet eas quisquis non digerit oifas. (4") Castrum munitum testudo facit rigidorum. Verbera debentur pueris^ reverentia canis. 74. Corvus ubi receos cadaver iuvenerit, importuna voce inclpit crocitare et suam multitudinem provocare, quod solus totum posset habere, dum modo veliet tacere. Wenn die Krähe das Krächzen ließe, so fräße sie das Aas allein, Wander s.v. Krähe 97, und das dort angeführte holländische Sprichwort. 75. Non est annona que sine suis nascitur paleis, nee quilibet homo sine sua qualicunque animi vel mentis ratione. Jedes Getreide hat sein Stroh, Wander 1, 1640; kein Korn ohne Spreu, Simrock 5875; Wander 2, 1542. 7G. Cum quis viderit vicinam domum tlagrantem, tunc poterit estimare eundera ignem comminus venturum esse. Wenn des Nachbars Haus brennt, so ist auch das deiuige in Gefahr, Wander 3, 831, und ebenda viele ähnliche Fassungen. Altfranz. Zeitschrift 11, 126. sors steht über der Zeile, in derselben auf radier- tem Grunde ibi. 77. Si casu aliquo tua pulmenta ad terram ceciderint, nee integra nee purgata levabis; sie et aliquis minus sapiens si spreto consilio ad dampnum veuerit, raro in integrum restituet quicquid inconsultus amiserit. Ahnlich: Dem seine Speise stürzt, kann sie nicht all aufraffen, Simrock 9687. 78. Non est adeo canis timendus latrans dum tunc mordere non audeat; ita multi minanles non sunt pavendi, quorum presumptio nuUa est. Bellende Hunde beißen nicht, W^ander s. v. Hund Nr. 56; Bange Hunde bellen viel Nr. 50; Furchtsam Hund bellen die Leut au, beißen niemand 632; vgl. auch Zingerle S. 73. MS. Denkm. S. 325, zu v. 111. 79. Dum plaustrum frumento onera- tum ad molendinum venerit, folles eitiuntur in angulis; ita minores cedunt dum ditiores adveniunt. 80. Qui parcus fuerit in pane dando, nimirum parcissi- mus erit in auro. 81. Nullus potest tali perfrui voluptate longe positus in exercitu qualem posset in privata domo. Vergleichen lässt sich : Daheim (zu Haus) ists am besten, Wander 1, 547. 2, 420. 82. Qui non potest digerere quod manducat, ad tormentum veniet, dum languescit (Hs. lanquescit) in ventre quod non potest exire. Zu vergl. Man muß den Bißen nicht größer machen als das Maul ist, Wander 1, 386 ; Wer zu viel auf einen Bißen nimmt, stösst leicht ein 1, 387; Wer zu viel gegessen hat, bekommt leicht Magendrücken 1, 896; Wer zu viel ißt, kanns nicht verdauen 1, 896. 83. Ille locus satis vallo et propugnaculis communitus ubi fuerit fortium militum conglobatus exer- citus. 84. Neglegentibus pueris verbera debes intentare ut corrigantur, senibus et canis quo digni sunt honorem impendere. Vgl. das Alter soll man ehren, der Jugend soll man wehren, Wander 1, 61; die Jungen soll man lehren^ das Alter ehren 2, 1063. 31g K. BARTSCH 85 Digniim conubium proculo dum compctit uxor. Sero opici muris perit iutractabile rostrum. Sermo est vulgaris: cuneus cum pane juvabit. Armillam portare juvat quicuuque meretur. Segnius auditis malim quam credere visis. 90 Tergora nemo canum conponit idonea melli. Quid cauis ad sacram, colaphos uisi qiieritat, edem? Liügere quod nequeat, tuudit gallina patellam. Rure valeut oculi, densis iu saltibus aures. Vel loto cane vel pexo non muudius itur. 95 Non pedes a toto rudenti vectus asello. Non paleas vit^ tutor defendit inanes. Cuius est asinus comes hunc post terga,sequatur. 85. nie dignum et competons sibi conjuglum sortitur qui uon ultra vires et Caput suum sed pari sue conjungitur. Über proculo steht petitori , und am Räude proci sunt petitores uxorum, inde proculus diminutivum ; über competit steht convenit. Wer freien will, der neme seins gleichen, Wander s. v. freien Nr. 74. 86. Tarde perit quod semper perire deberet rostrum muris. iu- tractabile: asperum et damnaticium quod nobis multa dampna facit, et sepe peccatis hominum fatientibus multum excrevit. Über opici steht rosorii; am Rande opizo dicitur minuo, inde opicus mus, rosoriuS;, qui solet vasa et vestes rodere. 87. Non nocet cuneus cum pane editus et bonus sermo meliori super impositus. Vgl. Auch gefülltem Kuchen schadet die Butter nicht, Wander s. V. Kuchen Nr. 2. 88. Armillam et bonas vestes debet portare qui eas bono suo labore meruerit. 89. Segnius irritant animos dimissa per aures quam que sunt subjecta fidelibus oculis; sie melius crediderim visis quam auditis. Die Augen haben (verdienen) mehr Glauben als die Ohren, Wander s. v. Auge Nr. 79. 93; Ein Auge findet mehr Wahrheit als zwei Ohren 109; vgl. 155. 90. Nemo sane mentis si velit mundum habere mel, infundit in inmundo corio canino. Vgl. Der beste Honig verdirbt im unreinen Glas, Wander 2, 766. 91. Vulgare proverbium est, nichil aliud canes ad ecclesiam querere nisi multos colaphos inde reportare. Vgl. Man muß den Hund nicht in die Kirche betten. Wander s. v. Hund Nr. 869; Wenn man den Hund in die Kirche lässt, so geht er auch auf den Altar Nr. 1175. 92. Indebitam rem et negatam non potest facere gallina, in patella cibos positos vcnit tundere quia non potest lingere. tundit ist geschrieben t'>ndit. 93. Quod suum est oculorum longius vident in patulis campis et vox ab auribus clarius in silvis auditur. Am untern Rande der Seite steht eine andere Fassung: Silva suas aures et habent sua lumina campi. Mhd. Veit hat ougen, walt hat oren; altfr. bois a orelles et piain a eus, Zeitschrift 11, 124. Das Feld hat äugen, die Winkel und Wald Ohren, Wander 1, 978; vgl. 976. 94. Sive lavando, sive pectendo canem mundarc volueris, quod fuit inmundus erit, et tu preterea tuam in eo operam perdis. Vgl. Wenn der Hund gebadet ist wälzt er sich wieder im Koth, Wander s. v. Hund Nr. 1095. 95. Nee pedes a toto nee bonus eques in asino. 96. Qui vitam suam incolumem sei-vat, non sunt inanes palee, sed munit se omni custodia meliore. 97. Qui cum asino suo vadit ad forum, cum aculeo sequatur post tergura. Der Esel geht nicht auf den Markt, wenn man ihn nicht treibt, Wander s. V. Esel Nr. 74; vgl. Nr. 104; ein Esel trabt nicht ohne Schläge Nr. 203. SPRICmS^ÖRTER DES XI. JAHPHUTsT^ERTS. 319 Solvitur in pluviam dum canduit alba pruina. Dat modicum comiti sicam qui lingit iuunctam. 100 Non rabidi canis est multiis grex visus oberrans. Sic sepes non senta velut mulier sine vitta. Qui pendet, nimium dilatio longa videtur. (4'') Non hosti parcas artes nee discere cesses. Formidat passer crebris a fustibus actus. 105 Territus igne semel post haec puer odit eundem. Aequa et communis non frangit sarcina dorsum. Mel mandens patiatur acum sub melle latentem. Nemo gravem poterit procul a se pellere fascem. Dultior exquisita manu vindicta videtur. 110 Grande pedum sibi quem eordis timor arguit aptet. 98. Hiemall tempore ubi videris candentem pruinam, proxime aliquam dicunt consequi pluviam. Vgl. Reif und Regen begegnen sieh auf den Stegen, Simrock Nr. 8377. 99. Conviatoribus dat commedendi modicum qui pro necessitate suum linguit cultellum. 100. Rabidorum canum raro vidimus coUectam multitudinem nee diuturnam stare generationem. Vgl. Ein toller Hund läuft keine sieben Jahr, Ein wüthiger Hund läuft nur neun Tage, Wander s. V. Hund Nr. 508. 513. 101. Sepes indecenter stat sine spinis nee mulierem decet incedere sine capitis sui redimiculis. Über senta steht: s(cilicet) est. 102. Longam moram ut liberetur habet diutius expectandi, si suspenso cito non subvenis. Entfernt klingt an: Eh einer lernt hangen, so ist er halb- todt, Wander 2, 347. 103. Contra hostem subdolum quantum valeas dimices, quia si potest tibi non parcet; artes vero discere quantum potes non differas, quibus si bene usus fueris non confunderis. Vgl. Wer Feinde spart und Freund erzürnet, der sucht Unglück, Wander s. v. Feind Nr. 178; 187; 193; Wer sein feindt in banden hat, der soll sie demmen Nr. 186. 104. 105. Inde magis formidat avicula quod crebro eam in horreo tuo fueris persecutus cum scopa, et puer lapsus in igne postea Stigmata videns et recolens semper timet eundem. Im Texte: in fustibus, darüber a. Der zweite Vers ist das bekannte Sprich- wort: Gebrannt Kind scheut das Feuer, vgl. Wander s. v. Kind Nr. 342, MS. Denkm. S. 324 f., zu v. 98 (vgl. v. 79); altfranz. eschaudez eaue creint Zeit- schrift 11, 121. 106. Qui equa pondera gestaut et tolerant, minus gra- vantur et inter se moleste fcrunt. gliche bürde brichet nieman den rucke Morolf bei Zingerle S. 23; daselbst Wolkenstein 5, 5, 1. Gleiche Last (Bürde) bricht keinem den Rücken, Wander s. v. Last Nr. 22; Bürde Nr. 15., 107. Qui mel manducat, aliquando nolens aculeum patietur, quod est dicere : qui cum seniore suo bonis ejus fruitur, interdum, si necessitas incubuerit, cum eo ad- versa tolerabit. Wer Honig lecken will, muß den Stachel der Bienen nicht scheuen, Wander s. v. Honig Nr. 87 und die dort gegebenen Citate, vgl. auch Zingerle S. 71; MS. Denkm. S. 323, zu v. 14. 108. Fasces graves nullus potest procul pellere quin ulciscatur proximorum dum videt injurias. 109. Vin- dicte proximorum, quocunque modo fiant, sunt dulees, sed illa dultior quam pro- pinquus propria manu expleverit. 110. Qui non habet cor strenuum ad pugnan- dum, ad confortandum se toUat secum vel grande pedum et ponat in baculi ß\u spe quod non habet in corde. 320 ^' BARTSCTI Vcrtit 00 caudam qua decidit arbore inalum. 8tercut> ölet foedum quo plus vertcndo movetur. Non sie latus ager quam dulcis frater ametur. Pressus liumi serpens obvolvit terga vianti. llö Karo actore lupo quisquam veuabitur alter. Pix contacta sui nianibus palpouisj adlieret. Inmuudus canis inmuudam sorbebit orexim. Interdum stultus qui stulto cedere nescit. MasrtVidus meruit sua donativa sedendo. 120 Aes quodcuuque rubet non credas protmus aurum. De quo tama, dies equat lougevus Hyringi. Prostat apes (1. apis) uua inmeusis per moenia muscis. (5') Accepta ditioue Poles jugulat genitorem. 111. Omnes fructus arborum imitautur generationem suam et saporein, et unde oiiuutur, eo caudam vertendo, sive male sive bene sectando. Der Apfel füllt nicht weit vom Stamme, Wauder s. v. Apfel Nr. 14. 112. Stercora quo plus moventur, tanto deterius fetent. Je mehr man den Dreck rührt, je mehr stinkt er, Wander s. v, Dreck Nr. 34, und die Citate daselbst; MS. Denkm. S. 328, zu V. 225. 113. Proximior est fidus et indefessus frater quam latus et sterilis ager. Germanus latis longe prestantior agris MS. XXVII, 2, 72; vgl. auch En Bräder is n Butt werth, Wander 1, 487. 114. Quisque serpens calcantis sumat pedtm et inficit veneno, quia si posset et ferro. 115. Apud rusticos usitatum proverbium: de uno lupo alterum non comprehendes. quisquis stand ursprünglich da. Vgl. Ein Wolf beschreit den andern nicht, Simrock Nr. 11814; es beißt kein Wolf den andern 11814\ 116. Qui tetigerit-picem inquinabitur ab ea. Wer Pech angreift, besudelt sich; vgl. Zingerle JS. 112. 117. Canis revertitur ad vomitum suum. Über orexim steht vomi- tum. Der Hund frißt sein Gespieenes wieder, Wander s. v. Hund Nr. 198, und die Citate daselbst. 118. Interdum stulto debes cedere, ne causam inveniat unde adversum te jure possit irasci. Vgl. Einen Narren muß man gehen lassen. Wander s. v. Narr Nr. 471. 119. Cuidam libero homini hoc nomen erat qui benefitia sua suaviter vivendo deservivit: unde cunctis pigris et inertibus hoc proverbium inolevit. Magfridus; ursprünglich stand Matfridus. 120. Non protinus est aurum quodcumque rubicundi coloris iuvenitur metallum; sie et qui se aimulat bonum , aliud latet intrinsecus ulcus et vitium. iz enist niht allez golt daz da glizzit, Pf. Konrad 71, 17; vgl. Zingerle S. 58. 121. Hyringus quidam erat senex emeritus et decrepitus; unde longevis dicitur: dies tuos equi- peras Hyringo; quem in etate ultima musca precipitavit de sella. 122. Melior est una apis mellifera quam quot usquam sunt muscarum genera; si bene velis intendere, omnia hec exempla ad homines poteris applicare. Eine Biene ist besser als ein ganzer Schwärm Fliegen, Wander s. v. Biene Nr. 16. 123, Poles fuit quidam rusticus quem dominus suus majorem domus sue fecit; at ubi inter parea ut judicaret consedit, ut inde alii magis timerent, in primo juditio patrem jugulavit. hoc exemplo alii terreantur qui tyrannum aliquem habeant proximum. l.'ber pole-» steht: proprium nomen. SPRICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 321 Nou cadit in pontem sapiens equitator hiantem. 125 Quisquis opus, nam se multo prius oderit, odit. Ipse suiim tetiilit cujus porrigo galerum. Gratis equo oblato uon debes pandere buccas. Successus felix putat ire simillima cunctis. Excoriare pecus qui nescit tergora ledit. 130 Nee mihi munda manus canis et non teste solutus. Invitus canis et luctans ad balnea migrat. Regem aliquera magna est penuria degere soluin. Nix ruat aut ymber densus tarnen hospes iturus. Suspirat sonipes vacuis prespibus egre. 135 Antiqua enituere novo commissa rubere. Extollens aniiuus dum nititur alta labascit. 1 24. Eques sapiens de ponte non cadit, quia ascensor equi per hiantem pontem non transit. Altfranz. Sage home ne chara ja au pont, qar il decend Zeitschr. 11, j 44. 125. Omnis qui Studium suum oderit non hoc solum odit, sed et se ipsum totiusque vite sue solatium. 126. Qui habent prurien- tcm et ebullientom capitis infirmitatem, semper pilleati incedunt, ne decalvatum et verecundum caput eorum patulum videatur; unde natum est proverbium cujus fuit capitis vitium, ille tulit galerum'. Über porrigo: infirmitas capitis; über galerum: galerus et galamaucus pillei sunt. 127. Cum gratis aliquis tibi datur equus, non debes os aperire, ut per inspectionem deutium numeres quot annorum sit, quem tibi sine tuo pretio gratia aliena concessit. Geschenktem Gaul sieht man nicht ins Maul, Wander s. v. Gaul Nr. 25, und die Citate da- selbst; MS. Denkm. S. 323, zu v. 34; altfr. a cheval done dent ne garde Zeitschr. 11, 128. 128. Cui bene semper in omnibus suis actibus evenerit, cunctis equaliter ut sibi evenisse credit. 129. Qui nescit de pecore docte pellcm tollere, solet incautius vulnerare; ideo qui artem non didicit stultus est, si quando eam inchoare presumit. 130. Si quis canem ceperit castrare, uno testiculo eruto, altero dimisso, nee mundam habet manum nee opus imphtum; sie (si) aliquis inimicum vulnerans vivum dimiserit, postea experietur mortis su<^ ultorem quem antea volens reliquit superstitem. 131. Quod semper habet esosum , invitus vadit canis ad balneum ; sie piger et deses renititur ad omne preceptum. 132. Magne infamie regem aut aliquem principem multorum non esse comitum. 1 33. Sive pluat sive ninguat, hospes, ne apud extraneos tediosus existat, quantotius ad propria redeat. Swie daz weter'tuoje, der gast sol wesen fruoje Spervogel. 134. Equus suspiria gravia trahit ubi diu jeju- nus ad presepia vacua steterit; et omnis horao ibi servit invitus ubi nuUus ponitur cibus. 135. Vetus peccatum ad novum et verecundum transit rube- rem. Alte Sünrle macht oft neue Schande, Simrock Nr. 10029. 136. Inflata superbia quanto ad altiora surrexerit, tauto durius cadet. labascit steht über dem unterpungierten fatiscit. Vgl. Saepius ille cadit qui per sublimia vadit MS. Denkm. XXVII, 2, 209; Je höher hinan, je tiefer hinab. Wander 2, 689; Je höher einer erhoben wird, je näher ist er dem Fall ibid. GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVIII.) Jahrg. 21 322 K. BARTSCH Sepe tlieilis suberunt aiigusta cibaria celsis. Agris fortilibiis pretiosum ceditur aurum. Aurum odiumque dei cunoto graviora metallo. 140 Liix manifesta hodie, sed crastina ceca diei. Musca sitit morbum, potor super omiiia viiium. Deinde fit inf«>rmis qiii primo pulcher ascUus. (5^) Pro sapone dato capitc haec carissima merx est. Consulit in brevibus deus bis quos somnia terrent. 145 Dat deus ipse boves nulli per cornua ductos. Fiuditur in bivio bracis aut podice tendens. Nidos conmaculans iumundus babebitur ales. Pelex uec factis claret nee nomine digna. Stultus cnim tempus non vitat dampna per omne. 150 Fermentum populat cum pullis funditus ornix. Omne bonuni in tectis conjunx vagabunda ligurrit. 137. Sub alta casa sepius sunt cibaria stricta vel pauca. Über tholis : eminentior locus in domo. Ein groß Haus und nichts drinnen bringt manchen von seinen Sinnen, Wander 2, 401; Groß Haus und große Thür, und der Hunger guekt herfiir 404. 138. Melior est ager fertilis auro precioso vel gemmis. 139. Odium dei vel aurum prepondent omne metallum. 140. Quod hodie fit et pre oculis habemus, inde certi sumus; quid eras futurum sit, igno- ramus. Vgl. Heute ist heute, morgen ist ein unsicherer Tag, Wander s. v. heute Nr. 76. 141. Potores desiderant vinum; muscarum sitis est potius morbum quam vinura. 142. In primo partu suo pulcher conspicitur asellus; quanto longiori, tanto deformior erit. 143. Si quis pro sapone caput vendiderit, triste est mercimonium et omni campsatione dirissimum. 144. Breviter et cito deus succurrit his qui per somnium graviter laborant, cum experrectum facit de periculo statim eum exsolvit. 145. Cum deus bono cultori locum dederit ut boves stenuos (l. strenuos) emat, ipse profecto dat et tarnen per cornua non ministrat. Gott gibt einem wohl die Ochsen, aber nicht bei den Hörnern, Simrock Nr. 3938; vgl. Wander s. v. Gott Nr. 549. 551. 146. Qui uno tempore duas vias tendere voluerit , aut brace rumpnntur aut ipse insanis coxis disten- ditur. podice, darüber: obstrusa pars corporis. Wer sich zwaier weg wil fleißen, der muß die pruch oder arsloch zureißen, Fastnachtssp. 528, 13 bei Zingerle S. 165. 147. Immundas ales asserimus que suos stercorant nidos; his pleri- que similes qui nullam rem certant honestam. Es ist ein böser Vogel, der in sein eigen Nest hofiert, Zingerle S. l6l und die dort angeführten lateinischen Fassungen S. 160 f.; MS. Denkm. S. 326, zu v. 171. 148. Pelex legitime uxori superaddita nee factis ncc nomine digna, meo judicio ad reliquas con- pescendas in spinis esset urenda. 149. Stultus quocunque se vertit jugiter dampna offendit, quorum omnium ipse sibi caput exsistit. Vgl. Der Narr wird mit eigenem Schaden klug, Wander s. v. Narr Nr. 201. 150. Gallinam cum pullis si ad farinam admiseris, tibi dampna irrogat, et que multis prodessent sola dissipat. Über cornix: gallina. 151. Sumptuosa conjunx et voratrix eflfetum et debilem reddit maritum , dispergit omnem victum , preciosas vestes et vasa vendit usque ad salinum cunctaque viri sui bona mergit in baratrum Vgl. das bekannte Sprichwort, Simrock Xr. 2614; auch Nr. 2617 — 19. SPRICHWÖRTER DES XI. JAnRHUNDERTS. 323 Post homines gravis et magniis conflictus equorum. Precarum penuria dat pro panibus aurum. Dum tibi lac detur, cujus sit vacca quid urit? 155 Pontis erit sollers aliquis cur ante capellas? Loripes exibit über raendace reperto. Cum piscem pro pisce locas, ölet alter eorum. Quanto plus juris, tanto quis plenior haurit. Sepius exclusum foris obliviscimur intus. 160 nie opifex fertur qui rem disponit agendam. Hoc tacit ingenium nequeunt quod vectis et asser. Non queritur veris mulier satis ebria verbis. Consumenda habitis sunt nobis pascua porcis. (6*) Nidos destituens sine pennis corruit ales. 165 Porci postponunt gemmas quas calcibus instant. 152. Nusquam gravius bellum agitur quam inter homines et vicissim inter emissarios, quia agitantur invicta discordia, ideo pugna est inter inremissa. 153. Nuuquam erit aurum tam rubicundum aut ita purgatum quod non detur pro penuria panum. Gold ist schön roth und geht fort für schwarzes Brot, Wander s. v. Gold Nr. 73 und das daselbst angeführte dänische Sprichwort. 154. Quid eure est tibi cujus esse vacca dicatur dum in tuos usus lac totum fundatur? Neben urit am Rande: obstat. Vgl. Wir ziehen die Kühe und ihr eßt die Milch, Wander s. v. Kuh Nr. 460; vgl. 461. 155. Cum capelle desint que transseant, cur ultra modum de ponte fatiendo eris sollicitus? 156. Ante poteris penes te invenire bilinguem et mendatia fingentem quam con- sequi celerius iterantem loripedem. 157. Cum pro aliquo pisce piscem ven- dideris et aliud pretium non dederis, suspicari poteris utrum eorum olacem esse aut aliquo vitio deditum; ita et in reliquis rebus istud poteris arbitrari. 158. Qui jurem superfluum hauserit, tanto distensiorem ventrem habebit. 159. Ubi domi sumus foris exclusum citius obliviscimur quem intus non vide- mus. 160. Nomen et gloria operatoris ad illum magis pertinet qui dictando disponit ut fiat, quam qui manu operatur ut sit. 161. Hoc potest fieri bono ingenio quod nequit raembrorum robore forti vel ligno. Dieser Vers, der erst nach 163 folgt, ist durch ein Zeichen nach 160 verwiesen. Über asser: asseres sunt laterculi fortes in tecto. 162. Non sunt vera verba nee lacrime quas fuudit mulier ebria. Über queritur: plangit; über verbis: vel planctis. 163. His porcis quos habemus debemus pascua nostra consumere; ita nos pri- vatis uti servientibus meliores habere non possumus. 164. Aves que prius- quam volare possint deserunt nidos, aut ita ut moriantur corruunt aut sese quandiu vivunt debiles reddunt; ita qui prius(|uam discant docere volunt, qui antea magistri non fuerant veritatis, postea fient erroris. Vgl. so der vogel e rehter zit von sinem neste fliegen wil , sich selben er vil übte git den tum- bon kinden zeinem spil, Wiusbeke bei Zingerle S. 160; als einem vogel der e zit von neste fliuget dir geschiht ibid. 165. De hoc versiculo ita scriptum est: nolite serere mariraritas intfr porcos, neque sanam dottrinam inter stultos derisores. Vgl. Man soll die Perlen nicht vur die Säue werfen; man sol diu mergriezzer vur diu swin niht giezzen. Spec. eccles. bei Zingerle S. 137. 21* 324 K. BARTSCH Consumendo vorans alios formosior ales. Summa minor doraino miiltis commissa miiiistris. Clarus erit rainimo qui quod seit Ventilat omne. C^)iii minus iuspitiunt incauto verbere ecdunt. 170 Rarus euim grex foeeundatur in cxule tecto. Non tollit donata gelu tibi pascua nee nix. lutendens aliud diversa et dissoua profert. Pro molli pastore lupus turbaverat agnos. Labitur eniteus sellis herere duabus. 175 Exhaustis cauibus bene non venaberis um quam. Ad pugnos vacuos crebro non advolat auceps. Stantes sepe casas anceps fidutia vertit. Sepe minus quod non oculi videre doletur. Piscis avis licet ossa habeant^ bona rapula nullura. 180 Gutta cavat lapidem^ consumitur anulus usu. 166. nie ales cetevis delicatior est qui alios devorat; ita divites cultiores qui sufFocant minores. 167. Ubi est mnltitudo ministrorum, ibi minor pro- ventus redit ad dominum. Verwandten Sinn hat: Viele Köche verderben den Brei, oder: Bei viel Hirten wird übel gehütet, Wander 2, 681. 168. Qui quod seit vel audierit totum foras in vulgus efflaverit, iuter consecretales non est admittendus amicos. NuUi carus erit qui profert omnia que seit, Denkm. XXVII, 2, 138 und Anm. Vgl. unten v. 246. 169. Cecus qui male videt male percutit; errat in verbere qui non illustratur ex lumine. 170. Ad Votum raro creseet tibi fetura gregis alienis fota in tectis. 171. Que ad salutem hominum pascua deus donare voluerit, tollere non poterit unquam gelu aut nix. Vgl. Was Gott gibt, kann der Teufel nicht nehmen, Wander s. v. Gott Nr. 1688. 172. Qui aliud cogitat aliud dicit, errat in voce quia dissipatur in corde. 173. Ubi non est vigilans pastor, ibi lupus acervatim dilaniat agnos. Vgl. Während die Hirten schlafen, stiehlt man die Wolle den Schafen, Wander s. v. Hirt Nr. 44 ; Wenn die Hunde schlafen, hat der Wolf gut Schafe stehlen, Simrock Nr. 4995. 174. Inter duas seilas sessor aliquis, quod non speravit, in terram cadit. Wer auf zwei Stühlen sitzen will, fällt oft mitten durch, Simrock Nr. 9998; vgl. Zingerle S. 144; MS. Denkm. S. 327 zu v. 207. 175. Macris canibus et fame peremptis adprime non venaberis, quia nullus est in suis vigor medullis. Vgl. Wenn die Hunde gähnen, ist die beste Jagd vor- bei, Wander s. v. Hund Nr. 1142. 176. Capus et accipiter ad vacuam manum non tarn libenter convolant quam ad illam escis et carnibus plenam. Falken fängt man nicht mit leeren Händen, Wander s. v. Falke Nr. 12; einen Habicht muß man nicht mit leerer Hand empfangen, s. v. Habicht Nr. 10. 177. Colonus aliquis sub malo patrono difüdentiam habitandi habens casam fjue bene stabat precipitat et ad dominos mitiores asportat. 178. Nobilis aliquis dives, dum sua dilapidare uon videt, minus dolet, quia, si coram se fieret, tolerare non posset. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß; altfr. Que oil ne voit. a euer ne deut, Zeitschr. 11, 129. 179. Piscis et avis ossa habent, rapum, quod est hortorum herba, unde holus conficitur, sine ossibus nascitur. 180. Cadentibus stillis lapis cavatur, et utendo anulus minuitur. Stäter Tropfen höhlt den Stein, Simrock Nr. 10528; vgl. Zingerle S. 151, Albrecht von Halber- atadt S. XL f. spkichwörtp:r des xi. Jahrhundert«. 325 Assidue non saxa legunt volventia muscum. Juncea longinquis melior vicinia pratis. Mollia ceduntur ferro, sed dura retundunt. (6^) Ad uos nemo venit nisi cum rumore sinistro. 185 Ex multo jam tempore dextera fama recessit. Quem non alma lides, neque sacramenta tenebunt. Frigida cum calidis duo sunt contraria calvis. Mus massam trahit et nequit ipse subire foramen. Non callem veterem, non obliviscere amicum. 190 Quod lupus invadit, mihi crede invitus omittit. Quem lupus asportat, feralia carmina cantat. Aure lupi visa non longo est credere caudam. Arcendus prius est tibi quam lupus intret ovile. Quam timui innatum tam te formido minantem. 195 Fei terre, pallet, furit hoc absintium et ardet. Qui retinet censum videat ne perdat agellum. Quo magis abruptus gradus, hinc gravier quoque casus. 181. Saxura quod in aquis volvitur muscum non colligit, et instabilis non ditabitur qui sine cessatione de loco ad locum movetur. Walzender Stein wird nicht moosig, Simroek Nr. 9868; vgl. auch Vix homo ditatur qui per loca multa vagatur, Denkm. XXVII, 2, 237. 182. Utiliora sunt pecorum vicina et herbosa pascua longissimis a nobis adeo pratis. Altfr. Mieiz vaut pres jonchier que loin praer, Zeitschr. 11, 131. 183. Interea dura resistunt aliquid resecantibus, cum penitus mollia minuuntur. 184. Quotiens continua adversa nuntiantur, sicut de Job legitur, hoc exemplo uti possumus. Vergl. lässt sich: Ein Unglück kommt nie allein; Ein Unglück tritt dem andern auf die Fersen. Altfr. Zeitschr. 11, 120, Nr. 51. 186. Qui fidem sinceram non habet, nee ullo sacramento cohibetur. 187. Calvus est et frigoris et caloris impatiens. 188. Mus cum vix foramen possit intrare malleum sibi nectit in cauda. Vgl. Wenn die Maus einen Kürbiß trägt, kann sie nicht ins Loch, Wander s. v. Maus Nr. 190. 189, Veteris amici veterisque vi»; nunquam te immemorem fatias pro novis et incognitis. Alte Freunde und Wege soll man nicht verlassen, Wander s. v. Freund Nr. 11 und die dort angeführten Stellen; Müllenhoff-Scherer S. 3: 3 zu v. 21. 190. 191. Quod lupus invaserit, nisi vi cogente invitus dimittit, et preda in fine non bene can- tabit. Vgl. Swaz dem wolf komt in die kel, daz ist allez gar verlorn, Zingerle S. 179; Simroek Nr. 1181^; MS. Denkm. S. 327 zu v. 194. 192. Ubi aurem lupi videris, comminus caudam esse scias; ita et perfidus amicus qualem se in prima necessitate ostenderit, lalem fore in secunda tibi potevis estimare. Vgl. MS. Denkm. S. 324, zu v. 83. 193. Prius si poteris lupum debes arcere quam caulas tuas possit irrumpere. 194. Si quis de se ipso con- fidens minoris se minas contempserit, illi dicere poterit tantum te modo timeo minantem quantum cum te natum non vidissem . 195. Sic de aliquo ira- cundo dicimus, cum aliquis plus quam opus sit irascitur; fei terre et absintium vocamus ad comparationem herbarum amarissimarum. 196. Hoc proverbium apiid sapientes dicitur: perdat agrum qui non vult solvere censum. 197. Quanto altior gradus, tanto difficilior casus. A^gl. Je höher einer steht, je tiefer er fällt, Wander 2^ 689, Si gradus est altus, gravier fiet tibi saltus ibid.; so höherer, so tiefer val, Boner bei Zingerle S. 31, wo noch andere mhd. Belege. 320 K- BARTSCH Palmam niilitio prefert animi moderator. Quadrupes occunibit, quid si tu labere verbisV 2(X) Siiscipitur male porticibus te limine pcllons. Qiianto uobiliiis tauto mao^e flcxile Collum. Pauperis cxsupcrat stultum sapientia regem. Is qui pro manibus deus adjuvat, ille benignus. (7') Non liuor aut sanies manat de corpore sano. 205 Sanum viuxisti digitum, dissolvito sanum. Hie probulus frater corda modulatur amena. De coclearo cadit quod hianti porrigis ori. De quibus ipse locus veniat mihi dicat amicus. Ecce mauus que non rapiunt tegetes tibi reddunt. 210 Mendicans bene non poterit cantare camena. Mendicans dispergit epos tenuatque Thalia; Esuriens Clio defrudat laudabile Carmen. Mandant Waltero fi'atres non reddere brachas. Quam male nutritum melius non vivere natum. 198. Auimi moderator expugnatore urbium fortior est. Sich selbst be- zwingen ist der größte Sieg, Wander 1, 370, und die andern Citate da- selbst. 199. Quid mirum si tu offendis in verbis, cum animal cadit quod in quatuor pedibus stat? Stolpert doch ein Pferd auf vier Eisen, Simrock Nr. 7887. 200. Ad tua dampna male hospitem in parte domus suscipis qui te postea de tota expellat. Das ist ein böser Gast, der seinen Wirth aus- treibt, Wander s. v. Gast Nr. 11; vgl. Nr. 26; es seindt böse Gäste, die den Wirth aus der Stelle dringen Nr. 77. 201. De multis verum videtur: quanto nobilior genere, tanto humilior actione. Hoe edeler halse hoe buigzamer , hol- ländisch, Harrebomee 1, 275. 202. Interdum pauperis utile consilium ali- cujus vincit regis ingenium. 203. Illum dt-um benignum dicimus qui bona largitur ad manum. 204, De sana pelle raro putredo aut sanguis vide- tur exire. 205. Qui sanum cum panno ligaverit digitum, item solutum in- veniet sanum. Welcher ein gebunden Finger zubind, der bind einen gesunden Finger wieder auff, Wander s. v. Finger Nr. 55. 206. Ironice dicitur de malo cantore: hie bene cantat cujus vox inter fratrcs male discordat. 207. De cocleare interdum cadit quod ad os tuum sumendum porrigis. Vgl. Zwischen Löffel und Mund geht viel Suppe zu Grund, Wander s. v. Löffel Nr. 67; holländisch ebenda; altfr. entre boche e cuiler vent sovent encumbrer Zeitschr. 11, 134. 208. De insolito amico dicitur: Volo*, inquit inventus amicus; iste insolens dicat de qua terrarum parte adveniat. 209. Quod manus non rapiunt, in domo inventum parietes reddunt. 210. Lector sive cantor, si in mendicitate fuerint positi, male legunt et nequius cantant. Ein hungriger Bauch singt einen bösen Alt, Wander s. v. Bauch Nr. 72. 211. Musa mendicans facit inutile Carmen, epos, dazu am Rande: epos utile Carmen, inde epica pagina, id est laudabilis. 212. Ejusdem sensus est et iste versiculus. defrudat, dar- über: idem mutilat. 213. Walterus monachus factus fratrum mandata inter hostes de non reddendis brachis custodit. 214. Melius est homini ut non sit natus quam inter homines male nutritus. Vgl. Wohl geboren ist etwas, wohl erzogen mehr, Wander 1, 1385. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 327 215 Ingenuo salso preceps violentia cedit. Digna verecunda referamus seria mensa. Res pueriliter insolito carbonc notantur. Olim prosperitas calco numeratur in albo. Labitur asturco pedibus nitendo quaternis. 220 Portes de ferro non pluris habentur inaures. Vera videre loquens folium recitare Sybylle. Responsis cantus quid refert? alter Apollo. Ipse canit que seit quamquam doraus alta sacerdos. (7*') Dulce sed inmundura mel est in folle canino. 225 Mel posui famulis, non virus et ulcera fovi. Frigidus inplebit fi'umentis horrea majus. Vitalis comes est ratis in fluvialibus undis. Scandit equura rabies cum stulto plurima servo. Nam pennis descendit avis de nube remissis. 230 Munda quidem mundus colliria querit ocellus. Quod careat lingua stolidus non inde tacet bos. 215. Utilius est modesta sapientia aliquid inchoare et perficere quam repentina et inconsiderata fortitudine rem bene ceptam subvertere. Vgl. Hoch angefangen, niedrig aufgehört, Wander s. v. Anfangen Nr. 21; Besser nicht an- fangen als nicht beendet Nr. 12; besser nicht anfahen denn erliegen Nr. 11. 216. Dum prandemus, nulla inutilia sed honesta debemus et deum decentia loqui. 217. 218. Mos est puerorum insolitam rem et inauditam in pariete cum carbone notare, ut ibi sit novitatis signum, sicut olim adversa notabantur nigris lapillis et prospera albis. 219. Cadit equus quamvis sit quatuor pedum, et contingit aliquando frangere Collum, asturco, darüber equus ambula- torius. Vgl. zu V. 199. 220. Inaures ferree fortes quidem sed pretiose non sunt. 221. 222. Qui vcra loquitur, hoc proverbium illi congruit, ut Sybylle similis dicatur aut Apollini, qui consulentibus semper vera responsa canebant. 223. In alta domo dei non aliud prespiter cantare poterit quam quod seit et quod didicit. Der Pfaflf singt darumb nicht mehr als er kann, und wenn die Kapelle noch so groß, Wauder s. v. Pfaffe Nr. 35; lat. Non canit in templo nisi quod seit presbyter amplo ibid. 224. Iste versiculus se ipsum ex- ponit. Vgl. Der beste Honig verdirbt im unreinen Glas, Wander s. v. Honig Nr. 4. 225. Qui utile consilium dat et malum pro amore amici non laudat, ille öic dicat. Anwendung des in Sprichwörtern häufigen Gegensatzes zwischen Honig und Galle (Gift); vgl. Zingerle S. 71 f. 22G. Hoc dicit vulgus Vri- gidus implet horrea majus'. Kalter Mai bringt Korn und Heu, Wauder s. v. Mai Nr. 58; vgl. 61 — 67. Vgl. weiter unten v. 735. 227. Qui in aquis morari vult, vitalis sibi comes erit si quam navim secum habebit. ratis, darüber connexio trabium. 228. Furere incipit cum malus servus equum ascendit. 229. Num- quam avis tarn alte volat quin aliquando ad terras descendat. Kein Vogel fliegt so hoch, er kommt wieder auf die Erde, Simrock Nr. 11002. 230. Mundus oculus omnia raunda querit. 231. Non ideo tacet bos et humano sermone non utitur quod satis magnam non habeat linguam. Der Iss huod en loank Zang, awer e kän net rieden, Wander s. v. Ochs Nr. 45 ; An Ochs hot a lange Züng ün kann kein Schojpher (Posaune) uit blusen Nr. 11. Derselbe Spruch unten v. 373. 328 K. BARTSCH Ex testa qiialis fuerit dinoscitur olla. Crapula suffocat mentem, Venus ebria mersat. Cur qui non callet stultus puer ambit honorem? 235 Nam digitus sanus lippum prevertit ocellum. Sedulus est curagulus offitio residendi. Quidne diu cauis inmunes calcare placentas? Confidens animi canis est in stercore noto. In qua pelle lupus modo nascitur, hac morietur. 240 Hoc quoque cum multis aliit quod Beztheca nevit. Dum manus arte vacat, carnem scalpendo cruentat. Rex ubi vult, solet invitas discindere leges. Dum cupio vitare lupum, ferus iugruit ursus; (8^) Ursum declinans offendi forte leonem. 245 Quod nostrum non est immo alterius prohibebis. Kon mihi carus erit qui profert omnia que seit. Non erit inmunis culpe qui jurat in arte. 232. Cujus materie sit et quam bene cocta et quo figulo compacta, ex testa deprehenditur olla. Aus den Seherben erkennt man den Topf, Simrock Nr. 8968. 233. Edacitas et pinguis venter extenuat sensum; ebrietas et luxuria mentis parant interitum. 234. Qui non sapit et recti cordis inten- tionem non habet, cur inter fratres regiminis honorem querit? 235. Melier digitus sanus quam oculus lippus. Über prevertit: antecedit. 236. Sedulus dicitur a sedendo et opus aliquid utilitatis exercendo. curagulus, darüber idem curiosus. 23.7. Non potest canis diu quin devoret bene olentibus eibis cal- tiatus incedere; ita devorator filius bona patris sibi relicta cito seiet consumere. Quidne, darüber idem an potest. Vgl. Ein Hund ist nit lang an ein Wurst gebunden, Wander s. v. Hund Nr. 444, und die dort angeführten Stellen. 238. Unusquisque canis acrior est in suo sterquilinio quam sit in ignota domo. Der Hund ist tapfer auf seinem Mist, Wander s. v. Hund Nr. 216; vgl. 438; ieder Hund auf seinem Mist für ander drey geherzer ist, Zingerle S. 197; vgl. Denkm. S. 324, zu v. 86. 239. Lupus numquam bene nisi cum moritur facit; ideo suam nunquam pellcm mutabit. Über modo steht: vel tibi. Der Wolf ändert das Haar und bleibt wie er war, Simrock Nr. 11810. Vgl. In quo nascetur asinus corio, morietur, Denkm. XXVII, 2, 91. 240. Proprium nomen operatricis femine, et cum omnia mundana transeant, ctiam suorum ope- rum nihil inconsumptum remansit. be^^theca steht. 241. Otiosp manus ad vellendum corpus tandem se vertunt, quia quod aliud facerent non didicerunt. 242. Rex in quam partem voluerit per vira legem convertit. Des Königs Wille ist Gesetz, Wander s. v. König Nr. 61. 243. 244. Qui minorem non metuit, fortiorem ofifendit, quem quoque si sine metu transierit, utrisque in graviorem incurrit adversarium. Wer vor einem Bären flieht, läuft oft einem Löwen in den Rachen, Wander s. v. Bär Nr. 67. 245. Que possessio nostra non est ad alterum dominum vel possessorem transibit. 246. Qui conmissa secreta tacere non poterit minime carus erit. Vgl. oben v. 168. 247. Qui per simultatem jurat non erit alienus a culpa quem reatus dolositatis accusat. Vgl. Simrock Nr. 9424. 9425. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 329 Non suspendetur se judice quisque latroDum. Delusor promisit apes, ego credulus, albas. 250 'Ludimus antiquum' rapiens aquila inquit ad aucam. Emendet monitoris egeos iter axe citato. Vestis carne calet caro qua calefacta calescit. Terra malos homines nunc educat atque pusillos, Olim majoris fidei cum robore grandi. 255 Qui solet esse puer centum maledictus in annis. Nugatur promissa petens quasi debita solvi. Idem animus non est asino pueroque minanti. Semper habet tussis miscere calentibus egris. Cursim currendo concurrunt famina multa. 260 Quippe infrunito non sufficit omne paratum. Probrose interdum vivit qui non numerose. Non multum metuas matutinum hospitem et ymbrem. De folle accipias obturans follis hyatum. (8") Res commissa cani canis it committere caude. 248. Nullus uuquam latronum in furcis penderet si ipse sibi judex existeret. Derselbe Vers Denkmäler XXYII, 2, 135; vgl. Kein Dieb hängt sich selber, Wander s. v. Dieb Nr. 160; Niemand hängt sich selber drum daß er gestohlen hat s. V. Hängen Nr. 17; vgl. 2, 506. 249. Sunt plerique qui multa bona pollicentur verbis et factis non implent; hi iigurate dieuntur ulbas apes pro- mittere. 250. Aquila dixisse fertur ad aucam ludimus jocus (1. jocum) anti- quum ad te nostrorum de more parentum . 251. Qui mouitore indiget, de itinere malo quod ceperat ad melius quantotius se convertat. Vgl. Simrock Nr. 11257, und das altfr. Sprichwort Zeitschr. 11, 136, Nr. 202. 252. Vestis a carne calorem suscipit atque eam iterum corpori reddit. 253. 254. Nostri majores Ins qui nunc sunt et corpulentiores et melioris fidei fuerunt. 255. Qui fuerit centum annorum, cum deliquerit et se per pueritiam peccasse dixerit, ad maledictionem transibit, quia se non recte purgavit. 256. Stultitia est hominis et summa vanitas ita per legem velle promissa expetere quasi debita ex propriis donis ante collata. 257. Non est eadem mens puero minanti et asino onus portanti. Der Esel und der Treiber denken nicht eins, Wander s. v. Esel Nr. 111; vgl. 107. 258. Rare invenitur ulla infirmitas cum qua se tussis non misceat; hie mos est discordantibus et bella tractantibus. 259. Fama semper habet currere, nunquam quieta stare, sed ubique terrarum altas turres terrere. 260. Infrunitus est qui nequit exsaturari et cui nemo potest ad suffitientiam ventris ministrare. infrunito , darüber cui non suffitiunt fructus. 231. Qui moderate et cum mensura vivere non vult, cum bona parata de- fecerint, velit nolit cum dedecore vivet. 262. Hospes qui mane ad te venerit et pluviam matutinam horum neutra non sunt apud te diu mansura. Frühregen und Frühgäste bleiben selten über Nacht, Simrock Nr. 2858; vgl. Der morgend Gast herbergt nicht, Wander s. v. Gast Nr. 27. 263. De eodem folle parti- culam sumas unde ejus foramen resartias; de suo, non de alieno , debet quis- quam sumere qui vult debitoribus foenerata persolvere. v 264. Canis quod sibi precipitur caude committit; unde datur intellegi, dum futili servo et pigro necessaria res a dominis fuerit commendata, nequiori se faciendam tradit et neuter eorum naviter explebit, de quorum factis hoc proverbium ad canem convertitur. 330 K. BARTSCH 265 Unguibus arta tenet locuples de paupere factus. Lodix plurima erit quo clauserit ora loquentum. ütimur inde foris quod sepe fori recitamus. Qui patrem occiditj non patrem reddet eundem. Cum liquor exsuperat, pleno de margine manat. 