m»oi 1 1 ■.»> ■ » '«» i GERMANIA. VIERTELJAHRSSCHRIFT KHK DEUTSCHE ALTEßTHTJMSKUNDE. BEGRÜNDET VON FRANZ PFEIFFER. .HERAUSGEGEBEN* KARL BARTSCH. NEUNZ KFINTER JAHRGANG. V/**' WIEN. V ER LAG VON CA R I. C EROLD'S SOH N. 1874. INHALT. Seite Freimarkt. Von K. Maurer 1 Beiträge zur Kritik der Eddalieder. Von Ludwig Ettmüller 5 Zur deutschen Declination. Von E. Wilken 18 Der Vers von vier Hebungen und die Langzeile. Von W. Gern oll . . . . 35 Zerstreute Beiträge. Von Fedor Bech ... 45 Mhd. baeken. Von E. Wilken 59 Über Geschlechtsnamen auf -eisen, -isen. Von M. Bück 62 Der Marienkäfer im niederösten eichischen Kinderspruch. Von CM. Blaas. .... (57 Arenga de commendatione studii. Von W. Wattenbach 72 Zwei geistliche Gedichte aus Schlesien. Von H. Rückert 75 Aus dem Buch Weinsberg. Von A. Birlinger 78 Grammatische Versuche eines Kölners aus dem XVI. Jahrh. Von demselben . . 94 Sprüche im Kölner Dialect. Von demselben 97 Ateo bar. Von W. Crecelius 99 Beiträge zur Kenntniss der langobardischen Sprache. Von Karl Meyer 1 "20 Das Gottesurtheil im altnordischen Rechte. Von K. Maurer 139 Zu Reinmar von Hagenau. Von E. Regel . 14'.) Christi Blumen. Von J. Zingerle 182 Bruchstück einer Amicus ok Amilfus Saga. Von E. Kölbing 184 Das Schicksalsrad und der Spruch vom Frieden. Von R. Köhler. ..... 189 Bruchstück von Herzog Ernst A. Von K. Bartsch 195 Freyr und Baldr und die deutschen Sagen vom verschwindenden und wieder- kehrenden Gott. Von Ferd. Vetter 196 Kleine Beiträge. Von demselben 211 Kleine Beiträge zur Mythologie. Von A. Lütolf 214 Bruchstück einer Handschrift von Heinrici Summarium. Von K. Bartsch 215 Der jüngere Todtentanz. Von M. Rieger 257 Über den Accusativus cum Infinitivo im Gothischen. Von Otto Apelt . . . 280 Lateinisches Liebesgedicht. Von W. Watten b ach 297 Maerlants Merlin. Von Nordhoff 300 Niederrheinische Sprüche und Priameln. Von Dr. Nolte 303 Mitteldeutsche Predigtbruchstücke. Von L. Diefenbach . . 305 Zum jüngeren Hildebrandsliede. Von A. Edzardi 315 Zum Codex Exoniensis. Von J. Schipper 327 Bruchstücke einer gereimten Bibelübersetzung. Von W. Gemoll . ■ • • 339 Die Stadt Wien im Nibelungenlied. Von Alois Knöpfler 343 Mhd. iener, niener, niuwan, ninwene und niene. Von E. Wilken . • 346 Nöne. Von Ig. Zingerle 349 Nachträge zu Lemckes Jahrbach VI, 350. Von Lg. Zingerle und EL Köhler 349 Zu Laurembergs Scherzgedichten. Von F. Latendort .'>■"> 1 Zu Gudrünarkvidha II. Von E. Kölbing 351 Zum Rolandsliede. Von K. Bartsch ■ . . 385 Heinrich von Morungen. Von Fedor Bech 419 Urkundliche Nachwcix- aber das Geschlecht und dir Heimat der Dichter Beinrich und Johannes von Freiberg. Von demselben 120 Ulrich von Zatziklioven. Von Dr. J. Baechtold 424 Mittelalterliche Ansichten über die Träger des Namens Petras, Von K. Köhler 426 Dienstag- Zinstag. Von Adalberl Jeitteles 128 Sonnenuntergang, Geilätc, Gustr&te u. a. Gott folgen gehn. Von Schröer . . . 430 Lütbrechic. Von Adalbert Jeitteles . 138 Ahd. Glossen aus Bcheftlarn und Tegernsee. Von K. Bartsch ■ 134 LITTERATUR. Seite Zur neueren Litteratur über nordische Philologie und Geschichte. Von K. Maurer 101 Karl Schröder, Reinke de Vos. Von Dr. H. ßaethcke 105 M. Heyne, kleine altsächsische und altniederfränkische Grammatik. Von H. Paul 217 K. A. Hahns Althochdeutsche Grammatik. — Auswahl aus Ulfilas gothischer Bibel- übersetzung. Von E. Wilken 227 Gregorius von Hartmann von Aue. Von K. Bartsch 228 Dr. Hermann Fischer, die Forschungen über das Nibelungenlied seit Karl Lach- mann. — Dr. Karl Vollmöller, Kürenberg und die Nibelungen. Von K. Bartsch 352 Dr. Friedr. Wilh. Bergmann, Vielgewandts Sprüche und Groa's Zaubersang. Von E. Kölbing 359 Dr. Anton Birlinger, Alemannia. Von E. Wilken 369 Lorenz Diefenbach und Ernst Wülcker, hoch- und niederdeutsches Wörterbuch. Von K. Bartsch 370 Dr. H. Schreyer, Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen Hartmann's von Aue. Von K. Bartsch 371 Fedor Mamroth , Geoffrey Chaucer, seine Zeit und seine Abhängigkeit von Boc- caccio. Von E. Kölbing .. • 373 O. Erdmann, Untersuchungen über die Syntax der Sprache Otfrids. Von P. Piper 437 J. Chr. Cederschiöld, Bandamanna saga. Von K. Maurer 443 BIBLIOGRAPHIE. Bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie im Jahre 1873. Von Karl Bartsch 449 MISCELLEN. Übersicht der germanistischen Vorlesungen an den Universitäten Deutschlands, Öster- reichs, der Schweiz, Hollands und in Dorpat im Winter 1873/74, Sommer 1874, Winter 1874/75 120 254 501 Karl Schiller. Von A. Lübben 123 Hermann Kurz. Von A. v. Keller 124 Artur Köhler. Von Eugen Kölbing 126 Personalnotizen 128 256 384 508 Zu Germania XVIII, 454, Zeile 13 v. u 128 Hoffmann von Fallersleben. Von K. Bartsch 235 Moritz Haupt. Von demselben 238 Eduard von Kausler. Von A. v. Keller 242 Arthur Amelung. Von E. Kölbing 244 Briefe von Jakob Grimm an K. W. Bouterwek. Von W. Crecelius 247 Ein Brief Schmellers 25.'? Preisaufgaben 256 Bekanntmachung 256 Übersicht der germanistischen Thätigkeit M. Haupts. Von F. Ignatius 373 Hans Ferdinand Massmann. Von K. Bartsch . 377 Kobersteinstif'tung in Pforte 381 Uhlandsstiftung in Tübingen 382 Berichtigungen zur Zeitschrift für deutsches Alterthum. . 383 Bericht über die Sitzungen der deutsch-romanischen und der Section für neuere Spra- chen auf der XXIX. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Innsbruck, vom 28. Sept. bis 1. Oct. 1874. Von Dr. J. Egger 492 Oscar Jänicke. Von Joseph Strobl 503 Jacob Grimm an Adelbcrt von Keller 504 Denkmal für Walther von der Vogelweide 505 Hern Walthers sanc. Von Karl Bartsch 506 Jacob Grimm. Von demselben 507 Denkmal für Hoffmann von Fallersleben 507 Berichtigungen 508 FREIMARKT. Studien über die ältesten norwegischen, schwedischen und däni- schen Hofrechte haben mich veranlasst, der Bedeutung des Ausdruckes Freimarkt nachzugehen, welcher in einigen von ihnen vorkommt; das Ergebniss aber meiner Nachforschungen scheint mir in rechts- geschichtlicher sowohl als culturgeschichtlicher Beziehung interessant genug, um hier erwähnt werden zu dürfen. Die Aufzeichnung, welche Joh. Hadorph im Anhango zu seiner Ausgabe von Biärköa Ratten (Stockholm 1687) unter dem Titel: „Kon- ung Magnus Erichssons Gardz Rätt 1319" abgedruckt hat, ent- hält in ihrem §.8 (S. 9) mehrfache Bestimmungen , welche das Spielen um Geld und Geldeswerth beschränken; in §. 9 aber wird sodann bestimmt: „Framledhis forbiudher min herre nokor frijmark holdha, eller rijda: Hwar mz thy faar, wari ogilt, oc wari samme Raetther ther wm som wm dobel." In dem Dienstrechte, welches derselbe Verfasser unter dem Titel „Drottningh Margretas Gärdz Rsett" giebt. heißt es, S. 33, in §.9 in demselben Zusammenhange: „Ingen Man ma Frimarknath hafwa, eller i Frimark ridha widher sama plicht, som sakl ni dobbel." — Schon Hadorph hat be- merkt, daß mit dem Dienstrechte der Königin Margarete ein anderes wesentlich gleichlautend sei. welches den Namen K. Erichs von Pom- mern trage; dieses letztere, welches sowohl in dänischer als schwedi- scher Sprache vorkommt, und unter dem Titel „Den gainle Gaards retw in Kolderup-Rosenvinge'a Sämling af gamle danske Luve. IM \'. dänisch abgedruckt stellt (Kopenhagen 1827), bringl aber in £. 10, ebenfalls im Zusammenhange mit Beschränkungen des Dobbelspieles, die Vorschrift, S. 29: „Item forbiuder mvn herre koning al ride tri i (JKK.MAMA Reue Eteih« VII. (XIX.) Jahrg. 1 2 K. MAURER market oc halde. Huo thermeth faar. wsere ugild. och weere therora sorn om dobler". Die späteren schwedischen Hofrechte des 16. und 17. Jhdts. sind mir nicht zur Hand; aber „Kong Frederik den Anden s Gaardsret" vom Jahre 1562 enthält, S. 42, in §. 25 die Bestimmimg: „Forbiuder och Konningen, att ingen skal riideFeylemarckit eller fare mett nogen Daarespill eller Daarskaff. Huo thet giör were ugilder oc stände thend same Rett, som för er sagdt om Dobbellspill". Was soll es nun heißen, einen Freimarkt reiten, halten oder machen (yde)? Kofad An eher hat in seiner sehr verdienstlichen Abhandlung „Om vore gamle Gaards-Retter, isser Kong Eriks af Pom- mern" (Samlede Skrifter, II, S. 590 — 91), wenn auch zweifelnd, die Meinung ausgesprochen, daß darunter ein öffentlicher Markt zu ver- stehen sein möge, welcher unter dem Schutze des Gesetzes frei von aller Gewalt und Störung gehalten werden durfte. Er beruft sich zu Gunsten dieser Deutung auf die Marktprivilegien, welche vielfach den Städten ertheilt wurden, und welche dieser Befriedung oft genug ge- denken, sowie auf den Gebrauch, vor Beginn der Marktzeit einen besondern Frieden verrufen, und allenfalls sogar beschwören zu lassen, und wirklich bestätigt der von ihm angeführte Schilter, Thesaur. Antiqu. Teuton., III, S. 573, den Gebrauch des Ausdruckes „freyer Marck" in diesem Sinne. Der Verfasser meint nun, vielleicht hätten einzelne von des Königs Dienstleuten auf eigene Hand Markt gehalten, und dabei solche Thorheiten getrieben, wie sie auf den Märkten vor- gekommen seien, so daß der König sich veranlasst gesehen habe sol- ches Treiben abzustellen, theils um die Marktprivilegien der Städte aufrecht zu halten, theils um den Dienstleuten allen Anlass zu Völlerei und anderen Unziemlichkeiten zu benehmen. Auf eine ganz andere Spur hatte dagegen schon um ein Jahrhundert früher Christen Oster s- sön Veylle in seinem Glossarium juridicum Danico-Norwegicum ge- wissen, dessen von mir benützte dritte Ausgabe im Jahre 1665 er- schien. Zum Ausdruck Feylemarcket wird hier, S. 267, unter Berufung auf die mündliche Angabe eines Adeligen, dessen Vater die Sache noch selbst mitgemacht hatte, erwähnt, daß es bei adeligen Trinkgelagen wohl vorgekommen sei, daß der eine oder andere Zechbruder gefragt babe, ob man nicht „Fejlemarket ride" wolle? Seien die Anderen auf den Vorschlag eingegangen, so habe man über dem Zechtische einen Dolch in die Decke gestoßen, und nun habe Jeder dem Andern ab- tauschen können, was er an fahrender Habe bei sich gehabt habe, z. B. Kleider, Stiefel, Sporen, Gürtel u. dgl. m. Das habe gewährt, bis der Dolch von der Decke herabfiel; dann aber habe Jeder be- FREI MARKT. 3 halten müssen, was er in diesem Momente gehabt habe, so daß Man- cher ganz oder halbnackt habe davon gehen müssen, da Keiner dem Anderen einen angetragenen Tausch abschlagen durfte. Ihre, in seinem Glossarium Suiogothicuin, s. v. Frimark, hat sich dieser Erklärung bereits angeschlossen, und sich nur dagegen erklärt, daß Osterssön den Ausdruck Feilemark auf die Spielleute, d. h. doch wohl ihre Fiedel, zurückführen wollte, während in demselben doch nur eine Verderbniss für Frimark zu sehen sei. Das Wörterbuch der dänischen Aka- demie, s. v. Feilemarked, folgt wieder in allen Stücken der Deutung Osterssön's (1802), und auch Kolderup-Rosenvinge schließt sich a. a. 0., V, S. 587, an dieselbe an, jedoch die Identität von Frimarket und Feilemarket betonend; die Bezeichnung Freimarkt leitet er davon ab, daß die Handelschaft nichts kostete, — wenn er aber bemerkt, daß mit Osterssön der Name Feilemarket daher abzuleiten sei, daß man dabei leicht fehl greifen könne, so benützt er eben nur eine andere Andeutung des Genannten als die, welche Ihre aufgegriffen hatte. Übrigens hat Ihre bereits darauf aufmerksam gemacht, daß Halt aus in seinem Glossare, s. v. Freymarck, freymareken, die Bedeutung des Tauschens in dem Worte nachgewiesen habe; nicht übersehen darf aber auch werden, daß ein von Letzterem angeführter Leipziger Schöffen- spruch aus dem 15. Jahrhunderte vom „fryinarch" bemerkt: „das toppil speyl vnde wete glich ist". Wir werden damit wieder auf den Zusammen- hang mit dem Doppelspiel und Tafelspiel zurückgeführt, in welchem unsere Dienstrechte des Freimarktes erwähnen. Ich glaube unter solchen Umständen bei Seite liegen lassen zu sollen, daß das Bremisch Niedersächsische Wörterbuch (1767) die Bezeichnung Frij-markt für „das große jährliche Jahrmarkt in Bremen auf Lucas-Tag, welches neun Tage währt1', anmerkt; dagegen erwähne ich eine in Grimm's Wörterbuch unter Freimarkt, ohne alle Erklärung, angeführte Strophe aus Unlands Alten hoch- und nieder- deutschen Volksliedern I, S. 613, wo es von Zechbrüdern heißt: „Und so her get die morgenröt do iederman zur kirchen get, ersl U'ilw sie freimarkt halten; und wer do gute kleider hat, dem werden böse an die stat, dir lmiss er dann behalten". Offenbar wird in diesen Versen ganz derselbe Gebrauch vorausgesetzt, welchen Osterssön für Dänemark bezeugt. Weitaus den lebendigsten und genauesten Bericht über den Hergang bei einem Freimarkt giebt 1* 4 K. MAURER, FREIMARKT. aber die Zimmerische Chronik, welcher wir so viele culturhisto- risch interessante Belehrung verdanken. Sie erzählt, Bd. II, S. 111 bis 114, wie Herr Johannes Wernher Freiherr zu Zimmern im Jahre 1502 einen „freien markt" nach Oberndorf ausrufen ließ, welcher von Ade- ligen und Unadeligen zahlreich besucht wurde. Der freie Markt wurde in diesem Falle im Namen der Herrschaft durch den Stadtknecht in der Kirche öffentlich verrufen und auf dem Rathhause abgehalten. Einen eigenen Schultheißen und zwölf Richter, dazu einen eigenen Gerichtsknecht ließ die Herrschaft setzen; ein „baderhüetle", d. h. Badhemd (vgl. Lexer, Mittelhochd. Handwörterbuch, s. v. bade-huot) wurde an drei Fäden über dem Tische aufgehängt, welches ,,der König" genannt wurde, und welches jeder Eintretende zu begrüßen und in bestimmt bezeichneter Weise durch Einlegung eines Hellers zu ehren hatte, widrigenfalls er straffällig wurde. Hat sich ein Eintretender gegen diese Förmlichkeiten irgendwie verfehlt, so mag jeder andere Anwesende, der will, gegen ihn das Gericht anrufen, und in bestimmt geregeltem Verfahren gegen ihn vorgehen. Der Kläger kann dabei mit jedem beliebigen Stücke seines Gutes, das er sofort abzuthun hat, dem Beklagten auf jedes beliebige Stück seines Gutes „auffahren", „allain das underhemet aussgenomen", und auch dieser muß sofort das bezeichnete Stück von sich thun. Doch tritt hinterher noch die Frage an die Parteien, ob sie „bössern", d. h. nachzahlen wollen oder nicht, und weiterhin kommt es zu einer Schätzung durch das Gericht, sowie zu der nochmaligen Frage an die Parteien, ob sie „behalten oder lassen" wollen, wobei die Meinung die zu sein scheint, daß je nach- dem eine Nachzahlung der Werthdifferenz oder eine Lösungssumme zu entrichten sein soll. Jeder Verstoss im Verfahren und jeder durch eine Lösungssumme erkaufte oder gutwillig erzielte Rücktritt vom Geschäfte macht aber die betreffende Partei, oder auch beide Theile, bußfällig, und werden die sämmtlichen angefallenen Bußen an einem späteren Termine vertrunken und verjubelt. Dieß der Bericht der Chronik. Derselbe schildert uns nun aller- dings das Verfahren beim Freimarkt ungleich complicierter als Osters- sön oder das Volkslied bei Uliland. Von einem Ausschreiben durch die Obrigkeit, einer Einhaltung gerichtlicher Formen, einem Ab- schätzungsverfahren und nachträglicher Einlösung u. dgl. ist in den letzteren beiden Angaben nicht die Rede; vielmehr setzen dieselben gerade umgekehrt ein ganz spontanes Abhalten des Freimarktes durch eine lustige Gesellschaft, die bereits ohnehin beisammen ist, voraus. Aber doch sind die Grundzüge des wunderlichen Spieles hier wie dort L. ETTMÜLLEK, BEITRAGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 5 dieselben, und es kann auch nicht auffallen, daß an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten dessen Ausprägung im Einzelnen sehr verschieden sich gestaltete. Interessant wäre zu wissen, wie weit dasselbe in der Zeit hinaufreicht, und ob die volleren Formen, wie sie die Zimmerische Chronik, oder die einfacheren, wie sie das Volks- lied und Osterssön kennen, die älteren seien. Die schwedisch-dänischen Dienstrechte, deren ersten Ursprung man doch dem 14. Jahrhunderte scheint zuweisen zu dürfen, möchten eher für die letztere Alternative sprechen; aber freilich weiß der norwegische Borgar arettr (Norges gamle Love, III, Nr. 61, S. 144 — 45), welcher die kürzeste Gestalt jener Dienstmannenrechte zeigt, noch nichts von dem Freimarkte, wel- cher überhaupt, wie schon die Bezeichnung erkennen lässt, von Deutsch- land aus in den Norden hinübergedrungen sein muß*). K. MAURER. BEITRAGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. VON LUDWIG ETTMÜLLER. 9) Gudrünarkvida I. Dieß Lied ist weit besser erhalten als manches andere. Es hat zwar einige nur dreizeilige Strophen, diese lassen jedoch sich leicht und mit genügender, ja fast völliger Sicherheit ergänzen. Die Zusätze, die hie und da zu entfernen sind, ergeben sich ebenfalls leicht. Gleich Str. 4 zeigt einen solchen Zusatz, nämlich die Worte: tveggja deetra, pi'iggja systra. Man sieht, daß schon der Stabreim mangelt, da t, d und p nicht mit einander verbunden werden dürfen. Die fünf Gatten und acht Brüder, deren Tod Giaflaug zu beklagen hat, schienen nicht hinreichend, darum wurden zwo Töchter und drei Schwestern hinzugefügt. Der Hinzufüger bedachte nicht, daß Übertreibungen immer das Gegentheil von dem bewirken, was man bezweckt. In Str. 6 beklagt Berborg den Tod ihres Gatten und den ihrer sieben Sühne. Das war aber «hin Ausschmücker nicht genug, er fügte in drei Zeilen den Tod von Vater und Mutter und vier Brüdern hinzu. *) Während des Druckes stossc ich in einer Sammlung von Schöffensprüchen, welche Was serschleben im ersten Bande Beiner Sammlang >■ lifdit, der Eigenthümer (Sigurd) lebte nicht. — In der Lücke nach c, 2 kann etwas gestanden haben, wie wir es Brot aj Bryrü heida 6 lesen: „h/van Sigwdr, v . tm, er framdr m&nir fyrri r%&* &) mer Högni, Sa. 10 L. ETTMÜLLER „liggr of höggvinn fyr handan ver Guthorms bani ok gefinn ulfum. 8. Littu par Sigurd ä sudrvega, ]>ä heyrir pü hrafna gialla, ihmu gialla, aizli fegna, varga pidta um veri ]nnumu, 9. Hvi 'pü mer, Högni! harma slika viljalaussi vill um segja? pitt skyli hiarta hrafnar slita v?ä lönd yfir, en pü vitir manna! 10. SvaracU Högni, sinni einu traudr götts hugar af trega storum: npess ättu, Gudrun, graiti at fleiri, at liiarta mitt hrafnar sliti!u 1 1 . Hvarf ek ein paäan andspilli frä ä viälcesar varga leifar; gerctiga ek hiüfra ne liöndum slä, ne kveina um sem konur aärar6). 12. Nutt potti mer, nictmyrkr vera er ek särla satk yfir Sigurdi; ulfar pöttumk öllu beim, ef peir leti mik Irfi tyna"'). Nach der 12. Strophe folgt Fahrt und Aufenthalt der Gudhrün bei Thora in Dänemark, nämlich Str. 13—16, die ich, wie gesagt, für einen Zusatz Ssemunds halte. Auch Drap Niflunga weiß davon nichts. Die darin erwähnten Kämpfe bei Fife in Schottland erinnern an Saxo Gramraaticus und dessen Zeit. Wenn eine Papierhandschrift die Insel Fiön (Ftthnen) statt Fife nennt, so beweist das nur, daß ihr Schreiber das Alberne jener Ortsbestimmung fühlte. Die von Ssemund eingeschalteten 31/,, Strophen lauten: 13. For ek af fialli fimm deegr talid, Unz ek höll Hälfs hdva pekdak; Sat ek med Poru siau misseri, Dcetr Häkonar % Danmörku. 14. Hon mer at gamni gull bdkadi, Sali sudroena ok svani danska. 15. Höfdu vit ä Skriptum pat er skatar leku, Ok at hannyrdum hilmis pegna, Randir raudar, rekka Ilüna, Hiördrott hidlm- drott, hilmis fylgju. 6) pd er sat soltin um Sigurdi. Diese angehängte Zeile findet sich früh genug 12, 2. ') Hier wird angehängt: eäa brendi mik sem birkinn vid. Können Wölfe Jemand verbrennen? BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. H 16. Skip Signmndar skridu frä landi, Gyltar grimur, grafnir stafnar; Byrdu vit ä borda pat er peir bördusk Sigarr ok Siggeirr siutr ä Ffß. Hier herrscht ein ganz anderer Ton als in den echten Strophen des Liedes. Auch die große Stickerei weist auf das 11. Jahrhundert hin. 13 (17). pä nams) Grimildr, gotnesk kona°) Jn-agiarnliga ]>ess at spyrja, hverr midi son systur boeta eda ver veginn vildi gialda. 14 (18). Gerr lezk Gunnarr gull at bioda, sdkar at bozta, ok it sama Högni10); (19). inn gengu pä iöfrum likir Langbards lidar, höfdu loda rauda11). 15 (20). Hverr vildi mer hnossir velja, hnossir velja ok hugat ma>la, ef peir mostti mer margra süta trygdir vinna, ef ek trüa gerota. 16 (21). Fcerdi mer Grimildr füll at drekka svalt ok sdrlild, ne ek sakar mundak; pat var um aukit iardar v2) magni, svalköldum sce ok sonor dreyra. 17 (22). Vdru i hoimi hvers kyns stafir ristnir ok rodnir, rada ek ne mättak; lyngfiskr langr lands Haddingja, ax oskorit, innleid d/fjra ,3). ') jra, Hs. - Hierauf werden zwei Zeilen eingeschoben, hvat ek vcera hygij- juil um Atta. Hon hri'i borda ok buri heimti. Die Worte um Atla fehlen in der Hs. virma darf man nicht ergänzen vor hyggjud, weil dann das Ilült'sverb in Allitteration käme. — Von Saemund können diese Zeilen nicht kommen; denn er schickte ja Gudhrün nach Dänemark, kann also die Grfmild sie gar nicht fragen lassen. Beide Verse dürften einer anderen Gestaltung dieser Strophe angehören. ,0) Die hier nun folgenden Zeilen: Hon fretti at jbtÄ, hverr fara vildi Vigg at södla, vagn at beifa , llesti rtda, hauka fteygja, Orum at skidta . — Valdarr at Dönum med Jarizleiß, Eymödr pridi med Jaria kari — . Die ersten vier sind gräulich überladen, 19, 1 hat keinen Stab- reim; die slavischen Namen «reisen auf Ssemunds Zeit hin. Audi bei Sazo Gramm, kommen eine Menge Slaven als dänische Vasallen vor. Alles Beweise, daß dieß Zu- Bätze. ". Hier folgl wiederum ein überladener, der einfachen Haltung des Liedes widersprechender Zusatz, nämlich: Skreyttar brynjw, steypta hidlma; Skälmum gyrdir höfdu skarar iarpar. ,s) )irer, Itjda sinnt,17) eigpu um aldr pat ok uni, döttir!u 28 (33). Pann mun ek kiösa af konungum, ok ])o af nktjum naudig hafa; verdr eigi mer verr at yndi, ne hol brcedra at bura skiöli. 29 (34). Senn var ä hesti hverr drengr litinn18); ver stau daga svalt land ridum, en adra stau unnir knidum, en ina ])ridju siau purt fand, stigum. 30 (35). Par hlidverdir härar bor gar grind iqip luku, adr i gard ridum. — (31). Munkat ek letta, adr lifshvatan eggleiks hvötud aldri nemik!19) Man lese jetzt hier dieß Lied, und man wird finden, daß es an einfacher Schönheit kaum einem der anderen nachsteht. Das zweite Lied, Str. 3G — 43, ist nur ein Bruchstück. Es ist ein Gespräch zwischen Gudhrun und Atli bei nächtlicher Weile im Bette. Alle Reden der Gudhrun sind hier voll von Hohn und Spott. Gudhrun ist also hier bleibend in einer ganz anderen Gemüthsstimnrung als im ersten Liede; schon deshalb können beide Stücke ursprünglich nicht wohl ein Lied gebildet haben. Das Bruchstück beginnt und schließt mit einer Halbstrophe, diese aber gehören zusammen und haben die erste Strophe zu bilden. Wahr- scheinlich gelangte die zweite Halbstrophe später zur Kenntniss des Schreibers der Handschrift, und damit sie nicht verloren gehe, setzte er sie an das Ende des ganzen, vielleicht sogar mit einem auf den rechten Ort hinweisenden Zeichen, das dann später bei Abschrift dieser Handschrift übersehen ward. Ich lese also Str. 1: "]) vmii, Es. Nach diesem Verse ward eingeschoben: ok rrwgum t&num mevna storra, tautologisch mit dem vorherstehenden. l7.i Hierauf der Zusatz: Vvribiörg, VaXbiörg, >f Jbfl rill piggja. Scheint Nachahmung eon Helg. Hund. II 33, oder llel^. Hund. I, 8. Allein in Frauenhand kommt nicht Grundbesitz; zumal nicht, wo Brüder oder Söhne d.-i sind. ,s) Hierauf folgt: en r'ij vabieak i wgna hqfii. Bin über- flüssiger, die Strophe zerstörender Zusatz, denn daß Gudhrun ihre Mägde begleiten, versteht sich ganz. 7on selbst. Auch ist das Geleite Bchon durch das folgende vSr genugsam angedeutet ,ar munu seggir um sceing dcema, ok hvitinga höfdi nema; peir munu feigir fära nätta fyr dag litlu drottum bergja. sceing giebt keinen Sinn, man mag nun das Wort als Dat. (am Bette) oder als Acc. (über das Bette) nehmen. Da Gudhrün in ihrem Hohne nothwendig verharren muß, wird man soäning zu lesen haben. Auch den beiden letzten Zeilen lässt, wie sie jetzt lauten, durchaus kein Sinn sich abgewinnen. Ich schreibe daher: par munu seggir um sodning daima, ok hvitinga höfdi nema; Peim munu feigum fära nätta fyr dag litlu droit ir bergja"'1). Das heißt nun: Da werden Männer über das Kochen sich unterreden und die Frischlinge des Hauptes berauben; die dem Tode verfallenen 20) lega ek, Hs., woraus man leega ek (conj. praet.1) gemacht hat, und zwar zu Anfang einer Strophe! 21) Jirät/iarn, Hs. 22) Da drott ein Mehrheitsbegriff ist, kann mau auch drott um bergja lesen; passiv jedoch darf man nicht construieren, weil bergja den Dat. der Sache verlaugt. BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 15 wird in wenig Nächten kurz vor Tage das Hofvolk verspeisen. — Wer etwas besseres weiß, der theile es mit! Wohl zu erwägen ist dabei jedoch, daß es sich hier nur um die beiden Söhne Atlis und der Gudhrün handelt, welche die Mutter selbst tödtet und deren Fleisch sie dem Vater und seinen Mannen als Speise beim Mahle vorsetzt. Auf Gudrünarkvkta ]>ri(Tja, die man besser, weil deutlicher, mit: „Von Gudhrün und Herkja" benennen würde, habe ich näher nicht einzutreten. Das Gedicht ist vollständig und unverletzt erhalten, was sich leicht begreifen lässt. Ich bemerke einzig, daß die beiden Halb- strophen 6 und 7 eine Strophe zu bilden haben. Man hat sie getrennt, weil mit 7 die Ausführung des in 6 gemachten Vorschlages beginnt. Dieß ist jedoch kein Grund die Strophe zu zerreißen. 11. Oddrünar grätr. Auch dieß Lied ist ein später gedichtetes und es enthält so man- ches, was uns in der That auffallend erscheinen muß. Es ist jedoch noch von einem Heiden gedichtet, wie Str. 10 beweist, während das Gedicht von Gudhrün und Herkja einen christlichen Geistlichen zum Verfasser hat, wie schon das Ordale des Kesselfangs bezeugt. Besonders auffallend in der Oddrün-Klage ist, daß der Dichter diese, die Schwester Atlis, gleichsam als Hebamme im Lande herum- ziehen und einer von ihr durch Zaubersprüche entbundenen Unver- mählten ihr eigenes Unglück in ihrer Liebe zu Gunnar erzählen lässt. Das hätte allenfalls einen Sinn, wenn es sich um das Schicksal der eben geborenen Zwillinge -handelte, und wenn dieses ein bedeutsames, in die Sage selbst tief eingreifendes wäre; aber davon ist keine Spur vorhanden. I ljrigens ist dieß Lied noch recht einfach gehalten und fern von der steifen Geziertheit der beiden Atlilicder. In dieser Beziehung ver- räth der Dichter eine ganz gute Schule. Da dieß Gedicht auf jeden Fall ein jüngeres ist, so sollte man es frei von Lücken und Zusätzen erwarten; aber dem ist nicht so. Man wird also auch hier überall, wo die vierzeilige Strophe des Star- kadharlag — denn in diesem ist das Lied gedichtet — zerstört ist, Verderbniss anzuerkennen haben. Einen Zusatz, wenn auch keinen ungeschickten, haben wir gleich in Str. .'5. Der Vers nämlich: n8vipti hm 8ödli af svöngwm iöu ward ohne Zweifel für geboten erachtet, weil es Str. 2 heißt: ä er bani Fafnis borg um patti. Das letzte Wort ist ent- weder ein Schreibfehler für pekti von pekkja, cognoscere, oder diabe- tische Nebenform zu pekti, und dann wohl pätti zu schreiben. Es ent- spräche also dem deutschen dachte von denken. Die langsilbigen Verba der altnord. 1. schwachen Conjug. haben allerdings in dem BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 17 Präteritum keinen Rückumlaut, und das macht es vielleicht bedenklich, pätti als Nebenform zu fwkti anzunehmen. Indeß, da von Pykkja das Prät. potta lautet, so lässt sich auch wohl pdtta von pekkja recht- fertigen. Was Egilsson über jiatti fabelt, ist wahrhaft ergötzlich. Er sagt unter patti: incertura; puto esse formara obsoletam imperf. ind. verbi intrans. piöta, j<u II, II 2* 20 E. WILKKN Ganzen die a-Clsse als Regel, die beiden andern mein- nur als Spiel- arten erscheinen2). — Nimmt man hiezu die Anomalien, die uns überall da in der got. Declin. entgegentreten, wo es sich um Einführung neuer und fremder Worte handelte, so kann das oft fast komische Schwanken zwischen der a-, i- und tt-Declin. wohl auch nur auf ursprüngliche Identität hindeuten. Ich hebe hier folgende Fälle hervor: aggilus, PI. aggiljus und aggileis] aipistule {-ei) Acc. PI. aijpistulans] apaustaulus, PI. apaustauleis ; diakaunus mit der Nebenform diakun (für die Identität mit der conson. Declin. sprechend); Fareisaius, PI. Fareisaieis ; Galatius, PI. Galateis, Gaumaurreis, Dat. Gaumaurjam\ Johannes, -is, Gen. -nes, -ni», Dat. -ne, -nen, -nau, Acc. -nen, -nein, -ne\ Jairusaulyma, PI. Jairu- saulymeis] Jacobus, Gen. Jacobis, Dat. Jacoba neben den Formen nach der w-Declin.; von Jaurdanus scheint der Dat. Jaurdane Mc. I, 5, 9 vorzukommen, wo Heyne freilich einen Nom. Jaurdanes annimmt; Jaissais, Joses u. A. Gen. Jaissaizis, Josezis; Jesus, Gen. Jesuis, Dat. Jesua und Jesu] Iscariotes, Dat. -tau, Acc. -tu und -ten\ MattatMus, Gen. -tlüaus und -thivis\ praufetes neben praufetus\ sabbatus, Dat. Plur. -tum und -tim\ Saudaumeis, Dat. -mim und -mjam] Seimon neben Sei- monus; Teitus, Dat. und Acc. auch Teitauhj Tibairias, Dat. Tibairiadau. Um zu zeigen, daß nicht bloß Fremdworte diesen Schwankungen unterliegen, will ich noch auf einige echt gotische Anomalien der Art hinweisen: aivs, Dat. PI. aivam, Acc. aivins; bajops, Dat. bajopum neben fidvorim von fidvor; haims hat im Plur. Acc. haimos, Dat. haimom, Gen. haimo; vegs hat regelwidrig den Nom. Plur. vegos neben dem Dat. PI. vegim. Eine Menge Worte lassen es bei ihrem sparsamen Vorkommen überhaupt zweifelhaft, welcher Classe sie zufallen, vgl. Gr. P 598 Anm. 1. — Über reiks und veitvods vgl. Heyne Ulfilas 5 A. S. 418. Die Fremdworte im Gotischen zeigen aber nicht bloß dieß oben berührte Schwanken in der Flexion, sondern auch vielfach die Fähig- keit, sich der fremden (griechischen) Flexionsweise analog zu verhalten. In einigen Fällen, wo solche Analogie angenommen wird, bleibt sie allerdings zweifelhaft: will man den Dat. Teüaun (s. oben) mit Heyne (S. 434) aus Tita erklären, so bleibt das auffällige n gerade unerklärt. Merkwürdig ist auch, daß griech. Fremdworte weiblichen Geschlechts wie Marja und Aiwa der Analogie einer Declinationsclasse folgen, der von echt gotischen Worten nur Masculina zufallen, und umgekehrt griech. Masculina wie Aharön, Apaullo u. A. sich der Analogie von J) Der a-Classe schließen sich auch die Part, auf -and im Dat. Plur. an. Übri- gens setzen ja neuerdincrs Einige a, e, o als die drei Classenvocale an, was zu unserer Ansicht auch wohl passen könnte. Zli; DEUTSCHEN DECLINATION. 21 tuggd anschließen, was wiederum für die freie Auffassung3) der Decli- nationsclassen zeugt. Besonders wichtig ist aber, daß alle im gfiech. Nora, consonan tisch auslautenden Nomina (mit Ausnahme derer auf -og (= got. -us) und -ccg (= got. as oder a nach der Analogie von hana) der sog. vocalischen a-Declination folgen! Vgl. Heyne S. 434. Was die übrigen deutschen Dialecte betrifft, so zeigen sie theils ähnliehe Schwankungen in ihrem eigenen Gebiet, theils untereinander. Im Ags. z. B. hat man (homo) im Dat. PI. mannum (got. mannam), im Altn.4) entspricht bei den Verwandtschaftsnamen fadir, brddir zwar der Dat. Plur. scheinbar dem Gotischen, aber der Umlaut in fed/rum zeigt, daß die Endung früher den i-Vocal besaß, und es wird hier der Plur. (Nom. Acc. fear) früher entschieden der ^-Classe gefolgt sein, während die obliquen Casus des Sing, ebenso entschieden der w-Classe sich anschließen, wie dieß im got. Plural der Fall ist. Dasselbe Schwan- ken zeigt sich bei den (wirklich vocalischen) Feminin -Stämmen auf ä oder a — die Quantität ist bekanntlich zweifelhaft — wo z. B. got. giba (ahd. k!:pa), altn. giöf '= gi(a)fu, got. airpa, ahd. iirda altnordischem iörd entspricht. Es zeigt sich durch diese Beispiele ferner, daß Umlaut auch durch sog. unorganisches u gewirkt werden kann, wie denn überhaupt gerade auf altnord. Gebiet die bisherige Umlautslehre sich als besonders willkürlich erweist5). Und wie bequem weiß man nicht den Gen. Sing, der Masc. nach der sog. i- und zt-Classe auf -ar als Entlehnung aus dem Feminin zu erklären! Bekanntlich ist aber das Suffix auch des masc. Genetivs ebenso wie das des Nominativ Pluralis ursprünglich -as, welches -as im Got. Plural schon zu -äs gedehnt, im Ags. noch in der Form -as (schwerlich -as), im Altn. in der Form -ar erscheint; ist das -ar in armar nun auch eine Entlehnung aus dem Feminin, weil dieses dasselbe Suffix zeigt? Natürlich fehlt es auch nicht an Anomalien: eine ganze Reihe von Worten (vgl. Wimmer S. 44) können für das regelrechte (aber unverstandene) -ar im Gen. s haben, und wiederum tritt für regelrechtes -s ar ein (Wimmer S. 38 und 39) in hjarar neben hjörs, in snaevar neben maes, in sarrar neben saevs, in bekkjar neben bekks. l>aß demnach dieß -s des Gen. wohl vermittels! -18 (und seihst us) aus as ebenso abzuleiten ist wie -ar aus -as. dürfte einige Wahrscheinlichkeit haben. Von diesem Standpunkt aus betrachte! 3) Vom sprachwissenschaftlichen Standpunkt kann die-. Freiheit natürlich durch- aus nicht auffallen, da die Flexionsweise ursprünglich für all.' Genera fast identisch war. *) VgL Wimmer Altn. Gramm. 8. 64. Womit ich nicht sagen will, daß ich den neuesten Umlauttheorien unbedinert beistimmen könnte. 22 E. WILKEN gewinnt freilich die bisherige Schematisierung der vocalischen Classen ein gefährliches Aussehen. Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die urverwandten, zunächst die classischen Sprachen, so zeigen sich dieselben Erschei- nungen überall. An die von der scholastischen Grammatik sogenannten Heteroklita und Metaplasien im Griech. will ich nur kurz erinnern: die Fälle solcher Freiheiten mögen in den classischen Sprachen, die früh unter die regelrechte Scheere der Grammatiker kamen, etwas seltener sein als in den altd. Dialecten, wo der Anomalien wahrschein- lich noch weit mehr zu Tage treten würden, wenn uns alle Casusformen, die überhaupt vorkamen, zur Prüfung vorlägen. Von den Schwan- kungen zwischen den einzelnen Sprachen möge hier einiger gedacht werden. So entspricht unserm got. fisk nach der sog. a-Classe der vocalischen Declin. das lat. piscis, das seiner ganzen Flexion nach entschieden mit unserer sog. z-Classe sympathisiert, und auch von Leo Meyer z. B. als pisci- unserm got. fisca- zur Seite gestellt wird. Dieses pisci- zeigt aber wiederum auffallende Ähnlichkeit in der Flexion6) mit dem consonantischen Thema vöc- (Nom. vox für vocis u. s. w.), während das entsprechende Nomen im Sanscr. väc wieder in seiner Flexion eine gewisse Conspiration mit der vocalischen a-Classe (im Sanscr. und Gotischen) durchaus nicht verbirgt. Kurz man kann sieh bei der bisherigen Auffassung in angenehmster Weise beständig im Kreise drehen und nach dem Motto: „exceptio firmat regulam" die gute alte Regel von den drei Classen der vocalischen Declination gerade wegen der Menge der Ausnahmen, welche diese Theorie ge- stattet, aufs bequemste gegen jeden leichtfertigen Angriff vertheidigen. Anders läge die Sache freilich, wenn man auch theoretisch die Mängel des alten Systems aufdecken könnte — doch zuvor werfen wir noch einen Blick auf die Adjectiv-Declination. Diese ist, sofern sie nicht zur Pronominal-Declination stimmt7), wohl identisch gewesen und vielfach noch ähnlich der Substantiv- Declin. Im Gotischen ist uns zunächst auffallend, daß die {-Declin. 6) Auf Unterschieds im Gen. Plur. (ium neben um) komme ich hier noch nicht zu sprechen. T) Das Verliältniss ist allerdings sehr zweifelhaft. Im Sing. Acc. z. B. got. Llindana ist mir eine Zusammensetzung mit einem Pronominal-Casus nicht sehr wahrscheinlich, blindana im Got. scheint mit dem ahd. plintan verglichen als rich- tige, nur etwas erweiterte adjectivische Flexion, die wieder durch seltene Fälle in der Sub.stant.-Declination wie Christan (lat. Christum) und cotan (= deum, Graff IV, 149), sowie durch die Anal, der classischen Sprachen auch für das Substantiv sich fol- gern lässt. ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 23 bei den Adj. nur nocli im Nom. Sing. masc. und fem., und fast ebenso kärglich die M-Declin. zu erkennen ist, wogegen alle anderen Casus der i- und w-Declin. „die jüngere Entartung" -ja erkennen lassen. Im Altn. geht die sog. starke Form des Adj. im Plural nach Analogie der vocalischen a- und i-Declin. des Subst, nur daß der Dat. hier wie dort der Analogie der w-Declin. folgt. Im Sing, ist der Dativ beim Adj. wieder ebenso nach «-Declin. gefärbt, Nom. und Gen. würde man herkömm- licher Weise der ä-Declin. zuweisen, wogegen die i-Declin., glaube ich, mindestens ebenso viel Recht hätte, und der Acc. Sing, riecht wieder nach a-Declination! Was die theoretische Auffassung der indogerm. Declination betrifft, so werde ich mich im Wesentlichen auf Bopps Standpunkt als den bisher geltenden zu beziehen haben, da alle übrigen Forscher mit nur geringen Variationen der Boppschen Ansicht gefolgt sind. Bopp trennt (vgl. Gr. I3, 197) die Wortwurzeln überhaupt in zwei Classen: Verbal- und Pron ominal-Wurzeln. In Bezug auf erstere giebt er allerdings zu, daß diese Bezeichnung nur eine herkömmliche und ungenaue sei, da auch Nomina unmittelbar aus solchen Wurzeln ent- springen könnten. Da diese übliche Bezeichnung „Verbalwurzeln" aber zu der meiner Ansicht nach entschieden falschen Auffassung, als ob das Verbum überhaupt eine ältere Sprachform sein müsse als das Nomen, Anlaß gegeben hat, so möchte ich diese Bezeichnung gerne verbannt wissen. Wenn ich nun für „Verbalwurzeln" in demselben Umfang die Bezeichnung „Nominalwurzeln" vorschlage, so mag dieß zuerst etwas paradox klingen, doch sei bemerkt, daß ich den Ausdruck Nomen weiter fasse als dieß gewöhnlich geschieht; ich sehe Substantiv, Adjectiv und Verbum als drei Unterscheidungen desNomens an. Da nicht bloß Infinitiv, Particip, Gerundiuni u. s. w. des Verbums entschieden der Nominalbildung zufallen, sondern auch Formen wie lat. amamini entschieden als Participia und somit als nominale Bil- dungen sich ausweisen, so scheint mir die Unterordnung auch des Verbums unter dem Nominalbegriff zulässig. Für die Nominalwurzeln würde ich nun ein ursprünglich weder substantivisches noch verbales, eher adjectivisches oder füglicher vielleicht prädicativ zu nennendes Gepräge annehmen; so erscheint /. B. di Verbalwurzel vio- , oder gar aus einem Gen. Plur. civitatium (obwohl civitatum die häufigere Form zu sein scheint) das Thema civitati- gefolgert10) u. s.w. Auf das leicht täuschende Verhältniss der Composita hat Bopp selbst (vgl. Gramm. I3, 246) aber sehr treffend hingewiesen, und auch aus andern Gründen lässt sich die bezeichnete Auffassung angreifen. Wenn nämlich Interjectionen, selbst auch Pro- nomina (z. B. das Ich) ohne Weiteres substantiviert werden können, so wäre gar merkwürdig, wenn aus jenen andern Wurzeln, die man (um die Ausdrücke nominal und verbal zu vermeiden) am besten wohl mit Max Müller Fr ädicats wurzeln nennen könnte, nur oder doch fast nur durch Suffixe Substantiva gebildet Averden könnten. Wenigstens müsste man consequent sein und auch neutrale Bildungen wie das got. blind aus blindam11), unser nhd. gut, wo es masc. ist aus guter, wo es fem. 6) Bopp Kurze Sanscr. Gr. (3 A.) §§. 527, 571 und namentlich 572. 9) Bopp a. a. O. §. 575 '). ,n) Vgl. Leo Meyer Gr. und lat. Decliii. S. 3, 4. ll) So erklärt Leo Meyer in der That diese Bildung. ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 25 aus gute? wo es neutr. aus gutes entstehen lassen12) — aber die andere Auffassung, wonach in gut als Adj. und Subst., in vaurd als Subst., in puer u. s. w. eben nichts abgefallen ist, sondern die Wurzel zugleich als Thema oder Stamm13) fungiert, ist offenbar weit einfacher und, glaube ich, hinreichend gesichert. — Was nun die Casusbildung be- trifft, so nimmt Bopp als Nomin. -Zeichen ein 5 an, das er auf das Pron. sa zurückführt. Ein schlagender Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme soll sein (vgl. Gr. I3, 280), ..daß das genannte Pron. in der gewöhnlichen Sprache sich über die Grenze des Nom. masc. und fem. generis nicht hinaus erstreckt". Ich fühle mich durch diesen Beweis nicht sehr geschlagen: gesetzt auch, sa = griech. o, sä = gr. y\ kämen sonst nicht vor, und wären nicht identisch auch mit ö?, r\ (Ö) und vielleicht noch andern Bildungen — folgte aus diesem übrigen Nicht- vorkommen, daß sie uns mumienhaft in den Casuszeichen erhalten sein müssten? Überdieß ist die durchgängige Abstumpfung von sa zu s für mein sprachliches Gefühl eine sehr harte Zumuthung: weit leichter ließe sich s als 's aus as erklären, wenn dieß sonst angienge. Und warum nicht? Giebt man jenes armselige a, das als Suffix zur Bildung männlicher Hauptwörter verwandt sein soll — wogegen doch auch schon einige Bedenken laut geworden 14) — einfach auf, so er- halten wir ja in Worten wie sanscr. sivas, griech. ccv&Qcortog, lat. muii- dus, got. ßsk(a)s u. s. w. eben as, resp. os oder us als Zeichen des Nominativs, welches as ja ein wohlbekanntes Pronomen und auch als Nominalsuffix, wenn auch in sehr geringem Umfange, bereits anerkannt ist ' ■'). Nun glaube ich freilich nicht, daß dieses -as als eigentliches Nominativzeichen anzusehen: Nom. und Voc. sind, wie ich vermuthe, ursprünglich ohne besonderes Zeichen gewesen16). Dagegen scheint freilich u. A. zu sprechen 1. daß neben puer älteres puerus, neben socer älteres socerus 17) sich nachweisen lässt, 2. der Noin. der Neutra auf am oder auf einen Dental endend. — Indeß was 1. betrifft, so glaube ich, daß man in älterer Zeit puer und puerus beliebig IJ) In diesen Beispielen ließ sich der sog. Themavocal von dem Casuszeichen nicht wohl trennen. 3chon durch solche bildliche Bezeichnungen lässt man sich leicht zu irriger Anschauung verleiten I * i • Wort sind eben keine Pflanzen, son dem vielfach wenigstens wie Minerva fix und fertig dem Geist oder der Phani entsprungen. '*) 80 bat z. B. I Meyei Got, Spr. §, 364 in dem a nur eine Verkürzung von ">< und weiterhin emt erblicken wollen, aber schwerlich mit Recht. ,s) Vergl. Hopp K. Sanscr. Hr. §. 57ö, 13. — Wie weil dieses a» mit dem Pronom.- Btamm a Bopp %. 247) zusammenhängt, lasse ich liier dahingestellt, '") Vom Vocativ nimmt man dieß zum Theil Bchon an. '") Vergl, Leo Meyei griech, und lat. Declin. S. 6 oben. 2ß E. WILKEN brauchen konnte und erst der Einfluß der Grammatik hier den Usus endgiltig feststellte; was 2. betrifft, so ist im Neutr. Nom. und Acc. bekanntlich gleichlautend, der Acc. wahrscheinlich aber in diesem Fall für den Nom. maßgebend gewesen, und wohl selbst nur aus dem Acc. des Masc. entlehnt. Was den neutralen Nom. und Acc. z. B. im lat. istud betrifft, so glaube ich, daß der Dental nur Rest eines Demon- strativ-Pronomens ist, und istud aus istumd(e) etwa zu erklären wäre. Von einem wirklichen Casuszeichen ist also auch hier wohl nicht zu reden. Die Casusbildung würde sich meiner Ansicht nach im Sanscr. z. B. so zugetragen haben : vom Paradigma sivas ist kein Thema siva, sondern nur die Wurzel svi = siv zugleich als Thema anzusetzen. In einer älteren Periode wird siv zugleich als Nom. des Adj. und Subst. gegolten haben, sowie wir im Nhd. noch jetzt gut (bonus) neben guter gebrauchen, als (einfaches) Genetiv- Suffix aber -as angetreten sein, welches selbe Suffix vielleicht auch den Nom. Plur. sivas (für sivas vgl. unten) gebildet haben wird. Diese zwiefache Verwendung des Suffixes -as ließe sich wohl am einfachsten durch den Partitivbegriff, der in ähnlicher Art dem Gen. Sing, und Nom. Plur. inhäriert, er- klären: Brotes deutet zunächst auf eine Theilung, dann aber auch auf eine Vielheit der Brottheile oder Brote hin 18). — Dieses einfache Genetiv- Suffix -as erfuhr aber späterhin eine Verstärkung durch -ja, so daß nun asja das vollere Gen.-Suffix wurde, das aber nicht überall antrat. Wo es antrat, konnte nun das ältere einfache Suffix als eine Art Nominativzeichen verwandt werden, da es bei dem häufigen Ge- brauch gerade dieses Casus doch seine Bedenken hatte, ihn ganz unbezeichnet zu lassen. Daher finden wir auch da, wo dem Genetiv einfaches -as als Endung genügte, aus diesem -as auch eine ähnliche, aber etwas variierte Endung für den Nomin. entwickelt, und z. B. neben vocis Gen. das identische, aber variierte vocs, vox als Nom. oder neben nubis Gen. das gedehnte nubes als Nom. angewendet. — Ganz ähnlich wie mit dem Gen. verhält es sich meiner Ansicht nach mit dem Dativ: das ältere Suffix ist -ai, e, das aber auch durch ja verstärkt, also zu äja (aus ai -\- ja) werden konnte, so steht siv-dja neben vac-e. — Der Accusativ hat die Endung -am, und diese ist im Neutr. auch für den Nom. eingetreten. — Wie weit einige Locativbildungen auf -am ,8) Das franz. du pain = Brot (worunter auch mehrere Brote gedacht sein können, nur daß diese in ihrer Besonderheit nicht einzeln bemerkt werden dürfen, in welchem Falle des pains richtiger wäre) ist wohl noch deutlicher. ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 27 und -am etwa diesem Accus.-Suffix verwandt sind, lasse ich hier dahin- gestellt. — Die gewöhnliche Locativendung ist -i, doch konnte, wo der Dativ das vollere Suffix dja gewählt hatte, die einfache Dativ- endung ai = e auch für den Locat. eintreten, also sive Loc. neben vaci. — Als Endung des Ablativs nehme ich natürlich nicht -t wie Bopp19), sondern -at an, woraus sich -dt durch Dehnung (vgl. w. unten) bildet. — Der Instrumental hat d zur Endung, kann aber durch nachgesetztes -na verstärkt werden, also sivena für sivdna aus siv-d -\- na. Im Plural war einst vielleicht Nom.- und Acc.-Endung identisch und zwar -as"°), woraus durch Dehnung und erweiternde Nasalierung alle die Formen, welche uns jetzt entgegentreten, geworden sein mögen. Im Gen. Plur. hat das einfache Suffix -dm wiederum Verstär- kung erfahren durch vorgesetztes -an*1) (an) oder -as, letzterer Fall (also as -f- dm) tritt im lat. Gen. Pluralis auf -arum, -omni zu Tage 22). — Für Instr., Dativ, Ablat. und Locativ sind als ursprüngliche Endungen: abhis, abhjas, asu anzusetzen, was zum Theil schon von Benfey 23J und Ad. Bezzenbergcr24) vermuthet ist, an welche Formen sich auch der Dual Gen. auf abhjdm anschließt, während ich die andern Dualformen hier bei Seite lassen will. Bekanntlich wird der Anlaut dieser eben ge- nannten Suffixe in der Declination gedehnt und zwar nach ionisch- gotischer Weise25) zu e, siveshu, sivübhis und Instr. Sing, sivena, wahr- scheinlich aus euphonischen oder Accentuationsgründen. Ehe ich indeß weitergehe, möchte ich einigen Einwendungen, die man mir leicht machen könnte, zu begegnen suchen. Man sagt vielleicht, gesetzt auch, siv-as, dev-as u. s. w. lasse sich wohl ansetzen, aber nicht j-as, k-as u. s. w. In diesen Fällen seien ja, ka die Themen, aus denen durch Antritt von -as jäs, käs hätte werden müssen. Aber in solchen Fällen ist das a des Stammes wohl nur als eine Art Hülfs- vocal anzusehen , ja ist nur eine Entfaltung von i, na (z. B. in der '"i Vergl. Gramm. I3, 348, wo die Ansicht as % und e der .ludern Dialeete (a im Ahd. ist jünger als r) erinnert mehr an Locativfonmn. *') Vielleicht gedehnt fiseäs nach Anal, des (int. und Lat. •*) Die german. Dati\ e Plur. entsprechen scheinbar mehr alten Dual-Dativen auf -abjüm. 32 E- WILKEN ais ähnlich wie im Lat. (mit anderer Folge) der Nom. nub-es neben dem Gen. nub-is. Ebenso ist hand-aus historisch nur hand-üs neben dem Nom. handus. Im Plur. ist anst-eis nur wieder gedehntes anst-is, ganz ähnlich wie im Altlat. consuleis, vir-eis (Nom. Plur.) eis (= ii), host-is, imbr-is u. A. (Vgl. Leo Meyer Griech. und lat. Declin. S. 65 bis 68). Im Plur. Nom. handjus ist ju = iu ebenso Dehnung von u, wie ei und ai von i in Formen wie änsteis und anstais, letztere wohl durch den Dat. anst-ai graphisch bedingt, in dem ich die alte Dativ- endung ai wenigstens eher erkenne als in dem masc. Dat. fiska. Nach Westphals Gesetz wäre freilich altes ai in gotischen Endsilben uner- laubt, und dafür einfaches a zu erwarten, aber ich möchte auf dieß Gesetz so wenig schwören wie auf irgend eine Grammatikerregel, wenn demselben auch nicht unrichtige Beobachtungen zu Grunde liegen. Noch ein Problem germanischer Declination will ich schließlich berühren, nämlich die historische Erklärung unserer schwachen con- sonantischen Declination, indem ich zur Orientierung auf die über- sichtliche Skizzierung der Frage durch Delbrück (bei Zacher II, 398 fg.) verweise. So nahe die Vergleichuag dieser conson. Stämme mit den entsprechenden der elass. Sprachen zu liegen scheint, so bietet sie doch bei näherer Betrachtung Schwierigkeiten, namentlich wenn man auch die andern Dialecte des German. , nicht bloß das Gotische ins Auge fasst. Sollte z. B. altnord. gumi direct altlat. homon- entsprechen können? Überhaupt zeigt das altnord. Paradigma dieser schwachen Declin. so recht, daß wir es hier mit keinem reinen Entwicklungs- process, vielmehr mit einem durch zufälligen Usus bedingten Bequem- lichkeitsschema zu thun haben. Um aufs Gotische zurückzukommen, so nehme ich an, daß für den Nom. Masc. und Neutr. vollere Formen, noch in gotischer Zeit, bestanden: etwa hanans oder hanands analog nasjands, naman (später namo) entspr. dem lat. nomen, Gen. hanans vielleicht wechselnd mit hanins, namins u. s. w. — Wie entstanden nun die kürzeren Formen? Werfen wir einen Blick auf die Adjectivflexion, so wäre an und für sich möglich, blinda aus blindja zu erklären (so auch fara aus farja in der Conjug.), und da das Suffix -jai3) beson- ders gut zur Adjectivierung sich eignete, so lässt sich wohl denken, daß zu einer Zeit im Altgermanischen erlaubt schien, jedes Adject. (etwa mit leichter Verstärkung des Begriffs) mit -ja zu componieren. So trat zu den schon vorhandenen Formen blind (unflectiert, im Got. später nur fürs Neutr. gebräuchlich) und Uinds für blind-as**) eine 43) Es bedeutet (nach Benfey) ursprünglich so viel als eigen, eigentümlich. *) Wenn es nämlich = blindas, vergl. weiter unten. ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 33 dritte Form blinda für blindja, deren Flexion aber zu sehr mit der von blinds zusammengefallen wäre, wenn man z. B. im Nom. blind-eis, blinds oder blindis, Gen. blindis u. s. w. gesagt hätte. Oder sollte jenes blinds, blindis, blindamma u. s. w. wirklich das in Frage stehende flec- tierte blind-ja sein? Ich lasse dieß unentschieden45): jedenfalls handelte es sich für die Sprache darum , eine andere, bestimmt unterschiedene Flexion für das aus blindja entsprungene blinda zu gewinnen, sollte dieß nicht so unflectierbar bleiben wie die Form blind. Man entlehnte nun, meine ich, aus der schwachen conson. Subst. Declin. den Gen. u. die fg. Casus und flectierte : blinda, blindins (nach hanins) u. s. w. Und indem nun diese adj. Classe mit der substantivischen fast ganz zusammenfiel, die bestimmte Unterscheidung des Nom. Sing, vom Gen. Sing., Nom. und Acc. Plur. in der adjectiv. Flexion aber vortheilhaft sich vor der substantivischen Monotonie (hanans Nom. Sing, und Plur. Abc. Plur.) auszeichnete, dazu noch bequemer war, so mochte man sich mit der Zeit gerne gewöhnen, wie blinda, blindins nun auch hana, hanins (Plur. hanans) zu beugen. Diese Ableitung des Nom. hana aus der adjectiv. Flexionsweise empfiehlt sich auch deßhalb, weil die Nom. des Fem. und Neutr. tuggo und hairto in ihrer gleichlautenden Endung auch auf den Einfluß adjectivischer Flexionsweise*6) hinzudeuten scheinen. Das Femin. blindo erklärt sich uns leicht als blind(j)a -j- ä (Fem.-Char.) und nach monotoner adjectiv. Weise47) ist das Neutr. blindo dem Fem. einfach entlehnt. Sollte aber auch diese Auffassung der schwachen consonantischen Declin. Einigen zu künstlich und die eine oder die andere meiner Ver- muthungen zu kühn erscheinen, so wird ein unbefangener Beurtheiler doch nicht leugnen können, «daß in der Hauptsache meine Ansicht aber das Wesen der indogermanischen Declin. einfacher ist als die herr- schende, und vorläufig hinreichend begründet ward, um einige Berück- sichtigung und genauere Prüfung zu verdienen. Sollten dabei auch noch einige Bedenken aufsteigen, wie ich denn selbst bei meiner nur mangelhaften Kenntniss der asiatischen Sprachen längere Zeit mit 4S) Wenn ich oben die Zusammensetzung mit einem Pronomen für die starke Adject. -Flexion bezweifelte, so ist die Composition mit einem einfachen Suffix nicht darunter verstanden. *') Nur dieser eigne! die Verwischung der Genera im st« «l>ii Grade, in der Bubst.-Declin. wird das Neutr. >" viel ich sehe nie vom Fem. i" stimmt, nur von dem Dia *') Das germanische Adjectiv erstrebt, namentlich im Plural , Gleichförmigkeil der Geschlechter. Im Altnordischen hat1 das schwach Adjectiv im Plural um Eine, im Bing, auch nur drei Formen t'iir alle Casus und r. Mit langt vgl. Doch ahd. guecU nti, mit plinto wü • QEEMAKL* s ra <\l\ J.a.rg ) 3 34 E. WILKEN, ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. meiner Ansicht zurückgehalten habe, und noch jetzt bei etlichen Worten im Sanscrit und selbst im Griech. schwanken muß, wie hier die Themen aufzustellen seien, so möge man doch bedenken, daß keine derartige Hypothese über jeden Zweifel und jede Anfechtung erhaben sein kann. Erst nachdem ich bei Kundigeren theils Zustimmung, theils Bedenken, doch ohne entscheidende Argumente gefunden, habe ich meine Ansicht vorgetragen, deren Bedeutung freilich, wenn sie richtig wäre, um so größer würde, da sich dann auch die Conjugation müsste analog auf- fassen lassen. Das meine ich nun allerdings auch, doch möchte ich nicht mit zu viel Neuerungen auf einmal kommen. — Zum Schluß will ich nur darauf noch kurz hinweisen, wie die neue Ansicht 1. ein- facher ist als die frühere, da wir nun in vielen Fällen nicht erst künstlich ein Thema aufstellen müssen, sondern den Stamm mit der Wurzel gleichsetzen können; 2. natürlicher erscheint im Hinblick auf die zahlreichen oben beleuchteten Schwankungen der bisher sog. drei vocalischen Declinationsclassen. Wenn ich statt dieser drei Classen drei Fractionen der starken conson. Declin. unterscheide, so ist das ja keine bloße mutatio nominum, sondern der Ausdruck Fractionen d. h. Brechungen oder Spaltungen deutet schon darauf hin, daß hier nur leicht wieder vereinbare Spielarten derselben Classe gemeint seien. Endlich wird 3. meine Ansicht auch durch gewichtige Ana- logien der indogermanischen Grammatik unterstützt. Betrachten wir die von Grimm Gr. II, 97 fg. vorgeführten conson. Suffixe48): -al, -il, ul; is-al; ar und ir\ am und um', an, in, un, ein (und ön?); die Ad- verbialsuffixe -aba und -ubai9) u. s. w., so haben wir hier ja die besten Erläuterungen unserer starken conson. Declination mit den Suffixen -as, -is, -us (alle aus urspr. as) in Fülle vor uns. Dieselben Suffixe sind auch in der schwachen conson.50) Declin. erhalten, nur sind sie hier (namentlich bei den schon mit dem Suff, -and versehenen Stämmen) verkümmert: „die Belastung des Worts durch Composition" nimmt zur Erklärung eines ähnlichen Umstandes schon M. Heyne51) an. GÖTTINGEN. E. WILKEN. 48) Über den Sinn dieses „eonsonantisch" vgl. S. 97 unten. 49) Die neuer- dings von A. Bezzenberger neu vertretene Ansicht, wonach diese Adverbsuffixe auf altes -vant zurückgiengen, modificiere ich nur dahin, daß ich dem -vant älteres avant supponiere. 50) Auch der vocal. Declin. eignen im Grunde, wie erwähnt, dieselben Suffixe. 5l) Laut- und Flexionslehre der altgerman. Sprachstamme 1. A. S. 23$ Anm. W. GEMOLL, DER VERS VON VIER HEBUNGEN. 35 DER VERS VON VIER HEBUNGEN UND DIE LANGZEILE. Fast durchgchends unterscheiden sich im Mhd. Volks- und höfi- sche Epen durch ihr Metrum, diese gebrauchen die kurzen Reimpaare mit viermal gehobenem Vers, jene die Langzeile von acht Hebungen; denn daß eine Langzeile von acht Hebungen dem Nibelungenlied, der Gudrun, Ortnit und überhaupt allen Volksepen, welche Langzeilen an- wenden, zu Grunde liegt, geht aus den Strophen der mhd. Volksepen selbst hervor, die als mehrfach variiertes Grundthema die Langzeile von acht Hebungen deutlich erkennen lassen. Die Betrachtung dieser Ver- schiedenheit führte, weil gegenseitige Einwirkungen beider Dichtungs- arten feststehen, auf die Frage: Sind beide Metra gleich ursprünglich oder ist eins von dem andern abgeleitet und welches? Ist doch die achtmal gehobene Langzeile genau gleich zwei Versen von vier Hebungen, und die Diärese in jener schien ein Zeichen zu sein entweder für die Zusammensetzung der Langzeile oder das Zerfallen derselben in zwei Verse von vier Hebungen. Ich werde im Folgenden versuchen, dieß eigenthümliche Verhältniss beider Verse zu betrachten und so vom Mhd. ausgehend den deutschen Urvers zu bestimmen. Zunächst ist es wichtig zu zeigen, daß in der mhd. Zeit das Volksepos nicht ausschließlich die Langzeile, wie die Kunstepen nicht ausschließlich den viermal gehobenen Vers anwenden. Wäre das der Fall, so würde der Schluß nahe liegen, daß das jedesmalige Versmaß im Wesen der betreffenden Dichtungsart begründet, und also ebenso alt wie diese sei. Doch finden wir einerseits in Wolfram's Titurel und ein wenig modificiert bei seinem Nachfolger Albrecht von Scharfenberg eine aus Langzeilen gebildete Strophe verwendet, deren Vorbild ohne Zweifel die Nibelungenstrophe war; andererseits sind die Klage, Biterolf und Diet- leib u. a. Volksepen in kurzen Reimpaaren gedichtet, so daß der Gegen- satz, der auch in Bezug auf das Metrum der Volks und Kunstepen mild. Zeit besteht, mehr als ein künstlicher, ersl allmählich gewordener erscheint. Da sich mm der Gegensatz zwischen dem viermal gehobenen Vers und der Langzeile von acht Hebungen nicht mit «lein Gegensatz zwischen höfischer und Volksepik deckt, uns aber nur jener vorzüglich beschäftigt, so empfiehlt es sich zunächst historisch festzustellen, wie weit sich jede> Metrum rückwärts verfolgen lasse, indem wir ausgehen von 36 W. GEMOLL der Scheide des 12. und 13. Jhs., wo sich ja jene Gegensätze besonders zugespitzt hatten und in's Bewusstsein der Nation getreten waren. Die kurzen Reimpaare finden wir im 12. Jh. selbst nicht bloß bei Heinrich von Veldecke, von dem man ja die Reinheit und Feinheit des mhd. Verses ableitet, und dessen Nachfolgern oder den eigentlich höfi- schen Dichtern , sondern auch sonst vielfach, aber mit sehr verschiedenem Geschick gebraucht. Die Dichter des Prophilias, des Pilatus, des Ägi- dius und Eilhard von Oberg beobachten ziemlich genau den viermal gehobenen Vers ; weniger sorgfältig sind die Pfaffen Konrad und Lam- precht, Heinrich der Glichesäre und Wernher. Mit all diesen Dichter- namen und Werken bleiben wir noch innerhalb des zwölften Jahrhunderts, weiter hinaus lässt sich der Vers von vier Plebungen historisch nicht nachweisen, man müsste denn auf das von Haupt (b. Müllenhoff Denkmäler S. 371, 2. Aufl.) als viertactig erkannte Gedicht 'Himmel und Hölle' großes Gewicht legen, das der Mitte des 11. Jhs. angehört, und, da es ungereimt ist, als ein einzelner Versuch eines Geistlichen von der gewöhnlichen Dichtweise abzuweichen , gelten muß. Wenn man nun auch Haupt darin Recht geben wird, daß eine Langzeile ohne Reim oder Allitteration ein Unding ist, so wird sich andererseits auch ein Gedicht in ungereimten, viertactigen Versen schwer nachweisen lassen; demnach, wenn Haupt's Eintheilung des Gedichtes über allen Widerspruch erhaben ist, darf man es doch mit den oben erwähnten in viertactigen Versen abgefassten nicht zusammenstellen, nicht bloß weil es nicht reimt, sondern weil es, obwohl der Zeit nach früher liegend, viel genauere Verse hat. Dagegen die Langzeile blühte ja schon zu Otfrids Zeit, wobei ich nur die gereimte Langzeile vorläufig ins Auge fasse, von der Allitte- rations-Langzeile noch absehe. Und es wäre, wenn feststände, daß die Langzeile des 12. Jhs. identisch mit der Otfridschen wäre, dieser histo- rische Nachweis zu Gunsten der Langzeile ausgefallen. Das steht aber nicht fest. Zwar reimen beide, aber das mhd. Volksepos schließt der durchgehenden Regel nach zwei Langzeilen durch den Endreim anein- ander, die ahd. Gedichte reimen die zwei gleichen Hälften der Lang- zeile unter sich. Die mhd. Langzeile lässt sich erst im 12. Jh. nachweisen, am frühsten am Nibelungenlied und des Kürenbergers Liedern, so daß also die Priorität des viermal gehobenen Verses über die mhd. Langzeile auf historischem Wege gesichert scheint. Nun hat aber die Otfridsche Langzeile ebenso acht Hebungen wie die des 12. Jhs., und letztere könnte darnach als eine unmittelbare Fortsetzung der Otfridschen m.K VERS VON VIER HEBUNGEN. 37 Langzeile erscheinen mit verändertem Reim. Fragen wir also, wo liegt denn der Übergang aus der einen Reimart in die andere? In der ahd. Periode herrscht durchaus die achtmal gehobene Langzeile und zwar stets mit Binnenreim, wovon selbst das halb deutsch, halb lat. Gedicht de Heinrico: nunc almus assis filius thero tv&gero tkiemün keine Ausnahme macht. Diese regelmäßige Langzeile können wir bis tief ins 10. Jh. verfolgen, das eben erwähnte Gedicht fällt nach Lachmann nicht vor 962, weil Otto Kaiser genannt wird (über die Leiche S. 430). Dagegen finden wir in der zweiten Hälfte des 11. und im Anfang des 12. Jhs. in den Gedichten der Übergangsperiode zwischen ahd. und mhd. Zeit, wie in Ezzo's Gesang von den Wundern Christi, im Leben Jesu der Ava etc. den Reim auf das Ende der Zeile verlegt. Also ungefähr /.wischen 950 und 1050 fällt der Übergang des Reimes aus dem Binnen- zum Endreim. Aber was haben diese erwähnten Gedichte aus der Wende des 11. und 12. Jhs. für einen Vers? Zwischen drei bis sechs, sieben Hebungen schwanken die gereimten Zeiten auf und nieder; entartel also ist dieser Vers jedesfalls; aber woraus entartet? An und für sich kann dieser verwilderte Vers ebenso wohl auf Entartung aus der Lang- zeile durch Verminderung der regelmäßigen Anzahl von Hebungen als aus dem Vers von vier Hebungen durch Vermehrung der vorge- schriebenen Hebungen zurückgeführt werden. Man wird aber vorziehen, diesen so vielgestaltigen Vers von der Langzeile abzuleiten, nicht vom Vers von vier Hebungen, weil, wie wir oben sehen, letzterer für die dem 12. Jh. vorausgehende Zeit nicht sicher feststeht, und es daher in diesem Falle unlogisch wäre, aus der verwilderten Form die Existenz der regelmäßigen erschließen und behaupten zu wollen. Doch stände es auch fest, so ist der Zeitraum von nicht viel über 100 Jahren, der zwischen den letzten Spuren der ( >tfridschen Zeile und diesen mit Endreim versehenen Versen des endenden 11. Jh. verfloss, viel zu kurz für die Ausbildung und Entartung des viermal gehobenen Verses, all-, -eleu davon, daß man für die Entstehung des letztern keinen recht stichhaltigen Grund Enden wird. Denn so viel haben wir bis jetzt schon ben, daß die deutsche Poesie Ins 1150 etwa d. h. dem entschiedenen Anfange der mhd. Zeil immer nur eine Art ZU dichten, immer nur eine Art zu reimen hat, so setzl Bich die Otfridsche Zeit, die wir bis 950 ungefähr erstreckten, genau und scharf ab von der Ubergangszeil von 1050 — 1150, jeih- aber ist in sich einig, ersl in der mhd. Zeit, wo die Stände Bich absondern, linden wir höfische und Volkspoesie durch den Charakter wie durch das .Metrum ihrer Gedichte geschieden. Diesen 38 W. GEMOLL einheitlichen Charakter der ahd. Gedichte beeinträchtigt eine einzelne Abweichung wie das von Haupt viertactig hergestellte Gedicht 'Himmel und Hölle5 nicht; wollen wir ihn aufheben, indem wir für die zwischen 9 0 und 1050 liegende Zeit, wo freilich für vage Combinationen ein Feld ist, die Ausbildung des viermal gehobenen Verses statuieren, der aber dann als ohne sichtbare Spur untergegangen und nur in seinem Zerrbild, dem Vers der Übergangsperiode fortlebend gedacht werden muß? Also der zwischen drei bis sechs, sieben Hebungen schwankende Vers im 11. und 12. Jh. geht zurück auf die achtmal gehobene Lang- zeile der ahd. Zeit. Natürlich darf man daraus, daß der in Rede stehende Vers nicht abgeleitet werden kann aus dem Vers von vier Hebungen, nicht etwa schließen wollen, daß sich letzterer nicht auch finden solle unter jenen räthselhaften Versen des beginnenden 12. Jhs. Im Gegentheil liefert eine genauere Betrachtung der Gedichte, die in solchen gereimten Versen von drei bis sieben Hebungen geschrieben sind, das Ergebniss, daß die Verse von vier Hebungen, zum Theil ganz regelmäßig, zum Theil modificiert und verbildet, sich in ziemlicher Anzahl vorfinden. Ein gewiß interessantes Resultat ist hier, daß die ältesten Gedichte die größte Länge der Verse erreichen, daß die Zeilen im Lauf der Zeit immer kürzer werden und zuletzt den Versen von vier Hebungen immer ähnlicher. Die Schöpfung (bei Diemer d. Gedichte S. 93 — 103) zeigt noch durchgehends eine weit über die Vierzahl der Hebungen hinausgehende Länge der Zeilen und erreicht in gar nicht seltenen Fällen den Umfang der Otfridschen Langzeile. Man versuche einmal Verse, wie : da sihit ein iglicher nach sin selbis wizenicheit an denio gotis imo selbimo Hb oder leit als Entartungen aus dem Vers von vier Hebungen hinzustellen. Die Schöpfung gehört noch dem 11. Jh. an, die vier Evangelien von der Wende des 11. und 12. Jhs. stehen, was die Länge der Zeilen betrifft, schon nicht mehr mit der Schöpfung auf gleicher Stufe, die Zeilen, welche man auf den Vers von vier Hebungen zurückführen kann, sind schon nicht mehr so selten; in einigen der späteren Gedichte aber, wie z. B. von des todes geliügede, Pfaffenleben, Gebet zu Gott domine labia mea aperies erkennt man schon ganz deutlich den Vers von vier He- bungen als das Grundthema für die freilich mannigfachen Variationen, bis wir später bei Wernher sowie in dem Alexander- und Rolandslied die kurzen Reimpaare ziemlich genau und regelmäßig gebraucht rinden. DER VERS VON VIEE HEBUNGEN. 39 Fassen wir demnach die gewonnenen Resultate zusammen , so ergiebt sich, daß die rohd. Langzeile auch erst in der mhd. Zeit, im 12. Jh. sich findet, die Otfridsche Langzeile bis 950 herrscht, von 1050 — 1150 der mit Endreim versehene Vers von drei bis sechs und sieben Hebungen, den man als eine Trübung der Otfridschen Lang- zeile anzusehen hat, daß also Otfrids Vers in seiner reinen oder ver- dunkelten Gestalt die ganze Zeit von Otfrid selbst bis 1150 umfasst. Für den Vers von vier Hebungen ergiebt sich, daß er, rein gebraucht, im 12. Jh. auftritt, daß aus dem Vers der Übergangszeit, den wir als eine Verbildung der Otfridschen Langzeile fassen, sich allmählich immer reiner der viermal gehobene Vers herausbildet. So der Thatbestand. Es geht nun zunächst daraus hervor: der Übergang des Reims aus dem Binnen- in den Endreim fiel, so weit wir sehen, zusammen mit einer laxeren und regelloseren Handhabung der achtmal gehobenen Langzeile. Beide Erscheinungen müssen mit einander in Zusammenhang stehen, da sie von demselben Ursprung ausgehen, dem mit Binnenreim versehenen achtmal gehobenen Vers, und an eine ruhige Nebeneinanderentwicklung beider sowohl der Kürze der Zeit nach als wegen des Charakters der einen Erscheinung, der eine Verbildung, keine Entwicklung ist, nicht gedacht werden kann. Nun kann der Übergang des Reimes die Verwilderung der Langzeile nicht veranlasst haben, dafür bürgen uns schon die Nibelungenverse, demnach ist der Übergang des Reimes eine Folge jener Erscheinung. Wurden die acht Hebungen der mit Binnenreim versehenen Langzeile allmählich nicht mehr streng aufrecht erhalten, so musste bei abnehmen- dem Verstau dniss für den achtmal gehobenen Vers derselbe so ein- schrumpfen und verkrüppeln, daß ein Binnenreim gar nicht mehr möglich war. Der Binnenreim konnte doch bloß bestehen, wenn die beiden Hälften der Langzeile o-;ill7, genau correspondierten; schwand die Gleichmäßigkeit im metrischen Bau derselben, so hörte die Gegen überstellung auf, die beiden Hüllten näherten sieh, zwei wuchsen zu einem Ganzen zusammen. So war es natürlich, da man die Halbzeilen nieht mehr durch den Keim sich gegenüberstellen und binden konnte, die freilich zum Theil bedeutend verkürzten Langzeilen mit einander zu reimen; also das Zusammenwachsen je zweier Halbzeilen zu einem Ganzen war der Grund für den Bndreim. Demnach da 'las Nibelungenlied zur stehenden Regel für Beine achtmal gehobenen Verse den Endreim erhoben hat, so darf die mhd. Langzeile nieht als eine Fortsetzung der Otfridscheu betrachtet werden, sondern der Poesie des 12. Jhs., die den im Anfang völlig verdunkelten 40 W. GEMOLL Vers allmählich wieder klärt und glättet und aus ihm einerseits den Vers von vier Hebungen bildet, andrerseits die Langzeile des Volks- epos, aber jenen eher. Das geht hervor aus dem Verhältniss, in welchem die Nibelungenstrophe zu cdes Kürenberges wise' steht: sie stimmen vollkommen überein. Wenn nun aus Obigem folgt, daß der regelrechte und kunstmäßige Vers des Volksepos etwa so gut eine Neuschöpfung ist, wie der Vers der höfischen Epen, so müsste man sich schon deß- halb für die Autorschaft des Kürenbergers entscheiden, weil für eine allmähliche Entwicklung des Verses der Volksgesänge, der bis 1150 ohne Zweifel jener Übergangsvers war, unter den Händen der Volks- sänger, kein Platz ist. Gegen das Ende des 12. Jhs. tritt uns dieser Vers fertig und schon sich unter das Gesetz einer Strophe schmiegend entgegen. Zum Überfluß ist der Ausdruck des Kürenbergers: da hört ich einen riter vil ivol singen in Kürenberges wise al uz der menigln; nicht mißzuverstehen. Demnach schuf dieser Sänger aus dem doppelt gesetzten viertactigen Vers den mhd. Langvers und zugleich die Strophe, und die Sänger des Volksepos nahmen beide an. Sie hatten ihre guten Gründe dazu. Seit der bis in die 2. Hälfte des 12. Jhs. hinein auch für Volksepen gebräuchliche viertactige Vers durch feinere Ausbildung unter den Händen der höfischen Dichter das dem höfischen Epos eigen- thümliche Metrum geworden war, seitdem sich die höfische Poesie in Form und Stoff von der bis dahin herrschenden Volkspoesie losmacht und sich über sie erhebt, hat mit ihr die Volkspoesie einen Kampf auf Leben und Tod zu bestehen. Für diesen Kampf nimmt sie die von der höfischen Poesie durchgeführten Neuerungen an ; auch ihre Helden, die ja zum Theil uralt sind, tragen das höfische Gewand der Ritter des 12. Jhs., die Sprache des Volksepos ist dieselbe wie die der höfi- schen Dichtungen, und im Metrum will sie sogar ihre vornehmere Schwester überbieten. Also aus dem Verhältniss zur höfischen Poesie heraus ist die Annahme der Neuerungen des Kürenbergers von Seiten der- Sänger des Volksepos zu erklären. Die Frage also, ob die Langzeile des 12. und 13. Jhs. oder der viermal gehobene Vers aus derselben Periode ursprünglicher ist, haben wir so erledigt, daß wir beide auf den verwilderten, aber mit Endreim versehenen Vers zurücklciteten , den wir auf der Scheide des 11. und 12. Jhs. vorfinden. Um aber die Frage nach der Priorität der beiden Versarten an sieh beantworten zu können, müssen wir auf den, wie wir oben sahen, höchst wahrscheinlichen Stammvater jenes verwilderten Verses zurückgehen, die Otfridsche Langzeile und überhaupt die ahd. Zeit, um so weit als möglich mit unserer Forschung vorzudringen. DER VERS \n\ VIER BEBUNGEN. 41 Zunächst wird Otfrid betrachtet als Schöpfer des Reimes und muß es insofern mit Recht gelten, als wir vor ihm*) kein gereimtes Dichterwerk haben, ja der noch allitterierende Heliand wenige Jahr- zehnte vor Otfrid's Christ liegt. Nach ihm aber welche Fülle von ge- reimten Gedichten, ich erwähne nur die Übersetzung des 139. Psalms wellet ir gikoren Daviden den guofen und das Ludwigslied, und alle halicn wie Otfrids Christ, die Längzeile von acht Hebungen mit Binnen- reim. Das ist ohne Zweifel durch den Einfluß des großen Gedichtes Otfrids geschehen. Den Reim nun hat Otfrid höchst wahrscheinlich aus der lat. Hymnenpoesie entlehnt, obwohl einzelne Keime auch schon früher in deutschen Gedichten sich finden, wie im Hildebrandslied dat sogetim ml. dsere liiäi; aber das kann Zufall sein. Die lat. Hymnen- poesie hat entweder trochäisches Maß, wie im Lied des Venantius Fortunatus : Pange, lingua, gloriosi |j Proelium certaminis oder jambisches, wie bei Hilarius Pictaviensis : Lucis largitor splendide | Cuius sereno lumine — und dieser jambische Dimeter ist in den spätem gereimten Hymnen wohl Regel, wie beim Ambrosius: 0 lux beata trinitas | Et principalis unitas — und bei Gregor I: Elex Christe, factor omnium | Redemptor et credentium — Aber diese troch. oder jamb. Maße, wo regelmäßig betonte mit unbetonten Silben abwechseln, im deutschen nachbilden zu wollen, konnte Otfrid doch nicht einfallen, obwohl seine Strophen von zwei Langzeilen — daß er solche Strophen hatte, steht ja durch die Initialen des Widmungsgedichtes fest — den vierzeiligen Strophen der Hymnen- poesie entsprechen; er würde, wenn er auch keine klare Einsicht in die verschiedenen Principien der lat. und deutschen Verskunst hatte, doch bald die Wahrnehmung gemacht haben, welche der Dichter des Pilatus noch im 12. Jh. macht: Man sagit von dutischer zungen sin $ unbetwungen, ze vuogene herte. Außerdem kennte ihm der Gedanke |i !' bauptung bleibt bestehen, sollte sich auch die Vermuthung Wüllen- hoffs (Denkm. S. 296) bestätigen, die er in Betreff des 'Christus and die Samariterin betitelten Bruchstücks, Lesen wir th macht: „daß d Gedicht bis in die Mitte des IX. Jhs. hinaufreichte und Otfrid schon bekannt war. ist sehr wnhl möglich." Denn doch erst Otfrids groß) • Werk brachte diese Art zu r< zu Ansehen. Übrigens bleiben die Annahmen, die man über den Ursprung dieser Reim- art macht, dieselben, ob 'Christus und die Samaril oder nach Otfrid Lii denn der Verf. jenes Gedichtes war ja auch ein Geistlicher. 42 W. GEMOLL einer Langzeile nicht aus der lat. Hymnenpoesie kommen. — Aber es gab ja schon vor Otfried deutsche Langzeilen, wir finden sie im Wess. Gebet, im Hildebrandslied, im Muspilli und noch deutlicher im Heliand, es sind dieß die Allitterationslangzeilen. Daß Otfrid die deutsche, zum großeD Theil ja noch heidnische Poesie und also auch den Allitterations- vers kannte, ist kein Zweifel, war doch sein Zweck die cantilenas saeculares zu verbannen, aber natürlich nur in Anlehnung an sie Besseres an ihre Stelle zu setzen. Direct beweist seine Bekanntschaft mit der im Volk lebenden Poesie die Entstehung des bekannten Verses I, 18. 9 Thar ist lip ana tod, Höht ana finstri aus dem Muspilli; denn daß aus Otfrid dieser Vers nicht in das Muspilli übergegangen sein kann, beweist die Allitteration in demselben und die Stellung dieses reimlosen mitten unter gereimten Versen. Solcher allitterierenden, nicht gereimten Verse giebt's noch einige bei Otfried, wie I, 5. 5 floug er sunnun päd sterrono straza, woraus zunächst die Verwandtschaft der Otfridschen mit der Allittera- tionslangzeile hervorgeht, dann, da Otfrids gereimte Langzeile eine Neuschöpfung ist, der Ursprung der Otfridschen aus der Allitterations- langzeile; dafür darf man als Beweismoment auch die neben dem Reim sich zahlreich findende Allitteration verwenden, wie I, 5. 6 wega Wolkono zi deru itis frono. Also den Reim hat Otfrid aus der lat. Hymnenpoesie, aber den Vers aus der deutschen allitterierenden Poesie entnommen, und es beruht sein Verdienst darauf, der deutschen Dicht- kunst, die in Gefahr war in Allitterationsformeln zu erstarren, durch den Reim ein neues Element zugeführt zu haben, ohne doch die alte Grundlage, die Langzeile von acht Hebungen, umzustossen. Wie zeit- gemäß und passend diese Neuerung gewesen, zeigt ja die große Menge von Nachfolgern, die gleich nach Otfrid denselben Vers handhaben. Zu- gleich erkennt man nun auch, weßhalb Otfrid's Langzeile Binnenreim haben musste; ist ja doch die Allitterationslangzeile durch die Lied- stäbe in sich oder in ihren zwei Hälften gebunden, ohne an die ihr folgende Langzeile sich zu kehren. So ergiebt sich also, daß wir gleich im Anfang der ahd. Zeit die Langzeile finden, und es scheint damit die Untersuchung über die Ursprünglichkeit zu Gunsten der Langzeile auszufallen. Aber um ein volles und sicheres Urtheil zu haben, müssen wir auf die Allitterations- langzeile selbst eingehen. Diese besteht je aus zwei durch den Stabreim verbundenen Hälften; ob man diese als zwei besondere Verse schreibt oder zu einem vereinigt, ist für unseren Zweck gleichgültig, damit wird weder die DER VERS VON VIER BEBUNGEN. 43 Ursprünglichkeit der Langzeile noch des Verses von vier Hebungen dargethan. Der Regel nach erscheint der Stabreim so, daß in der ersten Halbzeile zwei Liedstäbe sind, in der zweiten der Hauptstab; aber daß jede Halbzeile ursprünglich zwei Liedstäbe hatte, beweisen nicht bloß die zahlreichen Verse, wo wir vierfache Allitteration in der Langzeile haben, sondern grade die Regel, daß wir dreifache Allitteration haben sollen, die doch schwerlich die ursprünglichste Art zu allitterieren war, vielmehr aufgestellt scheint, um dem aus den beiden Hälften gebildeten Ganzen ein mehr einheitliches Gepräge zu geben, die Spur der Zu- sammensetzung zu verwischen. Hierzu ist ein treffendes Analogon die Nibelungenstrophe, welche die zweite Hälfte des achtmal gehobenen Verses so eigentümlich verändert hat, um sie von der ersten zu unter- scheiden. Die Liedstäbe liegen nun stets auf gehobenen Silben; aber wir haben in den Liedstäben nur die Haupthebungen, wie die Zusammen- stellung von Allitterationsversen und eigentlich Otfridschen im Christ und Otfrid's Vers selbst beweisen, der ebenso zwei Haupthebungen — die Handschriften bezeichnen sie ja durch Accente über den Silben — in jeder Halbzeile hat. Da nun Otfrid ganz genau die Halbzeile von vier Hebungen beobachtet, so muß auch für die Allitterationslang- zeile eine Achtzahl von Hebungen, vier für die Halbzeile angenommen werden. Daß aber an eine ursprüngliche Langzeile in der alliterierenden Poesie nicht zu denken ist, ergiebt sich aus einer näheren Betrachtung des liodahättr, jenes namentlich bei den mythischen Gedichten der Edda gebrauchten Versmaßes, das gewöhnlich besteht aus zwei II ;i 1 1 >- Strophen, deren jede aus zwei durch Allitteration verbundenen Halb- zeilen sich zusammensetzt, worauf eine dritte selbstständige folgt — entsprechend der in der eigentlich deutschen Metrik bekannten „Weise". Nun wird dieser für sich bestehende Vers oft durch eine Verdopplung der Liedstäbe der Langzeile gleich; man bildet also Langzeilen noch in der uns vorliegenden Form der Eddalieder aus der Ealbzeile. Andrerseits reimen manchmal die dem Metrum nach zu einander ge- hörenden Halbzeilen nicht mit einander, sondern für sieh allein, wie Hävamäl 79, 143. (bei Lüning) Rfinar tmuit jnl jinnn 6k rädna stafi, miök stdra stafi, mieik stimm stafi, er fadi fimbulpulr 6k gördu yinnregin ! zweite Balbstrophe. ok reist hroptr rögna erste Balbstrophe. 44 W. GEMOLL, DER VERS VON VIER HEBUNGEN. Die beiden Hälften der Langzeile stehen sich hier selbständig gegen- über. Diese eben angeführte Bildung von Langzeilen und dieß Zer- fallen derselben in zwei selbständige Hälften müssen doch wohl als wichtige Zeugnisse für den Ursprung der alliterierenden Langzeile an- gesehenwerden: sie gieng hervor aus zwei für sich allitterierenden Halb zeilen, woraus man weiter eine ältere Periode der deutschen Dichtkunst folgern darf, in welcher die Allitteration durchgehends auf einen Vers beschränkt war. Da ist die Allitteration also nur Verschöne- rungsmittel, erst später wird sie Bindemittel für den Vers. Natürlich wurde sie aber, wie jeder Schmuck dem zu Schmückenden gegenüber das posterius ist, erst aufgetragen auf den Vers von vier Hebungen, der ja, wie wir oben sahen, den zwei Liedstäben der allitterierenden Halbzeile zu Grunde liegt. Also ist der Vers von vier Hebungen der ursprüngliche deutsche Vers*), denn mit der Allitteration sind wir bis in die ältesten Zeiten deutscher Poesie vorgedrungen, und der für sich allitterierende Vers von vier Hebungen, sowie der noch frühere Vers von vier Hebungen ohne Allitteration entziehen sich schon der histori- schen Forschung. Der Entwicklungsgang dieses von uns erschlossenen Verses von vier Hebungen ist also folgender: Er wird mit Allitteration versehen, dann durch dieselbe, welche sich über zwei Verse hin erstreckte, zu- nächst mit vier, dann drei Liedstäben, zur Langzeile erweitert; durch Otfrid mit Binnenreim versehen, bildet er in der ahd. Zeit das alleinige Maß. Aus der Zeit der Verwilderung der Langzeile im 11. Jahrh. geht allmählich der Vers von vier Hebungen hervor als eine Neuschöpfung und wird von den höfischen Ependichtern in der mhd. Zeit adoptiert. Aus diesem und im Gegensatz zu diesem Vers schuf das Volksepos die Langzeile und die vierzeilige Strophe. PYRITZ. W. GEMOLL. *) Von diesem Punkte aus gewinnt das viertactige aber nicht gereimte noch mit Allitteration versehene Gedicht 'Himmel und Hölle' ein eigenthümliches Licht; es ist wohl zu betrachten als eine Spur des Verständnisses für den Ursprung des deut sehen Verses, das bei einzelnen Geistlichen auch in der Zeit der größten Verwilderung der d. Verskunst lebendig blieb. Damit schließt es sich an das Lied nunc almus assis filius thero h&gero tliicriu'ni, das die Behauptung von der Zusammensetzung der ahd. Lauo-zeile und damit der d. Langzeile überhaupt aus zwei viertactigen Versen auf's deutlichste bestätigt; denn wäre eine so schroffe Theilung der Langzeile möglich ge- wesen, wenn dieselbe im Bewusstsein unserer Väter ein ursprüngliches Ganzes ge- bildet hätte? P. BECH, ZERSTREUTE BEITRÄGE. 45 ZERSTREUTE BEITRÄGE. VON FEDOR BECH. Umbe tnon. Magdeburger Schöppenchronik 294, 7 steht: se Ugen vor der stad taol veir wehen, se blef doch ungeumnnen, se xoolden sik 6Je nicht »mime ili'm; dazu bemerkt der Herausgeber Janicke: „was heißt das? Sie, die Belagerer, wollten sich nicht nach anderer Hülfe umthun, umsehen?" Dieß bedeutete sich umme dun nicht, wie folgende Beispiele darthun. Livl. Reimchron. ed. Pfeiffer 5823 den wart geoffenbäret , duz sich diu lant geMche Haften alle umbe getan, Die in zu helfe seilten stän\ — 6118 in was dd von herzen leit, Daz diu reine Christenheit In ir lande hate behalt: Sich tet umbe junc und alt, Sivaz der Oeselaere .was\ — Johannes von Posilge ed. Voigt u. Schubert S. 37: item in desim järe tetin sich umme die stete von Lamparthen unde Ytalien von den Römern, den sie doch vor undertänig wb\en\ — 54 (Überschrift: Withaud tat sich um mal vorryt dese hüser u. s.w.). Dornoch Lore::! ich in täte sich Wytowt umme mit den Sammogyten u. s. w. ; — 85 icend her itezunt den willen hatte, das her sich abir umb wolde thün von den Mrin\ — 291 dö wart papa Johannes umgetan unde wedirwendig, wy wol her sich deme conciliö unde den cardinalibus hatte vorschrebin. An diesen Stellen ist sich umme tnon so viel als: sich um- oder abwenden, seinem Herrn oder seiner Partei den Rücken kehren, von einem abfallen, abtrünnig werden; vergl. umbe tnon im mhd. Wb. III, 141", 39 folg., einen von seiner Meinung, seinem Glauben abbringen, ihn abtrünnig machen; dazu noch Ludus de beata Katerina (Stephan, Stoffliefer. II, 1G4): is hefte der fungiste mndir wän Su mit kunsten ivol umme getan \ Schwester Mech- thild ed. Morel S. 136 si werdent alsd sere verhört, daz sie nieman mit Worten umbe getuon kan\ Georg 4888 e man die helde umme getuo, ez mohte sorge hän dar zuo. Sich triegen üf ein •' Zunächst verweise ich in Betreff dieser Redensari auf ad. Quellen. So die Magdeb. Schöppenchronik 247, 18 de deken van mnte Nicolaus schüicrfr ,',l: de riil manne nicht, eft sr sulcu dar la'mtn, und drncli sil: Uji sine holen im knüppele] im Glossar dazu ist nichts darüber ver merkt; auch anderwärts findet man nichts darüber außer bei Scham- bach 4T seh dm/, dreigen, Bich thörichter Weise darauf verlassen; vgl. 46 F. BECH auch Reinke de Vos 4751 se dregen sik mest up ere sterke und dazu das Wörterb. in Hoffmanns Ausgabe S. 195. Der Ausdruck lässt sich aber auch aus md. Quellen belegen, so aus Nie. von Jerosshin 2207 der gotis wigant — mit strite überwant Amalech die roten e, Di in vrevele wilde Sich trogin uf ire Schilde =■ Judith ed. Vulg. 4, 13 Amalec con- ßdentem in virtute sua et in clypeis suis; Jerosch. 14823 di her — herber ge vingin Und ir gezelt ufhingin Sich triginde uf ire macht ; 16582 er troc sich uf den solt, Der di herrin machit holt, Di nicht recht ir witze hän; Alsfelder Pass. ed. Grein 4683. Regal. Magdeb. Schöppenchron. 319, 22 {de borgere) geven om (dem Erz- bischof Günther) regäl und confect üt der apoteken und schenkeden om icin\ im Glossar wird zu regäl bemerkt: „(kostbare) Bewirthung oder besondere Art von Leckerbissen". Daß es nur das letztere bedeuten kann, ergiebt sich aus der vorliegenden Stelle sowohl wie aus den folgenden: Urkundenbuch der Stadt Göttingen ed. G. Schmidt = Urk. des histor. Ver. für Niedersachsen Heft VII, 1867, S. 370 (a. 1491): do gingk uppe biddent des rädes hertoge Wilhelme wedder uppe de dorn- izen > unde de rädt — — leydt ome do schencken int erste backen erüdt unde daruppe cläret unde wyn, darnä regall unde daruppe averst claret unde win u. s. w.; ebenda S. 382 (a. 1497): under deme dantze hefft de räd to deme fursten unde furstinnen geschicket, se gebeden leiten mitsampi oren güden lüden uppe de räd dorntzen to komen, unde hefft one de rädt backen erüth, regal, vorsulvert tabulät, rosßyn unc'e ehirbrot, darto claret, must unde fernewin unde Emb. beir läten vordragen unde schenken; — bei einer ähnlichen Gelegenheit verbrauchte man a. 1497 — 98 aus der Apotheke 10 $. regals unde tabulätes vor- sulvert unde anderes backen erüd ebenda S. 383 Anm.; — Alteste Statuten von Görlitz 395, 26 — 34 (15. Jahrh.): als denn vormals man- cherley unfdr by den fravoen ader junefrawen bylegen gescheen ist, und doselbist ggote zeu missebUung und einem gemeinen gutte zeu merek- lichenn schaden tewrbar confeckt, regal und obirzcogen zucker vorstreicet und zübracht ist, wil der rät mit wissin eldsten und gesworn, das fort mer nymand by solichen bylegin eyngerley confeckt, regal, obirzcogen zvekir adir wy das gethän wer gebin ader vortragen sulle. Daß das frag- liche Wort einen Leckerbissen bezeichnete, mit dem man Jemanden zu regalieren pflegte, ist somit klar. Fraglich aber ist es, ob dieser von regaler, regalare (Dietz, Etym. Wörterb. I, 345) seinen Namen hatte und nicht vielmehr von jenem regal, das bei Cornelius Eil. ed. ZEHSTREUTE BEITRÄGE, 47 Hasselt 525 mit arsenicum, auripigmentum, et aconitum, vulgo realgarum, et risagattum erklärt wird; vgl. fr. reagal realgal realgar, Rauschegelb; und Nemnich III 1165; Diefenbach Gloss. Lat. Germ. 510° s. v. san- daraca. Vielleicht war das Confect damit überzogen, gleichwie man vorsulvert tabulät hatte? Wapentüer. Magdeb. Schöppenchron. 161, 26: markgreve Otte ivart gevangen und mit ome dreihundert riddere und knechte, de men dö wapentnre heit\ ebenso in dem Urkundenbuch des Klosters Arnsburg aus dem Jahre 1326 bei Baur 384, 586: wir Johan Eydesel ryther und scheffen der stad zu Grünenberg grüzen vnd byden dinest hern Franken von Linden eime rither vnd Hartmüde von Clethenberge eime loepintüre, das die herren von Arnsburg und Kraft von Rudenhüsen ein wepintüre aller ere sache mit ein gesünt smf; ferner in einer Urkunde des Rathes der Stadt Halle a. 1324 bei Dreyhaupt, Beschreibung des Saalkreyses I, 55: .beyde die icapentüren unde wie bürgere under eynander\ endlich Cornelius Kilianus ed. Hasselt 787 wapentüer, egues cataphractus , armiger. Schwierigkeit macht die Ableitung der zweiten Hälfte des Wortes -tüer, -iure. Darf man dabei an einen Ausdruck wie icäpen tuon denken, entsprechend dem französischen faire oder tirer des armes, sich in den Waffen üben? vgl. auch den Ruf tuo her den schilt! tuo her sperä sperl bei Ulrich v. Liechtenstein 457, 27; 458, 4; oder ist es eine Umdeutung von armiduetor? dem Sinne nach ist es wohl gleich ivapenaere, vergl. Schneller IV, 121 und mhd. Wb. III, 458. A beziere. Bei Ebernand von Erfurt heißt es V. 3731-34: die hosen abietere manege wcb'e mere leeren zeiner lugene und sprechen ez si ein trvgene; das Wort abietere — so schreibt die Handschr. nach Bechsteins aus- drücklicher Angabe für das in den Text gesetzte abetiere — habe ich früher (im fünften Band'- dieser Zeitschrift S. 501) als Abjetere, Abjä- thaere gedeutet. Inzwischen aber haben mich andere Stellen, die mir l><-i meiner Leetüre aufgestossen sind, eines andern, wenn nicht eines bessern belehrt. Am Schluß von Heinrich Heslers Apokalypse (V. 2l>L'T I folg. nach F. K. Köpke in v. d. Ilagens Germania X, 102) steht nämlich: so werde dem abezn'rc rjnt grhaz, machende lere in des lebenden buche» teil\ bei Daniels und Gruben in der Glosse zum Sachs. Weichb. 221. so rvere is nicht ein märer, sundern ein abesfihir\ ferner finde ich in der 48 F. BECH Chronik des Joh. von Posilge ed. Voigt u. Schubert S. 252 (= Scrip- tores rer. Pruss. III, 330) und S. 301 (= Script, r. Pr. III, 357) den Namen: meister Johannes Abeczier, doctor utriusque juris, prdbist czur Vroweriburg; damit vergleiche man das Leben der H. Dorothea von Joh. Marienwerder II, 23 (= Scriptores rer. Pruss. II, 263), wo das lat. comes mit miteczier verdeutscht ist: unsir herre Jhesus Cristus, cd ires iveges ein gnadenreicher miteczier ; ferner uf zieher, ofziher = Münzen wäger, in dem Zeitzer Programm von 1870 (Die bischöflichen Satzungen über das Eidgeschoss in Zeitz) S. 16 Z. 11; Urkundenbuch der Stadt Leipzig von Fr. v. Posern-Klett I, no. 483. Hiernach wird es doch sehr wahrscheinlich, daß bei Ebernand abeciere — abeziere im Original gestanden hat, d. i. detractor, ganz in Übereinstimmung mit der lateinischen Vorlage des Dichters: forte et illud detractoribus fabu- losum et inßdelibus incredibile putabitur. Vergl. Diefenbach Gloss. 177° detractor, abezerrer; dafür abertzer, abrisser in des Teufels Netz 12868 (Var. BC) und bei Conr. v. Megenb. 232, 17. Härgeplocke. Leben der H. Elisabeth ed. Rieger 2345 folg. /Si zugete manic lachen, (Tuch von Wolle) Hi von si wolde machen Doch äne härgeplocke Minren brüdern rocke Unde anderen heiligen kinden, Wä si di künde finden, Den si allen kleider gap, Di man irzügete unde wap Uz ir reinen arbeit. Hierzu ist im Glossar über äne geplocke S. 380 vermerkt: „ohne Haar- gepflücke, also keine eigentlichen haerin geioant, aus denen man die hervorstechenden Haare pflücken kann. Oder härgeplocke? d. i. ohne daß sie har vom Rocken zu pflücken brauchte, da sie nach 6978 f. keiuen Flachs spinnen konnte". Daß unter geplocke nicht „Pflücken" gemeint ist, sondern daß man an ein Collectivum von plocke, jener hessischen Form für vlocke flocke nach Vilmar Idiot. 304, zu denken hat, scheint mir aus folgenden Stellen hervorzugehen: Bei Boehmer, Urkundenb. von Frankfurt, S. 636, in den dort verzeichneten Gewohn- heiten der gewandmecher aus dem J. 1355 heißt es: wo man ein düch rindet mit lytzen, daz da wurde gemachit mit schroden adir von dromen adir von plocken adir von wlzseme garn gebözsirt, daz düch sal sin vir- ZERSTREUTE BEITRÄGE. .'i stehen- QEEMAN] \ '■ MI. (XIX.) Jutarg. 4 50 F. BECH den ermel. Vgl. Boehmer Urkundenb. von Frankfurt S. 624 (a. 1352) ez ensal unsir keiner diekeinen andirn arm dragen dan alse der rock ist. Gerjen (Gergen, Gerigen, gerwen, geren). Elisabeth 3416 folg. Der reine herre wol gedän Bat nü den arzet machen Nach früntlichen Sachen Ein edel lattewerjen: Di hiez er starke gerjen, Daz si in mochte reizen Und innerliche heizen. Was soll und kann hier gerjen bedeuten? Wenn man die Lesarten betrachtet, in welchen gereicen, gerwen, gerben als auf lattewerien, lacte- wergen, lattewarien gereimt aufgeführt werden, so kann man als Reim zu lattewerjen oder lattewergen (lattewerigen) nur eine Form wie gerjen, gergen (gerigen) für möglich halten; von ungenauen Reimen findet sich sonst bei dem Dichter keine Spur. Im Glossar 37 7b ist nun dieses Wort als diabetische Nebenform zu gerwen im Sinne von „zurecht machen" gefasst, welches wie gerjen oder garjen (ahd. garaiejan) aus- gesprochen worden sei. Von einer solchen Aussprache werden sich, zumal in md. Dialecten und gerade bei diesem Worte, kaum analoge Beispiele auffinden lassen. Mich hat der Zusammenhang, in welchem gerjen hier gebraucht ist, auf eine andere Ableitung geführt, und zwar auf geren gerjen, gerigen, ahd. jerian, gerian (Graff I, 611) = fermentare von jesen, fermentescere, neben geren ist die Form gerwen noch bekannt. Dazu vergleiche man Erlösung 3867 folg., wo es von Johannes dem Täufer heißt: keinen vom der herre d/i^anc, Bier noch onch keinen mete Und swaz genoen ie gedete: Honic az der wise u. s. w. Gerwen ist hier die Lesart der Prager Handschr., wofür in der Nürnberger ieman steht; es kann nur gähren, aufregen, berauschen bedeuten. Ferner Nürn- berger Polizeiordn. ed. Baader S. 212 ez ist auch gesetzet, daz ein iec- lich breuwe, sxoenne er breuwet, sol daz gantze brauioe in einer kfifen mit einander . geren; hier hat geren den Sinn von gähren lassen. Während in der Stelle der Erlösung dem Johannes aufregende Getränke ver- boten werden, soll im Gegentheil in unserer Stelle die Medicin gähren- der Natur sein und dadurch eben zur Lust reizen. Die Frage ist nur noch, ob man gerjen gerigen als archaistische Form neben geren (wie nerigen nergen, werigen irergen, herigen hergen neben neren iceren heren) in so später Zeit wie die, in welche die Elisabeth fällt, gelten lassen ZERSTREUTE BEITRÄGE. 51 kann; oder ob man nicht vielmehr an eine Ableitung von dem Adjec- tivum geric (cfr. gerbig, gerwig bei Konrad von Megenb. 354, 28; gärickt, eßervescens, feculentus bei Stieler I, 609; obergährig, undergährig Bier im heutigen Düringeu und anderwärts) zu denken hat, also an gerigen = geric machen? vgl. horgen = horwegen, horwee machen und andere analoge Bildungen. Jämer sehen (schouwen) ist ein seltener, bisher wenig belegter Ausdruck. Er findet sich in der Elisabeth 5959, da wo von der Ankunft der Leiche des Fürsten die Rede ist: auch wären zu der selben not Des lantvolkes michel schar Von den dorfen kamen dar, Dl alle jämer sähen u. s. w. ; ebenso in der Er- lösung ed. Bartsch 4793; der heilant wart gerecket, Gesperret und ge- strecket An des erfices arme iesä. Daz volc sach allez jämer da (wo allez mit volc zu verbinden ist); ferner in der Ravennaschlacht 984: si be- gründen jämer schouwen, Ir clage was vreissam', endlich bei Muscatblut ed. Groote 30, 79 — 80: Adam und Eva, spricht Muscatplüt, Mussten dd (Handsohr. den) jämer schouwen j dazu vgl. noch Pass. H. 74, 30 in dirre jämer schouxoe. In allen hier aufgeführten Stellen muß jämer sehen oder schouwen den Sinn haben: Jammer aus den Augen blicken lassen, den Anblick oder das Bild des Jammers gewähren; vgl. das griechische (fößov,"s4Qt)v, uttlötiuv ßkbxtiv , daÖOQxivat und xa/.u, ohe&QOv oö- öeo&cci (Bernhardy, wiss. Syntax der griechischen Spr. S. 110 — 111). Mit lichten vorscheiten und mit der glocken vorlüden. Magdeburger Schüppenchron. 414, 3: ein barvdteribrdder von sante Franeisous strich — — tip den predingstdle und dede Gersike dm ketter mit stuer selschop to banne vnd vorschot de mit lichten und vorludde se mit der glocken und predigede und anherdede 2 beigebracht habe, nehme ich hiermit zurück, leh erkannte bald darnach, daß an dem Worte äderstöz nicht /.u rühren, das \<>n mir in Vorschlag gebrachte understoz zu verwerfen wäre, wenn ich es auch nicht wie Scherer meint (in der Zeitschr. für d. österr. Gymnasien L869, 11. Beft, S. x '••"' als „Unterschied", sondern wie die von mir aufgeführten Beispiele zeigi als Beimischung, Hintergedanken, wusch auffassen zu dürfen glaubte. Die Erklärungen von Scherer 1. 1. und von Bartsch zu dieser Stelle 56 F. F. ECU sind offenbar dem Wahren näher. Ich will nun versuchen, ob ich durch Belege die Richtigkeit ihrer Auffassung noch mehr erhärten kann. Auszugehen ist hierbei von dem Worte stoz. Dieß bedeutet aber, zu- mal in der Zusammensetzung mit äder, hier den Pulsschlag, das Pochen, Klopfen, Zittern, Beben der Pulsader (vgl. Diefenbach 472c s. v. pulsus), namentlich der äder des herzen wie sie Conrad in Engelhard 2313 und im Trojanerkriege 12771 "nennt, daher auch der herzenstoz in Pfeiffers Marienlegenden 18, 59. Die Pulsader stösst aber oder schlägt heftiger beim Eintritt starker Gemüthsbewegungen oder Affecte; sie verräth die ungewöhnliche Freude wie den plötzlichen Schmerz, die Lust wie das Leid, die Begier wie den Widerwillen; daher bei Wolfram Parz. 35, 27 sin herze gap von stozen schal, wand ez nach riterschefte swal\ Ulrich von Liechtenst. 36, 10 daz herze min mir mangen stoz Mit Sprün- gen stiez an mine brüst; 579, 24 mit hohen Sprüngen manegen stoz An die brüst ez (daz herze) stoezet mir; 442, 3 an die brüst daz herze stözet; Alexius ed. Maßm. 57, 654 vil ofte ez ime umz herze stiez; Helbling 2, 89 daz get mir stozend umb die 5rws£; Reinfrid 24118 daz herze — — im selben tuot den stoz mit snelleclichem gufte; Karlmeinet 320, 48 mm rüwe issogioes, Dat ich haen menchen stoes Van herzen ind van sinne; Brants Narrenschiff 67, 30 so kumbt im dann der rüicen stoz. Nach den beiden letzten Beispielen zu urtheilen, kann also äderstöz den durch die riuwe verursachten heftigen Pulsschlag, das Zucken der Ader oder das Herz- klopfen als sichtbares Zeichen der riuwe bezeichnen. Und daß dieß Wolfram an unserer Stelle im Sinne gehabt hat, dafür spricht eine parallele Stelle im Willen. 462, 8, wo am Manne die mute äne riuwe gepriesen wird. Schon Hartmann im Erec 2734 sagte : was — er — ■ mute äne riuwe; und ebenso heißt es in der Krone 17007 Gawein icas — — — der milt stam sunder riuwe; im J. Titurel 1827, 4 mute s an- der riuwe und sunder haz; Stricker in v. d. Hagen Germania 2, 85 (82) so der arge riche muose geben, So gap er so, daz man sin leben Für den muten armen lohte, Sicie er nach der gäbe tobte Mit kerzeclieher rinn-,'. In ganz ähnlicher Weise lobt die rückhaltslose, durch nichts beein- trächtigte Freigebigkeit Walther in der schon von Pfeiffer und Bartsch herbeigezogenen Stelle 127, 13 (ed. Pfeiffei') man sach Liupoltes haut da geben, daz si des niht erschrac; und Ernst von Kirchberg S. 798, Z. 3: der h<-r::n einen puneten nihi >< hist der minrn einigen trophen niht Berthold 545, 2; du unsere herren ii Reinfrid 17:;-:; hi nicht mit einem (sondern mi mehreren), ein sonsl selten vorkommender Fall. 58 F. BECH, ZERSTEEUTE BEITRÄGE. üchamen — drof (■= gutta) niet enachtent Adrian Mitth. 450, 6 (vgl. Denkin. von Müllenh. u. Scherer XIII, 23 und Aura.). — So vil niht (ne tantillum quidem) I. Büchl. 537; Erec 410—411. — Einz bim an- dem niht beleip Herz. Ernst ed. Bartsch 2138, S. 53. — Zwene glich einander niht (auch nicht zwei) Konrad v. Würzb. Sprüche 25, 86 (ed. Bartsch). — Der abritte nicht Ludwigs Kreuzf. 6206. — Min vier niht Eabenschl. 769; der vierde niht Heinrich von Rugge (MSFr.) 108, 31. — Fiinve niht Bruder Wernher in MSH. II, 233''. — Vierzehen tage niht Hartm. Gregor 2944. — Der drizigiste nicht Ludw. Kreuzf. 2132 u. 5931. — £e hadden boven 47 glevien nicht Magdeb. Schöppenchron. 377, 1. — Daz tüsentste teile nicht sagen Johannes Marienwerder 309, Z. 11; 312, Z. 3. So wie niht wird auch nie zur Verstärkung nachgesetzt im Sinne von: niemals auch nur, nicht einmal, auch nicht. Z. B. wan ich der eine nie gegen im genoz Bruder Wernher in MSH. II, 233'' (3); eines nie vergezzen Reinfrid 12467; eine nieman vant Milst. Hs. 140, 35 (andern Sinn dagegen hat nieman einen vant 149, 21). — Daz sie ein ander tanb ein här sit nie (niemals wieder auch nur um ein Haar) wurden leider Flore 7845. — Einen trit nie Pfeiffer Predd. u. Tractat.. der Mystiker 462, Z. 4 von unten. — Um einen fuoz nie Reinfrid 3356. — Einen blic nie Pfeiffer 1. 1. 462; einen ougenblic nie Myst. I, 290, 15. — Zeiner wile nie Gudrun 556, 3. — Es teil nie gewinnen Hartm. Gregor 2548. — Einen trophen nie Ettm. Jahrbb. 65, 17. — Umb ein toort nie Reinfrid 8063. — Ein esse nieman überga.p Wolfr. Willen. 162, 22. — Der minen schaden halben nie gewan Walther 120, 29. — Der sehste nie Amis 8. — Vgl. deheinem — nie Konr. von Heimesf. Mar. Himmelfahrt 786 u. s. w. Ferner steht so niemer. Z. B ain här newirdet niemir an im verrucket Rolandslied 264, 16. — Ir einigen niemer an gesehen Berthold 464, 7; einen niemer an gesehen 464, 31. — Einen trahen daran niemer versagen Gottfrieds Tristan 4876. — Einen tac niemer mere geleben Übel Weib 721. Endlich auch ni ender. Z. B. eine ädern niender (nirgends auch nur eine Ader) er hat Reinmar v. Zweter in MSH. II, 210", 186b. — Mit eime worteline es niender vaelet dar an Walther v. Rheinau 50, 4. — Häres grdz n imler GAbent. III, 13, 292. — Aus Vridanks Bescheidenheit 42, 1 isi noch zu erwähnen: under ougen eine spanne hat ir fceinz geliehen schin. Consequent ist freilich diese Umstellung nicht durchgeführt. Die meisten der hier erwähnten Schriftsteller, die sich ihrer bedienen, pfle- gen auch auf andere Weise dasselbe auszudrücken. ZEITZ in den Osterferien 1873. FP]DOR BECH. E. WILKEN, MIID. BAEEEN. .",'.1 MHD. BÄEHEK Die von mir in Nr. 45 des Liter. Centralblattes (1873) versuchte Klarlegung des Verses: der tumJtcr tor sich selben baet (Tyrol u. Fridebr. II, 40) mißlang gegenüber einem Rec., der sich auf eine Autorität wie Lexers Handwörterbuch berufen konnte, wo baehen „durch Überschläge erwärmen" erklärt wird. Man wird an einem so verdienten Werke nicht einzelne Mißgriffe schärfer urgieren wollen, aber bedenklich war es allerdings, den im medicinischen Gebrauch begründeten Wortsinn in einer Weise hervorzuheben, als ob er der allein giltige sei. Dieser Ansicht scheint freilich Herr W. B. unrettbar verfallen zu sein, denn in solchem Sinne versucht er auch jetzt noch an dem dunklen Verse zu interpretieren. Das Verbum baehen, mit backen wohl nahe verwandt — was in Kuhns Zeitschr. VIII, 202 freilich bestritten wurde — und auch von sanscr. päc, gr. ninav etc.*) schwerlich zu trennen, bedeutet erwärmen, durch Wärme reif, zeitig, weich u. s. w. machen. So wurde es zunächst wohl von der Sonne, dann namentlich vom Feuer und heissem Wasser, schließlich auch von anderen Mitteln der Erwärmung, Umschlägen u. dgl. gebraucht. Ob in der Stelle Parz. 420, 29 baehen durch nhd. brühen oder durch röste* — in letzterer Bedeutung scheint baehen nach Grimms Wb. s. v. auch nhd. noch vorzukommen — zu übersetzen sei, ist nebensäehlieh . jedenfalls ist hier so wenig, wie an der von Lexer citierten Stelle bei Haupt VIII, 152 v. 268 (daz broi lachen noch baen) von „warmen Umschlägen" die Rede! Auch braucht man baehen nicht nothwendig unserem nhd. brühen (das zunächst auch nur = erwärmen und wohl mit brüten nahe verwandt ist I gleichzusetzen**), sondern sich nur daran zu erinnern, daß in zahlreichen sprichwört- lichen Wendungen (Gebrannte Kinder scheuen das Feuer; Wer sich einmal verbrannt hat, bläsl hernach die Suppe Nr. 1290, 91 bei Sim- mek, ähnlich ist 10*20 und die bekannte Redensart: sich dabei die Finger verbrennen u. s. w.) ein ähnlicher oder eben derselbe Sinn liegt, wie hier in dem Verse: der tumber tor sich selben baei (verbrennt, be- schädigt sich selbst).- Aber nichl bloß zulässig isl diese Schreibung, sondern für den Zusammenhang die einzig richtige. Berr W. B. kann *) Siehe G. Curtina Gr. Etymol. b. v. tu-tc — . **) Allerdings bleibt der übertragene Gebrauch von brühen = vexare r Grimm D. Wb. s. v.) besonders beachtenswert!!. 60 E- WILKEN freilich über die warmen Umschläge und den Judas, der im nächsten Verse genannt wird, nicht hinwegkommen, und will a. a. O. mit der Hs.*) Jiaetu lesen für botet. Allerdings hat sich Judas gehängt, wie selbst einem Ignoranten wie mir bekannt sein dürfte, er ist im nächsten Verse genannt, und im folgenden ist sogar von einem Baume die Rede, an dem er sich bequem genug gleich aufhängen könnte, wenn hier vom Hängen überhaupt irgendwie die Rede wäre. Gerade die triviale Ver- ständlichkeit des Wortes haet musste dieß einem umsichtigen Hrgb. weniger empfehlen als die schwierigere Variante betet {=becht im Ms.). Da ich früher wohl zu starke Ansprüche an das eigene Nach- denken der mit meiner Belehrung beauftragten Recensenten gemacht habe, so will ich hier die Stelle II, 38 fg. im Zusammenhang erläutern. Sie besagt: Der falsche (d. h. gewissenlose) Priester unterlässt es nicht, er empfängt (im Sacramente der Messe) auch den lieben Gott (gleich dem guten Geistlichen; aber) der einfältige Thor hat selbst den Schaden davon; Judas (in der Hölle) und er haben gleiche Pein (zu leiden) u. s. w. — Daß bei der „Pein des Judas" in altd. Gedichten nicht an sein Aufhängen, sondern an die ewige Höllenstrafe, wie sie Dante im letzten Gesänge des Inferno so entsetzlich schildert, zu denken sei, darauf hätte Herrn W. B. die Erläuterung zu II, 41 wohl hinführen können. Ich bemerke noch, daß dieser Vergleich mit dem Judas darum so nahe lag, weil ja auch Judas das h. Abendmahl genossen und (nach der kirchlichen Vorstellung) sich zum Gericht genossen hatte. Da durch die Transsubstantiation die genossene Hostie in den wahren Leib Christi verwandelt gedacht wurde, so war ein leichtsinniger Ge- brauch der Messe ebenso gut ein Verrath des Heilandes, wie die äußerliche That des Judas. Das ist offenbar der Gedanke, bei aller Strenge altkirchlicher Anschauung doch ernst und würdig; hieße V. 40 dagegen: der einfältige Thor hängt sich selbst, so wäre die verwunderte Frage erlaubt: War es denn die üble Gewohnheit schlechter Priester**) im MA. sich aufzuhängen? Wenn ich es gleichwohl Herrn W. B. überlassen muß, mit Be- rufung auf Lexer das Verbum baehen nicht zu verstehen und exegetisch Versuche mit warmen Umschlägen weiter hin zu machen, so kann ich nicht allen wiederäufgewärmten Ausstellungen desselben aufs Neue be- gegnen. Ratio plus valet quam librorum auctoritas pflegen Lateiner zu *) Doch gegen das Ms., vergl. weiter u. **) Denn auf den Priester ist zunächst II, 40 doch allein zu beziehen, nicht auf Judas, mit dem Jener ja erst im fg. Verse verglichen wird. MHD. BAEHEN. Gl sagen, und die größten Kritiker haben eine Überlieferung, die ungleich besser und reicher war als die uns für die Tyrolfragmcnte zu Gebot stehende nicht als sacrosanct behandelt. Auch ist es nach Herrn W. B. einer „besonnenen Kritik"" nicht verboten, die Fälle, wo klingende Verse mit vier Hebungen sich finden*), etwa zu beseitigen. Die be- sonnene Kritik scheint vergessen zu haben, daß ähnliche Verse von L. zum [weinV. 772 so besprochen sind: „Keines der alleren, genau ge- messenen Gredichte**) verschmäht übrigens leicht die vierfach ge- hobenen Verse mit klingendem Reim". Man wird deren Zahl erforder- lichen Falls also eher vermehren, als mit Herrn W. B. beseitigen dürfen. Wenn ich II, 29 und 42 dazt für deist oder daz ist schrieb, so hatte ich dabei Ahnliches im Sinn, als L. zu Iwein V. 191 mit der Bemerkung: „Man kann daraus (aus der Schreibung in A) schließen, daß einer der ältesten Schreiber des Gedichtes neben deiz auch dazz oder daz schrieb" u. s. w. Aber die Verbindung zt ist allerdings im Hd. wenig beliebt: mit der Zeit pflegt sie gerne in st (auch szt im Nhd.) überzugehen, so z. B. in der zweiten Person weist für weizt, welche letztere Form ich aus etymologisierender Laune***) zweimal in den Text gesetzt hatte. Noch weniger haltbar ist freilich der Imper. bringe III H. 2, 6 — doch bleibt mir in diesem Falle von Gedankenlosigkeit wenigstens der Trost, einen Leidensgefährten in Leipzig gehabt zu haben. Herr W. B. hat nämlich in Nr. 45 des Centralblattes glücklich vergessen, daß er in Nr. 31 bez. des Imper. bringe wörtlich so geschrieben hatte: „der Sing. Imp. bringe, der, wenn auch nicht unbedingt falsch, so doch nicht sehr empfehlenswert!) ist" — und beschuldigt den Hrgb.: „Er hat nämlich gar nicht verstanden, weßhalb ich den Imp. bringe nicht sehr empfehlenswert]! genannt habe. Dieser Imper. heißt ja bekannt- lich (?) correct brinc.u Daß sich Herr W. B. auch in Nr. 35 wohl hüten würde, in die schwierigen, literarhistorischen Untersuchungen selbst einzutreten, war vorauszusehen: möchte man sich künftig lieber von vornherein mit der — ja immer wohllöblichen — Flohhatz auf ilcher Fälle habe ich (S. 39) zwei angemerkt, Herr W. B. führt selbst drei weitere auf, von denen einer indeß (II, 96) anrichtig ist. Vier sichere Fälle Bind füi 40Q Verse schon ziemlich viel. Vgl. auch II, 107—8. In diese Classe gehören eben unsere Tyrol-Fragmente auch hinein. ***) Nicht aus Uhkenntniss der Grammatik, wie Bert W. B. mehrfach bemerken zu müssen glaubt. Derselbe scheint keine Ahnung davon zu Italien, daß auf hochd. t eigentlich v;eizt ebenso das Sichtige, wie weist, wiat "_r"t. vaist auf V deutschem; got. oaitt aber Btehl bekanntlich für vaitt, und schwerlich blieb dieß ältere st ganz anverschoben. 62 M. BÜCK kleine Flüchtigkeiten*) begnügen, und nicht durch übereiltes, unver- ständiges Absprechen eine Achtung, wie sie Herr W. B. wegen besserer Leistungen allerdings verdient, unnöthig aufs Spiel setzen. Errare est humanuni — dieß alte Wort könnten manche junge Recensenten auch in ihrem eigenen Interesse öfter beherzigen. E. WILKEN. ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -EISEN, -ISEN **). Die jetzige Endung der Namen unserer Sippe, wie die schon im 13. Jhrdt. vorfindliche Schreibung -isen leiten scheinbar auf das Metall Eisen hin. Wenn man Namen wie: Hebeisen, Mühleisen, Bammeisen, Stemmeisen hört, denkt man unwillkürlich an die Werkzeuge dieses Namens und am allerwenigsten an eine ganz andere Bedeutung der Geschlechtsnamen auf -eisen. Man hat schon öfters darüber gesprochen, ob solche Familien- namen, wie Hebeisen etc. nicht etwa aus ursprünglichen Hauszeichen wie : zum Hebeisen etc. entstanden seien, da ja bekanntlich die meisten Häuser der oberdeutschen Städte das ganze Mittelalter hindurch allerlei Schildzeichen, ähnlich unseren Wirthshäusern, zu führen pflegten und da ja auch unter diesen Hauszeichen nicht allein die Vögel des Himmels, das reissende Gethier der Erde und die Bewohner des Wassers ver- *) Dem rühmlichen Eifer des Herrn W. B. verdanke ich die Berichtigung fg. theils Druckfehler, theils Flüchtigkeiten: I, 58 lies mit, 86 Juden; I, 118 und II, 70 himelhort, Note zu II, 40 lies: enpfecht — becht Ms.; II, 65 (Text u. Note) unt mit; II, 72 weist, 90 weistü. — III A 3, 3 mit; III C 1, 6 tinnelcleider. D l, 3 mit; 3, 3 nasen; Note zu E 2, 5 geprubet, G 1, 4 mit, H 2, 5 u. 6 (Text u. Note) bringet. — S. 39, Z. 3 v. oben lies: Die Endreime sind mit Ausnahme von IIb 107, 8 durch- gängig stumpf; Z. 2 v. unten 1. II, 120, wohl auch 126; S. 43, Z. 1 1. tinnekleider ; S. 44 Z. 10 geprubet. (II, 52 1. giht.) **) Abkürzungen: E. Eben, Geschichte der Stadt Ravensburg; Egg. Eggmami, Geschichte von Waldsee; C. Catalogus personarum Dioecesis Constantiensis de aa. 1779; F. D. Freiburger Diöcesanarchiv; A.A. Schriftstücke des gräfl. Königsegg'schen Archivs zu Aulendorf; B. Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten; H. Heider, Gründliche Ausführung etc. der Reichsstadt Lindau. Nürnberg 1643; H. U. Habsburger Urbar. Bibliothek des lit. Vereins in Stuttg. Band XIX; Lz. Geschichtsfreund für die 5 Orte Luzcin etc.; W. U. Kausler, Wirt. Urkundenbuch ; U.A. Schriften des Ulmer Alter- thuinsvereins. Neue Folge. ÜBER GESCIILECIITSNAMEN AUF -EISEN, -ISEN. C3 treten waren, sondern auch Handwerkserzeugnisse und Geschirre: z. B. zu dem Kurnagel, zu dem Rossisen, zu dem Ribisen, zu der Scheren etc. Straßburger Gassen- und Häusernamen, Straßbg. 1871. Es wird kaum einem Zweifel unterliegen, daß einzelne Häuserbesitzer ihren Ge- schlechtsnamen von ihren Häusern, durch einfache Übererbung des Hausnamens, erhalten haben werden. So gab es in Straßburg ein Haus ze der Megede (Jungfrau) und schon im J. 1285 wird ein Her Conce die Maget genannt. Fällt jetzt noch der Artikel weg, so ist der Ge- schlechtsname auch formell fertig. Wenn wir nun aber die Namen auf -eisen mustern, so kommen unter ihnen auch so unmögliche oder wenigstens unverständliche -eisen vor, wie z. B. Gengeisen, Raueisen, Schnetzeisen, Übeleisen, daß wir offenbar gezwungen sind, nachzudenken, ob es nicht noch eine andere Entstehungsart für dieserlei Namen gebe. Beim Durchlesen langer, alphabetisch geordneter Namenregister, fiel mir alsbald auf, warum sich in der Nähe so vieler Namen auf -eisen stets wie der Abendstern beim Monde ein Geschlechtsname aufhält, der dem Namen auf -eisen im ersten Theil ganz ähnlich und wie dessen Vater aussieht. Z. B. neben Biegeisen Bieg, neben Hocheisen Hoch u. s. w. Ich dachte ferner an unsere schwäbischen Hausnamen und an die Art und Weise, wie man derlei Namen unter dem Volke decliniert. Meines Nachbars Haus kann: Simmisen (Simons), Hannisen (Johanns) oder Seppisen, Theissisen, Bert- isen (Alberts u. s. w.) heißen, neben Hannis, Simmis, Sepsis, Theissis, Bertis. Ja es kommt vor, daß einer aus der Familie des Simmis oder Sinnnisen schlechtweg als Simmiser bezeichnet wird. Gesetzt nun, man habe in dieser Weise schon vor alter Zeit verfahren, dann geht für die Namen auf -eisen ein neues Licht auf. Hieß ein Mann Billi und nach ihm das Haus schlechtweg Billis, so konnten seine Söhne, falls er Doch keinen beständigen Geschlechtsnamen hatte, zum Geschlecht BiUis genannt werden. Wie anders könnte man sich sonst Namen er- klären, wie: Jacobus Berchtoldi, Conradus Meliae, Hedi Sennen (neben Joh. Senno), Burchard Heinrichs, Rudolf Ortolfs, P. Rantzen, Johannes Qretun, Heinricus Mechtildinun u. s. w. Lz. 24, 113 ff. Nun konnte diese genitivische Ellipse fiir das Haus oder das Geschli chl Lillis, nach- dem sie lange genug im Munde der Leute herumgekommen war, wieder wie ein Nominativ behandelt und so abermals decliniert werden, so daß ein Haus Billis im Laufe der Zeil zu Billisen ward. Als man aber aus falscher Analogie den Ton von ler ersten Silbe des Wortes auf die zweite verlegte, um eine Anlehnung an das bekannte isen zu gewinnen, da war auch die Zeil schon nahe, wo dieses lange mhd. i 64 M. BÜCK sich in ein neuhochdeutsches ei auflöste. Mancher Name unserer Sippe wird dann wohl auch im ersten Theil so lang verarbeitet worden sein, bis das endständige eisen dem kopfständigen Stammwort den lautlichen Betriff irgend eines Werkzeuges aufgenöthigt hatte. Ich erinnere an die Verwandlung von Rechseisen in Röscheisen. Ich erlaube mir nun in zwei Spalten eine Auswahl entsprechender Kamen im Nominativ und im doppelten Genitiv gegenüber zu stellen und für beide die Orte des jetzigen oder früheren Vorkommens bei- zusetzen. Appeli (jetzt Äppli), J. 1306, Lindau. H. liieij um Ravensburg. Bili Lz. 20a Register. Brech Oberseh waben. End, 16. Jb., Meßkirch. A. A. Falk überall. Felsi Lz. 20a. Frischi Lz. 20a. Füeg Oberschwaben. Fyl, Viel, Schwaben. Fund, 1750, Ebisweiler. A. A. Geng Oberschwaben. Halwe, Helwe, Lindau. H. Hau, 1684, Oberschwaben. A. A. Hebe Oberschwaben. Hoch Ober- u. Niederschwaben. Höni Schweiz. Kalt, 15. Jh., Tuggen (Schweiz), Lz. 25, 175. Keck, Keck, Kecho Lz. 20a. Koch überall. Kolb Biberach. Küclc, Kick, Biberach. Krumm, 14. Jahrb., Mon. Zoll. 1, 291. Müele, Müle. Mulin. W. U. 3, 238; 3, 229. Jetzt um Biberach. Milrdi Lz. 20". Schweiz. Not, J. 1455, Not in Waldsee. E. Ramm Waldsee. Waldsee. Ruß' Ravensburg. 98. Appeleisen, J. 1498, Ravbg. E. Biegeisen, 17. Jh., Lz. 20'. Bil'lisen, 14. Jh., Lz. 17, 251. Brecheisen, J. 1779. Zeil. C. Entissen, 15. Jh., Ravbg. A. A. Falkeisen, J. 1508, Basel. B. 20. Felfyßen, 16. Jh., Luzern. Lz. 16, 221. Frischysen, J. 1499, Luzern. Lz. 20\ Füegeisen, J. 1779, Baden-Baden. C. fylysen, J. 1337, Hohenzollern. B. 22. Fundisen, 15. Jahrb., Pflumern Annal. Biberac. Ein Findynsen in Richentals Chr. des K. Conc. Gengyssen Reuttlingcn. B. 23. Halbisen, 15. Jh., Luzern. Lz. 20". Hatieise» Riedlingen. Vgl. Hocheisen. Hebeisen Oberschwaben. Hocheisen Stuttgart. Hönisen, J. 1443, Zürich. Lz. 6, 175. Hönisen, J. 1315, B. 20. Kaltisen, 14. Jh., H. U. 266. Keckeisen Ravensburg. Kocheisen, J. 1 750, Ravbg. A. A. Kolbeisen, J. 1750, Ravbg. A. A. Kückeisen, J. 1750, Ravbg. A. A. Crumpisen, J. 1219, Franken. W. U. 3, 99. Mtiliscn B. 36 ; jetzt Mühlcisen in Ehnin- gen, Gmünd. Murdysen, J. 1323, B. 37. Mürdenisen, 14. Jh., Ztschr. f. Oberrh. 17, 96. Notisen B. 38. Augsburg. Rammeisen um Zwiefalten. Raiveisen, J. 1590, Ravbg. A. A. Rufeisen, J. 1750, Ravbg. A. A. ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -ETSEN, -fSEN. 65 Recht Lz. 23, 328. Rech Lz. 20\ Ribi Schweiz. Lz. 20" Hink, Ring, Schweiz. Sand Schweiz. Schenk überall. Schleif Schweiz. Schmelz Biberach. Schmid überall. Schnetz Ravensburg. Streck, Steub, oberd. FN. 133. Silber Stuttgart. Stemm, Stümi, Schweiz. Stoll überall. Sur (Sauer) Altstatt. Thurn um Waldsee. Übel Oberschwaben. Rauffeisen in Waldsee. Rechseisen, 16. Jh., B. 20. Ribisen,J. 1276, Straßbg. Gassennamen. Reibeisen, J. 1713, Ravbg. A. A., jetzt ein Hof Reibeisen b. Ravensburg. Rinkeisen, J. 1713, Ravensburg. A. A. Ringeisen Lz. 20". Sandeisen Ravensburg. Schenkisen Ravbg. E. Schleifinsen Ravbg. E. Schneit zinsen, J. 1567, Ravbg. A. A. Schmideisen, J. 1590, A. A. — Da der Name auchSchmidheißen geschrieben ist, kann er, weil in der Gegend der Name Heiß daheim ist, alter Haus- name sein. Kann aber auch aus Schmidhiiusern verballhornt sein. Vgl. Thurneisen. Schnetzisen, 15. Jh., Ravbg. E. Unweit liegt Schnetzenhausen. Slreckysen, J. 1500, Basel. B. 20. Silberreisen, J. 1451, Stuttgart. B. 45. Stemmeisen, J. 1713, um Ravbg. A. A. Stolysen, J. 1525, B. 20. Surrisen, 15. Jh., Ravensburg, jetzt Sauereisen und in Sourisseau ver- welscht. Tliumeisen. Vgl. B. 20, wo nachgewiesen ist, daß die Thurneisen von Basel ehedem Thurneyser und Thurnhäußer hießen. Vbelisen, J. 1324, um Zwiefalten. F. D. 4, 28. Zerrysen, J. 1482, Möhringen. B. 51. auf -wer, isser an , da Zerr finde ich als Personennamen nur im Zerrenhau bei Söflingen. Vgl. Sero, Serrald. Förstemann NB. 1, 1075. An die Namen auf isen reihen sich die einige dieser Sippe augenscheinlich aus genetivischen Ellipsen auf -is weitergebildet sind. Ich .•rinnen- an Albiser und die Bofhamen Albis- haus, Albisreul von Albi — Albrecht; an Bilrgisser und dm Namen Burgi = Burghart; an Eafiser und die Familiennamen Bans und Hai. welche iu der Schweiz und im Algäu vorkommen; an Eiedisser und Rudi s.v. a. Rudolf; an Entüser und Entis zu End; an Fryschiser ÜERMAMA. Neue Reihe VII. (MX. Jährt;.) ^> 66 M. BUCK, ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -EISEN, 1SEN. B. 22 und Frisch; an Välisser B. 21 und den Geschlechtsnamen Väl, Vel (Fehl). Einige lauten in Folge der unbestimmten Aussprache auch -esser, so Riedesser neben Riedisser, Segesser neben Segisser. Der letztere Name gehört jedoch nur scheinbar in unsere Sippe, da er alt Segenser lautet. Vgl. B. 44. Lz. 20\ Ob er aber zu Segens, Sense oder noch wahrscheinlicher zu einem Ortsnamen gehöre, will ich hier nicht unter- suchen. Ganz entschieden zu einem Ortsnamen gehört Digiser, was die schwäbische Aussprache für Digisheimer ist, denn Digisheim lautet bei uns Digisen. Diese Zusammenziehungen scheinen schon alt zu sein, wenigstens nennt der Cod. Laures. nr. 2337 das Dorf Lomersheim schon im J. 854 Lotmasen. Ganz anders, wenn auch aus einem Orts- namen, ist der Geschlechtsname Kniebiser zu erklären. Es gehört zum alten Knieboz, Kniebreche, wie steile Bergpfade mitunter heißen. Namen wie: Manezze, Mitezze, Verkenesser gehören wohl zu esse (edo). Wohin gehört der Isenesser? J. 1275. B. 21. Diese Namen auf -isser verdumpfen sich zuweilen in -asser. Im Vorarlberg gibt es Familien Gallis, Gallus neben Gallijler und Gal- lußer. Es ist auch die Heimat der Riedißer. Unsere Stuttgarter Binkiser heißen im 14. Jahrh. Binkusser und Pingosser. B. 17. Diesem Namen scheint der Geschlechtsname Bengg näher zu stehen. Der Form nach reiht sich dem Binkusser der bei B. 22 angeführte Ganusser Ganasser an. Diesen Namen habe ich stark im Verdacht, daß er aus Ganaffer ver- lesen sei, denn ganz in derselben Gegend und in derselben Zeit, wo die sog. Ganasser um Tübingen und Rottenburg herum Urkunden, finde ich auch Ganapher und Genepher (Maulaffenfeilhaber) , z. B. einen bertholt den geneppher in den Monum. Zoller. 1, 323. Es scheint dieses dumpfe u für i auch in andern nur mittelbar hieher gehörenden, zum Theil schwer deutbaren Namen vorzukommen. Ich nenne den Ulmer Arlapus, Arlapuz, dessen Wappen einen Erlen- busch zeigt, einer ist z. B. z. J. 1298 in der Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. 23, 61 genannt, andere in den Schriften des Vereins für Kunst und Alterth. in Ulm und Oberschwaben. Es wird wohl nur Zufall sein, wenn nach Merian Topogr. von ( »sterreich S. 31 Bechlarn einstens Arlape geheißen hat. Im J. 1442 kommt ein Ulmer Rollubutz vor, U. A. 3, 77, der wie mancher andere dieser Form freilich wieder auf andere Erklärungspfade führt. Ein Proteus ist der alte Stuttgarter: Borrus, Bouruss, Borrhaus, jetzt: Bauereiß, Baureiß, Baureß, Bareß, Bareiß B. 16. — Der Vollständigkeit halber mögen noch einige -uz, -us hergesetzt sein: Bonruz, Bonros, Bombroz 14. Jahrh. H., in der C. M. BLAAS, DEK MARIENKÄFER IM NIED.-ÖSTERR. KINDERSPRUCH. 67 letztern Form als hieße er Baumknospe, broß Knospe (vgl. Buochen- öugli). — J. 1240 dict. Genuz. W. U. 3, 458. — J. 1343 dict. Kruchuz Ztschr. f. Oberrh. 16, 43. — J. 1364 dict. Kurlapus ib. 6, 360. Dieser Name klingt an Hurlapus, Arlapus und den Stuttgarter Ilurlebausch an. — J. 1414 Hurruz in Konstanz. Richentals Chron. - - Eine Straß- burger Familie nannte sich Kapnz Straßb. Gassenn. S. 96, eine Schweizer Kabis Lz. 20% eine andere Kabi und Kebi. — Die Familie Hoppus 15. Jh. um Frohnhofen lebt jetzt als Hops zu Markdorf'. Nebenbei gibt es eine Familie Hopp, Hoppe und Höbe. Der Hof Baums im wirt. 0. A. Wangen ist nichts weniger als latinisiert, es ist der schwä- bische Locativ für Baur, dessen Casusendung so dumpf lautet, daß man nicht weiß, ob man Baurus oder Bauras, Baures, Bauros oder Bauris schreiben soll. Zum Schluß noch eine Zubuße für Namenliebhaber. Eisenbeiß, Eisobeifi, Tritenbeiß. B. 47. — J. 1424 Bronbisz Lindau. H. — J. 1344 Huntpisz Ravensburg. B. 28. — J. 1288 Hanebitz Menger Archiv. — J. 1448 Affenbitz Lz. 17, 6. — J. 1452 Frumppisz Lz. 11, 99. — J. 1381 Froioenbisz E. 322. — J. 1247 Katzenbiz B. 30. — Rimpiss B. 40. — Vgl. Steub, die oberdeutschen Familiennamen S. 80. AULENDORF im September 1873. Dr. BÜCK. DER MARIENKÄFER IM NIEDEROSTERREICHI- SCHEN KINDERSPRUCH. VON C. M. BLAAS. Schon bei den alten Indern war der Marienkäfer (coccinella septempunetata) ein vorzüglich geheiligtes Thierchen (s. v. d. llagens Germania 7, 435) und J. Grimm (Deut. Myth. S. 658) deutet seinen Namen auf Frouwa, welcher nach J. W. Wolf (Beiträge z. deutschen Myth. II. Bd. S. 449 j der Käfer heilig gewesen sein muß. Überdieß ha1 \V. Mannhardl in Beinen Germanischen Mythen (S. 243 fg.) ein- gehend nachgewiesen, daß die coccinella im Norden Gottheiten, wie: Preyr, Freya und Frigg geweihl war, und wie im übrigen Deutsch land, ebenso steht der Marienkäfer auch in Niederösterreich, nichl nur im besondern Ansehen, sondern er wird im oiedorüsterreichisclmn Wald- viertel, gleich der Schwalbe und dem Rothschwänzchen, für „heilig'' 5* 68 C. M. BLAAS gehalten. Daran gemahnen vor Allem schon die Namen des Käfers in Niederösterreich als: Herrgottskäferl, Herrgottskalb'l, Muttergotteskäferl, Frauenkäferl und Sonnenkäferl. Nebst diesen mythischen Benennungen des Marienkäfers deutet auf die Verehrung desselben in Niederöster- reich außer dem Volksglauben, nach welchem dieß Käferchen jedem, dem es zufliegt, Glück bringt, auch noch die Meinung der Kinder. Diese glauben nämlich, daß derjenige, der ein Frauenkäferl tödte, eine schwere Sünde begehe, welche durch einen Sterbefäll in dessen Familie, oder durch ein anderes Unglück, welches die Muttergottes schicke, bestraft werde1). Übrigens soll der Marienkäfer in Nieder- österreich auch einen schönen sonnigen Tag bringen, und die Kinder glauben, wenn er von ihrer Hand, während sie ihn besprechen, auf- fliege, so werde bald darauf die Sonne aus den Wolken hervor- kommen2). Indeß erscheinen die Beziehungen des Marienkäfers zur Sonne und zum Wetter am klarsten in den hier folgenden Kindersprüchen, welche, wenn hiefür auch kein anderer Grund maßgebend wäre, schon deßhalb unsere Aufmerksamkeit verdienen, weil nach Rochholz (Alem. Kinderlied S. VII) der Kinderspruch so alt wie unsere deutsche Helden- sage ist. 1. Sprinzerl, Sprinzerl3) fliag unsan Herrgott in's Tümpferl, bring uns heint und moargn a schene Sunni. (Reingers.) 2. Sunnkäferl, Sunnkäferl fliag in'n gold'nen Brunn, bring uns heint und moarg'n a rechte schene Sunn. (Stockerau.) 3. Frau'nkäferl fliag in'n Brunn, bring uns heint und moarg'n a schene Sunn4). (Litschau.) 4. Frau'nkäferl fliag über'n Brunn und bring a schene Sunn5). (Stockerau.) ') In Schwaben wird der Marienkäfer als der Muttergottes geweiht betrachtet und man sagt daselbst, wer ihn tödte, komme in die Hölle. E. Meier, Sagen aus Schwaben S. 223 und 224. 2) Vergl. Panzer, Bayer. Sagen II. Bd. S. 379. 3) Im niederösterr. Waldviertel wird der Marienkäfer auch Sprinzerl und Sprinzkäferl ge- nannt. 4) Vergl. Panzer, Bayer. Sagen II. Bd. S. 547. 5) Vergl. Mannhardt German. Mythen S. 254. DER MARIENKÄFER IM NIEDERÖSTERR. KINDERSPRUCH. 69 5. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn6) und bring uns heint und moarg'n a rechte schone Sunn. (Korneuburg, Hörn, Retz und Groß-Weikersdorf.) 6. Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn und bring a goldene Sunn. (Stockerau.) 7. Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn und bring uns moarg'n a schene Sunn. (Kirchberg am Wagram und Nalb bei Retz.) 8. Sunnenkäferl fliag über Hollabrunn und bring uns a schene Sunn. (Eggenburg.) 9. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag nach Mariabrunn7) und bring uns heint und moarg'n a wunderschene Sunn. (Wien und Rodaun.) 10. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag über Brunn8) und bring uns heint und moarg'n a goldene Sunn. (Langenlois.) 11. Sunnenkäferl fliag über den Rhein und lass die Sunn' sehen schein. (Tulln.) 12. Frau'nkäferl fliag über den Rhein, daß 's heint und moarg'n recht sehen soll sein. (Waidhofen an der Ybbs.) 13. Frau'nkäferl fliag über den Rhein, schau was moarg'n für a Tag wird sein. (Senning.) 14. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag davon und bring uns heint und moarg'n a schene Sonn. (Stockerau.) fi) In Niederösterreich führen zwei, ungefähr 6 Stunden von einander entfernte, Orte den Namen Hollabrunn, nämlich Oberhollabrunn and Niederhollabrunn. 7) Ein Wallfahrtsort in Xiederösterreich, über dessen Bedentang für Legende und Sage s. Marian, Geschichte der österr. Klcrisey IV. Tl.. VIII. Bd. S. 394 -409. Gebhart, die heilige Sage in Österreich 8. 21. Kaltenback, .Mariensagen 8. 109- 113 and die in diesem Werke auf S. 360 verzeichneten Schriften. Ferner vergl. Chambers, Populär rhymes of Scotland S. 171. „At Vienna, the childern do the Barne thing crying — Käferl, Käferl, Käferl, Flieg n.-t<-h Mariabrunn, Und bring ans a schöne Sonn. — That is as much as to say, in the language ol a Scottisfa yonth - Little birdie, little bi Fly to Marybrun, And bring OS hame a fioe Mina. [n torrcich gibt es mehrere Orte, welche den Namen Brunn fahren, 70 C. M. BLAAS 15. Herrgottskalb'l fliag in'n Brunn und bring unsan Herrgott a goldene Sunn. (Schoderlee bei Stronsdorf.) 16. Frau'nkäferl fliag nach Brunn und bring unsan Herrgott a goldene Sunn. 17. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag davon, bring unsan liab'n Herrgott a schene Sonn. (Langenlois.) (Stockerau.) 18. Frau'nkäferl fliag nach Karnabrunn9) und bring der Muttergottes a goldene Sunn. (Stockerau.) Hinsichtlich des „gold'nen Brunn" im Spruche 2 sei hier er- wähnt, daß sich, wie in Bayern (Panzer, Bayer. Sagen I. Bd. S. 184 und Schönwerth, Aus der Oberpfalz II. Th. S. 173) und in Tirol (Alpen- burg, Mythen und Sagen S. 320 — 321 und Zingerle, Sagen und Ge- bräuche S. 107) so auch in Niederösterreich die Sage vom goldenen Brunnen localisiert hat, und ich verweise hier nur auf das Sagenreiche „gold'ne Brünnl" im Rohrwald bei Rohrbach (unweit Stockerau), in dessen Nähe (der Sage nach) eine weiße Frau, vom Volke die „Annamiarl" (Anna Maria) genannt, um eine Eiche gehend bemerkt wurde, welche sich aber, seit ein Marienbild an den Baum geheftet wurde, nicht mehr sehen lässt. — Ob nun diese „Annamiarl "' auf die Brunnenfrau Hol da (Holla) zu deuten sei, will ich hier dahingestellt sein lassen; ich glaube aber bei dieser Gelegenheit auf den, in den angeführten Sprüchen vorkommenden, Ortsnamen „Hollabrunn", ob- wohl er mir wie die übrigen Ortsnamen in den Sprüchen nur eine zufällige Localisation des betreifenden wirklichen Brunnens oder Ge- wässers zu sein scheint, hier aufmerksam machen zu müssen, und zwar weil Mannhardt in seinen German. Mythen nachweist, daß die Sprüche vom Marienkäfer, sowie der mit demselben in Bezug stehende Brunnen, auch auf die deutsche Holda zurückzuführen seien. Übrigens soll Oberhollabrunn der Sage nach von einem wirklichen Brunnen, in welchem die Hirten der dortigen Gegend in alter Zeit ihr Vieh tränkten, den Namen erhalten haben und sein Wappen ist „ain Schult Inn der mitte vberzwerch In zwen taill gleich abgethaillt, Das ganntz vnndertaill Inn gstalt aines wassers vnnd Inn dem vordern taill des Schillts erscheinendt vber sich ain velsen, dar Innen enntspringenndt 9) Ein Wallfahrtsort in Niederösterreich, DER MARIENKÄFER IM NIEDERÖSTERR. KINDERSPRUCH. 71 aus ainer hölle durch ain goldifarbes Nörlc ain Vnimienqucl vnnd gegen demselben Im wasser ain Schwannen seiner natturlichen färb vnnd gestallt. Das Ober taill des Schillts aber Plaw oder Lasurfarb Inn demselben vber- zicerch ain gelber oder goldf arber wolffs Aungl den ainen Spitz gegen dem vordem < >b, rn vnnd den anndern gegen dem mindern hindern egg kherendt, darnach gegen dem vordern vnndern rund im hindern Obern taill des schillts ain goldf arber Sterenu. — (S. Mayer, drei Capitel aus der Ge- schichte Oberhollabrunns S. 7.) Schon in den erwähnten Sprüchen erscheint der Marienkäfer als Bote und Vertrauter der Götter (vgl. Grimm deutsche Myth. S. 658), noch mehr tritt er aber als solcher in den folgenden hervor: 19. Herrgottskalb'l [Frau'nkäferl] fliag af d'Woad und bring unsan Herrgott a goldenes Kload. (Schoderlee bei Stronsdorf. — Großmugl und Wulzeshofen.) 20. Herrgottskäferl fliag af d'Hoad und bring unsan Herrgott a schens Kload. (Retz.) 21. Sunnkäferl fliag nach Karnabrunu über d'Woad und bring der Muttergottes a schens goldenes Kload 10j. (Stockerau.) Für die Auffassung des Marienkäfers als Götterbote spricht indeß ferners noch der Umstand, daß derselbe den Kindern in Niederöster- reich nicht nur Jenseits einen „schönen Ort" suchen soll, sondern daß er ihnen auch anzeigt, ob sie in den Himmel oder in die Hölle kom- men; denn in Stockerau sagen die Kinder zu ihm, wenn sie ihn auf der Hand halten: 22. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl Hing fort, such' mir an sehen Ort entweder Himmel oder Höll; oder: 23. Frau'nkäferl, komm i in n Himmel oder in d'Höll"? und glauben dabei, sobald der Käfer aufwärts fliege, kämen sie in den Himmel, wenn aber abwärts, in die Hölle11). Zu d>n Anrufungen des Marienkäfers in Niederöstencieli gehören endlich noch zwei Sprüche aus dem Waldviertel, und zwar: 24. Sprinzerl fliag hoam, deine Kinda wear'n woan, dei Häuser] wird brinna, deine Kinda wear'n versinka! ,0) Vergl. Zeitschr. f. d. Myth, IV ") Vcrgl. A. Kuhn, Sagen aus Westfalen II. Th. S. 78. 72 W. WATTENBACH 25. Sprinzkäferl fliag hoam, dei Muada thuad woan, deine Kinda thoan singa, dei Häuserl thuad brinna!12) (Reingers.) Schließlich reihe ich an diese Sprüche noch die einzige mir vom Marienkäfer bekannte Sage. Dieselbe scheint sowohl mit den Benen- nungen des Marienkäfers, als auch mit jenen Kindersprüchen, in wel- chen derselbe als eine Milch und Butter bescheerende Kuh aufgefasst wird (s. Rochholz, Alemann. Kinderlied S. 93), in Verbindung zu stehen. Sie wurde mir erst kürzlich in Stockerau von einem Knaben aus Böhmen erzählt, wie folgt: Als Christus geboren wurde, brachten ihm die Hirten Milch und Butter, und als die Muttergottes diese Geschenke in Empfang genommen hatte, flog auf das Milchgefäß ein Frauenkäferl, welches seit dieser Zeit stets bei der heiligen Familie blieb und diese erst, als sie vor Herodes nach Egypten flüchten musste, daselbst ver- ließ. — Außerdem sagte mir der Knabe noch, Christus habe dem Frauen- käferl, weil es der Muttergottes zugeflogen sei und er es lieb hatte, den Namen Maidalenka (Magdalena) gegeben, welchen Namen das Marienkäferchen bei den Tschechen führt. (Über andere tschechische Namen dieses Käfers s. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen S. 83 und 233.) ARENGA DE COMMENDATIONE STUDIL Incipit arenga de commendacione studii humanitatis atque amenitate estivalis temporis*). I« Arva floribus extant decusata, Ave anime mi respira! 5 Prata universa rident, Dira hyems iam preteriit, Strident erarii, ludos Feriit famelicos atque nudos. Videntes oriri tarn iocundos. i2) Vergl. Grimm, Deutsch. Myth. 658. Wunderhom, III. Bd. S. 406. Mannhardt, Germanische Myth. S. 349 — 351. Landsteiner Keste des Heidenglaubens S. 41. *) Die Überschrift von der (gleichzeitigen) Hand der Glossen. [Die strophische Abtheilung habe ich hinzugefügt; es sind drei Strophen, die Stollen länger als der Abgesang und mit Übergangsreimen (vergl. Germania 12, 181 — 185) versehen. K. B.] 1 Aye] darüber als Glosse: hortandi est. 2 preteriit] abivit. 3 feriit] seil, que percussit. famelicos] esurientes. 4 decusata] ornata. 5 rident] florent. 6 strident] zanclaffent. erarii] usurarii. AEENGA DE COMMENDATIONE STUDII. 73 Ut tristemur non est phas. Mas bymnisat corde leto; Freto rethe inmergitur 45 Ad prendendura pisces. Coniuuctus nunc si sis puellis Bellis ([uc 111,'itronis Donis ornabis eas. Receptabere ad viridaria, 50 Varia virtute te decorant, ( > r.int secum una ut meas Ac curialia multa disccs. § lliis si comniunices convivis, Divis modestiis indulge, 55 Fulge morali facecia. Hec sciunt recensere mores, Fores adornanl faceto Discreto dant magna precia, Ac ipsi rubicundas genas por- rigunt. 60 Hinc ut subserviam sexui Pexui mentis erines, Fines racionisnetranscendam. Detestantur (scio) grossos Fossos dura rusticitate. 65 Late infligunt ipsis mendam Acrique iudicio corrigunt. § Olfactu tarn fragranl virencia, Aer virtute extal plenus, Sed excellit terre encia 70 Nobile femmeum genus, Quod nobis balnea conficit arti- ficialia Floribus, rosis, herbis, qualia Fiunt in Suevia,AthesietAlsacia, As1 alibi natura scaturiunt: 75 In quis populi queritanl solacia El heroes i cum i puppis liguriunt. - arbusta] heck. 9 segetes] fructus. fundo agro. lt invitant] indicunt. 16 culcat| terit, pusio] puer. jten. 17 inservit] inhabitat. L8 cetus] turba. L9 frei ' '''-• comprus. 27 ätillarom] guttarum. capitulis] a caput. dulcorat] dulces facit. vorbei i. berbaa el capitnr pi nni berba. :;i eum] rast i cum vel ortutanum. serva] &b cilla. terit] content. 39 venustate] pulchritudine. 42 phas] licitum. 43 mas bymnisat] vir cantat. 45 prendendum] capiendum. IT bellis] com ms. |s ornabis] mnnerabis. 50 d 51 jecum] cum eis. meas] vadas. 62 II iminunices] communitatem habes. r,l Glo cijs 1 1 • mi-, tu inhere. 56 bee] virgini schätzen. 57 fores] iannas. 60 subserviam] occulte sicrviam. spernnct. t',5 mendam] macnlam repreb 67 olfactu] ! fragrant] ■ . < 1 > . i .-i ut . 71 conficit] alü confert. 71 ast] eciam, scaturiunt] quellent. 76 quis quibus. populi] vulgares, queritant] frequenter querunt. 7t", beroes] magni domini, puppis] cum dominabufl et virginibus. liguriunt] laute vivunt. Vepres arbustaque vireseunt, Crescunt segetes ex fundo, 10 Mundo conferentes solamina. Arbor queque suos facit fruetus. Luctus acerbos refutemus : Nemus ac camporum gramina Nos invitant letabundos. 15 Jam arillator terram sulcat, Culcat lianc pusio rastro. Castro inservit miles: Jam feminarum triumphat cetus, Fretus estivali gaudio. 20 Audio virgines civiles Novas psallere cantilenas; Coreas dueunt vespertinas. Binas video connexas Plexas adolescentum digitulis : 25 Jocus iste est festivus. Rivus dulei unda fluit. Ruit ymber stillarum capitulis, Radices dulcorat et verbenas. Jam omnis exultat creatura: 30 Philomena merula et frigellus Equali concinnunt mensura. Jam arida feeundatur tellus, Jam sua ortulanus sata serit, Post eum serva glebas terit. 35 Jam vinearum prescinduntur vites, Sed frutices religantur. Jam omnes penuriarnm Novo fruetu resecantur. lites IL 40 Montes nunc venustate vigent, Frigent coli ss yernali ror< . Flore vallis respergitur: 74 W. WATTENBACH, ARENGA DE COMMENDATIONE STUDH. III. § Ubi sat letati fuimus, Fumus ignorancie abicietur. Detur locus seiende. 80 Progrediamur ergo foras, Oras longinquas visemus. Reinus ignave demencie Concremetur prorsus. Almania hew prostrata iacet, 85 Tacet preceptoruin vox. Nox illic diem retundit. Exurge ergo festive studens ! Prudens animo nunc si sis, Scis : Ytalia doctrinani fundit : 90 In Liptzk caristie mordet ursus. Ytalia pregnantes habet scolas. Volas ad ipsius sinurn: Trinum sorciaris profectum. Illic ars pollet humanitatis, 95 Satis eciam dicendi generis. Veneris haud invenies ibi lec- tum, Sed florere canones atque leges. Aus der Berliner Hs. lat. fol. BERLIN. Humanitatis arte non imbutus, Mutus erit neque doctus, 100 Coctus aqua;sednecconditus. Arte oratoria vere Splendere qui conspicitur, Dicitur eloquencie studio peri- tus, Is imperatores adoritur atque reges. 105 § Hoc qui sum carmen poe- tatus, Arti humanitatis indulgeo, Sumque Samuel vocitatus. Lacera quoque facie fulgeo. Calciamentorum rostra longa gesto, 110 Sed marsubio gradior mesto. Cogor ergo aliorsum prosilire. Vale Liptzk! salva semper syes. Omnipotens te dignetur custo- dire7 Sit vel alumnis meis parta quies. 49 (15. Jahrh.), f. 91. W. WATTENBACH. 80 progr.] vadamus. 81 oras] patrias. visemus] frequentemus. 82 ignave dem.] male stulticie. 83 prorsus] omnino. 84 über hew prostrata: Quo diver- tamus. 85 prec. exreeeptorum Hs. ; darüber docencium. 86 retundit] vnder- truck (1. undertruckt). 87 festive] celebris. 89 fundit] dat. 91 pregnantes] feeundas. 92 volas] velociter curras. sinum] gremium. 93 trinum] triplicem. profectum] ibi. 94 illic] eodem loco. pollet] viget. humanitatis] poetrie. 95 die. gen.] ars oratoria pollet. 96 ibi] in Ytalia. 98 human.] poesi. non imbutus] est expers. 100 coctus] f. (aus s entstellt = seil.) qui non est inbutus arte poesi. conditus] salsus. 101 vere] certe. 103 eloquencie] faeundie. 104 is] iste. adoritur] alloquitur. 105 Poetatus (darüber dietavij deponentale est a poetor poe- taris. 106 indulgeo] insisto, inhereo. 107 Sam. vocit.] hoc nomine vocatus. 108 lacera] lacerata, wlnerata. 110 mars. gr. m.] bursa transeo vacua. 111 al. prosil.] in alias partes transire. 113 omnip.] deus. custodire] protegere. 114 vel] eciam. alumnis] nutritoribus. parta] parata. H. RÜCKERT, ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN. 75 ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN. Aus Cod. Chart. I, 4, 466 der Breslauer Universitätsbibl. hat Hoffmann in der Monatsschrift f. Schlesien 738 eine Anzahl von deut- schen und böhmischen geistlichen Liedern rnitgetheilt, welche jeden- falls für öffentlichen, vielleicht auch für den Gebrauch in der Kirche bestimmt waren. Es ist wohl der älteste, dann häufig wiederholte Ver- such, dem geistlichen Kirchengesang in der Landessprache, welchen die Hussiten sofort durchführten, von katholischer Seite her ein Paroli zu biegen. Denn daß sie von dieser Seite ausgegangen sind, wird durch ihren Inhalt und durch den Ort ihrer Überlieferung be- wiesen. Die bez. Handschrift ist nämlich von dem kathol. Geistlichen Nicolaus v. Cossel geschrieben, über den Hoffmann 1. c. die ihm zu- gänglichen Notizen gibt, und Theile von ihr sind bis zum. Jahre 1417 vollendet gewesen, darunter gerade derjenige, vor welchem die von H. gegebenen Stücke und unmittelbar hinter welchem die beiden hier folgenden stehen, die H. nicht mitgetheilt und die doch der Publication werth scheinen. Aus der schles. Monatsschrift sind die deutschen Lie- der in H's. Gesch. d. deutschen Kirchenl. von Nr. 63 an übergegangen. Wir geben den Text, der in I in abgesetzten Versen, in II in fortlaufenden Zeilen geschrieben ist, genau nach dem Original, nur mit Auflösung der wenigen Abkürzungen und in unserer Interpunction. I. (f. 88a.) Pater noster: Ich man dich, valer iesu crist, wen du mein dirlözer bist, gedenk, herre, an dein erbeyt, 5 an dein iamer und an dein leyt, an dein hunger und an dein durst, an dein bieze and an dein vrust, an dein czeher und an dein bw< der do blutig und ; 10 obir deynen heyligen rücken vlos und eich nedir auf dj erde dergoe. Patei ii" • Ich man dich, herre, bey der stunden, do dich dy Juden vyngen und banden; 15 zy zogen nicht an dej o enlende, zy banden dir rüsse und bende, das dir das blut aua den negiln drank. 0 züsser got, wy zere dich betwank 76 H. RÜCKERT deyn vetirliche liebe! 20 gleich einem dybe woldistu dich losen vüren und vor den zünder rügen! Pater n oster: Ich man dich, hirre, bey der smacheyt 25 dy dir dirbot dy valsche Judischeyt: do sy dich hatten gebunden, ze slugen dir grosse wunden, ze slugen dich of deyn heyligen hals (f. 88b) und ze sprochen, dein lere were yalsch. 30 ze rofften und vorspeyten dich, und ze slugen dir mangen herthen strich, das dir das blut obir dein heyligin zeyten ran. o süsser got, nu gedenck doran und vorgyp mir all meyn schult 35 und las mich, herre, han deyn hult! Pater noster: Ich bitte dich, lieber vater meyn, gedenk an alle dy martir deyn, gedenk an deyn crone so swer, 40 an deyn negil und an deyn sper; gedenk an deyn tyffe wunden dy dyr blebin unverbunden; gedenk an deyn bittern tot. behut mich, hirre, vor allir not 45 und sych czu der rechtin hant, do der schecher dy rewe vant, und vorleih myr wäre rewe durch deyn vetirliche trewe! Pater noster: 50 Ich man dich bey der lyben muter deyn, Maria, dy züsse konygeyn, gedenk an yr gros leyt, wy eyn swert yr hercze durchsneyt, do ir qwomen dy mer, 55 das yr lybes kynt gevangen wer. gedenk an eren grosen smerzen und trost meyn betrübtes hercze in alle meym leyde. ce wen ich von hynne scheyde 60 zo tröste dy arme zele meyn und las mich nicht in nöten zeyn ! Pater noster: Ich man dich noch, vil guter got, gedenk an der Juden spot ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN. 77 65 und an den bittern gallen trank und an den jemmer liehen gank, do du czu der marter woldest gen, nakt und bloz vor den Juden sten, do das ürteyl obir dich dirgynk 70 das man dich an das creueze hynk. Pater noster: Ich man dich noch, vil guter heylant, al meyn not und al meyn leyt zey dir bekant. ich bit dich durch deyn reynes blut das du mit geduldigem mut 75 durch meynen willen woldest vorgissen, des las mich, herre, genissen, und vorgip mir alle meyn missetat dy meyn zundiger leip y begangen hat wider dy werk der heyligen barmherezekeit, 80 und wider dy zyben heylykeit und wedir dy czen gebot : alle totliche zünde vorgip mir, lieber vater und guter got, und las mich nicht dirsterbin, ich mus der vor ee dein hulde dirwerbin, 85 Amen. II. Salve regina. Gegrusset zeistu könegin, eyn muter der barmherezikeit, ein lebin und zussikeit und unsir hoffenunge. 90 bis gegrusset, czu dir schrey wir enelcnden kynder frawen Ewe, czu dir irsufeze wir weynende und irsufezende in dem tal der czer. eya dorumme, unsir vorsprecherynne. dein barmherzigen ougen czu uns wende, und iesum, dy gebehedeyte vrucht deynes leybes, uns noch desin enelende 95 irzeyge, o gütige, o milde, o süsse Maria- Amen. Über die sprachlichen Eigentümlichkeiten dieser die echte Fär- bung der schieß. .Mundart ihrer Zeit tragenden Lieder, von denen das zweite richtig«!- Sequenz zu nennen wäre, das erste wegen der unglei chen VersezabJ Beiner Strophen im uneigentlichen Sinne Leich heißen könnte, verweisen wir auf unsere Darstellung der Laut- nnd Flexions lehre der gen. Mundart in der Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. u. AJterth. Odiles. Bd. III, 1 — Bd. XI. -. wobei die Bandschr., aus der beide Nummern entnommen Bind, vollständig benutzl wurde. BRESLAU. B. Kl I kl. KT. 78 A. BIRLINGER AUS DEM BUCH WEINSBERG*). Etwas Ähnliches wie die Zimmern'sche Chronik ist das „Buch Weinsberg" im Kölner Stadtarchiv, bestehend in vier handschrift- lichen (Papier-) Folianten, ehemals dem Syndikatarchive daselbst an- gehörig und erst seit einem Jahrzehent von Dr. Ennen aufgefunden. Der Verfasser, zugleich ein übereifriger Federzeichner, nennt sich Licentiat Hermann von Weinsberg, geb. 1517, f 1598; er war Advocat und Assessor am erzbischöflichen hohen Gerichte, Kirchmeister in St. Jacob, von seinen Zunftgenossen auf dem Schwarzenhause eilfmal in den Rath gewählt. Absicht des Buches ist die herabgekommene Patrizierfamilie von Weinsberg auf möglichst edle, alte hohe Abstam- mung zurückzuführen. Sein einziger und ewiger Refrain liegt in den Reimereien des zweiten Vorsatzblattes: Wilt Godt bidden vnd versoenen Daß er den Weinsberch laß groenen! So führt , er seine Abstammung auf die Grafen von Weinsberg in Schwaben zurück und berichtet wie folgt von der Weibertreue; ja die bairische noch ältere Abstammung überliefert er echt romanhaft der Nachwelt in schönem Kölnisch-Hochdeutsch. Seine Familie ist auch mit den Zollern verwandt. Bd. I, 151a merkt der Verfasser an: „ich hab eyn maill von eym blinden lutenisten, Jürgen genent, gehört, wie er es darvür hilt, daß die von Zolleren syn grauen vnd die von Weins- berg auch grauen eynß stambs oder geschlechtz weren; dasz er Jürgen war mit den oberlendischen heren kundich. man hatz doch zu erfaren". Dieser Richtung sein Haus zu verherrlichen gelten die unzäh- ligen lateinischen Reimereien, die zum Überfluß bis zum Überdruß so manche Blätter füllen. Anerkennenswerth ist, wenn er Vater und Mutter durch solche Hausgeschichte auch ehren will (Bl. 7h) und zugleich danken „derwegen man jnnen hynwidderumb ehr vnd danckbarheit *) Vorsatz-Pergamentblatt: das boich Weinsberch, nit reine dan das clack- boich: were es so balde zu corrigern zu conciliern vnd dan abzucopiern als nyt, es were lange eynmaill gescheit, zitverdreif fboich. Eyn spilboich bin ich, lusus chartae in qua luditur seriis et jocis domini et familiae (Winsb.). Ferner: Das boich Weinsberch heisch ich verwar es doch heimlich Der hausfatter leiß mich Das es kein fremder krich Vor zeit verdreiff bei sich. zu lesen vnd neit sweich Es wirt jm sein nutzlich Das mögt dan syn spotlich. AUS DEM BUCH WEINSBERG 79 zu beweisen schuldich ist nach dem gebot des herrn: ehre dynen fatter und dyne mutter vff daß du lankleibich Beiß vn erden vnd der weiß man Cato leret: cognatos cole, ehre dyne mage vnd bloitz- bewanten vnd sulche ehrerzeigung ^ nd danckbarheit nit bequemer ader foglieher gesehein kau ader mag. dan daß jre alte verdunckelte gedechtniß vnd memorien vernüwerl werden u. s. w.u Darum schickte sich H. von Weinsberg an „zum kurtzwiligen Zitverdreiff" nebenbei alles zu sammeln, was zu seinem Kram passte: vnd wan ich lustich war vnd mich vermehen (ermeien mhd. belustigen) wolte die alte register. anzeigungen vnd abmalungen von mynen vüreltern von handt zu handt (wie man sagt) nach verlaißen vnd eitz von altheit scheir gar zürstückert vür die handt genomen; hab auch von mynen eitern vnd eltsten fründen allerlei erfraigt vnd erfaren vnd alten trembden lüthen vill gehört, in historien, Croniken, Schreinen, ahoi breitl'en, rechensboechen, missiven vnd ander schrifften fasl geleßen u. s. w." (G\)*) Die altern Familiennachrichten hatte er, wie Dr. Ennen**) in den Annalen des hist. Vereins für den Niederrhein VI (1859), S. 124 angibt, von seinem Groß oheim Patroclus, einem Mönch in Corvey, der mit unermüdlichem Fleiße eine Familiengeschichte zusammengetragen und dieselbe bei Gelegenheit eines Besuches in Köln seinem liruder Gotschalk als ein für den jedesmaligen Stammhalter der Familie, den Eermann immer „Hausvater" heißt, bestimmtes Erbe übergeben. Dieser Patroclus war geboren 1441, f 1490. Also knüpfte Hermann hieran die Geschichte seiner Großeltern und Eltern, und während 40 Jahren wuchs das opus als umfangreiches Tagebuch an, das Bd. II. III. IV füllt und darum für Kölns Vorzeil von unschätzbarem Werthe ist. Dr. Ennen gedenkt das ganze Material für den Stuttgarter Litterari- schen Verein herzurichten, wozu Bd. 1 weniger taugen dürfte; er ent- hält Concept und Reinschriften und hat zur Abwechslung auch ein opus Beati Rhenani, Druck, mit eingebunden nebst Randbemerkungen. i dem i \ atzblatt: macht zu gelegenen zeiten mit gattem vorbeil.-flit an i äfften stucken wirken, eyn gl lieh boiefa mit »ynen prosen rersen, reimen bilt* :i. wapen gemeille ■•■• ai nodicbj deinlich vml zeirlich «Irin mag Btain. -- Was hilffl aber vill boieh zu Bcbrinen, wan sie keiner m ler den inbalt leist dreinen in eheren hell nit groiC achtet, bo grob Ist daß er nit mirokt wa i « - 1 j myt dissem boioh liyn vili will. In J. Müllers Zeitschrift für Kulturgeachichte bringt E, die koBtbai theiluugeu für dii 1-7 1. 1. Heft, 80 A. BIELINGER Hermann kennt die Kölnischen Chroniken; citiert sie wiederholt und merkt aus einer (Ea) an: „alle altheit ist vol vnd vermengt mit fabulen. Meint aber seir altheit". Cronica Colonensis civitatis fol. 35 p. 2(?). — So entnimmt er — wir haben es hier nur mit Bd. I zu thun — Stellen dem Seb. Frank, Munsterus. Seine classischen Kenntnisse sowie die der Neulateiner zeugen von Hermann als einem äußerst gebildeten und gelehrten Manne. Den mittelalterlichen Cato führt er häufig in längern Auszügen an und ist voll seines Lobes. Bl. 176a virtutem pri- main Zarncke S. 175, V. 5. plus vigila 3 ff. que nocitura V. 11 ff. constans et lenis V. 13. nil temere V. 15 ff. contra verbosos V. 19 ff. (Zarncke). dilige sie alios 21 u. s. w. V. 20 spem tibi promissam u. s. w. gibt H. v. W. : „rem tibi" und fügt am Rande bei obseruent mercatores plus quam alii u. s. w. Die Hälfte der Disticha sind defect hier wieder- gegeben; Zeilen zählt dieses Blatt ungefähr 70. Bl. 170b stehen eben- falls quedam ex Catone moralia, dabei die Notiz (Germania 17, 93) Catonis boichlin helt man u. s. w. Zarncke S. 174 erste Reihe No. 1. 2. 3. 5. 6: foro te para. 51. 7. Dann folgt ad consilium accesseris antequam voceris. 9. 10; dabei steht: comis enim et blanda salutio sepe conciliat amicitiam, inimicitiam diluit, certe mutuam benevolen- tiam alit augetque. Dann minori parce. Vgl. No. 49. — 4. 14. 13; sodann cliligentiam adhibe. 50. 18 u. s. w. — Wichtiger dürften die Sprüche und Sentenzen in ihrem kölnisch-deutschen Gewände sein die ich hier mittheile. Der Kampf des Neuhochdeutschen mit dem Alt- kölnischen ist näherer Beobachtung werth. Beifügen will ich noch vorher die Sage von der Weibertreue. Bl. 151a b enthält eine Reihe Auszüge über diese Geschichte. Zuerst ist genannt ein Chronica civitatis Coloniensis antiquae f. 167 : item als Keiser Lüder zu lande quam, so quam ime clage ouer Greue Herman u. s. w. Darauf ist eine Chronica civitatis Coloniensis f. 169 angeführt: desse konninck Conrat zouch in syme derden jare vür Nürenberch vnd Winsburch etc. Ferner Joannes Carion in sua Cronica u. s. w. : „im kreich mit den welffen gewan Conradus daß sloß und Stadt wins- burg u. s. w. bis: und leiß jnnen jre gutter darzu folgen — ". Cosmo- graphia Munsteri f. 592. Cronik der Päpste des Sebastiani Franck f. 249. Joannes Oecolampadius. J. Sleidanus Hb. IV fol. 1525. Endlich Franck's Deutsche Cronik. Daß H. v. Weinsberg Alles kölnisch-deutsch auszog, darf einen nicht wundern. Bl. L" ist unter dem Jahre 1140 die Weibertreue wiederum mit wenigen Worten erwähnt. Bl. Qb steht: zouch Keiser Conradt dar vur mit hereß krafft vnd gewan daß sloß vnd Stadt seir balde, leiß alle die vom adel fangen, darunder Balthasar AUS DEM BUCH WEINSBERG. 81 der fatter auch war; aber jren weiberen sagt er: sei mochten dar von zehen vnd eyn iede mögt so vil mit nemen als sei tragen mögt, da nam Sabin jren son Heinrich, vnd die ander frauwen jre menner vnd jre kynder vnd trogen die vß der stadt. dargegen dachten etliche: es were gemeint von guttern vnd nit von lüthen vnd wolten die edle kynder behaltenn. Aber dem Keiser gefeill die tugent der edler weiber woll vnd schaffet, daß sei neyt der jugent sicher daruon quaraen vnd leiß innen jre gatten darzu folgenn vnd die moder Sabin flöhe mit jrem son Heinrichen u. s. w. Vgl. Bl. 240b mit einigen Reimen. Bl. 203" ist ein Lied, Text und Noten, das heißt: Ich haben min Sachen zu Got gestelt Er wirt es wol machen wie es im gefeit Dem dhoin ich mich befillen. Min sei, min leib, min Ehr, min gut Erhelt Got stetich in siner hut Hie vnd dort zum ewigen leben. Was all der wellt verloren acht, Das stet doch fast in syner macht Es geschieht nach sinem willen. Daten begegnen im I. Bd. einige; Bl. Hb steht am Schlüsse der Einleitung 1560; andere bewegen sich zwischen 1550 und 1560. Ich merke noch folgendes an: Die Schrein- oder Schrin- boicher in Cöln syn vngeferlich a. 1225 rayn oder mehr angefangen vnd man hat die häusser vnd f harren eirst zu Latin geschriben biß a. 1390 vngeferlich, do hat man eirst angefangen zu deutschn drin zu schriben bis off heutigen tagh. f. 314". — Twerge gesehen, a. 1526: wie er auch (der Weinsberg) vff eym wagen vff die Steinen nach Neuß solt zehen mit sinen eitern vnd fründen syn angfraw zu visitern hat er zwischen wegen zwei twerge gesehen, jedes eyns foiß hoich im wege ghonn. f. 325b. — Von Konrad von Weinsberg, dessen Einnahmen- und Ausgaben-Register uns der Stuttgarter litterarische Verein V. Jahrg. 1. Lief, brachte, weiß unser Kölner nichts. Er citiert f. 151 eine Stelle aus der Chronik der Päpste Sebastiani Franck in Dützs (Deutsch) f. 249: Daß die Geistlichen vff dem consilio zu Basel, wuchs anno 1438 gehalten dermaissen an eynander gehriten, daß der Raidt zu Basel vnd Graiff Conradt van Weinsberch sei schiden moisten, vide ibidem, quisnam ille fuerit nescio. — Gemälde im Hause Weinsberg. f. 201'' Pietas: bittend — eyn raem oder heister GERMANIA. New,- Eteihfl Vil. (XIX.) Jülir«. 6 82 A. BIRLINGER mit eim crucifix in der erde setzende. — Providentia: mater divitiarum, sol mit eyner gaffeln mist spreiten. — Cura: soll mit eyner heppen die alte reben absniten vnd samlen oder plotzen. — Industria: sol gerden oder reben anbynden oder hechten. — Opera: sol mit dem karst hacken vnd roden umb einen wynstock. — Custodia: sol mit eyner rasseien die foegel von den trüben abweren. — Diligentia: sol trüben lesen, sniten tragen eyn kessel im armen in eym teil vnd mit eym teil. — Assiduitas: sol keltern oder eyn faß füllen oder trüben intreden oder eyn teil tragen. — Parsimonia: sol durch eyn kreingin jn eyn schenkengin zappen oder mit eym schenkengin in eyn klein gleslin schenken. — Utilitas: steht an eynem stinen hofftaifflin, hat trüben, weißbroit vür sich vnd drinckt viß einem gülden oder glisern geschir oder ist eyn drube. I Sprüche. 1. Es fengt zeitlich an zu brennen das gut nessel wil werden, f. 16b. 2. Alle Anslege gerathen nit 17". 136b: alle gutte anschlege gerathen nit al zit. 3. Vill willen syn wol geholden von nemans werden gescholden. 18\ 4. Weß man fromlich mag geneissen Deß laiß man sich nicht verdreissen. 20*. 5. Lichter nit: besser ist etwass zu schelten dan zu bessern. 22". 6. Balder ist etwaß zu sagen, dan zu thoin. Lichtlicher zu schelten dan zu bessern. 15*. 7. Vil besser ists weislich zu wircken, dan weislich zu gedenken. 15". 8. Nemans byn ich Nemans wil ich Nemans ist mein Nemans eigen will ich sein Dan Gottes allein. 49b. 9. Wem stedicheit mit trewen ist bereit Der leuet in groisser erwerdigheit. 59b. 10. Halt dich allein, Dein hertz halt rein, Vnd acht dich klein. Hab lieb, das nymer mach vergain So kan dyn herlz in frewden stain. 60b. 1 1 . Amoris macht Veneris bracht Cupidinis swerth Hant manchen verzert. 60b. AUS DEM BUCH WEINSBERG. 83 1 "2. Vif erden ist kein bessor list dan der syner zongen meyeter ist. a. a. 0. 13. Frome luyde soicht man gerne, weise luyde soicht man ferne. 601'. 14. Es moiste syn eyn rechter schehn, Vnd wer er auch von schilt und heim, der wer bei schonen jonffrawen vnd guttem wyn, Vnd wolt dan noch seir trurich syn. 71". 15. Gelt das stum ist Macht recht das krum ist: drumb daß ich reclit krum vnd krum recht kan machen Trach ich syden vnd roit scharlachen, a. a. 0. und 136b die ersten zwei Zeilen. 16. Es gilt ezunt nit mer dan gelt vnd goit Das gibt ehr, gunst vnd hohen moit Es gibt der früntschafft auch gar vil Zum armen schuyst man nach dem zil. a. a. 0. 17. Het ich gelt nach willen, Ich wult den Pabst stillen: Den Keiser vom weib triben Vnd noch im landt pliben. a. a. 0. 18. Ich was leiff alß ich meinde, Es ist eyn ander, alß ich befynde: Wall hin, ich will mich lyden Vp wanckelen bergen ist quaidt ryden. a. a. 0. 19. Trewe, die ist dhoit Vntrewe ist groit. a. a. 0. 20. Früntschafft geit vor alle dinck: Das straffen ich, sprach der pfennink, Dan war ich kere vnd wende, Dar hat al früntschafft eyn ende. a. a. 0. 21. Were einer van Judas art, Der ärgste der ehe gewart, Syn moder eyn hoer, syn vader eyn deiff: Ich glcub, het er gelt, so wer er leiff. a. a. 0. 22. Wer mit schonen jouffrauwen consortia querit habere, Vnd kan daß triben et sie de fraude cauere: Den will ich achten speciali arte nitere. a. a. 0. 23. Was helffen kertzen oder brill Der nit sehn wil, off sunst nit wil. 71 '. 24. Es ist verdreit, da die hen kreit vnd der han neit. 75b. 84 A. BIRLINGER 25. Wer myr thoit waß er mir gan, Den wil ich loben als ich kan: Es sy gut oder quaidt ich wilß gedenken Vnd wil im vom besten inschenken. 82". 26. Dan heidnisch ist wraggeirichkeit (Rachgirigkeit) Schott quidtschlain zu der Christenheit, a. a. 0. 27. Wiste mancher mynen syn so were ich lieber dan ich byn. a. a. 0. 28. Wer vor mir daß beste klaffet, Vnd hinder mir daß ergste schaffet, Den achten ich auch anders neit Dan Judas der Jhesum verreit., a. a. 0. 29. Mach seiden sehen frewde geben, So hand die blynden eyn frolich leben 0. Weinsbergh 30. Seiden sehen dhoit kein goit Des trag ich einen sweren moit 31. Ist lyden froligkeit So ist bei myr kein trurigkeit. Dabei: wil sy nit wal. a. a. ' 32. War daCs T also steyt — Trewe, Dar daß L dar bouen geiht — Loißlieit. Das V hat dar die macht — Vnrecht, Das es das R nit acht — Recht, Dar wirt der mensch also verblendt, Das er noch E noch G enkenth — Ehr vnd Godt. f. 91a. 33. Wan das P geith vur dem G — penninck, Godt Vnd das V vur dem T — Vntrew, Treiv, So hat V ond P sulche macht Das man noch T noch G enacht — Treiv noch Gott a. a. 0. 34. Such vor dich zu aller stundt Dan mancher hat eyn falschen grundt, Syn wort, syn guth, ouch sin gebeer, Mer mit dem herzen ist er fern. a. a. 0. 35. Diß ist der werelt eyn: Man spricht, Jha, vnd meint Nein. Item. 36. Schoene worth synt nyt dan wynt Da die wirken nyt bei en synt. Item. 37. Eyn fruntlich gebiere sonder gunst Ist zwar eyn arth van Judas kunst. Item. 38. Schoin in dem mondt ist sitz gemein Trew in dem grondt de findt man klein. AUS DEM BUCH WEINSBERG. 85 Item. 39. Schone worde, vnd die gelogen, Haben manchen menschen bedrogen. Item. 40. Adams ryb vnd reiffen naß Macht manchen froe, der trurich waß. Item. 41. Gelt, gelt, schreit all die weit. 42. Er ist geryng gesacht Des lange wirt gedacht. 91\ 43. Leiff hauen und leiff helen doit leiff vnd leuen quelen, Mer leiff hauen vnd nit leiff syn Vff erden ist ghein swerere pyn. a. a. 0. 44. Rechte trew ist eyn werder gast, Wer dieselb hat der halt sy fast, Nyt lieber liefft ich vff erden, dan daß mir rechte trew mögt werden daß ich des gar nit befynden thut mir fleisch und bloit verswinden. 45. Wer Gelt hat nach synem willen der kunt den pabst seir wohl stillen u. s. w. (s. oben.) 91*. 46. Bedench das endt. das dich Got schenkt. 99\ 47. Ich will hoffen vnd herden Was nit ist, daß mach werden. 105*. 48. Het mich hoffnung nit ernert — Truren het mich lang verzert. 49. Wer hat der frewe sich: Ich hab nit noch hoff ich. 50. Ick weit wat ick weit, Wist ick nit, dat wer my lcit. 51. Mancher beneydet daß hie suydt (sieht) Vnd moiß doch lyden, daß geschuydt. 105*. 52. Wem licht daran, Was mir Got ghan. Derß doch nyt keren kan. 53. Wan der schriber sitzt, vnd die fedder ist gespitzt zu schriben ist benidt. so kan er so wol schriben Ingen »U warheit, 105". 54. All myt luyst Waß e0 koist. 105h. 86 A. BIRLINGER 55. Jeder tag bringt syn wirk mit gemach ob ongemach. a. a. 0. 56. Ich was leiff, daß neinde ich, Ich byn vergessen das befinde ich Ich gedencke diß vnd al des andern Das ich suß in ellendt moiß wandern. Wist ich einen so ellendich alß ich byn, zu dem wult ich wegen mynen syn. 119\ 57. Wer daß al wil wrechen was er suydt off hoirt sprechen, der sal al syn synne zu brechen Vnd sich darzu in meir leiden stechen, a. a. 0. 58. L L L L Leibde leirt, leidt, Leiden das befynde ich zu dissen zeiden. a. a. 0. 59. Ach leider ich byn geworden weiß, Daß wer da zymmert vff daß eiß Syn kost vnd arbeit moiß verlesen, dan es mag nit alzyt fresen. 119*. 60. Och leider, ich byn also beschert, Dat niemans myner begert. Ich bin alsus geboren, Was ich begyn ist al verloren! Das mag ich wol klagen mit goidem recht Ich byn leider dieser weit zu schlecht, a. a. 0. 61. Ferne gesessen Wirt baldt vergessen Nach bei der handt Wirt fast bekandt. 119b. 62. Gut verloren (klein) nitz verloren Ehr verlorn groiß verlorn, Moet verlorn all verlorn, a. a. 0. 63. Fürsten, Herren, Ritter und Knecht Wie sie es krigen es dunkt sin syn recht, f. 120b. 64. Het mancher nit mehe dan syn weir mit recht Der itz ist Her, wer dan wol knecht. 121*. 65. Verlangen thut wehe Mer myden noch vil mehe. 127*. 66. Der hoffen will sonder volherden Dem sol trew seiden zu deinste werden. 67. Och Got wolde sie alß ich So wer myn hertz van freuden rieh! 68. Ich hoffen zu dir, Zweiffei nit an mir. AUS DEM BUCH WEINSBERG. 87 69. In lyden gedult Ist besser dan golt, 70. Wer nit magh lyden Der stahe beseyden. 71. Acht dich klein Halt dich allein. 72. Got ist myn schilt Wilt wie du wilt. 73. In Gotzs gewalt Hab ich aldink gestalt. 74. Der leib hat vnd lieb verkeust Vnd lieb vmb liebes willen vcrieust: Ich rhade im, das ir also widder kiese, Das er lieb vni liebe willen nit Verliese. 75. Seiden bei bedrohet my In lyden fro, wer kan also. 76. W. W. V. W. W. Wer weiß vmb wes willen. 77. Hab leiff waß nit mach verghain So sal dyn hertz jn freuden sthain. 78. All verlorne weisheit In eyns armen manß heupt. 127b. 79. Willt nyt messen vor dem dreschen, a. a. 0. 80. Eyn goit hoerßman ist eyn goit bescheidtzman. a. a. 0. 81. Wer da mit friden leben will Der sehe und hör und swich all still, f. 136". 82. Swigen zu siner zith ist kunst Vil klaffens bringt vnguust. a. a. 0. 83. Wer allzyt swegh vnd nymmer spreich AVer wist was im gebreich, a. a. 0. 84. Ich bynß alleine nicht Der synen willen nit enkricht Vnd dem auch vil gebricht, a. a. 0h. 84. Gleub jederman nit glich Waiit wenich halten ßich. 85. Eyn weisser hab mit Beiß in butt Syn sei, syn leib, syn dir, syn gutt. 200 . 85. Eyn weisser hab mit fleiß in hutl syn seel, syn leib, syn i ihr, n G ■"• f. -00, 86. Leufft dir das glück Zu gut, so zuck, 18 A. BIRLINGER Es wendt sich duck. Gehts dan zurück Vnd macht dir druck Halt moidt, doch bück. f. 208\ 87. Wer trew eyn orden So wer myn frünt Abt worden, f. 234". 88. Got hatz beschert das ich begert Got hats gefoigt Das mir genoigt. 233b. 89. Ich scheide mit dem lieue Mit dem hertzen ich vch bleiue. f. 234b. 90. Och wie wehe doit jm syn moit, Der gerne bliff vnnd scheiden dhoit. a. a. 0. 91. Fründt, gedencket an mich, Gelich als ich an dich: Nith mehe begeren ich. a. a. O. 92. Gewyn vnd myn Verwar und spar. f. 235\ 93. Die frawen haben gut spinnen da die menner gnog winnen. a. a. 0. 94. Wer synen disch wil versorgen schlaff nyt steitz zum hellen morgen, f. 236*. 95. In Collen wenich widdirfirdt Das nyt myt wein bedronken wirt f. 254\ 95. Der vntrew ist baussen so vill, Das ich mich binnen halten will. 270°. (eine Schnecke dabei.) 96. Wo Gott zum hauß nit gibt syn gunst So arbeit iederman vmbsunst, Wo Got die Stadt nit selbst bewacht So ist vmb sunst der wechter macht, f. 270b. (psalm 217 nisi dominus). 97. Lehin ich eym fründt, das ist verlorn Lehn ich im nit, so ists eyn zorn. So ist mir vil lieber eyn zorn dan gelt vnd fründt darzu verlorn, f. 277". 98. Kynder, borgt nemans, vor denen ir vre goede moist abzehen, wan ir sie manet. a. a. 0. (Vrowins von Weinsberch mines proaui leer.) 99. Bischoffen in Italia, Grauen in Germania, Rittern in Hispania Sunt in magna copia f, 278*. AUS DEM BUCH WEINSBERG. 89 100. Ir myn kynder vnd enckel, staet all zit nach eym gülden wagen, kricbt ir den wagen, so mögt ir eyn gülden spannagel daruon krigen ! (Marie Keppels leer, myneß fatters motter) a. a. 0. 101. Wa war der Edelman Do Adam groiff vnd Eva span? f. 28 lb. 102. Respondit Maximilianus primus Ro. Cesar: Ich byn eyn man wie eyn ander man, wiewol mir Godt der Erhen gan. a. a. O. 103. Ist dir eyn ampt eyn zit lanck gegeben darvff saltu dich nyt zu hoich erheben, f. 282*. 104. Wan wir all weren megtich rieh Auch eyner dem andern gelich, Dan an eynem dische gesessen Wer sult vfftragen das essen? a. a. O. 105. Den kuckkertz beirboum heischt man mich vil geuch vnd narren speisen ich. (Unter einer Federzeichnung einen Baum vorstellend) f. 287". (Mit Bild.) 105. Schendrius est pluris quam tota scientia juris Laborat in vanum qui non novit Schenderianum. f. 287". 105. Eyn zillendt arm vnd from geschlecht Meirt auch dem haus Winsberg syn recht, f. 235 . 106. Wer hat recht vnd darzu macht, Des recht wirt groiß geacht. Wer der macht aber nit enhat Moiß liden, das er wirt geiagt. f. 290b. (Federzeichnung: ein Hirsch vom Hunde verfolgt.) 107. Fürsten vnd hern, ritter vnd knecht wie sie es krigen, so ist in -al recht. Nota: Hett mancher nit mehe dan syn wer mit recht Der mehe ist her, wer dan wol knecht. f. 291b. (oben.) 108. Bei einer Federzeichnung: ein großer Fisch kleine fressend, steht: Groisse vngerechte, gewaltdedige, eigennutzige herrn, amptlude, kaufflude, wochner, fressen den armen man inß leib. f. 291". 109. Wer zu gericht will gaen Moiß drei budel voll han Gelds, Gunnsts, Rechts, f. 291b. 110. Es darff sich keiner freuwen seir vber eyns andern vuglück iweir, Der nyt kan wissen ob das \ u Glichfalls zu bloühen citz brgyn. f. 296*. 90 A. BIRL1NGER 111. Will glück an den man So ists all weißheit was er kan Wennß jm aber mißgheit So ists narheit wa erß besteit. f. 307*. 112. Zenck ich mich mit eym geck vnd reiff mich an eym dreck, so krich ich balt eyn fleck, a. a. 0. 113. Man sal heudt spisen arme leudt vir aula pelles cibare brachia pulsa. f. 312 . 114. Porta patens esto nulli claudaris honesto, Hangt jn nit, laist jn leben! f. 313a. 115. AI tag moiß man syn noitturft han Gedenck daran vnd gwyn sie dan AI tag dhu hast scheir eynen last Mach dich gefast zu soichen rast. f. 315 . 116. Gehoirte stim wie wint hynt reibt Geschriben wort durhafftich pleibt. Vorsatzbl. 117. Wilt Godt bidden vnd versoenen Daß er den Weinsberch laiß groenen. Bl. Aa. 118. Von frembden schriben fremden vil Das ich von fründen auch thoin wil. Ist jenen sulchs dan wolgethain: Wer wil mir diß vor vbel han? a. a. O. 119. Weinsberch dein schilt ist sylber weiß Das sparkle dem [Altstein] pechswartz gemeiß. Ch. 120. Diß hauß schult ist so weiß als sne vnd kolswartz ist der spar vnd kle. C . II Geschichten. Die historia Aramondi von Weinsberg. Daß I Capittel. Wie die ro mische botschafft zu Brunsaw quam vnd eyn jonger Romer Adel d im leib gewan. Nach der gebort Jhesu Christi vnssers selichmechers, do man schreiff sieuen- hondert dreivndneunzich jar hat der bapst Adrianus sinen legaten Vincentium Procillumm zu Carolo der Francken konink sampt etlichen Dützen fürsten ab- gefertiget vnd wie er hyn vnd her in Duytzlandt reißde vnd syn geschefften vyß- richte vnd vff die grenße von Beiern tuschen der Donaw vnd Bohemer walt bei Fullonium den herren zu Brünßaw quam, wolt er sich etwas myt syner geselschafft vur groisser hitzden der hondtach resten. Vnd sobalde Fullonius der Romscher (niederrhein. stark) botschafft zukompft vernam, ginck er selbst zu jn vnd begerte, daß sei von den perden steigen vnd vber nacht AUS DEM BUCH WEINSBERG. 91 bei im pleiben wolten. Daß wart von Vincentio Procillo bewilliget vnd zu groessem danck angenomenn. Fullonius befalch synenn dienern den perdenn foterung zugebenn; rüstet eyn herlich abentmaill zu vnd machte sich mit der Komscher botschaft't frolich. Indem warff eyn jonger Romer (der mit Vincentio war) syn \e\bde vff Adeldim, Fullonii dochter, myt sulcher gebeir daß Adeldis deß edlen jongen Romers liebde woll spürde. Derwegen warff Adeldis jre leibde hynwider vff den jongen Romer, wie dan den menschen von uatur jn- gebildet ist , daß die geliebten die leibhaber gern widder plegen zu lieben, iedoch dorften sei sich nit zu eynandern foegen gesprech samen zu halten; dan des Romers sprach was italianiseh vnd Adeldis sprach dütz. Aber daß füer der groisser leibden gab vrsach daß ein jeder van jn vff wege bedacht wäre, wie dem anderen syn verborgen leibde entdeckt mögt werden. Deß andern dags als sich die Romische botschaft rüstet gen Wirtzenberch zu reiten, er- dacht vnd gebraucht der jonger Romer dissen auslach, do er (f. lb) vff synem perdt saß, gab er zu verstain vnd gebeir von sich, als ob were im swacheit von der groisser hitzden ankörnen vnd begunt myt listen vom perdt zu sinken, alls ob er van vnmacht fallen moste, daß sagen die diener vnd ergriffen in, hoben in vom perde vnd forten jn zum hauß Fullonii. da begert Vincentius von Fullonio : er wolte den jongling byß zu syner wederkompt bei jm dulden; verleiß jm einen diener zu warten der Deutz reden kunt. Das bewilliget Ful- lonius vnd befalch synem gesynde myt fleiß vff den jongen Romer zu sehen, daß er widder genesen mogte. Daß II Capittel. Wie der jonger Romer vnd Adeldis die wirk jrer leibden volle n- brachten vnd van eynanderen scheiden. Als nahe Vincentius mit syner gesellschaft nach Wirtzenberch verreiset war, droieh es sich eynmal zu, daß der jonger Romer vnd Adeldiß allein bey eynandren quamen vnd wiewoll keiner dem andern zureden kunt, daß er es verstain mocht, idoch halßten sei sich vnd myt vill früntlicher gebeir kortz- weileten sei heimlich samen vnd darnach so duck es die bequemicheit gab, biß sei entlich alle werk der leibden rollenbrachten vnd eyn dem andern zeychen syner treuwen zäunte, dar befandt sich kein swacheit mehe am jongen Romer, darvmb wollt er jn myt nach Rom foerenn vnd wiewoll der Romer Adeldin vur groisser harte straiff, wilche den Christen begegnet, wan sei sich mit den vnchristen angelacht vnd vertrawet hetten; dan der Romer war eyn Christ vnd Adeldis vngleubieh. Derhalb gab er Ädeldi eyn zeychen, als ob er mit Vincentio wolt verreisenn vnd darnach widder zu jr keren vnd bei jr bleibenn. Vnd als er jr die hant gegeben vnd sei geküsset vnd also synen abscheidt mit jr ge- macht (f. 2") hatte, zocli er mit Vincentio von Bronßaw nach Rom myt groissem swarmoidt synß heizen, aber Adeldis rertroist ßich vS Byn wedcrkompfl vnd leiß jn nach mangfeltigem süffzen vnd «reinen verreisen. D il IM Capittel. Wie Adeldis mit der deinstmagl Cumerellen handiel vnd wie das kindt vff dem Weinsberg heimlich geboren wan. Vber etliche tag darnach quam Adeldis in erfarnng, daß sei vom jongen Romer swanger wäre. Du.' . -i-ln.yil' iidi cyrst eyn weynen vikI clagen; jr hertz 92 A. BIRLINGER war vol trurens vnd mit groisser sorgen benawt: dan der gebrauch war daselbst, daß wilche jonckfraw sich betraegen leiß, die wart aller jrer ehren beraubt vnd jr fatter mocht sei von allen güttern enterben. Daß beherziget Adeldis vnd mirkt nuhe eirst, daß sei vom jongen Romer verlaissen war, wost auch niet, weß sei sich troisten solt, sprach duck: o gecke liebde, wie hast du so manchen menschen bedragen vnd betrübt. Doch war sei gedencken an jre getrew gespillin Cumerel, jrer motter deinstmacht. In hoffnung die worde alle sachen heimlich halten vnd jr troist in jren noetten geben, erzallt der alle gelegenheit vnd begeit rhat van jr. Cumerell die kloick vnd geschickt war, troist sei mit vill gutten worten vnd gab jr disseu rhaidt: sei sulte sich heimlich halten, swacheit annemen vnd nemans fill zu sich laissen komen. Wannehe dan die zeit der gebort anqueim vnd daß kindt geboren worde, wolde sei es heimlich umbprengen, daß jr fatter noch motter, noch kein mensch erinnert sult werden, daß sei ehezeitz swanger were gewesen vnd Adeldiß leiß wenicher folks zu ir komen on Cumerel, die sei seir leib hatt. Vnd als die zeit der gebort heran quam, gincken sei duck samen in daß feldt ader geweldt spacern vnd vff eynen morgen frohe, den dritten tag Maij im sibenhondert veirvndneunzichsten jar (f. 2 ) hin den Bronßaw vff dem wyngarthen oder Weinberch (negst vür dem dem walde gelegen) spacern ginken, ward Adeldi kindtzwehe vnd gepar eynen son vnd Cumerell sach umb sich her vnd spurden daß sei allein waren, dan im anfang Maiß pleicht wenichs folks in den wimbergen zu handien vnd machte eyn noille mit jren henden in die losse erde vnd wolt daß geborn kyndt lebentich darin begrabenn. Als daß Adeldis sach, wiewoll sei fast vnmechtich war, edoch bewechte sei mütterliche leibde, welche nit leucht vnd sprach zu Cumerellen: halt still, daß kindt ist myn fleisch vnd bloidt vnd solde ich aller ehren vnd mynes erbtheills beraubet werden, so soll es nit vmbpracht werden dan es sali lebentich bleiben vnd greiff es damit in jre armen vnd küsset daß kindt vnd vergaß alles smertzen, wolt es auch von sich nit folgen laissen. Die deinstmacht Cumerel sach daß gern vnd erfrewt sich der groisser leibde; doch gab sei Adeldi dissen rhaidt: sei sulte daß kindt heimlich in dem weinberg legen, zu hauß gain vnd bei wilen verschaffen daß es gespeist vnd gelafft worde. da tuschen mocht emautz van den heckern daß kyndt wanschaffen finden vnd vffzehen, also daß sei gutt achtung künth haben, wa daß kyndt hynqueim vnd wie es ufferzogen worde vnd kündt dem kyndt auch woll alle noitturfft ver- schaffen vnd zu gelegenen zeiten in jr gewalt bekomen. disser ratschlag gefeill Adeldi woll vnd folgden deß vnd lachten daß kyndt vff weiugartz blader, lassen es vff dem weinberch liegen vnd geinken heimlich nach Brunßaw zu hauß. Daß IUI Capittol. Wie Hellonissar daß kyndt fandt vnnd Aramondt von Weinßberch nennet vns Adeldi gab vnd wie es gestalt wart. Denselben dach nacli dem essen leiß sich Hellonisar Adeldis broder syn perde satlen vnd reidt mit etlichen synen dienern vff die jacht vnnd von ferns schawt er daß die foegel vnd raben bouen dem weinberch flogen, kreischende, gleich ob sei eyn aiß fonden hetten (f. 3\). derhalb reidt Hellonissar zu dem weinberch zu besichtigen , waß der foegell flegen vnd kreischen zu bedeuten hett vnd alls die jachhondt deß kyndes gewar wordenn, leiffen sei zurück, AUS DEM BUCH WEINSBERG. 93 Hellonissar entgegen mit den zwentzen zauelende, springende vnd geberende, ob sei des kyndes bedawret betten, zue lest sach Hellonissar daß kyndt im Weinbercb ligen galen vnd schreien vnd mit den beinger zauelenn. Er leiß es sich durch syuer diener eynen recken vnd sach daß es eyn wolgestalt hübschs keutlynn war; er nam es in syn armen vnd reidt damit zu Brunsaw vff synes fatters hauß vnd leiß durch die gansse herschaft verkünden, wem daß kyndt zugehorich were ader waher es queim. Aber nemantz vermocht vernemen, wem es zuquam. Adeldis hillt sich auch in sulcher gebeirden, daß man jr nicht kundt mircken. Derhalb wart daß kindt vur eyn fondelinck von edermann ge- halten vnd Aramondt von Weinsberch genant, von dem weinbercb dar- vff er fonden wäre vnd Helonissar gab es Adeldi syner suster mit befelch, daß sei es nach aller notturft sult vffzehen laissen vnd sagt wiewoll es eyn fonde- linck were, so were es dannest eyn mensch vnd moist versorget werden; vil- licht mocht etwas gutz vyß im werden. Also foeget daß glück dem nichtz wonderlich ist, daß Adeldis iren son in ir eygen bewarsamheit vnd gewalt on argwon überquam, den hilt sei bei sich vnd leiß in mit fleiß vffzechen vnd als er vffwoisch ward er zymlicher hoichden, small von leib, bleich mit rotem ge- mengt vnder dem angesicht; syn har war gell, schlecht vnd lanck biß zu dem kyn; syn hart war woliich vnd broun, die augenappel bla, die naß zymlicher spitzden vnd grossden, der mont klein, hat lang bein und armen; syn sprach war groff vnd hell, syn ganck lansam, syn gebeir ernst, auch frölich vnd goder zeren. Daß V Capittel. Wie Adeldis in der deilung vürab den Weinsberch erlangte vnd Aramondt vür jr kindt annam vnd an Trudonem bestatte damyt er kyn der gewan. Dar tuschen war Fullonius vnd Sigismunda, Adeldis (f. 3,J) fatter vnd motter gestorben vnd ir broder Helonissar entfing daß lehen von der herscliaft Brunsaw vnd behillt was zu leben gehorich war vnd damit moist er eyn be- nogen haben. Aber was Fullonius on daß Leimgut besessen hatte, gereidt vnd vngereidt, daß war den andern kyndern zutheil verfallen vnd deß war eyn groist werdt, dan Fullonius halt vi 11 <'ygen erbgüttcr der Weinbergen, ackerlandts vnd büschen mit siner frawen Sigismunda beheiliget vnd sunst vnder syner her- scliaft gegolten. Vnder dissen gegolten güttern war der weinbercli begriffen, darvff Aramondt geborn war, doch vnder der herlichkeit Bronßaw gelegen, der int fasl hoich war, sonder (lach vür Walde gegen mittach lach, varmaills van etlichen leutlien in der herschafft Bransaw durch außrüttung des vraltz mit weinstocken beplanzet vnd zum weinbercb gemacht. Do nulie die erbgena n Kulionii Barnen quamen die erbschafft zu theilen, begerthe Adeldis vürab des wreinberche darvff Aramondt gepom war in dem vür ander gütter glicher ach- tung \ d' anderen platzen gelegen zuzutheilen. Sulicha hatten ire broder vnd mitgedeling eynen gutten benogen vnd theiltenn jr den weinberch zu vnd gaben ir daneben was ir zustendich war. Neben dem I « • i l> Adeldis heimlich zu Rom erfaren wie es mit dem jongen Römer irem allerleib ten gelegen were. vnd als .sei vernam, daß er gestorben war vnd nit zu der ehe gegriffen hett, gedacht sei, daß buII er vnd. vner trewen jr zu l< ■■\i leihen vnd ver- newert in irem herzen die alte leib gegen den Homer vnd Bwoir ir lebtach 94 A. BIKLINGER keinen mann zu nemen, dan sei wolt Aramondt von dem Romer vnd ir geporn vür ir kindt halten vnd denselben an ir anerstorben erbtheill brengen; ginek darnach vür gericht vnd nam Aramondt in kyndes stadt vür iren erben an daß im von jedermann gegont wart vnd Adeldis verschaffte, daß ir broder Hellonissar Aramondo seyn eldesthe thochter Trudonem zum weib gab, daß domaills vff ir heidensche weiß wollgeschein mögt, wiewol doch die sipschaft beider eheleuthen vnbewost war. Mit disser Trudone gewann Aramondt folgens acht (f. 4a) kynder, dar vnden seß sone waren gnant Clodoveus, Tillo, Fullonius, Marcus, Eibrardus vnd Gusollus, zwa Dhochter, genant Filana vnd Risia. Als nuhe Adeldis jr leben in groisser eynsamheit zu endt pracht hatt, ist sei im siben vnd funfzichsten jar jrs alters gestorben vnd ist vff den Weinberch (dar- vff Aramondt geboren war) begrauen worden, wie sei selbst begert hat. A. BIRLINGER. GRAMMATISCHE VERSUCHE EINES KÖLNERS AUS DEM XVI. JAHRHUNDERT. Aus dem Buch Weinsberg. Vom Namen Weinsberg. Vnd der zunam ist nit mehe dan eyn bedeutlich wort; dar bei der Stam vnd daß hauß bezeichnet er- kant vnd ernant wirt vnd ist eyn compositum nomen, daß ist eyn wort van zweyen substantivis samen gefoigt, wuchs bey der reiner latinscher Sprach verbotten aber bey den Dützen zugelaissen ist vnd begrifft zwa sillaben, der jeder syn besonder bedeudung hat vnd daß ganß worth hat acht boichstaben, der etliche dubbel etliche eynletzich synt. die weill aber an den boichstaben vill gelegen ist, so will ich folgens von jederm jn Sonderheit meldong dhoin; dan wan vff die boichstaben kein achtung gehat worde mocht man nemen, der zunam het synen vrsprunck vam wint, winde, findt, borch, burch vnd derglichen, so er doch allein van eym berch deß weins herkompt, den man drinkt vnd an den reben — vff dem berch gestanden — gewassen ist, dan vff sulchem berch ist Aramondt geborn. Bl. 354", wo dieses Thema kürzer conceptweise als Entwurf wohl steht, heißt die Überschrift: Weinsberch. Der zunam, stamnam, agna- tionnam, haußnam, geschlechtnam wirt ordentlich rhein vnd woll mit acht principalen littern geschreiben und geredt als mit W. EI. N. S. B. F. R. CH. darvnden syn drei dubbel vnd fünff eynletzich. W. Der ersthe boichstab ist eyn dubbel w, bei den Dützen gar gebrüchlich, damit der zunam anhebt, er werde zu latin ader ze Dützen GRAMMATISCHE VERSUCHE EINES KÖLNERS. 95 geschreben vnd dieweill er vür ansteidt, sol er alzeit groisser ge- schreben werden, den die ander vnd in syn stadt soll kein eynletzich v ader f ader gv gesatzt werden, darauß eyn frembde bedüdung deß worts erwassen mocht. Bl. 354* der eirste. W disses dubbeln littern brauchen die Deutz- chen bei denen er seir gemein ist; vnd sol nit verändert werden, dan der name hat synen vrspruugk in Beiern deutscher nation vnd man jn schoin latini orthographi gebrauchen moissen vnd willen, so sullen sie gu- in die stadt nit setzen wie sie vfi" vil orthen dhoin alß Giternerus pro Wernerus, G*-l": der veirthe, ß. disser ist auch eynletzich, wirt bey den deutschen vmb des genitivi casus willen darzugesefed . ist anfencfcdich vißpliben vnd wirt hiemit die eirst syllaba que ei dictio est) beschlossen. B. Der vünffte boichstab ist b damit die zweite Billaba anfangt vnd ist disser boichstab von altera bei den Beierschen ge- 96 A. BIRLINGER brüchlich gewest vnd wiewol die pronunciation vff vil orthen vn- glich ist vnd daß p mit mehr scharffheit gebraucht wirt, so ist es doch hie verbotten. Bl. 354\ Der fünfFte B. d isser boichstab ist eynletzigh der zweite in alphäbeth vnd fengt mit dissem die ander syllaba an que etiam dictio est vnd vil hohe deutsche setzen ein p in disser statt. F. Der sexsthe boichstab ist e und soll kein i ader o ader v ader y in syn stadt gesatzt werden, dan es heischt rein borch van steinen vnd holtz zur wonung gezymmert, dan eyn berch, dar weinstock vff- staint vnd wein vffwescht. Bl. 354a: Der sesthe. disser ist einletzig, sol nit verendert werden wiewol etliche daß y oder i in die stat setzen. R. Der sibende boichstab ist r, kan nit verändert werdenn, dan er leidet keinen andern syner stadt, moiß auch nit aushüben. Bl. 354a: Der Seuende. R. disser moiß notwendich da syn, ist auch eynletzich. Ch. Der achte vnd lesthe boichstab ist ch vnd laudt so vil als g, dan das h ist kein boichstab, aber alleyn ein zeichen deß zublasens; doch ist das g im end diß wortz im latin vnd Dutzen zugelaissen, aber gh, ck ader gk ader c allein ist verbotten vnd hiemit endet daß wort des zunamens. Bl. 354a: der achte, disser scheinet mit der aspiration H dubbel, wilche doch kein boichstab ist vnd mag daß g in diß stat gesetzt werden, ist zugelaissen; etliche aber setzen ck oder gh, ist nit zugelaissen. Bl. 354b: Daß gu- moiß gar nit voran stain, noch kein ander litera dan W; der nam werde zu latin oder deutsch geschriben, die- weil man oft und duck namen und zunamen mit 2 littern bezeignet aß H : W kan bedüden Herman Winsberg, sult aber stain G in stat W alß H : G. wie kunt man darauß Hermann Weinsberg verstaia. Eß sol eyn dubbel W geschriben vnd pronunciert werden, licht nit daran wie es die Itali oder Galli oder Latini curiosi außsprechen. wir halten unssen stylum. Bl. 354a: vide in elencho scriptorum sub dictione (r?«arinus; ibi solent Itali et Galli Vu, w germanica pro digamraa gg duplex ponere v simplex ut Ghilhelmo pro Vuilhelmo. Bl. 354b folgt die ganze große Anzahl der Schreibarten von Weins- berg: Beinsberg, Geinsberg, Wainsberg, Weinsberg etc. Vnad mit obbestimpten ach boichstaben schreibt man den zu- namen recht vnd rhein vnnd wiewoll er vürmaills vnd auch noch zur zeit ader in der eill ader vyß vnwissenheit vngeschicklich geschreben SPRÜCHE IM KÖLNER DIALECT. 97 viid geredt ist wordenn; edoeh sol nemans daß vtir cvn exempel an- zehen, sonder sieh mit groissem fleiß vben den zunanien obbemelten regelen gemeiß rhein zu schreiben vnd zu redenn, wie auch der wortlin zu ader von vur den zunamen gebraucht mogenn werden, ist lichtlich anzuzeigen, dan man schreibt vnd redt: hausfater, sorghaber, hauß- gnoß, herburger, vnderthain, diener u. s. w. zu Weinßberch. Ist aber eyner da her komen ader entsprossen, den nennet man Paulus von Weinßberch ader sonder daß wortlin van als Paulus Weinßbercher ader durch daß g. Weinßberger, vnd also gebrauchen etliche canzeleien bei den hochdeutzen. Aber Paulus Weinßberch, sonder die wortlin zu ailcr van gebraucht man seiden, eyner werde dan sonder dauffriamen Weinsberch allein mit dem zunanien gnant. Wannehe auch eyn adjee- tivum drauß gemacht wirt, gebraucht man es durch k oder (j als: cvn Weinsberehisch man. eyn weinbergische fraw vnd so fortan. Glichfalß redt man im latin: paterfamilias in Weinsberch: Aramondus de Weins- berch. Simon a Weinsberch, Christianus Weinsberchius ader per g: Weinsbergius. Also stellt man auch den Adjectiven Weinsberchianus m per g aut ch ad libitum vnd es ist verbotten den zunanien vff latin zu transfererenn ader zu verändern als Vinimons, Vmimontanus etc. ader vff greckisch alls: ohcoo ader senorius ob es schoin bei den gelerthen weir ader in frerabder uation. Dan der zunam bedüdet nit mehe dan die person, daz zu er gehört, damit zu zeigenen oder zu nennen, wie dan vil zunanien sint, die in sich gar kein bedüdung haben vnd doch die person da yn erkant wirt; da man nit weiß ob er dütz latin, welsch ader derglichen sprach sei. Doch mach disser zunam weinsberch von den poeten ader witzhalben woll verändert werden. A. BIRLINGER. SPRÜCHE IM KÖLNER DIALKCT. it, der wail vindt, 1 1 . w.iil leeffi , der wail endt. Der loen Bai duren ewelich, Der arbeit naüwe ein ougenblick. en doel i chilt, Dai um1! leefft ala du sterven will , Wal ia i.lit klein an itedich I ven ; . uck il it recht lis w uil beven. GERMANIA. Neu« Beil« \ll. (XIX. Jal.rg > 98 A. BIRLINGER, SPRÜCHE TN KÖLNER DIALECT. So wer in disser tzyt erkiest, Da he sinen got mit verliest, Alst komen sal an ein scheiden , So moiß he derven alle beiden. Ach wie lustich dat wesen mach, Da dusent jair is einen dach, By dattet is tzo syn aldair, Da einen dach is dusent jair. Die werlt, der vyant und dat vleisch, Als disse dry haven iren heisch, So blyfft die edel seel verloren, Die got so vrüntlich hat verkoren. Die werelt vlye, dem vyant entspringe, Dyn vleisch mit bescheidenheit bedwinge, Setze dich in die nederste statt, So machstu klimmen den hoechsten pat, Vertzye dich selven in allen dingen. Hangt an got mit rechter mynnen, Keert dyn meynunge zo got dem heren , So sal dich got die wairheit leren. Ach minsch, sxaet up dyn hoede bloiß, Want die valsche werelt is so loiß , Yr genoecht is vol unreinicheit, Yr rait is hoverdy und gyricheit, Yr dienst is sueß, yr loen is krauck, Yr bloem is schoen, yr vrucht is stanck, Yr Sicherheit is verradeniß , Yr medecyn is vergiffeniß. Want vur vreude gifft sy rouwe, Schand vur eer, valscheit vur trouwe, Vur rycheit gifft sy groeß armoet, Vur ewich leven den ewigen doet, Want kurtze vreude und langes leit Dat is der werelt lieffden kleit. Hedden wyr alle einen gelouven , Got und gemeinen nutz vor ougen , Ein eile, maiß und gewycht, Goede fryd und rechte gericht, Ein müntz und goet gelt, So stundt ist wail in der weit.*) A. BIRLINGER. *) Aus: Ein schatzboechlin der Gotlicher lieffden — Gedruckt zo Collen durch Eucharium Hirtzhorn, wonende in dem Swan by sant Pauwels Kirche (fol. q. 5— q. 8). W. CRECELIUS, ALSO BAI;. 99 ALSO BAU J. Grimm führt im Wb. I. Sp. L056 unter dem Worte baar diese Stelle aus Fischarts Gargantua (S. 403 nach der Ausgabe von 1590) an: ndise haben gebeieht vnd gereuwet, v und Ablaß bekommen, darumb werden sie also Par inns Paradiß fahren, wie ein Sans inn Sack, vnd ein Sau inns Mäußloch." Es soll hier also par in dem Sinne von so (durch beichte und r< we) ;/< r< imVjrt stehen. Die Vergleicliung der folgenden Beispiele aber muß lehren, daß also bar nichts anderes bedeuten kann. als 1, also fort, jetzt gleich und 2, in diesem Augenblicke, so eben. Fischart Flöhhaz 3372 (Kurz II. S. 89): Aber mit gfar werd jrs gewar, Wan sie euch haschen also par, Vnd werfen euch, bös inißgewächs, Inn glut zuprennen wie ein hechs. Fischart Jesuiterhütlein 285 (Kurz II, S. 249): Hierauff als es nun fertig war, Befahl der Satan also par, Daß es des Behemots Gesind Solt führen durch die Welt geschwind. In großer Menge finden sich die Belege für das Wort im ersten Buch des Amadis (ich citiere die Seitenzahlen der neuen Ausgabe \..i, A. v. Keller Stuttgart 1857): Als ich verschiener zeil wider den Elisen Albadan — zuschlagen anderstunde vnd also bahr auff der reyß ward etc. S. 45. Weh dir, daß du diese Jungfraw jemals gesehen. Dann du mußt bahr dein Haupt darumb "dahinden lassen. S. 76. Daneben werdet jhr jhm weitters anzeigen, daß mein Herr vml Vatter mich höhn lassen. \ ml ich also par wegfertig sey, in Britannien zuziehen. Demnach soll der streil ynder euch vnd mir allein Beyn. Vnd auch also bar, wo jr wölt. S. 98. Ich bitl E. L. gantz freundlich, Herr, last jn also bahr beruffeü \nd bitten, daß er vns seyn nami 3 108. So Int ich euch nun flei /t Galaor, jr wolt mich zum Ritter machen. S. I 1 8. Vml daneben ersah Schiff von diesem Vngewitter der [eben, daß kein hilff sh heyl von en zuhoffen, vnd das noch böser, war die nacht bc! also par vorhanden. S. 11 100 w- CBECELIUS, ALSO BAR. Du thust recht, daß du mich vermeinest mit deiuen Worten zu- erschrecken, aber die Teuffei werden dich also par viel ängstiger machen, denn ich jhnen dein Geist auffopffem wil. S. 207. Dann du mußt da deine vbrige Wehr auch lassen, oder also par sterben. S. 236. Vnd wo ich es jetzunder also bahr thun wolt, ließ mau mich nicht hinein? sagt Amadis. S. 283. Vnd so schwere ich euch, Antwort der Kitter, daß jhr es durch mich nicht innen werden solt, so lang ich das leben hab, vnd wölte lieber also bar sterben, denn daß ich euch solches anzeiget. S. 407. Da sagt die Jungfrauw: König, Mein gnedigst Frewlin Briolania, welche jr vnehrlich enterbet, schicket euch diesen Brieff, welchen jr in beyseyn diser Herren also bar lesen lassen sollen, vnnd folgendts zu meiner abfertigung mir widerumb antwort zu stellen. S. 414. Ir redet so lieblich, sagt sie, daß ich also bar versuchen will, ob jr ein so Manlicher gesell seyt, daß jr mich von diesem ort hinweg füren dörfft. S. 426. Für die zweite Bedeutung so eben finden sich folgende zwei Stellen im Amadis: E. May. Bruder, der König Perion ist also bahr ankommen. S. 51. Ewer starckmütigkeit nach, so ich euch also bar volstrecken vnd klärlich erzeigen gesehen etc. S. 118. Über ein früheres Vorkommen dieses Gebrauches von also bar habe ich mir keine Beispiele aufgezeichnet. Es werden sich aber ge- wiß auch bei Schriftstellern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh. deren finden, vielleicht fällt die Entstehung der Bedeutung sogar noch in die Zeit des Mittelhochdeutschen. In dem Leben der h. Elisabeth (herausgegeben von Rieger) stellt der Schenk Walther den Landgrafen zur Rede, über dessen harte Behandlung der verwitweten Elisabeth; er sagt dabei V. 6124 ff.: Ouch sint uns uffenbere Von drubeclicher witze Forme vnd ouch antlitze Vor schäme wurden missevar, Daz man so beltliche unde so bar Zu disen selben stunden Hat an uch, herre, funden Solich unverwizzenheit, Daz ir uch der unmildekeit Nach eren woldet uit bewarn. LITTERATUR: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE, im Rieger erklärt die betreffenden Worte mit ..so frech und unver- liüllf. "\" itlKit'lit bedeuten sie aber „so gar bald und sogleich nach eurem Regierungsantritt". Es wird zunächst darauf ankommen, den berührten Gebrauch von also bar, so weil es möglich ist. zu verfolgen, und ich möchte jeden, drin Beispiele davon zu Gebote stehen, darum ersuchen, dieselben hier mitzutheilen. ELBEKrr.il». W. CRECELIUS. LITThTvATUR. Zur neueren Litteratur über nordische Philologie und Geschichte. Ohne irgend welches genauere Eingehen auf Einzelnheiten zu beabsich- tigen, oder irgend welchen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, möchte ich auf einige neuere Erscheinungen aufmerksam machen, welche auf dem Gebiete der nordischen Philologie und Geschichte eine bedeutsame Stelle einnehmen, in der Hoffnung, daß eine kurze Charakteristik manchem Leser dieser Zeitschrift nicht unerwünscht sein werde. An erster Stelle nenne ich das „Jcelandic-English Dictionary" Richard Cleasby's, welches Gudbrandr Vigfusson in völlig neuer Bearbeitung herausgegeben hat. Das erste Heft dieses großartigen Werkes ist im Jahre 1869, das zweite im Jahre 1871 erschienen; das dritte und letzte aber trägt die laufende Jahrzahl, wurde indessen bereits in den letzten Tagen des Jahres 1873 ausgegeben. Dieses letzte Heft enthält neben dem Schlüsse des Wörter- buches unter Andern auch eine Lebensbeschreibung Cleasby's, sowie einige Specimina Beiner eigenen Arbeit, wie er sie bei seinem Tode hinterließ, und u diese klar erkennen, welche kolossale Arbeit sein Nachfolger aufzuwenden . um diese in diej zu bringen, in welcher dieselbe nunmehr vorliegt. Ich habe mich früher schon über den Zustand der altnordischen Lexico- graphie vor dem Erscheinen dieses Werkes im Ai ir Kunde der deut- schen Vorzeit, 1863, nr. 12, dum Germania, XII, S. 236 40 . dann die Anlage dieses Werl n Heftes in dn Bi zur Augsburger Allgemeinen Zeitung, 1-7". nr. ,-> and 7 näher ausgesprochen 5 hier möchte ich aber darauf aufmerksam machen, daß Jon Porkelsson dessen erstes lieft im 23. Jal fyödölfr, S. 1 5, 19 — 20 und dum dosen zweites Heft im 1 'J. Jabrgan Nbrdanfari, 3 103 1, einer eingebenden Besprechung unterzogen hat. [ch bemerke l"i dieser Gelegenheit, daß rundliche Kenner der en Litteratur 1 Sprache auch r manche Behr werthvolle lexicale sowohl als quellengeschichtliche Artikel in isländischen Zeitungen niedergelegl hat, die wohl verdienten gesammelt »eben zu werden; ich erwähne nur b die Aufsätze „aldux vfsnanna i Grel og fäeinar leidrjettingar vid bana", dann „vi »ur 1 Mork- 102 LITTERATUK: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE. inskinnu" (Norctanfari , 7. Jahrg., S. 45 — 46, und 9. Jahrg., S. 19); ferner „midstig atviksorda i Islenzku", „um baejanöfn ä Islandi" (ebenda, 8. Jahrg., S. 17 — 18, dann S. 85 — 86 und 89 — 90), „um stödu atviksorda i mälsgrein- um i Islenzku", und „um nokkurar rangar ordmyndir eda ordskipanir i Is- lenzku" (ebenda, 9. Jahrg., S. 55-56, und 59—60, dann S. 82 — 83, 86 bis 87, und 89 — 90). Ivar Aasen's „Norsk Ordbog", welches ich in Bd. XVII der Germania. S. 235 — 38 angezeigt habe, ist inzwischen im vorigen Jahre fertig geworden, und Asbjörnsen hat am Schlüsse desselben Jahres die fünfte Ausgabe der von ihm und J. Moe gesammelten „Norske Folke-Eventyr" ausgehen lassen; die Zahl der mitgetheilten Stücke (60) hat sich dabei nicht vermehrt, wogegen die Ausstattung des Büchleins, zumal auch durch einen von Markus Grönvold vortrefflich entworfenen und durch die Gebrüder Obpacher hier in München in Farbendruck geschickt ausgeführten Umschlag gegen früher noch gewonnen hat. Sehr werthvolle Arbeiten über die Quellen zur norwegischen Königs- geschichte sind neuerdings theils herausgegeben, theils wenigstens herauszugeben begonnen worden. Zunächst hat G. Storni einen sehr beachtenswerthen Auf- satz: „Norske Historieskrivere paa Kong Sverres Tid" in den Aarböger for nordisk Oldkyndighed og Historie, Jahrg. 1871, S. 410 — 31 erscheinen lassen, sodann aber eine selbständige Schrift: „Snorre Sturlassöns Historieskrivning", Kopenh. 1873 herausgegeben. Weiterhin hat Professor Sophus Bugge in denselben Aarböger, Jahrg. 1873, S. 1 — 49 ,,Bemaerkninger om den i Skot- land fundne latinske Norges Krönike" mitgetheilt, in welchen er zu nicht unwesentlichen anderen Ergebnissen über das Breve chronicon Norwegise gelangt als Storm. Endlich ist soeben das erste Heft einer „Undersögelse af Konge- sagaens Fremvaext" von A. Gjessing erschienen, welche, von der „Videnskabs- Selskab" zu Christiania herausgegeben, die in ihrem Titel bezeichnete Frage mit aller Gründlichkeit zu erörtern verspricht. Storms Schriften kehren sich hauptsächlich gegen die von mir seiner Zeit aufgestellte Behauptung, daß die Konüngasögur wesentlich ein Product der isländischen, nicht der norwegischen Litteratur seien, und daß die Heimskrfngla, so wie sie uns vorliegt, nicht aus Snorri's Feder geflossen sei ; bei großer Selbständigkeit im Einzelnen sucht der Verfasser doch im Großen und Ganzen nur den bekannten, von P. A. Munch und R. Keyser vertretenen Standpunkt neuerdings zu verfechten. Bugge sucht, mittelst einer ebenso gründliehen als selbständigen Untersuchung darzuthun, daß das Agrip af Noregs Koniinga sögum nicht, wie Sform annimmt, das Breve chronicon benutzt habe, sondern daß die zwischen beiden Werken bestehen de Verwandtschaft aus der Benützung einer beiden gemeinsamen älteren Quelle erklärt werden müsse, wie dieß schon von Munch und mir ausgesprochen wor- den war; er beweist ferner, daß diese gemeinsame Quelle in nordischer Sprache geschrieben war. Wiederum thut er dar, daß das Breve chronicon sowohl als die Yngh'nga saga neben rjöctölfs Ynglfngatal noch eine andere prosaische Quelle benützt hat, welche aller Wahrscheinlichkeit nach, mittelbar wenigstens, ein Werk Ari frödi's war, daß dasselbe ferner, ebenso wie Agrip, Odds Lebens- beschreibung des Olafs Tryggvason und überdieß auch noch den Adam von Bremen und einige englische Quellen benützt habe, wogegen er die. Benützung Theodorichs, der Fagrskinna, der Sagen vom heil. Olaf, wie sie uns vorliegen, sowie des Königsspiegels leugnet, was den letzteren betrifft, doch wohl mit Mi DERATURt I BEK NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE. 103 Unrecht. Wenn aber der Verf. die Abfassung der Schrifl in die Jahre 1190 bis 1260, oder noch genauer ungefähr in das Jahr 1230 setzen will, so will mir dieß oicht recht einleuchten, [ch gebe zwar gerne zu, daß dieselbe nicht erst im 15. Jahrh. entstanden sein kann; aber ihre Angaben über die Bezirks- verfassung Norwegens scheinen mir auf' die /fit nach der Entstehung des gemeinen Landrechtes 1274 hinzudeuten, während Bich die für eine frühere Entstehung angeführten Gründe wohl dürften widerlegen lassen. Gjessing end- lich sucht, sii viel sich aus dein bisher veröffentlichten Theile seiner Unter- Buchungen erkennen lässt, die erste Grundlage der Konünga BÖgur in einem Werke Ali frö&Ts. Hie von mir im XV. Bde. der Germania, S. 300 - 321 ent- wickelte Ansicht über die litterarische Wirksamkeit dieses Mannes findet bei ihm theils Billigung, theils eine sehr ansprechende Erweiterung. Wie ich, nimmt auch G an. daß die verlorene erste Recension der [slendingabök die ungleich ausgedehntere gewesen sei, und dal: deren uns erhaltene zweite Recen- sion im Wesentlichen durch eine Ausscheidung der aett irtala und der K.oniin<.ra3efi entstanden sei. Wie ich, nimmt er ferner an, daß An' neben der zweiten Recen- sion Beiner [slendingabök durch die in dieser gestrichene aettartala den Grund zur Landnäma, und durch die gleichfalls gestrichenen Konungaaefi den Grund zu den Konüngasögur gelegt habe; aber er ergänzt diese Annahme durch die weitere Vermuthung, daß Arä selbst auch diese letzteren beiden Bestandteile nochmals selbständig überarbeitet, und somit selbst noch eine Landnäma und einen Abriß der norwegischen Königsgeschichte verfasst haben möge, und er sucht sodann im Einzelnen nachzuweisen, welche Theile der späteren Konünga- sögur diesem seinem Werke entnommen sein mögen. Ich sehe der Fortsetzung seiner Untersuchung mit Spannung entgegen, und wird diese zugleich den er- wünschten Anhaltspunkt bieten zu einer eingehenden Prüfung der. wie mir scheint, etwas einseitigen Aufstellungen Storms. Der Jahrgang 1873 der Aarböger bringt ferner eine Abhandlung des bekannten isländischen Rechtshistorikers VilhjaJmr Einsen: „Gm de [slandske Love i Fristatstiden , S. Htl 250. Dieselbe ist, wie sie selber ausspricht, aus Anlaß des Artikels „Grag&s" geschrieben, welchen ich für den 7 7. Band der Allgemeinen Encyklopädie d i W - enschaften und Künste geliefert hatte (1864 , und zu welchem ich im XV. Bd. der Germania, S. 1 — 17, noch einen Nachtrag gab. Im Übrigen mit mir wesentlich einverstanden, geht der Verf. doch in zwei Punkten von mir ab, soferne er nämlich erstens sowohl die uns erhaltenen isländischen Rechtsbücher als auch die ihnen guten Theils zu Grunde liegende], der isländischen lögsögumenn lediglich auf da liehe Recht beschränkt wissen will, und jede Existenz von Gewohnheitsrecht sowie irgend welcher Jurisprudenz leugnet, während er zweitens die Entsteh ut zeit unserer Rechtsbücher ungleich weiter in >\<-y Zeit hinaufrücken zu Bollen glaubt, als ich dieß gethan hatte. In der ersteren Beziehung muß ich zur Richtigstellung der Frage bemerken, daß ich von Gewohnheitsrecht und .luris- prudenz redend weder, v, • Verf. thut, den Gerichtsgebrauch von «hin ersteren . noch auch unter der letzteren lediglich Btreng theoretische Pro- dnete verstanden wissen wollte, wie ich denn ausdrücklich da- Sammeln und Glossieren von Legaltezl n . die Construction von Rechtsformeln u. dgl. unter die juristische Thätigki I niert habe; außerdem glaube ich auch darauf aufmerksam machet) zu dürfen, B :hränkung der Dingzeit auf 104 LITTERATUR: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE. 14 Tage im Jahre zu der Annahme passt, daß die ganze Masse unserer Rechts- bürh'T aus Beschlüssen der lögretta hervorgegangen sei, deren Thätigkeit doch nur den kleinsten Theil der vorwiegend gerichtlicher Thätigkeit gewidmeten Dingzeit für sieh in Anspruch nehmen durfte. In der zweiten Beziehung aber liisst sich aus den vom Verf. hervorgehobenen Momenten meines Erachtens nur auf das Älter eines Theiles, und allenfalls eines großen Theiles der einzelnen in unsere Rechtsbücher aufgenommenen Stücke, aber nicht auf das Alter dieser Rechtsbüchcr selbst ein Schluß ziehen; die Folgerungen aber, welche ich im Bd. XV der Gennania aus bestimmten einzelnen Angaben auf deren Abfassung nach 1258, resp. 1262, zog, hat der sehr geehrte Verf. meines Erachtens unwiderlegt gelassen. Ich bemerke übrigens, daß Jon rorkelsson in einem Artikel „um Gragasina", welchen die Zeitschrift Vikverji , Jahrg. 1873, S. 98 bis 09 und 102 — 3 bringt, sich im Wesentlichen den Ansichten Finsens an- schließt. Zu Jon Arnason's „Islenzkar rjodsögur ogsefintyri" (vgl. Bd. VII, S. 247 bis 251, und Bd. IX, S. 231 — 45 der Germania) hat die Verlagshandlung nach- traglich noch ein deutsches Sach- und Namenregister nachgeliefert, welches die Ausnützung dieser überaus reichen Sammlung islandischer Sagen und Märchen gar sehr erleichtern, und damit diese für die mythologische und litterargeschicht- liche Forschung erst recht zugänglich machen wird. Einen anderen Beitrag zur Kunde des voiksthümlichen Wesens auf Island bietet das soeben von Th eodor Möbius mit bekannter Sorgfalt zum ersten Male herausgegebene ., Malshätta kvsecti", über welches sich bereits Jon rorkelsson im Vikverji, S. 141 bis 142 sehr anerkennend ausgesprochen hat. Die seit dem Jahre 1871 von der norwegischen historischen Gesellschaft herausgegebene „Historisk Tidsskrift" bringt wie in ihren beiden ersten Bänden, so auch in dem eben erschienenen ersten Hefte des dritten Bandes manches für den Philologen Interessante; für dießmal ist ein Aufsatz E. Jessen's: „Notitser om Dialecter i Herjedal og Jemteland", S. 1—57, dann ein solcher von G. Storm: „Om Ynglingatal og de norske Ynglingekonger i Danmark", S. 58 — 79 zu nennen, zumal aber nicht unerwähnt zu lassen, daß dem neuesten Hefte der Zeitschrift der Anfang einer neuen, durch A. E. Eriksen besorgten Ausgabe der Dichtungen des Peter Dass folgt. Die Gedichte des im Jahre 1708 verstorbenen Pfarrers Peter Dass und zumal dessen „Nordlands Trompet" bil- den, in zahlreiclien Auflagen verbreitet, bis auf den heutigen Tag herab eine Liebüngslecture der nordländischen Bauern und Fischer in Norwegen, und sind als Dichtungen sowohl wie in eulturhistorischer Beziehung vom höchsten Werthe; eine vollständige und zugleich kritische Ausgabe derselben muß somit im höchsten Grade erwünscht kommen. Ein hohes Interesse hat ferner auch für den Philologen zu beanspruchen eine auf öffentliche Veranstaltung erscheinende und von G. Storm besorgte Ausgabe der Abhandlungen P. A. Munch's. Von diesen „Samlöde Afliand- lingcr", welche auf vier Bände veranschlagt sind, ist bereits der erste Band, sowie Heft 1 — 3 des zweiten erschienen. Wer die Zahl, Bedeutung und Zer- streutheit der kleineren Aufsätze Munch's einigermaßen kennt, wird sich freuen, dieselben endlich in einer handlichen Gestalt zur Verfügung zu bekommen; ich wenigstens muß gestehen, daß mir trotz langjährigen Sammclns nordischer Litteratur und vielfach dabei genossener freundlicher Unterstützung manche dieser Aufsätze, jetzt zum ersten Male zugänglich geworden sind. LITTERATUR: K SCHBÖDEB Rl LNKE DE VOS. 105 Zum Schlüsse mag es noch gestatte! sein, auf zwei Schriften aufmerksam zu machen, welche allerdings nur in weiterem Abstände hieher gehören, näm- lich auf Hans Olof Hildebrand Hildebrand's „Statens historiska Museum ocli Kongl. Myntkabinettel i Stockholm", und dessen: „De förhistoriska Polken i Europa", von welchem letzteren Werke freilich vorläufig nur das erste Heft vorliegt. Heide Veröffentlichungen gehören dem vorigen Jahre an; beide sind weniger auf Männer vom Fach berechnet, als auf das wissenschaftlich gebil Publikum im Allgemeinen; beide werden aber bei ihrer klaren und kurzen Darstellung und der reichlichen Beigabe gut gewählter und ausgeführter Illu- strationen gewiß gar Manchem als ein willkommener Behelf zur Orientierung auf einem Gebiete dienen, welches dem Historiker und Philologen nahe genug liegt, um von ihm nicht ignoriert werden zu dürfen, und doch auch wieder ferne genug, um ihm gründliches und selbständiges Einarbeiten unmöglich zu machen. K. MAURER. Reinke de Vos. Herausgegeben von Karl Sehroder. Leipzig. • F. A. Brock- haus. 1872. Mit Einleitung, Anmerkungen und Wortregister, kl. 8. XXVIII und 332 Seiten. Die vorliegende Ausgabe des H. V. bildet den zweiten Band der zweiten Folge in der Sammlung deutscher Dichtungen des Mittelalters, herausgeg. zuerst von Franz Pfeiffer, jetzt von Karl Bartsch. Bekanntlich verfolgt diese Samm- lung ausgesprochenermaßen den Zweck, die hervorragenden Dichtungen des Mittelalters auch dem großen Publikum zugänglich zu machen. Je wünschens- werther nun aber die Erreichung dieses Zweckes erscheinen muß, um so ent- schiedener ist es geboten, gegen eine so unpraktische, unwissenschaftliche und flüchtige Ausgabe wie die vorliegende bei Zeiten aufzutreten und diese Art des Arbeitens in gehöriger Weise zu beleuchten. In der Einleitung gibt der Herausgeber nach einigen Mittheilungen über die Geschichte des Thien-pos u. s. w. einen Überblick über die Reimverhältnisse im R. V- und ■ damit auf das Gebiet der tonlangen Vocale und des l'm- lauts. Hiermit eh zwei Hauptmängel berührt, an denen die vorliegende A jgabe leidet. Hr Sehr hat nämlich im R V. (wie ähnlich in Beinen schon früher erschienenen Ausgaben mnd. Denkmäler versucht, Nergers principiell ja ganz richtige Theorie von dem Unterschied« tonlanger und grammatisch langer ile in der Praxis durchzuführen Iramm. d. mecklenburg. Dia- lectes. Leipzig 1869 und 1'. G rmania XI S. 152 (F.), indem er die ersteren nicht bezeichnet, die letzteren i überall mit dem Circumflex versieht. I; l .n wird die vorliegende für die mnd. Längenbezeichnung lehrreich, denn Hr. Sehr, verwickelt sich bei seinem Verfahren in die größten Widersprüche und beweist damit zugleich, wenn auch sehr gegen Beinen Willen, daß N heorie in der Praxis nicht durchführba t. 3o lange es sieh nämlich nur am grammatisch lange and tonlange Vocale in offenen Silben delt, so lange i-t die Unterscheidung derselben durch Setzen und Nichtsel des Circumflexes viellei< annehmbar; sobald aber der Fall eintritt, «laß ein tonlai il durch Abfall oder Ausfall des Vocals d< len Silbe aus einer offenen Silbe in i beben kommt und seine I LQ6 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS. länge beibehält, dann ist die Verlegenheit wegen der richtigen Bezeichnung groß, denn dann handelt es sich um den Unterschied zwischen grammatisch langen, tonlangen und kurzen Vocalen. Nerger verwendet in diesem Falle für die ton- langen Vocale den Strich statt des Circumflexes ; Hr. Sehr, aber, der wohl mit Recht den Strich in der Ausgabe eines Denkmals nicht verwenden zu dürfen geglaubt hat, schwankt, in der größten Verlegenheit zwischen dem Circumflex und der Nichtbezeichnung hin und her und stempelt dadurch, nach seinem Princip, seine tonlangen Vocale entweder zu grammatisch langen, oder er ver- leitet den Leser, z. B. das e in mer (Meer) für eben so kurz zu halten als das in vel (Fell). Er schreibt also bewärde betälde, vormände, begerde, begert, vorworn, tovörn — warum nicht auch gränken, spelde? Er schreibt ferner schär Schaar), kär (Karre), war (Waare), hän (Hahn), aber her (her), her (Heer), er (ihr), mer (Meer), ber | Bär), smer (Fett), dor (Thür), vel in velvrätz (Viel- fraß), spei (Spiel), die ja alle ebenfalls aus zweisilbigen Wörtern verkürzt sind. I >«e im Druck von 1498 so häufige Schreibung beer, meerape, veelvratz, beer, speel, veel u. s. w. hätte Hrn. Sehr, den Circumflex auch für diese Worte plau- sibel macheu müssen, aber er hat sich gefürchtet, damit seinem Princip in's Gesicht zu schlagen. Nun sagt Nerger §.26, daß ä und ä allerdings identisch seien, stellt aber die Gleichheit von e und e, 6 und ö in Abrede. Wenn sich min auch gegen diese Behauptung, namentlich gegen die Art ihrer Begründung noch Einiges sagen ließe, so hält sie doch Hr. Sehr, für richtig, und da er für die tonlangen Vocale in geschlossenen Silben nur die Wahl zwischen Cir- cumflex und Nichtbezeichnung hat, so versieht er die a mit dem Circumflex, obwohl auch nicht einmal durchgängig, und lässt die e und o unbezeichnet. Allen diesen Widersprüchen wäre Hr. Sehr, entgangen, wenn er sich nicht auf die Unterscheidung der tonlangen und der grammatisch langen Vocale gesteift und das Mnd. in die Schablone des Mhd. zu pressen versucht hätte. Daß die grammatisch langen Vocale in offener Silbe ihre ursprüngliche Länge behalten haben, wird heute trotz Grimm Gr. I3 251 Niemand mehr leugnen; dieselbe Länge, wenn auch vielleicht eine etwas andere Aussprache, muß man aber auch den tonlangen a, e und o zugestehen, und will man den ersteren den Circumflex geben, so gebührt derselbe auch den letzteren. Das hieße freilich die Texte ir.it Circumflexen überladen und sie ungenießbar macheu. Warum also nicht zu der so einfachen und ungemein praktischen Schreibweise zurückkehren, welche Grimm selbst vorgeschlagen hat, nämlich die (grammatisch und ton-) langen Vocale nur in geschlossenen Silben mit dem Circumflex zu versehen, in offenen dagegen unbezeichnet zu lassen! Selbst der Anfänger, der nur Einmal in Grammatiken oder Vorreden auf diese Bezeichnungsart auf- merksam gemacht ist, wird sich leicht in dieselbe schicken, während er sich in dem Schröderschen Bezeichnungslabyrinth nur mit Mühe zurechtfinden wird. Eine zweite Schwierigkeit tritt bei Nergers Unterscheidung der grammatisch langen und der tonlangen Vocale dann ein, wenn es sich um die Bezeichnung solcher Vocale handelt, die, obwohl ursprünglich kurz, durch den Einfluß der •nden Consonanten, insbesondere des r, rd, rt, in, auch 1 und m lang ge- worden sind, vgl. Nerger Gr. §. 12, 13 Anm. 2. 20 Anm. 2, 22 u. s. w. Ich selbst halte die Länge solcher Vocale, wenigstens im 15. Jahrb., theilweise noch für sehr unsicher, da man selbst Denkmäler größeren Umfangs (Rein. V. 1498. Todtentanz 1489 und 1496 u. s. w.^ durchsuchen kann, ohne nur ein LITTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS, 107 einziges Mal vor r.l. rt, m statl eines graminat. kurzen a, e, o ein ae, ee zu finden; vor einfachem r erklärt sich dergleichen durch Tonlänge (s. oben) nach abgefallenem Endvocal. andererseits aber finden sich auch einzelne baat : , was (war», laand Land u. s. w.. die mit demselben Recht dafür citierl werden könnten, um auch bat, was, laut u. -s.w. zu schreiben, was meines Wissens bis jetzt noch Niemand gethan hat. K< werden also solche vereinzelte Längenbezeichnungen vielleicht der breiteren Aussprache eines einzelnen Schrei- bers zuzuschreiben sein. Nehmen wir nun aber an. daß in solchen Fällen der Vocal wirklich lang geworden sei, so müssten wir nach Nergers Unterscheidungs- prineip für diese durch Consonanteneinfluß entstandenen Längen eigentlich noch ein drittes Zeichen erfinden, da ja dieselben weder grammatisch lang noch tonlang sind und also weder den Circumflex noch den Strich erhalten dürfen. »er setzt theilweise den Ersteren, theilweise den Letzteren. Hr. Sehr, aber nur den Circumflex, jedoch wiederum mit der größten [nconsequenz. Er sehreibt zwar bärt, kreitwärder, erde, gerne, bernen (!! brennen), wört, hörn (Hörn), aber swart (wenigstens 3740 und 5909, dagegen im Wortreg. und V. 740 mit Circumflex), werden, worden, kort, borde (Bürde), born (Born) u. s. w., ja sogar start neben stert; tl^n Verbindungen des r mit anderen Consommten seheint er die Verlängerungskraft nicht zuzuschreiben, nur honnichmärket und kerleman werden mit dem Circumflex bedacht, jedoch verliert das letztere Wort denselben wieder im Wortregister! Eine andere in der Praxis wunderlich genug er- scheinende Consequenz der Bezeichnung aller grammatischen Längen ist die, daß Hr. Sehr, allen einsilbigen, vocaliseh auslautenden Wintern, sogar dem Artikel de (wahrscheinlich «'('gen des alten thie u. s.w.) durchgängig den Cir- cumrlex gegeben hat. Ich habe schon einmal gelegentlich auf den schönen Vers 682 dat was de de de besten grutte konde beroiden u. s. w. aufmerksam ge- macht: man kann da nur fragen: Warum nicht beim Alten bleiben und alle auslautenden Vocale ebenfalls unbezeichnet lassen? Länge und Kürze ergeben sich von selbst durch Hochton und Tiefton. Vgl. Grimm Gr. I'1 2(50 und Nerger Gr. §. 45. Aber auch sonst hat \\r. Sehr, in Bezug auf Langen und Kürzen zuweilen ganz eigene Gedanken. Wie . daß di I des zweiten i in [8egrim Behr wahrscheinlich ist vgl. Lübben, die Thiernamen im Rein. Oldenb. 1863), und daß die l n henk, genk, venk durch die Neben- formen hink, gink, vink -ehr in I teilt wird, vgl. auch vallen, vel, vellen, ville. Jedenfalls hätte \lv. Sehr, neben benl nk auch orlicb, licht Licht . ordel, vordcl (und zwar nicht nu chreiben müssen. Unser ..II 108 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, KEINKE DE VOS. erscheiut im R. V. in drei Formen: here, her und her, von denen die zweite meist nur des Reimes wegen einsilbig geworden ist und daher stets mit ee ge- schrieben wird; die dritte dagegen hat einen kurzen Vocal und findet sich nur vor Namen und Titeln , oft mit diesen zu Einem Worte verbunden und zwar stets mit einfachem e geschrieben. Hr. Sehr, schreibt in beiden Fällen her. Der zweite noch mehr störende Mißgriff des Herausgebers besteht in der Wiedereinführung des von Lübben bereits beseitigten Umlauts. Hr. Sehr, hat sich nämlich vor die (wie schon Strobl in seiner Recension von Lübbens Rein. Vos. Germania 18(57 richtig ausgesprochen hat) völlig; unnöthige Alternative gestellt (S. XIX), entweder leugne man überhaupt das Vorkommen des Umlauts im Niederdeutschen vor dem Beginn des 16. Jahrhunderts, und das sei sehr gewagt, oder man erkenne sie alle an als factisch, wenn auch mit zweifelhafter Berechtigung bestehende. Er entscheidet sich nun für das Letztere, und setzt überall, wo im Original (nämlich nach Hackmann, s. unten) über o und u (ein- mal über a in ande 6405) ein rechts offenes Häkchen (kein e) steht, den Umlaut ä, ce, ö, ü , welches letztere Zeichen er sonderbarer Weise für Länge und Kürze verwendet, während er ce und ö von einander scheidet! Die vielen unsinnigen Formen, welche durch diese Umlaute entstehen, erklärt Hr. Sehr, damit, daß man ähnliche unorganische Umlaute in jeder Mundart kennen lerne, Umlaute, die entweder in der Mundart keinen Boden finden und bald wieder ausgeworfen werden, wie in unserm Gedichte z. B. hülde, schulde, müre er- scheinen, aber in der heutigen Sprache nicht in umgelauteter Form im Ge- brauche sind; oder aber, und das sei das Häufigere und wohl zu beachten, Umlaute, die trotzdem, daß sie unorganisch sind, dennoch von der Mundart festgehalten werden und im Gegensatze gegen die Schriftsprache mit Zähigkeit fortleben : noch heute sage man im Niederdeutschen heevet nhd. Haupt, leeven (glaeven) nhd. glauben, sceken nhd. suchen, döget nhd. Tugend, jöget nhd. Jugend, meet nhd. muß, speeken nhd. spuken — was nennt denn Hr. Sehr, unorganischen Umlaut? Ich wenigstens verstehe darunter den Umlaut, der ohne den Einfluß eines darauf folgenden ursprünglichen i entstanden ist, und begreife nicht, wie Hr. Sehr, als Beispiele für den unorgan. Umlaut heevet (haubith), loeven (galaubjan), sceken (sökjan), speeken (spökjan?) citieren kann, wenn er, wie es der Fall, im Mnd. überhaupt einen Unterschied zwischen organischem und unorganischem Umlaut macht. Jedenfalls glaubt er damit den Umlaut überall, wo das Häkchen steht, bewiesen zu haben; nur das deen für dön (thun) hat für ihn etwas Befremdendes, aber auch sogar in diesem Worte hält er den Umlaut fest, weil in Weinholds alemann. Gramm, der Gebrauch von tuen, düen in oberdeutschen Gegenden constatirt wird. Man sollte es kaum für glaublich halten , daß dergleichen Experimente mit einer Ausgabe gemacht werden, welche dazu bestimmt ist, das größere Publikum mit dem Reinke Vos bekannt zu machen! Selbst wenn Hr. Sehr, der Ansicht war, daß die Häkchen über den Vocalen den Umlaut bezeichnen, so mussten ihm die daneben vorkommenden Formen derselben Worte ohne Häk- chen doch sagen, daß die nicht umgelauteten (bis zum Jahre 1494 in Lübecker Drucken allein üblichen) Formen jedenfalls tadellos sind, und daß er dem Texte durch völliges Ignoriren des Umlauts wenig oder nichts geschadet hätte, daß er aber durch seine oe, ö und ü (die noch gar nicht so sicher sind, wie er UTTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS. 109 glaubt) die Ausgabe wenigstens für das größere Publikum fast ungenießbar gemacht hat. Dem Texte liegt nach Hrn. Schr's. Angabt' der Druck von 1 4 U 8 zu Grunde. Es ist jedoch dabei, wie sich leicht nachweisen lässt, fast nur Hackmanns Ausgabe benutzt, der Druck von 1498 aber, sowie Hoffmanns und Lübbens Ausgaben, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich verglichen worden. Solch Verfahren rächt sich selbst. Hr. Sehr, gibt zwar alle möglichen Curiositäten des alten Druckes wieder, z. 1>. geslachtz (Abkürzung für geslachtet 200, gisterren 284, twalf 2326, Beichgede 6311 (dazu eine lange Anm. im Wortregister, daneben aber be- seichede 47), aber gleich in V. 12 schreibt er mit gröten schal und erklärt dazu ausführlich, di • regelrechte Form sei eigentlich gröteme, grotem u. s.w. Hackmann gibt nämlich groten, aber im Druck von 14i*S (ich habe das Wolfen- bütteler Exemplar selbst verglichen) steht groß und deutlich da mit grotem schal. Denselben Hinweis auf die vollere Form hastigem und dem gibt Hr. Sehr, zu hastigen 2522 und den .' > 7 2 2 , wo der Druck von 1498 wiederum hastygem und dem, Hackmann aber hastygen und den hat. Ebenso liest er in dir Uberschr. zu 1 , 6 einen, 4 "> 7 den, (jberschr. zu 1, 8 in den böme, zu I, 18 vor einen kloster, 5161 up den, obwohl der alte Druck .eyne, de, iu de bome, vor eyne kloster, up d"? bietet und also die Wahl zwischen den n- und den richtigeren m-Formeu freistellt. Hack mann hat überall die ersteren, also auch Hr. Schröder. Nur einmal 1007, wo der Druck in de huß, Ha. in den huß hat, schreibt er in deine hüs. Fs redueiereii sieh also die 15 Fälle, in denen bei Hrn. Sehr, die n-.Form für die m-Form steht, auf 7: 23, 1259, 1685, 2131, 2157, G17(>, 1390, wo allerdings deutlich in ; de, sagt er, wäre nur zulässig, wenn davor noch was stände. Warum nicht ein solches was einfach in Gedanken ergänzen? — 4783 allen dessen is he tö behende Unde lieft int lest einen beschetten ende. Hr. Sehr, macht heft zur t-Form der 3. pl. praes. und stellt es als Verbum zu einein ergänzten Subject LITTERATUR: K. SCHRÖDER: REINKE HE VOS. \\\ alle desse, statt einfach als Subj. ein it zu ergänzen; Subjectswechsel findet so wie so statt und die t-Form der 3. pl, praes. heißt nicht heft, sondern hcbbet. - Aus dem Wortregister liebe ich nur hervor, daß sich Hr. Sehr, zu dein falsch abgeleiteten plur, exe 5677 steht exen Äxte einen eigenen sing, ax statt exe gebildet hat, und daß er als nom. sg. statt probende, provene, Pfründe, die Form proven proeven ansetzt, wahrscheinlich wegen V. '1774. Einige Belege für dies Wort finden sich in meinem Lübecker Todtentanz (Heil. 1873) Anm. zu 25, 2. Schließlich bleibt noch zu rügen, daß Hr. Sehr, die Erklärungen seiner Vor- gänger fast überall benutzt hat, ohne, wie es üblich ist, dessen Erwähnung zu thun. Ich glaube mein Gesammturtheil über Hrn. Schröders Ausgabe nicht wiederholen zu brauchen; statt dessen noch ein paar Bemerkungen zu einigen bisher falsch erklärten Stellen des R. V. 4425 erklärt Hoffmann: oder kann ich dessen nicht überhoben sein (vgl. d. Wb.), Schröder: oder kann ich mich nicht gütlich wegen der Sache mit ihnen vertragen. Meiner Ansicht nach bedeutet es jedoch: oder kann ich das nicht erlangen, daß man mich nämlich mit guden tugen zu überführen sucht (vgl. 4422), so fordere man mich zum Zweikampf heraus. Latet mi na rechte beteren dan heißt nicht: laßt mich mein Vergehen wieder gut machen, sondern: laßt mich mein Vergehen nach dem Gesetze büßen. Wenn 11. mit guden tugen einmal überführt war, so helfen ihm alle Versprechungen, sein Ver- gehen gut machen zu wollen, nicht das Geringste; so soll er auch in V. 1814 ff., nachdem er überführt ist, sofort gehängt werden. R. stellt also seinen Feinden die Alternative, ihn entweder mit Zeugen zu überführen, oder ihn, wenn sie das nicht können, zum Kampf herauszufordern; deßhalb verlassen ja auch Krähe und Kaninchen sofort den Hof, weil sie weder Zeugen haben noch kämpfen können, vgl. auch ihre Worte 4439 — 4454. — 5935 men mach jo to en tiden tor not erklärt Schröder nach d. Br. Wb., Hoffmann und Lübben): Man kann durchaus zur Noth zu ihnen ziehen, d. h. sie können für den Nothfall Schutz, Hilfe gewähren, man kann sie unter Umständen wohl brauchen. Die Stelle beruht auf einem Mißverständniss der Worte des Reinaert 6571: want het is een troostelik toetiden, denn das ist ein tröstlicher, erfreulicher Vortheil Zu- nahme, Zuzug), wozu vgl. 3'Jlb Want het is een seoon toetiden Te bebben kinder die sijn so vrome. — 6455 ik begere ok nergeus vor ju to leiden. Die bisher vorgeschlagenen Erklärungen 'beleidigen, Geleitsrechte üben, ver- leiten) sind sämmtlieh unwahrscheinlich. Die holländische Vorlage würde hier gewiß Aufschluß geben, In V. 6456 wal kan ik grotter sone beden würde nämlich das letzte Wort nach einer Zurückübersetzung in das Holländi nicht beden, sondern bie< wozu sieh <{<\- Keim lijden von selbst er- gibt: Ieli begehre auch nii I ien, den Vortritt zu haben. Bei der Übersetzung ins Nd. geriethen die Reime liden : beden in Verwirrung. Hr. Sehr etzt h ere für da Druckes;" leider hat hier wieder nur llaek.nann I Druck aber begberu. — Das anrieht Weise auch von Lübben beibehaltene nom. propr Als« (in der /.weiten Vorn für die im R. \. gar nicht vorkommende weibliche wilde Katze isl ebenfalls aui Hackmann zurückzuführen, der durch die unregelmäßige und durchaus nicht ebende In in des alten Druck'- verleitet wurde, in der Conjunction abe einen Eigennamen u sehen Dei Druck ron 1498 bietet Dämlich Bl, \ unten ff. Den greuynek beth be, grymbart De wylde katte. alze. den i. 112 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. nomct he. Hyntzen De apen lietli he märten De apyr.n? heth he. vrow ruke- nauwe Deu tzegebock u. s. w. Natürlich ist, wie auch der Druck von 1517 bietet, zu lesen: de wilde katte, alse den kater, nomet he Hinzen. BERLIN, im Mai 1873. Dr. H. BAETHCKE. Einige Bemerkungen zum Vorstehenden. Wenn ich der vorstehenden Recension meinerseits noch einige Worte hinzufüge, so geschieht es gewiß nicht um die Berechtigung derselben anzu- fechten oder um meine Ausgabe als ein opus omnibus numeris absolutum hin- zustellen. Das liegt mir völlig fern. Ich würde geschwiegen haben, wenn es sich nur um einzelne Ausstellungen, wären dieselben noch so zahlreich, handelte; ich würde mit stillschweigendem Danke dasjenige acceptiert haben, worin ich eine Berichtigung erkenne, und hätte im Übrigen der Sache ihren Lauf ge- lassen. Indessen handelt es sich hier daneben auch um principielle Streitfragen, und dieser Umstand mag es rechtfertigen, wenn ich zu Gunsten der von mir vertretenen Ansichten noch einmal das Wort ergreife, wenn es mir auch schwer- lich gelingen wird, diese beiden Fragen, welche allein ins Auge fassen zu wollen ich hiemit ausdrücklich erkläre, zum Austrag zu bringen. Das System der Längenbezeichnung und der Umlaut, das sind die beiden Dinge, gegen die Hr. B. im Wesentlichen seine Angriffe richtet. In diesen Punkten bin ich hauptsächlich wieder von der Praxis der Lübben'schen Aus- gabe abgewichen, und darum bin ich nicht erstaunt, Hrn. Lübben an der Seite meines Recensenten zu sehen (vgl. Zeitschr. f. deutsche Philologie V, «57 ff.). Jene Praxis ist freilich viel bequemer; sie gestattet es einer Menge von heiklen und unentschiedenen Fragen aus dem Wege zu gehen, aber verdient sie darum auch den Vorzug? Hr. B. hebt richtig hervor, daß ich die langen Voeale mit einem Cir- cumflex bezeichnet, die Tonlängen dagegen ohne Bezeichnung gelassen habe. In ersterer Hinsicht habe ich natürlich diesen Circumflex allemal gesetzt, wo nach meinem Dafürhalten vocalische Länge vorlag, nicht nur da, wo diese Länge sich von selbst versteht, wie Hr. B. und Hr. Lübben empfehlen; den Werth einer solchen Unterscheidung vermag ich nicht anzuerkennen. Die Ton- längen anlangend bekenne ich, daß ich dieselben nur mit Bedauern ohne ein besonderes Merkmal gelassen habe: die von Nerger eingeführte Bezeichnung durch einen Strich (p, ö) glaubte ich nicht verwenden zu sollen, worin mir auch Hr. B. recht gibt; ein anderes, von Hoffmann aufgebrachtes und von mir selbst in früheren Publicatiouen gebrauchtes Zeichen für tonlanges e (e) dient zwar diesem Zwecke recht gut, aber warum einseitig bei e die Tonlänge be- zeichnen, bei a und o aber nicht? Darum wurde auch von dem e abgesehen. Vielleicht ist ein Anderer erfindungsreicher als ich und beschenkt uns mit einem annehmbaren Zeichen für die tonlangen Voeale. Wie ist es nun aber in dem Falle zu halten, „daß ein tonlanger Vocal (durch Abfall oder Ausfall des Vocals der folgenden Silbe) aus einer offenen Silbe in eine geschlossene zu stehen kommt?" Dann geräth, meint Herr B., der Herausgeber „in die größte Verlegenheit". Doch wohl nicht in dem Grade, wie sich Hr. B. einbildet. Nehmen wir einige der vielen von Hrn. B. zur Er- härtung seines Ausspruches beigebrachten Beispiele. LITTERATUß: K. SCHRÖDER, BEMEßKUNGEN ZUM VOESTEHENDEN. H3 Ich habe betälde, begerde, vorworn angesetzt und damit, wie Hr. B. sagt, die tonlangen Vocale zu grammatischen Längen gestempelt. Und das war auch in der That meine Absicht; ich halte wirklich in den genannten Fallen ä, e und 6 für richtig, nur beruht die Länge des ä auf einem andern Moment als die von e und 6. Hr. B. citiert Nerger §. 26, wo die Identität von ä und ä behauptet wird. Gegen diese Behauptung ließe sich, meinl Hr. 1!., Einiges sagen, aber was es ist, was sieh dagege ließe, das hat uns Hr. B. leider vorent- halten. Ich meines Theils bin mit Nerger's Ausführungen völlig einverstanden und gebe ihm auch recht, wenn er sich auf die heutige Mundart (das dem Lübeckischen so eng verwandte Meklenburgische) bezieht, die bei der Ent- scheidung derartiger Fragen doch sicher das Recht hat gehurt zu werden. Die heutige Sprache aber kennt bei a keinen Unterschied zwischen grammatischer und Tonlänge, zwischen a und ä, ihr ist jedes offene a lang, läteu (lassen) vollständig gleichwertig mit mäken (machen), wäter (Wasser) u. s. w., während sie doch e und e, ö und 6 sehr wohl zu trennen weiß. Demgemäß musste also betälde angesetzt werden, um zu verhindern, daß etwa Jemand betalde. wie nhd. Halde spreche. Ahnlich verhält es sich mit begerde und vorworn. Hier sind es die Consonanteuverbindungen rd und rn, welche die Länge des vorher- gehenden Vocals bedingen, wie gleichfalls Nerger an den von Hrn. B. selbst angezogenen Stellen ausgeführt hat, und wie ich abermals glaube mit vollem Rechte; Hr. B. hat auch hier sich den Gegenbeweis erspart. Weßhalb man aber zwischen Tonlänge und Länge schlechthin noch eine Zwischenstufe an- nehmen soll, das ist mir unerfindlich. Hier sollte wieder, wie ich meine, die heutige Sprache gehört werden. Und da wird jeder Kenner wissen, daß zwi- schen ürn (Ohren) und vorlürn (verloren), zwischen ürt (Ort) und lürt lauert), zwischen gelirt (gelehrt) und wirt (werth), zwischen im (ehren) und virn (fern), glrn (gern) u. s. w. ein Quantitätsunterschied nicht stattfindet. Und wenn das der Fall ist, ist man dann nicht bei begßrt und voiw.hu anzusetzen? Warum wäre denn das „abscheulich", wie HÖfer in Germania XVIII, II Anui. behauptet? Freilich muß ich annehmen, daß in den westlicheren niederdeutsi Mundarten das Verhältniss ein verschiedenes ist; sonst ist mir ganz unverständ- lich, wie Hr. Lübben a. a. 0. p. 59 an pert (Pferd) Anstoß nehmen kann. Wenn nun die Lautverbindungen rt, rd, rn Län irherg henden VocaL bewirken, so gibt es doch Ausnahmen von dieser Regel, und e Ausnahmen sind z. B. ßwart, kort und born. \\ ! unterworfen, so müsste es heute swört heißen wie bort (Bart), vört Fahrt) u. b. w., kürt wie wärt (Wort), vürt (f ••>'., bürn wie kürn (Koru . därn Dun u. b. w., während man eben mit aller Entschiedenheit swart, kort und born Bagt. Eine weiten- Ausnahme bilden mi Formen dea Verbum werden, doch kann ich mich vielleicht «laiin täuschen. \\ :ommende Form Btart anbetrifft, so verweise ich auf N 13. Ich muß Hrn. B. zugeben, daß man nicht h rt, rd, rn ein ae, ee, oe geschrieben fiudet, aber i ich darin nicht. mal gibt es genug 'reil g nur sein- sparsamen Gebrauch machen, wie z. B das Hartcbok, trotz seiner vor- wiegend niederländischen Vorlage, also l>-'i notorischer Länge des Vocale doch einfach gan, stan, Blan, Bloch, otmodich u. ■, w. schreiben, und ai QKBMAHIA. Neue Reih« VII. (XIX.) Jahrg. 114 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. findet sich anderswo oft genug aa, ee geschrieben bei einfacher Tonlänge, wie gheschreeuen, de gheene, ja sogar bei offenbar kurzem Vocal, wie baat, laant u. s. w. Hätten mir diese Fälle, um mit Hrn. B. zu reden, „den Circumflex auch für diese Worte plausibel machen müssen", wie er es für beer, vee!, speel u. s. w. verlangt? Hr. B. hat vielleicht Recht mir vorzuwerfen, daß ich nicht gränken ge- schrieben habe, jedenfalls aber Unrecht zu glauben, daß ich auch hätte spelde ansetzen sollen. Zwischen begerde und spelde, die Hr. B. in Parallele stellt, besteht gar keine Analogie: in begerde wird das e lang durch folgendes rd, während ld einen gleichen Einfluß auf die Quantität des vorhergehenden Vocales nicht übt. Auch was die Wörter wie schär, kär, her, er, siner, dor u. s. w. betrifft, glaube ich im Rechte zu sein. Sie alle verdanken auslautendem r eine Dehnung des Wurzelvocals. die Kürze wird zur Tonlänge; nun fällt aber ton- langes a mit ä zusammen, und so kann schon in der älteren Periode schar und kar anstandslos mit jär und här reimen, wie sie denn auch in der heu- tigen Sprache durchaus gleichwertig sind (schör, kor, jör, hör), während her, er, mer, smer, dor u. s. w. mit ihrer Tonlänge in der Sprache sehr merklich von wirklicher Länge, wie mer, 1er (heute mir, lir oder mier, lier) u. s. w. unter- schieden sind. Hr. B. nimmt Anstoß daran, daß ich de (der, die) gesetzt habe. Dazu bewog mich der Umstand, daß in echt niederd. Schriftstücken häufig neben de auch die steht; z. B. Mekl. Urkundenb. VII Nr. 4630: sunte Martins dage die nu negest kumt; die hirna bescreuen stan; die slote vnde lant; die uiar- greue ; al die die durch den margreuen dün vnde laten willen u. s. w. Auch die breitere, noch heute vielfach gehörte Form dey spricht wohl deutlich genug für de. So heißt es im Urkundenbuch der Stadt Lübeck IV Nr. 251: Vort weit weten dat dey coningh van Engelant; dat gi op dey tut hir ouer komen moghten, des were dey kopman begerende; wert sake dat gi ghene breiue en hedden .... dat ju dey worden, wante wii meinen dat vus dey grotelich in steden solden stan; enen wisen taleman dey wol fransos kunne spreken. Unter diesen Umständen habe ich de, auch da, wo es der Vers einmal mit sich brachte, de de de gesetzt, woran Hr. B. großen Anstoß nimmt; gefällt ihm etwa de de de besser ? Wie die für de, so spricht gelegentliches hie für he, z. B. Mekl. Urkundenb. VI Nr. 3923, und sie für se, z. B. Brem. Gesch. Qu. 9 7. Was eschen betrifft, so beweist die Schreibung esschen gar nichts gegen die Länge des Vocals, denn beide Schreibungen wechseln und in manchen Gegenden, z. B. im 15. Jahr- hundert am Niederrhein wie in den Niederlanden und in diesen noch heute ist ssch die überwiegende Schreibung für seh, ohne jedwede Rücksicht auf Länge oder Kürze des vorhergehenden Vocals. Wegen des für Hrn. B. ,, unerklärlichen u slepon virweise ich ihn auf das mlid. Wb. II'2, 40 lb, 26: „slSpe niederd. für sleife". Von andern Fällen bekenne ich offen, daß sie mir zweifelhaft waren und zum Theil auch noch sind. Möglich daß segel falsch ist, obgleich ich der An- sicht bin, daß das nhd. „Siegel" seinen Diphthong niederd. Einfluß verdankt; möglich, daß ich hätte sweten schreiben sollen, wenn auch meims Wissens beide Formen, sweten und sweten, gleich sehr im Gebrauch sind, vgl. z. B. Schambach, Gött.-Grubenh. Idiotikon p. 221. Wenn ich bräschen schrieb, so folgte ich Hoff- mann, den ich nach der leichtfertigen Behauptung des Hrn. B. wenn überhaupt, LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. 115 jedenfalls sehr oberflächlich verglich, und ich denke mit Hoffmanu, daß die Neben- formen breschen und brieschen wohl für ein ä sprechen dürften; kräscheu musste dann natürlich analog mit a angesetzt werden; vgl. übrigens Schanibach a. a. 0. p. 32 und 111. Eben demselben Hoffmann bin ich mit voller Überzeugung gefolgt, wenn ich eventür schrieb trotz mhd. äventiure, denn man spricht im Nd. so: es liegt eben ein sehr einfacher Fall von Versuch einer Umdeutschung vor. Auch auf einige andere Fragen will ich Hrn. B. Kede stehen. Ordel und vordel, noch genauer ortel und vortel, sind heute die überwiegend gebrauchten Formen, vgl. Hoft'mann im Wörterbuch s. v. vordel, Schambach a. a. 0. p. 148, 277, Dan- neil Wörterb. d. altmärk.-plattd. Mundart p. 241; selbstverständlich kann diese Schwächung der zweiten Silbe erst im Laufe der Zeit eingetreten sein, und es wird eine Zeit gegeben haben, wo man promiscue ordel und ordel, vordel und vordel sprach; ein analoger Fall liegt beim nhd. Urtheil und Urtel, Drittheil und Drittel vor. Ich halte es daher für durchaus statthaft, neben ordel und vordel im Bedürfnissfalle, d. h. im Reim ordel und vordel zu verwenden. Ferner: Ich habe los geschrieben, weil es mir über allem Zweifel steht, daß man Niederd. los sagt, in den flectierten Formen meines Wissens nicht, obwohl das Brem. Wb. III, 87 neben een losen bove sogar een lossen vent anführt ; die Schrei- bung des Lübecker Drucks losz i:vosz) und loze entspricht durchaus der heu- tigen Übung. Zweifelhaft bleibt mir nur, ob die Sprache einen Unterschied machte zwischen los (lose, böse) und los (los, ledig). Sollte freilich, wovon ich keinen Grund einsehe, der Name des kleinen Hundes der Analogie dieses los gehorchen müssen , so würde ich mir als Fehler anrechnen , was Hr. B. für richtig erklärt, und hinfort Wackerlos schreiben. Übrigens schreibt auch Lübben v. 32 los, v. 71 Wackerlös. Für Hrn. Lübben bemerke ich, daß in der That in meiner Heimat — und wie ich aus Danneil a. a. 0. p. 45 ersehe , auch anderswo — die Aussprache des Wortes dwas entschieden kurz ist, trotz niederl. dwaas; wenn Hr. Lübbeu v. 830 selbst dwas (: was) ansetzt, so ist das dann also nur ein Druckfehler. Ein ähnlicher Fall liegt bei stof vor. Hier freilich kann ich es Hrn. B. nicht verdenken, wenn ihm meine Anmerkung rätheelhaft vorkommt, denn das Fragezeichen, welches ich in meinem Manuscript hatte, ist durch ein Druck- und Correcturversehen ausgefallen*). Ich wollte damit die Frage off< ob es unter dein Einfluß des auslautenden f geschehen sein könnte, daß stof (mhd. stoup) im Niederd. mit Entschiedenheit kurzen Vocal h inch r in Germania XVIII, 20); ein analoger Fall liegt bei oriof vor, und lautet der gen. stoves, der dat. orlöve. Ech habe endlich mit gutem Bedach! den von Hrn. B. mir angesonnenen Circumflex nicht gesetzt bei blekent und bei licht (mhd. lihtc). Bleken hat im Niederd. I . nicht langen V vgl. Schambach a. a. 0. p. 27 und Mnd, \YI>. I I tikon i->t, wie Hr. B. mit Ausrufungszeichen hervorhebt, thut doch wohl nichl Sache. Will im zweiten Falle Hr. B. im Ernste licht ansetzen, so kennt er * Ein anderer, nicht mindei ehler, auf den ich erst durch Hrn. Lübben aufmerksam werde, steht im Wörterverzeichnis« I des sinnlosen „zusammen-' vielmehr „zukommen* D Sinn, wenn ich auch antik« Dl klärt hat als ich. 116 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. eine der Eletnentarregeln der Quantitätslehre im Niederd. nicht, welches vor cht keine Vocallänge duldet, so wenig wie vor ft und pt. Warum tadelt Hr. B. denn Lübben nicht, der ebenfalls ganz richtig bicht (mhd. bihte) und licht (mhd. lihte) ansetzt? Und wenn Hr. B. hier und in andern Fällen meine Schreibung durch Hinweise auf die entsprechenden mhd. Formen berichtigen will, unterliegt er nicht selbst dann dem gegen mich erhobenen Vorwurf, „daß ich versucht hätte, das Mnd-. in die Schablone des Mhd. zu pressen?" Schließ- lich meinerseits noch die Frage: ist Hr. B. wirklich der Ansicht, daß von vallen das praet. vel lautet? Mit dieser Meinung dürfte er ziemlich vereinsamt stehen; vgl. Nerger §. 90. Ich wende mich nun zur zweiten der principiellen Fragen, zum Umlaut. Hoffmann hatte, wie man weiß, demselben in seiner Ausgabe eineu ziemlich weiten Spielraum gelassen. Diesen Umlaut hatte Lübben „glücklich beseitigt", wie Hr. B. sagt — ich möchte lieber sagen „escamotiert" — und auch Nerger will einen Umlaut von o und u — der Umlaut von a ist auch für frühere Perioden nicht angefochten — im Niederd. vor der Mitte des 16. Jhs , oder vor der Reformation, wie Hr. Lübben annimmt, nicht gelten lassen. Indessen habe ich wenigstens die Beruhigung, bei meiner Auffassung mich mit andern gleichfalls bewährten Kennern des Niederdeutschen im Einklang zu befinden. Es mag mir gestattet sein, hier auf Homeyer's Sachsenspiegel (3. Ausg.), Einl. p. 99 zu verweisen und mich auf einen Brief des nun leider verstorbenen Schiller zu beziehen, der mir am 12. Juni d. J. schrieb: „Übrigens habe ich mich gefreut über Deinen Ausspruch, den Du in der Einleitung zu Deinem R. V. S. XVII f. gethan hast", und in einem weiteren Schreiben vom 18. Juni mich nochmals seiner Zustimmung versicherte. Doch lassen wir die Autoritäten und treten der Frage selbst etwas näher. Ich habe ein gewisses Zeichen im Lübecker Druck der R. V. für die Bezeichnung des Umlauts erklärt*) und dadurch das Mißfallen des Hrn. B. erregt. „Kein e", sagt er, „sondern ein nach rechts offenes Häkchen!" Nun, meinetwegen, kein e. Aber dieses nach rechts offene Häkchen ist, wie Jeder- mann weiß, ein in Hss. des späteren MA. häufig vorkommendes Zeichen und in oberdeutschen Hss. bisher ohne Widerrede für das Zeichen des Umlauts genommen. Es ist ferner bis in unser Jahrhundert hinein in den weitaus mei- sten Fracturdrucken das reeipierte Zeichen für den Umlaut gewesen , bis es durch ä, ö, ü verdrängt wurde. Es ist ferner dasselbe Zeichen, welches neuere Fracturdrucke mit ihren schärferen Typen durch ä, 6 und ü wiedergeben, und Niemandem ist es eingefallen, in solchen Ausgaben, wie z. B. Städtechroniken, Kurz' Deutsche Bibliothek u. a. m. , zu sagen, damit sei nicht der Umlaut gemeint. Urkundenbüchcr, welche sich der Antiqua bedienen, haben ebenfalls die Zeichen ö, ü adoptiert. Endlich ist das nach rechts offene Häkchen selbst bei Ausgabrn niederdeutscher Texte, die dießseits der Reformation entstanden, wie z. B. Neocorus, ohne Widerspruch als Umlautszeichen angesehen. Aber im R. V. von 1498 hat eben dieses Zeichen gar keine Bedeutung, überhaupt ist es vor der Reformation ohne Inhalt, erst seitdem bezeichnet es den Umlaut! *) Hr. B. ist in seinem Rechte, wenn er mir vorwirft, einige Umlaute für un- organisch erklärt zu haben, die in Wahrheit organische sind. Für die Umlautsfrage selbst aber ist dieser Fehler irrelevant. LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. H7 Ich weiß wohl, man bat gesagt und Hr. Lübbcn a. a. 0. wiederholt es, die Schreibung dun, die außer im R. V. von 1498 auch z. B. Lübecker Urkundenb. IV p. 101 Nr. 106 erscheint (dar to dön dat beste), sei nur eine abweichende Art der Längenbezeichnung. Dabin würden dann also auch Formen gehören wie Lüb. Urkundenb. IV p. 100 Nr. 105: verzönet, p. 101 Nr. 106 v.'ghen, p. 128 Nr. 134 prövet, p. 129 Nr. 135 möte, p. 393 Nr. 361 bmno, behoven u. s. w., denn hier bandelt es sich um unbestrittene Vocallänge. Auch für Tonlunge könnte man die Schreibung passieren lassen, wie Mekl. Urkundenb. VII p 128 Nr. 4457 to ddgende, p. 275 f. Nr. 4630 tnSlen, upburen, ib. VI p. 462 f. Nr. 4114 schulen, hove, p. 4R9 Nr. 4142 siner s<»ne u. s. w. In- dessen ist mir die Schreibung Lübeke und Inbescher (z. B. Lüb. Urkundenb. IV p. 410 f. Nr. .'575, p. 727 Nr. Uli u. öfter) wohl begegnet, aber nie die andere Luebeke und Iuebescher, die doch auch vorkommen müsste, wenn es sich nur um eine andere Art der Längenbezeichnung handelte. Und wie steht es denn in den Fällen, wo abermals 6 und ö geschrieben steht und doch von einer Längenbezeichnung keine Rede sein kann, weil die Vocale kurz sind? So z. B. Lüb. Urkundenb. IV p. 410 f. Nr. 375 stucke, di ufteynhundert, p. 412 Nr. 376 hcgcholten, olderen, p 517 Nr. 471 börgermestere mehrmals, Mölne (Mölln), p. 528 Nr. 483 vorsten, p. 129 Nr. 135 ghönnen; ferner Mnd. Wb. I. 72'', 22 wörde nu einer ... verkörtet, ib. 173b, 40 were dat user ienich des anderen bedachte u. s. w. Und wohlgemerkt: alle diese angeführten Stellen werden heute mit unbestrittenem Umlaut gesprochen. Selbst in einer lateinischen Urkunde im Lüb. Urkundenb. IV p- 665 Nr. 597 lese ich Hinrico Bützowe (Bützow noch heute ein Name). Doch sehen wir ab von 6 und u: das Niederdeutsche hat noch andere Arten, den Umlaut zu bezeichnen. Heyne in „Kleine altsächs. und altniederfränk. Grammatik" p. 10 führt aus der Essener Heberolle eine Stelle an. wo wahrscheinlich die Schreibung io nur einen unserm ii ähnlichen Zwischenlaut des u bezeichnen soll*). Hier wird das i zu Hilfe genommen, um den Umlaut auszudrücken, wie auch anderswo, z B. Mekl. Urkundenb. VI p. 161 Nr. 3767 (anno 1315) huÜden (vgl. hülde R. V. 2149). ferner tu tiuge ib. p. 29<; Nr. 3923 (anno 1317) und Lüb. Urkundenb. IV p. 100 Nr. I05»tuycb (Zeugniss), heute tüchniss und eb fcochnisse Lüb. Urkundenb. IV p. 410 Nr. .°>7;>. Und wenn man weiß, daß nhd. „Silber" und „selber" im Niederd. heute BÜlver und BÜlven heißt, im Mnd. meist sulver und sulven geschrieben, und man begegnet dann der Schreibung siluer und to der siluen thyt und dat silue (daneben in derselben Urkunde in der suluen wis) Mekl. Urkundenb. VI p. 239 Nr. .".SCO anno 1316 , p Nr. :!!")l!i (anno 1317) — dann ist es u, Altena schwer zu verkennen, daß hier i wie u nur Schreibungen sind, und ü, das heute übliche, gemeint i Nicht weniger wahrscheinlich i I es mir, daß in vereinzelten Fällen man sich auch des y bediente, um ü zu bezeichnen. Das Wort „Zeuge" z. 1'-. lautet *) Da auch das Mitteldeutsche das Schicksal de« Niederdeutschen theilt, daß . Jahrhunderts: Leipzig- Paul; deutsche Literaturgeschichte im Mittelalter: Prag Kelle; vergleichende Litteraturgeschichte Deutschlands, Englands, Prankreichs von der Reformations- zeit bis zu Ende des 18. Jahrhs.: Leipzig-Biedermann; Geschichte der deutschen Dichtung Beil Beginn des 17. Jahrhs.: Göttingen-Tittmann; der deutschen Sprache und Litteratur seit dem 17. Jahrb.: Kiel-Groth; Neuere Litteraturgeschichte besonders des 17. und 18. Jahrhs.: Halle-Gosche; deutsche Litteraturgeschichte im 17. und 18. Jahrh. : ; 3cherer; des 18. Jhrs.: München-Berti Schiller: Wien-Tomaschek ; seil Ende des 18. Jahrhs.: Kiel- Weinhold ; im 19. Jahrh.: Graz Schönbach; deutsche H< I l< a age: Gießen-Zimmermann; Leben und Dichten der Minnesinger: Münster Storck; über deutsche Lyrik (Fortsetzung): Leipzig-Minckwitz ; deutsehe Lyrik des 18. und 19. Jahrhs : Zürich- Stiefel; über das neue Volk lied, 1" onders des 16. Jahrhs., mit besonderer Verwerthung für die Culturgeschichte: Leipzig- Hildebrand; Geschichte der christlichen Dichtung, besonders bei den Deutschen: Braunsbei Lessing: Heidelh 122 MISCELLEN. Fischer: Marburg-Lucae; als Philosoph und Dramatiker: Bern-Hobler; Ver- hältniss Lessings, Schillers und Goethes zur Philosophie: Bonn-Meyer; über Goethe: Göttingen-Gödecke; Halle-Hagen; Innsbruck-Zingerle; Goethes Gedichte: Tübingen-Holland; über Göthes Faust: Heidelberg-Reichlin-Meldegg; Müuchen- Carriere; über Schiller: Gießen-Ziinmerinann ; Geschichte der Koniantik in Deutschland: BernSchoni; schwabische Dichterschule: Halle-Gosche. Niederländische Litte raturgeschichte: Leiden-de Vries; Utrecht- Brill; der neueren Zeit: Groningen-Moltzer. Angelsächsische Litte raturgeschichte: Wien-Zupitza. Englische Litte raturgeschichte: von Chaucer bis Milton: Heidel- berg-Ihne; 2. Theil: Stiaßburg-ten Brink ; über das altenglische Theater: Berlin- Vatke (Ak. f. mod. Phil.). Deutsche Metrik: Elemente der altdeutschen Metrik: Greifswald-Höfer; englische Metrik: Marburg-Suchier; Straßburgten Briuk. Sprachdenkmäler: Gothische: Jena- Sievers; Leipzig Paul; Wien-Heinzel; Zürich-Haag; Evangelium Matthaei: Bonn-Diez; Gießen- Weigand. Altdeutsche: Bonn-Simrock; Breslau- Amelung; Königsberg- Schade. Althochdeutsche: Basel-Heine; Berlin-Müllenhoff ; Otfrid : Bonn-Bir- linger; Tatian : Jena-Sievers. Mittelhochdeutsche: Gottfrieds Tristan: Wien Heinzel. Hartmanns Gregorius: Basel-Meyer; Greifswald-Höfer. Klage: Rostock-Bechstein. Konrads von Würzburg Otto mit dem Barte: Gräz-Jeitteles. Kudrun: Leipzig-Hildebrand. Nibelungenlied: Freiburg- Martin; Gießen-Weigand; nebst Einleitung über die deutsche Heldensage: Göttiugen-W. Müller; Einführung ins Studium des NL. und Erklärung ausgewählter Stücke: Basel-Heyne. Rudolfs Barlaam und Josaphat: Bonn-Reifferscheid. Walther von der Vogel weide: Breslau-Rückert; Zürich-Ettmüller. Wernhers Meier Helmbrecht: Bonn-Birlinger; Gräz-Jeitteles; Leipzig-Hildebrand. Wolframs Parzival: Heidelberg-Bartsch; Innsbruck-Zingerle. Altsächsische: Heliand: Leipzig-Paul; Tübingen-Keller. Mittelniederländische Gedichte: Leiden-de Vries. Angelsächsische: Beowulf: Breslau- Amelung; Wien-Zupitza; neuangel- sächsische: Straßburg-ten Brink. Altenglische: Chaucer's Canterbury Tales: Breslau-Mall. Altnordische: Lieder der Edda: Kiel-Möbius; Marburg Grein ; Fjö's- vinnismäl: Straßburg-Bergmann; Njalssaga: Leipzig-Zarncke. Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz- chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Freibarg, Göttingen, Graz, Halle, Heidelberg, Jena, Innsbruck, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg. MISCELLEN. 123 Karl Schiller. (Nekrolog.) Karl Christian Schiller wurde am 11. Nov. 1811 zu Rostock geboren. Nachdem er auf dem dortigen Gymnasium vorbereitet war, verließ er dasselbe, um sich dem Studium der Philologie zu widmen. Er begann es auf der Uni- versität seiner Vaterstadt, und setzte es in Leipzig fort. Hier gehörte er in den Jahren 1832 und 1833 auch der von G. Hermann geleiteten griechischen Gesellschaft an, erwarb liier die philosophische Doctorwürde, und nahm 1834 eine Anstellung am Gymnasium zu Schwerin an, womit andere Plane, mit denen er sich trug, aufgegeben wurden. Die ganze übrige Zeit seines Lebens ist er an diesem Gymnasium als Lehrer thätig gewesen, an dem er nach und nach vom letzten bis zum ersten ordentlichen Lehrer aufrückte. Ein Versuch in das geistliche Amt einzutreten scheiterte; er hatte freilich die amtlicherseits er- forderliche Befähigung sich erworben, aber da er einigemal bei einer Wahlpfarre nicht die nöthige Stimmenmehrheit erlangte, gab er weitere Versuche, auf, und blieb dem Lehrfache von nun an für immer getreu. Die erste wissenschaftliche Arbeit, mit der er öffentlich hervortrat, war die Herausgabe des griechischen Eedncrs Andocides (1835, Leipzig), bis dahin die erste Einzelausgabe dieses Redners; dann folgte ein Commentar zu einigen Oden des Horatius, Leipzig 1837, und im Programm des Gymnasiums vom J. 1844; im Programme von 1855 erschienen von ihm die Regeln der latei- nischen Syntax für untere Classen. Für die Leser der Germania ist aber seine Thätigkeit auf dem Gebiete der deutschen, speciell der niederdeutschen Sprach- forschung, von größerer Bedeutung. Erst im reiferen Mannesalter ward er auf verschiedene Veranlassungen dahin geführt; gleich seine erste umfassende Arbeit auf diesem Felde zeigte indeß, daß er nicht mit dilettantischem Eifer, sondern mit wissenschaftlicher Gründlichkeit verfuhr; sie beurkundete zugleich die ganze Eigentümlichkeit seiner wissenschaftlichen Thätigkeit, emsigen Sammlerrleiß und treue, gewissenhafte Forschung. Dieß war das Programm von 18G0 „Zum Thier- und Kräuterbuche des meklenburgischen Volkes", dem noch zwei Fort- setzungen 1861 und 1864 folgten (Bärensprung, Schwerin). Dieses Werk gab auch Veranlassung zur Bekanntschaft mit mir, der ich bis dahin ihm ganz fern gestan- den hatte. Schiller übersandte mir das erste Heft und bat mich am Beiträge; ich gab sie ihm gern und bereitwillig, soviel ich vermochte; seitdem entspann sich zwischen uns ein reicher Briefwechsel, der fast bis zu seiner Todesstunde fort- gedauert hat. Zugleich hatte sich Schiller eine lexicalische Sammlung nieder- deutscher Wörter angelegt, die, wie er mir 1867 schrieb, damals bereits 10.000 Quartblätter umfasste. Aus diesem reichen Vorrathe hal 367 „Beil zu einem mittelniederdeutschen Glossar" I eben. Zu einer Herausgabe mittelniederdeutschen Wörterbuches , wie sie der sei. Professor Fr. Pfeiffer auf der l'liilologenversamtnlung zu Hannover 1864 ' hatte, wolll sich anfanglich gar nicht verstehen. „Es fehlen mir dazu die Jahre, schrieb er mir, dagegen meine ich, ein mnd, Glossar noch mit rüstiger Kraft zu Stande bringen zu können, da mir ein stattliches M iterial bereits zu Gebote steht." Erst als die Versuche des auf Pfeiffers Vorschlag niedergesetzten Comitea für die Herausgabe eines mnd. Wörterbuches ohne Erfolg waren, entschloß er 124 MISCELLEN. sich mit schwerem Herzen und erst auf dringendstes Zureden guter Freunde, von einem bloßen Glossar abzustehen, zumal auch buchhändlerische Schwierigkeiten der Herausgabe eines bloßen Glossars entgegentraten. Schiller hatte mich be- reits, als er nur noch ,, Beitrüge zu einem mnd. Glossar" herauszugeben gedachte, aufgefordert als Mitherausgeber aufzutreten. Ich sagte es ihm zu, und war ebenfalls dazu bereit, als der Plan des Werkes sich erweiterte, damit doch endlich aus der Sache etwas würde .und die Arbeit mehrerer Jahre nicht ganz ver- geblich gemacht sei. Als endlich, nachdem Krankheit, Krieg, dazu Bedenklich- keiten aller Art, die aus seiner Gewissenhaftigkeit entsprangen, Verzögerungen und Schwierigkeiten gemacht hatten, das erste Heft 1872 ans Licht trat, fühlte er sich freudig erregt, und seine Freude ward gesteigert, als auf eine Petition der Germanistenversammlung in Leipzig sein Landesherr ihn in der ehrenvollsten Weise von seinen amtlichen Functionen entband, um in voller Muße seinem Lieblingswerke leben zu können, und der Kaiser eine peeuniäre Unterstützung gewährte. Die kurze Zeit, die ihm das Schicksal vergönnte, so für das Wörter- buch thätig sein zu können, hat er in gewohnter Weise mit regelmäßigem Fleiße ausgenützt; schrieb er mir doch schon 1867, daß er jeden Morgen Winters und Sommers mit dem Schlage 5 am Arbeitstische sitze. Der nöthigen mündlichen Besprechung halber und zugleich einer Freundespflicht zu genügen, wollte er mich in den diesjährigen Hundstapsferien besuchen. Die Zeil, ja der Tag war fast schon bestimmt, als ein Fußübel — wie es sich nachher heraus- stellte, eine Gefäßverstopfung in Folge eines Herzleidens — ihn nöthigte zu Hause zu bleiben. Er forderte mich nun auf zu ihm zu kommen, ich sagte es ihm zu, wofür er mir noch in seinem letzten Brief am 21. Juli 1873 dankte; aber aus der Reise ward nichts, denn der Todesengel berührte ihn am 4. August. Noch in seinen letzten Stunden hatte ihn der Gedanke an das Wörterbuch beschäftigt. Seine reiche wohlgeordnete lexicalische Sammlung ist mir von seinen Erben bereitwilligst zur Verfügung gestellt worden. So tief es auch zu beklagen ist, daß Schiller nicht mehr persönlich an seinem Werke arbeiten kann, so ist mir doch durch die Sorgsamkeit und Sauber- keit seines Arbeitens die Möglichkeit gegeben, das Werk in seinem Geiste fort- zuführen. OLDENBURG, 7. Deceinber 1873. A. LÜBBEN. Hermann Kurz. (Nekrolog.) Am 10. Oclober ist in Tübingen ein Mitarbeiter der Germania gestorben, der Universitätsbibliothekar Dr. Kurz. Über sein Leben wird eine ausführliche Biographie von Freundes Hand vorbereitet. Hier mögen einige Worte genügen. Hermann Kurz ist am 30. Nov. 1813 in Reutlingen geboren. Die Zu- stände seiner Kindheit und seines Lebens in der Heimath, an der er mit der Liebe eines alten Reich sstädterB hieng, sind in verschiedenen seiner Erzählungen anziehend geschildert. Die Gymnasialbildung erhielt er in dem evangelisch-theo- MISCELLEN. 125 logiseben Seminar Maulbronn, wo er mit Eduard Zeller, jetzt Professor der Pbilosopbie in Berlin, im gleicben Curse zusammentraf. Im Herbst 1831 bezog er die Universität Tübingen und gehörte bis gegen das Ende seines akademischen Lebens, Herbst 1835, dem evangelisch-theologischen Seminar au, um die Zeit, wo E. Zeller, G. v. Rümelin als Zöglinge, D. F. Strauß, Gustav Pfizer, Friedr. v. Vischer als Repetenten in dieser Anstalt weilten. Er bestand mit rühmlichem Erfolge die erste theologische Dienstprüfung und war später einige Zeit Pfarr- gehilfe bei seinem Oheim, dem Pfarrer Mohr in Ehningen bei Böblingen. Damit aber war seine theologische Laufbahn abgeschlossen, denn schon auf der Uni- versität hatte er, angeregt durch die Vorlesungen Unlands und Moriz Rapps, sich vorzugsweise sprachlichen und litterarhistorischen Studien, ja poetischen und mimischen Versuchen zugewendet, wozu Ulilands stilistische Übungsstunden und die unter Rapps Leitung von seinen Zuhörern ausgeführten dramatischen Darstellungen fruchtbare Anregung gaben. Der Umgang mit Sucher führte ihn in die clnssische Musik ein und veranlasste die Bearbeitung verschiedener Liedertexte für Suchers Melodien und Volksliedersammlungen. Kurzs erstes schriftstellerisches Auftreten fällt noch in die Studentenzeit, wo er für die Reutlinger Drucker, die damals noch regelmäßig die deutschen Volksbücher auf grauem Löschpapier für die Jahrmärkte zurechtmachten, das seit langer Zeit fehlende Faustbuch neu bearbeitete. Ich gab dazu mein Exemplar des G. R. Widmann, Wilhelm Eytel lieferte die Zeichnungen zu den Holz- schnitten , Kurz besorgte den Text. Das Buch erschien so zum ersten Mal wieder 1834. Von den eigenen Dichtungen, lyrischen, dramatischen, epischen, soll hier nicht weiter die Rede sein; seine Gedichte, seine Novellen, seine Romane ,, Schillers Heimathjahre" und „der Sonnenwirt" sind bekannt. Noch weniger darf ich auf seine vielen Übersetzungen aus Äriost (Roland), Cervantes, Chateau- briand, Shakspeie, Byron, Moore u. a. eingehen. Seine eindringenden Studien über Shakspere sind thcils in seineu Über- setzungen, theils in den Jahrbüchern der deutschen Shaksperegesellschaft, theils in den besondern Schlitten niedergelegt z. B. Zu Shaksperes Leben und Schaffen; Altes und Neues. München 1808. Falstaff und seine Gesellen von Paul Konewka, Text von Hermann Kurz. Mit Gottfried von Straßburg hat sich Kurz frühe beschäftigt. In den vierziger Jahren, als er gleichzeitig mit Franz Pfeiffer in Stuttgart lebte, ent- stand unter philologischem Beirath des letzteren dl Übersetzung dr^ Tristan, welche mit eigenem Schlüsse versehen und mit reicht r sagengeschichtlicher Einleitung ausgestattet 1844 und mit neuem Titel 1847 in Stuttgart bei Rieger (Becher) erschienen ist. Mit dieser Arbeit im Zusammenhange steht eine kleine polemische Schrift: „Wenn es euch beliebt, der Kampf mit dem Drachen. Ein Bitter- und Zaubermärchen. Zum Besten di igers und Tristans- kritikers Hrn. Oswald .Marbach, mit neu-, mittel- und althochdi utschen, aber aller Welt verständlichen Glo »eben Karlsruhe den 30. Nov. ISN von Her- mann Kurz." Stuttgart L845. Mehr als 20 Jahre später finden wir Kurz von Neuem mit Gottfried beschäftigt, in einer Untersuchung über . I1 bters Geschlecht und Leben, die zuerst in der Wochenauagabe der allgemeinen Zei- tung, dann durchgesehen und vermehrl in der Germania 15, 20 ff. veröffentlicht wurde. Hier, wie in allen seinen wissenschaftlichen Untersuchungen, schreitet 126 MISCELLEN. er mit strenger Methode vor und weiß jeden gewonnenen Anhaltspunkt mit Scharf- sinn in seine Consequenzen zu verfolgen und zu neuen Combinationen zu verwerthen. Bald nach der Studienzeit, als Kurz lediglich mit litterarischen Arbeiten beschäftigt in Stuttgart lebte, entstand in unserem Kreise eine kritische Zeit- schrift, die freilich keine große Verbreitung gefunden hat: der Spiegel, Zeit- schrift für litterarische Unterhaltung und Kritik. Stuttgart, bei J. B. Metzler. 1837 und 38. Sie enthielt Beiträge von Gustav Schwab, J. Fallati, B. Auer- bach, Eduard v. Kausler, Rudolf Kausler, R. v. Mohl u. a. Zu dem bedeutendsten, was diese Zeitschrift brachte, gehört wohl Kurzs Artikel über Eduards von Bülow Simplicissimus. Er gibt zuerst die Ergebnisse seiner Untersuchungen über den Verfasser dieses merkwürdigen Buches und stellt als den wahren Namen des- selben Hans Jacob Christoffel von Grimmeishausen fest. (Vgl. meine Ausgabe des Buches, Stuttgart, für den litterarischen Verein, 1854. 2, 1127 f.). Weitere eingehendere Forschungen über Grimmeishausen und seine Schriften hat Kurz in der Beilage der Allgemeinen Zeitung yom 13. Juli 1865 gegeben. Wenn, wie man hoffen darf, Kurzs wissenschaftliche Abhandlungen in Auswahl ge- sammelt erscheinen, so wird diese gediegene Arbeit nicht übersehen werden. Außer dem Dichter des 13. und dem des 17. Jahrhunderts vertiefte sich Kurz noch vornehmlich in einen des 18., den heimischen Schiller. Sein Roman über seine Jugendjahre hat insofern theil weise historische Bedeutung, als der Verfasser aus mündlichen und schriftlichen Quellen über die Geschichte jener Zeit schöpfte, welche theils jetzt verstummt, theils wenigen, zugänglich sind. Für die neueste deutsche Poesie und ihre Geschichte war Kurz thätig besonders durch den deutschen Novellenschatz, in dem er in Verbindung mit Paul Heyse Proben aus den besten modernen Erzählern seit Göthe mit kurzen biographischtn Skizzen zusammenstellte und wovon seit 1871 18 Bände er- schienen sind. Der als Seitenstück dazu gegebenen Sammlung „Novellenschatz des Auslands" (1872 f. 9 Baude) möge hier nur beiläufig gedacht werden. Von den poetischen Arbeiten Kurzs wird, besorgt von Paul Heyse, eine Sammlung in acht Bänden erscheinen. Über Kurzs äußeres Leben ist nicht viel zu sagen. Ungeneigt, sich in die Bande eines amtlichen Lebensberufs zu fügen, lebte er unabhängig, aber auch unstät , in Stuttgart, Karlsruhe, Weilheim, Kirchheim u. T. Einige Jahre besorgte er die Redartion des Stuttgarter Oppositionsblattes ,, Beobachter". Erst 18G-2 übernahm er die durch Prof. Tafeis Tod erledigte Stelle an der Universitätsbibliothek in Tübingen, deren Benutzer seine vielseitigen Kenntnisse, wie seine aufopfernde Gefälligkeit dankbar zu rühmen hatten. Von äußeren Ehrenbezeugungen ist dem in stiller Zurückgezogeuheit lebenden, vielfach ver- kannten Mann nur eine zu theil geworden, die Verleihung des Doctordiploms honoris causa seitens der philosophischen Facultät in Rostock. A. v. KELLER. Artur Köhler. (Nekrolog.) Es ist eine schöne Sitte, deren Ausführung Herr Prof. Bartsch in den letzten Jahren meist selbst auf sich genommen hat, den dahin geschiedenen MISCELLEN. 127 Mitarbeitern unserer Germania in dieser Zeitschrift ein ehrendes Andenken zu widmen. In dem vorliegenden Falle aber dürfte es sich besonders für mich schicken, dieser Pflicht gegen den zu früh verstorbenen Fachgenossen gerecht zu werden, da ich vor mehreren Jahren an der Kreuzschule zu Dresden Artur Köhler als College nahe stand und außerdem von dieser Zeit her das gegen- seitige, warme Interesse für die speciellen wissenschaftlichen Arbeiten des Anderen eine engere Verbindung zwischen uns wach erhielt. Dr. Emil Artur Köhler ist geb. zu Dresden am 22. März 1841, besuchte von 1854 — 1860 die dortige Kreuzschule, studierte anfänglich Theologie, dann, worauf ihn seine Neigung mehr wies, Philologie, besonders germanische Sprachen in Leipzig unter Zarnckes Leitung. 1862 siedelte er nach Göttingen über und promovierte daselbst am 19. Nov. 1864. Nachdem er hierauf eine Zeit lang Hauslehrer in und bei Dresden gewesen, und am 13. Juli 1866 das Examen für die Candidatur des Gymnasialschulamtes in Leipzig bestanden, wirkte er an der Kreuzschule zu Dresden, zunächst als Cand. prob., seit Ostern 1868 als ständiger Oberlehrer. Er führte hier in den letzten Jahren das Ordinariat der Untersecuuda und ertheilte den deutschen Unterricht in der Prima. Im Sommer 1873 erkrankte er an einem acuten Lungenleiden und folgte am 26. August d. J. seiner neun Wochen vorher ihm durch den Tod entrissenen Gattin ins Grab*). Köhler gehörte zu den Gymnasiallehrern, denen ihr Beruf nicht nur Mittel zum Zweck, sondern voller Selbstzweck, erste Lebensaufgabe ist. Seine Lehrgeschicklichkeit, vor allem auch der frische anregende Ton, den er in den Unterrichtsstunden anzuschlagen verstand, erwarben ihm ebenso das Interesse wie die Liebe seiner Schüler. Trotzdem aber ging sein Leben nicht in dieser Thätigkeit auf; seine Freistunden, zumal seine Ferien, verwendete er mit un- ermüdlichem Eifer für theoretisch-wissenschaftliche Arbeiten auf germanistischem Gebiete. Nur wenigen ist es beschieden, diese ideale Verbindung praktischen und theoretischen Wirkens auf die Länge durchzuführen, zugleich Schulmann und Förderer der Wissenschaften zu sein. Köhler war nicht stark an Körper- kraft; dieser Widerstreit der Pflichten und die damit verknüpfte übermäßige Anspannung der geistigen Kräfte ist es wohl hauptsächlich gewesen, die ihm einen so frühen Tod bereitet hat. Köhler hatte sein Interesse besonders zwei Gebieten zugewendet. 1. Der Erforschung der gothischen Syntax. 2. Dem Studium der angelsächsischen Poesie, vor allem des Beovulf. Die Resultate seiner gothischen Studien hat er in folgenden Arbeiten niedergelegt. 