270 Corrigias excide alieno in tergore largas. Pars hominum didicit quid frangere, non solidare. Dura valetudo certissima mortis imago. Longus item languor fatalem tendit ad urnam. Calliditas ita o^rata foret si calleat unus. 275 Pauper ait non vendo, immo suffragia venor/ Vertitur heus rerum mutabilis ordo vicissim. De cane edente canem rabies acerrima surgit. Alba videntur in albis ova inserta farinis. Signatur de fune freneticus unde ligatur, 280 Et canis inde nolam subvectat ut hinc caveatur. In baculo pastor popularis cernitur unco. 265. Cum pauper factus fuerit dires, continuo ad avaritiam transit metuens ne perdat ea que nimia tenacitate coartat. 266. Ille pannus erit latissimus qui omnium ora, ne diversa loquantur, obstruxerit. Über Lodix steht: spans dicitur. Wer alle Mäuler will verstoppe, der braucht viel Lumpe, Wander s. v. Maul Nr. 183; vgl. Wer jedem das Maul stopfen wollte, müsste viel Mehl haben Nr. 196; Der muß viel Mehl haben, Der alle Mäuler will verkleiben, Wander 8. v. Mehl Nr. 10. 267. Sepius secretum quod domi inter familiäres loqui- mur, etiam foris incauti, dum non speramus, prorumpimus. 268. Qui patrem alterius occiderit, aliis bonis suis pacificet, quia eundem patrem vivum non reddet. 269. Cum vas fuerit plenum , quod super infundis, excedet. Wenn das Gefäß voll ist, läufts von einem Tropfen über, Wander s. v. Gefäß Nr. 12, und das dort angeführte dänische Sprichwort; Wenn das Faß voll ist, läufts über, s. v. Faß Nr. 85. 270. Cum tibi gratis datur aliena pellis secunda, dum licet largas incide corrigias, quia ex antiquo more minus alienis quam nostris est indulgere. Vgl. Aus fremden Häuten ist gut Riemen schneiden. Wander s. v. Haut Nr. 10; vgl. Fell Nr. 1. Altfr. De autre cuir large coroie, Zeitschr. 11. 126. 271. Sunt multi qui res bene gestas potius destruunt, quas reedificare non possunt. 272. Infirmitas carnis suspecta est magis quam ad vitam tendere ad interitum mortis. 273. Longus languor proximam significat mortem. Lange Krankheit, sicherer Tod, Wander s. v. Krankheit Nr. 85 und die Citate daselbst. 274. Unicuique carum sibi foret bono quo calleret ingenio, si re artifice polieret in uno. 275. Divites pauperibus sua vendunt suffragin, yiauper vero sua non vendit, sed emit. 276. Vicissitudo et mutatio fit omnium rerum. 277. Cum canis canem cömederit, vicina inter eos rabies surgit. 278. Album ponis in albo cum ova posueris in farinis: ita fit cum aliqua simillima jungis. 279. 280. Cum olim aliquis insaniret fune ligatus post se funem trahebat, ut inde alii discerent ab insano qua se ratione caverent; de cane est idem sensus. Signatur, darüber idem signum dat. 281. In curvo pedo quod pastor portat in collo intellegitur quo vivat offitio. SPRICHWÖKTER DES XL JAHRHUNDERTS. 331 Delictiim premitur si pena sequens timeatur. Hie solus sapiens quem condierit humilis mens. (9*) Sumitur adjutor qui consilii est onerator. 285 Stiiltus dampnatus majori cedit honori. In plaustro quodcunque novum quod inutile stridit. Secm'us ciii cuncta arrident prospera dormit. Quippe diu male cesus lamentabitur infans. Nee curas sanetos neque enim curaris ab iliis. 290 Currere festinans in asello perdit opellam. Sola putat fatuus que cogitat insita veris. Cui satis est piperis pultes condire licebit. Vir fugitans lites extinguit seditiones; Nam semper furiosus amat committere rixas. 295 Litus ama, proreta celer, surgeute procella. Ei mihi servitii perierunt tempora longi. 0 salva mercede, deus, nos respiee tantum. Lapsa suam non post solidabit virgo ruinam. Vos, ubi delitiunt jurantes, state^ propinqui. 282. Peccatum ibi cessat si quis pro eo penarn consequi timeat. 283. Ubi fuerit humilitas virtutum regina, ibi nulla deest sapientia. Deniuth ist eine schöne Zier, Wander s. v. Demuth Nr. 4; vgl. Nr, 13 — 17, 284. Tem- pore necessitatis consilii nostri sepc querimus adjutorem qui magis nocet quam juvet. 285. Stultiis dum bene consulitur ante dampna consultorem non audit, qui postquam dampnatus fuerit, tunc vel invitus cedit. 286. Novum aliquid aut inutile in plaustro reliquis ejus membris quiescentibus inportune resonat^ ita stultus in placito aliis silentium indicentibus solus vociferat et usque ad tedium clamat. Das schlimmste Rad am Wagen knarrt am ärgsten, Simrock Nr. 8068. Altfr. la pire roe deu char brait totjorz, Zeitschrift 11, 141. 287. Cui prosperum omue bonum succedit in conclavi suo securior dormit. 288. Puerulus parum cesus diutius plorat. Vgl. Mal est batu qui plorer n'ose, Zeitschr. 11, 117. 289. Si sanctorum merita non quesieris, eorum suffragia fidutialiter non mereris. 290. Studium suum perdit qui in asino quasi in equo currere velit. 291. Fatuus quod cogitat semper verum putat. Vgl. Ein Narr dünkt sich jederzeit klug und witzig zu sein, Wander s. v. Narr Nr. 320. 292. Qui habet habundantiam piperis, si voluerit etiam cum pultibus miscebit. Wer viel Pfeffers hat, der pfeffert auch sein Mus, Wander s. v. Pfeffer Nr. 17, und die daselbst angeführten Citate. Altfr. Qui plente a deu miel, en sa pois le met, Zeitschr. 11, 143. 293. 294. Qui rixa8 odit aliis tumultuantibus prohibebit; et qui eas amat alios ut itidem faciant provocat. 295. Si in flumine fueris tempestate surgente quantotius navim ad littora coge. 296. 297. Longi servicii mercede non persoluta hoc versiculo potest uti, et si debitor non dat, deus omnium bonorum redditor ipse persolvat. 298. Virgo post- quam lapsa fuerit virgo esse non poterit. 299. Si defitiunt qui tecum jurent, preterea te propinqui non deserant. jurantes aus jurate ; dann ausgestrichen herete, darüber vel State. Fallunt jurati, vix uno sanguine nati, Denkm. 27, 2, 62. Die deutsche Fassung war etwa: Iz giswichent die geswornen, niht friunt die gebornen. 332 K. BARTSCH 300 Vana superstitio est quod uou sum volle videri. Lumina qiii dolet eruta non geniit irrita dampna. Alliuis iu vaiuim fudeiido picem super udum. Parci sunt ciuici mollesque in carne cinedi. (9^_) Ariditas gaudet paucis, opulontia multis. 305 Pauporiem dilatat inops cum vina frequentat. Subjacet ut semper solitis iguavia dampnis. Penitus ante tubas galeatuni sero duelli. Annuum ab exitibus non omne revortitur agmen. IVIaxima queque domus servis est plena superbis. 310 Commendo calvuni non tota fronte glabellum. Libertas decet hos humeros ubi nobilis ortus. Obscura et stulta est ignavia fasce premenda. Mantica multorum lumbos, eques ulcerat armos. Justitiam opprimit invitam violentus et exlex. 315 Expuncta sauie solidatur sautia pellis. Ante boves versum non vidi currere plaustrum. Filia non reete generis datur una duobus. 300. Hec est superflua vanitas quenquam hominem sublimiorem se existi- mare quam possit evincere. 301. Qui perditos gemit oculos non gemitus effundit vacuos. 302. Non bene beret in vasculo pix que funditur in umido. 303, Canibus conparantur cinici, luxuriosis cinedi. cinici, darüber Cinici parci vel canini; eiendi, darüber Cinedi molles et effeminati. 304. Paucis egent qui parce vivere volunt et pluribus indigent qui perplura desiderant. 305. Ad paupertatem cito se potest perducere qui incessanter vino voluerit estuare. 306. Ignavus qui non vult operari, continue servit mendicitati. Wer nicht arbeitet, muß betteln gehen, Wander s. v. arbeiten Nr. 54. 307. Cum tuba ad bellum perstrepat , si non miles antea peniteat, ibi seram penitentiam inchoat. 308. Cum in expeditione exercitus annum continuet, non omnis incolumis rever- titur nisi ibi aliquis moriatur. Vergl. lässt sich etwa: Es ist ein böser Krieg, aus dem keiner zurückkommt, Wander s. v. Krieg Nr. 62; vgl. auch Nr. 185; Simrock Nr. 9027'*. 309. In divitis domo aluntur servi superbi. Je größer Haus, je stolzer Knecht, Wander s. v. Haus Nr. 293: je größer und herrlicher ist ein Haus, je stolzer Knecht geht ein und aus Nr. 294; daselbst die gleiche lateinische Fassung wie hier aus Phih'ppi 1, 244. 310. Laudo calvum, sed non eum in toto capite depilatum. 311. 312. Magnum decus est eum a Servitute liberum ubi caput est generosum ; ignavus et obscure natus ille potius est servitio obprimendus. 313. Sarcina ulcerat cquum retro in lumbis, antea sessor in armis ; ita contingit pauperi cui nusquam est bene. 314. Violentus et legis efFractor omnibus subditis negata justitia facit injuriam. 315. Quandiu putredo fuerit intus, nou sanabit corpus, qua ejecta convalescet infirmus. 316. Non est rccti consilii in omni negotio, dum res prepostera velit esse prima. Vgl. Er setzt den wagen für die rinder, Zingerle S. 162; auch Simrock Nr. 7866. 317. De una filia non debes tibi duos generös parare; ita de re uni homini promissa non debes alteri suspitionem dare. Tiine mäht nicht mit einero dohder zewena eidima machon, Denkm. 27, 1, 8. 27, 2, 130. Er will mit Einer Tochter zwei Eidame berathen. Simrock Nr. 10348. SPRICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 333 Non potes uxorem quam dicimt ducere glorem. Currit iter liquidum multo siuuamine liyrundo. 320 Terra tenet sulcum, levis aer et unda recurrunt. Vermiculus lens leudis, lens a leute legumen. Participes siue plagarum qui forte epularum. Turpiter in meusa si non sis mente fidelis. (10") Turpes rana sonos, nullum solet edere melos. 325 Rane continuant hac tempestate coaxem. Cur portant vituli clitellas propter asellos? Nos injecta gule fecerunt ossa tacere. Propter melle litas non latrat cerberus offas. Aniüus in digito, digitus cenosus in ungue. 330 Extiuguat vitium, non carnem, qui abstinet escis. Dum pluitur vobis, nobis stillare necesse est. Multrs propter iter consurgunt tecta magistris. Hie te rex ideo ut loquereris vera reliquit. 318. Qui suam habet uxorem, ejus postea Don poterit habere sororem. glorem; am Rande Glos gloris est soror uxoris. 319. Quis potest scire vias hyrundinis in hoc aere tota die volantis? 320. Tria sunt que sulcantur, aer, aqua et terra; sulcis vero in duobus elementis cito clausis terra suum non claudit. 321. Glose sunt. Über lens lendis steht: vermiculus in capite. 322. Convive suo debet in necessitate succurrere qui suis epulis vult continuus Interesse. Über plagarum: plaga quando vulnus significat, longa, quando par- tem mundi, brevis. Iss mit, hang mit, bist gut Gesell, Wander s. v. mitessen Nr. 2; mit gessen, mit zahlen Nr. 4; mitgenaschet, mitgehasset, Wander 3, 946. 323. Idem sensus est iste versiculus. 324. Kana turpem profeit sonum, sed Carmen nullum mellitum. Vgl. Ein Frosch kann nicht singen wie eine Nach- tigall, Wander s.v. Frosch Nr. 21, vgl. 23. 325. Über tempestate: in tempore sibi concesso. Vgl. Der Frosch Uisst sein Quaken nicht Nr. 7. 320. In monasterio fratrum pueris bene legentibus et cantantibus inponitur jugum pro his qui ita non possunt; utiles vocamus vitulos, minus capaces asellos. 327. Quoties fratribus digna stipendia non dantur, monitori eorum pretium aliquod impenditur ut taceat, quod vocatur os in gulam projectum, et cunctis fratribus venit ad dampnum. Vgl. Wenn man dem Hunde das Maul mit Fleisch gestopft hat, dann ist leicht stehlen, Wander s. v. Hund Nr. 1171; Bellenden Hunden stopft man das Maul mit Brot Nr. 58; man kann dem schlimm- sten Hunde mit einem Bissen Brot das Maul stopfen Nr. 847. ' 328. Propter injustam mercedem non clamat prelatus ad fratrum utilitatem. latrat aus citat. Vgl. zum vorigen Verse. 329. Ibi non decet anulus ubi est unguis et digitus sordidus. Vgl. Wie der Finger, so der Ring, Wander s. v. Finger Nr. 83. 330. Bonum est prius abstinere a vitiis qui vult pro deo abstinere ab escis. 331. Cum omnia bona confluant vobis, necesse est ut ad nos corporis necessaria vel minima profluant. Vgl. Regnet es nicht, so tropft es doch, Simrock Nr. 8300. 332. Qui juxta viatorum tramitem edificat multos habet magistros qui sie aut sie facere dictent. Wer bauet an den Strassen, der muCs sich meistern lassen, Wander s. v. bauen Nr. 44, und die daselbst angeführten Citate; MS. Denkm. S. 324, zu v. 51. 333. Qui se vera dixisse fatetur, illi ironice obicimus ideo te rex ut solus vera loquereris reliquit . 334 K. BARTSCH Equos a puncto formabit circinus orbes. 335 Cattus amat pisces, sed non vult crura madere. Isque adco tumidus si non vult carpere raures. Nulla farina tarnen quamvis aliud sit in urna. lufaus ova petit non curans unde habeantur. Ex turpi symia ingenuus leo non generatur. 340 Dicitur electus de pluribus optio railes. Que pars in nostris die, sodes, uclupa tectis. Te penes auditor quid sit perquire vopiscus. Velitibus vinctis oquites ad bella parantur. (KT) jMilvus edit pullos quamvis non foverit illos. 345 Non emitur tuto tibi clausa pecunia sacco. Mus inpune satis mendici in folle superbit. O puer ede quid est et cur sit aranea vatrax. Cymex. exiguus mus^ quid sit disee, capronus. Lomentum furfur sunt purgamenta farinae. 350 Ve qui luxuriam moriendo nee ante reliquunt. Mutua cum nata matrem munuscula amicant. Dosinus est asinus genitali pelle potitus. 334. In circino formamus circulos eo modo qualis esse dicitur a puncto usque ad punctum. 335. Multi volunt strenue vivere, sed nullum laborem subirc. Vgl. Si quis amat piscem, debet sua crura madere, Denkmäler von MS. 27, 2, 220. Die Katz möcht der fisch wol, sie mag aber der füss nit netzen, Wander s. v. Katze Nr. 69; vgl. die dort gegebenen Citate und Nr. 36. 67. 80. 115. 119. 141. 336. Nam et cattus est adeo superbus qui suos per se non queritat victus. Vgl. Es ist eine vornehme Katze , die sich zu mausen schämt Nr. 224. 337. Licet farinam arbitreris, interdum aliud habes in arca vel urna. 338. Infans a matre ova rogitat, dum modo sibi dentur, unde habeantur non curat. Vgl. Kinder fragen nicht was das Brot kostet, Wander s. v. Kind Nr. 425. 339. Ex deformi matre et inhonesta non nascitur venustus et nobilis infans. 340. Iste rersiculus glosa est. 341. Über uclupa: ferest; über tectis: eminentior pars domus. 342. Über te penes: idem apud te; Vopiscus, am Rande: Vopiscui dicitur filius qui est cum altero genuinus et illo aborto vivus nascitur. 343. Velites sunt pedites qui in auxilio cquitum ad bellum vadunt. 344. Milvus ex antiquo more furtivus de puUis galline semper suos consuevit nutrire. 345. Quis sapiens emet pecuniam quam non videt et in vacco reclusam? Vergl. lässt sich: Man muß die Katze nicht im Sacke kaufen, Wander s. v. Katze Nr. 368, und die Citate daselbst. 346. Mures ad saccum mendici liberius currunt quem sub sera positum non inveniunt. 347. Vatrax est aranea tortis cruribus nata et hie propter gh-sam posita. ede, seil, die; vatrax, darüber: tortis pedibus. 348. Cymex, darüber: vermis in paricte; über exiguus mus: vocativus; capro- nus, daneben capite pron. 349. Resolutio glosarum. 350. Ve illis qui usque ad obitum suum luxuriöse vivunt. 351. Dando et recipiendo mater et filia inter se sunt amice. Altfr. Donanz e pernanz fet meres et filles amies, Zeitschr. 11, 119. 352. Dosinus, darüber: frequentior color iste invenitur in asiuis. Der E^el bat von Jugend auf graue Haare, Wander s. v. Esel Nr. 7b. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 335 Naribus obstrusis odi crutlale catarrum. Inculte quam plura fovent aviaria silve. 355 Curritur ad facinus tamquam ad vivaria pisces. Uritur hinc vivus defimcti in laude mariti. Jus iuhonostat equi faleras lutulenta decoras. Fusteus aut raro caiiis aut nunquam bene ridet. Sponte inarata lilix iu nostris pulJulat agris. 360 Haec circum pagos et compita currit amica. Ut te suscipiam letus tibi brachia tendo. Tabula quam facili quassatur aranea tactu. Da pueris quod cire vocare^ eiere movere. (11') Caudidum erit quod cura facit, natura quod, album. 365 Ex multis alius, de binis dicitur alter. Non sunt accipitres pennati quique volucres. Panificum coclear non crescit edentis in ore. Molliter iste legit quasi qui prunas pede calcat; Palpat ut estivus ventus percurrit aristas. 370 Sunt quedam nescire magis quam prospera scire. Omnis obest fatienti noxia quam patienti. Vertitur ad modicum descendens nostra potestas. Linguam taurus habet quamvis non multa loquatur. 353. Catarrum est morbus narium; unde qui hunc dolorem patitur vix anhelat et magnum impedimentum sustinet. catarrum, morbus narium. 354. Avia- rium est ubi aves nutriuntur et hoc maxime in silvis agitur. aviaria, darüber: glomeratio avium. 355. Multi festinant ad infamiam vite sue uti pisces ad nimias aquas. 356. Hinc solet secundus maritus irasci si qua mulier vimm laudat priorem. 357. Si quis equorum faleras super scrofam posuerit, cito cum eis ad volutabrum transire videbit. Vgl. Sattel eine Sau, es wird kein Zelter daraus, Simrock Nr. 8730. 358. Ligneus canis nee poterit nee bene ridebit; ita vir umbrosus raro videbitur letus. 359. Filix et reliqua frutecta uberius surgunt quam boni fructus, pro quibus incessanter laboramus. Unkraut wächst ungesät, Simrock Nr. 10711. 360. De femina que luxurie causa per plateas circumvolat vagabunda. 361. De amico jam ex longo tempore non viso, quo suscipitur gaudio. 362. Aranea cito tabescit si quis eam vel facillimo tactu tetigerit. 363 — 365. Magister qui fueris, die famulis tuis distantiam inter cio, eis, et cieo, cies, et in similibus multis, quid inter candi- dum et album, inter alterum et alium, ut cos fatias reguläres, da pueris o magi- ster; über da: i. die discipulis istud et aliud. 366. Omnes aves non sunt accipitres et omnes homines non continuo milites et clerici non equaliter sapientes. 367. Coclear ex pane utendo consumitur; sie omnis res frequenti usu minuitur. 368. 369. Uli qui litteras aut syllabas mutilando pronuntiant, intellectum auditoribus suis non prestant. 370. Multa dicuntur et fiunt que melius esset nescire quam scire. 371. Omnis culpa plus nocet fatienti quam audienti et patienti. 372. Qui tirannidem suam aut immitem potestatem contra subjectos exercent, si enim quam cito transit adverterent, non utique inchoarent. 373. Bos non ideo tacet quod lingue satis non habeat; sie et boni plurimi propter pudorem conticescunt que inutilia sciunt. Vgl. oben v. 231. 33B K. BARTSCH Accitiis si non veuiat, veuiat bonus annus. 375 It rediit Vulteius ad qu(^ nuper omisit. Accipiente manu potiorem judico dautis. Tanto plus ealidum, quanto viciuius igni. Ligna per occasum quod uanciscuiitur habebunt. Fli>s loeui typus extolleutia nostra mineque. 380 Qui fallit cociear vacuo deprendit in ore. Spes venientis aque quo jam fluere ante solcbat. Qui te audire fugit^ culture impendia perdis. Lancibus appositis in villam transilit ignis. (IT) Dum ealidum fuerit debetur cudere ferrum. 385 ^latutina viros ineultos frigora mordent. Raro audistis ovem de capra poscere lanam. Plus sapere est quid scire malum, quod prosit oportet. 374. Mos est convivarum dicere cum invitatus ad prandium reuire non vult bonus annus nobis veniat , si amicus venire recusat. 375. Vulteius eligaus juvenis ab urbe Roma ad villam ut ibi moiaretur transivit, et cum ibi ditaretur multis peculiis , villam prefecit urbi; sed cum non multo post oves et pecora clade perirent, cepit villam odisse et urbem preferre et ad eam quan- totius redire. Namque de eo ibi est longa ratio, hie brevibus verbis est com- prehensa. 37G. Melius est dare quam accipere. Geben ist seliger als Nehmen. 37 7. Quanto propius ad ignem accesseris, tanto magis ustionem senties. Je näher dem Feuer, je heißer, Wander s. v. Feuer Nr. 170; vgl. 168. 169. 3 78. Lignum ubicunque ceciderit, ibi erit. Liguum pro homine ponitur, qui qualis ia fiue fuerit inventus, sive bonus, sive malus, tale habebit premium et pum non mutabit locum. Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, Wander s. v. Baum Nr. 247; Wo de Born henfalt, da ligt he ok Nr. 252. 379. Mine nostre et superbia nostra quam exercemus cum morimur ad nichilum redigitur, et qualis h^c potestas nostra sit, ostendetur. 380. Qui cum cocleare pul- menta non levat, os suum fatigat. 381. Qui didicit a pueritia, spes est cum quesieiis in eo aliquara reperire scientiam. Wo Wasser gewesen ist, da kommt Wasser wieder, Simrock Nr. 11231. 382. Qui stultum docueris odiuni tibi potius quam amorem iupendet. Vgl. Wer den Narren predigt Verstand, sät seinen Weizen in den Sand, Wander s. v. Narr Nr. 1060; wer einem Narren guten Rath gibt, gießt Wasser in ein Sieb Nr. 1067; Wer Narren will weiß machen, der hat gern verlohren Arbeit Nr. 1108; vgl. 1118. 383. Familia domus obliviscitur ignem struere cum ceperit manducare, et ideo dicitur ignetu ibi non esse, .sed ad vicinos transisse. 384. Puer quilibet et döcendus est et ammonendus in tenella etate ut discat necessaria, quod jam concretus non potest facere, si velis tum temporis constringere. Man muß das Eisen schmieden so lang es warm ist; schon bei Boner: Die wil daz isen heiz ist wol, vil bald man ez denn smiden sol, Zingerle S. 28. 385. Male vestitis frigora sunt noxia, sed magis semper illa matutina. 386. Hl qui plus habeut non debent a minoribus supplementum querere. Vgl. Von einem Bocke bekommt man weder Milch noch Wolle, Wander s. v. Bock Nr. 55. 387. Dum id scire querimus quod magis officit quam prosit, plus quam opus sit scimus, cum tantuinmodo bona scire debeamus. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 337 Corbulo uomen habet tractiim de corbe ferenda. Stultus erit guatus dolor altus utrique parenti. 390 Nemo potest animum iuvitum curare Scolaris. Luter amat tbrtis pelles ambire tenellas. Bever habet louge phiris muniinen honoris. Vulturibus semper sunt nota cadavera ville. Cui bene non vohimus, nee dicimus *euge tidelis', 395 FiHus accrescens vivi genitoris amatui\ Mater habet puerum de patre superstite carum. Inmerito auditur qui previus ire veretur. Pavouum caudis visuntur verrere terram; Longa trahunt fratres indignis syrmata nugis. 400 Pocula terna modum fatiunt, superaddita rixas. Dicitur in medio vatum saltare Saul rex. Vidimus in clero quendam versare Saulem. Odit adhue deus a quo prima superbia victa est. (12") Incendetur inops, tumidum dum gloria tollit. 405 Justins est modicum quid divitiis sceleratis. Unde hie promeruit laudes, hoc vapulat alter. Consilia est celerare bonum fidissima regum; Verba dei vulgare salus, sapientia, virtus. Sarcina dura virum qui vult tolerare procacem. 410 Falsus testis^ ait dominus^ non ibit inultus. Munera que donat moriens ea munera non sunt; Nulli forme daret si posset longius uti. Solaris nimium calor afflat inertia corda. Fumida comparent interdiu et ignea noctu. 388. Sunt quidam qui ad onera ferenda aptiores inveniuntur. 389. Filius stultus oneri est patri et dolor matris que geuuit eum. 390. Omnem pue- rum, qui iuvitus diseit, nulla eum scola juvare poterit. 391, Ad viles pelles luterum preparamus et teneriores. 392, Über Bever: vel fiber; über habet etc.: fibrum ad honestiores. 393. Raro latent vultures cadavera regionum et glut- tones prandia seniorum. cadavera, darüber: a cadendo dicta. Aas lässt sich nicht vor Geiern verbergen, Wander 1, 4. 394. Nunquam de his bene loquimur quibus nulla prospera optamus. enge, darüber: vox salutantis. 396, Quelibet mulier inde cariorem habet filium qui patrem habuerit vivum. superstite, darüber: i. vivo. 397. Qui aliter vivit quam predicat restat ut ejus predicatio contempnatur. Vgl. Wander s. v. lehren Nr. 22. 26. Über pre- vius: anterior; über veretur: timet. 398. 399. Omnia superflua nocent quod illi videntur sequi qui longiora necessitate traxerint vestimenta. syrmata, darüber: syrma extrema pars vestis. 400. Qui moderate bibit aliquo modo compos est mentis, qui multum concitat lites. 401, Vgl. Göthe's Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitten. 403. Gott haßt den Stolz, er wachs' auf dem oder jenem Holz, Wauder s. v, Gott Nr. 569. 405. Vgl. Besser arm und fromm, denn der Schalk im Reichthum, Wander s. V. arm Nr. 34. 406. Dem Sinne nach entsprechen Sprichwörter wie: der eine hat's Genieß, der andere den Verdrieß, Wander 1, 783 etc. GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVIII.) Jalirg. 22 338 K. BARTSCH 415 Piscis aqua non spontc caret nee doctus amico. Dum tiieris felix, duri reminiscere casus. Stultus correctus monitorem protiiius odit. Res bene i!:esta dabit mensure premia plenae. Effera mors homiuis, serpeutis vita venenum. 420 In diversa vagi iiunt per sins^ula tardi. Indiscretus amor sotiorum ciimina celat. Dilii^it omnipoteus hilarem deus ipse datorem. ]^Iucida semper npud parcum cum carne farina. (12^) Ante oculos avium jactabis retia frustra. 425 Primitiis tVugum rejj^em placato supernum. In te lidentem nunquam asperneris aniicum. Omne quod est in precipiti stat limite casus. Quem deus apponet letus servabis honorem. Xam summi pretii mclior sapientia gemmis. 430 Vir sapiens ubi semper justa monentur obaudit. Deputat in stultis derisor dogmata sannis. Peccati inmunes non sunt qui multa locuntur, Impietatis honor spoliis plorantis lionustus. Augebit tbrmido dei tibi tempora vitae. 435 Impietas mutilans vivendi proterit annos. Corruet in lovea fidens in divite gaza. Qui parcit virge, sua pignora protinus odit. Mentem quisque parat, Hnguam deus ipse gubernat. In linguae plectro tibi mors et vita parata: 440 Prudentem deus uxorem legavit in edes. Verba beant justum, non centum verbera stultum. Ad bellum itur equis, dominus dat dona salutis. Divitiis posuisse modum non infima virtus. (13') Cujus eniui panem manduco, carmina canto. 445 Hanc pluviam non equiperat, quod rex habet, aurum. Jugiter OS stultum mentitur et inproba lingua. Pleno sarcofago non conditur alter humandus. 417. Vgl. V. 382. 422. Den fröhlichen Geber hat Gott lieb. 424. Wenn das Netz zu offen liegt, fliegt auch ein dummer Vogel nicht hinein, Wander 8. V. Netz Nr. 33; vgl. die dort angeführten Citate. 429. Vgl. Weisheit ist des Lebens Auge, Simrock Nr. 11507. 432. Vgl. Wer viel spricht, muß viel wissen oder lügen, Simrock Nr. 9775". Wer viel schwatzt, lügt viel Nr. 6667. 433. Vgl. Der Gottlosen Glück ist der Frommen Unglück, Wan- der 8. V. Gottloser Nr. 18. 437. Wer der rüten schonet, sin selbes kint er honet Sal. u. Morolt, bei Zingerle S. 81 f., wo andere mhd. Beispiele. 438. Vgl. Der Mensch denkt, Gott lenkt. 441. Nieman kan mit gerten kindes zuht heberten : den man zeren bringen mac, dem ist ein wort als ein slac, Wallher V. d. Vogelweide. 444. Weß Brod ich esse, deß Lied ich singe; swez brot man ezzen wil, des liet sol man ouch singen gerne, tugendh. Schreiber, bei Zingerle S. 23. 445. Dieser Regen ist nicht mit Gold zu bezahlen. SPRICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 339 Talliolas invisibilis vitate draconis. Migale, cuniculus, sophorus nigredine pulchra. 450 Non prodest adeo tibi inel multum comedenti. Scuta die portal, sed nocte in stercore jactat. Pulli sunt surdi dum trudis in horrea messes. Calones et plena facit tritura superbos. Pauperem apud dominum servi spes nulla opulonti. 455 Hec vita est oculorum carnis et ambitus orbis. Qui non compatitur miseris, quid habet pietatis? Inter aves reliquas biteriscus queritat escas. Hoc Carmen pueris *but but' de cornibus exit. In psalmis et laude dei torpescere noli. 460 Difficiles sunt res numerando quis explicat omnes? Corvorum puUis dominus non denegat ^scas. Caseus est durus canibus quem non dat avarus. Arguo te cedis qui spem non ponis in armis. (13') Promptus ero ut celeres sunt ad fenilia furce. 465 In multis asinis nullus discursus equinus. Qualiter adversus fortes pugnabit inermis? Scuta dei qui materialia non potes obde. Quod fuit, illud eo melius quod non erit ultra. Plaustra cadunt, hinc passim verba superflua crescunt. 470 Hunc hominem non sensus, non sapientia credit. Nunc creat ex aliquo qui de nichilo omnia fecit. Non hodie est minor ulla boni jactura clientis. Evo fractus equus saumaria ferre recusat. Bos vetulus sulcos epiredia vitat aratra. 475 Non aliter te quam cultrum capra diligit odi. Vives pre gazis vegetis placuere Latinis. Qui ceiare nequit für quominus ut sit oportet. Quid videt is qui pauper erit, mirum unde superbit. Qui laudant dominum, ne claudas ora loquentum. 480 Qui misere hie vivunt, ibi mollius ossa quiescent. Non poterit domus aut carabus rectore carere; Quo sine nulla viget domus ac sine remige lembus. Ardea nomen avis, nomen de ventre cacatrix. (14*) Arcet hiemps solem, perdit plaga nostra calorem. 448. talliolas, darüber: ligatioues pedum. 449. migale härm, cuni- culus marderis. sophorus zabilis. 450. Zu viel Honig ist bitter, Wander s. v. Honig Nr. 114; zu viel Honig essen ist nicht gut Nr. 113. 452. Pulli s. s., darüber: vel exsurdant puUi. 453. calones, darüber: ministri qui ligna por- tant. 469. Wenn der Wagen im Kothe steckt, werden viel Worte gemacht, Simrock Nr. 11115. 471. Vgl. Gottes Wunder sterben nicht, Wander s. v. Gott Nr. 1363. 474. Alte Ochsen ziehen übel. Wander s. v. Ochs Nr. 8. 477. Am Rande: Non debet furari qui nescit ceiare. 480. ibi, im Texte steht his, darüber: ibi. 481. carubus. darüber: parva uavis. 482. lem- bus, darüber: navicula. 22* 340 K. KARTSCH 485 Ad morem caucri nunc cogimur ire retrorsum. Saltum movisti. sed aves collegerat alter. Bile sub obliqua geris in penetralibns anguem. Christo, juva miseros sicut vis et potes et scis; ^lunia qiii possunt tieri breviora precantum? 490 Felix Leviatlian poterit qui rimipere fauces, Et tara torniid()l(>sos evadere dentes. Radbodo Freso facit decretiim nemiue secura; Et sine rege caput procerura laudabile nulli. Quicquid erit nimium datur experiendo nocivum. 495 Vivere vult laute galliue filius alb^. Ceditur ut feritus paveat canis ante leonem. Mater pro natis dolet et de pane pusillo, Tristis de multis, cum desit copia panis. Ve matri multis natis et fomite pauco. 500 Hie visus carnem desiderat et caro mundum Precessor cupidus, cupidissimus ecce secutor. Ista feros carpit sententia nostra ministros. Inprudentis erit per singula verba minari. Dispergendo qui dem tenuabitur ampla facultas. 50.5 Mendaci, dum vera canat, vix creditur uUi; (14'') Nam que sanctius affirmat magis irrita credas. Qui semper tepuit neque seit, qui, queso, docebit? Turris cepta fuit que jam derisa refrixit. Subditus liinc populus gemit, impietas ubi regnat. 510 Vera solet canis interdum gannire senilis. Hinc meror quod, frater, ades tam rarus ut hospes. Quandocunque redis, jubar, ex Oriente videris. Jocundos agimus te presto et sospite soles. Nemo hodie sua dat nisi carius omnia vendat. 515 Tollitur insolabiliter pullis pia mater, Destituens inplumes et sine fomine nidos. Ut phalere decuere suem, sie inprobum honores. Proticimus ceu lac distenditur ubere capri. Et cocus et friget locus atque refectio tratrum. 520 Null US ut introeat torpent in limine valve. 486. Einer schlägt auf den Busch, der andere kriegt den Vogel, Wander 1, 784. 494. Allzuviel ist ungesund u. ähnliches. 496. Der hunt wirt zu wilen geschlän umb daz der h-be hat getan, Morolt, bei Zingerle S. 75. 503. Minarum strepitus asinarum erepitus, Wander 1, 69 8. 505. Wer ein- mal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht, Sim- rock Nr. 6674. 507. Wer andere lehren will, muß selber etwas wissen. Wander 2, 1«82. Discere plura debet, si quis vult plura docere: nam qui nil didicit, nulla docere potest MS. Denkm. 27, 2, 44. 508. Über refrixit: vel vacavit. 510. Alte Hunde bellen nicht umsonst; l'aboy d'un vieux chien doit-on croire, Wander s. v. Hund Nr. 15. 518. Vgl. Einen Bock melken, Wunder 1, 418. SPRICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 34^ Rite onus alternum subeunt ad pascua cervi. Ante moras faciet tibi quam bene cocta sit auca. Die aquile quis scire vias in nube volantis, Quis poterit piscis spiras tot agentis aquosas? 525 Nomina stellarum, numerum quis dicet liarene? Traditur herbarum quoque inextricabilis error.' Nam volucrum tegitur pictorum caiculus ingens. (15") Qui ficte querunt dominum, non scire merentur. Dimissus puer arbitrio confunditur actu. 530 Ve soli prolapsus humi nee habet subeuntem ! Solvere qui nolit, melius non vota vovere. Defuncto canis est melior vivendo leone. Verba viri docti stimuh's et comparo clavis. Non sapiens palpare nefas, sed pungere novit. 535 Unus sit per cuncta deus mandata timendus. Contra consilium domini prudentia nulla. Cujus despicitur vita, est doctrina repulsa. Ad summum trausire bonum preventio feb'x. Que tribuit deus ante oculos non semper habemus. 540 Non pacem colit unius divisor amoris. Prelata pietate metes, homo, gaudia pacis. .Redditor est patiens altissimus equus ubique. Delatore Doech fit mox homicida Saul rex. Permittit deus et fiunt que sepius odit. 545 Laudatur Moyses mitissimus esse virorum. 0 quantum distant hodiernia laude priorum! Valde logi sunt a veris ad falsa minuti. (15*') Profitiente David gliscunt tormenta Sauli. Serpentem spiras cum quo tibi vita venenum. 550 Venalem prebes animam, si appareat emptor. Speranda est spes, non habitas depromere causas. Consequitur robusta bonum juga pliirima messis. Virtutum flores, dum vivis, apiscere sodes. In te virtutum mater, discretio, nulla est. 555 Semper in extremis bene erit, dominum metuenti. Friget amor domini regnante cupidine mundi. Inmundi cordis molimina Spiritus odit. Lucra beatius est dare quam suscepta fovere. 524. inextricabilis, darüber: inso'ubilis. 531. Vgl. Versprechen will ein Halten haben, Simrock Nr. 10911. 533. Ein lebendiger Hund ist besser als ein todter Löwe, Wander s. v. Hund Nr. 493. 548. gliscunt, darüber: crescunt. 553. Am Rande: Apiscor, ris, aptus, inquiro, et est primitivum, inde compositum adipiscor. 554. Freidank: bescheidenheit, diu aller tugende kröne treit. 555. Wer Gott fürchtet und vertraut, dem gehts zuletzt wol, Wander s. v. Gott Nr. 2146. 558. Vgl. Geben ist seliger als Nehmen. 342 K. BARTSCH Fortior est animum quam sit qui viccrit urbcm. 560 Mors metit omiie caput, medium, maturum et aecrbum. 0 malefactum, i>;ordiana secuta bubulcum! Hesitat ergo Laban quosuam magis eligat agnos. Nabal cum parcis est durus arator liabendus. Inter cursores Asahel vexilla ferebat. 565 Nemo atbleta bonus nisi summo in principe salvus. Protheus in diversa fugax victus redit in se. Qui trahit infirmos, intirmis compatiatur. Pultes lactate sapiunt, melius piperate. Is geminat stimulum qui contra Calcitrat unum. 570 (16") Dum jocus est, bellum cessare et omittere debes, Donatus legitur, donis evertitur equum. Muribus est aliis mus deterior rubicundus. Res, que tollitur invitis, mihi preda videtur. Noctibus occulti parent in mane susurri. 575 Te claudente diem vacuum subit alter honorem. Vita quidem nisi nostra dei pietate regatur. Non spetiosa deus laus peccatoris in ore. Frigore et esurie caro non letabitur ulla. Kumquam crescet in enormem formica camelum. 580 Munditiam servat sinceram rara venustas. Quicquid ist est, fratres, semper timeatur Ulixes. Non est vena lupis que non infecta venenis. Polipes esuriens mordere magis perhibetur. Motio crebra viri, sed non promotio, salva. 585 Glutto parem sotium non optat in arbore secum. Sic an sie, fratres, nos hinc transibimus omnes. Hujus enim tegne excutiam mihi de pede spinam. Compatribus multis, sed paucis fungor amicis. Numquid is est solitus de caulis pellere capras? 590 (16') Pullulat iste puer matura ut ordea messe. Promissis vacuis spes luditur irrita follis. Rixantur fortes, ibi fit discordia perpes; Nam neuter neutri, non Hector cedit Achilli. Insanum natum mater delira necabit. 595 Est non dedicat, abnegat et facit ambiguas res. 559. Sich selbst besiegen ist der größte Sieg, Wander 1, 325. 569. Wider den Stachel ist bös lecken, Simrock Nr. 9798. Altfr. Zeitschrift 11, 142. Is, am Rande: vel bos. 574. Vgl. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen, Simrock Nr. 9581. 581. Vgl. Feindes Geschenke haben Ränke, Wander 1, 969. 583. Hungrige Läuse beißen scharf, Wander s. V. Laus Nr. 24; vgl. 5. 25. 26. Polipes, darüber: pediculus a multis pedibus. , 585. Vergl. lässt sich: Noch ist kein Lecker so klein, er will haben ein Weib i allein, Wander s. v. Lecker Nr. 2. 595. dedicat, darüber: affirmat. SPiaCHWÖETEE DES XL JAHEHUyi'EETP. Hic seosms in doobfis mfemitur TensänaTiR. Sepe Try^^J" petiere cames in __ : ore fansti. ante aUos mas^? x ad danrptns rei-erni»- Hoc canit iz os: Tector dum desit 3. ire pedes, si sie placeat. d:_ 6fyj In sTiris minnebat itis posoenao pi- - ^ fdndator sangnis t^enid de vnlnere'^ öixii. Hoc dicnnt, Tersxrta opifex qnod nl'-iclä. iralpes jsta rem trä4?tat. dum iv.boris anxis, CattolTis inprimis st-' ^ imitatiis c^^rrii:. 6Ct5 ad quam tix veterem s-i-ller? pn^diix-rrif srrem- Nam Ticina qnidem vnl^^tTir ependimä ve^ri? intemle^ &ed äimt propiora jnramiii^ cimi. Perfida qncni Tnipes in caoda ecztiz^t ima, (17') in de snperciliiim credis tibL stohe, polinirn. 610 Q^e raerant canit Ada pitAnde CÄm™ '^~. fi^Hcet nt redeat qnem po&cit ab -' — ?. Bvmim. ä sapias, adhibebis s-^le e^-- r_ . , £ac ntram libeat phiria inpendente — ^^^ Non mimm si forte diab^Dlns est c^-^:--. 615 qni fama vnl^ soltis dominaTnr in li-^"= Pntrida qxiemqiie magis domzr " ~" :-.-: qiuim e<3me^ta mihi pc»tior =^- _ CWrcniimt qnecnnqne ma' _ : -. -t_- ;z. non pei'ore loco cnain ©otsdiia faste saEgao. 62«> Ad caveas laris :• Te muribus imo qii3 fngiait, ilhid quando obrnraTeri« "anuni. Xam cafiban £aber ardentem emn fc-reipe versat, ne >cintiila mjoinm vulcaiiia eoniiniiiiLs nraL Moribus efiuls^ns non pulcrius obsitns ibit 625 nndus ad oppr:>•» ist exm« aime liaos^ 'die «n Lock wi^. Waud«" S^ 5^4 ; es sst eim-e ar»e MasBS, die »bt «m Ijodi (im Haas) 538. vgl. die «atei- Xr. 114 iiier s^gebeaea Cätate; & Maits, die nar «a Lorf» weiß, ist bald »refasirea Ä. 6v*. Vgl. D«aikm. MS. S* Sf4, xa T. S5. Altfr. La sorit e^ tote (1. tost pnsse qiai la'a qiofe aa peitas Eeitecir. IL l-iä. 344 K. BARTSCH 630 Ante fames occidit herum quam forte ministrum, quam eocus etrrotot, dominus loni^^e tumulatur. Occupat indig-nata solum sine frugibus arbor, hinc maledicta aret ficuhiea stans sine ficis. Ipse canis venaticus indif^nando gemescit 635 lougi servitii suspeudia dura rependi. Confuso labio tepuit Babylonia turris; sie modo dissipat internum discordia templum. In virge sonipes terretur nobilis umbra; pellere vix potes ignavum dum calcibus urges. 640 Quis poterit patulam prius evertisse patellam quam qui suscepit juris ratione tenendam? Billardum dolabra occidit comes atque securis, quem facile exanimem ventris fultura abolebit. Otius institui possunt comes atque raagirus 645 quam farris duo graua: deus hec^ non homo, format. Emeritus de curte senex subeunte bacillo mendicus perreptabit castella casasque. Stercus et obprobrium poterit, sed nullus obambit interitum, simul omne caput mors et metet orcus. 650 Qui dominum capit, hunc firmis constringere loris est opus; expendet, nodum si ruperit illum. Haud facile emergit quod primo in fune domandus discit equus tener in freno mollisque capistro. Quid poterit jactare suo de stamine lide? 655 subtiles posuit casses simul et male fortes. Sibilus attollens animos instigat equinos (18') atque canes simul horridulos commitigat idem. Zelotipani curruca suam devinctius ardet, suspectam excusat, prior offensacula donat. 660 Si poterit vulpes imitari facta leonis , tum tu quem falso simulas potes esse quod ille. Butzo dedit domino pueris solatia verbis, spes mera cui fuit in sola confidere lingua. Somnia quem ten'ent, vigilans terrore carebit; 665 vanescunt experrectis adversa quietis. Iste at pluma volatilis et stipule levitatis, actibus instabilis tamquam circumvagus amnis. Dissipat hie saeros male suada pecunia mores, rerum coniiptrix regina pecunia vincit. 670 Hie puer induviis et pelle leonis amietus; pro pudor! ante viros inmunda cynomia crevit. 632. Den Baum, der keine Früchte trägt, haut man ab und wirft ihn ins Feuer. 630 — 637 stehen am Rande auf 17^ 642. Billardum, darüber: proprium nomen. 650. Vgl. Des manicis dominum, si forte ligaveris illum MS. Denkm. 27 '* 41. 654. lide, darüber: nomen aranee. 655. casseß, darüber: telas. 662. Butzo, darüber: proprium nomen. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 345 Pollinis et fumi sunt plena tuguria stultl, qualis erat Coridon et plurimus usque fatoclus. Letaraur nummo plauclentes munere magno 675 tristamiirque obulo pretio leviore geraentes. Ad celum minus asurgunt animalia ventris; (IS*") libera nobilitant animas jejunia carnis. Desipiunt hi quos inlionestant snavia mechi, ultro qui tolerant maculati scandala stratus. C80 Egregium dominum lauti decorant laterales atque alium quendam latus indecorat sceleratum. Nulla quidem plerique solent nisi credere visa; illud habet carnalis homo atque hebitudo profunda. En quid liabent, qui trituras ödere, scolares, 685 de quibus aufugiunt multi sudare sophiste? Improbus ad sua vana trahit documenta magister electum juvenem placidis in rebus adultum. Perspieuum satis est fatuas aecrescere barbas, non omnes inpubegenas prudentia condit. 690 Pultes exsorbet, non pulmentaria pauper; utitur bis habitis, non illis forte quod absint. Er sonat in lingua que littera valde canina, rumperis invidia rodentum janitor unus. ürbem venalem corrupit in ere Jugurta, 695 ut nunc sunt multi, cecantur munere tali. Venter ut irapletur, non verbis lingua domatur; (19*) diffluit inde loquax luxu dominante cyborura. Qui solis, periture, minis ignavus obibis, condignum meritis in stercore stercus olebis. 700 Linque, marite, nuces, quoniam non competit uxor; est ultra vires, quamvis agitaveris, hie flos. Hie ftigit ecclesiam, trahitur nidore culine ; plus quam sopbie veneratur furta eoquine. Coneurrunt in carne modis fastidia miris, 705 sola Salus placet et columen de corpore sano. Callidus et sapiens motum bene temperat ire; naviter iste modum vite decorabit honeste. Rem ludo si quando fuit mirabile dictu, mures haud fatiunt nidos in vertice catti. 710 Quicquid habet fidei lupus, in silvis latet omne, cognate parcit, caveat sed cetera pellis. Dixit anus delira suo patuisse palato quid sapiant caules, ebulum dum coxit in olla. 672. pollinis, darüber: pulvis exiens de fornace. 678. suauia, das erste u ausradiert, darüber: oscula. 709. Vgl. Es ist eine kühne Maus, die der Katze ein Nest ins Ohr machen darf, Simrock Nr. 6918; Wander 8, 538. 713. ebulum, darüber: amara herba. 346 K. BARTSCH Ut nou respitiat qui sie discurrere temptat; 715 forte cadet quo non surp^endi copia dotur. Hie fidei qiiot rana pilis est edita tantse (19'') aut medie palme vola quot consuevit habere. Vitricus ut plorat priviijni funera tristis et pater econtra cantat. cukerella vocatur. 720 Has epulas lupus inreverens sine fronte petivit, cum faties invisa venit quam nemo vocavit. Sese commendat quem non vicinia palpat, viciuosque sui inmemores in,2:lorius odit. Herba nee antidotum poterit depellere loetum; 725 quod te liberet a fato non nascitur orto. Herpiea ut horridulam trivisset forte rubetam, quot colapbos quot ait dominos eontingit habere. Vas commune vel inmundum, quod opcrculum omisit, est OS stulta loquens, cujus custodia nuUa. 730 Sepe minus salsus plus justo rem coHt unam; ari^uitur fatuus sua tintinnabula amare. Nullo deeipitur visu raptoque columba; ut predam rapiat cousuete milvus anhelat. Martius insuda fatie, madefaetus aprilis, 735 frigidus et majus contundent horrea messe. ObHtum causas ne te mirere querendo; (20*) sepe ea que posuit fiscedula perdidit ova. Diva in natura raemoratur strutio menceps, isti, doetor, avi stultum compoue clientem. 740 Cingitur ob signum virtutis ferrea virga regibus, ut culpas simul amputet atque recidat. Dispiee. rex portat gladium, sed non sine causa: ut delieta premat vel poena sequens timeatur. Semper erit murmur stulti sicut rota carri; 745 foenum dum portat, nunquam de murmure cessat. Nulla fovere potest mortalia lucidus ether; que Spirant mortaliter omnia eontinet aer. Spi'ritibus pax summa viget sine lite supernis; si jurgant homines, properando reconcilientur. 750 Demonibus lis seva, reconciliatio nulla, quorum conditio perpes, discordia princeps. Hinnulus et lupus est timidus, leo fortis et ursus, sie puer et pauper, ri^idi sunt quique potentes. 724. Für den Tod ist kein Kraut gewachsen. 731. Vgl. Jedem Narren gefällt seine Kappe, Simrock Nr. 7369. 733. hanelat. 734. Trockener März, feuchter April; Mai kühl und naß, füllt den Leuten Speicher und Faß, Wander s. v. März Nr. 97; trockener März, nasser April und kühler Mai füllen den Boden und geben brav Heu Nr. 99; vgl. 100—103. MS. Denkm. S. 150. 735. contundent. 737. fiscedula, darüber: avis que vocatur sceppa. 738. menceps, darüber: sine menta. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 347 Olim rebus adhiic ruclibus noviterque creatis 755 ad Silvas feritas, pietas ad tecta cuciimt. Eximie princeps qui cenat lautus habetur, (20'') qui parce, lutulentus, ineptus, funere dip^nus. Otius involvunt nos dampna priora secundis, largior adversis jocundis est minor usus. 760 Tendit ad occasum quicquid precessit ad ortum; dico creaturam substratam legibus istis. Nuntius iste volat tot flatibus otior Euri; quam celer in pedibus, non tantum flumina possunt. Fabrica concusso fundamine tota vacillat, 765 et capite infirmo tabescunt cetera membra. Cuculus altorem injusta mercede cruentat, nam currica suam fovet ova vorantia carnem. Non melior prudens emat a meretrice maritum, in pretio quod non vineet cum distrahit illum. 770 Divitis ingenii naturam extinguere vita; Vera prophetarum preconia spernere noli. Laudant artifices baculura quem flectere possunt et puerum parere minus servilibus ultro. Vir fugitans lites extinguit seditiones, 775 et semper furiosus amat committere rixas. Non liquide cantabit aquis infusus et herbis, (21") pocula nee fatient voces mellita sonoras. Multa decent communia, sed non congruit uxor; si communis erit, letalis fabula mechis. 780 Perfidus instructor qui lumbum tollit ab ovo, commodior qui grana legit tria lentis in orbe. Acres potores a convivis metuuntur, tanta in sumendis epulis non dampna queruntur. Nemo tam ferus est qui non mitescere possit, 785 tam sane mentis qui se nequeat furiare. Non idem sensus potoris aque atque falerni; vinum sepe facit quod non facit haustus aquarura. Urgeat in multa te clade canopica pestis, Sui premis Israhel luteo laterumque labore. •mnibus ira modis ad lapsum frena remittit, omne suo fas justitie de cardine vellit. Perfida corda pavent ad judicis ire tribunal; justus securo poterit pertendere gressu. Invidie rubigo faces succendit in ipsum 795 vel merito auctorem, qui gestat livida corda. Invide, tabescis torqueris et igne cremaris, (2P) in te nempe prior decurrit rivulus ire. 765. Wenn der Kopf schmerzt, leiden alle Glieder, Wander 2, 1515. 766. Der Kukuk legt seine Eier in fremde Nester, Wander 2, 1697. 780. perf. instr., darüber: infidelis ministrator. 788. canopica, darüber: egiptia. 348 K. BARTSCH Alta serena videt mnndana volutabra calcans, et nimis infelix qui rigitur in liitulentis. 800 Debilitas magna est quoqae somnolentia mentis, offitio dignas que miiltas transilit horas. Non habet alma fides meritum sperare supernum que visu carnis desiderat experimentum. Unus ad assiduos adhibetur spiritus ater, 805 plures desidibus sotiantur ad otia pronis. Assurgens sermone humib* compescitur ira, concitat hausterus nimio clamore furorem. Corvus querebat poHuta cadavera in undis; eheu clade nova nunc carpit olentia in agris. 810 Non vidi faleras asini gestare leonem; hie potius legitur redimitus pelle leonis. Mendicans qui dat quod habet sequitur peregrinum ; in vanum tribuit quem penitet ante dedisse. Gliscit stultorum laxo violentia freno ; 815 quo placas magis, instigas adolere meracam. Vivit apis bene congestis et fruge benigna, (22") crabrones avidis predonum more rapinis. Fratrum census ab ungue fero penaliter exit, ut tabes prodire solet de tergore sano. 820 Post epulas tarde in mensis raensalia sternis; hec series post postera, dum sit prima secunda. Ki mechus foret, uxor adhuc tua virgo maueret; cuculus hinc multis currucis nascitur heres. Vermiculi cutis iuculte nos acrius urunt, 825 quos alienus alit luvionis sudor olacis. Vix ab anu pressum lac extorquetur avara, duriter et durum canibus dispensat edendum. Ramus apud stigias sis aureus esto paludes; nitro me numquam post te sperabis iturum. 830 Nebris que nunc est lenis, fuit hispida pellis; exemplo hoc teritur factus de divite pauper. Oscula jam figes media inter cornua capre: ista solent proverbia proponi macilentis. In pilvis onager venatio parta Iconi: 835 pascua majorum sunt semper et esca minores. Uncinus in silvis oritur silve spoliator, pomorum arguitur frugumque et predo parentum. Raro omnes remeant quot eunt ad pascua porci et neque de castris aties ad prelia missa. 808. Über in undis: olim. 815. adolere, darüber: crescere; meracam, darüber: amaritudinem. 816. apes Hs. 817. crabrones, darüber: musce que de asinis nascuntur. 818 — 829 am Rande von 22*. 830. nebris, darüber: purgata pellis. 836. uncinus, darüber: hak. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 840 Tempestivius ad sulcum solet ire bubulcus quam fratres matutinos cogantur ad ymnos. Hoc mihi crede^ vale bene, me te velle valere; dum spiras^ ego me jam spero posse valere. Gratis equo oblato ne contempleris in ore, 845 ut numeres dentes matris quibus ubera suxit. Hinc puer exivit qui tectum commaculavit; circus adhuc ölet is sua quo vestigia flexit. Unde putas habet a porcis documenta subulcus? (22^) addidicit siliquas nou exercere palestras. 850 Corvus et accipiter rapuere cadavera, frater; et pica cum milvo cornix, nee mica remansit. Porcorum siliquas contempsimus utpote inanes ventis inflatas sine fructu et semine folles. Dives verba tonat rigidissima plena minarum, 855 obsecrat econtra supplex per humillima pauper. Erue ab bis, deus, et veniat viudicta ministris, qui bona nostra secant partemque legunt nieliorera. Huc omnes veniunt vacuis ad festa sacellis, qui nostris inhiant, cum nemo diaria portet. 860 Malo mori ignotus quam sit mihi gloria dampnis, quam presim dampnose, malo inglorius esse. Debet episcopus ut prosit non querere presit^ omnis in offitio hoc curet prelatus et auctor. Aunus abit, nostre breviantur tempora vitae, 865 et, quae debuerant minui, peccamina crescunt. Quisquis divinos non vult consistere ad ymnos, sepe foras trahit hunc tiuctus carbone catellus. Albus equus pellem celare nequit luculentam, (23") albatis nusquam sordes indignius herent. 870 Magnus Alexander de se fidenter ajebat 'malo mori quam me regnandi jura precari'. 0 terre vermis, memorare novissima carnis, si semper memor ineedis, peccare timebis. Non surrexit Aquis anno domus alma sub uno; 875 propter aquas calidas ibi structa est regia sedes. Suadelas surdo cantabis in ore salubres; dum castigat amor, corruptior inde tit osor. Nos, genus humanum, dampnat caHgo futuri; que pateat meritis ncscitur janua nostris. 880 Hoc pastore iupus, quicquid sibi vellet, haberet, qui neque se plane neque seit commissa tueri. Dulces sunt lacrime scelerum commissa gementum que celeres ludos teathrorum et gaudia vincunt. 852. contempsimus, darüber: scripta poetarum. 874. Vgl. Aachen und Köln sind nicht an einem Tage gebaut, Wander 1, 1. 876. Tauben Ohren ist bös predigen, Simrock Nr. IUI 18''. 350 K. BARTSCH Drances in sola lepidus confidere lingua 885 militie arguitur timidus, sermone profusus. Vulpinat Herodcs Christi a presepibus agnos, dum mactat pucros insonti morte trucidans. Ultima quam multis mala cladibus anticipantur (23'') crebra notant precoDia quod graviora sequantur. 890 Gens judea liquat culicem sorbetque camelum, dum Christum dampnat nequam mittendo Baraban. Angelus antitici bonus et malus ipse ministrat, ut sit in auxilio bonus et probet alter habetur. Plantari nemus in templo domini prohibetur, 895 ne doctrina gravis fuerit rudibusque profunda. Haec tria nostrarum solatia sint animarum, sancta elemosina sintque preces jejunia digna. Quicquid agas, semper vigila pro morte secunda; prima pavenda satis, magis est tamen illa secunda. 900 Spuria in ede dei crescunt vitulamina et error discordes ubi currunt quidam ad limina fratres. Omnis avaritie studet et rex atque sacerdos, a majore usque ad minimum desistere nolunt. Non possunt me a te, deus, inperfecta latere, 905 sunt oculis peraperta tuis simul omnia nuda. Intentant anime interitum solatia carnis, veque anime misera querenti a carne salutem! Perspicuum decus est regis secreta tueri, (24'') archanum proferre dei sanctissima virtus. 910 Dum tonatj interea domini sum servus ad oram; sublato terrore iterum me adscisco priorem. Quindenis gradibus Celestes itur ad arces, et totidem fuerant Solimiti ad limina templi. Tota mente deum flagres, mediteris amesque, 915 esurias hunc et sitias quia jugis aque fons. Christe, salutarem fratrum facias itionera, legati ut nobis sua nuntia fausta reportent. Femina pauca bona est; si forte inveneris ullam, de celo cecidit tessella caractere mira. 920 Plangit Adonidis interitum Venus algida dudum, quem percussit aper; quatit hinc nos frigidus aer. Qui sine commento rimaris scripta Maronis, immunis nuclei solo de cortice rodis. Grammatici dicunt similis illius et illi, 925 moribus illius distare et vultibus illi. Si qua tuam mentem delectat spes meritorum, at ne te deterreat anxia cura laborum. 890. Mücken seigen und Kamele verschlucken, Wander 3, 745. 910 bis 925 am Rande von 24^ 910. Wenns donnert, wachen die Gebetbücher auf, Wander 1, 674. SPRICHWÖRTER DES XI. JAHRHUNDERTS. 351 Laudatur Moyses mitissimus esse virorura qui vixere suis doniino testante diebus. 930 Non alius nisi vcutriculus deus esse putatur bis qui spem totam curanda in carne relegant. Longior a domino qui mundo proximior sis, si te suscipiat quam felix regia caeH. Non dominum risisse legis, quod fleverit audis; 935 vir sapiens ait errorem conducere risu. Inpatiens belui furibuudo eructuat utre fecundos flatus quasi mustum in ventre tonantes. Perdunt suave quidem ungentum musee morientcs; boc est perversi sancti spiraminis uuguen. 940 Judei dominum sie percussere maligni in gladio lingue, gladio non materiali. Auxiliante deo veniunt qui celsa merentur, et qui non veniunt sua se peccata recludunt. 0 crucis inventrix, mea perdita queso ministra, 945 (24'') det deus inventc, det opem inventricis Helene. Rex in juditio cum carne videbitur ista, bunc omnes venturum et qui pupugere videbunt. Orcestram ecclesieque gradus ascendere quosdam non meritis immo dampnata per era pavesco. 950 Solivagus gemit errando per devia turtur, signat avis contemplativa proces heremite. Aerem item liquidum secat ipsa columba gregatim, dans specimen regum comitumque in terga sequentum. Sic ubi non persona potens attenditur in jus, 955 veris juditiis ibi lex agitabitur ipsa. Sunt tria sancta quibus non sunt majora per orbem: omnipotens deus est, liomo justus, regna polorum. Econtra totidem trissistima monstra malorum, ipse diabolus, auditorque homo, torridus ignis. 960 Mertdosi sermonis anians concbilia princeps, efiitiet similes sese sectando ministros. Festinata manu substantia diminuetur, paulatim collecta suum spectabit acervum. Dicere quis poterit tarn sanctus et integer evi: 965 (25'') *non scelus est mecum mundusque ab sordibils assum'? Emptor ait rerum 'non sunt hec munera tanti'; cum quibus aversus i)ulsanti corde triumphat. Ve tibi terra, puer rex cui diademata profert, et cujus proceres indulgent mane falerno! 947. venturum, darüber: manifestum (andere Lesart). 948. Orcestram (am Rande ein h, also wohl orcliestram) , darüber: pulpitum. 968. Lant und Hute girret sint, swä der künec ist ein kint, Freidank 72, 11, und 1. Ausg. S. 349. 352 K. BARTSCH, SPRICHWÖRTER DES XL JAHRHUNDERTS. 970 Sepe piros atavi soboles videt omiue tristi ; prodesseut alieua mag-is quam rura paterua. Excelsiis judex micani uou sustinet auri iu magua palea dum purgat in igne perire. Nescius intonsusque jacet cur carcere Joseph? 975 quod necdum ingeuii patuit bona vena beati. Hujus lectoris debemus rädere liuguam qui quotiens legit excedit de tramite proso. Sedulitas iuvita relinquit ad otia pronos; dediscunt apices quos turpis inertia vexat. 980 Hie pariter cocus et focus excessere culinam; ne nimis esurias, hodierua diaria queras. Hec pariter rauudaua via est et lubrica vita; caleabit sine labe sua laqueos humilis mens. Ante videre libet quod habere in tempore debes; 985 (25') serus eris partis conferre paranda et agenda. Phaltrel hinc plorat quod pristina redditur olim, David sponsa Michol armis illustribus empta. Vestimur caligis ex omni parte sinistris, adversis quotiens includimur undique fatis. 990 Ludus init trepidum certamen et excitat iram, ira truces inimicitias et funebre bellum. Uno te regnante die brevis imperii laus tam modico consumpta situ quam gloria fallax. Totam nemo vides hiemem consumere vulpes; 995 sepe sequi post molle caput solet algor acerbus. Ungo manus, si feceris hoc quod posscit amicus; delicti maculas sine, frater, xenia purgent. Spes nummi solet iratum placare ministrum nobiliumque thoros asscendere trudit inertes. 1000 Qualis erat nuper veniat mihi caseus alter; hoc impetrato sine fuco me utere amico. Ante tuam domites qui carnis deseris esum; carue carere quid est, dum carnis amore calescas? Laus domino soli qui condidit omnia solus; 1005 omnia fundantur tam forti preside fulta. Cautius in terris vos exercete, fideles; desuper intentans oculatus prospicit Argus. 981. hodierna, darüber: vel aliunde. 994. Es hat noch keiu Wolf einen Winter gefressen, Simrock Nr. 11770. 996, Ich wasche meine Hände in Unschuld. Damit hören die eigentlichen Sprichwörter auf; es folgen zu- nächst (Bl. 26 'J dreizeilige Sprüche, darunter aber fast gar keine Sprichwörter, ebenso in den in der Zahl aufsteigenden Gedichten, wohl aber kleine Erzählungen, wie altd. bhijel, Proben davon ein B. GREIFF, EIN PREDIGMÄRLEIN. 353 andermal. Schon unter den einzeiligen, mehr noch unter den zweizei- ligen ist vieles, was nicht als Sprichwort bezeichnet werden kann, sondern gelehrte und biblische Reminiscenz ist. Hervorgehoben zu werden verdienen die Beziehungen auf sprichwörtlich oder sagenhaft bekannte Persönlichkeiten. Hyringus V. 121 ist natürlich Iring, der Vers enthält aber eine sonst nicht bekannte Beziehung, die auch durch die Glosse nicht aufgehellt wird. Der Walterus monachus V. 213 ist der Waltharius der Heldensage, und die Geschichte mit den Hosen, auf die angespielt wird, dieselbe die im Chron. Novalic. (Mon. Germ. SS. VH, 93 f.) ausführlich erzählt ist. Unser Zeugniss ist das ältere und beweist die Popularität und Verbreitung der Sage. Der Friese Rad- bodo (V. 492) ist die aus der fränkischen Geschichte bekannte Per- sönlichkeit; Beztheca (V. 240) ist Bertha die Spinnerin; wer Mag- fridus (V. 119), der seine Schenkungen ersessen, habe ich nicht er- mitteln können, im Chron. Novalic. (VII, 97 f.) kommt ein Franke Maga- fredus vor, von dem es heißt: fuit etiam dives inopibus hac terrarum fultus ruribus, indeß nichts beweist, daß er hier gemeint sei. Billardus (V. 640) spielt auf eine Erzählung, wie es scheint lehrhaften Inhalts an. EIN PREDIGMARLEIN. Ain gut pruter gieng über veld: do kam im ain Jüngling und gruozt in und vragt in, waz er trüg? Do antwart er im und sprach *ich trag siben secklach, und den achtenden in dem sibten verporgen'. Do sprach der jungling Svas drest in dem ersten sack?' Er sprach 'ich drawg darin wäre rew und lauteriu peicht', Do sprach der jung- ling *daz ist gar ain guot sack; nu waz ist in dem andern sack?* 'Darin ist*, sprach der pruter, 'daz ich got minne vor allen dingen, und von gantzem hertzen und von seil und von allen krefften, und mein nasten als mich selb'. 'Waz ist in dem dritten sack?' Der pruter sprach 'darinen ist gantze gelaub mit allen krefften, da mich weder übel noch gute davon schaiden mag'. 'Waz ist in dem vierten sack?' 'Der pruter sprach 'darin ist getultighait in aller trubsal und in allem laide'. 'Was ist in dem fünften sack?' Der pruter sprach 'darin sind schnelle und pehende lider got ze dienen'. 'Waz ist in dem sehsten sack?' Der pruter sprach 'darin ist ain lauter gewizzen mit aller peschaidenhait . 'Waz ist in dem sibten sack?' Der pruter sprach 'darin sind wort mit GERMANIA. Neue Reihe. VI. {XVIII. Jahrg ) 23 354 B- GREIFF, EIN PREDIGMÄRLEIN. aller pescbaideuhait'. 'Waz ist in dem achteden sack?' Der pruter sprach der achtend sack ist verporgen in dem sibenden: das ist ain laiitter seil, als mir sy got gab in dem taiiff, daz ich sy im also leudec- liche*) und als rain und als lauter wider antworten'. Do sprach der jungliug 'dein seck sind gar guot, gib mir sy ze koufen; ich will dir dar umb geben ze Ion all wüne und freud aller engel und aller hei- ligen und die Maria gotes muoter im hymelrich'. Der pruter sprach 'sy sind mir niht foill'. Der jungling sprach aber 'gib mir sy ze kou- fen ; ich will dir dar umbe geben ze lone, daz dir dienet ewigcleichen gotes muoter und als hymlisch her'. Der pruter sprach 'sy sind mir nicht fair. Der jungling sprach aber 'gib mir sy ze koufen ; ich will dir geben darumb den vater und den suu und den heiligen gaist'. Der pruter sprach 'sy sind mir niht faiF. Amen! Aus der Handschrift XCI der Kreis- und Stadtbibliothek zu Augs- burg, Bl. 5ifiv. — Quintum, cum profectus fueris non redeas = R7To6rjuovrTC( Itti ToTg ogoig (h'(7naToi7iTtiv. — Sextum, per viam publicam ne ambules •= ixTog Ituxfönov furj ßaiSiLtiv. (Diese Lehre ist in den Gesta der Mora- lisation wegen, wie man sieht, in ihr Gegentheil umgeändert). — Septimum, inindinem garulantem in domo habitare non pcrmittas ^= ö/Ltoooffiorg yü.iöövag II T] f/Hv. Vgl. auch die Moralisationen der Gesta mit den Erklärungen bei Diogenes, mit denen sie zum Theil übereinstimmen, nämlich die der zweiten und vierten Lehre. Zu letzterer vergleiche auch noch unser Sprüchwort „Tauben- herzen machen traurig". Cap. 56. Fürst und Kaufmann. Duran's Romancero General. Tomo II Madrid 1851 no. 1276 — 1278: ,,Don Jaime de Aragon y la Calavera". Cap. 59. Jovinianus. Nov vnd werntliches (1324). — behulfec = behülflicb. Rothe dür. Chron. §. 645: was ir gar behulfig mit syme rate. — sich bekinden swv. Kinder gewinnen, nur mit einem Beispiele aus Rothes dür. Chron. §. 342 belegt, kommt weiter vor Dist. I, 5, 2. 5. I, 12, 1. I, 24, 4. daraus im Eisen. Rechtsb. I, 18. II, 11. auch in Michelsen Rechtsd. p. 38. c. 30, wo sicher zu schreiben ist vnd die frauwe bekindete sich nicht bey dem manne. — beiz in (Sp. 176) auch bei Rothe- dür. Chron. §.8: do machte an got pelzene rocke von hueten. — sich bemannen einen Mann nehmen, Dist. I, 14, 2. Eisen. Rechtsb. 11, 17. — benotec adj. nöthig, erforderlich. Rothe dür. Chron. §.666 krigt er mit dem bischof vnd mit den Hessen, so nam er die benotigen Doringe an sich, so cod. Fabr. in der Hamb. Hs. steht benotigetten. — benotegen (Sp. 181) wird wie benoten auch intr. gebraucht = in Noth sein. Simon Urkb. 163. p. 166: wers daz die frowe zu Eppinstein vnd ire erben be- nodigen, das sie das gerychte vnd teyl zu Grinda vnd recht vor setzen wolden. — benoeten (Sp. 181) auch notzüchtigen. Veter buoch 74, 7. — benunnen swv. zur Nonne macheu, als Nonne einkleiden. Dist. I, 19, 3: mit frouwen, dy sy (dy begebenen nunnen) benunnet hiben gesen. — bequemkeit stf. Wenck Urkb. II, 451. p. 491: nach yrm notz vnd bequemkeyt zu gebruchen (1440). — beringen (Sp. 193) auch in der dür. Chron. p. 1731 (§. 459). — berwer ein zottiger, wollener Kleiderstoff. Kirchh. Wsth. II, 208. p. 113. — beschirm (Sp. 208j auch Wenck Urkb. II, 254. p. 254: wir han genommen in vnsern beschirm (1304). — Zu besetzen (Sp. 214) in der Bed. gerichtlich ansprechen, anklagen, in Beschlag nehmen vgl. Dist. III, 4, wo es in diesem Sinne oft vorkommt. — besetzunge (Sp. 214) =^ gerichtliche Beschlagnahme Dist. III, 4, 11. — bestalt stm. Zuweisung als Eigenthum oder zum Nießbrauch. Gr. Wsth. III, 599: iceres aber, das der gast dem burger ein bestalt tliun welle, in 14 tagen gulle vnd recht zu thun, sulchen bestall sal der burger nemen. — betstat stf. er stunt vor syner betstat vnd bettet. Hs. — betstetlin stn. demi- nutiv, zu betstat, er ging vff ein armes enges betstetlin Hs. — bettemunt stm. Bettschutz, Ehebettzins, eine Abgabe bei der Verheiratung an den Schutz- oder Vogteiherm. Kirchh. Wsth. II, 39. p. 56. mit der Anm. Auch die Verlobung selbst hieß bettemunt. Gengier deutsche Stadtr. p. 341 : sponsalia quae vulgo bedemunt dicunfur nomine (Padberger Rechtsbrief v. J. 1290). — bevelebrief Empfehlungsbrief. Chron. thur. b. Schöttg. u. Kreysig p. 89. — bewenden zu einem == einem zuwenden, übergeben, vom verheiraten der Tochter gesagt, wird im mh. Wl?. III, 692*, 1 9 in dieser Bed. angefühi-t und mit Gudr. 560, 3 belegt. Im Hwb. Sp. 255 war dieser Gebrauch wohl zu erwähnen, der sich auch Eneit 116, 36 voi-findel, wie Martin z. d. St. der Gudr. bemerkt hat. — beunzehende = biuntsehende swm. der von einer Peunt zu entrichtende LITTERATUß: M. LEXER, MITTELHOCHD. HANDWÖRTERBUCH. 373 Zehnte. Baur hess. Urk. II, 456: dicimae quae vtilgo bewnczehenden dicuntur (1292). — bezircken. Grimm Wstb. III, 755: dafs gericht bezircken, alfs dafs von alters herkommen ist. — bi er köre stf. die Untersucbang des Biers nach seiner Güte und Beschaffenheit und Bestimmung seines Werthes und Preises. Erfurt. Ratbsverfassung berausgeg. von Micbelsen p. 20. 21. 22: wie hoch das ihor das hier sey zu setzen. Vgl. Bech Zeitzer Satz. p. 17. — bierouge swm. ein Bürger, der Bier zu brauen und zu verschenken das Recht hat. Heib'genstädter Willkür (1375) in Wolfs Gesch. von Heiligenstadt p. 97. 98. Kirchh. Wsth. III, 21. p. 138 f. biereugen Erf. Rathsverf. p. 20. 21. 22. Ist die Schreibung bierouge richtig, so ist das Wort mit ougen, nicht wie Grimm, der diese mhd. Form nicht kannte, im DW. I, 1823 meint, mit eigen zusammengesetzt und bedeutet eigentlich einen, der den Bierschank auf und kund thut, entweder durch Anstecken eines Bierzeichens, oder daß er durch einen Ausrufer verkünden lässt, wie es noch jüngst in Thüringen geschah, „daß ein gut Bier aufgethan sei''. — bierrinne, md. berrinne. Erf. Wsth. II, 14, p. 45, mit Kirchhoffs Anm. — bierwette, md. berwette stf. Biersteuer, Brauabgabe. Erf. Wsth. II, 27. 28. 29. 72. 78. 158. 174. 175. 193. 194. 226. 227; auch der Termin, an welchem die Abgabe zu entrichten war. Erf. Wsth. IH, 14, 17. — bine- vafs stn. Bienenkorb, der prediger dosier was an zu sehen als die binevasse von vile der die in gingen vnd auch von dannen hin gesant wurden in die lande. PIs. — birke, zusammengezogen aus biikehe md. = mhd, birkach, ahd. bir- kahi stn. Birkenwald, Birkicht, Simon Urkb. 196. p. 204: an deme Heczilsrodir berge, den man nennit am dem Birke. Das Wort kommt schon in einer Urkunde vom Jahre 1035 im Cod. dipl. Fuldensis herausgeg. von Dronke Nr. 743 vor und ist ein appellativum wie die in Urkunden erhaltenen und gewöhnlich als Orts und Localnamen angesehenen Wörter aspe, bremehe, hagenehe, holderehe, lindehe , risehe, spurkehe u. a. So ist auch das Sp. 386 aufgeführte stn. buoch aufzufassen; von hagenehe, hegenehe findet sich die zusammengezogene Form hene. — bistenderinne Beiständerin, Dienerin. In Schlorff's Abschrift der Übersetzung der lat. Legende von der Gutta (s. Annall. Reinhardsbr. p. 227) heißt dieselbe Bl. 135''- eine getruwe biestenderynne der h. Elisabet. — b inte- rn eister, md. butemeister (Sp. 290) braucht J. Rothe Elisab. Bl. 1^^-. do hub sich ein frolich buten, lantgreffe Ludewig butemeyster was. — blibung stf. Stadtr. von Rudolstadt b. Michelsen Rechtsdenkm. p. 208 : zu ewiger steter bli- bung. — bliugen, md. blugen (Sp. 310. 314) in der trans. Bed. einschüchten, verlegen machen in der dür. Chron. Seh. Bl. 230": nue wart sie (die h. Elisabet) gebloiget von etczlichen die or sagten, das sie or herre kebeßen wolde ; und im Chron. thur. bei Schöttg. u. Kreysig p. 92 in derselben Erzählung. — bluot- naz adj. (Sp. 319) naß von Blut, mit blutnassen wonden. Hs. — 'blutrinsicht findet sich in den Statuten von Clingen (Michelsen Rechtsdenkm. p. 193. §. 26); blutrustigk, blutrustig Grimm Wsth. III, 425 (a. 1426), blutrost ebend. p. 405 (a. 1460). — böckisch adj. nach Art eines Bocks, unziemlich: hütet uch vor sollichen böckischen wysen vnd geberden. Hs. — borte (Sp. 329) vom Besatz an Kleidern auch Gudr. 157, 3. — botchere stm. Böttcher. Dist. 11, 1, 10: dy bottenere adder dy botchere. vgl. Weigand Wb. I, 173. — Von botenbrot (Sp. 332) wird nur die gewöhnliche Bed. Geschenk für eine überbrachte Nach- richt angegeben; es bedeutet aber auch die Nachricht, die überbracht wird. J. Rothe dür. Chron. §. 59: do qwamen ir nicht mer den 10 dor von, die das 374 LITTER ATUR: M. LEXEK. MITTELHOCHD. HANDWÖRTERBUCH. hotenhrot keigen Rome brachten. Vgl. Sclimeller I, 308 Fr. Frisch I, 122*". — boumgelt? Erf. Wasserordn. in Mich eisen Rechtsdenkm. p. 110, 3. 111, 5. — brantiseu (Sp. 341) schou Dist. V, 11, 2. — brautschatzen swv. (Sp. 341) Wenck Urkb. II, 353. p. 363 (a. 1346). brechen und biiezen. Diese alliterierende Formel von Gütern gebraucht, die getheilt und wieder zusammengebracht wer- den durften, wird Sp. 344 nur mit Verweisung auf Vilmar's hess. Id. p. 52, wo zwei Urkunden augeführt sind, belegt. Sie findet sich öfter in Simon's Urkb. 125', p. 130 (a. 1338). 163. p. 166 (1358). 187. p. 191 (1370). In Hs. findet sich der Ausdruck gebrochener lüin. Es schickt einer seinen Diener in den Keller, um aus einem gewissen Fasse geringern Wein zu holen, wan in den selben vas toaz armer gebrochener win. Verdorbener Wein? — brem stn. Verbrämung (Sp. 348) auch Dist. V, 26, 1. — briuhus stn., Sp. 356 nur aus Diefenbachs Glossar. 81^ beigebracht, ist schon vorhanden (a. 1222) in Beyer's Urkb. I, 144. 148. — brivebotte (a. 1325) Wenck Urkb. II, 301. — brotezze (Sp. 360) auch Dist. II, 4, 1. — brothenge swf. ein hängendes Brett oder Gerüst, um das Brod darauf zu legen. Dist. II, 1, 25: alle brothengen gehorn nicht zcum huse, sy sin getvet adder gehangen an ysen adder an holcz. — b ruckeichen stn. md. -= brückelin. Simon Urkb. 232. p. 246 (1423). — bruesse Brauheerd, Brauhaus. Erf. Wsth. II, 175. 197. p. 103. 107 mit Kirchhofifs Anm. Eisen. Rechtsb. p. 703. Konr. Stolle p. 160: dye bruesse addir bruwehuss. — bru- geschirre stn. Dist. p. 98. Eisen. Rechtsb. p. 703. — bruochgurtel werk, md. bruchgurtelwerk Anfertigung von Hosengürteln. Dist. V, 12, 2. — bruwegefeße stn. Dist. 11, 1, 28. — bruwekessel, bruekessel Dist. II, p. 98. II, 1, 11. — brukessel Eisen. Rechtsb. p. 703. — buckinc stm. Baur hess. Urk. II, 702: unum allec aref actum, quod bucking vidgo appellatur (a. 1309). J. Rothe Elisab. Bl. 2^ heißt es vom Landgrafen Ludwig her geaß nye keinen hering adder gesalczin fische nach bucking. — bügelt stn. Abgabe von einem Gut oder Lehen? Wenck Urkb. II, 273. p. 274 (a. 1313). — Sp. 396 wird unter burgersinne auch burgersche swf. angeführt. Das Wort kommt vor in der Ordnung des Schultheißengerichts zu Heiligenstadt (Wolf Gesch. v. Heiligenstadt) p. 38. 40. 41. Willk. §. 94. Chron. thur. b. Schöttg. u. Kreysig p. 95. — bürgt risch (Sp. 396) ist in seiner Bedeutung unerklärt geblieben. Es bezeichnet die vor der Burg gelegene und zu derselben gehörige Viehtrift. Über das zweite Wort in dieser Zusammensetzung s. Weigand oberhess. Orts- namen p. 330. — butelsnider = biutelsnider Dist. IV, 9, 9. — butel- werk stn. Beutlerarbeit Dist. V, 12. 2. bütelgut stn. ein dem Gerichtsboten als Wohnung angewiesenes Gut. Grimm Wsth. III, 539: sie iveisen zu recht, das ein buttel alle icege sitzen sali zu Michelawe, das gutlein doselbst genant das buttel- gut frei haben von aller heren loegen (1469). — bütelhaber stm. eine Abgabe von Hafer an den Schultheißen. Gr. Wsth. III, 405: die von Ylhusen geben eim schultheifsen eyn fuder, das sye bodelhaber nennen (1460). Dachunge stf. dür. Chron. bei Schlorff Bl. 201*: das raußhuß braute mit der dachunge abe. — darrebret, darrelachen, darrenhurde, darren- balcken Dist. II, 1, 27. p. 98. — Der unter dicke Sp. 423 erwähnte Aus- druck zuo dem dickern mal findet sich öfters in Hs. z. B. zu dem dickern male WU8 er in fragen. — dingflißen stn. Gerichtsschluß, dür, Chron. b. Seh. Bl. 187*: wan dingflißen geteilt wert. — dinstermette Frühmette „an dem guten freitage, do m^n die lichte noch der gewonheit der heiligen cristenheit leschie". LITTERATUR: iM. LEXER, MITTELHOCHD. HANDWÖRTERBUCH. 375 Kothe dür. Chiou. §. (iO(5. — donneraxt wird Sp. 448 beigebracht und mit Rothe's dür. Cliron. §. 365 belegt. Das Wort ist aber eiuc Jnterpolation vom Schreiber der Soudersh. Hs. , J. Rothc schrieb donreaxe, wie in den bessern Hss. gelesen wird und die Stelle §. 127 do musten sie is mit exin — tot slaen bestätigt. Nach der Chron. bei Schlorff B). 252" nam frawe Sophia eyne ax vnde Mio en sente Jeorigen täor. — dorfkirche swf. Hs. -- Zu dorfvride Sp. 451 Baur hess. Urk. 11, 637: Judicium quod dicitur dorffride. — dreholcz. Erf. Wsth. II, 14. p. 44: ligna quae vocantur dreholcz. Holzwalzen für Mühl- räder? s. Kirch, z. d. St. — durch klar Sp. 482 auch Hs.: in einen wyfj'en durchklaren kleide. — durchslac stm. (Sp. 487) spitzes Werkzeug zum Durch- schlagen Dist. V, 12, 2. — duter md. =r mhd. diutaere (Sp. 443) interprea. dür. Chron. bei Seh. Bl. 167": die czioene vnde sobenczig duter sprechen. Ebenbor tikeit stf. Gleichheit durch Geburt. Eisen. Rechtsb. p. 658. — eich ein stn. bed. die Eichelmast und auch den Platz derselben Gr. Wsth. III, 489: man sal besehen lajzen vneviel eyn iglicher merker swine in das eichein triben sulle (a. 1401). Ebenso das eckern, Sp. 18 unter ackaran erwähnt. Simon Urkb. 196. p. 204: daz wir sollin triben alle iar sez sivyn in das Eckirn (1378). 169. p. 175: zwentzig swin, dy mit sinen swinen in daz eckern gen (1360). — ein- richtec \ßp. 527) auch Hs. : dijS sy geseit den vngehorsamen widerspeniyen ein- richtigen brüdern vnd swestern. — eider gelt stn. Erf. Wsth. II, 98. 100. p. 79: item, de eadem villa datiir eldergelt censiis hereditarius ^ qui vocatur eldergelt. s. dazu Kirchhoff's Anm. — e liehen ist in der Bed. legitimieren Sp. 539, wie auch im mhd. Wb. 452'', nur aus Halt, angeführt. Es findet sich bei J. Rothe dür. Chron. §. 545. 546. bei Schlorff Bl. 258": Landgraf Albrecht ließ seinen Sohn Apitz die wi^e das sin eliche frawe nach lebete elichen von deme koninge. Bl. 259': den er am hatte lafzen elichen. — enphahunge (Sp. 562) auch con- ceptio. Historienbibeln I, 168: wenn die empfachung der schauff kam, so hub ich mine ougen uff. — enthalt (Sp. 570) in der Bed. Stillstand, Ende bei J. Rothe Elisab. Bl. 29": vnde do ir gebeth gewan enthalt, do wart der jungeling weddir kalt. — entmundern swv. Rothe Elisab. Bl. 6": gar sere her sich vorwunderte (Heinrich v. Ofterdingen) , da her sich bas entmunderte. — entruwigen swv. beunruhigen. Hs. : eine swester was besefsen von boßen geiste vnd waz die swestern gar ser betrüben vnd entruwigen. — entwilligen swv. Simon Urkb. 55. p. 55: cleite über den bischoß vmb sin hus vnd vmb sin erbe, das er in dez entwilliget hette. — entvrone stf. Aufhebung der gerichtlichen Beschlagnahme. Erf. Wsth. II, 188. p. 106. — erarnunge stf. meritum, Verdienst. Zu den von Steinmeyer aus dem Leben Ludwigs beigebrachten Belegstellen lässt sich noch hinzufügen Rothe Elisab. Bl. l'': Din (der h. Eiisabet) erarnunge ist bie gote nicht cleyne. dür. Chron. §. 469, wo nach der Hamb. Hs. und cod. Fabr. «zu schreiben ist loy das god velin luthin dorch syne erarnunge vnde togunt gesuntheyd yegebin habe. Ferner in einem Bericht über ein Wunder am Grabe des h. Ludwig aus dem Jahre 1444 nach der Cob. Hs. : got gab deme kinde vmbe das vordinst vnde herarnunge disses milden für sten sin lebin wid der. — erbarmherzcc adj. barm- herzig. Hs. — erbeburggra ve swm. Wenck Urkb. II, 388 p. 400 (1359). erbeburglehen stn. Wenck Urkb. II, 323. p. 329 (1333). Simon Urkb. 154. p. 156 (1354). — erbeb urgman stm. Wenck Urkb. I, 237. II, 323. p. 329 (1333). Simon Urkb. 154. p. 156 (1354). — erbegegate, erbegate (Sp. 609) auch Eisen. Rechtsb. p. 662. Dist. p. 46. — erbehofegesinde stn. Rothe 376 LITTERATUR: M. LEXER, MITTELHOCHD. HANDWÖRTERBUCH. dür. Chron. Sp. 1681 Wenck §. 369. — crbeschenkc swf. diir. Chion. ]). Seh. 131. 230' wird Walther von Vargihi gonaunt erbeschenke landtgraven Lodde- wigis. — erbeschcpfe swm. Dist. III, 1, 2. — erbeformunt stm. Eisen. Rechtsb. p. 692. — erbkretzmar stm. Erbschenke. Bcch Zeitzer Sntz. III, 5. 25. und dazu Bechs Anm. — crbschenkstat stf. Ebend. III, 25. — ergan stv. einholen. Rothe dür. Chron. §. 316. — ergatzungc neben ergetzuuge (Sp. 630) Rothe dür. Chron. p. 167. §. 331. — erkaltunge der liebe Hs. — erlabunge stf. Erquickung. Elisab. herausgeg. von Rieger p. 48: den vromoen zu erlabunge vndc zu bczerunyc irer pf runde (1277). — erlibunge stf. durch keiner erlibung willen nullius voluptatis causa. Hs. — ernesen (Sp. 659) ge- rettet werden. J. Rothe Elisab. Goth. Hs. p. 149 schließt die Beschreibung der Beerdigung des Landgrafen Hermann mit dem Wunsche Got helfe on an der sele ernesen. — er sam ick lieh, -liehen adv. mehrmals inUs. er wart ersamif/- lichen begraben. — ersucher stm. inquisitor. er macht vil briider zu ersucher vnd meister über die keizer. Hs. — ertfestenunge stf. Befestigung in der Erde. Dist. H, 1, 13. 14. 15. 16. 17. — ervarn (Sp. 688) in der refl. Bed. sich erkundigen, Raths erholen auch in Simon's Urkb. 155. p. 158: des han ich mich erfaren an herren (a. 1355). — ervrischunge stf. in der ervrischunge des ewigen lebens Hs, — eserwerk stn. Anfertigung von Reisetascheu. Dist. V, 12, 2: der Kürschner soll nicht arbeiten eserwerk. Ganchaftec adj. (Sp. 735) gangbar, im Stande zu gehen. Eisen. Rechtsb. p. 661: eyn man mag mit sime guthe, daz her ererbeitit had, machen an sime ganghaftigen libe, waz her tvel. p. 732: ein born, der ganghaftig ader fertig si. — garbenseil stn. Gr. Wsth. III, 759. — garbreter stra. md. = mhd. gar- braeter (Sp. 732) Garkoch, kommt schon vor Dist. V, 6, 1 — 2: der garbreter sal keyn fleyfz vngesunt noch unczitigk noch fynnicht noch mager vorkoußen unde sal keyn^ koste obir zcv-ene tage vorhalden. — geanderweiden swv. iterare. Dür. Chr. b. Seh. Bl. 239'': ein Herr von Salza, der das Kloster Reinhardsbrunn beschwert hatte, muste vorsweren vnde vorburgen das nummer mer geanderweiden, — gearnede stf. = erarnunge. Hohe Lied herausgeg. von Haupt p. 8, 10: got geschüf uns ane unsere gearnede. — gebelmure md. Giebelmauer. Eisen. Rechtsb. p. 707, 14. — gebrem stn. = brem, Verbrämung Dist. V, 26, 2. — gebresthaftec (Sp. 761). gebresthaftige menschen Hs. — gebrestlich adj. = gebresteclich (Sp. 761). das er etwas sehen möcht gebrestliches Hs. — ge- bruwede stn. so viel auf einmal gebraut wird, Gebräude. Bech Zeitzer Satz. II, 57 (a. 1457). — sich gebruchen ist Sp. 762 nur mit CHR. 5. 298, J6 belegt. Es findet sich aber noch vor bei Rothe Elisab. Bl. 33": gebruche dich das dir god hat gegebin. Ferner in der Legende von der Gutta ich beth dich inniclich durch die froude der du dich bi gote gebruchest. Simon Urkb. 202. p. 2J7: die selben rechte — behalden haben und sich der gebruchen sollen (1387). Gr. Wsth. III, 323: gebrückt er sich der gehoiltze (1440). Ebend. 328: sich des geholtzes gebruchen (14. Jahrh.). — geheimisch adj. die er selber von der weit zu seinen geheimischen f runden erweit hat Hs. — gehikeit = gaehekeit Hs. — geledder stn. collectivum zu leder. Dist. V, 7, 5. — geleiche stn. = leich, Fischleich. Eisen. Rechtsb. III, 95. — Zu geliche tuon (Sp. 813) vgl. Martin zu Gudr. 748, 3. — gelthaftec hufs ein steuerpflichtiges Haus Stadtr. von Rudolstadt bei Michelsen Rechtsdenkm. p. 214. — geltschul t- brief (Sp. 823; auch Mürzth. Urbar. Nr. 35 (Schöttg. u. Kreysig dipl. 1. Bd.). — LITTERATUK: M. LEXER, MITTE UIOCITD. nANDWÖRTERBUCH. 377 geltzcit (Sp. 828) Ilcnncb. Urk. I, 122. p. 67. II, 93, 7. p. 62. 129, 27. p. 81. 168, 27. p. 102. — gelczcnlichter stm. Schweincschneidcr. J. Rothe fliir. Chr. Sp. 1755 Mcnck. §. 565: vnde liefsen do monchen vnde gelczen alle mit einander einen f/elrzenlichfer, den sie in deme dorffe hattln. So ist nach cod. Fabr. und Hamb. etwa zu schreiben. In Dr. und der Sondersh. IIs. ist gelczcn- lichter ausgelassen. S. über das Wort Vilinar hess. Id. p. 123. — gemach- sam ikeit stf. Hs. — gemangkorn, dns were eyn teil körn, ein teil rocken vnde ein teil rathen. Gr. Wsth. III, 623 (1457). — gemcinschaft (Sp. 843) auch die Gesammtmasse Wenck Urkb. I, 192. — gemerung Henueb. Urk. I. p. 123, 18. — genade tuon (Sp. 850) Erlaß an der schuldigen Abgabe oder Gebühr gewähren. Erf. Wsth. I, 3. p. 8: der kofere des gutes sal ime (dem Schultheißen) geben einen schillink von der mark; daran rnac der schultheizze gnade lüol tun, oh er wil, gegen deme koufere. — genadenrichelt stf. ein persone sunderlicher gnadenricheit Hs. — genadenr ichlich adj. und adv. mehrmals in Hs. — genemicklichen adv. wie hat die mutier disen grufs so genemick- lichen uff genommen Hs. — genoste (Sp. 360) bed. die betrügerische Um- schneidung der Münzen, wie die im mhd. Wb. II, 407" aus Höfers Urk. an- geführte Stelle erkennen Uisst, dann aber auch das durch Umschrotung gewonnene Silber, wie eine andere Stelle in demselben Kechtsdenkm. (Kirchh. p. 19, 30) sagt: alle goltsmide solen sweren deme muntzemeistere , daz si hürnen rechte unde melden^ swer genoste lazze hürnen, — gensgulte stf. Abgabe von Gänsen. Wenck Urkb. I, 317. p. 232. — genzezcende stm. Dist. II, 5, 1. — gertichin dem. zu garte = mhd. gertelin. Wenck Urkb. I, 216. — geruwelichen adv. md. = gerouwel. (Sp. 891) auch in Simons Urkb. 169. p. 174 (1360). 