1. Über den syntactischen Gebrauch des Dativs im Gothischen. Köhlers Doctordissertation. Dresden 1864. Wieder abgedr. Germ. XI p. 261 ff. 2. Nachtrag zu dii indlung Germ. XII p. • ',,'! f. 3. Der syntactische Gebrauch des Infinitivs im Gothisohen. Genn. XII p. 421 IV. 4. Der syntactische Gebrauch des Optativs im Gothischen. Germanistische Studien, edd. Bartsch. I, p. 77 ff. <\ i Brdmann, Ztscbr. f. d. Piniol. V p. 212 ff.). *) Für die genaueren biogr. Notizm bin ich 11. Bector Prof. Bultsch in Dn zu Danke verpflichtet K. 128 MISCELLEN. Seine übrigen Abhandlungen behandeln nach verschiedenen Eichtungen die ags. Poesie. Es sind diese: 5. Germanische Alterthümer im Beövulf. Germ. XIII p. 129 ff. 6. Über den Stand berufsmäßiger Sänger im nationalen Epos germani- scher Völker [Vorwiegend angels. Verhältnisse berücksichtigend]. Germ. XV p. 27 ff 7. Die Einleitung des Beövulfliedes. Ein Beitrag zur Frage über die Liedertheorie. Ztschr. f. d. Phil. II p. 350 ff. 8. Die beiden Episoden von Heremod im Bcövulfliede. Ztschr. f. d. Phil. II p. 314 ff. Köhler beabsichtigte eine größere selbständige Schrift über die Com- pcsition des Beövulf auszuarbeiten, von der 7 und 8 nur Proben sein sollten. Wie weit dieselbe gediehen, vermag ich nicht anzugeben. BRESLAU, im Nov. 1873. EUGEN KÖLBING. Notizen. Professor Dr. E. Martin in Freiburg hat einen Ruf als Professor der deutschen Sprache und Litteratur an die Universität Prag erhalten und leistet demselben Ostern 1874 Folge. Dr. Ludwig Hirzel, Lehrer an der Kantouschule zu Aarau, ist als ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Litteratur an die Universität Beru berufeu worden. Dr. E. Steinmeyer hat eine außerordentliche Professur in der philo- sophischen Facultät der Universität Straßburg erhalten. Dr. Felix Lindner aus Bunzlau hat sich als Privatdocent für die neueren Sprachen, besonders für Englisch, an der Universität Rostock habilitiert. Am 22. Januar 1874 starb in Corvey Hoff mann von Fallersieben; am 5. Februar in Berlin Moriz Haupt; am G. Februar in Berlin Dr. Oscar Jan icke, Oberlehrer an der Sophienrealschule. Nekrologe wird die Germania in ihrem nächsten Hefte bringen. Zu Germania XVIII, 454, Zeile 13 v. u. Zu diesen Marzo und April e in den Cyclopeninaueru der Porta Bellona stimmt in Vielem, was ich Genn. 17, 459 f. über das Heidenwerfen in Heimburg mit^etheilt. So wie an der Porta Bellona links vom Eingange der Marzo angebracht war, der gesteinigt wurde, so in Heimburg der SommeT. Wie; ihm dort der Aprile gegenübersteht, so in Heimburg dem Sommer der Winter (oder Attila). Das Auffallende, daß in Heimburg der Sommer gesteinigt ward statt des Winters steht freilich zu diesem in Italien auftreten- den Gebrauch des Heidenwerfens in Widerspruch; denn der gesteinigte Marzo ist der Winter. SCHRÖER. BEITRÄGE ZUR KENNTNISS DER LANGOBAR- DISCHEN SPRACHE. Zu den oft wiederkehrenden Änderungen, welche sich die roma- nischen Abschreiber der langobardischen Gesetzessammlungen in Be- zug auf die in denselben erhaltenen langobardischen Ausdrücke er- laubten, gehört u. a. das Weglassen des anlautenden h vor Vocalen sowohl als vor folgendein r. Das nämliche Gesetz gilt natürlich auch für die bei Paulus Diaconus erhaltenen Namen. Zwei langobardische künigsnamen , welche in den meisten Handschriften mit r beginnen, haben vor demselben ohne Zweifel ursprünglich noch ein h gehabt, ein h, welches in Einern Falle wenigstens handschriftlieh noch erhalten und beglaubigt ist. Es sind die beiden Königsnamen Röthari und Ratchis, deren ältere und echtere Formen Hrötharit und Urateis müssen ge- lautet haben. Wir beginnen zunächst mit dem zuletzt genannten Namen und suchen demselben auf einem kleinen Umwege beizukommen. Bei Paulus Diaconus nämlich in dem Werke _,De gestis Langobardorum" (VI, 2C u. VI, 51) heißt ein Sohn des Herzogs Peinmo von Friaul Ratchais. In Ratchis ist das h zwischen c und i ohne Zweifel nur eingeschoben, damit der Guttural nicht gequetscht, sondern wirklich guttural ge- Bprochen werde, gerade wie die Italiener aoch heutzutag ■ neben amico in der Mehrzahl amichi schreiben Das zweite Worl isl demnach das Substantivuni ix'i*. dessen streu" althochdeul che Form kis, eis lautel und das als zweiter Bestandtheil zusammeng« etzter Männernamen die Bedeutung von ..Held" muß gehabt haben (Wackernagel in Bindings Gesch. des burgundisch-romanischen Königreichs Bd. I S. 368). Audi bei Ratchait gehört das zweite Worl zu der Dämlichen Wurzel; auch (ahd. ger) bezeichnel 1 I den Speer und 2 in zusammengesetzten Namen von persönlicher Bedeutung den Helden (Wackernagel a. a. 0.); das h aber wird hier, wo ei an und ftlr ich allerdingf entbehrlich w nach der Analogie der mil i eis zusammengesetzten eingeschaltet sein. Nun aber der erste Bestandtheil. Pörsteraann (Altdeutsches Namenbuch I, 991) schwankt zwischen dem Sab tantivura räd, &MANU Beihe. . 9 130 KARL MEYER welches seiner Bedeutung nach sowohl dem lateinischen opes, copia als consilium entspricht, und dem Adjectivum hrad (celer). Daß jedoch nur letzteres an dieser Stelle passend und möglich ist, wird sich sofort ergeben. Das Substantivum räd hat gedehntes a; nun heißt aber bei Augustinus (de civ. Dei V, 23) ein gothischer Heerführer Rhadagaisus, also genau ebenso wie unser Langobarde. Da aber die Gothen be- kanntlich kein ä, sondern bloß a hatten, so kann jener Heerführer in ihrer eigenen Sprache nur Hradagais (ahd. Hratager) geheißen haben*). Von Hratcais aber zu Hratcis ist der Schritt ein leichter und kurzer, und die Analogie empfiehlt denselben obendrein; wir stellen daher auch das erste Wort von Ratchis zu hrad. Dazu kommt noch, daß Hratcais einen Bruder Namens Hratcis hatte (Paul. Diac. VI, 26), und durch diesen Umstand wird die Analogie nicht nur zur Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit, sondern geradezu zur Notwendigkeit. Nun aber der zweite Königsname. Die Handschriften haben die Formen Rotari, Rothar, Rohtarith, Rottari, Rotharus, Rotharis, Rotharit und Hrotharit neben einander. In der ältesten und besten derselben, der S. Galler (Nr. 730), ist der Name leider gar nicht erhalten; hingegen ist nicht zu übersehen, daß eine Pariser Handschrift von hohem Werthe (Nr. 4614, bei Bluhme Nr. 10) — Bluhme hält sie für die zweitbeste — die Form Hrotharit hat; das auslautende t erscheint auch sonst, z. B. als th im Codex Vaticanus, ja sogar bei Paulus Diaconus (VI, 18) und ist also schwerlich bloßes Einschiebsel. Wir haben also das zweite Wort nicht als das Substantiv hari, sondern als ein schwaches Parti- cipium Perfecti aufzufassen; das Verbum aber, welches dieses Partici- pium voraussetzt, ist im Gothischen erhalten ; es lautet da vasjan (vgl. altind. vas, lat. vestire, vestis, ahd. gaweri 1) investitura, Einkleidung in den Besitz, 2) Besitz), hat die Bedeutung des Kleidens, Bekleidens, und wird also bei den Langobarden warjan geheißen haben; das an- lautende w ist wie in zahlreichen andern langobardischen und germa- nischen Worten weggefallen. Der erste Bestandtheil sodann hröth ist das Substantivum rot, ruod, an. hrödr (gloria) und hat, was auch sonst im Langobardischen Regel ist, die dentale Aspirata beibehalten, die- selbe noch nicht zur Media verschoben (vgl. Theudelinda, Theuderäda, thinc, morth u. s. w.). Hrotharit ist also wörtlich der mit Ruhm be- kleidete. *) Bei Olympiodor und bei Zosimus heißt der Name 'Po3o-yt'üoo<;; allein das griech. o kann für ä natürlich nichts beweisen. (Vgl. Zeuli , die Deutschen und die Nachbarstämme, S. 419 Anm.). BEITRÄGE ZUR KENNTNISs DEK LANGöRARDtSl HEM SPRACHE. 131 In Hrötharit ist also das im Gothiseheu noch erhaltene s schon in r übergegangen. In einem andern Falle hingegen ist das s; und zwar auslautendes s geblieben. Im Edictus Hroth. nämlich (278, 373, 380) steht dem lateinischen curtis ruptura ein langobardisch.es Wort zur Seite, welches in den Handschriften oberus, operus, ebreos, overos, oberus, hoberos lautet. Die beiden Buchstaben b und v werden im spätem barbarischen Latein häufig verwechselt, (z. B. octabo, renobintur, scriua, culpauelis für octavo, renoventur, scriba, culpabilis); daß aber hier die Aspirata, wenn auch in ihrer weichen Form, und nicht die Media am Platze ist, ergibt sich aus dem lateinischen 'curtis ruptura unzweideutig. Das gothische raus nämlich (ahd. rör) setzt ein starkes Zeitwort voraus, welches g. hriusa, hraus, hrusum, ahd. riusu, ros, rurumes (ags. hre'osan, hreäs) muß gelautet und als Grundbedeutung die des Brechens muß gehabt haben; rör bezeichnet demnach das Geknickte, Gebrochene, während ros die abstractere Bedeutung des Brechens hat. Das s ist hier durch seine Stellung im Auslaut geschützt wurden: auch in den starken Conjugationsclassen des Althochdeutschen erhält sich s in den einsilbigen Formen des Präteritums, also im Aus- laut, länger als in den mehrsilbigen, wo es in den Inlaut kommt. Noch ein drittes Wort, welches sein anlautendes h vor folgendem r in der handschriftlichen Überlieferung verloren hat, während die Laugobarden selbst dasselbe unstreitig noch hatten , findet sich Ed. Roth. 16; der Leicheuraub heißt da rairaub; Ansuald, der Notarius des Königs Hrotharith, hat ohne Zweifel noch h rairaub geschrieben. (Vgl. g. hraiv, ahd. hreo.) Auch vor anlautenden) 1 mögen die Langobarden selbst noch ein h gehabt haben; nur ist das betreffende Wort schwieriger zu deuten als die bisherigen. Ein Fischteich nämlich hieß bei den Langobarden lama (Paul Diae. I, 1.5). J. Grimm (Gesch. d. deutschen Sprache 694) denkt an das finnische lammi (lacus minor), das litthauische loma, das lateinische lama (locus humidus, palustris, das spanische (gothischi lama (Schlamm, Seegrund); letzteres wird indessen von Diez Etvniol. Wörterbuch I, 241) wohl richtiger nebsf dem portugiesischen lama und dem in der Dauphin«'- nachgewiesenen lamma auf das gemeinsam! lateinische lama zurückgeführt. Letzteres sowie die angeführten finni sehen und litthauischen Formen können wohl urverwandt sein; es fragl sich indessen, ob innerhalb der germanischen Mundarten nicht ebenfalls stammverwandte Worte zu finden sind. Abel, der Übersetzer des Paulus Diaconus, erklärt Lima durch Lehm, glaubl also, ei stehe hier ä für ai; allein Lehm und \\ < ei nd doch rschiedene Dinge. 132 KARL MEYER Nun besitzt das Altsächsische ein Verbum hlamon (hlamodun üdeon, ström an stamne, Hei. 2915), ags. hlemman; welches die Bedeutung des Rauschens und Tosens hat; hlama als stf. oder hlamo als schwm. würde demgemäß das Wasser als rauschendes, tosendes Element be- zeichnet haben. Letzteres wäre nun allerdings eine Eigenschaft, welche zunächst und vorzugsweise für fließende Gewässer und nicht für einen stehenden Fischteich sich eignete; es ist indessen nicht unmöglich, daß dieselbe zunächst vom Wasser im Allgemeinen galt, dann aber schließlich zur Bezeichnung einer bestimmten Art von Wasserbehälter verwendet wurde. Auch vor Vocalen ist anlautendes h; zumal in den spätem Hand- schriften, weggefallen. So heißt der Schultheiß in den langobardischen Gesetzbüchern durchweg mit Wegfall des h, mit welchem das zweite Wort eigentlich beginnen sollte, sculdais (nur die S. Galler Handschrift hat sculdhais Roth. 35), und daraus wird dann gelegentlich noch, da die Romanen den Diphthongen gerne auswichen, sculdahis (vgl. den marpahis für marpaiz bei Paul. Diac. II, 9). In beiden Worten, in sculdhaiz und marpaiz, ist überdieß die Vertauschung der dentalen Aspirata z im Auslaut gegen s charakteristisch für die romanischen Schreiber*;, welchen wir die Aufzeichnung der Gesetze wie des Ge- schichtswerkes des Paulus Diaconus verdanken. Als eine Eigentümlichkeit der langobardischen Mundart wird uns ferner von Paulus (I, 9) das anlautende gw bezeichnet — Wodan sane, quem adjecta litera Gwodan dixerunt — ; indessen war J. Grimm (Gesch. d. deutschen Sprache 295, 296) geneigt, diese Consonanten- verbindung romanischem Einflüsse zuzuschreiben, und daß er in dieser Beziehung vollkommen Recht hatte, ergibt sich aus folgenden Gründen. Die altern und bessern Handschriften des Edictus Hrötharit kennen im Anlaut bloßes w, haben also wergild, wecwori, waregang: im Gegensatze hiezu haben die spätein, welche die ursprünglichen lango- bardischen Formen auch sonst immer mehr entstellen, zumal die Madrider, einmal (Roth. 9) auch die von La Cava, guidrigild, guecorion, guare- gang. Die S. Galler Handschrift, welche also noch nirgends gw kennt, gehört noch dem siebenten Jahrhundert an; Paulus schrieb sein Ge- schichtswerk gegen Ende des achten. Wenn nun einerseits die ältesten langobardischen Quellen anlautendes gw nicht kennen, und wenn an- dererseits Paulus dasselbe als eine Eigenthümlichkeit der Sprache seines Volkes erwähnt, so ergibt sich daraus, daß die Eigenthümlich- ': ; Auch die S. Galler Hdscbr. hat dieses s durchweg. BEITRÄGI ZUK KENNTNISS DER l ^NG OB ARDISCHEN SPRÄCHE. 133 km als solche keine ursprüngliche ist, daß ihre Ausbildung vielmehr erst einer spätem Lebensepoche der Sprache angehört, daß sie in keinem Falle älter ist als das achte Jahrhundert. Daß wir aber die- selbe romanischem Einflüsse verdanken, schein! mir namentlich aus folgendem Umstände hervorzugehn. Die italienischen Worte, welche Diez (Grammatik d. roman. Sprachen •"«. Aufl. Th. [, S. (17 ff.) als aus dem Germanischen eingedrungen anführt, sind sicherlich beinahe au nalimslos langnnardischen Ursprungs; es entspricht alter in denselben • rmanischem w im Anlaut durchweg gu; aus werra wird z. B. guerra (französ. guerre), aus wisa guisa (franz. guise), aus warten guardare u. s. w. Anlautendes gw ist somit allerdings eine Eigenthümlichkeil d< Langobardischen , alter kein.- echte und ursprüngliche, sondern eine aus romanischem Einfluß eingedrungene; vollständig durch- gedrungen ist dieselbe übrigens auch im achten Jahrhundert keines- wegs, und Paulus selbst liat noch genug langobardische Worte, in welchen das einfache w im Anlaut entweder geblieben (Wacho, Wald- räda u. s. w.) oder gänzlich abgefallen ist (Ulfhari). Unter den wegen ihres auf einer spätem Entwicklungsstufe des Sprache eingetretenen anlautenden gw erwähnten Worten verdient einer noch eine speciellere Besprechung, nämlich wergild. Das Wort wurde in dieser seiner eckten Tonn den Langobarden früher einfach ab- rochen. .. I >)»• langobardischen Gesetze haben nie werigild, vielmehr widrigild, guidrigild", sagt .1. Grimm (Deutsche Rechtsalterthümer, S. 652). In ähnlichem Sinne äußert sich Osenbrüggen (Strafrecht der Langobarden, S. 15): „Wergeid kommt in den langobardischen Rechten nicht vor, an unzähligen Stellen aber Widrigild : an wenigen Stellen findet sich die Form Wjrigild (Roth. 268. Liutpr. 85), aber nicht mit Wergeid zusammenfallend, sondern in der Beziehung, die das Widri- gild am häutigsten hat". Seitdem di< Ausgabe der langobard. Gesetze von Fr. Bluhme (Monumenta Germaniae historica; legum tomus IV. Hannovera« 1868 und Edictus ceteraeque Langobardura leges. Ilanno- vera< lst'>'.' 1 r chi< nen ist vi rhält sich die Sache anders. Nach Blulime nämlich haben die besten Handschriften, die S. Galler und die Paj (1 und 10) wergild, und widrigild linde) .ick erst in jungem oder schlechtem, auf welchen freilich alle frühern Ausgaben <\< 1 Gesetze beruhen*). Eine Stelh , an welcher, wie Osenbiit 1 0 16 *) Genau genommen hat 1 nur wergild, 10 neben wergild mich wirgild und wirigild, die übrigen meist widrigild, wählend 8 immer und 9 meistentheils guidiigild hahen. 134 K VKT- MEYEH meint, „Widrigild nicht Wergeid bedeutet" oder vielmehr nach seiner Auffassung nicht Wergeid bedeuten kann, ist mir nicht vorgekommen; vielmehr scheint mir „wergild" an allen von ihm zum Beweise des Gegentheils angeführten Stellen die Bedeutung von Wergeid sehr wohl haben zu können. Wenn es z. B. nach Ed. Roth 9 von einem falschen Ankläger heißt*): „Et si provare non potuerit et cognuscitur, dolusse adeusassit, tunc ipsc, qui aecusavit et prouare non potuit, wergild suo conponat, medietatem regi, et medietatem, cui crimen injeetum fiierit", so ergibt sich aus der angefühlten Stelle gerade das Gegentheil dessen, was Osenbrüggen aus derselben zu beweisen sucht. Der falsche An- kläger hat, eben weil seine Klage eine falsche ist, sein Leben verwirkt, und um sich zu lösen von der Strafe, muß er denjenigen Preis be- zahlen, zu welchem jenes für den Fall der Ermordung angeschlagen ist, also sein Wergeid. Daß die Hälfte des letztern dem König zufällt, ergibt sich aus der germanischen Anschauungsweise, nach welcher durch die Missethat der allgemeine Zustand des Friedens (Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte 2. Aufl. Bd. I, 392) gebrochen und somit die Gesammtheit des Volkes (Waitz, . ebend. 410, 411), als deren Repräsentant bei den Langobarden der König erscheint, verletzt ist. In der lex Salica z. B. (tit. XVIII) erscheint allerdings auf Verläum- dung eine geringere Buße (2500 dinar, qui faciunt sol. 62'/„) gesetzt als auf Tödtung eines freien Franken (8000 dinar, qui faciunt sol. 200 nach tit. XLI, 1) ; hingegen stimmt jene mit dem Wergeid eines tribut- pflichtigen Römers (tit. XLI, 7) überein. Es ergibt sich daraus bloß, daß falsche Anklage bei den Langobarden härter bestraft wurde als bei den Saliern ; denn daß Ed. Roth. 9 nichts anderes als das Wergeid gemeint ist, ergibt sich einmal aus dem Texte der Handschriften 1 und 10, und zweitens hätte das hinzugefügte Pronomen possessivum suo' durchaus keinen Sinn, wenn Widrigild (Wiedervergeltung) richtige Lesart wäre. Übrigens sagt Osenbrüggen selbst (a. a. O. S. 15), Widri- gild bezeichne entweder den Werth des Verletzten oder den des Ver- letzers, und S. 16 nennt er es den „Entgelt für die verwirkte Per- sönlichkeit"**). Es ist also stets wergild richtige Lesart; widrigild mag an und für sich wohl ein langobardisches Wort gewesen sein, nur kann es nicht den Werth einer Persönlichkeit, sei es der eines Ver- *) Nicht zu übersehen ist, daß es sich um eine Capitalanklage direct beim König handelt: Si qnis qualemcumque hominem ad regem ineusaverit quod ad animse perteneat periculnm etc. **) Vergl. auch noch ebend. S. 159, 160. BEITRÄGE ZUR KENNTNISS DER LANGOBARDISCHEN SPRACHE. 135 letzten oder der eines Verletzers, bezeichnet haben, sondern seine Bedeutung muß einfach die <\c* Schadenersatzes, der compositio, ge- wesen sein. An und für sich ist freilich das Wergeid, Avelches ein Mörder den Angehörigen des Ermordeten zahlt, auch in gewisser Hin- sicht ein Schadenersatz; nur liegt es auf der Hand, daß der Begriff der compositio ein viel umfassenderer ist als der des Wergeides. Ganz ähnlich vorhält es sich mit der von Osenbrüggen (a.a.O. S. 16) eben- falls zu Gunsten seiner zwischen Wergeid und Widrigild unterscheiden- den Theorie citierten Stelle Ratchis 9: Nam si ipsum oeeiderit — con- ponat mortem illius, simul et wirigild (sie. Cod. Paris. — 10) suo regi pro praesumptionem *). Hier ist also der Fall angenommen, daß ein Langobarde einen Freien, den er zu seinem Hörigen oder Sclaven machen will, tödtet; auch da hat <\^\- Betreffende sein eigenes Leben verwirkt und muß nun. um sich zu losen, dem König sein eigenes Wergeid bezahlen, abgesehen von dem ebenfalls zu entrichtenden Wergeide des Erschlagenen. Es ist oben darauf hingewiesen worden, wie gerne die nichtger manischen Schreiber das organische h weglassen, und es bot sich da- mals in Bezug auf sculdahis, der neben sculdais erscheinenden Form, auch Gelegenheit, auf eine zweite Eigenthümlichkeil der Romanen, auf ihre Neigung, unorganisches h einzuschalten oder hinzuzufügen, hinzuweisen. Und es findet sich dieses unorganische h nicht nur in Fällen, wo es sich darum handelte, einen dem Romanen nicht geläu- figen Diphthongen zu trennen, sondern es kommt dasselbe auch im Beginn der Worte, lateinischer sowohl als langobardischer, vor einem Vocale vor. Nach Bluhme finden sich in der S. Galler Handschrift Formen wie hedictum, hoccisus u. s. w., und ein langobardisches Wort, welches dieselb< in der nämlichen Weise entstellt hat, ist amund (haamund l) Ed. Roth. 224, 2.">.r>; auch andere Bandschriften, z. B. die Wolfenbüttler (Nr. • '») und die schon mehrfach erwähnte Pariser hahen in diesem Worte d.i.- anlautende h. An und für sich bezeichnet ämund denjenigen, welcher von der Mund, von der vormundschaftlichen Gewalt eines andern, frei ist. Die beiden Handschriften von Paris und S.Gallen stimmen end- lich hinsichtlich des anlautenden h auch darin ftberein, daß sie das- selbe den schon viel besprochenen Worten haldius, haldia und haldio geben; dasselbe h findet Bich Übrigens auch in den Handschriften Nj 1 *) Die praesumptio ist die Darlegung des bösen Willens ohne Rücksicht auf den Erfolg; vgl, Wilda, Btrafrecht 603, ! 136 KARL ME1 ER und 11 , während es in allen übrigen fehlt. Es tragt sieh demnach, ob wir auch hierin eine Einwirkung des Romanischen erkennen, oder ob wir die Formen mit li umgekehrt für die echtem langobardischen halten sollen. Für letzteres würde der sonstige Werth der beiden Hand- schriften, zumal der der S. Galler sprechen, für ersteres die Analogie der übrigen angeführten Beispiele. Bluhme hat sich bekanntlich für die Form mit h entschieden und dieselbe demgemäß in seinen beiden Aus- gaben consequent durchgeführt; seine Erklärung des Wortes — es soll zu dem Zeitwort halten' gehören — ist jedoch wie so manche andere seiner Deutungen (vgl. z. B. das über ari-gauuere Gesagte) so aben- teuerlich, daß sich kein der altern germanischen Mundarten Kundiger durch dieselbe wird bestimmen lassen; sie ist auch anderswo bekannt- lich auf heftigen Widerspruch gestossen. Ohne Zweifel ist das h hier sowenig organisch als in ämund, und kämen die betreffenden Worte so selten vor wie jenes, wären sie ferner so leicht zu deuten wie ämund, so würde man keinen Augenblick an der Unechtheit des h zweifeln. So wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, imponiert allerdings beim ersten Blick die consequente Durchführung verbunden mit der so häu- figen Wiederkehr der genannten Worte. Ich stehe indessen keinen Augenblick an, aldius, aldia und aldio für die echt langobardischen Formen zu erklären, zumal da die bairische Quelle, welche das Wort ebenfalls kennt, die Urkunden in Meichelbecks historia Frisingensis, für das achte Jahrhundert ebenfalls die Form ohne h bezeugt (J. Grimm, Rechtsalterthümer S. 309). Und was die Bedeutung des Wortes betrifft, so wird man schwerlich über dasjenige hinauskommen, was schon J. Grimm (Rechtsalterthümer, S. 310) vermuthet hat. Nur an das von ihm ebendaselbst angeführte gothische albino, albjino wird man nicht denken dürfen, da aldius etc. . . . wie das ags. eldjan einerseits und das ahd. eltan, alta andrerseits zeigen, selbst auf der gothisch-ger- manischen Stufe der Lautverschiebung geblieben ist, und da auch sonst die hochdeutsche Lautverschiebung im Langobardischen gerade in der Reihe der Dentale am wenigsten durchgedrungen ist. Im übrigen aber empfiehlt sich Grimms Deutung um so besser, als das andere und häufigere Wort, welches in den meisten germanischen Mundarten den Halbfreien oder Freigelassenen bezeichnet, litus, auf der nämlichen Anschauung beruht (vgl. Rechtsalterthümer 308, 309). Koch andere langobardische Worte sind bis jetzt entweder gar nicht oder wenigstens nur ungenügend gedeutet worden. Im Ed. Roth. wird an mehreren Stellen (tit. 14, 48, 74) ein Hauptwort angargathungi genannt und zugleich durch die lateinischen Worte qualitn^ personae BEITRAG] /i R KENNTNISS DEE l ^NGOBARDIS« min SPRACHE 137 umschrieben. Das Worl ist ein Decompositum, d. h. das bereits mit der Vorsylbe ga- zusammengesetzte thungi ist noch mit einem Nomen angar zusammengesetzt worden. Wenn wir nun die Deutung des Wortes mit dem zweiten Bestandtheile beginnen, so erinnert derselbe zunächst an as. githungan, ags. gethungen im Sinne von 'tüchtig, treff- lich', welches seinerseits auf ein Zeitwort thingan mit der Bedeutung des lateinischen proficere (Ztschr. f. d. A. XI, 430) hinweist. Hierher gehört auch an. thungr : schwer (an Gewicht) und der thunginus der lex Salica (tit. 44, 1; 46, 1). Das Hauptwort gathungi (stn) bezeichnet folglich den Werth einer Person . zu welchem dieselbe für den Fall eines Todschlags oder auch, wenigstens seil der Zeit d« s Königs Uro tharit, für den einer Verstümmelung (cf. tit. 7 1 angeschlagen war. 1>;i> erste Wort von angargathungi nun aber ist schwerlich ein anderes als das gewöhnliche ahd. angar, nhd. Anger; denn auf dem größern oder geringern Eteichthum an Gras und Ackerland beruhte neben dem Viehstand bei einem vorzugsweise dem Ackerbau und der Viehzucht ergebenen Volke die Werthschätzung des Mannes überhaupt. Man denke an die ähnliche Doppelbedeutung von fihu; Hgangi heißt Roth. 253, 2'.U der Dieb; ursprünglich bezeichnete es den mit der beweg liehen Habe eines Andern, zumal mit dessen Vieh, Davongehenden. Die größten Schwierigkeiten bietet indessen Roth. 225. Si libertus, qui fulcfre factus est, filiüs dereliquerit legetemüs, sint Uli heredes; si rilias, habeant legem suam, si naturales, habeanl et ipsi legem suam. Et si easu casu faciente sine heredes mortuus fuerit et antea judica- verit se vivo res suas proprias, id est andegauuerc et arigauuerc seeun dum legem Langobardorum , habeat cui donaverit. Nam quantum de benefactori suo per donum habuit, si eas non oblegavit in liber- tatem, ad ipsum patronum aut ad heredes ejus revertantur. Et si ali- quid in casindio ducis aut privatorum hominum obsequium donum munus conquisivit, res ad donatore revertantur. Alias vero res, si, ul dictum est, heredes aon derelinquerit, aut se vivo non judieaverit, patronue succedat sieul parenti suo. I handelt sich also um das Recht ein,-. v,,n »einem Herrn Freigesprochenen für den Fall seil Todes über 'in Ei gen thum zu verfügen Nicht tinter diese Verfugungs recht fallen einmal diejenigen Gegenstände, welche der Patron dem Freigelassenen geschenkt hat (quantum de res benefactori iio pei donum habuit), falls nicht der libertus dieselben sich ebenfalls als frei ausbedungen hat (si eas non oblegavil in libertatern ; ist letzteres nicht geschehen, sti lallen die betreffenden Gegenstände an den patronus zurück, Wae ferner dei libertu »ich entweder auf einem ileereszuge 138 K. MEYER. BEITRÄGE ZUR KENNTNIS* DER LANGOBARD. SPRACHE. (in easindio ducis) oder im Dienste von Privatpersonen (privatorum hominum obsequium) noch erworben hat, fällt an den Geber zurück (ad donatore revertantur). Im Gegensatze nun zu den genannten Gegenständen steht dasjenige, was der Edictus alias res und res suas proprias ' nennt, und was er mit den langobardischen Ausdrücken ande- gauuerc und arigauuerc bezeichnet. Die beiden Worte sind keineswegs durchweg in dieser Form überliefert; vielmehr sehwanken die Hand- schriften, abgesehen von eigentlichen Ungenauigkeiten und Entstellungen, zwischen garniere und gaunere. In beiden Worten findet sieh auslauten- des c in Cod. 6, 10, 11, auslautendes e in Cod. 2, 3, 5, 8, 9. In der S. Galler Handschrift ist leider, wie mir Prof. Götzinger brieflich mit- theilt, die Stelle durch Anwendung chemischer Mittel im höchsten Grade unleserlich gemacht (vgl. auch Mon. Germ. bist. Leg. tom. IV, pag. XIII); eine genaue Entscheidung ist hiedurch beinahe zur Unmöglich- keit geworden; doch möchte sich Götzinger — und auch Bluhme hat so gelesen — am liebsten für ein c im ersten und für ein e im zweiten Worte entscheiden. Nehmen wir an, das e sei richtig, so würde uns das auf gawere (ahd. gaweri, Graff I, 929, mhd. gewer) führen; ga- weri gehört zu werjan (g. vasjan) und heißt 1) Einweisung in den Besitz, investitura, 2) Besitz (vgl. Heusler, Die Gewere. S. 50). Dieser Erklärung steht indessen ein Umstand im Wege; die Sprache der Langobarden nämlich, wie sie uns in den Rechtsbüchern derselben überliefert ist, zeigt auch nicht die leiseste Spur des Umlauts, und das Wort müsste demnach nicht gawere sondern gawari gelautet haben; auch die Schwächung des i zu stummem e wäre für das siebente Jahrhundert noch ganz undenkbar, zumal da das Wort sein i noch zu Anfang des neunten (Graff I, 929) ungeschwächt bewahrt hat. Da also ein e in der Flexionssilbe wie in der Wurzelsilbe undenkbar ist, da ferner der Codex, schon als Bluhme ihn verglich, sehr entstellt war, und da drittens c und e einander sehr ähnlich sind, so bleibt keine andere Möglichkeit übrig, als auch für das zweite Wort ein auslautendes c anzunehmen. Es ist das umso eher gestattet, als die Übereinstimmung von <>, IC» und 11 in Bezug auf zweimaliges e einer- seits und die vielfachen Übereinstimmungen von 1 und 10 andrerseits dieser Annahme zu Hilfe kommen. Richtige Lesart wäre somit in beiden Fällen gawere, und zwar in dem collectivisch concreten Sinne, welchen mit ge-, ga- zusammengesetzte Nomina so häutig haben, also etwa in der Bedeutung von Geräthc. Der erste Bestandtheil des zweiten Wortes ist nichts anderes als das Substantivum ari, welches auch sonst im Munde der Romanen oft sein anlautendes h verliert K MAURER DAS G0TTESURTHE1] IM ALTNORDISCHEN RECHTE 139 vgl. arimannus, arischild, aritraib) und arigawerc oder harigawerc wäre demnach Heergeräthe , Bewaffnung. Aber auch das erste Wort, andegawerc, wird ein anlautendes li eingebüsst haben, und es wird ursprünglich und langobardisch handegawerc geheißen haben; die formelhafte Verbindung der beiden Begriffe verlang! auch den näm liehen Anlaut. Nicht leicht ist nun freilich zu sagen, was unter hande gawerc (Handgeräthe) zu verstehen ist. Vielleicht stellt das Wort in einem gewissen Gegensatze zu harigawerc, wie das ja bei derartigen formelhaften Verbindungen zweier Werte häufig der Fall ist; in diesem Falle müsste man an diejenigen Gerätschaften denken, welche für die friedlichen Beschäftigungen, Ackerbau, Viehzucht oder Handwerk nothw endig waren. Da oben von Wodan die Rede gewesen ist, so mag zum Schlüsse noch seine Gemahlin erwähnt werden. Paulus Diaconus, welcher die- selbe (1,8) anführt, nennt sie Frca. Das e entspricht hier dem sonst üblichem i gerade wie in lülcfrc (Roth. 216, 224, 22ö, 257), dessen i hinwiederum Dehnung eines ursprünglichen i (vgl. goth. frija) ist. Zur Erhaltung des organischen i haben die Gothen eben das j hinter dem- selben eingeschoben, und auch im Ahd. findet sieh neben fri, fri-a, frie ein frige, dessen g als j aufzufassen ist. Auch in dem Namen der genannten Göttinn findet sich das kurze i conserviert in der thüringi- schen Form des zweiten Merseburger Zauberspruchs, wo Müllenhoff und Scherer (Denkmäler S. 7) freilich unrichtig Fria schreiben; und ebenso ist die nordische Form Frigg aus *Frijar durch die Mittelstufen *Frijr, *Frigr entstanden. Die Langobarden hingegen haben die Dehnung vorgezogen, haben jedoch an die Stelle des i ein c gesetzt. BASEL, Febr. 1874. KARL MEYER. DAS GOTTESURTHEIL IM ALTNORDISCHEN RECHTE. In den isländischen sowohl als norwegischen Rechtsquellen tritt das Gottesurtheil regelmäßig unter der Benennung skirsl oderski'rsla auf. Von dem X> itworte skira, d. h. reinigen, abgeleitet, ist diese Bezeich nung offenbar nur einet bersetzung des kirchlichen Ausdruckes „purgatio;" wenn ferner in den uorwegischen Rechtsbüchern von guds skirslir prochen1), oder zwischen dem Bkirsl guda ok manna unter I ! I. . I.\ §. 10. 140 K. MAUREK schieden wird2), so ist damit unverkennbar der kirchliche Gegensatz der purgatio canonica et vulgaris in das einheimische Recht herüber- getragen. Ob auch der ein einziges Mal gebrauchte Ausdruck vitnit mikla3) überhaupt auf das Gottesurtheil zu beziehen sei, und wie er solchenfalls zu erklären sein möge, lasse ich vorläufig dahingestellt; sehe ich aber von ihm ab, so ist klar, daß jede nationale Bezeichnung für dieses fehlt, welche sich allenfalls noch auf die vorchristliche Zeit zurückbeziehen ließe. Auch die Formen des Gottesurtheiles, welche sieh in den Rechts- büchern verwendet zeigen, sind lediglich die in der ganzen abend- ländischen Christenheit gebräuchlichen. Der järnbur dr, d. h. die Probe des glühenden Eisens, wurde vorzugswei se bei Männern, das ket iltak, d. h. der Kesselfang, vorzugsweise bei Weibern angewandt4); doch hielt man an dieser Regel keineswegs ausnahmslos fest, vielmehr ließ man auch Weiber gelegentlich zur Eisenprobe greifen. Im Übrigen gestaltete sich aber der Gebrauch des Gottesurtheiles etwas verschieden in Norwegen und auf Island. In Norwegen geschieht der Eisenprobe zuerst unter der Re- gierung des heil. Olafs Erwähnung, während deren sich der Fsering Sigurdr borläksson zu deren Bestehen erbot 5i und der Isländer Grettir Asmundarson sich derselben wirklich unterzog6); ein weiteres Aner- bieten, welchesc dem dänishen Hroi in den Mund gelegt wird7), würde zwar derselben Zeil angehören, soll aber in Schweden erfolgt sein, und ist überdieß geschichtlich ohne Werth, da der ganze Hröapattr ein Abenteuer ist. In rechten Aufschwung schein! die Eisenprobe in- dessen in Norwegen erst gegen die Mitte des 12. Jhdts. gekommen zu sein, nämlich seit dem Zeitpunkte, in welchem sich Haraldr gilli durch dieselbe als Sohn des K. Magnus berfaetti auswies (1129). Von da ab wurde das Gottesurtheil wiederholt zu ähnlichem Behufe gefordert, angeboten oder auch bestanden, und von jetzt an geschieht desselben darum auch in den geschichtlichen Quellen öfters Erwähnung; die Rechtsbücher aber behandeln dasselbe als ein in steter Anwendung befindliches Beweismittel, dessen sie eben darum bei den verschiedensten Gelegenheiten gedenken. Der Gebrauch des Gottesurtheils war nach ihrem Zeugnisse wesentlich ebenso geregelt wie nach unserem älteren deutschen Rechte; dasselbe fand demnach ganz gleichmäßig in Rechts- *) E])L., I, §. 42. 3) GpL., §. 156. *) vgl. z. B. FrJ>L., III. §. 15; EbL., I, §. 42; ferner Festa]), cap. 55, S. 380. 1. s) Heimskr. Olafs s. ens helga, cap. 145, S. 389, sammt den ihr folgenden Quellen. 6) Grittla, cap. 39. S. 03. 7, Flbk. II, S. 7!). DAS GOTTESURTHKIL IM ALTNORDISCHEN RECHTE. 141 machen der verschiedensten Art Anwendung, und galt andererseits immer nur als ein subsidiäres Beweismittel, zu welchem gegriffen wurde, wenn einerseits Zeugen nichl zur Verfügung standen, und andrerseits der Partheieneid und die Eideshülfe aus irgend welchem Grunde nicht anwendbar oder genügend erschienen. Auf Betrieb des Cardinallegaten Wilhelm von Sabina winde der Gebrauch der Eisenprobe im Jahre 1247 abgeschafft8), ganz wie derselbe ungefähr gleichzeitig auch in Schweden durch Birgit- jarl beseitigt wurde9), Beides offenbar zufolge eines Beschlusses der Lateranischen Synode von 1215, welche den Geistlichen jede Mitwirkung bei derartigen Gottesurtheilen untersagt hatte10), und in Folge dessen auch in Dänemark K. Woldemar II diese verboten hatte11). Etwas anders verhielt sich die Sache auf Island. Die Rechts- bücher zunächst gedenken hier der Eisenprobe nur sehr selten, und des Kesselfanges vollends nur an einer einzigen Stelle12), und sie zeigen die Anwendung heider auf ein möglichst enges Gebiet beschränkt. Durch ein Gottesurtheil konnte nach ihnen die Vaterschaft in Bezug auf ein unehelich geborenes Kind bewiesen werden, wobei es, unter Umständen wenigstens, die Kindesmutter war, welche die Probe zu be- stehen hatte ia). Durch das Gottesurtheil kann sich ferner derjenige reinigen, welcher von einem Manne auf Grund der Aussage seiner Frau des Ehebruches beschuldigt wird u). Endlich scheint das Gottes- urtheil, mochte nun der Mann oder das Weib dasselbe zu bestehen haben, auch gegenüber einer Klage wegen Blutschande zulässig ge- wesen zu sein, obwohl allerdings die betreffende Stelle nicht völlig concludent ist15); sie könnte möglicherweise auch auf eine bloße Pater- nitätsklage bezogen werden, deren Ausgang ja allerdings auch für jene andere Beschuldigung maßgebend werden konnte. Auf diese Fälle beschränken sich die Bestimmungen unserer Rechtsbücher, und selbst von ihnen sind einzelne unschwer als späteren Ursprungs zu erkennen. Eine Rundschau aber in den Geschichtsquellen zeigt uns die Eisen- probe einmal um die Mitte des 12. Jhdts. angewandt in einer Vater schaftssache16), und ein andermal nur wenig später angeboten, um den ■) Hakönai b. gamla, cap. 256, 8. 22. "> ÖGL. Eps., 17. ,ü) c. | ue derlei vel monachi, III, 50. " Biehe dessen Verordnung für Schonen bei Schlytei IX, S. 440—48. ' i I • tap., cap. 56, 8 380 l '*) Kgsbk, §. 143, 8. 26; §. 156, S. 49; §. 204, 8. 216; Öm I l 299 i • ta] cap. 26 £ bis 341, and cap. 4;.. B 361 Kl B. hinn gamli, cap. 14. S. 62, rot. 1, und cap. 47, S. 168. M) Pestap., cap Ebenda cap, 65, 8. 380—1. ii i i II cap II 8, 66; die Zeitbestimmung ergibt sieb aus Jen Worten: La \ai Ingi Baraldsson konungi (1137 Hol , ]42 K- MAUKER Beweis der ehelichen Geburt eines Mannes zu führen 17), Beides Fälle, welche sich ganz wohl unter die in den Rechtsquellen maßgebenden Gesichtspunkte bringen lassen; außerdem zeigt sich aber die Eisenprobe, und zwar wiederum ungefähr um dieselbe Zeit, auch zweimal in Dieb- stahlssachen in Aussicht genommen18), während die Rechtsbücher von einem derartigen Gebrauch derselben nichts wissen; in beiden Fällen soll freilich, was nicht zu übersehen ist, die Probe nur auf Grund eines Vergleichs, und ohne jede vorausgehende gerichtliche Untersuchung stattfinden. Nur ein einziges Mal wird meines Wissens von einem Gottesurtheil gesprochen, welches in einer früheren Zeit vor sich ge- gangen sein soll, nämlich zu der Zeit, da Bischof Isleifr zu Skälholt saß, also in den Jahren 105G— 80 19); auch dieser Fall betrifft wieder eine Vater seh aftsklage, und auch in ihm ist es wieder ein Vergleich, nicht ein gerichtliches Verfahren, welches zu der Vornahme der Probe führt. Dabei ist wohl zu beachten , daß sich in der Handhabung des Gottesurtheiles auf Island eine gewisse Unsicherheit geltend macht; es wird an mehreren Stellen eine Wiederholung der Probe ins Auge ge- fasst, welche der Bischof, oder auch der ihre Vornahme leitende Priester anordnen möge 2o) , während doch eine solche Wiederholung dem innersten Grundgedanken dieses Beweismittels widerspricht. End- lich wird man auch nicht übersehen dürfen, daß das Gottesurtheil, so unentbehrlich es dem norwegischen Rechte als Schlußstein seines Be- weissystemes sein mochte, doch für das isländische, wesentlich auf das Geschworeneninstitut begründete Beweisverfahren keineswegs ein Be- dürfniss ist; in einer Reihe der oben angeführten Stellen wird in der That der Beweis durch Geschworene dem durch das Gottesurtheil zu führenden Beweise alternativ zur Seite gestellt, und es ist kein Grund ersichtlich, weßhalb nicht dasselbe auch in allen übrigen Fällen hätte geschehen können. Nach allem dem scheint die Eisenprobe sowohl als der Kessel- fang zunächst auf Island als ein nicht nationales, vielmehr von Außen her eingeführtes Institut betrachtet werden zu müssen. Nur ein ein- ziges Mal tritt die erstere, wenn wir anders der beti*effenden Nachricht überhaupt Glauben schenken wollen, im 11. Jhdt. als ein im Vergleichs.- wege beliebtes Beweismittel auf, ganz wie um etwa ein halbes Jahr- hundert früher auch wohl Reinigungseide im Vergleichswege oder selbst ,:) Ebenda, cap. 21, S. 7t». ,8) Ebenda II, cap. 11, S. 56-58; III, cap. 16, S. 146-47. '-) Ljösvetninga s., cap. 23. S. 77—78. I0) Kgsbk, §. 264, S. 216; Ljösvetninga s., ang. O. DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE. 143 gelegentlich gerichtlicher Verhandlungen auferlegt werden konnten'21), sei es nun , weil das isländische Beweisverfahren damals noch nicht seine spätere Gestaltung erlangt hatte, oder auch weil auf die Rechts- übung, zumal außerhalb der Gerichte, gelegentlich die norwegischen Zustände bestimmend einwirkten. Etwas häufiger lässt sich der Ge- brauch der Eisenprobe auf der Insel seit der Mitte des 12. Jhdts. nach- weisen, sei es nun, daß (leren wiederholte Anwendung durch Thron- prätendenten in Norwegen ihr eine gewisse Berühmtheit verschafft hatte, oder daß die ganz oder halbwegs kirchlichen Gewohnheiten dieses letzteren Landes der Insel durch die kirchliche Verbindung näher ge- rückt worden waren, in welche dieselbe seit dem Jahre 1152 zu Nor- wegen getreten war. Auch in dieser späteren Zeit scheint indessen zunächst wieder nur ein vertragsweises Anbieten und Annehmen der Probe in Frage gewesen zu sein; in die Rechtsbücher dagegen scheint dieselbe erst sehr allmählig Aufnahme gefunden zu haben, und zwar bezeichnender Weise nur auf dem Gebiete der geschlechtlichen Ver- gehen und Vaterschaftsklagen, also gerade auf demjenigen Gebiete, auf welchem die bekannten Vorkommnisse innerhalb der norwegischen Königsgeschichte dieses Beweismittel am bekanntesten gemacht hatten. Das in den Jahren 1122— o3 aufgezeichnete Christenrecht enthält jeden- falls von dessen Gebrauch noch keine Spur, und recht eingebürgert hat sich dasselbe auf der Insel auch später nicht: gerade aus der ge- ringen Bedeutung, welche die Eisenprobe sowohl als der Kesself;ing sich erworben hatte, möchte es sich erklären, daß sie unbeschadet ihrer in Norwegen erfolgten Abschaffung auf Island einige Jahrzehnte hin- durch unangefochten blieben, bis ihnen endlich durch die Annahme der nach norwegischen Vorlagen gearbeiteten Järnsida und Jönsbök auch hier der Boden entzogen ward. — Aber auch in Norwegen scheinen beide Gottesurtheile nicht bodenständig, sundern erst durch die Kirelc- nach dem Vorbilde anderer christlichen Lande eingeführt worden zu sein. Die Gesetzgebung des heil. Olafs scheint ihnen hier bleibenden Eingang verschafft zu haben, vielleicht angelsächsischem Muster folgend, und jedenfalls weist die kirchliche, und nicht nationale Bezeichnuni; i « Bekehrung des norwegischen Stammes zum Christenthume, Bd. II, S. 182 B3 Aum. ■ i S. 189, A , 30, verzeichnet. ' | IM toria Danica, \ -. 198 99 " Vita Anskarii, cap. 32 (bei Langebek, I 8 191 ■ jl. Stemann, Den danske Retshistorie, S. 137, Aum. l. l9j Laxdaela, cap. 18 Nu p6tti beim framdum börarins nokkul efanlig Bja* saga ok köllndast beir ei mundu trtinad äleggja raunarlanst, ok töidu beb halft vi d horkel, en borkell b^kut einu ui ra til xkfrslu al sid bi bat v.ii l'.-i skfrsla I bat muiid, al kyldi undii jnrdarmeii , bai ei torfa vat 146 K. MAURER Verwandter die Aussage des einzigen überlebenden Genossen von der Partei, zu deren Ungunsten sie lautete, als unglaubhaft verworfen wer- den wollte, und daß man in Folge dieser ihrer Beanstandung zu einer Probe griff, für welche die Bezeichnung „gänga undir j ardarmen", Gehen unter den Rasenstreifen, gebraucht wird. Man stach Rasen- streifeu in der Art aus, daß dieselben an ihren beiden Endpunkten mit dem Erdboden verbunden blieben, und man richtete diese Streifen sodann in der Art auf, daß sie eine Art stehenden Bogens bildeten; die Person, welche die Probe zu bestehen hatte, musste sodann unter denselben durchgehen, und die Probe galt als gelungen, wenn die Streifen dabei nicht niederfielen. Der Berichterstatter selbst vergleicht dieselbe mit der „skirsla" der Christenleute; von neueren Schriftstellern vielfach besprochen30), scheint dieselbe doch ihrem inneren Wesen nach noch keineswegs vollkommen genügend gewürdigt worden zu sein, und mögen darum hier noch ein paar Worte in dieser Richtung verstattet sein. — Die Stelle, welche den Gang unter die Rasenstreifen zum Zwecke einer gerichtlichen Beweisführung gebraucht zeigt, steht insoweit allein; dagegen zeigen mehrfache andere Quellenstellen die selbe Formalität bei der eidlichen Eingehung der Bundbrüderschaft (fostbrceclralag) verwendet31), und wieder an einer anderen Stelle wird derselben gelegentlich eines Vergleichsabschlusses erwähnt32); sucht man aber das geraeinsame Moment bei diesen verschiedenen Anwendungs- weisen einer und derselben feierlichen Handlung zu ermitteln, so ist es offenbar darin zu erkennen, daß durch dieselbe ein zuvor abgelegter Eid bestärkt werden soll, „bä skyldu ]>eir gänga undir 3 jardarmen, ok var pat eidr peirra", sagt die F6stbrcedrasaga mit ausdrücklichen ristin 6r velli, skyldu endarnir torfunnar vera fastir i vellinum, en s;i madr er skirsluna skyldi fram flytja, skyldi par gänga undir. Ekki pöttust heidnir mann niinna eiga i äbyrgd, bä er sb'ka hluti skyldi fremja, en m'i pykiast kristnir menn, ]>ä er ski'rslur eru gervar. bä vard sä skirr, er undir jardarmen gekk, ef torfan feil ei ä liaim. 30) Arngrimus Jonas, Crymogaea S. 101—102; John Arnesen, Historisk Indled- ning til den gamle og nye Islandske Raettergang S. 7, 233. 3G, 240 — 41, und 252, so- wie zumal die von Jon Ein'ksson diesen Stellen beigegebenen Anmerkungen; 1'. E. Müller, De vi formulse „at ganga undir jardarmen," in der Ausgabe der Laxdsela, S. 395—400; R. Keyser, Nordmaendenes Religionsforfatning i Hedendommen, S. 130 bis 131, und Norges Stats- og Retsforfatning i Middelalderen, S. 392; meine Geschichte der Bekebrung des norwegischen Stammes zum Christenthume, II, S. 17o, Amn. 80, und S. 222-33 u. dgl. m. ;il) Gisla s. Sürssonar, I, S. 11, und II, S. 93—94; F «5stbrcje.il a s,, cap. 2, S. 6, ed. Konrä.1 Gislaaon, und cap. 1, S. 7, ed. 1822; sowie Flbk. II, S. 93; vergl. porsteins s. Vikingssonar, cap. 21, S. 44:.. > Vatns- dsela, cap. 33, S. 53, und daher die Melabok, Landnäma, III, cap. 4, S. 181. DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE. 147 Worten; die Aussage Gudmunds, welche nach der Laxdsela durch den Act bekräftigt werden sollte, ist ohne Zweifel als eine eidlich abge- legte Zeugenaussage aufzufassen; bei dem in der Vatnsdsela berichteten Vorfalle endlich liegt es nahe, ebenfalls an einen vorgängigen Eid zu denken, möge dieser nun ein tryggdaeidr, d. h. Urfehdeeid gewesen sein, oder, was mir wahrscheinlicher ist, ein jafnadareidr, d. h. ein Eid, durch welchen der Schuldige versprach, in einem etwaigen zu- künftigen Falle sich mit den gleichen Vergleichsbedingungen als ver- letzter Theil begnügen zu wollen, welche ihm jetzt als verletzendem verwilligt worden seien33). Man sieht, daß sich der Gang unter den Rasenstreifen mit der Eisenprobe und dem Kesselfang in seiner An- wendung wirklich sehr nahe berührt, ohne doch völlig mit ihnen zu- sammenzufallen. Beide Institute haben den obersten Grundgedanken mit einander gemein, den Glauben nämlich an ein unmittelbares Ein- greifen der Gottheit, welche durch ein sichtbares Zeichen Verborgenes kund thut; beide unterscheiden sich aber darin, daß sie diesen Grund- gedanken in sehr verschiedener Weise verwerthen. Unsere Gottesur- theile kommen wesentlich nur als ein Reinigungsmittel für einen dringend verdächtigen Angeklagten, und höchstens noch als ein Beweismittel be- züglich irgend welcher sehr unwahrscheinlicher Thatsachen in Betracht immer also in der Art, daß die Gottheit um die unmittelbare Ent- hüllung einer verborgenen, der ferneren Vergangenheit angehörigen Thatsache angegangen wird; der Gang unter den Rasenstreifen dagegen kommt lediglich als ein Mittel der Bestärkung von Eiden in Betracht, ist aber als solches auch bei jeder beliebigen Art von Eiden verwendbar, und die Frage, welche bei ihm durch das directe Eingreifen Gottes entschieden werden soll, betrifft nicht irgend welche weil zurückliegende Thatsache, sondern immer nur die Reinheit des anmittelbar vor oder bei der Probe abgeschworenen Eides. Der Gang unter den Rasenstreifen hat hiernach einerseits einen viel ausgedehnteren Spielraum als unsere Gottesurtheile, soferne er bei promissorischen wie assertorischen, und bei Zeugeneiden wie Parteieneiden eintreten kann; aber er kann andrer- eits auch immer ■ im Anschlüsse an einen Eid eintreten, und ist somit in allen den Fällen ausgeschlossen, in welchen ein solcher außer Frage steht, wie denn /.. B. die Feststellung der Vater chafi durch eine von dem angeblichen Sohne glücklich bestandene Eisenprobe ganz wohl möglich ist. wahrend der Gang untei den Rasenstreifen diesem \ 1 an .1 1 1 ark b, li , §. 31 und III § 90 dann Färnsi'da M ann h . 1 1 M ■ h 26. 148 K- MAURER, DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE. kaum liätte gestattet werden können. Es stellt sich demnach der Ge- brauch dieser alterthümliehen Probe im Norden durchaus auf die o-leiche Linie mit der Eideshülfe, welche ja auch ihrerseits bei promissorischen Eiden ebenso gut wie bei assertorischen verwendet wurde 34), und wenn wir zwar bei der Dürftigkeit unserer Quellenangaben nicht nachweisen können , in welchem Umfange das ältere Hecht im Beweisverfahren von derselben Gebrauch gemacht habe, so lässt sich doch vermuthen, daß sich ihre Verwendung auf diejenigen Fälle beschränkt haben werde, in welchen ein Mangel hinsichtlich der Zahl oder Beschaffenheit der Partei , der Zeugen oder der Eideshelfer den bloßen Gebrauch der gewöhnlichen Beweismittel nicht genügend erscheinen ließ. Es wäre möglich, daß das in den GpL., §. 156, erwähnte „große Zeugniss" gerade mit dieser Probe ursprünglich zusammengefallen wäre; jeden- falls aber ist soviel klar, daß diese in Norwegen durch die von der Kirche eingeführten neuen Gottesurtheile verdrängt worden sein muß, wogegen sie auf Island nicht sowohl diesen als vielmehr dem sich hier ausbildenden Geschwoineninstitute zu weichen hatte. Eine Frage ließe sich nun freilich zum Schlüsse noch aufwerfen, die Frage nämlich, ob nicht vielleicht auch unsere deutschen Gottesurtheile ursprünglich dem Gang unter den Rasenstreifen ähnlicher gestaltet gewesen seien, indem auch sie einen vorgängigen Parteieneid voraussetzten, und zunächst nur über dessen Reinheit Aufschluß zu geben berufen waren, oder ob nicht wenigstens auch auf deutschem Boden gesondert von den gemein- hin üblichen Gottesurtheilen noch Proben vorkamen, welche an jenen eigenthümlichen Gebrauch des uordischen Heideuthumes anklingen? Ich will und kann auf die Erörterung dieser Frage hier nicht eingehen, möchte aber doch auf tit. 14 der Lex Frisiouum, de homine in turba occiso, aufmerksam machen, welche auf eine Verteidigung des An geschuldigten durch den Eid unter bestimmten Voraussetzungen noch ein weiteres Verfahren folgen lässt, nämlich im Hauptlande ein Ver- fahren mittelst geworfener Loose, im Westlande ein solches mittelst des Kesselfangcs, und im Ostlande ein solches mittelst des Zweikampfes; daß das erstere Verfahren wenigstens einen Ausspruch der Gottheit über die Reinheit des voniäu»>'i. Vergl. v. .1. Hagen a. a. O. ■) MS. IV, 139». Vgl. Wilken, Geschichte d. Kreuz- Büge, IV, 284. 150 E. REGEL Kreuzzug zum Gegenstand. Der Spruch 156. 10 ist vielleicht auf der Heimreise gedichtet, und v. d. Hagen 10) zieht noch ein echtes Lied ' ') hierher, welches den Gefühlen des Sängers nach der Rückkehr Aus- druck gibt. Alle diese Lieder würden also in das Jahr 1190 zu setzen sein; ebenso der Gesang der Herrin MFr. 190, 25. Sonst weiß ich nur noch von einem einzigen die Entstehungszeit anzugeben, und dieses führt uns zugleich auf die Frage, wann Reinmar gestorben ist. Das Lied nämlich, welches den Tod eines Leopold beklagt1-), ist nicht mit Docen a. a. O. und nach ihm Pischon 13) auf Leopold VII zu beziehen, der 1230 in Italien starb, sondern auf dessen Vater, den Gönner Reimars, Leopold VI, der zu Ende des Jahres 1194 in Folge eines Sturzes vom Pferde umkam ,4). Das betreffende Lied ist im Frühling 1195 gedichtet, denn der erwähnte Sommer kann nur der dieses Jahres sein ; 1230 kann Reinmar nicht mehr gelebt haben, da Walthcr seinen Tod beklagt15). Gewöhnlich sagt man jetzt 16), daß er um 1207 gestorben sei, und schließt dieß aus der bekannten litterärischen Stelle im Tristan, den man um 1210 ansetzt. Dagegen bemerkt nun Simrock 17), man scheine ihn zu früh anzusetzen, denn, wenn auf das erste Buch des Parzival angespielt werde, folge daraus, daß Gottfried das letzte nicht gelesen? Die Strophen Walthers auf Rcinmars Tod könnten recht wohl um 1215 geschrieben sein, denn um 1207 hätte Walther wohl noch nicht so müde gesprochen, wie er dieß Zeile 24 und 25 thut. Lachmann 18) hält es für streng erwiesen, daß Reinmar um 1220 todt war; 1215 konnte er aber, meint Simrock, noch recht wohl am Leben sein. Den Beweis, daß Reinmar um 1220 schon gestorben war, hat Haupt geführt19), allerdings in Bezug auf Hartmann von Aue; da aber in der in Betracht kommenden Stelle Heinrichs vom Türlein Reinmar mit Hartmann zusammen beklagt wird, so findet die Behauptung auch auf ihn Anwendung. Zwischen 1215 und 1220 ist daher Reinmar ge- wiß gestorben. Da nun das Kreuzlied MFr. 181, 13, welches sicher auf das Jahr 1190 geht20), unseren Dichter schon auf der Höhe seiner Kunst zeigt, so mag er um 1170 schon geboren sein, es würden sich dann für seine Lebenszeit 45—50 Jahre ergeben; und daß Reinmar fast l>i. an sein Ende Minnelieder gesungen hat, geht aus den vielen Stellen ,n) MS. IV, 140». "i MFr. 182, 14. '•) MFr. 167, 31. ,3) Denkm. I, 574. '*) Vgl. v. d. Hagen MS. IV, 139b f. ,h) Walther v. Lachm. 3. A. 82 f. l6) z. B. auch Becbstein, Einleitung zum Tristan XXX und Koberstcin, Grandriß §. 111 S. 223 (Bartsch). ,7) zu Walther 68. 69. ,8) zu Walther S. 196. l9) Zu Hartmanns kleineren Gedichten XII u. XIV. ™) Vgl. Lachm. zu Walthcr S. 197. ZU REINMAE VON HAGEN \i IM hervor81), in welchen er klagt, daß er alt und grau werde, ohne eine Frucht von seinem langen treuen Dienen zu ernten. I»Viinnar war von edelem, ritterlichem Geschlechte; darauf deuten sein Wappen, die Benennung herre und her (IIss. BCE) und eigene Andeutungen: er nennt sieh seihst ritter oder lässt sich so nennen22). Auch scheint mir aus seinen Liedern hervorzugehen, daß er ein wohl- habender Mann war und kein anderes Mißgeschick kannte, als die Ungnade seiner Herrin. Nichts findet sich hei ihm von dem waltherischcn Reichthum an Liedern zum Preise und Lobe der Tugenden hoher fürstlicher Personen, namentlich einer Tugend, der Milde, d. h. Frei- gebigkeit; nirgends beschwert er sieh andrerseits über die Kargheit seiner Gönner. Daraus kann man wohl mit Fug und Recht den Schluß ziehen, daß Reinmar ein, wenn nicht reicher, so doch wohlhabender Mann und nicht so auf Unterstützung angewiesen war wie der größte und begabteste Minnesänger, Walthor von der Vogelweidc.- Reinmar sagt uns selbst einmal (MFr. 168, 32 f.) mickn besiocere ein rehte herzeltchiu not, min sorge ist anders kleine. Sollte man dieses Bekenntniss bei ihm, der in der Regel keine nichtssagenden Phrasen macht, nicht darauf deuten können, daß der Dichter nicht mit drückenden Nahrungssorgen zu kämpfen hat, daß es ihm äußerlich wohl Lreht. und er ein behagliches Leben führt, außer daß ihm seine Geliebte Kummer bereitet? Damit stimmt denn auch, daß Reinmar den größten Theil seines Lebens, wenigstens so lange _< dichtet und gesungen hat, und das tli.it er wohl fast bis an sein Lebensende, an einem bestimmten Orte zubrachte und nicht an ver- schiedenen Höfen umher wanderte. Zu Wien, am Hofe der Babenberger, i-t seine Bejmatstätti n, und dahin hat ihn Leopold VI, jener gesangliebende Fürst, neben Hermann von Thüringen und Kaiser Friedrich 11 gewiß der hervorragendste Gönner und Beschützer der deutschen höfischen Dichtung :en. nicht um ihn aus dürftigen Lebensverhältnissen zu befreien, sondern um sein Ohr und sein Gemüth zu bezaubern und zu erbauen an den tief zu Herz und Sinnen >\no- chenden Gesängen dieses an Innerlichkeit der Empfindung allen vor- stehenden Meisters. Hier i-t er jedenfalls mit Walther zusammen ..fren. der Manches von ihm gelernt haben mag, sich aber mit ihm entzweit hat j doch darüber später. ■») Man vgl. MFr. 201, B8 157, 1 a 2 172, M 16. 186, 8 -1. Vgl. auch l~ i\ !; Ml e 160 15. 151, 3. 196, 26. 203, 12. 10:i, 29. Man vgl. v •!. Hagen MS. IV, 152 I REGEL Dieß ist das Wenige, was ich über Reinmars Heimath und äußere Lebensverhältnisse aus seinen eigenen Äußerungen und denen Anderer schließen kann. Ist man nun bei Berührung seiner Lebensumstände schon fast allein auf seine Lieder angewiesen43), so ganz bei seinen Liebesverhältnissen; hier aber erschließt sich dafür nun auch ein um so reicheres inneres Leben. Ich komme zur Besprechung seiner Lieder. Was zuerst die Überlieferung derselben betrifft, so gewährt, wie bei den meisten Minnesängern, so auch bei Reinmar die Pariser Hand- schrift (C) die reichste Ausbeute; sie enthält unter Reinmar 224 und unter Friedrich von Husen noch 2 Strophen, die ich alle für rcin- niarischo halte; außerdem wiederholt sie 2 Str. unter Walther (MFr. 152, 25 u. 34), 1 Str. unter Milon von Sevelingen (J95, 3) und 4 Str. unter Heinrich von Rugge (103, 3, 11, 19 u. 27). Die beste Hs. A (Heidelberger Nr. 357) überliefert unter Reinmar 57 Str., unter Wal- ther 2 (MFr. 152, 25 u. 34), unter Niüni 5 (169, 9 u. 21. 183, 33. 184, 10 u. 17), unter Reinmar dem Fiedler 4 (175, 5. 190, 27 u. 36. 192, 18), unter Gedrut 5 (183, 27. u. 33. 186, 1, 7 u. 13) und unter Leutold von Seven 3 Str. (103, 3, 11 u. 19). Die Weingartner Hs. (B) enthält in ihrer ersten Reihe reinmarischer Lieder 30 Str. unter Reinmar, 4 unter Heinrich v. Rugge (MFr. 103, 3, 11, 19 u. 27), in der zweiten Reihe (b) 83 Str., zusammen also 117 Str. Der Anhang der Hs. A (a) liefert 2 Str. (MFr. 168, 6u. 18), die Würzburger Hs. (E) 114 und ihr Anhang (e) 12 Str. (189, 5. 190, 3. 202, 25, 31, 37. 203, 4, 10, 17, 24, 31. 204, 1 u. 8). Sodann finden sich in M 3 Str. (177, 10. 185, 27 und 203, 10), in m unter Walther 8 Str. (167, 13 u. 22. 197, 3. 202, 1, 7, 13 u. 19 und eine MFr. S. 298) unter Nyphen 5 Str. (178, 1, 8, 22, 29 u. 36), in i 1 Str. (162, 16), in p 2 Str. (179, 21 u. 30), in s 1 Str. (179, 30), in r 2 Str. (MFr. S. 314, 1 u. 9), in n 1 Str. (MFr. S. 314, 9). Außer den in MFr. unter Reinmar mitgetheilten Strophen schreibe ich ihm also zu das Lied MFr. 103, 3, ferner die Strophe auf Seite 298 und die 2 Strophen auf Seite 314. Gegen das Lied MFr. 192, 25 er- heben Lachmann und Haupt allerdings begründete Zweifel 'i4). Änderungen in Bezug auf Anordnung der Strophen werden ge- legentlich angegeben werden. Die Betrachtung der Lieder eines jeden Dichters zerfällt natur- gemäß in zwei Theile, ich untersuche die reinmarischen hier nur der Form, nicht dem Inhalte nach. 3) Vgl. v. .1. Hagen MS. 140'-. J<) S. MFr. zu 193, 8, ZU km;i\m \i; \ n\ ii \(.i \ \i 17,3 Reinmar, sagl v. d. Hagen25), ist als derjenige zu betrachten, rlcr in heimischer oberdeutscher Zunge den von Veldek vorgebildeten Minnesang zuerst zur völligen reinen Ausbildung brachte. Er gehört zu den ältesten Meistern, steht noch an der Schwelle des deutschen Minnesangs, welcher in ihm einerseits seinen tiefsten und geistigsten, andererseits in der Form seinen schlichtesten und einfachsten Ausdruck findet26). Er, der gedankenreiche Sänger, kehrt oft zu den alten, wenn auch einfachen Tönen zurück; bei ihm überwiegt die Dichtkunst über die Tonkunst. Seine metrischen Formen sind im Ganzen einfach und streng, seine Spracbformen zuweilen noch alterthtimlich, sein Stil sehlieht und schmucklos. Wiederholung und Gleichklang im Ausdruck ist in den wenigsten Fällen als Spielerei oder Künstelei, vielmehr als etwas Volksthümliches aufzufassen. Die metrischen Formen betreffend handle ich zuerst von der Vers- messung, dann vom Strophenbau und zuletzt vom Reime. Die mhd. Metrik ist bei Reinmar schon in ihrer ganzen Reinheit ausgebildet. Die Regel der mhd. Lyrik, daß auf jede Hebung eine Senkung folgt, erleidet keine Ausnahme ""). Daktylische Verse finde ich bei Reinmar nur 4 (MFr. 155, 3, 14, 25 und 156, 8, wo ich aber aus später zu erörternden Gründen (S. 156) schreibe: sin fremeden müet mich im s'ti); sie reimen als Körner. Zweisilbiger Auftact ist von Lach- mann einmal (MFr. 157, 4), von Haupt dreimal (154, 21. 181, 35. 196, 38) bezeichnet, aber eine fünfte Stelle (152, 36) von diesem wenigstens nicht ausgezeichnet worden, weil er sagt, hier könne auch sf> gvrinnet geschrieben werden"" . Jambischer Rhythmus überwiegt bei Reinmar. aber nicht bedeutend, [ch gehe die verschiedenen Versarten und ihre Verbindungen, wie sie sich bei Reinmar finden, jetzt der Reihe nach durch: 1. Vers von 2 Hebungen. a) Jambisch. Bei Reinmar kommt er nur stumpf, auch nur in - Liedern, und /.war in Verbindung mit dem gleichen Vera von 4 Heb. vor im zweiten Theile des Abge MFr. 159, I. Hier ist zwischen den von 2 und den von 1 Heb. noch ein gleicher Vers vor 6 Heb. eingeschoben. MS. IV. 137 . ' Vgl. Uhlands Abhandlung über den Minnesang (Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sag< \ 181 Vgl Bari ch, Ldederdichtei zu XV, 71, MFr. s. 290. 154 E. KEGEL MFr. 183, 33. Hier sind zwei von 4 Heb. mit dem von 2 Heb. gebunden. In beiden Fällen haben alle 3 Verse gleichen Keim, und der von 2 Heb. rindet sieh am Schlüsse der Strophe, wo sonst längere Verse stehen. Die Verbindung des von 4 und des von 2 Heb. ist eine romanische. Bartsch29) vergleicht eine Form Wilhelms von Poitou. b) Trochäisch. So kommt der Vers häufiger vor: a) Stumpf MFr. 176, 5, mit dem gleichen gebunden (2 u. 5 des Auf'gesanges. ß) Klingend MFr. 190, 25, mit dem von 3 Heb. gebunden (im ersten Theile des Abgcsanges). Auch hier findet sich die Verbindung mit dem von 4 Heb.: MFr. 151, 33 (im zweiten Theile des Abges.). Der kürzere steht hier vor dem von 4 Heb. 30). 2. Vers von 3 Hebungen. a) Jambisch. a) Stumpf. Als Waise steht er: MFr. 167, 31 (5. Zeile des Abges.). Mit gleichem gebunden: 160,6. 167,31. 1S6, 10 (2 u. 5. Z. d. Abges.). Mit dem von 5 Heb. gebunden 165, 10 (3. u. 5. Z. d. Abges.). In der 3. Str. ist der von 5 Heb. trochäisch; in der 5. Str. fehlt der von 3 Heb. Vielleicht: daz ich des wese fri. ß) Klingend. Mit gleichem gebunden: MFr. 168, 30. 103, 22 (2. u. 4. Z. d. Aufges.). Dazu die Strophe auf S. 208. In der 4. Str. ist der zweite Vers trochäisch. Mit dem von 5 Heb. gebunden: MFr. 150, 1 (3. u. 5. Z. d. Abges.). MFr. 151, 1. 17 (2. u. 4. Z. d. Abges.). (151, 24 ist vielleicht so zu ergänzen: dazs an mir statten also misset (de). MFr. 152, 25. 34 (1. u. 2. Z. d. Abges.). MFr. 156, 10 (11. u. 12. 15. u. 17. Zeile). y) Stumpf-klingend. MFr. 156, 10. (5. u. 6. Zeile). d) Klingend-stumpf. Hier haben wir die alte epische Langzeile; deßhalb ziehe ich auch mit Bartsch31) zusammen: MFr. 154, 37 u. 38. 155, 10 u. 11, 21 u. 22, 32 u. 33. 156, 4 u. 5. (i) Trochäisch. a) Stumpf. Mit gleichem gebunden: MFr. 160,6(2. u. 5. Abges.). MFr. 190, 27 (2. u. 5. und 3. u. 6. Aufges.) MFr. 203, 24 (2. u. 4. Auf-.) 203, 25 ändert Bartsch3'2): diu ich hän vernomen (wohl besser). Mit 30) Germania II, 271. in) Ich möchte hier ändern: 152, 3 sost mir also vool ze muole. 152, 22 wdn mirst leide. u) Liederd. XV, 55. 3J) Liederd. XV, 561. ZI i;i [NMAB VON II M.l \ 1} 155 dem von 1 Heb gebunden: MFr. 176, 5 (4. u. 5. Abges.) MFr. 190, 27 (3. u. 1. Abges.j der kürzere Vers stehl hier nach). ß) klingend. Mit dem von 2 Heb. gebunden (s. 0.) MFr. 199,20 (2. 11. 1. Abges.). Mi1 gleichem gebunden: MFr. 170, 1 (l.u. 3. Aufges.). 170, 3 möchte ich lesen : sost ez niender nähen. 170, 10 möchte ich lesen : wies ein vrouioe wcere. MFr. 199,25 (.">. u. 4. Abges.). Hier mit beiden noch ein gleicher Vers von 5 Heb. (Schluß der Strophe) gebunden, was selten ist. MFr. 202, 25 (1. u. 3. Aufges.). In der 1. Str. möchte ich losen 202, 25 Mirst der werlde unsteete und 202, 27, allerdings sehr willkürlich : gerne ich rehte teete und dann 202, 29 statt so, was dem swie entsprach, doch. MFr. 203, 24.(1. u. Ufges.). Mit dem von 4 Heb. gebunden: MFr. 186, 19 (2. u. 4. Ab- In der -/weiten Strophe beginnt der von 4 Heb. mit Auftaet. 3. Vers von 4 Hebungen. Dieser Vers ist in der deutschen sowie in der romanischen Poesie der älteste und häufigste. (1. 2. :'.. Aufg.). MFr. 156,27 (1. u. 3 tal 19 ohne Auftacl MFr. 158, 1. 159, 1 (1. 11. :*.. Aufges.) MFr. 160, 6 1 l. u. I. aufges.). 25 möchte ich nach .Im Hss. schreiben: wil si des noch niht //"'/< vemomen. MFr. 1»'»2, 7, 3 1 I. u. 3. Aufges.). 163, 2:; (2 u. I. \m Eb< nso: HU. :;<> (die drei Vgl Bari .1: (Germania II, 274) 15ß E. REGEL vorhergehenden Strophen stelle ich nach dieser34). 165, 1. 165, 10 (1. u. 3. Aufges.). Ebenso: 166, 16 (167, 4 ohne Auftact). 167, 13, 22. 167, 31 (1. u. 4. Aufges.). 171, 32 (1. u. 3. Aufges. nur in der 3. Str.). 172, 11 (3. Aufges. nur in d. I. Str.). 172, 23 (1. u. 3. Aufges. nur in d. 2. Str.). 172, 23 (3. Aufges. nur in d. 3. Str.). 184, 31 (2. u. 4. Aufges.). Ebenso: 185, 27. 193, 22 (1. u. 3. Aufges.; 29 ohne Auftact). Ebenso: 195, 10 (28 ohne Auftact): 197, 15 (nur in der 2. Str.). 201, 12 (2. u. 4. Aufges. nur in der 1. Str.). 4. Im Abgcsang: MFr. 150, 1 (4. Zeile; Waise). 151, 33 (3. u. 6. Z. nur in der 2. Str.). MFr. 152, 25 (3. Z. gebunden mit einem Vers von 7 Heb.). (Ich ziehe hier und in den folgenden Liedern die beiden letzten Zeilen der Strophe zusammen35). Ebenso: MFr. 152, 34. 153, 5, 14, 23, 32. 154, 5. 154, 32. (4. Z. Körner; ich stelle die beiden Strophen 155, 27 und 155, 38 um und rechne die 2. mit zum Vorigen Liede, indem ich das Korn 156, 8 nach C (v. d. H.), aber mit kleiner Abweichung, um daktylischen Rhythmus zu bekommen, wieder herstelle: sin fremeden müet mich nu sit). MFr. 155, 27 (4 Z. Waise; ich lese hier nach Hss. AC: r/ot helfe mir deich mich hewav). 156, 10 (13 Z. mit einem Vers von 7 Heb. gebunden). 156, 10 (16 Z. Waise). 156, 27 (1. Z. Abges. mit einem Vers von 6 Heb. gebunden). 156, 27 (4. u. 3. Z.). 157, 9 ist wohl besser zu schreiben: daz sis niht mere heeren toü; 18 ist ohne Auftact; 28 hat zAveisilbigen Auftact. MFr. 156, 27 (6. Z. mit Vers von 6 Heb. gebunden). 156, 36 und 157, 30 sind ohne Auftact. 158, 1 (3. u. 5; 4. u. 6 Z.), 28 ist ohne Auftact. 159, 1 (3. Z. mit einem Vers von 6 Heb. und einem von 2 durch den Reim gebunden s. o.). 162, 7 (4. Z. Waise; 3. Z. mit einem Verse von 5 Heb. gebunden), 13 ohne Auftact. Ebenso MFr. 162, 34. 163, 23 (3. u. 5. Z.). 164, 2 ohne Auftact. 163, 23 (4. Z. Waise). Ebenso: 164, 30 (Anordnung s. o.). 165, 1 (9 ohne Auftact). 166, 16 (1. Z. mit einem Vers von 7 Heb. gebunden, 4. Z. Waise). Ebenso: 167, 13, 22. 167, 31 (3. u. 6. Z.; 4. Z. Waise). 170, 1 (2. Z. Waise') , 36 (2. Z. Waise; 1. Z. der 1. u. 5. Str. mit Vers von 6 Heb. gebunden). 172, 23 (2. Z. d. 2. Str.; 2. u. 3. Z. d. 3. Str.). 174, 3 (2. Z. d. 1. u. 5. Str.). 179, 3 (5. Z. der 6. Str. mit Inreim gebunden30). Ich schreibe 180, 15 u. 16 zusammen. 181, 13 (3. u. §. Waisen; 4. u. 6). Ebenso 182, 4. 183, 9 (1. Z. d. 2. Str. mit Vers von 7 Heb. gebunden). 183, 33 (1. u. 2. Z.) 185, 27 (1. Z. d. 2. 3. 4. Str. mit Vers von 7 Heb. gebunden). 189, 5 (4. Z. Waise). 192, 25 (1. Z. d. 3. u. 4. Str. mit Vers M) Vcrgl. Bartsch, Liedcrd. XV, 154. 3S) Vgl. Bartsch, Liederd. XV, 47. 6) Vgl. Bartsch (Germ. IU, 482. XII, 135). ZU REINMAR VON HAGENAU. 157 vu., 6 Hebungen; 1?. Z. Waise). 193, 22 (1. u. 2. Z. d. 3. 4. 5. Str.). 195, 10 (3. u. 4. Z.) 197, 15 (1. Z. d. 2. u. I. Str. mit Vers von 7 Heb. gebunden; 2. Z. Waise). 201, 12 (2 Z d. .'?. Str. mit Vers von (i Heb. gebunden). MFr. S. 314 (6. u. 8. Z.). Der Vers, welcher nach dein alten Gesetze der Hebungen dem achtsilbigen jambischen entspräche, ist der siebensilbige mit klingendem Reime (s.o.). Beide wechseln, zumal bei Dichtern, welche leichtere Melodien lieben37), nicht selten mit einander; so auch hei Reinmar: MFr. 193, 22. ß) Klingend (neunsilbig). MFr. 163, 23 (1. Z. des Abges. gebunden mit Vers von 8 lieb.). Ebenso: 1G4, 30 (Anordnung s. o.). 165, 1. 177, 10 (1. u. 3. Aufges. der 3. Str.). 108, 4 (1. u. 2. Abges.). Ich ziehe hier zu- Bammen 8. u. 9. 38); 10. u. 11: ebenso in den anderen Strophen. MFr. S "'14 (f). u. 7. Z.). Die 7. Zeih der ersten Strophe kann man vielleicht schreiben: daz si da krenket in ir jären. Dieser Vers ist in der romanischen Lyrik selten, in der Epik ebenso häutig als der achtsilbige; die Lyriker brauchten dafür den achtsilbigen trochäischen Vers. Die; Romanen stellen den neunsilbigen jambischen Vers gern zu Anfang des Abgesanges, um kürzere Verse der Stolleu mit längeren des Abgesanges zu verbinden ; ein solches Beispiel hat man auch, wenn man zusammenzieht, bei Reinmar in der obigen Stelle MFr. 198, 4. Die Scheidung des jambischen und trochäischen Rhythmus ist am Btr engsten im Verse von 4 Hebungen; ich gehe zu den trochäischen über : h) Trochäisch. a) Stumpf (siebensilbig). Durch die ganze Strophe findet er sich nicht. Im ganzen Aufgesang: MFr. 178. 1 und 198, 28. Im ganzen Abgesang: MFr. 203, 24 (3 Zeilen durch gleichen Reim gebunden), 29 Bchreibl Bartsch39) ward ich für sit /VA (wohl besser). Sonst ist der Vers häufig bei Reinmar: MFr. 151, 1 (2. u. 4. Aufges. der 2. Str.) 154, 32 (1. Zeile d. 4. Str. Anordnung s.o.). 156, 10(4.7.8 9. 10 Zeile). 156, 21 (3. u. 10. Z. de- 1. Str.. s. Z. der 3. Str., 5. Z. der 1. Str.). 158, 1 - /. d. 3. Str.) 162, 7 (7. Z. «1. 1. Str.) 166, 0'. (1. Z. d. 1. Str.). 168, 30 il.Z. des Abges. gebunden mit Vera von 7 Heb.); dazu die Strophe MFr. S. 298, wo man in der 5. Zeih- vielleicht "hne Aufiact schreiben kann: muoi van vröuden. 169, 9 (2. n. 4. Aufges.; 1. Z. d. Abges. ge \ ,i Bartrn li Germ.il II 27(1 ' ■ U lerd M. 158 E. REGEL bunden mit Vers von 6 Heb.). Ebenso: 169, 33. 170, 1. 170, 36 (1. Z. d. Abges. d. 2. 3. 4. Str. gebunden mit Vers von 6 Heb.). 171, 32 (1. u. 3. Aufges. d. 1. u. 2. Str. 1. Z. des Abges. gebunden mit Vers von 7 Heb.). Ebenso: 172, 11 (in d. 1. Str. die 3. Zeile mit Auftact). 172, 23 (1. Z. d. Aufges.; 3. Z. d. Aufges. d. 1. Str.; 1. u. 2. d. Abges. d. 1. Str.; 1. Z. d. Abges. d. 2. Str.). 173, 6 (2. u. 4. Aufges.; 2. d. Abges. gebunden mit Versen von 5 u. 6 Heb.). 174, 3 (1. u. 3. Aufges.; 2. Z. d. Abges. d. 2. 3. 4. Str.; gebunden mit 2 Versen von 5 Heb.). 175, 1 (1. Z. d. Abges., gebunden mit Vers von 5 Heb.). Ebenso 175, 29 und 36. 176, 5 (1. u. 4., 3. u. 6. Aufges.; 1. u. 2. Abges.;. 3. Abges. Waise; 5. Abges. gebunden mit Vers von 3 Heb.). 177, 10 (1. Z. d. Abges. gebunden mit Vers von 6 Heb.)- 178. 1 (1. u. 3. Abges.). 179, 3 (1. Z. Abges. durch Inreim ge- bunden; s. o.); nur in der 6. Str. steht Auftact. 182, 14 (1. Z. Abges. ge- bunden mit Vers von 5 Heb.). 182, 34 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 7 Heb.). Ebenso 183, 9 (in d. 2. Str. mit Auftact). 185, 27 (in d. 1. u. 5. Str.). 186, 19 (1. u. 3. Abges. Waisen). 190, 27 (1. u. 4. Aufges.; 1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.). 192, 25 (1. u. 3. Aufges.; 1. Z. Abges. d. 1. 2. 5. Str. gebunden mit Vers von 6 Heb.). 193, 22 (1. Auf- ges. d. 2. u. 5. Str.). 194, 34 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 5 Heb.). 195, 10 (2. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 195, 37 (1. u. 3. Aufges.). Ich möchte hier mit Bartsch40) schreiben: 196, 1 : ivärt ir ie ein wcetlich itrvp 196, 13: doch frönt mich sin Sicherheit 197, 15 (1. u. 3. Aufges. d. 1. 3. 4. Str.; 1. Z. Abges. d. 1. u. 3. Str. geb. mit Vers von 7 Heb.). 198, 28 (1. u. 3. Abges.). 199, 25 (2. u. 4. Aufges.). Ich ziehe hier MFr. 1 u. 2., 4. u. 5. zusammen; über die Grunde später. 201, 12 (1. u. 3. Aufges.). Die 1. Z. d. 1. Str. hat Auftact; in der 3. Z. d. 3. Str. möchte ich schreiben zallen. 201, 12 (2. Z. Abges. d. 1. u. 2. Str. gebunden mit Versen von 5 und 6 Heb.). 201, 33 (2. u. 4. Aufges.) Ebenso 202, 25. 201, 33 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 7 lieb.). 202, 25 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 202, 35 kann man vielleicht und weglassen. ß) Klingend (achtsilbig). Dieser Vers ist bei Reinmar viel seltener als der stumpfe. MFr. 151, 33 (5. Z. Abges. gebunden mit Vers von 2 Heb. s. o.). 152, 3 möchte ich schreiben: sost mir also . . . 160, 6 (1. u. 4. Abges.). 161, 11 möchte ich nach bC schreiben: wdns enlät mich von ir scheiden 177, 10 (1. u. :'). Aufges.). Ebenso 182, 39. 183, 9. 186, 19 (3. u. 6. Aufges.; 4. Z. Abges. gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.). ") Zu Liederd. XV, 510. Liederd. XV, 522. ZU REINMAR VON HAGENAU. 159 195, 37 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 199, 25 (1. u. 3. Aufges. mit innerem Reim; Zusammenziehung s. o.). 201, 33(1. u. 3. Aufges.). Sehr häufig ist in der deutschen, wie in der romanischen und lateinischen Liederpoesie die Verbindung von trochiiisch-stumpfen und klingenden Versen, und so wechseln denn auch hei Keinmal' (MFr. 199, 25. 201, 3:5 und 180, 19 | im Abgesang]) diese mit jenen ab. Echt deutsch, da beide ursprünglich gleiche metrische Geltung haben, ist die Verbindung des trochäisch klingenden von 4 Hebungen mit dem trochäisch stumpfen von 5 Hebungen; und so wechseln bei Keinmal' beide mit einander ab in den Liedern MFr. 177, 10 und 182, 34. Der Wechsel zwischen jambischen und trochäischen Versen von 1 Hebungen ist sehr häutig; er geht sogar durch die ganze Strophe: MFr. I'.'l. 34: jambisch 2. u. 4. Aufges. 2. u. 3. Abges.; trochäisch: 1. u. .'!. Aufges. 1. Abges. Abweichungen finden sich nur 192, 10. u. 23, wo trochäischer statt jambischer Rhythmus sich zeigt. Aber sie werden auch durch den Keim gebunden: jambisch trochäisch (stumpf): MFr. 151, 1 (1. u. 3. Abges.;. Ebenso 151. i? in der 2. Str. 104, 30 (3. u. 0. Abges. der 2. u. 4. Str. Anordnung Ebenso 165, 1. 185, 20 (2. u. 4. Aufges.) 201, 12 (1. u. 3. Aufges. d 1. Str.; 2. u. 4. Aufges. d. 2. u. 3. Str.). Trochäisch-jambisch (stumpf): MFr. 151,17 (1. u. 3. Abges. der 1. Str. : 151, :;:; (3. u. 0. Abges. d. 1. u. 3. Str.). MFr. 100, 0 (7. u. 8. Ab ) In der 1. Str. schreibe ich hier nach den Hss. 050, 19: sol <■:: mit wol erboten tun, denn die entsprechenden Zeilen An- anderen Strophen haben alle Auftact. MFr. 193, 22 (1. u. 2. Abges. d. 1. u. 2 Str.) KM. Ill il. .1 3. Aufges.) Ebenso 195, 10 (d. 3. Str.). 4. V (TS v on 5 1 1 eh n ngen. Dil •! Vers ist aus der romanischen Poesie entlehnt41), nicht ur- prünglich deutsch; er komml im Deutschen viel seltener vor als dei von -1 Hebungen; auch wird er hier nicht mit derselben Strenge I" handelt wie im Romanischen: namentlich fehlt ihm die männliche Cäsur nach dei vierten Silbe. Km Reinmar stehl er indes i ü verhältnissmäUig bäufi a i Jarabi cli a) Stumpl .- • I m i : 1 1 1 • i [m mzen Aul ing tehtei MFi 194,18. Hei kommt er außerdem noch zweimal im Abj ' u 3 Z \ i i 1 1 UjU E. REGEL vor, und zwar wechselnd mit dem klingenden von 5 Hebungen, so daß er fast die ganze Strophe ausmacht. Ebenso wechselnd mit dem von 5 Hebungen steht er: MFr. S. 314 (2. u. 4. Aufges.). Die erste Zeile kann man hier vielleicht lesen: Sicel wip wil daz man si da niht etizlhe und in der 4. Z. nach Hs. n schreiben : beide in dem plane und üf den hohen allen. Nicht romanisch ist der Wechsel des jambisch stumpfen Verses von 5 Heb. mit gleichem von 4 Heb.; bei Reimnar kommt er häutig vor: MFr. 154, 32 (2. u. 4. Aufges.). Ebenso 155, 27. 162, 7 (26 ist wohl so besser wegzulassen; Hss. bCE). 162, 34. Hier steht der Vers noch einmal am Schlüsse der Strophe, und zwar sogar durch den Reim ge- bunden mit dem von 4 Heb. MFr. 163, 23 (1. u. 3. Aufges. d. 2. Str.). Ebenso 164, 30 (1. Z. d. 4. Str. [Anordnung s. o.] lese ich mit Bartsch42): Uue des daz ich einer rede vergaz). 165, 1. 195, 10 (2. u. 4. Aufges.). Auch mit dem trochäischen von 4 Hebungen wechselt er: MFr. 171, 32 (2. u. 4. Aufges. d. 1. Str.). Ebenso 172, 11 (die 3. Z. d. 1. Str. hatAuftact). 192, 25. 195,37 (196, 14 lese ich mit Bartsch43): daz er mir . . .). Auch mit dem von 4 Heb. gebunden kommt er vor: MFr. 182, 14 (4. Z. der vierzeiligen Strophe). Auch sonst noch findet sich der Vers: MFr. 154, 32 (1. Z. d. Au- ges, gebunden mit Vers von 6 Heb.). Ebenso 155, 27. 159, 1 (1. u. 2. Abo-es.). 165, 10 (am Schluß der Str. gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.), 36 ist ohne Auftact. 170, 36 (2. u. 4. Aufges. wechselnd mit trochäischem Vers von 6 Heb.). 178, 1 (2. Z. d. Abges. der 2. Str. Waise) 190, 3 (3. Z. d. Abges. gebunden mit trochäischem Verse von 7 Heb.). 196 35 (2. u. 4. Aufges. wechselnd mit trochäischem Verse von 6 Heb.), 38 hat zweisilbigen Auftact. 196, 35 (1. Z. des Abges. geb. mit jamb. Vers von 8 Heb.). 197, 1 ist ohne Auftact. ß) Klingend (elfsilbig). Dieser Vers steht gern entweder zu Anfang des Abgesanges, um einen Gegensatz gegen die kürzeren Verse des Abgesanges zu bewirken, oder am Ende der Strophe, wo längere Verse überhaupt beliebt sind: MFr. 150, 1 (LZ. d. Abges. gebunden mit troch. kling. Vers von 6 Heb.). MFr. 150, 1 (am Schluß, gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.). Ebenso MFr. 151, 1 u. 17. 152, 25 und 32 (2. Z. Abges. ebenso gebunden). MFr. 153, 5 (2. Z. Abges. gebunden mit Vers von 4 Heb. s. o.). Ebenso 153, 14, 23, 32. 154, 5. 166, 16 (3. u. 5. Abges.). Ebenso 167, 13, 22. 181, 13. (1. Z. Abges. gebunden mit Vers «) Liederd. XV, 181. • Liederd. XV, ü-i:). ZU REINMAB VON HAGENAÜ. 161 von 6 Heb.) Ebenso 182, 4. 189, 5 (1. u. 3. Aufges. wechselnd mit (roch. Vors von 6 Hebungen). 11'4, 18 (1. n. 4. Abges. wechselnd mit stumpfem s. o.) Ebenso MFr. S. 314 (1. u. 3. Aufges.) 1(.>4, 34 (2. Z. Abges. Waise). h) Trochäiscli. a) Stumpf (neunsilbig). Bei Reinmar zeigt sich dieser Vers ebenso häutig wie der jambisch-stumpfe. Im ganzen Aufgesang: MFr. 175, 1, 29, 36. Hier überall außerdem in der 3. Z. Abges. geb. mit Vers von 4 Heb. 190, 3 außerdem in der 2. Z. Abges. geb. mit Vers von 0 Heb. (190, 6 ist wohl besser zu schreiben: so nimt sis ....). Echt deutsch ist es wieder, wenn der trochäisch-stumpfe Vers von 5 Heb. mit dem trochäisch4ilingenden von 4 Heb., welche ursprüng- lich gleiche metrische Geltung haben, wechselt: MFr. 177, 10 (2. u. 4. Aufges.). Ebenso 182, 34. 183, <>. Auch sonst kommt der Vers oft vor, häutig am Schluß der Strophe: MFr. 151, 33 (1. u. 2. Z. Abges. d. 2. Str.; vielleicht ist auch in der 1. Str. zu schreiben (38): mirst vil.... MFr. 160, 6 (3. u. 6. Aufges. und die beiden letzten Zeilen der Strophe). MFr. 162, 7 (am Schluß, mit Vers von 4 Heb. geb. s. o.). 165, 10 (4. Z. Abges. Waise). 167, 31 (3. u. 6. Aufges.). Ich schreibe nach Bartsch44) 168,8: wie min heil (in filme libe lac. 168, 11 (eine Hebung zu wenig): swaz ick ievier me geleben mac. 168, 20: also deich ir mer enberen sol. 168, 23: daz min Jdagedez herze ist jdmers vol. MFr. 167, 31 (I. Z. Abges. geb. mit jamb. Vers von 7 Heb.). 171, 32 (2. u. 4. Aufges. d. 3. Str., wechselnd mit Vers von 4 Heb.). 172, 23 (ebenso, nur wechselnd mit troch. Vers von 4 Heb. Die Lesart von Bartsch 4:') kann ich nicht billigen.). MFr. 172, 23 (am Schluß d. Str., geb. mit Vers von 4 Heb.) die letzte Zeile d. 3. Str. hat Auftact. 173, 6(1. Z. Abges., geb. mit Versen von 4 u. 6 Heb.). 174, 3 (1. u. 3. Abges., wieder am Schluß d. Str.); 14 hat Auftact. 178, 1 (2. Z. Abges. Waise); 13 hat Auftact. 179, 3 (1. u. 3. Aufges., wechselnd mit Vers von 6 Heb.). 184, 31 (1. u. 3. Aufges. wechselnd mit jamb. Vers von 4 Heb.). Ebenso 185, 20 (185, 1 ist nach Bartsch4'') zu schreiben: da entrastent kleiniu vogellm). Außer- dem in beiden Liedern 1. Z. Ahges., geb. mit jamb. Vers von 8 Heb. zusammengezogen). 185, 27 (1. u. 3. Aufges., wechselnd mit jamb. Vers von 4 Heb.). 189, 5 (1. Z. Abges., geb. mii Vera von 6 Heb.). 190,27 (2. Z. Abges. Waise). 194, 34 (3. Z. Abges., geb. mit Vera von 1 Heb., ", \. (3. Z. Abges., geb. mit dem von 7 Heb.). b Trochäisch. a Stumpi (eilfsilbig). Im ersten Theile (der vierzeiligen Strophe steht er: MFr. 182, 14 (in der 2. Str. [18]) schreibt Bartsch50): Ich hän ir ze gehen nihi wan min selhes Ivp. MFr. 156, 27 (2. Z. Abges. d. 1. Str., geb. mit jamb. Vers von 4 Heb.). MFr. 165, 10 (1. Z. Abges. d. 1. 2. 4. 5 Str. mit jamb. Vers von 7 Heb.). 168, 30 (1. u. 3. Aufges.); dazu die Strophe MFr. S. 298. MFr. 169,9 (am Schluß, geb. mit Vers von 4 Heb.;. 170, 36 (1. u. 3. Aufges., wechselnd mit jamb. Vers von 5 Heb.). 173, 6 (1. u. .'!. Aufges., wechselnd mit troch. Vers von 4 Heb.: außerdem am Schluß, geb. mit Versen von 4 u. 5 Heb.). 174, 3 (2. u. 4. Aufges., wechselnd mit Vers von 4 Heb. .1. 1. 2. 3. 4. Str., 175, 1 (2 Z. Abges. Waise). Ebenso 175, 29 u. 36. 179, 3 (2. u. 4. Aufges., wechselnd mit Vers von 5 Heb.; außerdem am Schluß, geb. durch Inreira s. o.). In der 6. Str. findet sich weibliche .r nach der 3. Heb. 186, 19 (1. u. 4. Aufges.). 189, 5 (2 Z. Abges., geb. mit Vers von 5 Heb.). Ebenso die t. Z. Abges. 190,3. 194,34 IL', ii. 4. Aufges , wechselnd mit Vers von 4 Heb.). 196, 35 (1. u. 3. Aul' d. 2. u. .'!. Str., wechselnd mit jamb. Vers von 5 Heb.). 198, 28 2 Z. Abges Waise . 33 vielleicht : des sich lilüi jener getreestet scelic man. 201, 12 am Schluß d. 1. u. 2. Str.. geb. mit Versen von 1 u. 5 Heb.), 25 ungefähr: nust es niht. ich warn ez ieman reden sol. ; Klingend (zwölfsilbig) MFr. 150, 1 2 / Abges., geb. mit jamb. von 5 Heb.). 189, 5 il'. u. I Aufg - wechselnd mit jamb. von 5 Heb,). Auch hier werden jambische Verse mit trochäischen gebunden jambisch trochäi cli tumpf MFr, 171,. 'l iL' u. 1. Aufges. d. 5 Sti 180 " I u 3 Aul-, d I Mi l Die dritte, durch gleichen l I,. i dii \ ■ i tln iluii BarLscli I h Liederd \\ 11 1(54 E. REGEL Keim gebundene Zeile der 1. Str. ist auch trochäisch, wenn man nach v. d. H. MS. I, 187" schreibt: kceme aber iemer mir ein lebender tac. Die entsprechenden Zeilen der anderen Strophen schreibe ich : ISO, 39: so enmac ein man erwerben des er gert 181, 8: teil er die diu sinne unde ere hat. Alle 3 durch den Reim gebundenen Verse müssen nämlich auch glei- ches Maß haben, sonst kaun ich wenigstens keine Gleichmäßigkeit im Bau der Strophe entdecken, welche ich nach der Formel: aba : abb/cc auffasse. Trochäisch -jambisch (stumpf). MFr. 158, 1 (1. u. 2. Z. Abges. d. 3. Str.). 180, 28 (1. u. 3. Aufges. d. 2. u. 3. Str.). 182, 14 (Aufges. d. 1. Str.). 196, 35 (1. u. 3. Aufges. d. 1. Str.). 6. Vers von 7 Hebungen. Dieser Vers ist häufiger in der Spruchpoesie als im Liede; er steht ebenfalls gern am Schlüsse der Strophe. a) Jambisch. a) Stumpf (vierzehnsilbig). MFr. 156, 10 (4. Z., geb. mit Vers von 4 Heb.). 165, 10 (2. Z. Abges., geb. mit troch. Verse von 6 Heb.). 166, 16 2. Z. Abges., geb. mit jamb. Verse von 4 Heb.). Ebenso 167, 13, 21, 31 (hier mit troch. Verse von 5 Heb. geb.). An dieser Stelle steht er auch sehr gern; er schließt gewissermaßen einen ersten Theil des Abgesanges vom übrigen ab. Am Schlüsse: MFr. 171, 32 (1. u. 3. Str.). 172, 11 (1. Str.). 182, 34. 183, 9. 185, 27. 195, 10 (1. u. 2. Str.). 197, 15. 201, 33 (3. u. 4. Str.). Hier überall ist er gebunden mit Versen von 4 Heb. ß) Klingend (fünfzehnsilbig). Am Schluß: MFr. 189, 5 (geb. mit troch. Vers von 5 Heb.). MFr. 198, 4 (geb. durch Inreim; Zusammen- ziehung s. o.). b) Trochäisch nur stumpf (dreizehnsilbig). MFr. 154, 32 (3. Z. Abges., geb. mit Vers von 6 Heb.). Ebenso 155, 27. Zusammenzuziehen: 155, 1 u. 2; ebenso in der folg. Str. Hier Hndet sich weibliche ( 'äsur nach der 3. Heb. (vier- zehnsilbig). Am Schluß: MFr. 168,30 dazu die Strophe MFr. S. 298). 171, 32 (2. Str.). 172, 11 (2. Str.). Alle diese sind mit Vers von 4 Heb. gebunden. 190, 3 (geb. mit jamb. Vers von 5 Heb.). 195, 10 (3. Str.) geb. mit jamb. Vers von 4 Heb. Ebenso 201, 33 (1. u. 5. Str.). Trochäisch-jambisch (stumpf). MFr, 162, 7 (1. u. 2. Abges.; erster Theil), V.V Kl l\M AK \n\ ||\,,| \\| ] | ,. , 7. Vers von 8 Hebung« a Auch dieser Vers findet sich im Liede nur vereinzelt; er ist spe- cifisch deutsch, die Verdoppelung des von 4 Heb. Die älteren Dichter wie unser Reinmar, brauchen ihn hauptsächlich und gern am Ende der Strophe. Deßhalb ziehe ich in den Liedern MFr. 184,31 und 185,20 die heideii letzten Zeilen der Strophen zusammen. a .Jambisch. a) Stumpf (sechszehnsilbig). Außer an den oben angeführten Stellen noch: MFr. 195, 10 (1. Z. Abges. d. 3. Str., geb. mit troch. Verse von 1 Heb i. Hier steht der kürzere nach. 190,35 (am Schiuli der 1. u. 2. Str., geb. mit Vers von 5 lieb.). Klingend siebenzehnsilbig). MFr. 163,23 (2. Z. Abges. , geb. mit Vers von 4 Heb.). Ebenso 164, 30 und 165, 1 51). Anordnung s. o. 165,6 ist zu kurz; vielleicht kann man noch ein wenig anders als Haupt mit jambischem Rhythmus schreiben: daz ich si d l von vor dreitheiligen Systems. In der ein- fachsten Form: aa:bb/cdc kommt sie nieht vor. a) Formel ab : ab cdc. Schon durch die Waise ist hier der Unter chied bezeichnet; aber außerdem bleiben die obigen Mittel: 1. andere Versart, 2. Verlängerung der Schlußzeile. 3 anderes Ftaimgeschlecht: d) in der Weise; b) in den beiden .'indem Zeilen MFr. 170, 1 (Mittel 1 u. 2). Ebenso 170,86. 175,1 (Mittel 1). Bier die Versarl des Stollens am Schluß wiederholt. Ebenso 175,21* n. 36 178, 1 (Mittel 1 nur in der Weise; sonst der Stollen im Abge sang wiederholt). 17'.». 3 54) (Mittel 1 n. 3, o) die letzte Zeile des Auf uiv.es am Schluß wiederholt. 191, ->l hier ausser dem ganzen Stollen die zweite Versarl >]<■> Aufgesanges Doch einmal in der Waise wie derholt; also nahe Verwandtschaft. MFr. 192, 25 (Mittel 1 u. 2). 194,34 Mittel 1 ii. 3, a). 1(.»7. 15 Mittel I u 2). Hier überall die erste Zeih am Anfang des Abges. wiederholt. 198,28 (Mittel 1 nur in der Waise, sonsl der Stollen im Abges. wiederholt). h) Formel ab : ab 'ccc. Hier isl der Abgesang hauptsächlich durch den dreifachen gepaarten Reim unterschieden, welcher dem Schluß der Absätze in der Epopöe entspricht55); sonst zeig! sich große Ver- wandtschafl zwischen Auf- und Abgesang: MFr. 17_\ 23. Der Stullen isl hier im Abges. wiederholl und die erste Versarl kehrt in der mitt- leren Zeih' desselben uoch einmal wieder. 173, 656 Hier isl der Stollen am Schluß des Abges., aber in umgekehrter Ordnung, wiederholt. Ein Zusatz findet sich am Anfang des Abges. 174,3. Hier ist die mittlere Zeile des Abges. gleich der ersten desAufges.; in der 1. u. 3. Z. dei Anordnung s. ... s. 162 Inreim. I Vgl. Bartsch (Genn. II, 286). '" In der 5. Sti . 1 oi mel i ab : al [68 F.. REGEL Abges. findet sieh neue Versart. 183, 33. Hier ist der Stolleu am An- fang des Abges. wiederholt; der Zusatz findet sieh am Ende, was seltener ist. 201, 12. Hier wiederholt die mittlere Zeile des Abges. die 1 des Aufges.; in der 1 u. 3 des Abges. findet sich neue Versart (Ver- längerung der Sehlußzeile). 203, 10. Die Versart des Auf- und Abges. ist die gleiche. 203, 24. Hier ist die Versart des Abgesanges wohl unter sich gleich, aber von der des Aufgesanges durchaus verschieden. c) Formel ab : ab/ceb. MFr. 193, 22. Der Stollen wird am Schluß des Abgesanges wiederholt; der Zusatz steht am Anfang desselben. 3. Achtzeilige Strophe. Sie entsteht aus der siebenzeiligen dadurch, daß die Waise mit einer neuen Zeile gebunden wird. Hier kann man nicht immer Droi- theiligkeit annehmen. a) Formel aha : abJi/cc. Nach dieser fasse ich das Lied MFr. 180, 28 auf, wie schon oben S. 163 f., wo auch die Änderungen angegeben sind, bemerkt wurde. Der Abgesang ist hier kleiner als der Stollen, was sehr selten vorkommt; die Versarten desselben sind andere als die des Aufgesanges. b) Formel ab : ab/cedd. So und nicht nounzeilig faße ich die Strophen in den Liedern: MFr. 152, 25 u. 34. 153, 5, 14 57), 23, 32 u. 154, 5, denn der Vers von 7 Hebungen steht gern am Ende und kurze sind hier selten. Der Abgesang zerfällt hier gewissermaßen wieder in zwei Theile; der erste (cc) steht im größten Gegensatze zum Aufge- sang; der zweite wiederholt am Anfang die Versart des Aufgesanges; am Schluß findet sich dann der längere Vers. Auf- und Abgesang sind gleich groß. MFr. 190, 3. Hier ist der 2. Theil des Abges. ganz ab- weichend; in der 2. Zeile des 1. Theiles ist die Versart des Aufges. wiederholt, aber die 1. Zeile länger. MFr. 198,4 mit Jnreim58). Hier herrscht der größte Gegensatz zwischen Auf- und Abgesang. c) Formel abab/eded. Hier möchte ich nur Zweitheiligkeit anneh- men: MFr. 151, 1. Die Versart des 1. Theiles ist nur am Anfang des 2. wiederholt; sonst ist dieser verschieden. Ebenso 151, 17. (In der 1. Strophe hat die 3. Zeile des 2. Theiles gleiche Versart mit dem 1. Theil.) MFr. S. 314. Hier entsprechen sich die beiden Theile fast ganz, nur daß im 2. durchgehends die Verse eine Hebung weniger haben. MFr. 103, 3 (unter Heinrich von Rugge). Hier cutsprechen sich die beiden Theile vollkommen; eine Versart geht durch die ganze Strophe. Vgl Bartsch, Liederd XV, 47 : Vgl Bartsch (Germ II, 275). ZI REINMAR VON HAGENA1 169 d) Formel ab : ab /cd de. Hier herrscht wieder Dreitheiligkeit : MFr. 194, 18. Der Stollen ist im Abgesange wiederhol! und zwar von einem neuen Verspaare in die Mitte genommen. 1 X c unzeilige Strophe. Sie entsteht aus der achtteiligen wieder durch Einfügung einer Waise im Abgesang; hier herrschl wieder durchweg Dreitheiligkeit. a) Formel ab : ab/ceded. Hier ist der Abgesang größer als der Aufgesang: MFr. 150, 1. Der Abgesang zerfallt wieder gewissermaßen in 2 Theile; der 1. bildet den größten Gegensatz zum Aufgesang; im 2. wiederholt die Waise die Versart des Aufgesanges. 159, 1 5<- \ abc/ddefge. Hier ist Auf- und Abgesang gleich groß. MFr. 167,31. Am Anfang des Abgesanges ist die letzte Zeile des Stol lens wiederholt, im 2. Theile die 2. Zeile >\i^ Stollens in der 2 Waise, die 1. Zeiie dreimal06); der 1. Theil i\i~> Abgesanges zeigl auch hier wieder größere Verschiedenheit, um den Gegensatz auszudrücken, - Dreiz e h o zeilig e S I rop he. Formel abcd \ abed/eefgf. Hier stehen im Aufgesang sogar I Reim paare. Das richtige Verhältnis zwischen Auf und Abgesang ist wiedei hergestellt: MFr. 187,31 Der ganze Stollen wird im Ab wie derholt und außerdem findet sieh noch eine Waise von gleicher Vers art. MFr. 188,31 ist gewiß ebenso zu lassen und mit Haupt61 189,3 sin in wesen zu ändern. Die Änderungen in der 2. und 3. Sti -'i"1 schon S. 161 augegeben MFi [06 172 E, KEGEL 9. Sechzehnzeilige Strophe. Formel abc : abc/defdefgghh. MFr. 160, 6. Hier überwiegt der Ab- gesang bedeutend; er enthält der Zeilenzahl nach den ganzen Aufge- sang, und am Schluß findet sich noch ein vierzeiliger Zusatz 6S). Von den Versen findet sich nur am Schluß der Strophe der 3. des Aufges. zweimal wiederholt. 10. Siebzehnzeilige Strophe. MFr. 156, 10. (Spruch). Ich möchte diese Strophe einen Spruch nennen, da Reinmar einen ähnlichen Bau, auch solche Länge in seinen Liederstrophen nicht hat; der Inhalt stimmt ganz mit dem seiner Minnelieder, nur ist dieß ein Freudengesang, welcher ein größeres Gefäß braucht, in das er sich ganz und voll und ungehemmt in einem Sturz ergießen kann. Die Dreitheiligkeit hält der Spruch fest: Formel aabbec : ddeeff / gghih. Der 2. Theil entspricht, einige Ab weichungen im Auftact abgerechnet, dem ersten; im 3. Theil sind zwei Versarten, der stumpfe Vers von 4 Hebungen. und der klingende von 3 Hebungen zweimal wiederholt. Dieß sind die Strophenformen, welche bei Reinmar vorkommen; die Formeln derselben werden immer nach den Endreimen gebildet, und der Reim spielt in der That eine der wichtigsten Rollen in der mlid. Metrik überhaupt; ich muß daher jetzt zur genaueren Besprechung desselben übergehen Schon aus den Strophenformen ersieht mau, daß Reinmar im Ganzen Reimspiel wenig liebt; auch hier bekundet sich seine Einfachheit und Strenge. Ungenaue Reime zeigen sich bei ihm selten und nur in solchen Liedern, welche in seine frühere Zeit zu setzen sind. Ich finde nur an 5 Stellen ungenauen Reim. Haupt69) will bei Reinmar nur im stumpfen Reime die ungenaue Bindung des a mit d zulassen und führt hierfür die Stellen MFr. 160, 30 und 189, 9 an. Derselbe Fall findet sieh MFr. 103, 31 in einem Heinrich von Rugge zugeschriebenen Liede; dieser hat aber solche Bindung nirgends. Bartsch7") hält deßhalb jenes Lied (MFr. 103, 3) für reinuoarisch trotz des Reimes wvp : lit (20 u. 22), weß- vvegen es Haupt Reinmarn abspricht. Bartsch findet für seine Annahme eine Stütze in dem Liede MFr. 182, 14, gegen welches Haupt keinen Zweifel erhebt; hier scheint er aber den Reim l/p : \ llAGENAU. 173 haben, und dieß ist doch ein dem obigen ganz analoger Fall. Hier haben wir also außer den obigen 3 Fällen (a : ä) noch 2 andere Bei- spiele von ungenauem Keime Da ich nun wegen der geringen Zahl der Freudenlieder dieselben in eine bestimmte Periode, und zwar in die des Kreuzzuges (1190), der drr freudenvolle Spruch (MFr. 156, 10) ganz sieher angehört, setzen möchte, so stammt auch das Lied 182, 14 aus der früheren Zeit der dichterischen Thätigkeit Reinmars; und wegen des sieh darin findenden ungenauen Reimes schließe ich auf eine frühe Entstehungszeit auch der übrigen Lieder, in denen sich selcher findet. In seiner späteren Zeit bindet Reinmar immer genau. Was das Verhältniss des stumpfen zum klingenden Reime betrifft, so ist jener bei Reinmar fast doppelt so häufig als dieser. Die einzelnen Stellen noch einmal im Zusammenhange aufzuzählen, würde keinen Zweck haben, da sie schon bei Besprechung der Versarten aufge- führt sind. Ebenso genügt es zu bemerken, daß der gepaarte Reim weit seltener ist, als der überschlagende, und dieser meistens im Aufgesang, jener vorzüglich im 1. Theil des Abgesanges steht. Nur die Waisen will ich noch einmal angeben : 1. Zwei Waisen: in den Liedern MFr. 107,131. 181, 13. 182,4. 186, 19. 2. Einfache Waise: MFr. 151, 1. 155, 27 7I). 156, 1<>. 162, 7 u. 34. L63, 23. 164, 30" . 165, 1 u. 10. 166, 16. 1G7, 13, 22 u. 31. 170, 1 u. 36. 175, 1, 24 u. 36. 176, 5 (zwischen zwei Reimpaaren): 178, 1. 187, 31. 188, 31. 189,5. RIO, 27. IHR 34. 192, 25. 194, 34. 197, 15. 198, 28. Als Körner reime,,: MF,-. 155. 3, 14, 25 u. 156, 872). 171, 2 u. 23. 186, 37 u. 187, 29. 198, 33 u. lim, 273). Rührender oder reicher Reim findet sich, wie schon \V. Grimm74) bemerkt hat, im Endreim bei Reinmar nur einmal: MFr. 200, 3 U. 4. geliehen : gemellicken; und zwar ist dieß nicht einmal der eigentliche Fall, wo die gleichen Wörter verschiedene Bedeutung haben, sondern nach J.Schneider75) Fall 2, o). Ein Reim, wie der MFr. 191, 18 u. 20: kan : belcan ist kein rührender, weil er hier noch mit einem 3. Reime (16) man zusammensteht (Schneider 2, c). 1 Anordnung s. o. S. 169 u. and Änderung S. !">:! o. a a 0 Nach der Conjectui 8. 163. ' Zui Geschiebte des Reims (Ahh. d, k Akad d. Wi-s. in Berlin !*">l S. 636). S tem and geschichll, Darstellung dei deutschen \ i i knn t, Tüb 1861, 6. i 18 174 E. REGEL Ganz regelrechter rührender Reim steht aber einmal im Inreim, über den ich an späterer Stelle sprechen werde7"): MFr. 187, 32 u. 36: mit sänge niuwen : vil langem niuwen. Grammatischer Reim steht häufiger bei Reinmar: MFr. 154, 32 u. 33: tage : tac. 164, 13 u. 20: gesehen : sach. 164, 15 u. 18: geschehen : geschach. 171, 35 u. 36: begän : hegie. 176, 16 u. 18: erliten : erleit. 181, 29 xx. 30: pflege : pflac. 198, 4 u> 5: gevniten : geweit. 198, 6 u. 7: erliten : erleit. 198, 16 xx. 17: geschehen : geschach. 198, 18 u. 19: gesehen : gesach. (Hier ist 16 u. 18; 17 u. 19 zugleich erweiterter Reim.) MFr. 314, 13 u. 14: gestanden : ste. Erweiterter Reim ist auch häufig: MFr. 172, 30 u. 32: verstät : er- gät. 175,29 u. 31: erkom : verlorn. 175, 30 u. 32: ungemach : gesprach. 176, 14 u. 15: gesehen : geschehen; dieser außerdem: 178, 26 xx. 28. 185, 21 u. 23. 187, 21 u. 24. 188, 2 u. 4. 199, 38 u. 200, 2. 194, 19 u. 21: ge- sach : geschach (diese und die vorhergehende Form hatten wir schon oben beim grammatischen Reime) 198, 16 u. 18; 17 u. 19; auch hier im Inreim 12 u. 14: geschach : gesach). 176, 25 u. 26: gevarst : bewarst. 180, 24 u. 27: gedigen (Inreim) : genigen. 181, 17 xx. 18: besteeten : getrosten. 182, 1 u. 3: getan : bestän. 183, 19 u. 20: betrogen : gezogen. 185, 37 u. 38: begraben : gehaben. 186, 31 u. 34: hdchgemüete : behüete. 189, 36 xx. 37 nie geschach : nie gebrach (zugleich Doppelreim). 198, 29 u. 31: verklagt : unverzagt. MFr. 103, 7 xx. 9: erwern : ernern. 103, 12 u. 14 erkds : verlos. Doppelreim findet sich auch öfters: a) Nicht in beiden Zeilen; das Reimwort der 2. Zeile ist in der I. wiederholt. MFr. 165, 1: so vro : 3. also. b) In beiden Zeilen: MFr. 171, 11 u. 13: stceteclichen bite : wunder- liche site. 176, 27 xx. 30: nie getan : nie verlän. 1S9, 36 u. 37: nie geschach : nie gebrach (zugleich erweiterter Reim s. o.). Ebenso: MFr. 103, 8 u. 10: niht engiht : ruht ensiht. 193, 15 u. 17: ich baz : ich daz. 202, 23 u. 24: ein loint ■ ein. kint. 204, 2 u. 4: unde he/n ■ unde stein. Wichtiger aber als alle diese Arten von Reim ist ein Kapitel dvr mlid. Metrik, "welches seinen- Schwierigkeit wegen bis jetzt noch wenig, ja eigentlich nur einen Hauptbearbeiter in Bartsch gefunden hat, ich meine den inneren Keim in der höfischen Lyrik. Wenn ich versuchen will, bei Reinmar die Fälle anzugeben, in denen innerer Reim anzunehmen, so berufe ich mich auf die Anwei- sungen und Kriterien, welche jener Forscher im zwölften Bande der Germania gegeben li.it In MFr. ist der innere Reim wenig beachtet, 175. Zu REINMAK \<>\ HAGENAU. 1 7f> und doch ist er oft maligebend für den Bau der Strophe. Ich halte die Reihenfolge ein, welche Bartsch in jener Arbeit befolgt77), und spreche zuerst von dem Inrcini, dann vom Mittelreim, Binnenreim, Schlagreim, übergehenden Reim und zuletzt von den Pausen. Ich werde dabei, namentlich beim Inrcini. auf zufälliges Vorkommen wenig Rück- sicht nehmen. 1. In reim. Unter Inreim versteht man einen Reim, welcher innerhalb eines Verses steht und mit einem gleichen der entsprechenden Zeile oder auch mit dem Schluß der vorhergehenden oder seltener der folgenden Zeile reimt Zwei Fälle, welche Bartsch erkannt, in Folge dessen er die An- ordnung der betreffenden Strophen geändert hat, sind schon mehrmals berührt worden; ich brauche sie nur noch einmal anzuführen: in den Liedern MFr. 179,3 und 198, 4 7s). Aber es finden sich bei Reinmar noch andere Lieder, in denen der Inreim, wenn auch nur in einzelnen Strophen, regelrecht steht: MFr. 187.3. Der Aufgesang der 1. Strophe ist hier zu schreiben: Nu muoz ich ie mm alten not mit sänge niuwen unde klagen, wan si mir also nähen lit (A) deich ir vergezzen niene mac. Ir gruoz mich vie, diu mir gebdt eil langen niuwen Jcumber tragen. ■ rkande si den valschen nit , baz fuogte si mir heiles tac. Im jambisch stumpfen Verse von 1 Hebungen stein der stumpfe Inreim ganz regelrecht nach d^v 4, der klingende nach der 5. Silbe; in der .'). Zeile stellt der stumpfe ausnahmsweise nach der 2. Silbe Der Inreim der 2. und 6. Zeile ist zugleich regelrechter rührender löiin (s. o. S. 17 I i. In *\'-v I. und 5. Z^ile stehl außerdem Inrcini nach der 2. Silbe. MFr. 194, 31 ir 32 ii i zu chreil nun In i r ist ihr /'. i veilt tl/MUi mir: oldt in l.) liat diesen Fall des trochäischen Rhythmus bei klingendem Heime in seinem Kriterium nicht vorgesehen. Will er ihn nicht gelten lassen oder weiß er kein Beispiel? 3. Binnenreim. Unter Binnenreim versteht man zwei vom Endreim unabhängige, wenigstens durch eine Hebung und eine Senkung getrennte Reime innerhalb des Verses. Naturgemäß kommt er nur bei längeren Versen vor. Regelmäßig nach der 2. und 4. Heb. steht er bei Reinmar: Im jamb. klingend. Verse von 6 Heb.: MFr. 1GG, 20: waz tuon ich, daz mir Hebet daz mir leiden solde Im trochäisch stumpfen Verse von G Hebungen: MFr. 175,6: ist min klage, in hohe der tage den vollen niht. 4. S c h 1 a g r e i m. Unter Schlagreim versteht man zwei unmittelbar aufeinander folgende Reime, jedoch brauchen nicht durchaus die beiden reimenden Silben unmittelbar aufeinander zu folgen, denn Schlagreim können bilden entweder 2 Hebungen, zwischen denen eine Senkung steht, oder Hebung und Senkung. Ich unterscheide mit Bartsch folgende Fälle: 1. Schlagreim, bei welchem der Endreim außer Spiel bleibt. n\ Einfacher Schlagreim. u) Klingender (bei Reinmar nicht der häufigere): MFr. 171, 3<> danne _on ir (auf d>-r 1. u. 2. Heb.). 182,31 /."'< des gan laut' der 4. u. 5. Heb. 186, 8 mir von ir (auf der 2. u. ."». Heb.). 187, 21 die ich ie (auf der 2. u. 3 Heb.). lv7. 39 mir an ir (auf der 1. GERMANIA. Neue Uribe. VII |XI\ Johl 12 178 E. REGEL u. 2. Heb.)- 190, 20 daz et daz (auf der 1. u. 2. Heb.). 203, 2 ich daz ich (auf der 2. u. 3. Heb.). 2. Hebung und Senkung MFr. 170, 39 so fro' (auf der 3. Senkung und Hebung). b) Mehrfacher Schlagreim. a) Mehrere Paare. Hierfür finde ich bei Reinmar kein Beispiel. ß) Derselbe Schlagrehn mehr als einmal80): MFr. 194, 26 La stän lä stän (auf den 2 ersten Senkungen und Hebungen). Vgl. Walther (Lachmann 42, 25). 2. Schlagreim mit Hinzuziehung des Endreimes 81). a) Klingender. Dafür finde ich Lei Reinmär kein Beispiel. h) Stumpfer. MFr. 166, 7 hau getan. 176, 1 bi mir st 196, 26 hän gelan. 197, 13 hän getan. MFr. S. 314, 16 me dem e. 5. Übergehender Reim. Unter übergehendem Reim versteht man einen solchen, der durch Bindung des letzten Wortes einer Zeile mit der ersten oder zweiten Silbe des folgenden Verses entsteht: Der Schlußreim eines Verses und der Anfangsreim des folgenden sind noch mit anderen Reimen gebunden. Stumpfer Reim. a) Das 2. Wort steht in der Hebung des folgenden Verses: MFr. 161, 29 u. 30 daz -- daz: baz. 174, 29 u. 30 we — we : e. 175, 15 u. 16 man ■ — wan : kan. 175, 22 u. 23 haz — toaz : daz. 185, 22 u. 23 nie: hie -- die. 190, 5. u. 6 sd : fro — sd. 190, 13 u. 14 da : anderswä — da. 194, 16 u. 17 anderstvä : da — da. b) Das 2. Reimwort steht im Auftact: MFr. 158, 19 u. 20 daz : baz — daz gelte. 167, 37 u. 168, 1 zit — sit aller : Ut. Der Anfangsreim bildet nicht die erste Silbe, sondern die zweite, so daß zwischen beide Reimsilben eine andere eingeschoben ist: MFr. 174, 35 u. 36 vergaz — und daz : baz (: daz). 103, 28 u. 29 g uot — mir tüo* : muot. Übergehender Reim vom Ende einer Strophe auf den Anfang der folgenden: MFr. 180, 9 u. 10 ich : Ich. M) Von W. Grimm nicht anerkannt (Berl. Akad. 18dl. S. 577;. 81) Von W. Grimm ebenfalls nicht anerkannt ,a. a. 0.). ZI REINMAR VON HAGENAl . 17'j 6. Pause. Unter Pausen versteht man Reime, von denen der eine am An- fang, der andere am Ende einer Zeile steht; das erste Reimwort kann am Anfang der ganzen Strophe und das zweite am Ende derselben, aber beide Reime können auch innerhalb der einzelnen Strophentheile stehen. 1. Am Anfang und am Schluß derselben Zeile. a) Der 1. Reim in der Hebung: MFr. 161, 30 daz : baz (Schlußzeile der Strophe). 171, 34 sone '. fro (3. Z. d. Aufges.). 174, 30 we : e (Schlußzeile der Strophe). 191, 4 e:geste{\. Z. d. Abges.). Hier noch mit einem 3. Reim am Schluß der Strophe gebunden : e. MFr. 182, 11 die mich : dich (3. Z. des Abges.); derselbe Fall wie vorher : mich. Hier steht der Anfangsreim- auf der 2. Silbe bei jambischem Rhythmus. b) Der 1. Reim im Auftact: MFr. 168, 1 sU aller : ld (2. Z. d. Abges.). 2. Der eine Reim steht am Anfang einer Zeile und der andere am Schluße der darauffolgenden. MFr. 164, 21 u. 22; außerdem noch am Ende des Aufgesange.-, : Oxet : wS : mS. Der Anfangsreim steht auf der 2. Silbe bei jambischem Rhythmus. Ganz derselbe Fall: MFr. 165, 1 u. 2 Ich hin : hin . hin. Ebenso: 103, 19 u. 20 Mtn Ivp : wvp (: lit ungenauer Reim). Auf der 1. Silbe steht der Anfangsreim: MFr. 184, 31 Ich : ich : mich. 3. Am Anfang und Ende der Strophe. MFr. 168, 18 u. 29 Die frümh' : /1 Das Heinrich von Rugge zugeschriebene Lied MFr. 103, 3 zeigt mannigfache Übereinstimmung m< reinmarischen. Man vergleiche 103. 5 mit 171. 36 und 107, 3 u. 4. 103, 6 mil 182, 10 u. 20. 103. 9 u. 10 mit 154, 5u. 6 und 162,20. 103,11—14 mit 160,9—11 und 169, 27-30. 103. 15 mit 203, 20 (ähnlicher Ausdruck). (103, 13—18 meint wohl dasselbe wie 162, 7 u. 8). 103.. 25 u. 26 mit 107. 26—28, die Strophe der Frau 103. 27 mit dem Liede 203. 10. Tn Bezug auf die beiden Strophen MFr. S. 314 sagt Haupt"6): Sicher wäre die Annahme (YVackernagols in den altd. Blättern 2. 122, daß jene Strophen unserem Reinmar angehören), wenn der Ton dieser Strophe unter den reinmarischen wiederkehrte, oder eine Anspielung ihr eine Stütze gewährte. Der Ton kehrt allerdings nicht wieder, wohl aber dieselbe, Reim- formel, wenn auch nicht häufig. Vgl. MFr. 151. 1 und 17. 103, 3. An- klang, ja sogar Anspielung findet sich wirklich. Zeile 8 heißt es: in mochte werz dem heiser saget In ganz demselben Sinne steht MFr. 151, 32 (in dem einen der Lieder mit derselben Reimformel): mich diuhte es vil, oh et der keiser wäre. Eine wirkliche Anspielung auf die Strophe MFr. 172. 5 sehe ich in den Zeilen 5 — 7. Man vergleiche auch 162. 5 u. 6. Der Gedanke, welcher in den Zeilen 12 — 16 ausgesprochen ist. findet sich, wenigstens ähnlich, in der Strophe 198, 28. Man vergleich, auch 202. 25. 172. 23 u. 24. Auch in den Liedern von 201, 12 an. die nach Haupt87) geringe Beglaubigung haben, zeigen sich mannigfache Anklänge an andere Stellen. Man vergleiche den Ausdruck 201, 24 mit 165, 26. Die Zeilen 201, 12 u. 13 deuten auf eine niedere Minne hin, die ich bei Reinmar entschieden annehmen muß. Man vergleiche 160, 12 — 15. 17 1. 27 vil unsteeten : erst die Bekanntschaft mit der hohen Frau hat ihn ateett ge- macht). 100, 13 u. 14. 201, 12— IS. 201, 37 u. 38 findet sich . im entgegengesetzten Sinne, ähnliche] Ausdruck wie 189,23 u. 24. Man vergleiche 202. 12 mit -163, 30 u. 31. 202, 13 u. 14 mil 158, 23 u. 2-1 und 183, 31 u. 32 Das Lied 2< »2. 25 hält auch Haupt88) fiir reinmarisch; gewiß ist 293, v für hojj ich oach Haupt (a. a. <».) ding ich oder ween ich zu setzen. Man vergleiche noch die Strophe 202,31 mit <\cv 169, 3. 203, 9 mit 186, 5. • /. itachrifl \l MFr, S. 311 l MI r. 8 ;i .' Jg2 J- ZINGERLE Das Lied 203, 10 fasse ich als einen Gegengesang der Herrin zu dem Spruch Reinmars (MFr. 156, 10). Über das Lied 203, 24 habe ich mich bei Gelegenheit der Sprach- formen schon ausgesprochen (S. 180). Es liegt mir sehr fern, auf solche Anklänge hin sofort die Echtheit der Lieder für ganz zweifellos zu halten, hingegen zu be- rücksichtigen sind solche dennoch. Erfahrnere mögen entscheiden, ob ich richtig gefühlt. CHRISTI BLUMEN. Hartmann gebraucht diesen Ausdruck in der Stelle: Min fröide wart nie sorgelos unz an die tage, daz ich mir Kristes bluomen kos, die ich hie trage, die kündent eine sumerzit, diu also gar in süezer ougenweide lit. Haupt II, 15. MSF. 210, 35. Bech II, 17. Bech macht hierzu die Bemerkung: „Christi Blumen scheint hier kein Ausdruck im eigentlichen Sinne zu sein; sonst könnte man auf die Lilien rathen, die Sinnbilder der Keuschheit, wie wir solche nach mittelalterlicher Anschauung im Hohenliede gedeutet finden ; gemeint ist wohl das Kreuz, gleichsam Christi Blumenschmuck." Nach meiner Ansicht sind Christi Blumen die fünf Wundmale des Erlösers, welche die Blüthen des Kreuzbaumes sind. Noch heutzutage findet man Cruci- fixe, an denen das Blut der Wundmale blumenartige Gestalton bildet. W. Menzel schreibt: „Auf einem alten Bilde in Gorkum sind die fünf Wunden am Heiland selber deutlich als Rosen gemalt." Symbolik 11,566, und sagt: „In der christlichen Poesie werden die fünf Wunden mit Rosen verglichen" II, 567. Für meine Auffassung sprechen auch folgende Stellen, deren Mittheilung ich Herrn Magnus Ortwein, Conventualen des Stifte? Marienberg, verdanke. In einem Hymnus des Fortunatus heißt es: Crux fidelis inter omnes arbor una nobilis fronde. ßore. germine! was Leisentril überträgt: CHRIST] BLUMEN j«3 Tewres Creutz wo findt man deins gleich Untern beurnen aufT erdreich? Man deins gleich in keinen walten findet an zweig, blumen und fruchten. Kehrein, Gesangbücher S. 427. Im Hymnus ad laudes in offic. de pretiosissimo sanguine Domini nostri J. Chr. werden die Wunden so angesprochen: Salvete Christi vulnera nitore Stellas vincitis, rosas odore et balsamo. Im Hymnus ad laudes in offic. de s. sindone heißt es von der Seiten wunde: Salve latus salvatoris, mitis apertura, super rosam ntbicunda, medela salutifera. Am deutlichsten ist die Vergleichung der Wundmale mit Rosen ausgesprochen in den Lectionen des officium de quinque plagis domini nostri, die dem sermo s. Bernardi (Üb. de passione domini cap. 41) entnommen sind. Hier kommen folgende Stellen vor: Tntuere et respice rosam passionis sanguineae quomodo rubet. Lect. V. Vide quomodo hoc flore rosae floruerit optima vitis nostra rubicundus Jesus. Vide totum corpus, sicubi rosae sanguineae florem non invenias. Lect. VI. Inspice manum unam et alteram , si florem rosae invenias in utraque. Inspice pedem unum et alterum, numquid non rosei? Inspice lateris aperturam, quia nee illa caret rosa. Lect. VII. Das Blut Christi wird heute noch ^rosenfarbig" genannt, wie es schon Ambrosiiis in dem Hymnus „Ad eoenam agni providi" bezeichnete: „cruore ejus roseo", das in den alten deutschen Bearbeitung, n durch „bluote sinem rösevarwem" und „tröre 4nemu rosfarwemu" Kehrein, Hymnen S. 59 u. 21ä gegebenwird. Einen Beleg hiefür gibt auch „des Knaben Wunderhorn" (1873) I, ßl : Und da sie ihm die Liebe bot, rMein Herz, daa ist um dich bo rot( Sein Wunden sich ergossen: Kür dich t r :i ^ ich die Rosen, „0 Lieb, wie ist dein Herz so rot, Ich hrach nie dir im Liebestod, Deine Hände tragen Kosen." Als ich mein Blut vergossen." WILTEN. J. V. ZINGERLE. ]84 E- KÖLBING BRÜCHSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIÜS SAGA. Das hier mitgetheilte Bruchstück der Amicus ok Arailius Saga ist uns nur in einer Handschrift erhalten: Cod. Holm, membr. 6. 4°, beschrieben u. a. von Stephens in: Samlingar utgifna af Svenska Forn- skrift-Sällskapct II S. CXXIX ff., wo sich auch der Schluß der Saga abgedruckt findet; dann mit einigen Berichtigungen von mir in: Riddara- sögur S. I f. Der Text reicht da von Bl. 1H— 3* unten. Der Anfang der Erzählung fehlt nicht, wie Stephens meint a. a. O., wohl aber ist die erste Seite durchaus unlesbar und ließ sich auch durch Reagentien, bei deren Anwendung Herr Oberbibliothekar Dr. Klemming in Stock- holm mir seiner Zeit auf das liebenswürdigste behilflich gewesen ist, nicht wieder herstellen, weßhalb ich den Text erst von S. lb an mit- theilen kann. Die Saga ist nicht, wie man vielleicht erwarten würde, nach dem französischen Gedichte (Amis et Amiles und Jourdains de Blaivies. Zwei altfranzösische Heldengedichte des kärlingischen Sagenkreises. Nach der Pariser Handschrift zum ersten Mal herausgegeben von Dr. Conrad Hofmann. Erlangen 1852, sondern nach der lateinischen Fas- sung der Legende gearbeitet, jedoch offenbar nicht nach dem von Mone (Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 5. Jahrgang p. 145 bis 60) abgedruckten, sondern nach dem mehrfach gekürzten Texte, wie wir ihn bei Vincentius Bellovacensis Spec. hist. lib. XXIV cap. 162 ff. wiederfinden. Mehr als sonst bei ähnlichen Riddarasögur finden wir hier engen Anschluß des nordischen Bearbeiters an die Vorlage, ja mit Ausnahme weniger Stellen ist geradezu Wort für Wort übertragen, nur sind zusammengesetzte lateinische Constructionen aufgelöst. Im Ganzen dürfen wir diese Saga nach Wortausdruck und Satzgefüge in die beste Zeit der nordischen Riddarasögur setzen und unter die wenigen zählen, die in späterer isländischer Zeit keine Abkürzung zu erleiden gehabt haben. In Deutschland scheint diese Prosasaga bis jetzt nicht bekannt ge- wesen zu sein. Conrad Hofmann a. a. 0. Vorwort S. VI erwähnt nur Amicus ok Amilius Rimur. Diese existieren allerdings auch, aber, so- weit mir bekannt, nur einer sehr späten Papierhandschrift Cod. A. M. chart. 2609°, 4°. Ob der Dichter der Rimur unsere Saga od^r einen BK1 ( HSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIUS SAGA 185 ausführlicheren Text als Quelle benutzt hat, habe ich leider noch nicht prüfen können. Unser Bruchstück beginn! mit der Abreisi des Amicus vom Hofe, der seine Gattin besuchen will. Er warnt den Freund auf das eindring- lichste vor zweierlei. Cave tibi — heißt es im lat. Texte — «l> ejus fse. reffis] filia maximeque a nequissimi comitis Arderici fallaci amicitia Mit einer etwas freieren Übertragung der zwei letzten Worte beginnt der altnordische Text, der auch hier noch an mehreren Stellen unles- bar ißt. lb ok hans rädum ok fortölum. Ok er Amicus hafdi brotl farit, fvard konungs döttir fyrir äst hennar, ok sem fyrst komst hann vid, hafdi hann af henni sinn (vilja) at gleäiast af illsku annars ok bera bat nulluni allra er til ') bann sem til nökkurs röskleika var, ok taladi vid Amilium: (Veiztu ekki)2), hinn kajri jarl, sagdi hann, "at Amicus konungs f'ehirdir hefir stolit ok nvi flyit i brott? [En hann gerdi vinättu vid mik ok gaf ek hänum bar til trü mina, ok bvi trüdi hann, at ek sör vid heilaga döma, at ek skyldi bat halda vid hann 3). Ok er Amil- ius hafdi nessu sama jätat hänum, kunni hann eigi vid at sjä ok birti hän- um alla sina leynda hluti , pviat hann trudi Ardericum ser triian vera mundu. Nu einn dag sem Amih'us stöd fyrir konunginum, sem hann var vanr, taladi Ardericus: Herra, sagdi hann, tak eigi vatn or hönd- um svä vänds manns er verdugr er dauda, pviat hann tok af döttur ydvarri sitt meydomsblömstr. Ok er Amilius heyrdi betta, feil hann nidr af hrsezlu ok mätti ekki tala. [Einn jarl gödviljadr ok kurteiss 4 1 tok til hans ok bad hann standa ok verja sik karlmannliga af bessari üfrsegd. Ok hann stöd upp ok mselti svä: Heyrit, mildr ok hinn re'tt- visasti konungr! Trii eigi lygins manns ordum, Arderici, er millum allra vill rüg bera, ok ld me'r stund til, at ek mega gera niitt räd. Vil ek bjöda hänum holmgöngu, frelsandi mik svä af vändu upplosti nessu ok üfrsegd vid ydr. En konungrinn af gödvild sinni jätacti pessu ok ') fyrir — dat m Bbenso von ainu ••' . )ilja habe ich ergänzt; tü-pomi iel imlcsbar. Das ganze Stück lautet im lat. Text, der Übrigens kürzer gehalten ist: ' litis vero super regia filiam oculoa injeeit, et eam quam delator Ardericus, qui iniquitale gaudebat et omni probitati invidebat etc, ') Die eingeklammerteii Worte sind anlesbar; von mir i I lat Neacia, cariaaimt comea. Dei Üb rsetzer Bcheint an diesei Stelle Bein ' >riginal mißverstanden eu haben, denn bo passt der Satz 1 1 i « • 1 1 1 in den Zusammenhang; vgl. Nutn ergo ini mecum omicitiat et fidem ictorum reliquiaa aeeipe, ' Sowohl in M ■- 'I. i n ie bi i Vinc hebt ihn rlei Kfinii elbst Igg E. KÖLBING tok Hirdigensis ') drottning hann til ein til verndar af pessari sök. Ok medan Amilius var hugsjükr ok leitadi s^r räda um petta, spurdi liann, at Amicus felagi hans var heim kominn, ok för pegar til hans ok feil til föta hänum ok mselti: Heyrtu einkanliga vän minnar heilsu. lila hefir nü ordit, pviat ek hefi eigi lialdit trü mina vid jjik pä er ek he't pe"r pä er vit skildum, pviat ek hefi nü misgert ok fallit i gloep fyrir sakir konungsdottur ok statt liolmgöngu vid hinn illa Ardericum, i konuhgs augsyn. En Amicus äsakadi hann mjök af sinni gerd ok sagdi p6 svä: Skiptum vit klaedum, sagdi hann, ok svä hestum, ok far pü heim til minnar borgar, en ek man med guds miskunn ok trausti holmgöngu halda fyrir pik. Varast pö, at pü bii scemiliga vid mina hüsfrü. En at skilnadi peirra gre*tu peir bädir. For sidan Amicus til konungs gards ok ldzt vera Amilius. En era) hüsfrü Amici sä Amil- ium, hugdi hon, at par vasri hennar eiginn bondi ok hljop at hanum ok vildi leggja se'r i fadm ok kyssa blidliga, en hann talar til hennar: Far brott, kona, sagdi hann, pviat mdr er pessi timi til harms heldr en gledi3), ok um nottina eptir, sein pau fara til sinnar ssengr, pä lagdi hann sverd i milli peirra ok mselti: Se vid, sagdi hann, at koma eigi nser me'r, pviat of pü gerir pat, skaltu doemd verda4) pessu sama sverdi. iSvä lägu pau hverja natt par til er Amicus kom heim. Ok svä sem Amicus var klaeddr klsedum Amily, ge'kk hann inn fyrir konung ok baud sik at berjast vid Ardericum fyrir pä ufrsegd, er hann hafdi kent hänum. Hrasdstu eigi, jarl, [sagdi konungr,] pviat ef pü hefir sigrazt ä hänum, pä skal ek gefa pdr dottur mina Belegendam5) til eiginnar konu. Um morguninn pegar viglj6st var, föru peir Ardericus ok Amicus vel väpnadir ä einn voll, par sem konungrinn ok allt fölk af stadnum mätti sjä peirra vidskipti. En pviat Amicus öttadist um sina samvizku, i moti hänum at berjast, taladi hann til Ardericum pessum ordum: Heyrtu, jarl, sagdi hann, pü tokt üsyniligt räd i pvi, er pü vill med svä mikilli fvst girnast dauda mins. Nü ef pü vill enn pann kost fyrir pä üfrsegd, er pü taladir üsannliga til min, takim vit aptr pessa holmgöngu, ]iä mun ek jafnan vera vin ]>inn. Ardericns svaradi svä, sagdi sik aldri hirda um hans vinättu ne" nökkura pjonustu hans eda eptirlseti, ütan höfud hans kvedst hann vilja af höggva, ok sverr, at hann hefir konungsdottur svivirt. En Amicus svarar i annann stad ok segir Ardericum }"»at ütan ef Ijüga, Eptir pessa ordaprsetu bördust peir snarpliga ok vard Ardericus sigradr, pviat Amicus hjo af hänum höfud. ') In den lat. Texten: Hildegardis. ') er om. mscr. 3) gled. mscr. *) sagdi konungr om. mscr.; ergänzt nach dorn lat. 5) lat. Belixendam. BRUCHSTÜCK E1NEE AMICI 8 OK AMll.n - SAGA L8*3 Eptir betta Jjrekvirki gipti konungrinn Amicö1) pessa sömti döttur sina, ok gaf med henni, sem sidvenja var, einn stad raikinn ok ägset- an, er pau skyldu i vera. Ok er bann hafdi festa hana, sne>i Amicus heim til sins heimilis gladr, par sem Ami] ins var fyrir ok mselti: Sd, hversu ek hefi hefnt ])in ä hinum vända svikara Arderico, ok fastnada ek ber konungsdöttur. Amilius f6r |>egar ti! konungs gards ok fekk hennar fullkomliga, ok föru ]>au pegar til J>ess stadar, er konungr gaf peim ok bjuggu pau J)ar. En Amicus var lieima med sinni hüsfrü, ok litlu sidar kastadi gud bardaga ä barm ok bardi liann med likprä, svä at ekki mätti kann pä ur rekkju risa. En hüsfrü hans er Obias*2; hdt, fyrirlet kann )>egar ok hatadi sem vänd kona. Svä kom, at hnn vildi mörgu sinni hafa kyrkt hann til bana, ok er bann sä pat, kalladi bann til sin tvä pjönustumenn ok mselti sva: Foerit mik brott, sagdi hann, undan höndum konu minnar ok takit ker mitt sva leyniliga, at enginn verdi varr vid ok flytit mik heim til kastalans Bericänum. Peir gerdu eptir pvi sem bann band, ok er peir väru mjök komnir at kastalanum, kom mikill fjöldi manna i möti jaeim ok spurdu, hverr pessi hinn sjüki madr vseri, er peir fluttu [)angat. reir svörudu: ressi er Amicus, herra ydvarr, ok vard fyrir likprä, ok vill nü hingat fara til ydvar, bidjandi värkunnliga, at pdr veitit hänum bjälp med misk- nnn, bviat hann J>arf nü mjök. En er hinir umildu menn ok ükurt- r-isu heyrdu ord peirra, reiddust jpeir ok bördu Jjjönustumennina, en Amicum köstndu Jieir ur vagninum beim sem hann var i ok föru vid bann illa ögnandi hänum dauda, ef neir leti ser J>at ord optar ur munni 2b koma. f*ä tök Amicus at grata ok mselti sva: Hinn mildasti ok hinn miskunnsami fadir, Iät mik annathvärt deyja skjötl ella send mör bjälp pinnar miskunnar! ok bad Bveina sina flytja sik til R6maborgar. Er hann kom bar, gekk päfinn i möt hänum, er Constantinus hdt, med mörgu m Kömverjum ok ödrum riddarum beim sem bjä väru er bann var skirdr, <>k hänum höfdu s\'nt mikinn manndöm; ok gerdu [>eir til hana soemiliga ok veittu hänum miklar hjälpir i peim blutum sem bann burfti. En |>rim vetrum sidar gerdisl svä mikil varan i stadnum al menn sultu, ok jafnvel räku fedr 3onu frä Ber sakir \>esaa fellis. En bj6nustumenn Amici bädu bann brotl fara, ok hann gerdi Bvä ok \6\ flytja sik til heimilis AmiK jarls. Ok er hann \i fyrir gardinum |»ar -ein Amilius var i, klappadi ä, eptir ]>\i sem sidvenja er til fijükra manna, "k er jarl heyrdi, baud hann einura sveini sinum: Tak braud oh kjöl ok ker pal er radr var gebt i R6ma, ok fyll hinu beztu vini ') Arnim om. iii 7) So auch Vioc Moni T< Fhobia er oin. mscr. 188 E. KÖLBING, BRUCHSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIUS SAGA. ok gef bessurn sjüka manni. ujonustumadrinn gcrdi eptir bvi sem hann baud ok gekk sidan til jarls ok mselti: Sannliga, herra, sagdi hann. upp ä tru mina, ütan ek hefda haldit ä ydru keri, tryda ek cigi annat en bat yseri yftvart ker, er sä liinn sjüki madr liafdi. Jarl let pegar leiäa til sin hinn sjüka ok spurdi hvadan hann vseri (da hversu hann hefdi bvilikt ker fcngit. Amicus sagdi at hann var foeddr i kastala brim er Bericänum het ok i Rom feerdr ok af herra päfanum skirdi nk kerit pegit. En jarl kendi pegar Amicum felaga sinn hinn dyggasta. rr hann hafdi frjälsat af dauda ok fengit hänum konungsdöttur til riginkonn. Hann hljöp ä hals hanum ok kastadi sei* yfir hann grätandi. En konungsdottir, hans hüsfrü, s(6d upp eigi sidr ok leysti här sitt ok helti üt mörgum tärum grätandi särliga yfir hanum ok ä mintisl hversu vaskliga hann bardist i möt Arderico hinum mikla svikara. Eptir pat l^tu hau hann i höll sina ok skipudu hanum virduligan stad i at vera, ok fengu hanum gladliga allt bat er bau mättu ok hann vildi hafa. En er Amicus hafdi bar verit nökkura stund, syndist hanum engill guds a einni hverri nött ok baud hanum at segja jarli Amilio, at hann draepi tvä sonu sina, er pau konungsdottir ättu, ok med peirra blodi skyldi hann bvä Amicum, ok bar af mundi hann heill verda. Hann sagdi hänum betta umuguligt vera sakir bess at hann undirstöd at betta var bsedi synd at gera ef eigi bydi gud, ok hann var i lifshäska vid konunginum, modurfedr sveinanna. Ok sem hann mintist, hversu mikit Amicus hefir gert fyrir hans sakir, ba tok hann sverd sitt ok gekk til hvilu sveinanna bar sem beir sväfu. Hann lac,dist upp yfir bä ok gret särliga ok mselti: Hverr heyrdi, sagdi hann, födurinn själfviljanda hafa drepit sonu sina, ok he"dan af em ek ekki ykkarr fadir, heldr hrsediligr dräpsmadr ok pinari; ok flugu svä pykt tär af augum hänum, sem regn ofan yfir sveinana, svä at peir vöknudu vid, ok er peir litu andlit fedr sins. hlögu peir. rä väru beir brevetrir. Pä mselti fadir: H6, mikil sorg! ykkarr hlätr man mer sniiast i mikinn grät; meinlaust blöd man üt hellast af illum ok ümildum fedr. Ok er ^ hann hafdi talat sorgmödliga, ])ä hjö hann sveinana bäda ok tok ]>ä som hcegligast likin ok lagdi i ssengina, sem beir svsefi. En blöd peirra, som hann hafdi lätit renna i eitt st6rt glerker, tok hann ok pö i Amil- ium felaga sinn, ok medan hann bö hann, taladi hann ]>rssi ord: Herra Jesiis Kristr, sagdi hann, pü er heilan gerdir likbrän manu med ordi ]>inu, vird mik til at hreinsa penna minn felaga ok hreinan gera, pviat ek helta üt blodi sona eptir bodi engils bins, ok er hann liafdi lokit boan sinni, vard Amicus heill pegar ok hroinsadr allskostar. En jarl tök pegar klajdi sin beztu ok feereti hänum. Sidan göngu peir til kirkju ok gerdu gudi ]>akkir <>k begar tokusl allar klokkur at hringast i KÖHLER DAS SCEtICKSALSRAD UND DER SPRUCH vom FRIEDEN. 189 stadnum själfar, <>k gäfu af se*r fagrt hljöd. Ok er fölkit heyrdi |>etta, bä dreif paugat ok undradist ]>enna atburd. < )k er jarlsins frü sa |j;i ganga bada saman, spurdi hon, hvarr hennar böndi vaeri, bvi hon kendi hvärngan beirra frä ödrum, en klsedi kendi hon hvarstveggja beirra, ok ]m spurdi hon hvarr beirra var. rä mselti jarl: Ek em Amilius, en pessi niinn felagi er Amicus1), er sjiikr var ok er nn beul, ok andvarpadi bä af öllu hjarta ok mint ist ä dauda sona sinna. En konungsdottir vildi, at sveinarnir vaeri pangat bornir ok skemtadi3) s^r par, ok «lcdist af nvjuin fagnatli. Jarl bad |>;i lata sola ok bad eigi vekja ba. En bann gekk einsamt ok hugdist ninndn grata )»a dauda, ok er hann kom }>ar, fann hann bada sveinana i ssenginni lifandi, ok lt±ku ser ])av, ok var einn randr pradr um beggja peirra hals. Jarl tök ha l fadm st:r ok bar j>ä inn fyrir raödur beirra ok mselti: Verum v6r glöd, bviat synir minir lifa bädir peir er ek drap eptir bodi mgils guds, ok med ]>eirra blödi er Amicus, fölagi minn, hreinsadr. En frä )>essnin timum heru bau at halda hreinlifin allt til daudadags ok varu jafnan i mikilli gödfysi i guds pj6nustu, medan }>au lifdu. En i bann tiina hljöp uhreinn andi i buk hüsfrü Amici, ok kvaldi hana mjök illa, ok i beim oerslum3) feil hon fyrir berg ok lauk sv;i hörmuliga hennar lifsdögum. Eptir ]>at för Amicus til Bericänum föstrjardar sinnar med her, ok sat svä lengi um, at hann gat unnit jui er )>ar varn fyrir ok gafust J)eir upp i hans vald. En hann gaf üllum beim grid med dreng- skap ok fyrirh:t beim sina misgerd ok ]>at sem peir höfdu i möt hänum gert ok bjonadi gudi jafnan med äst, medan hann lifir, ok n'-«! bar fyrir med ägsetri hreysti ok miklum IVidi ok sambandi. BRESLAU, Nov. 1873. EUGEN KÖLBING DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUCH VOM FRIEDEN. Felix Hemmerlin (Malleolus) läßt im 21. Capitel Beines zwischen 1444 und 1 4";< ) geschriebenen Dialogus de Nobilitate et Rusticitate den Edelmann über das Schicksalsrad (Rota Fati, Rota fatalis) handeln, welches den in Reichen und Provinzen, in großen und kleinen Herr -•haften, in Städten und Dörfern, in Häusern and Familien, in Klo tern, Collegien und Kirchen statthabenden Kreislauf gewie er Zu tände, '; Amiliua in- ruli nnflci im insci 190 R. KOHLER deren einer immer aus dem anderen folgt, darstellen soll*). Die auf deä Bauern Wunsch von dem Edelmann entworfene Zeichnung dieses Rades findet sich auf Blatt LXXVII der einzigen Ausgabe des Dialogs**) als Holzschnitt, von dem ich hier eine verkleinerte Nachbildung beifüge. *) Eine ausführliche Inhaltsangabe des Dialogus de Nobilitate gibt B. Reber, Felix Hemmerlin von Zürich, Zürich 184C, S. 197—268. Aber die Inhaltsangabe des 21. Capitels (S. 236) ist ungenau und undeutlich, namentlich ist nicht bemerkt, daß die Rota Fati von der Rota Fortunae unterschieden ist. Letztere beschreibt der Nobilis im Eingang des Capitels: Sepe vidisti veteres posuisse fortune rotam quattuor figuria signanter descriptam et bis versiculis annotatam: Regno descendo iaceo super ardua tendo. Sum fortunatus, fleo, spero, fio beatus. Hie iacet, hie scandit, hie sedet, iste cadit. Regno regnabo regnavi sum sine regno. Hec namque rota fortune variabilis, ut rota lune. Crescit et decrescit in eodem sistere uescit. Hierauf bespricht der Edelmann den Unterschied von fortuna und fatum und sagt dann: Unde ex premissis sapientes estimo premeditatos fuisse aliam non tarnen fortune, sed fati rotam — Auch W. Wackernagel gedenkt in seiner schönen Abhandlung 'Das Glücksrad und die Kugel des Glücks' (Haupts Zeitschrift VI, 142 = Wackernagels Kleinere Schritten 1 249 f.) der Hemmerlinschen Stelle, aber ebenfalls in ungenauer Weise. **) Vgl. Reber a. a. O. S. 31—33. DAS SCHICKSALSKAI) UND DER SPR1 l II V*ÜBl FRIEDEN 191 Macht man aus den sechs Relativsätzen ohne Anfang und Ende, welche auf den innerhalb dea großen Kuh- befindlichen sechs kleineren Rädern*f als Inschriften stehen, folgende selbständige Sätze: l'ax general divitias, Divitiae generant superbiäm, Superbia generat guerram, Guerra generat paupertatem, Paupertas generat humilitatem, Bumilitas generat pacern — so haben wir hier die lateinische Fassung eines Spruches, den ich in deutscher, französischer und englischer Sprache nachweisen kann. Nach einer Mittheilung Massmanns in Mones Anzeiger 1833, S. 261 tindet sich bei Geiler von Kaisersbeig- .Massinann sagt leider nicht in welcher Schrift desselben — der Spruch: Fried macht Reichthum, Reichthum macht l berrnuth, Übermuth bringt Krieg, Krieg bringt Armuth, Aruiuth bringt Deinuth, Demuth macht wieder Frieden. Und ebenso — nur in der Anwendung der Wörter bringt und macht abweichend und mit Auslassung des wieder in der letzten Zeile — in Christoph Lehmans Fiorilegium politicum S. 215**): Frid bringt Reichtumb, Reichthuinb macht Vberinuth, Vbermuth bringt Krieg, Krieg macht Armut h, Armuth macht Demuth, Demuth machl Fried ' *) Coustat — sagt der Edelmann — utique Linus modi rotam ad modum cir euli rutuiidaiu et in sua re-tui alifl B6U angul tam. et prout iu cii- culo iuxta Euclidis definil tundo non ponitur finia ueque pnncipiam, aed ex- tiL-mitates, sie nee iu hac ruta initium ueque terminum oeque termini onem distribuauius. **) Der Titel dieser Sammlung lautet vollständig: Fiorilegium politicum. Poli- er Blumengarten. Darinn Jententz, Lehren, Regoln, v i*>l Sprichwörter auß Theologie, Jurisi Politicis, ll Philosophie, PoBteo rnd eygener erfahrnng ratei 286 Tituln zu sonderm outsen vnd lust II d.-!n im reden, raten vnd schreiben, da« gut snbrauchen vnd das böß sumeiden, in locos cuintnunes zu- D Durcl I U '.unkt im neiisLi autoris Ann.. 1630. 8°. Aui Li hu i .. W andi i Lexikon I r. 48 auifc'HUouameu. 192 K. KÖHLER Folgende Variante gibt Mone in seinem Anzeiger 1835, S. 207 ohne Quellennachweis: Gut macht miit, miit macht hoffart, hoffart macht nijd, nijd macht strijt, strijd macht armut, armut macht fryd. Der französische Dichter Clement Marot schreibt im J. 1521 au Margarete, die Schwester Franz I, damals Herzogin von Alencon, nachmals Königin von Navarra — es ist die vierte der Epitres in Marots Werken — : Ainsi, bien heuree Princesse, esperons nous la non assez soadaine venue de Paix qui toutes fois peut finablement revenir en despit de Guerre cruelle, comme tesmoigue Minfant en sa Comedie de fatalle destinee, disant: Paix engendre Prosperite^ De Prosperite vient Richesse : De Richesse Orgueil, Volupt^: D'Orgueil Contention sans cesse : Contention la Guerre addresse: La Guerre engendre Pouretr : La Pourete Humilite: D' Humilite revient la Paix: Ainsi retournent kumains faits. Voila comment (au pis aller, dont Dieu nous gard) peut revenir celle precieuse Dame, souvent appellee par la nation Franchise, dedans les Temples divins, chantans: Seigneur, donne nous Paix. Der Verfasser der von Marot genannten Komödie, die, wie es scheint, nie gedruckt worden ist, war wohl David Minfant, von dem eine französische Übersetzung der Officia Ciceros 1502 erschienen ist*). Wie bei Marot und vielleicht aus ihm entlehnt findet sich der Spruch cPaix engendre Prosperite' u. s. w. unter den französischen *i Man sehe De La Monnoyes Bemerkung in Rigol ey de Juvignys Ausgabe der Bibliotheques francoises de La Croix du Maine et de Du Verdier, T. I, Paris 1772, S. 425 f. Wenn La Monnoye sagt, der Titel Fatale Destinee sei 'emprunte de ce pas- sage du fameux Doctenr Suisse Felix Heinmerlin, en Latin Malleolus, feuillet 77 de son Traite de Nobilitate, en ces termes: Rota fatalis comprehendit sex rotas, qnarum prima paupertas est quae genciat humilitatem: secunda bumilitas quae generat pacem: tertia pax qnae general divitias: qnarta divitiae quae generant superbiam: quinta su- DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUl I! \ <»M FRtEDEN. 193 Sprichwörtern in dem Florilegium ethico-politicum des Janas Gruterus, Francofurti 1 GH), S. 231 . nur dali hier steht corgueil ei yolupte* und l^s humains'. Aus Gruterus hat Le Roux de Lincy den Spruch in sein Livre des Proverbes francais, 2. Edition, Paris 1859, II, 866, auf- genommen. In sinniger Weise haben die Franzosen den Spruch auch bild- lich dargestellt. Ich kenne diese bildliche Darstellung jedoch nur aus der kurzen Beschreibung in des Quirinus Pegeus (d. i. Georg Philipp Harsdörffer) Ars apophthegmatica, Das ist: Kunstquellen Denckwürd Lehrsprüche und Ergötzlicher Hofreden, Nürnberg 1655, 2. Theil, S. 179, §. 3868: Fried : Krie Die Frantzosen haben 1651 ein solches Gemahl machen lassen: Der Fried hatte bey der Hand den Reichthum, der Reichthum den Stoltz, der Stoltz den Krieg, der Krieg die Armut, und solche die Demut. In diesem Reyendantz pfiffe das Glück auf einer Sackpfeiffen *). Am Ende einer englischen Handschrift -- einer Pergamentrolle aus der Zeit Heinrichs V. (1413 22) — stehen (s. Notes and Queries, 4. Series, III, 103) die Zeilen: Pes niaketh plente, Plente makyth prvde, Pryde maketh plee, Plee maketh pouerte, Pouerte maketh pees. Auf das Vorsetzblatt eines englischen Buches bal der Besitzer im J. 1744 — s. Notes and Queries, 4. Series, VIII, 514 diese Reime geschrieben : War begets Poverty, — Poverty Peace; Peace bringeth Rieh ue'er düth cease; Riches gender Pride, - Pride is War's ground; War begets Poverty, and so the World goes round. perbia quai general guerram: sexta guerra quae generat paupertatem , litur ;"1 primara rotam ei seqnentes , so ist Dialogus stehen. La Monnoye hatte m<'Ii wahrscheinlich bei gelegentlicher Durchsicht Dialogua de Nobilitate Notizen daraus gemacht und so mit obigen lateinischen Worten die Abbildung dei Rota fatal ia aul fol. 77 ~.>li notiert; - j . i i i • - • nahm ei dann ichte Notiz für eine wörtli *) Nach Pegeus, der als Quelle genannt ist, auch bei Joh, PrKI adium. Das ist, Ein Ausbund von Wündachel Ruthen, L QEBH \N1A .s. u Beihi \ U [XU I Juhrg. 