178. p. 183. — gescheffnifs stn. Geschöpf, das ich nerne kein g. Hb habe obir den scheppher. Elisabetenlegende bei Schlorff Bl. 140\ — geschichte (Sp. 902) stf. in der Bed. Schicht, Reihe findet sich auch b. J. Rothe dür. Chr. §. 44: vnd straioeten darin maniche geschichte geldes. So die Hamb. Hs. — ge- schöpfde stf. Schöpfung, als vns das buche der geschöpfde seit Hs. — ge- sichteclichen adv. (Sp. 913) mehrmals in Hs. — Zu gesippede Sippe vgl. gleiche gesipts sein im Arnst. Stadtr. bei Michelsen Kechtsdenkm. p. 32. Ist also stn. — gespinne stf. Verwandte. Das Sachs, oder Magdeb. Weich- bildrecht V. J. 1381 herausgeg. von Walther §. 37. p. 21: die neste gespinne nympt keyn musteil. Statuten von Halle in den N. Mittheil. I, 2, 80 : es sal der man der toden frauwen nehisten gespinnen gebin der toden frawen besten par clei- dere und eyn bette. — gesticke (Sp. 930) Rothe dür. Chr. §. 679. — ga- st ifte dich adv. er dichtet vil brieffe, die er schreibe gestiffticlich vol aller bofs- heit Hs. — gestricke vnde gewircke stn. Strickerei und gewirckte Arbeit. Dür. Chr. b. Seh. Bl. 166": Noema erdachte darnach mancherleye gest. vnd gew. von wollen vnde von haste vnde von andern dingen. Deshalb heißt dieselbe Noema Bl. 167" die icebirsche. — gewandsnyd stm. Handel mit Schnittwaren. Wenck Urkb. II, 399. p. 417 (1363). — gewassche stn. = ge wahs Sp. 972, Wenck Urkb. I, 395. p. 304. — gewathosen Dist. V, 9, 18. — gewessirde stn. md. = mhd. gewezzerde großes Wasser, Wasserflut. Eisen. Rechtsb. p. 731. — ge will igen (Sp. 991) swv. bed. auch verwilligen, zu Willen sein: aber der graffe geicilliget den konige niergen iceder vmb bitten noch vmb gut, sunder er det St. Thomas lyp wider in das aptye closter Hs. — gezzichin stn. kleine Gasse. Dür. Chr. bei Schöttg. u. Kreysig p. 95. — gift (Sp. 1012) der Aus- o 78 LITTERATFR: M. LKXEK. MlTTKLUOCllD. HANDWÖRTERBUCH. stelliiiigstag eines Briefs oder einer Urkunde, Datum, nach tfift iliss hnejs iSimou Urkb. Nr. 144 (1348). 148 (1349). 150(1353). 158(1356). 166(1359). — glockenklepfel (Sp. 1037) schon Dist. V, 11, 2. glockichin (Sp. 1038) auch in Rothes Elisab. Bl. 6*. Heinrich von Ofterdingen hört da.s kleyne fjhrk- ch in klingen. — grasemal stn.? Erf. Wasserordn. p. 110, 3. 111, 5. — grunt- lichen adv. J. Rothe diir. Chr. §. 657. Dasselbe Wort ist nach Hss. her- zustellen §. 707. wie es auch richtig in dem Abdruck bei Mencken steht Sp. 1805 D. — gudechin stn. Gütchen. Simon Urkb. 132. p. 137 (1342). Hackebred stn. Dist. I, 7, 1. — hainholz stn. Erf. Wsth. II, 14. p. 44: ligna quae vocantur hainholcz. Scheitholz? — h als b ender stm. So über- setzt J. Rothe in der düv. Chron. p. 51 torquatus. — hanenisse? = ver- hancnisse, Einwilligung. Erf. Wsth. I, 56. p. 29. — hantschuwerk stn. Handschuharbeit. Dist. V. 12, 2. — hantwele (Sp. 1179) xMagdeb. W^eich- bildr. V. J. 1381. §. 37. p. 21. — hebevaz stn. Schöpfeimer. Dist. H, 2, 7. — hegegrafs stn. gehegter Grasplatz. Dist. II, 8, 2. — h eilige ntr acht stf. Urk. in Wolfs Gesch. v. Heiligenstadt p. 42 (1424). — Unter heizen Sp. 1226 ist die md. nicht selten, wie es scheint, gebiauchte Redeweise mich heizet = man nennt mich unerwähnt geblieben. Bei J. Rolhe finden sich dafür einige Belege. Elisab. Bl. 3*: da was ein meyster den hifz Klingesor. dür. chron. §. 249 ir hei/set Ruprecht, fso heifset mich Alhvpcht. Schlorffs Hs. hat dafür nch heifzet R. ebenso cod. Fabr. und die Hamb. Hs. ; auch J. Bange schrieb in seiner Chronik Bl. 39' mich heiaset Älbrecht, so heisset dich Rupprecht. §. 94 haben SchlorflFs Auszüge und die Hamb. Hs. mich heifzt Anestat. Eisen. Rechtsb. p. 860: auch stehit in der honen eyn edt^J^r stcyn , den heischit orphan. In der Legende vom h. Bonifacius 'Zeitschr, f. thür. Gesch. VI, 246): den geistlichen stul heyfzet gyqehorg. In einer Leipz. Hs. der kl. dür. Chron. des J. Rothe, geschr. 1485 von einem Bürger in Blankenhnin b. Weimar, steht Bl. 22'' den hiß Inhal. Bl. 49^ den hiß Hatto. Bl. 50^' den hiß Lodewig. Diese Redeweise ist in Eisenach und der Umgegend noch heute unter dem Volke lebendig. Vgl. noch Vilmar hess. Id. p. 161. Grimm Gr. IV, 592, 953. 960. — heringer stm. (Sp. 1257) auch Erf. Wsth. lU, 20. p. 138 (14. Jahrh.) Erf. Rathsverf. p. 43. — Zu hindersaezel (Sp. 1296) rad. hindersessel Dist. II, 4, 3. hindersidel stm. Dist. n, 4, 2: l'»xckel eyn herre sime hindersedel des ingedinges an husern adder an bencken, do magk der hindersedel das ingedinge behalten mit sime eyde. Also auch stm. — Zu hinder Sp. 1293: der superl. hi nderst = letzte, novissimus: sin hinderste predige vnd messe hat er von unser lieben frauv^en ge-^ hntt Us. — hinzu c (Sp. 1302): dn der in sinen lesten hinzügfii lag Hs. — hirtenlos (Sp. 1305) auch Dist. II, 7, 3: das das dorff oder wicpild ichf hirlen- loß hübe. — hochgesenge stn. do diß hochgesenge so — gehört ward Hs. — holderehe stn. collect, zu holder Holundergebüsch. Henneb. Urk. I, p. 21 (a. 1240). — holczschephel stm. mensurae annonae quae v. dicuntnr holcz- schephel. Henneb. Urk. IV, 7 (1299). — h onec vlicze nd (Sp. 1335) auch Hs. honigßiefsende Worte. — hopfenpflücker Michelsen Rechtsdenkm. p. 218, 83. — houwebank und howestock Eisen. Rechtsb. p. 676, 88. — houbetgelt (Sp. 1348.) auch Hauptgeld, Capital. Wenck Urkb. I, 191. dür. Chron. §. 740. — hovedornze swf. Rothe dür. Chr. §. 636: unde legete dor uf gar eyne schone grofse hofedor nzin =: construxit magnum estuarium. — hovejuncvrowe swf. Burgfräulein. Rothe dür. Chron. Sp. 1711. §.439. — hulzerin (Sp. 1382) LITTERATUR: M. LEXER, MITTELHOCHD. HANDWÖRTERBUCH. 879 md. J. Rothe Elisab. BI. 31" sagt von einem Kinde es musle mit den beynen yrete tjlich als ah Jye Iwlczern wertn. Eisen. Rechtsb. p. 704. — huuergulte stf. md. Hühnerzins. Wenck Urkb. I, 317. p. 232. — hunerstige stf. Hühner- stall. Dist. n, 1, 26. — Zu hungere (Sp. 1385) dürfte noch hinzugefügt werden Dist. V, 8, 3 : keyn ßeining sal sin titah czu hungerifj = zu leicht, dürftig und gehaltlos machen. Dazu die Var. heiter. — husmitungs recht stn. Dist. H, 4. p. 117. — husvride swm. Dist. II, 4, 6. — husvvermunge stf. Rothe dür. Chron. §. 336. Das Wort bezeichnet das häusliche Fest, welches der Besitzer eines neugebauten Hauses nach seinem Einzüge in dasselbe seinen Nachbarn und guten Freunden durch Bewirthung derselben zu geben pflegte, eine Sitte, die ehemals in Düringen ziemlich verbreitet gewesen sein mag. Im Henne- bergischen besteht sie noch heute hier und da, man sagt „der Heerd wird gewärmt". In einigen Ortschaften auf dem Walde ist dieses häusliche Fest unter dem Namen „Hausrauch'* bekannt. Bech hat das alte Wort, das auch anderswärts üblich war (s. DW. IV, 696) und bei J. Rothe noch durch andere Hss. geschützt wird, mit Unrecht beanstandet und huswerunge, wohl eine Ver- derbuiss in Dr., in Schutz genommen. Ingetumede stn. = md. ingetüme, das Eingebrachte der Frau. Eisen. Rechtsb. II, 24. vgl. Bech die bischöflichen Satzungen in Zeitz p. 14, 35. — inlegunge (Sp. 1436) auch in Simons Urkb. 210. p. 228 (1397). — i n- mitunge stf. Einmiethung, Vermiethung Dist. II, 4, 8. — insage (Sp. 1432) Simon Urkb. 271. p. 273 (1463). — ierbodde = mhd. ierbütte swf. Gähr- bütte Dist. II, 1, 28. — ioddenkerchof stm. Dist. III, 17, 36. — ioden- schule — mhd. judenschuole (Sp. 1486) Dist. III, 17, 37. Kampf wir die Dist. IV, 5, 15. — kannenwerfen stn. das Schlagen und Werfen mit Kannen Michelsen Rechtsdenkm. p. 234 (a. 1456. 1470). — kärrlein stn. kleiner Karren Nürub. Anz. 1872 p. 187. — kellervenster stn. Kellerloch Dist. V, 11, 2. — kemmichin stn. kleiner Kamm. Chron. thur. b. Schöttg. u. Kreysig p. 93. — kaesebret, md. kesebreth Dist. II, 1, 2. — kaesekorp (Sp. 1526) md. kesekorp auch Dist. II, 1, 2. — kezzel- bier stn. Bier das Jeder im eigenen Hause und Kessel zum eigenen Gebrauche braut, si mögen beydersyt hruwin Couuent adder kesselbir, das sie seibist in iren husern mit irem gesinde trincken wollin Merseburg. Urk. vom J. 1427 in Förste- mann N. Mittheil. II, 410. — Zu kippen (Sp. 1579): mit dem schabel kippet sie ym an sin fuesse Hs. — kirchhubel stm. Hügel worauf eine Kirche steht. Henneb. Urk. I, 208, 10. p. 117. — kleip (Sp. 1618) in der Bed. nasser Lehm kommt vor dür. Chron. §. 525: das man das körn sewin muste als in einen kleip. So ist zu schreiben statt klup nach der Hamb. Hs. und cod. Fabr. — klibelmesse (Sp. 1622) Messe am Tage der Empfängniss Mariae Wenck Urkb. I, 204. — cluft stf.? das boze spei, das man netinet dy clnft, Michelsen Rechtsdenkm. p. 273. — kniebreche swf. volksthümliche Bezeichnung in Düringen eines steil abfallenden Bergpfades. J. Rothe Elisab. Bl. 20": vnder Warperg pober der celle sente Elzebetin nahe an der kniebrechin, also dy luthe gemeyiilich spechin. — knochenhouwer stm. Dist. V, 5, 1 — 6. — kolenmaz stn. Erf. Wsth. III, 25. p. 139. — korngab el (Sp. 1682) Dist. V, 11, 2. — kornzehende swm. Henneb. Urk. II, 59. p. 30. — Wie kostbaere in kos per, so ward auch kostbaerlich in kosperlich gekürzt. Dür. Chron. b. Schlorfif Bl. 228": der König Andreas sendete seine Tochter Elisabet mit 380 LITTERATUR: M. LEX'ER, MITTELIIOCHD. HANDWÖRTERBUCH. vil kosperlichen kietpiotttn nach Düriugeu. liiHs.: er yah syn kosperlichen biicher. k'osper liehe efsen vn'l drincken. Ebend. kosperlicheit =:^ kostbaerlichcit. — kotstede. Wenek Urkb. III, 2G4. p. 215. koufen in der Bed. heiratlien (Sp. \Gdi) ward auch von der Frau gesagt: einen man kovfcn Wenck Urkb. I, 270 p. 196. — koufvart stf Handelsreise. Magdob. Weichbildr. §. 84. p. 37. — kramer- gewichte stn. (Sp. 1706) Dist. V, 9, 22. — kraeraerie (8p. 1706) Erf. Wsth. II, 198. 202. 208. auch in der dür. Ohr. Sp. 1709 §. 437. — kratze stf. Werkzeug zum Kratzen und ScliarreTi. Dist. V, 11, 2. — kristgloubec adj. von den cris(iegelfechterei" und der Name Euleuspiegcl an. LTTTERATUR: W. WACKERXAGEL. KLEINERE SCHRIFTEN. 383 Begriffe Idee und Ideal, die ja etymologiscli mit dem Begriff Scliaueu zusainmen- liilngeu, sich mit dem gedachten Vorstelliingskreiso berühren; nur daran möclite ich schh'eßlich nocli erinnern, daß die Schaubühue von ihrem größten Meister, William Shakespeare, zwar zunächst auch als Abbild des Lebens, dann aber doch auch wohl als eine Art von Correctiv, wenn nicht geradezu auch als Vor- bild gefasst wird. Wenn Hamlet (A. III Sc. 2) sagt: — from the purpose of playing, whose end — was and is, to hold the mirror up to nature; to show virtue her own feature, scorn her own imago, and the very age and body of the time, his form and pressure — wer läse nicht zwischen den Zeilen eine, wenn auch noch so discrete, ethische Tendenz des Dichters heraus?*) In dem Aufsatz Über die Farben- und Blumensprache des Mittelalters wird uns ein lohnender Einblick in eine der interessantesten Partien unserer älteren Culturgeschichte gewährt Zu dem Satz (S. 161): „schon ist im Deut- schen von jeher ein gleichbedeutendes Wort mit weiß gewesen" lässt sich ein indirecter Beleg aus dem Ende des XVI. Jahrh. beibringen. In einem von Fichard (Frankf. Archiv III, 395) mitgetheilten Brief einer Braut an ihren Bräu- tigam findet sich nämlich die Unterschrift; Eur getreie und liebe schwarze, so lang ich leb u. s. w. Ursula Freerin. Natürlich steht hier wie schon Fichard sah, schwarze per antiphrasin für weiße oder schöne. Daß auch bei Männern lichte weiße Farbe gern gesehen und gerühmt ward, hätte vielleicht noch stärker hervorgehoben werden hönnen; selten ist es freilich der Fall; daß bei Unholden eine besonders weiße und schöne Hand gerühmt wird, wie in den Fragmenten von Tyrol u. Fridebrant bei Haupt I, 1 7 : gewöhnlich sind nur Lieblinge der Dichter solchen und ähnlichen Lobsprüchen ausgesetzt. — Wohl mit Recht erklärt Wackernagel nach Grimms Vorgang (Reinhart Fuchs S. XXX) den sinn- bildlichen Gebrauch der rothen Farbe zur Bezeichnung der Untreue durch die Farbe des Fuchses in der Thiersage, wogegen mir S. 170 bei Besprechung von Nib. 384, 386 Lachm. die Farbensymbolik etwas zu weit getrieben scheint; Weiß ist hier wohl nur die vornehmste, die königliche Farbe, zu welcher Schwarz nicht im Gegensatze, sondern nur als minder edle erscheint. Nicht zum erstenmal gedruckt, aber neuer Beachtung durchaus zu empfehlen, ist der vom Hrgb. nur als Anhang beigegebene Aufsatz : Die Hündchen von Bretzwil und von Bretten, ein Versuch in der Mythenforschung, eine der feinsten und gelungensten Satiren , die je geschrieben sein mögen , schon durch ihre wirklich reizende Einkleidung der Leetüre nicht unwerth, ganz abgesehen von ihrer tieferen Bedeutung. Leider ist eine Satire gegen die Übergriffe der Herren Mythologen ja noch immer nicht antiquiert, und für die allernächste Zeit ist ein Umschlag auf diesem Felde auch noch nicht zu erwarten, da Alles was sich historisch entwickelt hat erst mit der Zeit überwunden werden kann. Und mit der bloßen Satire oder Ironie, so treffend sie auch sein mag, lässt sich ein fauler Baum nicht an der Wurzel ausrotten: solchen Invectiven gegenüber werden die Herren, welche mythologische Engros- und Detailgeschäfte zu machen fortfahren, immer antworten können: Ihr geht zu weit, Ihr schüttet das Kind mit dem Bade aus; man muß auch auf Gebieten, wo sich absolute Sicherheit *) In Tasso's Gerus. Über. C. XVI, St. 30, 31 wird Rinaldo bekanntliclj durch das Vorhalten eines blanken Schildes, der als Spiegel dient, aus seiner unwürdigen Weichlichkeit aufgeschreckt und der Pflicht ziu'ückgegeben. 384 MISCELLEN. nicht gewinnen lässt, den Muth wisseuschaftliclier Foiseliiing nicht verlieren u. s. w. Ja freilich I nur sollte auch auf diesen Gebieten, wo man schwerer als anders- wo evidenten ÜHrcchts geziehen werden kann, die Strenge der Forscher gegen ihre eigenen Einfälle, die Selbstkritik mit ganz besondererem Nachdruck geübt werden! Kef. ist überzeugt, daß wir manche leicht gewonnene Eroberung auf mytholugisohem Felde noch werden wieder aufgeben müssen, wenn mir mit gutem Gewissen von einer W issen seh aft deutscher Mythologie reden wollen. Für kunsthistorisches Interesse bieten die Aufsätze 4, 5, 9 und nameut lieh 10 i^die goldene Altartafel von Basel, die auf einer lithographischen Tafel nachgebildet ist) neleu Stoß", während Nr. 8 (Ritter- und Dichterlebeu Basels im Mittelalter) schon in die litterarhistorischen Aufsätze einleitet, deren Samm- luug der in Aussicht gestellte zweite Band bringen wird , welchem wir gerne entgegensehen. E, WILKEN. MT8CELLEN. Personalnotizen. Karl Gödeke ist zum außerordentlichen Professor der deutscheu Litte- ratur an der Universität Göttingen ernannt worden. Der Privatdocent Dr. Grein in Marburg ist zum außerordentlichen Pro- fessor daselbst befördert worden. In Halle hat sich Dr. Karl Hildebrand für das Fach der deutschen Philologie habilitiert. Am 4. August ist der verdiente Herausgeber des mittelniederdeutschen Wörterbuches, Dr. Karl Schiller, in Schwerin gestorben. Wegen der Choleraepidemie ist die auf den 22. bis 26. September d. J. anberaumt gewesene Philologenversammlung vertagt worden und wird demgemäß erst im J. 1874 in Innsbruck sich zusammen finden UNTERSITCHUNGEN ÜBER KONKJ IJOTHER. VON A. EDZARDI. Das Gedicht vom Ki'mig Rother, welches nicht nur älter ist, sondern auch an poetischem Werthe weit höher steht als die meisten anderen »Spiehnanns-Kpen, hat lange Zeit nicht eine so gründliche Be- handlung erfahren, wie sie iinn gebührt. Neuerdings aber hat bekannt- lich IT. Kückert im ersten Bande der deutschen Dichtungen des Mittel- alters das Gedicht herausgegeben und in einer längeren Einleitung die verschiedenen dabei aufzuwerfenden Fragen eingehend erörtert. In mehreren Punkten freilich kann ich den Ansichten Rückerts nicht beistimmen, anderes ist noch genauer zu untersuchen, und auch sonst hat Rückert noch manches zu thun übrig gelassen. Dieß ist der Grund, deswegen ich mit den folgenden Untersuchungen hervortrete. Um die Arbeit nicht über Gebühr anschwellen zu lassen, be- schränke ich mich auf die Beantwortung der Fragen nach dem 'Wann?', dem 'Wo?' und dem *Wie' der Abfassung, während ich die Entwicklungs- geschichte des Sagenstoffes und das Verhältniss zu der entsprechenden Partie der ridrekssaga sowie zum Wolfdietrich und zum Morolt für dießmal ausschließe. Auch über das Verhältniss der Fragmente zur vollständigen Hs. H fasse ich mich kurz Gegenüber den hannoverischen Frag- menten, die ich zum Unterschiede von H mit A bezeichne (nach ihrem Auffinder Freiherrn von Arnswalde), hat H einen relativ ursprüng- lichen Text. Wenn z. B. steht in H A 5143 f. Daz ist war, koninc edele^ Daz ist war, koninc htre, Ich ne räde dir niht ovele. Ich rate dir din ere. 5169 f. Wir suln der armen scle Wir soln der armen sele plf^gen^ icegen , Diz ist ein unstäde leven. Iz ist uns anders ungeic' : schämil 3867. Unregelmäßigkeiten in Betreff der Consonanten im Inlaute sind: 1. r wird oft im Reime nicht berücksichtigt, so voze : ber6?'ten 1719; weinote : gehorte 2413; unrechten : vorchte (4435); va?'n : lossäm 3615, : man 5 Mal, : Aspriän 1659; vart : hat 3487 ; wart : hat 1459; vart : slät 488, wo man aber auch varit : slahit lesen kann. 2. Von h gilt dasselbe vor t, so gemote : neroÄten 1219, vgl. 1299; vor/iten : porten, aber auch Beriten 4781; gedähte : häte 4877; bräht : hat 3195; auch 994 könnte man hierher ziehen wollen als gewete : unrehte, wahrscheinlich aber reimen hier nur die Flexionssilben. Da- gegen gehört noch hierher irhanAde : rande 2771 und die häufigen Reime niht (d. h. nit, niet, neit) : diet 842. 956. 1261. 2667. 3305. 4051. 3935; : lief 118. 162. 1194. 1733. 1809. 1987. 2037. 2241. 2245. 2271. 3081. 3169. 3257. 3457; : liet 1899. (3483). (4785). (1495). Hecht: lief 2675. 3. Ahnlich steht es mit t und d in den Reimen reckin : trech^in 3941 und heime : weinc?e 4963. Auch 462 mere : erden wird wohl so aufzufassen und Verlängerung des e anzunehmen sein. Im Übrigen reimt media : media sehr häufig: d '. g 15 (16) Mal, ng : nd habe ich 7 Mal notiert, lg : Id 3 Mal, rg : rd 2 Mal, mb : nd 3 Mal. V : g ist sehr häufig; ich habe 42 (44) Reime verzeichnet, lg : Iv 5 Mal ; rv : rg 1 Mal. v'.db {!) Mal; rv : rd 5 Mal; Iv : Id 2 Mal. 39Ö -^- EDZAKDl Die weiche Spiraus h : g cntfaÄin : sviu/ir 4601); schoÄc : vo^e 2039; : d slaÄin : schadin 2603. Weiche Spiranten unter sich sind 4 ^lal im Keime gebunden: stat'en : slaAen 4289; let-e : we*'en 4489; mar/?e : gescnt-e 4927; gräi;in : intla/nn 902. Liquiden, m : n ist sehr häutig im einsilbigen Reime, oft ver- bunden mit a : a, z. B. getan : lossam, so 37 (40) i\Ial. Auch im zwei- silbigen Keime ist es hcäutig. r ',1 11 (14) Mal, auffallend auslautend in den beiden oben an- geführten Fällen, r : m 7 (8) Mal; : n 4 Mal (darunter 2 ]\Ial war : hän). I\m2 Mal; : n 6 Mal; nt : It 11 Mal; nd : Id 1 Mal; 11 : ng 2 Mal. Häutig ist liquida : media im Keim gebunden: r:g 11 Mal; m : g 9 Mal; ng : nn weit über 20 Mal, in den Interpolationen 2 Mal; n : d 5 Mal: nn : nd 5 Mal. Liquida, weiche Spirans: m : v nemen : geven 4 Mal; : leven 1160. 1186; gäven : quämen 1515. n : V manen : havcn 2099. ?• : ü 8 (10) Mal, aber nur im klingenden Reim. r:h saÄin : kerkenäre 2285, : wärin 1221. 1541. 1847; : gebäre 2089. r : v: herrin : ewin (4411). h : n vähen : Aspriane 1593; näÄir : Aspriane 1593. h : l sehin : kelin 1829. h : f gesehen : geven 2055. Tenues unter sich stehn verhältnissmäßig selten im Reim, nur k : t mit vorhergehender Liquida kommt vor, so blanc : lant 158; junc : stunt (2169); Widolt : volc 3 Mal, im Ganzen 14 (15) Mal. Nur zwei- mal steht crump : gesunf, also p : t. Ungemein häufig reimen die harten Spiranten unter sich, so (h : f: z. B. wich : lif, macht : craf; -schaf : tach. /:s ros:hof 234. 1308. 2153. 4579; was : craf 1315, : schaf 246. 1497. ch : s: was : tach 884. 1603, : sprach 1993, : gesach 2309. 2421. 2.521. 4663, : nach(tj 2315. ch : z: vazzen : machen 1360; gevlozzen : wochen 3633; Kriechen : stiezen 3101; voz : schoch 2061; groz : zoch 1727*) u. s. w. Ferner reimt f mit den harten Spiranten ganz gewöhnlich: / : ch got : troch 5 Mal, : genoch 2041 ; blot : scloch 562. — stat : sprach *) Dab^'i ist zu bemerken, daß in diesen Fällen auch t statt z angesetzt werden könnte, je nachdem man über die Mundart urtheilt. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 397 2983, : plach 2525, : lach 3 Mal, : brachrO 4087: : slach 3223. bat : dach 2479. 3731 ; trat : sprach UX)7; clat : gcsach 5023. — zit : gelich 1887. t : f: zit : lif 18G9; lif : sit 3953, : wit 4003, : niet 39(JG, wif : strit 4603. ~ gut : hof 1637. — starf : wart 4477; stat : gaf 5 Mal, : crafft) 1305. 3809; wahrscheinlich scat : gaf 3373, : craf(t) 590. / : .s- GGrdrüt : hüs 3479; wohl auch scat : was 1031. t : z: vuz : beschut 2191 (voze : bnrorden 1719 zeigt den Reim d : z, wie auch lieze : riede 1174; beidemal im zweisilbigen klingenden Reim); goz : not : brot 2705; wohl auch scat : haz 610. Harte Consonanten, d. h. tenues und harte Spiranten, scheinen in der Regel nicht mit weichen Consonanten, d. h. mit Medien, weichen Spiranten und Liquiden, im Reim gebunden zu werden. Zwei Aus- nahmen im klingenden Reim habe ich eben angeführt. Von Vocalen sind reimfähig, zunächst von den langen a und A. A Ä ^ e : (), a : e. ä : o im stumpfen Reim: Judas : vii-los 3339; im klingenden Reim: hortin : kfirte 2513; Wolfratin : gotin (3385); nute : täte 1190. 4114. quäme : Rorae 3 Mal, : schone 4 Mal, : kone 1761, : lone 208. 3779; gew^ade : gode 3687; räde : node (5137). e : ö diete, d. h. dete : gote 630, : note 1202; gestene : schone 1843; gedenit : gelonit 3687 ; (4339) diete : müde (nach der Hs.) scheint auch hierher zu gehören; queme : crone (2947); gote : dete, Hs. däte, 5171. ä : e kerkeuäre : keren 342. 2574; herren : wären 4259, wenn diese Stelle nicht dem Bearbeiter angehört. Weiter scheinen keine Reime unter langen Vocalen möglich zu sein, wenigstens lassen sich andere Reime nicht sicher nachweisen. Bei den kurzen Vocalen herrscht weit größere Freiheit. Zunächst wird a im Reim gebunden mit seinen sämmtliohen Schwächungsvocalen, besonders mit den ihm am nächsten stehenden e und o, auch mit u: o : e haftin : unkreftin 1321; hande : eilende 4973; lande : gesen- det 126; marhe : geserwe 4927; strenge : lange (5087); bezzir : wazzir 4549; harde : herverde 4793; vaste : bresten 4155; crafte : wirtschefte 1561; manne : gedrenge 1833, : stangen 1865, also 14 Mal (resp. 15). a : 0 alle : volle 2 Mal; schalle : wollen 2757; golde : halven (1827); auch wohl manne : bronnien (.3441). (4099); also 3 (6) Mal. a : i wille : alle 3951 ; sacliin : geswichin 4369. a : u laude : gebunden 1218; hande : urabe 1423. 2465, : bewunden 862: geruste : raste (4035); sunde : schänden (4495), also 3 (5) Mal. 398 A. EDZARDI Die entsprechenden Schwächungsvocale werden untereinander im Reim 2:ebundeu: e : o recken : rocke 4073: pellen : wolle 3063; gezelde : golde 400; woldes : selve 2102: vorhten : Berhten 4781, : unrechten (4435); her- bergin : sorgin 1229. 2647; also 7 (8) Mal. i : ?/ springin : sungin 4971; Tengeliugen : junge 3469; willin : ge- wunnin 2919: sinne : kunne (4341); also 3 (4) Mal. Außerdem erscheinen im Reim die verwandten: e : i geste : wiste 252; helle : willes 2343; reckin : dicke (4139); geselle : willen 3079, : willes 3079; kennen : inne 3911, : sinne 526; entgelden : binden 998; kinden : erwenden 558, : ingesinde 1487; also 9 (10) Mal. 0 : n hulde : golde 2057 ; jungin : entronniu (3037) ; wolde : Vulde (5165); also 2 (3) :\ral. Aber auch e : u findet sich: eilenden : sunden 3841; lüften : kreften 3527; vluchtin : trechtin 4321. o : i scheint nicht vorzukommen. Es werden also fast alle kurzen Vocale mit einander gebunden, aber nur im klingenden Reim. In den klingenden Reimen also schaltet der Dichter, besonders mit den kurzen, ziemlich frei. — Dagegen in den stumpfen Reimen, einsilbigen und zweisilbigen, beobachtet er strenge die Gleichheit des Vocals, mit alleiniger Ausnahme des Judas : virlos^ Wo aber ein Eigen- name im Spiel ist. Dagegen finden sich die Freiheiten, die der Dichter sich in Be- treff der Quantität erlaubt, fast nur in den stumpfen, und zwar den einsilbigen stumpfen Reimen*). ä : ä ist sehr häufig, wie ja auch noch viel später. 6 : ö göt : gebot 516. 2567. (4447). 4545. 4801 , : tot 1002, : not 4021, : gedot 437.5, : getrouraot 2331, : virhengut 4031, : gelonut 4811. höf : urlOf (oder urlöf?) 4797. e : e: herre : verre 198; er : raer 4367; her : mer 65, denn mer wird zu lesen sein statt des se der Hs. ; dafür spricht das außerordent- lich häufige fornif'lhafte über mer, over mer. — Dagegen 7.55 lewe : ene ist wohl irjwe anzusetzen (vgl. Grimm Gr. I 459). 472 eren : bez- zere, wie die Hs. gibt, ist gewiß die Überlieferung mangelhaft, wenn *) Nur einmal R. 394 in sägen : lägen scheint dieß auch im zweisilbigen Reime vorzukommen. Verlängerung des ä in sagen kann ich nicht mit Rückert annehmen, da sagen sonst durchgehende reimt zu häven, slägen u. s.w. Auch 3867 schämil : nähirV Doch hier ist wohl a in schamil lautr. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 399 ich auch nicht gerade mere, sondern irgend ein anderes Wort ergänzen möchte. i : / guldin : under in 1100; hcrlich : wif, aber auch : dich 3291; erlich : dich 3337; min : bin 2204; koningin : bin 17G9. 2053; Dieterich : dich 1799, : sich 1905, : mich 2105. 2187; koningin : din (5093), aber auch: sin (5284). Die hier zusammengestellten metrischen Eigenheiten sind im Wesentlichen dieselben, wie in Lamprechts Alexanderliede und in Konrads Rolandsliede, die beide in die erste Hälfte des XII. Jahrhs. gehören (letzteres nach Schade um 1132). Die Vergleichung des Me- trischen bis ins einzelne zu verfolgen, würde zu weit führen. Als cha- rakteristisch führe ich nur an, daß Reime, die allein auf Flexionssilben ruhen, in denen der Vocal zu e oder i geschwächt ist, im Annoliede (12 Mal in den ersten 400 Versen) und bei der Awa sehr viel häufiger, im Rolandsliede (z. B. 7, 30 swicie : ake; 18, 7 werin : giselm; 242, 5 gegange?« : jungere?i; Abele : hohe 261, 23) etwa in dem gleichen Um- fange, im Alexanderliede aber seltener als im Rother sich finden. Unser Gedicht erscheint hiernach jünger als das Annolied und die Gedichte der Awa, und wenn mau für das erstere etwa 1000, für letzteres etwa 1110 ansetzen muß, so würde auch das Resultat der metrischen Untersuchung das früher gewonnene bestätigen, daß der Rother' etwa um 1130 abgefasst sein mag. Die 'Kaiserchronik' kommt hierbei nicht in Betracht; sie zeigt viel mehr Alterthümliches als man nach ihrer Abfassungszeit erwarten sollte, und es ist darnach höchst wahrscheinlich, daß sie wae nachgewiesenermaßen das Annolied zum großen Theil, so auch noch andere ältere Gedichte ziemlich wörtlich in sich aufgenommen hat. Endlich komme ich zu den alterthümlichenFlexions formen. A) Formen auf o: 1. im particip. pass. auf -ot tut: geliou- bitut 512, : geledigot 4123, : gelönut (4723); nOt : gemarterot 3461, : ge- dienut 4513, : gevalscut 2791. rOt : gewirot 1815, : gew^andelut 3533. bot : gesamenot 134, : gebilidut (4410). got : gereitot 776, : getroumut 331, : zeswellot 2443, : gerichtut 2495, : virhengot 4031,': gelonot 3201. 3709. 4811, : geordinut 3328, : gevazzot 164, : gesendot 2689, : gedienot (4835), : virdienot (5105). Ymelöt : genend^t 2585. — gewäfenot : not 2971, : got 2763. 3529; gezirot : rot 1098, : gut (3573). 5043; gesümut : bot 2533; virsümut : gut 2715. Also diese Form des Particips steht 27 (32) Mal im beweisenden Reim, außerdem noch häufig in der Hs. 400 A. EDZARDI 2. Praeteritum auf -ode: note : gebilidote 374; geiiote : näote 2367; goto : neigote 1877, : gerümuteu 3653, : trorurte 430; geborte : weinote 2413; gemode : verwandelöde 3005. — schouwote : note 2463, : note 3693; also 9 ^lal im beweisenden Reim. 3. Superlativ auf -ost. vorderost : tnVt 2649. (4141). — Im Ganzen sind demnacb 37 (43) Mal Formen aufo durcb den Reim er- wiesen. ß) F o r m e n a u f a 1 1 e s a. 1. Infinitive auf -an: warnan : man 3004; dienan : gan 2841; vragau : man 4017; warnan : man 3004; belialdan : lossam 940. Außer- dem vielleicbt sagan : gan 499; volgan : getan (oder vollegan?). — Also 5, resp. 7 Fälle. 2. Parti cipia auf -rnide: ib/nde : wigande 2641; tror<^fnde : lande 1223, : viande 1419; skrickande : stangin 2157; weinaude : wigandin, : landin 4(i27 fl'. ; rünaude : lande 1223; also 6 Mal. 3. Andere Wörter binu^in : began 2471. Im Ganzen babeu wir also 12, resp. 14 Formen mit a durcb Reime erwiesen. C) Formen auf v. 1. Parti cipia auf -?aido: wein?mde : umbe 2375; scbouw?mde : umbe 1350. 2449; varunde außer Reim 1874. 2. Andere Wörter: hier nicht durch den Reim belegt aber häutig in der Hs. Z. B. ?nitfan 103. 706. 963; «ntforbten 699. D) Formen auf (nicht tonloses) i. 1. Superlative auf -ist: er«st : Christ 63; minn/st : bist 2923. — Außer dem Reime oft, z. B. bezz^st 582. 1533. 3127; schonest 294. 746; truwebchist 99. 121; groz/st 2559; kOn^st 755; tür/st 1004. 4071. 2. düsmt : kint 490. Die Formen auf o finden sich auch im Alexanderliede und Rolands- liede sehr häufig, die aufa und?/ aber sehr selten; ich weiß nur an- zuführen äbant : jächant Rol. Gr. 56, 20. Dagegen sind diese sehr häufig bei der Awa z. B. Diem. 243, 8 bitt/in : man; 243, 25 geltan : man u. s. w. ; auch im Particip verrätan : man 252, 26. — dien?mde : umbe 246, 3; tüsjnit : stunt 274, 10. Hier scheinen auch, was im Rother nicht mehr vorkommt, die Endungen der schwachen Declination statt -en noch zuweilen -un, -on zu lauten; dafür sprechen Reime wie sun : Juden 339, 5, : zeswen 288, 28, : jüngeren 270, 3, : baisamen 249, 5 und viele andere. — Im Annohede ateht a noch weit häufiger, in den ersten 400 Versen 6 Mal; femer sun : sundwn; evangelium : mennischen, d. h. menuischuu u. s. f. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 401 Wenn ich übrigens diese Formen altertluimlich nenne, so meine ich damit nicht, daß sich immer in diesen Fällen der alte Vocal er- halten habe, sondern ich sehe darin die Alterthümlichkcit, daü der Flexionsvocal noch nicht vollständig tonlos geworden ist, vielmehr noch die Fähigkeit besitzt, unter dem Einfluße des Hochtons in vollerem Klange zu erscheinen. Das Ergebniss dieses Abschnittes meiner Untersuchung ist, daß das Gedicht vom König Rother in der ersten Hälfte des XH. Jahr- hunderts, wahrscheinlich um 1130 verfasst ist. Dazu stinnnt, um dieß schließlich noch anzuführen, daß einzelne Anspielungen sich recht wohl auf die Zeit Lothars von Sachsen beziehen lassen. Nachdem Asprian mit seinen Mannen Rother seiner unverbrüch liehen Treue versichert hat, folgt 4909 ff. Do gezeme beide nit und spot, VirbutiY der waldindinger got! Als iz was witin Zo Rotheres gezitin; Do ne plac sm nieman, Iz ne moste ime an den lif gän. 4915 Von du wistin sie wole Beide heime und ze hove, Swer deme andrin (Hs. andris) iht geheiz, Daz er daz war liez (Hs. biet), Iz ne beneme im der tot Oder ehafte*) not. Es ist klar, daß vor 4909 eine Lücke ist, in der etwa gestanden haben muß: „sollte es nun bei uns anders sein, keine solche Treue gegen den König bei uns geben, dann" — ; darauf deutet ü 4910 und sm 4913. Es scheint mir, als werde hier auf die politische Lage an- gespielt, und dieß passte sehr wohl auf die Zeit, als Lothar mit dem staufischen Gegenkönige zu ringen hatte. — Hierher gehört noch 4647-4652. An den lach die aide zucht Und die werdecliche vrocht. Die solde ein jegelich man Wider sinen herren hän, Sone vorde (d. h. vorhte R.) die gruntveste Nüwit der helle gestefn]. *) ehaft kommt weder dem Dichter noch dem Bearbeiter zu, beide würden echt brauchen; wir haben hier also wohl eine Änderung eines oberdeutschen Schreibers. GERMANIA. Neue Reihe VI. (XVIII.) Jahrg. 20 402 A. EDZARDI "wereltlicho hat Riickert gewili richtig; in werdecliche geändert, mit vrucht (Hs. vroucht) kommt er aber nicht zum Ziele; es ist wohl mit Umstelluuo^ = vorht, nämlich werdecliche vorht = Ehrfurcht (vgl. 4781). — Ob 4915 ff. dem Bearbeiter angehören, der ganz Ähnliches 4493 fl'. hat, oder ob unsere Stelle ihn zu jener begeisterte, weil.^ ich nicht zu entscheiden. Auch kommt wenig darauf an. Ähnlichen Inhalt haben übri2:ens auch die Verse 4873—4876. 469 ff. wird erzählt, daß Helfrich, Bcrchters Sohn, auf Rothers Befehl 'über Elve' gegen die Heiden gesandt (du er die beiden quelete, die sunder ewe lebeten) 'an godes dienste' erschlagen ward. Rückert (in der Anmerkung) sieht hierin eine Anspielung auf den Kreuzzug gegen die Wenden, der 1147 stattfand, aber unglücklich endete. Er muß deshalb diese Stelle dem Bearbeiter zuschreiben (LXV). Indessen scheint sie mir in den Zusammenhang zu gehören und zeigt sprach- liche Abweichungen von den andern Interpolationen, ohne daß ich freilich die Möglichkeit der Interpolation ganz abweisen will. Man könnte auch an Lothars Kämpfe gegen die Wenden denken, auf die vielleicht der Dichter als auf ein gleichzeitiges Ereigniss anspielte. Endlich könnten Lothars Kämpfe in Apulien 1136, bei denen auch eine Belagerung Bari's vorkommt (Kaiserchr. D 524, 11), die Belehnung Berhters mit Apulien und Sicilien (4883 ff.) veranlaßt haben. Aber für die Festsetzung der Abfassungszeit können bloße Möglichkeiten nicht entscheiden. IL Wo ward das Gedicht in seiner ursjjrünglichen Gestalt ver- f a s s t ? Die Erwähnung der heiligen Gerdrüt von Nivelle in Belgien und die zweimalige Anrufung des speciell rheinischen heiligen Agidius, hier Sante Gilje (2926. 3945), sprechen für die Heimat des Gedichtes am Niederrhein (vgl. Rückert LX). Dazu soll wenigstens erwähnt werden, daß enouwe vlie^en 183 (vgl. 1185) ein Ausdruck der Fluß- schifffahrt (s. Rückert Anmerkung zu 183), der eigentlich 'stromabwärts' bedeutet, auf die vom *sant ze Bare' in See stechenden angewendet wird, was die Vermuthung nahe legt, daß der Verfasser an den Ufern eines großen Stromes zu Hause war. — Auf die vielen Namen rhei- nischer und angrenzender Gegenden ist gar nichts zu geben, denn es kommen daneben auch Ispanjen, Scotelant (s. unten), Pulje und Cecilien- laut, Beheim unde Polän, Plisnin unde Suurven vor, genug alles, was irgendwie einmal zum deutschen Reiche gehörte und noch mehr. Auch ii UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHEK. 403 wird unten der Nachweis versucht werden, daß diese Stelle zum größten Theile dem ursprünglichen Gedichte nicht angehörte. — Wohl zu be- ajhten ist dagegen, daß liother als über das ganze Gebiet des deutschen Reiches herrschend erscheint, auch 3099 ausdrücklich *keiser' heißt, daß er zum Vater Pipinchis, d. h. Pipins des Kleinen gemacht wird (3476. 4758), der auch 'keiser* werden soll 5000, — zum Großvater Karls des Großen (3477. 4'i84. 5189), ferner daß Luppolt zum'koninc zo Kerlingin' gemacht wird (4882. 5034), endlich daß Rother zuletzt nicht mehr ze Bare, sondern ze Ache Hof hält. — Darin wird man wohl Riickert beistimmen, daß schwer zu begreifen ist, wo anders in Deutschland die Verflechtung der karolingischen Genealogie mit der Rothersage sich vollziehen konnte, als in den Rhein- und Niederlanden, „da nur dort Karl der Große und sein Haus einigermaßen in der volksthttmlichen Geschichtstradition lebendig waren, wie die nur dort zahlreichen Spuren früherer und späterer poetischer Schöpfungen aus diesem Sagenkreise beweisen" (LX). Das wichtigste aber ist, daß der aus den Reimen, sowie aus Eigenthümlichkeiten der Syntax und aus dem Wortschatze sich er- gebende Dialect des Gedichtes in das Grenzgebiet des Mitteldeutschen und des Niederdeutschen weisen, und zwar, wie mir wenigstens am wahrscheinlichsten ist, an den Niederrhein. — Zwar sind die Reime in einem Gedichte aus der ersten Hälfte des XII. Jhs. nicht so be- weiskräftig wie in einem späteren, und man darf nicht auf vereinzelte Reime große Schlüsse bauen. Doch hat auch hier die Reimfreiheit ge- wisse Grenzen, wie sie oben gezogen sind, über die der Dichter nicht hinausgeht. Innerhalb dieser dürfen wir allerdings die Reime zum Aus- gangspunkte lautlicher Untersuchungen machen, zumal wenn wir uns auf eine größere Zahl von Reimen stützen können. Zu bemerken ist noch, daß bei der schlechten Überlieferung dieses Gedichtes, welches durch die Hände verschiedener Abschreiber gegangen ist, deren jeder Spuren seines Dialectes zurückgelassen hat — daß bei einem solchen Gedichte die handschriftliche Überlieferung nur in zweiter Linie in Betracht kommen darf. A. Zur Lautlehre. L Vocale: ö = mhd. wo ist im Rother unbedingt anzunehmen. Nie erscheint der fragliche Laut mit ü im Reime gebunden, wohl aber im einsilbigen stumpfen Reim mit o 34 ^37) Mal, nämlich: (jot : not 49. 108. 174. 710. 1403. 1433. 16G7. 2368. 2805. 31G1. 3185. 3281. 3375. 3825. 4529, : rot 2025. 2135, : dOt 1583, : bröt 3511, 26* 404 ^- EDZARDI : Ymclot oT97; : gebot 292; — : gercitot 77G, : gcswcllot 3797, : gerihtot 2495, : gezierot 5043. (3573), gewafonut 27G3. 3529, : gcordiuut 3327, : gclouut 3201, : virsümot 2715, : gesendet, : virdienöt (4835). (5105). (lot (mhd. tuot) : not 1471. 3939; Inf. dun : Ion 4119. Einmal sogar reimt die 15 o : 6, gedot : gut 4375. Ferner im klingenden Reim 10 (11) Mal: voze : schoze 2253. 22G1: könc : yrCme 1737: gute : iroroto 430, : neigote 1877; : gerümote 3G53, : sehouwote 3G93, : gelierbergote 3549, : verwandelode 3005, : ver- schroten (4334). Im Ganzen 45 (49) beweisende Reime. Dazu kommt 17G1 kone : quame, denn zu quame kann nicht kuone oder kune, sondern nur kone reimen. ü =^ mhd. OH ist wenigstens für einige Wörter zu belegen: vruicin : vronin 4577, : gronin 394; cronin 4577. Dann reimt wie- der vrowe : ^ezoice 300, : gelövin 2S13, : schowin 278. 4972; 4797 urlöf : hof, wenn hier nicht die Form mit kurzem 6 anzunehmen ist. vorebögen : gronen 4583. Vorebougen der Hs. zu satelböge u. s. w. zu ziehen scheint das einfachste, doch spricht dagegen die Schreibung ou, besonders aber, daß im zweisilbigen Reim verschiedene Quantität sonst nur einmal zu belegen ist. — böge statt bouge bietet die Hs. 3087. (Vore-bouc fehlt im mhd. Wb., ebenso foreböge.) orlog erscheint ohne beweisenden Reim. e = mhd. ie scheinen die folgenden Reime zu fordern: del : kel (Hs. deil : kiel) 840, dienit, d. h. denit : lonit 2297. 3391. stormgierin : herrin 698. diete, d. h. dete : göte G30, : note 1202. eide : ummeine : hietin 816, d. h. ede : ummene : hezin, wenn hier dreifacher Reim be- absichtigt war. — Aulierdem bietet die Hs. noch sehr oft e. e = mhd. ei. Hier sind die angeführten Reime 840 u. 816 ff. zu wiederholen; fenier ist anzuführen lewe : ene (Hs. eine) 754. gescliein : ein, d. h. gesehen : en 872. gesteine, d. h. gestene : schone 1843. ü ^ mhd. iu bietet die Hs. immer, nur einmal aber im beweisen- den Reime: 858 iure : müle. Der Umlaut fehlt den langen Vocalen. ö = mhd. oe. schone : honen 1795; Ymelotin : notin 3759. u statt seines Umlauts iu ist durch Reime ui^ht zu belegen, steht aber immer in der Hs. Auch der Umlaut des langen ä scheint im Gedicht ursprüng- lich nicht vorhanden gewesen zu sein. Im beweisenden Reim steht ä 33 Mal, imd zwar in Substantiven auf -äre 18 Mal, nämlich: kame- rare : wären 1026, :vrägen 2121. kerkenare : gräven 2431. 2623, : wären (ind. praet.) 2297. 2407, : zväre 2219. 2537. kaffäre : wären (ind. praet.) UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 405 1867. burgare : vragen 838, : Bare 3113. 3307. 3513. 3523. 3537. ritare : Bare 3155; spehare : Bfire 3895; liarfi'?re : zvarc 2519. Im conjunctiv praeteriti 7 Mn\, nämlich: wäre : Bare 3877. 3895, : zvare 1612, : male 1625, : vragen 2713. qiunnc : Adame 2699, rAspriane 2021. In einzelnen Wörtern 8 Mal, nämlich in: nmve : Bare 3261. 3491, : zvixre 62S. 2141. spade : kemenade 1519. seltsano : cräme 3111. gebare : häre 1081. gewade : kemenade 1903. Im nicht beweisenden Reime steht hade : gewade 1839. 2319. 3121, : gedade 1903 und öfter. Für den Umlaut dagegen würden nur sprechen die' Reime ker- kenäre : keren 342, 2574, ferner mare : herre 2459 (dagegen 2137 ist mere (: herre) = mehr) ; herren : wären , wenn diese Stelle und 4259 nicht dem Bearbeiter angehört*), was von 4763 herre : nimere (d. h. niumere) wahrscheinlich ist, so dalj auch 4259 weren zu lesen wäre. Im besten Falle hätten wir also 6, oder will man 995 noch hierher ziehen, 7 für den Umlaut sprechende Reime. Diese 3 — 7, wahrschein- lich nur 3 für e sprechenden können den 33 ä verlangenden gegenüber wenig ins Gewicht fallen, zumal auch die Hs. meist ä hat. Es wird vielmehr in diesen vereinzelten Fällen der zwar sonst nicht vorkom- mende Reim ä : e anzunehmen sein. Für die kurzen Vocale gilt folgendes. Statt des Umlautes ü gibt die Hs. immer ü ohne beweisenden Reim. — Der Umlaut des ä scheint noch nicht durchweg eingetreten zu sein. Mehrmals wenigstens erscheint statt des e ein a : a im zweisilbigen stumpfen Reim, so gagin : havin 3519 (nicht so beweisend gegine : samene 1681); slagin (plur. Dat.) : geclagit 1 759. Dagegen spricht nur nemo : sägen 1531, aber auch der Sinn scheint lade' zu verlangen, wie sonst zö hüse laden formel- haft gebraucht wird (vgl. 890, Nib. Z. 104, 1 u. s. f.). So erweist der Reim auch 1651 in gare : bere die niederd. Form bare. — Ferner steht in mehreren Wörtern das ältere ä = mhd. 6, so in w^/1 : säl (msc.) 2931. 