1 ", 194 R- KÖHLER, DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUCH VOM FRIEDEN. Zum Schluß noch zwei deutsche Varianten unseres Spruches, in denen freilich gerade der Friede fehlt. Die eine hat Massmann an der oben angeführten Stelle in Mones Anzeiger ebenfalls — wie es scheint — aus Geiler von Kaisersberg mitgetheilt : Gut*) macht Muth, Muth macht Übermuth, Übermuth Hochmuth, Der macht Krieg und Blut, Krieg macht Armut, Armut bringt Demuth. Die andere gibt M. Toppen, Volksthümliche Dichtungen, zumeist aus Handschriften des 15., 16. und 17. Jahrhunderts gesammelt, Kö- nigsberg 1873, S. 103**), aus einer von einem Danziger Michael Hancke ums Jahr 1629 angelegten handschriftlichen Sammlung von allerlei Gedichten und Sprüchen : Armut macht Demut, Demut macht Forderunge, Forderunge macht Reichtumb, Reichtumb macht Übermut, Übermut macht Krieg, Krieg macht Armut. An diesen Spruch schließt sich in der Handschrift ein auch von Toppen abgedrucktes Gedicht in 12 vierzeiligen Strophen an. Es ist ein Gespräch zwischen einem Sohn und einem Vater, der Sohn und der Vater sprechen abwechselnd je eine Strophe, und vor je zwei Stro- phen stehen der Reihe nach die einzelnen Zeilen des obigen Spruches als Überschriften der beiden folgenden Strophen***). WEIMAR, März 1874. REINHOLD KÖHLER. *) Hut im Anzeiger ist wohl nur Druckfehler. **) Ich habe dieli Buch in den Göttingisehen gelehrten Anzeigen 1873, Stück 32, ausführlich besprochen. ***) Als Probe mögen hier die Strophen stehen, welchen die 2. und 3. Zeile des Spruches vorgesetzt sind. Demut macht forderunge. Nach deiner lehre halte ich woll, Noch weiß ich nicht, was ich thun soll, Das ich muchte werden reich, Sage mir, wo ich daßelbige erschleich. R Halt traw und glauben, das ist mein rat, Und was du redest, halt mit der that. K. BARTSCH, BRUCHST1 < KE VON HERZOG ERNST \ igp BRÜCHSTÜCKE VON HERZOG ERNST A. Die nachfolgenden Bruchstück.' verdanke ich der gefälligen Mit- theilung des Herrn Dr. Richard Wülcker in Leipzig, der sie von Herrn Dr. Könnecke in Marburg erhielt. Es sind zwei Pergaraentstreifen eine)' Handschrift des ausgehenden 12. Jahrhs., von je 5% Centim. Höhe und 9 Ceutim. Breite, beide den oberen Theil eines Blattes enthaltend- von dem zweiten ist dieü jedoch nicht völlig sicher. Beide Blätter liefern 11 Zeilen auf jeder Seite, die Verse nicht abgesetzt, auf dem ersten Blatte ist die letzte Zeile zum größeren Theile weggeschnitten, so daß fast nur die Spitzen der Buchstaben sichtbar sind. Die vollständige Seite wird etwa 22 Zeilen gezählt haben, das Format war also ganz ähnlich dem der Prager von Hoffmann und von Pfeiffer veröffentlichten Bruch- stücke. Daß die neugefundenen Fragmente aber mit den früheren nicht zu derselben Hs. gehören, sondern daß hier eine zweite Handschrift vorliegt, ergeben die orthographischen Verschiedenheiten In den hier veröffentlichten begegnet kein g für mhd. c und ch, kein sc für seh, kein t für z u. s. w. (meine Ausgabe. S. V). Was den Inhalt betrifft, so gehört das erst.' Blatl dem Abenteuer mit den Schnäbelleuten an und entsprechen die erhaltenen Verse der vorderen Seite etwa den Versen 3779—3790, die der Rückseite den V. 3803 — 381G der Bearbeitung B. Das zweite Blatl ist aus dem Aben- teuer am Magnetberg; den erhaltenen Versen entsprechen B 4200 bis 4210 und 4220-4234. Ich gebe einen buchstäblich getreuen Abdruck, nur in abgesetzten Zeilen und mit Interpunction ; Ergänzungen von weggeschnittenem oder unleserlichem sind cursiv gedruckt. HEIDELBERG, 2. Januar 1874 K. BARTSCH. \\ enn du also glaubwirdig l>i>t. 8o wirstu reich in kurzer frist. Y order u a g na ac li t rei c li tu m u. Vater nun bin ich reich Bcbon, Was mir gefeit, mag i'-li wol thun. [ch habe gutes genug, uun sage hr, Wo überkomme ich gewalt und ohr? R, A ■ ) i lieber söhn, nach gewall nicht Iracbta, Wann ehr und gewall wol hoffart macht, [ch warne dich, thuatu da . Dir Wechsel d i leid und haß 13 196 PERD. VETTER (P) hoffcter do den er soltc besten. do mbeit er niwet me, den uanen nam er selbe. 5 do iceseder die snellen an die grippinische« man. die quamen in mit nide an mit maniger schare mehtic. do wart ein stürm creftie 10 an deme uelde irhaben. des nam maniger den schaden, der sin nie ingnoz. daz here daz was fil groz der grippinischen herren. 15 des guan der herzöge manigen serm s sieh gescAciden. alumbe sie (lb) uil harte. wie wol sie bewarten, 20 daz ir dicheiner were da der in quam so na, den endenden rechen, daz sie in mit den ecken mohten irlangera. 25 mit zorne beuangen was der herzöge here. sin müt quäl ime sere ; zu den libe was ime unwerde daz sie ime an der erden 30 wolden strides nit gestaden, daz er sis mohte gesaden oder ir dicheiuen irreichen. do hub er uf daz «eichen : der herre mit d 35 (2") zuiuel alle mit einem müde, in hetde got der güde den geda?'C gesaut in sinen müt; iz duhte sie allesauient gut, 40 sie wolden ime gerne uolgen. do gieugen die godes holden after den kielen. sie wnden harte schire groze merrinder hüde uil. 45 zuare ich uch daz sagen wil, des wrden die helide uil uro. zu ir schiffe trugen sie sie do un schliffen sie na ir willen. do namen die snellen 50 eine michele hüt. da snieden sie die riemen uz. (2b) «in der sich besuwet in der hüt. do sprac der greue uteri üt 55 daz sal der herzöge unde ich. besuwet in un mich in disen huden beiden. ich inwil mich nTiner gescheiden fan ime lebendic noch dot. 60 ich wil angist un not samet ime liden. kumet er uz mit deme libe, so weiz ich wie iz uns irgat. eintweder unser wirdet rat oder wir uerliesen sament unser leben , 05 sprach der durliche degen. ich sagen uch w*rliche, un FHEYR UND BALDR, UND DIE DEUTSCHEN SAGEN VOM VERSCHWINDENDEN UND WIEDERKEHRENDEN GOTT. Fast alle Mythologieen kennen einen oder mehrere verschwindende und wiederkehrende Götter, d. h. Personificationen der Sonne, des Sommers und seiner Segnungen. Die Sagen von Osiris, Adonis , Per- sephone, Dionysos, Helena, Odysseus. Kastor und Pollux sind längst FREYR UND BÄLDE p.iT erkannt als Fragmente und Variationen des großen Jahresmyt hus, der das Kommen und Schwinden des Sommers und seiner Gaben zum Gegenstand hat*). Bisweilen hal sieh dieser sterbende und wiedererwachende, ge- raubte und zurückkehrende Gott auch in zwei Personen geschieden. Polydeukes (devy.og = ylvxv : suavissimus), der unsterbliche, ist nur ein Doppelgänger des sterbliehen und gestorbenen Bruders Kastor; Persephone, die geraubte und wiederkehrende, ist mit Dionysos, dem Fernherkommenden oder Zerrissenen und Wiederbelebten, in einigen Culten verschwistert, in andern vermählt. Tacitus findet seinen Kastor und Pollux wieder in dem göttlichen Brüderpaar der Nahanarvalen, den Alces, unter denen also wohl auch ein schwindender und wiederkehrender Gott zu verstehen ist. Alces, goth. alkeis. sind nach Zacher die Leuchtenden, Glänzenden: auch die Dioskuren wurden als Gestirne gedacht; nea vis numiniu' (sc. qusa Castori Pollucique), sagt Tacitus: ihr Mythus muß also auch von Tod und Wiederbelebung 'oder Ersetzung durch den Bruder) erzählt haben. Die nordische Mythologie kennt zwei verschwindende und wieder- kehrende Licht- und Sommergötter mit oder ohne Bruder: Baldr und Freyr. Wir wiederholen kurz ihre Sagen zum Zweck der Gegenüber- stellung und als Grundlage für alles Folgende. Baldr, der Gott des Lichtes und der Sommerwonne, fällt von der Hand Höttrs, des Gottes der Finsterniss, der blinden, d h. dunkeln Winteröde, durch den dämonischen, weder der Ober- noch der I uter- weit angehörenden Mistelzweig, nachdem das Geheimniss seiner Ver wundharkeit seiner Mutter abgelistet worden. Sein Leichenschiff wird von Hyrrokin, dem „feuerberauchten" Sonnenbrand (Unland) vollens ins Meei n. daß Feuer aus den Walzen fährt und alle Lande erbeben: verheerende Naturgewalten bringen den auf Beiner Höhe Doch is verweilenden Lichtgott zur entscheidenden Wende, Nanna, Nep'a Tochter, zerspringt vor Jammer, der Zwerg Litr wird ins Feuer •n: Nanna, die Blüthe das Soramerblut, die Tochter der Knospe (hneppr, Nep und Litr, die Färb „der reiche frische Seh:. des Frühsommers" (Uhland, Simrock), müssen mit hinab, wenn der Lichtgott, wenn der liebe Sommer Btirbt. Aber er kehrt wieder: nicht zwar ii r Gestall — das hindert Thöck, das Dunkel, die Lichtfeindin — sondern unter anderem Namen; die eine Person isl in zwei zerspalten: er heissl als Wieder- *) Auch dor getiache Salmolti gehHrl in diese 1 Germania IS, 214 198 FERD. VETTER geborner Vali und ist eigens von Odin zum Rächer erzeugt, mit Rindr, der winterlichen, hartgefrornen Erde; ganz unmündig, nur eine Nacht alt, rächt er den Bruder — hier nicht Zwilling -- durch Tödtung Hödrs, des Winterdunkels*). Freyr's, des Fruchtbarkeitsgottes, Todesmythus ist uns erst in der anthropomorphisierten Gestalt erhalten. Er wird — als historischer König von Schweden — in seinem Alter krank. „Und als die Krank- heit überhand nahm, giengen seine Mannen zu Rath und ließen wenige zu ihm kommen; sie errichteten aber einen großen Grabhügel und machten eine Thür davor und drei Fenster. Als er aber gestorben war, trugen sie ihn heimlich in den Hügel und sagten den Schweden, daß er lebe, und bewachten ihn drei Winter hindurch. Alle seine Schätze aber brachten sie in den Hügel: durch das eine Fenster das Gold, durch das andere das Silber, durch das dritte das Kupfergeld. Es blieb gute Zeit und Friede"**). Nach Andern fällt er (unter dem Namen Frotho) durch den Stoß einer in Rindsgestalt verwandelten Zauberin, wird dann noch drei Jahre lang unbegraben gelassen und als lebend durchs Land geführt***). Das deutet aber, wie das Fortleben im Hügel, nur auf eine Entrückung zu spätererWiedergeburt. Solche Umzüge zu Wagen (mit einer jungen Priesterin) fanden früher zu Ehren Freyr's statt (Grimm Myth. 194 und Simrock, Myth. 310); man feierte damit den im Herbst gestorbenen und mit seinen Schätzen begrabenen, und jetzt im Frühling wieder belebten Fruchtbarkeitsgott (die halbmenschliche Sage lässt es freilich, wie beim König Ninus in Ninivef), nur ein Scheinleben sein), der im *) Auch in der vollständig anthropomorphisierten Gestalt der Sage bei Saxo, (ed. Stephanius 39 ff.), wo, in einer für den Übergang der Göttersage in die Helden- sage sehr lehrreichen Weise, Balderus und Hotherus als Heerführer sich bekämpfen und der erschlagene Balderus durch einen von Othinüs zu diesem tfehufe mit der Finnin Einda erzeugten Stiefbruder (hier heißt er Bous, an. Büi, der Bauer, der Gott der wieder baulich gewordenen Erde) gerochen wird — ist der Ursprung aus dem Jahresmythus nicht zu verkennen. **) Ynglinga Saga c. 12. Die ältere Edda weiß, trotz früherer Entstehung, davon nichts, weil sie, den Jahresmythus bereits zum Weltmythus erweiternd, Frey's Tod erst mit dem Weltuntergang eintreten lässt, wie ja überhaupt die ursprünglichen Jahr esgottheiten später auch das Abbild des Weltenwechsels werden und ihr Tod ins allgemeine Ragnarök hinausgeschoben erscheint. Ursprünglich starb Freyr wie Baldr schon vorher, und ganz ursprünglich jedes Jahr aufs Neue. ***) Saxo (Stephanius) 96. f) Sollte dieß nicht auch eine indogermanische Sage, und Samurat (Semiramis) die Sommer- ''früher Tages- [r)u(nc(\) göttin sein? FREYB IN!» BALDR. 190 Geleite einer Gattin wiederkehrt, d. h. der schönen Jahreszeit, welche durch die Priesterin auf dem Wagen vertreten wird. Die Werbung um diese Gattin, also ein Stück aus der Sage vom wiederkehren- den Freyr. erzählt uns in der ältesten Gestalt Skirnisför (vgl. dazu die Sage von Frotho und Hanuiula, der Hunnentochter, bei Saxo p. 68 ff.). Der Gott der Frühlingsfruchtbarkeil schickt seinen Diener Skirnir (Aufheiterer, als Bote des Lenzes) mit dem unaufhaltsam vor- dringenden Sonnenstrahl („mein Schwert, das von selbst sich schwingt") auf Werbung aus zu der von flackernder Flamme (des Holzstosses) und hohem Zaun (dem Heigitter) eingeschlossenen, d. h. als todt in der Unterwelt weilenden Göttin der schönen Jahreszeit, Gerdr: nach- dem sie allerlei Sommergeschenke abgewiesen, und dann noch ihr Bruder Beli (der „Brüller", der Sturm des Frühlings- Aquinoctiums) von Freyr erschlagen worden — in Ermanglung seines Schwertes mit einem Hirschhorn -- vermählt sie sich endlich dem'' Frühlingsgott im grünen Haine. Die beiden Götter also verjüngen sich im Frühling - der eine in Gestalt eines Bruders, welcher der Sohn der Winter- erde ist (vgl. die Dioskuren), der andere jugendlich wiedergeboren und verbunden mit einer Gemahlin, welche im Todesschlaf des Winters lag (vgl. Dionysos und Persephone); und beide sterben im Hoch- sommer und werden mit ihren Gaben und Schätzen be- stattet. Daß dieß das eine Mal auf brennendem Schiff und das andere Mal im Hügel geschieht, ist bloß zeitlich veränderte Aus- drucksweise: dem „Brennalter" folgte das „Hügelalter"*) und die spätere Dichtung wählte die damals gebräuchliche Bestattungsart. Einen von diesen beiden Göttern nebst seiner Wiedergeburt muß Tacitus meinen mit seinen sich wie Kastor und Pollux ergänzenden Brüdern. Simrock entscheidet sich für Baldr-Vali. Wir wollen uns zu- nächst noch nach weitern Spuren Frey's in der Sage umsehen. Es ist schon auffallend genug, daß zwei in Mythus und Bedeutung so nahe verwandte Göttergestalten in der nordischen Mythologie neben einander bestehen können; es erklärt sich das nur aus der spätem Aufnahme des einen Gottes von einem fremden Stamme her, welche in der Edda als Krieg und Vertrag mit den Wanen mythisch einge- *) Im Beövulf z. B. wird Sceäf-Scyld auf dem Schiffe, der spätere Beövulf im Hii gel bestattet. — Ursprünglich wird Freyr so gut wie Baldr auf dem Schiffe ver- brannt und den Wogen übergeben worden sein, wozu der Besitz Skidbhidnirs, des trefflichsten aller Schiffe, und seine Heimat Noatün — Schiffhausen — stimmt. 200 FERD. VETTER kleidet erscheint. Die ursprüngliche Heimat der Wanen und ihres Cultes, also auch des Freysmythus, suchte man bisher, — gestützt insbesondere auf den Yngvi-Freyr, Ingunar Freyr und Freä üngvina als Eponymos der Ingaevonen, sowie auf die Nerthus des Tacitus, die man mit Frey's eddischem Vater Niörd zusammenstellte, -- bei den ingsevonischen. speciell den östlichen suevischen Stämmen; neuestens findet sie K. Meyer (Germ. XVII. 107 ff. bei den Aestiem d. h. dem nach seiner Ansicht nichtdeutschen Küstenvolke der Preußen, und er- klärt damit die Wanen und ihre Verehrung als nicht nur ursprünglich unnordisch, sondern auch ungermanisch Lassen wir das einstweilen auf sich beruhen: so viel ist sicher, daß der zweite unserer Götter in die eddische Mythologie von außen importiert und dem ersten coordiniert ist. Wir könuen aber ferner bemerken, daß er, der gestorbene und wiederkehrende Sommergott, auch in der Heldensago, dem Niederschlag der Göttersage, erscheint, und zwar — entgegen jener Ansicht — nicht bloß in der dänischen, schwedischen und isländischen, sondern auch in der deutschen, wo dann bisweilen die beiden so ähnlichen Gestalten förmlich zusammen- fließen. Die dänischen und schwedischen Friedenskönige der Jüngern Edda (Skälda 43), der Ynglinga Saga (12) und Saxo's (Steph. 20. 66. 85. <.L). 95. 96) sind bereits genannt als Vermenschlichungen Frey's Bei Saxo kommt und stirbt Frotho dreimal, als milder, segnender Herrscher, auch als Drachenkämpfer (Steph. S. 20), und fällt das dritte Mal durch jene in ein Rind verwandelte Zauberin; aber das nun folgende dreijährige Scheinleben mit den Wagenumzügen deutet auf eine abermalige Wiedergeburt. Der gute Frödi der Skälda. unter welchem Christus geboren wird, allgemeiner Gottesfriede herrscht und kein Dieb noch Räuber gefunden wird, fällt in Folge seiner Habsucht; die Mahlmägde Menja und Fenja, denen er — der ursprüngliche Frühlingsgott — nur Ruhe gönnt so lange der Kukuk schweigt, mahlen ihm ein feindliches Heer, das ihn besiegt und tödtet; — und hier würde dann der Bestattungsmythus der Ynglinga Saga anschließen; es bleibt gute Zeit und Friede; der König ruht mit seinen Schätzen im Grabe, — um abermals wiederzukehren. Im angelsächsischen Epos erscheint der vermenschlichte Freyr ebenfalls zu verschiedenen Malen geminiert und wiedergeboren Der Ahnherr treibt als neugeborner (nach Beöv. 46 umbor vesende: un- geborner) Knabe auf einem steuerlosen Schiffe heran, auf einer Garbe schlafend. Sehätze und Waffen mit. sieh führend, und gelangt in dem fremden Lande zu einer langen glücklichen und segensreichen Regierung. FREYR I'mi BAI DE 201 Der Beövulf nennt ihn Scyld, Sohn des Sceaf (Scefing); aber in den Genealogieen sind die Namen der Ahnen und Nachkommen eines Beiden meist nur Prädicate desselben; die verwandten Sagen, und die Garbe (sceaf, ahd. skoup), auf der er kommt, zeigen, daß Sc e&f sein richtiger Name ist. — Die Bestattung dieses Sceäf geschiehl auf demselben Schiff mit dem er gekommen, im Begleil aller seiner Schätze, - rade wie bei Frey, außer daß bei dem Seevolk die alte Schiffsbe stattnn^- statt der Hügelbestattung eingetreten oder vielmehr geblieben ist. Simrock erklärl ihn daher wohl mit Unrecht als Baldr-Vali; er stimmt viel m dir zu Freyr und seiner Wiedergeburt. Er kommt nicht als furchtbar* r Rächer, wie Baldrs Bruder thun müsste und Vali in der Edda wirklich thut, sondern als mächtiger, beglückender König, wie jener vermenschlichte Freyr; er kommt zu Schiffe, und als Besitzer des besten aller Schiffe, war Freyr aus Nöatün berühmt; er kommt umbor, und „ungebornen Freyshelden" worden wir noch weiter be- gegnen;*) er kommt und geht mit Schätzen, wie auch jener Freyr seine Schätze mitnimmt; er kommt auf einer Grarbe, dem naturgemäßen Symbol eines Fruchtbarkeitsgottes, — für einen Lichtgott wie ßaldr- Vali ebenso wenig passend wie der davon hergenommene Name Sceaf. Bald als Ahn, bald als Enkel Sceäfs, — d. h. als sein Beiname oder Prädicat, nach Übung der angels. Stammtafeln — erscheint Beav, der „Bauliche", ganz passend fi'xr einen vermenschlichten Freyr**). Auf Sceäf folgt (nach dem ags. Fpos) — Beövulf, eine Gemination des Sommergottes, und der Mythus wiederholt sich; sein Nachfolger Hrödgär wird durch das üngethüm Grendel seiner Macht beraubt; da kommt übers Meer ein zweiter Beövulf, der Greäte, besiegt dasselbe und herrscht glücklich: in seinem Alter stirbt er durch das Blut eines Drachen, den er überwunden; die alte Göttersage beschreibt einen beständigen Kreislauf, der schon in den Bich wiederholenden oder in *) Während Vali, mit wel n Simrock den Sceaf iden tificiert, doch nur ..Kaum geboren", of borinn anenima, heißt. S. 816 wai übrigens Simrock fast versucht, Sceaf als Fi aus anderen Gründen als den ansrigen, .schon Müllenhoff II. '/.. VII, II- gethan. ■•■■ Wenn bei Saxo der entsprechende an. Na I Für dei Baldra i anftritt, während er liier den wiedergebornen Fn I net, so i-t vielleicht dort Bchon eine Vermischung der beiden GHI \\i>- denn auch bereit« der Name Vali mach Müllenhoff ein Gott ind Wohls! und Ali „der Nährende" G a derWi Li | Frej 's auf diejenig : ht. 204 FERD. VETTER hüllten Wägen angedeutet. Doch hat auch der Norden noch Parallelen in seinen Freyshelden: in Haddings Schenkel werden wir einen Ring, das Symbol der Fruchtbarkeit, liegen sehen, wodurch sich Hadding- Freyr merkwürdig mit dem griechischen Fruchtbarkeitsgott, mit Dio- nysos berührt, der, von der sterbenden Semele unreif geboren, in Zeus' Schenkel eingenäht und von diesem aufs Neue zur Welt gebracht wird (firjQogöacping). — Fehlen uns also für das „Ungeborenu-sein Siegfrieds beim Gotte selbst die Anhaltspunkte, die sich aber aus dem Wesen des Fruchtbarkeitsgottes und den übrigen verwandten Sagen leicht er- schließen lassen, so ist dagegen bekanntlich der Vermählungsmythus Siegfrieds in demjenigen Frey's zu deutlich vorgebildet, um in seiner Abstammung verkannt zu werden, wie schon seine Drachenkämpfe in denjenigen Frotho's (Saxo S. 20) ihre Parallele finden. Daß dabei in der Nibelungensage die eine Lenzgöttin Gerdr nach den zwei Seiten ihres Wesens, der stürmischen und der anmuthigen, in Brynhild und Gudrun (Kriemhilt) geminiert erscheint, kann in der Mythensprache so wenig auffallen als jene Dioskuren, jener Baldr und Vali, jene ver- schiedenen Frotho's und Beovulfe. Ja Freyr selbst war ja in seinem Brautwerbungsmythus in Skirnir geminiert; wie aus Skirnisf. 16 hervor- geht, wo Gerdr den Skirnir ihres Bruders (Beli) Mörder nennt, war es ursprünglich Freyr selbst, der durch Vafrlogi ritt, erst später sein Stellvertreter Skirnir; die Nibelungensage aber verbindet Beides, in- dem Sigurd das erste Mal für sich selbst, das zweite Mal für Gunnarn hindurchreitet. (Simrock, Edda, 471 u. 408). Die Waberlohe um Gymis- gard und Hindarfiall, das Weltmeer um Isenstein, die Dornhecke im Märchen stehen seit Grimm's schöner Abhandlung über das Verbrennen der Leichen insgesammt als Symbole der Unterwelt fest, in der die riesische, walkyrienhafte oder menschliche Frühlingsgöttin weilt, um von dem Frühlings- und Fruchtbarkeitsgott, der nach Besiegung des winterlichen Drachen, und Erwerbung des Hortes und des Ringes seinen Siegeslauf antritt, zum Leben erweckt, und mit dem Ringe, dem Symbol der Fruchtbarkeit ihm angelobt zu werden. — Nehmen wir also auch zunächst mit Meyer den ungermanischen Ursprung Frey's und der Wanen als sicher an, so wird doch wenigstens seine Folgerung, daß demnach selbstverständlich „aus der deutschen Heldensage, und speciell aus der Nibelungensage, Freyr ausgeschlossen" sei, der Ein- schränkung bedürfen. Ist dieser Gott von den Preußen zu den Dänen, Schweden, Norwegen und Isländern gewandert, so kann doch wohl auch die Nibelungensage, „mag sie nun von den Burgunden, oder was sich allein wissenschaftlich begründen lässt, von den Franken fkm B im» BÄLDE. 205 ausgegangen sein" Meyer), auf ihrer Wanderung nach dem Norden den Brautwerbungsmythus von Freyr geerbt haben und dies« nordische Gestalt dann wieder abgeschwächt oach Deutschland gekommen sein, — wie umgekehrt, lange nach der Einbürgerung der Sage, der Norden in der Thidrekssaga wieder neue deutsche Züge, Personen u. Ortlich- keiten nach den Berichten norddeutscher Erzähler aufgenommen hat. Bei einer so zusammengesetzten und wandernden Sage darf man ja überhaupt von einem Ausgangsorte nur mit Bezug auf einige wenige historische Krystallisationspunkte sprechen, an die sich der Mythus hängte (wobei denn doch Meyer im 2. Theil der Sage die drei Könige und ihren Untergang durch Etzel als von den Burgunden ausge- gangen wird gelten lassen müssen). War einmal für den ersten Theil der Nibelungensage die Entzweiung der fränkischen Königsfamilien, die Geschichte Brunhildens und Fredegundens, die verrätherische Er- mordung König Sigisberts auf der Jagd als Kern gegeben, 'so kennte drum herum leicht von der einen Seite der im Volke lebende Mythus von Baldrs Tode, von der andern — später vielleicht und, wenn Freyr nur dort lebte, erst im Norden, — derjenige von Frey's wunderbarer Ankunft und von seiner Brautwerbung zu einem organischen Krystall- Gebilde zusammenschießen, «las in seiner Undurchsichtigkeit den Ur- sprung aus verschiedenen Elementen nicht verleugnet. In den bisherigen Vermenschlichungen der Freyssage trat der kommende Fruchtbarkeitsgott als einfache Wiedergeburl "der Ge- mination eines frühem auf. ähnlich wie sich der Himmelsgotl Zeus zu dem Bimmelsgott Uranos verhält (so Kretin» II. 111 zu Frotho I; Sceäf und die Beövulfe zu ihren jeweiligen Vorgängern), oder aber er erschien in Verbindung mit einer Gattin, d. h. mit der scheuen Jahreszeit, wie Dionysos und Persephone so Siegfried, — wie Freyr selber mit der Priesterin), in beiden Fällen bisweilen mit .Mit weinigen Augen, mii Rosenkmnz 1 Anderwärts richtig: mii ihrem Stern. Varianten: Wir k ien ilahera im Viiii. i des II.ii.i. W'ii sncheri Herr Jeans, wir hätten ihn gern; oder:
  • ' heiligen drei Küni'j mit ihrem Stern, sie suchen Flerr Jesu sie hätten ihn gern En I I 212 FERDINAND VETTER Sie kommen wohl wo Herodes haust;1) Herodes er schaut zum Fenster hinaus. Herodes er sprach mit falschem Betracht: „Warum ist der vordere König so schwarz?-' -) „„Er ist so schwarz, er ist wohlbekannt, Er ist ein König aus Morgenland."" „Ist er ein König aus Morgenland, So biet' ich drei Herren die rechte Hand." s) „„Die rechte Hand die bieten wir nicht; Du bist ein Herodes, Avir trauen Dir nicht. Der König so schwarz er ist wohlbekannt, Er ist Kasper und König von Morgenland. No ivie und warum ist der Himmel so blau? No wie und warum, ist der Himmel so Im? 4). Wir wollen noch hi am Bethlachem, Wo Christus und Jesus geboren war. 5) Wir treten alle drei im Stadel hinein Und fanden Maria, das Kindolei. Das Kindolei war nacket und bloß; Wir gabens Maria der Mutter im Schooß. Joseph der zog sein Hemdelein ab Und schnitt dem Christkindli zwei W'indolein ab. Zwei Windolein ein Wechseltuch, 0 Jesu drei Namen ein Regentuch. In einigen Varianten der Anhang: Z'Jahr um z'Jahr um wird wiederum kommt. (?) Wir wünschen euch Allen ein gut's Neujahr. Ein guts Neujahr und was noch mehr? Die gute Gesundheit und auch die Ehr. Ich bin der König aus Engelland, Kurz und lang ist mein Gewand. Ein bocksbäumene Nas' und ein schneeweißen Bart: Der mich niemals gesehn hat, der kennt mich hart. I. b. O Gott, sie wollen wir loben und ehrn, Die hl. drei König mit ihrem Stern. Sic kamen in Herodes sein Haus; Herodes war ihnen jjanz unbekannt. ') Vor Herodes sein Haus (Ems). J) Bist du des Königs Kaspers aus Morgen- land V 3) u. tf. : Sie komme hera inans bott amreclitig Hand(?). Amrechtig Hand das bitten wir nicht, du bist Herodes, dir glauben wir nicht (Salux). 4) Fehlt anderwärts. 5) Hierauf als Schluß anderwärts (Salux): Mein liebe, meine Herra kommen eben zu Dir, Ich bitte uns halta in Ehre und Freud. Sie gehnden treu ins Judenland, Sie suchten Maria und's Kindelein. Das Kindclein ist nacket und bloß, sie legten'a Maria auf ihren Schooß. Kl. KIM, BEJ rRÄGl 21! „Meine lieben drei Herren, wo wollet ihr hin?" ,. „In Bethlechem steht unser Sinn. Es rst geboren ein Kind ohne Mann . ! Dem Himmel und Erde war unterfhan."" Wir sind allhier auf jeden Platz . Und wünschen euch Allen ein guts Neujahr. Ein guts Neujahr und was noch mehr? Die liebe Gesundheit und auch die Ehr. 2) IL*) Ich lag in einer Nacht und schlief; Mir träumts, wie mir König David rief. Wie ich ihm sollte räumen3) Von den hl. drei König ein neues Lied, Sie liegen zu Köllen am Rhein. Der Tag der reist4) wohl aus dem Thron ;(?) Wir singen das Kindolei Jesu an; J:Von Maria blüht ein Rosen :j. Von Maria geboren ein Kind ohne Mann, ') Mißverständlich auch: eiu Kind und ein Mann. 2) Zu I a und I b vgl. noch die romanische Form (wahrscheinlich Bearbeitung): Ils treis sontg säbis dil Orient , Eis mavan enconter a Bethlacheni , II Caspar, il Melchior ed il Balthasar. II Caspar quell era dil Morenland, II Melchior quell era dil Orient . II Balthasar era dil Oxident. Eis mavan vi, e sut il casti Dil retg Herodis da speras vi. (vorbei) Herodis quell era sil aulti tron, Ed el emperava, nua ei lessien ir. Eis respondettan con legermeut: „Nus lein fr enconter a Bethlacheni. La steila la quala ha nus nianau, Sur la stalla ha ella fermau. De coramein havein nus ku s'enclinau, Quest niev retg Jesus salidau". O sontga Maria e sontg Joseph . Ilrbescha a nus betrast c, confiert. A quei aft'on dil sontg parvfs O Jesus seies miu salit. O Maria e tiu affon, Dai a nus in legreivel e bien onn. Per bein viver e bein m<>iii A nus suenter il sontg parvis. I! sontg parvis ed in legreivel bien onn; Sehe vub deis insatgei Bche dei in bien ton. (rechl sj Mißverständlich für reimen. *) Für reis (zu nd eines der Bell Beispiele, wo risen eine Bewegung von unten nach oben bezeichnet? *) Über dieses Lied, das zuerst in einem Gesangbuche von 1646 vorkömmt, s. Weinholds Weihnacbtssp. 8. 128. Schröer Weihnächte?. B. L12. 198. Ditfurl fränk. Volkslieder 1, S. 1U. 21| i ÜTOLF, KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE. Dem Himmel und Erde war unterthan, |: Das Paradies war aufgeschlossen. :| Den werthen Engel trag sein Kron(?) |:Die Mutter unsers Herren :|, Und da das Kindelein sei geborn. Den hl. drei König kam es ein Schein I: Von einem Licht und Sterren :|. Der hl. Geist gab ihnen ein Sinn , Daß sie nahmen Gold, Weihrauch und Mirchen; König Caspar kam aus Morgenland, Balthasar aus Griechenland zu Haus, |:Melhior aus Osterreiche. :j Sie folgten dem Stern gar fleißig nach, Sie wollten das Land durchstreifen; Und als sie gegen Jerusalem kamen, Ein großer Berg vor ihnen stund, Und der Nord wollt ihnen entweichen. (?) König Kaspar zu den andern sprach: Heut wollen wir hier verbleiben. (Schluß scheint zu fehlen und wird nicht gesungen.) KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE. 1. Aberglauben. a) Aus dem 'Büchel vom jüngsten Gericht' *). S. 158: „Lucifer hatte kaum ausgeredt, so waren die alten Weiber da. Die meisten unter ihnen hatten Brillen auf der Nasen. Lucifer sagte: Wie, daß ihr zu Fuß kommet, seynd keine Gabel, Bock oder Hunde mehr zum reiten V Wisset ihr, daß mit euch nicht lang zu dis- putieren ist, sintemalen der Pact, welchen ihr mit uns geschlossen, nicht wird aufgelöset werden, drum nur fort mit euch. Denen andern aber sagte er: Was habet ihr nicht vor ein abscheulichen Hauffen Aberglauben unter die Leute gebracht. Als wann ein Weib ihre Hoch zeitschuh zerbrochen, so ist ein unfehlbares Zeichen gewesen, daß sie von ihrem Mann hat müßen geschlagen werden. Wer Erbsen und Bohnen isset, und selbige Wochen dergleichen säet, dem gerathen sie *) Das Titelblatt ist weggerissen; der angegebene Titel stellt in der Vorrede. Das Büchlein in 8. ist nicht vor Drexelius S. .'. entständen, da dieser Jesuit als Ge- währsmann citiert wird. K. BARTSCH, BRUCHSTÜCK EINER HS. VON HEINRIC1 81 MMARI1 M. 215 nicht. Wer ein Gewächs am Leibe hat, • ondnederlandach« psalmen. Haarlem, Erven i'.. Bohn. 1*7.",. 218 LITTERATUR; M. HEYNE, KLEINE ALTS. IT. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. dieser eonsequent durchgeführt gewesen sind; denn auf die ursprüngliche Schei- dung kommt es an. Nach H. bestünde der Hauptunterschied des Fränkischen vom Sächsischen in der Diphthongisierung des 6 und e zu uo und ie. Indessen, wenn ich auch die Bedeutsamkeit dieses Unterschiedes nicht unterschätzen will, so Hegt es doch nach dem Gesagten auf der Hand, wie untauglich derselbe zum Hauptkriterium ist. Denn erstens ist die Diphthongisierung noch sehr neu, höchstens bis in das achte Jahrhundert zurückreichend , zweitens ist sie nicht ganz durchgeführt , da neben uo in den Ps. , im Cott. und in den Werdener Denkmalen 6 vorkommt, drittens verscli windet uo sehr bald wieder und es besteht dafür im späteren Niederfränkischen wieder ein dem ü nahestehendes o. Ausser der Diphthongisierung ist es aber hauptsächlich nur noch eine Eigen- tümlichkeit, die der Cott. mit den Ps. im Gegensatze zum Mon. gemein hat, die Abschwächung der Dativendunst der Adjectiva zu un, on. Diese ist ein nicht unwesentliches Charakteristicum des Niederfränkischen, aber auch sie ist sicher jung; übrigens ist sie im Cott. nicht durchgeführt und findet sich ver- einzelt im Mon. Später ist sie dem Sächsischen nicht fremd, findet sich be- sonders auch in den an das Fränkische stoßenden Gegenden , die von H. zum Sächsischen gerechnet werden, während sie gerade der Werdener Dialect wie auch der Psalrneneommentar nicht zu kennen scheint (cf. Braune a. a. 0. 14). Außerdem finden sich nur vereinzelte Berührungen von untergeordneter Bedeu- tung zwischen dem Cott. und den Ps., wie z. B. einige Andeutungen des Um- lautes von u, der Übertritt von sdian und büan in die schwache Conjugation. Wenn der Cott. einige Besonderheiten des Mon. nicht theilt, so begründet das natürlich keine Verwandtschaft zwischen seinem Dialect und den Psalmen. Dagegen steht nun eine Reihe von Verschiedenheiten des Sächsischen und Fränkischen, bei denen sich der Cott. und auch der Werdener Dialect zu ersterein stellen. Hiervon hat bereits Braune auf folgende aufmerksam gemacht. Erstens: Das wichtigste Charakteristicum des Sächsischen ist das Zusammen- fallen der drei Personen im Plur. des Verbums. Die Übereinstimmung in die- sem Punkte mit dem Fries, und Ags. spricht besonders für das hohe Alter dieser Eigentümlichkeit, welche eine Spaltung der Dialecte begründete vor der Scheidung von Ober- und Niederdeutsch. Allerdings tritt in jüngerer Zeit -en statt -ed in der 1., 3. Pers. Plur. Praes. Int. auch im Sächsischen wie im Fränkischen auf und überwiegt in den Grenzlandschaften. Aber das ist nicht bloß in Werden der Fall, sondern gerade so gut in Essen, welches von II. zum Sächsischen gerechnet wird; es ist also kein Grund zu einer Aussonderung von Werden. Zweitens: Während im Alts, die Contraction von al und au zu e und ö durchgeführt ist, finden sich in den Ps. und im Mnl. bis in's 13. Jahrh. ei und au in denjenigen Fällen , in denen sie im Ahd. stehen , noch neben e und ö. Die Contraction hat sich also im Niederfränkischen später vollzogen als im Sächsischen, wo sie schon früher wahrscheinlich gleichzeitig mit dein Fries, und Ags., vielleicht auch durch andere Zwischenstufen hindurch (ac, und ao, dagegen im Niederfr. ei und ou) eingetreten ist; und es gab eine Periode, in welcher ein durchgreifender Unterschied des Alts, und Altniederfr. dadurch gebildet wurde, dass in ersterem nur i oder ö, in letzterem wie im ganzen übrigen fränkischen Gebiet nur ai ödere/, au oder ou bestand. Drittens: Eine Eigentümlichkeit, die das Niederfr. mit dem Mittelfr. theilt, ist der Verlust des schwachen Gen. und Dat. Sing, des Fem. und des Gen. Plur. aller Ge- L1TTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR, GRAMMATIK. 219 schlechter der Adjectiva, wofür überall die starke Form eintritt. Dieser Ver- lust ist allerdings wohl verhältnismäßig jung. Braune trägt Bedenken ihn mit Bestimmtheit dem Dialecte der Ps. zuzuweisen, da diese Interlinearversion sind und überhaupt keine schwache Form der Adj. enthalten. Letzteres gilt auch von dem einzigen alten mittelfränkischen Denkmale, welches wir neben den drei ersten Psalmen besitzen, dem Trierer Capitulare, so daß auch für das Mittelfränkische sich nicht entscheiden läßt, ob der Verlust der schwachen Form alt ist. Die starke Form statt der schwachen findet sich sporadisch auch in dem angrenzenden sächsischen Gebiet, aber wie es scheint, gerade r.icht in Wer- den. Einige weitere Unterschiede sind von Braune noch nicht angeführt. Vier- tens: Sächsisch, nicht fränkisch ist der Ausfall des Nasals vor folgender Spi- rans 8, /, th. Nur vereinzelt steht Gl. Lips. 286 farkatha abominabiles. Dieß ist wiederum ein alter Unterschied des Fränkischen und Sächsischen, da letzteres den Ausfall mit dem Ags. und Fries, theilt, und da hierauf erst das Zusam- menfallen der drei Personen des Plurals im Praes. Ind. beruht. Der ganze Unterschied in dem Verhalten des Cott. zu dem des Mon. in Bezug auf diesen Punkt besteht darin, daß er immer findan statt des öfteren fidan in M. und je einmal ander und andran neben dem sehr häufigen odar hat. Im Psalmeu- commentar steht muthe 76 und findid 78. In den Werdener Eigennamen be- steht allerdings Schwanken zwischen -su-ind und -su-id. Fünftens: Der Dativ der /-Declination ist im Alts, in die Analogie der ja-Stärame übergetreten (gestiun, ensiium = fränk. gestin, enstin). So auch im Cott., nur trahnin 5924, liudim 1277, liudin 5036 sind fränkisch. Im Psalmencomm. steht dadion 8. 11. Sechstens: Nur die Psalmen, nicht die alts. Denkmäler und der Cott. kennen das Reflexivum sig. sowie die Formen unsig neben uns und wir neben u-i. Siebentens: In der zweiten schwachen Conjugation sind die Nebenformen auf ■qyan sowohl im Cott. als im Mon. üblich, fehlen dagegen in den Ps. Dieß ist wieder eine Annäherung an das Ags. Bei einigen Punkten kann es zwei- felhaft sein, ob die Abweichungen der Ps. vom Hei. als diabetische oder nur als zeitliche Unterschiede zu fassen sind, so bei der Endung des Nom. Acc. Plur. der Masc. der a-Declination 6s (us) = d. Doch scheint der Abfall des s im Fränkischen früher eingetreten zu sein als im Sächsischen, da noch die junge Hs. der Freckenhorster Rolle es öfter hat, während die Ps. keine Spur mehr davon zeigen. Es ist zu beachten , dass in allen diesen Punkten sich das Niederfränkische an das übrige Fränkisch, dagegen das Sächsische meist an das Fries, und Ags. anschließt. In einer Hinsicht stehen noch die Ps. dem Mon. und anderen alts. Denkmalen näher als dem Cott., nämlich darin, daß noch öfter i für ä vorkommt, während im Cott. ausnahmslos ä steht. Es ist demnach wohl klar, wie wenig zweckmäßig Heynes Eintheilung ist. Es würde am gerathensten gewesen Bein, beide Dialecte ganz angetrennt zu behan- deln, da der fränkische ja doch nur durch ein einziges nur in Trümmern er- haltenes Denkmal vertreten ist und da so die doch immer einigermaßen ver- mittelnde Stellung des Cott. sich am besten veranschaulichen ließ. Da aber H. die Lautlehre des Sächsischen und Fränkischen nach Beiner Grenzbestimmung getrennt behandelt, bo treten die Nachtheile der Eintheilung grell hervor. Es wird dann unterschieden zwischen einem östlichen und einem westlichen nieder- fränkischen Dialect und es muß dann in der Regel gesagt werden: im östli- chen ist es wie im Alts., dagegen im westlichen vielfach anders, Zu dem 220 LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. westlichen muß dann aber das ganze Gebiet gerechnet werden, welches wir allein fränkisch nennen möchten. Es läßt sich kein sprachlicher Grund dagegen vorbringen, daß die Ps. nicht in dem östlichsten Theile des Fränkischen nach unserer Grenzbestimmung entstanden sein könnten. Man erhält öfters durch die Anordnung Heynes ein verkehrtes Bild von den Verhältnissen. So z. B. wenn es S. 31 heißt: Gegenüber vielfachem Ausfall des deutschen Nasals im Altsächsischen hält derselbe hier (im Frank.) sich besser, vorzüglich in den Psalmen , so wird niemand danach denken, daß das Verhältniß so ist, wie wir es oben dargestellt haben. In der Flexionslehre hat sich denn auch der Verf. genöthigt gesehen seine Eintheilung ganz aufzugeben, Mon. und Cott. zusam- menzufassen und die Ps. besonders zu behandeln. Was nun die Lautlehre angeht, so sei es mir gestattet, bei dieser Ge- legenheit auf die Nachtheile der in unseren Grammatiken üblichen Anordnung derselben aufmerksam zu machen. Man pflegt seit J. Grimm eine Zusammen- stellung nach den einzelnen Lauten oder gewöhnlich nur nach den Buchstaben zu geben und darauf etwa einige allgemeine Betrachtungen folgen zu lassen. Es wird dann dabei z. B. bei o durcheinander bald davon gehandelt, welche Veränderungen älteres 6 in dem behandelten Dialect durchgemacht hat, bald davon , welchen verschiedenen älteren Lauten das o des behandelten Dialectes entspricht. Letztere Betrachtungsweise überwiegt aber bei weitem. Nur in wenigen Grammatiken, wie denen von Sehmeiler und Schröer ist die ältere Spracheinheit zum Ausgangspunkt der Darstellung der jüngeren dialectischen Verschiedenheit gemacht. Und doch liegt der Vorzug dieser historischen An- ordnung so sehr auf der Hand. Es wird dadurch möglich, mit Leichtigkeit den Lautbestand aller auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehenden Dialecte unter einander zu vergleichen und eine klare Anschauung von dem gegenseitigen Verhältnisse derselben zu gewinnen. Am allernothwendigsten ist es, wenn Pa- rallelgrammatiken verschiedener Dialecte neben einander gestellt werden, von dem Lautstande auszugehen, auf welchem die ihnen gemeinsame Ursprache un- mittelbar vor der Trennung stand. Es ist z. B. nicht möglich, sich durch eine Vergleichung von Weinholds alemannischer und bairischer Grammatik ein Bild von dem lautlichen Verhältniß beider Dialecte zu einander, namentlich hin- sichtlich der Vocale zu machen, und eben so wenig kann man daraus das ge- genseitige Verhältniß der Unterdialecte des Alemannischen und Bairischen klar ersehen. Dasselbe gilt von Holtzmanns altdeutscher Grammatik. Das Ver- hältniß aller einzelnen Dialecte zu einander zu erkennen ist ja aber das eigent- liche Ziel der wissenschaftlichen Grammatik. Und gerade dieses Ziel wird ver- fehlt oder mindestens seine Erreichung bedeutend erschwert, wenn man bei der Anordnung den jüngeren Sprachstand zu Grunde legt. Außerdem ist dieß Ver- fuhren mit ein Grund, daß man bei der bloßen Buchstabenkenntniß stehen bleibt, weil Jede orthographische Verschiedenheit besonders behandelt wird, während das Ausgehen von älterem Sprachstande viel eher zur Erfassung des Lautwerthes führt. Es hängt geradezu aller Fortschritt, den die Behandlung der deutschen Lautlehre machen kann, zum nicht geringen Theile davon ab, ob man sich allgemein entschließt, die bisher übliche unzweckmäßige Anordnung mit der einzig zweckmäßigen historischen zu vertauschen und ich möchte die dringende Bitte darum an alle richten, die sich an die Bearbeitung irgend eines älteren oder jüngeren Dialectes machen. Für wissenschaftliche Zwecke LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 221 ist dieß eine unbedingt berechtigte Forderung. Aber auch für eine Grammatik, die mehr der praktischen Erlernung dienen soll, wie das vorliegende Buch, ist es durchaus wünseheuswerth. Wer altsächsisch lernt, der lernt dieß nicht iso- liert; es ist vielmehr vorauszusetzen, daß er schon vorher gotisch und alt- hochdeutsch getrieben hat. Er wird nothwendig eine Beziehung dazu suchen, und je klarer ihm diese Beziehung ist, um so leichter wird es ihm, das Ein- zelne dem Gedächtnisse einzuprägen. Diese Beziehung herzustellen liegt ja auch durchaus in der Absicht des Verf, und dieß geschieht am besten, wenn bei der Darstellung aller drei Dialecte von dem gemeinsamen Grunde ausge- gangen wird Bei der Darstellung der ältesten germanischen Dialecte muß der Ausgangspunkt das Urgermanische sein, auf dem Standpunkte, auf dem es sich unmittelbar vor der Scheidung in Dialecte befand. Freilich ist dieser Stand- punkt noch nicht allseitig bis zur Zweifellosigkeit festgestellt. Man mag sich daher, namentlich für eine mehr praktische Grammatik begnügen, das Gothische zu Grunde zu legen und dabei auf die ja nicht so bedeutenden sicheren Ab- weichungen desselben vom urgermanischen Stande aufmerksam zu machen. Dabei muß dann aber noch bei strengwissenschaftlicher Betrachtung für das Ahd., As. , Ags. etc. die Zwischenstufe des Süd- oder Westgermanischen beachtet werden, welche für diese Dialecte die nächst höhere Einheit bildet, und die- jenigen Veränderungen, welche etwa zwei benachbarte Dialecte gemeinsam ent- wickelt haben. Auf eine solche nach den Lauten des älteren Sprachstandes geordnete Darstellung der Lautlehre wird dann sehr zweckmäßig eine kurze Uebersicht über das Verhältniß der jüngeren zu den älteren Lauten, nach den ersteren geordnet, folgen. Durch eine solche doppelte nach vorwärts und nach rückwärts gehende Betrachtung wird Klarheit und Übersichtlichkeit erzielt, welche sowohl das Auffaßen als das Merken bedeutend erleichtert. Über die Vorzüge dieses Systems kann wohl kein Streit sein. Ich würde es aber ferner auch für vortheilhaft halten, das, was man jetzt am Schlüsse in den allgemeinen Betrachtungen zu behandeln pflegt, lieber an den Anfang zu stellen. Die zweck- mäßigste Disposition scheint mir folgende zu sein: man stellt zuerst den Voca- lismus der nächsten bekannten älteren Sprachstufe fest, welche dem zu behan- delnden Dialecte zu Grunde liegt; darauf behandelt man die wichtigsten Ver- änderungen des Vocalismus, vor allem diejenigen, welche sich nicht bloß auf einzelne Laute erstrecken, im Zusammenhange, und sucht möglichst deren Chro- nologie zu bestimmen; darauf gibt man eine nach den einzelnen Vocalen der älteren Stufe geordnete Darstellung von dem Vocalismus des jüngeren Dialectes und schließt endlich daran eine nach den Vocalen des letzteren geordnete Über- sicht über das Verhältniß zum älteren Spruchstande ; dasselbe gilt dann vom Consonantismus. Was nun Heyne's Verfahren in Bezug auf diesen Funkt betrifft, so folgt er in der Darstellung des Consonantismus der üblichen Anordnung nach dem jüngeren Lautstande, bei dein Vocalismus dagegen geht er von der älteren Sprachstufe aus, verfällt aber dabei in einen anderen, ganz entgegen^esetztm und nicht minder nachtheiligen Fehler, indem er nullt vom urgerraanhehen, sondern vom indogermanischen Lantetande ausgeht, ein Verfahren, welches tun so schädlicher ist, je leichter es in diu Augen des Unkundigen den Schein großer Gründlichkeil erweckt, weil so weit ah möglich zurückgegangen ist. Bin solches Zurückgehen auf die letzten Grundlagen isl aber nur dann wissen- 222 MTTERA.TUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. l\ ALTNIEDFR. GRAMMATIK. schaftlich, wenn alle Zwischenstufen der Eutwickeluug sorgfältig beachtet werden. Die Hauptzwischenstation zwischen dem Indogermanischen und dem Alts, ist das Gemeingermanische. Uni dessen Laute und Flexionen festzustellen, brauchen wir das Indogermanische. Wenn aber einmal das Gemeingermanische aus dem Indogermanischen abgeleitet ist, so geht uns letzteres nichts mehr an, die ein- zelnen germanischen Dialecte müssen aus dem ersteren abgeleitet werden. Eine Zusammenstellung des altsächsischen Lautstandes mit dem indogermanischen kann uns ebenso wenig befriedigen wie die des neuhochdeutschen mit dem go- tischen. Wir wollen nicht bloß wissen, wie ein Wort einmal früher gelautet hat, sondern wie sich seine Gestalt allmählich entwickelt hat. Es kommt darauf an, immer erst die nächst ältere Stufe, den nächstverwandten Dialect zu ver- gleichen und so allmählich zu einer immer höheren Spracheinheit aufzusteigen. Wenn dieß strengwissenschaftliche Verfahren zu schwierig schien , so wäre es jedenfalls nützlicher gewesen, einfach von den gotischen Vocalen auszugehen. Nach des Verf. Darstellung sieht es gerade so aus als ob alle vocalischen Veränderungen seit der indogermanischen Periode, etwa die Ersatzdehnung aus- genommen, erst nach der Trennung der germanischen Dialecte in jedem ein- zelnen Dialecte selbständig eingetreten seien. Das Verhältniß des Alts, zu den übrigen germanischen Dialecten, worauf es auch dem Anfänger besonders an- kommen muß, ersieht man fast gar nicht. Da heißt es z. B. (S. 6): kurzes a ist vielfach beeinträchtigt durch Verdünnung zu i und Verdumpfung zu u. Aber die Verwandlung zu i und u beruht doch darauf, daß a in diesen Fällen, wie die vollkommene Übereinstimmung sämmtlicher germanischen Dialecte beweisf, bereits im Urgermanischen wenigstens bis zu e und o verändert war. Ja e ist zum großen Theil bereits von allen europäischen Familien entwickelt worden. Mit dieser uralten Modiücation des a wird nun aber vom Verf. der weit jün- gere Umlaut des a auf eine Stufe gestellt. Muß das nicht den Lernenden ver- wirren? Aus einem solchen Verfahren erklärt es sich denn auch, wie H. zu der Ansicht kommt, das a im Gen. und Dat. Sing, der a-Declination (fiskas, finka) sei noch das alte indogermanische. Der Versuch aus der Vergleichung der übrigen Dialecte die urgermanischen Formen zu reconstruieren, würde klar ge- macht haben, daß als solche für den Gen. -es anzusetzen ist. Ja das e scheint schon gemeinsam mit dem Slav. und Lit. entwickelt zu sein. Denn als Grund- form für alle drei Familien haben wir essa (aus indog. asja) anzusetzen, wie die Pronominalformen altpreußisch stessai, altbulgarisch ceso beweisen. Im Dat. steht das Got. mit a vereinzelt dem e (i) der übrigen Dialecte gegenüber. Das a des Alts ist erst wieder aus e entstanden wie im Bairischen des 9. Jahrh. und wie in vielen neueren ober- und mitteldeutschen Mundarten. Dasselbe gilt vom Nom. und Acc. Plur. der Adjectiva {blinda neben blinde) und dem Conj. Präs. der starken Verba und der ersten schwachen Conjugation (falla, neria neben falle, nerie), wo die Übergangsstufen sind ai, <\ e, a. Auch hier stellt Heyne die Formen mit a voran. Gehen wir nun etwas auf das Einzelne der Lautlehre ein. H. stellt S. 4 jedenfalls auf Grund der Forschungen von J. Schmidt (Zur Geschichte des in- dogermanischen Vocalismusi den Satz auf, daß <.? und ö durch Ersatzdehnung aus kurzem a und u entstanden seien. Dieß darf aber nicht ganz allgemein hingestellt werden. Während allerdings gewöhnlich indogermanischem a ein 6 entspricht, zeigt eine Anzahl von Wörtern &, goth. e. Ich führe nur einige LITTERATER: M. HEYNE, KLEINE ALTS. TJ. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 223 Wörter an, in denen ganz sicher altes, nicht erst durch Eisatzdehnung oiier Nasalierung entstandenes d zu Grunde liegt: goth. jers — altbulg. jan'i , zend yäre, griech. ww; ahd. wäri = lat. venis (cf. altbulg. vöra fides); ahd. sämo = lat. semen, altb. sfmr, lit. semü] ahd. mdgro = griech. (*ijxwv\ goth. deds = altb. dctf; ahd. s/rd/w = altb. strt'/a; goth. »perfs zu vergleichen mit dem lit. spkas (iVIuße); goth. mers = altb. -wer« und lateinisch - keltisch -munts in Eigennamen; Heynes Ableitung des letzteren aus dein reduplicierteu Stamme mamri wird durch diese Vergleichung zurückgewiesen ; dem lateinischen mernor entspricht übrigens altn. Mimir; Grimm vergleicht auch (Gesch. d. deutsch. Sprache 865) ags. mimor, meomor, gemimor, welches er aber nur aus Somner entnommen zu haben scheint. Ebenso gibt es lange ü, die nicht aus Ersatz- dehnung entstanden sind, z. B. ahd. müs =■ lat. müs, altb. my§t\ ahd. su ■= lat. sus, gr. avs ; alts. kud = lat. cutis. Die Ableitung von ttiv aus tiuhan ist doch höchst problematisch, da sie nur auf der ganz modernen Redensart 'einen Zaun ziehen beruht. Der Verf. hält ferner an der alten, längst widerlegten Ansicht von Th. Jacobi fest, daß die Scheidung von goth. ei und r/v*, von iu und an schon auf die indogermanische Periode zurückzuführen sei, in der Weise, daß ei und iu als die Dehnung, ai und au als die Steigerung von i und u aufzufassen seien. Man muß allen Respect haben vor den Untersuchungen Jacobis. Aber H. scheint sich gerade etwas Verfehltes daraus herausgesucht zu haben, während er andere richtige Aufstellungen desselben unberücksichtigt läßt. Es sind an und iu beide auf indogerm. au zurückzuführen, ebenso ai und ei, soweit letzteres nicht durch Contraction aus ji oder durch Ersatzdehnung aus in, im entstanden ist. Die Scheidung hat sich erst in einer jüngeren Zeit vollzogen, ganz analog der Spaltung von einfachem a ausserhalb des Diphthonges in a und e fr). Es verhält sich beita zu baif, giuta zu gaut gerade wie giba zu gaf. Hierbei kommt nicht in Betracht, daß allerdings indogerm. ai und au sehr wahrscheinlich auf ursprüngliches i und ü zurückgehen und daß einzelne solche Diphthongisie- rungen von i und ü noch in der späteren Entwickelung der verschiedenen in- dogermanischen Sprachen erfolgt sind, wie dieß namentlich durch J. Schmidt überzeugend dargethan ist. Denn wir haben darum immer die Zwischenstufen anzusetzen: ü — au — en — iu; t — ai — ei — ii, welches dann natürlich zu i contiahiert werden mußte, welchen Laut das gothische ei bezeichnet, wäh- rend iu wegen der Verschiedenheit seiner Bestandteile nicht so leicht der Contraction ausgesetzt war. Durch seine Theorie wird IL verleitet das ü, wel- ches schon öfter in den Ps. statt iu erscheint, für alterthiünlich zu halten (S. 16). Danach verträte z. B. nüwi einen älteren Lautstand als niuwi im Hei. und goth. niujis, während doch bekanntlich das Wort, wie die Vergleichung aller Sprachfamilien zeigt, auf die Grundform navjas = skr. zurückgeht. Es ist klar, daß wir in den Ps. den Anfang zu der später im Niederdeutschen allgemein durchdringenden Contraction von iu zu < vor uns haben. Zu Heynes Beispielen füge ich noch: hundesßuga cinomyia gl. Lips. 592; fhuuue, thuuuon ancillae ib. 936, 7: alhnti Mies aluhti) illumina il>. 15. H. hält goth. i und u durchgängig für älter als ahd. e und n. Ich möchte wissen, welche Gründe er hat an dieser Ansicht festzuhalten gegen die enl gengesetzte von Curtius und Müllenhoff, deren er mit k.-inciri Worte gedenkt, daß ahd. e und o, soweit sie aus indogerm. a entstanden Bind, eine weil ältere 222 UTTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. C. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. schaftlieh, wenn alle Zwischenstufen der Eutwickelung sorgfältig beachtet werden. Die Hauptzwischenstation zwischen dem Indogermanischen und dem Alts, ist das Gemeingermanische. Um dessen Laute und Flexionen festzustellen, brauchen wir das Indogermanische. Wenn aber einmal das Gemeingermanische aus dem Indogermanischen abgeleitet ist, so geht uns letzteres nichts mehr an, die ein- zelnen germanischen Dialecte müssen aus dem ersteren abgeleitet werden. Eine Zusammenstellung des altsächsischen Lautstandes mit dem indogermanischen kann uns ebenso wenig befriedigen wie die des neuhochdeutschen mit dem go- tischen. Wir wollen nicht bloß wissen, wie ein Wort einmal früher gelautet hat, sondern wie sich seine Gestalt allmählich entwickelt hat. Es kommt darauf an, immer erst die nächst ältere Stufe, den nächstverwandten Dialect zu ver- gleichen und so allmählich zu einer immer höheren Spracheinheit aufzusteigen. Wenn dieß strengwissenschaftliche Verfahren zu schwierig schien , so wäre es jedenfalls nützlicher gewesen, einfach von den gotischen Vocalen auszugehen. Nach des Verf. Darstellung sieht es gerade so aus als ob alle vocalischen Veränderungen seit der indogermanischen Periode, etwa die Ersatzdehnung aus- genommen, erst nach der Trennung der germanischen Dialecte in jedem ein- zelnen Dialecte selbständig eingetreten seien. Das Verhältniß des Alts, zu den übrigen germanischen Dialecten, worauf es auch dem Anfänger besonders an- kommen muß, ersieht man fast gar nicht. Da heißt, es z. B. (S. 6): kurzes a ist vielfach beeinträchtigt durch Verdünnung zu i und Verdampfung zu u. Aber die Verwandlung zu i und u beruht doch darauf, daß (i in diesen Fällen, wie die vollkommene Übereinstimmung sämmtlicher germanischen Dialecte beweisf, bereits im Urgei manischen wenigstens bis zu e und o verändert war. Ja e ist zum großen Theil bereits von allen europäischen Familien entwickelt worden. Mit dieser uralten Modification des a wird nun aber vom Verf. der weit jün- gere Umlaut des a auf eine Stufe gestellt. Muß das nicht den Lernenden ver- wirren? Aus einem solchen Verfahren erklärt es sich denn auch, wie H. zu der Ansicht kommt, das a im Gen. und Dat. Sing, der a-Declination (fiskas, fiska) sei noch das alte indogermanische. Der Versuch aus der Vergleichung der übrigen Dialecte die urgermanisehen Formen zu reconstruieren, würde klar ge- macht haben, daß als solche für den Gen. -es anzusetzen ist. Ja das e scheint schon gemeinsam mit dem Slav. und Lit. entwickelt zu sein. Denn als Grund- form für alle drei Familien haben wir essa (aus indog. asja) anzusetzen, wie die Pronominalformen altpreußisch stessai, altbulgarisch ceso beweisen. Im Dat. steht das Got. mit a vereinzelt dem e (i) der übrigen Dialecte gegenüber. Das a des Alts ist erst wieder aus e entstanden wie im Bairischen des 9. Jahrb. und wie in vielen neueren ober- und mitteldeutschen Mundarten. Dasselbe gilt vom Nom. und Acc. Plur. der Adjectiva (blinda neben blinde) und dem Conj. Präs. der starken Vevba und der ersten schwachen Conjugation (fallet, neria neben falle, nerie), wo die Übergangsstufen sind ai, <\ e, n. Auch hier stellt Heyne die Formen mit o voran. Gehen wir nun etwas auf das Einzelne der Lautlehre ein. H. stellt S. 4 jedenfalls auf Grund der Forschungen von J. Schmidt (Zur Geschichte des in- dogermanischen Voealisinus den Satz auf, daß ä und !> durch Ersatzdehnung aus kurzem a und u entstanden seien. Dieß darf aber nicht ganz allgemein hingestellt werden. Während allerdings gewöhnlich indogermanischem u ein 0 entspricht, zeigt «-ine Anzahl von Wörtern &, goth. >'. Ich führe nur einige LITTERATFR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 22'.) Wörter au, in denen ganz sicher altes, nicht eist durch Ersatzdehnung oder Nasalierung entstandenes a zu Grunde liegt: goth. jers altbulg. jarü, zend yare, griecli. ÜQa; ahd. wärt = lat. verus fcf. altbulg. vära fidcs); ahd. mmo = lat. semen, altb. sf'mr, lit. eemü\ nhd. m&go = griech. fjiqxw] goth. deds = altb. ■ und o. Ich möchte wissen, welche Gründe er hat an «lieser Ansieht festzuhalten gegen die enl • ••■• wui Curtius und Müllenhoff, deren er mit keinem Worte gedenkt, daß ahd. e und o( Boweit sie aus indogerm. a entstanden sind, eine w.it ältere 224 LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. Lautstufe repräsentieren, durch die auch das Gothische hindurchgegangen ist. Die im Mon. so häufige Verwandlung des a zu e und des o zu a in Flexions- silben hätte doch jedenfalls in der Grammatik erwähnt werden müssen, wenn man sie auch nicht dem Originale des Hei. zuweist. Zu den Spuren des Um- lautes S. 17 füge ich geuuilitte (= gevuilithe) abundantia gl. Lips. 523 und neruoiki ib. 704. Der Verf. hält, wie freilich die meisten deutschen Gramma- tiken, <'■ für zusammengezogen aus ahd. ia z. B. in href meda*) (S. 13), wäh- rend umgekehrt ia aus e entstanden ist, wie uo aus 6, was schon längst Ja- cobi eingesehen hat. Inwiefern ie in hie, fhie etc. aus iu geschwächt sein soll, welches noch in ihhi, thius voll erhalten sei (S. 18), darüber möchte ich denn doch den Verf. noch um einige nähere Auskunft bitten. Was die Consonanten angeht, so bemerke ich zunächst zu S. 20, daß Ps. 1 — 3 nicht von einem Uebersetzer herrühren, der an der Grenze des mit- telfränkischen Gebietes seine Heimat hatte, sondern daß sie überhaupt mittel- fränkisch sind nach der Begrenzung dieses Dialectes, wie sie von Braune in der oben citierten Abhandlung gegeben ist. Im ganzen ist die Darstellung des Consonantismus entschieden besser als die des Vocalismus. Ein Fortschritt gegen die meisten früheren Grammatiken zeigt sich namentlich darin, daß der Verf. zwischen Aspiraten und Spiranten zu scheiden weiß und th, d und h richtig zu der letzteren Classe zählt. S. 21 wird mit Recht aus der Allitteration und aus der Schreibung g und gl für j gefolgert, daß g im Anlaut als Spirant zu fassen ist, mit Unrecht aber wird dieselbe für den In- und Auslaut in Zweifel gezogen. Ich verweise hierüber, sowie überhaupt über das Verhältniß der Spi- ranten und Medien auf meine Abhandlung zur Lautverschiebung in den Bei- trägen zur Gesch. der deutschen Sprache I, S. 147 ff. Ich bemerke noch daß g vor harten Vocalen (a, o, u) als gutturale (wie in nhd. sagen), vor weichen («, i) als palatale Spirans (wie. in nhd. legen) ausgesprochen zu sein scheint. Deshalb wird zur Bezeichnung der alten palatalen Spirans j vor weichen Vocalen einfach g (ger, gihit) , vor harten gi (giamar, giungaron) verwendet. Dieselbe Bedeutung wie gi im Anlaut hat ge im Inlaut, welches nur nach Vocalen an- gewendet wird : sirfdgean, uualcogeandi. Daß dieß ge nicht auch nach Consonanten für j geschrieben wird, hat, seinen Grund darin, daß hier j seine ursprüngliche vocalische Natur noch nicht eingebüßt hat, wie das Schwanken der Schreibung zwischen i und e (hebbian-Jiebbean) beweist, während umgekehrt der Eintritt des g, gi, ge im Anlaut und inlautend zwischen Vocalen beweist, daß in diesen Stellungen das vocalische Element des j verloren gegangen war. Wenn H. von der 'zum Theil noch bestehenden gutturalen Aussprache des g spricht , so ist das ein unpassender Ausdruck ; denn er meint doch wohl die Aussprache des g als Verschlußlaut. Für diese im Auslaut sprechen aber nicht gh und ch, und c ist zu vereinzelt. Dagegen spricht für die spirantische Aussprache des g im Auslaute, daß es häufig für // geschrieben wird (z. B. mag C. 1720, ebenso vor t magiig C. 423, 1378, almahtigna C. 416), welche Schreibung II. mit Unrecht S. 29 als eine wirkliche lautliche Wandlung des h in g fasst, wie im Inlaut, z. B. in gesagon. H. meint, daß sich in- und auslautendes // zu g verhärte, wieder ein sehr unangemessener Ausdruck. Wenn man die Aus- drücke 'hart' und 'weich' beibehält, so sollte- man doch immer einen bestimm- *) In seinem Hol. setzt H. merkwürdigerweise meda an, ebenso her — ahd. Mar1, LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 225 ten Begriff damit verbinden, und mit "weich die tönenden und die wenigstens nach Brücke mit Flüsterstimine gesprochenen Consonauten bezeichnen , mit hart dagegen die tonlosen. Danach aber ist der Übergang von h in g nicht eine Verhärtung, sondern eine Erweichung. H. liebt überhaupt solche unklaren bildlichen Bezeichnungen, wodurch, wie es scheint, eine stylistische Abwechslung erzielt werden soll , die aber nur dazu dienen, die Anschauung von den laut- lichen Vorgängen zu verwirren. H. bezweifelt S. 24, daß nach Ausfall des Nasals vor s, th , / der vorhergehende Vocal verlängert sei. Für das Angel- sächsische findet er in seiner Grammatik der altgermanischen Sprachstämme die Verlängerung wahrscheinlicher; das Neueuglische spricht hier entschieden dafür. Aber welchen Grund haben wir in diesem Punkte eine Scheidung zwi- schen Alts, und Ags. zu machen. Der Vorgang ist doch in den beiden nahe verwandten Dialecten ganz derselbe und es besteht sicher darin ein historischer Zusammenhang zwischen beiden. Daß der Vocal noch Nasalklang gehabt hat, ist möglich, aber darum war er doch schon lang, und nach dem Verluste der Nasalierung wäre keine Veranlassung mehr gewesen ihn zu verlängern. Die Länge wird klar bewiesen durch das suotk des Cott. und durch das neunieder- deutsche gaus Gans, welches auf ein altes gas zurückgeht, wie faul auf föt. S. 30 sieht der Verf. in forihUi und ammathta den Übergang der gutturaleu in die dentale Spirans wohl nach Analogie von altengl. Icnijd; gewiß aber haben wir darin nichts anderes zu sehen als eine in alt- und mittelhochdeutschen Hss. häufige verkehrte Stellung von th, wie sicher in Irliothe, wozu dann nur noch eine Wiederholung des t hinter dem h kommt. Was die Flexionslehre betrifft, so wird sich nicht viel gegen die Zusam- menstellung der Formen sagen lassen, die ziemlich reichhaltig und genau ist, aber desto mehr gegen die sprachwissenschaftlichen Aufstellungen des Verf. Er hätte überhaupt viel besser gethan , wenn er sich rein auf das Factische be- schränkt hätte und alle Erklärungsversuche und Zurückführuugen auf die ur- sprünglichen Formen unterlassen hätte. Es gilt dieß namentlich von der Decli- uation. H. scheint zu glauben, daß es ein sehr wissenachaftliches Verfahren sei, wenn er überall den Stamm mit dem ursprünglichen Auslaute, den derselbe im Indogermanischen hatte, aufführt und dann auseinandersetzt, wie sich zu demselben die verschiedenen Casus verhalten. Solche Aufstellungen von Stäm- men haben aber eine reelle Bedeutung nur für die indogermanische Ursprache, wenn es sich darum handelt, die ursprüngliche Zusammensetzung aus Stamm und Flexionsendung nachzuweisen. In die Einzelsprachen sind keine Stämme und Endungen, sundein nur fertige Wörter übergegangen, in denen Stamm und Flexion untrennbar verbunden sind. Aus diesen fertigen Wörtern entwickeln sich die Formen der Einzelsprachen, theils durch rein lautliche Veränderungen, theils durch Analogiebildungen. Nachzuweisen, wie dieß geschieht, das ist die Aufgabe der wissenschaftlichen Grammatik. Davon findet sich nun aber bei II nichts. Statt dessen heißt es etwa: in dem Casus ist der Stammlaut voll er- halten, in dem zu e geschwächt, in dem verlängert, m dem geschwunden Solche Bemerkungen haben nicht den geringsten Werth, damit ist durchaus gar nichts erklärt. Es ist damit zum mit dei Kaum nutzlos verschwendet. Aber sie haben geradezu einen schädlichen Einfluß, indem der Unkundige sich einbildet, es seien damit die Formen erklärt. Bin paar Mal, wo der Verf. einen Ansatz zu wirklicher Erklärung macht, gel ten Verkehrtheiten, GERMANIA. Neue Keilie. VU. (XU. Jahrg.) 15 226 LITTERATUR: M. HEYNE. KLEINE ALTS. IT. ALTN1EDFR. GRAMMATIK. so wenn er S. 70 den Übergang von a in u in Neutr. PI. der a-Declination (fahi) aus Einfluß eines Nasals unter Vergleichung der specifisch sauskritischen Endung -äni ableitet, während doch für die europäischen Sprachen sicher die Grundform -a anzusetzen ist, und während anderseits der Übergang des kurzen auslautenden a in u nach einem ziemlich durchgreifenden Lautgesetze in allen germanischen Sprachen, soweit sie nicht wie das Gotische früh ausgestorben sind, erfolgt ist. Noch einige einzelne Bemerkungen. In Bezug auf die Zusammenziehung der reduplicierten Präterita (htld, let) stellt der Verf. wieder die landläufige Ansicht auf, wiewohl das Richtige von Scherer, Zur Geschichte S. 10 ff. und schon längst von Jacobi, Beitr. S. 60 ff. gezeigt ist, daß lelt, nicht leet als Zwischenstufe anzusetzen ist. — S. 37 ist hawan unrichtig in Classe I der reduplicierenden Verba gestellt, es gehört in Classe V (Wurzel ku); das praet. ist heu anzu- setzen. Ebenso ist hreuuan nicht in Classe II, sondern in V der ablautenden Verba zu stellen. — Wie kommt H. dazu, dem Verbum odan die Bedeutung 'zeugen' beizulegen? — Es ist nicht ein starkes giflihan anzusetzen, sondern ein schwaches giflihean = ahd. flehjan. — Die 3. sg. geht in den Ps. wohl nicht bloß in manchen Beispielen (S. 50), sondern in allen auf t aus. — Das o in der zweiten schwachen Conjugation ist in den Ps. nicht mehr als lang anzusetzen, da es mit allen anderen Vocalen wechselt. Die Reste consonantischer Declination vom Femininis hat H. gänzlich verkannt, indem er sie einfach unter die ^-Declination stellt S. 75. Es ist klar, daß die Dative bürg, magad, naht und die von H. nicht angeführten idis, uuerold, middilgard, ebenso die Nom. Acc. Plur. magad, naht nach consonan- tischer Declination gebildet sind; wir brauchen zu ihrer Erklärung nicht die sonderbare 'Neigung die Form des Nom. Acc. Sing, auch für andere Casus zu verwenden'. Die Genetive burges, kustes (auch nahtes wäre hier aufzuführen gewesen) sollen nach H. alterthümliche Formen der z-Declination sein, die noch das alte s erhalten haben. Aber wo kommt dann bei der Alterthümlichkeit schon das e her? Das s fällt außerdem nach einem allgemeinen Gesetze in allen südgermanischen Dialecten ab. Es liegen vielmehr Formen nach conso- nantischer Declination zu Grunde baurgs etc., auf welche dann die naheliegende Analogie der masculinen und neutralen a-Declination eingewirkt hat, welche dann auch gewirkt hat, daß giburdes zum M. oder N. geworden ist. Daher er- klärt sich denn auch die Behandlung des Wortes kraft, welches gleichfalls hierher zu ziehen ist. H. setzt dasselbe im Glossar zum Hei. als m. und n. an. Aber im Nom. und Acc. hat es stets das ihm ursprünglich zukommende feminiuale Geschlecht bewahrt. Das Masc. tritt erst im Gen. kraftes ein, und dieser wird dann Veranlassung zur Bildung eines masculinen Dat. krafte, krafta und lustr. kraftu. — Zu den Zahlwörtern (S. 94) bemerke ich, daß es schwer- lich berechtigt ist, einen Gen. tweiö anzusetzen statt tweiö. Die Contractiou ist hier ebenso unterblieben wie in eia (ovo), eie.ro. Wahrscheinlich wurde das i doppelt als Vocal und Consonant gesprochen, und es ist dann damit in Parallele zu stellen das Unterbleiben der Contractiou von au vor w. Der Dat. thrim für thrim = goth. prim ist natürlich eine Unform. Langer Vocal tritt erst ein, wenn das Wort adjeetivisch decliniert wird; dann aber müßte die Form thrmn lauten. — Beim persönlichen Pron. ist der Gen. PI. fälschlich userö an- gesetzt. Derselbe ist nur einmal belegt in der Form user C. 5938, wie auch LITTERATUR: K. A. HAHNS ALTHOCHDEUTSCHE GRAMMATIK 227 nach Analogie von iwar zu erwarten ist. Der Gen. Du. unker o ist nur belegt C. 5595 in unkero seltero, welches sich ebenso erklärt wie das .spatere mines selbes. In der Rerlexivforra sig (ebenso in unsig) fasst H. das g mit Unrecht als eine Erweichung aus h. Es ist als eine Spirans aufzufassen wie das nie- derländische beweist. Möglicherweise ist es eine Entlehnung aus dem Hoch- deutschen und hatte das Niederfränkische ursprünglich ebenso wie das Sächsi- sche das Reflexivpronomen verloren. LEIPZIG, im Januar 1874. H. PAUL. K. A. Hahns Althochdeutsche Grammatik. Nebst einigen Lesestücken und einem Glossar. Mit Rücksicht auf die Fortschritte der Wissenschaft bearbeitet von Adalbert Jeitteles. Dritte, vielfach veränderte und ver- mehrte Auflage. Prag 1870. Verlag von F. Teinpsky. 132 S. gr. 8. Auswahl aus Ulfilas gothischer Bibelübersetzung. Mit Glossar und einem Grundriß zur gothischen Laut- und Flexionslehre. Von K. A. Hahn. Dritte Auflage herausgegeben und bearbeitet von Adalbert Jeitteles. Heidelberg. Akademische Verlagshandlung von J. C. B. Mohr. 1874. 121 S. gr. 8. Unsere Absicht, der dritten Auflage von Hahns ahd. Gr. einige Worte zu widmen, hat sich aus verschiedenen Gründen verzögert, wir vereinigen dieselbe also jetzt mit der Besprechung der uns vorliegenden Auswahl aus Ullilas in dritter Auflage. In beiden Büchern ist als die Hauptsache nicht sowohl der gram- matische Theil — denn Hahns noch eng an Grimm angeschlossene Behandlung bietet hier dem Bearbeiter, der nicht Alles umzugestalten wünscht, manche Schwierigkeiten — als die verständig getroffene Auswahl von Lesestückeu mit einem für praktische Zwecke und selbst für Universitäts- Vorlesungen im Gan- zen genügenden Glossar anzusehen. Was zunächst die ahd. Chrestomathie be- trifft, so wäre wohl entweder eine streng chronologische Vorführung, oder eine Thedung der Lesestücke in poetische und prosaische der jetzigen Anordnung vorzuziehen. Letztere Gattung würde — im Fülle einer neuen Autlage — durch einen kleineu Abschnitt aus Willirams Hohem Liede, der noch S. 93 Platz finden könnte, eine wünschenswerthe Ergänzung finden können. Die Texte selbst sind mit Sorgfalt behandelt*), und würde nur hie und da eine sichere Emendation, z. B. im Muspilli Z. 66 K. Hofmanns wartil Aufnahme verdienen. Eine erneuerte Durchsicht des Wortvorrathes würde nichts schaden können, da im Glosaar nicht nur einzelne Worte, wie miatä (Musp. '/. 72) und sklt **) (Merig. Z. 33j, das Adv. ivola und vielleicht noch andere, gänzlich fehlen, sondern auch die Erklärung nicht überall ausreichend sein dürfte. Bei pilipi, das Wacker- nagel allerdings auf pilipan zurückzuführen sucht, wäre die andere Erklärung, welche das Subst. lip heranzieht und pilipi oder pilipi ^vgl. Gr. 11, 14, 111, 500) als Lebensunterhalt fasst, wohl auch zu berücksichtigen gewesen - Bei ga- cherjan wäre die Paraphrase ^kehren" ausreichend, [rrthümlich sieht hinter cltibon (Hild.), es findet sieh nur im ersten Merseburger Spruche Drockfehlei Bind B. 8. 72 Z. 84 ubano&han, 8 84 (12) /.. 4 nah, - Z. 49 th'i'r (1, ther oder thdrj. \ ichträglicb finde ioh ■>' im Ulossar, 15* 228 LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. Bezüglich des grammatischen Theils ist der Bearbeiter in seinem fleißigen Bestreben, Hahns Behandlung des Stoffes mit dem jetzigen Standpunkt der Wissenschaft auszugleichen, nicht immer glücklich gewesen. Es gilt dieß ganz besonders von der Lautlehre. Ohne hier ins Einzelne einzugehen — ein paar störende Druckfehler S. 2 und 3 sind wohl schon von anderen Seite hervor- gehoben, S. 1 1 Z. 3 v. unt. muß es statt gothische doch wohl althochdeutsche heißen? — heben wir nur noch die unklare Weise hervor, in der S. 23 For- men wie pruston, laston behandelt werden. Da lustus im Goth. entschieden der u-Classe folgt, so wird man im Ahd. wohl beide Formen, zumal neben pruston ja (wie gleich darauf bemerkt ist) prustum sich findet, zu den Überresten der u-Classe zählen dürfen. — S. 30 unten wäre wohl eher von einer Angleichung der adjectivischen Declin. an die substantivische zu reden. Betreffend die Auswahl aus Ulfilas, die den ganzen Marcus, Bruchstücke der anderen Evangelien und der Epistel darbietet und somit auch jetzt, wo Viele allerdings vorziehen mögen , die vollständige und nicht zu theuere Aus- gabe des Ulfilas von Heyne zur Hand zu haben, als eine ausreichende Chre- stomathie wird angesehen werden können, haben wir nur Weniges zu bemerken. Auch hier fehlt es der grammatischen Behandlung — bei dem unverkennbaren Streben des Herausgebers, dem neueren Standpunkt der Forschung gerecht zu werden — vielfach an klarer und sicherer Darlegung der Vei'hältnisse, am meisten wiederum bei der Lautlehre. Was S. 58 über die angeblichen Ausnahmen von der Lautverschiebung gesagt ist, möchte Ref. nicht durchweg unterschreiben. Beim Selbststudium wird man wohl thun, sich mehr an die einfachen Regeln, als an deren Erläuterungen zu halten, bei akademischen Vorlesungen wird sich Manches ergänzen, Andres also berichtigen lassen. — Text und Glossar sind — soweit Ref. nach vorläufiger Durchsicht urth eilen kann — auch hier mit Sorg- falt behandelt, die durchgängige Schreibung e und 6 ist, solange man überhaupt die Quantitäten zu bezeichnen für nöthig hält, sogar consequenter als die von Heyne nach Stamms Vorgang gewählte. Zu den langen Vocalen hätte auch das von Holtzuiann (Altd. Gr. S. 3) wohl mit Recht in einigen Fällen ange- nommene ä gezählt werden können. E. WILKEN. Gregorius von Hartmann von Aue. Herausgegeben von Hermann Paul. Halle a. S. 1873. Lippert'sche Buchhandlung (Max Niemeyer). 8. XVII, 166 SS. Vorliegende Ausgabe ist die erste des Gregorius, die den gesammten kritischen Apparat enthält, auch die von verschiedenen Kritikern gemachten Besserungsvorschläge übersichtlich zusammenstellt , so daß man bei jedem Verse die vollständige Geschichte des Textes und der Kritik beisammen hat. Macht sie schon das dem Forscher unentbehrlich, so gewinnt sie noch höheren wissenschaftlichen Werth dadurch , daß hier zum erstenmal das Handschriften- verhältniss gründlich untersucht und erörtert ist. Es ergibt sich aus dieser Untersuchung, daß keineswegs die römische Handschrift einen durchgehenden Vorzug vor den übrigen verdient, wie auch keine der übrigen Hss. einseitig zu bevorzugen ist. Von den Hss. stehen nach Paul nur ein paar in directem Verwandtschaftsverhältniss , nämlich AH und anderseits CE, während BDFG weder unter einander noch mit den übrigen zunächst verwandt sind. Die Über- LITTERATUE: H. PAUL. GREGORIUS. 229 einstimmung der unabhängigen Zeugen ist daher maßgebend für die aufzuneh- mende Lesart. Wenn man letzteren Grundsatz ohne weiters als den allein berech- tigten zugeben muß, so darf man doch die große Zahl von selbständigen Zeugen auffallend finden, während sonst meist die Hss. in weniger zahlreiche Gruppen sich gliedern. Mir will scheinen, als wenn die Zahl der selbständigen Quellen sich etwas verringern dürfte , wenn man in Anschlag bringt , 'hiß die Willkür ändernder Schreiber sich namentlich in der geistlichen Poesie sehr bemerklich macht. Ich halte auch jetzt noch dafür, daß E und G in einem näheren Ver- hältniss zu einander stehen: unter den von Paul S. VT angeführten Stellen sind doch solche wie 2405 daz ich nicht sey ein edel man statt daz ich si ein ungeboru man A nicht zufällige Übereinstimmung; denn nimmt man auch mit Paul an, daß der Ausdruck ungeborn den Anstoß zur Änderung gegeben, so ist doch die gleiche Ersetzung durch edel und die ganz gleiche Fassung des Verses zu beachten. Auch der gleiche Fehler gedacht für gdhet 2347 ist doch wohl mehr als Zufall. Wenn anderseits E unverkennbar mit C stimmt, so ist dies kein Beweis gegen eine Verwandtschaft von E und G, sondern nur dafür, daß zwischen CE ein noch näheres Verhältniss besteht als zwischen EG. Ich lege daher auf Fälle, wo EG gegen A stimmen, kein so großes Gewicht als Paul thut. Verderbnisse zeigen alle Hss. ; aber auch wo die Lesart jeder einzelnen an sich unverderbt scheint, braucht noch keineswegs die echte Lesart erhalten zu sein. Diese ist vielmehr oft erst aus dem Zusammenhalt der verschiedenen Lesarten zu gewinnen. In diese Kategorie gehören namentlich die Änderungen aus metrischen Rücksichten. Hartmanns Verse, die in vieler Hinsicht von den im 13. Jahrb. üblichen Regeln abweichen, veraulaßten sehr häufige Hinzufügung kleiner Wörter, meist um den zu kurz erscheinenden Vers zu dehnen, mit- unter auch um den metrisch überladenen glatter zu machen. Nicht immer, ja in den seltensten Fällen sind derartige Besserungsversuche zu durchgreifenden glättenden Umarbeitungen geworden, sondern der einzelne Schreiber, der bei der Abschrift eines deutschen Werkes nicht mit der Genauigkeit verfuhr wie bei der Copie einer lateinischen Handschrift, änderte wo es ihm in den Sinn kam. Dabei kann es denn vorkommen, daß verschiedene Schreiber bei nahe- liegenden Ergänzungen auf das gleiche verfielen, ohne daß man daraus auf eine Verwandtschaft der Hss. zu schließen brauchte, oder wenn nicht verwandte Hss. darin zuweilen zusammenstimmen, das ergänzte Wort als dem echten Texte augehörig ansehen müßte. Wir werden nachher einige Stellen anführen, wo Paul selbst aus den Varianten der Hss. den echten Text erst erschlossen ha1 : ich glaube jedoch daß dies, unter Festhaltung des kritischen Grundprincips der Verwandtschaft, noch öfter zu geschehen hat. Die metrische Behandlung hat manches auffallende; am meisten die durchgängige Beseitigung der viermal gehobenen Verse mit überschlagender Silbe, welche Paul anzuerkennen sieh sträubt. Ich glaube, mit Unrecht. Wenn wir auch einräumen, daß viele solcher Verse durch andere Lesung (zweisilb. Auftaci etc.) sich entfernen la ten, so isl doch in anderen die Reducierung auf das Maß von drei Eebungen mit klingendem Reime sein- hart. So lange also nicht überhaupt uachg« t, daß Bolche verlängerte Verse, die ich als aus der romanischen Poe ie eingedrungen ansehe, zur Zeil Bartmanns nicht existiert haben, so lange sind wir nicht berechtigt, ihr Vorkommen bei einem erzählenden Dichter, wo die Überlieferung ohne Zwang darauf führt, zu negieren. 230 LITTERATUK: H. PAUL, GREGORIUS. Eine ausführliche Quellenuntersuchung lag nicht in des Herausgebers Ab- sicht; daß das französische Gedicht genau und sorgfältig herangezogen ist, beweisen die Stellen, an denen mit Hilfe desselben die Lesart Hartmanns ge- sichert wird. Ich stimme Paul darin vollkommen bei, daß es unberechtigt ist, auf Grund einiger uns nicht begreiflicher Abweichungen ein anderes als das uns erhaltene französische Gedicht als Quelle anzunehmen. Wahrscheinlich bleibt nur, daß die Hartmann zugängliche Redactiou in ein paar Punkten von dem in Tours befindlichen Texte abwich. Gehen wir nun zu Einzelheiten der Kritik über, so schicken wir voran, daß an vielen Stellen die neue Ausgabe theils früher verworfene Lesarten der Hss. in ihr Recht einsetzt, theils aus der Entstellung sehr glücklich und ge- schickt emendiert. Ich führe als Belege für beides an 184 f. 777 f. 802. 940. 1155 f. 1563 f. 1886. 2162 f. 2307. 2340. 2503. 2568. 2770. 3411. 3641 ff. 3538. An der vorletzten Stelle sind dem Texte zwei in EG erhaltene Zeilen zurückgegeben worden. Der in G allein erhaltene Eingang wird wohl immer eine Crux der Kri- tiker bleiben; auch Pauls Herstellung ist, wie er selbst zugibt, nicht durchaus befriedigend. Unzweifelhaft aber ist mir, daß eine Lücke nach 15a nicht an- zunehmen. Ich halte auch jetzt noch meine Besserung von 15a f. der gedanc, als er ze rehte sol, den fürgedanc richet (Hs. richtet) für die richtige: dieser (eben ausgeführte) Gedanke (du bist noch jung, deine Sünden lassen sich noch gut machen) straft die (gute) Absicht (nämlich im Alter zu beten und dadurch die Sünden gut zu machen); denn (wand statt und) ein plötzlicher Tod im Alter bricht diese Absicht ab, ehe sie zur Ausführung gelangt. Der Grund- fehler liegt in dem Aufschieben der Reue, da hilft auch die gute Absicht nichts, sondern diese leidet ebenfalls unter jenem verwerflichen ersten Gedanken und seinen Folgen. Das brihtet Pauls in v. 18a scheint mir keine glückliche Emendation; viel näher liegt doch, daß die Form richet von einer jungen Hs. in richtet entstellt wurde, während das andere Reimwort, weil auch in jüngerer Sprache so lautend, unentstellt blieb. Die Verse 31a — 36" haben hingegen erst durch Pauls Herstellung einen befriedigenden Sinn bekommen. 33" ziehe ich allerdings rntner Sünden bürde noch vor dem immer sundecleiche bürde der Hs.; vgl. daz smer silnden bürde deste ringer waere 3552; der Sünden bürde 3668. Wir erwähnten vorher des Falles, daß aus metrischen Gründen Worte interpoliert wurden, um den Vers zu verlängern. Hier hat sich nicht selten in einer Hs. das ursprüngliche erhalten; so 1913 in E der half im für die stat,. wo A ouch für, G uz für = für haben ; mit Recht ist hier der Heraus- geber der Lesart von E gefolgt, er erklärt allerdings die von G für ebenso gut. So hat auch 3201 E das ursprüngliche bewahrt: des morgenes vil vruo, nur daß sie morgens schreibt; G hat do des morgen(s) gar fruo, A des mor- gens fuoren si vil fruo; auch hier schließt sich Paul an E an. 3118 unde bäten in da = E (nur und) ; dagegen G statt in : den lischer, B in den wirt, A ließt nü bäten si in da, was Lachmann und Bech aufnahmen. Es ist augen- scheinlich, daß die Änderungen den bei der Ausprache und zu kurz scheinenden Vers verlängern wollen. Und dieser Fall ist nicht der einzige im Gregor. Auch 752 hat E ganz richtig unde sagen wie ez ergie, wo A nach sagen ein iu ein- schiebt, das die Ausgaben aufnehmen. Umgekehrt schiebt E ein 2068 unde viel vil gar dar an (= A, Lachmann, Bech) wo E (= G) und geviel; 2178 LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. 2ol unde host mir da mite (= AH, Lachm., Bech), wo E und hast vil dicke mir. 123 bietet A ze tische undc anderswd, E hat und ouch, G ganz abweichend hei ml 'ich noch anderswo. Der Vers ist freilich in der Fassung von A bedenk- lich, weil unde hier vor folgendem Vocal Hebung und Senkung bilden soll; aber dieser Fall ist im Gregor (nach Pauls Texte) nicht vereinzelt, vgl. ander unde über gespreit 538, wo E ebenfalls ändert; triben uz unde in 1179, wo E ändert haben getriben; unde über diu laut 1519, wo E über alle lant, und auch A ändert, H und ouch schreibt, und nur G das von Paul gewählte bietet. Wie hier H, wie 123 E, so schiebt E auch 97 das Wörtchen ouch ein. Steckt in der Lesart von G in V. 123, in welcher heimlich aus zetisch (h aus der be- kannten Form des s) entstellt ist, in noch ein joch, wie ich früher vermuthete, so fällt der metrische Anstoß fort. Andere Stellen, wo E theils allein, theils in Übereinstimmung mit G, ein Wort einschiebt oder ändert, sind folgende: 501 hat A von erste erhaben sint, auch wenn man nichts ändert, bei Hartmann statthaft, aber besser in der für Hartmanns Zeit anzunehmenden Form erest, die ich auch für Walther (104, 6 Pf.) angesetzt habe. E schreibt von aller erste, und so auch Paul. Wie hier, so ist aller eingeschoben 1335 in GE, während es in A fehlt; — 554 liest A da schreip diu muoter an, und so Lachmann und Bech. E hat des kindes für diu und hier auch B die gleiche Lesart, was für deren Echtheit sprechen könnte. Allein abgesehen davon, daß BE in Fehlern auch sonst stimmen (S. VII), so ist auch bei völliger Unabhängigkeit der beiden von einander die Überein- stimmung kein Beweis der echten Lesart, denn nahm man an der metrischen Bildung des Verses Anstoß, so konnte die Änderung kaum anders lauten als wie in BE. Schwer glaublich ist dagegen, daß Hartmann, wenn er hier des kindes schrieb, zwei Zeilen nachher geschrieben haben sollte von des kindes ahte. — 585 durch siner triuwen rät A, E durch grozer siner, was Paul, der A in den Text setzt, für vielleicht richtig' erklärt. Ich halte grozer für eingeschoben, um durch, als erste Hebung ohne nachfolgende Senkung gebraucht, zu beseitigen. Wie hier, so ist auch 2035 durch so gebraucht: durch got haete erkorn, wie Paul ganz richtig gegen alle Hss. setzt; A hat ir durch, E durch gotes hulde, G verkorn (wobei zu lesen hdete verkorn). — 591 hat A im ivart dd benant, E hat an der schrift wart niht benant, was Paul für gleich gut erklärt, was aber nach meiner Ansicht metrische Correctur ist, eine unnöthige freilich, da Hartmann sicher ime auch noch zweisilbig sprach. So steht es, ein Beweis der Iuconsequenz der Schreiber, 286 9 in E im truoc daz wtp dar in, wo A daz guote ivip, was die Herausgeber aufnehmen. — 710 A so si es state gewan, E hat als ofte *\ des. Vergleicht man V. 318 der uns ze staten gestdt, wo E der uns vil wol ze staten gdt, so wird man kein Bedenken fragen, auch 710 die längere Form des Verses in E nicht für ursprünglich -zu halten und A den Vorzug zu geben. — 1914 A mit vlize er in des l>at, EG und Paul mit grozem vlhe. Auch wenn wir EG als von einander anabhängig betrachten, ist die Ergänzung grozem, am den scheinbar zu kurzen Vera zu strecken, so nahe liegend, daß man sieh über das Zusammentreffen kaum wundern kann, mit bildet erste Bebung ohne folgende Senkung, wie 3641 auch in Pauls Texte und nach meiner Ansicht auch L^'.i.'i('>, wo man lesen muß mit roten ougen dun, von dan schreibt Paul, während von in AK fehlt; vgl. Germania 14, 430. — 2199 s'd tr des landet phlac A (— Lachm., Bech), E Behob ein />!• £tbU nach er, und 232 LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. H änderte, ebenfalls aus metrischen Gründen, des in disses. — 2252 als ich dich hoere jeken A, ganz richtig, E aber schreibt dich da, H dick dö, als ver- schiedene Ergänzungsversuche, die übrigens auch wenn man do = da nimmt, nichts für die Echtheit des in A fehlenden Wörtchens beweisen. — 2406 haben AB weste ich wer iuch dar an; EG and am Anfang hinzugefügt. Hier konnte man leicht versucht sein zu lesen west ich wer iuch dar an und dies veran- laßte die Hinzufügung von und. — 3569 A ditze waere ein saelic man, E er waere zool ein. Auch hier verdient. A den Vorzug, den ihm Bech und Lach- mann geben, ditze, im 13. Jahrh. gewöhnlich einsilbig gebraucht, schien einen zu kurzen Vers zu geben und darum änderte E. Es fehlt aber auch nicht an Stellen, wo A ähnliche Flickwörter einfügt. Ein paar haben wir schon gelegentlich angeführt; eine andere ist 3456 er sprach herre ich bin so G, A hat vil lieber herre, E vil salig herre; AE treffen also nur in der Ergänzung vil überein, entfernen sich aber in dem dabeiste- henden Adjectiv, das hinzugefügt ist, weil der Vers zu kurz schien, aber nicht ist, denn auf ich ruht hier offenbar ein Nachdruck. Seltener ist der umgekehrte Fall, daß die Hss. Worte weglassen, um den Vers geschmeidiger zu machen. So 125 in A daz si sich wol mohten under- sehen, ivol fehlt in EG und bei Paul, wodurch der zweisilbige Auftact beseitigt ist. Auch diese Übereinstimmung von EG ist erklärlich selbst wenn man sie als selbständige Quellen ansieht. — 126 der abbt sprach mm vil liebez leint' G; in der zweisilbigen sonst von Hartmann gebrauchten Form abbet überladen, daher B vil tilgt, während AE min auslassen. — 1811 da von er da wart ze schalle A; BE lassen das zweite da weg, wodurch der Vers den zweisilbigen Auftact ver- liert. Aber auch wenn man den Vers als einen mit überschlagender Silbe liest, so ist ersichtlich , daß die Weglassung von da eine metrische Correctur ist, wie in der nächsten Zeile (und ze prise für si edle) B aus gleichem Grunde und wegläßt. — 1895 Gregorjus sich des vil gar bewac AG, E hat vil nicht; die Übereinstimmung von AG entscheidet, die Lesung sichs vil gar, die ich schon früher vorschlug, ist daher zu setzen, wie Paul (Einleitung S. VI) für vielleicht richtig hält. -- 3744 gnade herre, sprach daz arme wip nach E, A hat arme weggelassen, um den schweren Auftact zu beseitigen. In den bisher erwähnten Stellen hat das echte sich in einer oder mehreren Handschriften erhalten. So auch noch in 1469, wo B liest er schuof daz man im streit. Schreibt man ime (vgl. S. 231), so ist der Vers ganz tadellos; bei der im 13. Jahrh. geläufigen Form im war er natürlicher mit drei Hebungen zu lesen. Daher setzen EG dd schuof er, A nü schuof er; die Ähnlichkeit in den Änderungen erklärt sich von selbst und konnte hier kaum vermieden werden. Einen analogen Fall bietet 1886, wo Paul ganz richtig schreibt man klaget mich niht ze vil, auch dieser Vers schien zu kurz, darum setzte die Vorlage von E man enklaget (E hat man euch läget), G mich doch niht, A endlich hat eine ähnliche Umstellung wie 1469: ja klagt man mich. Und noch ein ähn- licher Fall ist 2418, wo G der rede ist niht also (Paul enist niht); A der rede enist, herre, niht also, E aber ja ist der rede niht also, also wieder Umstellung und Vorschiebung einer Conjunction. An der zweiten Stelle hat keine Hs. das echte bewahrt und erst der Herausgeber hat es hergestellt. Dieser Fall aber ist viel häufiger noch anzu- nehmen. So 133, welche Stelle ich schon Germ. 14, 428 besprochen habe. LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. 233 Hartmann schrieb der werlde vient sach; das änderten die Schreiber auf ver- schiedene Weise, G schrieb ersuch, E an ir sack, A endlich unreine statt werlde. der als erste Hebung und Senkung steht im Gregor noch 1983 der hertiste strit , wo G aller einschiebt; 2650 der wtselose man, wo E der vil setzt. So ist auch des gebraucht 3511 des nahtes beriet, und sicherlich auch den 3488 den sündelosen man (vgl. 2650), wie A bat, während E schreibt disen, dieselbe Änderung, die V. 2415 A, 2199 H hat. — 464 der wärt ge- leitet hie, so schrieb Hartmaun ; A schiebt nach loart ein mit ir, E geliche, was Paul aufnimmt. — 1131 taete du im iht? fragt die Mutter, mit Nachdruck auf den Pronom. verweilend, A schreibt sich her, taete etc., E taete du im aber ihtfi — 1223 däz er in lone, A schiebt des, E herre vor lone ein. — 2244 wand em luart nie gebom; statt nie hat A nie weizgot, H weizgot nie (so auch Paul), E ivaerlich nie. AH, die übrigens zu derselben Classe gehören, weichen in der Stellung des ergänzten Wortes ab. — 2415 daz wir der rede gedagen, dafür A diser rede (vgl. 2199 H, 3488 E), während E hie gedagen, G aldä gedagen statt gedagen setzen. — 2688 begen muoz von bejage; A von slme bejage (so auch Paul), E sich hie muoz für muoz. — 2808 da mac dir [wol A] werden [vil E] lue. — 2972 alse schiere [daz EG] er [do A] starp. , — 2988 [guot weisr und E] guot [ze A] rihlaere. — 3526 wd liezet ir si hie, A schreibt nü sagt wä, E get wä, wo in dem vorgeschobenen Verbum vielleicht jeht liegt. — 3609 swen du beruorte, statt swen hat A swen er, E swen so, G swen in. — Anders ist die Abweichung 3679, wo die metrische Unregelmäßigkeit Ände- rungen veranlaßte. Hier schrieb H luas entwichen begarwe, dafür setzt A ent- wichen was begarwe, EG was entwichen garwe. Ich meine , daß man so zahlreichen Stellen doch ein Gewicht beilegen muß, ohne zu verlangen, daß die betreffenden Handschriften nun auch überall consequent verfahren im Andern. Ich will nun noch eine Reihe einzelner Stellen besprechen. 218 folgt P. der Wortstellung von E unde wirde ich aber lüt, wo A hat aber ick. Im mhd. tritt aber in der Bedeutung 'dagegen gern vor das Pro- nomen, die Jüngern Hss. setzen es dem nhd. Gebrauche gemäß hinter dasselbe. Daher verdient Lachmanns Sehreibung abe ich (oder noch genauer ab ich) den Vorzug. Derselbe Fall 2100 nu xoolde er aber der mäze pflegen EH und Paul, A hat aber er, was Lachmann mit Recht in ab er verändert; die Übereinstim- mung von EH kann hierin nichts beweisen. Auch V. 798, nur in A stehend, und daz was ab in (A in aber) unmaere, und selbst 1539, wo alle drei Hss. AKII) lesen unde. bin ich aber ein zage, halte ich üb ich für das ursprünglich von Hartmann gesetzte. Ganz anders verhält es sich mit aber in der Bedeu- tung 'abermals; dann steht es nach dem Pronomen; so 2142. Ahnlieh wie mit aber verhält es sich mit ouch, auch dies snlit, wenn es sich gleich auf den ganzen Satz bezieht, gern vor dem Pronomen; so liest A dem altern Sprachgebrauchc gemäß 840 und hueten ouch daz wol getan, wo CE daz ouch, wie die jüngeren Hss. pflegen. 901 daz sich der ermer man; wenn gleich diese Versform bei Hartmann nicht anstößig ist, so ist doch im letzten Zehnt des \~>. Jahrh. die Form ere oder ärmere wahrscheinlicher, also daz sich der irinire man. Auch 8201 ist mit Recht morg< a die Hbs. geschrieben worden; so wird der Vers besser 1434 durch satelea für satels; so i.i vrevele 80 gegen die Hss. für 234 LITTERATUK. II. PAUL, GREGOEIUS. vrevel gesetzt worden; so 2039 übele für übel, und das gleiche gilt 1597 swie iibele wirz kuntien, wo Paul mit, den Hss. »bei setzt. 1054 macht die zweisil- bige Form unze (wofür A unz daz setzt) den Vers weniger hart; wie 908 ime für im. 922. wahrscheinlich schrieb Hartmann yolt und die sidine wäl , mit Weg- lassung des Artikels bei dem ersten der durch und verbundenen Worte. Ganz richtig hat Paul 2340 geschrieben der hat tavel und daz gewant, was auch keine Hs. so bietet und was derselbe Fall ist. Ein dritter ist haet ich geburt und daz yuot 1330, was E bietet; ein vierter 1883 beidui sterke und den muot, wie Paul mit G liest, nur daß G noch und ouch statt und hat. 1117. A hat häufig die Vorsilbe ge gegen die jüngere Hss., die sie weg- lassen. So hier mit zweisilbigem Auftact nu gefuoyt, CE nu fuogte; ebenso 1119 er getet, CE er tet; 3397 und geruochel, E und ruochet. Auch an anderer Vers- stelle: und sich ze den brüsten gesluoc A, sluoc G, während E zuo den brüsten sich sluoc. An allen diesen Stellen ist die Lesart von A zu bevorzugen, da hier eine wenn auch nur geringe metrische Correctur vorliegt. 1125 gegenlief in A halte ich für ursprünglicher als engeyenlief CE, wel- ches wie eine sehr nahe liegende Besserung des seltenern Ausdruckes aussieht. 1425 undern arm, besser wohl under arm, E hat under arme; die Hin- zufügung des Artikels in AG beweist nichts, wohl aber die in späterer Zeit unübliche Weglassung desselben, die sich in E erhalten hat. Auch 1949 ist under arm das ursprüngliche, B hat under den arm, EG under die arm, keine Hs. also die Pluralform ; der Artikel ist mithin eingeschoben. 1531 ist ohne Noth geändert; wenn iemn statthafte Kürzung ist, dann darf auch noch, das alle Hss. haben, bleiben; man lese mit zweisilbigem Auf- tact dan si sich noch iemn versagte. 1584 der triuwen veste AH; in der Anm. wird die Lesart von EG der getriuwen veste als ebenso gut bezeichnet. Ich kann das nicht finden; die Lesart von EG ist offenbar aus dem nicht mehr verstandenen gen. (der allerdings in ehrenfest sich erhielt) hervorgegangene Corruption. So setzt Nib. 1142, 4 statt si was triuwen itaete C, die Hs. a treue und stät. 1637 bereite EG, gereite AB; letzteres ist die in älterer Zeit übliche Form, die hier außerdem durch die Übereinstimmung von AB wahrscheinlich wird. Ebenso haben EG bereite 2156, wo AH gereite; 2881 EG gegen A. Auch sonst wechseln die Präpositionen, wo überall der ältere Gebrauch zu Gunsten von A entscheidet; 1902 A benomen, EG genomen; 2000 A bedroz, EG verdroz. Man vgl. auch 3602 A sänge, wo G gesange, E gesangen, Paul schreibt die in Jüngern Hss. durchaus übliche Form gesange. 1920 michelme nach Lachmanns Vorgang, ohne Hs. , die Form michelem in A ist ganz richtig und nur einer falschen Regel zu Liebe, von der sich Paul ja auch losgesagt hat, von Lachmann beseitigt worden. 2182 die lüge in A halte ich für die richtige Lesart; E laßt den Arti- kel aus, H setzt abweichend böse mere. die in der Bedeutung derartig gab den Anstoß zur Weglassung in E. So auch 3389 der sin, der Up , die site, wo E vor die einschiebt dar zuo. 3401 siver umbe den anderen Ute E, scheint mir besser als den sündaere in A; denn diese Lesart würde voraussetzen, daß der Bittende sich selbst nicht als Sünder betrachte. MISCELLEN. 235 3558 ist näher in A, wofür E suder hat, das richtige; vgl. Bech in der Germania 17, 295. 3711 lebende in A verdient den Vorzug; jüngere Hss., wie hier EG, setzen dafür lebendig. 3803 den fehlenden Vers würde ich jetzt nach 3804 ergänzen: swen des der tiuvel schündet, daz er dar üf sündet, den hat er überwunden. Der ergänzte Vers wörtlich wie 9\ Der gleiche Fall mehrfach, wie Paul in den Anm. her- vorhebt: 745 = 1673. 1442 = 1946. 2642 = 3090. Die beigefügten Anmerkungen enthalten meist Rechtfertigungen der ge- wählten Lesarten. Sie erstrecken sich zum Theil über den Gregor hinaus und behandeln Punkte, die für die kritische Behandlung aller Hartmannschen Werke beachtenswerth sind. Dieselben sind seitdem in der werthvollen Abhandlung über den Iwein (Pauls und Braunes Beiträge I) ergänzt und erweitert worden. Beide Arbeiten legen Zeugniss von des Verfassers Scharfsinn und methodischer For- schung ab und beweisen aufs Neue, wie viel auch die Lachmannsche Methode, deren hohe Bedeutung für unsere Wissenschaft wir wahrlich nicht unterschätzen, der Weiterbildung bedarf. HEIDELBERG, 29. Mai 1874. K. BARTSCH. MISCELLEN. Hoffmann von Fallersleben. Ein vielbewegtes Leben hat mit dem Tode Hoffmanns von Fallersleben seinen Abschluß gefunden ; ein Mann ist aus dem Kreise der Germanisten geschieden, der wiewohl einer der ältesten an Jahren, bis zuletzt sich doch die Frische des Geistes , die Rüstigkeit des Körpers bewahrt hatte. In ihm ist der Wissenschaft ein verdienter Forscher, dem Vaterlande ein geliebter und volkstümlicher Dichter entrissen worden. Hoff mann hat sein Leben selbst, vielleicht breiter als man wünschen möchte, in sechs Bänden (Hannover 1868) beschrieben. Es wird daher genügen, an die allgemein bekannten Umrisse seines Lebens kurz zu erinnern, und nur auf den Anfängen seiner Entwicklung, die ja immer besonders anziehend bleiben, wollen wir etwas verweilen. Hoffinann war am 2. April 1798 in dem hannoverschen Flecken Fallersleben geboren, und wuchs in einfachen, beschei- den bürgerlichen Verhältnissen auf, in innigem Verkehr mit der Natur, die die dichterische Ader frühe in ihm weckte. 1812 kam er auf das Pädagogium zu Helmstedt, zwei Jahre nachher auf das Katharineum zu Braunschweig, dem auch Lachmann wenige Jahre zuvor noch als Schüler angehört hatte. 1816 bezog er die Universität Göttingen in der Absicht Theologe zu werden. Allein bald gewannen andere Neigungen die Oberhand; er trieb mit Vorliebe kunst- geschichtliche und sprachliche Studien. Dieser Kunsttrieb führte ihn 1818 nach Kassel, wo er die dort befindlichen Antiken studieren wollte. In Kassel machte er die Bekanntschaft der Brüder Grimm, und eine Unterredung mit 236 MISCELLEN. Jacob wurde, wie uns Hoffuiann selbst erzählt, entscheidend für sein Leben. Er begab sich 1819 nach Bonn und widmete sich von da an ausschließlich der deutschen Philologie. In Bonn erschieu auch 1821 seine erste litterarische Arbeit, die Bonner Bruchstücke vom Otfried. Die Ferien benutzte er zu For- schungsreisen durch Belgien, die Rheinlande und Westfalen, überall nach guter deutscher Art zu Fuß wandernd und insbesondere den Volksliedern nachspürend. Wichtiger wurde die 1821 unternommene Reise nach Holland, die den altnieder- ländischen Litteraturquellen gewidmet war. Aus Holland zurückgekehrt, siedelte er nach Berlin über, wo er namentlich in Meusebachs Hause viel verkehrte. Zwei Jahre später erhielt er seine erste Anstellung als Custos an der Univer- sitätsbibliothek zu Breslau, ein Amt, zu dem er durch seine bibliographischen Talente und Kenntnisse sehr befähigt war, das aber doch zu viel des Me- chanischen mit sich brachte, als daß es den Dichter nicht hätte bald mit Unlust erfüllen sollen. Mehr seinen Neigungen entsprach die akademische Thätig- keit, die ihm durch seine Ernennung zum außerordentl. Professor der deutschen Sprache und Litteratur im J. 1830 eröffnet wurde. 1835 Ordinarius geworden, zog er sich 1838 ganz von der Bibliothek zurück, um nur seinem Lehrberufe und seinen Arbeiten zu leben. Manche später rühmlich bekannte Männer, wie H. Wuttke, F. Liebrecht, H. Palm, G. Freytag, E. Sommer, haben zu seinen Füssen gesessen. Seine Vorlesungen erstreckten sich auf deutsche Litteratur, Grammatik, Interpretation, Encyclopädie und Handschriftenkunde*). Ein Jahr nach seinem Rücktritt von der Bibliothek unternahm er eine längere Reise durch Osterreich, Süddeutschland, die Schweiz und Frankreich. Die politischen Ein- drücke derselben spiegeln seine berühmten 'unpolitischen Lieder5 (1840 — 41) ab, die für ihn verhängnissvoll werden sollten. In Untersuchung deßwegen ge- zogen, wurde er am 20. Dec. 1842 seines Amtes für verlustig erklärt. Nun folgte jenes unstäte Wanderleben, das, getheilt in Ovationen von Seiten der Liberalen und in Plackereien von Seiten der Regierungen und der Polizei, erst mit seiner Rehabilitierung im J. 1848 ein Ende fand. Eine Wiedereinsetzung in sein Amt erfolgte jedoch nicht, er wurde auf Wartegeld gestellt. Die nächsten Jahre verlebte er, seit 1849 verheirathet, am Rheine, meist in Neuwied, bis er 1854 auf eine Einladung vom Weimarer Hofe nach Weimar übersiedelte und hier mit Schade zusammen das Weimarische Jahrbuch herausgab. Allein auch dieß Verhältniss dauerte nur wenige Jahre und gewährte ihm außerdem keine feste und gesicherte Existenz. Eine solche fand er erst 1860, indem der Herzog von Ratibor ihn zum fürstlichen Bibliothekar in Corvey ernannte. Es war eine Sinecure, die ihm gestattete seiner alten Wanderlust in zahlreichen grösseren und kleineren Reisen nachzuhängen. In völliger Gesundheit traf ihn hier am *) Ein genaueres Verzeichnis* derselben verdanke ich J. M. Wagners Gefällig- keit. Es sind folgende: Handschriftenkunde (deutsche, mit praktischen Übungen, in jedem Semester); Geschichte des deutschen Kirchenliedes: Geschieht«' der deutschen Litteratur von Otfried bis zu Ende des 18. Jahrh. ; Geschichte der Studien der deutschen Sprache und Litteratur; über das deutsche Volkslied; mhd. Grammatik; Hartmanns armer Heinrich; Walther; Reineke de Vos; Hebels alemann. Gedichte; holländische Grammatik; Geschichte der deutschen Litteratur des 15. 16. u. 17. Jahrb.; schriftl. u. mündl. Übungen im Gebiete der deutschen Sprache u. Literaturgeschichte ; Encyclo- pädie der deutschen Philologie ; Freidank; Deutsche Etymologie; Deutsche Literatur- geschichte der neuern Zeit ; Geschichte der germ. Litteratur im MA. (deutsch, niederd., nl., fries., ags., scandin.). MISCELLEN. 237 8. Jan. 1874 im Kreise der Seinen ein Schlaganfall, der sich am 20. Jan. wiederholte und sein Leben endete. Hoffmanns schriftstellerische Thätigkeit liegt bis zum Jahre 1868 über- sichtlich vor in J. M. Wagners Jubiläumsschrift*). Sie beginnt auf wissen- schaftlichem Gebiete mit den schon erwähnten Bonner Bruchstücken vom Otfried (1821), und schließt nach mehr als 50 Jahren mit dem Henneke Knecht (1872). In dem erstgenannten Jahre hebt auch schon sein hochverdienstliches Wirken auf niederländ. Gebiete an, indem er in dem Leidener Kunst- en Letterbode von 1821 eine Reihe von Artikeln über die altniederl. Litteratur veröffentlichte. Ihren Mittelpunkt fanden die hieher fallenden Arbeiten in den 12 Theilen der Horae belgieae' (1830 — 1862), die, wie die Niederländer selbst freudig und dankbar anerkannt haben, zur Belebung und Förderung der niederländ. Studien in höchst bedeutender Weise beitrugen. Hier waren eine Reihe wichtiger Denkmäler in sauberen Texten vorgelegt, außerdem im 1. Theil (2. Aufl. 1857) eine litterar- historische Übersicht, die die Sammlung eröffnete; der 7. Theil enthielt ein prak- tisch zu Nachträgen eingerichtetes mnl. Glossar. Wie sehr sich H. in die nl. Sprache eingelebt hatte, beweisen am besten die im 8. Theile erschie.nenen Lo- verkens (1852), welche von ihm selbst verfasste altniederl. Lieder enthielten und so gut den Ton trafen, daß sogar ein Willems sie für echt halten konnte**). Wie hier auf niederl. Gebiete, so erwarb sich H. ein, wenn auch nicht gleich großes, anerkennungswerthes Verdienst um die ältere hochdeutsche Litteratur in seinen Fundgruben für Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur , deren 1. Band 1830 erschien, und außer einer Anzahl ahd. zum Theil hier zuerst veröffentlichter Sachen die erste kritische Übersicht der Dichtungen des 12. Jahrhs. gab, und am Schluße ein verdienstliches Glossar für das 12 — 14. Jahrh. von Hoffmann und Wackernagel enthielt. Noch reichhaltiger war der 2. Bd. (1837), der altdeutsche Quellen größtenteils aus österreichischen Biblio- theken lieferte, darunter den von Hoffmann entdeckten und benannten Merigarto. Seinen glücklichen Spürsinn bethätigte H. wie hier, so namentlich in der Auf- findung des verlornen Ludwigsleiches, den er zugleich mit dem ältesten franzö- sischen Gedichte, der h. Eulalia, entdeckte und 1837 als Elnonensia herausgab. Mit Haupt verband er sich zur Herausgabe der altdeutschen Blätter (1835 — 40), der ersten germanistischen Zeitschrift von wirklich wissenschaftlichem Charakter, an welcher sich H. durch zahlreiche Beiträge, hauptsächlich Mittheilungen aus Handschriften, betheiligte, und an die sich nach ihrem Aufhören unmittelbar Haupts Zeitschrift für deutsches Alterthum anschloß. Den nach allen Seiteii gewandten Blick zeigte das verdienstliche Buch die deutsche Philologie im Grund- riß | 1836), der erste und bis jetzt einzige Versuch, die Litteratur der deutschen Philologie systematisch geordnet zusammenzustellen. Er war aus dem akademischen Bedürfniss hervorgegangen, entsprach aber ebenso einem Bedürfniss der Wissen- schaft, so daß man sich wundern muß, diesen Plan nicht weifer ausgebaut und fortgeführt zu sehen. Wiederum ein anderes Gebiet, das mit seiner alten Vorliebe und seinen Studien für das Volkslied zusammenhieng, betrat er in seiner Ge- schichte des deutschen Kirchenliedes !>is auf Luther' '1*32, 2. Ausg. 1854***), 1818 1868 Wie] 1868. .Mit einem Nachtrag. Dresden 18 Weitere folgten im Weimar. Jahrbuch 4. 102 ff.; wiederholt im 12. Theile <1< i Sorae belgieae. ***) Die von 1861 ist nui eine neue Titelausgabe. 238 MISCELLEN. worin ein reicher, weit zerstreuter Stoff zum ersten Male kritisch gesammelt und gesichtet dargelegt war. Es ist dieß Buch vielleicht unter allen Arbeiten von Hoff- mann die wissenschaftlich bedeutendste; freilich eine eigentliche Geschichte in zu- sammenhängender Entwicklung ist es nicht, wie überhaupt größere zusammen- hängende Darstellung weniger seine Sache war. Seine Thätigkeit war mehr auf Sammeln von Quellen und Quellennachweisen , auf Zugänglichmachen von Mate- rialien als auf Verarbeitung in größerem Umfange gerichtet. Daß er zu letzterer das Zeug hatte, beweist manche kleinere Abhandlung und würde schon aus seiner künstlerisch so reich angelegten Natur sich folgern lassen. Dem welt- lichen Volksliede, zu dem auch seine eigene Dichtung in nächstem Verhältniss steht, gehört seine Sammlung schlesischer Volkslieder mit Melodien (1842) an, wie schon früher die niederländ. Volkslieder, die den 2. Theil der Horae belgicae (1833, 2. Aufl. 1856) bildeten. An der Grenze stehen 'unsere volksthümlicheu Lieder' (1859, 3. Aufl. 1869), und 'die deutschen Gesellschaftslieder des 16. und 17. Jabrhs/ (1860), beide Bucher nicht nur eine Sammlung neuen Materials und neuer Quellen, sondern auch ein neuer Beweis von Hoffmanns Schartsinn und Spürsinn. Wie viele dunkle Punkte hat er mit diesen Gaben aufgehellt, wie vielen wenig bekannten Schriftstellern ist er nachgegangen und hat sie aus der Verborgenheit gezogen! So namentlich den Schlesiern in seinen Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte' (1845). Den trefflichen Plan zu einer Bücher- kunde der deutschen Dichtung bis zum J. 1700 ließ er leider unausgeführt und gab nur in einer bibliographischen Zusammenstellung über M. Opitz (1858) eine vielverheißende Probe. Zu einer solchen Arbeit wäre er vor vielen Andern befähigt gewesen. In solchen litterarischen Sammelwerken fand seine wissenschaft- liche Kraft ihren Mittelpunkt; die philologische Thätigkeit der Textbearbeitung war, auch wenn sein Reineke Vos (1834, 2. Aufl. 1852), sein niederd. Aesopus (1870), sowie seine ahd., mhd. und mnl. Texte das Lob verständiger und ein- sichtiger Behandlung verdienen, nicht das ihm eigenst zusagende Gebiet. Darin haben ihn viele andere übertroffen, die mnl. Sachen sind später von einheimi- schen Gelehrten kritisch vollkommener ediert worden; die Arbeiten von ihm, die den bleibendsten Werth haben, sind litterarhistorischer Art, sind litterarische Sammelwerke, aber nicht Zeugnisse des mechanischen Sammeins, sondern voll Geist und Leben, Zeugnisse seines Scharfsinns, wir möchten sagen, auch einer Schlauheit, die aus seinen lebendigen schalkhaften Augen herausblitzte. K. BARTSCH. Moriz Haupt. Dem Manne, dessen Leben und Wirken wir eben besprochen haben, ist wenige Wochen nachher in gleich plötzlicher Weise ein anderer gefolgt, der, mit Hoffmann in den Anfängen seines litterarischeu Wirkens eng verbunden, sich von ihm aber seit 30 Jahren mehr und mehr getrennt hatte: Moriz Haupt, der zuerst auf germanistischem Gebiete durch die mit Hoti'mann herausgegebenen altdeutschen Blätter bekannt wurde. Haupt wurde am 27. Juli 1808 in Zittau geboren, der Sohn des dortigen Bürgermeisters, eines Mannes von feiner classischer Bildung, der sich als geschmackvoller Übersetzer deutscher Kirchenlieder und Goethescher Gedichte ins Lateinische einen Namen gemacht hat. Schon in der Jugend von Liebe für die damals erblühende germanische Philologie erfüllt, blieb MISCELLEN. 239 M. Haupt dieser Liebe auch treu, als er unter Leitung G. Hermanns, dessen Schwiegersohn er später wurde, von 1826 — 30 in Leipzig der classischen Philo- logie sich widmete. War ja doch die Methode der letzteren die mustergiltige wie überhaupt, so insbesondere für diejenige Richtung auch in der deutschen Philologie, welche Haupt nach seiner ganzen Naturanlage fast ausschließlich cultivierte: die kritische. Sie hatte Lachmann auf altdeutsche Texte zuerst angewandt, Lachmanns kritische Leistungen wurden daher Haupts Leitsterne auf deutschem Gebiete, wenngleich er nicht sein Zuhörer gewesen*), demnach als sein Schüler in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes nicht bezeichnet werden kann. Nach längerem Privatstudium in seiner Vaterstadt habilitierte eich H. 1837 als Docent in Leipzig mit einer Schrift über Catull; schon im folgenden Jahre wurde er zum außerordentl. Professor ernannt und erhielt 1843 den neu errichteten ordentl. Lehrstuhl für deutsche Sprache und Litteratur. Doch war auch jetzt seine Lehrthätigkeit ebenso der classischen wie der deutschen Philo- logie gewidmet, und nach beiden Seiten hin eine den übereinstimmenden Aus- sagen aller seiner Hörer zufolge anregende und fruchtbare. Ihr wurde ein plötz- liches Ziel im J. 1850 gesetzt, in welchem Haupt wegen seiner Betheiliguug an den politischen Bewegungen der Jahre 1848 und 1849, zugleich mit Th. Mommsen und 0. Jahn, seines Amtes entsetzt wurde, wiewohl die vorangegangene Untersuchung mit seiner Freisprechung geendet hatte. Doch behielt er das Secretariat der philol. histor. Classe der sächs. Gesellschaft der Wissenschaften (er war seit 1848 deren Mitglied), das er eben übernommen hatte, bei, und lebte als Privatgelehrter in Leipzig. Erst durch seine Berufung nach Berlin als Nachfolger Lachmanns 1 854 gelangte er wieder in eine akademische Lehr- stellung und hielt in dieser wie später gleichzeitig germanistische und classisch- philologische Vorlesungen; erst als an Stelle des 1856 verstorbenen F. H. v. d, Hagen im J. 1858 Müllenhoff nach Berlin berufen wurde, verzichtete H. , um Müllenhoff8 Wirkungskreis nicht zu schmälern, auf die germanistische Lehr- thätigkeit. Gleich bei seiner Berufung wurde er zum Mitglied der Berliner Aka- demie der Wissenschaften erwählt und bekleidete seit 1861 als Nachfolger Böckhs das Amt eines Secretärs der philosophisch-historischen Classe. Seit einer Reihe von Jahren litt er an nervöser Reizbarkeit und suchte alljährlich in den Ferien Erholung und Stärkung in längerem Aufenthalte in den Bergen, gewöhnlich in dem herrlich gelegenen Reichenhall in Baiern. Ein rascher Tod trat au ihn heran: in der Nacht vom 5. zum 6. Februar 1874 vom Schlage getroffen, wurde er am Morgen todt im Bette gefunden, nachdem er am Tage vorher die Vorlesungen wegen Unwohlseins hatte aufgeben müssen. Haupt theilt mit Lachmann das Wirken auf dem Doppelgebiete der classischen und deutschen Philologie, und zwar in seinen Schriften und in seinem Lehramte. Wir haben uns nur mit Haupts germanistischer Thätigkeit zu beschäftigen und gehen auf das, was er auf griechisch-römischem Gebiete, besonders auf letzterem geleistet, niclit ein. Die wissenschaftliche Richtung Haupts auf beiden Gebieten ist durchaus dieselbe. Die ersten Früchte seiner germanistischen Studien wurden in des Frli. v. Aufseß Anzeiger i'Wr Kunde des deutschen Mittelalters (2. .Jahrg. 1833; niedergelegt, und schon sie zeigen eine nicht gewöhnliche Belesenheit uul verschiedenen Gebieten. So gibt er 2, 15 f. ein paar Bemerkungen zum *) H. lernte Lachmann persönlich erat 1834 in Meusebachs Hauso kennen, 240 M1SCELLEN. Grafen Rudolf, und verweist neben mhd. auch auf nd. Parallelstelleu und auf eine aus dem Poema del Cid. Seine Bekanntschaft mit den romanischen Spra- chen, uamentlich mit dem Altfranzösischen, bekunden auch die Beiträge in den altdeutschen Blättern (seit 1835). Nicht minder geben sie Zeuguiss von seinen Studien auf dem Gebiete der lateinischen Poesie des Mittelalters. Die textkritische Richtung, welche den Mittelpunkt seines gesammten Wirkens bildet, tritt schon hier überall hervor, und darin unterscheiden sich seine Beiträge von denen seines Mitarbeiters Hoffmann, daß dieser im wesentlichen handschriftlich treue, Haupt aber immer kritisch bearbeitete Texte gibt, außer wo er ganz junge Sprachquellen (wie a. Bl. 1, 52 ff.) mittheilt. Mehrere noch nicht edierte Gedichte, wie ein Salve Regina, der Spiegel der Tugend, Beispiele, Pfaffen- leben etc., wurden hier von ihm und gleich in einer Gestalt veröffentlicht, die von Haupts kritischer Befähigung das beste Zeugniss ablegt. Diese kritische Thätigkeit setzte er auch in der von ihm 1841 begründeten Zeitschrift für deutsches Alterthum fort, die bald der Mittelpunkt der altdeutschen Studien wurde und, in ernstem wissenschaftlichen Geiste geleitet, zum Ausbau der ger- manistischen Wissenschaft nach allen Seiten wesentlich beigetragen hat. Hier lieferte er die Ausgaben der h. Margaretha, der Warnung, des Bonus, des Servatius, des Helmbrecht, von Konrads Pantaleon und Alexius etc. Seine erste selbständig erschienene Textedition war Hartmanns Erec (1839), ebenfalls eine editio princeps; ein schwieriges Unternehmen, da es sich darum handelte, aus einer einzigen sehr späten und vielfach corrumpierten Hs. das Gedicht herzu- stellen. Wenn auch durch die Ausgabe des Iwein für die Erkenntniss von Hartmanns Art und Kunst viel vorgearbeitet war, wenn auch Lachmann, dem die Ausgabe gewidmet war, viele schöne Besserungen schwieriger Stellen beige- steuert hatte, so blieb doch das meiste dem Herausgeber zu thun übrig, und er hat seine Aufgabe sich nicht leicht gemacht, er hat sie im Ganzen trefflich gelöst. Im nächsten Jahre (1840) schloß sich Rudolfs von Ems guter Gerhard an , ebenfalls zum ersten Male herausgegeben, nach zwei Hss., von denen die eine, die die meisten Lücken der andern ergänzt, nichts weniger als zu loben war. Die Recension Pfeiffers in den Münchener Gel. Anzeigen brachte aus sorg- fältigem Studium der Werke Rudolfs, namentlich auch des noch ungedruckteu Wilhelm, viele Besserungen, die Haupt mit voller Anerkennung in seiner Zeit- schrift abdrucken ließ. Die nächste Arbeit war wieder Hartmann gewidmet: zu Beneckes Jubiläum (1842) erschien Haupts kritische Bearbeitung vou Hart- manns Liedern und Büchlein sowie vom armen Heinrich, der letztere freilich wesentlich auf Lachmanns Rec. in der Auswahl beruhend, die Lieder und Büchlein aber zuerst in kritischer Gestalt. Auch hier waren die Büchlein aus ganz später Überlieferung herzustellen. Noch mehr war dieß der Fall bei der Ausgabe von Konrads Engelhart (1844), für den nur ein Druck des 16. Jahrhs. vorlag. Nur bei einem Dichter von so ausgeprägter Manier wie Konracl, dessen Werke zugleich so zahlreich sind, konnte das Kunststück der Herstellung so gelingen wie es gelang; aber es gelang nur durch die gründliche Beschäftigung mit dem Dichter, die die Anmerkungen beweisen. Von geringer Bedeutung sind der Winsbecke und die Winsbeckin (1845) und Gottfrieds von Neifen Lieder (1851); denn hier war die Überlieferung leidlich gut, in der rhythmischen Anordnung aber ließen Neifeus Lieder manches zu wünschen übrig. Nach läugerer Pause, welche sich durch die Übersiedlung nach Berlin erklärt, folgten ziemlich M1SCELLEN. 24) gleichzeitig der aus Lachmanns Nachlaß übernommene, von Haupt vollendete Minnesangs Frühling (1857) und Neidhart von Reuenthal (1858). In jenem war der größere Theil der Texte von Haupt bearbeitet, die Anmerkungen fast ganz sein Werk. Die Texte waren hier zum ersten Mal kritisch bereinigt, echtes und unechtes geschieden, in den Anmerkungen urkundliches Material zu den Dichtern und Erklärungen zu einzelnen Stellen beigebracht. Freilich war die Textbehaudluug mangelhaft nach der sprachlichen Seite, der ursprüng- liche Dialect in bunter Mischung mit der Überlieferung, in einer Sprache, die nie existiert hat, über Echtheit und Unechtheit nicht selten absprechend geurtheilt. der Kritik mithin noch ein reiches Feld gelassen. Neidhart ist wohl Haupts bedeutendste Leistung; die sehr schwierigen kritischen Fragen boten alle Gelegen- heit kritischeu Tact und Sicherheit zu bewähren, die Scheidung von echtem und unechtem ist hier Haupt wohl besser als irgendwo geglückt. Mit dein Zurück- ziehen vom germanistischen Lehramte schien auch seine litterarische Thätigkeit auf diesem Gebiete verschwunden , denn es vergieugen dreizehn Jahre, bis wieder etwas selbständiges germanistisches von Haupt erschien. Nun kamen aber fast gleichzeitig der zu Homeyers Jubiläum (1871) herausgegebene Moriz von Craon, das Gedicht von dem üblen Weibe und endlich die zweite Ausgabe des Erec. Die vornehme Abgeschlossenheit, die schon in den letzten Jahren der 50er sich stark bemerklich macht, hat hier ihren Höhepunkt erreicht. Und das üble war, daß das geleistete gar nicht im Verhältniss stand zu dem erhabenen Staud- punkte, auf den der Herausgeber sich stellte. Die beiden kleiuen Sachen be- durften kaum einer kritischen Meisterhand, auch war im M. v. Craon vieles von dem ersten Herausgeber (Maßmann) vorweggenommen, was hier einfach mit Still- schweigen übergangen war. Mit der zweiten Ausgabe des Erec kehrte Haupt zu seinem Anfange zurück. Dem Gedichte hatten seit 1839 eine Reihe nam- hafter Germanisten ihre Aufmerksamkeit zugewendet: Benecke, W. Grimm, W. Wackernagel, Pfeiffer, W. Müller und Bech. Während den früheren kritischen Beiträgen Haupt meist Aufnahme gestattet, verhält er sich gegen die meisten Besserungen der drei letztgenannten ignorierend oder abwehrend. Bechs Ausgabe wird mit einigen Sätzen von Vocabelkenutniss, die sich für Sprachkenntniss halte, von wahnschaffener Metrik etc. abgethan. Sieht man darauf hin Text und Anin. Haupts au, so stellt sich heraus, daß der guten neuen Besserungen bei ihm sehr wenige sind, daß den gekünstelten Lachmannschen Regeln der Metrik zu Liebe der Text willkürlich behandelt wird, und daß die Anmerkungen im Wesent- lichen auch nichts bringen als Parallelstellen aus der tnlui. Litteratur, nur massen- hafter als dieß nach der Einrichtung von Bechs Ausgabe geschehen konnte. Daß sie aber wirklich neue Gesichtspunkte eröffnen, daß sie mehr thun, als schon bekanntes aus einer allerdings reichen Leetüre weiter belegen, kann man nicht einräumen. Eine solche Leistung berechtigte nicht entfernt zu einem solchen maßlosen Hochmuthe, wie ihn das ganze Buch zur Schau trägt. Auch die kleinen Beiträge in seiner Zeitschrift, die Ährenlese ist in demselben Stil: dabei aber zeigt sich nicht nur, daß der Sammler dieser Ähren völlig anorientiert war in der Quellenkunde wie in dem was si it den Jahren seiner Zurückgezo- genheit geschehen — indem er von andern längst gefundenes als neu aufti — sondern auch daß er vergessen, was er lelbsl in derselben Zeitschrift vor Jahren als Textbesserungen beigebracht hatte. OKRM.ANIA. Neue Keihe Vll. (\i\i «Uhr* [Q 242 MISCELLEN. Überblicken wir noch einmal Haupts germanistische Thätigkeit, so finden wir, daß dieselbe fast ganz auf textkritische Arbeiten sich beschränkt. Neue weit- tragende Gesichtspunkte wird man bei ihm nicht suchen dürfen. Er kannte die Grenzen seiner Begabung und daß er innerhalb derselben sich hielt, wird man nur loben können. Aber auch wenn er innerhalb dieser Grenzen das vollkommenste ge- leiste hätte, auch dann könnten wir darin keine Berechtigung zu jener Selbstüber- hebung erblicken. Weit entfernt textkritische Leistungen herabsetzen zu wollen, kann ich in ihnen doch nicht eines der höchsten Ziele der Wissenschaft sehen. Epochemachend werden sie nur dann sein, wenn sie wie die Lachmanns wirklich eine neue Bahn gewiesen. Das kann man aber von keinem Hauptschen Buche sagen. Alle seine Arbeiten sind Muster von Sauberkeit und Umsicht, zeugen von Scharfsinn und kritischer Begabung, von Beherrschung des Stoffes, von im- menser Belesenheit, von ausgebreitetem Wissen , — aber das sind noch keine Eigenschaften, die einen grossen Philologen macheu. Wir stehen auch nicht an. Haupt den feinen ästhetischen Sinn zuzusprechen, der zum Verständniss und zur Erklärung namentlich von Dichterwerkeu gehört und der in seinen akademischen Vorträgen zu Tage trat — wir zweifeln auch gar nicht, daß er die Anlage zu eigentlich schöpferischen Arbeiten besaß; aber wir haben die Summe seiner Leistungen zu ziehen nach dem was vorliegt, und da glauben wir seinen Ver- diensten in dem, was wir über dieselben gesagt, nichts entzogen zu haben, sondern ihnen gerecht geworden zu sein. Sein ehrenvoller Platz in der Geschichte unserer Wissenschaft bleibt ihm gesichert; er hat zur Festigung der von Lachmann begründeten kritischen Methode fördernd beigetragen ; sie wirklich weiterzubilden, daran verhinderte ihn jene ungemessene Ehrfurcht vor diesem Manne, dem er sich ganz zu eigen hingab, und von dessen Lehren und Ansichten abzu- weichen ihm nicht nur als Irrthum, sondern als Schlechtigkeit und Unsittlichkeit erschien*). K. BARTSCH. Eduard von Kausler. Heinrich Eduard v. Kausler ist am 20. August 1801 in Wirinenden ge- boren, wo sein Vater als Rechtsanwalt lebte. Er besuchte das Gymnasium in Stuttgart und machte seine Studien in Tübingen, Göttingen und Berlin. Neben der Rechtswissenschaft zogen ihn besonders die Vorlesungen Valentin Schmidts an, in denen er für seine romantischen Neigungen wissenschaftliche Begründung und Vertiefung fand. Bald nach der Rückkehr in die Heimath. 1826, trat Kausler, erst als freiwilligei Arbeiter, dann als besoldeter Assistent beim k. wihttembergiseken geheimen Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart in amtliche Thätigkeit und stieg allmählich zum Archivar und Archivrath auf. Daß ihm das Einrücken in die Direction versagt blieb und er dafür 1859 mit dem Titel und Rang eines Vicedirectors entschädigt werden sollte, konnte, wenn es auch im Zusammen- hang mit den damaligen Organisationen jener Anstalt nicht direct als Hintan- setzung betrachtet werden durfte, doch nicht verfehlen, in dem Gemüthe des trefflichen Mannes einen Stachel zurückzulassen. Die amtliche Thätigkeit war zuweilen durch Reisen für gelehrte Zwecke, in späteren Jahren auch aus Gesundheitsrücksichten unterbrochen. Im Jahre 1829 *) Ein Verzeichnis von Haupts sämmtlichen germanistischen Arbeiten wird das 3. Heft bringen. MISCELLEN 243 begab sich Kausler der Benutzung der Bibliotheken wegen nach Paris, 1864 in Ge- sellschaft des Directors v. Stalin mit amtlichen Aufträgen nach Paria und Lon- don. Zur Sommerfrische zog er in späteren Jahren regelmäßig in die Berge und erstieg gerne die höchsten erreichbaren Gipfel. Kauslers wichtigste litterarische Arbeit ist das württembergische Urkun- denbuch, für dessen Ausführung er seine beste Kraft einsetzte. Drei große Bände in 4° sind davon seit 1849 erschienen; sie führen den württembergi- ächen Urkuudenschatz bis ins 13. Jahrhundert. Die Fortsetzung wird Archiv- rath Dr. Stalin, der Sohn des berühmten Historikers, besorgen. Aus archivalischen Quellen ist sodann entnommen das Reisebuch des Burkhart Sticke! 1566 ff.), erschienen Stuttgart 1868, sowie die Sammlung der Briete des Bischofs Vergerius. Letztere, für den litterarischen Verein in Stuttgart bestimmt, sind nicht mehr zum Abschluß gelangt, werden aber im Einverständnis mit Kausler von Professor Schott in Stuttgart vollends druck- fertig hergestellt werden. Eine lnittelniedcrländischc Sammelhandschrift der k. öffentlichen Bibliothek in Stuttgart gab Kausler Veranlassung zu eindringenden Studien . des Mittel- niederländischen. Daraus gieng die reichhaltige Sammlung „Denkmäler alt- [besser: mittel-Jniederländischer Sprache und Litteratur" , Tübingen bei Fues 1840 ff., hervor. Das sehr umfassend angelegte miltelniederländische Glossar ist leider nicht zum Drucke gelangt. Auf romauischem Gebiet war Kausler, abgesehen von ausgedehnter Leetüre besonders für Altftanzösisch, Graubündisch, Spanisch und Portugiesisch thätig. Von der großen kritischen Ausgabe des Rechtsbuches Assises du royaume de Jerusalem ist 1839 nur der erste Band Stuttgart bei Krabbe) erschienen. französische, durch das deutsche Unternehmen hervorgerufene, und durch rei- chere Mittel unterstützte Concurrenz der Fortsetzung hemmend in den Weg trat. Für ilie graubündische Sprache hatte Kausler durch seine Bergwande- rungen Vorliebe gefaßt und bereitete Veröffentlichungen vor, die aber nicht zur Ausführung gekommen sind. Das gleiche Schicksal hatte ein lange gehegter Plan des Wiederabdruckes eines seltenen in Zaragoza 1638 erschienenen spanischen Liederbuches, des linto amoroso. Dagegen ist die große altportugiesische Liedersammlung, Capcioneiro ral von Garcia de Reeende, in 3 starken Bänden 184b" ff. für den litterari- schen Verein in Stuttgart gedruckt worden, bekanntlich eine Hauptquelle der i portugiesischen Lyrik. Kausler war einer der Begründe) des 1839 unter dem Titel „litterarischer Verein ii • zusammengetretenen Bibliophilenvereinea und nahm auch, nachdem 184'J die Verwaltung aus den Händen des ursprünglichen Ausschusses nach Tübingen iibi ;n war, berathend und als Herausgebe) thätig noch bis zu seinem Ende lebhaften Antheil an seiner Weiterentwickelung. Unverheirathet führte Kausbr ein stille- Gelehrtenleben; -ein brieflicher Verkehr mit auswarfigen Fai q, seil ls;ö anunterbrochen und reichlich mit mir, seit 1863 mit Uolland, dann mit Liebrecht, mit den holländischen Gelehrten u.a. ir das wissenschaftliche Interesse, das ihn besei Ite. Wie er den wissenschaftlichen Benutzern des Archiv tei Aufopferung seine Dienste widmete io nahm er auch an den Be I ebungen der Freunde uneigennützig theil; 16" 244 MISCELLEN. so spendete er gerne Beiträge für mein Unternehmen der Sammlung des schwä- bischen Sprachschatzes, für Hollands Commentar zu Uhlands Gedichten u. s. w. Von der Anerkennung, die Kausler gefunden, zeugen die Diplome der Münchener Akademie und vieler gelehrter, besonders historischer Vereine, das ihm 1845 von der philosophischen Facultät in Tübingen honoris causa ver- liehene Doctordiplom und die Ernennung zum Comthur und Ritter hoher Orden, die ihm von seinem Landesherrn, wie von den Königen von Preußen und Bayern zu Theil wurde. Nach längerem Kränkeln ward E. v. Kausler seinen Geschwistern, an denen er mit treuester Liebe hieng, seinen Freunden und der Wissenschaft durch den Tod entrissen am 27. August 1873. A. v. KELLER. Arthur Amelung. Mein, mitten im rüstigsten Schaffen in litterarischer und lehrender Thätig- keit unerwartet schnell aus dem Leben abgerufener College Arthur Amelung war geboren am 13. Juli 1840 in Livland auf dem Gute seines Vaters. Privatim für das Maturitätsexamen vorbereitet, legte er dasselbe 1861 am Dorpater Gymnasium ab, und bezog dann die Universität Dorpat, um dem Wunsche seines Vormundes gemäß Chemie zu studieren. Im Herbst 1863 siedelte er nach Berlin über und widmete sich hier, einer schon früher ausgebildeten Neigung von jetzt an folgend, dem Studium der germanischen Philologie. Nachdem er darauf von Mich. 1866 an bis 1871 ohne feste Berafsstellung in Dorpat, Petersburg und Berlin gelebt und während dieser Zeit 1868 mit einer nicht im Druck erschienenen Abhandlung: Prolegomena ad Ortnidum, carmen theodiscum, in Halle promoviert worden, habilitierte er sich Mich. 1871 in Dorpat und hielt dort während dreier Semester Vorlesungen über Nibelungen, deutsche Grammatik und Minnesänger, nebst praktisch philologischen Übungen. Ostern 1873 ging er, durch seine deutschen Sympathien vornehmlich geleitet, nach Breslau , habilitierte sich hier mit einem Vortrag über die Eintheilung der germanischen Sprachen und einer Antrittsvorlesung über die Entstehung der deutschen Minnedichtung. In den zwei folgenden Semestern las er über die älteren Minnesänger und Beövulf und leitete germanistische Übungen, im letzten Winter mehrmals durch scheinbar vorübergehende Krankheitsanfälle zum Aus- setzen seiner Vorträge genöthigt. Im Februar dieses Jahres erhielt er eine Berufung als Professor für ger- manische Sprachen nach Freiburg i. B. Der Hoffnung hingegeben, daß sein, dem Anschein nach wenig bedenkliches Lungenleiden einem wärmeren Klima weichen werde, reiste er Anfang März nach dem Curort Montreux im Kaut. Waadt, wo ihn aber schon am 6. April der Tod ereilte*). Sein ernster, gediegener Charakter, sein reiches und vielseitiges Wissen wie seine anspruchslose Liebenswürdigkeit musste jeden Fachgenossen für ihn einnehmen: um so mehr habe ich es bedauert, daß in Folge seiner zurückge- *) Behufs der Znsammenstellung obiger biographischer Notizen habe ich, soweit sie reichten, Amelungs eigene Aufzeichnungen im Album der hiesigen philos. Facultät benutzt, dessen ..Einsicht für diesen Zweck mir freundlichst gestattet wurde. MISCELLEN. 245 zogenen Lebensweise, die ihn von allen gesellschaftlichen Kreisen fast gänzlich fern hielt, auch der wissenschaftliche Verkehr zwischen uns beiden über ge- legentliche Besuche und zufällige Begegnungen wenig hinausgekommen ist. Es folgt nun ein Überblick über Amelungs im Drucke erschienene litte- rarische Arbeiten, soweit mir dieselben bekannt geworden, in chronologischer Folge und z. Th. mit kurzer Epikrisis. 1. Studien zur vergleichenden Metrik. I. Eine mit Genehmigung einer hochverordneten historisch-philologischen Facultät der kaiserlichen Universität Dorpat behufs Erlangung des Grades eines Magisters der vergleichenden Sprach- kunde zur öffentlichen Vertheidigung bestimmte Abhandlung. Dorpat 1871. [Specialabdruck aus der Zeitschr. f. d. Ph. Bd. III. Halle 1871. p. 253 bis 305, wo die Abhandlung den Titel führt: Beiträge zur deutschen Metrik.] Die Abhandlung zerfällt in zwei Theile. Im ersten sucht A. den Versbau einer Reihe mitteldeutscher Gedichte, speciell des König Rother festzustellen. Er statuiert in sorgfältigster Weise die einzelnen Fälle, in denen zweisilbige Senkung gestattet ist, was nach Martin auch für die mnl. Gedichte Geltung hat. Wenn er aber alle den aufgestellten Gesetzen widerstrebenden Verse für verderbt hält, nament- lich die zu laugen Verse als dem Gedichte ursprünglich angehörig nicht aner- kennen will, so muß ich mich der Ansicht Rückerts (König Rother, Leipzig 1872 p. LXXXV f.) und Edzardi's (Germ. XVIII, p. 391 f.) anschließen, die mit Recht auf die eigenthümliche Stellung dieser Verse im ganzen Gedichte aufmerksam machen. Eher kann man in Zweifel sein über die scheinbar zu kurzen Verse ("vgl. Rückert a. a. 0.). Im zweiten Abschnitt will A. für den Heliand in ähnlicher Weise wie Schubert: De Anglosaxonum arte metrica. Berol. 1870, für das ags. Epos, die Vierhebungstheorie durchführen. Während Seh. aber alle Silben der ags. Sprache an jeder Versstelle mit wenigen Ausnahmen hebungsfähig sein lässt, daneben dreisilbige Verse zugiebt und zweisilbige durch die Nachwirkung früherer Mehr- silbigkeit rechtfertigen will, nimmt A. in dreisilbigen Halbversen Zerdehnung eines langen Vokals oder eines kurzen vor 1, r, n und st an, so daß auf die betreffende Silbe zwei Töne fielen. Eine ausführliche Widerlegung gehört nicht hieher: ich bemerke nur, daß, wenn man, abgesehen von sonstigen metrischen Freiheiten, gezwungen ist, eine Scheidung zwischen Haupt- und Nebenhebungen zu machen, und ihr Verhältniss ähnlich darzustellen, wie das zwischen Hebung and Senkung (p. 283), und die Bedingung der Zerdehnung nicht einmal für alle entsprechenden ags. (vgl. z. B. Gen. 1209": on genimed), geschweige alt- nordischen Verse Anwendung findet, daß in diesem Falle die ganze Theorie nur dann einen Schimmer von Wahrscheinlichkeit für sieh hätte, wenn aus andern Gründen nachgewiesen wäre, daß die Reimpoesie 'He vier Hebungen aus der allitterierenden übernommen haben müa e. Das ist aber durchaus nicht der Fall (vgl. Vetter : Über die' germanische Allitterationspoesie. Wien ikTl' p. 20 ff.). '_'. l'her da Verhältnis« der Philologie zu den übrigen historischen Wissen- cbaften. Antrittsvorle trag gehalten an der Universität Dorpat den in. Oct. 1871. Dorpat 1871. Die Aufgaben des Philologen sind mii denen des Historikers identisch. Weder die Ethnologie noch die Völkerpsychologie sind begrifflich von der Philologie zu trennen. 3. Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft« In: Baltische Monatschrift. \. Folge Bd. II. 1871. Eine anziehend geschriebene] populäre Darstellung, z. Th. sich anschließend m die bekannte Schrift Schleichers. 246 MISCELLEN. 4. Die Bildung der Tempusstämme durch Vocalsteigeruug im Deutschen. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung. Berlin 1871*). A. sucht, gestützt auf das von Schleicher im Compendium für die indog. Ursprache aufgestellte System der Vocalsteigeruug und auf Müllenhoffs Regel**), diese Steigerung als Starnm- bildungdinittel für die germ. ablautenden Verba nachzuweisen. Er kommt zu dem Resultat, daß die abl. Verba nicht in reduplicierende und nicht reduplicie- rende, sondern nach dem Stammvokal in a, i, u-Stämme einzutheilen sind, daß Stämme mit erster Steigerung nur noch in der a-Reihe begegnen, während die i und u-Reihe nur die zweite kennt. Für die Lautlehre statuiert A., daß jedes zu e (i) geschwächte germ. a auf scr. ä, jedes goth. a auf scr. ä, jedes goth. 6 auf scr. ä, jedes germ. ei (goth. = ii = i) auf scr. e (= äi), jedes germ. eu (goth. = iu) auf scr. ö ( — äu), jedes goth. ai auf scr. äi, au auf scr. au zurück- weise. Die Ausführungen von Leo Meyer (K. Z. XXI, p. 341 ff.) deren Resultat ist, daß die Vriddisteigerung als etwas specifisch Indisches, der indog. Ursprache abzusprechen und nicht als eine mit Guna verschwisterte Erscheinung anzusehen sei, zerstören die Einheit dieses Systems freilich. Es sind da zunächst die Formen äi und äu zu streichen, und anzunehmen, daß ei und ai, eu und au beide aus guniertem i und u hervorgegangen seien, in diesen Vokalverbindungen also ä sich in a und e gespalten habe. Das alleinstehende a trifft dieser Einwand natürlich nicht, denn ob wir die Wandlung" eines scr. a zu ä Vriddi oder Dehnung nennen wollen, ist gleich. Es stünde uns also noch frei, mit A. in bar und fara das a als ursprünglich lang anzusetzen. Das wollte, was A. über- sah, vor Holtzmann schon Bopp (Vocalismus etc. p. 215 f). Dem würde man nicht einmal das abweichende Verhalten des gunierenden a mit Grund entgegen- halten können; denn daß a im Diphthong leichter zu afficieren ist, als allein stehend, ist selbstverständlich. Da aber der Beweis für die ursprüngliche Länge des a in fara weder von Bopp (a. a. 0.) noch von Holtzmann (Über den Ablaut p. 58) noch von Amelung (p. 45J geliefert ist, und überdieß im scr. perf. mittleres a vor einfachem Consonanten in der ersten Person beliebig verlängert wird (vgl. Stenzler: Elementarbuch, 2. Aufl. §. 166), so glaube ich, daß auch in diesen beiden Formen, ebenso wie in halda, ursprünglich ä anzusetzen ist. Während wir nun in för die Vocalsteigerung vor uns haben, repräsentiert baira -= bera Vocalschwächung. Dieselbe Erscheinung werden wir in baürgum wieder- finden. Amelungs Annahme, daß o (= goth. u) in diesen Formen sich aus der den Ton tragenden liquida entwickelt habe, also baiigum aus brgumäs, scheint mir ganz unhaltbar. Vergl. die Erklärung Förstemanns: Geschichte des deutschen Sprachstammes. Bd. I. Nordhausen 1874 p. 568. Trotz alledem halte ich die Eintheilung der deutschen starken Verba, wie sie A. p. 65 f. giebt, für viel zweckmäßiger und richtiger, als die Grimm'sche. Ein ähnliches Princip befolgt Müllenhoff Parad. p. 4 f. und Försternann in der von ihm gegebenen a. a. O. p. 546. Seine Scheidung nach Steigerung und Schwä- chung, nicht nach den Vocalen, wird bedingt durch die Tendenz seines Buches. *) Ich gehe auf den Inhalt dieses Schriftchens etwas ausführlicher ein, da es wenig bekannt zu sein scheint. **) So unabhängig von M. schon Jessen: Tidskr. t'or phil. og. paed. I p. 217 f. Mist Kl.l | \ 247 Dem neuesten Versuch gegenüber (Grein: das gothiscbe Verbura. Cassel 1872), den Yocalwechsel in der goth. Conjugation :ins dem Aecente zu er- klären, wird man .sich so lange ablehnend verbalten müssen, als die Annahme, daß im Scr. der Accent wirklich immer die Ursache der Guuicrung sei, von gewichtigen Stimmen bestritten (Corssen: Über Aussprache etc. Leipzig 1868. I. p. 622 IT. Westphal: Phil. hist. Gramm. n\ ihm: Dennler. Landarzt zu Langenthai, Bürger Quixots aus Uchtland sämmtliche Werke. Cum permissione Superioruin. 1. (u. einziger; Bd. 8, London (Baden im Aargau) o, Dr. 1817. 254 MIKCELLEN. zu Jahr mit den Seinigen zu entwerfen uud wo sich selten ein erklecklicher Überschuß zeigen will. Da bleibt man, ohne es zu heißen, doch im Grunde ein Gelungener. Oft tröste ich mich bei solchen Betrachtungen mit manchen Engländern um mich her, die bei den Mitteln, die ganze Welt zu durchfliegen, doch nirgends wahren Genuß finden und überall hin ihre Langweile mit sich führen. Längst hab iehs gemerkt, der Mensch ist zu keiner andern Freude ge- boren, als zu der kurzen, die er in dem Moment empfindet, in welchem er von irgend einem Leiden sich erlöst fühlt. Der stehende Artikel also ist Leiden, Dulden, und wer dessen die größere Summe zählt, ist auch der Größere. Widerlege mir, Freund, diese Argumentation, und wenn du, der da vor Vielen ein Recht hat, über diesen Punkt zu sprechen, mich eines Bessern be- lehrst, wird sie herzlich gerne zurücknehmen dein alter getreuer Schmell er. A las senoras, las debidas memorias — y dentro poeo mejores nuevas de la querida patria ! Übersicht der Vorlesungen über deutsche Sprache, Litteratur etc.. au den Universitäten Deutsch- lands, Österreichs, der Schweiz, so wie in Dorpat im Sommersemester 1874. Eneyklopädie: Systematische Übersicht der germ. Philologie: Heidel- berg-Bartsch; Einleitung in das Studium der neueren Sprachen: Zürich-Tobler. Vergleichende Grammatik: Graz-Schmidt; Zürich-Schweizer Sidler ; 2. Theil: Berlin-Ebel; allgem. Einleitung in das Sprachstudium: Halle-Pott. Deutsche Grammatik: Berlin-MiillenhofF; Breslau-Rückert (2. Theil); Göttingen- W. Müller; altd. Grammatik: Graz-Schönbach; ausgewählte Capitel : Halle-Zacher; Hildebrand; deutsche Syntax: Bonn-Andresen. Gothische Grammatik: Berlin i Ak. f. in. Ph.)-Begemann ; Bonn-Bir- linger ; Graz-Schmidt; Marburg-Justi. Althochdeutsche Grammatik: Bonn-Diez. Mittelhochdeutsche Grammatik: Miinster-Stork ; Würzburg-Lexer ; mit Interpretationsübun^en: Bern-IIirzel. Altsächsische Grammatik: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Zernial ; Göttin- gen-Wilken; Greifswald-Höfer; Marhurg-Grein ; altniederd. Grammatik mit Inter- pretation: Basel-Heyne Angelsächsische Grammatik: Göttingen - Th. Müller; Halle-Tschi- schwitz ; Marburg- Grein; Straßburg-Steinmeyer. Englische Grammatik: Bonn-Delhis ; Jena- Sievers ; Königsberg-Schip- per; Rostock-Limlm r; Straßburg-ten Brink; altenglisch: Marburg-Grein ; engl. Synonymik und Etymologie: Heidelberg-Ihne. Altnordische Grammatik: Halle-Hildebrand. Deutsche Mythologie: Vgl. Mythologie der indogerm. Völker: Hei- delberg-Lefmann. Deutsche Alterthümer: German. Staats- und Rechts-Alterthümer : Basel-Meyer; deutsche Alterthümer nach Tacitus Germania: Göttingen- Waitz; Tacitus Germania; Gießen-Lutterbeck; Halle-Zacher. MISCELLEN 255 Deutsche Rechtsquellen, Erklärung: Basel-Heusler ; Göttingen-Frens- dorfl': Lex Salica : Heidelberg-Scherrer ; Sachsenspiegel: Halle-Lastig; Schwa- benspiegel : Zürich-Orelli. Deutsch»1 Litte raturge seh ich t e: Heidelberg - Bartsch ; Tübingen- Keller; 1. Theil: Breslau- Pfeiffer ; im Mittelalter: Bonn-Birlinger ; Halle-Hilde- brand; Innsbruck-Zingerle; Kiel- Weinhold ; Leipzig-Zarneke ; über mhd. Dich- tangen: Erlangen-Raumer ; l>i> 1720: Grieß en-Weigand; vom 16. Jh. an: t tingen-Gödeke; Wurzburg-Lexer ; seit Opitz: Boan-Keifferscheid ; seit Gottsched: Halle-Haym; des 18. Jh.: Gießen - Zimmermann ; classische Periode (Göthe- Schiller-Zeit : Zürich-Honegger ; während der beiden letzten Decennien des 18. Jh.: Wien-Tomaschek; im 19. Jh.: Straßburg- Scherer; seit Goethes Tod: Bern- Schöne. — Deutsche Heldensage: Göttingen-Tittmann; deutsche Lyrik mit Inter- pretation: Basel-Heyne; religiöses Schauspiel des MA.: Tübingen-Ft hr; über Lessing: München- Bernays ; Prag-Martin; Lessings Dramaturgie: Wien-Toma- schek ; Goethes Leben und Werke: Bern-Hirzel; (Goethes Lyrik; Dorpat-Masing ; Göthes Faust: Heidelberg-Reichlin Meldegg; Tübingen- Köstlin ; Faustsage und Faustdiebtungen: Gießen- Zimmermann ; Schillers Leben und Schriften: Göttin- gen-Goedeke; romantische Schule: Prag-Kelle. Englische Li tteraturgesch ichte: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Scholl J von Chaucer au: Breslau-Kölbing. Altnordische Li t teratur gesch ie h t e : Halle- Hildebrand. Deutsche Metrik: mhd. Metrik: Marburg-Lucae. Sprachdenkmale r : Gothische: Erlangen- Raumer; Graz Schmidt; Tübingen-Holland; Evang. Johannis: Bonn-Birlinger. Althochdeutsche: Greifswald-Höfer; Prag-Kelle; Ott'rid und kleinere poet. Denkmäler des 9. Jh.; Königsberg-Schade. M i ttelhoc h deutsche: ausgew. Poesien des deutscheu Mittelalters : Zürich- Tobler ; ausgew. Denkmäler des 13. Jh.: Königsberg-Schade. Frei d an k: Tübingen-Holland. Gottfrieds Tristan: Innsbruck-Zingerle. Hartmanns armer Heinrich: Breslau-Pfeiffer; lweiu: Bonn-Reif- ferscheid. Kudruii: Göttingen Wilken; ausgew. Stücke: Gießen-Weigand. Nibelungenlied: Marburg-Lucae : Prag - Martin : Tübingen-Keller : mit Einleitung: Bonn-Simrock; Heidelberg-Bartsch : Straßburg Scherer; ausgew. stücke: Baeel-Me vValthervon der Vogelweide: Rostock- Bechstein; Wurzburg-Lexer. Wolframs Parziral: Göttingen-W. Müller; Jena- Sievers ; Lei] Zarncke ; München-Hofmann ; Straßburg-Steinmeyer ; Zürich-Ettmüller. Ah chi Hcli nd: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Zernial; Göttingen- Wilken; Greifewald-Höfer; kleinere Denkmäler: Marburg-Grein. Mittelnied erländisebe Beinaerl de Von: Straßburg-ten Brink. Angelsächsische: Beovulf: Berlin-Müllenhoff; Zernjal Ak. f. m. Ph.) : G " ngen-Th. Müller; Straßburg- Steinmeyer ; Zürich-Ettmüller; Caedmon: Halle- Tschischwitz ; i Stücke von ags. Prosa und Dichtung nach Rieger: Gießen- ind; nach Zupitza: Königsberg Schipper. 256 MISCELLEN. Altenglische: nach Zupitza: Königsberg- Schipper; Chaucers Canter- bury Tales: Breslau-Kölbiug. Altnordische: ausgew. altnord. Texte: Kiel-Möbius; Edda: Breslau- Kölbing; Lokasenna: Straßburg- Bergmann; Eyrbyggjasaga: Leipzig-Zarncke. Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz- chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen, Graz, Greifs- wald, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, München, Prag, Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg. Personalnotizen. Am 6. April 1874 f zu Montreux in der Schweiz Dr. Amelung, welcher als außerord. Professor der deutschen Philologie nach Freiburg i. B. berufen worden war. An seiner Stelle ist Dr. H. Paul, bisher Privatdocent in Leipzig, ernannt worden und hat bereits im Sommer d. J. seine Lehrthätigkeit begonnen. Am 23. Februar d. J. f im städtischen Krankenhause zu Breslau Dr. Aug. Geyder, früher Privatdocent an der dortigen Universität, als Germanist bekannt durch seine Arbeiten über Waltharius. Der außerord. Professor Dr. Rudolf Hildebrand in Leipzig ist zum Ordinarius ernannt worden. Preisaufgaben. Königsberg. Es soll genau untersucht werden, ob und an welcher Stelle bei der Übersetzung des neuen Testamentes ins Gotische Ulfilas neben dem griechischen Texte auch eine lateinische Übersetzung benutzt habe. Rostock. De arte poetica et orationis genere Waltheri illius, qui dicitur von der Vogelweide . Würzburg. Es soll eine Darstellung der dichterischen Thätigkeit Konrads von Würzburg und seiner Bedeutung für die deutsche Poesie überhaupt gegeben und gezeigt werden, unter welchem Einflüsse er stand und welchen Einfluß er auf spätere Dichter ausübte. Bern. Erörterung des Begriffs der Nationallitteratur mit besonderer Rück- sicht auf die Frage, in wiefern derselbe Anwendung auf die schweizerische, namentl. deutsch- schweizerische Litteratur leide. £ ekann t .machung . Die 29. Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten wird in den Tagen vom 28. Sept. bis 1. Oct. d. J. zu Inns- bruck stattfinden, wozu die Unterzeichneten hiemit ganz ergebenst einladen. Indem sie die geehrten Fachgenossen ersuchen, beabsichtigte Vorträge sowohl für die allgemeinen als auch für die Verhandlungen der Sectionen bald- möglichst (längstens bis 20. August) anmelden zu wollen, erklären sie sich zu- gleich bereit, Anfragen und Wünsche, welche sich auf die Theilnahme an der Versammlung beziehen, entgegenzunehmen und nach Möglichkeit zu erledigen. Innsbruck, im Juni 1874. Das Präsidium. B. Jülg. W. Biehl. DER JÜNGERE TODTENTANZ. Von diesem Werke habe ich bei Besprechung des Spiegelbuches Germ. 16, 177 fgg. Anlaß gehabt zu handeln, und ich verweise hier auf das damals gesagte, das ich in einigen Punkten zu berichtigen haben werde, von dem ich aber möglichst wenig wiederholen möchte. Ich kannte damals nur die beiden von Maßmann in Naumanns Sera- peum II, 184 fgg. beschriebenen alten Drucke und von der Casseler Handschrift die von Kugler Kl. Sehr, zur Kunstgesch. I, 52 gegebene spärliche Probe. Da es mir durchaus der Mühe werth schien, diesen Todtentanz zum Gemeingute zu machen, habe ich mir inzwischen auch von der Handschrift, der einzigen bis jetzt bekannten, eigene Ein- sicht verschafft*) und bin nun im Stande, eine Art von kritischen) Texte des Werkes zu geben. Die Handschrift, der Landesbibliothek zu Cassel gehörig, ist auf Pergament in Octav zierlich und mit Aufwand ausgeführt. Die Vor- derseite jedes Blattes enthält die zwei Gesetze je eines Auftrittes über dem dazu gehörigen Bilde; die Rückseiten bleiben leer. Die Schrift ist durchweg mit farbigen und vergoldeten Initialen geschmückt, große ren bei jedem Gesetze, kleineren bei jedem Verspaar. Abgesetzt sind die Verspaare, nicht die Verse; die leerbleibenden Theile der Zeilen sind durch Bänder in den Farben der Initialen, braun. Klau und gold ausgefüllt und mit denselben Farben auch die Bilder umrahmt Diese letzteren sind in der Ausführung ziemlich roh, aber mit Geist und Laune erfunden. Sehr gut ist durchweg der Tod. Es findet sich ein Reichthum von wechselnden, zum Theil witzigen Motiven in der Art, wie er den verschiedenen Personen entgegentritt. Gewöhnlich tanzt er und musiciert auf irgend einein Instrumente, bläst aber zur Abwechslung auch auf dem Stil einer Hacke "der aui einem Todten- bein, wozu er mit einem andern auf einen Schädel trommelt. An der Trompete hat er sonst bei Standespersonen auf einem Fahnentuche das Wappen des abzuholenden, einmal aber, bei dem Junker, sein • Wotiii ich der Gefälligkeit dea Herrn Bibliothekars Dr. Bernhardt eu Dank . ■ rpflicht« t bin ot.KM.iNIA Neu Reih (.\l\, l i,, VII 17 258 M. RIEGER eigenes Abbild. Mitunter hat er dem abzuholenden seine standesmäUige Kopfbedeckung, z. B. dem Domherrn die rothe mit weißem Pelz ver- brämte Mütze abgenommen und sich selber aufgesetzt; bei dem kleinen Kind aber trägt er, wie um ihm Zutrauen einzuflößen, die Ammen- haube. Den Doctor faßt er wie ein Räuber an, den Dieb führt er wie ein Polizeidiener mit gebundenen Händen am Strick, der gute Mönch dagegen faßt ihn selbst am Grabtuch, als wolle er den davon- eilenden aufhalten. Der modisch geputzten Jungfrau hält er einen Spiegel vor, dem Junker seinen Hintern, auf den er mit der Hand einladend deutet. Die Holzschnitte sind nah verwandt, ohne je ganz übereinzukommen. Die Compositum ist auf den Gemälden lebendiger, die Zeichnung der Körper besser, wie auch ihre Proportion; aber in den Köpfen, die auf den Holzschnitten nicht ohne Geist behandelt sind, bleibt der Maler flau. Er gibt seinen Figuren einen landschaft liehen oder architektonischen Hintergrund mit oder ohne Luft, aber so gänzlich ohne Begriff von Perspective, daß die vorderen Gegen- stände, z. 13. Bäume, ebenso klein oder kleiner gezeichnet sind als die hintern und die Figuren dadurch mehr als riesengroß in der Landschaft stehen. Die Costüme mögen, wo zwischen mehreren die Wahl war, zum Theil ihre Bedeutung haben. Der Abt verräth sich durch schwarze Ordens- tracht als Benedictiner, der böse Mönch ist Dominicaner, der gute da- gegen Franziscaner und der Bruder, der einen langen Part, schwarzen Rock mit Gürtel und schwarzer Capuze und ein hellrothes Käppchen trägt, offenbar ein Kugelherr oder Bruder des gemeinsamen Lebens*). Bei dem Grafen hat der Tod eine Trompete mit rother Fahne, die einen aufrecht stehenden gekrönten goldenen Löwen mit einem Schwänze zeigt, doch wohl kein anderes als das nassauische Wappen, obgleich ihm die Schindeln fehlen, die sich schon im !-'>. Jahrhundert auf ihm finden (s. Siebmachers Wappenbuch neu hsgeg. v. Mcfnerl. Bd. 1854). Die Rüstungen (beim Herzog und Grafen) -«hören der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an, insbesondere die Salade mit Barthaube, die erst um 1450 aufkam und den Monumenten aus unmittelbar vorher- gehender Zeit noch fehlt (s. Hefner, Trachten des christl. MA. II, *) In einer alten Handschrift Von dem statt vnd leben der priesla md bruder zu Konigstein rnior mis und es ent teht die Frage, .»b am Ende das Gedicht, aeben seinen vocalisch und consonantiseli ungenauen Keimen, ursprünglich einen regelmäßigen Versbau gehabt habe. \)\<- meisten Vei e fugen ich, unter Berück siehtigung der Mundart und Anwendung der diesem Jahrhundert ge- ►) Vergl / i hr. f. d. A. 9 121 fg I. ' 2G0 M. RIEGER mäßen starken Kürzungen, auch jetzt noch dem Schema der vier He- bungen mit regelmäßig eintretender Senkung. Vergleicht man ein von Haus aus unmetrisch angelegtes Reimwerk, wie das Spiegelbuch, so fällt der Unterschied auf; und bei der besonderen Sorglosigkeit und Willkür, mit der gerade dramatische Dichtungen fortgepflanzt wurden, ist die Entwickelung eines von Haus aus metrischen Textes zu der verwilderten Gestalt des unsrigen nicht undenkbar. Viele Verse würden sich durch mehr oder weniger leichte Änderungen wieder einrenken lassen; aber nicht wenige müßte man auch, um sie nicht als incurabel aufzugeben, aufs rücksichtsloseste zusamraenschneiden, und der Versuch einer metrischen Herstellung hätte nur einen subjectiven Werth. Ich habe indeß, auch darin vielleicht schon voreilig, durchweg den Les- arten den Vorzug gegeben, durch die der Versbau hergestellt wird. Es fehlen in C drei Auftritte, der Pfarrer (6), der Arzt (9) und der Herzog (12); aber der Schreiber hat geglaubt beim Capellan (7) den Pfarrer und beim Ritter (14) den Herzog vor sich zu haben und die Anrede demgemäß geändert, so daß eine vollständige Handschrift offenbar zu Grunde gelegen hat. Die Reihenfolge der Auftritte ist in C lediglich durch die Sorglosigkeit des Buchbinders gestört; die Blätter sind vom Schreiber alle bis auf sechs beziffert und die dadurch angedeutete Reihenfolge stimmt mit b bis auf eine Ausnahme überein. In b, wie in a, folgt nämlich die Jungfrau auf die Bürgerin, in C die Bürgerin (30 durch Versehen für die sonst fehlende Ziffer 36) auf die Jungfrau (35); und hier scheint C im Recht zu sein. Dieß verräth sich dadurch, daß in b beide, Bürgerin und Jungfrau, mit 35 bezeichnet sind und die Ziffer 36 fehlt. Dieses Versehen muß sich schon in der gemeinsamen Grundlage von a und b gefunden und die Vertauschung beider Auftritte ermöglicht haben ; in b wurden auch die zwei gleichen Ziffern fortgepflanzt. Ich gebe indeß, um die Verwirrung nicht un- nöthig zu mehren, die Anordnung der Auftritte unverändert nach b. Denn verwirrend genug ist schon die Verschiedenheit der Anord- nung zwischen a und b; aber zugleich lehrreich, indem sie einen Blick in die Entwicklungsgeschichte des Werkes öffnet. Streicht man in beiden Reihen den Abt, Arzt, Räuber, Wucherer, Bürger, Handwerks- mann, Jüngling, das Kind, den Wirth, Spieler, Dieb, bösen Mönch, guten Mönch, den Bruder, den Doctor und die Nonne, so bleiben 22 Auftritte in völlig gleicher Reihenfolge, und in diesen hat man offenbar den ursprünglichen Bestand des Spieles. Betrachtet man ihn näher, so zeigt sich eine ganz symmetrische Eintheilung nach Ständen : 7 Geistliche, 7 Adelliche, 7 Bürgerliche und zum Schluß, um allem DER ii N6ERE TODTENTANZ. 261 noch sonst denkbaren gerecht zu werden, der Auftritt Von allem stät. Bei diesem war es den Aufführenden überlassen, eine Auswahl von Charakteren zu treffen, die zusammen auf dem Theater erschienen; dann aber lag es nahe, daß einzelne von diesen wiederum hervor- gezogen und mit besonderen Auftritten bedacht wurden. So wuchsen deren 16 nach, die man nun nach verschiedenen Gesiehtspuncten in die alte Reihe einzuschieben unternahm. In Cb sind Abt und Arzt, der letztere seltsamer Weise statt des näher berechtigten Doctors, der geistlichen Siebenzahl angehängt; 13 Auftritte, davon die letzten 4 mit geistlichen Personen, die übrigen mit wenig ( )rdnung, sind zwischen die Adelichen und Bürgerlichen eingeschoben und die Nonne bei den einzigen Frauen, die sonst in dem Spiele vorkommen, untergebracht. Hier ist also nur die letzte der alten Gruppen und sie nur durch einen Auftritt auseinander gedehnt, die andern behalten ihren alten Zusam- menhang. Schonungsloser aber systematischer ist die Einreibung in a: Abt und Doctor ihrem Range gemäß zwischen Bischof und Official ; am Schluß der geistlichen Gruppe vier weitere geistliche Personen, guter und böser Mönch, Bruder, Nonne, und der Arzt, der wenigstens als Gelehrter mit dieser Gesellschaft verwandt ist. Sodann etwas unbedacht hinter dem Rathshcrrn der Bürger: denn jener ist nicht der städtische Würdenträger, der diesen Titel führt, sondern ein rechtsgelehrter fürst- licher Rath, wie sie oft aus dem Bürgerstande hervorgiengen. Endlich hinter dem Schreiber die übrigen: vier Jäger nach fremdem Gute, der Wucherer, Räuber, Spieler und Dieb; zwei Vertreter bürgerlicher Nah- rung, der Handwerksmann und Wirthj zwei Alterstufen, Jüngling und Kind. Daß die Einreihung in a eine spätere, verbesserte, die andere eine unvollkommene erste ist, dürfte kaum bezweifelt werden. Die Rede am Kerner, die ich Germ. 16, 194 fg. aus a mitge- theilt habe, fehlt in C, und ich lasse sie hier weg, weil es mir nicht zweifelhaft ist, daß sie ursprünglich zu dem zweiten Spiele des Spie- gelbuches gehört hat. Auch der Titel und das Bild auf seiner Rück- seite mit den dazugehörigen Versen, sowie die Rede des Todten auf der Bahre, die in a b die Einleitung bildet, alles dieß fehlt in C, ob nur durch Zufäll läßt sich nicht sagen. Jedenfalls gehört die auf die Figuren verweisende Rede des Todten, eben wie der Titel, nicht zu dem Spiel, sondern zu dem aus ihm hervorgegangenen Buche, während die metrisch gebauten Verse auf der Rückseite des Titels, wie auch Waekernagel Zschr. I. d. A. (J, 33-1 wahrscheinlich fand, das auf- geführte Spiel eröffnet haben dürften. Die Heimat des Spieles oder doch seiner Erweiterung wird durch die Erwähnung von Bingen 353 bestimmt; und es ist nicht 262 M. RIEGER nöthig, die Reime, die wegen ihrer Ungenauigkeit doch nicht viel be* weisen können, darüber zu befragen. Es zeugt also für eine gewisse Verbreitung, wenn es zuerst nicht in mittelrheinischer, sondern in ost- fränkischer Mundart ohne alle ai und oi gedruckt worden ist. Stammt dieser Druck wirklich von 1459, so kann er wohl aus keiner andern Werkstatt als der Albrecht Pfisters zu Bamberg hervorgegangen sein. Für die Heimat der Holzschnitte ist es bezeichnend, daß der Graf ein Banner mit den Hirschhörnern Würtembergs führt (vgl. Wackernagel a. a. 0. 335). Der Maler der Handschrift verräth aber bei der gleichen Gelegenheit, wie schon oben angegeben wurde, daß er der Heimat des Spieles selbst näher stand. Unter seinem letzten Bilde steht die Bemerkung: Ihro Chur Prinzl Dhlt zu Neustat Vor Ehrt worden: 1679. Die kurprinzliche Durchlaucht muß Hedwig Sophie, Tochter des Kur- fürsten Georg Wilhelm von Brandenburg und Mutter des Landgrafen Karl sein, für den sie während seiner Minderjährigkeit 1670 — 75 die Regierung führte. Neustat, so ohne jede nähere Bestimmung genannt, kann nur das oberhessische, damals mainzische Städtchen dieses Namens sein. Auch hier also wieder ein Fingerzeig nach dem Mittelrhein. Man möchte wohl auch wissen, wo der Buchdrucker seine Werk- statt hatte, der die Holzstöcke des Druckes von 1459 an sich ge- bracht und 1470 eine zweite Ausgabe nach andrer Vorlage und in der heimatlichen Mundart des Spieles veranstaltet hat. Nicht daß ihm das Werk besondere Ehre machte: weder ist der Druck sauber, noch die Typen geschmackvoll. Aber sie scheinen zugleich unter den mittelrheinischen Drucken jener Zeit ganz unerhört zu sein. Wenig- stens finde ich in den Tafeln zu Wetters kritischer Geschichte der Buchdruckerkunst keine nachgebildet, die mit ihnen einige Ähnlich- keit hätten, außer denen von Valdenaer zu Utrecht von 1470; er allein hat diese h, b, 1 und d mit großen bauchichten Schleifen, kann er hier wohl in Frage kommen? Nahe läge es bei dem ascetischen Sinne, der das Werk durchdringt , an die Druckerei des Kugelhauses zu Mergental bei Rüdesheim zu denken, die 1463 eröffnet worden ist und eine Zeit lang geblüht hat. Wer jedoch auf die dortigen Brüder des gemeinsamen Lebens die Abfassung des Spieles selbst zurückführen wollte, Avegcn dessen und der Spiele des Spiegclbuches ich einst an das Cisterzienkloster Eberbach gedacht habe, der würde irren; denn das Kugelhaus zu Mergental war nicht oder doch nur um Monate älter als seine Druckerei. DARMSTADT, im März 1874. M. RIEGER. DER JÜNGERE TODTENTANZ. 263 Der Dotcn dantz mit figuren. Clage vnd antwort Bchon von allen staten der weit. Wo! an wol an jr berron vnd knecht, spryngt her by von allem geschlecht, wie jung wie alt, wie schon oder kruß, ir mußent alle in diß dantz huß. *) Alle mentschen deneken an myeh Vnd huden vor der werlt sych. Ich hatte viell gutes vnd was hin eren, Golt vnd sylber hatte ich tzu vertzeren: Nu byn ich inn der wurme gewalt, Solich testament ist myr bestalt. Der doit hait myeh her tzu bracht Da ich yß aller mynst bedacht. Vorware wer das merket eben, Der mag woill besßern syn leben, Wand hye geet lachen vnd sehyraph uß, Wand wir neghen tzu disßem dantz husze. Merkent nu vnd sehent an disße tigure, War tzu kommet des mentschen nature. Laßent von sunden, das ist myn radt, So mögen! \i by gol fynden gnade.**) 1. Her baibst, dissen dantz must ir beginnen vor allen, die da ere gewinnen. Aller werlte ir gebott: nu sint ir körnen in den doit. 5 ITwcr herschaft hait nu ein end< . ir sint komen in raine hende. Gant vort und nicht erschreckt: hie wert ir ligen biß das uch goi erweckt. 0 got, sal ich und muß eß sin, lo das ich enden das leben min ? ( }o1 wa ich uff ei den genant und allen menschen der hoegsl bekant. l-i im straifflich gewesl min leben, das wollt gottie gudde mir vergeben. Bis hiebei nach a, da das Titelblatt in dem von vab benutzten Darmstädtei Exemplar von b fehlt Di ' lehn auf dei Rückseite des Titele, untei ihnen der Holzschnitt: -1 blasende Todte mit andern, die ftieb aus Gräbern erheben. Holzschnitt: Todtei in einem Sarge von seebe Todten umtanzt, deren ei mit einem Todtenbein die Trommel Bchlägt. Daneben der Kerner. 2 allen] 0 allen den 4 b kommen yi 9 ich oo< cAen 10 ich a, C sal, b ich BaL 264 M. RIEGER. 15 Sant peter stule han ich besessen: got wolle miner seien nit vergeßen. 2. Her cardinal, nu springent ain dissen reien. mit uworem mantel haint ir gain meien: Mich dunckt vch verwonder diese fart. 20 nu kompt und offenbart Uwer sunde, die ire hant begangen, groß ere hait uch umbfangen: Uwer mantel und roder hut klein hulffe gein mir nu dut. 25 Mantel und hut sollent mir nit schaden: ich han mich sost vyl uberlaiden Mit gierheit in zytlichem gut, glich als der straßenreuber dut. Mocht ich des noch quyt werden 30 dwil ich noch bin uff erden, Ich hofft got solt mir gncdich sin und erlosen uß ewiger pin. 3. Her bischoff, ich bin hie der doit und wil uch bringen in libes noit. 35 Uwer bistum must ir übergeben, niet lenger laß ich uch leben. Kompt nu mit mir in uwer grap, legent nidder uwern schonen stap, Den man uch hait vorgetragen: 40 den doit kan er nit verjagen. Vor got muß ich die warheit sagen: ich wolt das ich alle min dage Ein armer monich were gewesen, got gedient mit singen und mit lesen. 45 Von paffen wirt clage über mich komen, das ich also vyl subsidia han gcnomen Und mit gewalt underdruckt den armen, ach wolt sich got über mine sele erbarmen. 4. An uch ist nu der tzail, 50 o reverende domine official. 19 vch fehlt C. a verwildert. 25 hut] a roter hut. 26 vyl] C zu vyl. 40 a kunt ir. 45 C'b mich nu komen. 49 An uch] lies An uch, an uch. DER JÜNGERE TODTENTANZ. 265 Ir hant durch die gantzen wochen vil falsche orteil gesprochen: Hettent ir dem armen als dem riehen gedain, frolich mocht ir zu dem dantze gain. 55 Noch wie dem si, ir raust sterben und mocht nit zyl biß morn erwerben. Hilff got! ich bin in großen sorgen, han ich nit zyl biß morgen. Ich bin in großen krencken 60 und het noch vyl zu bedencken. Het ich min seile vor woll bedacht, so queme ich nu nit in gottis acht, Und het geholfen den armen, so mocht sich got über mich erbarmen. 5. 65 Her fürt, du stoltzer dumher, du besitzest nu vnd nummer mer Dyne prundc rent gulte vnd gut. dar vor hastu dich nit gehut. Troist dich selbs, dan du must sterben 70 vnd magst nit lenger zyl erwerben. Laiß din dedinge vnd kome herfort, dich bait keyne bette noch süße wort. Ach got, wie sal ich mir geben troist? in vnserm capitel was ich der boist. 75 Vil prunden vnd groiß gut han ich besessen: nu wirt min ewig vergeßen. Hette ich mine notturfft genomen, geyn gott mocht iß mir nu fromen, Und auch mitgedeilt den armen, 80 so wurde sich got über mich erbarmen. 6. Her perner, yr mußet maisßen uwer meyen vnd springen myt myr an dißen reyen. Ich han vorn anc geschrieben das yr gots dyenst nyt hant getryeben 85 Vnd uwern sehoffgyn boße exempel geben: dar vmb verlyest yr das ewig leben. Vwer opper kyreh gut vnd cre siehent yr nu und Dummer mere. .")i r]pm| al, diszem. 56 Noch] ab Doch. 68 biß] h myt. 59 inj fehlt C. fil ab vor myn Bele. 6 i mich] a myr. 66 na] C n it. 81 96 Va. /' >• , fehlt <\ 88 mere a, b mec. 266 M. RIEGER Hctte ich myn schafflyn woill behut 90 als eyn rechter hyrtt dut, Sye vnd mych ane sunde bewart, frolich für ich diße leste fart. Nu han ich gesucht zytlichs gut als der falsche hyrt dut: 95 Dar vmb ich mych sere betrüben. got wolle doch das beste pruben. 7. Her capellan, ir kundt gar süßlich claffen bi den leien und auch bi den paffen. Den seiter kundt ir noch nit gelesen 100 und mag niemant vor uwer meisterschaft genesen. Laißent ligen uwer berret und uwer solen, ir sint mir nu gantz entpholen. Uwer clip clap und doricht sagen kan den doit nit veriagen. 105 Ein berret drug ich als meister ipocras, dick geprediget das ich nie gelas. Ich sucht gut mit zytlicher ere, klein was ich von der lere. Den wolff ließ ich die schaiff zubißen, 110 ein bein vom andern rißen, Die mir min herre bevolen hait in truwen: das wirt mich nu und eweclichen ruwen. Her apt in geistlichem orden, ir sint mir nu zu deil worden. 115 Ir mußent alle ding laßen stain und nu an minen reien gain. Uch und uwern brudern junck und alden were gut, het ir den orden gehalden Und des cloisters gut nit so vyl verzert 120 und arme lüde da von ernert. Ach got, war zu bin ich worden? ich hielde nie recht minen orden. Ich bin gewesen umbehut zu gewinnen das ewig gut. 125 Were ich ein armer monich gewesen, got gedient mit singen und mit lesen 93 a zytlich. 97 capellan ab, C pherner. 100 vor abC: zu tilgen. 101 solen abC: lies stolen. 110 a zuryszen 111 herre] C oberster. 114 nu fehlt C. 117 junck Cb, a jungen. 118 a jr hettent. 119 C verziert. 120 von] C mit. 123 C gewesten, ab gewest. DEB JÜNGERE TODTENTANZ. 267 Und hctte min sclc woll bewart, frolieh Cur ich diese leste fart. 9. Herr artzt, yr kont den luden woll gesagen, 130 wie yr den dot wolt von yn veriagen. Kont yr ichts finden vor den doit, suchet her vor, das ist uch noit. Ir habent ander lüde gesunt gemacht vnd vwer seien kleyn geacht. 135 Wie mag vwer seien rat werden? ir hant gekurtzet manchem syn leben. In aller artzedye konde ich rat geben czu verlengen des mentschen leben, Sunder widder den doit tzu disser fart 140 finden ich keyn krudt das myeh verwart. Och gotliche barmhertzikeyt, myn sunde syn myr leyt. Dyn grün delose gute dye bied myr, wand alle myn heyll stet an dyr. 10. 145 Herr keiser, nu koment, is ist zyt. uwer macht geit durch die werlet wyt: Hot uwer keiserlichs swert die heiden betwungen und bekert, Friden gemacht und nach rech gestanden 150 in steden vnd in allen landen, So wurde uch auch nu gegeben gottes hulde und ewiges leoen. Sal und muß ich nu sterben und keinen Verzug von dir erwerben? 155 Groiß gut und ere han ich beseßen: was bait mich min groß vermeßen? Ich meint du soltest schonen keiserlichs appels und minor cronen: So des Diel enißt, dar umb uff erden 160 kein mentsch mag din entragen worden. 11. Ir mechtiger kunig groiß und rieh, ir mußent nu werden den armen glich, 129—144 nach b; fehlt C. 131 b Buden icht.s. 14fi ah durch al (6 all) die 14!i ab recht. 150 vnd fehlt C. 165 und cro fehlt a. 156 0 baich, 157 soltest] C sollest. 158 a >> applas, C aplaiß. 159 dar umb fehlt a. 268 M. RIEGER Wan ir sollent noch hude sterben wie ander lüde. 165 Das orteil goit selbes gegeben hait, über iedcrmentschlichen stait, Das sie raußen in der erden wieder umb zu eschen werden. Nu merken ich wol das der doit 170 alle mentschen bringet in noit Und nit an syt eniche personen, dwil er nimants will schonen. Hette ich myn lant nu wole regiert und mit togenden mich geziert, 175 So mocht ich baß von hinnen faren. got wolle myn arme sele bewaren. 12. Du bist eyn hertzog gewesen: nyemant mochte vor dyr genesen. Er wer arm oder rieh, 180 du meynst nyemant were dyn gelych. Groiß gut haistu beseßen vnd gotz da myt vergeßen. Eyn end hat nu dyn hoger mut: ganck fürt, anders yß dut dyr nummer gut. 185 Sali ich dan nyt langer leben vnd sal myn herschafft vbergeben, Ritter knecht vnd vndersasßen, myn gut myn ere als hynderlaßen Vnd von alle dem nit füren dar, 190 dar ich nu selber hynnen far, Das ich dan nyt in armudt alle myn tage got gedyenet hab, das ist myn clage. 13. Tredt fürt, ir graue von edeler art, ich fuir uch gar eyn wilde fart. 195 Vyl homutz han ich von uch geschrieben, den ir über paffen vnd leien hant gedrieben. Nu koment, ich binß der doit vnd wil uch bringen in groiße noit. Biddent got vmb gonade, das raden ich, 200 vff das er uch nit verdume ewenclich. 166 yedermenschlichen a, Cb ielichen mentschlichen. 170 a allen. 173 nu fehlt ab. 177 — 192 nach b; fehlt C. 180 b dynen glych : ein Beispiel der rheinischen Vertan schung von Nominativ utid Accusaliv. 184 anders ab C: zu tilgen. 187 b hyn- dersasßen. 190 b da ich. 200 a verdamn. DER JÜNGERE TODTENTANZ 269 Acli ich wolt das ich nu kuade got zu hulff hau vnd syne fruude, Alle heiligen vud gude lüde vmb gnade zu erwerben noch hude. 205 Solt ich dau lenger leben, ich wolt mich heuern vnd almuseu geben, Myn testament also wole besetzen, da3 eß phafFen vnd leyen mocht ergetzen. 14. O ritter rych, reich her din haut, 210 du must mit mir in ein ander lant. Hettest nu ritterlich gefecht und niemants gedan wieder recht Aber iemandts gewalt gedan, frolich inochst du nu mit mir gain. 215 Hastu aber den armen underdruckt, so wirt diu geist nit woll verzuckt. Ach ich hau mines libes crafft verzert mit wilder geselschafFt, mit hoifieren und mit striden, 220 mit stechen iagen und mit riden. Der armen ich damit vergaß, sie zu beschirmen was ich laß. Hette ich mim stait nu recht gedain, frolich wolt ich nu mit dir gain. 15. 225 Her junckher fürt, wir mußen dantzen, hofiern und hovelich scharwantzeu. kompt zu stunt, ich kan nit beiden, zum dantz wil ich vch leiden. Uwern schonen hoiff mußt ir nu laißcn 230 und in der stat die schonen straißen. Woloff zum dantze, eß ist nu zyt, das ir gut von uwern wercken antworten syt. O richer got, wannen kompt der doit, der mich bringt in solich noit? 201 a Ach got ich. im fehlt a. . 206 wolt] V wil 208 eß fehlt ab. n mochte. 209 ritter ryoh] C herzog. 213 Ahcr steht hier nach hessischer Weise für oder, und moar in der Bedeutung Doch - aequo, wodurch das folgende iemants gerechtfertigt ist. Vgl. Vümar II'**. Idiot, unter oder. Diese Verwechselung läset sich schon im 13. Jahrh. der Verfasser der Geistlichen Lilien und der Rede von den XV. Graden zu Schulden kommen, indem er avu ovo und o( für oder braucht: '■• m. :{, 56. G, 148. 153. Aber = vcl kommt noch einmal 412. 214 nu mit mir] C mit mir nu. -17 a myn. 224 nu mit dir] mit ilir nu O. 226 " schawätze, b Bchwantzen, C swantzen Nur Frauen tragen n sw&nzund können dahei Bwanzeo. Scharwenzeln braucht mau hiet tu LandU noch jet t für ein höflich unlerwüi figes Gebühren. 228 vch] 0 dich. 231 6 wullulit, « wol vll. du fehlt C 270 M. RIEGER 235 Sal ich itzunt antwurt geben von alle mini suntlichen leben, So betrüben ich mich in den doit, das ich nit hielde das got geboit. Ich han wollost gesucht uff erden: 240 min sele wolle got zu deiljwerden. 16. Kum her naich, du wapendreger: du hast geslafen uff hartem leger, In striden groiß arbeit gehait, das dich nu gar wenich bait. 245 Diner glich ist manicher geselle, den vil swerer wirt die helle Dan eim monich das himmelrich : ir beider arbeit ist gar ungelich. 0 heiliger crist, din orteil ist gerecht. 250 were ich biß her gewesen din knecht Und dins lidens wapen getragen, so bedurfft ich nu nit clagen. Nu hain ich gedient werntlichen herreu, gestanden nach zytlichem gut und ere: 255 Was mir ist worden zu lone , das hilfft mich nit eine bone. 17. O du reiber in den wilden walden, du kanst dich vor mir nit behalden. Ich komen zu dir gar ungedelich, 260 wan du bist sere gewest schedelich. Vil werden über dich clagen, die von dir beraubt sint und erslagen. Wie du mit andern hast gedain, also wirt iß dir nu ergan. 265 Ach mocht ich lenger leben und hette auch wieder zu geben Was ich den luden ie genam, sint das ich in diese stunde quam, Das wolt ich alles geren keren 270 und mich mit got erneren. Nu ist eß mir leider zu spade: almechtiger got, bewise mir gnade. 237 betrüben a, b O betrübe, in] C bili in. 243 C vyl groili. 250 din] ab eyn. 253 werntlichen b, a weltlichen, C wenclichen. 254 ere] C eren. Vergl. 41. 305. 4G2. 256 mich fehlt C. DER JÜNGERE TODTENTANZ. 271 18. O Wucherer, wie gar verbündet du bist! groß gut hastu gewonnen in kurtzer frist: 275 Kum, du must iß laißen gantz und springen mit mir an dissen dantz. Armen und riehen plegestu zu plucken und was du kondest zu dir gezucken Umb golt und silber hastu gegeben 280 din lip sele und ewiges leben. Ach woffen! hette ich diß erkant, ich hette mine sele nit so jemerlich verphant. Mocht ich zyt erwerben und ruwen, ich wolt noch vyll kircheu buwen, LJs;f) Unrecht gut auch wieder keren und fort mich mit got erneren. Nu hau ich zu lange gebeit und zu dem doide mich nicht bereit. 19. Burger, du haist wip gut und kiut, 290 mede und knecht under dir sint. Vor die plegestu zu sorgen den abent und auch den morgen Allein umb zytlichen gewin: dar uff stunt din rnut und auch din sin. 295 Du gedeichts seiden an das ewige gut: dar umb stirbstu nu gar uubehut. Ich bin gewest gar umbehut Zu gewinnen das ewig gut. Was bat mich nu min kiut und auch min wip, 300 dwil ich muß gain in dodes stritV I >en ich hau bestalt drincken und eßen, die werden min nu eweclich vergeßen, Von im wirt mir nu wenich nach gedain, den ich hinder mir min gut nu lan. 20. 305 Hantwerksman und auch du leie, kum nu auch ;iin mincii reien. Du plcgst obents lange zu wachen, kleidcr beltz und sehn zu machen. 273 C du verbündet, keren] C geben. 290 vnd fehlt C. 292 und aiu-li ] a als. 296 ab vnuerbut. I>f< gäbe . C noch. Da- mit ist mdeß »■"/ um a auff. 868 midi fehll • ils fehlt a 379 . gantz. 380 den] C de rad fehlt C 281 d> | o dn CtWMAMA VII . X I \ | Jl 18 274 M. RIEGER Wau werlich, solt ich lenger leben, ich wolt iß miden und übergeben. 25. 385 O du dieplicher diep, du haist mit dime stelen verdient das man dich an dine kelen Lange solt hain gehangen: des bistu nu biß her entgangen. Hettestu dich biß her bekert 390 und mit truwen dich ernert, So mochstu sicher sterben und genaide bi got erwerben. Eia lieber herre ihesu crist, wan du vor mich gehangen bist 395 Und geliden einen schentlichen doit, hylff mir diebe uß aller noit. Das ich die helle möge vermiden, das fegefuir wil ich gerne liden. Ich bidden umb gnaid, die entphing 400 der schecher der an diner rechten syten hing. 26. Monich, ich enweiß dich nit zu nennen, ich einen vor dem andern nit erkennen. Uwer vetter anders gecleit waren, anders gestalt, anders geschoren. 405 Noch wer du bist oder wie du heist oder was ordens dich beweist, Du must dinen geist uff geben, du kanst einen dag nit langer leben. Ich fuilen an minem alter woil 410 das ich sterben muß und sol, Und das ich ie kap an mich gen am aber eigen heller ie gewan, Das wirt mich ummer ruwen, und alle monich sollen das schuwen. 415 Vil beßer were in armut zu leben dan im orden böse exemple zu geben. 27. Kom, monich, an dissen dantz. du haist vber geben diese werld gantz 389 biß] 6 myt. C bekiert. 391 mochstu] C mochstu nu. 400 schecher fehlt C. Vielleicht hieß es nur der an diner. 402 nit] C kume. 411 das ich a, b das, fehlt C. 412 aber C b, a oder. Vgl. 213. DER JÜNGERE TODTENTANZ. 275 Und diueu orden woil gehalden: 420 von got wirstu nit gescnalden. Nu kom, du solt frolich starben vnd gnaide von got erwerben. Die aber irrent biß in den doit, die komen in bitterlich noit. 425 Got sy lop danck vnd ere uu alwege vnd ummer ineiv. Der mich hat gegeben zu füren eyn geistlichs leben Und der bruder bin worden, 430 die da gehalten haut den orden. Dar vmb der dot ist mir eynn trost: nu werden ich fry vnd gantz erlost. 28. Du bruder solt nu mit mir gaiu, und solt doch got im hertzen hain. 435 Du hast ane sunde gefurt din leben, zu gottis dinst dich gantze ergeben, Und hast gesucht niet mere dan din heile und gottis ere. Du hast über geben willen und eigen mut 440 umb gottis willen, das ist dir gut. Ich dancken got von disser stunden, das ich in gehorsamkeit bin iundeu. Nu laiß mich genießen, almechtiger got, das ich gehalten hain din geboit. 445 Ich hoiff auch miner vetter genießen, want ich hain getain das sie mich hießen. Ilain ich aber wolt widder streben, das woil mir got und sie vergeben. 29. <) groißer meister von paris, 450 werent ir im gewest so wisse Und hetent studert vfl den doit, sicherlich das were voll noit. Ir mußent nu glich dem leyen springen mit mir an diesen reyen 123 biß fehlt «. 126 ummer] 0 Dammei JJ'.t «In | a eyn. 430 a der und bat 4:u Dv bruder a b, C Bruder da. »:tr, dich fehlt i 142 bin] C werden. 445 genießen] a b zu genießen. 446 das] C was. 150 west nn. 451 C hentent. 452 a sicher, 18* 276 M. RIEGER 455 Und dar zu uwern geist vff geben, wie woil ir meynent noch lenger zu leben. Ich neme iezunt gottis gunst vor alle mine meisterlich kunst, Wand der doit hait mich behafft 460 vnd acht niet vill vff myne meisterschafft. Vyl beßer were eß, mocht ich myne suude geclagen, wan das ich geleirt hain all myn dage. Alles das ich ie hain geleret hait mich zu goit wenig gekeret. 30. 465 Her burgemeister, eyn nuwes lyet wil ich uch singen : zu disser geselschafft must ir nu springen. Von uwerm ampt ir auch must scheiden, vwer sunde laißt uch nu leyden, Haint ir ymants besweret widder recht, 470 eß sy priester leye oder knecht. Ir habent vbel oder wole getain, wolufft zu dissera reyen mußt ir nu gain. Ich hoiff eyn cristen mensche zu sterben vnd by goit gnaide erwerben. 475 konde ich nit yderman zu willen gesin, so was doch gut die meynunge myn. Ich wil mich selbs nit rumen, ich wil mich auch nit verdumen. Myn burgemeisterampt hait eyn ende: 480 got sin gnaide an mich nu wende. 31. Du cluger uß des fursten raide, eß ist dir auch nu worden zu spade. Gelt hastu geschenckt genomen und haist underdruckt den fromen. 485 kom in dine grap nu slaiffen : got wil din boisheit straiffen, Die du mit den armen haist begangen, ganck fürt, du bist nu min gefangen. Min clugheit mich nu wenig bait: 490 ich seen leider vor mir min doden grap. 461 geclagen] O clagen. 462 a b gelernet; O by allen mynen (lagen. We- gen des Reimes clagen: dage vgl. 41. 254. 305. 465 lyet] C leyt. 472 b wol- lufft, u wol vtf. 482 auch im fehlt C. 487 Die] a b wie. 489 Min clugheit] a b Die clugheit min (a meyn). DEE JÜNGERE K'l'l ENTANZ. 277 Min wingart wiesen ecker und erspartes gut bringent mich in der hellen glut. Zu hoife saiß ich gern oben an, was mir umb sost wart ich gern nam. I(.*."> Eigen broit zu hain verdroiß mich zu aller zvt: dar umb holt der dufel min sele und lip. 32. Ich bin hie der bitter doit: vorsprech, dir were nu noit, Mocnstu einen vorsprechen gein got gewinnen, 500 ee das du fürst mit mir von hinnen. Hettestu dich mit gode bedaicht und unrecht nit zu recht gemacht, Bi got mochstu gnaide befinden und frolich scheiden von hinnen. 505 Ach wie bin ich so sere besorget, dwile der doit niemants borget. Ich muß nu auch redde und antwort geben von minem suntlichen leben. Unrecht macht ich dick zu recht, 510 was krump was das macht ich siecht. Warheit verkaufft ich umb kleineß gut: solichs mir nu den schaden dut. 33. Schrieber, werektages und heiligtags hastu geschrieben und da bi lutzel guts gedriben, 515 Umb wenig schlifft vyl gelts genomen: das bringet gegen got nu wenig frommen. Schrip ein Instrument vor den doit: kanstu (lue das, is ist dir noit. Din leckeri got numme liden mag: 520 kum fürt, eß ist hie din jungester dag. Wannen kumstu, unzidier gas! ? du hi-i inline herzen ein swerer last. Ein tri leben liain ich biß her gefiirt, geringe gewonnen balde verdork 525 Das hain ich allzyl so gehalden und gar dein gesorgel den alden. 292 bringent] a b brengel (a brengt). 602 gemacht] C braicht. .r>'»7 nach Rucb] a selber, 6 selbst 510 das fehlt C. 516 gegen fehlt C. nu] n Par, fehlt fj. 518 ist a b, fehlt 0. 519 a b nnmmer. 520 a b kompt. 626 so a, l, C also, Hier gilt rieh fine starke Verderbniaa kund, da der folgende Vers voraus- setzt, flaß in diesem die jungen Tafje vorkomme». Etwa \ In jungen dappn mich wol pc- halnVn. 526 a gesorge, 27 8 M. RIEGEE Mocht ich aber zyt gewinnen, ich wolt min leben baß besinnen. 34. Suster myn, kum nu mit mir, 530 eynen hübschen dantz treden ich dir. Du wollt dick vyl dantzen vnd tragen dar zu schone rantzen, Welche got an dir myszhagen. sin brude plegen sie nit zu dragen, 535 Sunder mit dugenden sich zu cleiden und ir hertz ym altzyt zu bereiden. Ach wie gar byn ich betroigen, das ich myn beßerunge hain verzogen. Myn orden ducht mich zu hart 540 vnd gedaichte nit vff dissc leste fart. Were ich eyn cloister iunfrauwe worden, da man gotlich helt den orden, So mocht ich nu gnade erwerben und auch deß da baß yetzunt sterben. 35. 545 Ir burgerin mit den hoen rantzen, ir plegent hoifieren und dantzen. Uwer meide laißt ir uch naich gain, das uch nit ist geborn ain. Ir solt auch alle gemein 550 uwer man liep hain allein Und laißen uwer lauffen und uwer gain, So mocht ir frier von sunden stain. Der werlt lauff hait mich betrogen, naich gewoinheit bin ich uff gezogen : 555 Wie ander frauwen drugen sich, so hielt min lieber man auch mich. Doch hain ich sere gelauffen uß, versumet kinder man und huß: 527 tzyt] C gnaide. 529 C b kumpt, a kompt. 532 Über ranzen als Frauentracht schweigen die Wörterbücher. In hessischer Mundart wird Ranzen auch für Wanst gebraucht; war es am Ende Mode eine Vorrichtung zur Erhöhung des Bauches zu tragen? Der Gedanke ist nicht abenteuerlicher als die jetzt übliche Erhö- hung des entgegengesetzten Theiles. Aber in solcher Bedeutung würde ranze scherlich in der Mehrzahl stehen. 533 C muß hagen. 534 a bürde, 536 zu fehlt a. 537 gar fehlt a. 539 mich] o mir. 546 nach und] a zu, b tzu. 547 nach ir] a b auch, gain] o gaben 552 a b mochtent. a fryher, C tri her, b fryhe her. 555 drugen] C druwen. 556 C also. DER JÜNGERE TODTENTANZ 270 Dar umb so fochten ich den doit, 560 das er mich bringe in groiße noit. 36. Ir iunfrauwe in dem groißen swantz, ir gehoreut auch an mynen dantz. Vyl hoiffart haint ir gedriben: beßer were eß in demutikeit verüben. 565 Ir haint vff uwerm heupt gedragen bogen mut, der nit stet zu sagen, kompt her naich, ich uch nu lere in allen dantzen die beste kere. Ich muß nu die warheit sagen, 570 ich wolt der werlt zu male behagen Mit dantzen vnd mit springen vnd auch mit süßem singen. Vyl genugden hain ich beseßen vnd der geboit gots vergeßen. 575 O mutter der barmhertzikeit, hilff mir, myn sunde sint mir leit. 37. Ir kaufman sijt worden rieh und meinent in uwerm sin glich, Ir endorfft uff niemant geben 580 und wolt noch sere lange leben. Hettent ir uch vor sunden gehut, das hulff uch me dan alle uwer gut, Und uch bereit zu sterben, so moieht ir nu gnaid erwerben. 585 Ich hain gelauffen durch borg und dail, durch alle werlt breit und smail Gesucht gewin wie ich mocht, min arme sele wenig bedocht. Hette ich alles das gut gewonnen, 590 das in der weit ist under der sonnen. Das mocht mir nu gehelfen nit, wan dodes knüll' min hertze nmb git. 559 so feh/f. />. 561 groißen] a hoen 564 i D fehlt a. a geblieben. b blieben. 566 b Hohe mudt. 579 uf eiuen geben bedeutet wohl', einem Credit geben. Der Beichgewordne braucht et flieht mehr, weil er immer zahlen kann und daher doch Credit findet. Technieeher Ursprung •!■ /. detuart: etwas, viel, nicht* auf etwas oder au/ einen geben. ' des. 684 nu fehlt ('. 588 nach we- nig] b ich. 280 0TT0 ArELT 38. Kumpt her fürt von allem stait, welch hie vor d isser dantze nit enhait. 595 Uwer ist vyl, ich byn alleyn: doch über winden ich uch alle geracyn. Uwer zyt ist komen, ir must sterben: langer zijt mogent ir niet erwerben. Sint ir gottis frunde, das ist gut. 600 ist des nit, so fart ir in der hellen glut. Ach leyder, wie iung, wie alt wir sin, wir mögen nit entgain den henden din. Got vber vns sich nu erbarm: wir sin rieh oder arm, 605 Wir mußen alle in das dantz huß, da geit alle vnser freude uß. Maria, aller Junfrauwen eyn krön, hilff das vns werde der ewige Ion. ÜBER DEN ACCUSATLVUS CUM INFLNITLVO IM GOTHISCHEN. Wenn bei keiner Untersuchung über die Syntax der gothischen Sprache die kritische Vorfrage der Abhängigkeit vom griechischen ( )riginal umgangen werden kann, so ist dieselbe von besonderer und entscheidender Bedeutung für die Beurtheilung einer Construction, bei welcher ein Zweifel darüber durchaus nicht ausgeschlossen ist, ob sie überhaupt dem Gothischen als eine dieser Sprache eigenthümliche zukomme, der Construction nämlich des Accusativus cum Infinitivo. Bopp bestreitet für eine bestimmte Art von Fällen das Heimatsrecht dieser Construction im Gothischen, während Grimm, Loebe u. a., und neuerdings besonders Miklosich an dem durchaus heimischen Ursprung derselben nicht zweifeln. Für die Entscheidung der Frage kommen, wie wir meinen, haupt- sächlich zwei Punkte in Betracht, nämlich erstens, ob die der gothischen zunächst verwandten Sprachen das ursprüngliche Vorhandensein der Construction auch im Gothischen wahrscheinlich machen, und zweitens, ob eine eingehende Prüfung der gothischen Sprachdenkmäler selbst 594 hie fehlt a. enhait] a hat. 598 zijt : ursprilnglich wohl zil. 603 sich fehlt a. ÜBEB DEN Ä.CCUSATIVUS CUM INPINITIVO IM GOTHISCHEN. 281 uns Kriterien au die Hand gibt, welche die Fremdartigkeit der Con- struction für das Gothische evident machen oder wenigstens nöthigen anzuerkennen, daß die Construction in dem Umfange, in dem sie sieh in dem Übersetzungswerke findet, nicht auch der lebenden Sprache eigen gewesen sei. Was das erstere anlangt, so weiß man aus Grimm Gr. IV S. 120 f., daß die Construction dem Altnordischen ziemlich geläufig war, wie sie noch dem heutigen Schwedisch keineswegs fremd ist, während sie im Dänischen gemieden wird. Doch scheint auch im Altnordischen der Gebrauch derselben bei weitem kein so ausgedehnter gewesen zu sein, wie in den classischen Sprachen; unter den von Grimm angeführten Beispielen findet sich kein einziges, in dem die Construction von einer impersoncllen Wendung abhienge. In noch weit engeren Grenzen be- wegt sich die Anwendung der Construction im Angelsächsischen und Altsächsischen. Im Angelsächsischen beschränkt sie sich auf formel- hafte epische Wendungen mit ic geß'aegn und ic hyrde als regierenden Verbis. Belege, die übrigens, wie man aus dem Wörterbuch zu Heynes Ausgabe des Beovulf s. v. frignan sieht, noch erheblich vermehrt werden können, finden sich bei Grimm IV, 120. Doch scheint, was Grimm entgangen ist, auch vertan einmal mit dieser Construction ver- bunden worden zu sein Bcöv. 934 ic aenigra me vedna ne vende to wdan feore lote gehidan (ich hoffte nicht, daß ich für irgend welche Leiden für ein weites Leben Ersatz erlebe), denn me kann hier doch nur als Accusativ gefasst werden. Im Altsächsischen, für das Grimm kein Beispiel beibringen konnte, findet sich Heliand 3338 f. die Con- struetion nach wüan : thär he thena odagan man inna wissa an is gestseli gömä thiggean (wo er wusste, daß der reiche Mann drinnen in Beinem Saale speiste). Auch nach hdn'an findet sich Hcl. 3236 ein wirklicher Accusativus cum Infinitive, d. h. in dem von Grimm IV, 118 bestimmten Sinn: tlnm he it gihorid heli&o filu ahton (wenn er hört, daß viele Männer darauf Acht haben). In V. 1548 thär thu thi eft frumono hugis mir antfähan (da hoffst du wieder mehr Vortheile zu empfangen) kann man zweifeln, ob ein Accus, c. Inf. nach hugian vorliegt; da indeß thi im Monacensis fehlt und im Cottonianus der Accusativus gewöhnlich thik lautet, so hal man thi wohl als Dativ auf zufassen; ebenso V. 1552. Diese Beispiele ßtehen im Altsächsischen ganz vereinzelt da. Weit mehr eingebürgert scheinl dagegen die Con- Btruction im Althochdeutschen zu sein, und wer die stattliche Reihe von Beispielen bei Grimm IV, 116 f. flüchtig durchmustert, winl leicht geneigt sein zu glauben, es in an tislok- noda himins eyevexo dvecpx&rjvai xbv ovqavbv. Wäre die Construction eines Dativus cum Infinitivo, auch bloß nach varp, dem Gothen irgend geläufig gewesen, so hätte er sie wohl auch hier eintreten lassen; aber hier bot das Griechische keinen persönlichen Subjectsaccusativ und deßhalb unterblieb die sonst eintretende Fügung. Oder wäre es Zufall, daß ihr der Gothe gerade hier aus dem Wege gieng ? Es scheint vielmehr daß der Gothe die Dativconstruction nur da wählte, wo er im Grie- chischen einen persönlichen Subjectsaccusativ vorfand, der es ihm ge- &BEE DEN ACCÜSATIV1 S Cl u [NPINITIVO IM GOTHISCHEN. 289 stattete mit einer nur geringen Modifikation des Gedankens seinen Dativ unmittelbar mit varp zu verbinden. Bei anderem als persönlichem Subjectsaccusativ konnte er das nicht; denn jeder fühlt, wie gezwungen einerseits in diesem Falle die Fügung sein würde und wie sehr sie andrerseits gegen den Sinn des Griechischen streiten würde. Ich sehe daher keinen zwingenden Grund, zu einer durch keine Analogien inner- halb der deutschen Sprachen gestützten Hypothese die Zuflucht zu nehmen und halte die von v. d. Gabelentz und Loebe Grammatik -52, 6 gegebene Erklärung, wonach der Dativ unmittelbar zum Verbuni gehört, für ausreichend. Nur darf man nicht übersetzen: Ein Wandeln durch die Saat ward ihm zu Theil, sondern: Ein Wandeln durch die Saat ereignete, fügte sich für ihn. Die beste Analogie hierzu jich in mhd. geschehen mit Infinitiv und Dativ und. Grimm selbst macht IV. 109 auf die nahe Verwandtschaft dieser Fügungen mit den eben besprochenen aufmerksam. Allerdings erscheint im Mittelhoch- deutschen in Wendungen wie nach der ze riten im geschach, ir zu sterben iilht geschieh, das. lidenne geschiht, sit uns ze sitzen hie geschach, der Infinitiv meist in Begleitung von ze, doch findet sich auch der bloße Infinitiv Nib. 1145, 4 so ist in aJ/reste von schulden sorgen ge- schehen. Wenn aber Grimm in der Stellung der Worte im Gothischen eine Nöthigung linden will, die Zugehörigkeit des Dativs zu varji zu verwerfen, so ist dem entgegenzuhalten, daß der Gothe sich hier, wie :, in der Wortstellung möglichst eng an sein Original anschloß. Indem wir zum Acc. e. Inf. zurückkehren, wenden wir uns zu den zahlreichen Fällen, in denen das Gothische mit dem Griechischen in der Construction übereinstimmt. Wenige werden so weit gehen, alle die Anwendungen, die sieh entsprechend dem Griechischen vom Acc. c. Inf. im Gothischen finden, als dem Gothischen geläufige zu betrachten. !.- i ■.•_■• h nur, ob sich ein Kriterium gewinnen lässt, durch welches eine Sichtung möglich wird. Und da meine ich, daß ein solches Kriterium füglich sich darbietel in der Vergleichung mit solchen Fällen, in denen bei gleichem regierenden Verbum oder Ausdruck das Gothische den griechischen Acc. c. Inf. durch andere Constructionen ersetzt hat. Denn bei der großen Gewissenhaftigkeit der gothischen Übersetzer ist ea kaum denkbar, daß dieselben ohne Noth, d. h. ohne durch die Ge- setz'- ihrer Sprache gi n zu werden, dem Griechischen untreu wurden; wohl aber hat man Grund anzunehmen, daß der Trieb nach Genauigkeit zuweilen lebhafter und stärker war als derjenige, die Eigentümlichkeit der gothischen Sprache überall zu wahren. Wir stell. -n also die einfache Regel auf, daß diej< nigen Fälle des Acc QEBlIANIi I'1 290 OTTO APELT Tnf. im Gothischen nicht als dieser Sprache eigentümliche anzusehen sind, für die sich an anderen Stellen, wo das Griechische ebenfalls mit dem Vorbild des Acc. c. Inf. vorangieng, andere Constructionen als die bezeichnete finden. Hierher gehören vor allem die schon oben kurz erwähnten Con- junctionen svasve und svaei, die beide zuweilen mit Acc. c. Inf. ver- bunden auftreten, ungleich häufiger aber trotz griechischen Acc. c. Inf. das Verbum finitum nach sich haben. Die Fälle der ersteren Art sind für svaei: 2 Cor. 2, 7 svaei pata andaneipo izvis mais fragiban jah gaplaikan üIgte vovvavTiov f.iaXXov v/jäg xaQtaaa&ai v.cu nagazalsaai, und wahrscheinlich 2 Thess. 2, 4 svaei ina in gups alh sitan toGve ctvxbv eig %hv vaiv rov &eov -/.aOiaai, obwohl die Lesung sehr unsicher ist. Für svasve: Mtth. 8, 24 svasve pata skip gahulip vairpan loore zb nkoLOV y.ahv7TT£G9cu. Mrc. 4, 1 svasve ina galezpandan in skip gasitan woze cwtov eiißcivra eig to ttXoiov xadijo&ca und wahrscheinlich Phil. 1, 14, wo nach dem Griechischen zu urtheilen ein svasve oder svaei voraufgegangen sein muß. Auch ist zu vergleichen Luc. 9, 52 galipun in haim Samareite , sve manvjan imma coGve eznifiaoca cwtot. Dagegen svaei mit Verbum finitum gegenüber griechischem Acc. c. Inf.: Rom. 7, 6. Mrc. 1, 27. 2 Cor. 3, 7. 7, 7. 8, 6. 2 Thess. 1, 4. Skeir. III. d. Und svasve: Mtth. 8, 28. 27, 14. Mrc. 1, 45. 2, 12. 3, 10. 3, 20. 4, 32. 37. 9, 26. 15, 5. 1 Cor. 13, 2. 2 Cor. 1, 8. sve: Luc. 5, 7. Ebenso gut wie svasve ist vielleicht gelegentlich auch einmal faurpize entsprechend griechischem ttqiv mit Acc. c. Inf. verbunden worden, nur daß sich kein Fall erhalten hat. Sodann sind wahrscheinlich als nicht echt gothisch anzuerkennen diejenigen Fälle, in denen von Ausdrücken wie gop ist, azetizo ist, gadob ist u. dgl. ein Acc. c. Inf. abhängt. Denn die Stellen Mrc, 10, 24 hvaiva (igln ist paim hitgjandam afarfaihau in piudangardja gujis galeipan Ttoig ()vGY.oh')v £gti, vovg nenot Oorag enl zol^ yoriiaGiv eig ttjv ßaoiXslav iov Üfji? elgeX&elv, Mrc. 10, 25 azetizo ist ulb andern pairh pairko neplos galeipan, pan gabigamma in piudangardja gups galeipan svkotciotsqov iou, /.auilor — öiüJiür rj /.. /. h, ähnlich Luc. 18, 25, ferner Mrc. 9,43 gop Jtns ist h amfamma in libain galeipan, pau etc. ymIov ooi Igti yj'/j.i.y eig 1 1]> tcorjv eloeÄdeiv , zeigen zur Genüge, daß die gothische Sprache der Anwendung des Acc. c. Inf. nach diesen Ausdrücken widerstrebte. Und noch besser zeigt Joh. 18, 14 garaginoda Judaium, patei batizo ist ainana mannan fraqistjdn faur managein ort GVfxcpiqei eva (iv'Jotojiov anoleG&cu r.iio iov /.cor die Scheu des Gothen vor dem Acc. c. Inf. in dieser Verbindung. Denn er setzt hier nicht das dem l ll.i; im 3ATIVUS CUM [NFINITIVO IM GOTHISCHEN. 291 Griechischen entsprechende fraqistnan (perire), sondern das transitive fraqistjan (perimere), so daß wir also eine einfache [nfinitivconstruction bekommen. Ebenso verhält es sich mit Luc. 2, 1 uiTann gagrefts fram keisara Agustau, gameljan allana midjungard ££rjh&£ doyfia nctoa Kal- octQOQ jivyo\ ifiu'Jai naoav rrr oixov[xevrp> , wo gameljan auch transitiv zu fassen ist. Ahnlich steht nach vilja ist 1 Thess. 4, 3 ff. J>ata auk ist vilja gitys, ei gahabaip izvis af kalkinassau vovto yao ioriv iti/.uiu tov 9sov, u.thyui'Jai v^iäg aito trjg Ttoqveiag nicht wie im Grie- chischen der Acc. c. Inf., sondern ei, wie ja auch in anderen Ver- bindungen die Umschreibung dt-^ griechischen Acc. c. Inf. durch ei ziemlich häufig ist*). Daher kann ich nicht glauben, daß die Fügung Lue. 16, IT ip azetizo ist himin jah airpa hindarleipan pau vitodis ntt t vi-it gadriusan evx07ta>T€Q0v de iavi zbv ovoavbv /.cd zrjv yfjv :i((Qt'/.'Jui rj roü vofiov (.detv xegalav neuelv eine echt gothische sei; den Dativ konnte hier der Gothe nicht setzen, weil das Subject des Are c. Inf. kein persönliches war und so folgte er einfach dem Grie- chischen. Ebenso wenig halte ich für originell gothisch den Acc. c. Inf. nach galeikaida Col. 1, 19 in imma galeikaida alla fullon bauan er ■ ~t evdov.ijoe näv ib 7iXrjQü)f.ia xaTOixrjoai und nach gadob vas Skeir. I. e. gadob nu vas mais pans svesamma viljin — gaqissans vairpan 'andis laiseinai decens igitur erat potius eos, qui sua voluntate obedi- .,t diabolo — eos iterum sua voluntate assentire salvatoins dodrinae). Allerdings ist in dem letzteren Fall das Subject des Acc. c. Inf. ein persönliches, doch die Skeireins geht in der Sprache oft ihre eigenthtim- lichen Wege**). Offenbar sclavische Nachahmung des Griechischen ist rner, wenn es Eph. 3,6 nach vorhergehendem runa, (.ivgttjqiov heißt: vi sau piudos gaarbjans jah galeikans gehaitis is eivat icttüvi: oiy/j.t- oovopia /t'.t ovaotofia /. i. Ä. ; wegen der Länge und Schwierigkeil der Periode hat sich bier der Gothe genau dem griechischen Vorbild ac- commodii pricht daher alles dafür, daß man sieh in denjenigen der hierher gehöi lle, wo das Pronomen im Gothischen es un- *) Mtth. '27, 1. Luc 2 27. J I 12, 1- ! i or. i, I I, L. 13, 7. Eph. 1, ■). 18. 18. 4, 17. 22. 6, 11. Co!. 1, 10. I I, 2 f. 6, 1. 27. 2 Thess. :i, 6. **) In der & ' u noch ein « i EU erwähl c. Ii bii tet . tritt deutlich erkennbar düng von Nebensätzen mit hervor. Dennoch würden, die Skeireins ein ui i oder ebenfalls ein Qber- t, zu Gun I reich | zu widerlegen. A halten, 292 OTTO apki/i bestimmt lässt, ob es Dativ oder Accusativ ist, für den ersteren zu entscheiden hat gegen Grimm, der IV, 115 in 1 Cor. 7, 26 go]> ist man n (so hat auch die Handschrift entsprechend dem griechischen av&QWTvqi) sva visan und Köm. 13, 11 mel ist uns us slepa urreisan togcc rj/.ieig r.örj e£- rmvov iysg&rjvai Acc. c. Inf. annimmt. Ebenso sind zu beur- theilen Mrc. 9, 5 und Luc. 9, 33 gop ist unsis her visan xalov loa itfiag to de eivm. Für nichts als übergroße Treue in Wiedergabe des Originals kann ich es weiter halten, wenn es 2 Cor. 7, 11 heißt: ])ata bi gup säur g an izvis ccvro rovzo to xaxa $ebv Xvrcrjd-fjvcu vfiag. Zwar kann ich keinen anderen Fall nachweisen, in dem der Gothe in der Lage gewesen m\ äre, die griechische Construction des bloßen Artikels mit dem Acc. c. Inf. wiederzugeben; desto häufiger aber sind die Stellen, in denen er Prä- positionen mit dem Artikel und folgendem Acc. c. Inf. zu übersetzen hatte, und da ließ er constant das Verb um finitum eintreten z. B. Luc. 2, 4 dupe ei vas us garcla öia to eivai avvov ek~ oixov; ähnlich Luc. 1, 21. 3, 21 f. 8, 6. 9, 51. 18, 5. Mrc. 4, 5. 2 Cor. 3, 13. Gal. 4, 18 u. ö. cf. Loebe Beiträge zur Textberichtigung und Erklärung der Skeireins p. 51. Wenn sich ferner 1 Thess. 2, 12 veitvoajandans du gaggan izvis vairpaba gups /naQriQovijevot elg to ;ieQi:w.rraai vfiäg ag~lwg vov 9sov auch nach du ein Acc. c. Inf. findet — während ich 2 Thess. 2, 2, wo Loebe nach dem Vorbild der eben citierten Stelle ergänzt hat, wegen der Unsicherheit der Lesung nicht mit aufzuzählen wage — so zeigen Stellen wie Luc. 1, 57 i]> Aileisaba/p usfullnoda mel du bairan für griechisch vov i i/.Cir c.rr rv, 2 Thess. 1, 5 du vairpans briggan izvis pittr dangardjos gups elg in KccTat-itod-rjvai vftag ir)g ßaaiÄeiccg vov 'hol (im Gothischen bloße Infinitiveon struetion), 2 Cor. 7, 12 du gabairhtjan (ad ostendendum) usdaudein unsara £civexsv toxi qxxvsQio-d-rjvcu i >tr anovdrjv y][u~)p zur Genüge, daß der Acc. c. Inf. nach du dem Gothen nichts weniger als geläufig ist. Wir wenden uns nun zur Besprechung der zahlreichen Stellen, in denen sich in Übereinstimmung mit dem Griechischen die Con- struction nach persönlichen Verbis findet. Ich werde die Fälle möglichst vollständig aufzählen, indem ich, wo sich Vergleichungen mit andern Constructionen darbieten, auf dieselben aufmerksam mache. Nach qipan: Mrc. 8, 27 hvana mik qipaud mans visan xiva fie h'ymoiv o'i avi)qco7iot üi>ai, und dem entsprechend in den folgenden Versen. Mrc 12, 18 fjaiei qipand usstuss ni visan Xiyovoiv chaoiaoir (.li) uvai] ganz so Luc. 20, 27. Luc. 9, 18 ff. hvana mik qipand visan pos manageins Viva f.ie Xiyovoiv oi oyXoi elvat und so wird im Acc. c. Inf. DBEE DEN VI ' USATIVUS CUM [NF1NITIV0 IM GOTHISCHEN. l".);1, fortgefahren. Luc. 20, 41 hvaiva qipand Xristu sunu Daveidis visan rrdg Xiyovat tov Kqiarov vibv fav'l'ö slvai. Joh. 1-, 29 qejmn peihvon vairpan e'Xeyov ßoovT^v yeyovevai. Rom. 15, 9 //< piudos in arma- hairteins hauhjan gup von qipa in Vers 8 abhängig, ia öi e&vr vtzeq sXiovg do^aaat vov d-eov, ■während für yeyevrjo&at im vorherge- henden Verse das Participium vaurpanana gesetzt ist, wahrscheinlich weil hier visan nicht wohl folgen konnte (cf. v. d. Gabelentz und Loebe zu dieser Stelle), ebenso wie 2 Tim. 2, 18 qipandans usstass ju vaur- jniiifi Xeyovreg zrtv avaaraaiv mW yeyovivai. 2 Cor. 4,6 gup } saei in- riqiza liuhap skeinan 6 elnwv l/. oxotovq gxjjg Xaf.ixpat. Dagegen führt Grimm, wie Loebe, Beiträge etc. p. 23 zeigt, mit Unrecht Skeir. IIb qap gabaurp anparana pairh pvdhl uspulan als Beispiel an. Außerdem findet sieh qipan in Übereinstimmung mit dem Griechischen mit einem unmittelbar zugehörigen Dativ der Person und abhängigem Infinitiv Mtth. 5, 34 qipa izvis ni svaran Xeyco v/.uv ;/[ nuoaai. Ebenso Mtth. 5, 39 und Rom. 12, 3. Ferner mit prädicativem Participium, Ädjectiv oder Substantiv Mrc. 10, 18. 12, 37. 15, 12. Luc. 18, 19. Joh. \b, 15. Skeir. IV. c. d. Das Abweichen von der griechischen Construction Luc. 9, 5 1 'zu ei qipaima fon atgaggai d-eXeig utcü)(aev tzvq /.< insandidedun ferjans pans us liutein taiknjandans sik garaihtans visan aneGTeiXav eyxadei oiv V7iOY.Qivof.ie- vovg eawovg dixaiovg elvai. 2 Cor. 7, 11 in allamma ustaiJcnidedup izvis hlutrans visan iv itavxl m rt.ru> 'ocae eavrovg äyvoig elvai. INIit dem Dativ der Person und dem Infinitiv steht es entsprechend dem Grie- chischen Luc. 3, 7 u. ö. Nach hausjan findet sich Phil. 2,26 hausideduf) ina siukan lY.nioe.ie avrov qo&evrpisvai (so haben D* E* F G, während die anderen Bandschriften ozt rjO&evrjoev haben), ein wirklicher Acc. c. Inf. Auf- fällig ist es dagegen, daß Joh. 12, 18 rjxovoav uovro avrov jteTtoirjxevai in orj/Lieiov übersetzt wird durch hausidedun, ei gatavidedi potaiknj der Grund, weßhalb der Gothe hier vom Griechischen abgieng, dürfte vermuthlich der sein, daß er es nöthig fand, die Vergangenheit aus- zudrücken, was er hei dem Mangel eines Infinitivus praeteriti durch den Infinitiv nicht konnte. Entsprechend dem Griechischen heißt es Lue. 4, 23 hvan ßlu hausidedum vaurfjan in Kafarnaum ooa tjxovoafiev yevofieva elg nv Ka(paovaov(i. Auch anabiudan findet sich einmal, nämlich 1 Tim. 6, 13 f. mit . c. Inf.: anabiuda — fastan puk />o anabusn unvamma TtaQayyeXXia — xioioai ai 1 1 ) svToXrjv aamXov, eine' Stelle, die Miklosich 1. Lp. 504) für die Originalität der Construction im Gothischen Lesonders ent- idend scheint, wahrscheinlich weil der Gothe liier, wenn er sieh an da- auf ,/ iw-;'; ;'/./.i i folgende ool gehalten hätte, den Acc. c. Inf. leichl hau- vermeiden können. Doch das aoi fehlt in einigen griechi sehen Handschriften, wie auch in einigen lateinischen Übersetzungen; und übersetzte der Gothe nach einer der ersteren, so folgte er bei dem weiten Abstand des Acc. c. Inf. vom regierenden Verbum einlach dem Original, wie er in verwickeiteren Constructionen sieh öfters blindlings vom Griechischen leiten Läe t: so namentlich 1 Tim. 3, 6, wo er auf einmal die angefangi truetion, verleitet durch das Griechische, aufgibt. Ware diese Construction von ihiiire\ im Griechischen •wenigstens liegt hier Acc. c. Inf. vor (cf. Wahl, Clavis novi testamenti s. v. ovtXXo/nai). Daß aber die natürliche Fügung für das Gothische der Dativ der Person und der Infinitiv ist, das geht klar hervor aus Stellen wie 1 Cor. 7, 10 ip paim liugom haftain anabiuda, qenai fairra abin ni skaidan röig de ytyo.ut/.ooi TcaQayyälÄto yvvalx.ee ano avÖQog /Lit) x(')Qtoifr;rctt, wo der Gothe nicht mit dem Griechen in die Accusativ- construetion übergeht, während die lateinischen Übersetzungen bei vorausgehendem praeeipio für jxaouyyelho alle dem Griechischen folgen. Wo das Griechische den Dativ und Infinitiv bot, hat sich der Gothe auch überall dem Griechischen willig angeschlossen, z. B. Luc. 8, 29. 31. Mrc. 8, 6. In Mrc. 6, 27 und Luc. 8, 55 ist es durchaus nicht nöthig, die Infinitive passivisch zu fassen. Für reinen Acc. c. Inf. nach bidjan scheint, wie Miklosich 1. 1. p. 4(J3 geltend macht, zu sprechen die Stelle 2 Cor. 6, 1 bidjandans ni svarei anst gups niman izvis jiaQa/.aAnv^er /(ij eig xevov iryv %ccqiv rov &&ou öt^aaOca v(.mg. Aber da 2 Cor. 13, 7, bidja du gupa, ei ni vaiht ubiVs tau- jaij> Ev%opicu jrgog rov &wv f.irt jtoifjam Vfxäg xaxdv (.irfie.v und Col. 1, 13 bidjandans ei gaggaij) vair]>aba nQOG£vyoi.itvoL TTEQinarJaia vuäg aiiitog zeigen, daß der Gothe derConstruction gern aus dem Wege geht, so glaube ich, daß er obige Stelle unter dem Banne des Griechischen übersetzt hat. Offenbar Nachahmung des Griechischen ist es schließlich, wenn es Eph. 3, 16 f. heißt: ei gibai izvis — gasvinpnan — bauan Xristu pairh galaubein in hairtam izvaraim ua ddjrt vuiv — dvvccfiEt /.ourcad)- d-ijvai — '/.aior/.i()(a lor Xqigtov /.. i.l.; wenigstens Luc. 1, 73 f. ei gebi unsis vnagein us handau fijande unsaraize galausidaim skalkinon imma rov öovvat tjfxiv acpoßajg l/. %ELQog tüv eyd-Qwv QVG&evzag ?m- zQevtiv avio, folgt der Gothe dem Griechischen nicht. Es bleiben nur noch die dem Acc. c. Inf. nahestehenden und in allen deutschen Sprachen einheimischen Construetionen bei haitan, letan, fraletan, taujan, vaurkjan, gamanvjan, die schon zu Anfang zum Theil erwähnt werden mußten. Als eigentliche Acc. c. Inf. können sie nicht gelten, da die Person hier immer eng als Object zum Hauptverbum gehört. Daher behandelt sie Grimm auch beim Infinitiv und nicht beim Acc. c. Inf. Man hat in der gothischen Bibelübersetzung nirgends nöthig nach haitan, letan und ,,, einen wirklichen Acc. c. Inf. anzunehmen, selbst da nicht, wo das Griechische passiven Infinitiv bietet. Es genügt daher einfach die Stellen zu nennen. Für Tiaitan: Mtth. 8, 18. 27, 64. Mrc. 5.43. 10,49. 14, 11. Luc. 5, 3. 18,40. 19, 15. Für letan: Mtth. W. WATTENBACH, LATEINISCHES LIEBESGEDICHT. 297 .!'. Mrc. 7. 27. 10, 14. Luc. 4. 41. 9, 60. 18, L6. Job. 11, 44. 18,8. Für fraletan: Mrc. 1. 34. 5, 37. 7. iL*. Luc 8, 51. Eher kann man bei 'an und den verwandten Verbis zuweilen an eigentlichen Acc. c. Inf. denken, (cf. Wilhelm de infinitivi forma et usu Eisenach 1872 p. 36). [ch lasse die Stellen für diese Verba folgen, indem ich nur diejenigen mit Worten ausschreibe, die dem eigentlichen Acc. c. Inf. besonders nahe zu kommen scheinen. Für taujan: Mtth. 5, '.Y2. Mrc. 1, 17. 7,37. 8,25. Lue. 5,34. 9, 15. .loh. 5,21. 6,63. 2 Cor. 9,10. Skeir. V. b. VII. c. Die letzte Stelle lautet: jah ni in vaihtai vaninassu pizai mai oairpan gatavida (neque ullius rei inopiam multitudini fieri ). Für vaurkjan: Joh. 6, 10. Skeir. VII, b. Für gamanvjan: 2 Cor. 9,5 ei fauragamanvjaina pana favragdhaitanan aivlattgian hvarana, pana manvjuna vi sau icÄnv iiniinv eivai. Skeir. VII. c- sva filu auk sve gamanvida ins vairpan (quantum enim fecit eos fieri) ; doch ist die Lesung hier äußerst unsicher. Da bei der Mehrzahl der oben angeführten Verba ein Nachweis darüber nicht möglich war. daß der mit ihnen verbundene Acc. c Inf. als dem Gothischen fremdartig anzusehen wäre, so sind wir nicht be- rechtigt, der Constr. für diese Fälle das Bürgerrecht in der Sprache abzusprechen. Im Allgemeinen jedoch scheint mir so viel fest zu stehen, d.-.l.' der Gothe aus übergroßer Treue gegen das griechische Original nicht selten über da- seiner Sprache Geläufige hinausgieng. Namentlich glaube ich erwiesen zu haben, daß die Construction nach anderen als persönlichen Verbis und Wendungen nicht als echt gothisch zu betrachten i>t. ein Ergebniss, welches selbst dann noch stehen bleibt, wenn in den Stellen, welche ich zu Anfang besprach, die von mir geltend gemachte. Einwirkung des Lateinischen nicht zugegeben wird. WEIMAR OTTO APELT. LATEINIS* HES LIEBESGEDICHT. In derselben Handschrift, aus welcher die Arenga auf S. 72 mit- ist, fand ich nachträglich auf Bl. 229 die folgende Dichterei, welche nach Fenn und Inhalt lieh von demselben Wh'. herrührt. Wir erfahren daraus, >i v- dieser verliebte Samuel aus dem Elsaß trtig war, und in Heidelb : emachl hatte. Daß er unberührt vom Humanismus \. im \ rse deutlich. Ein Au.-,- 298 W. WATTENBACII druck v. 106 ist aus dem, fälschlich dem Gallus zugeschriebenen Lyricum entnommen, welches sich in derselben Handschrift befindet. Diese zeigt in ihrem ganzen Inhalt die für jene Zeit charakteristische Mischung mittelalterlicher und humanistischer Elemente ; ich möchte glauben, daß das Original derselben dem Samuel selbst gehört hat, und mit seinen Erzeugnissen, die er dort eingetragen hatte, abgeschrieben ist. Eine Beschreibung derselben werde ich im Anz. d. Germ. Mus. geben; sie enthält auch Heidelberger Geschichten von 1473. 1. Facit hoc amor meus. Haud quiequam tibi prefero, 30 Reffero te ad Pallada sanetam: Tantam dii faciant, et valere Ignipotens te faciat deus. 5. Est tibi cesaries ornata, Data- que forma numine divo- rum, 35 Quorum eximia mayestas Eya pervenusta puella Bella- que multum matrona: Dona quod potes uberrimum, Sit per te languenti remediujn. 5 Sis queso michi facilis Gracilis, favens et ioeunda. Munda cor michi egerrimum, Q.uodque proeul depelle teclium. 2. Iniecit tuus pectori vultus 10 Cultus letiferum telum. Celum apperis si voles. Haud recusa precor facei'e. Cepit me decor tuus, Suus ut sim captivus. 15 Divus tibi splendor, quid nam soles Animum meroribus quatere? 3. Circumvallat me passim do- lor, Solor tantum magna ex spe. Me species reuocillat egregia, 20 Adventum differt interitus. Est rara michi lecticia, Mesticia semper cor cingitur. Fingitur ob id Elegia , Nee facere sum id veritus. 25 Est michi nunquam quies, Dies noctesque doleo. Soleo singula post habere, Singula salvat et tuetur. Vicjuin eminus abesse credas: Quod te amem, existit licitum. Nephas etenim tua honestas 40 Effugit, spernit et veretur. 6. Instar Phebi micant ocelli Belli conspectu mutantes, Dantes hercle stiinulo pro- fundo Grave vulnus corculis. 7. 45 Pollite sunt tibi maxille Ille purpureo sparsim fuse — Muse cedant — roseoque co- lore : Basia übet infixisse. Os parvum spaciosumque la- bellis, 50 Mellis dulcedine rubescit. Crescit exliinc fervens appe- titus , Os huic crebro meum admo- visse. 4 laguenti. 35 maystas. 37 Halbstrophe von vier Zeilen. 11 opperis. 15 non. 16 quater. 38 sind wohl zu vertansehen. *i .-. : l 18 tatum. 19 spes. 44 hier fehlt eine LATEINISCHES LIEBESGEDICHT. 299 8. Intus move tremulam li- gwam, 1 )ignam omni laude. 55 Plaude igitur, que fando Sermonem edis quam gratissi- mum. 9. Dum rides in genis Iacrune videntur: Rentur mortalesteesse deam. Meam eternam te fieri per- cupio, 60 Quod visceribus Spiritus inhe- serit. Incessu putaris dea: Bea me tun pietate. Late formam cum intueor stupeo, Quae graviter profecto me le- se r it. 10. 65 Sunt tibi cristallini dentcs M< nt.-s- que digitali teretes. Quirites anthiotum illud dari, iccumbamprecorcuraveris. Reddes me faustum, anime mi, 70 Si ipsam te michi apperies. Feries luctum, si modo pari Amore me complecteris. 11. Michi si \ [uara mancipio imperabis, tibi fiam eternus, 3i modo michi petitum dabis. Secus si cordi est, me vorei in- fernus. < >mnem edepol michi salutem te oriri Bola posse putem. Nullu8 esse tibi possei im 80 Prospicien8 te tanta claritate preditam, Verum esset obsequendi nisus, El amanditevirtutibusdeditam. Id scio copiam nemini fore laudis, Qui te digne sat extolleret. 85 Est abs te proeul inventio frau- dis: Quis te iuvenum non merito coleret? 12. Dii inmortales tibi dimittant petita, Vita simul prestita optata. Fata felicem te seeundent, 90 Tondant arcus quod extat no- xium. Dii deeque omues desiderata tibi tribuant, Minuant que sunt difficilima. lila animo tuo infundant: Suscipias me tibi socium. 13. 95 Porrige Iabra michi corallia Talia ut illico reviviscam. Discam morem tibi gerere, (Jbi languor amorosus avellitur. Tenerum est corpus atque molle: 100 Tolle quemque prorsus dolo- rem. Rorem pietatis inpertire. litte egritudo pacto propellitur. 14. Nee omiserim ego cervicis decus: Secus non est ac pagina dicat, 105 -Mic.it albente nive candidius. »Sunt tibi papille semipome , ( !ome auro fulviores. Mores adornant te validius : '. 'icli liier fehlt eine halbe Strophe. dotum. 36 colori 98 ! 57 lacrime. 07 !. anti- 300 15. NORDHOFF 125 130 Quid verbis opus est multis? 110 Cultis artubus debita con- nexio datur, Fatur hoc quisque te prospe- xerit. Nemo quicquam a me false adiectum Rectum non dicet, nisi sua Lumina non ratio direxerit. 16. 115 Puellam hanc qui digne col- laudavi , Me bachidives et fertilis genuit Alsacia. Ne scortamefallerent, hactenus cavi. Virgines ut amplectar, impellit 135 audacia. He norunt animis fidis amare: 120 Sint adolescentulis idcirco pre- care. Hasobservent, diligentethono- rant, Nee inquinandos se lenis de- dant. Que suis versueiis quemquam 140 fallere solent, Atque iuventara florentissimam defedant. Prebueras Haydelberga michi alimentum, Poeseos etphilosophie eibis educasti. Venustat te caterva sapientum, Plurimorum iusticias expiasti. 17. Jam dudum tecum vitani ut possumdego. In discessum abste iamaccinc- tus, Amorem qui diu Iatuit, difFicile tego, Puelle namque loris firmissime sum devinetus. Calet inflammata mens amore, Telum iniecit letus aspectus, Rigent artus orbi vigore. Natus amor phas est non exi- stat tectus. Palladis ad gremium decedens opto loceris, Vitaque sit foelix orbis in exilio. Cara michi virgo , me clemens respice, qui te Rite colo, quoniam mitis es atque bona. W. WATTENBACH. MAERLANTS MERLIN. In der Bibliothek des Fürsten von Bentheim- Steinfurt zu Burgstein- furt befindet sich eine Handschrift des großen Gedichts Merlin von Maer- lant. Sie ist zwar schon beschrieben von Ludwig Troß*), jedoch sonst dem Inhalte nach so wenig bekannt, daß der Übersetzer von Jonck- bloets Geschichte der niederländischen Litteratur und andere den Maer- lant behandelnde Schriften das Gedicht nicht einmal zu kennen scheinen. 119 vorunt. 132 deuictus. 134 iniectit. 137 Pallachis. *) Vgl. F. v. H. in der Allgem. Zeitung 1872 Nr. 44. 140 celo. MAERLANTS MERLIN. 301 Die Handschrift ist ein dicker Band in kleinFolio mit 239 beschriebenen Papierblättern, jede Seite zeigl 2 Columnen, die letzte 239" indeß nur eine, jedes Blatt am untern Rande eine Foliierung, Blatt V und VI, welche die Ausführung der Rubrik: Wo god gewroken ward unde van Tytus unde van Vespasianus enthalten, sind anscheinend gewaltsam entfernt. Der starke Einband hat eine Lederdecke, diese als eingepresste Zier in länglich viereckigen Mustern fleurs de lis, Eichenblatt und Rosetten, daher der Band wohl etwa gegen 1500 angelegt sein wird. Auch die Schrift scheint mir eher dem 15. als dem 14. Jahrhundert anzugehören, ob- wohl sie durchgehends klar und frei von den Abbreviaturen jener Zeit ist. Ein Vorblati enthält folgende Bemerkung: Men lest in Cronic. Martini, dat by tyden des pawes Semplicy de w.us by den jaren unses heren, do men screef CCCCLXXII, doe wart in Britanien geboren eyn wyssage Merlyn van des konix dochter, eyner gheestliker nunnen van der duvele eeu, de de vrouwe namen plegen to beslapene. ... de Merlyn sach boven Franckrike unde Enge- land; desse visiende und anderen synen prophecien es ghescreven; unde dar sin desse vers af, de hyr na volghen to Dudesche Ein junge megetlike junefer sal seghe vechten in maus cleyde. . . . folgt eine Prophezeiung über die Jungfrau von Orleans; sodann Maerlants Gedicht eingetheill in 3 Bücher 1. Ursprung des Gral, 2. Ge- burt Merlins, 3. Arthur, jedes Buch eingetheilt in Avcntüren, die nach der < Ordnungszahl numeriert sind. Fol. la Alle de gene de desse tale Hören willen van den Grale, Wannen dat he eirstc quam Als ick inden Walsche vernam So sal ickt dichten in Duesche woert v. 14 Al/.e se van my dan boren tale I >essi historie van den < rrale Dichte ick to eren hern Alabrechte 1 >> ii heer von vorne wal m\ i rechte W'ani hoge lüde myl hoger historie Mannigfolden zulen er glorie Unde körten dar mede ere ty t .... v. 27 Eyn dichte van onses herren wrake, Lestmen, dal ia wyde bekanl l fnde makede eyn pape in Vlanderlanl ; l)a! sagel dal boeck in zyn beginne. Bfier ick wene in mynen Bin I ):ii pape dal oichl en dichte, Wanl men mochte oichl gescriven Hellte 302 NORDHOFF, MAERLANTS MERLIN. We vullich dat gelogen zy, Unde dat zal ick in proven war by In der liistorie de komet hyr naer Jacob de coster van Merlant Den gy to voren h ebb et bekant In des koninges Allexanders Ieesten, Dat gy bidden, dat he volleesten Moete, dat he hebbet begonnen. Es folgt die Rubrik: Waer urabe unse here wart geboren. Beyde vrouwen unde man, De oren zin zetten dar an, Dat ze de warheit willen weten Fol. 238" beginnt eine andere etwas unklarere Hand als früher. Am Schluß 239a Nu moet god ons geven beste, Altoes te done van allen saken In em, so endet mede myn maken Desen boek van Merline Dat ik dichte myt myr pine Int jaer ons heren wens wonders Do men screef drutteen hondert Unde XXVI op den wittendonre dach De in der weke vor paeschen gelach; Do was dit boeck geend, Dar men schone testen in vint. Explicit Deo gracias. Den Schluß macht eine das relative Alter bezeichnende Inschrift aus der Mitte des 15. Jahrhs., die insofern noch besonders wichtig ist, als sie uns die sonst nicht so unmittelbar zu erweisende Thatsache bestätigt, daß die Höfe Westfalens bis zum Ende des Mittelalters mit der schönwissenschaftlichen Litteratur der früheren Zeit reichlich be- kannt waren. Sie lautet: Item dit sint de boke, de joncher Everwyn van Güterswik (f 1454) greve to Benthem hevet: Ten ersten dit boeck Merlyn, item twe nye boke van Lantslotte im eyn olt boek van Lanslotte unde item de olde vermaelde Cronike un Josophat unde sunte Georgius leygcnde, unde dat schachtaffels boeck, van sunte Cristoffers passye, item van Allexander, item de markgreve Willem, item Percevale. Von all diesen Schätzen scheint bis jetzt nur mehr der Maerlant im Besitze der Familie sich er- halten zu haben oder ihr wenigstens bis jetzt bekannt geworden zu sein. MÜNSTER. NORDHOFF. HOLTE, N1EDEKKHEINISCI1K SPRÜCHE UND PKIAMELN. 303 XIHDERRHELNISCHE SPRÜCHE UND PRIAMELN. Die nachfolgenden Verse sind einem Folioblatte von Papier ent- lehnt, welches auf der innern Seite eines Incunabeleinbandes der Trierer Stadtbibliothek losgelöst ist. Es war nur eine Seite dieses Blattes beschrieben. Die Schrift gehört dem 15. Jahrhundert an. Myrcket wail eben der werelt staet, wye iß itzt zugaet. Dye wairheit ist nu geslagen doet. Dye gerechtigeyt lydet groeß noet. Dye untruwe und felscheyt ist nü geboren. Der gelaube hayt den streyt verloren. Darumb sieh wail vur dych , Want truwe yst sere myslich. Idt ist nu der werelt staet: Do myr ere, ich doen dyr quaet : Hyeff myeh öff ich werften dichjneder; Do myr ere, ich sehenden dich weder; Lach mich an und gyff myeh hyen: Dat yst nv der werelt synn. Wer da hayt goet, der hayt ere: Nemantz frayeht vurbaß merc. Wer da wylt yn freden leben, Goden rayi wyll ich eme geben. Laß eder man syn der er yst, So saget dyr nemans wer du byst. Der da wyll wyssen, wer er sy, Der scheid sych myt syner naperen dry. ych lyt und verdrach, Nyl eder man dynen kommer enclage. Du mochtes dem clagen dyn leyt, Er wilde das yß were noch also breyt. tß fraget mancher wye [ß myr ghee, agh yß myr wail, yß dede ym w W er zu lyden ist geboren, Bettes un synen < vt ^resw oeren, Er moyß lyden byß an eyn zyll, [ß sy wenych "der \ % 11. Wyß v\l und wenych Bage. Antwerl nyt aller frage. Borgh wenych und bezall das gar. Rede wenych and hall das wayr. Lnych nyi und byß verswegen. Was dyn oyl er layß lygen. 304 NOLTE, NIEDERRHEINISCHE SPRÜCHE UND PRIAMELN. Der en iß nyt cloick Der ym selber schaden doyt. Der yst wyse und wail gelert Der alle dynck zu dem besten kyrt. Darumb habe yn eren eder man, Want du nyt en weyß was eynander kan. Alß manchman kuinpt, da manchman yß, So en weyß manchman nyt wer manchman yß. Wyse manchman wer manchman were, Manchman dede manchman ere. Gedecht mancher wer er were, Synß groyssen hoyffartz wa}7l*) entbere. Byß darumb nyt zu behende, Sych vur hyen an das ende. Sucht got und halt syn gebot. Byß yn s}^ner lyeffden fest, Das yst das aller best. Schoen gebagen und wenych doen, Mussich gaen und vyl verdoen, Groyß obimgh sonder gebruychen, Wenych han und vyl versluychen, Atflayß suchen aen ynnycheyt,. Bycht sprechen sonder leyt, Vyl gehoert und wenych verstanden, Vyl gegacht und nyt gefangen, Vyl gesehen und nyt myrckeu, Das synt alles verloren wercken. Prelaten dye got nyt an ensehent, Pryester dye de helge kyrche flehent, Eyn herr frede und ungenedych, Eyn frawe schoen und dye unstedych? Eyn rychter der da legen leret, Eyn schefl'en der das recht verkeert, Eyn jungh frawe dye froe zu metten leufft, Eyn herr der syn lant verkeufft, Dyt synt echt Sachen Dye seiden wayl gerachent. Eygennotz. heymelich haß. und eyn junckrayt. verdei'bent manchen goden staet. Der nyt engewynt und och nyt enhayt Und all dage yn des wyrtzhuyß gayt, Mich hayt wonder wa hee yß holt Dar er dem wyrde myt bezalt. So wer sich an eyn tayffel wylt setzen Und sych myt dem wyrde wylt ergetzen, *) 1. er wayl. L. DIEFENBACH, MITTELDEUTSCHE PREDIGTBR1 CHSTt CKE. 3(J5 Der sal niyt synem budel clynck( Und sal eyn quart gelden, So en darflf yn der wyrt oyt scheiden. Wusß lauff und graß ;i!s nyt und hasß, Koe schayff und pert weyten dye basß. Amen sprach dye koe zu dem s.men**) Kumpt du nyt zu myr. so komen ich zu dyr. TRIER. Dr. NOLTE. MITTELDEUTSCHE PREDI< iTimUCIISTÜCKE. Die nachfolgenden Bruchstücke fanden sich in einer Foliohand- schrift des 15. Jahrhs. (Nr. 1338 unserer Karmeliterbibliothek). Es sind acht Pergament-Quartblätter, lt> Seiten zu 22 Zeilen, ~ die ein Buchbinder verarbeitet hat, und zwar auf zweierlei Weise. A sind Quartblätter auf zwei Halbbögen, deren Unterseiten auf die Holzdecke] des Einbandes aufgeklebt und größtentheils durch die Pressung abge- druckt wurden. Kein Quartblatt hängt direct mit dem andern zusammen. B sind in Streifen zerschnittene und zu Falzen benutzte weitere Quart- blätter, welche unter sich zusammenhängen. A hat eine unbekannte Hand von den Deckeln abgelöst, ohne B zu entdecken. Die Hand- schrift gehört dem 13. Jahrhundert an, die Sprache is1 mitteldeutsch, auf Thüringen speciell weisen die häufigen Infinitive mit abgeworfenem n. FRANKFURT a. M. L. DIEFENBACH. A. I. 1. 1. ist abgeschnitten. 2. isl ? zu deme gotes hus. I><> wart Hermo - bischof zu der tat im dar 4. nach bo wart philetus sin äuccessor an de 5 me äelben ammete. ufl <1 i< • anderen iun 6. reu die wurden '" den anderen steten gesazt 7. ze meisteren, ufl da bo wurden manegu teht am äußeren Rande von einer andern Hand mit sehr Dinte: I v- selbst ist von i iner r soeben 1 Hand mit tlbei der Zeile and Mi m au n I »• t P • ireh ein I bstabe < erloren ge- ■ i-t. . 306 L. DIEFENBACH 8. eeichen follebraht fon in in unsers herren 9. nainen. da bekarte sich allez daz lut daz 10. irgen in deine lande was zu unserme her- 11. ren ihü x. Dirre heilige ap(l).s mine lie- 12. ben der gute scs iacob; der wart geraar- 13. teret umme die österlichen cite. so wart 14. aber du cristenheit alse.hute ist su (1. sin) hoch ge- 15. cite. do ouch sin lichamen wart enwek 16. gefürt un mit den himelischen ceichenen 17. wart gelobet un geeret un der werlnte Ü8. bewiset ze tröste un ze gnaden. Ouch wirt 19. sin hochgecit hüte gemeret mit deme 20. begenknisse des guten sc! xpofori der 21. des heiligen geistes fol was. un der den 22. heidenen daz gotes wort fore sagete A. I. 2. 1. ist abgeschnitten. 2. tusent zu deme waren glouben unsers 3. herren ihü x. ze iungest wart er doch be- 4. griffen fon me kuninge durch den namen 5. unsers herren un wart gebunden mit 6. einer ketenen. un wart in den kerkere 7. geworfen durch die gotes minne. un do 8. mit iserinen besemen ze slagen. un dar 9. nach so wart er in einen gluentingen 10. ouen geworfen, da uerlasc daz für for 11. ime fon dere gotes crapht. do wart er do 12. an deme feltte uf gefazt zu eineine zile. 13. da schuzzen die mein tetegen zu ime al- 14. same er nie mennesche wurde, zu aller 15. lezzest da sluc man ime daz houbet abe. 16. Da bekarte sich der kuninc do er du cei- 17. chen ane sach die unser herro got begienk 18. durch sines mertereres willen des gü- 19. ten sc! xpofori des tac wir hüte be gen. 20. un gebot daz man eine kirchen worhte 21. in sei xpofori ere uffe sineme eigene, un 22. sazte da gotes dienest biz an disen hüte- \lll rELDE! rS( HE PREDIGTBR1 CHS1 I - Kl 307 A. II. 1. 1 abgeschnitten. l*. antlizze. im Bullen mit ime erbelinge wer 3. den sines riches. uu do di (?) >i da marterten 4. di sulen si sehen quele ane ende. So wir ö. mine lieben daz wole wizzen daz dise hei- 6. [igen umlcr den engelen schinent wände 7. si disen lip gaben umme den ewigen lip. 8. so sul wir si biten da/, wir ire also file ge- '.'. ni'zzen mu/.zen daz wir den sieh behaben In. fon nn-ern sunden. im da/, wir mit de- 11. m> ■ guten merterere scö laurentio cttes- 12. lieh teil bruchen muzzen illa gia. qam 1."). oculus non uidit. ii a. n. I. c. h. a. In assup 14. Quicumq; conuenistis [See Marie. IT», bodie in honore sce Marie, matris 16. dm. toto corde inuocate eam ut int^ce- 17. dal pro peccatis nris. Mine lieben alle di( 18. hüte liij sin zesamene kumen. in die ere 19. unser frouwen sce-Marie. die sulen si ane 20. rufen mit alleine ire herzen, daz su uns 21. wegende si für unser sunde. wände wer *2'J. liehe su ist du frouwa. du daz heil hat hraht A. II. 2. !. abgeschnitten. jeheizen maris stella. wände su alle dise :;. werbt erluhtet . . . sul . . a . te ? was(?) daz mare daz alzouwes i-i an der bewegun- de. um Diemer an einer stete blibet. alse ii. wahe sm daz oiemer de- .-.heu |. selben? gesteht« eruallen 7. Ion deine uite d( . also wahe im 8. raichelee baz so i rschein daz heil der werln ".'. te l.i unser frouwen sce .Marie, do si <\>'v en- 10. gel minekliche gruzte uU ire bot« n?) 11. da/ -ii gölte tragen ein heil aller der werln ]'J. te. Su i-i ein wunderlich zuuersicht im uffe l.i. Dunge allen den di Bich zu ire gehabenl II. an zu ire gnade flehent. sie i-t h durch !.">. di.- im er herre ihc >cpc ire true sun allen 308 L. DIEPENBACH 16. den ire sunde uer gibet di su ane suchent 17. su ist ouch du sich hüte frouwet under den 18. choren der heiligen engele. for gotes ant- 19. lizze mit der ewigen frouwede. Su ist du 20. uns gebar daz ewige liht in selbem unsern 21. herren ihm xpm gotes sun. fon deme ouch 22. alle duse werlnt erluhtet ist gnadeklichen A. III. 1. 1- gen mine lieben wände dise zue (zuen.) 2. heiligen luhtent un lebent in deme ant- 3. lizze der ewigen sunnen. da ouch alle 4. die sulen geeret werde die sinen namen 5. minnent. so bitet sie flizzekliche daz 6. wir wirdek werden ire gebetes uil daz m itis 7. wir fon ire wirden teilnunftek muzzen glä 8. werden ire gunlichheite in den himelis- 9. chen stulen. Qua oculs n uidit. 10. Dilectissimi referendum est 11. uobis unde dies iste habeatur sol- 12. lempnis. Mine lieben mit kurzen wor- 13. ten so sul wir iu sagen wan abe uf deme 14. tac si gesazt ze begenne ob ir habet 15. ze hörne. Dirre tac der nist niht gesazt 16. umme daz ze firne daz sc! petrus fon 17. den banden wurde ledig alse hut ist 18. wände wir lesen daz daz er umme oste- 19. ron wurde erlediget fon den banden 20. uö fon deme engele enwek geleitet wart 21. uzze deme kerkere dar inne(?) so sult 22. ir frie wole wizzen daz dirre tac nist(?) A. III. 2. 1. minst dar umme gesazt ze begeenne. 2. sunder dar umme daz scä eudoxia du ku- 3. ningin sine ketene da mite er gebunden 4. was an daz cruce ze rome bestatete in 5. deme altari sei petri munsters. Disen tac 6. den begiengen romere wilent in die ere 7. augusti cesaris wände er den sige uaht MITTELDEUTSCHE PREDIGTBRUCHSTÜH KL 309 8. an antonino deme rihtere alse hüte, un S>. durch taz so sazten si disen tac ze begeen- 10. ne. uii worhten ein munster über sin grab. 11. un sazten den tac da der s.-ht.'s mänt ane 12. _''t allez in der heidenscheffe was dit. im 13. begiengen disen tac aller gergelieh har- 14. te flizzekhche. un ire after kumelinge 15. ili wider nuweten ie den tac gergeliches. 16. Do wart de der heidenische site uerwan 17. delet in der glaubegen site. als wir iu 18. du sagen. Eudoxia du keiserin du wolte 19. ze ierl'm fare durch ires gebetes willen. 20. im tin ungetruwe iude der quam ire 21. zu. un gab ire eine getrmve gäbe, die l'l'. ketenen da mite herodes hatte scfn pe A. IV. 1. 1. ano entwurte. Der gebot daz man allez 2. sin ingesinde for sinen ougen houbte. un 3. daz man in selben wilden pherden an 4. den zage] strikte, daz in die färten über 5. dorne un über distele also lange unze in zume tode brehten. Do dit allez 7. er gienk do luib sieh deeius uf mit vale ano un solten faren in amphiteatrum '.'. in die stat in den werten daz si di cristen 1ilbere. Do er do heim quam un des sehazzes 18. nine fant. do begonde er zeweinene un ze rüf- Bagellum 19. fene über allez daz hus. Uli nam eine geislen. 20. Uli sluk das bilde, un isch sinen schaz widere. 21. In den stunden so gesazzen die diebe un solten 22. den schaz teile, da er schein in der gute scs nich- B. III. 2. 1. un tuank si mit drouwen un mit äden eise 2. daz si den schaz wider trügen des nahtes. 3. Do do der zolnere fru uf stünt un sinen schaz 4. fant da begonde er san daz bilde zehelsene 5. un zekussene mit michelere frouwede. da er- 6. schein ime scs Nicholaus. un manete in fon 7. deme heile der sele. daz er der sele gedehte. 8. Da bekarte sich der heidenische man. un liez 9. sich toufen mit alleme sineme ingesinde. un 10. uffe sineme eigene so machete er eine kir- 11. chen in sc] nicholai ere da inne so dinete 12. er ime biz an sin ende, un bleib in unsers her- 13. ren ihü x lobe al di wile daz er lebete. 14. Do man do mine lieben sei Nicholai Licha- 15. men föne mirrea hine ze bare fürte, do wur- 16. den inne wendek einer wochen menneschen 17. gesunt. in gegen zuenzegen un hunderten. 18. föne blinden.1 föne touben. föne stummen, foni 19. halzen. fon den der lil> dorrete. fon den 20. die mit deine tafele besezzen waren, un mit 21. anderme siehe tagen befangen waren, die 22. wurden alle gesunl in «leine namen im 314 L- DIEFENBACH, MITTELDEUTSCHE PREDIGTBRUCHSTÜCKE. B. IV. I. 1. herren ihü x un sines bischoffes des guten 2. sei Nicholai. den er wole hat geeret in dirre 3. werlnte. un in herliche hat gehohet uii besta- 4. tet. under sinen engelen in deme himel riche, 5. Disen heiligen bischof mine lieben den riiffe wir 6. 7. abgeschnitten. Gegen Ende von Z. 7 g sichtbar. 8. ser sele iht lazze uerlorn werdeN oder unsern üb 9. mit den blutegen mannen uer liese. sunder wir 10. müzzen mit ime hören des lobes stimme, hören 11. un muzzen zele unsers herren gotes wunder 12. 13. abgeschnitten. 14. Glori li aplorum Sermo 15. osi prineipes terre quom in uita sua 16 — 19 abgeschnitten; in 19 noch j g sichtbar. 20. für er an dez mere in galileam. un was da ein 21. fischere un begienk sich siner hande. also noch 22. file gute lute tünt. biz ane die stunde daz in B. IV. 2. 1. unser herre ihc xpe ladete zu sich, un larte in 2. mit sinen heiligen Worten wie er du lute solte 3. fahen mit deme nezze des heiligen euglij. 4. un si solte uf ciehe zu der ewigen ruwe. Des 5. gefolgetc er ime. wände er liez beide schief 6. 7. abgeschnitten, auf Z. 7 zwei h sichtbar. 8. er sin iungere. unsers herren ihü x. dar imune 9. so larter in finde die stige des euuigen libes. 10. un machete in wirdck zenphahene die zu- 11. kunft des heiligen geistes. un dar umme so 12. abgeschnitten. 13. geren. wände er. . . . {Rest abgeschn.) 14. ohein siner iungeren. alse wir u nu 15. wollen (?) heimeliche (?) sagen (?). Do unser herre ih'c 16 — 18. abgeschnitten. 19. were. do sprachen si. sumelichc sprechen daz 20. er helyas were so sprechen aber die anderen 21. er were iohannes babtista. so sageten aber 22. andere er were iheremias. oder ein ander A. EDZARDI, ZUM JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE. 315 Xl'M JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE. Selten einmal ist es uns so vergönnt, einen Blick zu thun in den Entwicklungsgang unserer Heldensage wie bei dem Kampfe Meister Hildebrands mit seinem Seime Hadubrand. Nicht nur hat ein glück- licher Zufall jenes bekannte Fragment eines althochdeutschen Gedichtes uns erhalten, sondern wir kennen denselben Stoff noch in zwei amiern Gestalten, einer prosaischen in der mich deutschen Quellen gearbeiteten ridrekssaga, die wahrscheinlich in der ersten Hälfte des X11I. Jahrhs. abgefasst ist, ferner in einem in verschiedenen Versionen überlieferten Volksliede. Über das Verhältniss dieser drei zu einander soll im Fol- genden kurz gehandelt werden, hauptsächlich aber will ich versuchen. das bisher wenig erörterte Verhältniss der einzelnen Überlieferungen des jüngeren Liedes zu einander klarer zu machen und daraus die ältest-greifbare Gestalt des Liedes, so weit möglich, zu reconstruieren. Die Überlieferung des jüngeren Liedes ist folgende: 1. II oehdeutsche Texte: 1. Längere Gestalt, vollständig im Dresdener Heldenbuche, ferner Fragmente schlechter Hss. aus dem (XIV. und) XV. Jh. (s. Grimm die beiden ältesten dd. Gedd. p. 4'.»). Darnach gedruckt z. B. bei Grimm a. a. ()., Wackernagel Lsb., Schade Lsb. 341 u. s. f. Ich nenne diese Gestalt nach dem einen bekannten Schreiber des Dresd. IIB. K. 2. Kürzere Gestalt: nur Drucke: (s. Unland Nr. 132 und p. 1013, viele fliegende Blätter des XV. und XVI. Jhs., z.B. das Baseler (b) aus dem XV. .Jh.. der Druck im Ambraser Liederbuch (a). Darnach gedruckt, z.B. bei Grimm a.a.O., bei Schade Lsb. 339, bei Rassmann HS. D (nach a). Alle diese weichen so unbedeutend von einander ab, daß die Abweichungen für die folgende Untersuchung kaum in Betracht kommen. (Die abweichenden Lesarten gibl Unland IV, 153 ff.). Alle zeigen sich deutlich als Zweige eine.- leicht zu recon- struierenden Grundtextes, den ich mit // bezeichnen will. 3. Wichtiger ist die Wernigeroder IL. W des XV. Jhs., ed. Jacobs, Büchersammlung Ludwigs Grafen zuStolberg, Wernigerode 1868 Ich habe unten auf diesen Text noch näher einzugehen. IL Niederdeutsch, Druck des XVI. Jhs. I LI. kl. 8°. :V2 Zeilen auf der Seite, von Bartsch, Germ. VII 284 ff. abgedruckt mit ku Vorbemcrkuug. Zu vergleichen isl Gödekes kurze Erwähnung im W Jahrb. IV 1 1 [cli nenne diesen Text \ 316 A. EDZARDI III. Niederländisch, Antwerpener Liederbuch Nr. 82*), abge- druckt bei Hoffmann, niederländische Volkslieder " Nr. 1, und bei Ver- wijs, Bloomlezning III 144 ff. — A. IV. Dänisch (Udvalg afdanske Viser II, 181) bei Grimm p. 56 ff. gedruckt, offenbar Übersetzung eines deutschen Originals. — D. Endlich die ridrekssage. von der cap. 406—409 (bei Unger) in Betracht kommt, nenne ich Ps. — Zu vergleichen ist noch, außer dem angeführten Werke der Brüder Grimm, Grimm HS. 23 ff., 257, 363 ff. ; Rassmann HS. II 640 ff. und Schades Vorbemerkung im Lsb. 339. Was das V erhältniss der Ps. zu den beiden deutschen Gestalten betrifft, so fällt gleich in die Augen, daß sie nicht auf die uns überlieferte Gestalt des alten Liedes zurückgehen kann, denn außer ganz allgemeinen Gesichtspunkten, nämlich Kampf des Vaters mit dem Sohne nach vorhergegangenem Zwiegespräch, findet sich kaum etwas aus dem alten Liede in der Ps. wieder. Vielmehr ist grade das Hochtragische der Situation im alten Liede — daß derVater den Sohn kennt, und, obgleich er alles mögliche gethan dem Kampfe auszuweichen, doch mit ihm kämpfen muß — ist gerade dieß in der Ps. ganz verdunkelt. Es handelt sich da nur darum, wer zuerst seinen Namen nennt. Der Alte nennt sich nicht, was er im alten Liede doch thut. Außerdem zeigt er in der Ps. wie im jüngeren Liede eine ge- wisse Lust, sich mit dem Sohne zu messen. Auch bleibt es doch wohl zweifelhaft, ob er seinen Sohn in dem Gegner erkennt; nach der ge- nauen Beschreibung, die ihm von Alebrand cap. 406 gegeben ist, müsste er es wohl, aber cap. 408 heißt es: ok kennast nii vid, wo freilich B kannast hat, csich mustern'. Der schwedische Text (ed. Hylten-Cavallius) kann an dieser Stelle nicht zur Vergleichung herangezogen werden. — Dagegen stimmt die Ps. mit dem jüngeren Liede sowohl in den Hauptzügen, wie man sich leicht überzeugt, als auch in Einzelheiten so genau, daß dasselbe in einer im Wesentlichen wenig abweichenden Gestalt vorge- legen haben muß. Als Übereinstimmungen im Einzelnen führe ich an : A4, 3: Ps. du solt im freundlich zusprechen ef pü hittir pinn son AHbrand* K. und sprich zu im ein freundlich mcel viä kann kurteisliga (schwed. wort cap. 350 : tala hoeffvisliga ti ' honum). N. 5, 4 = A: Wat ücistu olde grise Alibrandr mselti: Hvcrr er pessi in mincs vaders lant? hinn gamli madr? *) „Auch in einer P;i]>. Hdschr. der burgund. Bibl. zu Brüssel, 1425, schm. Fol." Ubland a. a. 0. p. 1013. ZUM JÜNGEREN BILDEBRANDSLIEDE. 317 II. S, .". (/,-';/ hämisch >nnl dein grü- nen schilt mustu mirhie auff- gehen, — wiltu bt halten dein '•> &< n. * //. 10, 4. Den schlag*) lert dich ein vt'ib. * A. 12, 3: Hi nam hem in sijn mid- dele, al daer hi smaelste was, Hi worp hem nieder te rugghe al in dat groene gras. 408Anfg.: Segg skjott pitt heiti ok gef up pin vdpn h. jid slcalt Ji/'i lialda Uli jn.ii.tr. petta slag mint per Jcent hafa |>in kona oc eigi pinu fadir. * p. 346 unten: ok soekir hinn gamli svä fast, at m'i fellr hinn ungi tiljardar, ok hinn gamli d Unna ofan. A. 13, 3: Spreect nu uw biechte — p. 347 oben: . sidi van den wolvcn, Legg mer skjutt ])itt heiti ok bina ghenesen moocht ghi sijn. aett, ella skaltu lata pitt Hf. — * * Im jüngeren Liede nennt sich Alebrand, nachdem er überwunden ist, zuerst, in der Ps. aber Hildebrand, trotzdem stimmt fast wörtlich : H. 15, 1: Meist deine mutter frau ef pü ert Alibrandr minn son, pd Ltte... so bin ich Hildebrand em ek HildibranäW pinn fadir. der alte, der liebste vater dein. * * A. 20, 1: Si nam hem in hären Cap. 40! •: Hon leggr sina Im da ar- armen. ma um hals Hildibrandi. Man siehl hieraus leicht, daß das jüngere Lied in der uns er- haltenen Gestalt der Ps. schon vorgelegen haben muß. Da nun die Ps. wahrscheinlich in der ersten Hälfte des XIII. Jhs., etwa 1240 — 1250 verfasst ist, so müssen wir die Entstehung unseres Liedes in den An- fang des XIII. Jhs. , wenn nicht früher, setzen. — Line weitere Be- stätigung dieser Annahme bietet die von Grimm angeführte Stelle in Wolfr. Wh. 439, 10: Rennewart kom durch den pfasch ■/.<■ fuoz geheistierl her nach , du er mit manger rotte sach sau n vater ä\ n alten der jugenl geliche halten mit unverzagetem muote. meister Hildebrands vrou Uote achlag a | .-1 .'•■ . andere straich. ■}|S A. EDZARDI mit tri iure» nie gebeite baz, denn er tet maneger storje naz mit bluote begozzen. die man doch wohl auf das jüngere Lied beziehen muß*). Übrigens finden sich auch abweichende Züge einmal in der P$., wo der Verf. freilich vieles zugesetzt haben mag; doch z. B. die Motivierung des Ausrufes: 'den Schlag lehrt dich ein Weib!' — nämlich, daß Alebrand, während er seinem Vater sein Schwert zu überliefern verspricht, hinter- listig auf denselben einhaut — ist gewiß altüberliefert, auch wohl die Erwähnung der Rosse, wozu D stimmt (s. unten). — Andrerseits hat auch das Lied in seinen verschiedenen Gestalten viele abweichende Züge, von denen einige wie altüberlieferte aussehen, daß Hildebrand einen Ring als Erkennungszeichen in den Becher fallen lässt (s. jedoch unten) Alebrands Ausruf: Ach vater, liebster vater, die wunden, die ich dir hab gschlagen, Die wolt ich dreimal lieber in meinem haubte tragen; das Sprichwort von den alten Kesseln und manches andere. Aber das kann leicht täuschen, und sicher würde sich der Sagaschreiber nicht alle diese Züge haben entgehen lassen, wenn sie schon alle in seiner Quelle gewesen wären. Der niederländische Text A weicht ziemlich bedeutend von einem Theil der andern ab, stimmt aber in diesen Abweichungen im Wesentlichen mit K, während von den übrigen Überlieferungen sich bald diese, bald jene an AK anschließt. So stimmt in der noch zu besprechenden wichtigen Stelle Str. 12 u. 13 AK mit W gegen HND, 14, 4 mit H gegen WND, im g-Anlaut des Namens Gude, Goedele mit ND gegen HWund Ps, welche Ute, Utte und Oda haben. Wichtig ist noch, daß die Strophe, welche A zwischen 16 und 17 mehr hat als WHND dem Sinne nach auch in K sich findet, freilich in breiter Ausführung; es handelt sich dabei um das Scheingefecht vor der Ute und die Heimführung des Alten als Gefangenen. AVie hier hat K auch sonst Plusstrophen, nämlich eine zwischen 4 und 5 und viele nach dem Ende zu, wo bedeutend geändert ist. In andern Fällen stimmt aber K gegen A mit andern Redactionen, nämlich außer Str. 13 Anfg. : A 6, 4 Mit enen hupschen ghelude K pei einer heissen glute N. Ali! einem snellen lüde H Wuber einer heissen glut (u. ähnl.) *) Daß man sie nicht wohl auf den verlorenen Schluß des alten Liedes be- ziehen darf, folgt daraus, daß jenes schwerlich einen dem jüngeren Liede ähnlichen Schluß mit gütlicher Lösung gehabt hat (worüber unten mehr). ZUM JÜNGEREN BILDEBRANDSLIEDE. 3ig A 9,4. Ende wat si daer bedreven, K. Wes si begerten forten, il.it suldi wcl verstaen. di s wurden si gewert. was im Wesentlichen mit HW stimmt. 1) hat: < )g saa begyndte de at fegte, det hoste de havde laerd. Wahrscheinlich ist also nicht A unmittelbare Quelle von K — dessen Tendenz ja auch sonst nicht ist zuzudichten, sondern zu kürzen — sondern beide gehen wohl auf eine (vielleicht niederdeutsche?) Quelle zurück, A unmittelbar, JTdurch Vermittlung einer (hochdeutschen?) Bearbeitung. N und // stehen sieh ziemlich nahe, doch ist auch von diesen wohl keines unmittelbare Quelle des andern. Bartsch nimmt an, daß der niederdeutsche Text aus dem hochdeutschen übersetzt sei, und glaubt dieß durch die Reime stützen zu können. Die Reime sind aber sehr frei, stellenweise auch schlecht überliefert, so tisch : vil, : unbillich, wit : wib, hof : noch, schilt : ging u. s. f. Einige Reime könnten zwar für das höhere Alter des hochdeutschen Textes sprechen, so sagen: erslagen Str. 19, rät : hat Str. 16, doch auch nicht nothwendig. Die Reime zeit : rait Str. 17 und reiten : haide dürfen aber kaum angeführt werden, da an der Grenzscheide des XII. und XIII. Jhs. und im An- fange des XIII. — in diese Zeit aber fallen diese Reime unseres Liedes nach dem oben gesagten — die Formen doch wohl noch ziten und riten lauteten*). Die Reime würden also nach dem usus der freieren Reimkunst im Xd. noch erträglich**), im Hd. aber kaum möglich sein. Ebenso ist mi : diu Str. 8 ein nicht auffallender Reim, mir: diu aber würde es sein. Nur nebenbei erwähnen will ich, daß tacÄ : gesach Str. 1 im Nd. besser reimt, ohne daß dieß freilich beweisend wäre. Auch die Überlieferung gemach : gesacÄtf in N (und .1) gibt, wie mir scheint, bessern Sinn als die von II (und W) gemach : gesatzt, ohne daß ich auch hierauf viel geben möchte. Nur möchte ich mit dem angeführten die Ansicht begründen, daß die gewöhnliche Annahme, X sei einfach aus H übersetzt, kaum als wahrscheinlich, zum mindesten nicht als sicher erwiesen gelten kann. Ich glaube, daß auch hier beide auf eine gel neinsame Quelle zurückzuführen sind und zwar wahrscheinlich auf eine niederdeutsche (oder mitteldeutsche), schon der geographischen *) Nur im BairiBch i bischen tritt bekanntlich um diese Zeil schon weicht bedeutend ab. — 'Ob einer heissen glute' // IT. D hat geändert. A hat: met enen hupschen ghelude*), N: mit einem snellen lüde', was wohl nicht mit Bartsch und Verwijs zum Folgenden zu ziehen ist. Passender erscheint mir die Lesart von II W, für die auch spricht, daß K zu ihnen stimmt. Str. 7, 2 hat N: van striden und van vehten, dar is ml af gesacht, und wieder stimmt hier A gegen die Texte // und IT. I) und A' ändern: jeg er vant at ride saa vel om Nat som Dag 1 >: das machet mich oft schwach A'(!). In II W steht 'üfgesatzt' (ze striten u. s. w., var. üfge- legt). Welches ist echt? (Vgl. oben p. 319). Str. 8, 1 : und dartö sere slan N=A; AundZ) ändern wieder. // hat : das sag ich dir alter man (so a) W hat: sprach sich der kune man. Str. 10, 3: 14 klafter W\ söven faden N (sju Fafne Z>), twintich fademen A, 20 klafter K. Str. 11 fehlt in W, doch fehlte sie gewiß nicht ursprünglich, da sie in A, XD, H und W steht; sicher ist sie in W nur ausgefallen. Str. 12 und 13 sind oben besprochen. 13, 2 mag in IT geändert sein, um reineren Reim herzustellen, nämlich räm : getan stau räm : man. Str. 14, 2: üt Grekelant N: holt ist sicher verderbt aus 'üt Greken stolt' i,l: woult : üt Grieken stout) oder aus 'üt Greklant stolt'. Alle andern Texte stehen gegen N. — Pertholfe in K ist sicher (wie Str. 8 nur des Reimes wegen hineingekommen. Str. 15,3 schloss //IT; dede .V, löste Z); schoot A, panl K. Str. 16,2 ! i .- . 1 1 1 1 1 . - II; hovede N, hovcd I): leihe h\ herten.4; under meinem herzen II'. also II X h gegen .1 W. 4 ist in A ganz verändert, es heißt da: wi willen van hi rk ons op die vaert. W weicht etwas ab, auch K ändert, des Reimes wegen? (döt : rot, -ilium). Dann ist in A eine Strophe eingeschoben, in K mehrere, worüber ich bei Str. 1 8 Bpreche. Str. 17,2 weder ze siner bürg in reit W\ die g] lerde op reet A\ sonst: ze Bernen inne reil (al in reit X \. — .'). ein grünes kränzelin II vmi golde. Str. 18,1: Bi voerde bem ghevanghen A. als man «inen gefangen tut U, .-eheint in Verbindung mit der Plusstrophe in A (und K) alt zu /. 326 A- EDZARDI, ZUM JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE. sein. (Schon 17, 4 stand in W: dar zu neben im gefangen.) Man be- greift sonst nicht recht, warum Frau Ute den Alten so bestimmt für einen Gefangenen hält. — 2. über siner motter gut W. — 3. das ist ein nouwer list : disch W; al te vri : mi A (Reimcorrectur V) ; K hat hier wieder sehr matte Weiterbildung und weicht fast ganz ab; — N vel : disch. Str. 19 und 20 sind wieder sehr wirr überliefert. Gehe ich von H aus, so ist die Stellung der Halbstrophen in HND 1. 2. 3. 4, in W 2. 3. 1 — (ganz abweichend); A 1. 2. (3). — (ganz abweichend). An Ein- zelheiten ist anzuführen H: kein gefangener sol er sein, N: min ge- vangen shal he nicht sin ; D hat sehr hübsch : din fange skal her (sie) vaere. — 19, 4 hat A abweichend: nu neemt hem in uwen armen ende heet hem willecom sijn. — 20, 1. 2 weicht in A ab, 3 und 4 lauten völlig anders als in HND; die ganze Strophe in A: Si nam hem in hären armen, si custe hem aen sinen mont: Nu danke ic god den here, dat ic u sie ghesont. Wi willen van hier scheiden ende varen in ons lant Te Barnen binnen der steden daer sijn wi wel becant. Zu bemerken ist, daß die letzte Strophe in W fehlt*), im Basler fl. Bl. (b) ist sie etwas abweichend überliefert (s. Unland a. a. 0. 156). Beachtet man, daß die in HND übereinstimmende letzte halbe Strophe, außer in W, in A (natürlich auch in K, das hier ganz abweicht) fehlt, so liegt die Vermuthung nahe, daß der hübsche Zug der Erkennung durch den Ring dem Urtexte nicht angehörte, vielmehr grade weil er sehr volksthümlich war, später hineinkam. Daß Vers 1 und 2 der Schluß- strophe in A mit der Ps. (s. oben) fast wörtlich übereinstimmt, spricht besonders für diese Annahme. Fassen wir noch schließlich das Verhältniss des jüngeren Liedes zum alten kurz ins Auge, so ist, wie schon gesagt, der Grundgedanke wesentlich ein anderer, und es scheint mir sehr zweifelhaft, ob unser jüngeres Lied eine Umbildung des älteren sein kann. Vielmehr glaube ich, daß es auf ein unabhängig von jenem entstandenes, vielleicht nieder- deutsches Lied zurückgeht, in dem nur die Grundzüge des Sagenstpffes, auch wohl einzelne kleinere Züge (vgl. 1, 4 p. 324 und 6, 1. 2 p. 324) gleich, die Auffassung und Verwendung aber sehr verschieden war. Freilich kann man in dieser Frage nicht sicher urtheilen, weil wir den Schluß des alten Liedes nicht kennen. LEIPZIG, im Juli 1873. A. EDZARDI. *) Wenn es auch möglich ist, daß der Schreiber sie nur fortgelassen hat; er schreibt etc. J. SCH1PPEK, ZUM CODEX EXONIENSIS. 327 ZUM CODEX EXONIENSIS. Im Winter 1870/71 hatte ich Gelegenheit, Thorpe's Ausgabe des Codex Exoniensis mit der Handschrift in Exeter zu vergleichen und erlaube mir, das Resultat meiner Collation im Folgenden mitzutheilen. Zunächst einige Bemerkungen zum MS. selber. Bevor die sieben ersten Blätter des Cod. in seiner jetzigen Gestalt, welche bekanntlich den von verschiedenen Händen herrührenden Schenkungskatalog des Bischofs Leofric enthalten, mit dem MS. zusammengebunden wurden, hat es wahrscheinlich längere Zeit den Schutz eines Einbandes entbehrt, wodurch die äussersten Blätter sehr leiden und allmählich untergehen mussteu; es fehlen daher zu Anfang und zu Ende mehrere Blätter. Das eigentliche MS. beginnt mit Fol. 8, welches sehr gelitten hat; das Blatt ist an der Außenseite abgeschabt und große Tintenflecke machen die Buchstaben manchmal schwer leserlich. Das letzte Blatt ist an der Außenseite ebenfalls fleckig, da die Tinte durch den Einfluß irgend einer Flüssigkeit an mehreren Stellen ausgelaufen ist. Die letzten 12 Blätter haben außerdem bedeutende, durch brandige Ränder abge- gränzte Lücken; ein glimmendes Stück Holz scheint auf das Buch gefallen zu sein und sich allmählich durch jene 12 Blätter hindurch- gebrannt zu haben, bis es abkühlte oder entfernt wurde. Die schad- haften Stellen haben auf allen Blättern ähnliche Gestalt und decken sich überall, nur verkleinern sie sich nach dem Innern des Buches hin, bis sie mit Fol. 118'' im Text, wo nur noch ein kleiner brandiger Fleck sichtbar ist, und mit Fol. 11G" auf dem Rande, wo sich eine ähnliche Spur befindet, ganz verschwinden. Im Übrigen ist das MS. schön erhalten, und es scheinen nicht so viele Blätter zu fehlen, als Thorpe vermuthete; im Innern des Cod. ist zwischen Fol. 37 und 38 offenbar ein Blatt ausgeschnitten; überall sonst, wo Thorpe in seinem Texte Lücken verzeichnete, sind im MS. keine Spuren davon sichtbar. Thorpes Behauptung, daß die Handschrift, denn Format 187a Cen- t im. Breite und 11 Centim. Höhe hat, dem 10. Jahrhunderte ange höre, wage ich zu widersprechen; mir schein! sie vielmehr aus dem Anfange des Li. Jahrhunderts zu stammen, da gewisse altertüm- liche Formen einzelner Buchstaben, ■/.. \\. des y} welche sich in notorisch alten MSS., wie dem Hatton MS. von Gregory's Pastoral Care, dem Lauderdale MS. von Orosius, den Cotton und Tanner MSS. von Beda häufig finden, im Cod. Exon. nur sehr vereinzelt vorkommen. Die Behi 328 J- SCHIPPER saubere und elegante Schrift rührt höchst wahrscheinlich von einer einzigen Hand her. Die Buchstaben schienen mir überall im Ganzen gleichartig zu sein; manchmal sind sie allerdings ein wenig feiner und zierlicher ausgeführt, manchmal größer und dicker; doch scheint dieß nur in der Beschaffenheit des Pergaments seinen Grund zu haben; auf glatt poliertem sind die Buchstaben größer, auf rauheren und weißeren Blättern meistens etwas feiner. Die Übergänge von einer Schrift zur andern sind nie plötzlich, sondern ganz allmählich. Von Abkürzungszeichen finden sich in dem MS. nur die allergebräuchlichsten wie ~] für and, ä, ö für an, on etc. Bindestriche sind im MS. nicht vorhanden , außer solchen, die von anderer Hand mit blasserer Tinte eingefügt sind; überhaupt ist die Thätigkeit eines Correctors, dessen Änderungen überall werden erwähnt werden, im ganzen Cod. erkennbar. Tilgung eines Buchstaben bezeichnet er durch Punkte über und unter demselben z. B. e oder auch e oder e. Überall wo im MS. ein großer Anfangsbuchstabe steht, geht ein Punkt vorher, oft auch drei Punkte " • zur Bezeichnung eines größeren Abschnittes ; sonst sind Punkte zur Bezeichnung der Vershälften nur selten angewandt. Die verschie- denen Schreibungen des ih (p u. c?) hat Thorpe im Ganzen genau wiedergegeben; einzelne Abweichungen sollen den englischen Gelehrten zu Liebe im Folgenden ebenfalls erwähnt werden, so wie auch die wenigen Accente des MS., welche Thorpe etwa übersehen oder hinzugefügt hat. In solchen Kleinigkeiten ist Thorpe's Druck im Ganzen sehr correct, wie sich denn überhaupt weniger Abweichungen von dem gut erhaltenen Theile des MS. fanden, als bei einer ersten Ausgabe vielleicht hätte können erwartet werden. Dennoch wird man aus dem Folgenden er- sehen, daß eine neue Vergleichung des MS. mit Thorpe's Edition höchst nothwendig war, da er in Betreff der schadhaften Stellen des MS. nicht nur niemals die Größe der Lücken angegeben, sondern auch ganze Wörter und Sätze stillschweigend ausgelassen, ja sogar sechs, im MS. allerdings zum Theil in sehr verstümmelter Gestalt erhaltene Räthsel mit keinem Worte erwähnt hat. Abgesehen von den Punkten zur Scheidung der Vershälften, die von mir gesetzt sind, theile ich sie im Folgenden mit genau in der Form, wie ich sie im MS. fand; die Schreib- weise Thorpe's war ich ohnehin beizubehalten genöthigt. Außer jenen sechs selbständigen Bruchstücken fanden sich zu lückenhaften Stellen anderer Räthsel zu Ende des MS. nicht unbeträchtliche Ergänzungen, welche zu dem schwierigen Unternehmen gänzlicher Wiederherstellung derselben wenigstens einige Anhaltspunkte mehr bieten Averden. Ich für meine Person überlasse diese Aufgabe dem Scharfsinne bewährterer ZUM CODEX EXONIENSIS. 329 Forscher, welche an mehreren Stellen mit Genugthuung erkennen werden, daß sie in ihren Conjecturen die richtige Lesart des MS. getroffen haben. Zu den von mir eingeführten, durch eckige Klammern bezeich- neten Conjecturen gaben meistens die an den Rändern der schadhaften Stellen noch sichtbaren Überreste einzelner Buchstaben einigen Anhalt, Arie auch gelegentlich noch besonders soll hervorgehoben werden. Die Größe der Lücken ist theils durch Punkte (: :), theils durch Zahlen bezeichnet. Crist. Th. 1, 12. Gr. 7 eord b::g. Th. 1, 13. Gr. 7 hinter eagna ist ein ausradiertes n sichtbar. Th. 1 , 19. Gr. 10 forlei ist corrigiert in forhüt durch Anfügung eines Häkchens an das e; diese Form des ce ist im MS. selten und scheint stets eine Correctur zu sein. Th. 1, 22. Gr. 12 croestga, offenbar ein Schreibfehler. Th. 2, 5 hra ohne Accent. Th. 2, IG. Gr. 20 eadga: Th. 2, 22. Gr. 23 : : : : : g>'ad, der letzte der fehlenden Buchstaben scheint ein o zu sein. Th. 2, 24, 25. Gr. 24 peet he ne hete to kqfe ceose sprecan. Das MS. ist hier jedoch schwer leserlich. Th. 4, 31 Note. Gr. 61 Note, healfa (nicht healsa). Th. 5, 14 Note. Gr. 69 Note. Vom Fehlen eines Blattes ist nichts bemerkbar. Th. 5, 17 gebidan ohne Accent. Th. 8, 7 sunnan. Th. 10, 15. Gr. 118 sceadu corrigiert in sceadu. Th. 10, 16, 17. Cr. 153 anum : : : : : ofer pearfum. Th. 10, 19, 20.Gr. 154, 155. Zwischen hider und pe fehlen 10 oder 11 Buchstaben, unter denen sich aber kein soder/ oder ähnliche lange Buchstaben können befunden haben, da Spuren davon sichtbar sein müssten. Zwischen behindan und ponne ist keine Lücke: es nu lest findet sich nicht vor. Th. 1", 36. Gr. 163 ferh statt ferd. Th. 12, 17. Gr. l&lfreolice {freolicc Druckfehler beiThorpe.) Th. 13, 29. Gr. 210 sunu. Th. 15, 2. Gr. 230 farpa. Th. L6, 23. Gr. 257 eow '■■ corrigiert zu eowde. Th. 18, 1. Gr. 277 Note para gege wurde corrigiert zu para ege wurde; das erste g ist ausradiert. Th. 19, 18. Gr. 302 wod-bora\ der Bindestrich mit bleicherer Tinte gemacht. Th. 19,29. Gr. 308 ingong. Th. 24, 4. Gr. 379 heofon eund. Th. 25,4. ('-)-. 395. 'mihtg Th. 26, 10, 12. Gr. 415, 416. Hinter kerenis ist ein einfacher Punkt (nicht [ •); kein Absatz vor Eala\ und zwischen hweet und peet ist keine Lücke-, im .MS. Th. 3". 18, 19. Gr. 480 Anm. Keine Lücke im MS. Th. '.V2 , 6. Gr. 508 keahpw, das Abkürzungs- zeichen über dem ,// fehlt. Th. 31, 10. Gr. 540 /'.<. Schreibers sein? Th. 146, 8. Gr. 706 reordum statt vordum. Th. 146, 23 Smolt. Th. 147, 7. Gr. 723 selfe\ uuter dem e steht ein y von anderer Hand; ebenso Th. 147, 16. Gr. 728 ein y unter dem i in sioilc. Th. 147, 24 Swa. Th. 148, 21. Gr. 748 eadmedu. Th. 148, 30. Gr. 752 agifen ist geändert in agyfen Th. 149, 27. Gr. 768 heahpu. Th. 153, 3. Gr. 820 weesten] über dem en steht ein m von anderer Hand. Th. 153, 14. Gr. 825 eardwica. Th. 153, 18. Gr. «27 uncyddu. Th. 153,. 32. Gr. 834 gcestgedal Th. 155, 29. Gr. 867 byscyrede. Th. 158, 2. Gr. 910 heahpu. Th. 158, 32. Gr. 918 feeder; zwischen ce und d ist ein Buchstabe ausradiert. Th. 164, 17. Gr. 1013 geswedrad. Th. 165, 28. Gr. 1035 retan. Th. 167. 16. Gr. 1061 heahpu. Th. 169, 6. Gr. 1090 wlitigan. Th. 175, 23. Gr. 1199 oncydig. Th. 176, 18 Simle. Th. 179, 4 Da. Th. 179, 7. Gr. 1258 beorhte. Th. 180, 15. Gr. 1280 <",//,, o« "/"'•' .7- Th. 1*2. 1. Gi*. L303 weeter pisipa; es ist also weeter-pisa zu lesen. Th. IM. 33 Note. Gr. 1353 drusendne ist das letzte Wort auf Fol. 52 b ; von Fol. 53 ist der obere Theil abgeschnitten; es fehlen vier Zeilen. Azarias. Th. 186, 5. Gr. 15 fore. Th. L86, 19. Gr. 22 tohworfne; das h über der Zeile von anderer Hand. Th. 189, 17. Gr. 61 hofne; also das h schon von dem Corrector getilgt. Th. 190, 14, Gr. 73. Vor Bletsige ist ein Absatz im MS. Th. 191, 27. Gr. 94 geestas; über dem ce ein' a von anderer Hand. Th. 192, 12. Gr. 105 bitera. Th. L92, 22. Gr. 110 keine Lücke im MS. Th. 194, 17. Gr. 140 pe steht nicht im MS. Th. 194, 23. Gr. 143 fugulaa; also fuglas zu lesen. Th. 195, 32. Gr. 165 acwelli n; das zwei!,- / über der Zeile von anderer Hand. Th. L97, 15. Gr. 190 peawum. Phoenix. Th. 205, 11 Sippan. Th. 206, 27. Gr. 133 winsumra; über dem ! ein y von anderer Hand. Th. 207, 4. < Ir. 136 organan. Th. 209, 5. 6.>Gr. 166 Ay ^esecad ///rioora fo/wZ. Th. 209, 19. Gr. 173 fco/wn /,,■<,/■,. Th. 209, 27 ana. Th. 211, 11. Gr. 197 Note foUan, nicht folan. Th. 211, 24 7m*. Th. 212, 6. Gr. 206 healfa. Th. 212, 19. Gr. 212 "w/v,,/. Th. 214, 23. Gr. 243 waumas. Th. 215, 14. .- '? mannet vyrdum. Th. 327, 27 Sumum. Th.328, . 2. Gr. 51 ancenda; an über der Zeile von anderer Hand. 'Th. 370, d. Th. 372, 13,26 Bern, Bonne. Th. 373, 31 Gifer. Deors Klage Th. .".77, 9. Gr. 1 Welund. Th. 377, 20. Gr. 6 mann. Th. 377. 11: 378, -. L6, 22; 379, 2, 32 Pees. Th. 377, 21 dedp. Th. 19 pritig. Th. 378, 21 cup. Th. 379, L3 wendep. Th. 3 < i r. I1 ' monn 334 J- SCHIPPER Räthsel. Th. 382, 23. Gr. III, 15 richtig ivrugon. Zwischen diesem Räthsel und dem folgenden ist kein Absatz; das nächste Wort hwilum ist klein geschrieben. Th. 383, 18. Gr. IV, 12 abringe, a von anderer Hand über der Zeile. Th. 386, 7. Gr. IV, 58 gerceced. Th. 391, 8. Gr. X, 2 modor. Th. 392, 3. Gr. XI, 2 richtig flowen. Th. 394, 2. Gr. XIII, 12 hyge galan. Th. 396, 10. Gr. XVI, 2 richtig swifi. Th. 400, 16 minü. Th. 401, 17. Gr. XXI, 13 mer, Th. 401, 35 Nymjye. Th. 405, 2. Gr. XXIII, 17 onder. Th. 405, 30 Ne. Th. 409, 25 Nu. Th. 416, 1. Gr. XXXIV, 5 hio statt hü. Th, 420, 21; 421, 10 Ne. Th. 421, 32. Gr. XL, 27 he hainig) he von anderer Hand und über dem e ein ausra- diertes o. Th. 423, 12 Ne. Th. 424, 2 Eal. Th. 424, 20, 32 Ic. Th. 425, 2. Gr. XLI, 50 Ic statt tn; der Punkt vorher ist vergessen; Vers und Sinn erfordern jetzt keine Ergänzung. Th. 425, 18 Ic. Th. 425, 35. Gr. XLI, 66 penex; das e ist ausradiert, aber noch erkennbar; der Accent ist nicht ausradiert; war ursprünglich Phönix (fenix) gemeint, was dann der Corrector zu pernex zu ändern gedachte? Th. 426, 3 Nu. Th. 426, 11, 35; 427, 8 Ic. Th. 427, 16 Mara. Th. 427, 22. Gr. XLI, 95 magene. Th. 427, 34 Ac. Th. 428, 8 Mara. Th. 428, 24 Ne. Th. 429, 16 Ic. Th. 429, 19 ]nt. Th. 429, 40. Gr. XLIII, 17. Hinter sindon ein einfacher Punkt; zwischen diesem Räthsel und dem folgenden ist kein Absatz; desgl. nicht zwischen Nr. XLVIII und XLIX. Th. 432, 3 In. Th. 434, 9 Fedad. Th. 438, 18. Gr. LVII, 9 torhtan stod. Th. 440, 12. Gr. LX, 2 gylddenne. ' Klage der Frau Th. 442, 11 Ongunnon. Th. 442, 25 Da, B% domes däge Th. 447, 13 nype. Th. 448, 31. Gr. 62 in clcen- nisse. Th. 450, 15. Gr. 88 fore. Th. 452, 3. Gr. 115 geivcegen. Hymnen und Gebete. Th. 452, 21 Ic. Th. 453, 27 Forgif. Th 454, 28 Nu. Th. 456, 15. Gr. 67 meorda ; zwischen r und d ist ein Buch- stabe ausradiert. Th. 457, 18. Gr. 85 gode. Th. 459, 1. Gr. 110. Nach trfter sind 2 Buchstaben überklebt, ebenso Th. 459, 6. Gr. 112 vor ::nian 2 Buchstaben und Th. 459, 9. Gr. 114 hinter gecio ein Platz für 5 Buch- staben, von denen aber wohl 2 wegen des Zwischenraumes zwischen den Wörtern wegfallen. Th. 459, 10 ä. Th. 459, 13. Gr. 116 zwischen g und bij> fehlen 2 bis 3 Buchstaben: es ist also vielleicht grim zu lesen statt grim ic (Grein). Hüllen fahrt Christi. Th. 459,32. Gr. 7 fondon ist in fundon corrigiert; blidne muss also wohl auf beorge bezogen werden. Th. 460, 31. Gr. 25 mceges; hiernach sind 3 Buchstaben überklebt; sollte sid zu ergänzen sein? Th. 460, 36. Gr. 28 gesohtfe] ::::::e.v monat. Th. 461, 3. Gr. 29 nu :::::::: sceacen. Th. 461,5,6. Gr. 30,31 witod ::::::::::: to ZUM CODEX EXONIENSIS. 335 dcege. Th. 461, 6, 7. Gr. 31, 32 wille ::::: gesecan (nicht secan). Th. 462,20. Gr. 55 bepeahte. Th. 462,22 4&eaofl. Th. 462,36. Gr. 63 wrceccan :::::: :::::: &w£ Th. 468,3. Gr. 64 niäbc: Th. 464, 17. Gr. 88 £e ageaf ::::geogode. Th. 464, 31. Gr. 96 hinter us ist ic ausradiert. Th. 465, 20. Gr. 107 fiec] das c halb ausradiert. Th. 466, 10. Gr. 119 fore : inum cildhade. Th. 466, 14. Gr. 121 die Lücke ist nicht groß genug für ~] forej vom letzten Buchstaben ist noch etwas sichtbar; es kann nur ein n oder r gewesen sein; vielleicht stand for im MS. Th. 466, 16—23. Gr. 122-125 pinre me [ein kleiner runder Buchstabe wie a, o oder c kann folgen, der noch sichtbare Rest läßt kein n zu] ::::: : : : : : : anian nama — lof :::::::::::: [setjlum (er- gänzt von Überresten der betr. Buchstaben) sittan :::::::::::: hond. Pharao. Th. 468, 3. Gr. 2 farones. Th. 468, 11, 13. Gr. 6, 7 hun:::: ::::a. — fornam'.::::::::torape. Hymnen und Gebete. Th. 468, 16. Gr. V, 1. Vor f ender fehlen 10 Buchstaben; ein Restchen vom ersten läßt auf ein ]> , vom letzten auf ein g schliessen; wahrscheinlich ist zu lesen pu eart hälig feeder. Th. 469, 26 An. Th. 470, 12—20. Gr. 15—20 ripiin geong aw: meegect. — gelicade )>a :::::::: in. — on hr :::::: ::::::ssan se wees etc. Räthsel. Th. 470, 24 vgl. Gr. XXXI, 1, 2. Vor ::dre fehlen 17 Bachstaben; der erste derselben war eini«; diese Version hat also wunden statt bevmnden. Th. 471, 2 ::::: biowende. Th. 471, 14. Gr. LXI, 1 sande geändert in son Botschaft des Gemahls. Th. 472, 18—30. Gr. 1—7 Nu ic onsundran pe seegan witte:::: :::: treo cynn ic tudre aweox in mec celÄw ::::::: sceal ellorlondes 8etta[n] sealte streafmasj ful oft ic on hates :::: :::: :::: :::: gesohte /<■/•>• m>c mon dryhten min ::::::: [oferj heahhofu; vorletzte Wort ofer ist ergänzt nach Ueberresten der betr. Buch- staben. Th. 474,5. Gt. 25 ONgin\ Absatz vorher im MS. Th. 474, 13. Gr. 29 Zwischen /"'«< und worulde sind 2 Buchstaben ausradiert. Th. 171. L8 30. genoh hafad feedango:: etwa 17 Buchst.... <-■ /"a bdpu wceron ponne . . . etwa 28 Buchst. . . Ire Pestis cynelic Jung ... 28 — 30 Buchst. . . . Räthsel. Th. 479, 1. Gr. LXII, 1. Oft (nicht of). Th. 479, 15. Gr. LXII, 8 freeiwedne. Th. 479, 25. Gr. LXIII, 4 richtig im MS. ger me. Th. 480, 22. Gr. LXIV feedme [on folmj : : : : : grum pyd tvyrced his wil- lafnj . . . etwa 21 Buchst. . . . fulre pon ic ford — eyme . . . etwa 23 Buchst. ... ne mag ic py mipan . . . etwa 20 Buchst. . . . [sipjpan on leohte . . . etwa 24 Buchst. . . . sioylce eac bid sona . . . etwa 17 Buchst. . . . getaenad hweet me to . . etwa 9 Buchst. . . . leas rinc pa unc geryde toces. Th. 482, 10. Gr. 5 Note nymppe. Das hinter Räthsel VI (Th. p. 483), Grein LXVII in dem MS. nur unvollständig erhaltene Räthsel hat Thorpe stillschweigend ausgelassen. Ich gebe hier den Text desselben mit der Zeilenabtheilung des Ms.: [I]c on pin:: :::: peodcyninges. icrcetlice iciht word || galdra . . . etwa 24 Buchst. . . . Mo symle ded\\ßra gel ... etwa 26 Buchst. ... fwijsdome loundor me Pa::w? ... etwa 28 Buchst enne || mud hafad fet in? [f]? . . . etwa 27 Buchst. . . . || icelan oft sacad ciciped . . . etwa 22 Buchst. . . . weard || leoda lareoic. forpon nu longe . . . etwa 10 Buchst. . . . || ealdre. ece lifgan. missenlice ]>enden. wenn bugad. eor'pan sceatas. ic pect oft geseah. golde gegiericed. peer gn\\>nan druncon. since and seolfre. seege se pe eunne. j| ivisfcestra hxcylc. hwost seo tviht sy. Th. 484, 13. Gr. LXX, 7 sceal ... 9 Buchst. . . . hringum gehyfrsted] [me:] . . . etwa 23 Buchst. . . . dryhtne min . . . etwa 21 Buchst. . . . xclite, letztes Wort in der Zeile; unter demselben steht bete \—j Das zu Ende eines Räthsels oder über- haupt eines Absatzes übliche Zeichen \—t beweist, daß bete noch zu diesem Räthsel gehört und nicht zum folgenden, wie Thorpe vermuthet. "Wie viel von dieser Zeile fehlt lässt sich nicht angeben, da es vielleicht eine kürzere Endzeile war. Th. 484, 14—20. Gr. LXXI, 14 Ic woes . . . etwa 22 Buchst. . . . geaf . . . etwa 32 Buchst. . . . we unc gemeene . . . 19 Buchst. . . . sweostor min fedde mec . . . etwa 11 Buchst. . . . feower teah. Th. 486, 6-20. Gr. LXXII, 8-18 folme by:g :::::lan dcä gif — dorne vi ... 14 Buchst. . . . dan meerpa fremman wyrean w ... etwa 20 Buchst. . . . ec non peode utan w . . . etwa 23 Buchst. . . . pe and to wroht stap . . . etwa 25 Buchst. ...» eorp eaxle gegyrde xeo : . . . etwa 28 ZUM CODEX EXONIENSIS. 