3893, : smäl 75. 1363; snl (mhd. sei) : schäl 1543; gew^/ne : wäle (mhd. wol) 1397; mähte : nachtiu 3865, : slachte 1369, : richte 1767 (Hs. mochte). 2. Consonanten. Statt h ist im Inlaute v, im Auslaute f an- zusetzen, beweisende Reime sind 4799 urlöf : hOf , wo noch die ver- schiedene Quantität dazu kommt, wenn nicht urlöf anzusetzen ist; lö/: hof 232, mhd. p : f ist, vielleicht nur zufällig, sonst nicht zu be- ") Bei dem die Keime durchaus für e sprechen. 406 ^- EDZARDI legen; gaf : scaf 148 und gaf : traf 2484 (wenn hier Rückert richtig traf statt des trach der Hs. annimmt); geloiüt : liove 150; bellten : zvivel 3269; liphe : zvivel 2335; nevin : lei;in 3409. c? ^mhd. t: rande (dat. masc.) : irkanrfe 4221. lande : sanc^e (sandte) 188. 624. 2933. 3231; : irwanden 1467; scliilde : spiWc (4935). holden : solJen 403; goldis : woWen 3127. 791. 224. 408. (4711), : gezeWe 400; Vulde : woh/e (^5165) u. s. w. Außer diesen wenig beweisenden Reimen nach Liquiden findet sich noch leide : beic?e (eigentlich beidde, mhd. beitte) 828. Daß sich weiter kein beweisender Reim findet, ist freilich höchst auffallend und würde gegen den von mir angenommenen Dialect große Bedenken er- regen, wenn nicht andererseits so viel dafür spräche. Etwas weniger auffallend wird diese Erscheinung allerdings, wenn man bedenkt, daß im Rother auch Reime von d : d = mhd. d : d ungemein selten sind; in den ersten 3400 Versen habe ich nur 4 solcher Reime gefunden, nämhch 1565. 1635. 1691. 1779, darunter 3 Mal widir : nidir. ch = mhd. A' (= Got. g) im Auslaute, z. B. tacÄ : sach 344. 718. 3301; lacÄ : nach(t) 2779 u. s. f. Die Beleffstellen sind sehr zahlreich. k = mhd. ch. Ob dieß für den Rother anzunehmen, ist schwer zu sagen, wenn auch der Reim recken : sprechen 495 und die häufige Schreibung mit k in der Hs. dafür zu sprechen seheint. Daß im Aus- laute dafür ch erscheint, spricht nicht dagegen — ich meine Reime wie sprac/j : sach, : nach(t) 444. 564, : schaf(t) 288; brach : slach 1639 — da noch eine Urkunde des Herzogthums Westfalen (Lacomblet III 319) welicÄ neben -\ike, Heinrich, mallicÄ, und noch eine Soester Urkunde (Lac. III 260) sich hat. t = mhd. :: und ^ ist aus den Reimen wenigstens im Allgemeinen nicht zu erschließen. Nur die wenigen unverschobenen t des Mittel- fränkischen*) werden wir der Mundart des Dichters wohl zugestehen müssen; dafür spricht der Reim dät : gät, in dem die verschiedene Quantität ins Gewicht fällt 4383 und scaz : haz, da hartes und weiches z im Reime zu einander doch anstößig ist. Wat, it, dit, dat gibt auch die Hs. meist mit t. — Dagegen die Reime gö^ : not : brot 2705 und v6^ : beschot 2149 fallen doch zu wenig ins Gewicht, als daß man deßhalb dem Dialecte des Dichters t im Allgemeinen zusprechen könnte. Sie stellen sich zu dem Reime Gerdrüt : hüs. Auch hier ist mir der *) Vgl. Braune „zur Kenntni-ss des Mittelfränkischen" (Beiträge zur Geschichte de r deutschen Sprache I. 1). UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 407 Reim scaz : was anstößig. Ich glaube daher, daß wir für unser Gedicht scaf ansetzen müssen, welche Form auch im Mittelfränkischen aus Reimen sich zu ergeben scheint. Auch zeigt eine külnisch-bergische Urkundo von 1341 (Lac. II 1 863) neben ganz gewöhnlichem z doch afgescha/, die Urkunde 111 155 bescatten und meist t, aber auch zwe (1 Mal) neben twe (1 Mal), z6, da^2 (1 Mal), da^ (6 Mal) neben da^ (2 Mal). (Dieß daz und datz ist sehr auffallend. j Die Reime lieg;e : rie^e 1174 und v6:;c : berorfen würden auch nicht rein durch Ansetzung von t statt 15, da dann t : d reimen würde. — Die Reime können in diesem Falle also nicht für t entscheiden. Daß r inlautend vor Consonanten und auslautend, h inlautend vor t im Reime ziemlich oft nicht berücksichtigt sind, spricht dafür, daß sie in diesen Fällen nur noch undeutlich gesprochen wurden. Inlautend geht ch zwischen Vocalen in die weiche Spirans h über. 4609 intfä^in : svä^ir. 4289 slaÄen : staven, : scadin 2663. 4023 hä/iin : märe. 388. 434 säÄen : lä^en. 2039 schöbe : gevoge. 2985 sehe : were. 2871 leÄen : kelen. Da überragendes t besonders häufig nach ch und / sich findet, nämlich in nach(t) : plach 1588, : tach 3605, 5039, : lach 2771, : sprach 444.564, :gaf210, : stat 3463, : was 2315. brach(t) : stat 4087 ; ach(t) : tach 793. kraf(t) : lach 1649, : mach 834, : stat 1305. 2877. 3809. : scat 590, : was 1314. -scaf(t) : mach 120, : sprach 288, : gaf 148, : was 246. -haf(t) : tach 4533, so darf man wohl annehmen, daß in diesen Wörtern wenigstens in nach, kraf, scaf das t am Ende abgefallen war. Im infinitiv und im particip praeteriti ist häufig h zwischen Vocalen ausgefallen, gesldn : Aspriän 4621, : getan 1064, : man 1371. 1()41. 1683; irhän : getan 4535, : man 520 u. s. w. san {^= sägen) : gän 499 ist zweifelhaft, vielleicht ist gäben : sägen zu lesen, eher noch gän : sagän. Ferner inivän : man 962, partic. gevän : ergän 338; län : wolgetän 874, : man 1569. 2893. — Daneben finden sich freilich auch die Formen mit der weichen Spirans h, z. B. intfäÄin : svägir 4609, : Aspriäne 1593, : zväre 1951; slaÄin : scliadin 2663 u. s. w. Endlich gehören noch hierher: 1. die Ablösung eiües g, eigent- lich j, aus i, z. B. vri^e 888. 1389. 1490, einmal im beweisenden Reim 35 gehi^e : gethige. — 2. ss statt hs, steht mehrmals in der Hs. , so sesse 4118. aslin 4267; aber aus Reimen lässt sich weder für noch wider ein Beweis erbringen. — - 3. Umstellung des r und 1 ist häufig in der Hs, so bruc 3681; vrosten 1587. 4295; triüich 2917; vormig 8; bernen 4606 j vorwin = vrowin 4972; torste = tröste 2596. Daß diese 40R A. EDZARDI Umstollunc: mindestens theilweise vom Schreiber herrührt, beweist der Reim hstin : gevristin 3025, während j]^eschrieben steht gevirstin ; in andern Fällen mag sie aber dem Dichter angehören, wofür der Reim 3048 zucht : vrocht sprechen kann, wenn nämlich meine Erklärung dieser Stelle richtig ist; vrohteu steht noch 81>2. — 4. Ob wr im Anlaut vom Dichter lierrührt, ist natürlich noch weniger zu entscheiden; es findet sich in wringen 432. 2426 u. ü., in wref 1041 und in ge- wrechen 37 *). Ich habe hiermit zusammengestellt, was lautlich für die Fest- stellung des Dialectes von Wichtigkeit ist. Wenn ich nun im folgenden versuche, festzustellen, welchem Dialecte die lautlichen Eigenthümlich- keiten unseres Gedichtes am ersten entsprechen, so thue ich dieC nicht ohne Bedenken und verwahre ich mich von vornherein gegen die Zu- muthung, daß ich hiermit eine mir als ganz sicher erwiesen geltende Behauptung aufstellen wolle. Am nächsten scheint mir das Mittelfränkische zu liegen. Die Ur- kunden dieser Gegend (bei Lacomblet II. III. IV) sind zwar erst von der Mitte des XIII. Jlis, ab spärlich mit deutschen untermischt, häufiger werden die deutschen Urkunden gar erst mit dem XIV. Jh., also fast 200 Jahre nach der von mir angenommenen Abfassungszeit des Rother. Dieß ist sehr zu beachten, wenn auch in dem Jahrhundert von 1150 bis 1250 der Dialect sich im Wesentlichen wenig verändert haben mag, falls man nämlich aus der Vergleichung der Urkunden von 1250 und von 1350 diesen Schluß ziehen darf. Die Vocale betreffend, ist zuerst über das den langen und auch kurzen Vocalen in der Schrift häufig folgende i oder y eine Bemerkung zu machen. — Daß solche ai (z. B. rait), oi (z. B. lois) und ui (z. B. hüis) nicht wie eigentliche Diphthonge gesprochen wurden, ergibt sich schon daraus, daß diese Schreibung oft in denselben Urkunden und in denselben Wörtern mit einfachem ä, o, ü abwechselt**). Dieß i ist also wohl hauptsächlich Längezeichen, gleich dem e, wie auch in einer Urkunde (Lac. III 319) stäet und stäm nebeneinander vorkommen (in derselben dAir neben dar); ebenso in einer Soester Urkunde (Lac. III 231) Oyc neben löeven, sloet. Vielleicht lag dieser Schreibung eine *) Das häufige ch statt t, so in zieh, sich, goch rührt dagegen sicher von einem Abschreiber her. **) So steht in einer kölnischen Urkunde (Lac. III 80) vom Jahre 1.309: ge- soint neben sone; häin neben han; in einer jülicher Urkunde vom Jahre 1.322 (Lac. III 190): han neben häint, son neben soins u. s. f. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 409 Neigung des Vocals nach ^ hin zu Grunde, welche die Schreibunc: mit einfachem ä, o, ü nicht <:^auz deckte. Ebenso, meine ich, sind auch die ei oder ey aufzufassen, nur da«ii hier wegen des sehr häufigen Vorkommens dieser Schreibung gewiß schon differenzierte Aussprache des e zu Grunde lag. Doch ist dieß ei ebenso gewiß nicht wie bairisch-österreichisches ei (wie ai natürlich nicht) ausgesprochen worden, sondern wie ein e mit nach- klingendem i, in der Schrift etwa e'. Ich nehme also hier eine Aus- sprache des ei an, die der heutigen rheinischen Aussprache des ei und in der vorpommerisch-mecklenburgischen Mundart meiner Heimat der Aussprache des he' (er) entspricht, während die gedehntere hei etwa dem mhd. ei entsprechen mag. Daß wir es mit einem Mittellaute zwi- schen e und ei zu thun haben, beweist auch hier die häufig in der- selben Urkunde und sogar in demselben Worte wechselnde Schreibung. So finden wir bei Lacomblet III 260 (in einer Soester Urkunde von 1332) breyf 2 Mal neben bref 1 Mal, veyr 1 Mal neben ver 4 Mal; überhaupt gewöhnlich e in mestere, he, de, se, heren, Stencken, Erenfrede, twe, seth u. s. f. neben seltenerem ey in gemeyne, e^Vwardig, underscheyt, steyt u. s. f. III 319 (in einer westfälischen Urkunde vom Jahre 1338) vj^fteyn neben virten, druttende; were neben weir. III 80 (in der schon genannten kölnischen Urkunde) de oft neben dey 2 Mal, breyf 1 Mal, neben bref 3 Mal; manere 1 Mal, neben maneir 1 Mal, enich 1 Mal, neben eynich (1 Mal), stede neben steydicheit u. s. w. So wäre noch viel aus den Urkunden anzuführen. — Dieß nach- klingende i oder y erscheint im kölnischen häufiger als in den nörd- licheren Gegenden, es greift ferner immer mehr um sich, so daß wir wohl um 1130 das e noch reiner annehmen dürfen. Neben ei (ey) und e erscheint noch die Schreibung ie und selbst i. Auch dieß scheint ein Versuch, den nach i neigenden e-Laut e', wohl schon mit stärkerer i-Färbung, zu bezeichnen, da auch dieß ie neben e und ei in denselben Wörtern erscheint, so in einer Soester Urkunde von 1328 (Lac. III 231) h^erin neben heren (sonst auch he/ren), brief 2 Mal, während eine andere Soester Urkunde III 260 breyf und bref hat; ferner siet neben seyt (III 319) und seth flll 260). In der west- fälischen Urkunde III 319 steht Hinrich neben Heinrich und Henrich, die neben dey, ynich neben eyn. III 852 brieve neben breiff. III 66 breven neben brief (3 Mal) und briven. III 80 inich neben enich 1 Mal und eynich 1 Mal. 410 A. EDZARDI Ich glaube also, dal.> alle rheinischen ei (ey) im Wesentlichen den Laut e' hatten, der in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vielleicht noch reineres e war; dal.^ auch ie dem e' sehr ähnlich klang. Dali dieli r' sich erst allmählich entwickelte aus e, dafür spricht, daß die aus ie und spät aus a oder durch Contraction entstandenen e zunächst noch meist als e erscheinen, so durchgehends III 2(i3. 319, vorwiegend III 80: dagegen in einer späteren Essener Urkunde von 1375 (Lac. III 771) wiegt ey vor. — Ich sehe in dieser Entwickelung eine dem joni- schen und dem gotischen, auch dem englischen Itacismus analoge: a wird e e' ie i. So wird das vorauszusetzende grävc zu greve, dann grieve (Lac. II 517). So wird auch gotisch ä erst e, dann e', dann i (in späteren Eigennamen). Daß auch die Stufe e' im Gotischen vor- handen war. beweist die häufige Verwechselung mit ei, welches in der Aussprache etwa dem rheinischen ie entsprochen haben mag. Mit dem 6 := mhd. ou verhält es sich genau ebenso wie mit e = mhd. ei, d. h. o neigt sich in der Aussprache dem u zu, wird 6" z. B. im vorpomraersch-mecklenburgischen g6"t (gut), welches dann in breiter Aussprache zu ou werden kann: gout. 6 = mhd. uo schreiben die Urkunden nicht immer, häufig steht dafür ü oder v. Auch hier begegnen die verschiedenen Erscheinungen bunt durcheinander, oft in derselben Urkunde nebeneinander, so III 260 Sost, Zone, to, broder neben dun, unevuch; III 231 düyn, diiyst; III 319 düyt neben du, dfiyst; tu neben tu (zuo Mhd.), Löde- wich, hodere. Ferner in den folgenden kölnischen III 80 döiu, gesoint, z6, sone; III 263 düyn, dün, brüder, güden, zu u. dgl. m. Hieraus scheint mir hervorzugehen, daß der betreffende Laut wohl nicht mehr ein reines o war, sondern ein zwischen 6 und ü schwankender, den vielleicht das 6 und ü bezeichnen sollte. Im Vor- poramersch-mecklenburgischen ist dieß o mit dem o := mhd. ou zu- sammengefallen und kann auch in o" und ou übergehen, z. B. don, d6°n, doun; hon, ho"n, houn. ü = mhd. iu, o = mhd. oe bieten die citiertcn Urkunden durch- weg. So würden also die langen Vocale entsprechen, nur ob ä um 1130 noch im eigentlichen Mittclfränkischen existierte^ ist schwer zu sagen. Von den kurzen Vocalen kommt nur in Betracht, daß häufig 6 = mhd. ü oder ü, immer ii ohne Umlaut erscheint, daß ferner sal, wal, gewane, van im Mittelfränkischen und etwas nördlicher ganz gewöhnlich sind. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 411 Von Consonanten findet sich k = mhd. ch inlautend fjxst durch weg in den Urkunden von Soest, Mark, Kleve und in der angeführten von Essen sowie in der Jülicher Urkunde von 1321, die hei Lacomblet TIT 190 gedruckt ist. Nur III 196 (eine Urkunde der Grafen von Mark und Lippe) hat versprochen und versprochenen, ebenso die kölnischen Urkunden III 80 und 263 -Wehen, vursprac/?en, vursproc/?^en. Im Aus- laute steht ch III 80 sprach; III 158 march, III 319 sich, Heinrich, welicÄ, mallicÄ, III 260 2 Mal aich u. s. w. p =^ mhd. / (pf) haben an- und inlautend alle angeführten Ur- kunden (nur III 80 gel6i/en); im Auslaut daneben f in III 196; 80 und 263 (bischo/). d = mhd. t steht durchgehend in allen angeführten Urkunden, ebenso v inlautend, / auslautend = mhd. h, und ch auslautend = mhd. c statt g. t statt z haben die eigentlich mittelfränkischen Urkunden nur in den bekannten Fällen. In den Gegenden, die den Übergang zum Säch- sischen vermitteln, finden sich aber Schwankungen. So in der Soester Urkunde III 260 neben gewöhnlichem t, welches 32 Mal steht, je ein- mal zö, vergeben, (ganze); in der Jülicher Urkunde III 190 neben lauter t: darzü, grosin. Auch die Umstellung des r ist häufig im Mittelfränkischen. B. Zur Formenlehre. 1. Das starke Adjectiv erscheint im Nominativ sg. msc. und ntr, unflectiert; Ausnahmen im Reim sind: nehein helet goter : mute (4497). neheinir : leide 570 := 586 ist wahrscheinlich zu bessern in neheine : leide. Auf den Plural weist an der zweiten Stelle das folgende si. sumlichez : vroliche 2825. Ein überrasrendes z kommt sonst im *Rother nicht vor, doch könnte das nicht selten überragende s dafür angeführt werden. Wahrscheinlich stand aber hier ursprünglich die schwache Form sumeliche. Im Niederdeutschen*) steht nämlich nach dem Pro- nomen in der Regel die schwache Form, so auch in der Anrede und zuweilen nach ein (vgl. Braune „über Heinrich von Veldecke" Ztschr. f. deutsche Philol. IV 294 ff.). Daraus ließe sich auch die Stelle 4497 *) Auch iin Hochdeutschen sind diese Fälle nicht ganz selten, vgl, Grimm Gr. rV 561. 565. 669 f.; für letzteres führe ich noch statt vieler als Beispiel an: Nib. Z. 144. 7 ein ziere wäfen breit; manic schoene wip 131.2; Klage AB 511 Lm. ein bloede wip, AB 200 L. ein starche, chune man. — ich ril arme : arme (brachio) C 1591 Lsb. u. s. w. 412 A, EDZAKDI bessern in goU' : mote (die Stolle steht übrigens in einer Interpolation). Die schwaehe Form gibt die Hs. noch 1. In der Anrede. a) masc. invin wigande! 712, nünar gote» knechte! 4059, lieve herre (^4706): grozt' Bulgan 1017, kone helt u. s.w. Dadurch erklärt sich: türliche(r) degen 2610. 2803. 2905; liebe(r) herre 660. 2851; heilige(r) trehtin (4418); licbe(r) brodcr min (368) h^ ntr. in der Hs. schone wip 2402. 2. Nach einem Pronomen. rt) masc. din groze overmot 2583; 1770 wird auch eya [ich] arme (Con- stantin^ herzustellen sein, icli arme tore (4925). Dadurch erklcärt sich: ich vil weuige(r) man 480. 3205. b) ntr. das besprochene sumelichez ist so zu erklären. o. Nach ein. So zunächst im: rt) masc; ein böse zage 2767; uehein vremede man 814; nehein so kone man 2678. Dadurch erklären sich folgende: ein so stadehafte(r) man 258. 318; ein riche(r) gräve 1974; ein tuginthafte(r) man 3873; ein snewize(r) wigant (5076); ein herliche(r) volc (vgl. 1388) 3386; ein bernende(r) jächaut 4606, wo übrigens die unflectierte Form sich dem Metrum besser fügt. Vielleicht gehört hierher noch manich Iure wigant 2955. 3644 und manich snelle(r) helet 403. — Übrigens ist auch in fast allen diesen Fällen die unflectierte starke Form sehr wohl möglich nach dem, was sonst im Rother metrisch erlaubt ist. Dasselbe gilt für die gleich anzuführenden neutralen Formen. Unflectiert steht das Adjectiv nach ein: 840 ein michel teil; 2215 ein üzgenumen man; 2430 ein arm man; 2690 ein üzerwelit helt; 1608 ein harde her man u. s. w. — Ferner unflectiert nach manich z. B. 4205 manich go^ knecht; 1354 manich naki^ man, (4944) manich got jächant. 6) ntr.; ein wunderliche(z) lant 282; ein nodige(z) volk (vgl. 3386); ein swarze(z) gewete; 2544 ein kreftige(z) here. — Unflectiert 2471 ein groz zeichin u. s. f. Sonst findet sich alhV (haz) 4703 und allez 423. 446. 783. 867. 1013. 2609. 2626. 3256. (-4146). (4348). 4512. 4870. — Ferner 505 wat of ettelichir ist; 2362 daz si ettelichir moz bestän, (381) ette- lichir in daz wazzir viel; 1830 manigir; 190 svilhir (Hs. suvilvvir); in allen diesen Fällen ist aber zu trennen ettelich ir, manich ir, wilch ir, wie auch 4725 etlich unflectiert steht. Oder aber es ist, wie in einigez daz kint, die starke Form durch Versehen oder UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER 413 Mißverständniss eines Abschreibers hineingekommen*). Der großen Masse der nicht flectierten Formen gegenüber liaben diese doch wenig zahh'cicheu Fälle wenig zu bedeuten, zumal in ihnen die Flexionsendung anders erklärt werden kann oder auch gestrichen werden, ohne daß das Metrum dadurch gestört wird. — Unflectiert steht das masc. außer in den angeführten Stellen noch in manich 160. 178. 221. 2154 u. s.w.; wiltch 1G6, 2191) u. s.w.; ferner 2048. 2242. 2295. 2532 und noch viel öfter. — Das Neutrum z. B. in wilicli gewant 279. 440; wilich mach ir geverte sin 857; ander ritaris gezöwe 301; got gewant 2494, michil schowen mehrmals, ferner 440 u. s. f. Wenn der Referent — ü — im Liter. Centralbl. 1872 p. 926 meint, daß die neutralen Adjectivformen auf iz ein Schreiber nicht leicht hätte einsetzen können, ohne das Versmaß gröblich zu verletzen und sich auf die Verse 282. 813. 1396. 1536. 1950. 2327. 4154. 4252. 4519 und andere in Rückerts Ausgabe beruft, so ist darauf folgendes zu erwidern: 1950 daz listigez wip beweist gar nichts, in 1396 Der vörde ein nodigez volk und 2327 Si slouf in ein swarziz gewete scheint das Metrum eher gegen ez zu sprechen; 282 Daz ist ein wunderlich(ez) lant und 1536 Du bist einigez daz kint würden ohne ez im Rother metrisch durchaus nicht anstößig sein, 813 Wir suln in ein unkundigez lant spricht das Metrum geradezu gegen ez. 282. 813. 1396 und 2327 ließen sich übrigens wegen des vorhergehenden ein anders erklären. Die letzten drei Stellen betreffen allez. Der Dativ sg. des Adjectivs masc. und ntr. geht durchweg auf -eme aus, so godeme 1417, grozeme 1433. 1485. 2757. 2793, aldime 1597, bezzerme 1839, manigeme 5070. 1834, eineme 1879 (eirae 740), dime 331. 1249, sime 5008, erme (=^ ireme) 145 u. s.w., auch durch das Metrum gesichert. Pronomen. Vom Personalpronomen der ersten und zweiten Person lautet der Dativ sing, mi 2670. 4170 und di : Constantin 4618, wo dir : Constantin wegen der verschiedenen Quantität neben verschiedenen Consonanten unmöglich ist. Die Accusative lauten aber dich (: Dieterich) 2217 und mich (mic 140, auch wohl 2237). In Urkunden steht sich (s. oben). — Der Accusativ pluralis der ersten Person lautet unsich, z. B. unsich armen *) Wie doch auch wohl der listiger man, daz listigez wif u. dgl. m. Diese im Rother so häufige (12 Mal), sonst seltener vorkommende (Gr. Gr. IV 540) Verbindung des Artikels mit starker Adjectivflexion kann ich nicht für eine dialectische Eif^enheit des Dichters halten. 414 A. EDZARDI wiT liVn 2894; ünsich alle sdnit 4130; der von dem armOte unsich uam ^4058). Vom Demonstrativ und Interrogativ lautet der Dativ sing. wie beim Adjeetiv durchweg auf -me aus: irae 144. 193. 19G u. s. w. (eme 167 u. ö.); deme 146. 151. 162. 191. 244 u. s. w. ; weme 372, disrae 1279. Der Accus, sir. lautet zuweilen ene 1143. 1454. Das Possessiv der ersten Person lautet wie im Niederdeutschen unse, z. B. uuse vatir 2474; lerner 1054. 1795. 2474. 3942. 4096 u. s. f.; ausnahmsweise auch unser (372). Das der zweiten lautet analog üwe, so UKX). 1661, aber auch üweris gibt die Hs. im Genitiv 1120. 1676. Was hier über Adjeetiv und Pronomen zusammengestellt ist*), weist etwa in das Mittelfränkische. Verb um. Die erste Person sg. scheint auf -n auszulauten, doch wegen der Ungeuauigkeit der Reime in Betreff des n lässt es sich nur nachweisen von han : Aspriän 3439. 3549. 4984, ; dan 1269, : war 981 ; stan : man 4317; gän : man 1249. Die zweite Person sg. ind. und conj. geht aufs aus: beten : tetes 1060; bedis : mede 1093; weris : neme 2280; willes : geselle 3079, : helle 2344, : willen 308; liezis : geuieze 2359; sis : min 926; dos(t) : genoch 4561 ; gewinnes : kunue 2140 u. ö. — Nur bist (: Christ) wird wohl auszunehmen sein, aber auch nicht sicher. Die dritte Person sing. ind. geht auf t aus, doch statt ist wird wohl is zu setzen sein (vgl. Bartsch üb. KM. 247). Es reimt 535 is : ich, 978 is : gerochis; freilich reimt es auch dreimal zu Christ. Aber in diesen Fällen wird überragendes t anzunehmen sein; ist : ich kann nicht wohl reimen, is ist die gewöhnliche mittelfränkische Form. Über die erste und dritte Person pluralis geben die Reime keinen genügenden Aufschiuli, doch hat die Hs. meist -en in beiden Fällen. Die zweite Person plur. im conj. geht auf -en aus, nach nieder- deutscher Weise: 1541 ob ir wären: sähen (3. pl. conj. praet.). 1160 daz ir nime/i : leven. 1407 da:; ir sin : drehtin. Dagegen scheint die zweimal auftretende Form -et Indicativ zu sein. 1406 gewant : schämt und 458 vart : slät. In Urkunden findet sich für die zweite Person begreiflicherweise kein Beleg. Als einzelne beachtenswerthe Verba führe ich an: Mn: der Infinitiv lautet 1. hän : man 492. 520. 524 u. s. w., : San 868, : getan 1670, : stän 2563 u. s. w. 2. haven : tragen 166. 1328. *) Hinzuzufügen wäre etwa noch, daß die Hs. meist he und hie, wir und wi nebeneinander hat 5 aber namentlich auf letzteres ist wenig zu geben. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 415 1435. 2542, : sagin 4065, : scadin 4229, :vanin2833, : tagin 2620, : maDin 2099, : slagin 2591. 3299. 4065. Praes. 1. Person sg. ich hau (s. oben); 2. sg. hast oder häs, einmal heves (1983), nie im beweisenden Reim. 3. sg. 1. hat : stät 459, : gät 465. 1918, : wät 1939 und viel öfter. 2. havet (Hs. hevet) : zage 2767. 1. Pers. pl. haven : sagen (4257); 3. pl. havin : sagin 3519. Das Praeteritum heißt 1. havede : sagede 2837, : dagede 3110. 5041 (in letzterem Falle verbuui tinitnm), 2553 nicht im Reim. Die Urkunden III 260. 190 geben die zusammengezogene Form hadde, andere heddeu, so III 263. 319. 771. — 2. hade : gewade 2319. 3121. 1839. sm\ Der Infinitiv lautet 1. sin : min 1960, : Coustantiu 3065. 3247, : koningin 1455. — 2. wesen : genesen 1228. 1277, : leve 4491. Die Ur- kunde III 319 hat beide Formen nebeneinander. Die zweite und dritte sing, praes. sind schon besprochen. 1. plur. praes. wir sin : koningin 1260. 2063. 3. plur. sint : kint 2859. 3182. 3204, : HGrlint 280. 1920. 2076, : düsint 490. Daneben sin : kindelin 3158 kann Conjunctiv sein. Beide Formen finden sich in Urkunden neben- einander, doch kann sin auch Conjunctiv sein. Sint neben sin weist in die Gegend von Köln III 80; findet sich aber auch III 771 (Essen) und III 319 (Westfalen). Stän und gän. infin. stän : man 2461, : hän 2563. gän : hän 2080, :an 2067, : gevän 339. —3. sing, praes. stat : hat 1169. 3220, : rat 94; gät : hat 465. 1918; : rät 1233. — Die kölnischen Urkunden haben durchgehends steit, geit, d. h. nach meiner Auffassung ste't, ge't. Daß diese Formen auf stet, get zurückgehen, ist wohl klar (sted Lac. III 66), diese aber sind doch wohl aus stät, gät entstanden, wie greve aus gräve (stäet neben steit III 319). Doch muß in diesen Formen stellen- weise schon sehr frühe e und e' eingetreten sein, denn sie finden sich schon bei Otfrid u. s.w. — Auffällend ist aber, daß im praeteritum neben ginc : sint 1837, sich auch die Form gie : lie 2369 findet, und ebenso wohl 2997 anzusetzen ist, wo die Hs. hat ginc : Constantin, dazu kommt gie : hie 3949. Aus den Urkunden weiß ich diese Form nicht nachzuweisen, im Orendel findet sie sich aber durch Reime gesichert. Das Praeteritum von stän lautete wahrscheinlich stund, wenn nicht sogar stud, wie letztere Form auch wohl sonst noch anzusetzen ist, z. B. Alexanderl. M 3538 stot : gut, Rulandsl. 31, 19 gut : gestirnt und 23, 17 stüt : hup, wo sogar stüt geschrieben ist; ferner einmal in der gereimten Einleitung des Sachsenspiegels stot : mot; noch bis ins Ale- mannische reicht diese Form; vgl. noch Bartsch üb KM. 325. Im 416 A. EDZARDI Rother wird sie gestanden haben: 1845 stot : gut und 909 stot : stol- ferner hat der Bearbeiter 21G9 f. wahrscheinlieh stunt : June für stot : s^ot gesetzt: der hellt J?/«c ist sonst nie Bezeichnung Rothers, sondern Erwins und Wolfrats. — Zu vergleichen ist noch Ernst A IV 32. dön: 2. Person sg. praes. dos : genoch 4561. 3. sg. dot : not 1471. 3939, : got 1583. Bei Laconiblot III 319 steht duyt neben deit. — Für das Praeteritum setze ich im Rother dade an; die Urkunden geben schon dede. seheji und geschehen: der Infinitiv lautet sehen : geven 2055 (2071 ist auch wohl so herzustellen); gesehen : gesen G88. Die praeterita lauten sacli und geschach : sprach 3319 u. öfter. Participium gesehen : gewesen (Hs. gesin) 1789, wie auch 1983 in der Hs. steht; gesen : gesehen (particip) 1923. 2183. 3024; particip geschehin : degin 2803, gesehen : en 872. Diese Form des Particips scheint zu dem Dialecte des angenommenen Entstehungsortes nicht zu passen, da die mittelfränkischen und die etwas nördlicheren Urkunden fast durchweg geschiet haben, was nach meiner Ansicht gescheht sehr ähn- lich gesprochen ward, wie auch gescheit vielfach geschrieben ist: II ('530). 532. III 80. 426. Doch findet sich auch vereinzelt gesehen, z. B. in der Soester Urkunde III 260. Es ist mir nicht unwahrschein- lich, daß dieß die ursprüngliche Form war, wie sie im Mittelnieder- deutschen sich findet. Die mittelfränkische Anomalie eines Verbs mit starkem praeteritum und schwachem particip (vgl. Ztschr. f. deutsche Philol. IV 258 ff) w^ar schwerlich ursprünglich. Es ist mir vielmehr wahrscheinlich, daß in der ersten Hälfte des XII. Jhs. die Form ge- sehen im Mittelfränkischen noch häufiger war und erst allmählich durch Niederländisches geschiet verdrängt ward. heginnen hat im Praeteritum began und beguude; im Reime steht nur began : nam 892. : quam 4661, : Herman 86 u. s. w. ; begunde steht aber sonst sehr häufig und an mehreren Stellen durch das Metrum unterstützt, so 1874 begunde gän; 1912 begunde miunen; 2713 begonde vrägen; 1288 begunde senden u. s. \\\ van (vangen) hat im particip neben gevangen auch gevän : ergän (inf , 339. C. Zur Syntax. 1. Conjunctionen: hier ist anzuführen al mit conj. (obgleich) 675 und allen 2238 in derselben Bedeutung. Namentlich letzteres ist rein niederdeutsch, s. mnd. Wb. I 55, vgl. rahd. Wb. I 20. — al de wile 934, vgl. al de wile dat Lacomblet Ili 155. 260. — biz oder bit s. mhd. XJNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 417 Wb. I 191. joch 1= wenn auch: 1190 jocli einer note (Lexer I 1481), wan =l)is (4411) und waute 1909, alwante 1285 vgl. mlul. Wb. III 540. 2. Die eigentliiunliclie Anwendung des Reflexivs bei intransitiven, die speciell niederdeutsch ist (Gr. Gr. IV 36 f.) flndut sich auch im Rother. 4323 Constantin der riebe (saz) ime harde histerliche; 1145 we leide ime der kuninc du saz IGS; eines zeines er ime gedahte; 507 wir haben iins rät genumen ist noch zu vergleiclien. 3. gewesen wird mit hän zusammengesetzt (Gr. Gr. TV 161) 1983 du lieves gewesen; 1789 er hefte gesin (d. h. wohl gewesen, s. oben S. 416). 4. mO^en mit sin und particip praeteriti (Gr. Gr. IV 171) scheint nur md. und nd. vorzukommen. Rother: er moste den liph (dat hovit) vei'loren hän 83. 337. 1672. Auch bei mugen scheint diese C.onstruction vorwiegend md. und nd. zu sein (Gr. Gr. IV 171), im Rother steht sie 1783: die mohten sie haven geschozzen. 5. Das futurum wird mehrmals im Rother mit suln umschrieben, z. B. 2149. 3004. 4490. Dieß ist zwar nicht ausschließlich, aber vor- wiegend niederdeutsch (Gr. Gr. IV 179 f.). 6. Ein gen. sg. minis statt min (Gr. Gr. IV 358) steht 196 : mit minis selbes sverte; dmis selves fromicheit 115; mmis armen man 4419 zieht Rückert nach Grimm auch hierher. Besonders viele Belegstellen führt Grimm aus dem Alexanderliede an. 7. Wat erscheint häufig mit genitiv eines Substantivs, so 3001 wat recken; waz vursten 135; ferner 481. 4159 u. öfter. D. Zum Wortschatz. Der Wortschatz enthält viele Wörter, die vorzugsweise oder aus- schließlich dem Mittel- imd Niederdeutschen angehören. Da ich diese nicht vollständig zusammenstellen kann, hebe ich im Folgenden eine Anzahl heraus. Hierher gehört zunächst mezses 2510, Nnd. metz, d. h. met s = mati-sahs, vgl. Bartsch üb. KM. 308; dumisdach 793. 3603. 4218, vgl. Bartsch a. a. 0. 277; auch wohl das nur im Rother bezeugte, der waldendinger got 214. 516. 1002. 2332. 4031. 4910 (vgl. 3816. 4524), eine Bildung wie unser lebendig (das auch Rother 2335 steht); auch wohl erbelüs 2949, welches nicht, wie im mhd. Wb. I 440, bei Lexer und HS. 54 geschieht, als 'ohne Erben' zu erklären ist, trotz der Worte 29 f. unde virsciede er an erben, so wänden si irsterven. Hier heißt Rother der riebe ervelose man, mit hübschem Gegensatz, weil ihm sein Reich von Hademar von Diessen streitig gemacht wird. Dieß erbelos ist mit dem arbeolaos des Hildebrandliedes zusammenzustellen. 'Ohne GERMANIA. Neue Rrihe VI. (IVin.) Jahrg. 27 413 ^' EDZARDI Erben passt hier gar nicht. — 3854 daz gestichy die Gesammtheit der Gäste, ist eine am Niederrheiu nicht seltene Collectivbilduug (vgl. Rückert in der Anmerkung zu 3801), die wohl mit sunufatart<«gos zusammengehört. — vevch- in verchniage (2488. 2G93 u. ö.) s. Grimm zu Athis p. 3G3; virmissui (= nicht bemerken) Roth. 2116. 4387, mhd. Wb. II 190, vgl. Grimm a. a. 0. kleit in rossekleit (s. Jänicke „Die niederdeutschen Bestandtheile der neuhochd. Schriftspr."). — dinsfer 1603, s. Lex. I 439. Die lanne, 4 ]\Ial im Rother, findet sich vorzugs- weise in mdd. und ndd. Denkmälern, s. Lex. I 1821. skricken in der ursprünglichen Bedeutung 'schnell auffahren, herausfahren 2158. 4674^ s. mhd. Wb. II 2. 209. 'wilden 2115 = 'zu Ende gehen*, hier nicht unser 'erleiden ; die wege ich nicht irliden mach, du movest micli allen disen teignisse, wie sie im Volks-Epos 80 häufig sind, finden sich im Rother auch nicht selten; z. B. 1914 ff. sint gewan sie deme heledej manige werltwunne. 4027 sint half der riche got I Arnolde etc.; femer 49. 173. 181. 360 ff. 383 ff 1330. 2570. 3032 ff. 3473 ff. u. öfter. Schließlich ist das häufige Vorkommen allitterierender Wen- dungen zu betonen. Rückert meint, die höfischen Dichter hätten sie geflissentlich vermieden; das passt aber nicht auf alle, wenigstens nicht UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 427 auf Gottfried von Straßburg, der sie sogar sucht. Indessen ist die Allitteration immerhin etwas Ahertliümliches und Volksthümliches, be- sonders wo sie so zahlreich auftritt wie hier im Rother. Rückert hat in der Anmerkung p. LVII eine Anzahl zusammengestellt (ohne Vers- zahlen) und meint damit .,die wesentlichsten" gegeben zu haben. Sein Verzeichniss ist aber durchaus unvollständig und enthält kaum den dritten Theil von allen. Ich führe, was ich gesammelt, alphabetisch auf, indem ich die von Rückert schon beigebrachten mit * bezeichne: immer mit ememe häre 1080; ochis unde achis 4559. fcremin als ein here 1651; *in breiten blicken 2637. einem den dot dön 1466. 3974; i)ieterich der c/egen 2049. preisliche t-orhten 830. 4294; er ent/ienc sie t-romeclichen 1183. 1416. 1480. 1944. 2088. 3505; sie i^azzeten sich t-lizeclichen 1572. 2493; get-azzit ^Tomecliche 5009; sie voren vroliche 1450. 4753; varen herei^art 488; man horte manigen iTomen man |t*romecliche rede hän 546 f.; daz er den vrowin sagete, | waz sie gewomit haveten 2817 f. = 3770 f.; gode bevolen varn 4733. *^ot der ^ode 186. 360 und noch sehr oft; daz dir got gkve got 1248; er ^roztin ^etliche 3696; t/rozliche ^eben 959; ich vermelde dir din ^6t 1412; grone als ein ^ras (1856), wie gewiß statt 'schone' der Hs. zu lesen ist; die ^rove het ich ge^ravin 4521; ^even mit ^olde 1500 f. 3617, vgl. 3620 ff. *Äarte her man 1608; * harte Äesteliche 830. 4294; *hs.t sie hxis Und Äilfit 3480; *die herren Verlieh 819; * herze unde Äinde 226; *rain Äerze was bellende 2269; beide Aeime und ze ho\e 4916; heim ze sime Aus geladit 890; Augede heim z6 lande 4792 (2840?), vgl. Crescentia Schade 46. 3: Äogetin heim. z6 lande. der Ä:uninc Konstantin, s. oben. *?eh im ein hui (4713). (4820); *bi lebendigem live 2335; ^üde unde hnt 2956. 4677; *Züder unde Zieht 3443; Zühten over laut 2555. 4604 f.; iz ne bemühte nehein ?ith, d. h. Riecht (3572); er ?achede vor lieve 3357 ; do Zacheden sie beide | vor vroweden {lieve ist wohl zu lesen) unde Zeide 2475 f. ; daz der lewe was virZorn, | sie Zachede Con- stantine an 1165 f.; got irZiez in der ?eide 4998; daz si ir Zeit Ziezen 4613; geZeit uffe daz Zant 4892; so Zange so er Zebete 1194; den Zif verZiesen (8 Mal); einen Zouf virZorn hau 3396. *man unde mäc 53, 387. 3429. 4803; *7>iichel wiankraft 591; michel menie 3979; wic.hele macht 1032. 4871; wichel mere 4112. 4176; *ein vil michel magen oder magenkraft 410. 2877. *richte nach rechte 5071; if^other der riebe, s. oben; die i?6mi- schen riebe 4754. 5186, auch sonst häufig, z. B. Awa D. 232. 12; daz 428 A. EDZARDI ge7-ichte zo Römc 739: dise ?-ecken sin alle nchc 1114, wat ?'ecken mochte so nche sin 3001, daz die reckin sagen (d. h. sähen), ob ir iht riche waren 1541 (in diesen Fällen natürlich nur, falls der wr- Anlaut dem Dichter nicht zukommt); z6 den ?'0ssen wären sie gerech 2967: he reit ein ros 3404; vorsten den 7'ichen | gaf si ?*iclichen 3079; wol entfenc der kiininc riche | die ?*isen algeliche 706 f. *5c/?iezen den schaii 2109; (*spise unde solt kann nicht als Stab- reim gelten); stille sts.n 2721; die s/äline «fange 650. 1653 u. s.w.; si .«fcÄameten sich vor schänden 1359; im was ein michel s?ach ges^agen 573, vgl. 4622; froste daz frorige volk 3268. *in pralleres wisej R-erven mine spise 3668 f.; *?ritewin unde ^^*eisin 3100; *ivöfen unde «-einen 4014, vgl. Awa D. 284. 12, 286. 22', ivevfen an des sales want 1143. 1153. 1163; TFolfrät der lüigant, s. oben; da^ er ?rurbe gei^erliche 3829; tüerliche icizzen 2036; taole loizzen 4915; daz ?6-eiz der rt'aldindinger got 1001 u. öfter; die lüile daz dise i^erelt stat (4344), vgl. Awa D. 253. 17; der geißelt nicht grozer lüisheit 1060; nü sol die ?rerlt ge?üis sin 4976; als in der tüint hete vert^andelot 3533; icr\ ge?6-äfent an den ?nch 2691; do streich manich ii;igant | i^al ge- u'äiint over lant 4211 f. Eine große Reihe anderer Stellen übergehe ich, da es bei ihnen mehr oder weniger zweifelhaft sein kann, ob die AUitteration beabsichtigt war, so 269 f. 2833. 2959 ff. 4467. 4882. 4911 u. andere. Das Angeführte wird genügen zum Beweise, daß wir es hier mit dem volksthümlichen Ton und Stil der Spielmannsepen zu thun haben. Wenn allerdings einzelne Partien gar nicht dazu passen wollen, so werden wii' in ihnen Zuthaten des Bearbeiters zu sehen haben. Als solche verdächtig sind solche Stellen, die nicht nur nach Inhalt und Stil, sondern auch durch größere Glätte der Form von dem Übrigen abstechen. Ferner sind Abweichungen im Sprachgebrauche zu beachten, namentlich das Vorkommen einzelner AA'^örter und Wendungen, die sonst dem Gedichte fremd sind, andrerseits auch das Fehlen sonst häufiger Wörter in den der Interpolation verdächtigen Stellen. Schon Rückert macht darauf aufmerksam, daß die specifisch er- baulichen Stellen, so etwa 4397 ff. und 5117 ff. im Versbau und Stil eine größere Geschmeidigkeit zeigen als ihre übrige Umgebung oder andere Theile des Gedichtes. Man dürfte daraus vielleicht abnehmen, daß sie der jüngeren Hand ausschließlich angehören, die anderwärts, auch wo sie richtete, doch begreiflich sehr viele Trümmer des alten Baues ohne völlig stilgerechte Modificationen stehen ließ u. s. w. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 429 Es muß zunächst auffallen, daß die Handlung, die sich in dem weitaus größeren Theile — vom Anfange bis gegen 4000, d. h. in den ersten drei Vierteln des Gedichtes — ganz einfach und folgerichtig entwickelt, gegen das Ende hin oft verwirrt ist, Widersprüche und Wiederholungen zeigt; daß gegen die Charakterzeichnung der einzelnen Personen, die im ersten Theil recht hübsch durchgeführt ist, nach dem Ende zu sich arge Verstöße finden. Der Bearbeiter scheint also da besonders eingeschoben und geändert zu haben. Zunächst die Verse 4389 — 4450, enthaltend eine Berathung der Riesen, ob Constantinopel verbrannt werden solle, sind in jeder Bezie- hung unpassend. Asprian ist plötzlich sehr fromm geworden; er spricht dagegen, weil sich in Constantinopel sieben Apostel niedergelassen hätten und die 'Helena die daz crüze vant, | dar got die werlde an entbant', woran er dann noch erbauliche Betrachtungen schließt mit der Bitte, Constantins zu schonen (nü schonet des alden herren 4412). Widolt geht in sich und klagt über seine Sünden. So wird Con- stantinopel gerettet : ez were anders niht ergän ! Die Stelle an sich an- stößig wird es noch mehr dadurch, daß bald nachher die Bekehrten gar nicht so zahm und versöhnlich gestimmt sind, sondern ganz so wild wie früher : 4621 f. ez were vil wol , sprach Asprian, | wurde im (Constantin) ein bülslach getan ; 4651 ff. do in (Constantin) Widolt gesach, | ovelliche he sprach. | he lach inde beiz in die stangin, | daz die vüris flammen | dar üz voren dicke etc. — Die Verse unserer Stelle zeichnen sich außerdem durch Glätte des Versbaues und verhältniss- mäßig reine Reime aus; Constantin heißt ganz außergewöhnlich ^der aide herre' 4412), 4447 steht der ewige got. (Weitere sprachliche Eigen- heiten sind im Zusammenhange mit den andern Stellen zu erörtern.) Die Stelle ist daher ohne Zweifel dem Bearbeiter zuzuweisen. Auch ist zu betonen, daß Asprian und Widolt ja gar nicht über Constanti- nopels Schicksal zu verfügen haben, um so mehr als gleich Rothers Berathung mit Berhter und Luppolt folgt, welche wohl zusammen mit den Worten: *sich herzet der helet Asprian, | wie iz Constantme solt irgän. | dar moz he, sprach Grimme, | in der burch brinnen* die Inter- polation veranlasst haben. Eine ganz ähnliche Stelle findet sich im Wolfdieterich B. 925 f. heißt es da nach der Eroberung Constanti- nopel s : Vil lüte ruofte Hache ein vürste lobesam: „mir hänt die burgsere vil ze leide getan. ^^diu stat diu muoz verbrinnen'^ , sprach der küene man, „ich gebe in des min triuwe: ez muoz in an daz leben gän". 430 * ^' EDZAEDI „Neiüä, lieber geselle", sprach Wolfdletericli , „du solt ir gerue schonen, daz stut dir tugentlich. y^sich hdnf hie nider läzen^^ sprach der kiiene man, y^der zwelfhoden sihene, des suln wir sie geniezen lau. Es ist höchst wahrscheinlich, daß im Rother die Worte 'Sich havent dar ffelazeu uidere 1 der zwelfhoden sivene aus einer älteren Gestalt des Wolfdieterich entlehnt ist, daß diese Stelle des Wolfd. dem Be- arbeitervorschwebte, als er aus der Besprechung über Constantius Schicksal, veranlasst durcli die Worte sich beriet eine Berat hung über Constantinopels Schicksal machte. 4493 — 4502 hebt im Anschluße an die eben besprochene größere Stelle wieder erbauliche Betrachtungen an, die den Zusammenhang stören. Außerdem wird Rother mit den Seinen schon in sein Reich versetzt: die vorsten leveten imme riebe u. s. w., welches er doch erst 4761 ff. wieder erreicht. Hier steht ferner das sonst im Rother nicht vorkommende gekose (auch kosen findet sich nicht) : dem wunderlichen äne valsc löse. Wenn hierdurch das Vorhandensein von Interpolationen höchst wahrscheinlich gemacht ist, so dürfen wir auch andere Partien darauf ansehen. Ich wende mich zunächst zu der längeren Schlußepisode {5075 bis 5185), welche Rother und seine Gemahlin auf Berhters Rath in ein Kloster treten lässt. Dieß will nun gar nicht zu der sonstigen Tendenz des ganzen Liedes, nicht zu dem frischen und nichts w"eniger als geistlich moralisierenden Tone des Ganzen passen. Im Oswald und Orendel (in letzterem ist ja ein fast gleicher Schluß) kann ein derar- tiger Schlußefi'ect nicht befremden. Diese Dichtungen sind von vorne herein darauf angelegt, sind mit Wundern durch unmittelbares Ein- greifen der Jungfrau Maria und Christi ganz durchzogen, das erbauliche Ende des Helden ist durch ein Gelübde vorbereitet (^Oswald) oder ge- schieht auf ausdrückliches Geheiß eines Engels (Orendel). Diese Fälle darf man mir also nicht entgegenhalten. Ich sehe in der Schlußepisode des Rother eine tendenziöse Zurechtstutzung des überlieferten Stoffes nach dem durch die Kreuzzüge solcher Richtung mehr zugewandten Geschmacke einer etwas späteren Zeit. In dieser Episode findet sich eine nicht unbeträchtliche Zahl sonst dem Gedichte fremder Wörter: zoumstrenge 5087; rosvert 5099; alemene 5126; hör 5146; vrome (sbst. masc.) 5136, sonst nur einmal in der Formel zo helfe und zG vromen 677; arg ^ böse 5133; 'der helt von Merän* 5092. 5096 ist sonst dem Gedichte fremd. Daß broder = Mönch 51G7 und sich munchen 5168 sich nur UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 431 hier findeD, ist wegen des abweichenden Inhalts sehr erklärlich. An- zuführen ist aber noch: sin dinc stunt groze, grozliche 5123. 5160, worüber unten noch zu sprechen ist. Bemerkenswerth ist auch, daß hier Wendungen stehen, wie sie sich in geistlichen Gedichten wörtlich wiederfinden, so Rother swigete do; | Berker sprach im aver z6 5141 f.; vgl. Awa: unser herre swigete do | Pilatus sprach im aber z6; D. 232. 16 got gab ime den gesin ^ Rother 5185 got gab ir den sin. Endlich sind die Reime verhältnissmäÜig rein und der Versbau ziemlich glatt. — Dagegen ließe sich sagen, daß die Episode zum Theil gar nicht übel ist, besonders die Verse 5124 — 5134 sind recht hübsch und scheinen auch Neues zu bringen. Doch ist auch diese Stelle nur eine Umschreibung dessen, was schon 4473 — 4492 gesagt ist. Nur das ziemlich dunkle: 'der miner genoze | quämen sechszene | üf ir alemene | und clageten , trüt herre min, | deme lieben vatir min' (lies din) etc. Vielleicht liegt auch hier Einwirkung des Anfangs des Wolfdieterich vor. Allenfalls könnte auch 5075 — 5108 ursprünglich vor 5039 gestan- den haben, da man dort unter den nach Aachen kommenden Helden Berhter vermisst, und der Bearbeiter könnte diese Stelle umgestellt haben, um seine Geschichte vom Mönchwerden daran zu knüpfen. Andrerseits kann auch grade der Umstand, daß Berhter vermisst ward, Veranlassung zu der Interpolation geworden sein-, und wenn man die Worte : 'ime was daz edile här | ze den ören ave geschorin' anders als Rückert (der erklärt 'durch das Alter') von der Tonsur versteht, wie man es doch wohl verstehen muß, so gehört diese Partie mit dem Folgenden sicher zusammen. Übrigens findet sich 'beschern' nur noch einmal in der Formel *bevilt und beschorn', also von der Strafe an Haut und Haar. Mag man hierüber schwanken, so halte ich dagegen 5109—5185 für bestimmt interpoHert. In meiner Meinung bestätigt mich eine Notiz, die ich in den Mon. Boica VIII fand, in dem Nekrologium des Klosters Diessen (unter dem Titel : excerpta ex gemino necrologio Liutoldi circa annum 1224 compilato atque a variis deinceps aucto et interpolatoj p. 306, wo es heißt: Juni VI f Perhtoldus comes, fundator hujus loci, post conversus n. congr. frater 1151 sepultus in Capitolio, d. h. wie Jaffe SS. XVII p. 324 erklärt, conversus nostrae congregationis frater; dieß ist aber der officielle Ausdruck für den Eintritt in ein Kloster. Es ist kein Zweifel, daß dieser Graf Perhtold identisch ist mit dem häufig in Urkunden erscheinenden Grafen Perhtold I von Andechs, welcher wahrscheinlich — wie sein Nachfolger, Graf Perh- told II von Andechs, bestimmt in Urkunden von 1152 und 1158 (s. oben) 432 ^' EDZARDI — den Herzogstitel von Meran führte, wenn auch noch nicht officiell. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß der Bearbeiter, der jedenfalls in Baiern und zwar in der Gegend des Chiemsees und des Ammersees schrieb, den Berhter von Meran mit jenem Perhtold, Grafen von An- dechs (und Herzog von Meran?) zusammenbrachte und, anknüpfend an das Mönchwerden des historischen Perhtold, auch den Berhter des Liedes nicht nur selbst 'sich münchen', sondern auch Rother und seine Gattin zu demselben Schritte bestimmen ließ. (Vielleicht diente auch hier der Wolfdieterich als Vorbild.) 3923 ff. wird Rother unter Constantins Tische entdeckt und hält eine Berathung mit Berhter, ob er herauskommen solle. Berhter spricht dafür und begründet seinen Rath durch einen längeren Hinweis auf den Durchzug der Israeliten durch das rothe Meer. Die Verse 3931 bis 3940 sind hier wahrscheinlich interpoliert, sie lauten: von der heidinschefte (Hs. heidenin). die mit siner krefte Moysen(t) heiz gan durch daz rote mere vreissam mit der israhelischen diet dar nelevet ein barn niet an des meres gründe, got der hat gebunden beide ovil unde got, svenner widir ime dot. Veranlassung der Interpolation mochte das Vorhergehende sein: in ere des himüiskm koningis | und alles sinis heris^ \ daz er uns beide behOde . durch sin othmode. Über 47^7 — 4774 wage ich keine Entscheidung, die Stelle enthält manches, was nach dem Bearbeiter aussieht und ist sehr entbehrlich, kann aber wohl echt sein. Für interpoliert halte ich dagegen die vier folgenden Verse 4775—4778. Schon 4758 hat der Dichter das Kind ohne weiteres Pippin genannt. Hier wird noch hervorgehoben, daß es durch '^capeUäne Pippin getauft wird. Zu 364—375 soll nur erwähnt werden, daß man auch hier an Interpolation denken kann. Die Schilderung der Noth im Kerker ist eigentlich schon abgeschlossen durch einen Hinweis auf die künftige Befreiung. Darauf heißt es: nü mugidir hören mere (vgl. [1817]. [4854J) die note von den herren, und es wird dann ausgeführt, wie sie Gott um Hülfe anrufen. Dann folgt wieder eine Hinweisung auf die Zukunft. Stützen könnte man sich auch darauf, daß Luppolt Mer meister sin nur noch (5030) in einer Interpolation vorkommt, und daß: *^etlich ir in daz wazzir viel, | daz (er) dar inne belochen lach' wohl durch das 348 vorhergehende vrost unde naz veranlasst sein könnte. Nach diesen Interpolationen erbaulicher Stellen komme ich zu dem schwierigsten Punkte, zu der Untersuchung der bairischen Be- UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 433 standtheile des Gedichtes. Hauptsächlich treten hier die Tengelinger in den Vordergrund. Amelger ist Reichsverweser während Rothers Ab- wesenheit; er hoil.U einmal König (2953). Ehe Rother zurückkehrt stirbt er; da erhebt sich Empörung. Hdemar v. Diessen wird von 6 Markgrafen (oder ist zu lesen märe gräfen ?) zum Gegenkönige erhoben. Rothers Getreue wehren ihm das Reich, bis Amelgers Sohn Wolfrat 'Schwert nimmt und an seines Vaters Stelle tritt. Dieser Wolfrat tritt im Folgenden immer mehr in den Vordergrund. Er erscheint als Füjirer der Baiern, thatsächlich als deren Herzog (3560 ff.) , obgleich er nie herzöge oder auch nur gräve, sondern der *T( ngelinger oder der 'herre von Tengelingeu' genannt wird. 4338 ff. heißt es: er was von Tcnge- lingen , der düresten diete, rieh au overmüde, mit wisdümes sinne, der liez ouch sime kunne, daz to(?) imer vorsten namen hat, die wile daz dise werelt stat. Also zur Zeit, als dieß geschrieben ward, muß das Geschlecht der Tengelinger dem Reichsfürstenstande angehört haben. Im Folgenden stelle ich kurz zusammen, was ich über die historischen Tengelinger habe zusammenbringen können. Es kommen drei Orte in Betracht und demgemäß auch drei verschiedene Geschlechter, wahr- scheinlich nur verschiedene Zweige desselben Geschlechtes der Tenge- linger. 1. Denkling, ein Kirchdorf in Bairisch-Schwaben mit 800 Einw., 2V8 J^I- SOS. von Buchloe (s. Rudolph, geogr. Ortslex. von Deutschland). Dieser Ort ist gewiß identisch mit dem in den Monumenten von St. Ulrichs (in Augsburg), M. B. XXH p. 152 erwähnten, wo es unter der Überschrift *ex officio camerarii' heißt: In Denchilingen hoba et dimi- dia, wozu die Anmerkung sagt: Denklingen in Algoia. Hierher gehört Heinrich von Denklingen, der 1300 allein und 1.308 mit Chunrad dem Denchlinger zusammen in den Steingadener Urkunden, M. B. VI 5G9. 574 erwähnt wird, ferner erscheinen beide in einer Raitenbucher Urkunde, M. B. VIII 80 als Cunrad und Hainrich die Denchlinger 1303. 2. Dengling, Kirchdorf mit 250 Einw., liegt SOS. von Regens- burg in der bairischen Oberpfalz (Rudolph). Dieß ist offenbar derselbe Ort, der in Urkunden des Klosters Reichenbach (östl. v. Regensburg am Regen) mehrfach erwähnt wird, M. B. XXVII p. 20. 32. 59 und 173 in den Jahren 1165 (Jahr der Erwerbung durch das Kloster). 1182. 1254. 13G2; ebenso bei Ried, Cod. di])l. Ratisbonensis p. 75 als Denchlinga locus schon im Jahre 896, p. 259 und 1039 in den Jahren 1182 und 1466; ferner bei Meichelbeck, bist. Frisingensis. Das Kloster Reichen- bach besaß hier zwei Höfe, mit denen die Denchlinger belehnt waren, weßhalb sie den Abt von Reichenbach in Urkunden ihren Herren GERMANIA. Neue ßeilie. VI. (XVIII. Jahrg.) 28 434 A. EDZARDI nennen. Hierher gehören die in Reichenbaclier Urkunden vorkommenden Ott der Denchlinger, Sigeharts des Denchlingers sun 1325, M. B. XXVII p. 105 und 345; Stephan der Denchlinger und Görg und Er asm sin sün 1379 und 1390, M. B. XXVII p. 256 und 345; ferner Stephan der Denchlinger zu Alten Eglofsheini 1407 in einer Urkunde des Klosters Weltenburg (oberhalb Regensburgs an der Donau bei Kehl- iieim), ]\I. B. XIII 430; Alten-Eglofsheim, ein Pfarrdorf in der bairischen Oberpfalz mit 020 Einw., liegt ly, M. SO. von Regensburg (Rudolph), also etwa '/„ Meile von Dengling. Hierher gehören auch wahrscheinlich : um 1100 Otto et Sigehart de Tengilingcn 'de familia' des Bischofs Heinrich von Freising (1098-1137), Meichelbeck a. a. O. Nr. 1277« Von diesen beiden Orten liegt allerdings der erstere näher bei Diessen, Andechs, Dachau u. s. w., aber nicht mehr im eigentlichen Baiern und del.dialb schon können wir die Heimat der Tengelinger des Gedichtes, der Repräsentanten des bairischen Stammes, nicht in diesem Denklinor suchen. Der zweite Ort aber liesrt wieder zu weit entfernt von den anderen genannten Orten. Außerdem waren beide Geschlechter allem Anscheine nach einfache Rittergeschlechtcr und entsprechen nicht dem Tengelinger Geschlechte des Gedichtes, welches 'Fürstennamen' hatte. Dieß letztere passt aber auf 3. Tengling, Kirchdorf in Oberbaiern mit 489 Einw., 1 Vg M. von Tittmoning (Rudolph), NO. vom Chiemsee, also auch nicht gar weit vom Ammersee, an dessen Ufern Diessen and Andechs liegen. Hierher gehören zunächst die in den Urkunden von Boumburg erwähnten : um 1 120 G u n z e de Tengihngen, M. B. III 13 und 1207 Alt man de Tengilingen et Sibot filius ejus M. B. III. 95; ferner bei Hueber, Austr. Mellicensis ex monumentis illustr. I. 1 erscheint in einer undatierten, aber zwischen 1056 und 1075 zu setzenden Urkunde nach Emestus marchio de Styre (d. h. Emestus marchio Austriae, der 1050 — 1075 in Urkunden er- scheint) und nach einem comes de Formbahe als Zeuge Fridericus comes de Tengelingen et filii ejus Sigehardus et Fridericus, dann folgen nobiles. In einer Urkunde von Ranshofen (Kloster bei Braunau am Inn, also in der Nähe unseres Tengling), erscheint M. B. III 240 im Jahre 1070 Sigehart de Ten^ingen neben marchiones und comites. Einen Ort Tentlingen weist Rudolph nicht auf. Es ist hier also wohl Tenflingen statt Tenclingen verschrieben, und dann ist dieser Sigehart wohl derselbe wie der obige Sigehart, Sohn Graf Friderichs von Tengelingen. Die Sache wird noch wahrscheinlicher durch eine Urkunde des Klosters Suben (am rechten Ufer des Inn oberhalb Schärding). Dort erscheint 1120 Fridericus comes de G^engilingen et filius ejus UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 435 Chunrat, M. B. IV. Ein Geiiü^ilingen gibt es nicht, geschweige denn Grafen von Geugilingen. Auch hier ist wohl sicher (rougilingen für Tengilingen verschrieben. Dieser Friderich kann noch der bei Ilueber genannte Sohn des Grafen Friderich, kann aber aucli ein späterer sein. AVir haben es hier also mit einem Geschlechte zu thun, von dem einige Glieder wenigstens den Grafentitel führten*). Die Grafen wurden aber den Fürsten zugezählt (s. Ficker, vom Reichsfürstenstande I. 75 — 90). So heißt es z. B. M. B. XXVIIT 251 : ex principUms tcstis est Uadal- ricus comes de Berge; ex nobiHbus vero etc. Wir werden also wohl in diesem Geschlechte die Tengelinger finden müssen, welche der Be- arbeiter so erhebt. Daß ein Graf von Tengelingen eine Melker Urkunde unterzeichnete, beweist, daß dieß Geschlecht nicht unbedeutenden An- sehens sich erfreute. Außerdem ist dieses Tengelingen ein sehr alter Ort. Bei Kleinmayr, Nachrichten von der Stadt luvavia p. 20 findet sich in einer Aufzählung der Kirchen *in pagis Salisburgaoe et Chiemgaoe' : ad Tengilülinga ecclesia cum territorio im Jahre 788. Gewiß ist Tengi- hilinga dasselbe wie unser Tengling. Ein Wolfrat und Amelger von Tengelingen findet sich nicht, ebenso wenig ein Ilademar von Diessen. Sie waren entw^eder überhaupt sagenhafte Personen, oder es liegen, was wahrscheinlicher ist, sagenhaft verdunkelte Persönlichkeiten und Ereignisse zu Grunde, auf die ein sorgfältiges Studium derLocalgeschichte vielleicht noch einmal einiges Licht wirft. Ich will nur darauf hinweisen, daß eine Linie der Grafen von Diessen von der Feste Wolfrdteshxi^an ihren Namen führten, und daß eine Grafschaft Hademarsherg westlich vom Chiemsee lag. — Auch Berhter ist gewiß keiner der drei Grafen Perhtold I t 1151, II t 1188, III 1204**), sondern erst später vom Be- arbeiter mit Perhtolt I identificiert worden, wie derselbe vielleicht auch den Grafen Arnolt***) mit Arnoldus comes de Dachau zusauimenbrachte *) Es muß auffallen , daß dieß Grafengeschlecht in den Urkunden des benach- barten Klosters Boumburg nicht öfter erscheint und nie als comites. Die Vermuthung liegt nahe, daß ebenso, wie das Grafengeschleoht von Diessen sich in die Linien von Dachau, Andechs, Wolfratshnsen spaltete, deren Glieder selten noch comites de Diessen, meist de Andechs u. s. w. heißen — daß so auch die Tengelinger in mehrere Zweige zerfielen, die sich nach ihren Schlössern nannten. So nannte ein Herr von Vrantenhusen sich nach seinem Schlosse Graf von Markwardsberg', M. B. II. .3, III 173 ff., und ein Grafengeschlecht am Chiemsee nannte sich bald nach Weiern, bald nach Neuen])urg, bald nach Hademarsberg. **) In dem 'Anonymi monachi Emmeram. breve chronic. IJajovariae' (bei Öfele II) erscheint ein dux Berchtoldus f 947. ***) Arnoldus comes (Öfele II) 1024; in einer Freisinger Urkunde 1036 M. B. VII 38. 28* 436 A. EDZARDI der M. B. IX 431. X 397. [245] in den Jahren 1140. 1160. 1185 er- seheint; (vgl. VIII 302 im Necrolo^inni von Diesson: Arnoldus cpmes pater fundatoris nostri Perlitoldi). Ich gehe von folgenden Gesiclitspnnkten aus. Die kurzen An- spielungen auf bairische sagenhafte (Kler historische Ereignisse können nur aus einer Gegend stammen, wo sie verstanden wurden, d. h. aus Baiern selbst. Ferner die Verherrlichung der Tengelinger und des bairischen Stammes überhaupt konnte wohl nirgends anders in das Gedicht kommen. Endlich die Persönlichkeit Wolfrats ist an vielen Stellen offenbar hineingeflickt, wie ich nachher zeigen werde, und lässt sich fast überall ohne weiteres entfernen, ohne daß der Zusammenhang darunter litte; während Berhter mit den Seinen, obgleich auch der Sage eigentlich fi'emd (vgl. die ridrekssaga), viel enger mit dem Stoffe verwachsen ist, und selbst die so fern abliegende Karlssage sich in der cäußern Form weit besser angefügt hat. — War es von vornherein die Absicht, die Tengelinger zu verherrlichen, so war doch Gelegenheit genug schon Amelger mehr hervortreten zu lassen, z. B. bei der Be- rathung über die Werbung und über die Herfahrt ihn .neben Berhter, Luppolt und selbst Hermann auftreten zu lassen. Auch Wolfrat selbst kann ursprünglich nicht eine so bedeutende Rolle wie in der vorliegen- den Gestalt gespielt haben, da er an der Berathung Rothers mit Berhter und Luppolt über Constantin 4452 ff. nicht Theil nimmt, wie auch Rother in die Stadt Constantinopel nur von Berhter (und Luppolt) be- gleitet wird, wie ferner bei der Belohnung der verdientesten Mannen 4877 ff. nur Luppolts und Berhters gedacht wird. Andererseits ist gar nicht abzusehen, wie ein Bearbeiter die bairischen Geschlechter und namentlich die Tengelinger ganz unmotiviert hätte hineinbringen können. Ein Anknüpfungspunkt musste da sein. Am einfachsten scheint mir die Annahme, daß mit Dietrich auch Amelung (Aroelolt von Garten) und sein Sohn Wolfhart in den Sagenstoff eintraten, dann aber, als die Sage von der Lombardei durch Tirol nach Baiern kam, im süd- lichen Baiern mit historischen oder mythischen Personen identificiert wurden als Amelger und Wolfrat von Tengelingen. Wolfhart findet sich in der Hs. neben Wolfrat, freilich nie im Reim, wie auch die ridrekssaga Ulfhardr und Ulfrädr neben einander hat. Dort muß auch, wahrscheinlich schon vorher, die Person Berhters und die seiner Söhne — beeinflußt oder unabhängig von der Wolfdietrichsage — sich mit dem Stoffe verbunden haben. Diese Ansicht wird, wie ich meine, nicht wenig dadurch gestützt, daß im Biterolf (vgl. H. S. 145) Rienolt und Randolt vcm Mailand, Berkers kint (4601 f.) auftreten, daß dort Rienolt UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 437 Wolfharts Neffe ist 8226. Denkt man an Berhters zwei Söhne Luppo?f von Meylan und Erwin, die doch von den zwölfen eigentlich nur im Rother auftreten, ferner daran, daß auch Luppolt Wolfrats Neffe ist, so ist mir wenigstens sehr wahrscheinlich, daß wir hierin eine ältere Gestalt der Sage haben, die später aus irgend welchen Gründen, wohl schon ehe sie nach dem Niederrhein kam, mit Veränderung der Namen um- gebildet ward. War nun unser Dichter am ersten Kreuzzuge betheiligt, so mochte ihn sein Rückweg durch Baiern führen, und er mochte von dort die Sage in der so veränderten Gestalt nach seiner Heimat bringen. Mit einer Verherrlichung des bairischen Stammes und mit dunklen Anspielungen auf bairische Stammessagen würde er aber wohl unter seinen Landsleuten wenig Glück gehabt haben. Als sein Gedicht dann weiter in Deutschland bekannt ward, fand es in Baiern einen Bear- beiter, der anknüpfend an die schon vorhandenen bairischen Beziehungen, wohl auf Veranlassung eines Tengelingers dessen Ahnen Wolfrät noch besonders verherrlichte und, seine Verwandtschaft mit Luppolt besonders hervorhebend, auch Luppolt und Erwin mehr hervortreten ließ. Deß- wegen mag er beide noch an mehreren Stellen eingeschoben haben. Von allen Vermuthungen — und über solche wird man bei dieser schwierigen Frage schwerlich hinauskommen — erscheint mir diese noch als die wahrscheinlichste. Mehr wage ich nicht zu behaupten. AVenden wir uns nun zu den Stellen, die sich nach meiner An- sicht als Interpolationen des Bearbeiters zur Verherrlichung der Tenge- linger erweisen. Zunächst 3563—3578 läuft die Erwähnung der Hülfstruppen Wolfrats auf eine längere Lobrede auf den bairischen Stamm hinaus, gezire als Subst. fällt hier auf, 3566 der Positiv statt des Superlativs, endlich ist die Wendung 'die berische diet' und das sonst nicht vor- kommende wätziere zu erwähnen. Schon 3562 hat der Bearbeiter, da ihm die 3404 von Wolfrat versprochenen 12.000 Mann nicht genug waren, 50.000 gesetzt. 12.000 ist aber schon als formelhafte Zahl, ferner als den Verhältnissen angemessener gewiß ursprünglicher. Mehrmals erscheint Wolfrats Name ziemlich deutlich als eingeflickt: so 3585 f.: unde Wolfratin | und manigin holt gutin. Für diese Stelle könnte man allenfalls noch geltend machen, daß sie ganz gut in den Zusammenhang passt, nicht aber für die folgenden Stellen: 3609 i. unde Wolfratin ; I sie giengen vil dräte. 4207 f. die Lage ist diese: Asprian, der den Oberbefehl führt, hört in seinem Hinterhalte Rothers Nothsignal und bricht mit seinen Riesen hervor, Widolt voran; da 438 A. EDZARDI heißt es: 4204 die zwelef risen vreissam ] liefen rü imde siech. ; dar volgede inanich got knet [4207 | deme Tengel[iug|cre. | he brahte ein here niere] | üz deme walde lossam; | daz wahren Eofheres man. Die Verse 4207 f. sind sicher interpoliert, da von Wolfrats Oberbefehl über Rothers Heer sonst nichts gesagt ist, auch im folgenden Kampfe die Riesen sehr hervortreten, Wolfrat aber gar nicht erwähnt wird. Erst nach Entscheidung des Kampfes steht ziemlich unvermittelt 4251 bis 4254 von den wunden floz daz blot, da Wolfrat der helet got | z6 deme volcwige quam , nnde andere Rotheres man. 4347 f. und mit imc Wolfrat, | der alliz got virdienit hat. Die Verse 4347 — 4365 sind überhaupt höchst verdächtig. Sie sollen Arnolds Belohnung schildern, laufen aber auf eine Verherrlichung Luppolts und Erwins (nebenbei auch Wolfi'ats) hinaus, die hier mindestens sehr spät kommt und überhaupt nicht recht passen will, weil Rother dadurch fast ganz in den Hintergrund gedrängt wird. Die Stelle steht übrigens gleich nach einer jetzt zu besprechenden, durchaus zu beanstandenden längeren Verherrlichung Wolfrats und vor der sicher interpolierten Berathung der Riesen. Sie hat die sonst nicht vorkommende Wendung *sich vore nemen^ sich hervorthun, die unten zu besprechende 'sin dinc beleif im rechte'. Auch *durchnechte\ 'an overbrechte', 'mit züchten' in hötischer Bedeutung sind sonst dem Gedichte fremd. 4329 — 4344 schiebt nach beendetem Kampfe der Bearbeiter eine Lobpreisung der Tapferkeit Wolfrats ein, der in der Schilderung des Kampfes selbst gar nicht erwähnt ward. Dann folgt die oben citierte Stelle 9338 ff. er was von Tengelingen , | der düresten diete u. s. w. Die sonst nicht vorkommenden Wörter spor und tageding sind zu erwähnen; besonders aber ellenthaft ist befremdend. Ellen oder ellent- haft findet sich sonst im ganzen Gedichte nicht, wälirend diese Wörter doch sonst, wo sie sich finden, auch häufiger vorkommen. Daraus folgt, daß eilen und ellenthaft dem Sprachgebrauche des Dichters fremd waren, und daß diese Stelle, schon so höchst verdächtig, wegen des ellenthaft sicher dem Bearbeiter zuzuweisen ist. In den unten im Zusammenhange mit einer größern Stelle zu be- sprechenden Versen 48G1 — 4866 findet sich das sonst nur noch einmal in einer Intei-polation vorkommende sich begän mit Adverb. Von den bisher besprochenen Stellen wird kaum eine einzige zu halten sein. Im Übrigen ist schwer zu sagen, wie weit wir Theile des alten Gedichtes, wie weit wir Interpolationen vor uns haben. Wenn Amelger und Wolfrat schon der ursprünglichen Gestalt des Gedichtes irgendwie angehörten, was ich für nothwendig halte, so wird zunächst UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 439 wohl die Reichsvcrwcsimg durch Amelger und nachher durch Wolfrat (736-741. 7(58—772. 2939-2058 und 2973—2979) echt «ein. 2939 bis 2958 kann freilich sehr wohl zum Theil interpoliert sein, so die Anspielung auf Hademar von Diessen 2941—2948 und 2950 ff. könnte geheißen haben: unze daz swert genam | Wolfrat der wigant; | beide lüte unde laut u. s. w. Doch darüber wage ich nicht zu entscheiden. — 2973 ist doch wohl zu lesen: die reise Wolfram (d. h. Wolfrät) aner- want, vgl. dagegen Kückerts Anmerkung, der mit den Viesen' hier doch nicht weiter kommt. Die 'reise' konnte leicht wegen des zwei Zeilen vorher stehenden 'die ricsen' verschrieben werden. In den folgenden 6 Versen steht das volksthümliche 'die hrelde menie' (Allitte- ration 2972?) und endlich schließen sie mit einem Langverse ab, der eine sonst im Gedichte mehrfach (1586. 4995 f.) vorkommende Wendung enthält. Sie erscheinen also als ursprünglich. 3411—3422. Zunächst 3411—3417 bringt einen sehr flachen Moral- spruch; 5415 ff. folgt eine Anspielung auf Kämpfe zwischen Amelger und Berhter einerseits und Herzog Elvewin andrerseits, die uns un- verständlich ist. Mir scheinen die Verse 3411 — 3422 vom Bearbeiter zu sein. 3433 — 3442 scheinen die Worte : nii min neve Wolfrdt \ als er gelovet hat \ ridit u. s. w. nur eine W^iederholung von 3899 (nü iz Widolt gelovet hat) zu sein. Daß hier Luppolt 20.000 Mann und gleich nach- her 3450 Berhter ebenso viele verspricht, ist schon auffallend und widerspricht auch dem, daß nachher Berhter und seine Söhne zu- sammen 20.000 Mann bringen; 3550 heißt es 'dar rident zvenzich düslnt an und 3553 die YÖrich unde mine kint \ durch dinin willin in den sint. 3441 f. stehen wörtlich 4099 f., wo sie in M fehlen. Die 3444 folgenden W orte 'des si ein dach gesprochin von hüte over zvelf wochin kann nicht Luppolt, sie muß Rother sprechen. Demnach muß 3432 gestanden haben 'Röther statt 'Luppolt' , wozu auch 'der helet halt besser passt. Der Bearbeiter wollte Luppolt doch auch Hülfe ver- sprechen lassen, setzte Luppolt und schob die folgende Stelle ein ohne zu beachten, daß das Folgende dazu nicht passte. 3664 & gehören wohl nur die Verse 3666 — 3671 der Rede Wolf- rats an. Im Folgenden ist Verwirrung: daß Luppolt mit nach Con- stantinopel geht, ist wohl nicht richtig, denn er wird nachher nirgends erwähnt. 3850 heißt es : do slouf Rothere under tise unde s7n man, also nur Berhter ist dabei, wie auch Rother seine Berathung nur mit Berhter hält. Nur 4189 f. bläst Luppolt das Hörn, während eben vorher 4173 ff. Rother von Arnolt seine Bande hat zerschneiden lassen, um ^selbst 440 A. EDZARDT das Horu zu blasen. Auch Rückcrt macht hierauf aufmerksam und meint (Anmorkunc; zu 4195), dicß sei vielleicht „eine eigenmächtige Ver- besserimg eines Uberarbeiters, der damit dem mülMgen und fast ver- gessenen Luppolt auch etwas zu thun geben wollte". Ferner steht 41G3 f. unde Luppoldin, den si da hdn icoldin; wo ist aber das gesagt? Diese Verse 4180 f. und 41G3f. sind wohl Interpolationen, sowie auch 4103 f., so daß 4106 Berhter statt Luppolt zu lesen wäre; Verwechslung der Namen kommt auch sonst in unserem Gedichte vor, hier natürlich ab- sichtlich. An unserer Stelle ist vielleicht so zu bessern : statt *dan' 3671 'den zu lesen und dieß auf Berhter zu beziehen; also *Berker ist ein wis manu. s. w. wilt du koninc höre |behaldon din ere, |c?en bidde mit dir gan . Sonst ist der Sinn gestört. Im Folgenden wird wohl ein 'sprach' ausgefallen sein, also zu lesen sein: 'sprach Luppolt der ge- trüwe mau ; so daß nicht Luppolt mitzunehmen empfohlen wird, son- dern Luppolt selbst redet. Damit müssen denn auch die Verse 3689 bis 3692 fallen. Ich komme nun zu anderen Zusätzen, die weder als erbauliche Stellen zu bezeichnen noch der Tendenz zuzuschreiben sind, die bai- rischen Helden hervorzuheben. Es ist hier nicht unmöglich, daß sie theilweise einer noch späteren Hand als der des Bearbeiters angehören. Von der Ländervertheilung nach der Rückkehr 1817 ff. mein Rückert, ..daß wir hier auf ganz willkürlichem, nicht durch epische Sagentradition befestigtem Boden, auf dem der „bloßen Einfälle des letzten Bearbeiters stehn'^ (Anmerkung zu 4837). Der Anfang lautet: Rother der riche|lonede vromicliche, |cZen goden knechten allen samt] lech he die inchen Scottelani^ dann 4827 ff. den zen risen allen samt \ lech he die riehen Scotlant. Auffallend ist hier die Wiederholung, die zugleich einen Widerspruch enthält. Man sieht, hier ist nicht alles in Ordnung. Wie kann Schottland 'den goden knechten allen samt' und dann gleich den zen risen allen samt' verliehen werden? Wie vor allem kommt Schottland unter die dem deutschen Reiche zugehörigen oder von ihm abhängigen Länder? Stand vielleicht an der ersten Stelle scate-lant oder scat-lant und veranlasste dieß die weitschweifige Interpolation? Dann könnten die Verse 1819 f. sehr wohl stehen bleiben, wie jeden- falls die letzten von 4887 ab echt sind, die von dem Vorhergehenden sehr vortheilhaft abstechen, auch die volksthümliche Wendung enthalten mit der hreiden erden | mostiu gelonit werden.' Indess habe ich scatlant, welches etwa tributpflichtiges Land bedeutet haben könnte, sonst nicht nachweisen können, und darf daher meinen Besserungsvorschlag eben nur als eine Vermuthung hinstellen. Wenn man diese Conjectur nicht UNTERSUCHUNGEN ÜRER KÖNIG ROTHER. 441 • billigt, muli miin jiuch 4819 f. streichen. — 485S — 4858 enthält eine Piemerkung des Bearbeiters: dann wird noch einmal angesetzt: Kother saz in trehten | und gaf allez daz he mohte. Die folgenden Verse zeigen die Tendenz Wolfrat herauszustreichen und stehen in verdächtigem Zu- sammenhange, nämlich eingeleitet durch die erwähnte Bemerkung des Bearbeiters, der es für nötliig hält gegen etwaige Zweifler folgende Zurechtweisung vorauszuschicken : dat is den vromin (Hs, vrouin) allin lif|die bosin die ne gelovint is nitjsine hfint der vromichede nicht getan | und in getruwe[n] der geinem man. Ferner stehn die in Rede stehenden Verse vor der Belohnung der Hauptpersonen, zu der 4877 f. von neuem angehoben w^ird: Rother wol gedahtejwer ime wol ge- dienit hate. Man sieht deutlich wie hier stückweise angeflickt ist. — Die Belohnung Wolfrat^ stört den Zusammenhang, indem dadurch der Schein entsteht, als seien die folgenden Worte 'do ne gewas bi dem mer u. s. w. auf Wolfrat zu beziehen. Daß dieß Mißverständniss nahe liegt, erhellt daraus, daß es Rückert wirklich passiert ist. Er sagt näm- lich (Anmerkung zu 4873) : „Was man sich unter dem 'rnere' zu denken hat, möchte schwer zu sagen sein, denn weder Böhmen noch das da- malige Polen, noch Osterreich reichen irgendwo an das Meer". Natürlich ist Rother gemeint, schon wegen des *bi dem mer (vgl. den Anfang: da M deine western mere \ saz ein kuninc, der heiz Roihere, 317 und öfter). Aber die Interpolation erschwert das Verständniss. Von den beiden einleitenden Verspaaren 4859 f. und 4877 f. wird nun auch eins zu streichen sein. Ich halte das letztere für echt. Daß dann V.Rother) saz in trehtin dem Bearbeiter, sonst zweimal dem Dichter zugewiesen wird, halte ich für kein absolutes Hinderniss. Denn einmal ist dieses Wort nicht so gar selten, sodann ist es doch recht wohl möglich, daß der Bearbeiter die eine oder die andere W^endung, dieß oder jenes Wort, wenn es ihm auch sonst nicht geläufig war, aus seiner Vorlasse her- übernehmen konnte. Wenn man aber sich hieran stößt, muß man 4859 f. beibehalten und dafür 4877 f fallen lassen. Die ganze Stelle würde nach obigen Erörterungen also gelautet haben : Rother der riebe lonede vromicliche. (den goden knechten allen samt lech her die riehen scatlant). die ime iht lieves beten getan, die ne verluren da niht an. da ne was neben scat mer lief, er ne bot ouch die rosse niet: 442 A. EI^ZARDT mit der breidin erden rnost in golonit werden. do ne trcwas bi dem mcr weder sit noch er neclicn so stadeliaf'te(r) man ; iz was ime allez underdtin. her hete des gotes michele macht und was der rehten vorsten slacht, die alle so irstiirben , dat si bezigcne wurdin valskes wider deheinen man. ir ende was göt unde lovesam. — Kother wol gedahte, wer ime wol gedienit hate: Liippoldin den getrüwin man heiz her vor sich ) Worte Arnolds: 'nünar, goten knechte' erläuternd einzuleiten. Oder es sind nur einzelne Verse zu streichen, etwa 4037-4040 und 4049—4058, und es ist dann 4041 zu lesen 'ein grave, der hiez Arnolt.' (vgl. 1387). Zu bemerken ist hier das sonst dem Gedichte fremde Verwinden = verschmerzen (mhd. Wb. III 081) und die Wendung *die romische diet' (s. unten). — Konnte man hier zweifelhaft sein, so ist dagegen der Interpolation sehr verdächtig 4135 bis 4146j, denn erstens 4138 'die kefsin man over baut' wiederholt was schon 4090 gesagt ist: 'eine kefsin her an daz sper bant'; überhaupt aber ist kein Fortschritt der Handlung in diesen Versen. Zweitens findet sich hier das sonst nicht vorkommende *^harm' in der ebenfalls fremdartigen Wendung: mit so getanem harme,\ deiz m vor dem arme] niht enmohte bestrin,|izen muste allez undirgäiij wo auch das eigen- thümliche 'undirgän = unserem 'untergehen' zu beachten ist. — Nicht unerwähnt lassen will ich aber, daß die vorhergehende Partie 4107 bis 4134 in M fehlt. Es ist nicht unmöglich, daß M hier die ältere Ge- stalt hat und in diesem Falle müsste freilich die Stelle 4135 — 4146 trotz allem Angeführten echt sein. So lange wir aber von M nicht mehr haben und so lange sich nicht nachweisen lässt, daß M im Ganzen eine ältere Gestalt des Gedichtes gibt, kann man, meine ich, allein auf dieß Fehlen in M wenis^ bauen. Die Tendenz höfischer Dichter, lange Schilderungen von Äußer- lichkeiten , von Gegenden und namentlich von Kleidungen zu geben, ist wie allen volksthümlichen Epen, so auch unserem ursprünglich fremd. Nie findet sich etwa eine Schilderung vom ^Pnderamushof oder des- gleichen, die sich ein höfischer Dichter schwerlich hätte entgehen lassen. Über des greisen Berhter Persönlichkeit erfahren wir nur gelegentlich etwas aus kurz hingeworfenen Andeutungen (3369. 3501. 3999. 4889 f. 444 A. EDZAKDI 4957)*), und doch erhalten wir dadurch «.ine lebhaftere Vorstellung von dem Alton , als eine seitenlange Beschreibung eines höfischen Dichters uns zu geben im Stande wäre. Ähnliches gilt von den Riesen. Wo aber doch eine kurze Schilderung nöthig wird, gibt sie der Dichter aus Anschauung irgend wehhcr Personen der Dichtung, vgl. 652. 687 und 692. 1830. 1865 ft'. Genug wir hai)en hier dieselbe Erscheinung wie in den Nibelungen, eine der am meisten charakteristischen Eigen- heiten des volksthümlichen Stils gegenüber dem höfischen. Demnach erwecken einige recht breit ausgeführte Kleidungsschilderungen, die sich aut^allender Weise im Rother finden und zum Theil recht merklich von ihrer Umgebung abstechen, namentlich durch Glätte im Vers und Reim, von vorn herein den Verdacht der Interpolation. Zuerst fällt die Stelle 1817 — 1825 auf. Die einleitenden Worte 'uns sagit daz liet mOre', (d. h. 'mehr', 'ferner', da schon etwas von der Kleidung erwähnt ist, nämlich die Armbouge) sind schon verdächtig. *Daz liet' scheint, wie oben ausgeführt, die Bearbeitung, nicht die Vor- lage zu meinen. Auffallend ist ferner crone = kränz, overmot (vom Gewande\ ritarlich, cvclat, gestikit. Ist die Stelle interpoliert, so muß ursprünglich statt 'dar undir 1829 etwas anderes gestanden haben. 1849—18fi4, Mit 1848 scheint die kurze, aber ausreichende Schil- derung vom Schmucke Dieterichs und seiner Mannen abgeschlossen, 1865 ff. schließt sich ungezwungen an. Dagegen wird 1849 noch ein- mal zu einer genaueren Beschreibung des Anzuges angesetzt. Dazu kommen wieder verschiedene sonst gar nicht oder sehr selten vor- kommende Wörter, die nicht alle durch den verschiedenen Inhalt be- gründet sind, so inville, hermelin, cyclätin, ubirglast, edelicheit, smecken; besonders aber die Erwähnung der ^blatvoze' weist höchst wahrschein- lich nach Baiern, wenn es auch nicht die Kenntniss des Herzog Ernst nothwendig voraussetzt; vgl. Rückert LIX. Endlich steht 1852 'die harren wo man 'die recken erwartet, was auch 1840 steht. Von den schon oben angeführten Stellen, die Berhters Rüstung und Kleidung schildern, hat die erste S495 — 3500 wieder 'overglast', die andore 4931 — 4956 zeichnet sich durch ganz besondere Reinheit der Reime und glatten Versbau aus, enthält die sonst nicht vorkommen- den Wörter spiln 4936, capelün 4938, satilboge 4945, aldgris 4956. Am *) Erst gegen das Ende, wo überhaupt die Interpolationen sich mehren, er- scheinen verspätete Beschreibungen von Berhters Kleidung und Rüstung 349.5 — 3500 und 4931 — 49.56, beide Mal wohl veranlasst durch die vorgehende Anspielung auf Berhters gewaltigen Bart, die dem Bearbeiter zu kahl erscheinen mochte. UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 445 Ende dieser Verse findet sich die Stelle, welche nach Rückert vielieicht eine Anspielung auf das Alexandcrlied enthält. 4571—4574 ist sehr iiberHiil.^io^, hat die Wörter: kurzebolt, gelistet. 4592 — 4597 steht wieder *kr6ne' und das unvermeidliche *kar- bnnkel'. Endlich möchte ich 1104 — 1109 für unecht halten als zu aus- führlich, auch ist Miste', vgl. gelistet (4572), 'geworht' und ''hosen', noch (4933), bedenklich. Für die Unechtheit der besprochenen Stellen läs.st sich etwas Durchschlagendes nicht anführen. Wem das Angeführte nicht genügt, der mag sie für echt halten. Ich aber kann nicht finden, daß sie dem Stile des Gedichtes angemessen sind. Dali sie ferner alle sehr entbehrlich sind, wird man zugeben müssen. Während sonst kaum etwas von höfischem Wesen in unserem Gedichte zu spüren ist , erscheint Berhter plötzlich 4623 — 4634 ganz verändert. Er ruft aus: hie sal die zucht vore gän!|nü he under den vröwen ist komen, | wwc^e hete ht henumm\ allin mmin kindin den ^//, | wir sulen eren dise wif|an deme riehen koninge, | iz queme uns anders ovele. Sonst hat zucht, 'die aide zucht' im Rother nicht diese höfische Bedeutung, vgl. 4626. 4697; 2084, die aide zucht 3354. 3647. 4611 besonders die letzte Stelle, wo es heißt: gedenke der alden züchte und eren, loie hie bevoren die herren ir leit liezen durch got. 5017 — 5020. 'Der was griuwelich getan' von Grimme kommt hier sehr spät; griuwelich wird sonst im Rother weder von einem Riesen, noch überhaupt gebraucht. Die drei folgenden Verse enthalten nur sehr müßige Wiederholungen. 5029—5032: '^Von Yspanid Erwin | und Luppolt der meister s1h^\ die wären beide riebe | und voren gezogenliche' müssen mit der Länder- vertheilung fallen; außerdem sind diese Verse recht fade. 5037 ff. kommt Luppolt erst: durch Pippingis willen ' brähte von Kerlingin j Luppolt der getrüge man u. s. w. 4985—4990. Nachdem schon 4969 ff. erzählt ist, daß Rothers Mannen , nachdem sie Urlaub genommen, heimreiten, wird das hier noch einmal wiederholt. Das bedenkliche \(nd andere Rotheres man', 'sich begän' (was nur noch einmal in einer Interpolation steht), 22 Jahre wider- sprechend dem formelhaften vier unde zwenzic jär (was 5002 steht) lassen mich in der Stelle unbedenklich eine Interpolation sehen. 446 '^- EDZARDI Ferner sind die Verse 4785—4788 und 3483 f. anzuführen als Bemerkungen des Bearbeiters, und scliUeßlich 1491 1496, wo der Be- arbeiter bis ins Unsinnige steigert, indem er Constantins IMannen alle zu Dietricli übergeben lässt, auch 'die cdelen graven | und alle die dar icdrtm\m Constantinis hove|anedie riken herzogen | die irlazis daz liet| sie ne tadins oucb niet(!y. Ich habe hier zusammengestellt, was mir in dem Gedichte als mehr oder weniger der Interpolation verdächtig erscheint. Freilich darf man in solchen Untersuchungpu, in denen ja das subjective Urtheil eine so bedeutende Kolle spielt, weniger als irgendwo die eigene Ansicht für unfehlbar halten, und ich bin weit davon entfernt. Stellenweise mögen meine Bedenken unbegründet sein, stellenweise mag ich umge- kehrt eine Interpolation für echt gehalten haben : im Ganzen aber glaube ich nicht Unrecht zu haben. — Daß auch im Übrigen der Bearbeiter verschiedentlich 'gerichtet' hat, zeigt die glattere Form, der geschmei- digere Stil mehrerer Stellen, die dem Inhalte nach dem ursprünglichen Gedichte schon angehört haben müssen. Das ist namentlich der Fall bei der Zusammenkunft Rothers mit Constantins Tochter (1917 ff. und besonders 21 G9— 2305) und in der Erzählung des griechischen Ritters (3711-3826). Ich gebe im Folgenden eine Übersicht der auszuscheidenden Stellen, in Klammern die beifügend, über deren späteren Ursprung ich nicht ganz sicher bin. I. Erbauliche Stellen (364— 385); 3931-3940; 4389-4450; 4493 bis 4502. (4761-4774). 4775-4778. (5075-5108). 5109—5185; zu- sammen 103 (-f 60 = 223) Verse. II. Bairische Bestandtheile (2941-2948). (3411—3422). 3433 bis 3442. 3563—3.578. (3585 f.). 3609 f. (3689-3692). (4163 f.) (4189 f.) 4207 f. 4251-4254. 4329—4344. 4347-4365. 4853-4866; zusammen 83 (4- 30 = 113) Verse. III. Andere Zusätze, die sich wedrr durch eine geistliche, noch durch eine bairische Tendenz erklären (1104—1109). 1491—1496. ri817— 1828). 1849— 1.<564. .3483 f. .3495—3.500. 3931—3956. (4035 bis 40.58). 41.3.5—4146. (4571—4574). 4623—4634. 4785—4788.4705—4730. 4821-4846. 4985-4990. 5017-5020. 5029—5032; zusammen 150 (-f 46 = 196') Verse. Im Ganzen sind es 396 (-f 136 — 532) Verse. Zu beachten ist, daß hiervon auf die ersten zwei Drittel des Gedichtes nur .32 (j- 50 = 82), dagegen auf die vorletzten 900 Verse 80 (-{- 34 = 114), auf die letzten 900 Yerse gar 284 (+ 52 = 336) fallen. — Die Inter- UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 447 polationen machen etwa den 13., resp. den 10. Theil des ganzen Ge- dichtes aus. Die Vergleichung dieser Partien mit den alten Th eilen des Gedichtes in sprachlicher und metrischer Beziehung ist in sofern schwierig, als es sich hier nicht um ein zusammenhängendes Stück, sondern um grössere und kleinere Partien handelt, die in den verschiedensten Theilen des Gedichtes zerstreut stehn. Um die drei Gruppen auseinanderzuhalten, werde ich die anzuführenden Verszahlen mit I, II, III bezeichnen, indem ich wieder die Stellen, die ich nicht für bestimmt interpoliert halte, in Klammern beifüge. Zunächst das Metrische ist mit wenigen Worten abgethan. Daß die ausgeschiedenen Stellen zu den formell besseren gehören, einige sogar auffallende Glätte der Form zeigen, wird man mir zugeben. Charakteristisch ist, daß von den im ersten Theile dieser Arbeit be- sprochenen Langversen in den ausgeschiedenen Stellen sich höchstens zwei finden, nämlich 48G6 'daz he' sich deste bäz möchte begän', wenn hier die Überlieferung richtig ist; außerdem kann man auch lesen: daz he sich I d^ste bäz mochte begän. So ist auch zu lesen 4725: 'G(dahte| des noch etlich jiinc man' und 4857 'Sine haut der | vromechede nicht getan oder 'Sine | haut der vr6mechet nicht getan (?)'. Ferner 2943 sieht wie ein Langvers aus, ist aber vielleicht in zwei Kurzverse zu trennen, und statt hän wäre dann zu lesen häven: gräven: Hädemären. Dieser Vers steht übrigens in einer Partie, die ich nicht für noth wendig inter- poliert halte, überragendes r findet sich verhältnissmäßig häufig, G Mal, sonst nur 16 Mal, überragendes s kommt gar nicht vor, sonst 21 Mal; desgleichen keine Reime, in denen nur die Flexionssilbe reimt. Im Übrigen sind die metrischen Freiheiten ziemlich dieselben wie in den alten Theilen. Die sprachlichen Eigenheiten sind schon bei der Besprechung der einzelnen Stellen aufgeführt. Ich stelle die wesentlichen hier zusammen. Einzelne Wörter I zoumstrenge (5087), rosvert (5099), ale- mene 5126, arg (= böse) 5133, hör 5146, witze (fem.) 4420, daz af- grunde 4434 (noch 2334), capellane 4775, gemeine 4417, -wofür sonst gezeme steht 1714, overgenöz 5163, sonst noch 975. — II spor 4330, wätziere 3578, sich vornemen := sich auszeichnen 4349, durchnecbte 4361, äne overbrechte 4362, tagedinc 4337, eUenfhaft 3336, sich begän mit Adv. 4866 =^ III 4988, lantman 3413 ; 4856 steht böse in moralischem Sinn, sonst hat es im Gedichte diese Bedeutung nicht. — III zncht in höfischer Bedeutung 4624, mit züchten 4362, griuwelich 5017, vir- winden (4051), härm 4136; crone = kränz 1821. 4595, aber auch 4578 in einer wahrscheinlich alten Stelle; overmot von der Kleidung (1825), 448 A. EDZARDl cyclat (^1826), cyclatin 1854, gestikit {]S2S), inville 4853, hermelin 1853, ubirglast 1858. 3498, smeckcn 18G1, spilii 4936, capelün 4938, satil- boge 4945, aldgris 4956, swan 4946, hosin 4933. (1108); liste (1104) gelistet (4572); edeliclieit 1859, sonst noch 2393; ritarlich 1824, sonst noch 1366. — Daß sich in Schilderungen viele Benennungen von Kleidungsstücken und dergleichen Hnden, ist nicht eben auffallend, auch nicht, daß sich in 500 Versen einzelne sonst in dem Gedichte nicht vorkommende Wörter finden: auch in den übrigen Theilen finden sicli solche natürlich nicht selten; mindestens auffallend ist aber, daß sie in solcher Menge in den ausgeschiedenen Stellen vorkommen, namentlich Wörter wie ellenthaft, icitze, rosveri ^ härm, griuwelich, daß endlich einige sogar mehrmals in den Interpolationen, in dem ursprünglichen Gedichte aber gar nicht vorkommen; so 'sich begdn II 4866. III 4998; stadecUche III 4502. (4774), sonst stadehaft 258. 318. 1986. 4869, auch mit staden 1094 u. s. w.; uUrglast III 1858. 3499, hosin III (1108). 4933. Hierzu kommen folgende Wendungen: 'ez schinit einem an' II 3577, und noch 3717 in der Erzählung des griechischen Ritters; die romische diet III (4052), die berische diet III 3571, die israhelische diet I 3935. — diu dinc stunt groze, grozliche I 5123. 5160, daz ime sin dinc rechte | bileif unz an sin alder II 4354, daz ime sine dinc wole Stent I 4409. — Ferner: der cdde got I 4401, der ticige got, der in ze lebene, gebot 4447. Nie steht Valdindinger got\ sonst 6 Mal. Constantin heißt 'der aide herre' I 4412; Berhter 'der riche' II (3415). Im Ver- hältniss zu Erwin heißt Luppolt 'der meister sin nur II .5030 und I (367). 'mit banden eines man werden III 4718. (4040). 'im künde vor deine arme nicht bestan' 4163 f. Noch ist das eigenthümliche Particip 'gände von der menie' II (3691) zu erwähnen. — Snewiz, sneblanc u. s. w. scheinen Lieblingswörter des Bearbeiters zu sein; sie stehen III. 3442. 4100, sonst noch 858 u. 680, beide Mal in Schilderungen, gegen die sonst freilich nicht viel einzuwenden ist. — Der Positiv statt des Superlativ steht II 3566 ff. : die schonin geziere, | die dar ie dehein man gewan; außerdem mir noch in der Erzählung des griechischen Ritters 3720: daz kreftige golt, |daz ie sichein man — gewan, 3773 daz schone wif, I die ie gewan den lif. Nicht so viel beweist es, wenn dieß oder jenes Wort häufig in den älteren Theilen, selten oder nie in den Interpolationen sich findet. Daß man hierin vorsichtig sein muß, zeigt z. B. das Vorkommen des Adverbs harde, welches im Ganzen 42 Mal, darunter nur einmal in einer interpolierten Stelle sich findet. Dasselbe kommt aber auch gewiß zufällig in den ersten 600 Versen nicht vor. — So großen Spielraum UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. 449 man also auch bei einzelnen Wörtern dem Zufall zugestehen muß, so ist es doch sicher mehr als Zufall, wenn eine ganze Reihe von Wörtern, die zum Theil für den volksthümlichen Stil charakteristisch sind, sich gar nicht oder auffallend selten in den ausgeschiedenen Stellen linden. Folgende Wörter kommen in den Interpolationen gar nicht vor: degen sonst 9 Mal: 57. 152. 238. 973. 2610. 2803. 2917. 2925. 5003, degenliche 2728, degenheit 7G2. 1307, daz gedigone 71. 768 3765; zusammen 15 Mal. march 9 Mal: 860. 2697. 2772. 2797. 4250. 4926. 4959. 4971. 5045. sant 826, den sant rümen 3465, ze Bare üf den sant 3445. 3515. 3525. 3581. 4755; sant ^ Kampfplatz 4184; zusammen 8 Mal. sint 1992. 2136, vören an den sint 3554. 2155, sich hevcn an den sint 1932; zusammen 5 Mal. stoi^n 473. 2675. 4180. 4327, stormgiere 688; zusammen 5 Mal. lüentc/i (=: klein, gering, elend) 480. 2441. 2611. 3157. 3205. 3237 ; also 6 Mal. die holden 402. 948. 1097. 1255; also 4 Mal. grimme 690. 2742. 4287, grimmig 512. 1041. 1663. 4247; zu- sammen 7 Mal. kreftich {= massenhaft) 2578. 3374. 3720, kraft (= Menge) 14 Mal, zus. 17 Mal. vole mehr als 14 Mal; lanne 4 Mal: 1039. 1724. 2744. 4679. reise 4280 (auch wohl 2973), vorreise 2590; zus. 3 Mal. mt 421. 1011. 4909, mdliche 700; zus. 4 Mal. zmm von Widolt und andern Riesen 665. 758. 844. 1022. 3395. 3860, inWidolts Munde 1623. 1671; zornen 1008, zornig 2698; sonst zorn 1164. 1805. 3264. 3297. 3331. 3345. 4105, zornen 1079. 3338. 3884, refl. 1630; zus. 21 Mal. — Daneben 1 Mal in einer Interpolation II 4329. name := Stand, Bedeutung 1331. 1897. 1573; also 3 Mal. vechten 657. 826. 4118, die vechte 1704; zus. 4 Mal: snel 139. 297. 405. 1127. 1834, also 5 Mal; seltsäne 255. 277. 649. 3069. 3088. 3112, also 6 Mal; listich 14 Mal, listeclich 2328, mit listen mehr als 4 Mal; zus. mehr als 19 Mal. droioe 763. 1016. dankneme 1236. 1713. hiderve 8. 938. 4694. ge- honit sin 1770. 2064, honen 1796, honede 1802. 2232; zus. 5 Mal; virstözin sin in derselben Bedeutung 1458. sich heven von Personen 25 Mal. hozen der not 1143. 1292 2293. 3162. 3180, böz 4314; zus. 6 Mal. GERMANIA. Keue Keihe VI. (XVUI.) Jahrg. 29 450 A- EDZARDI tih'lich 1932. 2313. 4310, türlicher degen 6 Mal, die türlichen (;«7?2e« : kumen 747; zus. 10 Mal. breit pellile 781, schare 722, se 804, in breitin blicken 2637, menie 2975, erde 4851, len 4885, bart 4957; zus. 8 Mal. half 973. 991. 2217. 2243. 2602. 2616. 2628. 3432. 4686, beltliche 2258: zus. 10 Mal. dömisdach sonst 3 Mal ; dagegen in der wie es scheint überarbeiteten Scene in der Kemenate der jungen Königin steht 2249: biz an den jungisten tach. — recke, von Dietrich und seinen Mannen gebraucht mit mehr oder weniger durchschimmernder Grundbedeutung findet sich 16 Mal: 820. 1085. 1114. 1340. 1897. 1905. 1946. 2174. 2383. 2501. 371o{^). 4073. 4092, nur im alten Gedichte; sonst noch 9 Mal 495. 3001. 3034. 3693. 4103. 4111. 4179. 4305. 3739 (?). 3821. in recken wis 554. 583. 714; zus. 28 Mal. Dem gegenüber 2 Mal in den Interpolationen. lossam, welches im Ganzen 64 Mal vorkommt, steht darunter ver- haltnissmäljig ebenso oft in den Interpolationen. vreissam steht 15, resp. 1 Mal. Auffallend ist die überaus häufige Bildung von Adjectiven auf -lieh, besonders von Adverbien auf -liehe : vromeliche oder vromecliche 27 : 1, vlizecliche 6 Mal, \vunnecliche 3, innecliche 2211 , listecliche 1 Mal, -genedeclich 1 Mal. jamerliche 3, willecliche 603, minnecliche 1 Mal, vreisliche 14 : 1 , heimlich 2 Mal, vermezzenlich 3, notlich 1, gezogenliche 12 : 1 , snelliche 1006, vröliche 11 : 1, gewerliche (vor- sichtig) 2, werliche (wehrhaft) 4320, beltliche 2258, türlich 11 Mal, wunderlich 6 Mal, gunstelich 3174, ovelliche 4652, trüweliche 2 Mal, raoweliche 1, bösliche 3, kunecliche 3 Mal, wisliche 5:1, nidliche 1, torliche 1633. hasteliche 3 Mal, sumelich 2 Mal, vrowelich 2085, sicher- liche 9 Mal, gevochliche 1756, gotliche 2 IMal, endeliche, bioliche, bar- liche, mugelich, ermeliche, bermeliche je 1 I\lal, sunderlich 242, ric- liehen 3048. — stadeclich gehört nur dem Bearbeiter an. — Es ist hier nicht alles Hergehörige zusammengestellt, aber man übersieht schon so leicht, daß die Bildungen dieser Art in den von mir ausgeschiedenen Stellen verhältnissmäüig sehr selten sind. — Schließlich führe ich noch an, daß gelich mit abhängigem gen. plur. subst. in den Interpolationen sich nicht, sonst aber 8 Mal findet. Ich glaube genug vorgebracht zu haben, um damit auch in sprach- licher Beziehung meine auf anderem Wege gewonnene Ansicht über die Interpolationen zu stützen. Der Dialect des Bearbeiters, so weit man aus den Reimen ihn erschließen kann, ist nicht sehr verschieden von dem des Dichters; UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTH ER. 451 er hat o statt uo I 5105.*) II 3573. 4333. Hl 4835; e statt le wird vielleicht durch die Reime I 5121 und II 3563 erwiesen; e statt ei 1 5125; o statt w I 4424. Dagegen kommt dem Bearbeiter der Um- laut des langen ä zu: herren : wr?ren cj. III 4716, : nim«re, d. h. nü- mere I (4763); mere : riht^re 11 4853, : w^ren III 1817. d statt t ist nur nach Liquiden erweisbar: I 5121. 5165. III 47U9; die Reime ni^ : lip und gap : stat beweisen nichts, da hier ebenso gut li/ und gaf stehen könnte. r scheint auszufallen vor h in vorhte : unrehten I 4435, ähnlich h vor t in bräÄt : Wolfrät II 3578; niet : liet III 3483. 4785, : diet I 3935. Dazu kommt, daß auch einige der oben aufgeführten ausschließ- lich oder theilweise mdd. und ndd. Wörter in den Interpolationen sich linden, so: bekleben I (382), gewiere II 3563 und andere. Offenbar haben wir es hier mit einem mitteldeutschen Diaiecte zu thun, obgleich der Bearbeiter in Baiern geschrieben haben muß. Es kommt hier eine Variante in A in Betracht zu Vers 5165. Hier hat nämlich H: ze wir hin zo icalde (A zo Vulde) ,\?>yfQY genesen wolde,| der mohte dar gerne brodir sin. | wir munichin uns trüt herre min. Die Lesart von H gibt keinen Sinn. An Eremitenleben im Walde ist hier nicht zu denken, auch würde ein Eremit nicht brodir genannt werden, wenn auch Rückert (Anmerkung zu 5170) dieß behauptet, ohne aber eine Belegstelle anzuführen. Ebenso kann 'sich munchen doch nur den Eintritt in ein Kloster bedeuten , sowie auch in andern Fällen der Held in ein Kloster geht, nicht 'in den Wald'. Jedenfalls ist es ein eigenthümlicher Gedanke, Rother mit seiner Gattin ein Einsiedlerleben im Walde führen zu lassen; 'sich clüsen will nichts weiter besagen , als daß die Königin, die natürlich nicht in em Männerkloster gehen kann, eine abgesonderte Zelle in der Nähe be- zieht, wie das ja verschiedentlich vorkam; vgl. den Schluß der Ores- centia, besonders auch Awa reclusa. Der Grund übrigens, weüwegen Rückert gegen die jedem Unbefangenen doch wohl einleuchtende Les- art von A ist, ist folgender. Er sagt: „So gering auch die geschicht- lichen Kenntnisse des Dichters gedacht werden mögen, Rother zum Mönch in Fulda zu machen, hätte er doch wohl nicht gewagt'^(!). Aus den Worten, welche auf die nach der in Rede stehenden Stelle vorhandenen Lücke folgen, nämlich 'also iz noch hüte stat, | daz iz vil raanich ere hat', schließe ich gegen Rückerts (nicht begründete) Mei- *) Die Stellen sind bei der Untersuchung über den Dialect des Dichters im zweiten Theile in Klammem aufgeführt. 29* 452 '^- EDZARDI, UNTERSUCHUNGEN ÜBER KÖNIG ROTHER. nung, daß in der Lücke eine Verherrlichung des Klosters Fulda ge- standen habe. Darnach dürfte man in dem Bearbeiter einen Fuldaer Mönch sehen: hessisch konnte der Dialect desselben recht wohl sein. So viel steht aber fest, daß er in irgend welcher Beziehung zu den Tengelingern gestanden haben muß, daß er als Gegendienst für irgend eine Gunst, vielleicht eine Schenkung an sein Kloster oder ähnliches, deren Geschlecht verherrlichte, und daß er in Baiern schrieb. Wie er nach Baiern kam, ob er etwa aus seinem Kloster in ein Kloster Süd- baierns übersiedelte, das bleibt ein Räthsel, welches ich nicht zu lösen vermag. — Ich habe an der besprochenen Stelle die Lesart von A gegen H vertheidigt, aber nur für den Fall, daß man bei dem 'ze wir hin zu walde an ein Einsiedlerleben denken will. Etwas anderes wäre es, wenn man hier an ein Kloster Wald oder Walde denken dürfte. Aber in dem salzburgischen Orte Wald, der einem in Urkunden häufig erscheinenden Adelsgeschlechte den Namen gegeben hat, lässt sich kein Kloster nachweisen. Bei A. von Meiller, regesta archiepp. Salisburgen- sium wird kein Kloster dieses Namens aufgeführt. Ließe sich ein Kloster Walde in Siidbaiern nachweisen, so wäre natürlich die Lesart von H vorzuziehen und Vulde' als eine Änderung des Schreibers von A an- zusehen, der seiner Mundart nach Hesse und also auch wohl Fuldaer Mönch gewesen sein könnte. Die Thätigkeit des Bearbeiters scheint in der Hauptsache darin bestanden zu haben , daß er die besprochenen Stellen einschob, sonst aber das alte Gedicht im Wesentlichen unverändert ließ. Er scheint nur bemüht gewesen zu sein, die metrischen Unebenheiten zu mindern , auch wohl einzelne Wörter und Wendungen durch ihm ge- läufigere zu ersetzen. Dafür ist besonders bezeichnend, daß *lanne', ein dem Bearbeiter wohl nicht geläufiges Wort, nur im Reime stehen ge- blieben ist: 1039. 1724. 2744. 4679, sonst aber durch 'ketene* ersetzt ist 685. 757. 105G. 1652. Auch an andern Stellen mag lanne gestanden haben, so stand wohl statt 'jenir der da gehundin lac' 1650 ursprüng- lich'der an der lannen ?ach* in alter allitterierender Formel; ebenso stand wohl statt 'der holde der da gebunden lac 1095 ursprünglich 'der an der kennen lach', und 1210, wo lanne sogar aus dem Reime vielleicht aus metrischen Gründen entfernt scheint, stand wohl *als6 die dar /igit an der lannen : lande; jetzt steht: also die dar ^igit gehundin. Ich stehe am Schlüsse dieser zum Theil recht verwickelten Unter- suchungen. Ich täusche mich nicht darüber, daß ich, obgleich ich Zeit und Mühe nicht gespart habe, bedeutender positiver Resultate nicht viele gewonnen habc; daß ich vielfach über Wahrscheinlichkeiten nicht FELIX LIEBRECHT, KLEINE BEITRÄGE. 453 hinausgekommen bin. Doch hoffe ich auch Einiges wenigstens dar- gelegt zu haben, was für die künftige Behandlung des König Rother nicht unwichtig sein wird. LEIPZIG im März 1873. ANTON EDZARDI. Nachtrag. Die vorstehende Arbeit lag bereits im März fertig vor und war von mir am 1. Mai der philosophischen Facultät hiesiger Universität eingereicht, als mir Lambels Anzeige von Kückerts Aus- gabe des König Rother in der Ztschr. f. österr. Gymn. XXIV 168 (vom 30. April d. J.) zu Gesicht kam. Ich kann hier nur kurz nachtragen, daß ich mit den meisten Bemerkungen Lambels einverstanden bin. In Betreff der Interpolationsfrage (p. 174 f) bin ich es aber nicht: 638 bis 639 R ist mir nicht der Interpolation verdächtig; denn daß Rother den Asprian nicht persönlich kennt, obwohl er einen Brief an ihn geschickt hat, scheint mir kein Widerspruch zu sein (vgl. 'zo eime unkimdigea lande* und 'der nimer zo hove nequam'). Über die beiden andern von L. besprochenen Stellen habe ich oben gehandelt. Daß ich die metrischen Bemerkungen (p. 177 f.) nicht billigen kann, folgt schon aus dem, was ich oben über Amelungs „Beiträge zur deutschen Metrik" gesagt habe, von denen L. ausgeht. — Durch Versehen ist das oben über vorehouge Gesagte stehen geblieben, natürlich ist es = vür- büege. — A. E. KLEINE BEITRÄGE. I. Heidenwerfen. Der hierher gehörige Aufsatz Simrocks (in der Zeitschr. f. d. Mythol. 2, 138 ff.) ist hinlänglich bekannt. Den darin besprochenen Ge- brauch habe ich im Philologus 20, 379 f. zu erklären gesucht und unter anderm gesagt: „Durch das Angeführte finden dann auch ferner manche andere jetzt noch im Schwung seiende Gebrauche ihre Deutung, und jene Statue der Venus oder Diana zu Trier, die bis vor nicht langer Zeit zum Zeichen des Sieges über das Heidenthum von Jedermann mit Steinen geworfen wurde, erhielt dieselben zur Römerzeit höchst wahrscheinlich als Opfer dargebracht." Zu den dort erwähnten Spuren des „Heidenwerfens" fügt sich nun noch eine neue, die eben jetzt in weiter Ferne auftaucht, und zwar in Italien. In der Augsburger All- gem. Zeitung 1873 Beil. zu No. 310 S. 4703 f. findet sich nämHch die 454 FELIX LIEBRECHT Schilderung eines Festes, welches bis zum J. 1846 zu Alatri (in der römischen Campagna) gefeiert wurde, in diesem Jahre aber nach dem Besuch Gregors XVI aufhörte. Es heißt dort so: „Am Tage des S. Sixtus, am 28. März, in erster Frühe, zogen die Bewohner der Piaage, *i Signori della festa genannt, nach dem Kirchlein Nostra Donna, das in dem Thälchen liegt, welches die Einsenkung zwischen dem Stadtberge und dem Hügel des romantischen Kapuzinerklosters bildet. Dort hörten sie die Messe und stiegen dann in feierlichem Zuge hinauf nach der Porta Bellona (die heutige Porta San Pietro), gefolgt von vielen Knechten und Kindern und Freunden, welche Körbe trugen, gefüllt mit Steinen und Scherben. Von der Porta Bellona kamen ihnen die Bewohner der Cittä Vetere mit ähnlicher Ausrüstung entgegen und hier bearbeiteten sie gemeinschaftlich ein Reliefbild an der Cvclopenmauer, welches von Alters her den Namen Marzo führte. Dann gieng es in großem Pomp nach dem Dome, wo Hochamt gehalten wurde, nach diesem aber begann ein feierlicher eigenthümlicher Tanz auf dem Domplatz über den alten Mauern, und in andern Volkstänzen^ in Wein, Gesang und Freude schloß dieses sonderbare Fest mit Sonnenuntergang ab. Dieß und noch manche Einzelheiten erzählte man uns, ich wurde neugierig den Ort der alten Göttersteinigung zu sehen ; denn ein Gott war gesteinigt worden, so viel wurde mir klar, oder ein Götzenbild, wenn du willst, lieber Christ. Man führte uns also vor die Porta S. Pietro und es ist links vom Eingang in einem der mächtigen Blöcke noch eine Erhöhung, an welcher und um welcher man deutlich die Spuren der durch Jahrhunderte jedes Jahr wiederholten christlichen Steinwürfe erkennen kann: das war 'Marzo'. Rechts am Eingange, durch eine Mauer von der Straße getrennt, ist der Pendant des Mars, eine Relief- figur, uns als'Aprile' bezeichnet. Sie ist ungefähr zwei Spannen hoch, auch stark verwittert, doch immer noch in ihren Formen erkennbar. Sie gleicht genau einem Zappelmann, dem eben Arme und Beine mit Hilfe des Fadens auseinander gezogen sind. Was er aber in Wahrheit in jenen cyclopischen Zeiten vorstellte, wer mag das wissen? Jedenfalls sind es uralte Zeugnisse der Anfänge der Sculptur." So weit der Re- ferent, und man ersieht also aus diesem Bericht, daß wir hier wieder den Spuren eines uralten Steinopfers und darauffolgenden Volksfestes begegnen. Was den „Zappelmann" mit ausgestreckten Armen und Beinen betrifft, so bietet er allerdings ein Zeugniss der genannten Art und mögen sich wohl noch viele dergleichen hier und da vorfinden, namentlich aber fiel mir, als ich das obige las, dabei alsbald die ganz ebenso gebildete, aus dem deutschen Heidenthum stammende männliche KLEINE BEITRÄGE. 455 Figur ein, welche unmittelbar über dem Haupteingange der Kapelle zu Belsen zu sehen ist. Einer zweiten, oberhalb derselben befindlichen Figur hängen dagegen die Arme am Leibe herab. Eine genaue Ab- bildung dieser Seite der Kapelle bietet Theophil Kupp in seiner Ab- handlung „Aus der Vorzeit Reutlingens und seiner Umgegend. Ein Beitrag zur deutschen Alterthumskunde." Zweite Aufl. Stuttg. 1869. Tafel in zu S. 72. Etwas größer dargestellt sind die^e Figuren in J. W. Wolfs Beiträgen zur deutschen Myth. Gott, und Leipz. 1852. Bd. I Tafel IV zu S. 111. IL Das Brücken spiel. Mannhardt in seinem Aufsatze über dieses Spiel (Ztschr. f. d. Mythol. 4, 301 ff.) gibt unter Nr. 21 S. 311, nach Grundtvig) folgende Beschreibung, wie dasselbe auf Fünen gespielt wird: „Zwei Kinder stellen sich einander gegenüber und fassen sich bei den Händen. Sie verabreden, wer von ihnen Sonne (sol) und wer Mond (maane) sein soll. Die andern Kinder stellen sich in eine Reihe und gehen, sich eins hinter dem andern bei den Kleidern anfassend, gebückt unter den Armen von Sonne und Mond hindurch, wobei sie singen: „Sol og maane gaar Verden om kring, — Kejserens datter, den lange kvind u. s. w." .... Während der letzten Worte müssen Sonne und Mond darauf achten, daß sie einen von der Reihe fangen und ihn im schwarzen Kessel, in der Öffnung zwischen ihren Armen zurückbehalten. Der Gefangene wird gefragt, ob er zu Sonne oder Mond kommen will. Er antwortet leise. Sind alle gefangen und vertheilt, so ruft die Sonne: *kom alle mine sole!' und der Mond 'kom alle mine maaner!' Nun entsteht ein Kampf derart, daß jeder von beiden mit seinem Gefolge an einen Stock fasst, und an diesem wird so lange hin und hergezogen bis einer von beiden Theilen ihn fahren lässt." Mannhardt bemerkt dann unter anderem (S. 318): „Falls die goldene Brücke unseres Spieles überhaupt als Todtenbrücke zu fassen ist, steht sie jedenfalls in keiner näheren Beziehung zu der nordischen Vorstellung von Hei, Unterwell, vielmehr ist eine Brücke über das himmlische Gewässer oder den Luftstrom gemeint, wie aus der Aufführung von Sonne und Mond an Stelle des Himmels und der Hölle hervorgeht.'^ Wie es sich nun auch damit verhalte, so wird es nicht uninteressant sein, auf zwei ähnliche Kinderspiele des alten Griechenlands hingewiesen zu werden, namentlich deß wegen, weil bei dem einem derselben gleichfalls die beiden Parteien d^m Tage und der Nacht (also der Sonne und dem Monde) angehören. Pollux Gnom. 9, 111 (p.'388 Bekker) erwähnt nämlich unter den Spielen auch „das Scherbenspiel" (6isch I, .591'\ ^) ' Gude man heißen im 1.5. 16. Jh. auch Edelleute, die keine Ritter waren. Vgl. Neocorus ed. Dahl- mann 1, 496-498.' Grimm RA 294. BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT DER ERSCHEINUNGEN AUF DEM GEBIETE DER GERMANISCHEN PHILOLOGIE IM JAHRE 1872. VON KARL BARTSCH*). I. Begriff und Geschichte der germanischen Philologie. 1. Bartsch, Karl, Constant Philipp Serrure. — Hans von Aufseß. — Arvid August Afzelius. Germania 17, 255 f. 2. Asbjörnsen. — Larsen, Alfr., Peter Christen Asbjörnsen, en literar- biographisk Skitse. Med Tilla^g af en bibliograf. Oversigt ved J. B. Halvorsen. Til Privat- Uddeling. 4. (54 S.) Christiania 1872. (Mit Bildniss.) 3. Gervinus — Gervinus, Autobiographische Skizze. Germania 17, 125—128. 4. Kri-egk, G. L., Eine Autobiographie von Gervinus, Allgemeine Zeitung 1872, Beilage vom 29. Febr. 1872. Im J. 1827 in Heidel- berg geschrieben. 5. Grimm, Jacob. Von K. Gödeke. In: Göttinger Professoren. Ein Beitrag zur deutscheu Cultur- und Literär- geschichte in acht Vorträgen, Gotha 1872. 8., S. 167-204. 6. Koch. — Zur Erinnerung an Dr. Friedr. Koch, weil. Professor zu Eisenach. 8. Eisenach 1872. Bacmeister. Yß Rthlr. 7. Nekrolog von Fr. Koch. Unsere Zeit 1872, 24. Heft, S. 860. 8. Lyngby. — Berg, C, Minder om sproggranskeren K. S. Lyngby, samlede. 8. (VI, 135 S.) Köbenh. 1872. (Saertryk af Tidskrift for Philologi og Psedagogik X.) Mit Bildniss. 9. Mone. — Mone, Fr., Fr. Joseph Mone und seine Ankläger. 8. (65 S.) Freiburg i. B. 1872. Dilger. Bezieht sich auf Mone's Amts Verwaltung. Vgl. Sybels historische Zeitschrift 14, 4, 449 f. 10. Schleicher. — Whitney, Prof. William D., strictures on the views of August Schleicher, respecting the nature of language and kindred subjects. Transactions of the American philological association 1871. 11. Schmeller. — Schönwerth, J. A. Schmeller und die Bearbeitung der bairischen Mundarten. 8. Stadtamhof 1872. *) Mit der gewohnten Unterstützung: nur ist an Stelle meines leider erkrankten Freundes E. Verwijs Herr Dr. Verdam getreten. 462 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 12. Sermre. — H(ellwald), F. v., Coustant Philipp Serrure. Allgemeine Zeituug 1872, Beilage Nr. 130. 13. Uh.laiid. — Bernays, M., Uhland als Forscher germanischer Sage und Dichtung. Im neuen Reich 1872, S. 81—96. 14. Wackernagel, W., ein Brief an G. F. Beuecke nebst Bemerkungen desselben zum Iwein, mitgetheilt von W. Müller. Germania 17. 120 — 125. 15. Hildebrand, K. , Bericht über die Sitzungen der germanistischen Section auf der 28. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Leipzig, 22.-25. Mai 1872. Germama 17, 372—384. 16. Braune, W., Bericht über die Verhandlungen der germanistischen Section der XXVIII. Philologenversammlung zu Leipzig. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 238—242. 17. Bartsch, K., Übersicht der Vorlesungen über deutsche Sprache und Litteratur an den Universitäten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz im Sommersemester 1872, und Wintersemester 1872/73. Germania 17, 253 — 255. 506 — 508. II. Hauds ch r i f t e nkun d e und Bibliographie. 18. Keller, H. A, v., altdeutsche Handschriften, verzeichnet. (S. 29 — 37.) 8. Tübingen 1872. 19. Schultz, Alwin, aus Handschriften der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Breslau. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1872, März und April. Darin auch ein deutsches Gedicht und ein deutsches Räthsel. 20. Deutsche Handschriften aus dem britischen Museum. In Aus- zügen herausgegeben von Dr. Jacob Baechtold. 8. (172 S.) Schaffhausen 1873. Baader. Vgl. Göttinger Gelehrte Anzeigen 1873, Nr. 26 (Wilken). 21. Jacobs, E., kleinere Mittheilungen aus den gräflich Stolbergischen Archiven zu Ortenberg und Gedern. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, April — Juni. Darin ein geschichtliches Volkslied (1428 — 30;; Fragment einer Passionalhs. etc. 22. Wöber, F. X., altdeutsche Handschriften in Petronell. Germania 17, 461—462. 23. Czerny, Albin, die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Florian. Geordnet und beschrieben. 8. (VIII, 333 S.) Linz 1872. Ebenhöch. Vgl. Literar. Centralbl. 1873, Nr. 21. 24. Skladny, eine deutsche Handschrift (mit Facsimile). 17. Bericht der Philomathie in Neisse. Neisse 1872. 8. 25. Bartsch, Karl, bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie im Jahre 1871. Germania 17, 465—504. 26. Bartsch, Karl, Litteraturbericht. Germania 17, 108—114. 240—253. 27. Gosche, Richard, Übersicht der litterarhistorischen Arbeiten in den Jahren 1865—1869. Archiv für Litteraturgeschichte 2, 277—320. 582—607. n. HANDSCHRIFTENKUNDE etc. HI. SPRACHWISSENSCHAFT etc. 463 28. Bibliotheca philologica, oder geordnete Übersicht aller auf dem Gebiete der classischen Alterthumswissenschaft wie der älteren und neueren Sprachwissenschaft in Deutschland und dem Ausland neu erschienenen Bücher. Herausgegeben von Dr. W. Müldener. 24. Jahrg. 2. Heft und 25. Jahrg. 1. Heft, gr. 8. Göttingen 1872. Vandenhoeck und Ruprecht. ni. Sprachwissenschaft und Sprachvergleichung. 29. Geiger, L., Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft. 2. Band. (Aus dem Nachlasse des Verf.) 8. (VIII, 391 S.) Stuttgart 1872. Cotta. 3 Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 10. 30. Wackernagel, Wilh., über den Ursprung und die Entwickelung der Sprache. 8. (58 S.) Basel 1872. Schweighauser. 8 Ngr. In: Öffentliche Vorträge gehalten in der Schweiz. 8. Heft. 31. Schumann, Colmar, über den Ursprung der Sprache. Programm des Gymnasiums zu Burg 1872, S. 1 — 13. 32. Fauch er, Jul., Gedanken über die Herkunft der Sprache. Vierteljahrsschrift für Volkswirthschaft und Culturgeschichte. 9. Band. 1. Heft. 33. Lefmann, S., zur Geschichte der Sprachwissenschaft der neueren Zeit. Zeitschrift für Völkerpsychologie 7, 353 — 379. 34. Müller, Max, über die Resultate der Sprachwissenschaft. Vorlesung gehalten in der kaiserl. Universität zu Straßburg am 23. Mai 1872. 1. — 3. Auf- lage. Straßburg 1872. Trübner. gr. 8. (32 S.) 8 Ngr. Vgl. Literar. Centralblatt 1872, Nr. 26. 35. Müller Max, De uitkomsten van de wetenschap der taalkunde. 8. (31 S.) Groningen 1872. Noordhoff u. Smit. f. 0,50. Holländische Übersetzung von Nr. 34 durch G. Penoii. 36. Braun, A., die Ergebnisse der Sprachwissenschaft in populärer Dar- stellung. 8. (VII, 93 S.) Cassel 1872. Scheel. V« Rthlr. 37. Meyer, Gustav, die Familiengeschichte der Sprachen. Im neuen Reich 1872, Nr. 31, S. 169 ff. 38. Röntsch, J. , über Indogermanen- und Semitenthum. Eine völker- psychologische Studie. 8. (VI, 274 S.) Leipzig 1872. Hinrichs. IV3 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1872, Nr. 34; Wiss. Beilage zur Leipziger Zeitung Nr. 22. 30. 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Traduit sur la 2* Edition et prec^d^e 464 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. dmtioductions par Michel Br^al. T. IV. 8. (XXXII, 431 S.) Paris 1872. Hacbette. Vgl. Journal des Sarans 1873, August (Egger). 43. Windisch, E., über Ficks vergleicheudes Wörterbuch der indo- germauischeu Sprachen. Zeitschrift für vergleichende Spracliforschung 21. 44. FickjA., etymologische Beiträge. Zeitschrift für yergleichende Sprachforschung 21, 1 — 16. 45. Hovelacque, Ab., les racines vabh, vap et Tallemand weben. ReTue de Linguistique T. VI, f. 1. 4G. Hovelacque, Ab., Tallemand geben. Revue de Linguistique T. VI, f. 1. 47. Bergmann, F. W^., sprachliche Studien. 3. — 5. Serie. 8. Straßburg 1872. Trübner. % Rthlr. 48. Lidforss, V. Edv., tili läran om spräkljuden. Tidskrift for Philologi og Paedagogik 10, 300—310. 49. Culmann, F. W., das Geheimniss des spiritus asper. Eine Mitthei- lung aus der Schrift: Versuch einer Erklärung der Zahlwörter. 8. (23 S.) Leipzig 1872. Fleischer. Vgl. Philol. Anzeiger 5. Bd. 5. 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Taal- en Letterbode III, 284—287. 79. Grein, C. W. M., das gothische Verbum in sprachvergleichender Hinsicht dargestellt. 8. (75 S.) Cassel 1872. Kay. 20 Ngr. GERMANIA. Neue Reihe. VI. (XVm.) Jahrg. 30 466 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. Vgl. Germania 18, 249 ff. (Möller); Liter. Centralblatt 1872, Nr. 51 (Braune); Götting. Gel. Anz. 1873, Nr. 8 (Wilken). SO. Loiiusbury, on certain forms of the euglisb verb whicb were used in tbe 16. and 17. centuries. Transactions of the American philological association 1869 — 70. 1871, 81. Bezz enbergcr , Adalb., Untersuchungen über die gotischen Adverbien und Partikeln. 8. (127 S.) Halle 1873. Waisenhaus. 25 Ngr. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 3; allgem. Literatur-Zeitung Nr. 29. 82. Brands tetter, J. L., die Suffixe in schweizerischen Ortsnamen. Der Geschichtsfreund 27. Band (1872). 83. Wigert, 0., om verbalafledningen pa -i inom de nordiska spraken. 8. (50 S.) Uppsala 1872. (Dissertation.) 84. Tobler, L.. über Auslassung und Vertretung des pronomen relativum. Germania 17, 257—294. 85. Burckhardt, F., der gothische Conjunctiv verglichen mit den ent- sprechenden Modis des neutestamentlichen Griechisch. 8. Tzschopau 1872. Raschke. 9 Ngr. Vgl, Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 455 — 459 (Erdmann); Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 1 (Wilken), 86. Burckhardt, F., der Gebrauch des Conjunctivs bei Ulfilas. 8. (36 S.) Grimm 1872. Leipziger Dissertation. 87. Kölbing, E., „enti'' den Nachsatz einleitend. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 347 — 349. V. Lexicographie. 88.' Grimm, Jacob, und Wilh. Grimm, Deutsches Wörterbuch. Fort- gesetzt von Rud, Hildebrand und K. Weigand. 4. Band 5. Lief. (Fuscher — Galmei). 4. Bd. 2. Abth. 5. Lief. (Helge — Hervorstrecken.) Leipzig 1872. Hirzel. ä 2/3 Rt^ilr. 89. Lexer, Prof. Dr. Matthias, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum mittelhochdeutschen Wörterbuche von Benecke-Müller-Zarncke. 6. — 8. Lief. (1. Bd. XXIX S. und Sp, 1065 — 2268, 2. Bd., Sp. 1—320). Leipzig 1872. Hirzel. a 1 Rthlr. Vgl. Germania 18. 366—381 (Witzschel); Keusch, theolog. Literaturblatt 1872, Nr. 20 (Birlinger). 90. Dietz, Ph., Wörterbuch zu Martin Luthers deutschen Schriften. 2. Bd. 1. Lief. (S. 1—208.) Leipzig 1872. Vogel. 1 Vq Rthlr. f Vgl. Theolog. Literaturblatt 1872, Nr. 25 (Birlinger;; Theolog. Jahresbericht 9. Heft, 91. Schiller, Karl, und Aug. Lübben, mittelniederdeutsches Wörter- buch. 1. und 2. Heft. (S. 1 — 256.) Lex. 8. Bremen 1872 — 73. Kühtmann. a % Rthlr. Vgl. Germania 17, 103-105 (Schröder); Zeitschrift f. d. Philol. 4, 107—115 (Woeste) ; Götting. Gel. Anzeigen 1872, Nr. 12 (Wilken, der hier auch eingehend über Altvile handelt); Literar. Centralblatt Nr, 45; Herrigs Archiv 50, 463 f.; österr, Wochen- schrift Nr. 45; Kölnische Zeitung Nr. 11; Zeitschrift f. d, Gymnasialwesen 1873, 1, Heft (Wilmannsj; Blätter f. literar. Unterhaltung Nr. 9; Deutscher Sprachwart 7. Bd. 7. Heft; ^ Europa 1871, Nr. 51, 92. Vries, M. de, en wijlen L. A. te Winkel, Woordenboek der Neder- | landsche Taal. 1. reeks. aflev. 10: Afsluiten — Afstrijden. — 2. reeks, aflev. 5 V. LEXICOGRAPHIE. 467 (von M. de Vries und E. Verwijs): Omtrek — Omzakken. 's Gravenhage 1872. Nijhoff. ä 16 Ngr. 93. Cosijn, P. J. , en E. Verwijs, Woordenboek der Nederlandsche taal. 3. reeks, aflev. 1: G — Galeas. Ebenda. 16 Ngr. 94. Dale, J. H. van, Nieuw Woordenboek der Nederlandsche Taal. A— Punter. 's Gravenhage 1872. Nijhoff. f. 4,00. 95. Oudemans; A. C. , Bijdrage tot een Middel- en Oudnederlandsche Woordenboek. Uit vele glossaria en andere bronnen bijeenverzameld. 8. Aflev. 5 en 6. Arnhem 1872. van Marie, f. 4,75. 96. Vries, M. de, en L. A. te Winkel, Woordeiiiijst voor de spelling der Nederlandsche Taal. 2* uitgave, door den eerstgenoemdeu bewerker herzien en vermeerderd. 's Gravenhage 1872. Nijhoff. f. 1,35. 97. Kern, H., germaansche woorden in latijnsche opschriften van den Beneden-Rijn. Verslagen en Mededeelingen der koninkl. Akademie van Wetenschapen 1872. 98. Leo, Heinrich, angelsächsisches Glossar. 1. Abth. (XVI S. und 480 Sp.) 8. Halle 1872, Waisenhaus. 2y2 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1872, Nr. 44; Athenaeum 2346; Saturday Review 868. 99. Mätzner, Ed., altenglische Sprachproben. 2. Band: Wörterbuch. 1. Lief. Lex. 8. (128 S.) Berlin 1872. Weidmann. 1 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 11. 100. Stratmann, Francis Henry, a dictionary of the Old English lau- guage. Compiled from writings of the XH., XUL, XIV. and XV. centuries. Part H. 4. London 1872. Trübner. 101. Halliwell, J. 0., a dictionary of archaic and provincial words. 7**" edition. 2 vols. 8. (996 S,) London 1872. Smith. 15 sh. 102. Chambers's Etymological dictionary of the English language. 8. London 1872. Chambers. 4 sh. 103. C h am b er s's English Dictionary, pronouncing, explanatory and ety- mological with vocabulary of scottish words and phrases, Amcricanisms etc. Edited by James Donald. 8. (958 S.) London 1872. Chambers. 10 sh. 104. Wedgwood, Hensleigh, a dictionary of English etymology. Second edition , thoroughly revised and corrected by the author , and extended to the classical roots of the language. With the assistance of the Rev. J. C. Atkinson. Part. 2 — 5. London 1872. Trübner. 105. Cleasby, Richard, an icelandic-english dictionary, enlarged and completed by Gudbrand Vigfusson. Part 2: hata — rid. 4. (S. 241 — 496.) Lon- don 1871. Macmillan. 21 sh. 106. Thorkelsson, Jon., svar til skolakennara Halldors ks. Fridriks- sonar um ordtoekid ad lysa yfir cinhvcrju og um ordmyndirnar met, mat, mat. 16. (31 S.) Reykjavik 1871. 107. 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Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 141 — 143. 12G. Miüllenhoffj, K., uuära und uuara. Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 148 — 156. 127. Förstemann, Ernst, altdeutsches Namenbuch. 2. Bd. 2. völlig neue Bearbeitung. (Schluß.) 4. Nordhausen 1872. Förstemann. Vgl. Theolog. Literaturblatt 1872, Nr. 25 (Birlinger); wissenschaftl. Beilage d. Leipziger Zeitung Nr. 86; Kölnische Zeitung 1873, Nr. 190. 128. Obermüller, Wilhelm, Deutsch-keltisches, geschichtlich-geographi- sches Wörterbuch zur Erklärung der Fluß-, Berg-, Orts-, Gau-, Völker- und Personennamen Europas, West- Asiens und Nord-Afrikas im Allgemeinen, wie Deutschlands insbesondere. Nebst den daraus sich ergebenden Folgerungen für die Urgeschichte der Menschheit. 13. — 17. (Schluß-)Lieferung. 8. Leipzig 1872. Denicke. • V. LEXICOGRAPHIE. 469 129. Latendorf, Fr., wirkliche und fingierte Ortsnamen in appellati- vischer Verwendung. Germania 17, 305 f. 130. Bück, M., Beiträge zur deutschen Ortsnamenforschung. Germania 17, 449—452. 131. Birlinger, A., Straßburger Gassen- und Häusernamen. I. Alemannia I, 163—172. 132. Bück, M., über oberschwäbische Orts- und Familiennamen. 4. (1872.) 133. Bück, M., hohenzollernsche Ortsnamen. Mittheilungen des histor. Vereins in Hohenzollern 1871 — 72. 134. Bazing und Ganzhorn, zur Ortsnamendeutung. Büttelbronn. Zeitschrift des Vereins für das würtemb ergische Franken 9. Bd., 2. Heft (1872). 135. Much, Dr. M., über Ortsnamen in Niederösterreich. Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich. N. F. 6. Jahrg. Wien 1872. — Dazu: Zur Abwehr, von Dr. V. Göhlert: ebenda; gegen jenen Aufsatz gerichtet. 136. Pichler, Dr. Friedr. , die keltischen Namen der römischen In- schriften Kärntens. Archiv f. vaterländ. Geschichte. Herausgeg. von dem Geschichtsvereine für Kärnten. 12. Jahrg. 1872. 137. Ender, Pastor, Nachträge zu den Ortsnamen der Görlitzer Haide. Neues Lausitzisches Magazin 49. Bd. 1872. 138. Beyersdorff, slavische Städtenamen in Schlesien, Rübezahl 1872, Heft 8—9. 139. Mi eck, Orts- und Flußnamen im Trierschen. Jahresbericht der Gesellschaft f. nützliche Forschungen in Trier 1872, S. 46 ff. 140. Eckerdt, über englische Ortsnamen. Programm der Realschule zu Harburg 1871. 141. Rupp, Theophil, über die Bedeutung von Alm. Germania 17, 297—304. 142. Kil lisch, Dr., Berlin, der Name der deutschen Kaiserstadt, sprach- lich, geographisch und geschichtlich erklärt. 8. Berlin 1872. Lesser. 2Yo Ngr. 143. Jeitteles, A., Graz oder Graz? Eine Streitfrage. 8. Graz 1872. Abdruck aus den Mittheilungen des histor. Vereins für Steiermark, 20. Heft. 144. Meyer, J., Klettgau. Grenzen, Name. Alemannia I, 173 — 185. 145. G., A., die Bedeutung des Namens Schweiz. Das Ausland 1872, S. 22 f. 146. Die Bedeutung des Namens der Schweiz. Deutscher Sprachwart 6. Bd., Nr. 24. 147. Jacobi, V., topographische Erklärung der Silbe Teut in saltus Teutoburgensis. Deutscher Sprachwart 6. Bd., Nr. 13. 148. 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Der gehörnte Siegfried 1 Ngr. 294. Abenteuer und Thaten, die seltsamen, des Kaiser Octavianus, Eine merkwürdige und unterhaltende Geschichte aufs Neue fürs Volk erzählt. 8. (64 S.) Reutlingen 1872. Enßlin und Laiblin. 2 Ngr. 478 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 295. Schotcl, G. D. J., vaderlandsclie volksboeken en volkssprookjes van de vroegste tijdeu tot het eindc der 18® eeuw. 8. 1* Doel. Ilaarlem 1872. Kniseman. 29G. Pleasant history of Rcynard the Fox. Translated by J. Roscoe. 4. 1872. 7^'., sh. 297. Birliuger, A., Zeuguisse zu den Volksbücliern. Germania 17, 92—94. 298. Der Aberglaube unserer Zeit. Ilhistrirte Zeihmg Nr. 1519. 299. Rochholz, E. L., das Lcbkucheuhaus. Zur Geschichte der Festbrode. Zeitschrift tur deutsche Culturgeschichte N. F. I, 161—181. 300. Floß, H. , die Glückshaube und der Nabelschnurrest; ihre Bedeu- tung im Volksglauben. Zeitschrift für Ethnologie 4. Jahrgang. 3. Heft (1872). 301. Birlinger, A., elsäßischer Volksaberglaube. I. 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Agentur des Rauhen Hauses. 8 Ngr. X. Alterthümer und C u 1 1 u r tr e s c h i c li t e. 318. Wackernagel, Wilhelm, Kleinere Schriften. 1. Bd. Abhandlungen zur deutschen Alterthumskunde und Kunstgeschichte. Mit einer lithogr. Tafel. 8. (VIH, 434 S.) Leipzig 1872. Hirzel. 27^ Rthlr. Vgl. Germania 18, 381 ff. (Wilken); theolog:. Literaturl)latt Nr. 1.', (Rndloff); Gott. Gel. An/. 1S73, Nr. 14 (Waitx); Literar. llandweiser Nr. 131; Saturday Review 918; Trübners Record Nr. 92 f.; Bl. für literar. Unterhaltung Nr. IG (Rückert^; AIl- gem. Lit. Anzeiger Nr. 73; Köln. Zeitung 1872. Nr. 311. 319. Strobl, J., deutsche .Alterthumskunde. Österreichische Wochen.schrift N. F. 1872, 8. lieft. Anknüpfend an Müllenlioff. 320. Geffroy, A., les origines du Germanisme. H — IV. Revue des deux mondes 97. Bd., S. 96—122; 99, 1.59 ff.; 350 ff. 321. Tacitus' Germania, Agricola etc. with notes edited by Dr. W. Smith. Ü"' edition. 12. (374 S.) London 1872. Murray. 3 '/„ sh. 322. 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Nach den in öflent liehen und Privatsammlungen befindlichen Originalien zusammengestellt und heraus- gegeben von dem römisch-germanischen Centralmuseum in Mainz durch dessen Conservator L. Lindenschmit. 3. Bd., 1. u. 2. Beilage-Heft. gr. 4. (XVI und S. 1 — 47 mit Abbildungen.) Mainz 1872. v. Zabern. 329. Crüger, G. A., k. preuß. Baurath, über die im Regierungsbezirk Bromberg (Alt-Burgund) aufgefundenen Alterthümer und die W^andcrstraße röuii- scher, griechischerj gothischer und keltischer Heere von der Weichsel nach dem Rheine. Mit einem Anhango : über die Verbindung einiger Gesänge der Edda mit der positiven Geschichte. 8. Mainz 1872. v. Zabern. 330. Steudel, A. , über die Pfahlbauten. Vortrag. 4. Lindau 1872. Stettner in Comm. 12 Ngr. 331. Fergusson, James, on rüde stone monuments in all countries: their ages and uses. London 1872. 24 sh. Vgl. Edinburgh Review 1872, Juli S. 186—202; Saturlay Review 13. April; Aeademy Nr. 51. 480 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 332. 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Taal- en Letterbode III, 209—218. 421. xMaurer, K. , die Entstehungszeit der älteren Gulaf)ingslög. 4. München 1872. Franz in Comm. 24 Ngr. Aus den Abhandlungen der Münchener Akademie. XTII. Litteraturgeschichte und Sprachdenkmäler. 422. Koberstein, August, Grundriß der Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 5. umgearbeitete Aufluge von K. Bartsch. 1. — 3. Band. gr. 8. (X, 454; 336; X, 498 S.) Leipzig 1872. F. C. W. Vogel. Vo^l. Literar. Centralblatt 1872, Nr. 42; Literar. Haiidweiser Nr. HO; Academy 1873, Nr. 70(Ethe); Grenzboten 1873, Nr. 1 (Riickert); Allorem. Zeitung 1872, Nr. 161; Nordd. Allgeiu. Zeitung Nr. 1.34; Weser Zeitung 9197 f.; 9204; Schles. Zeitung Nr. 306; 466; Köln. Zeitung 222; 252; 313 (Bacmeister) ; Im neuen Reich II, 279 f.; Schwab. Merkur Nr. 190; Magazin f. d. Liter, des Auslandes Nr. 37; 1873, Nr. 1; Presse 1872, Nr. 209; 1873, Nr. 57; N. freie Presse Nr. 2894. 423. Gervinus, G. G., Geschichte der deutschen Dichtung. 3. Bd. 5. Auf- lage, herausgeg. von K. 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Gerold in Comm. iVg Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 4 (W. Braune); Götting. Gel. Anzeigen Nr. 35 (Wilken). 494. Wilken, E., zum Muspilli. Ein Ordnungsversuch. Germania 17, .329—335. 495. Wilken, E., das Wessesbrunner Gebet. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 313 — 315. 496. Wilken, E., zum Hildebrandslied V. 50 — 52 M. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 315, 496". Vgl. Nr. 482. 497. Tatian, Lateinisch und altdeutsch mit ausführlichem Glossar herausg. von E. Sievers. 8 ^X, 493 S.) Paderborn 1872. Schöningh. 2 Rthlr. 4 Ngr. Bibliothek der ältesten deutschen Literatur-Denkmäler 5. Bd. Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 4. 473—478 (Steinmeyer); Liter. Centralblatt 1872, Nr, 44, 498. Wein hold, K., über die Bruchstücke eines fränkischen Gespräch- büchleins. 8. Wien 1872. Gerold in Comm. Aus den Sitzungsberichten der Akademie. 499. Hoff mann, Emanuel, Glossae Mellicenses. Germania 17, 18-27. 500. Steinmeyer, E., zu den Virgilglossen. Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 110 — 111. 501. Steinmeyer, E., Glossen zu Prudentius. Ebenda 16, 1-104. 502. Sievers, E., Glossen zu Prudentius. Ebenda 16, 517—532. 503. Sievers, E,, Glossen zu Walafrid Strabus. Ebenda 16, 532—534. 504. Steinmeyer, E., Glossen. Ebenda 16, 534-541. C. Mittelhochdeutsch. 505. Simrock, Karl, Dichtungen. 8. Berlin 1872. Lipperheide. Enthält u. a. Otto im Barte S. 37 ff, in strophischer Bearbeitung; S. Silvester S, 61 flF. (ebenso); Salomon und Morolf S. 105 ff., nach dem jungem Gedichte; Dr. .Joh. Faust S. 403 flF. nach dem Puppenspiel. Vgl. Novellen-Zeitung 1872, Nr. 51; lUustr. Zcituner Nr. 1537; Schwäbische Chronik 1873, Nr. 237. 506. Haupt, M., Ährenlese. Zeitschrift f, deutsches Alterthum 15, 467 — 469. 507. Alpharts Tod. In erneuerter Gestalt von K, J. Schröer. Archir f. d. Studium der neueren Sprachen 50, 59 — 82. 508. ApoUoDius. — Griseldis. Apollonius von Tyrus Aus Hand- schriften herausgeg. von C. Schröder. 8. (XCH 153 S.) Leipzig 1873. T. O. Weigel. XIII. C. MTTELHOCHDEUTSCH. 491 Mittheilungen d. deutschen Gesellschalt in Leipzig 5, Bd. Vgl. Blätter für lilerar. Unterhaltung 1873, Nr. 37. 509. Arzneibuch. — Haupt, Jos., über das mitteldeutsche Arzneibuch ded Meisters Bartholomäus. 8. (118 S.) Wien 1872. Gerold in Comm. 2/3 Rthlr. Aus den Sitzungsberichten der Akademie. 510. Benedictiuerregel, Hohenfurtor. Von W. Schcrcr. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 224—270. 511. Ein bispel aus einer Gothaischen Handschrift. Von K. Regel. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 315 320. 512. Buoch, der tugendc. Von K. Hofmann. Germania 17, 51 — 55, 513. Buch der Märtyrer. — Haupt, Jos., über das mitteldeutsche Buch der Märtyrer. 8. (90 S.) Wien 1872. Gerold in Comm. H Ngr. Aus den Sitzungsberichten der Wiener Akademie. Vgl. Allgera. Liter. Zeitung 1873, Nr. 21. 514. Cecilia, Sant. Von A. Schönbach. Zeitschrift f. deutsches Alterthum ITi, 1(55— 223. 515. Chroniken, die, der deutscheu Städte vom 14. bis ins 16. Jahr- hundert. 10. Band. 8. Leipzig 1872. Hirzel. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 20; Blätter f. liter, Unterhaltung Nr. 45 (Rückert); Historische Zeitschrift 15, 3, 187 ff. 516. Basler Chroniken. Herausgegeben von der historischen Gesell- schaft in Basel. 1. Bd. Herausgeg. von W. Vischer und A. Stern. Unter Mit- wirkung von M. Heyne. 8. Leipzig 1872. Hirzel. 3% Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 20; Wissenschaftl. Monatsblütter Nr. 1. 517. Bernouilli, August, die Luzerner Chronik des Melchior Ruß. 8. (102 S.) Basel 1872. Vgl. Historische Zeitschrift 16, 3, 192 ff. 518. Liebrecht, F., die Zimmerische Chronik. Zeitschrift f. deutsche Culturgeschichte 1872, S. 291—308, 519. Ebnerin. — Lochner, G. W. K., Leben und Geschichte der Chri- stina Ebnerin, Klosterfrau zu Engelthal. 8. Nürnberg 1872. Recknagel. Führe ich hier wegen des Zusammenhangs mit der Nonne von Engelthal (Biblio- graphie von 1871, Nr. 544) an, 520. Christina Ebnerin und das Kloster Engelthal. Historisch-politische Blätter 70. Bd. 11. Heft, S. 895 ff. Anknüpfend an Schrö- der und Lochner, 521. Eckhart. — Predigten von Meister Eckart. Von E. Sievers. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 15, 373 — 439. 522. Euler, Justizrath Dr., Meister Eckhart in Frankfurt. Archiv f. Frankfurter Geschichte und Kunst, N. F. 5. Bd. Frankfurt 1872. 8. 523. Elucidarius. Von K. Schröder. Germania 17, 408 f. 524. Erlösung. — Weigand, K., Büdinger Bruchstücke der Erlösung. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 15, 506 — 510. 525. Erzählungen und Schwanke. Herausgegoben von Hans Lambel. 8. (XVI, 358 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. Deutsche Classiker des Mittelalters 12. Band. Vgl, Germania 17, 249; Blätter f. literar. Unterhaltung 1872, Nr. 39; Academy Nr. 50; Allgem. Zeitung, Beilage Nr. 65; Österr. Wochenschrift Nr. 33 (Rathai); Wiener Presse vom 9. April (mit einer Über- setzung der Wiener Meerfahrt von H. Gr.). 526. Köhler, R., das altdeutsche Gedicht 'der Busant' und das alt- französische L'Escoufle . Germania 17, 62—64. 492 BlBLTOGR.\PniE VON 1872. 527. Bech, F., zu dem vun M. Haupt heiausgegebeueu Gedicht: voo dem übclen Weibe. Germania 17, 41 — 50 528. Frauenlob. — Birlinger, A., zu Heinrich von INIeissen, genannt Fraucnlob. Alemannia I. 185 f. Zu Spruch 335, 1: Erklärung von viüche. 529. Fridankes Bescheidenheit von H. E. Bezzenberger. 8. (XIV, 469 S.) Halle 1872. Waisenhaus. 2 % Rthlr. Virl. Zeitschrift f. deutliche Thiloloj^ie 4, ^78 480 (Paul); Literar. Centralblatt Nr. 29 (Paul); Zeitschr. f. d. österr. Gymnasien 1873, S. 473 ff. (Schönbach); Revue critique Nr. 29: Academy Nr. 69; Blätter f. d. bayer. Gymn. 8. Bd. 10. Heft; AUgem. Liter. Zeitung: Nr. 23; Theolog. Jahresbericht 6. Heft; N. Preuß. Zeitung Nr. 149. 530. Gedicht. — Birlinger, A., Bruchstücke eines unbekannten nieder- rheinischen Gedichtes. Germania 17, 441 — 442. 531. Schröder, K., Carmen sponsae. Germania 17, 357 — 358. Niederrheinisch. 532. Wattenbach, W., Gedichte aus einer Lübecker Handschrift. Germania 17, 181 — 190 533. P. Gall Morel, die zwölf Monate, Aus einer Einsiedler Hs. des 1 5. Jahrhs. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1872, Sp. 215 216, 534. Greiff, B., Nein und Ja. Germania 17. 442—443. 535. Gottfried von Strassburg. — Paul, H., zur Kritik und Erklärung von Gottfrieds Tristan. Germania 17, 385—407. 5.36. Schröder, K., Bruchstücke einer Handschrift von Gottfrieds Tristan Germania 17, 462. 537. Griseldis s. Apollonius. 538. Hartmann. — Scheins, Dr. Martin, ist Hartmann der Alte der Verfasser des Linzer Entecrist? Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 157—164. 539. Hartmann von Aue. — Egg er, Josef, Beiträge zur Kritik und Erklärung des Gregorius Hartmanns von Aue. gr. 8. (44 S.) Graz 1872. Separatabdruck aus dem Grazer Gymnasialprogramm 1872. Vgl. Zeitschrift f. d, österr. Gymnasien 1873, 426ff. fJ. Schmidt); Zeitschrift f deutsche Philologie 5, 116 ff. (Schönhachi; Revue critique 1873, Nr. 24; Blätter f. liter. Unterhaltung, Nr. 28. 540. Schröder, K., und K. Bartsch, Bruchstücke von Hartmanns von Aue Gregorius, Germania 17, 28—39. 541. Bieling, über eine Handschrift der Gregoriuslegende. Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 47, 452. Prosaauflösung. 541'. Zum Iwein vgl. Nr. 14. 542. Mus hacke, Dr, Herrn., Keii der kätspreche in Hartmanns von Aue Erec und Iwein. 8. ^40 S.) Berlin 1872. Rostocker Dissertation. 543. Heinrich von München. Hester. Von C. Schröd(;r. Archiv f. d. Studinm der neueren Sprachen 60, 311—318. 544. Heinrich von Veldeke. — Braune, W. , Untersuchungen über Heinrich von Veldeke, Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 240— 304.| XIU. C. MITTELHOCHDEUTSCH. 493 545. Hesler. — Steffeuhagen, E. , eiu Bruchdlück aus H. lleslera Apokalypse. Altpreußische Mouatsschrift y. Bd. 3. Heft. 54ü. Bruchstücke eines altdeutschen Gedichtes aus dem 12. Jahrh. Mitgetheilt von J. G. Stotfel. Alsatia 1868-1872, S. 435-441. Scheint uiir aus Heslers Apokalypse, also nicht „aus dem 12. Jahrh." Sehr fehlerhaft p^elesen; so 8. 437 gedeidit f. gecleidit; deit f. cleit : irarvbin = in trubin; S. 438 schüiinde f. schiuinde etc. Mitteldeutsch ist das Bruchstück jedesfalls 547. Kistener. — Wülcker, R., zu Kunz Kistener. Germania 17, 55 — Gl. 548. Kudnin. Herausgegeben und erläutert von E. Martin. 8. (LH, 387 S.) Halle 1872. Waisenhaus. 1% Rthlr. Germanistische Handbibliothek von J. Zacher, 2. Bd. Vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 356—364 (Hildebrand); Zeitschrift f. d. Gymnasialwesen S. 787 ff. (Wil- manns); Revue critique 1872, Nr. 33; Zeitschrift f. d. österr. Gymnasien 11. Heft; Academy Nr. 69; Blätter f. d. bayer. Gymnasien 9. Bd. 3. Heft (Groß). 549. Lamprecht. — Harczyk, J., zu Lamprechts Alexander. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 1—30. 146-173. 550. Marienlegenden, mitteldeutsche. Von A. Birlinger. Germania 17, 436-438. 551. Marienlied, ein. Mitgetheilt von H. Wittstock. Archiv des Vereines für siebeubürgische Landeskunde N. F. 10, 161 — 163. 552. Maurizius und Beamunt, zur neuesten Ausgabe von. Von F. Bech. Germania 17, 170 — 177. 553. Minnesänger. — Storck, W., Buch der Lieder aus der Minnezeit. 12. (426 S.) Münster 1872. Russell. V/i Rthlr. Vgl. Theolog. Literaturblatt 1872, Nr. 8; Spenersche Zeitung Nr. 79. 554. Tschiersch, Beurtheilung der von Gödeke aufgestellten Behaup- tung, daß Reiumar von Zweter und der Marner identisch seien. 4. (37 S.) Görlitz 187 2. Programm des Gymnasiums zu Luckau. 555. Neidhart. — Tischer, Eduard, über Nithart von Riuwental. 8. (53 S.) Leipzig 1872. Doctordissertation. 556. Gr abschritt auf Neidhait Fuchs. Von E. Stefienhagen. Germania 17, 40—41. Vgl. österr. Wochenschrift 1872, Nr. 13. 557. Nibelungenlied, das. Herausgegeben von K. Bartsch. 3. Aufl. 8. (XXVI, 420 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. Deutsche Classiker des Mittelalters. 3. Bd. 558. Nibelungen- und Kudrun-Lieder für Schulen ausgewählt. Her- ausgeg. von W. B. Mönnich. 3. Aufl. 8. (XU, 220 S.) Gütersloh 1872. Bertels- mann, '/g Rthlr. Vgl. Allgem. Literr. Anzeige Nr. 67; N. Preuß. Zeitung Nr. 239; Ceutralblatt f. pädag. Literatur Nr. 10; Würtemberg. Schulwochenbl. 1873, Nr. 12. 559. Das Nibelungenlied. Übersetzt von K. Simrock. 24. Aufl. 8. (XXXII, 385 S.) Stuttgart 1872. Cotta. 1 Rthlr. Vgl. Allgem. Zeitung 1872, Nr. 345. 560. Das Nibelungenlied übersetzt von 0. Marbach. 4. (Titel-j Auf- lage. 8. (LXX, 351 S.) Leipzig 1872 (1868). Senf. ^3 Rthlr. 561. Ruteuberg, E., zur Handschriftenfrage der Nibelunge Noth. Germania 17, 431—436. 494 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 662. Seyler, das Wappen Volkers, des Spielmanns von Alzei, und der Truchsessen von Alzei. Deutseber Herold. Zeitschrift für Heraldik etc, 3. Jahrgang (1872). 563. Passional s. Nr. 21. 564. Predigten, elsiißische. 14. Jahrhundert. Alemannia I. 60 ff.; 186 ff. 565. Mitteldeutsche Predigten. Von A. Jeitteles. Germania 17, 335 — 354. ^ 566. Predigtbrucbstücke. Von K. Hildebrand. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 281—288. 567. Predigtentwürfe. Von J. M. Wagner. Ebenda 15, 439-442. 568. Reimchronik, über die livländische. Von Leo Meyer. Baltische Monatsschrift 1872, 7. und 8. Heft. 569. Berkholz, G. , der Bergmannsche Codex der livländischen Reim- chronik. Sonderabdruek aus den Mittbeilungen aus dem Gebiete der Geschichte Liv-, Est- und Kurland, Bd. XII. H. 1. ßiga 1872. Kymmel. Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 483 f. (L. Meyer). 570. Meyer, L., über die in der livländischen Reimchronik enthaltenen Nachrichten von den Esten. Vortrag. 8. Dorpat 1872. 571. Höhlbaum, K., Job. Renners livländische Historien und die jüngere livländische Reimchronik. 1. Theil. 8. Göttingen 1872. Vandenhoeck in Comm. ^3 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1872, Nr. 49. 572. Höhlbaum, K., die jüngere livländische Reimchronik des Bartho- lomaeus Hcenecke. 1315 — 1348. 8. Leipzig 1872. Duucker und Humblot. ' Vgl. Literar. Centralblatt 1872, Nr, 49; Altpreuß. Monatsschrift 5. 6. Heft; Baltische Monatsschrift 11. 12. Heft. 573. Reinmar. — Arnoldt, R., zu Reinmar. MSF. 151, 24. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 71. 574. Rothe. — Witzschel, A., die erste Bearbeitung der düringischen Chronik von Joh. Rothe. Germania 17, 129—169. 575. Rdther, König. Herausgegeben von H. Rückert. 8. (XCVI, 278 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. Deutsche Dichtungen des Mittelalters, herausgeg. von K, Bartsch. 1. Band. Vgl. Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 1873, S. 168 -181 (Lambel) ; Götting. Gel. Anzeigen 1872, Nr. 18 fGödeke); 1873, , Nr. .30 (Wilken) ; Literar. Centralblatt Nr. .34; Beilage zum Reichsanzeiger Nr. 14; Magazin für d. Liter, des Auslandes Nr. 18; Aca- demy Nr. 50; Blätter f. literar. Unterhaltung Nr. 39; Schlesische Zeitung 274. 576. Rudolf von Ems. — Study, Dr. Karl, die Tambacher Pergament- bandschrift des Wilhelm von Orlens. 4. Coburg 1872. Gymnasialprogramm. 577. Schauspiel. — Bech stein, R., das Spiel von den zehn Jung- frauen, ein deutsches Drama des Mittelalters. Vortrag. 8. (58 S.) Rostock 1872. Kuhn. V3 Rthlr. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 37 (Rückert); Allgem. Zeit. Nr. 26; Jahrbücher f. Philologie 108. Bd. 6. Heft (Kluge). 578. Tanhauser. — Raab, Robert Ritter v. , die Thannhausen. Ein Beitrag zur Kunde von Salzburger Adelsgeschlechtern. Mit 1 Stammtafel. Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 13. Jahrg. (1872). 579. Tauler. — Johann Taulers Predigten. Nach den besten Aus- gaben in die jetzige Schriftsprache übertragen von Dr. Jul. Hamberger. 2. Aufl. 3 TheUe in 1 Bd. 8. Prag 1872. Tempsky. 1 Vj Rthlr. Xm. C. MITTELFIOCHDEUTSCn. 495 580. Johann Taulers Medulla anitnae oder von der Vollkommenheit aller Tugenden u. sämmtliche Briefe desselben. Nebst 10 Briefen gleichen In- halts des heil. Johannes vom Kreuz. Übersetzt und bearb. von Nicol. Caaseder. 2. Aufl. 8. Prag 1872. Tempsky. 10 Ngr. 581. Deutsche Männer des Elsaß: Johann Tauler von Straßbarg. Magazin f. d. Literatur des Auslandes 1872, Nr. 24. 582. Titurel. — Droysen, Ernst, der Tempel des heil. Gral nach Albrecht von Scharffenberg, jung. Titurel Str. 319—410. Mit 1 Tafel. 8. (5G S.) Bromberg 1872. Mittler. Vgl. Germania 17, 249; Zeitschrift für deutsche Pliilologie 4, 480—483 (Otto). 583. Lehmann, Dr., ein Besuch auf dem Karlstein in Böhmen. 8. Königsberg 1872. Aus der ostpreußischen Zeitung abgedruckt. 584. Tristan. — Bartsch, K,, Bruchstücke eines prosaischen Tristan- romans. Germania 17, 416—419. 585. Tyrol. — Wilken, E., die Überreste altdeutscher Dichtungen von Tyrol und Fridebrant. Gesammelt, herausgegeben und erläutert. 8. (44 S.) Paderborn 1873. Schöningh. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 20 (Selbstanzeige); Literar. Centralblatt Nr. 31 (Braune; dazu Sp. 1433 f.); Blätter f. d. bayer. Gymnasialschulwesen IX. 6; Allgem. Liter. Zeitung Nr. 36. 586. Ulrich von Liechtenstein. — Beckh-Widmannstetter, L., Ulrichs von Liechtenstein des Minnesängers Grabmal auf der Frauenburg. Mittheilungen des histor. Vereins für Steiermark 19. Heft, S. 199 ff.; auch separat Graz 1872. Vgl. Allgem. Liter. Zeitung 1872, Nr. 13. 587. Lind, Dr. K. , Ulrichs von Liechtenstein des Minnesängers Grab- mal auf der Frauenburg. Mit einem Holzschnitt. Mittheilungen der k. k. Central-Comraission 17. Jahrg. (1872). 588. Wildon. — Lind, K., das Grabmal (oder der Grabstein) Leutold's von Wildon in der Stiftskirche zu Stainz und die Siegel der Wildoner. ' Mittheilungen der k. k. Central-Commission 17. Jahrgang, Nov. Dec. 1872. 589. Walther von der Vogelweide. — Kemner, Gustaf Voldemar, Försök tili en kort framställning af Walthers von der Vogelweide lif och skal- deverksamhet. 8. (35 S.) Uppsala 1872. Dissertation. 590. Dahlke, G., die Heimat Walthers von der Vogelweide. Neue freie Presse 1872, Nr. 2776. 591. Thurnwald, A., Dichter, Kaiser und Papst. Walther von der Vogelweide als politischer Dichter. 8. (80 S.) Wien 1872. Braumüller. Vgl. Saturday Keview Nr. 886. 592. Rindfleisch, Walther von der Vogelweide in seiner Stellung zu Kirche und Papst. (13 S.) Programm des Gymnasiums zu Marienburg 1872. 593. Winsbeken, zum. Von E. Wilken. Germania 17, 410-416. 594. Wolfdietrich, zu. Von J. V. Zingerle. Germania 17, 207 — 208. 595. Wolfram von Eschenbach. Dritte Ausgabe von K. Lachmann. 8. Berlin 1872. Reimer. 596. W^olframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Heraus- gegeben von K. Bartsch 3. Theil. 8. (318 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. 496 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. Deutsche Classiker des Mittelalters 11. Bcand. Vgl. Blätter f. literar. Unterhal- tung 1S72, Ni. 39 (Kückert). 597. Suchier. H., über einige Handschriften von Wolframs Willebalm. Germania 17, 177 — 180. 598. Bartsch, K., Bruchstücke von Wolframs Willehalm. Germania 17, 443 — 444. 599. Suchier, H., Wolframs Willehalm als Volksbuch. Germania 17, 355 — 357. GOO. Urbach, Dr. Th., über den Stand der Frage nach den Quellen des Parzivals. 4. (39 S.) Programm des Gymnasiums zu Zwickau 1872. GOl. Wiehert, E., Parzival. Duuckers Souutagsblatt 1872, Nr. 14 ff. 602. Teicher, Fr., die Markpräfin von Haidstein. Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg. 28. Bd. (1872). • • 603. Brands, Sebastian, Narrenschiff. In neuhochdeutscher Übertragung von K. Simrock. Mit den Holzschnitten der 1. Ausgabe und dem Bildniss Brands aus Reusners Icones. 4. (XVII, 340 S.) Berlin 1872. Lipperheide. 4 Rthlr. Vgl. Alemannia 1, 223 (Birlinger); Gört. Gel. Anzeigen Nr. 27 (Gödeke; dazu Ale- mannia 1, 3. Heft), Literar. Handweiser Nr. 108 f.; Revue critique 1872, Nr. 2; wissen- scbattl. Beilage d. Leipz. Zeitung 1872, Nr. 100; Blätter f. liter. Unterhaltung Nr. 34 (Riickert); Zeitschrift f. d. luther. Theologie 1873, 1. Heft; D. Romanzeitung 1872, Nr. 4; Cölnische Nachrichten Nr. 272; Berliner Fremdenblatt Nr. 218; Allgem. Zeitung, Beilage 23: N. Preuß. Zeitung Nr. 14; Kölnische Zeitung Nr. 9; Novellen-Zeitg. Nr. 8; Deutsche Warte Nr. 6; Reform Nr. 66; Schles. Zeitg. Nr. 158; Weser-Zeitg. Nr. 9049; allgem. liter. Anzeiger Nr. 60; Dunckers Sonniagsblatt Nr 39; theolog. Jahresbericht 9. Heft. , 604. Crecelius, W., zu S. Brant und Geiler von Keisersber^. Alemannia 1, 102 ff. 605. Fischarts, Job., Übersetzung von W. Lazius „Wanderungen der Völker". Von W. Crecelius. Alemannia 1, 113 — 145. Dazu Lexicographische Vorrede Fischarts. Von Birlinger. S. 145-147. 606. Franck. — Feldner, A., die Ansichten Seb. Francks von Woerd nach ihrem Ursprünge und Zusammenhange. 4. (37 S.) Berlin 1872. Calvary. Va Rthlr. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 5. Programm der Dorotheenstädtischen Realschule in Berlin. 607. Gedichte. — Toppen, M., Volksthümliche Dichtungen, zumeist aus Handschriften des 15., 16. und 17. Jahrb. gesammelt. Ein Beitrag zur Geschichte der schönen Literatur der Provinz Preußen. 8. (108 S.) Danzig 1873. Bertling. 20 Ngr. Separatabdruck aus der Altpreußischen Monatschrift 1872. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 32. 608. Loblied auf Straßburg bei Gelegenheit der Hungersnoth im J. 1517 verfasst von G. Kienast. Mitgetheilt von Rud. Reuß. Alsatia N. F. 1868—1872. 609. Weller, E., ein Lied vom heil. Rock. Germania 17, 445 — 449 610. Luther. — Köstlin, über Luthers Geburtsjahr. Theologische Studien und Kritiken 1872, 1. Heft. XIII. D. ALTSÄCHSISCH. E. MITTELNIEDERDEUTSCH. 497 611. Schnorr v. Carolsfeld, Luther über sein Geburtsjahr. Ebenda 1872, S. 381. 612. Holtzmann, H., noch einmal Luthers Geburtsjahr. Hilgenfelds Zeitschi ift f. histor. Theologie 1872, S. 426—430. Darnach ist Luther 1484 geboren. 613. Manuel. — Weller, E , ein Gedicht von Niclaus Manuel. Germania 17, 419 — 424. 614. Murner. — Schi ff mann, Fr J., über eiueu bisher unbekannten Luceruer Druck von Dr. Thomas Murner. Der Geschichfsfreund 27. Bd. (1872). 615. Gosche, B., Sendschreiben an Prof. Dr. Zarncke über einen ge- tauften Juden Aemilius Paulus. Guben 1872. 8. Vgl. Literar. Centnilblatt 1872, Nr. 18. 616. Sachs, Hans. Herausgegeben von A. v. Keller. 6. Band. 8. Stutt- gart 1872. 110. Publication des litterarischen Vereins. 617. Marström, C. G. S. , Studien über Hans Sachs, sein Leben und seine Schriften. 8. (68 S.) Stockholm 1872. Dissertatio Upsal. 618. Opel, J. 0., Hans Sachs. Im neuen Reich 1872, Nr. 32. 619. Lochner, der Todestag von Hans Sachs. Correspondent von und für Deutschland 1872, N. 381. 620. Spruch, der christliche, von Pfettershausen. 1511. Von J. G. Stoffel. Alsatia von A. Stöber 1868 — 1872. 621. Zeitungen, die ersten deutschen. Herausg. mit einer Bibliographie (1505—1599) von E. Weller. 8. Stuttgart 1872. 111. Publication des litterar. Vereins. D. Altsächsisch. 622. Schulte, J. W., über Ursprung und Alter des altsächsischen HeJiand. 4. (24 S.) Programm des Gymnasiums zu Sagan. 623. Schulte, J. W., zum Heliand. 1. zur Heliaudfrage. 2. zu den Quellen des Heliand. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 49 — 69. 624. Marbach, Joh., Heliand, Krist und christl. Segen. Nordd. Protestantenblatt 1872, Nr. 5. 625. Codex traditionum Westfaücarum. I. Das Kloster Frcckenhorst. 8. (XIV, 216 S.) Münster 1872. Brunn. Auch u. d. T. : Die Heberegister des Klo.sters Freckenhorst herau.sg. von Dr. E. Friedländer. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1872, Nr. 45 (Waitz). E. Mittelniederdeutsch. 626. Regel, Prof. Dr., das mittelniederdeutsche Gothaer Arzneibuch und seine Pflanzennamen. 4, Gotha 1872. Programm des Gymnasiums. Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 231. 627. Hermanns von Leerbeck schaumburgische Chronik in nieder- deutscher Bearbeitung. Nach einer Hs. des 15. Jahrhs. veröffentlicht von Con- rector Dr. Fuchs. 4. (57 S.). Programm des Gymnasiums zu Bückeburg 1872. GEEMANU. Neue Keihe VI. (XVIII. Jahrg.; 32 498 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 628. Henneke Knecht. Ein altes niederdeutsches Volkslied. Herausg. mit der alten lateinischen Übersetzung u. mit Anmerkungen von Hoffmann v. Fallerslehen. 4. ^24 S.) Berlin 1872. Lipperheide. 1 Rthlr. Vgl. Blätter f. literar. Unterhaltung 1873. Nr. 37 (Rückert); Kölnische Zeitung 1872. Nr. 144. 629. Schröder, K., Bruchstück eines niederdeutschen Partonopeus. Germania 17, 191—193. 630. Reineke de Vos, Herausgegeben von K. Schröder. 8. (XXVIII, 332 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. Deutsche Dichtungen des Mittelalters herausgeg. von K. Bartsch. 2. Bd. Vgl. Liter. Centralblatt 1873. Nr. 4; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 30 (Wilken); Blätter f. liter. Unterhaltung Nr. 16 (Rückert); Reichsanzeige i-, Beilage Nr. 31. 631. Latendorf, Fr., über das Redentiner Spiel. Mecklenburgische Zeitung 1872, Nr. 65 und 82. Anknüpfend an einen Vortrag von Frevbe in Schwerin. 632. Wizlaw, Fürst von Rügen, Lieder und Sprüche übersetzt und er- läutert von Th. Pohl. 8. Greifswald 1872. Bindewald in Comm. V3 Rthlr. F. Mittelniederländisch. 633. Verdam, Dr. J., Tekstcritiek van Middelnederlandsche schrijvers. 8. (113 S.) Leiden 1872. Hazenberg. f. 1,20. 634. Verwijs, E., Tekstcritiek van Middelnederlandsche schrijvers. Taal- en Letterbode III, 219-224. 635. De Borchgravinne van Vergi. Mnl. Gedicht uit het begin der 14*^* eeuw, opnieuw naar het handschrift uitgegeven door S. Muller. Leiden 1873. Brill. 636. Verwijs, E., het middelnederlandsche Gedicht van St. Brandane. Vefslagen en Mededelingen der koninkl. Akademie van Wetenschapen 1872. 637. Verwijs, E., Dr. Brills uitgave van Sinte Brandane beoordeeld. Taal- en Letterbode III, 235—256. 638. De vier Heemskinderen, mit inleiding en aanteekeningen door J. C. Matthes. 8. (222 S.) Groningen 1872. Wolters, f. 1,50. 639. Groshans, G. Ph. F., de lapidarius van Marbodus, de vermoede- lijke bron van Maerlant's Lapidarius. Taal- en Letterbode III, 319 — 320. 640. .Jacob van Maerlant's Naturen Bloeme uitgegeven door E. Ver- wijs. 8. Groningen 1872. Wolters, f. 1,50. Auch u. d. T. : Bibliotheek vom Mnl. Letterkunde ; Aflev. 7. Vgl. Allgemeine Zeitung 1872, Nr. 265 (Hellwald). 641. Birlinger, A., aus Maerlants Spieghel historiael. Germania 17, 438—441. 642. H(ellwald), F. v., Maerlants trojanischer Krieg. Allgemeine Zeitung 1872, Beilage 44. 643. Speghel der Wisheit of Leeringhe der zalichede, van Jan Graet, uitgegeven door J. H. Bormans. Brüssel 1872. Hayez. 644. Fragment van den Parthonopeus van Bloys , medegedeeld door E. Verwijs. Handelingen van de Maatschappij van Nederl. Letterkunde 1872. G. Angelsächsisch. 645. Bugge, S., zum Beowulf. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 192—224. Xnr. H MTTTELEVOLTSCH. 499 646. Sievers, E., CoUatioueu augelsächsischer Gedichte. Zeitschrift für deutsches Alterthum 15, 456 — 467. 647. Bibliothek der angelsächsischen Prosa in kritisch bearbeiteten Texten herausgeg. von C. W. M. Grein. I. Bd. Aelfrik de vetere et novo testamento, Pentateuch, Josua, Buch der Richter und Hiob. 8. (272 S.) Cassel 1872. Wigand. Vgl Acadeuiy 1873, Nr. 70 (Sweet). 648. King Alfred's West-Saxon Version of Gregory's Pastoral Care. With an english translatiou, the Latin Text, notes and an introductiou. Edited hy H. Sweet. Part. II. 8. London 1872. Trübner. Vgl. Westmiuster Review 1872, Juh S. 33—54. H. Mittelenglisch. 649. Morris, Rieh., and W.W. Skeat, Specimens of Earlj English. New and revised edition. With introduction, notes and glossarial index. Part II, from Robert of Gloucester to Gower. (A. D. J 298— 1393). 12. (498 S.) Oxford 1872. Macmillan. 7 sh. 6 d. Vgl. Westmiuster Review 1873, I, S. 333 flf. 650. Horstmaun, C, Leben des heil. Alexius nach Ms. Laud 103, Archiv für das Studium der neueren Sprachen 51. Bd , 1. Heft. 651. Chaucer, Geoflfrey, Poetical Works. Edited by Rieh. Morris. New and revised edition. Aldine Poets. Vols. 3 — 6. 12. ä 1 s. 6 d. 652. Chaucer' 8 Treatise on the Astrolabe addressed to his son Lowys, a. d. 1391. Edited from the earliest mss. by W. W. Skeat. 8. (119 S.) London 1872. Trübner. 6 sh. Early English Text Society. Extra-series XVI. Auch in der Chaucer Society 1. Series, Nr. 29. Vgl. Westminster Review 1873, I, 303; Athenaeum 1872, 15. Juni. 653. Skeat, W. W., the original of Chaucer's Treatise on the Astrolabe. Athenaeum 1872, 16. März, S. 336. 654. Furnivall, F. J., Chaucer's Pardouner's Prologue or doctor pardoner link' Group C, §. 2. Athenaeum 1872, 2. März S. 274. 655. Furnivall, F. J., the flower and the leaf* and Chaucer's Legende of good women . Athenaeum 1872, 13. Juli, S. 49 f. 656. Hall, A., the flower and the leaf. Ebenda 20. Juli S. 82 f. 656". Vgl. Nr. 65. 657. Mamroth, Dr. Fedor, Geoffrey Chaucer, seine Zeit und seine Ab- hängigkeit von Boccaccio. 8. Berlin 1872, Mayer u. Müller, l.r» Ngr. 658. Old Englisch Homilies. Edited by R. Morris. 8. London 1872. Trübner. Early English Text Society. Vgl. Athenaeum 1872, 20. Sept. S. 361—363. 659. King Hörn nach Ms. Laud 108. Von Dr. Horstmann. Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 50, 39 — 58. 660. Die Legenden des Ms. Laud 108. Von Dr. Horstmann. Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 49, 395 — 414. 661. The Liflade of St. Juliana a. d. 1250. Edited by T. 0. Cockajne and E. Brock. 8. London 1872. Trübner. Early English Text Society Nr. 51. Vgl. Academy 1872, Nr. 52; Westminster Review 1873, I, 303: Athenaeum' 1872, 5. Oct. 32* 500 BIBLIOGRAPHIE VON 1872. 662. Asklöf, Isaak, an essaj on the Romanee of William and the wer- wolf. A specimen of the Midland dialect in the middle of the M**" Century, 8. Stockholm 1872. Dissertation von Upsala. I. Altnordisch. 663. Edda. — Aus Saemundar Edda hin frodha. Altnordische Dichtungen. Verdeutscht von K. Esmarch. 8. Prag 1872. 664. Das (4raubartsl i ed (Harbardsliod), Loki's Spottreden auf Thor. Norraenisches Gedicht der Saemunds Edda kritisch hergestellt, übersetzt und erklärt von F. W. Bergmann. 8. (198 S.) Leipzig 1872. Brockhaus. 1 Rthlr. Vgl. Germania 18. 110 — 121 (Kölbing); Götting. Gel. Anzeigen 1872, Nr. 47 (Liebrecht); Allgem. Liter. Zeitimg 1873, Nr. 8; Schwab. Chronik Nr. 237. 665. Ettmüller, L., Beiträge zur Kritik der Eddalieder. Germania 17, 1 — 18. 666. Hahn. Werner, Edda. Lieder germanischer Göttersage. 8. (VIII, 329 S.) Berlin 1872. Haude u. Spener. 1 V3 Rthlr. Freie Bearbeitung und Nachdichtung. Vgl. Liter. Centralblatt 1872 . Nr. 45 ; Saturday Review Nr, 912; Blätter f. literar. Unterhaltung 1873, Nr. 37 (Rückert); Allgem." Zeitung, Beilage 294; Schwab. Chronik Nr. 237; N. Preuß. Zeitung 1872, Nr. 255; Hamburger Jahreszeiten Nr. 43. Vgl. auch Xr. 329. 667. Egils-Saga. — Jessen, E., Glaubwürdigkeit der Egüs-Saga und anderer Isländer Saga's. Historische Zeitschrift 1872, 3. Heft, S. 61 — 100. 668. Homiliu-bök, Isländska Homilier efter en handskrift fran 12. arhund- radet utgifna af Th. Wisen. 8. (XVHI, 221 S.) Lund 1872, 669. Riddarasögur. Parcevalssaga. Valvers))attr, Iventssaga, Mirmanssaga. Zum ersten Mal herausgegeben und mit einer literarhistorischen Einleitung ver- sehen von Dr. Eugen Kölbing. 8. (LVI, 220 S.) Straßburg 1872. Trübner. Vgl. Germania 18, 235 ff. (Maurer); Revue critique 1873, Nr. 1: Götting. Gel, Anzeigen Nr, 26 (Wilken); Wissenschaftl. Monatsblätter Nr. 2. 670. Runen. — Bugge, S., Veblungsnaes-Indskriften. Aarböger for Oldkyndighed 1872. 671. Billeder af Livet paa Island. Islandske Sagaer. Paa Dansk ved F.W. Rom. 3.-4. Heft. 8. Köbenhaven 1872. 672. Skalden. — So der ström, 0. G. V., rkttr af Ragnarssonum. Sagostjcke om Ragnars SÖner fran Isländskan öfversatt och belyst. 8. (35 S.) Orebro 1872. Dissertat. LTpsal. 673. Thorkelsson, Jon, Skyringar 4 vi'sum 1 Grettis sögu, samdar. (36 S.) Reykjavik 1871. 674. Thorkelsson, Jon, Skyringar ä Visum i Gudmundar sögu Arasonar og Hrafns sögu Sveinbjarnar sonar. (40 S.j Reykjavik 1872. Beide (674. 675) Programme der gelehrten S«hule zu Reykjavik; vgl. über die früheren Maurer in der Germania 16, 442—449 675. Snorra Sturlusonar Heimskringla eda Sögur Noregs konunga. IIL Bd. 8. (294 S.) Upsala 1872, Schultz, (complet 5 Thlr.) K. Altschwedisch. 676. Bartsch, K., altschwedische S^hreiberverse. Germania 17^ 444. XIII. I. ALTNORDISCH. K. ALTSCHWEDISCH. L. MITTELLAT. POESIE. 5 677. Skogs Stadga för Medals Treding i Trögt af ar 1369. Utg. af G. E. Klemming. Stockholm 1872. Norstedt och Söner. L. Mittellateinischc Poesie. 678. Wattenbach, W., die Anfänge lateinischer profaner Rhythmen des Mittelalters. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 15, 469 — 506. 679. Ottow, Miscellen aus Handschriften. \. Handschriftliche Epita- phien. II. Rathsel. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1872, Sp. 12 14. 680. P ei per, R., Miscellen aus Handschriften. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1872, Sp. 51 53 (Schluß). 681. Dümmler, E., Anselni der Peripatetiker nebst anderen Beiträgen zur Literaturgeschichte Italiens im 1 1. Jahrhundert. 8. (VI, 111 S.) Halle 1872. Waisenhaus. 1 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 19. 682. Meyer, W., über den lateinischen Text der Geschichte des Apol- lonius von Tyrus. Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie der Wissenschaften 1872, 13. Januar. 683. Martin, E., lateinische Übersetzung des altfranzösischeu Gedichts auf S. Brandan. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 289—322. 684. P. Gall Morel, zur Kunde des Schriftwesens im Mittelalter. Carmen de natura animalium. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1872, Sp. 313—315. 685. Gotifredi Viterbiensis Gesta Friderici I et Heinrici VI. 8. Han- nover 1872. Hahn. Aus den Monumenta Germaniae besonders abgedruckt. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 1. 686. Dümmler, E., Grabschrift aus dem 8. Jahrhundert. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 279 f. 687. Wattenbach, W., eine alte Grammatik. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1872, Sp. 119 — 122. Auch mit deutschen Glossen. 688. Paris, G., Dissertation sur le Ligurinus. 8. Paris 1872. Vgl Revue critique 1872, Nr. 48; Literar. Centralblatt 1873, Nr. 32 (Watten- bach). 689. Wattenbach, W., ein Lobgedicht auf Albertus Magnus. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1872, Sp. 214 f. 690. Wattenbach, W., ein poetischer Briefsteller von Matthäus von Vendome. Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie d. Wissenschaften 1872, 4. Heft. 691. Dümmler, E., zum Sacerdos et Lupus. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 15, 452. 692. Keinz, F., Wicharts Sohn, ein lateinischer Dichter des deutschen Mittelalters. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 143—146. REGISTER ZUM SECHZEHNTEN BIS ACHTZEHNTEN JAHRGANG. Adjectiva im urdeutschen 16, 42G. Adverbia, urdeutsche 16, 434. Afzelius, A. A., 17, 256. Akademie ftir moderne Pbilologrie 17. 384. Albrecht von Hispanienland, König, 17, 355. Alexander s. Anteloye. Alexiusspiel 17, 216. Aliso. römische" Feste, 16, 293. Allitteration im 'Rother 18, 426. Alm, Bedeutung 17, 297. als mhd. als relat. 17, 291. Althochdeutsches aus Engelberg 18, 45 ; althochdeutsches Wörterbuch 18, 47. Altniederdeutsches 18, 215. Altnordische Wortdeutungen 16, 259. Altschwedische Schreiberverse 17, 444. Altrile 18, 29. Altwestfälische Dichtungen 18, 281. Amadis aus Grecia 16, 84. Amerika, germanische Mythen im alten, 16, 37. Ancelmus, vom Leiden Christi, nieder- deutsch 16, 449. ander 17, 124. Anlautgesetz Notkers 18, 200. Anshelmi, S., interrogatio de passione domini, Hs. in Leipzig 17, 231. Anteloye und Alexander 18, 220. Antichrist 16, 147. Appellativnamen, deutsche, 17, 305. Arabischer Satz in einem deutschen Ge- dichte 17, 215. Arator, glossiert 18, 77. Aristotiles und Candacis 17, 306. aä engl, als relat. 17, 290. Aschgerberstraße 18, 456. aana alts. 18, 206. Attila, Standbild (?) 17, 459. Aufseii, H. Freih. von, 17, 256. Augsburgisches Festjahr 17, 79; Augsb. Jahr-einmal 17, 86. Auslautsgesetze im Litauischen, Slavischen und Deutschen 17, 374. B. Balladen von der wiedergefundenen Schwe- ster 17. 68. Bartolt, Name des Storches 16, 305. Basel, Bruchstücke von mhd. Dichtungen in der mittelalterl. Sammlung 18, 80. Baumcult 16, 47. Begräbnissbräuche 18, 5. beide, syntakt. Gebrauch 16, 380. Belgische Colonien in Ungarn und Sieben- bürgen 17, 368. Bernhard , S. , seine Sequenz Laetabun- dus. deutsch, 18, 59. Bertha die Spinnerin 18, 353. beschiezen 17, 171. Besegnungen 17, 75. Besitz und Besitzer im Ausdruck identifi- ciert 17, 377. Betonung s. Otfrid. Betonung viersilbiger Wörter 17, 122. Bibliographie, germanistische, für 1870: 16, 463. 1871: 17, 465. 1872: 18, 461. Billardus 18, 353. Bock, Hieronymus, sein Kräuterbuch 16, 82. 88. Brandan 16, 60; Verhältniss des hoch- und niederdeutschen Gedichtes. Brot af Brynhildar kvidu, zur Kritik 18, 172. Brückenspiel 18, 455. brüde nd. 18, 27. Brunnencultus 16, 43. brdsche, zu, gen 18, 210. bubeck 17, 452. buoch dertugende, mhd. Prosawerk 17, 51. Busant, altd. Gedicht, Stoff desselben 17, 62. Buschmann, Arnold 17, 77. buweding 17, 452. C. s. auch K. Candacis s. Aristotiles. Carmen Sponsae, nrhein. Gedicht 17, 357. Cato 17, 93. Chronik, die Zimmernsche 18, 175. REGISTER ZUM XVI.— XVIII. JAHRGANG. 503 Closener, Sprachliches aus ihm, 16, 300. Conjunctionen, urdeutsche 16, 434. Crestien de Troies, sein Eree ist Quelle der nordischen Erexsat^a 16, 3^2 ff. Culturzustände, urdeutsche, 16, 434. D. Damasta, Saga af — , i7, 194. daere 17, 47. Dietrich von Bern, Sage von seinem Ende 18, 147. dinglein 18, 27. Dualis im Niederdeutschen 18, 301. ducken 16, 25. E. Eddalieder, zur Kritik derselben, 17, 1; 18. 160. ei gotli. relativum 17, 283. Eilharts Tristan, Bruclistücke 18, 274. Einhirn, Kauer, Schwank 17. 322. 18, 152. Elemente, Namen, 10, 421. Elucidarius, deutsch, poetische Einleitung 17, 408. Engel und Teufel kämpfen um die Seele 16, 140, Engelberg, alt- und mittelhochdeutsches in der Bibliothek zu, 18, 45. er nord. relativum 17, 283. Erexsaga, die nordische, und ihre Quelle 16, 381. Erziehung der Kinder im Mittelalter 18, 285. Escoufle, r. altfranzös. Gedicht, Stoff des- selben 17, 62. Etzelnburc 17, 71. 73. Euleuspiegel 10, 84. Evangelium Nicodemi 17, 355. F s. Y. gat 17, 50. Gaudeamuslied, Entstehung des.»»■■— Hit» I IHiiPl Mmitlß ^ -<