337 Buchst. . . and sxoiora — fealwe . . . etwa 18 Buchst. . . . pofl — and mec ::::::: fcegre. Th. 488, 15. Gr. LXXVI, 7 aryped::::[ecj hfw?]::pe si)>}>an iteit unsodene eac: der Rest der Zeile fehlt. Zwischen Räthsel XVI und XVII bei Thorpc p. 488 und LXXVI und LXXVII bei Grein findet sich im MS. folgendes Bruchstück eines andern Räthsels: Ofl icßodas . . , etwa 24 Buchst. . . . as cyn \\ minum and . . . etwa 26 Buchst. . . . yde meto mos . . . etwa 26 Buchst. . . . swa ic him\ . . . etwa 24 Buchst. . . . al ne ait harn gesait\\ . . . etwa 16 Buchst. . . . rote cwealde purh orponc\\ . . . etwa 5 Buchst. . . . y],um bewrigene. Th. 490, 11. Gr. LXXIX, 9 peced:: :::::: :ed and fealled snaw py- relwombne and ic pcet ... 28 oder 29 Buchst. . . . ceajt, mine (also wohl wie Grein liest). Hierauf folgt wieder ein wie gewöhnlich von Thorpe ausgelassenes Bruchstück eines Räthsels im MS.: T?: nd ... etwa 22 Buchst. . . . ofngende greate ] sicilged . . . etwa 24 Buchst. . . . U ne flaisc || fotum g::g der Rest der Zeile fehlt (etwa 36 Buchst.). | sceal mozla gehwa der Rest dieser Endzeile des Räthsels fehlt. Th. 490, 6. Gr. LXXX, 1. fromey . . . etwa 18 Buchst. . . . biden in burgum sippan bceles [toeorc? nur von w? e? o oder a und r sind Reste erhalten]; zwischen bceles und tcera fehlen im Ganzen etwa 10 Buchstaben. Th. 490, 22. Gr. LXXX, 5 fah icara : eordan etc., also wie bei Grein. Th. 491, 12. Gr. LXXX, 10 Ac. Th. 492, 9. Gr. LXXXI, 11 purh . . . etwa 12 Buchst. . . . and pcet hyhste mos ::::\J>es? (nach Überresten)^... fehlen noch etwa 18 Buch- staben in dieser Zeile; von den nächsten Zeilen sind noch folgende Bruchstücke erhalten: dyre crceft . . . etwa 23 Buchst. . . . onne hy äweorp . . . etwa 23 Buchst. . . . pe oenig ]>ara . . . etwa 23 Buchst. . . . :ffoJr ne mceg . . . etwa 27 Buchst. . . . oper cynn eorpan . . . etwa 15 Buchst. . . . fpjon cer wces wlitig w LXXXI, 37 nach mich finden sich folgende lücken- hafte Zeilen im .MS.: ... 13 — 14 Buchst. ... fste] bip stanum bestreped stormvm ... 30 bis 31 Buchst. . . ■ . timhred weaü . . . .".() Buchst. . . . d hrusan hrinep }> . . . etwa 27 Buchst. . . . fnjgt oft aearwufmj etwa 28 Buchst . . . fd de ne feled peak: .. etwa 26 Buchst ... du {ßuf) hreren hrif wun::g QEBMAHU Reue Reihe. VIL (XIX.) Jahrg. 22 33g J. SCHIPPER, ZUM CODEX EXONIENS1S. . . . etwa 21 Buchst. . . . risse hord word onhlid hceflepumfj . . . etwa 15 Buchst. . . . tweoh wordum ge opena hu mislic sy mmgen para . . . etwa zwei oder drei Buchst, können in dieser Zeile nur noch fehlen. Tb. 494, 3. Grein LXXXII. Im MS. findet sich keine Lücke. Th.j 495, 13- Gr. LXXXIV se peak mol . . . etwa 14 Buchst, fehlen an einer vollen Zeile. Die Anfangszeilen des folgenden Räthsels (Th. 495, XXY; Gr. LXXXV) stehen im MS. so; Ic weox pcer ic ... etwa 34 Buchst. . . . and sumor mi . . . etwa 30 Buchst. . . . me icoes min tin . . . etwa 33 Buchst. . . . d ic on stadfolj . . . etwa 28 Buchst. . . . um geong swa . . . etwa 27 Buchst. . . . se iveana oft geond . . . etwa 20 Buchst. . . . [fjgeaf, Ac ic uplong stod ]xcr ic . . . etwa 8 Buchst. . . . and mine bropor etc. — Th. 496, 6.' Gr. LXXXV, 10 Nu (wie bei Grein).STh. 496, 17. Gr. LXXXV, 16 Ac (nicht ac). Th. 497, 13. Gr. LXXXVI, 29 misare (sie!) Th. 498, 11. Gr. LXXXVII, 11 wcelcrceßß] scheint im MS. gestanden zu haben; für wcelcraftum wäre kein Platz. Zwischen Räthsel XXVIII und XXIX bei Th. p. 498 und LXXXVII und LXXXVIII bei Grein stehen im MS. folgende zum Theil unvollständige Zeilen eines andern Räthsels : Ic woes brunra beot. beam on holte, freolic feorhbora. and fohl an wcestmjioym stapol. and, wifes sond. gold on geardum. nu eom gudwigon. hyhtlic hildetümpen. hringe bete ... 27 Buchst, byred oprum ? Buchst. Die nächsten Zeilen gehören dem folgenden Räthsel Th. XXIX; Gr. LXXXVIII an und stehen im MS. so : Frea mifnj . . 27 Buchst. ... de icillum sinü . . . 26 Buchst. . . . heah and fhyhtj ... 20 Buchst. . . . [scejarpne hwilum, ... 22 Buchst . . . [hwjilum sohte frea ... 17 Buchst. . . . as wod {da>grime frod deofpe streamasf] hwilum stealc etc. Th. 499, 19. Gr. LXXXVIII, 18 poette. Th. 499, 22. Gr. LXXXVIII, 19 wuda and iccetre xoomb[ef] befeedme. Th. 499, 25. Gr. LXXXVIII, 21 eo:es? Th. 499, 27. Gr. LXXXVIII, 22 Nu (wie bei Grein). Th. 499, 31. Gr. LXXXVIII, 23 gehlepan : : : : r.ofwombe. Th. 499, 34. Gr. LXXXVIII, 26. Die nach stid hord im MS. befindliche Lücke hat folgende Form: . . . etwa 27 Buchst. . . . n dcegcondel sunne . . . etwa 27 Buchst. . . . eorc eagum wlited: :p ?, Buchst. — Ein anderes Räthsel folgt : Smfijp . . . etwa 27 Buchst. . . . hyrre poü heo[f] . . . etwa 32 Buchst. . . . dre pon sunne . . . etwa 29 Buchst. . . . style, smeare pon sealt ry . . . etwa 20 Buchst. . . . leofre pon jtis leoht eall leohtre pon ? Buchst. . . . Mit der folgenden Zeile beginnt Räthsel XXX (Th.) LXXXIX (Grein), wozu nichts zu bemerken. KÖNIGSBERG i. Pr. 8. Jan. 1874. J. SCHIPPER. \V. GEMOLL, BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG. 339 BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBEL- ÜBERSETZUNG. Und in Sa cli Waz I. Jerusalem were da er in sach von er sprach den der gesundet hau getan herre min herre di liant 10 Und uf daz hus des vater min daz wir din der engel nicht der stat Un do quam der propheta gad Als got in hiez zu dawide gan 15 Einen alter hiez er in (I. sän) Machen nach gotes geböte Diz geschach. do wart von gote Behaben di suche, daz nicht me Geschehe in übel so als e 20 Der kunic davit waz worde alt Von sinen tagen manicvalt Kr wart nicht warm Bwi vil der cleit wurden da uf in geleit. Zu der geschieht sprachen d<> 25 Gremeinlich sine knechte also Wir suln in israhel vil gar Dem kuiii-;'' seh suchen her und dar Eine schone iücwrowe di im Diene und vure in 30 In denn- senoze slafe die Des kuniges. in bub wenrie sie .Man sachte ein sulche mait zu • hat Über alle israhelisch laut. Nu wart in den stunden 35 Eine hiez abisag fanden Di wart deme kunige bracht, Abisag so in quam Des kuniges si h . . . . Si slief bi im in der geschieht 40 Wart er ir doch nicht Wände si reine bi im. . . Binnen des un sich e . . . . Ein des kuniges sun was Der hiez adoniass 45 Der erhub sich unde sprach Ich wil kunic sin. dit geschach. Daz begund er often sagen Un machte im einen wagen Idoch di selben geschieht 50 Strafte an im d' vater nicht Er waz vil schone und zuvorn Der andere nach absalon ge- born. Joab und abiathar Mit adonia Avaren dar 55 Si halfen im Aber der pfaffe sadoch Und ouch bananias Der ioiade sun was Un nathan d' propheta 60 Waren nicht mit adonia Un rei und siraei < Gestunden im nicht bi l'n alle davides starke man Die wolden im nicht bistan. <;."> Nu vugete sich daz zu opfer I zu kamen adonias [waz Als er bestetigen wolde sich Des kuniges Bune gemeinlich Seine brudere lud er da 70 Und di man von iuda Des koniges knechte rief er hin Gerufen bete er nicht zu im 36 Mit eint Zeile. l'L' 340 W. GEMOLL Bananiam unde nathan Und davides starke man 75 Salonion d' bruder sin Waz ouch da nicht gerufen in Binnen des und dit geschach Nathan zu hersabeen sprach Di salomortis muter waz 80 Weisüt dit das adonias Richte* der sun agit? Und unser herre weiz nicht dit Da von so gehöre mir Und nim von mir den rat dir 85 Unde behalt dich da von Un dinen sun salomon. Ganc zu deme kunige hin Da er ist. sprich wider in Nu hastu herre mir diner maget 90 Swerende also gesaget Daz salomon der sun din Nach dir richtende solde si Uii besetzen dinen tuon tron Nach dime tode. und da von 95 Richsent adonias nu? Di wile so daz sprichestu So wil ich kumen i zu dir dort Un volenden dine wort. Do gienc hin in bersabee 100 Zu deme kunige als si e Waz gelart. do sin phlac Und im diente abisag. Do bersabee qua da hin Mit grose neig si gegen im 105 Waz wiltu sprach der kunic zu ir? Si sprach herre nu hastu mir Diner dirne zu vorn Bigote dem herre din gesworn Daz din sun sol salomon 110 Nach dir bezze beseze dinen tron Alsus von dir gesprochen waz Nu richsent adonias opfer sin Bocke und schafe und manic var 115 Des kuniges sune er alle dar Hat geladen abia|thar Der phaffe ist mit | in dar Joab hin ouch do bi ge . . . Dinen sun er nicht ge . . . . 120 Salomonem unt enein Di israhelen vil gemein Nement alle wäre din Mit vlize herre kunic min Daz du machest in bekant 125 Den daz er werde in beuant Der nach dir sule mit witze Dinen tron besetzen. Di wile si dit sprach alda Do quam der propheta 130 Nathan in der selben stunt Daz wart deme kunige kunt Getan alsus. hi ist nathan Man hiez in vor den kunic gan Do er in quam vur in 135 Uii geneig untz an di erde im Do sprach er kunic herre min Sin daz gewesen di wort din Adonias richten sal nach mir Ist daz gesprochen von dir 140 Daz er besitze den tron din Wanderhatbrachdaz opfer sin Hute und ouch geladen dar Des kuniges sune und abiathar Den pfaffen. und ouch ioab 145 Si ezzen vrolich. und dar ab Wirt dogeschrei alsus gegeben Der kunic adonias muze leben Mich dine knecht er nicht bat enhat Geladen an di selbe stat 150 Noch den pfaffen sadoch Da hin ist nicht geladen ioch II. Daz din prophecien War si. so saltu vrien Von vorchte gar herze din Also daz du di wort min 5 Nich wenest werden vollen- bracht Als ir mit rede ist gedacht 126 f. Uet mit witzen herze diu. besitzen. 141 l. bracht. II, 3 l. gar daz BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG. 341 Uf daz du nu di warheit Bevindest als hi ist geseit Hi nach mit dem volke sit 10 So saltu von dirre zit Dem volke zu gemenget sin Vfi swannesi mines swertes pin Entphahen als du hast ver- numen So sal min räche ouch an dich kuiTi 15 Zu den knechte er do sprach Di er bi im da sten sach l'n hiez si grifen an im Uli zuhaut vuren hin Zu einer stat di lac da na 20 Um waz genant bethulia Di knechte ouch daz taten. Do si in bracht haten In di nehe bi di stat Zuhantdi hüte ouch gel im trat 25 Di von der israhelen schar Zu hüte waz geseztet dar. Do si des wurden innen Zu hant ouch si mit sinnen Karten in den ztten 30 An des berges mitten Achior si do bunde An einen boum zu stunden Namen ouch si di kere Unde sumeten do nicht mere. 35 Nu quamen uz der stat hervor Di israhelen zu achior Si losten und vurten in Zu bethulia mit in hin Zu hant vurten si in dar 40 Under di gemeinen schar In vrageten in der mere W'a von daz kamen were Daz er dorte zu stunden Von ienen bleib gebunden. 45 In der selben dar zit da Waz ein wurste hiez oziaa l ml ouch ein ander mit im I >■ r waz geheizen charim I >en und der gemeinen schar Sagete achior vi] gar Wi dort holofernes Gevraget hete un wes Er im do antwurte gab. Un wi di knechte sin dar ab 55 In wolden haben tot geslagen. Do bi so begunde er sagen Wi holofernes zorn var In daruf hieze brengen dar Den israhelen swan er G0 Uberwunde si nach siner ger Daz achior in deme sterben Solde ouch alda vurterben Darüber sagete er. ditgeschach Wand ich alda vor im sprach 65 Daz got himiles got si In helfe den israhelen bi. Do her gesagete dise wort Als si waren gesprochen dort Secht wi daz volc gemeinlich da 70 Vielen uf di erden sa Un betten iren got an. Mit vlize wart gel deme getä Alda von den gemeinen Vil sufzen un weinen. 75 Eintrechteliehe daz volc tet Alsus zu gote sin gebet Mit clagenden geberden Got des himels und der erde Nu sich an ir hochmüedekeit 80 Und unser eilende unde leit Un das wir han Von dem kunige dem stolzen man. Gewer uns herre des wir Biten daz du di getruwen dir 85 Nicht last bliben ander wegen I 'ml daz du di di sieh erwegen Und erheben sich von in Findest Bwa di selben sin. 1 '.. Bus von den gemeinen 90 1 >az gebet und daz weinen den tae aber al Iniehsal Zu achior sprachen si do trösten bi also 17 /. an in 18 / kneehten litt n 46 l. vurste. 342 W. GEMOLL, BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG. 95 Unserer vetere got des wort Un tugent du hast gesprochen dort Der wirt dir daz volbrengen in im iener val machen grozen schal got knechten ein von ir spote in zu eime gote ozias da was ein abent Di pfaffen und in ge . . . . sante von und azen nach daz von Gebaren aber In der kirchen alda an der von der got von ist 100 105 110 115 Des Gegen der stat bethulia. Der vuzgangere waren da 120 Zwenzic un hundert tusent Derritenden waren an der stunt Zwei und z(ehn) tusend ioch Andere da hete er noch gar zu strite Bethulia do Der 125 Secht Gegen In der Zogeten si Un quamen 130 Biz an Daz gegen Di israhelen der Wurden alle vil Si vielen gegen got nider 135 Gemeinlich und da wider Si baten mit einhellekeit Daz got di barmherzekeit Bewiste uf s^n volc alda Un namen ouch 140 Di wapene un hutten sich Swa mochte Da holofernes Wanderte wider des vant 145 sach er eine want an der stete in quam Do hete am so gelanc anc Ouch waren do noch Ire von der holn verstoln 150 Die vorstehenden beiden Fragmente sind in einer Pergainenths. enthalten, die sich im Besitz des Hrn. Pastors Obenaus im Ki-eise Pyritz i. P. befindet und dem Verf. zur Einsicht und Benutzung freundlichst überlassen war; ich habe hier eine möglichst treue Wiedergabe der- selben geliefert. Die Schrift der Hs. ist sehr sorgfältig und zierlich, die größeren Initialen beim Beginn eines neuen Absatzes wie Binnen des und .... Der kunic Davit waz worde alt ... . sauber ausgeführt. Das Pergamentdoppelblatt diente als Deckel eines lateinischen Com- pendiums aller nur denkbaren Wissenschaften von der Metaphysik bis zur Gartencultur herab und hat durch Staub und Schmutz außen sehr gelitten. Die Schrift gehört dem 14. Jahrhundert an. Ersichtlich ist aber die Handschrift eine nicht selten fehlerhafte Copie eines älteren Ori- 120 l. tusunt. ALOIS KNÖPFLER, DIE STADT WIEN IM NIBELUNGENLIED. 343 gihals, das nach Reimen und Versbau zu urtheilen dem 13. Jahrh. an- gehört. Die Sprache der Handschrift ist mitteldeutsch, und auch das Original ist in Mitteldeutschland entstanden. Daraufweist die Dativ- form' deine 1. 36, I. 131, die Keime ztuoorn (: geborn) I, 81, (: gesworn) I, 307, dar (- da) : Abiatkar 1, 53, dit : (Agit) I, 81, enkät (: etat) 148, ,id (-- nähe) : Betkuliä II, 19, geberden : erden II, 78, das Wort trueb- sal II, 92. Die Behandlung des alttestamentlichen Stoffes schließt sich genau dem biblischen Texte an, 1 hebt mit '2. Samuel 24, 17 an und geht bis 1. Kon. 1, 26; II reicht von Judith 6, 4 — 7, 10. Viel treuer als die Weltchroniken thun gibl diese Dichtung die betreffenden Stücke wieder, daß man sie eher als eine gereimte Übersetzung der Bibel denn als eine Weltchronik wird bezeichnen dürfen. WOHLAU i. Schi. 10. April 1874. W. GEMOLL. DIE STADT WIEN IM NIBELUNGENLIED. Die Stadt Wien im Nibelungenlied war von jeher eine crux inter- pretum. Für die Anhänger der Liedertheorie war die Sache zwar ziem- lich einfach. Ist unser Nationalepos nichts anderes, als eine Zusammen- stoppelung einer bestimmten Anzahl Lieder mit Zusätzen, Verbesserungen u. s. w., so ist eben Strophe 1102 auch solch ein, später hinzugekommener Anwuchs. Anders aber musste die Sache vom Standpunkt der Einheits- theorie aus angesehen werden. Allein Herr Prof. Iloltzmann, der Be- gründer derselben, gerieth mit unserer Kaiserstadt gleichfalls in große Verlegenheit und sah sich genöthigt, hier zu Interpolationen seine Zu- flucht zu nehmen. Solche Concession von Seite der Einheitstheorie, snüber der Lachmannischen Schule, ist aber wohl nicht nothwendig. Erstlich möchte hier gezeigt werden, daß Strophe 1102 keines- wegs bo störend und sinnverwirrend ist, wie Lachmann zu erweisen sucht*), zu welcher Erörterung auch Holtzmann seine Zustimmung gegeben.**). Nur dar! biebei natürlich uicht von der Lesart in A aus- tngen werden, welche, wie überall, so auch hier allerdings Wider- sprüche zeigt. Str. 1092 verspricht Etzel Rüdegeren für ihn und sein Gefolge „v<»n kleidern unl von roflsen" Boviel er wünsche, wenn er *) Anmerkungen zu Str. 1102. i uterouchungcn B. l -7. 344 ALOIS KNÖPFLER für ihn die Brautwerbung unternehme. Rüdeger lehnt dieß jedoch ent- schieden ab. „Mit min selbes guote wil ich din böte gerne wesen", erwidert er 1093. Hiemit gibt sich Etzel denn auch zufrieden und fragt, wann er die Fahrt antreten wolle 1094. Der Markgraf gibt hier- auf zur Antwort, daß er nicht eher abreisen könne, als bis Waffen und Gewand, Schilde und Sättel für sein ganzes Gefolge, das aus 500 Mann bestehen soll, bereitet seien 1095. Wer immer in fremden Landen seine Schar sehen wird, soll gestehen, daß nie ein König solch statt- liche Brautwerbung abgesendet 109G. Erst in 24 Tagen wird es daher möglich sein die Fahrt anzutreten 1099. Unterdessen sendet Rüdeger Boten zu Götelind nach Bechelaren und lässt ihr sagen, daß er für seinen Herrn eine Brautwerbung unternehmen müsse, ohne jedoch die Auserkorene schon zu nennen. In Wien lässt sich Rüdeger die Aus- rüstung, deren er zur Fahrt bedarf, bereiten, da er ja Etzels Aner- bieten abgelehnt. Nach 24 Tagen scheidet er aus Hunnenland, während schon Gattin und Tochter zu Bechelaren seiner harren, und findet zu Wien Waffen und Gewand für ihn und sein Gefolge nach Wunsch be- reitet. Diese werden auf Saumthieren nach Bechelaren gebracht 1104. Daselbst angekommen wird Rüdeger mit seinem Gefolge von der blü- henden Tochter bewillkommt, worauf Herberge genommen wird. Des Nachts fragt Götelind ihren Gemahl, wohin ihn der König auf die Brautwerbung gesendet. Jetzt erst eröffnet er ihr, daß er Chriemhilde freien müsse und verlangt zugleich, daß sie seine Recken auf die Reise von ihrem Gute beschenke; „so hei de varent riche, so sint si vroelich gemuot" 1111, 4. Götelind verspricht dieß und es werden nun feine Seidenstoffe in Menge aus den Kammern getragen und die Recken damit reichlich ausgestattet. Am siebenten Morgen sodann bricht Rüdeger von Bechelaren gen Worms auf 1114. Warum Rüdeger „sehr übel gethan hätte, sich fünf Tage zu Bechelaren aufzuhalten", wie Lachmann meint*), ist nicht recht einzusehen. Hier in seiner Residenz sollte die Ausrüstung vollendet und das Mangelnde vollends ergänzt werden. Auch verstärkt er sein Gefolge noch durch die besten und zu diesem Zuge tauglichsten Männer 1113, 4. Daß überhaupt Rüdeger so große Eile**) gehabt auf seiner Reise, ist nirgends auch nur leise an- ■utet. So wird also durch Strophe 1102 nicht die geringste Ver- wirrung verursacht, vielmehr erscheint die Erwähnung einer Stadt, in iiüdegcr sich seine Ausrüstung bereiten ließ, als ganz natürlich, *) A. a. O. S. 145. **) A. a. O. S. 146. DIE STAUT WIEN IM NIBELUNGENLIED. 345 ja geradezu nothwendig. Wie es nun kam, daß Wien als diese Stadt genannt wird und daß Wien sogar schon „am Ende des 10. Jahrhun- derts als eine reiche Handelsstadt geschildert werden konnte*), das möchte in Folgendem gezeigt werden. Wir wissen daß der hl. Severin um die Mitte des 5. Jahrhunderts in der Donaugegend zwischen Passau und Wien als Missionär thätig war. Hier hatte er mehrere Klöster errichtet, das Hauptkloster aber befand sich iD der Nähe der großen römischen Donaustadt Favianae, wo er auch 482 starb'*). Das Ansehen dieses Mönchs in jenen Gegenden war ein wunderbares. Heiden und Christen, Römer und Barbaren hörten auf seine warnende Stimme und schreckten vor seinen Drohungen zu- rück. Vielen Gefangenen erbat er die Freiheit zurück, heilte Kranke» ja in allen Nöthen hoffte man von Severin Hilfe***). Zu wiederholten- malen verhalf er auch der dortigen Bevölkerung zu glänzendem Sieg über die andringenden Feinde. Nur seinem Einfluß war es zu ver- danken, daß sich die römische Besatzung noch halten konnte und schon wenige Jahre nach seinem Tode musste die ganze Bevölkerung von Odoaker abgerufen werden. Sämmtliche Römerstädte wurden dar- auf von den einstürmenden Feinden erobert, geplündert, zerstört und verschwanden für immer vom Erdboden. Jenem Rufe Odoakers folgten auch die Mönche und Schüler des hl. Severin und zogen nach Italien, den Leichnam ihres Meisters mit sich führend. In Neapel fanden sie ein Asyl in einem Kloster. Lucullanum, dessen Abt Eugippius verfasste auf die Aufforderung eines Laien eine Lebensbeschreibung seines Meisters. Er sandte diese sodann an den Diacon Paschalius zu dem Zweck, sie in ein wissenschaftlicheres Gewand zu kleiden. Paschalius ließ sie jedoch ohne alle Änderung, und so wurde sie in ihrer ur- sprünglichen Fassung verbreitet. Zunächst fand sie eine größere Ver- breitung nur in Italien, namentlich in < >beritalien. Im achten .Jahrhundert benutzt sie bereits Paulus Diakonus. Im 9. Jahrhundert gelangte sie ' 1 1'. ltzin.ii. ii a. a. <>. S. 127 sagt nämlich: „Der Piehter nennt nur Bolche Orte, die zum Bisthum Pilgrima gehörten and die schon zur Zi-it Pilgrims genannt werden. Nur Wien konnte nicht wohl von Konrad am Ende des 10. Jahrhunderts wie •r geschieht, als ein" reiche Handelsstadt geschildert werden. Es ist al>er Bchon Ingsl bemerkt worden, daß die Nennung Wiens in den Nibelungen schwerlich vom ursprünglichen Dichter, Bondern wahrscheinlich von dem Erneuerer um 1200 herrührt". **) Cfr. Bolland I 483 Nam in Norico i | » -• < ^ Bive Auslria mortuus est (sc. Seve- rinusj non Astmi Ben potiue Astai juxtn Favianas Bive Viennani. ***; Cfr. Bolland I 486 Bodem tempore civitatem nomine Favianis saeva fames oppreperat, hujus habitatores unicum aibi remedium affore, si ex < >i>pi Bupradicto ("maginib homiiiem dei religiosis preeibufi invitarent 346 E. WILKEN auch auf den Schauplatz von Severins ehemaliger Thätigkeit. Im Jahre 903 erwarb die Passauer Kirche eine Handschrift dieser Lebensbe- schreibung von dem Chorbischof Madalwin*). Diese Handschrift erregte in jenen Gegenden großes Aufsehen wegen der in ihr vorkommenden Erwähnung einer großen alten Römer- stadt Favianae, von der man nirgends eine Spur entdecken konnte. Da jedoch bei Wien alte Römersteine aufgegraben wurden, zweifelte man nicht, Favianae gefunden zu haben ; eine Ansicht, welche sich bis in die neuesten Zeiten erhalten hat und sich bei allen Schriftstellern wiederfindet**). Galt nun Anfangs des 10. Jahrhunderts bis herauf in unsere Tage Wien allgemein für die große alte römische Donaustadt Favianae, sollte es wohl etwas auffallendes haben, wenn in der Grund- lage unsers Liedes, die Ende des 10. Jahrhunderts aufgezeichnet wurde, Wien an Stelle des alten Favianae als große Handelsstadt erscheint? Damit wäre dann auch zugleich der Anachronismus beseitigt, wenn Etzel in Wien seine Hochzeit feiert und sein Vasall Rüdeger von dort seine Ausrüstung holt. Stand Wien aber einmal in der ersten Auf- zeichnung der Grundlage unseres Liedes, so wird es wohl auch von dem eigentlichen Dichter beibehalten worden sein, zumal da ja auch zu seiner Zeit die Ansicht noch Geltung hatte, Wien sei das alte Fa- vianae. So dürfte also die Nennung Wiens im Nibelungenlied wohl vom ursprünglichen Dichter herrühren. KNÖFFLER. MHD. IENER, NIENER, NIUWÄN, NIUWENE UND NIENE. Ein in meinen Besitz gelangtes, von G. F. Benecke beschriebenes Blättchen enthält u. A. eine Vergleichimg von mhd. wiener mit engl. never, indem Ben. aus Diut. III, 43 die Wendung: „?z ne sl wiener so tief" und eine, ähnliche mit nnie söu zusammenstellt mit den englischen Wendungen: „so deep as ever, (oder) as neveru. Grimm, der die Rück- seite des Blättchens benutzt hat, weist eine Vergleichung von niener mit engl, never zurück und fährt fort: „Ich weiß über niener und neuer *) Mon. Boic. XXVIII, 2, 201. **) Cfr. oben Bolland I 483justa Favianas sivo Viennam u. Wattenbach Deutsch- lands Gesehiehtsqucllen 8. 34. MHD. IENER, NIENER, NIUWAN, NIUWENE UND NIENE, 347 noch nichts Anderes als das (Gramm.) III, 221 und 225 Gesagte, ob- gleich damit das Käthsel noch nicht gelöst ist". — Man ersieht hieraus, daß Grimm an der landläufig gewordenen Erklärung von niener als nw-in-eru denn doch selbst gezweifelt hat. Dagegen scheint zu sprechen einmal das seltene Vorkommen von era*) schon im Alth., ferner die etymologische Beziehung dieses Wortes auf das Ackerland, die Erdflur, sowie der Umstand, daß iener, niener im Alth. und Mhd. häufig genug auch nicht local **) gebraucht werden. Letztere beiden Einwürfe ließen sich allenfalls durch Annahme einer allmählichen Übertragung erklären. Nicht zu übersehen ist aber, daß, wie schon Graff besonders her- vorhob, im ahd. Boethius und auch sonst das Wort ioner, resp. nvoner geschrieben ist, und außerdem sind die Nebenformen ionar (bei Graff, a. a. O.), ienar und iena (d. h. ienä?) bei Lexer doch auch zu be- achten. Darnach versuchte Graff, dem auch die ursprünglich locale Bedeutung zweifelhaft schien, ioner als io in er, entsprechend ags. eon- nUre = eo in nitre zu erklären. Aber ein ahd. Subst. er = ags. aldor, ealdor Aveist uns weder Graff noch wohl sonst jemand nach ; es scheint also, wenn man Grimms Erklärung verlässt, kaum etwas anderes übrig zu bleiben, als iener = io in järe, niener = nio in järe zu erklären, wodurch also zunächst die in io, nio liegende temporale Bestimmung nur genauer speciriciert und insofern verstärkt würde. Eine solche Formel ie in järe könnte sogar allitterierend aufgefasst sein, da das Altnordische, ohne sonst anlautendes j zu verschmähen, bekanntlich är = ahd. jär, got. jer bietet. — Wie also bisher schon hiwre, liinru = häi Jim erklärt ist, so könnte ioner, iener (der Nebenformen iender, indert u. A. zu geschweigen) zunächst aus ionär, u ner — welche Formen bezeugt sind — und dann aus io in järe (oderjwi järu) zwar nicht mit Sicherheit, aber ohne allzuviel Kühnheit erklärt werden. Aus der temporalen wftrde zunächst die modale, und aus dieser unter Umständen auch die locale Bedeutung sieh ergeben. Der Umstand, daß die eigent- lich localen Adverbien iergen, niergen (um die mhd. Formen zu setzen» auf hochd. Gebiet sich ersl Bpäl ganz einzubürgern vermochten, konnten \ eranlassung Bein, in jenen früheren Zeiten die eigentlich temporalen •) Gewöhnlich > m angesetzt, doch vgl. Ztschr. für d. Phil. ZV, 814. **> Vgl. Grafl [,618 (niener anaj, das Wb. zum [wein s. v. niender, mhd. Wb. I 746, 'i, b, Lexer s. w. iener u. niener, Ben. zu [w. 6188 u. W. — An manchen Stellen ist es tibrigens zweifelhaft , ob locale oder )>l"ii modale Bedeutung vorliegt, und letztere könnte sieb ebenso gul auch aus einei • (wickelt haben zumal nio, nie selbst ja ursprünglich temporal 348 E- WILKEN, MHD. IEXER ,NIENER, NIUWAN, NIUWENE UND NIENE. Adverbien i&iier, niener häufiger in modalem und localem Sinne zu verwenden, da man für eigentliche Zeitbestimmung ie und nie, iemer und niemer zu gebrauchen pflegte. Neben dem gewöhnlichen, vielleicht aus niht wan, vielleicht anders zu erklärenden niuwan (vergl. Lachm. zu Nib. 2081, 2; mhd. Wb. III, 489) gab es in der alten Sprache eine andere temporale Partikel niuwene (mhd. Wb. III 492"), die im Ahd. in nie hwanne = nunquam, iu hicanne aliquando, olim und ähnlichen Bildungen auftritt (s. G raff IV, 1204). Wenn Lachmann zu Iw. 2148 dieß niuwene = niene setzt, so hat er zunächst wohl mehr die Bedeutung im Auge, aber es kann recht wohl niene in allen den Fällen, wo es nicht etwa aus nie-\-ne entstanden ist, aus jenem älteren niuwene entstanden sein, wogegen auch die Schreibung nihne, die Benecke im Glossar zum Iw. S. 295 in der Weise anführt, als ob sie für die Etymologie niene = niht ne spräche , nicht ent- scheidet. Denn nihne mag aus ni-hwene, und ebenso nihwan (= niuwan Diut. III, 460 nach Ben.) aus ni-hwan entstanden sein. Niuwan könnte darnach einfach als ni-hwan seil, wärt aufgefasst werden, und würde dem ins Nhd. „nur" übergegangenen ni wdri ganz nahe stehen, woran auch der stets umsichtige E. Gr. Graff (I, 857 oben) schon gedacht zu haben scheint. — Nehmen wir also nicht etymologische Scheidung, sondern nur praktische Unterscheidung von niuwene = niene, niuwan = engl, but (in vielen Fällen) an*), und fassen das ausschließende wan als eine wenn nicht Apocope aus niuwan, doch als eine elliptische Redeweise auf, welche die Negation unausgedrückt lässt, so werden wir auch die Möglichkeit, daß beide Bildungen sich gelegentlich etwas verwirrt haben, nicht bestreiten. Im Gregor v. 338 ist niwan sehr passend dem alten niuwene gleichzusetzen: „daß war nun (in der Tiefe des Schmerzes) ihre beste Freude, daß sie nicht aufhörte zu weinen, daß sie aus vollem Herzen weinen konnte". So findet im ersten Gudrun- lied der Edda die Unglückliche erst beim Anblick der Leiche Sigurds Thränen und damit menschliches Gefühl wieder, und an Goethes Wort im Faust: „Die Thräne quillt, die Erde hat mich wieder" brauche ich wohl kaum zu erinnern. E. WILKEN. *) Womit icli die mögliche Richtigkeit der Etymologie niene = niht ne, niu- wan = niht >ran für einige Fälle nicht will geläugnet haben. IG. ZINGERLE, NÖNE. - KÖHLER u. ZINGERLE, NACHTRÄGE. 349 NÖNE. Fr. Pfeiffer machte zu den Waltherschen Versen: s'ist vor und nach der none vil fül und ist der wibel vol die Anmerkung: „none der Himmelfahrtstag, so genannt von der neunten Stunde (drei Uhr Nachmittags), in welcher Christus gen Himmel ge- fahren sein soll, daher auch heute noch diese Stunde durch eine feier- liche Messe besungen wird." Abgesehen davon, daß Nachmittags nie eine Messe gelesen wird, scheint mir die Bemerkung nicht ganz treffend. Der Himmelfahrtstag heißt wohl deßhalb None, weil die None an diesem Feste um drei Uhr Nachmittags feierlichst gesungen und auch mit der Darstellung der Himmelfahrt Christi begleitet wurde, wie letz- teres noch in vielen Dorfkirchen Tirols und anderwärts geschieht. Vgl. Leoprechting aus dem Lechrain 178, Birlinger, Volkstümliches aus Schwaben I, 93, Wolf, Zeitschrift für d. Myth. II, 102, Tirol. Sitten S. 155, 156. Eine Beschreibung der None an diesem Feste gibt eine Kirchenordnung zu Meran vom Jahre 1559, die Cölestin Stampfer in seiner Chronik von Meran (Innsbruck 1867) S. 220 und ich in den Sitten des Tiroler Volkes II. Aufl. S. 156 mittheilte. IG. ZINGERLE. NACHTRÄGE ZU LEMCKES JAHRBUCH VI, 350. 1. Von der bekannten Philippine Welser (f 1580), der Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand, heißt es im Zedler'schen Universal-Lexicon, Bd. LIV (Leipzig und Balle 1747. Sp. L618: 'sie hatte ein»; bo zarte Kehle, daß man ihr den rothen Wein Bähe hinunter laufen, wenn sie trank. 2. In Wirtemberg wurde, wie einem altern Freunde von mir Beine ßmutter erzähll hat, von der ersten Gemahlin des Herzogs Karl, Elisabeth Friederike Sophia von Brandenburg Baireuth vermähll im J. 1748 sie habe einen bo weißen and zarten Hals gehabt, daß man den Burgunder, wenn Bie trank, habe durchscheinen sehen. 3. In eiiirin Gedichte 'The Lied'- Marie9 des schottischen Dichters Allan Cunningham _!.. 1784 1842) lautet eine Strophe: 350 F. LATENDORF, ZU LAUREMBERGS SCHERZGEDICHTEN. Fu' white, white was her taper neck, Twist wi' the satin twine, But ruddie, ruddie grew her hawse, While she supp'd the blude-red wine. 4. In einem kirgisischen Gesang bei W. Radioff, Proben der Volks- Jitteratur der türkischen Stämme Süd-Sibiriens III, 226, heißt es bei der Beschreibung einer Schönen : Durch ihre Kehle ist die genossene Speise zu sehen. 5. Wie sie (die Zarin Helene) schön ist! Man sieht bei ihr, wie das Mark aus einem Knochen in den andern fließt. Anton Dietrich, Russische Volksmärchen, S. 35. 6. Durch das Fleisch hindurch waren die Knochen sichtbar; durch die Knochen hindurch war das Mark sichtbar. Das Innere der Wohnung; wurde erleuchtet von ihrer Schönheit. Altaisches Märchen bei Radioff a. a. O. I, 11. R. KÖHLER. Allgemein erzählt das Tiroler Volk, daß Philippine Welser so schön und zart gewesen sei, daß man den rothen Wein durch ihren Hals fließen sah, wenn sie solchen trank. G. Seidl singt von ihr: „Hatf einen Hals wie Schnee so rein, Man sah's, wenn durch die Adern Ihm floß der rothe Wein" Tirol. (Innsbruck 1852) S. 117. Dieser Zug kommt auch in einem Odenwälder Märchen vor. Das Märchen: „Die getreue Frau", beginnt: „Ein König hatte eine Tochter, die war überaus schön und klar und hatte eine gar feine und zarte Haut; wenn sie rothen Wein trank, konnte man sehen, wie er ihr durch den Hals herunter lief". J. W. Wolf, Deutsche Hausmärchen S. 98. In der Krone 20b liest man: „Camille mit der wizen kein, diu daz niht moht vernein, wan sach den wm durch die kel." Conrad von Würzburg sagt: „ir kel unmäzen liehtgevar gäp so lüterlichen schin, daz man da durch den klären wm sach liuhten, swenne si getranc." Partenopier 8692. IG. ZINGERLE. E. KÖLBING, ZU GUDRUNARKVIDHA II. $5J ZU LAUREMBERGS SCHERZGEDICHTEN. IV. 5G9. 70. se (sc. die hochd. Sprache) is so lappisch und so ver- brüdisch, das men schier nicht weet, of it welsch is edder düdisch. Lappenberg im Glossar: verbrüdisch adj. verdorben, verhudelt. Dagegen ist zu erinnern, daß die Formation auf isch active Kraft hat, das Verb, brüden — necken, täuschen; also verbrüdisch einfach = neckisch, irreführend. Dazu stimmt auch der Gedanke des Consecutivsatzes. II 481 wer it man so de schick, und einer men begünd to parfumeren sik mit fruwenbehoin, mit junfernbdellion , man würde finden genoech, de it na würden dohn. Lappenb. in den Anm. jungfernbdellion, ein wohlriechendes Harz, welches an Gestalt und Geruch der Myrthe ähnlich ist. — Eis ist möglich, daß eine besondere Art ßdiXXiov mit dem Beiwort jungfernbd. als das Non plus ultra von Wohlgeruch bezeichnet werden kann, ich bezweifle es, da ich wohl von Jungfernhonig, noch nie von Jungfern- harz gehört habe; aber sicher ist es auffallend, daß L. mit keiner Silbe auf den argen Doppelsinn hindeutet. Lauremberg meint einfach: Wie mau die Excremente eines Thieres, den Bisam ohne Ekel als Schön- heitsmittel verwende, so könnten auch — salva venia — menschliche Excremente als Parfümerien dienen. Der schlagendste Beweis für die Richtigkeit dieser Erklärung liegt in dem danebenstehenden fruwen- oin, sodann in v. 458 was der schönen fruw im hembde blift be- kleven und v. 491 holla, holla, nu springt de feder alto wit ff. Behoin fehlt bei Schiller- Lübben. — Laur. ist eben bei allem Humor und histor. Werthe doch ohne griechische Grazie; er gibt keine reine Be- friedigung SCHWERIN, 8. Aug. 1871. F. LATENDORF. ZU GUDRUNARKVIDHA IT. Sammtliche Herausgeber der Edda, auch Ettmüller (Beiträge zur Kritik der Eddalieder, Germ. XIX, S. 9) behalten Gudr. II v. V (Bu die Lesart der Handschriften bei: Qrani rann ai /"'».'/'" Nur .1. Zupitza 352 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. (Ztschr. f. d. Phil. IV S. 448) machte mit Recht darauf aufmerksam, daß dieselbe keinen befriedigenden Sinn gibt. „Das natürlichste ist doch anzunehmen, daß das Pferd, nachdem sein Herr ermordet, und da sein Sattel leer und es sich selbst überlassen ist, nach Hause läuft. Ich vermuthe daher, daß für at pingi zu lesen sei at gardi oder etwas synonymes". Vielleicht lässt sich noch einfacher bessern. In der Prosa zu „Brot af Sigurdarkvidu" (Bugge S. 241) heißt es: . ... ok svd segir i Gudrünarkvidu inni fornu, at Sigurctr ok Gjüka synir hefdi til pings ridit, pd er hann var drepinn. Hier muß doch offenbar von einem wirk- lichen ping, einer Gerichtsversammlung die Rede sein, nicht von der Zusammenkunft der Jäger nach Vollendung der Jagd. Und selbst wenn das letztere gemeint wäre, so würde der von Zupitza verlangte Sinn gewonnen, wenn wir an unserer Stelle für at pingi lesen: af pingi. Daß Grani nach Hause läuft, versteht sich von selbst. BRESLAU, Juli 1874. E. KÖLBING. LITTERATUR. Dr. Hermann Fischer, die Forschungen über das Nibelungenlied seit Karl Lachmann. Eine gekrönte Preisschrift. Leipzig 1874. F. C. W. Vogel. IV, 272 S. 8. Dr. Karl Vollmöller, Kürenberg und die Nibelungen. Eine gekrönte Preisschrift. Nebst einem Anhang: Der von Kürnberc. Herausgegeben von Karl Sim- rock. Stuttgart, Meyer und Zeller. 1874. 48 S. 8. Beide Schriften verdanken ihre Entstehung der im J. 1871 von der Tübinger philosophischen Facultät gestellten Preisaufgabe: „Die neuesten Theo- rien über Entstehung und Verfasser des Nibelungenliedes sollen dargestellt und kritisch beleuchtet werden": gewiß eine zeitgemäße Aufgabe, wenn man erwägt wie immer schwieriger es für denjenigen wird, der nicht mitten in den Nibelungenstudien steht, sich in der Litteratur zurecht zu finden. Von beiden Schriften behandelt nur die von Fischer die Aufgabe in ihrem ganzen Umfange, während die zweite nur einen einzelnen Punkt, nämlich die Autorschaft de« Kürenbergers, bespricht. Fischers Buch zerfällt in zwei Theile, deren erster die Entstehung des NL., der zweite die Frage nach dem Verfasser zum Gegen- stande hat. Jener beginnt mit der Handschriftenfrage, mit einer Darlegung der vorhandenen Theorien, ruhig referierend, zum Theil mit den Worten der be- treffenden Autoren , mit unter den Text gesetzten Anmerkungen. So werden die Ansichten von Lachmann, Holtzmann, Zarncke u. s. w. bis auf die von mir aufgestellte durchgegangen und dann kritisch beleuchtet. Fischers Resultate LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. 353 stimmen mit den meinigen überein, nur darin weicht er von mir ab, daß er das gemeinsame Original der beiden uns erhaltenen Textgestalten in die Zeit um 1170 setzt, während ich es schon um 1140 verfasst und um 1170 zum ersten Male umgearbeitet glaube. Meine Annahme einer zweifachen Umarbeitungs- stufe, der einen um 1170, der andern um 1190 — 1200, stützte sich darauf, daß die freiesten der in den Nibeluugentcxten stehen gebliebenen Assonanzen sich nicht später als um die Mitte des 12. Jahrhs. nachweisen lassen. Aber auch wenn sie, was ich nicht glaube, in späterer Zeit noch vorkämen, so würde neben ihnen immer auffallend bleiben die überwiegend große Zahl von Reimen, die in beiden Bearbeitungen (B und C) stimmen, mithin der gemeinsamen Vor- lage angehören. Ein Dichter, der sich Reime wie Hagene : menege und ähnliche erlaubte, wird überhaupt kein für Reimgenauigkeit sehr empfängliches Ohr be- sessen, mithin überwiegend noch in Assonanzen gedichtet haben. Etwas anderes ist es dagegen, wenn ein im Übrigen schon strenger reimender Bearbeiter manches stehen ließ, was erst die Bearbeiter au der Scheide des 12/13. Jhs., und selbst diese nicht consccpient, entfernten. Auch kann ich nicht leugnen, daß ich in manchen Partien des NL. eine Stütze meiner Annahme einer Mittel- stufe finde. Die Strophen des Eingangs 6 — 12, die durch ihren nichtssagenden Inhalt Anstoß erregen und mir des Dichters nicht würdig scheinen, betrachte ich als Interpolation des ersten Umarbeiters, und finde eine Bestätigung darin, daß hier, was sonst kaum vorkommt, in sieben Strophen nacheinander achte Halbzeilen mit ausgefüllten Senkungen begegnen. Ich kann mir nicht denken, daß derselbe Dichter, den ja auch Fischer als den Dichter der NL. in seiner ursprünglichen Gestalt ansieht, die schönen seinen Namen tragenden lyrischen Strophen und daneben, wie man doch annehmen müsste, in seinen besten Mannesjahren in seinem großen epischen Gedichte so gehaltlose Strophen ver- fasst haben sollte. Also nicht die Assonanzen allein, sondern mehr noch die innere Beschaffenheit des Liedes, wie es den beiden uns erhaltenen Bearbeitungen vorlag, veranlasst mich auch jetzt meine frühere Ansicht zu vertheidigen. — Der zweite Abschnitt des ersten Theiles beschäftigt sich mit der Nibelungen- sage; es werden hier die historischen und mythischen Deutungen in gleicher Weise erst dargelegt, dann kritisch beurtheilt. Ein dritter Abschnitt behandelt die historischen Verhältnisse und Vorläufer des NL., und hier am ausführlichsten die Klage und die in ihr enthaltene Nachricht von einer Aufzeichnung der Nibelungensage im 10. Jahrb. Die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht zieht F. mit Recht nicht in Frage? daß es eine lateinische Aufzeichnung war, ist un- zweifelhaft, weniger sicher, ob eine poetische, aber immer wahrscheinlicher als eine in Prosa. Im /.weiten Theile der Schrift, welcher die Frage nach dem Verfasser erörtert, gelangt F., nachdem er die Bedenken gegen (He Liedertheorie und deren Durchführung besprochen, zu der zuerst von Pfeiffer aufgestellten und dann von mir weiter geführten Ansicht, daß das Nibelungenlied in seiner ursprünglichen Gestalt vom Kürenberger verfasst sei. und tritt dieser Ansicht l"i, nur daß er die AI NL. nicht um 11 10 — 1150) Sündern etwa -" 30 Jahre pätei etzt. Da Buch wird bei seiner Leidenschaftslosen Haltung nicht M einen günstigen Eindruck zu machen und wird gewiß Vielen d Führer in dem Labyrinthe streitender Meinungen willkommen sein. ::■■. VII. (MX. Jahrg ) 23 354 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. Zu wesentlich anderen Resultaten gelangt in der einen Frage, die seine Schrift allein behandelt, Vollmöller*). Nach ihm entbehrt die von Pfeiffer aufgestellte Ansicht der Begründung und sein Büchlein ist ein Versuch dieselbe zu entkräften und zu widerlegen. Allein wenn er Pfeiffer gegenüber auf die Frage, ob das NL. in der Gestalt, wie wir es besitzen, Umarbeitung eines älteren Gedichtes sei, nicht einzugehen brauchte, so lag die Sache ganz anders gegenüber meinen Untersuchungen. Denn in diesen ist die ganze Kürenberg- hypothese basiert auf die Ansicht einer älteren Textgestaltung und empfängt aus ihr hauptsächlich ihre Begründung. Vollmöller ist also im Unrecht, wenn er S. 43 sich der Notwendigkeit, auf die Frage der Umarbeitung einzugehen, überhoben glaubt; denn auch wenn das Eigenthumsrecht an einer Strophe für das 12. Jahrh. nicht erwiesen werden kann, so werden damit die aus meiner Ansicht sich ergebenden Wahrscheinlichkeitsgründe keineswegs hinfällig. Ein lyrischer Dichter aus Osterreich, ein epischer, der in denselben Gegenden die genaueste Ortskenntniss zeigt; beide aus derselben Zeit (denn daß die Original- gestalt des NL. nicht der Zeit des Kürenbergers angehört, musste V. durch Widerlegung meiner Untersuchungen beweisen) ; beide in derselben Strophenform dichtend; beide im metrischen Gebrauche der Strophe durchaus stimmend; beide vielfach in eigenthümlichen Ausdrücken sich berührend — gewiß, das sind keine mathematischen Beweise (und wie viele solche haben wir überhaupt in unserer altd. Litteratur !), aber von einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit darf da doch wohl gesprochen werden. Der Widerlegung des letzten Punktes hat V. die Hälfte seiner Schrift gewidmet, und er hat mit großem Fleiße Belege gesammelt, um zu zeigen, daß die Übereinstimmung in Ausdrücken sich ebenso bei andern Schriftstellern findet. Allein er hätte scheiden sollen zwischen dem, was in diesen Übereinstimmungen an sich gar nicht beweisende Kraft hat, sondern dieselbe erst empfängt durch das, was wirklich eigenthümlich ist. Jene Kategorie durch Häufung von Beispielen aus anderen Gedichten zu widerlegen war ganz überflüssig. Es kann sich also nur darum handeln, ob die Belege der zweiten Art durch V's Sammlerfleiß entkräftet sind. Dieser Art sind Kürenb. 8, 21 so erblüejet sich min varwe = Nib. 239, 4 do erblüete ir liehtiu varive. V. hat eine Parallelstelle aus Wolframs Titurel (109, 4 B) beigebracht: Sigünen glänz sol dine varwe erbliien, also gerade aus Wolfram, der erwiesenermaßen das NL. in dem Texte C gekannt hat. Denn die Stelle aus dem Passional liegt ferner ab, nicht darum handelt es sich das Verbum erblüejen sonst noch nachzuweisen, sondern die bestimmte Verbindung desselben , die an jenen 2 (3) Stellen er- scheint. Die zweite Hauptstelle ist Kürenb. 8, 31 und NL. 1723, der Gebrauch von gellch. Vergleicht man die von V. beigebrachten Stellen, so ist ein wesent- licher Unterschied der, daß an jenen beiden gellch bedeutet dieselbe Gestalt habend', an den andern mag die Grimmsche Übersetzung nach etwas aussehend passen. Es soll keineswegs gesagt sein, daß Volkers Fiedelbogen wie ein Schwert aussah, sondern wirklich ein Schwei't war, und beim Kürenb. daß das, was sie im Herzen trägt, wie ein Mensch aussieht, sondern ein Mensch ist. Und so mag man sich drehen und wenden wie man will, die genaue Übereinstimmung in charakteristischen Ausdrücken ist vorhanden. Und auch in an sich nicht charak- *) Fischer hat im Anhange seines Buches sich mit Widerlegung der Vollmöllerschen Schrift beschäftigt. LITTERATUR: FORSCIUWCJF.X llWAl DAS NIBELUNGENLIED. 355 teristischen. V. nennt es einen Zufall, daß der Ausdruck trürigen muot gewinnen nur im NL. und beim Kürenb. vorkommt; aber ist der Zufall nicht merk- würdig? Und so oft versüenen mit Object einer Person oder Sache erscheint, so doch nirgend in der Verbindung vil ivol versüenen, die im NL. und beim Kürenb. erscheint. Auch das ist ein Zufall, ja, aber derselbe, wie wenn sonst geläufige Ausdrücke bei einem Autor sich linden, bei einem andern nicht. Die Wendung daz (isen-)gewant bringen (S. 33) ist gewiß eine nichts beweisende; aber wieder ein merkwürdiger Zufall ist es, daß die imperat. Wendung nu brinc mir eben nur an zwei Stellen des NL. und einer des Kürenb., und zwar an allen drei Stellen am Anfang der Langzeile zu belegen ist. Nun bedenke man auch, daß V., um die Parallelen zu entkräften, einen ziemlichen Theil der mini. Poesie und die Wörterbücher ausgezogen hat; man vergleiche aber ein- mal nur zwei Dichtungen, wovon die eine von so geringem Umfange wie die Kürenbergstrophen, und man wird linden, daß nicht nur die Zahl der Parallelen verhältnissmäßig viel kleiner ist, sondern daß namentlich die charakteristischen, sonst nicht belegten Wendungen sich nicht leicht in je zwei Dichtungen so wiederfinden werden. Man muß nur freilich nicht, wie V. S. 36 thut, die Kudrun heranziehen, weil diese entschieden das NL. nachgeahmt hat, wie, sich an einer Menge von Stellen mit Sicherheit zeigen lässt. Es ist durchaus eine willkürliche Behauptung, daß nur in den Zusätzen die Nachahmung vorkomme; erst beweise man mit objeetiven Gründen, was Zusätze sind. Ich lege, wie gesagt, auf das von Pfeiffer behauptete Eigentumsrecht an der Strophenform kein Gewicht, kann aber doch nicht umhin zu bemerken, daß der von V. S. 10 versuchte Beweis der Entlehnung im 12. Jahrh. wohl nur dem Verf. so leicht zu führen scheint. Die von ihm angeführten Beispiele, die die Entlehnung darthun sollen, hat bereits Fischer in dem Anhange S. 258 ff. besprochen und die Nichtigkeit der darauf gestützten Behauptung dargethan. Auf epischem Gebiete werden Alphart und Ortnit entgegengehalten. Die Ab- fassungszeit des Alphart, den wir nur in einer Umarbeitung des 15. Jahrhs. besitzen, wird sich schwer feststellen lassen. Die darin vorkommenden Asso- nanzen sind, wie schon Pfeiffer bemerkt hat, der Art, daß sie keineswegs eine Allfassung im 12. Jahrh. beweisen, und nur der eine Reim liep : niet ließe sich geltend machen. Denn die vereinzelt vorkommenden klingenden Ausgänge der ersten und zweiten Zeile der Strophen begegnen, wie ich in meinen Unter- suchungen gezeigt, auch noch später. Ein Beweis ist also aus dem Alphai t weder für noch gegen die Autorschaft des Kürenb. zu gewinnen; die beiden von mir hervorgehobenen übereinstimmenden Stellen einerseits zwischen NL. und Alphart (wo die Übereinstimmung sich auf eine ganze Langzeile erstreckt), andererseits zwischen Alphurt und Kürenb. (wo sie eine Hall) teile, mit eigen- tümlicher Betonung, umfasst) sind merkwürdig genug und können nicht wie bei der Kudrun aus Nachahmung des NL. erklärt weiden, von der der Alphart b. Was V. S. 14 f. von Parallelstellen heranzieht, b c nichts; denn nicht um das häufige Vorkommen des Ausdruckes daz lant römen handelt es sich, sondern um die gleiche Halbzeile, die nicht einfach aus der Gleich- heit der Strophe, zu erklären it. wie V. S. 24 meint, das Versmaß würde ebenso natürlich auf die Wortstellung er muoz mir rinnen diu lant geführt haben, l'nd bei der anderen Stelle ist esV. nichl gelungen mit aride, >i (schaff, suonc als Obj. nachzuweisen, mich weniger die Verbindung von je 356 jLITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. zweien dieser Subst. mit dem Verbum , am wenigsten die gleiche Anlage und Wortstellung der Zeilen. Die drei Stellen enthalten kein an sich merkwürdiges Wort und doch finden sie sich nirgend so in der ganzen altd. Litteratur. Mit dem Ortnit steht es ähnlich wie mit dem Alphart: auch er ist nur in Umarbeitungen erhalten. Denn wenn auch Müllenhoffs Annahme, er sei um 1225 gedichtet, die richtige sein sollte, so ist gewiß, daß um diese Zeit die Nibelungenstrophe noch durchgängig vier Hebungen in der achten Halbzeile hatte, wie die Inter- polationen in b und die Gruppe der I angehört beweisen. Übrigens ist zwischen der Zeit um 1150 und 1225 doch ein zu großer Abstand, als daß man ohne weiteres die litterarischen "Verhältnisse der einen auf die andere übertragen dürfte. S. 37 geht V. zu der Frage über, ob der Kürenberger überhaupt der Verf. der untei« seinem Namen überlieferten Strophen sei. Es kommt dabei alles auf die richtige Auffassung von MFr. 8, 5 an; denn dass die Hss. in der Bei- legung von Liedern oftmals irren, weiß jeder und kann doch nur die Möglich- keit darthun, daß der gleiche Fall hier vorgekommen. Bezüglich der Auffassung des Zusammenhangs verweise ich auf meine Darlegung in German. XIII, 243, die V. zu widerlegen nicht einmal versucht hat. Einspruch erhoben werden muß gegen den leichtsinnigen Schluß, der S. 40 f. gemacht wird: weil im NL. die klingenden Ausgänge der ersten und zweiten Zeile selten, in den Kürenberg- strophen häufig siud, so soll daraus folgen, daß in früheren Zeilen die klingenden Ausgänge das Gesetz der beiden ersten Langzeilen der Nibelungenstrophe ge- bildet haben, und weil der Verf. der Kürenberglieder nur in sechs Strophen klingende Reime hat, so kann er die Strophe nicht erfunden haben. Ich will mich weiterer Bemerkungen über diese Art, Schlüsse zu ziehen, enthalten, eine Widerlegung verdient dergleichen nicht. — Den Schluß des Büchleins bildet ein Herstellungsversuch der Kürenbergstrophen durch Simrock. Aber gleich in der ersten Zeile begegnet ein unglaublicher Vers, vil lieber vriunt soll nämlich mit vier Hebungen gelesen werden, so daß auf vriunt zwei kommen! Allerdings wer des gdhdzze — niuwet wecken — schöne vliegen — tunkelsterne — mit je vier Hebungen liest, bringt auch jenes Kunststück zu Stande und setzt sich wohl auch über die sprachlichen Bedenken neben den metrischen hinweg. Man muß sich nur wundern, warum dann nicht auch die stumpfausgehenden Halbzeilen mit vier Hebungen gelesen werden, ein rumin diu ldnt} duz ist sche'delieh etc. würde metrisch nicht unmöglicher sein als die vorhin angeführten mit klingendem Ausgange. Str. 1 ist, um die Variation zu beseitigen und auf die übliche Strophenform zu bringen, nach der eingeschobenen Halbzeile eine Lücke an- genommen, wie schon früher Wackernagel that, und in der zweiten ebenso ge- bauten Strophe (bei Simrock Lied 8) eine ganze Ilalbzeile gestrichen; außerdem soll hier minne : min ist einen Cäsurreim bilden! Denn das kann doch nur durch die gesperrt gedruckten Worte in den Cäsaren dieser Strophe ausgedrückt sein. Während hier ein unmöglicher Cäsurreim angenommen wird, ist dagegen der vorhandene Cäsurreim betwingen • minne S. 46 Str. 1, nicht bezeichnet, der doch gerade so ein Keim ist wie der Endreim dune : singen S. 45. So wenig gelungen wie V's Versuch ist, so weuig ist es auch derjenige, den ziemlich gleichzeitig Schercr in der Zeitschrift für deutsches Alterthum 17,561 ff. gemacht hat. Er stellt vier Argumente auf, welche alle stichhaltig sein müssen, wenn die Ansicht, der Kürenberger sei der Verf. des NL. als be- wiesen gelten soll. Von einem Bewiesensein dieser Ansicht habe ich nie ge- LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. 357 sprochen, nur von einem hohen Grade von Wahrscheinlichheit. Daß die beiden ersten Argumente, das Eigenthumsrecht auf eine lyrische oder epische Strophe, im 12. Jahrh. von geringer Bedeutung sind, habe ich schon vorher (S. 355) hervorgehoben. Was zur Widerlegung derselben von Seh. beigebracht worden, ist ebenfalls schon bei Besprechung der Vollmöllerschen Schrift abgethan. Das dritte Argument, für mich das wichtigste, daß das NL. Bearbeitung eines älteren Gedichtes in Assonanzen ist, soll S. 5G6 ff. widerlegt sein. Wie aber Seh. mein Buch gelesen hat, beweist er schon durch die leichtsinnige und unwahre Be- hauptung, daß ich den ersten Langvers einer beliebigen Strophe des NL. aus A und den darauf reimenden aus B nehme und auf diese Weise ungenaue Reime bekomme. Also Seh. weiß nicht einmal so viel aus meinem Buche, daß für mich A und B gar keine versehiedenen Bearbeitungen sind, sondern der- selben Bearbeitung angehören, von der A nur eine verkürzende Hs. ist. Seh. will nur die Möglichkeit zugeben, daß auf diese Weise die Abweichungen der Bearbeitungen (nämlich B und C) erklärt werden können. Also doch eine Mög- lichkeit! Aber eine Unmöglichkeit ist es, daß die Abweichungen von C aus B oder A, und die Abweichungen von BA aus C zu erklären sind, nämlich alle, natürlich nicht die einzelnen, weil jede Bearbeitung Ursprüngliches und Umge- arbeitetes hat. Gleich oberflächlich ist das was über die vorhandenen ungenauen Reime des NL. gesagt wird. Seh. bezieht sich dabei auf 'unsere sonstigen Er- fahrungen an Überarbeitungen. Ja wenn er nur überhaupt hier Erfahrung zeigte — während mein Buch gerade auf die Erfahrungen an Umarbeitungen sich stützt (vgl. dazu German. XIII, 221 ff). Er verweist auf die Minnesängerhs. C; aber diese zeigt ja gerade dasselbe was die von mir angenommenen Umarbeitungen des NL. zeigen! d. h. sie entfernt die alten Assonanzen und lässt sie an andern Stellen stehen. Es sollen vielmehr die ungenauen Reime des NL. nach Seh. Kunsttradition sein! Das ist eine hochtönende Phrase, nichts weiter, so lange dafür keine Analogie beigebracht ist. Und wenn er weiter argumentiert: so gut wie der Bearbeiter C in seinen Zusatzstrophen sich die klingenden Reime er- laubte, so konnten es auch die jüngeren Bearbeiter mit den Reimen Hagene : me etc. halten, so ist der Unterschied eben nur, daß jene klingenden Reime in den Zusatzstrophen von C genaue sind, hier aber ungenaue. Daß auf so alterthümliche Reime wie Hagene : gademe, : menege etc. jemand am Anfange des 1 3. Jahrhs. kam, ohne daß er sie in seiner Vorlage fand und daraus stehen ließ, auch dafür müssten erst unbestrittene Analogien, wie ich sie für das von mir angenommene Verfahren der Umarbeiter thatsächlieh gegeben, beigebracht werden, ehe man dergleichen Behauptungen irgend einen Wertb beilegen kann. Die metrische Übereinstimmung zwischen NL. und den Kürenbergstrophen wird S. 567 f. besprochen, mit derselben Oberflächlichkeit, mit der meine Au- Bichl von ihr älteren Gestalt des NL. behandelt wurde. Und dabei siebt Seh. nicht einmal ein, daß, auch wenn seine aus Lachmann entlehnten metrischen Grundsätze richtig sind, die Übereinstimmung im metrischen Gebrauche zwischen NL. und Kürenb. doch bleibt. Er erhebt \<>n Lachmanns Standpunkte Einsprache en '';■• Betonung vei " Verliesen den l>/>. Er meint, wenn Betonung richtig, dann würden bei dm Lyrikern oder bei K. von W ürz- burg doch Belege wie künet etc. vorkommen. Daß ßie vorkommen kann Seh. nicht in Abrede Btellen: er hilft sich bei dem von mir angeführten Bei» i Neidh. 50, 16 damit, d rewent mich grä eine vereinzelte Freiheit Bei'. Aber hoffentlich wird N. etwas mehr Geschicklichkeil im '■ 358 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. bilden gehabt haben als Seh. ihm zutraut; zu einer Freiheit, die gegen ein wichtiges metrisches Gesetz verstieß, lag hier nicht der geringste Grund vor. Warum hätte N. nicht geschrieben die verwent mich so grä oder algrä, zumal da auch verewent nicht die im 13. Jahrh. allgemein übliche Form war? Bei Reinmar 160,33 lebeti anzunehmen berechtigt nichs in den Sprachformen des Dichters.' Die Änderungen der Hss. an beiden Stellen beweisen nicht etwa daß die Betonung vdrewent, Idbetd in diesem Falle falsch, sondern nur daß sie in der Lyrik unüblich war. Und der Grund ist ganz derselbe, aus welchem wir in der Lyrik, dergleichen Reimausgänge wie lebende, klagende etc. im 12. Jh. selten, im 13. gar nicht mehr fiuden. Wenn Seh. etwas von Metrik versteht, wie er sich den Anschein gibt, wird er bei einigem Nachdenken ihn wohl ausfindig machen. Auch Walther hat die Betonung ein paarmal, aber die Hss. ändern auch hier: so 5, 25 Pf., wo ich geschrieben wederez daz ander iiberstrite; die Hss. schreiben der im 13. Jh. üblichen Aussprache gemäß wederz, und fügen daher, weil der Vers um eine Silbe zu kurz schien (ein unzähligemal zu beobachtendes Verfahren!), eine Silbe ein, Ada, B hie, C spil, EF ir. Noch- mals so betont ist dive'derez 97, 6, wo die Hss. auch deweders (ietiveders) schreiben und Worte einfügen. Wenn Seh. das seltene Vorkommen solcher Stellen ent- gegenhält, so halte ich ihm entgegen, was er aus meinen Untersuchungen schon wissen konnte, aber, wenn er es wusste, weislich verschwiegen hat: wie kommt es, wenn den lip etc. am Schluße der Strophe zu betonen ist, daß keine zweifel- losen Fälle, keine Namen wie Gernot, S">frit, Krienihilt am Schluße der 4. Zeile stehen, und daß die klingenden Reime nur auf die erste und zweite Zeile der Strophe beschränkt sind ? Das letzte Argument , daß die Kürenbergstrophe die Nibelungenstrophe sei, glaubt Seh. bejahen zu sollen. Er bringt hier einiges zur Entstehungs- geschichte der Strophe bei und bemerkt S. 570 ein zweites vermuthlich älteres Verfahren ist die Verkürzung aller Reimzcilen, mit Ausnahme der letzten, um je eine Hebung', d. h. das in der Nibelungenstrophe eingeschlagene Verfahren. Das völlig grundlose vermuthlich ältere ist absichtlich hinzugefügt, um der Nibelungenstrophe ein älteres Dasein zu sichern. Seh. räumt ein, daß der Ur- heber der Kürenbergweise Kürenberg geheissen und ein österreichischer Ritter gewesen. Aber die Autorschaft des Kürenbergers für die 15 lyrischen Strophen wird von Seh. bestritten. Natürlich kommt es hier, wie ich schon bemerkte, auf die Erklärung der Strophe MF. 8, 1 — 8 an. Seh. bestreitet meine früher gegebene Erklärung und zieht ein modernes Beispiel der Nägelischen Melodie heran. Aber mit vollem Rechte hat bereits Fischer (S. 268) dieß Heranziehen als pure Prosa bezeichnet; in der That zeigt es von einem auffallenden Mangel an Verständniss für Poesie und poetische Situationen. Das subjeetiv zugespitzte Raisonnement über Empfindungen von Frauen und Männern, auf welches die Annahme eines Dichters und einer Dichterin für die Kürenbergstrophen basiert, ist nur ein weiterer Beweis, wie gefährlich es ist mit modernen Anschauungen an unsere alten Dichter heranzutreten. Ich werde mich , das darf ich ehrlich versichern, dem Gewichte von ob- jeetiven Gründen, von historischen Analogien nicht verschließen und mich gern eines Bessern belehren lassen; sie müssen freilich eine etwas solidere Basis haben als was bisher vorgebracht worden ist. HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH. LITTERATUK: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GKÖUGALDR. 359 Vielgewandts Sprüche und Groa's Zaubersang. (Fiölsvinnsmil-Gröugaldr) zwei norränische Gedichte der Sajumnds-Edda, kritisch hergestellt, übersetzt und erklärt von Dr. Friedrieh Willi. Bergmann. Straßburg. Verlag von Karl Trübner 1874. 186 S. 8°. In allen Schriften Bergmanns, mögen dieselben Straßburger Volksgespräche, Eddalieder, Shakespeare oder Dante behandeln, zeigt sich eine gewisso wohl- thuende Ursprünglichkeit, Jugendlichkeit und Frische. Eine solche durchgehende Selbständigkeit in der Behandlang wissenschaftlicher Fragen hat aber, so an- erkennenswerth sie auf der einen Seite ist, doch auch ihre Gefahren. Der Verpflichtung, ehe man an eine neue Erklärung eines Liedes oder einer einzelnen Stelle desselben geht, die Aufstellungen Anderer zu widerlegen, oder so con- sequent die Urheber von Meinungen, die man billigt, zu citieren, daß wenn dieß nicht geschieht, der Leser sicher annehmen darf, man habe dieselben nicht gekannt — dieser Verpflichtung kommt Herr Bergmann in seinen lite- rarischen Arbeiten durchaus nicht immer nach. Das ist keine absichtliche Böswilligkeit, sondern beruht nur auf einer gewissen Einseitigkeit der Methode. Aber in Folge dessen befindet man sich oft genug in der Lage, in- einzelnen Füllen absolut nicht entscheiden zu können, ob Herr Bergmann sich eine Ansicht eigens gebildet, oder von einem anderen Gelehrten übernommen hat. Mit dieser unabhängigen Art zu arbeiten hängt Bergmanns sprachver- gleichende Methode zusammen, die er seit dreissig Jahren in seinen „Sprachlichen Studien", wie gelegentlich in größeren Werken commentarischen Inhalts befolgt hat, ohne wohl den Ergebnissen neuerer Sprachforschung genugsam gerecht zu werden, eine Methode, die uns Schüler von Georg Curtius oder Schleicher freilich sonderbar anmuthet. Durch solche Unebenheiten darf man sich aber nicht verleiten lassen, das wirklich Gute und Neue in Bergmanns Leistungen zu übersehen. Dieß vorausgeschickt, gehe ich zu dem oben genannten Buche über, das sich in Form und Einrichtung an die Commentare zu Skirnisfor und Grimnismäl (1871) und zu Harbardsljöd (1872) genau anschließt. Das von der Verlags- handlung sehr sauber ausgestattete Werkchen behandelt zuerst Fjölsvinnsinäl. In der Einleitung wird Zweck, Inhalt, mythologische Bedeutung und Überlieferung des Gedichtes erörtert, dann folgt der von B. constituierte Text, hierauf Text- kritik und Worterklärung, die Übersetzung und endlich die Erklärung zu dem übersetzten Gedichte. Dieselbe Reihenfolge wird bei der Interpretation von Grougaldr beobachtet. S. 35 ff. legt Herr B. seine Anschauung über die Grundlagen der Edda- kritik dar. Ich irre mich schwerlich, wenn ich darin . meint, die beiden Perg.-hdschr. der Edda Cod. 11. und Cod. AM. seien selbst nur Abschriften älterer Membranen, beeinflußt vou mündlicher Überlieferung und deßhalb, wie alle Mannscripte, die nicht ron den Autoren selb I herrühren, auch nicht stets als absolute Norm für die Lieder anzu ehen und, obgleich die besten und alte doch nicht in allen Schreib- und Lesart« n unfehlbar und einzig und allein maß- ad. Wenn ferner die Papierbandschriften auch meistens AI' chriften dieser Membranen seien, so sei damit doch nichi . daß den Schreibern außer jenen, keine anderen Quellen zu Gehute standen, und daß sie nicht auch Lesarten 360 LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-GRÖUGALDR. aus der mündlichen Tradition aufgenommen haben. Überdieß hätten sie auch manchmal aus Conjectur wirklich richtige Lesarten in den Text eingesetzt. AVoile man die Lesarten der Membranen allein, exclusiv und absolut als richtig anerkennen, so würde der Text an vielen Stellen ganz unverständlich bleiben. Es hat aber auch Niemand die Behauptung aufgestellt, die beiden Mem- branen seien unfehlbar. S. Bugge, der den bekannten Nachweis über den Ursprung der Papierhandschriften geliefert hat, hat oft genug Lesarten von R und AM mit Glück emendiert. Daß die Papierhdschr. sich jenen gegenüber oft selbständig verhalten, ja ganze Verse einschieben (vgl. Harb. 1. v. 101 bei Bergm. und meine Bemerkung dazu Germ. XVIII, S. 120), ist sicher, aber nicht aus mündlicher Überlieferung schöpfend, sondern selbst erfindend. Der Beweis ist sehr einfach. S. 35 sagt B. selbst, auf Island hätten sich die Eddalieder etwa bis ins 14. Jahrb. hinein im Gedächtniss bewahrt. Nun sind die Membranen die einzigen Eddahandschriften älter als das 17. Jahrh. (Bugge, Fortale S. XXII). 2 — 3 Jahrh. waren die Lieder selbst auf Island ganz unbekannt, wie sollen also die aus dem 17. Jahrh. stammenden Papierhandschr. auf mündliche Über- lieferung bauen können? Daß aber die Abschreiber, mit ihrer Landessprache enger vertraut, als wir, zuweilen durch Conjectur das richtige gefunden haben mögen, und in dieser, aber nur in dieser Beziehung ihre Lesarten zuweilen Beachtung verdienen , das wollen wir Herrn B. gern zugestehen. Auf Fjölsv. und Grog, findet alles hier Erörterte selbstverständlich keine Anwendung, da diese Gedichte in den Membranen fehlen. Jedem, der heut die beiden Lieder zu interpretieren hat, treten drei Hauptfragen entgegen: 1. Ist die Behauptung Bugges, Grundtvigs, Lünings und Ettmüllers, daß Grougaldr und Fjölsvinnsmal ursprünglich ein Ganzes gebildet hätten, als erwiesen anzusehen? 2. Sind beide Gedichte vollständig oder als Bruchstücke größerer Lieder zu betrachten? 3. Wenn Fjölsvinnsmal als Ganzes für sich betrachtet werden kann, welcher Mythus liegt dem Gedichte zu Grunde? Daß die Svendalsvise eine Nachahmung von Grog, und Fjölsv. sei, scheint die allgemeine Annahme zu sein. Das liegt in Bugges Worten (Daum, gamle folkeviser ed. Grundtvig II, S. G67): „Jeg antager, at eet Kvad , hvoraf vi have en senere Formation i Visen om Svejdal, er hievet spaltet i to: Grog, og Fjölsv.", und Bergmann (S. 33) ist derselben Ansicht. Das wäre in der That kein Ausnahmefall. Sowohl die isl. rrymlur wie die dan. Vise Tord af Havsgaard scheinen rrymskvitta zur Quelle zu haben; die dänischen Sigurdslieder sind mit freier Benutzung der Edda, noch mehr der Pidreks Saga gedichtet (vgl. Döring, Zcitschr. für d. Phil. II, 2G9 ff.) Über das Verhältniss von „Liden Grimmer" (Gvundtv. I, S. 352 ff.) zu den isl. Grims n'mur ok Hjalmars läßt sich strei- ten, dagegen geht die Vise von Orm Ungersvend og Bermer Eise (Grundtv. I, S. 352 ff.) und die isl. Ormars rimur sicherlich auf eine gemeinsame isl. (pro- saische oder poetische? vgl. Grundtv. III. S. 775) Quelle zurück. Bei der uns zunächst beschäftigenden Vergleichung muß natürlich vor allem die Fassung C der Svendalsvise in Betracht kommen (Grundtv. II, S. 244 ff.), als dem Nordischen am nächsten stehend. Aber wörtliche Übereinstimmung findet sich auch hier nirgends, Gleichheit des Sinnes nur im Allgemeinen. Was den Eingang von Ungen Svendal anlangt, so legt Grundtvig die Rede in v. 3 der zweiten Gemahlin oder vielmehr der Beischläferin von Svendals Vater in den Mund (a. a. 0. II, S. 669" Anm.). Gegen letzteres spricht die ähnliche kymrische LITTERATUß: BERGMANN, FIÖLSVINXSMÄL-GRÖÜGALDR. 3ßj Erzählung von Kilhwch and Ohven (Mabin. N, S. 249 fF.) und die Hjalmters Saga ok Ölvers (F. A. S. Norctrl. III, S. 453 — 518), in denen die Stiefmutter die rechtmäßige zweite Frau des Königs ist. Inwiefern der Ausdruck Jomfruens Bur für Grundtvig sprechen könnte, ist mir unklar. Daß es sich um verschmähte Liebe handelt, ist sicher (vgl. v. 34: som du haffuer kierer end mit/), aber mit der „jomfru" , die v. 1 1 „söster" genannt wird [hier erfahren wir auch erst, daß die Stiefmutter sie unterstützt, während in Fassung E v. 11 f. nur von der Jungfrau die Rede ist, die ihm die Reise anbefohlen habe] ist sicherlich die Stiefschwester gemeint, die ja auch nach dem kymrischen Märchen (a. a. 0. S. 252) vom Jüngling verschmäht wird. Dieser Zug fehlt in Grog.; er stimmt zur kymr. Sage ; folglich kann der Eingang von U. Sv. nicht erfunden sein, und wenn wir den ersten Theil dieses Liedes mit Grog, identifizieren, so muß am Anfang des letzteren ein Stück fortgefallen sein. Es kommt eine andere Erwägung hinzu, der ich mich nicht verschliessen kann. Um den epischen Rahmen beider Gedichte zu identificieren , hat man Grog. 32 das von allen Handschriften überlieferte skauzlu oder skautzo in skaut sü verwandelt, und sü, sowie hin Icevisa kona sie er fadmadi minn fädur auf die böse Stiefmutter bezogen (Grundtvig a. a. 0. II, S. GG8). Die Änderung ist selbstverständlich eine sehr leichte, und der anstößige Wechsel zwischen zweiter und dritter Person fiele weg; aber auffallend erscheint dann das Praet. fadmadi, das man schwerlich berechtigt ist mit Bergmann durch : „das meinen Vater am n umstrickt" wiederzugeben. Der durch die Änderung erforderte Sinn würde fadmar verlangen, so gut wie Hävamäl v. 163 (Bugge) die Gattin umschrieben ist durch: er mik armi verr. Diese Stelle beweist zugleich, daß eine solche Umschreibung für Mutter oder Weib, die Grundtvig a. a. 0. sonderbar findet, nicht allein steht. Von ganz anderem Ausgangspunkt gelange ich zu ähnlichen Bedenken. Lassen wir das Überlieferte stehen, so hat die Mutter selbst bei Lebzeiten dem Sohne die Aufgabe gestellt, eine mühselige Reise [nach seiner Braut?] zu unter- nehmen, und ihn aufgefordert, wenn ihm dieß später zu schwierig erscheine, sich bei ihr im Grabe Rath zu holen. Dazu finden sich zwei Parallelen. In der Vonvedsvise, die, wie sich unten zeigen wird, auch in anderen Punkten zu ig. genauer stimmt als U. Sv. , ist es ein und di< <> lbe — die Mutter, — die den Sohn auf gefährliche Fahrt ausschickt und die ihn durch Zaubersprüche feit. In der schwedischen Visa: Hertig Silfverdal (Svenska Folkvisor frän forntiden, samlade och ntgifhe af Er. Gust. Geijer och Arv. Aug. Afzeliüs. I. Stockholm 1814, S. 57 ff. [die Fassung bei Arwidsson: Svenska Fornsanger II. ist mir leider nicht zur Hand] ist es der Vater des Helden, der ihm aufgegeben hat, die Braut zu suchen; bei seinem Grabe erholt sieh der Jüngling Rath, wie er dieß Ziel erreichen könne. Diesen Seitenstücken gegenüber scheint mir die Richtigkeit von Grundtvigs Conjectar sehr in Zweifel gestellt. Der oben er- wähnte Wechsel zwischen erster und zweiter Person ist freilich auffallend. Will nun nicht annehmen, daß die Ausdrucksweise: hin loevüa fcona den Abschreiber verführt habe, auch Zeile 4 die dritte Pei*80n einzuführen, und baztu dafür ■n, so muß man, wie schon Kop. will, Zeile •') und 4 zusammennehmen und sii er auflösen durch Juinn tilma er j"< etc. Ich linde den Wechsel dann nicht anduldbar. 362 LITTER ATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GROUGALDR. Daß v. 10 des dän. Textes aus Orm Ungersvend (Fassung D v. 27 entlehnt scheint, hat nichts auffallendes: die Situationen sind so ähnlich. Bemerkt zu werden verdient, daß Gröug. v. 53 (nach Bergm.) : ä vegum allr hygg ek at ek venia muna , nicht in Ungen Svendal, sondern in Svend Vonved, Fassung D v. 4 (Grundtv. I, S. 245) eine Parallele erhält. Die Worte der Mutter berühren sich in Grog, und Ungen Sv. gar nicht. Man hat das zu erklären gesucht. Ettmüller bemerkt Germ. XIV, S. 315: „Daß die todte Mutter ihrem Sohne nach den Volksliedern nicht Zaubersprüche auf dem Weg mitgibt, sondern einen Hengst, der nie ermüdet, und ein Schwert, womit man immer siegt, ist zwar eine unverständige, aber doch sehr leicht begreifliche Änderung. In den christ- lichen Volksliedern konnten schützende Zaubersprüche unmöglich eine Stelle finden." Daß die letztere Behauptung unrichtig ist, beweist schlagend folgender Zauberspruch aus dem eben citierten Svend Vonved (Fassung D v. 5 f.), der sich dem Sinne nach eng genug mit Gröug. berührt: Da skal ieg dig galde i Dag, aldrig skal dig nogen Mand skade: Seyr vdi din hoye Hest, Seyr i dig selff aller mest. Seyr i din Haand, Seyr i din Foed, oc Seyr vdi alle dine Laedemod: Signe dig Gud, Saucte Drotten Dyre, band skal dig baade vocte oc styre. Daß hier der Segensspruch nicht ernst gemeint ist und gleich darauf (v. 11 f.) zurückgenommen wird, also wohl als von der Stiefmutter ausgehend zu denken ist, die dann schließlich auch (v. 72) den verdienten Lohn erhält, ist eine Sache für sich. Das Schwert — der Zweck dieser Gabe ist aus Ungen Svendal selbst absolut nicht zu ersehen — könnte aus der Hervararsaga (edd. Petersen S. 15 ff.) oder wieder aus Orm Ungersvend, auch aus Svend Vonved herübergenommen sein, wo es überall zur Verwendung kommt*). Was weiter Fjölsvinnsmal angeht, so besteht die Ähnlichkeit zwischen diesem Liede und Ungen Svendal doch nicht bloß darin, wie Bergmann meint, daß in beiden Liedern von einem Jüngling erzählt wird, der sich mit seiner, vom Schicksal bestimmten Braut schließlich vereinigt. Die näheren Berührungs- *) Auch der Ursprung von v. 13 ff. in Fassung A, wo noch andere Geschenke hinzugefügt werden, ist z. Th. leicht zu erklären. Der Zug von dem Tischtuch und Trinkhorn wenigstens findet sich mehrfach in den romantischen Sagas; z. B. in der Victors Saga ok Blaus Cod. A. M. per». 59-'? B. 4°: Tekr Bl&ua eimn borddük saumadem af jirüil ' um ins bezta gutta i sundr rekjandi. Vdru par innan kpnwngligar krdsir. Par var ok ein stör kanna, füll med -piment ok klare, piAat hon rar med gdlfum ger. Eta nu ok drekka. Bldus talar ]>d til konungsins: Varazt pü, sagßi kann, ok kasta öngu brott af pessari feedu, Jiviat dtiJcrinn berr pd nattüru, at fceötan er öll en sama peg&r kann er saman vafdr; sömu leid er ka/nnan füll med a&r nefndan drykk, p$gar lokit kemr yjir hava. Vgl. Sagan af Valdimar kongi, cap. 2 (Fjörar Riddarasögur. Utgefnar af II. Erlendssyni ok E. pördarsyni. Reykjavik 1852, S. 101), wo .sich derselbe Zug findet. Das zauberhafte Trinkgefäß kehrt ferner in der Sanisons Saga fagra Cap. XVII wieder (bei Bjürner, Nordiska kämpadater X, S. 28). Dicht dabei findet sich folgende, Stelle, die an Ungen Svendal A v. 16 f. erinnert: Ok er Sigurdur b/<>st i burtu, fylgdu jia/i karl ok kerling hdnum Hl sjdar, ok fundu eina spdnahrugu. Kerling t*'>k juir ur eitl skip , sem eins mannsfar, svd fagrt sem d gull seei. petta skip vil ek gefa }><'r Sigurdr, segir kerling, pat hrjir b>jr, pd aojl kemr yßr pal, hvdrt sem sigla vill; aldri mun ]mt ofhladit verda. LlTTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-CKÖUGALDR. j 363 punkte sind schon von Anderen hervorgehoben, auch die Unterschiede motiviert worden. Doch möchte ich dem gegenüber eines hervorheben. Fjolsvidr anlangend, so ist derselbe im Eddaliede offenbar als Burgvogt gedacht, der die mit ihren Jungfrauen hier einsam hausende Menglöd bewacht und gegen unbefugte Ein- dringlinge beschützt. In der Fassung C der Vise ist vielleicht zwischen v. 17 und 18 ein Vers ausgefallen; denn ziemlich unvermittelt wird ein vorher nicht genannter Morde angeredet: Hör du, goeden Morde, kicad jeg siger dig etc. Nach A kommt Svendal zur See und landet (v. 19): thend forste mand, hand m^tte, wor Morden }jaa thett land. Dieser Morde könnte nun, dem Ausdruck nach, allenfalls dieselbe ßefugniss haben, wie im Beövulfliede v. 229 f. veard Scyldinga, se ]>e holmelifu healdan scolde. Dann stimmte seine Persönlichkeit zu Fjolsvidr. Diese Erklärung wird aber bedenklich, wenn wir die Fassung E hinzunehmen. Dort heißt es v. 17 f.: da mdte kam en Hyrdemand, som drev saa meget kveeg. Den Einwand, es könne sich aus einem mißverstandenen „Hüter des Landes" ein Hirte entwickelt haben, widerlegt aber das oben erwähnte stofflich verwandte kymrische Märchen, dessen Held ebenfalls einen Hirten trifft, der die Schafe weidet. Dieß Zusammentreffen kann nicht zufällig sein, wie sich aus Folgendem noch deutlicher ergibt. In der Hjalmters Saga ok Olvers*), die, wie Grundtvig (II, S. 239) schon richtig bemerkt, gleichfalls, wenn auch theilweise entstellt, einen verwandten Stoff behandelt, kommt Hjalmter (Cap. 14) im Lande der lange gesuchten Hervor auch zu Schiffe an. Sowohl in der Saga wie in der kymrischen Erzählung ferner ist die Rede vom Vater der Jungfrau, den der Held um die Hand der Tochter oder wenigstens um Gastfreundschaft für den Winter angehen muß. Fjölsv. weiß von dieser Persönlichkeit absolut nichts, ebenso wenig Fassung C der Svendalvise, wohl aber A v. 30; hier wirbt Sv. bei jenem um die Geliebte. Allerdings zeigt der König sich hier gutmüthiger als in den anderen Erzählungen, denn dort werden dem Helden Proben auf- erlegt, die dann andere für ihn verrichten. Mit diesem Zuge der Sage hat die Vise wie Fjölsv. sich anders abgefunden. Vielleicht dürfen wir endlich in dem Smaadreng Ungen Svendal D v. 17 den Sohn des Hirten in der Kymr. Er- zählung (Mabin. II S. 274) wiederfinden. Aus alledem geht deutlich hervor — was Grundtvig (II S. 673) zu wenig hervorhebt — daß einige, wenn nicht alle Fassungen der Svendalsvise in dem Fjölsv. entsprechenden Thcilc viel zu auf- fallend mit der nordischen und kymrischen Gestaltung der Sage übereinstimmen als daß hier eine zufällige Entstellung von C aus denkbar wäre; daß ferner das Gröugaldr analoge Stück der Vise sich mehrfach in schwer zu rechtferti- gender "Weise weiter vom nordischen Liede entfernt, als der Eingang von Svend Vonved. Zugleich wurde wahrscheinlich gemacht, daß beide bezüglich ihres '■hen Rahmens auf verschiedenen Prämissen beruhen. Es ist demnach un- möglich, daß Grog, und Fjölsv. — wenn auch in vollständigerer Fassung — allein die Quelle der Svend: bildet haben, and es lüsst sieh nicht Bicher erweisen, daß, sie dem Dichter der letzteren iiberhaupl vorgelegen haben. Welcher Art seine offenbar verlorene Vorlage gewesen ist, ist schwerlich zu ermitteln. Wie diese Saga unter die Fornaldarsögur Nontrlanda gerathen konnte, ist mir unerfindlich. Ihr Schauplatz gehört nicht dem Norden an und auch im übrigen • üe ganz den Charakter jener F. A. S. Sudrlanda, v lenen eine > Vnzahl nur handschriftlich vorhanden sind. Der Schluß ist in der gedruckten Passung verderbt und unverständlich, der ursprüngliche nur durch die Hjalmtersrfmur erschließbar Anderswo mehr davon. 364 LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGALDR. Die durch das dänische Lied für die Behauptung, Gr6g. und Fjülsv. hätten ursprünglich öin Gedicht gebildet, gewonnene Stütze ist also wenig halt- bar. Vielleicht ist dieser Zusammenhang aus den beiden Eddaliedern selbst leichter zu erschließen*). Ich bezweifle, daß dieser Versuch glücklicher sein wird, und muß im All- gemeinen den Bemerkungen Rnpp's (Zur Deutung von Fiölsvinnsmäl. Germ. XVI, S. 50 ff.) und Bergmanns (a. a. 0. S. 32 ff.) beipflichten. Zwar wenn letzterer als Grund dafür, daß die Lieder nicht zusammengehören, anführt, daß jedes der beiden in sich eine abgeschlossene Rhapsodie bilde, so ist das eine Petitio prin- cipii. Aber der durch Conjectur gewonnene Name Menglödu ist vieldeutig, und wenn man in dem Grog. v. 14 erwähnten jötunn den Fjölsvidr wieder erkennen will — was überhaupt nur einen Sinn hat, wenn man Fjölsv. I3 (Bugge) purs d etc. liest und selbst dann noch sehr bedenklich ist (vgl. Rupp. a. a. 0.) — so müssen nothwendig auch die andern von Groa vorgesehenen Gefahren alle den Jüngling treffen, und dieß Stück wäre uns verloren. Dann würde die ganze Dichtung aber von ganz anormaler Länge gewesen sein (vgl. Bergm. S. 34). Wie Bugge selbst bemerkt (Fornkvsedi S. 445), eignet sich überdieß der ljoda- hattr, in dem beide Gedichte abgefasst sind, nicht für epische Dichtung, man würde also die Reiseabenteuer in Prosaerzählung erwarten, ebenso wie — nach unserer Annahme — die epische Einleitung zu Grogaldr. Rüttelt die Notwendig- keit dieses Ausweges nicht schon an der Einheit der zwei Lieder? Zudem sind die von Groa aufgeführten drohenden Lebenslagen,, wie Rupp richtig bemerkt, so allgemeiner Natur, daß diese Sprüche jedem Reisenden mitgegeben werden können, helfen aber absolut nichts zur Ausführung der von Fjölsvidr geforderten Kunststücke. In dieser Hinsicht wäre die schwedische Visa wesentlich dem ver- meintlichen einen Eddaliede überlegen: die vom todten Vater gegebenen Notizen beziehen sich ganz speciell auf des Sohnes Brautfahrt. Daß endlich die ver- wandten Bebandlungen des Stoffes (die Saga und das kymr. Märchen) den Besuch des Grabes nicht haben, spricht eher gegen, als für das Muß der Zu- sammengehörigkeit. Aus allen bisherigen Erörterungen, die leider ausführlicher geworden sind, als ich beabsichtigte, ergibt sich mir wenigstens der Schluß, daß die Behauptung, Grogaldr und Fjölsvinnsmal habe ursprünglich ein Lied ausgemacht und sei, schon im Volksmunde oder durch die Schuld der Abschreiber später in zwei zerfallen, weder aus der Vergleichung mit der Svendalsvise noch aus den Liedern selbst erwiesen werden kann, daß derselben vielmehr ernste Bedenken im Wege stehen. Eine andere Frage ist es nun, ob die beiden Lieder, jedes für sich ge- nommen, für vollständig oder für Bruchstücke anzusehen sind. Grogaldr bietet in dieser Hinsicht keine sonderliche Schwierigkeit. Die Zaubersprüche, die die todte Mutter dein Sohne als Schutz auf eine von ihr selbst oder von seiner Stiefmutter ihm aufgegebene gefahrvolle Reise mit auf den Weg gibt, konnten ja wohl einmal den Gegenstand zu einer selbständigen Dichtung liefern. Auch die schon oben erwähnte Allgemeinheit der von Groa skizzierten Situationen *) Bugges Abhandlung Om Forbindelsen mellem Grrtgaldr og Fjölsvinnsmal (Forhandlinger i Videnskabs Selskabet i Christiania 1800. S. 123—40) und die zweite Auflage von Grundtvigs Ausgabe der Edda (Kopenh. 1874) habe ich für das Folgende leider nicht benutzen können. LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGaLDR. 3G5 deutet darauf hin, während sonst solchen Todtcnbesuchcn ein directer Wunsch zu Grunde zu liegen pflegt. Vgl. übrigens Bergmann S. 145 — 56, mit dessen Erörterungen ich hier durchaus einverstanden bin. Weit schwieriger stellt 6ieh die Sache bei Fjölsvinnsmal, das man schon mehrfach vorsucht hat, als selbständiges Gedicht mythisch zu erklären. Ohne auf Paulus Cassels Versuch (Eddische Studien. I Fiülsvinusmäl. Weimar 185G) näher einzugehen*), wende ich mich zu Theophil Rupp's Abhandlung über Fjölsvinnsmal Germ. X, S. 433 — 46. Nach ihm soll Menglöd die Sonne, Svip- dagr der Mond sein. Mich überzeugt diese Deutung nicht, so geistreich sie ist. Die dem Neumond sich nähernde Mondsichel soll (S. 442) Windkaldr, also der Mond selbst, im Gewand (Nebel) verbergen, und der Zauberin Sinmara geben gegen die blutige Ruthe, nämlich gegen die ersten rothen Strahlen der Sonne, um den Hahn damit zu Hei zu senden. Ein Theil des Mondes ist also schon innerhalb der Sonnenburg? Und der Mond soll nun diesen Theil seiner selbst im Mantel verbergen und einer Zauberin bringen? Die ersten rothen Strahlen der Sonne gehen nicht von der Sonnenburg aus, sondern müssen vor dem Todtenthore geholt werden? Das sind Dinge, die ich nicht fassen kann. Die Behauptung, daß Svipdagr alle diese Forderungen erfülle, nur daß dieß vom Dichter, um Wiederholung zu meiden, nicht einzeln erzählt werde (S. 445 f.), nimmt Rupp selbst (Germ. XVI S. 53 f.) zurück. Nur der Unberufene muß die unbestellbaren Proben leisten. Aber wie können diese dann noch von dem Ge- sichtspunkte aus erklärt werden, daß sie zur Vereinigung der Liebenden noth- wendig seien? Hebt da nicht eines das andere auf? Ich gehe über zu Bergmanns Auslegung von Fjölsvinnsmal. Nach seiner Ansicht soll der Mythus von Freyja und Odr darin verborgen liegen. Die Idee ist nicht neu; Lüning: Edda S. 28 sagt: „Ob das zum Grunde liegende Gedicht zum Mythus von Freyja und ihrem geliebten Odr gehört hat? Das ist freilich eine bloße Vermuthung.'' Grimm bemerkt (Deutsche Mythol. S. 1102): „Men- glöd könnte geradezu für Freyja erklärt weiden." Aber Bergmann versucht dieß zum ersten Male eingehender zu begründen. Prüfen wir die Sache näher. Den Namen Menglöd soll Freyja führen als Besitzerin des Brisingamen, also Men- glöd par excellence (S. 14 f.; 92 f.). So kann freilich jede andere Jungfrau auch heißen, aber es widerstrebt der Auslegung wenigstens nichts. Auch von einer festen Burg oder wenigstens einem starken Gemache der Freyja wissen wir. In der Sn. E. heißt es: Ihm ätti s6r eina skemmu, er var beedi fögr ok sterlc, svd at ]>at segja menn, ef huntin var leest, at eingi mditi komast i skem- miina dn vilja Freyja (vgl. Grimm: D. Myth. S. 284 f.). Warum citiert Berg- mann diese Stelle nicht? Dagegen hat weder die Gitterthüre noch die Gürtung (bei B. Verback Bezug auf Freyja (S. 102). Das Wort munameidr = Idebes- ii, der in der Burg der Liebesgöttin allerdings sehr passend wiich.se, kann nichts beweisen, da es erst an Stelle des handschriftl. Mimameidr von Bergmann bineinconjiciert ist, so ansprechend die Conjectur unter Rcrg- manns Voraussetzungen auch ist. Der Hahn ferner ist häufig das Symbol der *) 'i il '• i K' Dntnisse und schwungvoll poetischen Auffassung war Cassel durchaus nicht im Stande, das Lied philologisch genau zu interpretieren, da er zu wenig isländisch verstand. So soll pursa accus, von pura Bein S. 137), arfs »der Erb S. 140), mn wird mit: Sinn Ilbej etzl 5. 146 n. s. w. I ber Er- klärungen Anderer vgl. Supp a. a. < ». 36G L1TTERA.TUK: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-GRÖUGALDR. männlichen Liebe (Bergm. S. 115; vgl. Cassel a. a. 0. S. 68 ff.). Über die Dienerinnen der Freyja wissen wir aus anderen Stellen nicbts. Ist da vielleicht an eine Vermengung des Frigg- und Freyjamythus zu denken (Grimm: D. Myth;. S. 279)? Lyfjaberg ist Conjectur. Die Identität von Menglöd und Freyja ist also nicht erwiesen, lässt sich aber auch nicht widerlegen. Odr (Sumar, Svipdagr) ist nach B. (S. 17 f.) „der Repräsentant der lichten Sommerwitterung, und demnach als ein den Menschen und der Natur günstiger Gott oder Ase angesehen. In dieser Beziehung wurde er auch im Naturmythus als der Geliebte der lichten sommerlichen Freyja betrachtet. ... Da aber der Sommer im Norden kurz ist und durch den Winter bald vernichtet wird, so sagte der ursprünglich symbolische Mythus aus, daß das Liebesverhältniss zwischen Svipdag (Odr) und Menglöd (Freyja) kein ehelich dauerndes war, sondern daß der unverheirathete Svipdag mit der unverheiratheten , jungfräulichen Menglöd nur kurze Zeit, als Verlobter, der Jugendliebe pflegen konnte, und bald Yon ihr durch das unerbittliche Schicksal getrennt wurde Von den jotnischen Winterstürmen wird er hinweg getragen nach Jotnenheim, wo er verweilt, bis der Winter vorüber ist, und bis die noch rauhen Frühlingswinde ihn in die Nähe seiner Geliebten zurückbringen, und er endlich, nach jährlicher Trennung, im Sommer, wieder mit der Menglöd vereinigt wird Im Bewusstsein des späteren epischen Mythus wollte Odinn an Stelle Odrs Freyjas Geliebter werden, und bewirkte deßhalb durch das Schicksal, daß Odr, während der Jugendzeit Freyjas, von ihr fern gehalten wurde, und erst nachdem Odinn der Freyja über- drüßig geworden, als die erste Jugendzeit der Äsen vergangen wai", zu der Ver- lobten zurückkehren durfte." Ich musste diese Stelle ausführlich ausschreiben , da alles folgende sich darauf aufbaut. Fragen wir aber, wie weit das oben dargestellte sich aus den Edden belegen lässt, so sieht es damit leider sehr übel aus. Wolf: Beitr. zur d. Myth. I. Gott. 1852 S. 180 sagt ganz richtig: „Von Odrs Zurückkunft ist in den beiden Edden keine Rede, und wenn man den Isismythus [den auch B. parallelisiert S. 17] und den von Venus und Adonis vergleicht, dann dürfte man einen Grund mehr haben, die Rückkehr nicht gelten zu lassen." Vgl. auch Simrock: Handbuch der deutschen Mythologie. Bonn 1855, S. 245 f. Odr selbst wird verschieden gedeutet. J. Grimm (D. Myth. S. 858) sieht in ihm die Personification der Dichtkunst, Lüning (Edda S. 79) lässt seinen Namen auf berauschenden Liebesgenuß deuten; Simrock (a. a. 0. S. 248) sieht in seiner Flucht vor Freyja die Abnahme des Lichtes in der dunklen Zeit des Jahres. Diese Erklärung würde nicht ausschließen, daß Beide sich wiederfinden, aber gerade in umgekehrter Weise, als Bergmann will. Freyja sucht Odr, aber nicht Odr Freyja. Auf die ganz entstellte Formation des Odr-Mythus, wie er uns bei Saxo in der Erzählung von Syritha und Othar entgegentritt (Sax. Gramm, bist. dan. rec. P. E. Müller. I. 1. Havniae 1839, S. 331 ff.), wo beide aller- dings schließlich ehelich vereinigt werden, wird Bergmann selbst kaum recur- rieren wollen. Ist aber dieser Mythus, wie er sich nach Bergmanns Darstellung gestaltet, nicht nachweisbar, hat er nur möglicher, nicht einmal wahrscheinlicher Weise so gelautet, so fällt damit auch die mit Hülfe desselben versuchte Er- klärung von Fjölsvinnsmal. Ich bin nicht im Stande, dieselbe durch eine neue, haltbarere zu ersetzen. Die Vollständigkeit des Gedichtes halte ich aber damit noch nicht für angefochten. Nur ist mir allerdings nicht unwahrscheinlich, daß LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGALDR. 3G7 am Anfang ein Stück Prosaeinleitung weggefallen ist, die ein noch klareres Licht über das Ganze geworfen hat. Ich füge schließlich einige Bemerkungen über die Textgestaltung beider Lieder bei Bergmann an, ohne darin irgendwie Vollständigkeit anzustreben. Zunächst kann ich mich mit Bergmanns Verstheilung durchaus nicht immer einverstanden erklären. Zwar wird er für seine Ausgabe Karl Hildebrand's sorg- fältiges Schriftchen: Die Verstheilung in den Eddaliedern. Halle 187 3, so wenig schon benutzt haben können, als Grundtvigs Aufsatz: Til „Saunundar Edda". Nordisk Tidskrift for Filologi og Psedagogik. Ny Rivkkc. I. S. 182 ff., aber trotzdem hätte er weit öfter Bugges Theilung adoptieren sollen. Selbst wenn man über die Stellung der Verbalformen streiten könnte, z. B. darüber, ob ab- zutheilen sei Fjölsv. 43: innan garda jn'i kemr\her aldregi, oder innan garda | pti leemr her aldregi (vgl. v. 5 !, 61, 103, 213, 243 etc.), so ist folgende Theilung: Fjölsv. v. 47 3: Urdar ordi kvedr I eingi madr, ]>ült\]>at se vid löst lagit doch durch nichts zu rechtfertigen. Ich wende mich nun zu einzelnen Stellen. I. Fj öls vinnsmäl. V. 1 übersetzt B.: „Vor den Zäunen draußen sah Er heraufkommen Thur- senvolks Gefolge". Seine Auffassung des Liedes bedingt diese Übersetzung. Sjöt kann ja „Gefolge" heißen. Aber der ganze Verlauf des Gedichtes macht durch- aus den Eindruck, daß Svipdagr allein kommt. Ich halte für das einzig rich- tige: Utan garda sd kann [accus, sc. Svipdag] npp um koma ]>urs [sc. Fjölsvittr] a pjödar sjöt. Vgl. Bugge z. d. St. Wie B. darauf kommt, Fjölsvittr anzusetzen, verstehe ich nicht. V. 33: sa'mdarorda druckt B. als zwei Worte; ebenso aldregi (v. 43), im Anschluß, wie es scheint, an die Kop. Ausgabe. Mit Unrecht; denn die Hdschr. schreiben sie als ein Wort und charakterisieren sie dadurch als Com- posita. V. 103: B: fjötvr-fasti (Fessel-klemmend) ist zu lesen statt fjütur-fast (fessel-fest), das jeder Erklärung widerstrebt (S. 50). Wo B. fast her hat, weiß ich nicht; die Hdschr. bieten die unanstößige Adjcctivform fastr. V. 133 f. schreibt B. hvat peir garmar heita, er gifr-rekar varda fyri lönd ok lim, und übersetzt: wie die Cerberen heißen, die, Scheusal abtreibend, wachen vor Land und Grunze, gifr-rekar soll wildvertreibende heißen (S. 51). Und dann heißt wieder einer der Hunde Gifrl lim = Grunze ist in der altn. Litteratur nirgends nachweisbar. Überdieß muß B. görpa in varpa ändern. Auch bei Bugge ist die Wiederholung gifrart-Gifr anerträglich, und seine Lesung ent- fernt sich viel zu weit von der Überlieferung. Ich halte Ettmüllers Änderung Germ. XIV S. 321 f.) für untadelhaft. V. 244 behalt B. motu bei und erklärt es für acc. von matir: Speisen (S. 58,i. Diese Form heißt aber V. 26 ' conjiciert B. sehr ansprechend rdnu für das anerklärbare räinn der Hdschr.; und übersetzt es durch: Gefährtin, Freundin, es auf die Simnära bend. „Loptr schuf ihn ndvn.u Die Änderung ist sehr leicht und besser als Bugge's: ryninn. Daß 263 i Sosgjarne keri geschrieben und Ssegjarn für Sinmäras Vater erklärt wird, ist, so viel ich weiß, auch neu, und, wie mir scheint, nicht zu verwerfen. 363 LITTEKATUR: BERGMANN, FIÖLSV1NNSMAL-GRÖUGALDR. V. 281 setzt B. ohne Bemerkung hann nach aptr ein, unnöthiger Weise. V. 30 3: soemr heißt nicht bereitwillig, wie B. übersetzt, und die Änderung Ettmüllers smmt, der es auf vdpn bezieht, ist unnöthig. Es ist mit Bugge und Grundtvig söm zu lesen (vgl. Atlam. v. 75 nach Bugge), und auf die Sinmara zu beziehen. V. 334. dsmaga ist Bugge anstößig, weil dann Zwerge aufgezählt werden. Bergmann schreibt: dsmagna und macht es von ]>at abhängig. Asmagn sollen hier asische göttliche Kunstfertigkeiten bedeuten, die bei den dvergischen und alfischen Künstlern immer eine göttliche Asenkraft voraussetzen (S. 63). Aber kann mögn die Kunstwerke selbst bezeichnen? Man könnte an den instr. Dativ äsmagni denken (= durch Asenkraft), doch wird ein solcher ohne die Präp. af oder med kaum zu belegen sein. V. 36 3 vermuthet B. für das handschriftliche drssdtt, das Bugge durch helsött ersetzt, härs sott, und versteht darunter (S. 65) den Weichselzopf. Das würde aber im Liede doch kaum so modern prosaisch als „Haarkrankheit" bezeichnet werden. Zudem muß hier, der Begriffssteigerung wegen, an eine sehr gefährliche oder tödtliche Krankheit gedacht sein, was auf den Weichselzopf nicht passt, zu dessen Entfernung man verschiedene Mittel angab. Ist ärs sott etwa von Schwangerschaft zu verstehen? V. 38"*. Daß die Wiederholung Blut und Blidr an dieser Stelle richtig ist, halte ich für undenkbar. Vgl. Bugge und Grundtvig. V. 40 1: zu sumar hver = sumar ok hver = alle und jede (S. 68) dürfte sich im Isl. kaum eine Parallele finden. V. 493 f. hat B., glaube ich, richtig gesehen, daß die Verderbniss in dem überflüßigen ]>at vard zu suchen ist. Gegen die Streichung von aptr bei Bugge und Ettmüller (a. a. 0. S. 322 f.) muß schon die offenbare Tendenz der Änderung Mißtrauen erregen. Ich möchte lesen: nü ]>ü ert aptr kominn, er 02 vo2tt hefik, mögr, fil minna sala, im Anschluß an B., nur daß ich die Änderung von voztt in valit für unnöthig halte; vgl. Hym. v. 11: Nu er sonr kominn til sala pinna, sd er vit vcettum af vegi löngum. II. Gröugaldr. V. 31 conjiciert B. leidsordi für das überlieferte leikbordi. Abgesehen da- von , daß die Änderung unnöthig ist (vgl. Bugge), so ist das Wort falsch ge- bildet; es müsste wenigstens leidordi oder leidarordi heißen. Über skauztu oder skaut sii habe ich mich oben ausgesprochen. V. 33 schreibt B. kvödlci. leo'öä soll (S. 162), wie ki-edja, Zuspruch, Be- grüßung bedeuten, heißt aber in Wirklichkeit „Befehl, Forderung". Ettmüllers Besserung: er kveyki [oder kverkr] veit (a. a. O. S. 317) ist ganz verfehlt. Auch wenn man seine Voraussetzungen aeeeptiert, ist undenkbar, daß Svipdagr so genau über die Mcnglödsburg orientiert ist. Buggcs kvaimtki stellt wenigstens einen verständlichen Sinn her. V. 41. per einzusetzen ist unnöthig. Es müssen gar nicht alle Verse vier Silben [und vier Hebungen] haben. V. G'z: Zu Buggea Änderung Hindi bemerkt B., wie mir scheint, treffend (S. 163 f.), sie sei darum unzuläßlich, weil alsdann die Zauberformel, die doch nur einem Helden von Nutzen sein könne, einer Frau vorgetragen würde. Die von Bugge citierte Stelle aus Saxo (S. 128) deutet übrigens auf eine Formel von einer, der hier geforderten gerade entgegengesetzten Wirkung. Auch der LITTERATUR: A. BIRLINGER, ALEMANNIA. 3ß9 Meeresgöttin Ran kann der Spruch deßhalb kaum gewidmet sein, selbst wenn wir Ränu lesen wollten. Ist vielleicht Rdna = Lirdna zu lesen, als Dativ von Hränl = Odin0. V. 64: Die Änderung von leid in leidir empfiehlt sich wegen der dadurch erreichten Congruenz der zwei Satzglieder, wie denn auch sonst im Gedichte sich nirgends die dirccte Befehlsform findet. V. 10,J schreibt Bergmann: hlaujpins lida liümk fidr fyr legg of kvedna, und übersetzt: daß Läufers Gelenk man für dein Bein sagen dürfte. Aber hlau- pinn heißt noch weniger der Läufer als leikinn der Tänzer, ganz abgesehen von der heillos gezwungenen Ausdrucksweisc. V. II3. logn ok lögr würde zweimal dasselbe sagen. Ich schreibe mit Grundtvig lopt ok lü'jr. V. 124 liest B. ok haldi Jjdr lilc at leidum; und übersetzt: und dein Leib es aushalte zu (weiteren) Fahrten. Mir gefüllt diese Emendation besser, als die- jenigen Bugges und Grundtvigs$ nur muß dann mit Bugge haldist gelesen werden, denn das erst gibt die geforderte Bedeutung. V. 143: schreibt B.: d Mimis hjarta, was heißen soll: gegen Mimirs Klug- heit. Bergmanns Erklärung (S. 180 f.) kann mir nicht die Möglichkeit erschließen, daß es sich hier um einen geistigen Kampf mit dem weisen Mi'mir handeln kann. .Seltsam ist der Vers freilich, wenn wir Grog, als ein in sich abgeschlossenes Gedicht betrachten. Ich bin am Ende. Mir scheint das Mysterium von Fjölsvinnsmal so un- gelöst wie vorher. Indessen wird der persönlich von mir hochgeschätzte Ver- fasser des vorliegenden Buches mir wenigstens das Zeugniss geben müssen, daß ich mich nicht in oberflächlicher Weise mit demselben beschäftigt habe. Sollte er selbst im Stande sein, meine Bedenken gegen seine Interpretation zu wider- legen oder die von anderer Seite zu erwartende Eddaausgabe eine überzeugen- dere Aufklärung bringen, so würde es mich von Herzen freuen. BRESLAU, Juli 1874. E. KÖLBIXG. Alemannia. Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde des Elsasses und Ober-Rheins, herausgegeben von Dr. Anton Birlingcr, a. o. Prof. an der Univ. in Bonn. Erster Band, Bonn bei Adolph Marcus 1873. — 336 S. — Zweiter Jahrgang, erstes Heft. Bonn, bei A. Marcus 1874. — 100 S. Neben den eigentlich germanistischen Fachzeitschriften, die das gelehrte Material deutscher Sprache, Litteratur und Alterthümcr wissenschaftlieh zu be- arbeiten bemüht sind, und die dabei gelegentlich auch auf die lebendige Volks- überlieferung Bücksicht nehmen, ohne dieß jedoch — ihrer ganzen Anlagenach — anders als ausnahmsweise thun zu können, hat es seit längerer Zeil kleinere chriftett' und Vereinsblätter gegeben, die auf einem beschränkteren <> — zunächst meistens von historischen Int nend — die Kunde der oheil zu erschließen, und dabei gern auch auf Sitten und Ausdrücke des Volks! bens Bücl ichl u n bmen pflegen. Ohne daß wir darum derai Beiträge ganz entbehren möchten, wird im Allgemeinen doch wohl der! [rgb. derAlem. mit den Worten (S. V : ,nacb den heul I ihrungen sind die historischen Vereine und Zeitschriften nichl mehr im Staude, auch sprachlich den gl GEBMANIA. Nene Reihe VII. (XIX. J | 24 370 LITTERATUR: L. DIEFENBACH, HOCHD. U. NIEDERD. WÖRTERBUCH. wattigen wissenschaftlichen Anforderungen Rechnung zu tragen" kein zu hartes Urthcil gefüllt haben. Seinerseits sucht der Hrgb. nun zunächst immer von der sprachlichen Seite aus das litterarische und eulturhistorische Interesse zu ver- mitteln, was sicher im Ganzen der richtige Weg ist, wenngleich mehrfach auch die sprachliche Erklärung ihre Unsicherheit behält, vgl. hier namentlich die interessante Untersuchung über den Namen Hohenzollern (I, 278 ff.). Sehen wir von diesem, ja ganz unvermeidlichen, Bedenken ab, so muß die Wahl des Hrgb., gerade das in jeder Beziehung so interessante Gebiet der alten Alemannen in einer regelmäßig erscheinenden Zeitschrift mehr und mehr durchforschen zu wollen, ansprechend erscheinen, um so mehr als ja hier wie überall eine wirk- lich warme, lebendig eingehende Behandlung eines Stoffes — ganz abgesehen von dem eigenen Werth desselben — schon einen gewissen Reiz ausübt, und mit der Zeit leicht auch da regeres Interesse wirkt, wo dasselbe anfangs nur in schwächerem Maße vorhanden sein mochte. Wir hoffen demnach, daß Bir- lingers schätzbares Unternehmen bei den Germanisten überhaupt, nicht bloß in den eigentlichen Bezirken Alemanniens und Schwabens die verdiente Beachtung finden wird*). E. WILKEN. Hoch- und niederdeutsches Wörterbuch der mittleren und neueren Zeit zur Ergänzung der vorhandenen Wörterbücher, insbesondere des der Brüder Grimm. In 2 Bänden. Von Lorenz Diefenbach und Ernst Wülcker. 1. und 2. Liefg. Frankfurt a. M. 1874. Chr. Winter. 4. 288 Sp. L. Diefenbach, dem wir schon das so reichhaltige Novum Glossarium latino-germanicum , eine unerschöpfliche Fundgrube für das mhd. Wörterbuch, verdanken, beabsichtigt in vorliegendem Werke in Verbindung mit E. Wülcker, den seine archivalische Stellung in Frankfurt zum Mitarbeiter besonders ge- eignet machte, eine Ergänzung zu den vorhandenen Wörterbüchern, namentlich aus den Sprachschätzen des 14. — 16. Jahrhs. zu geben. Nicht die eigentlichen Litteraturdenkmäler bilden die Quelle, aus welcher geschöpft ist, sondern haupt- sächlich Vocabularieu und Archivalien. Es sind dabei die im Grimm'schen Wörterbuche noch nicht belegten Worte mit einem Stern bezeichnet, so daß man auch bei rascher Durchsicht sich von dem Reichthum an neuem Material leicht überzeugen kann. Unter den neuen Worten sind viele niederdeutsche, so daß das mnd. Wörterbuch mit Nutzen von diesem Werke wird Gebrauch machen können. Auch vieles mundartliche älterer und neuerer Zeit hat Aufnahme ge- funden. Einen eklektischen Charakter muß ein solches Werk nothwendig tragen und trägt ihn hier mit bewusster Absicht. Im Ganzen wird man den Grund- sätzen, welche für die Auswahl des Materials maßgebend waren, nur beistimmen können. Ein bei der Benutzung sich herausstellender Mangel scheint mir das Aufgeben der streng alphabetischen Ordnung, indem die nächsten Ableitungen eines Wortes ohne Rücksicht auf die alphabetische Reihe der folgenden Worte dem Stammwort angeschlossen sind. Da ein Wörterbuch doch zunächst zum *) Wir erlauben uns hier schließlich noch auf ein anderes Unternehmen des selben Hrgb., die altdeutschen Neujahrsblätter für 1874, mittel- und nieder deutsche Dialectproben , hrgb. von A. Birlinger und W. Crecelius, Wiesbaden Killinger, hinzuweisen, für das gleichfalls eine periodische Fortführung in Aussicht ge- nommen ist. LITTEEAT1 B: SCHREYER, ÜBER HARTMAN» VON AUE. 371 raschen Nachschlagen dienen soll, zumal eines, das aus meist ganz kurzen Artikeln besteht, die selten zu einem längeren Nachlesen veranlassen, so hätten wir gewünscht, daß das Alphabet genau maßgebend gewesen wäre. Ein zweites Bedürfniss ist die Herstellung eines vollständigen Quellenverzeichnisses. Die Quellenverweisungen bilden ein etwas compliciertes System, in das man sich je- doch bei einiger Übung bald hereinfindet. Was zuerst beim Citieren am meisten auffällt sind die einfachen, theils cursiv, theils in antiqua gedruckten Zahlen, welche die benutzten Quellen bedeuten. Das Vorwort verweist allerdings auf die frühereu Glossarien von Diefenbach, in denen diese Zahlen ihre Erklärung linden, aber zweckdienlich wäre es doch gewesen, dem neuen Wörterbuche eine Übersicht auch der früheren Quellcnbezeichnungen beizufügen. Wir möchten an die Herausgeber die Bitte richten, wenn nicht früher, so doch am Schluße des Ganzen ein vollständiges Quellenverzeichniss zu geben. Kein Germanist wird dieß Wörterbuch entbehren können, auch Archivaren und Historikern wird es ein unentbehrliches Hilfsmittel werden. Vom Buchstaben D an wird Wülcker allein, unter Benutzung von Diefenbachs Vorarbeiten, die Redaction übernehmen. HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH. Schreyer, Dr. H., Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen Hart- mann's von Aue. Abdruck aus dem Programm der Landesschule Pforta vom 21. Mai 1874. Naumburg 1874. 4. 56 S. Die Untersuchungen über Hartmanns Leben haben bis jetzt zu wenig ausgiebigen Resultaten geführt. Nicht einmal die Heimat des Dichters lässt sich bei dem begreiflicherweise häufigen Vorkommen des Namens Ouwe feststellen. Mit Recht wendet sich der Verf. gegen die Aufstellungen des Freiherrn von Ow, der den Dichter zu einem Gliede des Geschlechtes macht , dem er selbst angehört, während er doch, auch wenn seine Heimat im obern Neckarthaie (bei Rottenburg) zu suchen ist, nur ein Ministeriale des dort wohnenden Geschlechtes war. Auch in der Argumentation gegen die übrigen Ansichten des genannten Verf. müssen wir Seh. beipflichten. Nach diesen negativen Resultaten, die zeigen wie wenig wir über den Dichter wissen, gelangt Seh. zur Betrachtung des ersten Büchleins, das er mit Recht als ein Jugendwerk Hartmanns bezeichnet. Der Dichter war noch Knappe, seine Dame wahrscheinlich aus der Familie seines Herrn. Seh. hält für das glaublichste, daß es nach dem Erec entstanden ist, indem er die Stelle von dem aus Karlingen gebrauchten Zaubermittel mit Bech auf die französische ritterliche l'oesie bezieht, die er im Erec nach Deutschland verpflanzte; ein Aufenthalt in Frankreich ist also aus jenen Worten nicht zu folgern. Unter den Liedern kommen natürlich vor allen die Kreuzlieder in Be- tracht; hier wird die Präge, an welchem Kreuzzuge Hartmann theilgenommen, aufs neue erörtert. Seh. gelangt zu dem Resultate, daß nur an den von 1197 cht werden kann. Dai entscheidende Gewicht ruht auf MF. 218, 15, der Beziehung auf Saladina Tod; denn dieses Lied Hartmann abzusprechen, wie B< ch thut, sind wir nicht berechtigt. Hat Hartmann nun den Erec vor oder nach der Kreuzfahrt verfasst? Bech macht für < 1 i «• Abfassung nach der Kreuz- fahrt die mehrfachen im Erec vorkommenden Beziehungen anf das Meer geltend. Gewiß sind solche Stellen kein B daß Hartmann die See gesehen hatte als er dieß Bchrieb (S. 17), Aber auffallend sind doch immerhin diese sonst 2 I ' 372 LITTERATUR: SCHREYER, ÜBER IIARTMANN VON AUE. bei andern Dichtern seltenen Beziehungen. Ich kann daher auch den Vergleich mit Schillers Teil nicht für zutreffend erachten. Wäre also, wenn der Kreuzzag der von 1197 war und der Erec, nachdem Hartmann das Meer gesehen, gedichtet worden, der Erec nach 1197 entstanden? Dem scheint zu widersprechen, daß sich der Dichter im Erec zweimal einen tumben kneht nennt. Indeß wenn man erwägt, daß der Begriff kneht, der hier mit knappe identisch ist, einen 24jährigen bezeichnen kann, ja bis gegen 30 sich hin erstreckt (s. Germanist. Studien I, 6), so wäre an sich gar nicht undenkbar, die Abfassung des Erec nach 1197 zu setzen. Freilich würden dann die erzählenden Gedichte Hartmanns sehr dicht an einander rücken, und seine Entwicklung sich in wenigen Jahren vollzogen haben, und das ist, wir gestehen es, ein nicht unerhebliches Hinderniss. Be- seitigt werden freilich alle Schwierigkeiten, wenn man mit Paul (Beiträge I, 536) liest und lebt min herre, Sedativ, und al sin her dien braehten mich uz Vranken nierner einen fuoz; allein ich kann mich von der Richtigkeit dieser Lesart nicht überzeugen, die Anknüpfung des Nachsatzes ist nach mhd. Ausdrucksweise auf- fallend und allzu gezwungen, das Verhältniss des ganz kurzen Vordersatzes zu dem langen Nachsätze unschön, und Hartmann würde das auf der Hand liegende Missverständniss, das sich aus der Verbindung von nun herre mit Salathi ergab, sicher vermieden haben. — Die Kreuzlieder setzt der Verf. ins Jahr 1196, und darin wird man ihm ebenfalls beistimmen dürfen. In Bezug auf die Liebes- lieder hält Seh. gegenüber Wilmanns und Heinzel an der Ansicht von Bech fest, daß einen zweifachen Minnedienst, den einen vor, den andern nach dem Kreuzzuge, anzunehmen, wenigstens nichts berechtigt; die Möglichkeit kann natürlich nicht ausgeschlossen werden und wird wohl auch von unserm Verf. nicht durchaus bestritten. Ein Theil der Lieder ist entschieden erst in die Zeit nach der Rückkehr in die Heimat zu setzen; es sind diejenigen, in denen sich eine glückliche Wendung seines Minnedienstes verräth. In Bezug auf das zweite Büchlein entscheidet sich Seh. gegen dessen Echtheit, und in der That ist zu vieles darin, was zu Hartmanns Charakter, Ausdruck etc. nicht stimmt; die Benutzung des Liedes MF. 214, 12 ff. in B. 2, 121 ff. ist ein weiterer Verdachtsgrund, nur sollte man nicht Gewicht legen auf die Worte für war ouch ich daz schribe, dieß nicht durch "auch ich' wiedergeben und keine Folgerungen für den Nach- ahmer daraus ziehen; denn ouch steht bekanntlich gern vor dem pron. possess., auch wenn es nicht zu diesem, sondern zum ganzen Satze gehört. Die schon von Bechstein ausgesprochene Vermuthung, es liege hier eine Jugendarbeit Gottfrieds von Straßburg vor, hat in der That vieles für sich. Hartmanns letztes Werk, den Iwein, setzt Seh. nicht um 1203, sondern um 1207, da es nicht wahrscheinlich sei , daß Hartmann , der damals im kräftigsten Mannesalter ge- standen, nach 1203 nicht mehr gedichtet haben sollte, und da sehr wohl denk- bar daß der Iwein ebenso wie der Parzival abschnittsweise veröffentlicht wurde. Was endlich die Heimat des Dichters betrifft, so ist Seh. geneigt sie nach Franken zu setzen ; ich gestehe daß mich seine Gründe nicht geneigter dafür gemacht haben, und er .selbst bezeichnet die Frage noch als eine offene. Die bei Hartmann allein übliche Pronominalform sl ist ein Zeichen schwäbischer nicht fränkischer Mundart. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für Schwaben, woher auch Heinrich von dem Türlin ihn stammen lässt, und dann allerdings am meisten für den Sitz des Geschlechtes bei Rottenburg am Neckar. HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH. MISI ELLEN. ;J7;; Fedor Mamroth: Geoffrey C haue er, seine Zeit und seine Abhängigkeit von Boccaccio. Promotions-Schrift. Berlin, Mayer und Müller. 1872. 60 S. 8. 15 Sgr. Wenn ich anführe, daß der Verfasser dieser Schrift von den trefflichen Arbeiten Kistncr's [Ch. in seinen Beziehungen zur ital. Lit. Marburg 18G7) und ten Biinkss (Chaucer. Studien etc. Münster 1870) keine Ahnung hat, Hertz- bergs Einleitung zu seiner Übersetzung Chaucers so flüchtig gelesen hat, daß er (S. 28) als sein Geburtsjahr noch 1328 nennt, und daß der Mangel auch nur eines Anlaufs zu selbständiger Untersuchung durch bombastische Redens- aiten, die nicht zur Sache gehören, und eine Fülle überflüßiger Citate verdeckt werden soll, so ist damit alles Nöthige über diese Leistung gesagt. Meine Ab- sieht war nur, jeden, den seine Chaucer-Studien, so wie mich, auf dieß Gebiet führten, vor Leetüre oder Anschaffung des Büchleins zu bewahren und zugleich zu zeigen, mit was für dilettantischen Sudeleien man noch an einer deutschen Universität (welcher?) den Doctortitel sich erwerben kann. Vor der S. 59 ver- sprochenen, größeren Quellenuntersuchung über englische Volkssagen werden wir hoffentlich bewahrt bleiben. BRESLAU. E. KÜLBING. MISCELLKN. Übersicht der germanistischen Thätigkeit M. Haupts*). I. Selbständig erschienene Arbeiten. 1834. Exempla poesis latinae medii aevi edita a Mauricio Haupt Lusato. Vindobonae typis C. Geroldi. 32 S. 8. 1835. Six anciennes chansons franc,aiscs recueillies par M. Haupt. AM. le baron de Meusebach. 'i. Juin 1835. 1835 — 40. Altdeutsche Blätter von Moriz Haupt und Heinrich Hoffmann. 2 Bde. Leipzig, Brockhaus. VI, 423, IV, 402 S. 8. 1839. Erec eine Erzählung von Eartmann von Aue herausgeg. von M. H. Leipzig, Weidmann'sche Buchhandlung. XVI, 308 S. 8. 1840. Der gute Gerhard eine Erzählung von Rudolf von Ems herausgeg. von M. II. Ebenda. XII, 222 S. 8. 1841 — 7.;. Zeitschrift für deutsches Alterthum herausgeg. von M. II. Ebenda. 1»; Bde. 8. 1842. Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich von Hartmann von Aue herausgeg. von M. II. Ebenda. XX, ITl' S. 8. 1 8 I 1 . Engeibard eine Erzählung von Konrad von Würzburg mit An- merkungen von M. 11. Ebenda. XIV, 283 S. 8. I Ausnahme ■ indig erschienenen Schrift inz zusammen- th von einem meiner Seminaristen, Btud. I Berlin, Dil Mittheilung dei Leipziger Vorlesungen vordanke i<:l< Dr. K. Scbröd 374 MISCELLEN. 1845. Der Winsbeke und die Winsbekin mit Anmerkungen von M. H. Ebenda. XIV, 81 S. 8. 1851. Die Lieder Gottfrieds von Neifen heraasgeg. von M. H. Ebenda. VI, 66 S. 8. 1855. C. Taciti Germania in usuin scholarum recognita a M. Hauptio. Berlin, Weidmann. 8. 1857. Des Minnesangs Frühling herausgeg. von Karl Lachmann und M. H. Leipzig, Hirzel. VIII, 340 S. 8. 1858. Neidhart von Reuenthal herausgeg. von M. H. Ebenda. LVI, 264 S. 8. 1871. Moriz von Craon. In: Festgaben für Gustav Homeyer zum XXVIII. Juli 1871. 4. S. 27—89. 1871. Von dem üblen Weibe eine altdeutsche Erzählung mit Anmerkungen von M. H. Leipzig, Hirzel. 78 S. 8. 1871. Erec eine Erzählung von Hartmann von Aue zweite Ausgabe von M. H. Ebenda. 447 S. 8. II. Abhandlungen. 1. Altdeutsche Blätter von M. Haupt und H. Hoffmann. Bd. I. 1836. Zu Jacob Grimms Beinhart Fuchs. S. 1 — 10. — Ein Beispiel S. 14 bis 15. — Der Alte und der Junge. S. 29 — 34. — Zur deutschen Heldensage. S. 49. — Was schaden tantzen bringt. S. 52 — 63. - — Salve regina. S. 78 bis 88. — Spiegel der tugende. S. 88 — 105. — Von Berhten mit der langen Nase. S. 105 — 107. —Beispiele. S. 108—110. — Märehen und Sagen. S. 113 bis 163. — PfafFenleben , Bruchstück aus dem zwölften Jahrhundert. S. 217 bis 238. — Alexander und Antiloie. S. 250 — 266. — Crescentia. S. 300—308. — Lateinische Lieder. S. 390 — 395. — Weingrüße und Weinsegen. S. 401 bis 416. — Bd. IL 1840. Der Mantel. S. 217 — 241. — Die vröne boteschaft. (Diz ist diu vröne botschaft ze der Christenheit.) S. 241—264. — Aus Wolframs Willehalm. S. 287 — 293. — Predigtbruchstück. S. 376 — 382. 2. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Her. von M. Haupt. Bd. I. 1841. Vorwort p. I — VIII. — Die Zeichen des jüngsten Tages. S. 117 bis 126. — Die Marter der heil. Margareta S. 151 — 193. — Das Schwert Kon- rads von Wintersteten. S. 194—198. — Zum guten Gerhard. S. 199 — 201. — Ein Märchen aus der Oberlausitz. S. 202 — 205. — Die Warnung. S. 438 bis 537. — Bd. II. 1842. Zum Iwein. S. 187 — 188. — Bonus (das deutsche Ge- dicht, vgl. Bd. III, S. 299) S. 208—215. — Ein Märchen aus der Oberlausitz. S. 358 — 360. — Wate, zur Gudrun (dazu Berichtigung S. 572). S. 380 bis 384. — Ein Märchen aus der Oberlausitz. S. 481—486. — Bd. III. 1843. Zum Eraclius. S. 158—182. — Zur Gudrun. S. 186 — 187. — Ich weiß. S. 187 bis 188. — Kurzibold. S. 188. — Chauci. S. 189 — 190. — Experimentum in dubiis. S. 190. — Alte Buchhändleranzeige. S. 191 — 192. — Bruchstücke einer Psalmenübersetzung. S. 236 — 239. — Der .starke Uoppe. S. 239. — Zu Hart- mann von Aue. Berichtigungen und Nachträge. S. 266 — 278. — Kleine Be- merkungen. S. 278 — 279. — Die Vorrede Albrechts von Halberstadt. S. 289 bis 292. — Bonus (das lateinische Gedicht, vgl. Bd. II, S. 208). S. 299—304. — Zu Konrad von Fussesbrunnen. S. 304 — 308. — Strophenanfänge der Leipziger Handschrift (Stadtbibliothek. Rep. II, 70a, 14. Jh. perg. kleinfolio.) S. 356 bis MISCELLEN. 375 358. — Kleine Bemerkungen. S. 383 — 384. — Die Bekehrung des beil. Paulus, Bruchstück aus dein 12. Jh. S. 518 — 523. — Der heilige Alexius von Konrad von Würzburg. S. 534—576. — Bd. IV. 1844. Ilelmbreeht. S. 318—385.— Zu Hartmann von Aue. S. 395 — 39G. — Zu Wolframs Titurel. S. 396 bis 397. — Zu Freidank. S. 398. — Zu Konrads Alexius. S. 400. — Lobgesang auf Maria und Christus von Gottfried von Straßburg. S. 513 — 555. — Zum Engelhart. S. 555 — 557. — Altdeutsche Zunamen. S. 578 — 579. — Kleine Bemerkungen. S. 579—580. — Bd. V. 1845. Zum Beovulf. S. 10. — Servatius. S. 75 — 192. — Kaiser Friedrich aus Enenkels Weltchronik. S. 268—293. — Zur Gudrun. S. 504 — 507. — Bd. VI. 1848. Pantalcon von Konrad von Würzburg. S. 193 — 253. — Aus Dieterichs Drachenkämpfen. S. 308 — 310. — Heinzelein von Constanz. S. 318—319. — Wichtel. S. 320. — Von dem Antichriste. S. 369 — 386. — Hausehre. S. 387—392. — Mittelhochdeutsche Liederdichter. S. 398—399. — Altvil. S. 400. — Des Tanhausers Hofzucht. S. 489 — 496. — Von der alten Mutter. S. 497 — 503. — Pyramus ifcid Thisbe. S. 504 — 517. — Goldemar von Albrecht von Kemenaten. S. 520 bis 529. — Bd. VII. 1849. Urkundliches zu mittelhochdeutschen Dichtern. S. 168 — 169. — Lesarten zum Parzival. S. 169 — 174. — Zu des Tanhausers Hofzucht. S. 174—177. — Herzog Ernst. S. 193 — 303. — Eine Teufelssage aus dem 11. Jh. S. 522—523. — Bruchstücke von Otfrids Evangelien. S. 563 bis 568. — Bd. VIII. 1851. Ein Märchen aus dem X. Jahrhundert. S. 21 bis 22. — Zu den Nibelungen. S. 349 — 350. — Das Bänkclsängerlied vom Herzog Ernst. S. 47 7 — 507. — Der Jüngling, von Meister Konrad von Haslau. S. 550 bis 587. — Bd. IX. 1853. Thegathon S. 192. — Zum Unibos. S. 398 bis 399. — Bd. X. 1856. Abfertigung, von dem von Beringen. S. 270 — 272. — IM. XI. 1859. Zu Wolframs Parzival. S. 42—59. (Vermehrter Abdruck aus den Berichten der k. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Bd. II. 1849. S. 186 ff. Bd. V. 1853. S. 1 ff.). — Hermanni contracti conflictus ovis et lini. S. 215—238. — Zu des Minnesangs Frühling. S. 563—593. — Bd. XII. 1865. Des Igels Wettlauf. S. 527—529. — Bd. XIII. (Neue Folge Bd. I.) 1867. Zu Neidhardt von Reuenthal. H. 175 — 182. — Zu Heinrich von Türlein. S. 321 123. — Zu des Minnesangs Frühling. S. 324—329. — Glossae Lipsianae. S. 335—348. — Zu Wolfram. S. 384. — Oswalt. S. 466—491. — Bd. XV. Neue Folge. Bd. III) 1872. Weiberzauber von Walther von Griven. S. 245 Ins 246. — Ährenlese (1 — 50). S. 246—266. — Ährenlese (51—60). S. 467 bis 469. 3. Berichte über die Verhandlungen der k. sächsischen G e- sells ch aft der Wissenschaften zu Leipzig. Phil, b i st. Classe Bd. I. 1848. I ber Blätter einer Handschrift von Otfrids Evangelienbuche. S. 54 bis 60. — Über einen altfranzösischen und einen lateinischen Leich aus einer Er- furter Handschrift. — Über die böhmische Übersetzung eines <\<-r Lieder K Wenzels von Böhmen. — Bd. II. 1849. Festrede in der öffentlichen Sitzung am 18. .Mai 1S48. — Bd. V. L853. Über einige Stellen im Parzival. S. 1—13. 1. Mon.it berichte der Berliner Akademie*), Jahrgang 1851. Mittheilung altdeutscher Glossen. S. 220. — 1854. Über das registram multorum *) Die mit einem Kreuz bezeichneten Abhandlungen sind in den Monatsberichten nicht aufgeführt. 376 MISCELLEN. auctorum des Hugo von Trimberg. S. 142 — 164. — Antrittsrede am 6. Juli. S. 347 — 349. — Über den althochdeutschen Leich vom heil. Georg. S. 501 bis 512. — 1856. Über ein althochdeutsches Gedicht (Schilderung des Himmels und der Hölle). S. 568 — 580. — 1860. Über Apollonius von Tyrus.f — 1862. Eede zur Gedächtnissfeier König Friedrichs dos Zweiten. S. 40- — 52. — 1864. Gedächtnissrede auf Jacob Grimm. f — 1865. Über eine Sammlung handschrift- licher Briefe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, f — Über das handschriftliche Tagebuch des Nürnberger Mathematikers und Astronomen Johannes Werner aus den Jahren 1506 — 1521. f — • 1866. Über verwandte syntaktische Er- scheinungen im Griechischen, Lateinischen und Altdeutschen, f III. Recensionen und Bemerkungen. 1. Blätter für litterarische Unterhaltung. 1831*): Herzog Ernsts von Baiern Erhöhung, Verbannung, Pilgerschaft und Wiederkehr; eine ritter- liche Mähre von Heinrich von Veldcck, einem Dichter des 12. Jhs. Im ver- kürzten Auszuge und mit erklärenden kurzen Anmerkungen von Th. A. Rixner. Amberg 1830. 8. Nr. 14. S. 60. — Reimchronik des Appeuzellerkrieges von einem Augenzeugen verfasst und bis 1405 fortgesetzt. Herausgeg. von J. v. Arx. St. Gallen 1830. Nr. 20, S. 87 f. — Die Heimonskinder. Ein Gedicht aus dem Sagenkreise Karls des Großen in 4 Sängen von L. Bechstein. Leipzig 1830. Nr. 48, S. 209 f. — Die Verslehre der Isländer von E. Chr. Rask. Ver- deutscht von G. Chr. F. Mohnike. Berlin 1830. Nr. 202, S. 884. — Krist von Otfrid herausgeg. von E. G. Graff. Königsberg 1831. Nr. 223 f., S. 969 f. 973 f. — Slawische Volkslieder, übersetzt von J. Wenzig. Halle 1830. Nr. 244, S. 1063 f. — Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jhs. von W. Müller. 11. 12. Bdchen. Leipzig 1828 — 31. Nr. 273, S. 1185 — 87. — Volkslieder der Schweden. Aus der Sammlung von Geijer und Afzelius. Von G. Mohnike. 1. Bd. Berlin 1830. Nr. 282, S. 1224. 2. Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters. Her. v. Aufseß und Mone. Bd. II. 1833. Graf Rudolph. Spalte 15.— Nibelungen- noth. Meinerts Lieder des Kuhländchens. Glossen. Sp. 16. — Volksbücher (Finkenritter). Sp. 130. — Volksbücher (Fortunatus). Sp. 244. 3. Leipziger Litteratur-Zeitung 1833. Walther von der Vogel- weide übersetzt von K. Simrock und erläutert von K. Simrock und W. Wacker- nagel. 2 Theile. Berlin 1833. Nr. 108 f., Sp. 857—867. — H. Hoffmann, Ge- schichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit. Breslau 1832. Nr. 185, Sp. 1473 — 80. — Wiggert, Scheiflein zur Förderung älterer deutscher Mundarten. Magdeburg 1832. Nr. 187, Sp. 1496. — Der Renner von Hugo von Trimberg. Herausgeg. vom histor. Verein in Bamberg. Bamberg 1833. Nr. 290? Sp. 2313 — 20. 4. Wiener Jahrbücher der Litteratur. 1834. Fragmenta theotisca ed. St. Endlicher et H. Hoffmann. 67. Bd., S. 178—198, mit Nachtrag S. 239 f. (Auch selbständig erschienen.) 5. Hallißche Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst. Her. v. Rüge und Echtermey.er. Jahrgang II, Bd. 1. 1839. *) Sämmtlichc Haupt anp;ch(>rige Recensionen sind mit 133 unterzeichnet: vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie ö, 446. Misi'i:u.i:\. 377 W. Wäckerriagel: einige Worte zum Schutz litterarischen Eigenthums. Beilage zu den altdeutschen Lesebüchern von Wackernagel und Z iemann und den drei Büchern deutscher Prosa von IL Kanzel. Basel, August 1838. A. Ziemann: Rechtfertigung gegen Wackernagel. S. 1060 — 109G. IV. Vorlesungen. A. (Leipzig). Die Lieder von der Nibelunge Noth. 1837/38. 1842. 1844. 1847. 1849. 1849/50. — Historische deutsche Grammatik 1838. 1841/42. 1844/45.1846. 1S48/49. — Walther v.d. Vogelweide 1838/39.1841/42. 1843/44. 1846/47. 1850. — Tacitus' Germania 1839. 1840/41. 1843. 1845. 1848.— Geschichte der älteren deutschen Poesie 1839. 1841. 1843. 1845. 1847/48. 1850/51. — Mittelhochd. Grammatik 1839/40. 1842/43. — Hartmanns Grc- gorius 1839/40. — Mhd. Gedichte aus Wackernagels altd. Lesebuch 1840. — Gudrun 1840/41. — Hartmanns Erec 1842/43. — Altfranzösische Grammatik 1843/44. — Wolframs Parzival 1845 4G. 1848/49. — Historische Grammatik der französischen Sprache 1846/47. 1850/51. B. (Berlin). Interpretation der Gedichte Walthers von der Yogehveide, herausgeg. v. Lachmann 1853/54. 1855/56. — Die Elemente der altdeutschen Grammatik 1854. 1856. 1858. — Interpretation des Nibelungenliedes (nach der Ausgabe von Lachmann) 1854/55. — Interpretation von Wolframs Parzival 1855. 1857/58. — Interpretation von Hartmanns Gregorius 1856/57. — Er- klärung altdeutscher lyrischer Gedichte des 12. Jahrhunderts 1858/59. — Er- klärung der Gedichte Nitharts (nach seiner eigenen Ausgabe) 1859. F. IGNATIUS. Hans Ferdinand Massmann, der älteste unter den lebenden Germanisten, ist nach einem langen, wechsel- reichen Leben heimgegangen. Er ward am 15. August 1797 zu Berlin geboren, der Sohn eines Uhrmachers. Seine Ausbildung erhielt er auf dem Werderschen Gymnasium und bezog 1814 die Berliner Universität, um sich dem Studium der Theologie zu widmen. Im folgenden Jahre zog er als freiwilliger Jäger ins Feld gegen Frankreich, woher er im Herbste 1815 zurückkehrte. Er nahm seine Studien wieder auf, die er in Jena und Berlin vollendete. An ersterem Orte namentlich war er ein eifriges Mitglied der deutschen Burschenschaft und nahm als solches Theil an der Reformationsfeier auf der Wartburg am lS.Oct. 1817. In Berlin widmete er sich mit Vorliebe dem Betriebe der Turnkunst, für die ihn Jahn, der 1811 seine Turnanstalt errichtet hatte, schon als Schüler be- geisterte. Während Jahns Abwesenheit im Sommer 1S17 Stander an der Spitze der Berliner Turnanstalt. Auch in Beiner ersten Anstellung als Hilfslehrer, die er 1818 am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Breslau gefunden, nahm ersieh unter Harnisch des öffentlichen Turnens mit Liter an. Im nächsten Jahre linden wir ihn als Lehrer in M ch auch diese stelle gab er bald auf und gieng nach Erlangen, hauptsächlich um die in Breslau an i in natur- wissenschaftlichen Studien zurollenden. Nachdem er 1821 an einer Erziehungs- anstall in Nürnberg eine kurze Zeit gewirkt, fasste er den Plan zu einer R nach Griechenland, kam jedoch nur bis in die Schweiz und kehrte über Göt- ii nach Berlin zurück, um, wie er !. nunmehr sein.' früh und stets mit Liehe gehegten historischen Studien der Muttersprache bestimmtet 378 MISCELLEN. aufzunehmen. Zu diesem Zwecke trat er 1824 eine wissenschaftliche Reise an7 um die altdeutschen Schätze auf den Bibliotheken zu durchforschen. Sein Weg führte ihn auch nach München, und hier wurde ihm die Stellung eines Lehrers der Tuinkunst bei der königl. Cadettenschule angeboten, die er nach Vollendung seiner Studienreise, namentlich nach längerem Aufenthalte in Heidelberg, 1826 auch annahm. 1828 wurde er mit der Begründung und Leitung einer öffent- lichen Turnanstalt beauftragt, nachdem schon vorher der Turnunterricht der Prinzen ihm anvertraut worden war. Im folgenden Jahre wurde er zum außer- ordentlichen, 1836 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Litte- ratur an der Universität ernannt; auch ward er Mitglied der baierischen Aka- demie der Wissenschaften. Diese Münchener Zeit war wohl die schönste und segensreichste seines ganzen Lebens. 1842 folgte er einem Rufe nach Berlin, um das gesammte Turnwesen in Preussen zu leiten; 1846 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Universität. Eine neue Methode des Turn- unterrichtes, welche im Aufange der 50. Jahre sich Bahn brach, war der An- laß, daß Maßmann aus jener leitenden Stelle ausschied und sich von da an mehr und mehr seiner akademischen und gelehrten Thätigkeit widmete. Da traf ihn im April 1860 ein Schlaganfall, von dem er sich zwar wieder erholte, der aber doch zur Folge hatte, daß er in geistiger Anstrengung und Arbeit sich mäßigen mußte. Die letzten Jahre lebte er den Sommer hindurch meist bei seinem Sohne Dietrich in Danzig, seit 1 '/„ Jahren gab er seinen Wohnsitz in Berlin gänzlich auf. Er starb am 3. August 1874 zu Muskau in der Lausitz, wo er seiner Gesundheit wegen sich aufhielt. Man sieht, es ist nicht der ebene gleichmäßige Gang eines Gelehrten- lebens, sondern das Leben eines Mannes, der in die Fragen der Zeit, in die praktischen Verhältnisse vielfach eingegriffen. Und dem entspricht auch die Vielgestaltigkeit seines Wirkens. Daß er das Turnen auch zum Gegenstande litterarischer Thätigkeit machte, lässt sich denken; seinen aufs praktische ge- richteten Sinn und sein Geschick bethätigte er durch Holz- und Steinschneiden, durch Anfertigung von Kristallmodcllen für Unterrichtszwecke etc. Den Mittel- punkt seiner gelehrten Thätigkeit bildet jedoch die auf das deutsche Alterthum gerichtete, und hier hat er durch Auffindung und Herausgabe von Litteratur- quellen sich unleugbare Verdienste erworben zu einer Zeit, ais in der ersten Freude und im ersten Jugendeifer die Anforderungen an einen Herausgeber noch nicht nach dem heutigen Maßstabe gemessen wurden. Diese Verdienste hat J. Grimm freudig anerkannt, als er Maßmann, zugleich mit Haupt, Hoff- mann, Schmeller und Wackernagel, den mitforschenden Freunden den vierten Band seiner Grammatik widmete. Gleich in seinen Denkmälern deutscher Sprache und Litteratur aus Handschriften des 8. — 16. Jahrhs. (München 1828. 8) gab Maßmann eine Anzahl unedierter Quellen heraus, die wichtigste darunter war Lamprechts Alexander. Es waren Früchte der in den Jahren 1824 — 26 unternommenen litterarischen Reise. Eine zweite wissenschaftliche Reise trat er 1833 im Auftrage des Kronprinzen Max von Baiern an, um die Gothica in Italien zu durchforschen; der Hauptgewinn war die eiste Lesung und Ausgabe der sogenannten Skeireine (München 1834. 8.), wozu Maßmann selbst die gothi- schen Typen geschnitten hatte, und eine neue Ausgabe der gothischen Urkunden von Neapel und Arezzo (Wien 1838), in welcher dieselben zuerst in zuver- lässiger Lesung geboten wurden. Den Abschluß seiner gothischen Forschungen bildet die Ausgabe des Ulfilas (Stuttgart 1S56 — 57. 8.) begleitet von einem MISCELLEN. 379 constituierten lateinischen und griechischen Texte, ausführlicher Einleitung, kri- tischen Anmerkungen, Grammatik und Wörterbuch — eine Arbeit, deren Er- gebnisse allerdings nicht im Verhiiltniss zu dem aufgewandten Fleiße stellen, und die in ihrem kritischen Theile durch die neue Vergleichung der italienischen Palimpseste überholt ist. Ganz neuerdings hat dann Maßmann noch auf einer im Auftrage der preußischen Regierung unternommenen Reise nach Italien die Turiner Fragmente des Ulfilas entziffert und herausgegeben (Germania 13, 271 ff.). Auf althochdeutschem Gebiete liegen seine Erläuterungen zum Wessobrunner Gebet (Berlin 1824. 8.), seine deutschen Abschwörungs-, Beicht-, Büß- und Betformeln des 8. — 13. Jahrhs. (Quedlinburg 1839. 8.), die zweite von ihm besorgte Ausgabe der Fragmenta theotisca (Wien 1841. fol.i, endlieh die Voll- endung des Grafischen Sprachschatzes, dessen 6. Band er herausgab (Berlin 1844. 4.), und die Anfertigung des unentbehrlichen alphabetischen Index zu dem ganzen Werke (Berlin 1846. 4). Am meisten aber hat er auf dein Felde der mittelhochdeutschen Litteratur gearbeitet. Seine 'Deutschen Gedichte des 12. Jahrh9. (Quedlinb. 1837. 8.) gaben einen zweiten Druck des Alexander, ferner die erste ziemlich zuverlässige Ausgabe des Rother, nach dem jammer- vollen Texte in v. d. Hagens Gedichten des Mittelalters, den Pilatus, die Bücher Mose, den Physiologus, Hartmanns Rede vom Glauben, die Litanei und des Todes gehügede, fast alles zum ersten Mal veröffentlicht und manches davon seitdem nicht wieder ediert, leider auch nicht wieder collationiert, was bei der Straßburg-Molsheirner Hs. sehr zu bedauern, da dieselbe seit 1870 nicht mehr existiert. Es folgte, ebenfalls eine editio prineeps, Otte's Eraclius (Quedlinb. 1842. 8.), zugleich mit dem altfranz. Gedichte des Gautier von Arras ; freilich in der Persönlichkeit des Verf. , den er mit Otto von Freisingen identifizierte, war M. auf einen unbegreiflichen Irrthum gerathen. An den Eraclius reiht sieh S. Alexius in acht gereimten mhd. Bearbeitungen (Quedlinb. 1843. 8.), mit einer Einleitung über die Alexiuslegende; in demselben Jahre, erschien (Leip- zig. 8.) die Ausgabe von Gottfrieds Tristan, mit der P\jrtsetzung Ulrichs, wohl Maßmanns beste Arbeit in textkritischer Hinsicht; 1847 Berlin. 8.) die Bruch- stücke des mhd. Partonopeus, mit Auszügen aus dem französischen Gedichte und steter Vergleichung desselben. Endlich seine verdienstlichste und mühevollste Arbeit, die Ausgabe der Kaiserchronik (3 Bde. Quedlinb. 1849 — 53. 8.*), ■werthvoll namentlich durch den dritten Band, der die Quellenuntersuchungen, die Verbreitung der Sagen etc. uinfasst und ein durch mehr als 25jährige Arbeit gesammelt' Material, wenn auch nicht überall kritisch gesichtet, darbietet, eine Fundgrube für jeden, der auf diesem Felde thätig i-t. In mancher Beziehung berührt sich damit seine letzte altdeutsche Edition Das Zeitbuch des Eike von Repgow (Stuttg. 1857. 8. 42. Publication des litterar. Vereins), der niederdeut und lateinische Text von eingehenden Untersuchungen begleitet. Der deutschen Altcrthumskunde und Culturgeschichte gehören seine mit reichem Apparat aus- gestattete Ausgabe von Tacitus Germania Quedlinb. 1847. 8.), seine Geschichte des mittelalterlichen Schachspiele Quedlinb. 1839), seine Litteratur der Todten- tän/e Leipzig 1841), der Ezterstein in \\ tfalen (Weimar 1846 und die Baseler Todtentänze' (Stuttgart 1 >■ 1 7 an. Auch sein Libellus aurarius (Leip- zig 1841), ein nicht anwichtiger Beitrag zur römischen Epigraphik, möge nicht *i Es war die Absicht der Ausgabe auch ein Wörterbuch beizugeben, und im Winter 1852/53 Bammelte ich das voll tändige Material dazu, das in Maßmanns Nach- ooeh vorhanden Bein muß. 380 MISCELLEN. unerwähnt bleiben. Nimmt man dazu die zahlreichen Beiträge, die er zu Mone's Anzeiger, zu Haupts Zeitschrift, Pfeiffers Germania, dem neuen Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache, dem Anzeiger des germanischen Museums etc. gesteuert hat, so muß man seine schriftstellerische Thätigkeit als eine fruchtbare und vielseitige bezeichnen. Alle Schriften bekunden ein ausgedehntes, vielseitiges Wissen, sie lassen allerdings kritische Schärfe und Klarheit oft vermissen. Zum Textherausgeber war er nicht geschaffen, es fehlte ihm an dem speeifisch kritischen Sinne. Nicht selten mangelt auch Genauigkeit und Zuverlässigkeit, Beobachtung über den Stil und die Sprache des betreffenden Autors. Aber aus allem weht ein Hauch freudiger und warmer Liebe uns an, überall tritt uns eine schöne vaterländische Gesinnung, eine liebevolle und opferwillige Hingebung, eine reine und sittliche Denkart entgegen. Und diese besten Eigenschaften seines Wesens waren es auch, die im persönlichen Umgange mit ihm anzogen. Er war wie ein liebevoller Vater seinen Zuhörern gegenüber, ein warmer und helfender Freund in ihre Nöthen. Dem Gespräche mit ihm fehlten die wissenschaftlich anregenden Mo- mente keineswegs, die wenigstens den gereifteren Zuhörern in seinen akademi- schen Vorträgen zurücktraten. Jene persönliche menschliche Liebenswürdigkeit ließ seine Schüler mit Dankbarkeit an ihm hängen. Pfeiffer hat es bekannt, wie Maßmanns väterliche Fürsorge ihn in schweren Jahren seines Lebens , in einer Zeit innerer Kämpfe gehoben und getragen hat. Ihre Briefe lassen einen tiefen Blick in das innige Verhältniss beider Männer thun, das bis zu Pfeiffers Tode kaum hin und wieder leicht getrübt war. Und so habe auch ich in seinem Hause, im Umgange mit ihm, schöne Stunden geistigen Genußes verlebt. In diesem Sinne der Dankbarkeit ist meine erste germanistische Arbeit, die Aus- gabe von Strickers Karl (1857) ihm gewidmet, und dankbarste Erinnerung werde ich ihm bewahren, als einem der aufrichtigsten, uneigennützigsten Men- schen, die ich kennen gelernt habe. Seiner dichterischen Begabung gedenke ich am Schluße mit einem Worte. Manche seiner Lieder, vor allen das schöne Ich hab' mich ergeben mit Herz und mit Hand haben Eingang beim deutschen Volke gefunden und werden unvergessen bleiben. Auch in seinen Dichtungen weht ein edler, reiner, aufs Ideale und Ewige gerichteter Sinn. Ich schließe mit einem Gedichte das im Bade Oyuhausen 1862 entstand und das er einem Briefe an mich beilegte. Des Menschen Leben ist ein rastlos Wallen Zu fernem Ziel, in Ahnen, Sehnen, Glauben, Und wie des Weges Bahnen steigen, fallen, So wechselt's im Empfangen und im Rauben. Ea raubt der Tod, was uns ein Gott gegeben, Daß er nicht scheint der ew'gcn Liebe Bote, Denn Leben ist nur Liebe, Liebe Leben, Doch wird auch dunkle Nacht zum Morgcnrotbe. Ihm wallen mutbig, gläubig wir entgegen: Wir wissen daß uns aufgebt treu die Sonne, Ihr erster Strahl gießt in die Seele Segen, Ihr letzter öffnet uns die ew'ge Wonne. HEIDELBERG, 15. August 1874. K. BARTSCH. Mist i.i.i.i \ 331 Kobersteinstiftung in Pforte. Die Unterzeichneten haben unter den ehemaligen Schülern der Pforte •eine Sammlung veranstaltet, deren Ergebniss sie hiermit der genannten König- lichen Landesschule im eigenen Namen und im Namen ihrer Beitraggeber mit*) in Staatspapieren . „ baar überreichen. Diese Beiträge werden hiermit von uns zu einer Stiftung bestimmt, die nach folgenden Statuten verwaltet werden soll. 1. Die Sammlung, zu Ehren des Andenkens an den frühem Lehrer der Pforte, Professor Dr. A. Koberstein, begonnen, trägt seinen Namen: Koberstein-Stiftung. 2. Das Capital der Stiftung ist unangreifbar. Das Eigenthum und der Be- sitz an demselben steht der Landesschule Pforte zu, sie verwaltet es .kostenfrei durch ihre Organe und sorgt für Erneuerung der Anlage, falls dieß erforderlich wird. 3. Zweck der Stiftung ist: aus deren Erträgen ehemaligen Schülern der Pforte, welche sich der deutschen Philologie und Litteratur oder der deutschen Geschichte oder der deutschen Rechtswissenschaft widmen, eine Unterstützung ihrer Studien zn gewähren. 4. Die Wirksamkeit der Stiftung beginnt, sobald die jährlichen Zinsen die Höhe von 45 Thlr. erreicht haben'*). Dieselben werden in einer Summe ver- lichen, so lange sie nicht den Betrag von 100 Thlr. übersteigen. Ist dieß aber der Fall, so bleibt es dem Lehrercollegium der Pforte anheimgestellt, die Unter- stützung in mehreren Antheilen, jedoch keinen unter 50 Thlr., zu vergeben. 5. Bewerbungen um die Unterstützung aus der Stiftung gehen an das Lehrer- collegium der Pforte, zu Händen des zeitigen Rectors. Dasselbe beschließt über die Verleihung endgültig, ohne weitere Mitwirkung einer vorgesetzten Behörde. Der zeitige Rector übernimmt die Benachrichtigung des Bewerbers und sorgt für die Absendung der Unterstützung. 6. Zur Verleihung dieser Unterstützung (3) bedarf es keines Armuthsz« uisses. 7. Liegen in einem Jahre Bewerbungen um diese Unterstützung nicht vor oder <•] cheinen die vorliegenden zur Berücksichtigung nicht geeignet, so fallen die Jahreszinsen dem Capitale zu. Das Jahr wird gerechnet von I.Januar ab. !>:<■ an di< T poniblen Ziu bilden die Unterst ützungssumme für das laufende .Jahr. Der bisher disj ible Fonds b 10 Thlr. in Papieren und baar. \\ .i j< t/t schon der Fall ist. 382 MISCELLEN. 8. Bei der öffentlichen Feier des der Verleihung folgenden Schulfestes und im nächsten Schulprogramm wird der Name des Empfängers bekannt gemacht. 9. Die Landesschule Pforte verpflichtet sich durch die Annahme dieser Stiftung, diese selbst möglichst zu fördern; ferner derselben durch Geschenke oder Vermächtnisse etwa zufließende Beiträge dem Stiftungscapitale einzuver- leiben und 6ie mit diesem nach dem gegenwärtigen Statut zu verwalten. Uhlandstiftung in Tübingen. 1. Stiftungsbrief. Der Universität Tübingen stifte ich den Ertrag des von mir in der J. G. Cot'aischen Buchhandlung herausgegebenen Buches „Ludwig Unlands Leben" u. s. w. Hierdurch wünsche ich die Erforschung deutschen Alterthums im Sinn und Geist meines verstorbenen Gatten durch Unterstützung solcher, welche sich ähnlichen Studien widmen, zu fördern. Zu meinen Lebzeiten bestimmt sich der Ertrag des genannten Buches nach dem von mir darüber abgeschlossenen Vertrag. Von meinem Tode an bis zum Ablauf der für schriftstellerisches Eigeuthum geltenden Verjährungszeit soll die Rechtsnachfolge im Abschluß der betreffenden buchhändlerischen Ver- träge für den Fall weiterer Ausgaben des Buches auf die Universität Tübingen übergehen. Liebenzell, 15. Juli 1874. Emilie Unland, geb. Vischer. 2. Grundzüge zu einem Regulativ für die Uhlandstiftung. Zu näherer Erläuterung der von mir für die Universität Tübingen ge- gründeten Stiftung bestimme ich Folgendes: 1. Aus den Zinsen des Stiftungscapitals sollen Stipendien an Studenten der Universität Tübingen verliehen werden, die sich mit wahrer Theilnahme und mit Erfolg den von meinem sei. Gatten gepflegten Studien des deutschen Alter- thums widmen. 2. Es ist nicht meine Absicht, damit vorzugsweise solche zu unterstützen, welche diese Studien zum Lebensberuf machen; vielmehr soll das Stipendium auch solchen zugänglich sein, welche neben andern Studien der deutschen Altcr- thumswissenschuft ihre ernsthafte Theilnahme zuwenden. 3. Unbemittelte haben, bei sonst gleicher Befähigung, bei der Verleihung den Vorzug vor Minderbedürftigen. 4. Sollten solche Studenten (1) nicht vorhanden sein, so können auch andere unmittelbare Personen, welche die genannten Studien betreiben, zum Behuf der MISCELLEN. 383 Unterstützung in diesen Studien mit außerordentlichen Graben aus dem Zins- ertrage der Stiftung, besonders zur Anschaffung von Büchern, bedacht werden. 5. Ich wünsche, daß die Verwaltung mit dem Rechte des Vorschlags zur Verleihung von Gaben aus dem Stipendium der jetzige Professor der deutschen Sprache und Litteratur Herr A. vou Bleiler, Freund und Fachgenosse meines verstorbenen Gatten, führe. Die Verleihung der Gaben selbst würde die phi- losophische Facultät feststellen und nach dem Abgange des Herrn von Keller dessen Nachfolger in der Professur der deutschen Sprache und Litteratur in der Verwaltung des Stipendiums ernennen. Stuttgart, 10. Mai 1874. Emilic ü bland, Wittwe. Berichtigungen zur Zeitschrift für deutsches Alterth'im. Die in der Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 94 iV. von E. Stein- meyer het ausgegebenen Prudentius-Glossen hatte ich mit der Kolner IIs. zu ver- gleichen Anlaß und habe dabei folgendes abweichende zu bemerken gefunden ). 1. geidelosa, nicht getdelosa. — farzartheit, nicht fer-. 21. am Rande: glatten -i- lim**). 50. precipiti. 72. hie et lue armentalis sueiklib. fehlt nach 81 (zu V. 42): defugas. de fuga. gae. fixt (fluht). fehlt nach 86 zu. v. 124): lacertorum. muse. '.'7. 98. conclaue keminadu; am Kunde: hoc conelaue -i- gkxxclui etho; also: conclave. i. giuuelui etho keminadu. 120. golpnbsxb (also golonasuh) statt — suht. fehlt nach 142 (zu 157) Euuoti. proprium nomen. heuuanti. 117. thrisexn. 151 hbnttafkl. 161. zeichfueri (Druckfehler). 1 66. cbznnkzale. 170. essedo. uchiculum gallieum i- sambuc. nach 174 (zu 222) fehlt: lydius leih. 181. Binihthpn. 185. bIi sufra. 189. circulator. rizzari. sculptor. 191. bubnt aterrpn. 196. nach hbrphb: in qua pendent homincs. 197. pleuresis laterie dolor, etfchfthp. 199. bladrün. 203. artheeis. articulorum dolor i- crampho. 204. Bcalprum. i. Bcrdhisar. unde Bcalpellum dimifi. .-. leithün. 23n. fragitida, so am Rande wiederholt, im Text«' as. prechpt, darüber in manu. ■lit empfehlens- und nachahmt cheint mir dio Nichtauflösung der Geheimschriften, da die Auflösung keineswegs i | ichne auch dergleichen Ungenauigkeiten der Ausgabe, da noth- wendig ist zu erfahren, welche Form, welcl I G wird. 384 MISCELLEN. 254. anegrabitotemo. 255. zuic. 257. unguine. salba uel su. . nach 262 (zu 430) verdiente Erwähnung: Getae. Gothi qui prius feroces erant. nach 271 (zu 450) fehlt: chaos uel ehao finistir nissitha. 274. oblita. circumdata corpore, biclenan. nach 282 (v. 114) fehlt medicans, darüber fundens lupbönti. nach 285 (zu 210) fehlt: micat. sprungezta. 293 scutulatis. uariatis. skibahten. Am Rande steht: scutulatis uestibus. s. .uat.en. 302. bksprbhnk f. 322. die Verszahl ist 6G2. Dann fehlt (zu v. 689) utramque ethuuetheremo. 347. mappalia rusticorum habitacula cum frondibus facta, tabernacula pastorum, verdiente Erwähnung. 352. bislifta: das mittlere i auf breiterer Rasur, urspr. wohl bisleifta. nach 353 fehlt (zu v. 66) matrona -i- itis. 395. strophimn. fascium pectorale. tuhil. 401. bullis. gemmis. castpn. nach 404 fehlt (zu v. 527): monetae -i- percussura nummorum -i- muniza. 411. cornicinum. curua aera. heribouchan. 412. editiore loco tumulus quem vertice acuto; am Rande bog; also zu tumulus. 423. imbricibus. tegulis. skintelon. 424. gislafon. 425. pelice (nicht zu sorore) kellun. 428. uuidillo, Glosse von celeps, nicht von concubitus. 432. uzkitruchnaz. 442. Zur Erklärung gehört concreto (crine). 447. Zur Erklärung gehört (vereor) ne. s. thaz. nach 452 (in relat. Symmachi) in posterum. in futurum, hinnen uure uuertes. nach 463 hätte Erwähnung verdient (zu v. 695) Geticus de Gothis -i- Radegisus siue Alericus. nach 466 (zu v. 613) fehlt: uadimonia uuettk. 483. wohl nicht ein o oder x hat zwischen xx und 1 gestanden, sondern i: das Wort hieß uuilu. Persorjalnotizen. In Greifswaldhat sich im Sommer 1874 Dr. F. Vogt für deutsche Sprache und Litteratur habilitiert; in Zürich Dr. F. Vetter. Dr. H. Suchier, Privatdocent in Marburg, ist als außerord. Professor der romanischen und englischen Sprachen und Litteraturen an die Universität Zürich berufen worden, an Stelle des nach Breslau berufenen Prof. G. Gröber. Dr. W. Wilmanns, Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, hat einen Ruf als ordentlicher Professor der deutschen Philologie nach Greifswald erhalten und angenommen. Im August d. J. f in Zürich Prof. Lüning, bekannt und verdient als Herausgeber der Edda. ZUM KOLANDSLIEDE. VON KARL BARTSCH. Für die Kritik des Rolandsliedes ist außer dem, was W. Grimm in seiner Ausgabe geleistet, wenig geschehen. Den nur in der Heidel- berg erhaltenen Epilog hat Grimm in der Zeitschrift für deutsches Alterthum 3, 281 ff. behandelt und an einigen Stellen verbessert. In meinem Buche über Karlmeinet habe ich S. 201 — 208 zusammengestellt, was sich für die Kritik aus den beiden Umarbeitungen ergibt. Haupt endlich hat in seiner Zeitschrift 15, 25G — 258 ein paar Stellen berichtigt und erklärt. Das ist alles, und doch bietet das Gedicht namentlich da, wo die Heidelberger Hs. allein zu Gebote steht, der kritischen Schwierig- keiten in ich genug, die ich in meiner Ausgabe nach Kräften zu heben bemüht war. Die handschriftlichen Quellen sind in Grimms Einleitung aus- führlich beschrieben: ich bemerke zur Ergänzung nur, daß in 1' am antern Rande von 1)1. XVI* folgende Worte von einer Hand <\*-> 14. bis 15. Jahrhs. stehen: lieue her ich biden dich dorch dhn- minne de du hede zo mimlich..., ein Beweis, daß die Hs., ehe sie nach Heidelberg kam, auf niederrheinischem Gebiete sieh befand. Ich behalte die von Grimm ählten Siegeln bei, A = Argentinensis, P = Palatinus, S = Swe- rinensis, \Y = Wirteinbergensis (das von Kausler in Stuttgart entdeckte Fragment). Zunächst folge hier eine Ubersichtstabelle, aus der ersichtlich, welche Theile in mehreren oder nur in einer Quelle uns erhalten Bind: 1-514 P. 4217 4311 l'W. 515 B38 AP. 4312-4465 P. 14 P. 4466 5898 \l\ 905 978 1 5899 3048 P. 979 L607 APS. 8049 3474 AP. 1608 1843 PS. 5 l,.. - 706 P. 1844 L900 P. AI'. 1901 ~2iri AP. 8739 -77« i P. 2728 3224 P. 8771 9016 AP. 3225 3829 Ab. 9016 9094 P. 383 I 1216 b GERMANl \ VII (XIX.) 386 KARL BARTSCH Es liegen mithin nur an einer Stelle (979 — 1607) drei Hand- schriften vor, im übrigen steht entweder eine einer andern gegenüber oder sind wir überhaupt auf eine Hs. angewiesen*). Jene längere Stelle ermöglicht aber über das Verhältniss der Hss. sich eine Ansicht zu bilden. Es stellt sich heraus, daß A mit P gegen S, an andern Stellen A mit S gegen P, wieder an andern P und S gegen A stimmen; in der Regel ist die Übereinstimmung von je zwei Zeugen beweisend für die Richtigkeit der Lesart. So AP gegen S: 996. 998. 1005. 1030. 1031. 1042. 1053. 1108. 1115. 1149. 1197. 1203. 1205. 1206. 1267. 1330. 1332. 1342. 1344. 1352. 1368. 1393. 1396. 1416. 1425. 1428. 1440. 1441. 1476. 1491. 1500. 1511. 1534. 1537. 1543. 1544. 1551. 1553. 1557. Es sind zum Theil metrische Gründe, die hier die Ab- weichung veranlasst haben, zuweilen auch schon das Streben den Reim zu glätten, an manchen Stellen ist ein unverständlicher Ausdruck, an anderen ein älterer durch einen Jüngern ersetzt. Nur 1448 könnte man zweifelhaft sein, ob verstozet (== AP) oder bestroufet (== S) das ursprüng- liche ist, und an einer Stelle (1438) steht, freilich in etwas unbedeuten- dem, S dem echten näher, indem S hat man ime, AP man in, und das richtige ist mann ime. Auch wo A und S gegen P stimmen, haben sie fast immer die bessere Lesart: so 999. 1009. 1018. 1021. 1056. 1065. 1084. 1120. 1163. 1190. 1243. 1262. 1295. 1308. 1339. 1380. 1387. 1397. 1420. 1429. 1455. 1485. 1532. 1545. 1547. 1564. 1576. 1579. 1584. 1587. 1605; meist sind es Nachlässigkeitsfehler, und absichtliche Änderungen kaum nachzuweisen. Das richtige hat P gegen AS an zwei Stellen, aber in unbedeutenden Dingen, nämlich 1202 fügen bei adhortat. conj. AS er hinzu, das P richtig weglässt (vgl. dagegen 5704), und 1457 hatP richtig ivissen statt geioissen AP, nach niederd. Art mit weggelassener Vorsilbe, wie umgekehrt A das richtige wisheit gegen geioisheit P hat 787**). Die Übereinstimmung von PS gegen A gewährt gleichfalls in den meisten Fällen die richtige Lesart: so 988. 1015. 1020. 1022 (vgl. 2078). 1028. 1034. 1036. 1050. 1064. 1086. 1092. 1107. 1130. 1139. 1145. 1169***). 1171. 1183. 1191. 1194. 1196. 1223. 1229. 1234. 1235. 1239. 1245. 1251. 1271. 1284. 1309. 1318. 1319. 1323. 1349. 1376. 1378. 1399. 1406. 1445. 1459. 1466. 1471. 1481. 1487. 1512. 1534. 1550. 1583.1587. 1592. f) 1596. Das richtige hat A gegen PS 1049, wo PS den *) In den Partien, wo P allein vorliegt, habe ich die Bezeichnung der Hs. weg- gelassen. **) Auch 1081 weist die Überlieferung auf wissen. ***) Es ist daher wole scone zu lesen. •}■) Daher zu schreiben iz ne wart nie nehein heiser so köre. ZUM R0LANDSL1EDE. 387 Artikel vor dein Possessivum weglassen, wie umgekehrt A ihn 1034 weglässt; 1103 ther uns thie heilige geist gebe, wo PS die uns der, d. h. sie beseitigen die Attraction und die masculine Artikelform thie' ebenso 1177. 1285. 1342 thie A. wo PS der*)-, 1406 der Artikel beim Vocativ, den PS weglassen; 1411 fügen PS dem infin. ze hinzu (vgl. 543); wan statt gewan PS 1461**), thanc statt gethanc 1308, und so wohl auch zam A statt gezam PS 1016, zame 1374 statt gezäme PS, troice statt gebrikoe 1321; das verstärkende so lassen PS aus 1083. 1363. 1525, wo A wohl das richtige hat***), und auch 1352 ist das in PS fehlende thir sicherlich echt. 1104 fehlt iz in A, kann aber in PS zugefügt sein, wie 1108 S (gegen AP) das gleiche Wörtchen einschiebt. Vgl. noch unten zu Y. 663. Weder in PS noch in A ist das richtige erhalten 1311, wo PS erhübe du, A gelofe hat; zwar das Pronomen beim Imper. wird eeht sein, aber statt erhübe oder gehube schrieb der Dichter nur hübe. Das Gleiche 1256. 1311, wo P erhüben, S urhuben, A geloben (gehfen)f). Ein zweiter Fall ist 1398, wo A then lip, PS minen lip, das echte wird sein then minen lip (vgl. das vorher zu 1049 bemerkte und unten zu 5238. 8375); die Übereinstimmung von PS beweist an beiden Stellen nichts für eine gemeinsame Quelle oder ein näheres Verhältniss bei- der Hss. Bei Abweichung aller drei Handschriften hat A entschieden das richtige 1086 ther aller trist, wo P daz und S das Prouomen weglässt: vgl. meine LD. zu I, 10. Ebenso 1132 heven sih (conjunct, adhort.), wo P si heven sich, S hevent si sich: vgl. vorher zu 1202, wo AS das Pronomen hinzufügen; 1427 neverestu A, envirste du P, nevristet S, wo allerdings S wie eine weitere Entstellung der Lesart von P aussieht; 1402 tht-s grah = gebrach :i'j47. ira/t : gevoalk 8761. 6746. rinde - getinde 4690; ***) Allerdings maß mau dann 1 198 8 gegen AI' auch Recht geben in Hinblick .-int- 1868. f) Vielleicht anefa rih louben iW>/ gisile. 907 nu| un S. nur/, ratet durch- strichen waz wir (fehlerhaß aus 906 wiederholt) P. 913 groz $. 914 gwinne P. 917 ih ,/W,// P. 921 mahrnete & 922 ßi gewel- tigent >'. so geweldigent si P. 923 risenot & 924 die P. 925moze wer 8. imir wole glagen P. 927 in /'. 930 erste /'. 931 üb, H*'c/^ lij» /'. 932 Bwenne 8} swanne P. die zit S. 933 sal S, scole P. 934 vile fehlt S. wal .\ wole /'. 935 in /'. 938 ge- .-tiuint P, er gestuot 939 nu wole herre P. 941 gode P. 942 di p. 946 leite P. 947 anz fehlt S. zo den & 951 be- kennen S. 953 unrein«'/. & 955 Barreguz ', sin A. 1053 sin /eÄ& S. ne /eftft P& 1056 urlobes A, des urlobes P 1058 an A. 1059 an S. 1062 an 4. 1064 ire fehlt A. 1065 thes] is /'. 1066 oder, aus oder in ader gebessert, P. 1074 an S. 1075 chrump P 1076 maehte P, mohte AS. thieoest A. iet 4, ich P geschaphen PS, gescaffen A. 1081 gwisse P, g übergeschrieben. Wahrscheinlich ist wisse cfo'e echte Lesart; vgl. 787. 1457. 1082 mi- chelis (-es) PS. 1083 so fehlt PS. 1084 daz P scol A, schol P, sal £. 1086 Thiu solte A. wesen 4, si P ther 4: daz P, fehlt S. 1087 sen .4. 1089 wesse {wohl wsse) 4, wuochse P, wochse S. 1091 an A. 1092 wolde ih A. gerne fehlt S. 1097 sin & 1098 al under wege A. 1100 raten S. 1104 iz fehlt A. 1105 an£. 1106 uns PS. 1107 uns allen A. 1108 zemt iz niht S. 1110 sament 4. 1112 zeichen A. 1116 vor ime da S, vor ime P, 1119 hirA 1120 uder slach P 1124 dar PS. 1125 ne fehlt P. 1130 sine] ire .4. 1132 si heuen P, heuent si S. 1139 üble thine salte herre A. 1141 hete AS, het P. 1145 ungewegen A. 1149 nu] noh A. haben] untfahen S. 1150 die S: ther AP. tha 4. 1151 üble P. 1153 gerwet(?) A. uns alle hir nah A, uns hernach alle S, uns hernach uile P. 1155 gestericheten 4, gestreichtem PS. 1160iuwet£, iewet A. 1163 die uns der PS. geist fehlt P. 1166 samenoten A, gesamnent S, gesament P. 1169 die S. vile] wole PS. ZUM ROLANDSLIEDE. 395 1171 ir fehlt A. 1172 mannelih 4. 1173 vor AS. 1177 der PS. 1178 tene, zwischen geschrieben, P. 1183 cortüne P, virtune 4. 1184 diebalt PS, Teibat4. 1190 gergirs PS. gergir />. 1191 gri- seis A. 1193 brittannia, ein n übergeschrieben, P. 1194 stunt S: ther stunt .4, gestirnt P. al /eAft 4. 1197 ir fehlt S. 1198 üben A, übet P, nicÄ£ über. 1200 thar A. 1202 er neme AS, heithene A, beiden P. 1203 oder man uure die boten hinne A. 1205 ne fehlt P, uil ne S. 1209 ne fehlt P, un ne S. 1210 gewerliche PS. 1211 Mables X. 1215 unsen S: unseren AP. 1220 uore A, uort & 1221 minen A. 1222 biscoph, b aus oder in p verändert, P. 1223 selbe /«Äft4. 1227 da P. 1229 di#, ther AP. sagend. 1231netruwe4. neheiner hat auch P. 1234 uersezzen S, uersocben A. 1235 ime urithe A. lazzen, ein z übergeschrieben, P. 1236 nine PS, niht ne A. 1237 minen 4. 1238 fehlt A; vgl. K. 438, 6. 1242 wither 4P. 1243 lageten A, geleiten P. allu A, fehlt P. 1244 vorhten sie A. 1247 sanctum A. 1251 er fehlt A. lip, am Schluße der Zeile, P. 1252 kruke 4. 1255 bluet P, bloet A, blürae <& In 4P darüber flos. 1256 scolt 4P, salt S. urlouben S, geloben 4. 1258 an S. 1260 thine] thie P. 1262 in P. 1264 biscof4P, bischof S. 1266 maehten P, mehten S, mohten 4. 1267 geweit >'. 1268 ge- restet S. 1269 uaste P. 1271 sterken 4. 1272 habe P. 1273 get sizzen S. 1274 gesizzit P. 1277 alle 4, al S. 1279 sinÄ 1280 biscofe 4, bischoffe S. 1283 wil S, fehlt P. 1284 so] thu 4. 1285 der PS. 1289 die S, ther 4P. best 4& 1292 grozzer, ein z übergeschrieben, P. 1293 scol /, sal AS. 1295 daz er iz wole P. 1296 lone 4. 1297 thienet 4. 1299 tha vore 4. 1304 sie ne hilf 4, in ne gehilfet S. 1305 tha ane 4. 1306 weincte S. 1308 des (Schluß der Zeile) ne heinen P. thang 4, gedancPS. 1309 sende 4. tha 4. 1311 urloube S, gelofe 4: v$fJ. 1256. du ez S, iz 4. 1316 is mir 4, mich mir 9i" P. 1318 alles fehlt 4. 1319 schiere PS, wole 4. 1321 trowe 4. 1323 dinen P, thie 4: t#J. 1260. 1325 ne fehlt P. 1330 zestorent £. 1331 ne fehlt P. gewaehne P, gewehne S, gewah 4. 1333 böte 4. 1339 herre fehlt P. 1342 were -6'. der PS. 1343 iethoh then ende 4, daz ende iedoch P, daz ende aS. wole wole P. sagen , 1. 1345 scolt 4P, salt S. 1349 mit fehk A. rowe 4, gode S. 1352 thir fehlt PS. thune fehlt P. 1353 thaz iz mir 4. ne fehlt PS. ver- wizzeP. 1355 wenne PS. 135* tonde ,1, tuone PS. 1362 ne /eÄÄ PS. gewaene P, gewah 4, geweh S. 1363 BÖ /«ÄÄ PS. 1365 sament 4. 1368 triwesten S. 1369 gczeichen J. 1371 rede- 396 KAKL BARTSCH haht P 1373 meu S, me P. nu fehlt A. einen S. 1374 zeme A, gezeme PS. 1376 scol AP, sal & ins P, es in & 1378 Spra- hen A. 1379 maechte P, mehte S, mohte A. 1380 romischeme riebe, uogete. P 138lsowaA sende P. wolde APS. 1386 under den hersterbe S. 1387 allez fehlt P. 1388 acb P, bueb & unde un we P. sce] sie A, gesche S, geschehe P. 1390 geiste A. 1393 ist idoch min S. 1396 there] diner S. 1397 scol AP, sal & ouch 5, fehlt P dir Ä. 1398 scol ^1P, sal S. minen] tben A: viel- leicht ursprünglich tben minen; vgl. 1049. lib AP, lip & 1399 nu /e/iZf J.. 1402 des gat (aus hat gebessert) mich ane P, iz tot mir & 1405 gezochelicbe A. 1406 ther fehlt PS. swager 4. 1408 wis A, wiser & 1411 intphahen A, zentphaben PS. 1413 sinne A. 1415 siebs P, sih A, es sich *S. 1416 genuh werete sich Genelun S. 1417 hantschün S. 1420 di'ze hast du P 1421 üble P wr ime durchstrichenes dir P. 1425 ne /0*. £*. 3030. 2523 ze der P. 2524 tusent PA. 2529 wil dirz P ze stete /eM A. 2531 ne /eÄft P 2534 netete sin nehain war P: nach F. 6811 gebührt dieser Lesart vielleicht der Vorzug. 2536 in P 2537 mir vi. 2540 in mir] mirn P 2541 waldeprun vi. 2542 ih fehlt A. 2543 tho fehlt P 2544 lussam] wol beslagen P. 2518 nehaine P 2549 swa du in P 2550 unter P ristest P. 2551 thih] thiz A, ZUM ROLA.NDSLIEDE. 401 diu P Die Lesart in A ist entweder schon vom Schreiber oder vom Her- ausgeber verles n für thih. 2552 gedinge /'. 255G ne fehlt /'. 2558 thcn .-1. lazen P. 2560 iemer fehlt 1. 2562 gemache P: r;//. 2712. 2563 di /'. 2568 scol auch 1'. 2578 gewinne /'. 2579 scol A. 2582 hetestu 7U. nu erslagen P. 2587 an A. 2590 un- therei .1. 2595 uz von vil A. 2598 von A: vgl. St. 3072. 2602 belthene .1. haiden P 2603 wlterAP: ültor St. 3080. 2604 ther fehlt P 260'. I antelun 7': iv//. $. 3089. 2610 doch P. wäre er A. 2613 calariaP. 2615 mer AP. 2616 gote fehlt .1 2620 vuorte fehlt A. 2621 in P. 2623 maglirte AP. 2625 hornbogen, r über- geschrieben, P. 2626 deheiner P. 2630 irginc P. 2634 tiier fehlt P. yselen P, insuleu A 2635 niugen A, niun 7J. buchalare A. 2638 in P. 2639 gewaffen P. 2641 cbüne P. 2646 uffe A. 2647 al A. atihgere 7J, ethgere .1. 2648 in ir hantou m. P. 2650 der hetP. 2653 trugcnheid A. 2657 al J. 2658 sit wart iz in P. Vgl St. 3130. 2660 uz von A-. vgl St 3132. 2661. 62 fehlen P. Der Schreiber sprang von manigen heim mif manigen helet. Daß der Stricker 2661. 62 nicht nieder gegeben hat, beweist noch nicht, daß er diese Versi nicht vor sich hatte. 2664 chüne P. uorhsam A. 2667 le- hre AP. 207«! hahgeieA 2671 in P. 2683 ue fehlt P. 2685 ne geschaiu uie dehain P. 2686 gwunne 1\ wunne A. 2692 tha A. 2694 mohten A. 2698 neuene A, nu nenuen P. nine P. 2700 di chronen P. 2701 adelrot /;. 2702 was zwischengeschrieben, /'. 2704 thaz iz A 2713 ther fehlt P. 2715 iu P. rike A 2716 gehaize thir A. 2718 an- der stunt (auf zwei Zeilen) /'. 2719 herre .1. 2721 is ime] im sin P. 2723 autreiten Grimm: an raiten P, gereiten A. 2727 die, nicht di, 7'. 2732 gwalt. 2751 selbe seihe, auf zwei Zeilen. 2766 uerlazze. 2769 sinem. 2771 haigeren. 2802 wellet. werd'e. 2806 gwalt. 2808 ich geruwe. 2819 Absatz. 2821 di di. 2827 chomen. 2843 untergen, am Schluß der Zeile. 2850 wirdieliche. 2851 herren. I enbutet. 2866 di. 2868 her Bchaphte. 2881 en- nain, in zwei Zeilen. 2882 algaailes. 2892 himi- lischen, s übergeschrieben. 2893 diz. 2896 widir. 2902 ain — ge- winne. 2903 ain. 2904 uan. 2906 swiz. 2909 erbeiten: St. 3425 gebiten. l 2916 scantlichen. 2922 maechte — huote. 2931 1 miste. 2936 gedwungin aus gewunnin gebest 2941 furchten. 2945 swen. 2947 menlich. 2950 min] man: vgl. St. 3475 dem sali ir Spanje lihen. uan. li'. '-"> 1 dunchet, n übergeschrieben. 2959 hete. 2'.>7f>. 76 benumen : chümen. 2979 het ir. 2 Eranchen, □ .»•/ GEEMANIA. Nuuo Reiho. VII. (XIX.) Jahr* 26 402 KARL BARTSCH schengeschrieben. 2987 war. 2990 zwanzic. 2994 het er ain. 2996 alle alle, auf zwei Zeilen. 2999 got zwischengeschrieben. 3007 virgab. 3029 entnühte. 3033 ain. 3036 hant Grimm: fehlt. 3039 uirzaigete. 3044 niman. 3049 gnadeclichen, in -er gebessert. herre. 3051 inuz. 3052 sunde. 3055 entrunner. 3056 erlo- sest. 3061 böte, liieze ist doch ivohl richtig und kint dazu als Subject zu nehmen. 3067 euslief, nicht entslief. 3069 ain. 3070. 73 cheten. 3075 were. 3077 geweltigot. 3082 gkaiser gab. 3084 so wä man fehlt. 3088 si zwischengeschrieben. 3091 var Grimm] war. 3092 herren. 3098 lebe. 3105 het. 3106 mir fehlt: Grimm loill an streichen. 3107 watlich. 3109 chom. 3118 xoahr •scheinlich fehlt so vor scol. 3119 enphake: so P. uan. 3124 daz daz ich: nach dem ersten daz Schluß der Zeile. 3130 gearbeite: so. 3137 hi. 3138 wold Grimm] wol. 3142 nich beste, bestan. 3148 im zwischengeschrieben. 3153 kanlinge. 3160 uon mir zwischengeschrieben. 3164 unseren: vgl. Str. 3908. 3175 im dem. 3176 kaiseres. 3177 getrulichen. 3179 geschaez im. 3180 erfröte. 3181 uan. 3187 erchenne. 3190 uan. 3192 da was ain. 3197 nimer wolten geswichen. Die Reimbindimg geswichen : Sachen ist' nicht'ivahrscheinlich ; dagegen vgl. sie wseren im ungeswichen zuo allen sinen Sachen Kaiserchr. 14261, und ganz wörtlich ebenso Rother 4377 R. beswichen : gemachen Kaiserchr. 12165. 3198 ze hainen. 3207 uan. ih Grimm: fehlt. 3210 sorgem (so!); vgl. 236. 3211 entrinnen. 3222 geben maze; vgl. 296. 3225 lieven A. 3226 schieden P. 3230 ingeside] in sio A. 3234 owie tha A. 3235 wof A. 3237 gehorte P. nie fehlt A. neheim A. 3243 thie ere er the A. 3244 werde R 3245 uan AP. 3246 heten AP. 3247 ne fehlt P. gebrach P. 3250 gesunderote P. nieman A. 3252 ge- raden A. alleP. 3253 gelouben P. 3255 bestuonden AP. 3257 ge- winne P. 3259 wir fehlt P. 3261 mines fehlt A. 3262 tha fehlt A. 3265 thie sint mit A. 3267 Gergeis A. 3269 alto, scheint in atto gebessert, 1\ ato A. 3272 ain P. 3274 in fehlt A. 3279 kein Ab- satz A. geraite AP: ich halte diese Verbesserung für nothwendig, wiewohl A und P übereinstimmen. 3281 in fehlt AP. ain AP. Hechten /'. 3282 man fehlt AP. deme hiemele ueste ne weste P. 3288 mit ge- swel gesmelze P. 3291 den P. venerat A. 3293 gewrhten A. 3297 alle A. 3300 füret P. 3301 thaz fehlt P. 3302 ne wart .1. 3303 gelichte P. 3305 in swelh ende man P. 3306 geraite P. 3310 wahs] uast A. 3313 haidenscaft P. 3314 Thes .4. 3315 noh, Schluß der Zeile, P. 3316 allez allez P. 3318 etsazen A, uer- ZUM ROLANDSLIEDE. 403 sazen /'. 3319 kein Absatz A. hau leite P perlen A 3322 thie liuhten.l, die luchten /'. 3324 uorcht /'. 3325 in P 3326 uan AP. 3329 uil man P. tha A. 3330 airi P. 3334 lite P. 3336 ne fehlt P. iuch sin P, iuh A. 3342 er allenthalben P. 3344 vile fehlt A. 3345 prunerA 3348 geuangen P. 3350 witherscin A gare fehlt P. 3352 mohten A. 3355 Sternen P. 3356 ze uolchen P. 3359 thaz sih uf AP. 3360 mohte A. werde P. 3361 über mütP 3363 ia A 3367 thcn ß-hlt P. gehaizet P. 3368 in siner gehorsam wellent P. 3369 rölant P, rolant A. 3371 zo A, fehlt P. 3374 unt fehltA. ne /eÄft I'. 3380 gesmarme P. 3381 sih fehlt A. 3384 seine min zeswer hant A\ vgl. /St. 4110. 3386 geslahe P 3388 irej hi A: vgl. St. 4112. 3391 swike A, geswiche P 3393 di P 3396 si zwischengeschrieben P. 3397 giengen A 3398 thcn /e/«fr A. godes lihchamen A 3399 sie sohten A: vgl. St. 4134. -3400 he- mile A. 3402 sie fehlt P manten si P siner /eÄft P. wnde A. 3403 thie /e/*ft A. 3406 unchundare P 3407 pihte A. 3413 sine /eAfc P nich P 3415 alte erbe A. 3419 ain P 3422 chuske P, kusge 1. 3424 inne P 3427 wir dirre P, wirre A 3430 sa- gene P. 3432 trenenden A, trahenden P 3437 heiligen brote P. broudeA 3438 uronen P. 3440 do P wafeneten A. 3443 brutloften .1/'. 3444 haizen P. 3448 sie nahen A. 3450 ge- swiche / '. 3451 eineme A. 3453 spalmista P. 3455 grozzen Ion min A vgl. St. 4167. 3456 bruderlichen, en zwischengeschrieben I'. mit (Zeilenschluß) mit ander P. 3460 geloube P 3462 nchaincn A 3464 fröt P, frote 4. alle A. cristinhait P 3468 groz A. 3472 ge- hofeten A. 3483 scefare A 3484 waren] rehtcn A. 3490 hant- wercP. hetenAR 3491 kunige AP. gebot P 3492 afgote A. 3493 aller fehlt /'. 3494 tha A. allen P 3498 puten A. 3499 liuhten J. 3500 groz .1. 3502 di erde ninc P. blechet AP. 3503 ne fehlt /'. nicht.; 4. 3504 wäre A. 3506 tho A. 3508 hat gethort A 3509 da diu deumnt hin ze P. 3510 daz di uberinüt, i' zwsichengeschrieben, !'■ 3511 in /'. 3512 swer der welle P 3519 daz, z zwischengeschrieben, /'. 3520 uvheten .1. 3523 pelaite si ze IJ, belaite ßie ze .1. 3526 kom nehainer mer A »St. 4262 der gote quam deheiner wider. 3527 erslagen .1: zeslagen Init auch 8t. 4263. 3528 in graben /'. 3530 um], im .1. selben nichtes I'. 3537 moser tot P. 353S nnnnaze /', iininaivn .1. 3540 Absatz A. 3541 ain P. in P. 3546 »6, zwischengeschrieben /'. erchom /'. 3549 erdin /'. 3550 geniin /'. 3553 tugenMiche /'. >5 lie .1. lene A 3562 ih /eÄft P: wjtf. 3594. 3564.65 mir machmel widere. 26* 404 KARL BARTSCH unser P 3566 ime sin uil P 3568 mohtu A 3570 scoltu A, saltu P 3571 inier alle P 3574 ir uch P 3576 Ther A 3579 berait P 3583 scare A 3584 nicht widir iu P. 3585 ir slahet A 3587 so fehlt A. 3588 dehainer P 3589 sca 4, ge- scach P. 3590 sone geschach. die selben g. b. P 3591 pillichen A, billih — in P. hangin P. 3593 here AP. 3596 er ze houe kom A. 3598 minen A uan AP. 3599 hin P, hinnen A. 3600 louvej ge- loue A, erloube P 3602 an A, sint mir an P 3606 alles muzc e mines P. 3611 urstamne P 3614 ih thiene A, din P: vgZ. 3562. 3594. 3615 hantwirt P 3616 herre ist imer A. 3617 gif A git P. 3618 geht P 3619 allen A. rike A 3621 mineni lie- bin kinde P. 3622 gewinne P, uinden A. 3630 wilt kerren A 3633 rehtes fehlt A. 3636 ne fehlt P 3637 allen fehlt A. 3640 philonin P 3642 Absatz A. 3647 genomen AP. 3651 kein Ab- seite P Malwir A, Malwil P 3652 dinen chunclichen P 3654 ge- slahen A 3655 liebin P 3656 orlof A, urloup P. 3657 thaz fehlt P: vgl. St. 4439. 3660 gwillichin R swrslichen A : St. 4442 fta£ für war. 3661 unde fehlt A. ane fehlt P. 3663 in sinerae riche fehlt A : vgl. St. 4444 in sinen landen, grozen P 3666 sprah er fehlt AP 3668 du ist P 3672 irslahe P. 3673 Thoh A. 367 '5 h an den ^4P. 3677 die Änderung Grimms gewere ist nicht nur unnöthig, sondern falsch. 3679 si iemir din P 3680 mir zaichen A. 3681 turtulos A. 3682 wiltu herre unde Avis A. 3684 gift A. 3686 pringe P 3689 hon muot A 3690 gestunt P 3692 chun- lichin P. 3695 cinshaph P 3699 herze plute A 3703 also A. ricke P 3704 gewaldihliche A. 3707 ban P, pan A. 3708 ir- ledige P al A 3710 er/eAZ« P. 3712 min here 7J. 3719 wurde sin P7 wrde A. 3720 gefrumen P 3722 gewinuint P gedinge, d ii&er ausgestrichenem w, P. 3723 werden A 3725 ftem A>sate A gargariz A. Sibilise P, Sibilia ,1. 3726 kunige AR 3729 in fehlt A. 3730 minneten A 3741 er fehlt A. 3743 then fehlt P. 3748 ne fehlt P. 3749 Frangrike 4. 3751 gewalt P. 3755. 57 ne fehlt R 3758 al din P 3759 wnd 3794 cenubiles ^1P: vgl. die Anm. 3763 mohten A. 3766 daz was R 3767 daz (tfÄJÖ der Zeile) daz Hut P. 3768 ne scain A, der ne gescain P. tha ^i. 3769 dar in P, an then A 3772 nehainen 4, fehlt P. 3777 di P. .3778 iseninen P. 3779 swi P, swe 4. 3782 widir, zwischengeschrie- ben, P. 3786 ne getruwe P 3787 din 7J. han A. 3788 uan A 3792 getun P 3797 gefristet P 3806 ne /eÄft A 3809 sinne A. 3810 liez(?) A. 3811 dirz lop P 3812 is thih A, dir sin P ZUM ROLANDSLIEDE. 405 3817 iegelichen A. uan AP. 3818 uolgeten A. 3822 unt diu tal /'. 382:) vsrege A. 3827 ir sin min /'. 3828 samt fehlt /'. 3844 ne fehlt. 3849 ich sin. 3850 chom. 3854 thiu] daz. 3866 chom. 3*74 ain. 3881 martere; von Grimm gebessert. 3884 gahin. 3889 disem. 3898 tugent, das zweite t übergeschrieben. 3909 uert aert. 3922 macht. 3932 sunden. 3933 ain ainborn: St. 4812 niuborn. 8942 heten. 394(5 heten. 3949 zuo] im: vgl. St. 4839. 3951 deaine. 3963 heten. 3965 renne. 3982 iu fehlt. 3983 sal. 3986 ain. 3992 wirtsceftin: vgl. zu 236. 4014 chüniges li)18 zwef. 4020 adalrot. 4026 chunc. 4029 an thir fehlt: vgl. 3106. 4030 di am Schluße der Zeile: vgl. 3777. 4041 there fehlt: oder es ist alliu zu lesen. 4045 wilt du. 4051 iht Grimm] ist. 4054 cinses, nicht cinsis. 4058 fuzein. 4068 monsoy nur ■ inmal. 4069 de kaiseres. 4070 baz Grimm] bal. 4071 stet. 4076 geleistet, ivie schon Grimm besserte, nach St. 5032] gehaizen. 4078 gedencket. 4083 garpin. 4094 iz fehlt: St. 5072 daz ist din jungester tac. 4099 si pegund", am Schluß der Zeile. 4111 uffe. 4118 der aus den gebessert, tigelet: von GHmm gebessert. 4120 sam sluogcn sie fehlt: von Grimm ergänzt. 4124 hiwe. 4126 in der. 4129 archan: St. 5139 Artan. 4138 uerchwun- den. 4143 swa erz hin. 4149 fulten. 4152 vraister 0. 4158 lieten. 4160 hiwe in. 4165 ne fehlt. 4169 bette hüs. 4174 hie] nu raachmet. hi. 4176 ih Grimm] fehlt. 4178 duz nu: diese Lesart hat schon Str. vor sich gehabt; vgl. 5190. 4182 golde garwen: vgl. 4288. 4188 trugenhait. 4194 daz golt daz si. 4219 über was von andrer Hand von I'. 4220 ain P. 4223 schain P 4224 der lichte P: vgl. St. 5248. 4225 werc wehe W. 4227 bistu hie olivier weggeschnitten W. oliuir, o aus r gebessert, P. 422* dicke W, fehlt P. 4229 sist der cristenen weggeschnitten W. t230 lii P. 4231 zwelfP, sehs unde zwenzech IV. manne W. 4232 uan P. 4234. 38 wilt PW. 4235 daz zu W. 4239 podech W. bimel fehU /'. 4241 an einen W. 4243 al fehlt W. 4248 in- bor W. 4251 minen /', mime W. 4254 wirt PIK. 4256 niht n- W. 4257 podech W. 4259 wirfeo W. 4261 drowe W 4262 si sie do hüben W. 4267 zuchter er /'. 4270 recken W. 4271 sie er W. 427:; was weggeschnitten W. 4214 aver fehlt W. ha/, weggeschnitten W. 127") thie er. r. weggeschnitten Tir. monssioy monsioy W. 427<'> quamen II'. 4277 thie /aller weggeschnitten W. 4280 spizes II'. 4281 wachsen /'. 1282 um, der /'. 4284 mit IT. 4285 sechs P. 42s7 Absatz II'. 4288 mit manegeme II'. guido garwen uan P. 4291 danne P. 4294 niuwet fehlt P. 1295 scult P, 406 KARL BARTSCH salt W. hine W. 4299 herstrage P. 4300 falsorotes P. 4303 ther fehlt W. frum P. ne fehlt PW. 4304 fos aw/ uaz abgeschnit- ten W. 4307 allez fehlt W. 4308 da wart daz raichel gescrei W\ vgl. St. 5332. 4309 ther] unt der P, Do rief der W: St, 5333 der was. 4312 gewinne. 4317 unser Grimm] unseren. 4318 hinne. 4320 swiz. 4322 uan. 4327 sih fehlt. 4330. 31 cristen. 4339 manige. 4340 die. 4352 thär] daz. 4354 man fehlt, lebenti- gent. 4365 suche, aus suzhe gebessert. 4366 scoltu, nicht soltu. 4369 üz Grimm] fehlt: vgl. St. 5379. 4371 cursabile. 4376 Ster- nen. 4379 chunc. 4380 uon: vgl. St. 5391. 4383 Turpin. 4392 ersterbe. 4393 chunc. 4395 de aller. 4406 chunc. 4415 slah er fehlt, nalrichte. 4416 vor chrefte sind etwa vier Buchstaben atisradiert. 4417 er riet, von Grimm gebessert. 4425 uermezen. 4430 welch. 4433 uan hin. 4439 scrigen. 4440 higen. 4448 uil manige selbe tot, von Grimm gebessert. 4450 het. 4459 ueste. 4460 di. gesten. 4465 heim. 4466 heitene A, haiden P. 4469 der P. 4472 an A. hinen A, hin P. 4475 spieze A. 4476 fliz- ten P. 4478 ualten in allenthalben P. 4482 di so P. 4483 nie- man ufriht A. 4484 dar wunder P. 4486 uan AP. 4487 Mal- primes A; ebenso 4501. 4488 there fehlt AP. 4489 fürten aine P. eisliche A. 4495 ain P. uan AP. 4496 Tha A. 4498 tha A. 4499 Egers AP. er genante A. 4502 tot A. bequam A. 4504 ge- ren P. 4506 uaste A. 4508 mohte A. 4510 ain AP. 4515 uffe A. 4516 sie sin A. gemisten AP. 4517 kaiseres AP. 4519 nehain gedacht P. 4520 alle P. 4524 wunden P, wnde A. 4525 tho mohte A. 4527 diu ir P. 4528 gelagen P gewiche A. 4529 hunte auch P. 4535 zo in hette A, hete zu in P. 4536 ain P. 4538 kunig A, chunc P. 4541 thar A. 4543 sprancte P, spränge A. tha A 4544 kunige AP. 4545 di P. 4548 becloken A, be- tophen P: w^. 4650. 4551 sokest thu A, suchtestu P. 4553 en barmen A. 4554 hi zeste P. 4562 gift A 4563 uan AP. 4564 then ther A. Murlä nam] Murlana ^4P; St. 5587 Müralan. Oder es ist Murlanä nam zu lesen. 4566 hi AP. 4571 cristen P 4572 an- der stunt /'. 4574 nieman gesagen P. 4576 gewiche A. 4578 heten AP. 4594 uffe A. 4595 kunig A, chunc P here P. 4596 rechte uz chom P. 4605 luciferun A 4608 alle hi geschendent P. 4611 kumen A. 4612 von A, fehlt P. 4613 golde garwin P. 4618 gesahe 4, sage P. 4622 mohte 4. 4624 nahen P 4627 gesprancten P 4630 sampson sih mit A. 4631 then herze naue- len A, dem hercen (Schluß der Zeile) P 4633 der uil P 4634 iz ZUM BOLANDSLIEDE. |(,7 wer mezenliche .1 4636 gefristen P. 4640 in fehlt A. 4643 früten /', fruten -1. aerhiwen .1 L644 macht /', mah A 4648 uil spähe P. L649 lache .1. 4650 bctochen .1. 4654 michelen /'. 1656 da/'. 1657 ach /'. 4659 uns daz P. 4662 hetten AP. wih wäre A. 4664 brunigen A, brunnc A. thrilie A, drilihe /'. 466") tha kumen .1. 4667 uemazen P. 4669 margraue A. 1675 goltwin .1/'. 4678 er der marche P, thie er niiltihliehcn A. 4679 Absatz .1. 4682 bededen A, petteu /'. 4684 der P. uan AP. 4685 genige P. 4687 thaz fehlt P: vgl St. 5698. hülfe in P. 4689 er sach P: gesach auch St. 5702. 4690 sinen gesinden P. 4692 sehet ir P. 469:5 getrüc P. 4694 irz P. 4696 sin uns A 4697 ge- dencket P. />'"'// haut wiederholt eruechte der swerte an der haut /'. 4698 hiute fehlt P. 4701 mugent A. 4702 wir haben (Schluß der Zeile) dinen P. 4703 uns A. ne fehlt P. 4704 gcuellet P. 4706 thurh fehlt AP: vgl. St. 4714. 4709 seilt auch P. für A,. ufP. 4713 LargisAP. 4714 dit P, fehlt A. 4717 daz si P. 1718 wart] ther wart .1. 4727 unze fehlt P. 4728 brah A. 4729 Er sprah ist thaz ih mah A. 4730 thir ^1 : dir hi zestete P. 4732 er sprah fehlt P: vgl. ."5079. 4734 tot an there stund A. 4735 grimme A 4736 gerne fehlt A. 4742 mosen A. 4747 Absatz A. 4748 pose stränge P: vgl. St. 5769. 4751 erslugen P: vgl. meine Arm. 4752 begondei P. 475.') san P} so A. 4756 ne mohten A. 4758 in thie AP: der hat St. 5776. Der Accus, wäre zu erMären 'sind sie ireri : und kann wohl beibehalten werden. 4761 thiere A. gelac P. tha tot under 4. 4764 tusent PA. 4766 uvhten A. 476-s L,tte ;1, het /'. ailif A 4770 ther rief A 4771 thiser A 4773 aine, a?/£ Schluß der Zeile, /'. 4776 rittereil, riter P. 4777 crefte P. 4781 allen A. 4784 dinem /'. 4788 Marsilie P. ku- nige AP. 1700 geschit .1/'. 4794 er, darüber im, P. 4799 An- gelirs A 4801 clarmiel P: vgl. St. 5823. 4802 nehain AP. 4803 al A ertriet, undeutlich, A 1805 durch P: viel A 4807 clar- miel. 4809 Di A t813themA spruggen A 4816 uan AP. 4817 hetenAP. 4819 doh, am Schluß der Zeile, R 4821 grozin P. rliu /'. 4827 uorheren A 4832 uan AP. 4833 Herpa A 4841 kein Absatz A. Angelirs A 1847 im AP. 185] iehen P. 1852 hatte war enware A. 4857 uan .1/'. 1858 hunderl AP. 4860 ne /;•//// /'. 4863 Bchirmtte P 4872 beten A, gebetten /'. 1876 der /', ire A der auch St. 5896. dehainer P. 487s uan .1/'. 1882 the- meA vgl &. 5900. 4886 diu P, ther A 4887 uan /'. 1889 ther thegen A: vgl. St. 5907. 4894 mohten A gewinne P. 4895 wnde- ren A, wunter /'. 4899 eilen P, eilende A. tha A 4902 tuen 408 KARL BARTSCH seilt A: vgl. $.5922. 4903 uerwnde A 4910 zehiwe AP. di P. 4912 eine half A, ain halp P. uffe A. 4915 frothe A, froude P. 4917. 18 in P durch keinen Punkt getrennt; offenbar ist aber nach zeichen der Abschnitt. 4927 iochant P. 4935 wof A 4936 wart A. 4937 erhaleten A, und so ist zu lesen. 4943 anne 4. 4948 erözen fehlt A. 4949 Alrin AP: vgl. die Anm. normundie P. 4951 \vi tränt P. otrant A. 4953 unde A, unt, nicht mit P. gute P. 4954 ge- scaffen A 4955 sin] soin A. 4957 heten AP. 4959 was P. 4960 uffe A. 4972 im dem P. 4973 fem Staate P. noch P. kom tho A. 4975 there 4: di ml P. 4980 wantP. 4982 uon ime AP: inen besserte schon Scherz. 4985 witheret A. 4988 erhört P. 4991 hauet A. 4992 vone in /e/zft A. ne verlazent 4 (ne ist aufzunehmen), verlazet P. 4993 uan AP. 4994 uolgeten A 4999 sainem P. washsame A. 5009 is ne nehein A, sin nicht P. 5010 ergeben P. 5013 hete 4, het P. 5016 vile /e/tZ* 4; daß es beim St. 6001 fehlt, beweist nichts. 5019 oluazzen, ein z übergeschrieben, P. 5022 vro- the A, froude P. 5023 heten AP. gesmechet : gerechet AP. 5031 in ne scirmeten Grimm : fehlt AP. 5032 durh P. 5036 wan P, wän- de A. mohte A. erhouwen P. 5038 heres fehlt A. 5039 uorde- riste P. 5040 sie fehlt A. 5042 gewaltic P. 5043 thie walstat A. 5044 alrest P. 5047 rolanten A. 5049 ob P. da P, uor ime A. 5051 kuonesten 4. 5056 uan AP. 5057 hiw 4P. uffe A. 5062 ureisliche 4. 5063 di P. 5072 ersterbe P. 5078 innen P. 5079 er sprah thaz hat A: wie hier, so ist er sprah von A loahrscheinlich auch 4732 zugesetzt. 5086 chom P. 5087 ainem P, einen 4. 5094 dem P. 5095 sih fehlt A. clof 4, chlüp P. 5096 mohtu 4. ur- lof A, urlöp P. 5101 kam A. Sampson A. 5103 kunig A, chunc P. then fehlt A. 5104 nah A 5110 orpicke P. 5111 swaz er raihte in then man 4. 5114 allez entsamt P. 5115 gefrumete P. 5121 trechtines chint. chnechte P. 5125 ne nirete A. mere] uor ime A. 5127 rechen P, knehte A. 5129 sie A. 5133 worcht P. 5134 hei- ligen P. heten AP. 5137 unde A, unt, mefa mit P: v^. 4953. 5138 seluer A, seibin P. 5139 gesaztdem P. 5142fraiste -4, fraist P. ie fehltA. uon so uil luten AP: so vil /*a£ hier keinen Sinn. 5145 an 41. wafen P. 5147 an A 5148 si lagen in ir aigen ersticket P, Abirren in Z. 5146. 5149 nu wer P. 5150 mer thie A: wan der P. 5151 nie uon im P. 5152 im 4P. 5153 todes si P. 5157 in P. 5158 di P. 5159 rechte, t zwischengeschrieben, P. 5166anA 5172thazerA in fehlt F. ime A, im, der letzte Strich des m leicht ausradiert, P. ZUM ROLANDSLIEDE. 409 5173 then fehlt A. 5176 wafene A. 5177 nie geseret P. 5178 hete A, hct P. in fehlt P. 5184 posin P, pose A. 5193 aueslagen .1. 5195 chunc uz P, uz uon I 5196 thir fehltP. oiht Grimm: fehlt AP. 5198 sie fehlt A. 5200 selve fehlt P. 5202 menskeP, mensche vi. oiene fehlt P. 5208 er sprach karl karl, zwischengeschrieben, P. 5210 unger oder ungir P. 5215 kuone A. 5219 chom /'. 522] am P. stede vi. 5220 nicht so hin P. 5231 so wir thie A, swi dir die P. gescaithen A, gescai- den P. 5232 irtc A, irrit P. 5235 den- ne, in zwei Zeilen, P. 5237 thie fehlt P. 5238 then ire] thcn A, im P. 5240 sah fehlt P. 5244 perait P. berait 4. 5246 esten P. 5249 so uil P. nahe 4. 5258 wirt AP. 5262 bechenne 7J. 5268 westerparn P. 5269 fro- the A, froude P. 5270 sich sin P. 5271 al 4. 5272 uergilt AP. 5275 zo thcrae A. 5276 wir (Schluß der Zeile) wir P. 5277 si wir 4. mer .1. 5282 geseret P. ' 5290 rah in fehlt P. 5295 tugente P. 5297 Alfrich uon P. 5302 di Christen P. 5308 hie fehlt A. 5313 hinnc P. 5317 ne fehlt P. 5318 arme A. 5319 al- frichen -4P. 5321 viel] chom P. 5323 lang unde haiz A: vgl. St. 6411. 5324 tha was ain kamf uraislih A. 5326 mohte sili tha A. 5331 uan AP. 5333 kunig A, chunc P. 5337 erre slüc P: ebenso 5342. 5338 unt fehlt A. anter P, andere .1. 5340 hete 4, het P. 5341 beuloz A. 5342 sine 7'. 5347 nie gesach /'. 5350 ne fehlt P. mohte A. 5353 Durndarten P. 5354 durh, am Schluß der /'. 5357 erchoufet P: vgl. 8t. 6437. 5358 bestruchet /': vgl. St. 6438. 5362 unt der P. ' 5364 chom P. 5368 hetten P. 5370 Tlii 4. 5377 mohte A. 5382 ze waren A. 5385 er warf stach in /'. 5388 ain P. 5390 im A. 5393 hulven auch /'. 6 tiuerliche AP. thegen fehlt /'. 5400 ime iL es] sin P. 5404 Thir A. 5406 unter unter di haiden P. 5407 ze ewider P. 5408 ise- nin P. 5409 noh fehlt AP. 5410 uastc A. 5423 rechte P. 5424 si P. eineme Grimm: fehlt AP. munde. 1/'. 5430 hauent A. ;sansangen P. 5431 rechte sam P. 5434 thiz A. 5436 chom P. 5437 ain P. 5438 er en A. groziu arbait P. 5439 llnl. 4. 5440 in fehlt P. toden .1. 5442 thä beiigen /eÄfc P: Belbe steht am Schluß der /. 5443 behabenl P, behau .1. (he ere A. v 5444. 45 ruchc ich mere. nichl /', roke ili niht mere. .1 ze zwischengeschrieben P. löbeneP. 5448 ze fehlt A. 5451 in lande unt mac sich nieten /'. 5458 h, 256, und meine Anm. Ich füge weiter hinzu Rostock. Hb. IV. •'!. 1< i: die stünde war gut! darinne gotl geboren wardth. was hinzu- zufügen ist nicht nothwendig. Grimm schlug voi' gol wich din. 5903 da riebe. 5905sige] iö ; in der Hs. steht der juo (Schluß\der Zeile) iö ist. 5906 heten. 5914 grisgrimmin. 5939 ruofen : gebelven ist ein ganz rich- tiger Beim, der auch 6753 steht, und nicht freier als ruofen : zeichen 7993. erreichen : helven 3857. zeichen : gehelven 4<)6,.i. : helvm 6378. : gewfi fen 7943. flehen : helfen, wie Grimm vorschlägt, würde leein bessere1) 412 KARL BARTSCH sein. 5947 den flins stal herten: vgl. St. 6967 da von der stahel brau. 5949 wanc. 5952 werde. 5962 ze] nicht in, hat P. 5963 siu ellu. 5971 genuzzen, ein z zioischengeschrieben. 5988 hmgisten, g zioischengeschrieben. 5997 ih Grimm] fehlt: mit plise schließt die Zeile. 5998 ze helue. chom: Zeilenschluß. 6002 heten. 6007 iz fehlt, 6009 hetestuz. 6010 hetestu. 6012 alten. 6014 er- warme. 6018 chom, am Schluß der Zeile. 6022 ere: vgl. zu 236. 6028 ne muget ir niht: diese Lesart beruht auf dem mißverstandenen Karlinge: s. meine Anm. zu 6027. 6035 ne fehlt. 6038 hinne. uer 6041 en fehlt: Grimm ergänzt ze dirre. 6044 geperge. 6045 un- seren. 6047 gesegente. 6048 biscofe: dieß würde klingenden Reim ergeben; vgl. 6140. 6052 werde. 6060 ir oren. 6061 di hirn- ribe. 6065 craht. 6074 ain. 6076 ain. 6087 ain. 6092 thin fehlt: Grimm ergänzt es nach ie. 6094 ainim. 6096 dur. 6116 cheten. 6118 /. slüften : zeröften. 6122 unt swaner ie. 6131 herren. 6132 sin. 6137 gerne. 6139 ain. 6140 biscofe: mit ff geschrieben steht das Wort auch in den Genn. XIX, 314, 1 gedruckten Predigtfragmenten. 6149 froude. 6154 floh, Schluß der Zeile. 6156 ze. 6159 da si daz si (Schluß der Zeile) wal. 6163 then Grimm] fehlt. 6166 di cristen richsent. 6170 dar, r zwischenge- schrieben. 6175 röwin. 6187 den der. 6189 wirstu. 6203 unt, nicht mit. roslin. 6204 unt. 6207 prinne. 6218 chunc. 6221 fraiste. 6225 heten lutzel. 6227 inmitin. 6234 er fehlt, 6242 nain. 6243 sie häten fehlt. Grimm änderte si geswuoren, was aber einen unmöglichen Beim gibt. 6245 gare der tot. 6251 chunc. laiden. 6254 daz si. 6255 uegazzen. 6259. 60 chunc. 6262 rosselinen. 6265 pilme: vgl. St. 7378 Pelmo und Anm, zu 6264. 6268 de. 6273 uan 6276 chunige. 6286 uirsnite. 6288 ain. 6292. 95 chunc. 6298 slet. 6302 chuniges etc. 6319 uelentih, am Schluß der Zeile. 6329 uersuchten. 6333 michel. 6336/. in einer Zeile: there was fehlt. Grimm liest Algarich der eine was kunc von Kartageinc, xoeniger einfach und wegen der Ergänzung an zwei Stellen weniger glaublich. 6339 alrest. 6347 unt, nicht und. heten. 6352 wunder. 6362 hinne. 6368 sente. 6375 ain. 6376 in nalmitten. 6378 heluen, n aus t gemacht. 6415 sine Grimm] siner. 6425 doner chant. 6428 danne. 6441 über winde. 6446 sich gebe gehabete. 6454 hart. 6456 man haidenischer man: von Grimm gebessert. (5457 uan. 6458 ne fehlt, enbieten. 6461 ZUM ROLANDSLIKDK. 41p, hört. 6491 reit zu ergänzen ist nichi nothwendig: vgl. 4713. 6495 durch di {Schluß der Zeile) diner. 6497 dirre zu schreiben ist nicht nöthig;denn arebeit kommt als Neutrum cor. 6502 i.'iij>hih. (»503 scal. 6513 gedinge. 6517 miauten (Schluß der Zeile) rölanten. 6523 da für entüc. 6525 tougen Grimm] tugen. 6529 uewundet. 6545 semir. 6547 wan. 6549 han. 6550 hctcn. 6561 danne. 6562 dine zweimal. 6571 nehain. 6576 hi zeste, Schluß der Zeile: von >' rim m gebessert. 6581 thie fehlt. 6584 hctcn. 6592 er ire] erre. 6596 then] di: Grimm liest si vorhten sin harte, mit doppelter Änderung. 6598 swaz. 6599 urchunde. 6637 zi. christinhait. 6649 luteerer. 6650 uierhundert. 6660 ligen mit Grimm zu er- gänzen ist unnöthig. 6676 durrait. 6692 si. 6704 berunnen, dar- über steichin. 6711 sieh, am Schluß der Zeile. (»718 innalmitten. 6724 rölant zweimal. 6725 Admarite. 6727 schirmen, s zwischen- geschrieben. 6734 in Grimm] fehlt. 6746 wainent: vgl. meine Anm. <)756 pegraif. 6760 thie getherrne fehlt: vgl. meine Anm. 6772 er- slagene. 6774 beiter er. 6789 früt. 6792 aineni. 6800 uerhblüt, Schluß der Zeile. 6802 thu| da. 6808 wirst. 6809 hup zwischen- geschrieben. 6811 nehain. 6818 bau. 6831 laut fehlt. 6840 mit, nicht mit. 6842 wol horten: vgl. 1033. 6844 nige. 6851 si choin, Schluß der Zeile. 6860 wirt. hinne, Schluß der Zeile. 6.^63 mine, Schluß der Zeile. 6870 erplinde. 6871 harte, darüber sere. 6872 himilischer, s zwischengeschrieben. 6874//: sent. 6886 mich vor ergeben: von Grimm gestrichen. 6887 ich sin von. 6894 püh, Schluß der Zeile. 6908 namirn. 6914 barm Grimm] barn. 6923 frout. 6935 uorchlichen. 6940 licchte. 6946 wane. 6948 solte. 6951 gäheten fehlt: vgl. 5802. 6952 runfual, Schluß der Zeile. 6956 baren Grimm] bar der. 6965 ^in. 6967 werde, bluwer. 6974 dich, darüber iuh. 6975 scolt. 6978 erthe boren fehü (mit der schließt die Zeile): Grimm ergänzt werlde geborn. 6979 ir Grimm] fehlt. 6988 uesperciten. 6993 liecht. 7001 dö so. 7022 dritehalben. 7027 froude. 7041 Grimm ändert si (.i:j entruten. 7101 chere. 710(i ain. 7112 Grimm si ßolten in ir jungen: doch vgl. St. 8529. 7113 zu. 7135 ilten. 7111 iuh, Schluß der Zeile. 7154 houpstat 7155 uermezen mit. T 1 r>« > hete. 7162 chorn. 7163 alexendrina: vgl K. 460, 67, 8t. 8606. 414 KARL BARTSCH 7171 Saibra. 7177 schin, am Schluß der Zeile. 7178 wunder. 7184 also fehlt, manige. 7186 nehain. 7191 heten. 7192 uor war. 7197 ain. 7200 geborcn. 7201 helfe. 7207 enbot, nicht entbot. 7210 hete. 7212 du ducht. 7218 herren. 7220 ge- swiche. 7227 thir] di, zwischengeschrieben. 7237. 38 in vier Zeilen. 7240 haimiliclie. 7241 iclarions. 7246 durftes. 7253 baiten. 7261 fracten. 7265 heten. 7270 unfröd'. 7280 sie ne. 7284 sih fehlt. 7286 dichein. 7292 paligar. 7298 paligar. 7303 geweitiget. 7305 unt, nicht unc. chüninge. 17308 sie, nicht si. 7312 chüninge. 7318 achter, nuibornez. 7319 dichein. 7320 pa- ligar. 7323 nieman. 7326 dicheinir. 7327 wolte fehlt: vgl. K. 463, 26. Dadurch widerlegt sich Grimms Änderung e si. 7331 sie, nicht si. 7334 marssilie. 7338 niumare. 7339 Grimms Vorschlag die dine habent mit ir guoten swerten geworht wird durch K. 463, 42 widerlegt. 7347 di sine uorchune: von Grimm gebessert. 7369 man- seltseniz: von Grimm gebessert. 7370 thär] der. 7372 froude. 7374 paligar. 7376 uirui. 7388 un zwischengeschrieben. 7389 bestanden. 7390 sie, nicht si. 7393 rnere Grimm] sere, s aus r gemacht. 7394 den ich. 7399 nich. 7408 mir] min: vgl. K. 464, 42. 7417 ime will Grimm vor gezimet ergänzen: unnöthig. 7426 ih] seh. 7430 wir zu ergänzen, wie Grimm will, ist unnöthig. 7434 nehain. 7437 ime] in. 7447 scute. 7455 rechent: vgl. K. 465, 22 dat is ininer sunden schulde 7456 reffet. 7474 danne. 7475 an in: vgl. St. 8931. K. 465, 44. Es ist keine Lücke mit Grimm anzunehmen. 7476 mensken. 7477 daz in. hete. 7478 hete. 7479 erfroute. 7483 man fehlt: vgl. K. 465, 55. 7502 sie, nicht si. 7503 enthilt. 7504 ie. 7512 wie, nicht wi. 7517 zesewiu liest P. 7519 nehain. 7521 wirt. 7522 herren. 7529 heten. 7536 zuo] an; vgl. K. 466, 46. uerlaze. 7538 thu] diu, von Grimm gebessert, mir, nicht mer. 7542 undancken. 7549 lieben fehlt : vgl. K. 466, 59. Grimm ergänzte den. 7555 gare fehlt. 7561 wnste. 7563 christemlichen. " 7569 für. 7576 ich. 7586 beuilde. 7594 sie, nicht si. 7601 nämen fehlt. 7603 turpin. 7605 den herren : Grimm will lesen die heren lichenamen. 7609 an den neuen sinen. manige gute salben: vgl. 7617. 7619 Otten Grimm] orte. 7624 uan. 7628 wirt. 7634 sin. 7636 uechte. 7640 chom ie. 7645 dicheim oder dicheini. 7647 ermaggen. 7655 mir, nicht wir. 7657 grüze. 7658 gebuze. 7659 in sinin: vgl. K. 468, 29. St. 8995. maggen. 7660 wirt. 7601 hantwerc. 7671 chune: vgl K. 468, 45. St. 9005. 7683 sine: vgl. K. 468, 68. 7695 frou- ZUM ROLANDSLIEDE. 415 den. 769G rechten. 7712 hont'. 7714 unsere. 7715 sine gewalte. 7729 zezücket. 7735 kaise. 7739 helld". bewanten. 7741 staline. TT 4 ( > fröde. 7751 lichemen. 7752 wnsten in, in zwischengeschrieben. 7758. 78 frouten. 7761 sibe fehlt: Grimm er- gänzt von. 7782 uan. 7787 Maimes. 7792 baigere. 7793 ze uordelicher chnechtaite. 7798 newart: statt w wollte der Schreiber zuerst 1 schreiben (ne lebet?). 7801 watens clmnnes (nicht clmnes). 7808 zwaincec: ebenso 7815. 7825. 7832. 7837. 7810 unser fehlt: Grimm ergänzt min. 7>13 alle. chom. 7816 uan. 7847 ander (zwischengeschrieben) alp. 7853 kom. 7854 ain. 7867 uan. 7875 I fehlt. 7886 werde. 7888 wöcher. 7895 uan. 7896 herren zwischengeschrieben. 7899 sine. 7902 hete. 7906 hende. 7909 erlostet, und ebenso 7913. dinem gewalte. 7918 thin fehlt: Grimm ergänzt dich. 7921 in: von Grimm gebessert. 7932 geman- ten. 7936 luite. 7944 steht zweimal. 7950 spar. ' 7951 was fehlt: vgl. K. 474, 5. St. 9393. 7952 chom. 7954 fröt. nach 7961 zware wir muzen mit in uechte. 7964 entwiche. 7965 got. 7967 tut. 7970 ich. 7972 decke, tliihj sich: von Grimm gebessert: vgl K. 474, 28. 7979 wirt. 7980 an genge: vgl 8356. K. 474, 34 de \ an anbeginne der zit. 7982 di. 8003 hören, nicht horten. 8011 chunc. 8012 hete. dehain. 8013 anden. 8018 ime fehlt. urlop gap. 8028 elliu. 8029 huitc. 8031 uorderot, nicht uer- il> rot. 8034 clapamorses (?) : vgl. meine Anm. 8035 irkenne. 8036 min sun. 8040 ualpötenrot. 8046 borsten sam. 8049 unt uon sorbes P. 8050 unt uon P. 8053 aftethe A, achte /'. wal- gies AP. Valgres K. 476, 46. Valges St. 9511. 8054 nunte P, niu- getheA 8056 sich, darüber dich, /'. 8060 den chünc P. 8061 dorcaniuesuessen P. 8064 thare] scar P. 8065 von /', unde A. 8068 di üneferren P. 8072 tbie fehlt /'. 8074 ne fehlt /'. nie- iii.in A. 8075 thie fehlt P. darmoloten P. 8083 iserinon A, isern /'. 8084 Turkopen AI'. 8092 selve fehlt P: vgl. K 177,36. 8094 arbaite /'. 8096 geliget aidere P 8101 uon then A: vgl. K. 477,46, -SV. 9007, die l'n^ros, rng<-rs haben, und üngres ist wohl die echte Lesart. 8106 stadent.4, gestreitinl /'. Allerdings hat auch K. 474, 49 strydent. francken P. 8108 alemani P. losen .1. Allerdings ist uhI' den Abdruck kein Verlaß, "ml daher bin ich auch die Lesart von P gefolgt, aber lösen ist ein passenderes Beiwort als bösen. slll torgilisen /'. 8112 bilisen P: mit A stimmt st. 9616. 8116 ne fehlt P. 8119 li.ml n /'. liaiteniske .1 : vgl K. 477. 60. zunge A. 8120 s<> we A. 8122 in fehlt /'. 8121 uan .1/'. 8131 al P. 416 KARL BARTSCH 8132 gehauen P 8133 koment A sameut A, samt P. 8135 sculen P anbetent P. 8137 Absatz AP. 8139 mit totliche AP: von Grimm gebessert. 8145 unseren P. 8148 imer P, fehlt A. 8149 er- sach P. bet A 8153 uertailet P: vgl. St. 9675. 8154 bedent A, beten P 8156 werde P. 8157 über P. 8159 si wir thar zo A. 8160 an den AP. 8162 gezechen AP. 8169 der haiden P: vgl. K. 480, 54. #*. 9705. 8172 lande.P 8174 menske P, mensce A 8176 mohte A 8181 daniele P. 8183 hete AP 8184 ailf P. 8185 en an dar zit P. 8188 er stach P. 8190 uan AP. 8191 ogier A. 8192 in siner P 8194 mit P. /eAZi A 8198 maze P, maz 4. 8200 lie P. an schin P, werthen sein A: vgl. 6401. 8201 ne fehlt P. 8203 uffe A. 8205 4fo«fz 4. 8212 huwet P 8214 wirt AP. 8215 wnder P 8216 raohte A. gehauen A, wohl die bessere Lesart. 8219 kuonen] diten P uolkthene A. 8223 gewinnet A. 8230 er gefrumter P. 8231 mere uerchla- clageten (auf zwei Zeilen) P. 8234 er fehlt A. mohte A 8235 nie fehlt A. dehainer P 8242 gegen P. in A. 8243 manigera P, menege A. 8246 escenen A scaft P 8248 niemir mere wort er sprach P. 8249 di haiden P 8251 mohte 4. 8252 thie fehlt A. verloren A 8258 wireten A, wert am Schließ der Zeile, P 8260 plikke A, dicke, bicke P: vgl. meine Anm. 8267 küine fehlt A. 8269 aiser im P. 8271 im zwischengeschrieben P. 8275 her P, /e/ift 4. 8276 ewe- lichen A 8277 der chünc P 8278 scaft P 8281 frouten P, froten A. 8282 schilt, t zioischengeschrieben, P. 8290 im ire A. 8293 intsamt P, insament A. 8296 ban 4P. 8298 fehlt A. 8305 warten 4. 8307 di sie (Schluß der Zeile) si P 8308 theme fehlt A. urlob 4, urlop P. 8312 siu 4. 8317 gote, nicht goten, P 8320 antwirt P, genathen A. 8322 noch P, unde 4. 8323 ne mohten im A 8326 urlobes P, orlobes .4. 8328 erslahen A. 8332 ime /eÄft A. 8334 erslau P. 8339 baierisgen A, baigerisken P. 8344 gewarte AP. 8345 rehten fehlt A. 8346 ernert 7J. 8349 der P. 8356 so uon aneginges A. 8357 diu werlt P. 8359 nie so /'. 8362 fehlt A. 8364 erslan P 8366 ih entvurhte A. 8367 ent- wiche P 8368 uer mezzenlihe AP. 8373 uorderot, ?i'/c/i« uerde rot P 8374 iohelim A: K. 483, 40 Ioleum. 8375 then sinen] then A, sininP. 8379 ich nu selbe P. gesige A 8380 unde er --geliget A. 8382 ne fehlt P. 8383 wol thih bethat A. 8384 ouh hat auch P. ther fehlt A. 8385 Johelim A. 8388 gefluhet P hinne P. 8389 dehainer P. 8392 thu fehlt P. 8399 entwiche P. 8400 froli- che(n) AP. 8402 hiner stirbet P. nicinanA 8403 Amhohil, Amhoch P: ZUM ROLANDSLIEDE. 4t 7 St. 10043 A.nmoch. uan AP. 8404 uolgeten A. 8407 di /'. Sternen A 8408 unt perlen /'. 8411 an A. groziuP. S416 hine fehlt A. 8419 erzaichene A. 8420 uon dem ubele /': der Schreiber ge- rieth in das Paternoster. 8421 frone /'. 8422 erlosest gedeone A. s425 nescol nu mir A, scol mir P. 8426 niwet mer A, nu nicht mere P. werde P. 8427 wan so />. uffe A 8428 kom 4P. 8430 stören P: iT. 484, 66 hat erstoren. 8434 dingen P. 8435 ihj iz P; beruht auf Verlesung des z. 8442 brachen P. 8445 swerten fehlt P; m# den schließt die Zeile, griffen /'. 8446 Tho A; wohl besser. 8452 schirme /'. 8454 wencke P. 8456 ze fehlt A. stuke ^1P. 8457 erhalte A. 8458 zehiwe A, zehiu P des P 8459 uerscrft, ^/o.s erste r zwischengeschrieben, P 8460 francken nicht liep P. 8463 Di haiden P uahten .iP grimmeliche A, grimmic- liche P. 8464 ne fehlt P. in A entwiche P 8470 mir /eAft A: vgl. St. 10178; A'. 485, 14 hat mir awcÄ nicht. 8488 gehaile. 8494 /. 8998 genelunen P 8999 alle bi| mit A. 9005 ne fehlt /'. 9006 in A. 9014 stucko P. 9022 vor. 9024 di edcle chur (durch st riehen) herzoginne. 9026 himilwizen scaren: gebessert von Grimm (Z. 3, 281). 9032 iz Grimm: fehlt. 9040 chüninge. 9048 sin {Schluß der Zeih) uan. 9050 nach newirdet ausgestrichen ich. 9058 man Grimm: fehlt 9060 vroude. 9064 fraiste: von Grimm gebessert. 9067 opherit. 9070 im nu stat, vor stat ausradiert st. nu getilgt von Grimm. 9083 danne. 9088 singe. 9090 tröste mine allen. 9093 mähe, Schluß der Zeile. FEDOR BECH. HEINKICH VON MORUNGEN. 419 HEINRICH VON MORUNGEN. Der Name des Minnesängers Heinrich von Morungen ist, soviel mir bekannt, bis jetzt noch aus keiner Urkunde nachgewiesen worden; ebenso wenig ist uns über die persönlichen Verhältnisse dieses Dichters etwas überliefert. Aus seiner Mundart hat man geschlossen, daß er ein düringischer Ritter, aus dem Charakter seiner Lieder, daß er wo- möglich noch, vor Reinmar und Walther zu setzen sei. Gleichwohl lässl sich mit großer Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß er einst in Diensten des Markgrafen Dietrich IV von Meißen stand, jenes stolzen Mizenaere, auf den Walther von der Vogelweide wiederholt zu sprechen kömmt, und daß er in Folge seiner geleisteten Dienste (als Gesandter im Aus- lande?) am Hofe seines Herren hohes Ansehen genoß, — - wenn er nämlich ein und dieselbe Person ist mit jenem Henricus de Morungen, von dem es in einer von Teodericus dei yratia Misnensis et Orientalis marchio ausgestellten Urkunde, im Urkundenbuche der Stadt Leipzig herausg. von Fr. Posern -Klett II no. 8, heißt: quod Henricus de Morungen, miles emeritus, spiritu tractus divino, Xtalenta annuatim, quae jn 'opter aÜa vitae such merita - i'n'i- rcciit nicht dar rare dim, SO scolde me sie vorunsen von Halle hundert jar unde eynen dach. Swie d sone oüc an 6n breke, det chtes scal dit rat ouer den helpen. Ouc bekenne wie mer umme den krich, den Hinric von Vriberch unde dit von Northusen mit eynander hebben ghehat, dat so l sin eyn gancz sone äne allerleyt arghelist unde mit die mit der sake be- ■ ii -int. eyne half und die ander half. Swelk Srer die sone breke, dar 422 FEDOR BECH hie sin recht nicht vore wolde dun, den scal man vorwisen von Halle hundert jar und eynen dach. Uppe dat, dat disze vorbescreuene sone gancz werde ghehalden sunder broc, so hebbe wie ratmanne diszen jeghenwerdigen brief loten beseghelet mit vnser stad angehangeden ingheseghele unde mit der ingheseghele von deine dale vnde mit der ingheseghele von deme berghe vnde mit der mey- stere ingheseghelen der inninghe. Unde ek Hinrik von Northusen vnde mine brodere mit vnseme ingheseghele. Unde ek Hinric von Vriberg mit mime ingheseghele. Disze brief is ghegeven nach Goddes gheburt ouer dnsent jar drühundert jar in deme seuene unde twintichsten jare in der elefdusent meghede dage. Wenn es nach K. Roths Mittheilung (1. 1. S. 58) am Schlüsse einer Regensburger Urkunde vom J. 1287 heißt: Heinricus Hallaer, Pertholdus Lecho et filius suus Ulricus Lecho et f rater suus, Heinricus de Vrieberch, so erhellt daraus noch nicht, daß Heinrich v. Fr., falls er mit dem genannten eine Person ist, dort längere Zeit gelebt habe; er braucht, wie Pfeiffer bemerkt, auf seinen Turnierfahrten Regensburg nur einmal berührt zu haben. Über Johannes von Freiberg, den. wir oben als Vormund der Kinder Heinrichs haben kennen lernen, berichtet uns eine Urkunde aus dem J. 1290, 29. September bei J. Peter de Ludewig Reliqu. Ma- nuscr. t. V, p. 60 — 61 (vergl. Dreyhaupt I, 707 u. II, Beilage S. 45): quod totalis discordia et questio litigiosa, que inter prepositum et conven- tum ecclesie Novioperis ex una, et Johannem de Vryberg nee non Albertum et Hinricum filios suos ac Johannem Socerum et Luciam eius uxorem parte rertebatur ex altera, super quibtisdam dam/pnis, quaejohan nes et eius filii ac socer supra dicti se asserebant ex parte conventus pre- dicte ecclesie se reeepisse, per honestos milites amicabiliter est sopita. Aussteller waren consules ac commune civitatis Ilallensis. Derselbe Name unter den Beisitzern des Schöppenstuhles von Halle im J. 1308 aufgeführt bei Dreyhaupt II, S. 452: Hinrich Boydin, Roddiger de Schwarte, Herman de Lange, Hinrich von Kotene, Johannes von Vriberch, Hinrich von Northusen, Werner Wogt, Johannes Win- man, Kerstan her Arnoides, Nicolaus Mosolf. Von diesem Hallenser vielleicht verschieden war der in einer Ur- kunde des Bischofs Heinrich von Meißen, aus dem Jahre 1233, als Zeuge auftretende Johannes de Vriberc, vergl. Urkundenbuch des Hoch- stiftes Meißen ed. Gersdorf I, no. 114. Ein Hermannus de Vriberg, schon oben neben seinem Vetter Hein- rich genannt, tritt außerdem im J. 1302 als Zeuge auf bei dem Ver- URKUNDLICH K NACHWEISE ÜBEB BEINR. UND JOH. VON FREIBERG 423 kaufe des Dorfes Provestesrode (Probstrode) an Otto von Ileburg, nach Ludewig 1. 1. t. V, S. 257. Im J. 1339, 25. Februar, Hermdns von Freyberg, Bürgers zu Halle, Dotation des von ihm im Kloster zum Neuen Werk zu Ehren S. Maria, S. Mathiä und S. Andrea gestifteten Altars mit zwei Mark jährlicher Zinsen, nach Dreyhaupt I, 709 aus Ludewig t. X, S. 605. Im J. 1339, 6. März, Revers des Probstes Johannes und des Klosterconventes zum Neuen Werk, worin diese versprechen, daß Her- man von Freyberg an dem von ihm in der Klosterkirche gestifteten Altar das ins patronatus haben solle, sowie daß sie ihn und seine Haus- frau zugleich in die KJosterbrüderschaft aufnehmen; ebenfalls nach Dreyhaupt 1. 1. Im Jahre 1312, 25. April, erscheint ein Hermannus de Vriberg unter den Katmannen (consules) von Leipzig, welche auf Befehl des Markgrafen von Meißen den Markgrafen AVoldemar und Johann von Brandenburg und Landsberg huldigen; nach dem Urkundenbuch der Stadt Leipzig herausg. von K. Fr. von Posern-Klett I, no. 26. Im J. 1316 bezeugt derselbe, Her. de Vriburg geschrieben, mit den übrigen Ratmannen eine Urkunde der Gebrüder Tammo und Fried- rich de Elzkowe; nach dem zuletzt genannten Urkundenbuche no. 29. In den J. 1349 und 1352 wird Hermannus de Friburg als Bürger von Leipzig aufgeführt, ebenda no. 39 und no. 44. Ein anderer gleiches Namens zeigt sieh im Ilochstifte Meißen ansässig. So ein magister Hermannus de Vril>< ,■<■ officialis noster in einer vom Bischof Withego II., ausgestellten Urkunde aus dem J. 1317; vergl. Urkundenb. von Meißen I, im. 365; derselbe, miuns Her- mannus de Vriberg genannt, in einer Urkunde der Gebrüder Hein- ricus ei Thimo de Koldicz, aus dem J. 1320, ebenda I. no. 378; — und davon nicht verschieden magister Hermannus noster officialis, wie er mit Weglassung von '/-• Vriberg beißl in einer Urkunde des genannten Withego aus dem ,1. 1322, 1. I. I, im. 383; — gleich darauf bezeug! derselbe wieder als dominus Hermannus de Vriberg eine Urkunde Withe- gos aus demselben Jahre, I. 1. I, im. Im J. 1344 weiden Hinze und 11 im man von Vriberch, Bürger zu Halle, wegen ihrer Thalgüter durch den Rath daselbst verglichen ; nach Dreyhaupi II, Beilage S. U>. In Leipziger Urkunden aus den Jahren 1295, 1298, 1305, 1306, 1307 und 1311 tritt als Zeuge auf ein Symon de Vriberchj sacerdos ecclesiae St. Thomae', nach dem Urkundenb. von Leipzig II, no. 46, 49, 66, 68 and 79. 424 J- BAECHTOLD Ein Erhart von Vriberg wird erwähnt unter den gegen das Erz- stift Magdeburg feindseligen Mannen des Herzogs Magnus von Braun- schweig, in einer Urkunde vom J. 1347. 4. Januar, bei Dreyhaupt I, S. 72. In dem öfter erwähnten Urkundenbuche des Höchst. Meißen treten außerdem noch folgende auf. Im J. 1281 eignet der Bischof Withego den Domherren Tilmann von Torgau und Conrad von Boruz septem mansos, fquos] emerunt et comparaverunt a Bor tone layco, filio Bor- tonis de Vriberc, vergl. no. 251, S. 194; — im J. 1313 genehmigt Bischof Withego II, quod dilecti nobis dominus Nycolaus ecclesiae nostrae canonicus et dominus Petrus sacerdos fratres, filii qnondam Theoderici Kunekonis de Vriberg felicis memoviae, capeüam et altare — instituerunt et dotaverunt, vergl. no. 353, S. 285; — im J. 1322 genehmigt B. Withego II die von dominus Petrus filius quon- dam Theoderici Kunekonis de Vriberg sacerdos vorgenommene Über- weisung von Zinsen an die von ihm und seinem Bruder Nycolaus Mis- nensis canonicus gestiftete Simon- und Judascapelle, vergl. no. 385 ; — in den Jahren 1380 und 1385 wird ein her Pamcil oder er Pavel von Friberg als vicarie czu Missen unter Zeugen aufgeführt, vergl. no. 664 und no. 693; — im J. 1407 ist Mitglied des Meißner Domcapitels dominus Karleioicz de Friberg, vergl. no. 797; — im Jahre 1269 er- scheint endlich ein Christanus de Vriberc ansäßig in Meißen, vergl. no. 207. In Diensten des Königs Wenzel stehend treten auf Burghart von Freyberg im J. 1385, nach den deutschen Reichstagsacten von Weiz- säcker I, 503, 17 und 504, 28, unter denen genannt, welche dem Könige die Judengelder eintreiben, und Conrad von Fryberg im J. 1392, ebenda II, 316, 11 und 362, 3. Weitere Nachweise zu geben steht mir jetzt nicht zu Gebote. Die dargebrachten werden aber, denke ich, ausreichend sein, um zu beweisen, daß die Heimat der oben genannten Dichter in Obersachsen zu suchen sei. ZEITZ, "Michaelis;i1874. FEDOR BECH. ULRICH VON ZATZIKHOVEN. Bekanntlich fehlte bis jetzt jeder urkundliche Nachweis über den Dichter des Lanzelet. Annähernd als dessen Lebenszeit wurde die zweite Hälfte des XII. und der Anfang des XIII. Jahrh. angenommen, und ULRICH VON ZATZIKHOVEN 425 an die Scheide des XII. oder in das erste Decennium des XIII. Jh. die Abfassung des Lanzelet gesetzt. Heute nun bin ich im Stande, einen Ulrich von Zatzikhoven oderZezinchoven urkundlich nachweisen /.ukönnen und bin natürlich gern geneigt, denselben, der sich als Pfarrherr von Lommis entpuppt, Ins auf weiteres für den Verfasser Lanzelet zu halten. Die hier folgende Urkunde, die ich der Güte des Berrn Dr. Wart- mann in St. Gallen verdanke, ist dem nächstens erscheinenden dritten Bande des großartigen Urkundenbuches der Abtei St. Gallen entnommen. Grat' Diethelm von Toggenburg mit seinein Bruder Friedrich und seiner Mutter, der Gräfin Guota, schenkt dem Kloster St. Peterzeil*) einen Jahreszins von 40 Käsen und einer Kuh, welchen ihm das Kloster bisher von Zinsgütern in Enzenberg*) zu bezahlen hatte, gegen eine wöchentliche Messe bei Lebzeiten und eine Jahrzeit nach seinem Tode. Kloster St. Peterzeil. 1214, März 29. f In nomine sanete et individue trinitatis. Amen. Ego Diethalmus de Togginburch comes. Ut de modernorum salutaribus gestis tides pre- beatur posteris, antiquorum et prudentum virorum auetoritas statuit, ea literarum roborari testimonio, ne oblivionis nube, quam ex prevari- catione primi parentis contraximus, una cum tempore bonorum exempla operum elabantur. Declaretur igitur universis tarn presentibus, quam posl futuris universis bonae voluntatis hominibus, qualiter Diethalmus de Togginburch comes, una cum fratre suo Friderico et matre sua Guota comitissa, censum XL caseorum ei vaccae unius, XII solidos Constantiensis monetae valentis, qui de censualibus prediis in Engizin- berch sitis a cenobio, quod cella saneti Petri vocatur, annuatim sibi persolvebatur. ob salutem animae suae parentumque suorum jam dicto cenobio indulsit <'t perpetuo remisit, immo legittima donatione tradidit et donavit; hac tarnen pactionie forma coneepta, ut vita dictum comitem comitante singulis ebdomadibus missa una pro peocatis ad sui memo- riam inibi celebretur ei post mortem anniversarius suus exinde perpetuo peragatur. Ne autem tarn legittimae donationis auetoritas malignorum ineursibus in posterum possil ullo modo lacerari, presentem fecil inde conscribi paginam, et ut ratihabitio per hoc innuatur posteris, Bygilli sui munimine roborari, Acta igitur sunt hec in monasterio cellae saneti Petri, anno dominicae incarnationis MCCXITII, anno decemnovenalis cycli XVIII. coneurrentibua II, epactis VII, indictione II. quarto ka *) in Tojrcr^ntiHr^. 426 R- KÖHLER lendas Aprilis, E. litera dominicali, presidente sedi apostolicae Inno- centio III, anno apostolatus ejus XVI, regnante gloriosissimo Roma- norum rege Friderico, anno regni ejus II, C(uonrado) de Tegirvelt Constantiensem gubernante katedram, anno pontificatus sui VI, C(uon- rado) de Touzenanch regimen ecclesiae sancti Johannis in Turtal possi- dente. Testes autem, qui hec viderant et audierant, sunt hü: Werne- herus plebanus de Liutinsburch , et capellanus Uolricus de Ce- cinchovin, plebanus Loumeissae*). Burchardus miles de Lapide et alii quamplures. Si quis ergo huic donationi tarn salubriter celebra- tae ausu temerario in posterum contraire presumpserit, in die districti exaininis cum reprobis mereatur percipere porcionem. Amen. Perg. Urkunde in St. Gallen. P. P. 5 B 3. Ich ergreife die Gelegenheit, nochmals auf das Wort uosezzel zu kommen und verweise auf einen einschlägigen Artikel von Pupikofer in der Zeitschrift für Schweiz. Alterthumskunde v. 1871, wo aus Hatte- mers Denkmalen Bd. I, 229 die Glosse uosteftan und ib. 235 uostafton herbeigezogen wird, uo erweist sich durchaus als diabetisch für üf = auf, nach, zu, und ist jetzt noch in der Schaffhauser Mundart üblich. Dazu vergl. Meyers Ortsnamen des Cantons Zürich Nr. 1637: Uowison, jetzt Uhwiesen, (im Gegensatz zu Niederwiesen.), dann uomät und uo wachs . SOLOTHURN, Oct. 74. Dr. J. BAECHTOLD. MITTELALTERLICHE ANSICHTEN ÜBER DIE TRÄGER DES NAMENS PETRUS. In derselben Handschrift der Weimarischen Bibliothek, aus welcher ich Bd. XVIII, S. 460 dieser Zeitschrift ein deutsches Gedicht von der Gerechtigkeit mitgetheilt habe, finden sich unmittelbar vor jenem Ge- dicht auf Seite 333b folgende lateinische Verse ohne Überschrift: Sunt omnes Petri mirabiles, invidiosi, Instabilis**) animi, fallaces, luxuriosi, Smalcia ***) dant verba, sed frigida sunt quasi petra, *) Lornmis im üanton Thurgau, eine Viertelstunde von Zetzikon (Zatzikhoven) entfernt. Die übrigen Ortsnamen meist St. Gallisch. **) In der Hs. ist instabiles von alter Hand geändert in instabiles. ***) So steht deutlich in der Handschrift. Ist dabei an mhd. smalz zu denken ? MITTELALTERS ANSICHTEN ÜBER DIE TRÄGER DES NAMENS PETRUS. 427 Decipiunt cunctos laicos, clericos quoquc doctos. 0 Petre, Petre, quid audio dicere de te? Idcirco sociuni nullus querat sibi Petrum. Diese Verse sind vielleicht in Erfurt entstanden. Die Hs. enthält mehrere Erfurtensia und gehörte ehemals dem Erfurter Kloster Petri und Pauli. In Erfurt sollen aber die Peter in schlechtem Ansehen ge- standen haben, wie sich aus Folgendem ergibt. In Felix Hemmerlins 'Dyalogus de consolatione inique suppres- sorum'*) sagt die Sapientia: Quidam asserunt, omnes tali nomine [sc. Petri] designatos ad modum petre fore plus ceteris cervieibus duriores et ad omnis man- suetudinis humanitatem fore minus flexibiles. Unde quondam magistratus civitatis Ertfordensis in Tluuingia ordinavit et statuit, prout bis diebus ibidem servatur, ut in ipsorum senatu seu consulatus collegio, quod multum notabile pre ceteris consiliis Germanie, Petrus nomine locum nequaquam deberet habere. (Clarissimi viri juriumque doctoris Felicis Hemmerlin cantoris quondam Thuricensis varie oblectationis opuscula et traetatus, s. 1. et a., foL, Seite CXXVb). In des Dominikaners Petrus de Prussia*) Vita Albert i Magni, Cap. LII, lesen wir: Sic de saneto Petro Apostoh» multa a rudibus proferuntur, et utinam non crederentur! Scio enim civitatern, de qua fertur, si autem verum est, ignoro, quod in tantum ibi invaluit opinio luec, quod om nes Petri sunt mirabiles, ut nemo ibi assumatur ad Consulatum vocatus hoc Domine. Et revera, bj verum est, quod dicitur, et perseverant in sua sententia, graviter essent puniendi ob huiusmodi perfidiam. Mau bemerke die Übereinstimmung der Worte comnes Petri sunt mirabiles mit dem Anfang der oben mitgetheilten Hexameter. Martin Zeiller (gb. L589, f 1661) sagt in seiner 'Beschreibung der Zehen des 11. Rom. Teutscheu Reichs Kreyßen' (S. 390 der mir vorliegenden /weiten, Nürnberg L690 erschienenen Ausgabe— die erste kam 1660 heraus) : "Wie ich neulich, durch Schreiben, berichtet worden, so solle man allhie |d. h. in Erfurt] keinen zum Rathsmeister oder Burgermeister, *) Vgl. B. Reber, V. Bemmerlin von Zürich, Zürich 1846, 8. 361 Bf. **) Petrus de Prussia biet eigentlich Bigast und wai ausDanzig gebürtig, daher der Beiname de Prussia. Er lebte in der zweiten Hälfte des l">. Jahrhunderts and schrieb 'li'1 Vita Alberti zn Köln, wo Bie i486 »uerst in Druck erschien Vereint mit des Albertus Büchlein De adhserendo Deo ist Bie anch 1621 zu Antwerpen herausge- geben worden, welche Ausgabe mir irorlii ' Sighart, Albertus Magnu B bürg 1857, B. IX. 428 ADALBERT JEITTELES ja auch keinen in den Rath nehmen, der Peter heist: Wie dann auch, im gedruckten Raths-Register, keiner zu finden, so Petrus geheissen hätte: Die Ursach aber dessen seye unbewust.' Derselbe M. Zeiller erwähnt diese Sage nochmals in seinen 'Mis- cellanea, Nürnberg 1661, S. 240: cDaß man zu Erfurt in Thüringen keinen in den Rath nehmen solle, der Petrus heist, sihe den Tractat von den X. Reichs Craissen tit. 5, p. 330. und deß Petri de Prussia Urtheil davon (wann anders deme also, was man berichtet) in vit. Alberti Magni c. 52. p. 621 [lies: 321] deß Antorffischen Drucks de Anno 1621 in 12'. Im Gothaischen Reichs-Anzeiger vom J. 1794, 2. Bd., Nr. 99, Sp. 950, erschien anonym folgende Anfrage: cWar in Erfurt ehehin wirklich die Gewohnheit, daß keiner, der Peter hieß, in den Rath aufgenommen wurde?' Nachdem hierauf im folgenden Jahrgang, 1. Bd., Nr. 18, Sp. 166, zunächst eine anonyme Antwort erschienen war, in welcher auf die angeführte Stelle in Zeiller's Miscellanea hingewiesen und außerdem noch bemerkt wurde: 'Viele Personen, worunter geborne Erfurter, hielten diese Anfrage für Scherz5, folgte inMemselben Bande, Nr. 122, Sp. 1197, noch eine Antwort, welche 'Erfurt. — b — s.' unterzeichnet ist und also lautet : 'Allerdings muß es uns Erfurtern, wie es im 18. Stück heißt, mit dieser Frage als ein Scherz vorkommen, da die Erfahrung, ohner- achtet der Tractaten, die im obigen Stück angeführt werden, es hin- länglich beweißt, daß in Erfurt bey Besetzung der Rathsstellen keines- weges auf die Namen Rücksicht genommen wird; denn im vorjährigen Rathstransitus war Hr. Peter Franz Dreger anderer Rathsmeister.' Ich bemerke schließlich, daß ich auf die Stellen im Reichs-An- zeiger von meinem Freunde Dr. Robert Boxbergcr in Erfurt aufmerk- sam gemach tjworden bin. Ohne sie aber wären mir die Stellen aus Zeil ler und Petrus de Prussia unbekannt geblieben. WEIMAR REINHOLD KÖHLER. DIENST AG—Z LNSTAG. Die Auffassung, daß unser Dienstag in Analogie mit* dem dies Martis der Römer seinen Namen von dem altheidnischen germanischen Kriegsgott Tijr, hochd. Zio erhielt, muß sich frühzeitig aus dem Be- wusstsein unserer Vorfahren verloren haben. Denn bekanntlich be- gegnen schon seit dem 13. Jahrhundert, zumal in niederd. Quellen, die DIENSTAG ZINSTAG. |-j«i Formen dinstag [dinsedag . dingstag, dienstag, während die organische Form ziestag in schriftlichen Denkmalen selten ist. Vgl. Grimm DW. 11. L120. Lexer Handwörtb. 428. 436. Müller-Zarncke Wtb. III, 8. I m das 14. Jhd. taucht daneben die Form zinstag auf (Birlinger, Ale- mann. Sprache -41). die in Schriften des 16. Jahrhunderts vorherseht. Von da ab gewinnt unser heutiges dienstag, dinstag allgemach die Ober band. Ins es an der Schwelle des 18. Jhd. die l>is dahin bestandenen Nebenformen völlig verdrängt. Über die etymologische Deutung dieser Formen spricht sich das deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm folgendermaßen ans: emag nun die liquida a unorganisch eingeschoben sein oder liegt in dinges- tag und zinstag eine misglückte erklärung, die aus dem nicht mehr verstandenen ziestag einen dies judicii oder dies census macht, immer ist gewis, daß der alte name das ursprüngliche enthielt1. Ks lässt also «ffen, ob diese Auffassungen des Dienstags sowohl als dies judicii wie als dies census jenen Bezeichnungen wirklich unterliegen. Dieß ist aber thatsächlich der Fall. Als Beweis dafür mögen folgende Stellen dienen. Keisersberg sagt in seinen 'Predigen' (Straßbg. 1510) Bl. 47*, indem er von den sieben geistlichen Märkten handelt, auff denen sich ain guter cristenmensch werben mag vnd grossen gewyn seiner seelen überkommen, der ymmer öwig ist', von dem dritten Markt u. a. folgen- des: Auff disen raarekt der güthait gotes soldtu faren an dem zinstag, der von alter her darumb ist genenl gewesen der zinstag als ettlich sagent i die weil die Römer alle weit vnder ynen hetten; do was der von ynen dartzu verordnet, «las man yn den zinßs daran geben solt. Die andere Deutung des Dienstags als dies judicii findet sieh in Stielers Spaten Sp. -'517. wo darüber bemerkt wird: Dingstag, nobis Dinstag, dies dicatus judicii'. Desgleichen bei Henisch p. 7 1 1 : 1 >ingfi dienstag, zinßtäg, dies Marti-, quia dies litigiis dicata: litibus enim ei bellis praeest Mars'. Nicht anders urtheilt Frisch, teutsch-lat. Wörtb. I, 198, nur mit dem Unterschied > daß er die Herleitung von ding als die bei den 'Meisten giltige Ansieht hinstellt. Zwei weitere! Auslegungen unseres Woch redenkt das deutsche Wörterbuch nicht. Die eine davon, zufolge welcher Zinstag von Zinn hergeleitet wird, scheint überhaupt unsern Forschern unbe- kannt geblieben zu sein. Sie begegnet in Melbers Vocabularius vari loquuß is. I. et a. i Bl. "7': 'ilii. ono, quia Mar- habet de minium super stannum'. hie andere Auslegung, die den Dienstag 430 SCHRÖER Dienst-tag, somit als den Tag des Gehorsams, der Dienstleistung auf- fasst, scheint zuerst im 17. Jahrhundert aufgekommen. Wenigstens findet sie sich bereits bei Logau vor, dessen Epigramm, 'Dienstag überschrieben, so lautet: Welt und ihren Lüsten dienen ist die größte Sclaverei, Deinem Willen, Gott, gehorchen ist das allersüßte Frei. Und ebenso hält Adelung in seinem Wörterbuch I, 1368 diese letztere Auffassung, obgleich er ihre Richtigkeit in Abrede stellt, für ausgemacht, indem er bemerkt: 'Die Schreibart Dienstag gründet sich bloß auf die unrichtige Ableitung von dem Worte Dienst'. GRAZ. ADALBERT JEITTELES. SONNENUNTERGANG, GEILATE, GUSTRÄTE U. A. GOTT FOLGEN GEHN. Hildebrand sagt Wtb. IV, 1132 zu: wenn die Sonne zu gaden ge- gangen (aus Otho evang. Krankentrost 1671) „der schöne Ausdruck so spät und vereinzelt bezeugt, sieht nach hohem Alter aus". Es wäre hier eine schon von Gr. Mythol. 701 besprochene Stelle Mor. 15* an- zuführen gewesen, wozu Gr. bemerkt „wenn nicht ze gnaden gelesen werden muß". Es bedeutet natürlich nichts anderes als die Sonne gieng in ihr Schlafgemach, sie gieng ze reste. — Wie ist aber das alemannische und niederdeutsche: 'die Sonne geht vergoldet, zgold , to golde zu ver- stehen? — Es erinnert mich dieser Ausdruck an ags. goldburg, vin- burg als Aufenthaltsort wo die Helden mit dem Könige fröhlich sind, zu vergleichen dem altnord. Vingolf. Vorrede zu Andr. und Elene XXXVII f. Das altnord. gladheim ist wie goldburg ein prachtvoller Auf- enthalt der Wonne. — Wenn nun ags. gesagt wird sun go to glade die Sonne geht zu Glänze, unter, so entspricht das in mehr als einem Sinne dem angeführten die Sonne geht zu Golde. Man möchte fast vermuthen, daß das oft besprochene ze Geilät da diu sunne ir ge- sedel hat Mor. 146 entstellt sei aus ags. sun go to glade. Bartsch liest in der bekannten Stelle Gudr. 1164, 2: ez was nu worden späte, der sunne schin gelac verborgen hinder wölken ze Gulsträte verre. Die Lesart Gulsträte für Gustrate der Hs. stützt sich auf das besser beglaubigte Gylstram Parz. I, 252. Wenn ersteres entstellt ist aus einem nicht mehr verstandenen altsächsischen gold (altnord. gull-) -strdta SONNENUNTERGANG. 431 Goldstraße, so gäbe das den Sinn: die Sonne fahre beim Untergang die Goldstraße, zur Goldburg, ze gokle. Gylstraru, als Gegend des Sonnenuntergangs, könnte dann ebensogut aus Goldsträm Goldstrom entstellt sein. Ganz eigen ist der Ausdruck, der in Gottschce für das Unter- teil n der Sonne gebraucht wird. Wie Aventin sagt, daß keiner sagen durfte die Sonne gienge unter, sondern sie gienge ze röst und gnaden (Myth. 702), so heißt es in Gottschee noch heute, es sei Sünde zu sagen die Sonne gehe unter, man müsse sagen, sie gehe Gott folgen. In einem Volksliede aus Gottschee verlangt die heilige Barbara, die in den Thurm geworfen ist, man mache, ihr drei Giebelfenster, Vllinena inilid. h'ne). die erste line wo die sonn aufgeht die zweite wo sie zu mittag steht die dritte wo sie gott folgen geht. S. mein Wtb. der Mundart von Gottschee S. 93. 229. Auch bei den Serben ist es nicht erlaubt zu sagen die Sonne gehe unter: My- thol. 702. Tacitus sagt Germania cap. 11 von den Vorstellungen unserer Vorfahren: nox ducere diem videtur. In dem Ausdrucke aus Gottschee liegt die Vorstellung daß Gott der Sonne voraus zu reste geht. Sollte diese Vorstellung denn ganz allein nur dort vorkommen? Ich mag mich nicht einlassen aufVermuthungen, welcher heidnische Gott einer solchen Vorstellung entspräche, doch scheint mir die Redensart merkwürdig genug um hervorgehoben zu werden. Vielleicht daß unsere Mythen- forscher weitere Analogien beizubringen wissen; vielleicht Bildebrand im Wörterbuch, in dem wir hoffentlich bald den reichhaltigen Artikel gott zu lesen bekommen. Noch sehen diese Deutungen der fremdartig aussehenden Namen für den Wohnort der Sonne, das gestehe ich selbst, verwegen genug aus, iimsomehr, als ihr Zusammenhang mit der deutschen Mythologie schon längsl abgelehnl ist. Mtillenhoff-Scherer S. 346. Dennoch will ich den Versuch noch nicht aufgeben ihre Haltbarkeil in weitere Er wägung zu ziehen, indem mir die Gründe, die dafür sprechen, doch aoeh Btärker erscheinen, als die dort angeführte ags. Stelle, nach der die Bürg, u der die Sonne am Morgen kommt, Jaiaca, und die Burg in der sie schlafen geht Garita {Janita) heißt. Diese Stelle verbürgl doch nur die Anschauung, nach der die Sonne eine Morgenburg und eine Abendburg hat, und beeinträchtigt, wie mir scheint, einen Deutu "versuch jener Namen auch nicht im Geringsten. Als Quelle für die 432 SCHRÖER, SONNENUNTERGANG. fremdartigen Namen, die in deutschen Dichtungen vorkommen, brauchen wir sie nicht gelten zu lassen , wenn sie anders gedeutet werden können. Grimm hat Myth. 702 f. ags. und altn. Ausdrücke verzeichnet ags. sun go to glade, altn. solar glaiti vestgötlandisch: solen gladas, glaas, soleglanding , die er, gewiss mit Recht, mit den deutschen Ausdrücken zusammenstellt: die Sonne geht zu Golde u. dgl. Ob der Ausdruck Morolt 1354 ze Geilät da diu sunne ir gesedel hat als ein unverstanden aus dem ags. herübergenommenes Wort an- gesehen werden kann, wird vielleicht aus näheren Untersuchungen über die Geschichte dieser Dichtung erhellen. Die Anschauung liegt in obigen Ausdrücken gewiss, daß der Ort, wo die Sonne untergeht, goldig und glänzend ist. Ein goldenes Schloß auf einem Glasberg bewohnt die Jungfrau im Märchen, das aus dem Sonnenmythus in verschiedenen Varianten sich entwickelt hat. In dem altdänischen Liede, wo Bryniel (Brunhild) auf dem Glasberge sitzt, welchen nur ein besonderes Pferd (Gräni) besteigen kann, hat sich die Wafurlogi, der Flammensaal der nordischen Mythe, in einen gol- digen Glasberg verwandelt, s. Anmerkung zu den Hausmärchen 3, 169 f. Es könnte wohl auch an eine Anlehnung des Wortes glas an glaas f. gladas (sol) occidit gedacht werden. Zu diesem altdänischen Liede stimmt das Märchen die Rabe (Hausmärchen 93). In einem goldenen Schlosse auf einem Glas- berge sitzt die verzauberte Jungfrau. Der Erlöser kömmt geritten auf einem Pferde, das die Gabe hat auf den Glasberg zu kommen ohne zu gleiten u. s. w. Auffallender Weise hat in diesem deutschen Mär- chen nun das Schloß ein ei) Namen, der wiederholt vorkommt. Es heißt „das goldene Schloß von Stromberg". Der Name Strom- berg ist nicht aus dem Märchen selbst zu erklären. Er ist demnach überliefert aus einer älteren Fassung des Märchens. Die Sonnenjung- frau wohnt also in einer Goldburg („das goldene Schloß") und man gelangt dahin wol über einen Strom, der den Glasberg („Strom- berg") umströmt. Auf dem Glasberge, dem „Stromberge", ist die Goldburg, die Gold stromburg. Dahin geht die Sonne zu Golde, to glade (ze Geilät"/), über den Goldstrom (Gylstram) und von da aus fährt sie dann wol auch am Morgen die Goldstraße (Gusträte). SCHRÖER. ADALB. JETTTELES, LÜTBRECHIC. |:;:; LÜTBRECHIC. Lexer stellt im mhd. Handwörterbuch I, 1995 ein Adjectiv lüt- briichic auf und fügt dazu ein Fragezeichen. Die Belegstelle, die er zur Stütze dieser Form beibringt, ist aus den Chroniken der deutschen Städte 1. -'lau, G und lautet: wann erpidem auf erden wurden vil und -/., also das dorfer und starke slosz und vil steei gar lautpriichig (wurden) und zu häufen vielen. Dazu gibt Lexer die Varianten: lani- prechtig, lanibruchig und vergleicht lautbrüchig, ruchbar, bei Schmeller 1-. 1531. Ich glaube, es kann nur lauibrechig oder lautbrechtig heißen, woraus obiges lautpriichig eine Entstellung, vielleicht auch Umdeutung ist. Die Formen lauibrechig, lautbrechtig gehen nämlich zurück auf lütbrehe, lüt- breht, wofür allerdings unsere mhd. Wörterbücher nur sehr wenige Be- lege ausweisen, und bedeuteten ursprünglich 'lärmend, laut, offenbar', später im übertragenen Sinne 'ruhmredig. Auch der ruhmredige ist laut, Qämlich in Beziehung auf sich selbst vorlaut. Jene ursprüngliche Bedeutung stimmt auch vollends zu obiger Belegstelle : es gab so viele und gewaltige Erdbeben, daß Dörfer und feste Schlösser und viele Städte mächtig erdröhnten und in Trümmer fielen. Dieselbe Form lauibrechig finde ich in derselben Verwendung in dein d,r Grrazer Universitätsbibliothek gehörigen Codex ~ in 4., worin auf der ersten Seite nach dem Vorsetzblatt vor einer Reihe geistlicher Stücke in lateinischer Sprache folgende nicht uninteressante deutsche Erbatiungsrede aus dem Anfang <\rs 15. Jahrh. steht*). 1 )itz seint die zweit' staffeln <\<-r demutigkeil und die beschreiben B idictus und Bernhardus, die zwene lerern. Daz erste: Demutig saltu in deinem herzen sein und alle/, dein euzer wandel. Daz ander: Deine äugen saltu stetes nider slahen zu dem ertreich gerne. Daz dritte ist also: Du scholt niemer lauibrechig**) und schallende sein mit deinem froleichen lachen. Daz vierde: Du geholt dich gewenen, daztu gerne so lange Bweigest, biz man «lieh freget, innen und auzen. Daz finfte ts1 also zu sprechen: Dein reden schol sein churz, züchtig und aunftig. Daz sechste: Du scholt dich dunkchen und auch des gelauben, urie du seist aller böseste. Daz siehende ist: Daz scholtu auch von dir offenleich auz sprechen, wenneez dir qoI tut. Daz achte: Deinen eigenen Dil Berstelluii der barbarischen Orthographie rührt von mir bar. igkcb II-. QEBHANIi TU. (XIX. J 28 434 K. BARTSCH willen saltu lernen alle tage ab brechen in allen werchen. Daz neunde: Du seholt deinen geistreichen vetern gerne gehorsam leisten. Daz zehende: Du seholt beleiben gedultig, ob sie dich heizen groze swere dinch zu tuen. Daz eilfte: Du seholt deine beichte mit warer grozer reuwe*) offenbar deinem beichtiger auf tun. Daz zwelfte: Du seholt keine besunderleichkeit an dich nemen, die ergerleich mochte gesein. Statt lautbrechig begegnet in Schriften des 16. Jahrhunderts gewöhnlich die Form lautbrecht, z. B. u. a. bei Fischart 'Ein artliches Lob der Lauten (Kurz, Deutsche Bibliothek Bd. X, S. 25). Die Stelle lautet: Ists nicht vil besser, das man dich zu frewden brauch fein sicherlich, dann daß man auß deim zarten holtz mach schädlich pfeil vnd einen boltz vnd brauch dich dann zur grewlichkeyt, welchs mir für dich wer hertzlich leid, daß du genetzet würst im blut, so ietz dein klang vil bessers thüt vnd würdst nun lautprecht vberall, erklingst nun in des königs saal? Auch hier hat lautbrecht die ursprüngliche Bedeutung 'laut, ver- nehmbar. GRAZ. ADALB. JEITTELES. AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND TEGERNSEE. Die nachstehend gedruckten Glossen zweier Münchener Hand- schriften verdanke ich der freundlichen Mittheilung W. Wattenbachs. Die Handschriften sind, so viel ich ermitteln konnte, noch nicht be- nutzt, wenn auch von Docen und Schmeller gekannt. K. B. I. Der Cod. lat. Monac. 17142, früher Scheftl. 142, aus Scheftlarn stammend, im zwölften Jahrhundert geschrieben, enthält außer der Trauslatio S. Dionysii (Bl. 1 — 69) vorzugsweise lateinische Gedichte, dazwischen aber in buntem Durcheinander theologische und gramma- tische Excerpte. An verschiedenen Stellen finden sich ahd. Glossen über *) rewue Hs. AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND TEGEKNSEE. 435 die lateinischen Worte geschrieben; vorn steht die Bemerkung: 'Glossas theotiscas hinc inde in hoc cod. occurrentes exscripsit D.' d. h. docli wohl Docen, der sie wohl zur Veröffentlichung bestimmt hatte. f. 84 tanacetum reiuan. usquiamum pilse. bastinaca moi-he. Jouis barba Jims torzc. herba mercurialis striph. 84'' sine carie gerwt . 89 tricordium giga. i'xacordum harpha. scalprum scabisan. 90 concambium wessel. bracium malz. 91 I'ila autem quatuor modis intelliguntur. primum doz quo os ca})tiuorum concludi- tur. seeundum dicitur pal. quo utuntur mulieres in ludo. tercium stamph quo conte- riturmilium. quartum mensa sociorum. in quo reponeban- tur libri venales. 100 spadones dicuntur surculi arborum steriles scuzlinge. 1001' lupati. frena asperrima cham prittil. 103 castor piber. fiber oter. ericius igil. 1 < »7 allium cloßoch. rafanum merretihc. appium i'phic cepe ciphol. porrum sectiuum dicitur sni tiloch. serpillum chonola. sarmuna cheruil. marubium saluia. capudium. herbarum ortus. in quo plantantur herbe. inenta minz. isopum isj). pepo erdcvphl '). Urtica nezzel '). Cucurbita churbiz. saliunca salch. 109 lens lendis nizz>. lens. tis. numero linsf1). 109'' hie canalis nusc. hecpapimo (1. papirio) pinice. hec scirpea cenel. HO1' cupa potege1). emissorium zapfe1). 11 1 nux corili hasil3). aran scotica lingua dicitur panis. 116 uri agrestes sunt boues in Germania habentes cornua in tantum protensa. ut regiis mensis ex eis gerule fiant. 119 caluicies chalue. perpendiculum uel pintile uel muschele in pellibus. situla urna. manubrium halb. pes meus luxatus est erlenchet. 1 19b t'ormula leist. Argentina strrazpurh. 126 accipiter habahc. nisus sparwer -% Am Rande. Offenbar ein Hexameter; daher lens. lentis numero zu hu oberen Bande. ') Heide Glossen neben einander, offenbar der Anfang der bekannten lateinischen Verse mit deutschen Vögelnamen (s. Nr. 11). 28* 436 K. BARTSCH, AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND TEGERMSEE. II. Cod. lat. Monac. 19488, aus Tegernsee, im 12. Jahrhundert ge- schrieben, enthält p. 118 und p. 121 die bekannten Hexameter 'Hie volucres celi referam' u. s. w. mit deutschen Glossen, das^erste mal mit weniger Glossen als das zweite mal. Die Handschrift ist von Schmeller, Carm. Bur. p. 267 erwähnt, wo außerdem auf Clm. 614 und 3537 verwiesen ist, welche Hss. diese Glossen ebenfalls enthalten, so wie sie auch in einer Straßburger (Altd. Blätter I, 348), Schlettstädter (Zeitschrift f. d. Alterthum 5, 360), Wallersteiner (Germania 8, 47), Wiener (altd. Blätter 2, 213), Admonter (Pertz' Archiv 6, 170), der Hs. der Carmina Burana (p. 175) und sonst noch (vgl. Germania 8,47 Anm.) vorkommen. Das erste mal ist nur der erste Vers der Vögel- namen glossiert, die Glossen lauten hauh, spareware. ualche. storche speht ; von den Pflanzennamen nur der letzte Vers, mit gunter (iscam) hieran schließen sich unmittelbar die Verse mit Fischnamen (= altd Bl. 1, 350), welche hier deutsch lauten hehchet. slie. allnt. uorhe. asch harinch. walr. lahs. al. lantfride, Bl. 121 lauten die Namen der Vögel: habich. sparware. valche störe9, speht. alster. grunspht. rausare. wehe, haiger. turtUtübe. hvfi. tahe giger. are. chuigel. wiltuake. heitohe (über palubes). icitehofe. sneph. reb hun, ula. vinke. nahtrabe, amerink. wie. wiaise. hortubil. heher. elbiz. stare töchel. trosgel. bravogel. ivahtele. amsel. fashon. orrhun. wisgöm. ante, stok are. isvogel. rotte, listera. wurgelhahe (Jiahe später durchstrichen), röche, dorndral. haselhon. birkhön. haselgans. strnze. sitik. heimel (über cicada. darunter von etwas jüngerer Hand grille), smirle. grasemuch (über phil'm d. h. philomenam). lerche. glaim. nahtegal (über luciliis). distil- uinche. Von Namen der Thiere sind folgende glossiert, vrhosse (st. v/r- ohsse). ivisint. elho (etwas jünger), rc/ijiok (über capricornus). merkaze, luhs. vuhcs. vohe. tahs. marder. härm, otter. piber. spiee (über sorex). pilch, cismus (diese beiden über glis. gliris). dentis, wantlus. Namen von Pflanzen: populus albar. fusarius spinelptfm. sauina seuinböm. per- sicus phersichp. prinus (für prunus) phrurrip. (dazu am Rande von de1' wenig jüngeren Hand chienpom d. h. mißverständlich für pinus). cera" sus kersp. malus quoque cinus ehr ich ]> (steht über quoque). nux nvz /> pinus vuht. cum platano ahorn. uibex birke. cum buxo busp. fraxinus aspi. fagus boche. lentiscus mezeböm. ulmus ulm. acer mazzelter. cornus linbom. corilus hasel. carpinus hachenböche. ornus arlezböm. auellani nespilböm. amigdala mandelbom. therebintum lerpöm (von zweiter Hand), cum tremulo asp. tribulus hagen (am Rande von zweiter?Hand bwffoli); LITTEHATIR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. 437 spina dorn, taxus iwe. ulnus erla. riscus holnr. sambucus wilthohr. cum iunipero craneurit. paliurus hagendom. vimia wich, salices salehe. uites winrebe. cum cutino chutinböm. moros moTbom. Die beiden letzten Verse lauten : stock Yhaidah !) Ista tenete loca storax turbisce mirica. smelehc. hartrugel heu sanguinarium non uersu ponere possum. LITTERATÜR. 0. Erdmann, Untersuchungen über die Syntax der Sprache Otfrids. Erster Theil: Die Formationen des Verbums in einfachen und zusammengesetzten Sätzen. Halle 1874. Waisenhausbuchhandlung, gr. 8°. XVIII und 234 S. Es ist nicht nöthig, auf die hohe Bedeutung eines Unternehmens, wie des vorliegenden, aufmerksam zu machen. Oft genug und von den verschiedensten Seiten ist ja darauf hingewiesen worden, daß, im Vergleich mit den übrigen Theilen der deutschen Grammatik, die Syntax nur stiefmütterliche Behandlung gefunden habe. Man werfe nur einen Blick in den syntaktischen Theil unserer nhd. Grammatiken oder denke an den Unterricht in der deutschen Satzlehre an unseren höheren Lehranstalten;, so wird man sich dem Eindrucke peinlicher Dürftigkeit nicht entziehen können. Wenn man nun zugeben muß, daß, eben- sowenig wie in der deutschen Metrik, in der deutschen Syntax ein Schritt für die späteren Entwicklungsstufen der Sprache ohne Kenntniss der früheren mit Sicherheit gethan werden könne, so kann nur der Blick auf die Schwierigkeit Unternehmens erklären, warum die ahd. Syntax so lange hat auf einen Bearbeiter warten müssen. Für Otfrid hat sich dieser Aufgabe nunmehr der Verfasser obiger Schrift unterzogen, angeregt durch das Preisausschreiben der k. k. Akademi" der Wissenschaften zu Wien. Ein solches Unternehmen ver- dient schon im Voraus alle Anerkennung, aber schon ein flüchtiger Blick in das Buch genügt, um auch den gewissenhaften Fleiß und den Scharfsinn des auch sonst Bchon durch Arbeiten über Otfrid bekannten Verfassers erkennen zu lassen. Es Bind demselben nur wenige Fälle entgangen, für welche mir eine Beleuchtung wünschenswert!! erschienen wäre, doch kann dieß bei dem Umfange des Stoffes nicht wunderbar erseheinen. Wünschenswerth wäre eB um- gewesen, daß das Werk in noch grö erer I bersichtlichkeit die gewonnenen Resultate gruppiert hätte. Die aufzählende Paragrapheneintheilung läßt eine tnische Gliederung dee Ganzen vermissen, «reiche durch die Capitelüber- schriften nicht bend bewirkt wird. Ks wären bei besserer Anordnung Materials mancherlei Wiederholungen gewiß unnöthig geworden, die ja auch der Verf. (vgl. 8. 78) nur ungern sieh gestattet bat I>aii eine und dieselbi \ M vw eiter Hand. 438 LITTEBATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. Sache zweimal, auch dreimal erklärt wird, kommt öfter vor. So wird der Conjunctiv gikusti I, 11, 39 auf S. 81. 134. 136 besprochen; aber zu arg ist es doch, wenn derselbe Satz zu vier bis fünf Malen behandelt wird, und dar- unter mehrere Male in derselben Beziehung, so I, 15, 32 auf S. 56. 116. 117. 129, an den beiden ersten Stellen wegen der Attraction so wemo; II, 3, 11 auf S. 26. 183. 81. 195; an den beiden letzten Stellen wird der Moduswechsel erklärt. Der Satz mit oba I, 27, 33 wird auf S. 71. 179. 180. 182. 193, wenn auch überall in verschiedener Beziehung, besprochen; die indirecte Rede III, 22, 13 auf S. 100. 103. 104. 108. 179. 180. Die Stelle II, 6, 29 wird auf S. 20 und 65 übersetzt und erklärt, doch in der Vorrede p. XII wird dieselbe Stelle in etwas anderer Weise ausgelegt, nach Toblers Erklärung in Germ. XVII, p. 258. Derartige gehäufte Wiederholungen, deren ich noch eine ziemliche Anzahl nachweisen könnte, müssen offenbar der mangelhaften Anordnung zur Last gelegt werden. Wenn der Verf. in seiner Recension von F. Burckhardt, der gotische Conjunctiv, Zschopau 1872, in Höpfner und Zachers Zeitsch. IV, p. 455, offenbar tadelnd, bemerkt, daß zum Schluß die vollständige Sammlung der belegenden Citate ohne Text folge, so möchte ich im Gegensatz dazu be- merken, daß unnöthige Breite der Behandlung und manche unangenehme Wieder- holung durch passende Anordnung des Stoffes vermieden werden kann. Wenn ich nun nach diesen kleinen Ausstellungen an der äußeren Ein richtung des Buches auch noch einige Bemerkungen über die Art der Forschung und ihre Resultate beifüge, so mögen dieselben als der Ausdruck freudigen Mitarbeitens aufgenommen werden. Der Verf. lehnt sich in der Methode der Forschung hauptsächlich an G. Curtius und an die syntaktischen Forschungen von Delbrück und Windisch an. Vielleicht wäre hier und da eine selbständigere Behandlung der Arbeit dienlich gewesen. Namentlich wäre eine ausgedehntere Benutzung der ahd. Uebersetzer dem Buche sicherlich an manchen Stellen zu Statten gekommen. Die grundlegende Charakteristik der ahd. Tempusformen, mit welcher der Verf. passender Weise beginnt, läßt manches vermissen, namentlich scheint mir die Abgrenzung der Verwendungsgebiete des Präsens und Präteritum das Eigen- tümliche des ahd. Gebrauchs zu wenig zu berücksichtigen. Der Verf. sagt §. 2: „Der Gegensatz der beiden deutschen Tempusstämme liegt nur in den Zeitstufen der Gegenwart und Vergangenheit, in dem Unterschiede zwischen dem jetzt-stattfinden und dem früher-stattfinden, sowohl eines eintretenden Er- eignisses {ih quimu — ih quam), als eines fortdauernden Zustandes {ih stdn — ih stuo7it)" und in §. 5 ist vom Ind. Präs. in selbständigen Sätzen gesagt: „Er drückt Ereignisse aus, die als in der Gegenwart des Sprechenden statt- findend vorgestellt werden, und zwar sowohl eintretende Handlungen als auch fortdauernde Zustände." Mit keinem Worte ist die merkwürdige Thatsache erwähnt oder erklärt, welche schon von Grimm, Gr. IV, p. 140 angeführt wird, daß das ahd. kein Praesens historicum kennt. Nicht nur die in der Vulgata häufig vorkommenden Formen dicit, dieunt , aiunt werden im Isidor und auch in dem sonst eng an sein Muster sich anschliessenden Tatian stets durch quad, quädun wiedergegeben, sondern auch alle sonstigen Praesentia historica durch das entsprechende Präteritum übersetzt; so Tatian assumit 15,45 ■= nam ; ingreditur 60, 14 = gieng in; addueunt 86, 1 = brähtun, 120, 1 = leittun) veniunt 148, 7 = quämun; surgit, ponit, mittit 155, 2 = erstuont, legita, santa; LITTERATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. 439 ir^duunt 200, 1 = giundtitun; vident 217, 2 = gisälmn; loquuntur 230, 1 = s/ ml rinn). Abweichend scheint nur 82, 8 vimo quidit theser, thaz ih fon himile nidursteigl quomodo ergo dicit hie: quia de coelo descendi? Docli liegt hier wohl der Gedanke zu Grunde: mit welchem Rechte hält dieser die Behauptung aufrecht, wie kann dieser behaupten? In dem freieren Isidor tritt eine Wieder- gabe des lat. Präsens durch das deutsche Präteritum ungleich häufiger ein. mittitur Is. ITT, 8 = uuard chisendit ; dicitur III, 2 = chiquhedan uuard ; testatur III, 2. 9. IV, 10 = chundida\ subiungitur III, 4 = dhdr öfter ist chiguhedan; de- monstratur III, 6 = ist araugit; mittit IV, 4 = sendida, significatur ebenda activisch = bauhräda', mittunt IV, 7 = sendidon; vocat, testatur IV, 8 = meinida, urchtmdida; proclamant IV, 11 = meinidon; praedicant V, 1 predi- göndo quhad] nascitur V, 4 = uuard ehiboran; invenitur VI, I = uuardh fundan; promittitur IX, 7 = uuardh chiheizssan ; delectatur, delectantur IX, 10 = uuas geröndi, lustida sie. Sogar caverna enim reguli corda sunt infidelium wird IX, 10 übersetzt : dherä nädrün hol bauhnida chiuuisso dherö unchilaubono muotuuillun. Umgekehrt aber kennt Isidor nicht jenes prophetische Näherrücken der Zukunft, vermöge dessen dieselbe als bereits vollendet betrachtet wird, vgl. V, -1: parvolus natus est nobis, filius datus est nobis et factus est prineipatus eius super humerum eius et vocabitur nomen eius admirabilis etc. = chindh uuirdit uns ehiboran, sunu uuirdit uns chigheban, endi uuirdit siin herduom oba smem sculdrom endi uuirdit siin namo chinemnit uundarliih etc.; und V, 4 : ad Sion autem dicit vir et vir natus est in ea et ipse fundavit eam excelsus = zi Sion quhad man, endi man uuirdit in iru ehiboran endi dherselbo chmuorahta sia, ir hohisto. In dem letzteren Heispiele ist der Wechsel der Tempora besonders instruetiv. Auch bei Otfrid, obgleich derselbe mehr reflectierender als erzählender Dichter ist, läßt sich das Zurückscheuen vor dem pracs. hist. an mehreren Stellen deutlich nachweisen. III, *J, 25 Andreas sprah tho einer petruse gx 'lange r , vgl. Joh, 6, 8 dicit ei unus ex diseipulis eius Andreas frater Simonis Petri ; III, 24, 21 ../// läz /////■", quad er, „sir, irstentit flirr thvn bruaderu vgl. Joh. 11,23 dicit illi Jesus: resurget frater tuus; und v. 23: „iz ist, druhtinu , quad si , „so, giloubu ili thaz giuuisso" vgl. Joh. 11, 24 dicit ei Martha, scio etc.; v. 39: äfir- :i si snello — — si sliumo zi imo giilta vgl. Joh. 11, 29 surgit cito et venit ad eum; v. 62: „druhtfn", quddun se sär, „selbo mahtüz sehan thdr" vgl. Joh. 11, 34: dieuntei: domine veni et vide; v. 83 „druhtin", quad thiu suester, ^ther lichamo ist iu föler" etc. vgl. Joh. 11, 39 dicit ei soror mortui Martha: domine, iam foetet; v. 85 „tkih deta ih mithont", '/und er. „uuis, <>ha thü gi- lo/i/)ia" etc. vgl. Joh, 11, 40 dicit ei Jesus, non dixi tibi, quoniam si credi- deris etc. (vgl. Tat. 135. 7 ff.). Derartige Heispiele aus O. lassen sieh leicht noch viele beibringen. In den angeführten Stellen ist der Text der Vulgata fast wörtlich nachgebildet, nur das lat. Präteritum ist immer durch das Präsens wiedergegeben. Welches ist der Grund dieses consequeutcu Gebrauchs im ahd.? Im Lat. Kriech. ) können beide, Perfectum (Aorist) and Präsens, eine eintretende Handlung bezeichnen, jenes in der Vergangenheit, dieses in der Gegenwart. Hei diesen gleichen Potenzen der Tempora int die psychologische Möglichkeit der Yer- Qung beider darin zu suchen, daß sieh der Sprechende in lebhafter Rüok- erinnerung an das Geschehene dasselbe al eben erst vor sich gehend vorstellen kann. Was hindert nun eine ähnliche Ausdrucksweise im Deutschen? Otfrid 440 UTTERATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. vermochte doch auch ein vergangenes Ereigniss als gegenwärtig im Geiste zu schauen. Das sehen wir erstens an dem häufigen Übergang der indir. Rede in die directe. Derselbe bedeutet ja nichts Anderes, als daß der Erzählende sich der Rede so lebhaft erinnert, daß er aus der berichtenden Form der in- directen Rede fällt und die Worte gleichsam gegenwärtig hört. Zweitens kennt 0. die asyndetische Verbindung in lebhafter Schilderung, deren Erklärung ja auch eine ähnliche ist. Man erinnert sich so lebhaft der Ereignisse, jedes einzelne wirkt so überwältigend auf den Darstellenden, daß er den historischen Standpunkt, welcher dieselben als sich gegenseitig bedingend oder als gemein- schaftliche Bedingung für andere Ereignisse auffaßt und demgemäß verbindet, aufgibt und sie kurz, Schlag auf Schlag, wie sie sich zutrugen, ausspricht. — Der Grund, weshalb es im ahd. kein praes. hist. gibt, muß also darin gesucht werden, daß das praes. im ahd. nicht die in der Gegenwart eintretende Handlung bezeichnen kann, wie der Verf. an den oben angeführten Stellen behauptet. Der Gegensatz der ahd. Zeitformen des Prät. und Präsens ist offenbar nicht der zwischen dem früher-stattfinden und dem j etzt- stattfinden , sondern, wenn von einem Gegensatze die Rede sein soll, zwischen dem bis jetzt eingetreten sein und dem von jetzt ab eintreten sollen. Das ahd. Präteritum bezeichnet in einfachen Sätzen erstens Zustände der Vergangenheit, zweitens Handlungen, die in ihrem Resultat bis zur Gegenwart vollendet sind. Das Präsens bezeichnet: erstens Zustände der Gegenwart (auch wiederholt in der Gegenwart sich zu- tragende Handlungen, so daß also die Handlung nicht mehr als solche, sondern als einen Zustand kennzeichnend aufgefaßt wird), zweitens Handlungen, die eist in der Zukunft (gleichviel, ob in der nächsten oder in der ferneren) sich vollenden. Die Gegenwart ist also nur als Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft gedacht. Handlungen, welche von der jüngsten Vergangenheit bis zur nächsten Zukunft in so regelmäßiger Wiederholung sich zutragen, daß dieselben einen Zustand der Gegenwart charakterisieren, werden durch das Präsens bezeichnet, weil ihre Bedeutung meist in der Zukunft liegt. (Soll die Bedeutung einer solchen sich wiederholenden Handlung mehr in die Vergangenheit gelegt werden, so steht auch das Präteritum; so L. 21. 22 oba iz uuard iouuanne in not zi fehtanne, so uuas er io thero redino mit gotes kreftin oboro. S. 20 ungilöndt ni bileip ther gotes uuizzode kleip; vgl. V, 23, 4. Erdmann vergleicht §. 24 dieses Präteritum nicht unpassend mit dem gnomischen Aorist.) Für diese Gebietsabgrenzung zwischen Präsens und Präteritum sprechen noch mehrere andere Erscheinungen bei 0. Erstens: in vielen Fällen, wo uns jetzt das historische Präsens geläufig ist, gebraucht 0. noch stehend das Präteritum; I, 27, 27 ther gomo, then ir zaltut, ioh namahafto nantut, der Mann, den ihr nennt (cf. III, 22, 55); III, 10, 44 nu uuerden al thio ddti, so thü mih Mar nü~ bäti, um welche du mich bittest; vgl. Matth. 15, 28 fiat tibi, sicut vis; II, 9, 78 noh themo einigen ni leip, io so paulus giscreip, wie Paulus schreibt. Auch in II, 10, 19 uuant er unsih freuuita, then guaton uum ims sparota liegt uns das Präsens für die Übersetzung näher als das Präteritum; I, 22, 43 uuio uuard, wie kommt es; I, 11, 40. V, 19, 41: utiola uuard, glücklich ist. Vgl. noch I, 3, 29. 17, 22. II, 7, 12. 8, 21. III, 5, 3 etc. Die Formen des Verbum quiman, das passender Weise vom Verf. p. 2 als Beispiel angeführt wird , be- weisen ebenfalls für meine Abgrenzung der Tempora. Von den Präsensformen dieses Verbs, die bei 0. so häufig vorkommen, scheinen nur zwei im Wider- LITTERATÜR: O. ERDMANN, SYNTAX DEK SPRACBE OTPRIDS, 441 spruch zu stellen: III, 3, 2 noh ni quimit uns thiz guat in unser armiltchaz muat; und III, 18, 10 noh ni quimit in in muat thaz stnaz managfalta guat. In beiden Fällen ist der Satz durch noh vi an das Vorangehende geknüpft, doch zeigt im zweiten Beispiel der Gegensatz von v. 7, 8, daß von einem gewöhnlich geschehen die Rede ist, und auch die Mehrheit der in Betracht kommenden Personen erheischt die Vorstellung einer mehrfach sich wieder- holenden Thätigkeit des auf sie einwirkenden Verbs. Das letztere ist auch beim ersten Beispiele der Fall. Wir übersetzen also noh ni quimit noch immer kommt nicht. Dagegen steht häufig das Präteritum dieses Verbs, wo wir jetzt das Präsens vorziehen, so II, 12, 8. III, 12, 26. V, 4, 38. III, 16, 63 (an dieser Stelle hat freilich auch die Vulg. schon veni Job. 7, 28). Zweitens: jene Scheidung der Tempp. ist so allgemein durchgeführt, daß sogar Formeln, die wir im Präsens beizufügen pflegen, dieselbe aufweisen. So steht das Prät. 800 iz zam , gizam stets neben einem Präteritum , sds iz zimit stets (mit Aus- nahme eines Falles III, 2, 15) neben einem Präsens. Drittens: höchst lehrreich ist auch der Wechsel der Zeiten in T, 7, 13 — 20, wo das, was Jesus ein für allemal gethan hat, durch das Präteritum, das was er immer noch thut und stets thun wird, duich das Präsens bezeichnet wird, vgl. noch II, 3, 21. III, 16, 50 — 56. An der von Erdmann §. 6 citierten Stelle V, 20, 23 nist man, ther noh io uuurti, odo ouh si nü in giburti, oelouh noh uuerde zeigt sich die für die angeregte Frage interessante Thatsache, daß der Dichter nicht in Ver- legenheit ist, wie er die eintretende Handlung der Zukunft, sondern wie er die der Gegenwart bezeichnen soll; jene drückt er durch eine einfache Verbalform, diese durch eine zusammengesetzte Redensart aus. — Es scheint also meine obige Charakterisierung der Tempora gerecht fertigt, so gerechtfertigt, daß ich nicht anstehe, lougnit IV, 18, 10 und folget I, 20, 35, welche der Regel wider- sprechen, gegen Keiles Annahme für apocopierte Präterita zu erklären. Der Regel zuwider läuft auch nicht, wenn heim Citieren , z. B. der Bibel, das Präsens gebraucht wird, z. B. I, 8, 26. i:i. 1!» etc. Die Präsentia der Verben singan, zelten, quedan, acriban, sagen bezeichnen dann eben, daß es noch da steht, wir es noch nachlesen können. Man vgl. II, 10, 11 mit II, 19, 1 und II. 18, 10; und Tat. 7 1, 4 sprdlihi mit 82, 8 . länger verweilt, weil meine von der Meinung des Verf. abweichende An- schauung über den Unterschied von Präsens und Präteritum natürlich auch Einfluß hat auf die Erklärung verschiedener Nebensätze, namentlich unter den Temporal- und Conditionalsätzen. So halte ich es beispielsweise nicht für richtig, wenn der Verf. die Stelle III, 24, 51 (13) uudrfot thu Mar, ni thultin Wir /'<"' theea quist dreimal 'S. 20. 27. 109) übersetzt: wärst du hier gewesen. so würden wir jetzt nicht dieses Leid dulden. Richtiger ist: so hätten wir jetzt nicht geduldet. Das nv hindert nicht, so zu übersetzen, denn es wird i von der jüngsten Vergangi ebrauchl (vgl. I. 1">, IT1. Denselben Einspruch erhebe ich gegen die Übersetzung ähnlicher Stellen, welche ^<^' Verf. p. 109 anführt: IV, 20, 13. III, 20, I.V.». IV, 15, '.». 1, 51. Auch in V, 7. 39 oba iaman thoh giqudU sehrint es mir nicht richtig mit dem Verf. . 1 I keine AndeutuiiL' der Vergangenheil zu finden. — Bei einer schärferen Scheidung 442 LITTER AT UR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. der beiden Tempora wäre das Verhältniss derselben im abhängigen Satze vom Verf. sicher auch genauer dargestellt worden. Die Consequenz der Anschauung, welche sich im Tempuswecbsel in Sätzen wie III, 24, 85 thih deta ih mithont, quad er, uuis, oba thü yiloubis, thaz thü gisihis gotes kraft; III, 15, 44 ff. quädun er sie firleitti, oba sie mo wollent hören (vgl. §. 49) und ähnlichen Beispielen zeigt , hätte ihn darin vielmehr die Regel , als die Ausnahme erkennen lassen (vgl. I, 1, 11(5). Aus dem Präteritum 1, 1, 122 schließe ich unbedenklich, daß die übrigen Stücke schon fertig waren, als I, 1 gedichtet wurde. Richtiger in der Sache, wenn auch nicht präcis genug in der Fassung, scheinen mir des Verfs. Regeln über den Gebrauch der Modi. Er hat manche schöne Erklärung beigebracht, besonders glücklich erschienen mir in §. 35 die von Keiles Auffassung meistens abweichenden Übersetzungen. Bei der Be- sprechung, des Imperativ entscheidet er sich dafür, die adhortativen Formen auf -emes mit kurzem e in der vorletzten Silbe zu schreiben. Die Quantität dieser Silbe ist, wie der Verf. richtig bemerkt, mit Sicherheit nicht metrisch festzustellen. Für die Quantität der letzten Silbe, die ich für kurz halte, Hesse sich eher metrisch eine Wahrscheinlichkeit finden. In Bezug auf die Form l&z in IV, 24, 6 thaz thti sus Idz in heilen hant thes heiseres flaut bin ich anderer Ansicht, als der Verf., der sie in $. 18 als Imperativ erklärt, stimme aber mit ihm überein in §. 109, wo er sie als eine Zusammenziehung aus läzis a uffaßt. Nachdem der Verf. eine Übersicht des Gebrauchs der Tempora und Modi im einfachen Satze gegeben, bespricht er die Verwendung derselben im zu- sammengesetzten Satze und alsdann die Mittel zur Bezeichnung der Satzver- bindung. Er unterscheidet sechs Arten der Satzverbindung. Erstens: die beiden gleichartigen Sätze treten entweder ohne Bezeichnung ihrer Verbindung neben- ( inander, oder zweitens: bestimmte Partikeln, wie j oh, ouh verbinden dieselben. Drittens: die Verbindung des Nebensatzes mit dem Hauptsatze geschieht durch Partikeln des einen Satzes, die auf den ganzen Inhalt des vorangehenden andern Satzes so hinweisen, daß dadurch eine bestimmte Beziehung des Inhalts beider Sätze angedeutet wird. Solche Partikeln sind nü, (höh, so, thanne, (ho, sld, er etc., und hierher gehören Causal-, Concessiv-, Conditioual- und Temporalsätze. Viertens die relative Verbindung, welche der Verf. mit Windisch durch eine anaphorische Hinweisung des zweiten Satzes auf den ersten erklärt. Fünftens geschieht die Verbindung dadurch, daß flectierte Formen der demonstrativen Pro- nomina auf den Gesammtinhalt des vorigen Satzes zurückweisen (Substantiv-, Folge-, Absichtssätze). Sechstens durch Satzverbinduugsmittel, welche ursprünglich dem Nebensätze angehören, und zwar kann der Nebensatz entweder nach seinem Gesammtinhalt (durch ja, nü, uuanta, oba) oder durch Hervorhebung eines ein- zelnen Bestandtheiles seiner Aussage (durch uuer, uuaz, uuär, uuanne, uuic, uuelih) mit dem Hauptsätze in Verbindung gebracht werden. Dabei ist die sprach- liche Bedeutung der Frage erwogen. Mit großem Fleißc hat der Verf. die Übergänge bis zu den letzten Formen der Nebensätze nachzuweisen und aus 0. zu belegen gesucht. Am meisten scheint mir für den ahd. Relativsatz geleistet zu sein , für weniger gelungen halte ich die Erklärung der fünften Verbindungsform durch das Curtius'sche „innere Object'1, da man manche nothwendige Stütze der Theorie vermißt. LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMANNA SAGA. | |.; Von S. 78 — 82 gibt der Verf. auf Grund der vorhergegangenen Aus- einandersetzungen zunächst eine Besprechung der Anreihung gleichartiger Sätze, dann bis S. 198 behandeil er in der oben angedeuteten Reihenfolge die ver- schiedenen Arten der Nebensätze, zu denen er die Belege aus 0. fast voll- ständig gibt. Zuletzt bespricht er uoch die Verwendung des Infinitiv und der Participien. Schließlieh führe ich noch einige Druckfehler an, die mir aufgefallen sind: S. 2 Z. 9 bei dem Verbuin; S. 1 X. 39 IV, 3 1 . 24 del.; S. 12 Z. 23 HI, 15, 25; S. 13 Z. 2 I, 1, 1 •_>:{; S. l:i Z. 15 II, 21, L5 wirft thaz; S. 14 Z. 23 Kelle II, 111; S. lf> Z. 22 I, 2, 21 ; Z. 23 I, 2, 22; S. 21 Z. 15 V, 7, 42 ; S. 18 Z. 41 wärme in P. ; S. 26 Z. 11,1, 1'.», 22; S. 26 Z. 15 IV, 12, 57; ni wäri (das spätere nur ; S. 28 Z. 19 irsayeti; S. 29 Z. 12 I, 1, 21 ; S. 64 Z. 4 II, 2, 7 ; S. 85 Z. 20 II, 22, 37. 39 del.; — nü thie; S. 85 Z. 2 1 ginant-, S. 102 Z. 10 wir loola iz ni bidrahton; S. 107 Z. 25 ioh brosmün maza in alawär\ S. 109 Z. 31 108 thesö; S. 114 Z. 1 IV, 20, 32; S. 123 Z. 22 IV, 25, 1; S. 129 Z. 12 wanta ; S. 133 Z. 25 III, 12, 43; S. 140 Z. 38 quädun S. 142 Z. 38 III, 4, 1 ; S. 148 Z. 40 erin mag — willin; S. 155 Z. 10 Dkm. LX, 2, 26. 27; 8. 168 Z. I bibrähta; S. 174 Z. 6 S. 47 paßt nicht; S. 214 Z. 2 II, 9, 73; S. 216 Z. 15 drürenta, 11; S. 218 Z. 121, 22, 51. ALTONA, im September 1874. P. PIPEK. Bandamanua saga, efter skinnboken No. -'845, 4to ä Kongl. biblioteket i KÖpenhamn. Akademisk afhandling af Gustaf J. Chr. Cederschiöld; Lund, Fr. Berlings boktryckeri och stilgjuteri, 1874; II, XIV und 26. S. 4to. Zweimal war die Bandamanna saga bisher herausgegeben worden, nämlich in der Quartsammlung des Lögmanns Björn Marküsson (1756) und dann nieder von Haidorr Fridriksson für die nordische Litteraturgesellschaft (1850). Aber beiden Ausgaben liegt, direel oder indirect, ganz gleichmäßig eine und dieselbe IIs. zu Grunde, nämlich AM. 132 fol. , wogegen eine, /.weite, Cod. reg. 2845 in i' ". vcin den Heran ■reliein völlig unbeachtet gelassen wurde, obwohl Haidörr Fridriksson wenigstens durch zwei von Asgeirr Jönssons Hand geschriebene Copieen dieser letzteren Membrane auf deren Existenz hätte aufmerksam gemachl weiden können. Gudbrandr VigfusBon, der gründliche Kenner isländischer Hss., hat bereits im Jahre 1858 auf diesen Umstand aufmerksam gemacht (Nj feiagsrit, Bd. XVIII, S. 156 — 157) und zugleich hervorgehoben, daß der im Cod. reg. auf- bewahrte Text der Sage ein von dem veröffentlichten vielfach abweichender und älterer sei, so daß eine neue Ausgabe der Quelle auf seiner Grundlage schlechterdings nöthig sei. Diese Mahnung hat sich nun Hr. Cederschiöld zu ll'iv.en genommen, und durch sie hat er sich zu der sehr verdienstlichen Albeil be tinimeii lassen, welche uns nunmehr als eine von der Universität Lund ap probierte Abhandlung vorliegt. In Beiner Vorrede gibl Hr. C. ziemlich den Bi cheid über die \>>n ihm benutzten Hss., also über den Cod. reg. und Asgeirs bereits erwähnt.' \t> chriften; ebenda aus erl er Bich ferner aber da bei der Herstellung seines on ihm eingehaltene Verfahren, bei dessen Prüfung übrigens auch die Anmerkungen, und theilwi ise überdieß die Zu ätze und Berichtigungen zu be- 444 LITTERATUR: G. CEDERSCI7IÖLD, BAND AMANNA SAGA. rücksichtigen sind, welche er seinem Abdruck der Sage folgen lässt. Maßgebend war aber für diesen Abdruck das Bestreben, die demselben zu Grunde gelegte Membrane, und nur diese, möglichst genau wiederzugeben. Man kann darüber streiten, ob dieses Verfahren im gegebenen Falle das richtige war. Der Cod. reg. ißt erst im Anfange des 15. Jhdts. geschrieben, zu einer Zeit also, welche von der Entstehungszeit der Saga selbst weit genug abliegt, um die Hs. für die Übereinstimmung ihrer Schreibweise mit der ursprünglich vom Verfasser beliebten keine Gewähr mehr bieten zu lassen, — zu einer Zeit ferner, aus welcher Hss. in Hülle und Fülle erhalten sind, und deren inconsequente Ortho- graphie eben darum bereits zur Genüge bekannt ist. Da überdieß S. Bugge bereits nach derselben Hs. die Heidrekssaga herauszugeben begonnen hat (1873), und in der Einleitung zu dieser seiner Ausgabe eine jedenfalls erschöpfende Besprechung der Membrane zu geben beabsichtigt, hätte es sich vielleicht empfohlen, die vorliegende Saga in einem normalisierten Texte herauszugeben. Wenn man aber auch Hrn. C. daraus keinen Vorwurf machen will, daß er den mühevolleren Weg vorgezogen, und damit einen, vielleicht unnöthigen, weiteren Beitrag zur Kenntniss der späteren isländischen Orthographie geliefert hat, so wird man doch immerhin noch an der Ängstlichkeit Anstoß nehmen dürfen, mit welcher derselbe selbst in den unbedeutendsten Punkten seiner Membrane folgt. Rein graphische Eigentümlichkeiten beizubehalten, wie z. B. den Gebrauch von u statt v, oder von d statt d, den Nichtgebrauch großer Anfangsbuchstaben bei Eigennamen, die Verwendung des Accentes über dem i ohne Rücksicht auf seine Kürze oder Länge nur um den Buchstaben von folgendem to, ii u. dgl. zu unterscheiden, den nahezu völligen Mangel aller Interpunktion, u. s. w., — die Auflösung selbst der gewöhnlichsten, jede Möglichkeit eines Irrthums aus- schließenden Abkürzungen durch cursiven Druck anzudeuten, u. dgl. m., möchte denn doch ein Übermaß von Genauigkeit sein. Dergleichen Dinge erschweren gewaltig das Lesen und Nachschlagen eines Textes, und haben doch genau ebenso wenig Bedeutung, als etwa die Wiedergabe der Schriftzüge einer Mem- brane oder der Farbe ihres Pergamentes. Hr. C. hat sich mit vollem Rechte darauf beschränkt, ein kleines Facsimile des Cod. reg. mitzutheilen, statt diesen seinem vollen Umfange nach photographisch zu reproducieren ; in gleicher Weise hätte es aber auch vollständig genügt, wenn derselbe auf die eben erwähnten und andere ähnliche Punkte in seiner Einleitung ein für allemal aufmerksam gemacht, und im Übrigen die Wiedergabe seines Textes in der heutzutage üblichen Schreibart besorgt hätte. So ist auch in den Anmerkungen meines Erachtens des Guten etwas zu viel geschehen. Es ist denn doch unnöthig, die Undeutlichkcit einzelner Buchstaben hervorzuheben in Fällen, in welchen über die Lesung kein Zweifel bestehen kann (z. B. des / in Ofeigr, l2; des r in ymsar, 511), oder das Übergeschriebensein anderer (z. B. des ersten r in Styi- mir, 9°), die Versetzung eines die Verdoppelung andeutenden Accentes (z. B. in bakka aufa statt &, ll10), u. dgl. m. ; kaum nöthig auch, offenbare Schreib- fehler wie atan für utan, 25, tau für tvä, 2örarinn im reg. 48_1° besprochen wird. Die Membrane nennt ihn „pörarin Laxdselago da hins spaka; hann var son Ospaks Höskuldssonar, Kolssonar, en mödir hans var r orger dr, döttir Eigils Skallagrimssouar , Kveldulfssonar;" in Arnam. 9 dagegen heißt es einfach „pörarinn L&ngselagodi hinn spaki", ohne daß über seine Abkunft irgend etwas gesagt würde. Jon Sigurdsson sowohl als Gudbrandr Vigfüsson haben längst die Haltlosigkeit der ersteren Lesart hervorgehoben, und darauf aufmerksam gemacht, daß unser porarin Langdaela- godi mit jenem pörarinn hinn spaki, porvaldsson identisch sein müsse, welchen die Landnäma, III, cap. 5, S. 186 als einen directen Abkömmling des ersten Ansiedlers im Längidale nennt; daß für Langdselagodi irrthümlich Laxdaelagodi geschrieben werden konnte, hat auch nichts Auffälliges, wohl aber die An- knüpfung der verkehrten genealogischen Notizen im regius. Möge man, mit Jon Sigurdsson, in diesen eine spätere Interpolation sehen, oder mit Gudbrand sie durch die Annahme einer Auslassung eines ganzen Satzes zu erklären suchen, immer bleibt der Erklärungsversuch ein ziemlich gewaltthätiger. Beachtenswerth scheint mir auch , daß bei der Aufzählung der angesehensten jungen Leute beiderlei Geschlechts im Westlande der Arnam. 28 beidemal die Kinder des porgils Araison unerwähnt lässt, welche reg. 127 und 10 beidemale nennt; daß ferner Arnarm. 41 nur von einem ungenannten Priester von Sidumuli spricht, wo reg. 1713-14 den pörd Sölvason von Reykjaholt nennt. Auffällig ist auch, daß Arnam. 41 den Hof zu )>orgautsstadir nennt, wo reg. 17l'J den zu Högg- vandastadir erwähnt, welcher letztere, auch in der Heidarviga s. genannt, nach J. Johnsen, Jardatal, S. 124, Anm. 6, eine verödete Kote des Hofes zu Gils- bakki bildete; daß Arnam. 38 den porgeir Halldöruson an der Rängärlcid auf- treten lässt, während reg. 16 dafür die Arnessleid nennt; daß ferner Arnam. 5 die Fahrten Odds „eigi vestarr en i Hrütafjörd" sich erstrecken lässt, während reg. 2n~ ,2 sagt: „alldri vestar enn i Hvitä, enn optast i Hrütafjörd". Man kann in derartigen Abweichungen eine Nachlässigkeit des Bearbeiters des jün- geren Textes sehen , dem es auf die volle Genauigkeit in persönlichen und localen Beziehungen nicht mehr ankam; man kann aber auch an absichtliche Änderungen denken, welche etwa dem Bestreben entstammen konnten, wirkliche oder vermeintliche Verstöße in chronologischer, genealogischer oder topographi- scher Richtung zu verbessern, und möchte man zumal bezüglich der zuletzt an- geführten Stelle sich daran erinnern, daß die Mündung der Hvita zwar bis zum Schluße des 13. Jhdts. ein vielbefahrener Handelshafen war, nach dem Jahre 1316 aber als solcher kaum noch genannt wird. — Alles in Allein genommen lässt sich hiernach das Verhältniss der beiden Texte dahin bestimmen, daß der Cod. reg. eine ältere Recension der Saga repräsentiert, aus welcher durch spätere Überarbeitung erst jene jüngere Recension derselben hervorgieng, welche im Cod. Arnam. enthalten ist. Das für die Überarbeitung bestimmende Motiv kann nur in dein Bestreben gesucht weiden, die Saga unterhaltender, d. h. dein spätem LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, IJANDAMANNA SAGA. 447 verdorbenen Geschmacke zusagender zu machen ; doch ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, daß in einzelneu Fallen rein zufällig, nämlich durch bloße Unachtsamkeit des Überarbeiters, in anderen Fällen auch wohl durch dessen Bestreben, einzelne, wirkliche oder vermeintliche, Fehler der Überlieferung zu verbessern , weitere Veränderungen an dieser letzteren vorgenommen wurden. Da übrigens unser Cod. reg. selbst später Entstehung, und jedenfalls nur eine directe oder indirecte Copie eines weit älteren Originales ist, erklärt sich leicht, daß auch er keineswegs allerwärts den unverfälschten Text der ursprünglichen Recension gibt, und daß Cod. Arnam., der ja keineswegs aus jener Membrane geschöpft hat, aus einem ihm zu Grunde liegenden reineren Texte dieser letzteren hin und wieder bessere Lesarten beibehalten haben kann als jene. Im Übrigen hat unser Herausgeber bereits darauf aufmerksam gemacht, daß reg. I2 „nonlr 1 Midfirdi" und l7-8 von Styrmir zu Asgeirsä „er pä var meßte höfdingi nonlr )>ar", geschrieben steht, wogegen Arnam. 3 „vestr i Midiirdi" und „vcstr jiar" schreibt, und er hat daraus, mit Jon Sigurdsson, ganz richtig geschlossen, daß erstere Recension im Westlande, die letztere dagegen im mittleren oder öst- lichen Theile des Nordlandes geschrieben sein müsse; ich möchte indessen noch darauf aufmerksam machen, daß in Arnam. 5, vgl. mit reg. 1 , einmal „nonlr til Stranda" stehen geblieben ist, während doch unter den Strönd, wie zumal die Vergleichung mit Grettla, cap. 25, S. 61, und allenfalls auch pördar s. hredu, S. 10 und 25, zeigt, hier nur die Küste der Strandasysla und der nördlichen Isarjardaisysla gemeint sein kann. Hinsichtlich der Entstehungszeit der Saga hat Gudbraudr Vigfüsson aus der Art, wie au deren Schluß, und zwar in beiden Recensionen, Snorri Kälfsson erwähnt wird, auf den Schluß des 12. Jhdts. schließen wollen. Ich habe gegen diese Annahme, Bd. XII der Germania, S. 4SI bis 482 geltend gemacht, daß wenn zwar ein Snorri Kälfsson zu Mel im Jahre 1175 starb, doch auch ein gleichnamiger Enkel desselben nachweisbar ist, welcher recht wohl bis tief in das 13. Jhdt. hinein gelebt haben kann, und daß überdieß die Art der Erwähnung des Mannes keineswegs zu der Annahme zwinge, daß derselbe zur Zeit der Entstehung der Saga erst neuerdings ver- storben gewesen sei; ich habe ferner darauf hinweisen zu sollen geglaubt, daß die ganze Haltung der Quelle auf eine spätere Abfassungszeit zu deuten scheine, und daß die Vorliebe für die Erzählung von Rechtshändeln, welche sich in derselben ausspreche, die Vermuthuug nahe lege, daß sie gleich der Njäla und dem Ölkofra p. am Schluße des 13. .Jhdts. oder doch wenig später entstanden sein möge. Unsei Herausgeber erklärt sich nun mit dem negativen Theile dieser meiner Äusserung einverstanden, während er gegen deren positiven Theil ein wendet, daß im i re Saga doch ganz, anders als die Njäla alle. Juristische mehr lieiwerk behandle, und in ihrer Schilderung der prozessualischen Vorgänge 'i. dgl. eine gewisse Unbestimmtheit und einen Mangel an Genauigkeit erkennen ■ -. Ich kann mich mit letzterer Bemerkung nicht völlig einverstanden ei klaren, sofern ieh die Jurisprudenz der Saga im Wesentlichen richtig finde. 'Der formelle Verstoß, welcher Odds K 1 1 I pab hinfällig zu machen droht, wird zwar in im eren Recht büchern nicht ausführlich 1h prochen, sieht aber mit den Bestimmungen der Kgsbk. §. 13, S. 60 61, völlig in Einkla und entspricht auch vortrefflich dem Formalismus des altisländischen Proci Die Formel des Bichtereides , auf «reiche der alte Ofeigr Bezug nimmt, fällt zwai nieht ganz mit der in der Kgsbk 11, S. 12 mitgetheilten zusammen, 448 LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMANNA SAGA. stimmt aber um so genauer mit jener anderen Formel für gerichtliche Eide überein, welche die Hauksbök und ältere Melabök, die ältere pörctar s. hredu und der porsteins p. uxaföts der älteren Recension der Islendingabok folgend enthalten. Ofeigs Bemerkungen gegen Egill über das Maß des Gewinnes, welchen die verbündeten Häuptlinge zu hoffen haben, und über die in ihrer Klage dieserhalb gebrauchte Formel entsprechen genau den Vorschriften der Rechts- bücher. Guttbrands Zweifel, ob die Verhandlung der Sache gegen Üspak nicht am Frühlingsdinge statt am Alldinge stattgefunden haben werde , wird durch die Nennung des lögbergs und des Nordlendingadoms in beiden Recensionen der Saga zurückgewiesen; daß aber die Klage gegen Odd wegen Bestechung der Mitglieder des Viertelsgerichtes nicht beim fünften Gerichte angebracht worden sei, ist eine willkürliche Behauptung, da keiner unserer Texte das Gericht nennt, an das die Sache gebracht werden wollte. Auch daran wird man nicht, mit dem Herausgeber, Anstoß nehmen dürfen, daß die Quelle, und zwar wiederum in ihren beiden Recensionen , die Errichtung neuer Godorde als eine um die Mitte des 11. Jhdts. ganz übliche Sache bezeichnet; die Annahme, daß die im Jahre 1004 ertheilte Erlaubniss zur Errichtung von solchen sich nur auf die nächste Zeit und eine begrenzte Zahl von Godorden beschränkt habe, ist näm- lich in den Quellen völlig unbegründet, so allgemein und zuversichtlich sie auch ausgesprochen zu werden pflegt. Die Gehässigkeit aber, mit welcher die angesehensten Häuptlinge des Landes gegen Odd auftreten, war sicherlich nicht bloß in deren Habgier begründet, sondern weit, mehr noch eine Folge ihrer Eifer- sucht auf das von ihm neu begründete Godord ganz wie der Njälsbrenna un- gleich mehr die Erbitterung der alten regierenden Häuser über das Gesetz von 1004, als die bloße Rache für ein paar begangene Todschläge zu Grunde lag. Mit vollem Recht hat denn auch Hr. C. daraus, daß reg. 220-21, von Arnam. 6 abweichend, das Vermögen Odds, um einen Begriff von dessen Größe zu geben, mit dem der reichsten Kirchen im Lande vergleicht, einen Schluß darauf zu ziehen versucht, daß unsere Sage nicht vor dem großen Präbendenstreite, 1270 bis 1300, entstanden sein möge; endlich harmoniert aber mit dieser Zeitbe- stimmung auch noch die weitere Thatsache, daß in der Grettis s. (cap. 14, S. 22 der neuern, aber cap. 16, S. 90 der älteren Ausgabe, nach welcher P. E. Müller citiert hatte) die Bandamauna s. angeführt werden konnte, soferne ja jene erstere ihre derzeitige Gestalt erst zu Anfang des 14. Jhdts. erhalten haben kann. Ganz richtig, daß alle diese Gründe nicht hinreichen, um einen streng- stens unumstößlichen Beweis zu liefern; aber doch dürften sie gut genug inein- andergreifen, um einen ganz leidlichen Grad von Wahrscheinlichkeit zu er- bringen, und da bisher keine ihnen entgegenstehende Argumente geltend ge- macht wurden, wird man wohl in diesem Falle wie in so manchen anderen mit der bloßen Wahrscheinlichkeit sich genügen lassen müssen. MÜNCHEN, den 10. October 1874. K. MAURER. BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT DER ERSCHEINUNGEN AUF DEM GEBIETE DER GERMANISCHEN PHILOLOGIE IM JAHRE 1873. VON KARL BARTSCH. I. Begriff und Geschichte der germanischen Philologie. 1. Gervinus. — Hillebrand, K., G. G. Gervinus. Preußische Jahrbücher 1873, 32, 379 — 428. - Ein Verzeichniss von Aufsätzen über Gervinus tindet man in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheius 25, 450 f. 2. Grimm, Jacob, an den Lehrer Ph. Wille zu Gülte bei Arolsen. Wagners Archiv für die Geschichte deutscher Sprache und Dichtung 1873, S. 222. 2 Briefe, mitgetheilt von Hoffmann von Fallersleben. 3. Punkhänel, K. H., Vergleichung der Schriften Ciceros und J. Grimms über das Alter. Vortrag. 8. (16 S.) Eisenach 1873. Bacmeister. 4 gr. 4. Hertz, Wilhelm. Illustrirte Zeitung 1873, Nr. 1554. 5. Jacobi. — Wein hold, K, Zur Erinnerung au Theodor Jacobi. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 85 — 98. 6. Koch. — Witzschel, A., Dr. Fr. Koch. Germania 18, 251—253. 7. Zacher, J., Fr. Koch. Nekrolog. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 98—104. 8. Kurz, Heinrich. Nekrolog. Allgem. Zeitung 1873, Beilage 61. 8". Heinrich Kurz. Nekrolog. Illustrirte Zeitung 1873, S '>'■'• f. 9. Kurz, Hermann. Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 87, Auszug aus dei Grabrede von J. 6. Pischei am L2. < tetober 1873. l»i. Menzel, Wolfgang. Autobiographic. Daheim 1872, October. 11. Beim Tode Wolfgang Menzels. Die ßrenzboten 1878, Nr. 18,8. 198 200 12. Wolfgang Menzel. Von St. Illustrirte Zeitang 1873, Nr. 1661. 13. Wolfgang Menzel. N\ Evangel. Kirchenzeitung 1873, Nr. 21. 14. Schiller, Karl. Nekrolog. (Von Fr. Latendorf.) Meklenbnrg. Zeitung 1873, 12. Angnst, 15. Schmeller. — Jo. Andr. Bobmelleri carmina et epistolae ad Samu- elem Hoptium missae. Gratulationsschrift der Universität Bern zur lUOjährigen Jubelfeier der Universität München. 18 8. L &KBKANIA. Neu,. Reihe vn. ,\i\,, Jahrtf. 2lJ 450 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. II. Haudsehriftenkunde und Bibliographie, 16. Schultz, Alwin, Aus Handschriften der kgl. Universitäts-Bibliothek zu Breslau. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Februar. 17. Catalogus codicum latinorum Bibliothecae regiae Monacensis. Tomi 1 pars III. 8. (251 p.) Monachii 1873. Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 5. 18. Tabulae codicum manu scriptorum praeter graecos et orientales in Bibliotheca Palatina Vindobonensi asservatorum. Vol. VI. 8. (516 S.) Vindobonae 1873. Gerold. 3 '/2 Rthlr. 19. Bartsch, Karl, bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie im Jahre 1872. Germania 18, 461 — 501. Vgl. Petzholds Anzeiger für Bibliographie 1874, Nr. 3. 20. Bibliotheca philologica, oder geordnete Übersicht aller auf dem Gebiete der classischen Alterthumswissenschaft wie der älteren und neueren Sprachwissenschaft in Deutschland und dem Ausland neu erschienenen Bücher. Herausgegeben von Dr. W. Müldener. 25. Jahrg. 2. Heft und 26. Jahrg. 1. Heft. 8. Göttingen 1873. Vandenhoeck und Ruprecht. III. Sprachwissenschaft und Sprachvergleichung. 21. Pipon, J., den allmänna spräkläraus grunder. 8. (65 S.) Haparanda 1873. 75 öre. 22. Bleek, W. H. J., on the origin of language. 8. New- York 1873. L. W. Schmidt. 10 gr. Vgl. Zeitschrift für Völkerpsychologie 8. Bd., 1. Heft (Steinthal). 23. Faucher, Jul., Gedanken über die Herkunft der Sprache. Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Culturgeschichte 10. Jahrg. 2. Bd. (1873). 24. Müller, Dr. Friedr., Einheit oder Mehrheit des Ursprungs der mensch- lichen Sprache. Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien. 3. Bd. 1873. 25. Rösch, Prof. W., über das Wesen und die Geschichte der Sprache. 8. (30 S.) Berlin 1873. Lüderitz. 6 gr. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge 172. Heft. 26. Schmidt, E. v., über den Ursprung der Sprache. 8. Moskau (Dor- pat) 1872. 8. 27. Werber, W. J. A., die Entstehung der menschlichen Sprache und ihre Fortbildung. 8. (IV, 45 S.) Heidelberg 1873. Winter. 12 gr. Vgl. Heidelberger Jahrbücher 1872, November. 28. Der neueste Versuch über die Einheit des Ursprungs der mensch- lichen Sprache. Das Ausland 1873, Nr. 41 f. 29. Delitzsch, Friedr., Studien über indogermanisch-semitische Wurzel- verwandtschaft. 8. (119 S.) Leipzig 1873. Hinrichs. 1 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 41 (Windisch); Allgem. Liter. Zeitung Nr. 47 ; das Ausland Nr. 49 ; Magazin f. d. Literatur des Auslandes Nr. 34. 30. Grill, J., über das Verhältniss der indogermanischen und semitischen Sprachwurzeln. Ein Beitrag zur Physiologie der Sprache. Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 1873, S. 425—460. II. HANDSCHRIFTENTirNDF. etc. III. SPRACHWISSENSCHAFT etc. 451 31. Grotemeyer, II. J., über die Verwandtschaft der indogermanischen und semitischen Sprachen. II. Theil: Die Nominal Flexionen. 4. (26 S.) Programm des Gymnasiums zu Kempen 1S73. 32. Raumer, R. v., vierte Fortsetzung der Untersuchungen über die Urverwandtschaft der semitischen und indoeuropäischen Sprachen. 8. (22 S.) Frankfurt a. M. 1873. Heyder u. Zimmer. '/4 Rthlr. 33. Schultze, Dr. Martin, Indogermanisch, Semitisch und Hamitisch. 8. (36 S.) Berlin 1873. Calvary. Programm der höheren Töchterschule zu Cüstrin. Vgl. Litcrar. Centralblatt 1873, Nr. 16, als „verunglückt" bezeichnet. 34. Fick, August, die ehemalige Spracheinheit der Indogermanen Europas. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung. 8. (VIII, 432 S.) Göttingen 1873. Van- denhoeck u. Ruprecht. 2 Rhtlr. 24 gr. Vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 354 ff. (Bezzenberger) ; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 14 (J. Schmidt); Literar. Centralblatt Nr. 4 (Brgm.); Revue critique Nr. 10; Zeit- schrift f. d. österr. Gymnasien 24, 11; Zeitschrift f. Völkerpsychologie 8, 2; Academy 1874, 27. Juni. 35. Jolly, Dr. J., über den Stammbaum der indogermanischen Sprachen. Zeitschrift für Völkerpsychologie 8, 15 — 39. 36. Wolzogen, Hans von, der Ursitz der Indogermanen. Zeitschrift für Völkerpsychologie 8, 1 — 14. 37. Westphal, Rud., Vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen. 1. Theil. Das indogermanische Verbum. nebst einer Übersicht der einzelnen indogermanischen Sprachen und ihrer Lautverhältnisse. 8. (XXXIX, 761 S.) Jena 1873. Costenoble. 6% Rthlr. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 7: Saturday Review 1873, 20. December; Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 25, 2. 3. Heft. 38. Pott, Prof. Dr. Aug. Friedr., Etymologische Forschungen auf dem Gebiete der indogermanischen .Sprachen unter Berücksichtigung ihrer Hauptformen, Sanskrit. Zend-Persisch, Griechisch-Lateinisch etc. 2. Aufl. in völlig neuer Um- arbeitung, 4. Bd. Detmold 1873. Meyer. 6 Rthlr. Aach u. d. T. : Wurzel-Wörlerbuch der indogermanischen Sprachen. 4. Band. Wurzeln auf stumme Consonanten. Nämlich: Wurzeln auf Cerebrale and Dentale, gr. 8. Vgl. Literar. CentralbL 1873, Nr. 32. 39. Maas, Car., Vocales in stirpium terminationibus positae nominum italicorum, graecorum, imprimis vero germanicorum post quas potissimum con- Bonas in singularis nominativo perierini quaeritur, (Über den Vocalschwund.) 8 Leipzig 1873. Barth. Dissertation.) 40. Meyer, Gustav, Die mil Nasalen gebildeten Präsensstämme der grie- chischen mit vergleichender Berücksichtigung der andern indogermanischen Sprachen. B. VIII 120 B J< na L873. Mauke, l' :1 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt Nr. 19. 41. Meyer, Leo, über Vocalsteigerung insbesondere in der Verbalflexion, ichrift für vergleichende Sprachforschung 21, 341 350. 42. 11 ry in a ii n . Wilh.. das 1 der indogermanischen Sprachen gehör! dei indogermanischen Grundsprache an. 8. (71 1-73. Rente. /3 Rthlr. Dissertation. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. ii (J. Schmidt); GSttingcr Gel Anseigen 1873, Nr. 14; Kulm- Beiträge VIII. 1 ; Zeitschr. f vergleich. Sprachfoi schui i). Bezzenberger. 43. Bergaigne, A.. du pretendu changemenl de bh en m <'n paleo- slave, en lithuanien el en gotbique. M&noir< - de la jociete de linguistique II, 3 (187 29* 452 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 44. Culmann, F. W., das Geheimniss des spiritus asper. Eiue Mitthei- lung aus der Schrift: Versuch eiuer Erklärung der Zahlwörter. 2. Auflage. 8. Leipzig 1873. Fleischer. Vgl. Revue de linguistique VI, 2. 45. Weber, H., litauisches aug = deutschem ang. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung N. F. 2. Bd. 1. Heft (1873). 46. Fick, A., etymologische Beiträge. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 461 ff. 22, 97 — 111. 47. Kern, H., Miscellanea. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 237 ff. Darunter: gävl, Kuh. 48. Schmidt, Joh., Etymologien. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 314 ff. Von deutschen: salbön, sparva, ahd. ethes und verwandte, fravali. 49. Schmidt, Joh., gothisch vopija ich rufe. Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 283 ff. 50. Wolzogen, Hans v., Frosch-rana-batrachos. Etymologische Studie. Deutscher Sprachwart 7. Bd. Nr. 24. 51. Pauli, C, die Benennung des Löwen bei den Indogermanen. Ein Beitrag zur Lösung der Streitfrage über die Heimat des indogermanischen Ur- volkes. 8. (VI, 21 S.) Münden 1873. Augustin. 1/i Rthlr. Vgl. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 353 ff. (Jolly) ; Zeitschrift f. Völker- psychologie 8, 2; literar. Centralblatt 1873, Nr. 47; das Ausland Nr. 22. 52. Kerber, Dr. Arthur, Gedanken über die Entwickelung der Con- jugation. 1. Heft. Einleitung. — Das Präsens. 4. (IV, 45 S.) Rathenow 1873. Haase. 5/6 Rthlr. 53. Wilhelm, Eugen, de infinitivi linguarum sanscritae, bactricae, per- sicae, graecae, oscae, umbricae, latinae, goticae forma et usu. 8. (VIII, 96 S.) Eisenach 1873. Bacmeister. 1% Rthlr. Vgl. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 334 ff. ; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 22 (Benfey) ; Literar. Centralblatt Nr. 19 ; Revue critique Nr. 22. 54. Jolly, Jul., Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen. 8. (XV, 284 S.) München 1873. Ackermann. 2 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 46; Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 34 (Bezzenberger) ; Philol. Anzeiger VI, 1; Jahrbücher f. Piniol, u. Pädagogik 109. 110, 1. Heft (Schweizer-Sidler) ; Revue critique 1874, Nr. 22. IV. Grammatik. 55. Kef er stein, A., drei antiquarische Vorträge gehalten in der Aka- demie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. 8. (55 S.) Erfurt 1873. Villaret. % Rthlr. I. Die Sprache der alten Deutschen. 56. Schönborn, Th., kurze vergleichende deutsche Grammatik in ihren Grundzügen für die mittleren Classen höherer Lehranstalten dargestellt. 1. Theil. Laut- und Flexionslehre. 8. (IV, 58 S.) Breslau 1873. Kern. Y3 Rthlr. 57. Schade, 0., Paradigmen zur deutschen Grammatik. Gothisch, Alt- hochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch. 3. Auflage. 8. Halle 1873. Waisenhaus. 58. Koberstein, Aug., Laut- und Flexionslehre der mittelhochdeutschen und der neuhochdeutschen Sprache in ihren Grundzügen. Zum Gebrauch auf IV. GRAMMATIK. 453 Gymnasien. 3. verbesserte Auflage von 0. Schade. 8. (VI, 83 S.) Halle 1873. Waisenhaus. 12 gr. Vgl. Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1874, Nr. 77. 59. Paul, H., gab es eine mittelhochdeutsche Schriftsprache? 2. un- veränderter Abdruck. 8. (37 S.) Halle 1873. Lippcrt. 10 gr. 60. Schacht, L., über Geschichte der deutschen Sprache vom Mittel- hochdeutschen bis zur Entstehung des Neuhochdeutschen. 4. (22 S.) Programm der Realschule I. Ordnung in Elberfeld^is73. 61. Heyne, Moriz, kleine altsächsische und altnicderfränkische Gramma- tik. 8. (120 S.) Paderborn 1873. Schöningh. '/2 Rthlr. Vgl. Germania 19, 217—227 (Paul); Literar. Centralblatt 1874, Nr. 29; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 8 (Braune) ; Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 4. Heft (Heinzel) ■ Academy 30. Mai. 62. Heinzel, Richard, Geschichte der niederfränkischen Geschäftssprache. 8. (468 S.) Paderborn 1873. Schöningh. 22/3 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 25; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 20 (Sievers); Kölnische Zeitung Nr. 36. 63. Cosijn, P., de oud-nederlandsche psalmen. 8. (VIII, 76 S.) Haarlem 1873. Erven F. Bohn. 1 fl. 25 c. Abdruck aus dem Taal- en Letterbode. 64. Mätzner, Ed., englische Grammatik. 1. Theil. Die Lehre vom Worte. 2. Abth. 2. Aufl. 8. (VIII, S. 321—560). Berlin 1873. Weidmann. l2/3 Rthlr. Vgl. Academy 1874, 17. Januar. 65. Earle, J., the philology of the english tongue. 2d edition, revised and enlarged. 12. (683 S.) London 1873. Macmillan. 65". March, George, Lectures on the english language. I. Series. 4th edi- tion. New- York 1872. Vgl. Saturday Review 1872, 30. Novemb. 66. Hare, H. C, fragments of two essays on english philology. 8. 3 s. 6 d. 67. Perreaz, E., des transformations du language en Angleterre. Les origines. 8. Schaffhausen 1873. Brodtmann. Vgl. Revue critique 1874, Nr. 4. 68. Iversen, C, kortfattet oldnordisk Formlau-e til Skolebrug. Anden Udgave. 8. (40 S.) 36 sk. 69. Hvilka äro hufvudepocherna fordet svenska spräketa utbildning och bvad har det vunnit eller fürlorat vid de atskilliga förändringar det undergätt. (Prisämnes fräga, framställil af k. svenska akademien i Stockholm 1862 och följ.) Vitterhetsforsök. Nr. 1 och Nr. 2 om Luthers kyrkoreformation. Af J. F. B. Hernösand 1873. Johansson. 8. (27 S.) 75 öre. 70. Hoefer, A., zur Laut-, Wort- und Namenforschung. Germania 18, 200—209. 301—309. 71. Schaltenbrand, 11. J., zui vergleichenden Lehre von Laut und Wort in der deutschen Sprache. 4. (18 S.) I'rcigramm des MarzeUen-Gymnasiumj co^Köln 1873. 72. Paul, H., zur Lautverschiebung. Paul und Braune, Beiträge rar Geschichte der deutschen Sprache u. Literatur I, 117—201. 73. Braune, W., zur Kenntnis der fränkischen und zur hochdeutschen Lautverschiebung. Paul und Braune, Beiträge I, 1 — 56 454 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 74. Amelung, A., Erwiderung. Auf L. Meyers Recension von Amelungs Schrift über Vocalsteigerung. Zcitschr. für vgl. Sprachforschung 22, 361 ff. 75. Koch, Fr., ags. io, eo; eo; iö, eö; iö, eö; io, eo. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 37 — 56. 76. Andresen, K. G., altdeutsches hl und hr als gl, kl und gr, kr in Personennamen erhalten. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 21, 465 — 470. 77. Helten, W. L. van, über die Wurzel lu im Germanischen. 8. (55 S.) Leipzig 1873. Richter u. Harrassowitz. 15 gr. Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 35. 78. Meyer, Leo, über einige deutsche Pronominalbildungen. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 65 — 68. 79. Begemann, W., das schwache Praeteritum der germanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Sprache. 8. (XVI, 186 S.) Berlin 1873. Weidmann. ll/3 Rthlr. Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 471 ff. (Bezzenberger) ; literar. Cen- tralblatt 1873, Nr. 52 (Braune); Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 2 (Sievers); Zeitschrift f. d. Gymnasialwesen 1874, 5. Heft (Wilmanns). 80. Lindner, Fr., über das Präfix a im Englischen. 8. Jena 1873. Frommann. 6 gr. 81. Schwann, Friedr., die gotischen Adjectiv-Adverbien. 8. (69 S.) Bonn 1873. Dissertation. 82. Andresen, K. G., aus der deutschen Syntax. Zeitschrift für das Gymnasialwesen 1872, October. 83. Tobler, L., über die scheinbare Verwechslung zwischen Nominativ und Accusativ. Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 375 — 400. 84. Lichtenheld, A., das schwache Adjectiv im Angelsächsischen. Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 325 — 393. 85. Kölbing, E., Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Pro- nomens in den germanischen Sprachen. 8. Straßburg 1872. Trübner. Vgl. Germania 18, 243-248 (Tobler); Revue critique 1873, Nr. 40. 86. Gelbe, Th., Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Prono- mens in den germanischen Sprachen. Deutscher Sprachwart Bd. 7, Nr. 13 (1873). 87. Skladny, A., über das gotische Passiv. 4. (19 S.) Programm des Gymnasiums zu Neisse 1873. 88. Albrecht, Carl, über den homerischen Acc. c. Inf. mit Vergleichung des gothischen und ahd. Sprachgebrauchs. In: Curtius, Studien zur griechischen und lateinischen Grammatik, Bd. 4. 89. Gering, Hugo, über den synthetischen Gebrauch der Participien im Gotischen. I. IL 8. (30 S.) Halle 1873. (Dissertation.) V. Lexicographie. 90. Grimm, Jacob, und Wilhelm Grimm, deutsches Wörterbuch. Fort- gesetzt von Rud. Hildebrand und K. Weigand. 4. Bd. 2. Abth. 6. Liefg. Be- arbeitet von M. Heyne. (Sp. 1201—1392.) 5. Bd. 12. Liefg. (Schluß). Be- arbeitet von R. Hildebrand (LI, und Sp. 2641 — 2916). Leipzig 1873. Hirzel. % und 1 Rthlr. V. LEXICOGRAPHIE. 455 91. Schade, Oscar, altdeutsches Wörterbuch. 2. umgearb. und verm. Auflage. l.Liefg. 8. (160 S.) Hallo 187:). Waisenhaus, 1 Rthlr. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1374, Nr. 15 (Braune); Entgegnung darauf in Schade's wissenschaftl. Monatsblättern 1874, Nr. 9; Wissenschaft!. Beilage der Leipziger Zeitung 1873, Nr. 81; allgera. liter. Anzeiger f. d. evang. Deutschland Nr. 81. 92. Lexer, Prof. Dr. Matthias, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum mittelhochdeutschen Wörterbuche von Benecke-Müller -Zunicke. 9. Lief. Lex. 8. (2. Bd., Sp. 321 bis 640.) Leipzig 1874. Hirzel. l1/., Rthlr. 93. Weigand, Fr. K., deutsches Wörterbuch. 2. verb. und vermehrte Aufl. (4. Aufl. von Fr. Schmitthcnner's kurzem deutschem Wörterbuch.) 1. Bd. 8. (XIX, 983 S.) Giessen 1873. Ricker. 473 Rthlr. Vgl. Bonner Zeitung 1874, 5. Januar. 94. Mussafia, Ad., Beitrag zur Kunde der norditalienischen Mundarten im 15. Jahrhundert. 4. (128 S.) Wien 1873. Gerold .in Comm. 2 Rthlr. 4 gr. Aus den Denkschriften der Akademie. Gehört hierher, da ein ital.-deutsches Glossar darin behandelt ist. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 1 (Liebrecht). 95. Schiller, Karl, und Aug. Lübben, mittelniederdeutsches Wörter- buch. 3. und 4. Heft. gr. 8. (S. 257—512.) Bremen 1873. Kühtmänn. a 5/6 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 4; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 35 (Sievers); Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 48 (Rückert). 96. Hoefer, A., zum mittelniederdeutschen Wörterbuche von K. Schiller und A. Lübben. Germania 18, 35 — 41. 07. Oudemans, C. A., Bijdrage tot een Middel- en Oudnederlandsche Woordenboek. Uit vele glossaria en andere bronnen bijeenverzameld. 4. deel. L— N. 8. (4, 644 S.) Arnhein 1873. v. Marie. 5 fl. 98. Stratmann, Fi. II., a dictionary of the old English language. Com- piled from writings of the XII., XIII., XIV. and XV. centuries. 2nd edi- tion. 4. (560 S.) London 1873. Trübner. 34 sh. 99. Reprinted Glossaries. Edited by the Rev. W. W. Skeat. London 1873. Bnglisb Dialect Society, Series B. Vgl. Academy 1874, 8. August. 100. Wright, Th., a volume of vocabularies. London 1873. Trübner. Enthalt ags. Glossen des K) 11. Jlis., auch ahd. Glossen. Vgl. Athenaeum 1873, 24. Mai. 101. GMeasby, Richard, an icelandic-english dictionary, enlarged and completed by Gudbrand Vigfusson. Part 3. 4. London 1873. Macrnillan. 25 sh. Vgl. Germania 1!», 101 '.Maurer); Athenaeum 1874, 20. Juni; Kdinlmrgh Review 1874, Juli. 102. Aasen, Ivar, Norsk Ordbog med dansk Forklaring. Omarbeidede og forögede üdgave. 8. (XVI, 976 S.) Christiania 1873. Mailing. J03. Meyer, Leo, über Fremdwörter, insbesondere die slavischen Fremd- wörter im Deutschen. Vortrag. 8. Dorpat 1873. 104. Über die Entstehung der Fremdwörter. Das Ausland 1874, Nr. 13. 105. Bech, Fedor, Spenden zur Altersbestimmung neuhochdeutscher Wert- formen. Germania 18, 257—274. L06. W'oeste, F., Bi dem Niederdeutschen. Zeitschrift für deutsche Philologie 6, 76—81. 107. II i n t ii er , Val., Wortei'klärungen, Swttbel, gethören, geigern ichrift für deutsche Philologie 5, 66—69. 45/a Rthlr. 144. Krüger, E., Analectu. Archiv für das Studium der neueren .Sprachen 52, 45—60. Namentlich zum Voca- lismus der Mundarten. 145. Mieck, zu den deutschen Dialecten. Deutscher Sprachwart 1873, 7. J5d. Nr. 24. 146. Tobler, L., die Aspiraten und TenU6B in schweizerischer Mundart. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 112—183. 147. Tobler, L., die Lautverbindung tscb in schweizerischer Mundart. Ebenda 22, 133—141. 148. Die Tenues in Schweizer Mundart. Zeitschrift für Stenographie und Orthographie l«7;-f, 6. Hoft. 458 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 149. Herrmann, A., die deutsche Sprache im Elsaß. 8. (28 S.) Programm des Collegiums zu Mühlhausen i. E. 1873. 150. Muth, R. v., die bairisch-österreichische Mundart, dargestellt mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der deutschen Dialectforschung. 8. (46 S.) Wien 1873. Beck. 8 gr. Separatabdruck aus dem 10. Jahresberichte der Landesoberrealschule in Krems a. D. Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 14. 151. Wolff, J., der Consonantismus des Siebenbürgisch- Sächsischen. 4. (71 S.) Programm des evang. Untergymnasiums zu Mühlbach 1873. Vgl. Liter. Central- blatt Nr. 45. 152. Roth, Joh., Laut- und Formenlehre der starken Verba im Sieben- bürgisch-Sächsischen. Ein Beitrag zur Grammatik dieses Idioms. Archiv des Vereins f. siebenbürg. Landeskunde N. F. 11. Bd. 153. Rückert, H., zur Charakteristik der deutschen Mundarten in Schlesien. III. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 125 — 140. 154. Göpfert, E., Dialectisches aus dem Erzgebirge. (75 S.). Programm des Gymnasiums zu Annaberg 1873. 155. Spieß, Balth., die fränkisch-hennebergische Mundart. Mit einer lithogr. Karte in 4. 8. (X, 102 S.) Wien 1873. Braumüller. 24 gr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 29. 156. Gebert, W., zur Geschichte der niederdeutschen Mundarten (38 S.). Programm des Gymnasiums zu Kreuznach 1873. 157. Sallmann, Carl, die deutsche Mundart in Estland. Ein Versuch. 8. (IV, 69 S.) Cassel 1873. Kay. l/3 Rthlr. Vgl. Europa 1873, Nr. 43. 158. Jessen, E., Notitser om Dialecter i Herjedal og Jemtland 8. (57 S.) Christiania 1872. Mailing. 159. Ferguson, R., the dialect of Cumberland: with a chapter on its place-names. 8. (230 S.). London 1873. 5 sh. 160. Nodal, J. H., the dialect and archaisms of Lancashire. First report of the Glossary Committee of the Manchester Literary Club 1873. 161. Murray, the dialect of the Southern counties of Scotland. 1873. Vgl. Academy 1873, Nr. 77. 162. Hoffmann von F a llersleben, Volkswörter. Wagners Archiv I, 241—290. 163. Willmann, Volkstümliches und Sprachliches aus der Baar. Alemannia I, 298—303. 164. Schmeller,J. Andr., Bayerisches Wörterbuch. Zweite, mit des Ver- fassers Nachträgen vermehrte Ausgabe im Auftrage der historischen Commission bei der k. Akad. d. Wiss. bearbeitet von G. K. Frommann. 8. Lieferung. München 1873. Oldenbourg. 165. Hintner, Val., Beiträge zur Tirolischen Dialektforschung I. 8. (48 S.) Wien 1873. Beck. 8 gr. Programm des akadem. Gymnasiums zu Wien. 166. Hügel, Dr. Fr. S., der Wiener Dialekt. Lexicon der Wiener Volks- sprache. 8. Wien 187 3. Ilartleben. li/G Rthlr. Vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 469 ff. f Hintner); Zeitschrift f. d. Öster- reich. Gymnasien 24, 7. 8. Heft; Liter. Centralblatt 1873, Nr. 45 (Braune); Liter. Ver- kehr Nr. 10; Allgem. Modenzeitung Nr. 32. VI. MUNDAKTEN. 459 167. Rubehn, Beiträge zu einem Idiotikon des Oderbruchs und der an- grenzenden Gegend. Mittheilungen des historischen Vereins zu Frankfurt a. O. 1873. 168. Trachsel, C. F., Glossarium der Berlinischen Wörter und Redens- arten. 8. (68 S.) Berlin 1873. Stargardt in Comm. 16 gr. 169. Fuß, M., zur Etymologie nordrheinfränkischer Provinzialismen (14 S.). Programm der Ritterakademic zu Bedburg 1873. 170. Winkler, Job., Allgcmeen nederduitsch en friesch Dialecticon. 2 Bde. 8. Haag 1873. Nijhoff. 6 Rtblr. 171. Ordbok öfver almogeord i Helsingland. Utg. af Helsinglands forn- minnesällskap. 4. (88 S.) Hudiskrall 1873. Hellström. 2% rd. 172. Deutsche Mundarten. Anthologie aus den Gebieten mundart- licher Dichtung als ethnographisch-humoristischer Beitrag zur Kenntniss deut- schen Volkslebens. Mit einer Einleitung von Fr. Giehne. 8. (XX, 232 S.) Wien 1873. Hartleben, l1/,-, Rtblr. Vgl. Europa 1873, Nr. 44; Siebenbürg, deutsches Wochenblatt Nr. 44. 173. Stutz, J., Gemälde aus dem Volksleben. In Zürcherischer Mund- art. 2 Bde. 3. Auflage. 8. (144, 207 S.) Zürich 1873—74. Schultheis. 1 Rtblr. 23 gr. 174. Siber, L., 's Liebes-Exame. E lustig Hirothsgeschichtli, wo der Franz vo Kobell z Minchen ersunne und der Baslerbeppi am Rhisprung us em Oberbairischen ins Baselditsch übersetzt hat. 16.(15 S.) Basel 1873. Schwig- huserei. 175. Bergmann, F. W., Straßburger Volksgespräche in ihrer Mundart vorgetragen und in sprachlicher, literarischer und sittengeschichtlicher Hinsicht erläutert. 8. (174 S.) Straßburg 1873. Trübner. lV3Kthlr. Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 27; Götting. Gel. Anz. 1873, Nr. 40 (Liebrecht); Magazin f. d. Literatur des Auslandes Nr. 31. 176. He bei 's, J. P., Werke. Mit einer Einleitung von G. Wendt. 2 Bde. (XII, 303; VI, 285 S.) gr. 8. Berlin 1873. Grote. '/2 Rthlr- 177. Hebel 's, J. P., Werke. Neue revid. Auflage mit Hebels Bildniss und Biographie. 1 — 15. Liefg. 8. München 1873. Homolatsch. ä 47, gr. 178. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. 8. (XXI, 108 S.) Berlin 1873. Grote. 6 gr. 179. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher Natur und Sitten. Neue revid. Volksausgabe. 2. Aufl. 16. (XIV, 176 S.) Aarau 1873. Sauerländer. 1/3 Rthlr. 180. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. Herausgegeben und erläutert von E. Götzinger. Mit einer Karte. 8. (XXIX, 204 S.) Aarau 1873. Sauer- länder. 1 V5 Rthlr. Vgl. Schweizer. Bibliographie Nr. 7; der Literaturfreund Nr. 11. 181. Keller, F., Doarasclileah von eigene und frende Hecka. Firn' Sammlung von Gedichten in schwäbischer Mundart zur l'ntei 'haltung in Gesellen- ond anderen Vereinen. 2. Aufl. 16. (100 S. Kempten 1873. Kösel. . 5. 220. Bodin, Th., die Göttersagen unserer Altvordern. 1—5. Sonutagsblatt von Dnncker 1873, Nr. 24 ff. 221. Dahn, F., altgermanisehes Heidenthum im süddeutschen Volksleben der Gegenwart. I — III. Im neuen Reich 1873, Nr. öu— y-J. 462 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 222. Schwebel, Oskar, Mythologisches aus der Mark Brandenburg. 1. Die „weißen Frauen" in der Mark. 2. Die Riesen. Wochenblatt der Johanniter Ordens Balley Brandenburg 1873, Nr. 32. 36. 223. Wis^n, Th., Oden och Loke, tvä bilder ur fornnordiska gudaläran. 8. (IV, 109 S.) Stockholm 1873. 224. Sepp, die Schimmelkirchen der Holledau. Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 56. 225. Sepp, Wodan als Roßdieb und die Schimmelcapellen der Holledau. Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 63. 226. Tubino, le marteau de Thor. Vgl. Revue de linguistique VII, 1. 227. Kern, H., Nehalennia. Revue celtique 2. Bd. 1. Heft. 228. Reville, Albert, un autel de Nehalennia trouve" prös de Dombourg (Zelande). Ebenda; vgl. Bibliographie 1872, Nr. 213. 229. Eye, v., die heilige Walburg als deutsche Gaugöttin in der Kunst des 16. Jahrhunderts. Mit Abbildung. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 65 — 70. 230. Bodin, Th., die Moosweibchen, Lohjungfern und Holzfräulein der deutschen Volkssage. Sonntagsblatt von Duncker 1873, Nr. 22. 231. Hasenkamp, R., die Mondflecken in Sage und Mythologie. Globus von K. Andree 1873, 23. Bd. 232. Hasenkamp, R., die Eclipsen des Mondes in der Volkssage. Das Ausland 1873, Nr. 27. 233. M(üllenhoff), K., Segen. Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 429 f. 234. Czerny, A., Wundsegen von den drei Brüdern. Germania 18, 234. 235. Frommann. Orakelfragen und Wassersegen. Anzeiger f. Kunde A. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 262—264. 236. Hg, A., mittelalterliche Heil- und Segenssprüche. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 226—229. 237. Tobler, L., Mythologie und Moral. Im neuen Reich 1873, Nr. 31. 238. Lang, A., Mythology and fairy tales. The fortnightly Review 1873, Mai, S. 618 ff. 239. Fiske, John, Myths and myth-makers, old tales and superstitions, interpreted by comparative mythology. 12. (VI, 252 S.) London 1873. Trübner. 10 s. 6 d. Vgl. Revue critique 1873, Nr. 43; Academy Nr. 79; Revue de linguistique VII, 1. 240. Gubernatis, A. de, die Thiere in der indogermanischen Mytho- logie. Aus dem Englischen übersetzt von M. Hartmann. 1. Hälfte. 8. (XXIV, 336 S.) Leipzig 1874. Grunow. 3% Rthlr. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 20 (Wilken) ; Wisseuschaftl. Monatsblätter II, 7; Lehmanns Magazin 1874, Nr. 19; Gienzboten Nr. 6; Europa Nr. 8; Illustiirte Zeitung; Nr. 1607. VIII. MÄRCHEN UND SAGEN. 4G3 VIII. Märchen und Sagen. 241. Treitschke, R., zur Poetik des Märchens. Wissenschaft!. Beilage der Leipziger Zeitung 1873, Nr. 75 — 76. 242. Grimm, Brüder, Kinder- und Hausmärchen gesammelt. Große Aus- gabe. 12. Aufl. 8. Berlin 1873. Besser. 2 Rthlr. 243. Grimm, Brüder, Kinder- und Ilausmärchen. Kleine Ausgabe. 18. Aufl. 16. Berlin 1873. Dümmler. */, Rthlr. 244. Bechstein, L., neues deutsches Märchenbuch. 24. 25. Auflage. 8. Wien 1873. Hartleben. 12 gr. 245. Braut, G., deutsche Mythen- und Sagenmärchen für die jüngere Jugend. 2. Aufl. 16. Wien 1873. Perles. 18 gr. 246. Sutermeister, 0., Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. 2. mit Zusätzen, Erläuterungen und literarischen Nachweisen vermehrte Auflage. 16. (258 S.) Aarau 1873. Sauerländer. 1 Rthlr. 6 gr. Vgl. Lehmanns Magazin 1873, Nr. 14; der Literaturfreund I, 7; Europa Nr. 39; die illustrirte Schweiz Nr. 79; über Land und Meer 1874, Nr. 7. 247. Sehlesische Märchen und Sagen. Rübezahl 1873, Heft 8. 248. Köhler, R., die Schwanke vom Bauer Einhirn und vom Bauer Grillet. Germania 18, 152—159. 249. Liebrecht, F., zur Chronik von Zimmern. Germania 18, 175 — 185. 250. Hahn. Dr. J. G. vou, sagwissenschaftliche Studien. 4. — 7. Liefg. 8. Jena 1873. Mauke. 251. Birlinger, A., die deutsche Sage, Sitte und Literatur in Predigt und Legendenbüchern. Österreich. Vierteljahrsschrift für kathol. Theologie 1873, 3. Heft. 252. Wesendon ck. Mathilde, Gedichte, Volksweisen, Legenden und Sagen. 16. (X, 262 S.) Leipzig 1874. Dürr. 1% Rthlr. 253. Herchenbach, W., der verzauberte Berg. Eine Sage aus dein Munde des Volkes. 16. (61 S.) Mülheim a. d. R. 1873. Bagel. 2% gr. 254. Birlinger, A., Aus Schwaben. Sagen, Sitten und Gebräuche. Di ,, Volkstümlichen" Neue Sammlung.) 1. Bd. 8. Wiesbaden 1873. Killinger. Vgl. Jahreszeiten 1873, Nr. 26; Allgem. Modenzeitung Nr. 26; Rheinischer Kurier Nr. 292; Schweizer. Bibliographie III, 1l'. 255. Pasch, K., zur Kunde der Sagen, Mythen und Bräuche im Inn- viertel. 1. Beitrag. 8. (22 S.) Programm des Real- und Obergymnasiums zu Ried 1873. 256. Kärntnerische Vol kssagc n. Carinthia. Zeitschrift tiir Vaterlandskunde, Belehrung and Unterhaltung. Herausg. vom Geschichtsvereine in Kärnten. 63. Jahrg. Nr. 1. '_'. Klagenfurt 1*7.".. 257. Fraucisci, J., Sagen vom Reißkofl im Gailthale. Carinthia 1873, Nr. 9. 258. Waizer, 1.'.. Lavantthaler Sagen. Carinthia 1873, Nr. L2. 259. Volks thüm lieh es vom und am Zobten aufgesammelt durch R. Riedel. 1. 2. Rübezahl 1873, Nr. 1. 464 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 260. Freund, J., Rübezahl. Sagen und Erzählungen von dem alten Berggeiste. Aus dem Munde des Volkes gesammelt und poetisch bearbeitet. 16. (68 S.) Warmbrunn 1873. Liedl. % Rthlr. Vgl. Rübezahl 1873, 9. Heft. 261. Fuhrmann, Alois, Sagen aus der Frankensteiner Gegend. 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Lorelei. Rheinisches Sagenbuch. 4. Aufl. 8. (XII, 296 S). Leip- zig 1873. Brockhaus. 1% Rthlr. 269. Grandjean, M. C, die sieben versteinerten Jungfrauen bei Ober- wesel. Westermanus illustrirte Monatshefte 1873, November, S. 227 f. 269". Wanderblöcke und Sagen aus Ostfriesland, Arenberg-Meppen, Osnabrücksches Gebiet. Für Schule und Haus, Hannoversches Zeitblatt 1873, Nr. 13—18. Ebendas. Nr. •20 — 22: Sagen von Dorfte im Harz, Nr. 52: Weihnachtsgebräuche. 270. Crecelius, W-, die Herren von Hardenberg. Abdruck aus der Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereines. 271. Wedde, Joh., die Linde von Harvestehude. Hamburgische Volks- sage (Gedicht). Die Literatur von Riotte und Wislicenus 1873, Nr, 24. 272. White, J. P., Lays and legends of the Euglish lake country. With copious notes. 8. (350 S.) London 1873. J. R. Smith. 6 sh. 273. Harland, John, and T. T. Wilkinson, Lancashire Legends, Traditions, Pageants, Sports etc. With an appendix containing a rare tract on the Lancashire Witches. London 1873. 274. Bottrell, William, Traditions and hearthside stories of West Com - wall. Second Series. 8. (IV, 300 S.) London 1873. Trübner. 6 sh. Vgl. Athenaeum 1873, Nr. 2390. 275. Sagen und Legenden aus Wales und Irland. Das Ausland 1873, Nr. 27. 276. Kinkel, Gottfr., Simrocks Heldenbuch. Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 344 f. Die Entwiekelung der Heldensage. VIII. MÄRCHEN UND SAGEN. 465 277. Heldensagen. (Das Nibelungenlied. Rostein und Suhrab. Gudrun). Für Jung und Alt bearbeitet, insbesondere den deutschen Jungfrauen und Frauen gewidmet von Dr. J. Söltl. 8. (VI, 238 S.) Wien 1873. Hartleben. 1 Rthlr. 278. Meyer, C, die Nibelungensage. 4. (40 S.) Basel 1873. Schneider. 16 gr. Vgl. Europa 1873, Nr. 36. 279. Steiger, Karl, die verschiedenen Gestaltungen der Siegfriedssage in der germanischen Literatur. Übersicht ihrer Entwicklung und ihres Verhält- nisses zu einander. 8. (124 S.) Hersfeld 1873. Höhl. 20 gr. 280. Crecelius, W., Nibelunc. Baselwint. 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Oesterley. 8. Straßburg 1873. Trübner. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 42. 291. Studemund, W., zu Johannes de Alta Silva etc. Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 415 — 425. 292. Lassalle, notice sur Saint-Graal d'apres la tradition, la legende et le eulte. 12. (35 S.) Pau 1873. 25 c. 293. Böddeker, Dr. K., die Geschichte des Königs Arthur, nach einer Chronik des Britischen Museums. Archiv f. <1. Studium der neueren Sprachen 52, 1—32. Englische Prosa aus 1 1 * - 1 Zeit Heinrichs V. 294. Schwebe!, O., die deutschen Kaiser in der Volkssage. Wochenblatt der Johanniter Ordens Balle; Brandenburg 1873, Nr. 24 f. 295. Schmidt, J., die Kaiser Friedrich- und KifFbäusersagen. N. Mittheilungen aus dem Gebiel historisch-antiquarischer Forschungen 13. Bd., 3. Hefl i 296. Dümmler, £., zur deutschen Kaisersage. Historische Zeitschrift 1^7.; -j. Heft, S. 491 f. 297. Meyer — Knonau, <^., die Sage von der Befreiung der Waldstätte. 8. Basel 1873. Schweighauaer. '/3 Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 5. GERMANIA. Neue Keihe VH. (XIX. Jahrg.) 30 466 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 298. Rilliet, Albert, der Ursprung der schweizerischen Eidgenossenschaft. Geschichte und Sage. 2. Aufl. Aus dem Französischen ins Deutsche übertragen von C. Brunner. 8. Aarau 1873. Vgl. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, 27. 299,. Henne-am-Rhyn, Otto, die Wahrheit über Teil. Die Gegenwart 1873, Nr. 19 f. 300. Leo, F. A., zum Abschluß der Frage vom Wilhelm Teil. Magazin f. d. Literatur des Auslandes 1873, Nr. 11. 301. Vernaleken, Th., der ewige Jude. Österreich. Wochenschrift 1872, Nr. 43. 44. 302. Moshamer, J. A., Geschichten vom Teufel mit Einschluß der interessantesten Volks-Sagen, Geister- und Gespenster-Märchen , nationalen Ge- bräuchen und Wahnwitz-Sprüchen. 16. (VI, 360 S.) Wien 1873. Wenedikt. 24 gr. IX. Volks- und Kinderlieder, Sprichwörter, Sitten und Gebräuche. 303. Arnim, A. L. von, und Cl. Brentano, des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder gesammelt. 2 — 5. Liefg. 8. (S. 65 — 330). Wiesbaden 1873. Killinger. ä 12 gr. 304. Arnim, A. L. von, und Cl. Brentano, des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen von Ad. Schmitz und Alex. Zick und einer Einleitung von Gust. Wendt. 8. 1 — 7. Lief, (l Bd. XVI, 512 S., 2. Bd. S. 1 — 304). Berlin 1873. Grote. ä */4 Rthlr. Vgl. zu beiden Ausgaben Saturday Review 1874, 21. März; Kölnische Zeitung 1873, Nr. 347; Norddeutsche Allgem. Zeitung Nr. 288; Tribüne Nr. 144; Rheinischer Kurier Nr. 292 ; Zeitschrift f. d. Gymnas. 28, 2 (Eichholz) ; Grenzboten 1873, Nr. 7 ; All- gem. Liter. Zeitung Nr. 18; Lehmanns Magazin Nr. 28; Europa Nr. 26; Scholls päda- gog. Anzeiger Nr. 3; Theolog. Literaturblatt Nr. 11; allgem. liter. Anzeiger XI, 1; Volkszeitung Nr. 291. 305. Hoffmann von Fallersleben, Volkslieder. Wagners Archiv I, 511 — 523. 306. Volksliederbucb, neues. Neue Auflage. 32. Reutlingen 1873. Enß- lin u. Laiblin. 2 gr. 307. Kleissner, Dr. Otto, die Quellen zur Sempacher Schlacht und die Winkelriedsage. 8. (VI, 68 S.) Göttingen 1873. Dieterich. 1jn Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 50. 308. Flugi, A. v., die Volkslieder des Engadin. Nebst einem Anhang engadinischer Volkslieder im Original und in deutscher Übersetzung. 8. (IV, 85 S.) Straßburg 1873. Trübner. 24 gr. 309. Schnadahüpfln, 500, Oberlandler- und neueste Volksliadln, Österreicher G'sangln und Walzer. 2. AuBage. 32. (126 S.) München 1873. Höpfner u. Grammer. l3/4 gr. 310. Volkslieder aus Steiermark mit Melodien. Gesammelt und bear- beitet von P. Rosegger und R. Heuberger. 8. Pest 1872. Heckenast. 24 gr. Vgl. Österreich. Wochenschrift 1872, Nr. 46; Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 33. 311. Palm, II., ein schlesisches Volkslied aus dem 14. Jahrhundert. Wagners Archiv I, 354. 312. The Roxburghe ballads, reprinted from the unique copy in the British Museum. Part I. (124 S.) London 1873. 2% sh. IX. VOLKS- UND KINDERLIEDER, SPRICHWÖRTER etc. 467 313. Rauch, Chr., die skandinavischen Balladen des Mittelalters. Programm des Friedrieh-Werder-Gymnasiums zu Berlin 1873. 314. Vernaleken, Th., und Fr. Branky, Spiele und Reime der Kinder in Österreich. 8. (VI, 140 S.) Wien 1873. Sallmayer. 2/.< Rthlr. 315. Branky, Frz., Wetter- und Regenliedchen. Kinderüberlieferungen aus Niederösterreich. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 155— 15(J. 316. Baker- en Kinder rijmen, Nederlandsche, verzameld en medege- deeld door Dr. J. van Vloten. I. 2. druk. (64 S.) II. (67 S.) Leiden 1872. Sijthoff. 30 cts. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 21 (Köhler). 317. Wander, K. F. W., Deutsches Sprichwörterlexicon. 42 — 45. Lief, hoch 4. (Bd. 3, XXIII u. Sp. 1409 — 1870. Bd. 4, Sp. 1 — 128). Leipzig 1873. Brockhaus, ä 2/3 Rthlr. 318. Wie das Volk spricht. Sprichwörtliche Redensarten. 7. neu durch- gesehene und vermehrte Auflage. 16. (VIII, 220 S.) Stuttgart 1873. Kröner. 24 gr. 319. Binder, Dr. Wilh., Sprichwörterschatz der deutschen Nation. Aus mündlichen und schriftlichen Quellen gesammelt, nebst sprachlichen, sachlichen und geschichtlichen Erläuterungen. 8. (XIV, 224 S.) Stuttgart 1873. Schaber in Comm. 1 Rthlr. 6 gr. Vgl. BLätter für literar. Unterhaltung 1874, Nr. 27. 320. Schulze, Carl, die sprichwörtlichen Formeln der deutschen Sprache. Archiv für das Studium der neueren Sprachen 51, 195 — 212. 52, 61 — 80. 321. Bartsch, Karl, Sprichwörter des XI. Jahrhunderts. Germania 18, 310—353; vgl. S. 508. 322. Watten b ach, W., Sprichwörter. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 217—221. 323. Birlinger, A., alte gute Sprüche aus Geiler, Andern, der Zimme- rischen Chronik. Alemannia I, 303—407. 324. Latendorf, Fr., zur Sprichwörteikunde. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. .352 f. 325. Latendorf, Fr., L. v. Passavant gegen Agricola's Sprichwörter in wortgetreuem Abdruck. 4. (34 S.) Berlin 1873. Calvary. Vo Rthlr. Vgl. 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Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 69 — 73. 338. Historie von der schönen Hirlanda. 8. Reutlingen 1873. Enßlin und Laiblin. 1 gr. Ebenda: die schöne Magelona. 2 gr. Die Sage vom ewigen Juden. 1 gr. Faust 2 gr. Tyll Eulenspiegel. 2 gr. 339. Müldener, Rud., Till Eulenspiegels lustige Fahrten und Schwanke. Der lieben Jugend erzählt. Mit 12 Abbild. 4. (8 S.) Leipzig 1873. Opetz. 18 gr. 340. Hoefer, A., Von Sitten, Bräuchen, Namen und Ausdrucksweisen. Germania 18, 1 — 28. 341. Lieb recht, F., Kleine Beiträge. Germania 18, 453 — 458. 1. Heidenwerfen. 2. Das Brückenspiel. 3. Aschgeber- straße. 4. Tpru, purt. 5. Fander, Fanner. 342. Seltsamkeiten des Aberglaubens. Europa 1873, Nr. 43. 343. Baader, Joseph, Sitten und Gebräuche in Bayern. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873, S. 521-552. 585 — 630. 344. Gebräuche im Burggrafenamt. Europa 1873, Nr. 50. 345. Reichel, R., kleine Beiträge zur Kenntniss des Volksglaubens und Brauches in der wendischen Steiermark. 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Geschildert von J. P. v. II. 16. (137 S.) Innsbruck 1873. Wagner. 6 gr. X. Alterthümer und Culturgeschichtc. 357. Holtzmann, Adolf, germanische Alterthümer mit Text, Übersetzung und Erklärung von Tacitus' Germania. Herausgeg. von Alfr. Holder. 8. (IV, 313 S.) Leipzig 1873. Teubner. 2 Rthlr. 20 gr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 30 (Brandes); Revue critique Nr. 4ß; Philol. Anzeiger VI, 1 (Kaufmann); Wiss. Beilage der Leipz. Zeitung Nr. ">•"»; Allgem. Liter. Zeitung Nr. 24; Allgem. Zeitung Beilage 117. 358. Baumstark, Ant., urdeutsche Staatsalterthümer zur schützenden Erläuterung der Germania des Tacitus. 8. (XIX, 977 S.) Berlin 1873. Weber. 71/, Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, \i 21; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 19 (Meibom); Histor. polit. Blätter 7:;. Bd., 8. Heft (1874). 359. Taciti, C, Germania antiqua. Libellum posl M. Hauptium cum alioruin veterum auetorum locis de Germania praeeipuis ed. K. Muellenhoffius. 8. (169 S.) Berlin 1873. Weidmann. 1 Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, NY 21; Revue critique Nr. 20; Jahrbücl Philologie 109. Bd. 6 6. Befl Bchweizer-ßidler). 360. Taciti, C, Germania. Erklärt von C. Tuecking. 2. verb. Aufl. 8. (64 8.) Paderborn 1873. Schöningh. 6 gr. 861. Tacitus, C, by W. \i. Donne. (Ancient claBsics.) 12. (194 S.J 1873. 2 sh. 6 d. 470 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 362. Taciti, C, quae exstant opera, juxta accuratissimam D. Lallemant editionein. 18. (480 S.) Paris et Lyon 1873. 363. Zur Literatur über Tacitus' Germania. Allgem. Zeitung 1873, Beilage 117. 364. Zur Germania des Tacitus. Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 24. Bd. 11. Heft. 365. Kaufmann, G., über eine vielbestrittene Stelle von Tacitus Germania. Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 326. 366. Kaufmann, G-, ein Mißverständniss des Tacitus. 8. (29 S.) Straß- burg 1874. Schultz. V3 Rthlr. 367. Merkel, Dr. Friedr., Deutschlands Ureinwohner. Vortrag. 8. (28 S.) Rostock 1873. Stiller. V4 Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 2. 368. Müllenhoff, K., von der Herkunft der Schwaben. Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 57 — 71. 369. Steub, L., Kleinere Schriften. 2. Bd. Literarische Aufsätze. 8. (IV, 271 S.) Stuttgart 1873. Cotta. 1 % Rthlr. Enthält u. a. : Abstammung, Ursitz und älteste Geschichte der Baiwaren; die heidnische Religion der Baiwaren; Meier Helmbrecht und seine Heimat etc. 370. Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Nach den in öffent- lichen und Privatsammlungen befindlichen Originalien zusammengestellt und heraus- gegeben von dem römisch-germanischen Centralmuseum in Mainz durch dessen Conservator L. Lindenschmit. 3. Bd. 3. Heft. gr. 4. (12 S. mit 6 Steintafeln.) Mainz 1873. v. Zabern. 5/e Rthlr- 371. Meyer v. Knonau, Gerold, Alaiaannische Denkmäler in der Schweiz. 1. Abtheilung. 4. Zürich 1873. Höhr in Comm. 23 gr. Mittheilungen der antiquar. Gesellschaft in Zürich 18. Bd. 3. Heft. 372. Oligschläger, F. W., Römische und germanische Alterthümer im Bergischeu. Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland, 53. Heft. Bonn 1873. 8. 373. Evans, John, the ancient stone implements weapons and Ornaments of Great Britain. London 1872. Longmans. Vgl. dazu Andree in den Grenzboten 1872, Nr. 47. 374. Blell, Theod., Reconstruction eines germanischen Rundschildes aus der Eisenzeit in der Sammlung der Alterthumsgesellschaft Prussia zu Königsberg. Altpreußische Monatsschrift 10. Bd. (1873), Juli— Sept. 375. Friedel, E., über niederländische Alterthümer. Vortrag. Zeitschrift für Ethnologie 5. Jahrgang (1873), 1, 33-42. 376. Hildebrand, Dr. Hans, das heidnische Zeitalter in Schweden. Eine archäologisch-historische Studie. Nach der zweiten schwedischen Original- ausgabe übersetzt von J. Mestorf. Mit 44 Holzschnitten und einer Karte. 8. (XII, 228 S.) Hamburg 1873. Meissner. 2 Rthlr. Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 12; Deutsche Monatsblätter III, 2 ; Westminster Review Januar; Saturday Review 17. Januar; Allgem. liter. Anzeiger Nr. 81; Lit. der Grazer Tagespost 1873, Nr. 2ü6; Jahreszeiten Nr. 39. 377. Montelius, Oscar, Om Lifvet i Sverige under Hednatiden. 8.(114 S. mit 95 Holzschn.) Stockholm 1873. Bonnier. 12 gr. 378. Bendixen, B. E., Runebjerget ved Veblungsnses. Aarböger for Oldkyndighed 1872, 3. Heft. 379. Vedel, E., Undersögelser angaaende den aeldre Jernalder paa Born- holm. 8. (62 S. u. 218 Tafeln.) Kopenhagen 1873. X. ALTERTHÜMEK UND CULTURGESCHICHTE. 47 1 380. Worsaae, J. J. A., de Danskes Kultur i Vikingetiden. 8. (44 S. mit 29 Abbild.) Kopenhagen 1873. 381. Secher, C. E., Danmark i «Idre og nyere Tid eller historiske, topografiske og kulturhistoriske Skildringer af Daumarks Kjöbstaede, Herregaarde m. m. 1 — 20. Heft. 8. Kopenhagen 1873. 381*. Scherr, Joh., deutsche Cultur- und Sittengeschichte. 5. Aufl. 8. (XVI, 629 S.) Leipzig 1873. Wigand. 2% Rthlr. 382. Arnold, Bernhard, Krieg und Poesie bei den Hellenen und Ger- manen. Illustrirte Monatshefte 1872, Januar. 383. Elgger, Carl von, Kriegswesen und Kriegskunst der schweizerischen Eidgenossenschaft im 14., 15. und 16. Jahrh. mit 10 Figurentafeln. 8. (XIX, 438 S.) Luzern 1873. Doleschal. 2 Rthlr. Vgl. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, October. 384. Der Waffeneid der germanischen Stämme. Beilage zum deutschen Reichs-Anzeiger 1873, Nr. 29. 285. M(üllenhoff), K., Eidring. Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 428 f. 386. Carriere, M., die Kunst im Zusammenhang der Culturentwicklung und die Ideale der Menschheit. 3. Bd. Das Mittelalter. 2. Auflage. 8. Leipzig 1873. Brockhaus. 4V3 Rthlr. 387. Schuler-Libloy, Altgermanische Bilder aus der Zeit Karls des Großen. Drei Vorträge. 8. (63 S.) Berlin 1873. Heimann. 1/6 Rthlr. Historisch-politische Bibliothek, 52. Liefg. 388. Ennen, L., aus dem Gedenkbuch des Hermann Weinsberg. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873. 389. Daniel, G., Merrie England in the olden times. With illustrations by J. Leech and K. Cruikshand. New edition. 8. (428 S.) London 1873. Warne. 390. Müller-Für st enwalde, C, die Tafelrunden des Mittelalters. Sonntagsblatt von Duncker 1873, Nr. 16. 391. Hehn, Victor, Das Salz. Eine culturhistorische Studie. 8. (74 S.) Berlin 1873. Bornträger. 1 2 gr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 26. 392. Friedländer, Ludw., über die Entstehung und Entwicklung des Gefühls für das Romantische in der Natur. 8. (IV, 45 S.) Leipzig 1873. Hirzel.. 12 gr. Vgl. Revue critique 1873, II, 387 ff. 393. Lilien cron, Freiherr von, über das erste Auftreten selbständiger Musik als Gegenstand der Unterhaltung in Deutschland. Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie der Wissenschaften 1873, 5. Heft. 394. Scherr, Job., Geschichte der deutschen Frauenwelt. In drei Büchern nach den Quellen. 3. Aullage. 2 Bde. 8. (X, 320, 310 S.) Leipzig 1873. Wigand. 3 Rthlr. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1874, Nr. 12; Hessische Morgenzeitung Nr. 616t; v. ■ /.«■itmig Nr. !)622; Kölnische Nachrichten 1873, Nr. 203; Mähr. Correspond. Nr. 247; D. Wochenblatt Nr. 50; Grazei I Nr. 282; Dresdner Presse Nr. 342; Buropa Nr. 17. 395. Strack, Karl, aus dem deutschen Frauenleben. 1. Theil. Alterthum und Mittelalter. 8. (270 S.) Leipzig 1873. Schlicke. 1% Rthlr. 472 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 396. Vatke, Th., Frauen und Frauenschönheit in der Poesie des Mittel- em neuen Reich 1873, Nr. 32, S. 211 ff. 397. Zingerle, J. V., das deutsche Kinderspiel im Mittelalter. 2. verm. Auflage. 8. (VI, 76 S.) Innsbruck 1873. Wagner. 18 gr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 27; Wiss. Beilage zur Leipziger Zeitung Nr 78. 398. Schmitz, J. P., ein altdeutsches Frühlingsfest. Programm des Gymnasiums zu Montabaur 1873. 399. Linde, A. van der, das Schachspiel des XV. Jahrhunderts. Nach unedierten Quellen bearbeitet. Lex. 8. (VIII, 209 S. m. eingedr. Holzschn.) Berlin 1873. Springer. 2% Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 26. 32. 400. Barre, Ernst, über die Bruderschaft der Pfeifer im Elsaß. Ein Vortrag. Nebst urkundlichen Beilagen. 8. (54 S.) Colmar 1873. Decker. 12 gr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 13. 401. Schultz, Alwin, über Bau und Einrichtung der Hofburgen des XII. und XIII. Jahrhunderts. Ein kunstgeschichtlicher Versuch. 2. Ausgabe. 4. (52 S.) Posen 1873. 402. Falke, Jac, die Kunst im Hause. Geschichtliche und kritisch- ästhetische Studien über die Decoration und Ausstattung der Wohnung. 2. Aufl. 8. (374 S.) Wien 1873. Gerold. 2 Rthtr. 12 gr. Vgl. Saturday Review 1873, 15. Nov. ; Academy 1874, 7. März ; Voßische Zeitung 1873, 23. December; Deutsche Warte VI, 11. 403. Schmitt, E., über das bürgerliche Wohnhaus im Alterthume, im Mittelalter und in der Neuzeit. 8. (19 S.) Prag 1873. Hunger. 404. Kelchner, Dr. Ernst, und Dr. Rieh. Wülcker, Mess-Memorial des Frankfurter Buchhändlers Michel Härder Fastenmesse 1569. 4. (XVI und 50 autograph. S.) Frankfurt a. M. 1873. Baer. 1 1/3 Rthlr. 405. Wattenbach, W.; der Gandersheimer Kirchenschatz. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 345 — 347. Enthält auch deutsche Worte, pelleles, budil etc. 406. Gengier, H. G., Seelbäder. Zeitschrift für deutsche Culturgeschichte 1873, 571 — 582. 407. Essenwein, A., die Sündenwäsche. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 350 f. Mit Abbildung. XL Kunst. 408. Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance, herausgeg. von R. Eitelberger v. Edelberg. 4 — 5. Bdchen. 8. Wien 1873. Braumüllcr. Vgl. Academy 1874, 4. Juli ; Literar. Handweiser Nr. 149. 409. Lübke, W., Grundriß der Kunstgeschichte. 6. Auflage. 2 Bde. 8. (VIII, 391 und XXIV, 430 S. mit 464 eingedr. Holzschn.) Stuttgart 1873. Ebner und Seubert. 41/., Rthlr. 410. Lübke, W., Vorschule zum Studium der kirchlichen Kunst des deutschen Mittelalters. 6. Aufl. Mit 226 Illustr. 8. (VIII, 269 S.) Leipzig 1873. Seemann. 2 Rthlr. 411. Rahn, Prof. J. R., Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz. 1. Bd. 1. Abth. Von den ältesten Zeiten bis zum Schluße des Mittelalters. 8. (192 S.) Zürich 1873. Schabelitz. 2 % Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 21. XII. RECHTSGESCHICHTE UND RECHTSALTERTHÜMER. 473 412. Gerard, Charles, les artistes de l'Alsace pendant le moyen-äge. Tome IL 8. (491 S.) Colmar 1873. Barth. 2'/., Kthlr. 413. Ross und Reiter in der deutschen Kunst. Beilage zum preußischen Staats-Anzeiger 1873, Nr. 1. 2. (Deutsche Monatshefte I, 71-78.) 414. V loten, J. van, Nederlands scbilderkunst van de 14" tot de 18e eeuw, voor het Nederlandsehe volk geschetst. 8. (4, 356 S.) Amsterdam 1873. van Kampen. 3 f. 50 c. 415. Leemans, C, oude muurschilderingen van de kerk te Bathmen in Oberijsel. 4. (2, 57 S.) Amsterdam 1873. v. d. Post. 3 f. 55 ff. 416. Bereitung und Behandlung der Malerfarben iin 15. Jahrhundert. Aus dem literar. Nachlaß des Archivdir. Fr. J. Mone. Freilmrger Diöcesan-Archiv 7. Bd. (1873). 417. Kugler, Franz, Geschichte der Baukunst. 5. Bd. 3. und 4. Abth. gr. 8. Stuttgart 1873. Ebner u. Seubert. 5 Rthlr. 16 gr. 418. Nordhoff, J. B., der Holz- und Steinbau Westfalens in seiner culturgeschichtlichen und systematischen Entwicklung. Nach den Quellen und erhaltenen Monumenten dargestellt. 2. verbess. Aufl. Mit 8 lithogr. Tafeln. 8. (XIV, 451 S.) Münster 1873. Regensberg. 2 Rthlr. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 47. 419. Die Grabungen des Erzbischofs von Kalocsa Dr. Ludwig Hay- nald. Geleitet, gezeichnet und erklärt von Dr. Emrich Henszlmann. fol. (222 S ) Leipzig 1873- Händel in Comm. Vgl. Theolog. Literaturblatt 1874, Nr. 2 (Meßmer). 420. Dahlerup, V., H. J. Holm og H. Storck, Tegninger af addre nordisk Architectur. 6. Heft. Kopenhagen 1874. 421. Danske Mindesmaarker. 2' Rekke. 1. Hfte. Roeskilde Domkirke, beskreven af A. Kornerup. 4. Afdeling. Kopenhagen 1874. 422. Scriptorum de musica medii aevi novam seriem a Gerbertiana alteram collegit. . . E. de Coussemaker. T. IV, f. 1. Paris 1873. Durand. 423. Eitner, R., ein Liedercodex aus dein Anfang des 16. Jahrhunderts. Monatshefte für Musik-Geschichte 1873, 8. Heft. XII. Rechtsgeschichte und Recht salterth ihn e r. 424. Schulte, Joh. Fr. R. v., Lehrbuch der deutschen Reichs- und Rechts- geschichte. 3. verbess. Auflage. 8. (XII, 608 S.) Stuttgart 1873. Nitschke. 35/G Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 42. 425. Leuenberger, Prof. Dr. J., Studien über Bernische BechtsgeBchichte. Gesammelt aus seinem Nachlaß. 8. (VIII, 348 S.) Bern 1873. Jent und Reinert. 22/3 Rthlr. 426. Sohm, R., la proeddure de la Les Salica. La fidejusaio dans le droit franc. Les Sacebarons. La Glosse Malbergique. Traduit et annote* par M. Thdvenin. Bibliotheque de l'LYole des Ilautes Stades XIII lv7.;.i 427. Behrend, Jac, zum Proceß der Lex Sahen. In: Festgaben für Aug. \V. Heffter zum 3. August IST.!. Lei Iin. Weidmann. 29 ., Rthlr. 428. Deatachmann, ('., über Klagengewere Dach den Bäcbaischen Rechtsquellen des Mitttelalters. 8. (33 S.) Berlin L873. Puttkammer. s gr. 429. Wellmann, Tl.., <• De .'der Schöffen? 8. (147 S.) Berlin 1873. Springer. 28 gr. 474 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. 430. Gengier, H. Gr., deutsche Gerichtsstätten im Mittelalter. Zeitschrift f. deutsche Kulturgeschichte 1873, S. 649—673. 431. Meyer, Christian, der gerichtliche Zweikampf insbesondere zwischen Mann und Frau. Zeitschrift f. deutsche Culturgeschichte 1873, S. 49 — 58. 432. Baader, J., eine bayerische Verordnung gegen Zauberer, Hexen, und Wahrsager vom J. 1611. Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873, 2. Heft. 433. Crecelius, VV., Bekenntniss einer als Hexe angeklagten Nonne aus dem J. 1516. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 103 — 111. 434. Riezler, Feuerprobe an einer Hexe 1485. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 77 f. 435. Gierke, 0., das deutsche Genossenschaftsrecht. 2. Bd. Geschichte des deutschen Körperschaftsbegriffs. 8. (LVI, 976 S.) Berlin 1873. Weidmann. 436. Schroeder, Rieh., Geschichte des ehelichen Güterrechts in Deutsch- land. 2. Theil, 3. Abth. Das eheliche Güterrecht Norddeutschlands und der Niederlande im Mittelalter. 8. (XIV, 428 S.) Stettin 1873. Saunier. 3l/2Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 30; Jen. Liter. Zeitung Nr. 27 (Martitz); Götting. Gel. Anzeigen Nr. 22 (Sohm) ; Allgemeine Zeitung Nr. 83. 437. Böttger, H., Bemerkungen über den Grenzpunkt Tigislege. Zeitschrift des historischen Vereins f. Niedersachsen, Jahrg. 1872. Hannover 1873. 438. Finsen, V., om de islandske Love i Fristatstiden. 8. (150 S.) Kopenhagen 1873. 439*. Amira, Dr. K. v., das altuorwegische Vollstreckungs-Verfahren. Eine rechtsgeschichtliche Abhandlung. 8. (XVIII, 354 S.) München 1874. Acker- mann. 2 Rthlr. 1 6 gr. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 19 (Maurer); Kritische Vierteljahrsschrift 16. Bd. 1. Heft; Liter. Centralblatt Nr. 48. 440. Ein Handschriftenfragment des sächsischen Lehenrechts. Zeitschrift für Rechtsgeschichte 11, 321 f. In Weimar, Perg. Blatt des 13. Jhs. 441. Loersch, H., über die älteste datierte Handschrift des Sachsen- spiegels. Zeitschrift für Rechtsgeschichte 11, 267—296. 442. Steffenhagen, E., Joh. Kienkok wider den Sachsenspiegel. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 288 — 291. 443. Rockinger, Untersuchungen über die Handschriften des sogenannten Schwabenspiegels. I — IV. 8. Wien 1873—74. Gerold in Comm. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 14. 28 (Steffenhagen). 444. Rockinger, über die Handschrift von Kaiser Ludwigs altem ober- baierischem Landrechte in der fürstl. Starhembergischen Bibliothek, früher zu Riedegg, jetzt zu Efferding. Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie der Wiss. 1873. 3. Heft, S. 399-452. 445. Das Hofrecht von Emmen vom J. 1537. Der Geschichtsfreund 28. Bd. Einsiedeln 1873. 446. Birlinger, A., das Haigerlocher Statutarrecht im 15. Jahrhundert. Mittheilungen des Geschichts-Vereines in Hohenzollern 6. Jahrg. (1873). 447. Schuster, H. M., das Wiener Stadtreehts- oder Weichbildbuch. 8. Wien 1873. Manz. 1 Rthlr. Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 24; kritische Vierteljahrsschrift 3. Heft; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 17 (Frensdorff) ; Jen. Liter. Zeitung Nr. 6 (Behrend); Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit Nr. 7. XIII. LITERATURGESCHICHTE UND SPRACHDENKMÄLER. 475 448. Gengier, Prof. Dr., Wiener Stadtrecht. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 153 - 158. Beschreibung einer Hs. des german. Museums. 449. Rossberg, K., die Willkür der Stadt Saatfeld vom J. 1560. Altpreußische Monatsschrift 10. Bd. (1873), 5. 6. Heft. 450. Heidemann, Dr. J., die Statuten des Wullenampts zu Wesel aus dem J. 1426. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 77 — 98. Dazu sprach!. Bemer- kungen von F. Woeste 98—100. 451. Homeyer, über eine Sammlung Magdeburger Schöffenurtheile. Monatsbericht der Berliner Akademie 1873, März, April. 452. L am bei, H., Bericht über die im August und September ange- stellten Weisthümer-Forschungen. 8. (30 S.) Wien 1873. Geiold in Coinm. 4 gr. Aus den Sitzungsberichten der Akademie. Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 24. 453. Weisthum des Dorfes Heerdt. Von C. F. Strauven. Annalen des histor. Vereins f. d. Niederrhein 25. Bd. Köln 18.73. 454. Weisthümer. Von Rieh. Pick. Ebenda. 455. Weisthümer. 1 — 4. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 34 — 69. 456. Weisthum von Langenberg. Von W. Crecelius. Ebenda 9, 221-233. 457. Keurboeken, de middeneeuwsehe, van de stad Leiden. Uitgegeven door H. G. Hamaker. 8. (4, VIII, 615 S.) Leiden 1873. v. Doesburgh. 5 f. 458. Raemdonck, Dr. van, Keure, rechten, wetten ende liberteijten der stede, poorte ende vrijheijt van Rupelmonde. Annales du cercle archeologique du Pays de Waas, Tome V. Siut-Nicolaas 1873. XIII. Literaturgeschichte und Sprachdenkmäler. 459. Koberstein, August, Grundriß der Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 5. umgearb. Auflage von K. Bartsch. 4. — 5. Band und General- register. 8. XVI, 955 S.; XX, 595 S; 156 S) Leipzig 1873. F. C. W. Vogel. 52/3 und 45/6 Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 52; Jen. Liter. Zeitung 1871, Nr. 23 (Sievers); Grenzboten Nr. 2 (Eückert); Bonner Zeitung, 5. Januar; Theolog. Literaturblatl Nr. I (Birlinger); Im neuen Reich 1873, Nr. 52; Gegenwart Nr. 61 ; Schlesische Zeitung L874, Nr. 39; National Zeitung Nr. 80; 1873, Nr. 519; Weser-Zeitung Nr. 9767; Revue cri tique 1874, Nr. 21 (G. Paris); Daheim Nr. 40. 460. Gervinus, G. G., Geschichte der deutschen Dichtung. 4. Band. 5. Auflage. Herausgeg. von K. Bartsch. 8. (VIII, 670 S.) Leipzig 1873. Engel- mann. 3 Rthlr. 461. Goedeke, K., Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 3. Bd. 4. Heft. 8. (S. 641—880). Dresden 1873. Ehlermann. 1 '/., Rthlr. 462. Kurz, Heinrich, Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller. Mit vielen Illustra- tionen. 1. und 2. Bd. 6. unveränd. Auflage. Lex. s. Leipzig 1873. Teubner. ä 4 Rthlr. 463. Hahn, Werner, Geschichte der poetischen Literatur der Deutschen. 6. verbess. Auflage. 8. ;Vlli. 388 S.) Berlin L873. Be er. l1 Rthlr. 464. Burkhardt, Emil, Leitfaden für den Unterrichl in der Literatur schichte für Schulen. 8. (78 S.) Leipzig 1874. Klinkhardt. 8 gr. 47(3 BIBLIOGRAPHIE VON 1«73. 465. Kriebitsch, Th., Vorschule der Literaturgeschichte für Schulen, vornehmlich höhere Töchterschulen und höhere Bürgerschulen. In 3 Stufen. 2. Aufl. 8. (XV, 262 S.) Berlin 1873. Stubenrauch. % Rthlr. 466. Noesselt, Friedrich, Lehrbuch der deutschen Literatur für das weibliche Geschlecht, besonders für höhere Töchterschulen. 5. verbess. Aufl. 3 Bde. 8. Breslau 1873. Max u. Co. 3 Rthlr. 467. Pütz, Prof. Wilh., Übersicht der Geschichte der deutschen Lite- ratur für höhere Lehranstalten. 5. umgearb. Auflage. 8. (IV, 104 S.) Coblenz 1873. Baedeker. 6 gr. 468. Seineke, Ferd., Lehrbuch der Geschichte der deutschen National- Literatur. Nach dem Tode des Verf. herausgeg. von H. Dieckmann. 2. Aufl. Hannover 1873. Schmorl u. Seefeld. 8. (VIII, 255 S.) 1 Rthlr. 469. Heinrich, G. A., histoire de la litterature allemande. T. 3. 8. Paris 1874. Franck. 22/3 Rthlr. 470. Loise, Ferd., Histoire de la poe"sie. L'Allemagne dans sa littera- ture nationale depuis les origines jusqu'aux temps modernes. Anvers 1873. Kornicker. 1 Rthlr. 2 gr. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 51 (Rückert). 471. Omrids, kortfattet, af den tyske Litteraturs Historie. Naer mest til Skolebrug. Udarbeidet af R. H. Bergen 1873. Giertsen. 12 sk. 472. Everts, W., Geschiedenis der Nederlandsche Letteren; een hand- boek voor Gymnasien en Hoogere Burgerscholen. Met eene verklärende woor- denlijßt. "8e druk. 8. (324 S.) Amsterdam 1873. v. Langenhuijsen. 1 f. 75 c. 473. Mulder, G. C, beknopte geschiedenis der Nederlandsche letter- kunde. 4. druk. 8. (VIII, 283 S.) Zutphen 1872. v. Someren. 1 f. 60 c. 474. Taine, H. A., Histoire de la litterature anglaise. 3e edition, revue et augmentde. T. 3. 8. (430 S.) Paris 1873. Hachette. 3 f. 50 c. 475. Taine 's, H., History of english literature, translated by H. van Laun. With a preface by the author. 4th edition. 2 vols. 8. (1080 S.) Edinburgh 1873. 21 sh. 476. Taine, H. A., den engelske Literaturs Historie. Renaissancen i England. Oversat af H. S. Vodskov. 1. 2. Heft. 8. (ä 80 S.) Kopenhagen 1873. Gyldendal. ä 36 sk. 477. Laing s, F. A., History of English literature for junior classes. 12. (250 S.) 1873. 1 s. 6 d. 478. Hart, J. S., a short course in literature, English and American. 8. (323 S.) Philadelphia 187 3. 7 s. 6 d. 479. Morley, Henry, a first sketch of English literature. 3 parts. 8. (920 S.) London 1873. 9 sh. 480. Periods of the history of English literature in sketches. 1872. 481. Lund, G., den oldnordiska Literatur. En kort Udsigt. 8. (II, 83 S.) Köbenhavn 1873. Reitzel. 48 sk. 482. Hoff, B., Hovedpunkter af den oldislandske litteraturhistorie. 12. (27 S.) Köbenhavn 1873. Schwartz. 16 sk. 483. Ljunggren, G., Svenska vitterhetens häfder efter Gustafs III. död. I. del. 8. (594 S.) Lund 1873. Gleerup. 484. Wollschl äger , C. S., Handbuch der allgemeinen Literaturgeschichte. gr. 8. (VIII, 532 S.) Eisenach 1873. Bacmeister. 2 Rthlr. Vgl. Lehmanns Magazin 1874, Nr. 6. XIII. LITERATURGESCHICHTE UND SPRACHDENKMÄLER. J77 485. Uhlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage. 8. Eil. 8. (IV, 626 S.) Stuttgart 1873. Cotta. 5 Rthlr. 26 gr. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 7 (Liebrecht); Blätter f. literar. Unterhal- tung Nr. 37 (Rückert). 486. Wack ernage 1, W., kleinere Sclmften. 2. Bd. Abhandlungen zur deutschen Literatur-Geschichte. 8. (503 S.) Leipzig 1873. Hirzel. 2% Rthlr. Vgl. Theolog. Litcraturblatt 1874, Nr. 9 (Rudioff); Literar. 1 landweiser Nr. 149; Schlesische Zeitung 1873, Nr. 267; 1874, Nr. 7; National-Zeitung 1874, Nr. 59; Da- heim Nr. 6. 487. Wattenbach, Wilh., Deutschlands Geschichtsquellen im Mittel- alter bis zur Mitte des 13. Jahrhs. 1. Bd. 3. Auflage. 8. (VIII, 315 S.) Berlin 1873. Hertz. 2 Rthlr. 488. E Ismer, C, die Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Poesie im Mittelalter. Das Rittergedicht. 4. (33 S.) Zug 1873. Programm der Industrieschule in Zug. 489. Scher er, W., das geistige Leben Österreichs im Mittelalter. Vor- trag im wissenschaftlichen Verein zu Berlin gehalten. Spenersche Zeitung 1873, Nr. 7. 9. 490. Nordhoff, J. B., altwestfälische Dichtungen. Germania 18, 281—301. 491. Kroeger, H. E., the minnesinger of Germany. 8. (284 S.) London 1873. Trübner. 492. Richter, Dr. J. W. Otto, deutsche Dichter des Mittelalters im Kampfe für den Kaiser wider den Pabst. 8. (38 S.) Cassel 1873. Kay. 8 gr. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 51; National-Zeitung Nr. 444; theo- log. Jahresbericht VIII, 4; Europa Nr. 11. 493. Dietze, L., die lyrischen Kreuzgedichte des deutschen Mittelalters. (20 S.). Programm des Gymnasiuno in Wittenberg 1873 494. Schwebel, Oskar, der Minnegesang in Pommern. Wochenblatt der Johanniter Ordens Balley Brandenburg 1873, Nr. 33. 495. Seh., A., die deutschen Tagelieder des Mittelalters. Nürnberger Presse 1873, Nr. 320. 496. Blind, K., deutsche Meistersinger und Trinklieder. Die Gegenwart 1873, Nr. 36 ff. = Nürnberger Presse 1873, Nr. 253 f. 497. Blind, K., Noch etwas über altdeutsche Trinklieder und Zech- schwänke. Die Gegenwart 1873, Nr. 48 (Weinschwelg, Wiener Meerfahrt). 498. Sehröer, K.J., Meistersinger in Osterreich. Wiener Zeitung 1*7:;. April. 49:». Schnorr von Carolsfeld, Franz, zwei neue Meistersängerhand- schritt, ii. Archiv für Litteraturgeschichte 3, 1'-» - 62. 500. Wackernagel, Philipp, Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zum Anfang dee 17. Jahrhunderts. 42. Liefg. Bd. 1, S. 929—1040.) Leipzig 1H73. Teubner. 2/3 iithU- 501. Crecelius, W., über . Jaspar von Gennep, Ilomulus, der Bünden loin ist der Toid. Geist- liches Schauspiel. Bibliothek der niederrheinischen Literatur. Mit Einleitung, Anmerkungen und Glossaren versehen. 1. Heft. 8. (54 S.) Viersen 1873 Baedeker. % Rthlr. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1874, Nr. 33 (Rückert); Theolog. Literaturblatt 1874, Nr. 16; Wagners Archiv I, 554 ff. 673. Gedichte. — Koldewey, Oberlehrer, zwei Gedichte auf Herzog Heinrich den Jüngern. Zeitschrift des histor. Vereins f. Niedersachsen 1873. 6 74. Gedicht, ein, über die Reformation in Hörstgen. Von Pfarrer Meyer. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 9 (1873), S. 234—236. Vom J. 1556. 675. Haupt, J., zwei zeitgenößische Gedichte von der Schlacht von Pavia und vom König Franz I. von Frankreich. Wagners Archiv I, 161 — 175. 676. Seidemann, J. K., Herzog Georg von Sachsen als Dichter. Archiv f. Liter. Geschichte 3, 45 — 48. 677. Luther. — Köstlin, die geschichtlichen Zeugnisse über Luthers Geburtsjahr. Theologische Studien und Kritiken 1873, S. 135—151. Wahrscheinlich doch 1483. 678. Kade, Otto, ein feste burgk ist vnser got. Der neu aufgefund. sne Luther-Codex vom J. 1530. Eine von dem großen Reformator eigenhändig be- nutzte und ihm von dem kursächs. Kapellmeister Joh. Walther verehrte band- schriftl. Sammlung geistlicher Lieder und Tonsätze. 1 — 6. Lief. cpu. 4. (183 S.) Dresden 1873. Schräg, ä 9 gr. 679. Bechstein, R., die sprachliche Revision der Lutherischen Bibel- übersetzung. Eine Antikritik. Protestant. Kirchenzeitung 1873, Nr. 51. 680. Nas, Johannes, und die Jesuiten. Ein Beitrag zur Litteraturgeschichte des 16. Jahrhs. Wagners Archiv I, 49 — 66. 681. Rollenhagen, Georg, ein Brief. Von A. Kirchhoff. /. • chrift für deutsche Philologie 5, 74-76. 682. Sachs, Bans. Berausgegeben von A. \. Keller. 7. Band. 8. (484 S.) Stuttgart 1873. 115. Publication des litterar. Vereins. 683. Hans Sachsens Lobsprach der Stadl Rostock. In Seliinnrielieis I zur meklenburg. Geschichte L872. 684. Lochner, <•. W. K., Urkunden Hans Bachs betreffend. Archiv f. Littcr. Geschichte 3,26 ll. 685. Weller, E., Bans Sachs. Wagners Archiv I, 162- 163. 488 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. G86. Blind, Karl. Hans Sachs und sein Wirken. Die Gegenwart 1873, Nr. 3—4. 687. Blind, Karl, Hans Sachs als Streiter in Kirche und Staat. Die Gegenwart 1872, Nr. 45 f. 688. Goedeke, K., die Lieder des Hans Sachs. Wagners Arcli v I, 67—72. 689. Schauspiel. — Martin, E., Freiburger Passionsspiele des 1 ß. Jhs. Zeitschrift der Gesellschaft zur Beförderung der Geschichtskunde in Freiburg. 3. Bd. 1. Heft (1873). 690. Lütolf, A., über ein Schauspiel von St. Wilhelm. Wagners Archiv I, 80-82. 691. Treitzsaurwein. — Schönherr, Dr. J., über Marx Treytz- Saurwein. 8. Wien 1873. Aus dem Archiv f. österr. Geschichte 48. Bd. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 3. 692. Liliencron, R. v., der Weisskunig Maximilians I. Historisches Taschenbuch 5. Folge, 3. Jahrgang (1873). 693. Tusch, H. E., Meisterlied. Von H. Lambel. Wagners Archiv I, 442 f. 694. Wickram. — Bober tag, Dr. F., Analysen der Romane G. Wickrains und Proben aus den ältesten Drucken. 4. Aus den Schriften der Schlesischen Gesellschaft f. Vaterland. Cultur 1873. * D. Altsächsisch. 695. Heliand. Mit ausführlichem Glossar herausgegeb. von M. Heyne. 2. verb. Auflage. 8. (VIII, 375 S.) Paderborn 1873. Schöningh. 2 Rthlr. Bibliothek der ältesten deutschen Literatur-Denkmäler 2. Bd. Vgl. Liter. Central- blatt 1873, Nr. 21 (Sievers); Wissenschaftl. Monatsblätter 1,3; Theolog. Literaturblutt Nr. 14 (Birlinger); Blätter f. d. bayer. Gymnas. IX, 6; Allgem. Liter.-Zeitung Nr. 39. 696. Crecelius, W., altniederdeutsche Blocken. Germania 18, 215—219. 697. Woeste, F., Bemerkungen zu Friedländers Codex Traditionum Westfalicarum. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 9, 1 — 28. E. Mitteinierde r deutsch. 698. Weiland, L., niederdeutsche Pilatuslegende. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 147-160. 699. Drosihn, Fi-., Bemerkungen zum Redentiner Osterspiele. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 400-406. 700. Lübben, Av Bemerkungen zu der Ausgabe des Reinke Vos von K. Schröder. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 57 — 67. 701. Döring, über eine Stelle im Reineke Fuchs (V. 1511). Jahrbücher f. Philologie u. Pädagogik 108, 86 — 88 (1873), Über die Bedeutung von dac/t/e, das hier als 'drückte' erklärt wird. 702. Döring, noch einmal die Stelle im Reineke Fuchs. Ebenda 7. llett. 703. Krause, Dir. K. E. H., über den 1. und 2. Theil der Rostocker Chronik. Eine Kiuderlehre des 15. Jahrb. 4. (20 S.) Rostock 1873. Stiller in Comm. 8 gr. Programm des Gymnasiums. KIII. F. MITTELNIEDERLÄNDISCH, G. ALTFRIESISCH, II. ANGELS. 489 704. Weiland, Dr. L., zur Quellenkritik der Sachsencbronik. Forschungen zur deutschen Geschiclite 13, 157—198. Vorbereitung der Ausgabe in den Monutn. Germaniae. 705. Holstein, Oberlehrer Dr., dat blicken im käkwien. Beitrag zur Erklärung einer Stelle der Magdeburger Schöppencbronik. Geschichtsblätter f. Stadt u. Land Magdeburg. 8. Jahrgang (1873). 706. BiRthke, Herrn., der Lübecker Todtentanz. Ein Versuch zur Her- stellung des alten niederdeutschen Textes. 8. (80 S.) Berlin 1873. Göttinger Dissertation. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen Nr. 19. 707. Mantels, W. , der Lübecker Todtentanz vor seiner Erneuerung im J. 1701. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 158—161. F. Mittelniederländisch. 708. Jacob vnn Maerlant's Spieghel historiael. 29 Partie. Uitgegeven door F. v. Ilellwald, onder medcwerking van Dr. M. de Vries en Dr. E. Verwijs. 1. 2. Aflev. 4. Leiden 1873. van Doesburgh. a 22 gr. 709. Episodes uit Maerlant's historie van Troijen naar het te Wissen gevonden handschrift, bewerkt en uitgegeven door Dr. J. Verdam. 8. (2 S. und S. 1 — 224). Groningen 1873. Wolters. 1 f. 50 c. Bibliotheek van middelnederlandsche letterkuude onder redaktie van II. E. Moltzer. 10, 11. Aflev. 710. Bartsch, K., Bruchstücke von Jacob von Maerlant's Rymbybel. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 196 f. 711. Verbalen, Karolingsche. Carel en Elegast, de vier Hecmskinderen, Willem van Oranje, Floris en Blanceflor. In nieuwer form overgebracht door J. A. Alberdingk Thijm. 2. uitgave. 8. (XI, 231 S.) Amsterdam 1873. Langen- huysen. 1 f. 75 c. 712. Karl en Elegast. Deux fragments manuscrits (ensemble 128 vers) du XIV7* siecle, conservees ä la Bibliotheque de la ville de Namurs, commuui- cation de M. J. II. Bormans. Bulletin de l'academie royale de Belgique 2e söne, T. 36, p. 220—226 (1873). G. AI t f ri esi 8 eh. 713. Lübben, A., Altfriesiscbes. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 201—203. H. Angelsächsisch. 714. Beowulf. Mit ausführlichem Glossar herausgegeben von M. Heyne. 3. Auflage. 8. (275 S.) Paderborn 1*7;;. Sehöningh. 1 Rthlr. 18 gr. Bibliothek der ältesten deutschen Literatur-Denkmäler 3. Bd. v'gl. Liter. Central- blatt 1*7:;, Nr. 21 (Sievers); WissenMchaftL Monatsblätter I, l; Blätter f. d. bayer. Gymnas. I.\ 6; Allgem. Liter. Zeitung Nr. 12. 715. Beowulf (Bärweif). Das älteste deutsche Heldengedicht. Aus dem Angelsächsischen von Elans v, Wolzogen. 16.(104 8.) Leipzig 1873. Reclam. 2 gr. Universal-Bibliothek Nr. ISO. \ i. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 43. 716. Pacius, A., das heilige Kreuz, angelsächsisches Lied, stabreimend übersetzt und erklärt. 4. 36 S. und 3 Taf< Programm der Realschule in Gera 1873. 490 BIBLIOGRAPHIE VON 1873. I. Mi tt elengl i s eh. 717. Horstmann, C, die Sprüche des h. Bernhard und die Vision des h. Paulus nach Ms. Laud 108. Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 52, 33—38. 718. Generydes, a romance in seven-line stanzas (about 1440). Edited by W. A. Wright. 8. London 1873. Trübner. Early English Text Society. 719. Zupitza, J., zur Literaturgeschichte des Guy von Warwick. 8. Wien 1873. Gerold in Comm. Aus den Sitzungsberichten der Akademie. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 34. 720. Langland, Will., the Vision of William concerning Piers the Plowman. Edited by W.W. Skeat. 8. London 1873. Trübner. Early English Text Society. 721. Horstmann, C, Leben Jesu, ein Fragment, und Kindheit Jesu. Zwei altenglische Gedichte aus Ms. Laud 108 zum erstenmal herausg. 1. Theil. Leben Jesu. 8. (69 S.) Münster 1873. Regensberg. 2/3 Rthlr. 722. Myroure, the, of our Ladye. Edited by J. H. Bluut. 8. London 1873. Trübner. Early English Text Society. 723. The hystorie of the moste noble knight Plasidas, and other rare pieces, collected by Popys. Edited by Gibbs. 1873. Vgl. Athenaeum 1873, Nr. 2390. K. Altnordisch. 724. Edda. — Ettmüller, L., Beiträge zur Kritik der Eddalieder. Germania 18, 160—175. 725. Zupitza, J., zur älteren Edda. Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 445 — 451. 726. Storm, Gustav, om Eufemiaviserue. Tidskrift f. Filologi og Paedagogik N. E. I, 23—42. 727. Lönnberg, C. J. L., Fornnordiska sagor. II. Eyrbyggarnes saga. Ofversat med förklarande anmärkningar. 8. (196 S.) Stockholm 1873. Norman. 1 rd. 50 öre. 728. Thorkelsson, Jon, Skyringar a Visum i Gi'sla sögu Sürsonar. (24 S.) Reykjavik 1873. 729. Hervarar S aga okHeidreks.Udgiv. af S. Bugge. 8. Christianial873. Norr. skrifter af sagnhistorisk Indhold 3, 204-370 (Norsk Oldskriftselsk. Nr. 17). 730. Konunga Sögur. Sagaer om Svere og hans Efterfölgere. Udgivne (efter Eirspennill d. e. A M 47 fol.) af C. R. ünger. 8. (XII, 535 S.) Christiania 1873. Brögge. Norsk Oldskriftselskab Nr. 13. 15. 18. 731. The Orkneyinga Saga, translated from the Ieehindic by John Hjaltalin and Gilb. Goudie, edited with notes and introduetion by Jos. Anderson. 8. (CXXXVI, 227 S.) Edinburgh 1873. Douglas. (With mapes). 732. Kölbing, E., über die nordische Gestaltung der Partonopeussage. 8. (22 S.) Breslau 1873. Habilitations-Schrift. 733. Über eine in Livland entdeckte Runeninschrift. Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesellschaft 7. Bd. Dorpat 1873. XIII L. ALTDANISCH, M. MITTELLATEINISCHE POESIE. 4<)1 734. Storm, Gustav, Snorre Sturlassüns Historieskrivning , eu kritisk undersögelse. 8. (X, 292 S. mit Tafeln). Kopenhagen 1873. 735. Mübiub, Tu., über die Heimskringla. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 141 — 146. 736. Sagaen om Vülsungerne, oversat efter det Islandske af V. Ulimann. 8. (112 S.) Kjöbenhavn 1873. Gyldendal. 64 sk. L. A 1 1 d ä n i s c h. 737. Rimkrönike, den danske, trykt ved Gfr. af Gliomen i Kjübh. 1495, udgiv. i fotolithograph. Faesimile. Kjöbenh. 1873. 3 Rtklr. M. Mittellateinische Poesie. 738. Pannenborg, A., Alcimus Avitus im Carmen de bello Saxonico. Forschungen zur deutschen Geschichte 13, 413 — 114 (1873). 739. Peiper, R., Beitrage zur lateinischen Cato-Litteratur. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 165 — 186. 740. Schenkel, K., eine alte Handschrift der Disticha Catonis. Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 1873, 7. Heft. 741. Ekkehardi primi Waltharius ed. Rud. Peiper. 8. (LXXYI, 128 S.) Berlin 1873. Weidmann. 1 % Rthlr. Vgl. Liter. Centralblatt 18f3, Nr. 25; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 29 (l'annenborg). 742. Meyer, W., Philologische Bemerkungen zum Waltharius. S. München 1873. Aus den Sitzungsberichten. Vgl. Revue critique 1874, Nr. 21. 743. Belle, Tr. v. , Gaudeamus igitur aus einem Bußlied entstanden. Magazin f. d. Literatur des Auslandes 1873, S. 295 f. 744. Dumm ler, E., Gedichte vom Hofe Karls des Grossen. Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 141—146. 745. Simson, Dr. B., über das Gedicht von der Zusammenkunft Karls des Gr. und Pabst Leos 111. in Paderborn. Forschungen zur deutschen Geschichte 12 (1873), 567 — 592. 746. Dümmler, E., zu den Gesta Berengarii iinperatoris. I drangen zur deutschen Geschichte 13 (1873), 415 — 117. 747. Pannenborg, A., Magister Guntherus und seine Schriften, 'hungen zur deutschen Geschichte 13 (1873), 227 — 381, 748. Joachim, R., 30 lateinische Hymnen, nach zwei in der Milich'schen Bibliothek zu Görlitz aufgefundenen Pergamenthandschriften veröffentlicht. N. Lausitz. Magazin 60. Bd. 1. Heft (1873). 749. Magistri Justini Lippiflorium hcrausgeg. von Dr. Georg Laub- mann. 1872. Vgl. Historische Zeitschrift Ist:;, •_>. Hefi 750. Fischer, Theobald, das satirische Gedicht des Nikolaus von Bibra übersetzt im Versmaß des Originale von A. Rienäcker. N. Mittheilungen aus dem Gebiete histor.-antiquar. Forschungen L3. Bd. 3. Heft I-::; 751. Herquct, Magister Heinrich von Kirchberg und die samländi Pfründenvertheilung des Carmen aatiricum. Ebi adaselbst. 492 MISCELLEN. 752. Radewin's Gedicht über Theophilus. Nebst Untersuchungen über •die Theophilussage und die Arten der gereimten Hexameter herausgeg. von Willi. Meyer aus Speyer. 8. (72 S.) München 1873. Aus den Sitzungsberichten. Vgl. Revue critique Nr. 27; Liter. Centralbl. Nr. 40. 753. P ei per, R., arithmetische Räthsel. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 249 — 254. Lat. Distich. von Acbrannus 9 — 10. Jahrh. 754. Friedländer, Ernst, lateinische Reime des Mittelalters. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 96 — 99. 755. The anglo-latin satirical poets and epigrammatists of the twelfth Century. Now first collected and edited by Th. Wright. 2 vols. London 1873. Longmans. Vgl. Athenaeum Nr. 2389. 756. Sequenzen, lateinische, zusammengestellt und herausgegeben von J. Kehrein. 8. Mainz 1873. Kupferberg. 2% Rthlr. Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 13; Academy Nr. 82 (Peacock); Theolog. Literaturblatt Nr. 25; Liter. Handweiser Nr. 153; Allgem. Liter. Zeitung 1873, Nr. 30; Schles. Kirchenblatt Nr. 27; Kathol. Literaturblatt der Sion, August; Kathol. Bewegung VI, 10; Philotbea 38, 6; Katholik 1873, October. 757. Wattenbach, W., aus dem Briefbuch des Meister Simon von Homburg. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Nr. 2 3. 758. Walafridi Strabonis picturae historiarum novi testamenti. Organ für christliche Kunst 23. Jahrg. Nr. 10 (1873). 759. Wattenbach, W., Mittheilungen aus zwei Handschriften der Hof- und Staatsbibliothek zu München. Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie 1873, 5. Heft, S. 685 — 747. 760. Wattenbach, W., kirchlich-politische Gedichte des 12. Jhs. Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 99—103. 761. Wattenbach, W., Verse gegen die Weiber. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 255 — 258. MISCELLEN. Bericht über die Sitzungen der deutsch-romanischen und der Section für neuere Sprachen auf der XXIX. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Inns- bruck, vom 28. Sept. bis 1. Oct. 1874. 1. Sitzung. Montag den 28. Sept. von 12 V2 — 1 V4 Uhr Vorm. Nach Schluß der ersten allgemeinen Sitzung constituierte sich gegen 12% Uhr die Section unter dem Vorsitze des in Leipzig erwählten Präsidenten Prof. Dr. J. V. Zingerle, indem sich zugleich die Section für neuere Sprachen mit der deutsch romanischen vereinigte. In seiner Begrüßungsrede hieß der Präsident die Versammelten herzlich willkommen, gedachte in kurzer, aber treffender Aus- führung der Bedeutung, die das Land Tirol im Mittelalter auf dem Gebiete MISCELLEN. 493 der deutscheu Litteratur, insbesondere der Sage und Dichtung, hatte, und wid- mete den in den verflossenen drei Jahren abgeschiedenen Fachgenossen mit warmen Worten einen dankenden Nachruf. Hierauf wurden auf den Vorschlug des Vorsitzenden Prof. Dr. Wein- hold aus Kiel zum Vicepräsidenten und Dr. A. Hucber und Dr. J. Egg er aus Innsbruck zu Secretiiren erwählt und die Tagesordnung für die nächsten Sitzungen festgesetzt. In das Album zeichneten sich folgende 42 Mitglieder: Karl Bartsch, Professor aus Heidelberg; A. M. Benecke, Oberlehrer aus Berlin; Dr. F. Buek- eisen, Realschulprofessor aus Innsbruck; Dr. J. Egger, Gytnnasialprofessor aus Innsbruck; J. Egg er, Gymnasialprofessor aus Graz; E. Falkner, Real- schulprofessor aus Innsbruck; F. Fiegl, Gymnasialprofessor aus Wien; Dr. Frauer, Professor aus Stuttgart; Dr. F. F ri edersd or f f, Oberlehrer aus Marienberg; V. Garbari, Gymnasialprofessor aus Trient; J. Grion, Gym- nasialdirector aus Verona; Hin tri er, Gymnasialprofessor aus Wien; Dr. J. Hirn, Gymnasialprofessor aus Krems; Dr. E. Hof mann, Professor aus Inns- bruck; Dr. A. Holder, Hofbibliothekar aus Karlsruhe; Dr. Alf. Huber, Professor aus Innsbruck; Dr. Ad. Hueber, Realschulprofessor aus Innsbruck; Dr. v. Inama-Sternegg, Professor aus Innsbruck; Dr. A. Jeitteles, Bib- liothekar aus Innsbruck; H. Jörg, Lehramtscandidat aus Innsbruck; Dr. F. Keinz, Staatsbibliotheksecretär aus München; M. Lisch, Gymnasialprofessor aus Innsbruck; H. Lorenzoni, Lehramtscandidat aus Trient; Dr. Mahn, Professor aus Berlin; A. Maresch, Landesschulinspector von Troppau; A. Michaeler, Gymnasialprofessor aus Bozen; Dr. G. R. v. Ohms, Hofsecretär aus Wien; Dr. E. Pfandhelles, Gymnasiallehrer aus Stettin; Dr. G. Pullic, Gymnasialdirector aus Trient ; Dr. Sachs, Professor aus Brandenburg a. d.U.; Dr. J. Schmidt, Director aus Falkeuberg; Chr. Schneller, Landesschulin- spector aus Innsbruck; Dr. F. Scholle aus Berlin; J. Solar, Landesschulin- spector aus Laibach; Dr. L. Steub aus München; Dr. F. Strehlke, Gym- nasialdirector aus Marienburg; Dr. A. Theobai d aus Hamburg; Dr. Walz, nasialprofessor aus Linz; Dr. K. We in hold, Professor aus Kiel; V. Zambra, Gymnasiallehrer aus Trient; S. Zehetmayv, Gymnasialprofessor aus Freising; Dr. J. V. Zingerle, Professor aus Innsbruck. 2. Sitzung Montag den 28. September von 6 — 7% Uhr Abends. Der Vor- sitzende ließ die eingelaufenen Begrüssungsschriften zur Verthcilung gelangen. Es sind folgende: Hintner: Zur tirolischen Dialektforschung, 2. Heft; Hueber: Über Heribert von Salurn; Von S. Katreinen; Jung: Zur Geschichte der Gegenreformation in Tirol. Darauf erstattete Gymnasialdirector Dr. Strehlke aus Marienburg Bericht über die Goethe-Ausgaben der Letzten sieben Jahre. Indem derselbe von einer kurzen Charakteristik der seit Goethe'a Tode veranstalteten Drucke ausgit ng, hob er besonders die dreißigbändigen Ausgaben von 1850 u. 1857, die zum Theil unter der Leitung Düntzer's vorbereitet waren, als einen entschiedenen Fortschritt bezeichnend hervor, erkannte aber auch an, dass die Verlagshandlung auch bei einzelnen spatern Drucken, namentlich bei denen von den Jahren 1868 und 1869, das Streben gezeigt hätte, immer bessere Texte zu liefern; er mimste ch hinzufügen, daß dieß Streben bis dahin noch zu keinem befriedigenden geführt hätte. Dieß gab Veranlassung weiter auszuführen, welche Auf- 494 MISC ELLEN. gaben sich die Herausgabe Goethe's auch noch außer der Herstellung eines vollständig zuverlässigen Textes stellen müsse. Als solche bezeichnete Referent vorzugsweise eine zweckmäßige Anordnung des gesammten Materials, Vollstän- digkeit, die durch die Aufnahme sämmtlicher als echt anerkannten Dichtungen und Aufsätze zu erreichen wäre, endlich Einleitungen, erläuternde Anmerkungen und Indices zwar nicht für alle, aber für die zahlreichen Schriften, in welchen das Verständniss solche nothwendig machte. Auf diese Weise war zu- gleich der Maßstab bestimmt, nach welchem alle neuen Ausgaben geprüft werden müssen. Diese Prüfung ergab indessen, daß keine derselben, weder die bei Karl Prohaska (Leipzig, Wien und Teschen 1873) noch die bei Ph. Reclam (Leipzig), noch die bei G. Grote (Berlin 1870 und 1873) erschienenen, irgend einen Fort- schritt bekundeten , wobei allerdings die in letzteren gegebenen Einleitungen nicht mit in Betracht gezogen wurden. Alle haben ihren Zweck und Nutzen eben nur darin, daß Goethe's Werke durch sie eine weitere Verbreitung finden können. Als eine Ausnahme hob indessen Referent die von Heinrich Kurz ver- anstaltete Auswahl von Goethe's Werken (Hildburghausen) hervor, da für diese wenigstens eine sorgfältige Vergleichung aller Drucke bis zu der Ausgabe letzter Hand gemacht war; dagegen konnte er von der bei G. Hempel in der National- bibliothek deutscher Classiker erscheinenden und nahezu beendigten Goethe- Ausgabe nur hindeutungs weise sprechen, da er selbst bei der Herstellung der- selben betheiligt gewesen ist. Den zweiten Vortrag hielt Prof. Dr. Sachs aus Brandenburg: über den heutigen Stand der romanischen Dialektforschung. In seiner Einleitung wies er auf die Notwendigkeit die Dialekte zu fixieren hin. Dann gab er eine kurze Überschau über die Leistungen der Deutschen auf dem Gebiete der romanischen Sprach- und Dialektforschung. Dieselben haben auch hier Bahn gebrochen und ihren Beruf für wissenschaftliche Forschung glänzend bewährt. Die Werke von Diez, Fuchs, Wolf, Kellermann u. A. erschlossen die Kenntniss der romanischen Sprachen und Litteraturen. Geibl, Schack, Gries und Klein machten die Deut- schen mit den Schätzen der spanischen Poesie eingehender bekannt. Nach diesen einleitenden Bemerkungen wandte sich der Referent zu den einzelnen Dialekten und ihren Litteraturen. Er begann mit den spanischen. Darunter erfreuen sich der katatonische und valencianische eingehenderer Be- handlung; mit ihnen haben sich auch Wolf, Fuchs und Diez befasst. Noch eifriger wurde aber bisher das Altprovenzalische studiert, dessen Überreste immer kritischer herausgegeben werden, doch brachten diese Studien der Dialektfor- schung keinen großen Gewinn. Nach kurzer Erwähnung des Waldensischen, in das auch die Bibel über- setzt ist, kam er auf die Dialekte des südlichen Frankreichs zu sprechen, wie das Neuprovenzalische, den Dauphind'er Dialect, den Lyoner, den Roussilloner, Auvergner, Gascogner u. a. Alle diese stellen dem Altprovenzalischen näher als das Neuprovenzalische; ihnen schließen sich die Mundarten Savoyens und der Schweiz an. Von den südfranzösischen Dialekten bedeutend verschieden sind die jen- seits der Loire, die das eigentliche Französisch ausmachen. Zu den wichtigsten Zweigen dieses Stammes gehören das Bnrgundische, das Lothringische, das Französische im engern Sinn, das Pikardische, Flandrische und Normannische. Alle wurden von der französischen Akademie lauere vornehm verachtet und fanden MISCELLEN. 495 erst lu neuerer Zeit die entsprechende Würdigung, die eine Reihe von interessanten Werken üher sie aufzuweisen hat. Von der Besprechung der französischen gieng Referent zu dem großen italienischen Sprachstamm über und erwähnte dabei die Verdienste einzelner Deutscher um die Sprache und Litteratur der Bewohner Italiens. Der italienische Sprachstamm wird unterschieden in die Dialekte Süd-, Mittel- und Oberitaliens. Zu den ersteren zählen die von Neapel, Calabrien, Sicilien und Sardinien, zu den mittelitalienischen die von Toseana, Rom und Umgebung, Corsica, und zu den oberitalienischen die gallisch-italischen Dialekte und die am meisten ent- wickelten venetianischen. Das Wallachische hat erst Diez als eine romanische Sprache anerkannt. Zum Schluß verbreitete sich der Referent noch über die beiden roma- nischen Sprachzweige, Avelche die geringste örtliche Ausdehnung haben: das Ladinische und Churwälsche. Beide zerfallen wieder in zwei Zweige. Trotz ihrer geringen Ausbreitung haben sie doch schon wissenschaftliche Bearbeiter gefunden, so das Ladinische in Chr. Schneller. Der Referent schloß seinen Vortrag mit dem Vorschlag, zum Behufe rich- tiger Aussprache möchten alle nach dem von ihm befolgten Principe bei der Bezeichnung der Laute vorgehen. Den letzten Vortrag in dieser Sitzung hielt Dr. Mahn aus Berlin, über die provenzalisehe Sprache und ihr Verhältniss zu den übrigen romanischen Sprachen. Er stellte sich die Aufgabe, die Bedeutung der provenzalischen Sprache für die neuere Sprachforschung, namentlich für die Etymologie der romanischen Sprachen darzuthun. Er zeigte deßhalb an einer Reihe von Beispielen, wie durch Zuhilfenahme des Provenzalischen viele falsche Ableitungen vermieden werden, wie leicht und ungezwungen sich sonst räthselhafte Wörter erklären lassen. Die gewählten Beispiele waren wohl meist nicht neu. Keiner der gehaltenen Vorträge gab zu einer Debatte Veranlassung. Deß- halb schloß der Vorsitzende nach Beendigung des letzten Vortrages die Sitzung, indem er zugleich die Tagesordnung für die nächste Sitzung veröffentlichte. 3. Sitzung, Dienstag den 29. Sept. von 8 — 11 Uhr Vorm. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten stellt der Vicepräsident Prof. Weinbold folgenden Antrag. Die germanistische Section der 29. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wolle beschließen: bei S. k. H. dem Großherzog von Oldenburg sich dringend zu verwenden, 1. daß der Oberlehrer Dr. August Lübben in Oldenburg zum Zwecke der er- sprießlichen Fortsetzung und Vollendung seines wissenschaftlich hochwichtigen Mittelniederdeutschen Wörterbuches für die Dauer dieser Arbeit unter Fort- genuß Beines vollen Gehaltbezuges v<>n dem größten Theile seiner Lehrstunden entbanden werde; 2. daß S. k. Hoheit dem durch einen Gelehrten seines Landes ausgeführten, der angestammten Sprache seiner Fürstentümer gewidmeten Werke «ine angemessene Unterstützung bis zum Seiduli des Druckes zuwende. Nachdem der Antragsteller diesen Antrag eingehend begründet, wird derselbe einstimmig angenommen und das Präsidium mit dessen Ausführung betraut. Den ersten Vortrag hieb Prof. Bartsch. Er las seine Übersetzun 1., 3. und ■". G ngee aus Haute's Hölle vor und knüpfte daran einige all- ine Bemerkungen. Hierin wies er darauf hin, wie die Ansichten und die 49G MISCELLEN. Praxis der Danteübersetzer getheilt seien. Die Einen, wie Schlegel, Kopisch, Philalethes, Witte, Blank und Eitner, behalten zwar die Versform des Originals bei, geben aber die kunstvolle Keimverschlingung der Terzine theilweise oder ganz auf. Sie rechtfertigen diesen Vorgang mit der Schwierigkeit, treue Wieder- gabe des Inhaltes mit der Strenge der Form zu vereinen. Aber sie verzichten damit ohne Zweifel auf die volle Schönheit der Form und opfern gerade etwas Wesentliches, da die kunstvolle Terzinenform in inniger Beziehung zum Inhalte steht, und wahrscheinlich von Dante eigens für denselben geschaffen wurde. Die andere Classe von Übersetzern gibt streng und genau die Form der Terzine wieder, thut aber der Sprache und dem Inhalt Gewalt an und liefert statt der wohlklingenden klaren Verse des Originals nur zu oft hölzerne dunkle deutsche Verse. Der Referent gieng bei seiner Übersetzung von der Ansicht aus, daß eine neue Danteübersetzung alle Leistungen der früheren gewissenhaft benutzen und nur das bisher Ungenügende zu verbessern trachten müsse. Von diesem Standpunkte aus wollte er seine Arbeit beurtheilt wissen. Nur auf solche Weise, hofft er, werde sich das Ziel einer Übersetzung Dante's erreichen lassen, die sich ebenso einbürgere, wie Vossens Homer und Schlegels Shakspeare. Hierauf sprach Michael er aus Bozen über den Tiroler Dialekt mit besonderer Berücksichtigung des Eisakthaies. Im Eingange bemerkte der Referent, den Wortlaut seines Themas berichtigend, daß im strengen Sinne von einem Tiroler Dialekte nicht die Rede sein könne, weil ja das gemeinsame Band für die verschiedenen Mundarten der einzelnen Thäler fehle. Nachdem er diese Behauptung durch eine Reihe von Beispielen erhärtet, schränkte er seinen Vortrag auf den Dialekt des Eisakthaies ein. Zuerst behandelte er denVocalis- mus. Er gieng dabei immer von den mittelhochdeutschen Vocalen aus und knüpfte daran die entsprechenden Vöcale der Mundart. Aus dieser Zusammenstellung gieng hervor, daß die alten Laute größtenteils anderen Platz gemacht haben und nur wenige unverändert geblieben sind. Einige Beispiele weiden dieß hin- länglich zeigen. Das hochdeutsche a kommt in der Mundart nicht vor, sondern dafür steht a, o, und u. a findet sich vor Doppelconsonanz, o vor einfacher und u vor der Liquida n: lachen, back] hos, wosen; bün, pltm, müne. a steht für den Umlaut e {ä) in abgeleiteten Verben: tändeln (tändeln), wassern (wässern); erscheint in Deminutivbildungen platzl (Plätzchen), hasl (Häschen); dient selbst zu solchen: gatter {gotter großes Gitter) und erhält sich im Conjunctiv des Präteritums : nam (nähme), kam (käme). Auch noch in andern Fällen vertritt das reine a den Umlaut e (&'). — a erscheint weiter für mittel- hochdeutsches ou oder neuhochdeutsches au: bam (Baum), tram (Traum), lab (Laub). — Das e (sowohl kurz als lang) bleibt selten unverändert, das kurze e ist meist in ö übergegangen, das lange e in ea: wollen (wellen); rearn (weinen), kearn (kehren), seal (Seele). — / ist meist 1 geworden und l hat sich zu ei verändert, u hat sich erhalten. 6 bleibt znweilen, geht meist aber in eo über: heol (hol). — ü geht in oa über: froa (froh), broat (Brod). — Ö bleibt oder wird lang, ö verwandelt sich in ea: beas , hearn; folgt n, wird ie: schien {schön). — Der Umlaut ii hat sich erhalten, iu lautet oi: toir (theuer), loigst (lügst), bisweilen auch ui: fruintschaft (Freundschaft). — ei wird durchaus zu oa: oanlefe (eilf). — ou lautet ä: tramen. — öu wird ei: freide. — uo, ie und üe bleiben. MISCELLEN. 4«.)7 Kürzer ergieng sich der Referent über den Consonantismus. aber die kurze Ausführung genügte, um zu zeigen, daß auch die Consonanten des Dialektes gar vielfach von denen des Mittel- und Neuhochdeutschen abweichen, h wird noch gesprochen: stochl (Stahl), fachen (fahen). Mit der Vorsilbe ge verhärtet es sich zu kl Kalten (gehalten), mit der Vorsilbe be zu pf: pfiet (behüte). — k stellt häufig nicht den starken aspirierten Kehllaut dar: brvgga (Brücke), glogga (Glocke). Verschiedene Consonanten am Ende der Silben und Wörter fallen ab: au(f), a(b), fuder (ßirder), stumpf (Strumpf). — s wird zu ach : überseht, unterschi. — tr geht in m über: mier (wir). — z kommt in Wortbildungen vor.- himelezen (blitzen). — h tritt vor i: hinteresse. • — Romanisches seh wird zu gsch: gschlaf (schiavo). Den dritten Vortrag hielt Director Grion aus Verona: Über Anordnung und die vom Verfasser besorgte Originalausgabe des Canzoniere des Petrarca. Der Referent gieng von der Thatsache aus, daß einzelne Sonnette des Canzoniere keinen oder keinen entsprechenden Sinn haben ; eine Thatsache, die selbst die größten Verehrer des Dichters nicht leugnen könnten. Dann warf, er die Frage auf, ob wohl unser Canzoniere authentisch sei? und verneinte sie: Zur Begründung dieser Behauptung erzählte er kurz die Entstehungsgeschichte desselben. Daraus geht hervor, daß vor dem Jahre 1373 eine vollständige Sammlung der Rime nicht vorhanden war und daß die im genannten Jahr abgeschlossene ebenfalls nicht den Anspruch auf Authentie machen dürfe. Denn der Dichter schrieb die darin enthaltenen Gedichte nicht selbst ab, sondern ließ 6ie von seinen Abschreibern aus den einzelnen losen Blättern zusammentragen, ja er unterzog die Sammlung nicht einmal einer genauen Revision und begnügte sieh damit, einen flüchtigen Blick hinein zu tliun. Nach des Dichters bald darauf erfolgtem Tode wurde aber seine Bibliothek und damit auch die Handschriften der Rime an seine Freunde verschenkt und dadurch zerstreut. So war es keinem der späteren Herausgeber gegönnt, auf authentischen Quellen zu fussen ; selbst die ältesten und besten Drucke, die von Wendelin de Spira, von Aldo Manuzzio und Fano beruhen nicht auf solchen; alle anderen um so weniger, als ihnen nur irgend eine der berühmteren Ausgaben zu Grunde liegt. Die meisten Ausgaben richteten sich nach der von Aldo Manuzzio; in der Anordnung hielt man sich gewöhnlich an die Ausgabe von Bembo. Aus diesen Thatsachen zop der Referent den Schluß, daß einer neuen Ausgabe, die diu Anspruch auf möglichste Correctheit erhebe, die noch erhaltenen Handschriften und die besten Drucke zu Grunde gelegt werden müssen. Zuletzt sprach in dieseT Sitzung Dr. S t e u b ans München über tirolische Ethnologie. Er begann mit der Erzählung, wie er zu seinen Forschungen über tirolisehe Ethnologie gekommen. Als er in den vierziger Jahren eine Heise nach Tirol unternahm, um im Auftrage einer Buchhandlung dieß Land zu schildern, da fielen ihm die seltsamen, von den bäuerischen häufig so abweichenden Ortsnamen im Innthal auf und er Buchte hierüber Aufschluß bei dem Keltischen und dann heim Etruskischen. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er in seinem 1843 erschienenen Werke nieder: I)ie Urbewohner Rhätiens und ihr Zusammenhang mit den Etruskern. Di«' Fehler, welche dieses enthielt, berichtigte er in dem weitern Werke rom .1. 1852: Zur rhätiseben Ethnologie. Die darin niedergelegten Ansichten erkenn) Dr. Steub auch heute noch im wesentlichen '•I.k.ma.v ■ ie. Vll. (XII.) Jubrg I 32 498 MISC ELLEN. als richtig an und darauf stützten sich seine weitern Ausführungen, deren Inhalt sich in nachstehende Hauptsätze zusammenfassen läßt. Tirol bietet dem Ethnologen eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit der Erscheinungen , wie kein Land Europas , etwa Sicilien ausgenommen. Seine geringe Bevölkerung ist aus acht verschiedenen Völkern erwachsen: Rhätiern, Romanen, Gothen, Langobarden, Bojoaren, Slaven, Alemannen und Waisen. Die Rbätier bewohnten das heutige Tirol, Graubündten und den südlichen Theil Vorarlbergs, an einige ihrer wichtigsten Stämme erinnern gegenwärtig noch die Namen Brenner (Breuni), Eisack (Isarci), Vinschgau (Venosten) und Fügen (Focunates) und für sie zeugen auch die Berichte der alten Classiker. Dagegen wissen diese nichts von einer keltischen Bevölkerung Tirols und auch Ortsnamen sprechen nicht für das einstige Vorhandensein einer solchen; die kultische Hypothese haben erst neuere Forscher aufgestellt, namentlich Zeuß. Nach Eroberung Rhätiens durch die Römer wurde es bis in die entlegensten Thäler romanisiert; das beweisen die zahlreichen romanischen Namen, die in allen Theilen des Landes noch jetzt sich vorfinden, wie Gleirschthal (glares), Lafatschthal (l'avaza), Gepatsch (campazo), Rungatsch (runeazone). Der Herr- schaft der Römer in diesen Thälern machten die Gothen für immer ein Ende. Nach den Ausführungen des Historikers Dahn wären die Bewohner des Burg- grafenamtes vorzüglich gothischer Abkunft und allerdings werden in den Regens- burger Glossen des 13. Jahrhunderts die Meranee mit den Gothen identificiert. Nach dem Sturze des Gothenreiches nahmen Südtirol bis Salurn die Langobarden, Nordtirol die Bojoaren in Besitz. Die heutigen Ergebnisse der Forschungen lassen nicht mehr zweifeln, daß die deutschen Enclaven in den wälschen Be- zirken Tirols und Venetiens, wie die Sette und Tredeci communi, langobardischer Abkunft seien. Neben dieser deutschen Bevölkerung erhielt sich aber in allen Theilen des Landes noch lange der Romanismus und abgesehen von dem jetzigen Walschtirol, wo jetzt die letzten Reste der germanischen Bevölkerung nur mehr mit Mühe sich behaupten, dauerte er in einigen Thälern bis in die neueste Zeit fort; wie in Gröden, Eneberg, Abtei. Slaven drangen um 600 in das Pusterthal ein und besetzten dessen öst- lichen Theil, Alemannen und Waisen Hessen sich in den westlichen und nord- westlichen Theilen nieder. Letztere werden nach den neuesten Ergebnissen der Forschung für burgundische Einwanderer gehalten. 4. Sitzung den 1. October 1874. Von 9 — 10V2 Vorm. Schlußsitzung. Den ersten Vortrag hielt Prof. Hintner aus Wien: Über tirolische Dialekt- forschung. Er gieng hiebei von dem Gedanken aus, daß erst die vergleichende Sprachforschung eine wissenschaftliche Erforschung der Dialekte begründet habe; die vorher erschienenen Idiotiken, wie das schwäbische Wörterbuch von Schinid mit etymologischen und historischen Anmerkungen (Stuttgart 1831) u. a. hätten wohl noch jetzt brauchbares Material geliefert, seien aber in ihren Erklärungen und Ableitungen oft ganz verfehlt. Er bezeichnete namentlich das Wörterbuch Schmellers und die Frommann'sche Zeitschrift als jene Werke, die am fruchtbarsten für Dialektforschung geworden. Da in letztere Schöpf, der Verfasser des tirolischen Idiotikons, die ersten Ergebnisse seiner Forschung niederlegte, so führte ihn dieser Umstand auf sein eigentliches Thema, die tirolische Dialektforschung über. Er machte sich nnn zu seiner Hauptaufgabe, die Schwierigkeiten tirolischer Dialektforschung gehörig ans Licht zu setzen. MISCELLEN. 499 Die erste Hauptschwierigkeit fand er in der geographischen Lage des Landes, in der unmittelbaren Nachbarschaft fremder Sprachgebiete, die theilweise seihst ins Land sich hineinstrecken, wie namentlich des romanischen und slavischen. Die Einflüsse dieser fremden Elemente auf den Wörterschatz der deutsch- tirolischen Bevölkerung wurden bisher noch nie genügend berücksichtigt, indem man bei den Worterklärungen die Fundstätte der Wörter ganz unberücksichtigt ließ. Der Referent zeigte durch ein paar Beispiele, wie sehr man ohne solche Rücksichtnahme fehl gehen könne, und hielt für noth wendig, daß das ganze bisher gesammelte Material nach localen Gesichtspunkten revidiert werde. In der weitern Ausführung verbreitete er sich über die Schwierigkeiten, die der Sammlung des Materials entgegenstehen. Als solche erschienen ihm vor allem das geringe Interesse und Verständniss der Gebildeten, die, im innigsten Verkehr mit der Landbevölkerung, die Sache mächtig , fördern könnten, und Scheu und absichtliche Täuschung, mit denen fremde Forscher beim Landvolke zu kämpfen habin. Für eine weitere grosse Schwierigkeit hielt er auch jene, welche die wissenschaftliche Erforschung des Materials erfordere, da sie nicht bloß große allgemeine Bildung, namentlich genaue Kenntniss der benachbarten Sprach- gebiete, sondern auch eine gründliche Bekanntschaft mit den localen Verhältnissen, mit den Sitten und Gebräuchen des Landes voraussetze. Das grösste Hinderniss für das Gedeihen der Dialektstudien und For- schungen sah er aber in dem Mangel eines Organes, einer Zeitschrift, worin die gewonnenen Resultate, und seien sie auch noch so gering, veröffentlicht werden könnten. Da unzureichende Geldmittel den Eingang der trefflichen Frommann'schen Zeitschrift einst bewirkt und deren Wiedererscheinen bisher trotz aller Anstrengungen unmöglich gemacht haben, so brachte der Referent zum Schlüsse in Vorschlag: es solle ein allgemein deutscher Verein zur Er- forschung deutscher Mundarten gegründet werden, dessen Mitglieder sich zu einem bestimmten Beitrag verpflichten, damit davon ein Organ zur Erforschung deutscher Dialekte unterhalten werden könnte. Nach Schluß des Vortrags ergriff Vicepräsident Prof. Weinhold, der in Abwesenheit des Präsidenten das Präsidium übernommen hatte, das Wort. Er versicherte, daß die Frommanu'sche Zeitschrift nächstens wieder erscheinen werde und kennzeichnete kurz seine persönliche Stellung zur germanischen Dialekt- forschung. Seit 25 Jahren genau mit der Methode bekannt, wie diese Forschung betrieben werden soll, glaubte er sich gegen die Gründung eines solchen all- gemeinen Vereines aussprechen zu müssen, weil derselbe unpraktisch, und erklärte sich für Provincialvereine. Er wünschte der Frommann'schen Zeitschrift das beste. Gedeihen, konnte aber die Besorgniss nicht unterdrücken, daß ihr schwerlich eine lange Dauer beschieden sein möchte. Auf diese Erklärungen hin zog Hr. Hintuet seinen Antra- zurück und es folgte nun der letzte Vortrag der Section. Diesen Hielt Director Immanuel Schmidt aus Falkenberg über Thema: Die Perioden der englischen Litteratur im Zusammenhang mit der 1 schichte der Sprache. Nach einer entschuldigenden Einleitung erklärte Referent sich für jene Eintheilung der Literaturgeschichte, welche den natürlichen Systemen in den Naturwissenschaften entspricht, und verwarf die von i\rw Engländern beliebte künstliche Eintheilung in so viele kleine Perioden. Diese natürliche Eintheilung berücksichtigt alle wichtigen Momente, welche aul die Eutwick« lung 500 MISCELLEN. der Litteratur großen Einfluß üben, als da sind: die politischen Ereignisse und andere verwandte Einflüsse von aussen, die Entwickelung der Sprache und der Einfluß fremder Litteraturen. Dabei bleibt aber immer der Entwickelungsgang der Litteratur selbst Hauptgesichtspunkt. Als besonders charakteristisch für die Geschichte der englischen Litteratur bezeichnet der Referent deren zeitweise Abhängigkeit von der italienischen und französischen Litteratur. Nach diesen allgemeinen Erörterungen gieng der Referent zur Charakteristik der einzelnen Perioden über, die Kürze der Zeit erlaubte ihm aber nicht, alle gleich ausführlich zu behandeln und seinen Vortrag zu vollenden. Nach seinen Ausführungen reicht die erste Hauptperiode bis zum Schluße des Mittelalters und zerfällt in mehrere Abschnitte. Die angelsächsische und anglonormannische Zeit bildet gewissermaße. 1 die Einleitung. Für die nächste Zeit nach dem epoche- machenden Einfalle der Normannen (1066) mangelt das Material. Die Jahre von 1200 — 1250 werden die halbsächsische Periode genannt. Koch gebraucht für sie den Ausdruck neuangelsächsisch, um dadurch den Zusammenhang mit dem Altangelsächsischen anzudeuten. Zwischen den beiden Perioden 1250 — 1350 und 1350 — 1400 will Mätzner keinen Unterschied erkennen, aber es fehlt weder an iunern noch äußern Verschiedenheiten. 1362 wurde die englische Sprache als Parlamentssprache anerkannt und 1363 in derselben die Processe zuführen geboten 5 gegen Ende des 14. Jahrh. begann der Kampf mit Rom. 1350 trat zuerst die Sonderung der Dialekte hervor. Die Periode 1250 — 1350 erscheint als eine Zeit der Decomposition der Sprache und die Periode 1350 bis 1400 als eine Zeit der Reconstruction. Das 15. Jahrh. ist nur ein Nach- klang dieser Periode. Die zweite Periode ließ der Referent bis zum Ende des 17. Jahrhs. reichen. Deren Anfang bezeichnen die Entdeckung Amerikas, die Einführung der Reformation, die Erneuerung der classischen Studien, der Einfluß des Lateins auf die englische Sprache sowie der Einfluß der italienischen Litteratur. Das sächsische Accentuationssystera überwältigt die französische Prosodie; die moderne Schriftsprache gelangt ZUr vollen Geltung und erscheint zuerst ganz ausgebildet in Tyndale's Bibelübersetzung. Der Referent theilte diese Hauptperiode in 4 Abschnitte, wovon der erste bis zum J. 1589 sich erstreckt, der zweite Shake- speares Zeit, der dritte die Jahre von 1616 — 1642 (48) und der vierte die übrigen bis zum Schluße der Hauptperiode umfasst. Die dritte Hauptperiode., die sich größtenteils über das 18. Jahrh. aus- dehnt, bezeichnete der Referent als Zeit der durchgebildeten Prosa und des französischen Einflußes und nannte als Schriftsteller, die vorzüglich unter diesem stehen , Cowley, Temple und Dryden. Sie führten den leichten natürlichen Satz- bau ein, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Damit schloß der Referent, ohne die Grenzen und Abschnitte dieser Periode näher bestimmen zu können. Gleichzeitig legte Dr. Keinz aus München mehrere interessante Handschriften althochdeutscher Gedichte aus der Münchener Staatsbibliothek vor. Nachdem diese besichtigt worden, ergriff der Vicepräsident in Stellvertretung des abwesenden Präsidenten das Wort, sprach sein Bedauern aus über die geringe Betheiligung an der Section, namentlich seitens der öster- reichischen Gelehrten weit, wiederholte den Dank für die gehaltenen Vorträge und erklärte hieinit die Sitzungen der Section für geschlossen. INNSBRUCK. Dr. J. EGGER. MISCELLEN .-,, i| Übersicht der germanistischen Vorlesungen an den Universitäten Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Hollands im Wintersemester 1874 — 75. Vergleichende Grammatik: Bonn-Gildemeister; Greifswald-Hoefer ; Flexion und Wortbildung: Zürich-Schweizer - Sidler ; Syntax: Jena -Delbrück; Würzburg- Jolly; ausgewählte Abschnitte: Königsberg-Nesselmann 5 Einleitung in das Studium der vergleichenden Sprachwissenschaft : Heidelberg-Windisch; über den indogermanischen Sprachstamm: Halle-Pott; Elemente der Sprachphysiologie: Jena-Sievers; Phonetik: Breslau- Rumpelt. Deutsche Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Begomann ; Bonn-Bir- linger; Breslau-Rückert (2. Theil); Erlangen-Kaumer; Freiburg-Paul ; Jena-Sievers; Kiel- Weinhold; Leipzig-Zarncke; Marburg-Lucae; Tübingen-Keller; Würzburg- Lexer; vgl. Grammatik der deutschen Sprache: Zürich- Vetter ; german. Gram- matik vom sprachvgl. Standpunkt: München-Hofmann; Grammatik der altgerm. Dialekte: Basel-Heyne; deutsche Grammatik, etymol. Theil: Bonn-Andresen. Gothische Grammatik: Bonn-Diez; Göttingen - Bezzenberger; Gro- ningen-Moltzer; Heidelberg-Bartsch; Leiden-de Vries ; Straßburg- Scherer. Althochdeutsche Grammatik: Boun-Reifferscheid; Marburg - Grein ; Straßburg-Scherer. Mittelhochdeutsche u. neuhochd. Grammatik: Rostock-Bechstein. Altsächsische Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.J-Zernial ; Halle- Hildebrand. Niederländische Grammatik: Grouingen-Moltzer; Leiden-de Vries ; Utrecht- Brill. Angelsächsische Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Zernial; Gro- niugen-Moltzer; Kiel-Möbius; Leiden-de Vries. Englische Grammatik: Breslau- Kölbing; Wien-Zupitza; engl. Laut- lehre: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Daleu; Wortbildung uud Syntax: Straßburg-ten Briuk. Alt friesische Grammatik: Leiden-de Vries. Altnordische Grammatik: Bonn-Birlinger; Graz-Schönbach; Wien- Zupitza. Deutsche Mythologie: Göttingen- Wilken; Heidelberg- Bartsch ; Jena- Klopfleisch; Zürich-Tobler. Deutsche Alterthümer: Basel-Meyer; Privatalterthümer: Bonn-Reiffer- scheid; Tacitus' Germania: Bern-Düby; Freiburg-Simson; Beidelberg-Scherrer ; Leipzig-Brandes; Marburg-Nissen; Wien-Schuster. Deutsche Rechtsquellen: Göttingen Frensdorff; der merovingisch- karlingischen Zeit: Erlangen - Gengier ; Baifränkische: München- Amira; öster- reichische: Graz-Luschin; Sachsenspiegel: Berlin-Lewis; Breslau- Uierk e ; Kiel- Häuel. Deutsche Literaturgeschichte: allgemeine Litteraturgeschichte 6eit Karl dem Großen: Halle-Gosche; deutsche: Münster- Storck; ältere deutsche: Gießen-Zimmermann ; Göttingen-Müller; Graz Schönbacb ; Greifswald- Wihnanns ; Straßburg-Steinmeyer; Wien-Heinzel ; Würzburg-Lexer; 2. Theil : Breslau-Pfeiffer ; Fortsetzung: [nnsbruck-Zingerle ; vom 11. 16. Jahrhundert: Halle-Hildebrand; von Luther bis Opitz: Bern-Scböni; bi.-> Lessing: Berlin-Geiger; bis Klopstock: Zürich- Uouegger; seit dem 17. Jahrb.: Göttingen-Tittmann ; Kiel*Groth; von 502 MISCELLEN. 1720 bis zur Gegenwart: Gießen-Weigand ; von 1740 — 1840: Leipzig-Minck- witz; des 18. Jahrb..: Leipzig-Hildebrand; in der Zeit von Schiller und Goethe: Wien-Tomaschek. — Deutsche Heldensage : Göttingen-Tittmann ; deutsche Lyrik bis 1830: Zürich-Stiefel; Geschichte des geistlichen Schauspiels: Leipzig-Brock- haus; Lessing: Basel-Heyne; Halle-Haym; Goethe: Berlin-Grimm; Müncken- Bemays; Straßburg -Scherer; Zürich-Vetter; Goethes Faust: Berlin- Althaus ; Heidelberg-Reichlin Meldegg; Innsbruck-Zingerle; Straßburg-Liebmanu ; Goethes und Schillers philosoph. Dichtungen: Leipzig-Hildebraud; Schiller: Bonn-Birlinger; Heidelberg-Fischer; Schillers Lyrik: Bern-Hirzel. Niederländische Litte ratur: Leiden-de Vries; Utrecht- Brill; des 17. Jahrhs.: Groningen-Moltzer. Englische Litteratur: Greifswald-Schmitz; 2. Theil: Berlin (Ak. f. m. Ph.) Schmidt; 19. Jahrb.: Leipzig-Wülcker. Deutsche Metrik: Göttingen- Wilken. Sprachdenkmäler: Gothische: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Begemann; Göttingen-Bezzenberger ; Heidelberg-Bartsch; Innsbruck-Zingerle; Köuigsberg-Schade; Tübingen-Keller; Marousevangelium : Bonn-Diez. Althochdeutsche: Erlangen-Raumer ; Halle-Zacher; Jena-Sievers; Mar- burg^-Lucae; nach Müllenhoff und Scherer: Leipzig-Zarncke; Otfrid: Berlin (Ak. f. m. Ph )-Begemann ; Bonn-Reifferscheid ; Breslau -Kölbing; Leipzig-Zarncke; Evangel. Matthaei: Gießen-Weigand. Alt- und mittelhochdeutsche: Göttingen-Müller. Altdeutsche: Bonn-Simrock; Königsberg Schade. Mittelhochdeutsche: Graz-Schönbach; Greifswald- Vogt; Heidelberg- Bartsch. Freidank: Breslau-Pfeiffer. Gottfrieds Tristan: Bonn-Reifferscheid. Hartmanns Gregorius: Basel-Meyer. Kudrun: Tübingen-Holland. Minnesäuger: Freiburg-Paul; Jena- Sievers. Nibelungenlied: Berlin-Müllenhoff; Greifswald-Wilmanns ; Innsbruck- Zingerle; Leipzig-Zarncke; Münster-Storck; Zürich-Vetter. Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst: Rostock-Beckstein. Walt h er vonderVo gelweide: Breslau-Rückert ; Köuigsberg-Schade. Wolframs Parzival: Halle-Zacher. Altsächsische: Heliand: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Zernial ; Halle -Hilde- brand; Wien Ileinzel. Mittelniedcrlä ndische: Leiden-de Vries; Floris , Ferguut, Renout: Groningen-Moltzer. Angelsächsische: nach Zupitza: Greifs wald-Hoefer; Heidelberg-Bartsch; Beovulf: Kiel-Möbius ; Königsberg-Schipper; Leiden- de Vries; Marburg-Grein; München-Hofmann; Ziirich-Ettmüller; Greins Bibliothek ags. Prosa: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Zernial: neuangelsächsische: Marburg-Grein. Altenglische: Breslau-Kölbing; Straßburg-ten Brink ; nach Zupitza: Greifswald-Hoefer; nach Wülcker: Leipzig-Wülcker; Chaucer: Heidelberg-Ihne ; Königsberg-Schipper. Altnordische: Graz-Schönbach; Kiel-Möbius; Eddalieder : Berlin-Müllen- hoff; Breslau-Kölbing; Gießen-Weigand; Göttingen- Wilken; Ilalle-Hildebrand ; MISCELLEN. 503 München-Hofmann ; Wien-Zupitza ; Zürich-Ettmüller ; Volu Spä: Straßburg-Berg- nianii. Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz- chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Freitmrg, Gießen, Göttingen, Graz, Halle, Heidelberg, Kiel, Leipzig, Marburg, München, Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg.*) Oscar Jänicke. Wenn es ein langes, an Arbeit und Erfolgen reiches Leben war, dessen Faden „eine dunkle Hand" zerschneidet, so mögen die Nachblickenden wohl sich trösten, es war ja Abend geworden. Wenn es aber einem Leben in der Mittagshöhe des Wirkens gilt, was dann? Und es war ein Leben in der Mittags- höhe des Wirkens, dem der Tod am 6. Februar vorigen Jahres ein schnelles Ende bereitete. Ich will es in Erfüllung einer theuren aber schweren Freuudes- pflicht versuchen die Geschichte dieses Lebens noch einmal vorzuführen. Am 21. Juni**) 1839 zu Pitschkau in der Unterlausitz als Sohn eines Landwirthes geboren, bezog Oscar Paul Alexander Jänicke zu Ostern 1857, nachdem er die Gymnasialstudien zu Guben zurückgelegt hatte, die Universität Halle. Hier ist es vor allem Julius Zacher, dessen Einfluß bei dem jungen Zuhörer bestimmend geworden ist. Er gewann ihn sicherlich der Wissenschaft, deren Diensten er sich fortan treu und erfolgreich widmete. Das erste Interesse Jänickes wandte sich hier Wolfram zu: er ward in der Folge einer der gründ- lichsten Kenner dieses Dichters. Ostern 1859 finden wir Jänicke in Berlin. Was in Halle begonnen ist, wird hier glücklich fortgesetzt. Der Einfluß Moriz Haupts, des ihm kurz im Tode vorangegangenen letzten deutschen Humanisten im edelsten Sinne des Wortes , läßt sich in allen Arbeiten Jänickes verfolgen. Auch er konnte wie Haupt zum Zwecke der Ausgabe eines Denkmales die gesammte gedruckte deutsche Litteratur des Mittelalters wieder lesen. Nur auf diese Weise konnten die reichen {trächtigen Anmerkungen zu Biterolf u. s. w. entstehen; wie er an diesem Fleiße auch andere theilnehmen läßt, davon wird u. A.Le.xer zu erzählen wissen. Der gelehrten Thätigkeit Jänickes in ihrer Gesammtheit aber gibt K. Müllenhoff ihre Bestimmung. Schon die Dissertaiion Jänickes De dicendi usu Wolframi de Eschenbach, auf Grund deren er zu Halle Michaelis 18G0 promoviert, /.engt davon. Das Zurückweichen der Sprache des Volksepos vor der eindringenden höfischen Dichtungsart an einer Reihe von hervorragenden Wörtern und Constructionen nachzuwei die — glücklich gelöste — Aufgabe dieses Schriftchens. \\ ie glücklich die Zeit war, da Jänicke unter Müllenhofffl Leitung dieser Arbeit , weil.; ich aus .seinem Munde. Vor der Hand war es ihm aber nielit gegönnt in der fruchtbaren Nähe dieses verehrten Mannes zu bleiben. Wie manchen andern trieb auch dm des Lebens bittersüße Pflicht hinaus, nach •einem Nahrungszweiglein sich umzu ehen. Das Lectionsrerzeichnisa von Prag fehlte. i - Blittheilung vieler Einzelheiten au- dem Leben des Verstorbenen, die • n-i entgangen wären, bin icb W. Wilmanns zu Dank verpflichtet, In dei Ztscbr, f. '1. i. ii 1874, s- 17 1 leimt abei Wilmanns den 21. Januar als Geburts- tag Jänicl "ii die Angabe der vita binter J . Dissertation, "■> Jun. steht, am' einem Druckfehler beruhen nun'.'. 504 M1SCELLEN. Als Probecnndidat kommt er im Jahre 1860 an die Realschule 1. Ordnung nach Meseritsch, Ostern 1862 als Adjuuct an die Ritterakademie zu Branden- burg, 1864 an die höhere Bürgerschule zu Wriezen. Hier legt er durch seine Verheirathung den Grund zu seinem glücklichen Ehe- und Familienleben, das Jänickes Haus jedem Freunde und Fremden so heimlich machte, und erst nach neunjähriger Abwesenheit kehrte er in die Stadt, da er die glücklichsten Stunden der ersten Gelehrtenthätigkeit verlebt hatte, zurück. Das Herbe in Städtchen ohne hinreichende Hilfsmittel für seine litterarische Thätigkeit leben zu müssen, hat Jäuicke somit lange genug empfunden. Doch feierte er hier nicht. Neben manchen Studien, die seinen späteren Arbeiten zu Gute kommen mochten, ar- beitete er in Brandenburg eine Deutsche Rechtschreibung und Formenlehre für die unteren uud mittleren Klassen höherer Lehranstalten aus. Praktisch päda- gogischer Sinn leuchtet aus dem Büchlein. Zu Wriezen entstand sein schöner Aufsatz: Über die niederdeutschen Elemente in unserer Schriftsprache, der im Programme der höheren Bürgerschule 1869 erschien. Die Ausgabe des Biterolf endlich ist in den Jahren der Entfernung von Berlin vollendet worden. Sie bildet mit Laurin und Walberan den ersten Band des Deutschen Heldenbuches. Michaelis 1869 kommt Jänicke als Oberlehrer an die städtische höhere Bürger- schule — jetzt Sophienrealschule — zu Berlin. Was er lange entbehrt hatte, die Gelegenheit reichlicher Hilfsmittel, den anregenden Verkehr mit Freunden, fand er wieder. Fleißiger als je arbeitet er an der Ausgabe der Wolfdietriche. Im Osterprogramme der städtischen höheren Bürgerschule vom Jahre 1871 erscheinen die Beiträge zur Kritik des großen Wolfdietrichs, im selben Jahre die Ausgabe des Wolfdietrich B im dritten Theile des Heldenbuches, dem 1873 die des Wolf- dietrich D folgt. Nebenher laufen in diesen Jahren die Vorbereitungen zu einer Ausgabe des Tristan für Zachers Germanistische Handbibliothek. Im Jahre 1870 war Jäuicke in Florenz, um die Tristanhandschrift zu vergleichen. Die Altdeutschen Studien, welche zu Müllenhoffs Geburtstage am 8. Sep- tember 1871 erschienen, enthalten Jänickes Ausgabe des Ritters von Staufenberg, voll der feinsten Bemerkungen über die Sprache der spätmittelhochdeutschen Zeit. Ausser diesen größeren Arbeiten enthalten Aufsätze und Anzeigen: Zeit- schrift für deutsches Alterthum, Zachers Zeitschrift für deutsche Philologie und die Zeitschrift für das Gymnasialwesen. Wie Gottfried von Straßburg die Dichtung, sollte Jänicke die Ausgabe nicht vollenden. Schon winkt dem mühevollen Leben der Kranz. Die Berufung nach Freiburg erreicht ihn als Todten. MÖDLING. JOSEPH STROBL. Jacob Grimm an Adelbert von Keller. Lieber freund, schnell durch alle Zeitungen flog die trauerbotschaft, doch bin ich Ihnen herzlichen dank schuldig für das mir mitgetheilte nähere, ich bin zwei, drei jähre älter als Unland, mithin schnittreifer, wozu kommt dasz er fast immer, bis auf die letzte kraukheit gesund war, ich seit einigen jähren vielfach kränkle, obschon die arbeit fortgeht, die lust daran unversiegt ist. so lauge mir das leben anhält, soll hoffentlich die kraft zu wirken währen, wahr- scheinlich erfreuen uns alle noch Untersuchungen, die Uhland über sage und lied ausgeführt hinterläßt, wie verlautet auch ungedruckte gedichte; wenn er MISCELLEN. 505 also vor den leuten schwieg, dichtete er für sich immer fort, melden Sie der trauernden witwe mein beileid, woran sie nicht zweifeln wird, es zeugt vom warmen schlag des volksgefühls, dasz man gleich nach dem tod die errichtung eines Standbildes beschlossen hat, wie lauge musten Schiller und Göthe darauf warten, mein beitrag soll nicht ausbleiben. Dieser tage empfieug ich die neusten ausgaben des Vereins, von Miehe- lants Zueignung war Uhlaud wol lange unterrichtet und hat wahrscheinlich scbon die aushängbogen in bänden gehabt. Riegers Walther von der Vogelw. langte aber nicht mehr zeitig au. der Renaus de M. ist die edelste bliite des französ. epos und in vielem betracht, nach inhalt wie form, ein herliches werk, ich freue mich der reinlichen ausg. , die alles übertrifft was an den alten dichtem jetzt zu Paris geleistet wird. Mich ziehen zwar alle an, es besteht darin eine grosze einförmigkeit, sie wird aber durch das einzelne vergütet. Sind noch eiu paar fehlende Werke gedruckt erschienen, so wird sich über die Karlin^ischen ge- diehte fruchtbar sehreiben lassen. Was davon zu uns über den Rhein draug bedeutet weniger, manches bild, manchen zug mögen aber die Pranken iu ihrer brüst schon aus der heimat hin nach Gallien getragen haben. Sie werden froh sein, den Simplicissimus nun abschütteln zu können . Wo haben Sie die beilage vom Simpl. arzt aufgetrieben; ich wüste gar nichts davon. Aus der andern beilage sehe oder meine ich zu sehen, dasz die hülfe zum schwäbischen wörterb. oft versagt hat. wer solchen arbeiten sich unter- zieht, weisz dasz die hauptsache auf die eigne kraft gewiesen ist. endlich habe ich zu München durchgesetzt, dasz Schmellers ergänzungen gedruckt werden. Es fuhr mir wöl durch den köpf über Stuttgart und Tübingen heim zu reisen, was ich aber von Stalin und andern mehr hörte, war, daß keiner zu dem kranken gelassen werden solle, jetzt bereue ichs zu spät. Hier füge ich meine Photographie bei. Ganz der Ihrige Berlin 29. nov. 1862. Jac. Grimm. Denkmal für Walther von der Vogelweide. Der nachstehende Aufruf ist mir zur Veröffentlichung in der Germania mitgetheilt worden und sei allen Lesern dieser Zeitschrift warm empfohlen. Aufruf! I>.i- schöne Waltherfest auf der Vogelweide ist verklungen und ein schlichter Denkstein dem Sänger gesetzt. Die erhabene Peier ist Jedem anvergeßlich, der ihr beigewohnt. Aber dir grüßte deutsche Lyriker des Mittelalters verdient ein würdigeres, ein ehernes Denkmal. I» geferti • • Oomitd hat deßhalb den Entschloß lt- i':i>st, dem ansterblichen Sänger ein Brzdeukma] in Bozen, der letzten denl ichen Stadt, nahe au der Sprach- grenze zu errichten. Ea ich mm vertrauensvoll an Österreich, wo Walther Bingen und :i gelernt, wonniglichen Bof and dessen edle Pursten er in seinen eiert, an Österreich, wo er zuerst der Minne Lust und Leid er- fahren und besungen. 506 MISCELLEN. Herren und Frauen unseres herrlichen Kaiserstaates! Ehret das Andenken des unsterblichen Dichters, der Österreichs Ehre gefeiert. Allein Walther ist auch der edelste aller deutschen Sänger der früheren Zeit. Er hat Deutschlands Größe und Lob in vollendeten Tonen verkündet, dessen Ringen und Kämpfen verherrlicht und das Sinken und Zerfallen deutscher Macht in erschütternder Weise betrauert. Wir hoffen deshalb , daß das deutsche Volk die Errichtung eines Walther- Denkmales in Bozen unterstützen und fördern werde. Das deutsche Volk wird dadurch nur einer alten Ehrenschuld gegen seinen größten deutschen Lyriker des Mittelalters gerecht werden. Bozen, im Oktober 1874. Dr. H. Desaler, Advocat, Dr. C. Knoflach, Notar, Dr. G. v. Kofier, Gutsbesitzer, A. M i ch a eler , k. k. Gymnasialprof., Pli. Neeb, k. k. Forstmeister, G. Seelos, Landschaftsmaler, Ch Schneller, Landesschulinspector, J. Sehueler, Bürgermeister, A. Wachtier, Handelsmann, Dr. A. Zingerle, k. k Univ.-Piof, Dr. J. Zingerle, k. k. Universitäts-Professor. Im Anschluß daran theile ich das von mir für die am 3. üctober ge- haltene Waltherfeier verfasste mittelhochdeutsche Lied mit. Hern Walthers sanc. Mir ist ein niuwez msere komen, ichn hän so liebes niht vernomen bi minen tagen ze deheinen ziten. Ich vreische al umbe und über al daz liut von berge und üzme tal zer Vogelweide beide gän und riten. Ja vröwet sie der liebe vunt, daz in diu ßtat ist worden kunt, der Vogelweider erbegrunt, dar umb die wisen lange pflägen strtten. Noch hoere ich guoter msere me, daz ez in tiutschen landen ste in disen ziten rehte al nach den ercn. Daz riche deist berihtet wol, der keiser waltet als er sol und wil den tiutschen namen höhe ineren. Er wert den pfaffen ungefuoc, des riches vint er nid er sluoc, der ger nach unsern landen truoc: vrou Saelde müeze ir regen üf in reren. Nu kumt uns rilich wider diu sät, die ouch min haut geströwet hat, do ich gesanc den pfaffen und den leien. MISCELLEN. 507 So wol mich daz ich wart geborn ! min arebeit ist niht verlorn: ein richer herbcst volget n&ch »lern meien. Tr tiutschen wip, ir tiutschen man, den got so höher sseldcn gan, sit hohes muotes allez an und lät uns vroelich tanzen unde reien. [NNSBRUCK, 1. October 1874. K- B. Bei diesem Anlaß mö^e auch, da der Raum es gerade gestattet, ein nach J. Grimms Tode verfasstes Gedicht eine Mittheilung finden. Jacob Grimm. Sol aber ez ie noch meie sin nach dirre winterkalten naht? Uns hat den lichten sunneschin ein trüebez wölken gar bedaht. Mich dunkct daz nie inere üf erden ein rehter meie künne werden : so breit i*t nü des tödes mäht. Uns ist ein schade gröz geschehen an unsers meisters hinevart, Dem al diu weilt des muose jehen, daz nie deheiner bezzer wart. Der wisheit hört, der künste kröne truoc er uf sinem houbet schöne und in dem herzen sin verspart. Wer sol die wiselösen schar nü leiten, sit er hinnen ist? Ir gap so riche geistes nar sin minneclichiu mitewiet. Ir vater wsere du entriuwen; si mac von herzen relite riuwen, daz du von in genomen bist. Ow§ daz also richer hört sol jaemerlich zer erde Ligen! Kunst unde 1 i st ßint an ein ort mit einem töde gar gedigen. Daz riche stäl du vogetes I wer ist so wert der berre waere? ir aller herre ist bin gesigen. K. B. Denkmal für Hoffmann von Fallersieben. Eoffmann von Fallersleben wird gegenwärtig auf einem der schönsten Plätze Corveys, in der Nähe der Bibliothek, ein Denkmal errichtet, bestehend Büste in mehr als Lebensgröße auf einem mit Reliefs geschmückten Postamente. 508 MISCELLKN. Personalnotizen. An der Universität München hat sich Dr. von Amira, ein Schüler K. Maurers, für nordische Rechtsgeschichte habilitiert. Der Privatdocent Dr. C. Gust. Andresen in Bonn ist zum außerordent- lichen Professor in der philosophischen Facultät daselbst ernannt worden. Dr. A. Bezzenberger hat sich an der Universität Göttingen für Lin- guistik habilitiert. An der Universität Breslau habilitierte sich am 14. Decemb. 1874 für das Fach der deutschen Sprache und Litteratur Dr. Felix Bober tag mit einer Abhandlung über Grimmeishausens simplicianische Schriften (8. 34 S.J. Die von ihm vertheidigten Thesen sind: 1. Grimmeishausen war in der letzten Zeit seines Lebens katholisch, früher wahrscheinlich Protestant. 2. Der Begriff der Kunst ist von dem Begriffe der Poesie nicht zu trennen. 3. Deutsche Grammatik als Anweisung, die deutsche Schriftsprache richtig zu gebrauchen, ist nothwendig und wissenschaftlicher Begründung fähig und bedürftig. 4. Die Erlernung der altdeutschen Sprache gehört nicht zu den Zwecken des Gym- nasialunterrichtes. An der Universität Leipzig hat sich am 30. October 1874 Dr. Wilhelm Br»une für deutsche Sprache und Litteratur habilitiert; seine Habilitations- schrift ist die "über die Quantität der althochdeutschen Endsilben in den von ihm und H. Paul herausgegebenen Beiträgen II, 125 — 167. Der Gymnasialprofessor Dr. Heinrich Hirzel ist zu Ostern 1874 als ordentlicher Professor der deutschen Sprache an die Universität Bern berufen worden. Dr. Adalbert Jeitteles, Bibliotheksscriptor in Graz, hat Michaelis 1874 einen Ruf als Bibliothekar an die Universitätsbibliothek zu Innsbruck angenommen. Der außerordentliche Professor E. Mall in Münster folgte Michaelis 1874 einem Rufe als ordentlicher Professor der neueren Sprachen (romanisch und englisch) an die Universität Würzburg. Am 3. September 1874 starb in Lemnitz (Altenburg) der bekannte Lin- guist Geh. Rath Hans Conon v. d. Gabelentz im 67. Lebensjahre. Am 20. September starb in Berlin der hochverdiente Senior deutscher Germanisten, Gustav Homeyer, im 80. Lebensjahre. Ein Katalog der von Moriz Haupt und Karl Schiller nachgelassenen Bibliotheken ist bei Mayer und Müller in Berlin (Französische Straße 38) er- schienen. Die erste Abtheilung: Deutsche Philologie, umfasst auf 78 Seiten 2626 Nummern, wozu noch ein Anhang von 4 Seiten kommt. Berichtigungen. S. 297 letzte Zeile am Anfang fehlt: nicht; S. 337 Z. 6 lies Oft statt Ofl. PF Germania 3003 G4 Jg. 19 PLEASE DO NOT REMOVE CARDS OR SLIPS FROM THIS POCKET UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY