ss- -AMPRECHTS ALEXANDER
HERAUSGEGEBEN UND ERKLÄET
VON
KARL KINZEL.
GERMANISTISCHE HANDBIBLIOTHEK
HERAUSGEGEBEN von JULIUS ZACHER.
VI.
LAMPEECHTS ALEXANDER
HERAUSGEGEBEN UND ERKLÄRT
VON
KARL KINZEL.
HALLE a. S.,%
VERLAG DER BUCHHANDLUNG DES WAISENHAUSES.
18 84.
LAMPRECHTS ALEXANDER
NACH DEN DREI TEXTEN
MIT DEM FRAGMENT DES ALBERIC VON BESANQON UND DEN LATEINISCHEN QUELLEN
HERAUSGEGEBEN UND ERKLÄRT
VON
KARL KINZEL.
HALLE a. S.,
VERLAG DER BUCHHANDLUNG DES WAISENHAUSES.
1884.
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Vorwort.
Als ich im jähre 1877 einer aufforderung des herrn Pro- fessors Zacher folgend mich zur herausgäbe von Lamprechts Alexander entschloss, vermochte ich nicht zu übersehen, welche grossen hindernisse mein beruf der bewältigung dieser arbeit bereiten würde, bei 26 — 28 wöchentlichen Unterrichtsstunden und der correctur deutscher arbeiten von drei oder vier gefüll- ten Massen (neben einer lateinischen) konnte ein werk nur langsam und bruchstückweise gefördert werden, das möglichst ungestörte, zusammenhangende arbeit erfordert hätte, wenn es dem gesteckten ziele nahe gebracht werden sollte, wie weit ich hinter demselben zurückgeblieben bin, ist mir wol bewusst. zu besonderem danke bin ich dem herausgeber dieser Sammlung verpflichtet, welcher mich in aufopfernder weise mit rat und tat gütigst unterstützt hat. leider verhinderte ihn eine schwere krankheit der druckrevision des textes seine teilnähme zuzu- wenden, doch haben die anmerkungen wesentlich durch seine bemerkungen gewonnen, ohne dass ich dies in allen einzelheiten kenntlich machen konnte, in diesen anmerkungen stellte ich mir die aufgäbe, neben der interpretation den Sprachgebrauch des Alexander möglichst vollständig und im zusammenhange mit der gesamten litteratur des 11. 12. Jahrhunderts zur dar- stellung zu bringen, besonders da, wo unsre Wörterbücher im stich lassen, was für diese periode nur allzu häufig der fall ist. zu dem zwecke ist die ganze litteratur dieser zeit durchforscht
Vi Vorwort.
und ein ziemlich umfangreiches material verarbeitet, dessen wei- tere ausnutzung durch das register erleichtert wird, ich hoffe hierdurch einen ersten umfassenderen anfang für die kenntnis des Sprachgebrauchs und des epischen Stils in der vorklassischen periode gemacht zu haben, als es durch behandlung einiger Wendungen in der einleitung hätte geschehen können; Jänickes anmerkungen zum Biterolf und Martins zur Kudrun waren mir Vorbilder, möglichster knappheit habe ich mich befleissigt, um das buch nicht unnötig anzuschwellen.
Von einer textconstruction abzusehen schien mir durchaus geboten, dem in V nur bruchstückweise erhaltenen gedieht Lamprechts den ursprünglichen dialect aufprägen zu wollen, halte ich für ein wertloses kunststück, so lange es nicht gelingt, seine heimat genau zu bestimmen, ich betrachtete es also als meine aufgäbe , bei der Überlieferung im allgemeinen zu beharren und diese von fehlem und groben schreiberwillkürlichkeiten zu reinigen, und zwar in der richtung zum md. hin. die Vorauer handschrift zeigt ein gemisch von md. und hd. formen; dieses war beizubehalten, doch ist u. a. für ü immer ü gesetzt, weil es mit u wechselt, dem original angemessen war und durch- aus nicht immer wirklich uo bedeutete; für eu ist immer tu geschrieben, weil dies oft daneben vorkommt und dem original näher steht, auffällige formen wie wisseheit, wertlieh sind nicht beseitigt, wenn sie sonst nachweisbar waren, wirkliche ent- stellungen des Schreibers wie geseit : niet für geseiet sind cor- rigiert, während sonst die reime wie samt : namen für samen etc. unverändert beibehalten wurden, überall war ich bestrebt, auch im kleinsten die handschriftliche lesung unter dem texte zur anschauung zu bringen, um die erneute benutzung des Diemer- schen abdrucks oder auch der handschrift möglichst unnötig zu machen, die abschnitte sind meist beibehalten, weil die Über- einstimmung der handschriften beweist, dass sie dem original
Vorwort. VH
entstammen, auch im Strassburger Alexander sind alle abwei- chungen von der handschrift unter dem texte bemerkt, ausser dem Wechsel von u v und i j und den abktirzungen für n, er, us etc. der text von B musste wegen seiner selbständigen fassung überall vollständig gegeben werden, die Zählung des Vorauer Alexander ist neu, Diemers daneben verzeichnet, im Strassburger folgte ich der Zählung Massmanns nach seinen 'Gedichten', um nicht durch eine neue die Verwirrung zu ver- grössern, Weismanns ist am rande angegeben.
So hoffe ich, das vollständige material zum ersten male und möglichst correct zusammengestellt zu haben, und dies wird dem zwecke der Zacherschen handbibliothek am meisten ent- sprechen.
In bezug auf die Historia de preliis war ich genötigt, mir eigne wege zu bahnen, einen wertvollen teil des materials, welchen ich der gute des herrn directors Yolkmann verdanke, durfte ich nur benutzen, wenn ich auf eine ausgäbe derselben verzichtete, eine solche konnte aber auch nach läge der sache nicht in meinem plane liegen, dagegen musste ich versuchen auf beschränktem räume alle mir zugänglichen recensionen, soweit dies inhaltlich und formell für Lamprechts gedieht von bedeutung war, zur anschauung zu bringen, hierbei besonders im ersten teil die erweiterte fassung zu gründe zu legen und daneben die abweichungen der älteren texte zu verzeichnen, soweit sie für unsern zweck in betracht kamen, schien mir auch um deswillen den vorzug zu verdienen, weil der Basler text zu berücksich- tigen war, welcher eine interpolierte Historia benutzte, und weil auch Alberich - Lamprecht nicht mehr einen reinen text der- selben vor sich hatten.
Die einleitung endlich beschränkt sich darauf, die nächst- liegenden iragen zu erörtern, für manches konnte ich auf einzeluntersuchungen verweisen, welche ich dieser ausgäbe hatte
VTTT Vorwort.
vorangehen lassen, ich war auch hierin bemüht, den umfang des buches zu verringern, den anspruch, in einem solchen alle auf den dichter und sein werk bezüglichen fragen gelöst oder erörtert zu finden, halte ich für unberechtigt.
Allen, die mich sonst noch bei meiner arbeit unterstützt haben wie herr dr. Knieschek durch mitteilungen aus dem cechischen Tristram, meine freunde professor Paul Piper durch collation der Yorauer handschrift, dr. Löschhorn bei durchsieht des französischen und dr. Bolte des lateinischen textes, sage ich hiermit meinen verbindlichsten dank.
Berlin, Sonnabend vor Palmarum 1884.
Kinzel.
Inhalt.
Einleitung :
I. Die handschriften und das Verhältnis
der texte XI— XVII
II. Die Historia de preliis Alexandri Magni XVII— XXIX
III. Das Verhältnis des Alexanderliedes zu
seinen quellen XXIX — LI
A. Lamprecht und Alberich . . XXIX— XXXII
B. Vorauer und Strassburger Ale-
xander XXXII— XXXVIII
C. Alberich - Lamprechts lateini-
sche quellen XXXVIII— LI
IV. Die spräche der deutschen texte . . LI — LVII V. Abfassungszeit des gedichts und seiner
Überarbeitung LVII— LXVIII
VI. Metrik LXVin— LXXX
Text:
Einleitung des Basler Alexander .... 1 — 24 Die drei bearbeitungen des Alexander nebst dem bruchstück der französischen und
den lateinischen quellen 25 — 385
Anmerkungen 387—520
Kegister 521-543
Einleitung.
I. Die handschriften und das Verhältnis der texte.
Lamprechts Alexander ist uns in drei handschriften über- liefert:
Y codex no. XI der bibliothek des regulierten chorherrn- stifts Vorau in Steiermark, die handschrift besteht aus 183 pergamentblättern in breitem folio, format 47 cm. : 33 cm., mit je zwei sechsundvierzigzeiligen spalten und unabgesetzt geschrie- benen versen* während der 2. teil fol. 136b — 183 das leben kaiser Friedrichs I. von Otto von Freising enthält, ist der erste nach Scherers Vermutung (Geistl. Poeten II. QFVII, 28) aus vier sammelhandschriften entstanden , denen die Kaiserchronik (DKchr. herausgegeben von Diemer Wien 1849) vorangestellt, andre gedichte, wie die jüngere Judith und der Alexander eingefügt wurden, dieser findet sich fol. 109* — 115° und ist mit den andern deutschen gedichten abgedruckt bei Diemer, Deutsche gedichte des XI. und XII. Jahrhunderts Wien 1849. die hand- schrift ist im wesentlichen von einer hand um die mitte des 12. Jahrhunderts geschrieben; da nun Vorau 1163 gestiftet wurde, so werden wir die entstehung derselben wenig später anzusetzen haben, vergl. Diemer einl. s. 3. 6. 10. 11. Z. f. d. a. 2, 223 flg. eine collation des Alexander verdanke ich der gute meines ver- ehrten freundes Prof. Paul Piper in Altona.
S Strassburger pergamenthandschrift C. V. 16. 6. 4°, nach fol. 2 einst eigentum des Coli. Soc. Jesv Molshemy in Nider-Elsass, das erst 1618 gestiftet wurde, vergl. Massmann, Denkmäler deutscher spräche und litteratur aus handschriften des 8. — 16. Jahrhunderts München 1828 (s. 1), wo der Alexan-
Xii Einleitung.
der zuerst abgedruckt, und Massmann, Deutsche gediente des 12. Jahrhunderts Quedlinburg und Leipzig 1837 (s. VII), wo der abdruck mit den übrigen stücken der handschrift wiederholt wurde, dieselbe bestand aus 30 blättern, zweispaltig zu je 56 zeilen beschrieben, die reimzeilen nicht abgesetzt, aber durch punkte getrennt, blatt lab unbeschrieben. lc — 9b (zwischen 8 und 9 fehlt ein blatt) Vom glouben. 9b — 13 c Letanie. 13c — 29 a (zwischen 14 und 15 fehlt ein blatt) Alexander. 29 a — 30° Pilatus, unvollständig. darunter von der hand, welche alle gedichte schrieb:
Captiuante Saladino irotitanos (1. Hierosolymitanos)
Annos millenos centenos octoagenos
Septenosque revoluerat incarnatio verbi.
An stelle der verbrannten handschrift benutzte ich eine, anscheinend sehr sorgfältige collation des Alexander von Franz Roth, im besitz der kaiserlichen universitäts - und landes- bibliothek zu Strassburg, welche mir von derselben gütigst zur benutzung überlassen wurde. diese war im jähre 1847 für Weismanns ausgäbe des Alexander (2 bände Frankfurt 1850) angefertigt, der herausgeber druckte hiernach die Strassburger handschrift mit einigen Verbesserungen ab und gab in einem anhange die abweichungen der Vorauer handschrift an, deren text er (gegen Diemers auffassung) für jünger und, abgesehen von seiner unvollständigkeit, für durch 'ungeschickte Verstümm- lungen und zusammenziehungen entstellt' hielt, die lücke in S füllte er durch die verse von V 510 — 804 (nach seiner Zählung) aus, indem er ihre Orthographie der von S anähnelte, die Strassburger handschrift war offenbar sehr sorgfältig geschrieben und durchcorrigiert. correcturen sind so selten wie fehler, und wo sie nach Roths angäbe gemacht sind, wird durch die von Roth faesimilierten stellen die Sorgfalt sichtbar.
B Basler papierhandschrift aus dem anlang des 15. Jahr- hunderts E. VI. 26, bestehend aus 217 folioblättern, enthält eine weltchronik, in welche der erweiterte und umgearbeitete Alexander Lamprechts fol. 22 — 67 so eingeschoben ist, dass dadurch ein satz entzweigeschnitten wird (vergl. Die Basler
I. Handschriften und Verhältnis der texte. XIII
bearbeitung von Lambrechts Alexander herausgegeben von R. M. Werner. Tübingen, Litt. Verein CLIY. 1881. s. 216). den hauptinhalt der handschrift, auf welche zuerst W. Wacker- nagel (Die altdeutschen handschriften der Basler Universitäts- bibliothek. Basel 1836 s. 31 flg.) aufmerksam gemacht hatte, bildet die Repgauische chronik (cf. A. Bernoulli, Anzeiger f. Schweiz, gesch. 13, 25 fl.) , welcher auch ein bisher unbekann- tes Trojanerlied fol. 14 — 17 (cf. Germania 28, 30 fl.) einge- fügt und ein auszug aus Rudolfs von Ems Weltchronik fol. 1 — 14 (cf. Zacher Z. f. d. ph. 10, 89) vorgesetzt ist. ich benutzte eine abschrift Zachers, welche ich mit Werners abdruck genau ver- glich, abweichungen und zweifelhafte- stellen konnte ich aus der handschrift selbst corrigieren, die mir 1882 auf der hiesigen universitäts-bibliothek gütigst zur benutzung gestellt wurde, vergl. Z. f. d. ph. 14, 383 flg. über die Schicksale der handschrift vergl. Werner, Die Basler bearbeitung von Lambrechts Alexan- der untersucht, Wien 1879 s. 44.
Nachdem Diemer im jähre 1841 die Vorauer handschrift des Alexander entdeckt hatte, trat er sogleich in seiner ausgäbe der frage nach dem Verhältnis des textes zu dem seit dem jähre 1824 bekannten Strassburger nahe und entschied sich p. XLII für die priorität von V. in demselben sinne äusserte sich Wacker- nagel in der litter aturge schichte (1848 — 55) 1. a. s. 171, wäh- rend zuerst Weismann in seiner ausgäbe p. XXI, dann Holtzmann 1857 (Germania 2, 32 flg.) die entgegengesetzte ansieht vertra- ten, dieser noch nachdem 1852 das fragment des Alberich von Besancon durch Paul Heyse (Romanische inedita, Berlin 1856) be- kannt gemacht worden war. eine gründliche Widerlegung gab 1873 J. Harczyk Z. f. d. ph. 4, 1 flg. er wies zugleich s. 11 flgd. nach, dass V und S auf zwei verschiedene recensionen des deutschen urtextes zurückgehen, 'unter denen die quelle von S dem arche- typon höchst wahrscheinlich näher stand als die von V benutzte handschrift'. ich habe in der Z. f. d. ph. 10, 16 darauf hin- gewiesen, dass sich ein zwingender beweis für diese annähme, zu welcher man nur durch die feinsten distinetionen gelangt, nicht erbringen lässt, und dass dadurch der wert von V keines-
XIV Einleitung.
wegs geschmälert wird, die Übereinstimmung der vorläge von
V und der von S muss immerhin sehr gross gewesen sein, und
V steht daher dem ursprünglichen gedieht sehr nahe, meine abhandlung a. a. o. stellte sich die aufgäbe , mit berücksichtigung aller einzelheiten ein bild von der entstehung des Strassburger textes zu geben und zu zeigen, wie der Überarbeiter gegen den wenige Jahrzehnte älteren text vorgieng, welche anforderungen der Vertreter der fortgeschrittenen kunst stellte und wie er ihnen genüge zu leisten verstand.
Die Vorauer handschrift schliesst das gedieht Lamprechts mit der Sammlung des Persischen heeres ab, fügt in unklarer darstellung einen kurzen schlachtbericht aus einer späteren stelle desselben an und endigt mit fünf ziemlich unpassenden versen, welche den schein erwecken wollen, als sei sowol Alberichs als auch Lamprechts gedieht hier zu ende, während doch der schluss- vers: 'hier ist zeit aufzuhören' das willkürliche verfahren verrät, ob dies dem Schreiber von V oder seiner vorläge zuzuschreiben sei, wird sich nicht entscheiden lassen, zumal da auch die selb- ständigen schlussverse aus lauter reminiscenzen früherer verse zusammengesetzt sind, dass Schreiber so plötzlich abbrachen, kam auch sonst vor, man vergleiche die handschrift h der Eneit (s. Behaghel, Eneit p. VIII), welche v. 12599 plötzlich aufhört, 'über den schluss in wenigen dürftig zusammengestoppelten ver- sen referiert' und mit den Worten schliesst: 'hier hat das buch ein ende', dafür, dass dem Schreiber von V die tat nicht zur last zu legen, könnte vielleicht sprechen, dass in den selb- ständigen versen mitteldeutsche reime übernommen sind, wie v. 1514 gesehen : niet für geschiet : niet, die er doch sonst, wenn auch wenig geschickt, zu ändern verstand wie v. 989. doch wird auch diese Vermutung hinfällig, wenn wir schon der vorläge von V den oberdeutschen character zuschreiben müssen, wie dem auch sei, 'die unvollständige Überlieferung wird auf mangel. an geschmack und liebe für den gegenständ beruhen' (Scherer QF 7, 60); aus den Übereinstimmungen aber mit der in S im richtigen Zusammenhang stehenden stelle S v. 3248 flg. geht hervor, dass der, welcher hier abbrach, ein vollständigeres gedieht Lamprechts vor sich hatte, über den schluss handeln
I. Handschriften und Verhältnis der texte. XV
Harczyk Z. f. d. ph. 4, 3, meine abhandlung ib. 10, 46 und Wer- ners Untersuchung über den Basl. AI. s. 45 flg.
Über das Verhältnis des Basler textes, welcher eine lüder- liche abschrift einer vielfach als dürftig sich darstellenden Über- arbeitung aus dem ende des 13. Jahrhunderts ist, zu den beiden andern texten handelte ich zuerst Z. f. d. ph. 10, 47 — 89 mit dem resultat, dass die vorläge der Basler handschrift trotz ihrer häufigen nahen Übereinstimmungen mit V auf eine gemeinsame vorläge mit S zurückweise, denn die Übereinstimmung von BS gegen V beruht zwar an einigen stellen darauf, dass BS das ursprüngliche haben, an andern aber bietet V gegen BS den text des Originals, während die lesart von BS sich als überein- stimmende bessrung erweist; diese fälle können allein beweisend sein, in einer gleichzeitigen Untersuchung war Werner (Unters. üb. d. Basl. AI.) zu dem entgegengesetzten resultat gekommen, doch ohne die Zustimmung seines recensenten zu finden (cf. Rödiger Anz. f. d. a. 5, 416 — 425). eine ausführliche Wider- legung brachte ich Z. f. d. ph. 11, 385 — 395, bd. 14, 380 fl. und endlich gegen Christensen, Beiträge -zur Alexandersage (pro- gramm, Hamburg 1883) in derselben zs. 16, 121 flg. das Ver- hältnis der texte wird also durch folgendes Schema dargestellt:
L
Lt L2
Bi
B2
Der text, welchen der compilator der Basler weltchronik in sein werk aufnahm, nimmt in sofern eine selbständige Stel- lung ein, als er Lamprechts darstellung wiederholt verlässt, um der ihm vorliegenden fassung der Historia zu folgen, und zu- gleich das so umgestaltete gedieht dadurch erweitert, dass er die fabelhafte Nectanebus -geschiente vorweg und eine anzahl andrer sagen hinterher erzählt, über den ersten punkt handelte zuletzt Christensen a. a. o. s. 15 flg. die von ihm besprochenen stellen, in welchen B der Historia direct folgt, lassen sich reichlich vermehren, wie meine ausgäbe zeigt, in der Z. f. d. ph. 16, 120 flg.
XVI «, Einleitung.
wies ich nach, dass B keinen der älteren texte der Historia vor sich hatte, sondern einen überarbeiteten, wie er durch die drucke etc. repräsentiert wird. diesem entnahm jener bearbei- ter auch den stoff zu den Zusätzen, veranlasst wurde er dazu gewiss schon ganz allgemein durch die sucht, welche mit dem 13. Jahrhundert hervortritt, in möglichster Vollständigkeit alles erreichbare über den helden zusammenzubringen und die erzäh- lungen zu einem riesigen umfang anzuschwellen, die Alexander- dichter jener zeit legen davon zeugnis ab, Rudolf von Ems an der Spitze, dessen gedieht schon im 6. buche (= Curtius VII, 7. cf. Zacher Z. f. d. ph. 10, 95) auf 21483 verse angewachsen ist. dann aber waren die Nectanebusgeschichte und die übrigen fabeln durch die Historia selbst und durch andre darstellungen1 weit und breit bekannt, setzt doch die polemik, welche Lam- precht nach der französischen quelle in seinem gedichte übt, grade die bekanntschaft mit der geburtsgeschichte voraus; denn er hoffte doch mit seinen worten V 71, 229 flg. verstanden zu werden, und der umdichter S würde bei seiner Selbständigkeit schwerlich den protest in solcher ausführlichkeit aufgenommen haben, wenn er zu seiner zeit unnötig gewesen wäre (vergl. Zs. f. d. ph. 10, 54). dem geschmacke des Überarbeiters im 13. Jahrhundert mochten aber diese fabeln genehm sein, welche den geistlichen wegen des ehebruchs und der Zauberei (vergl. Alex. v. 2990 flg.) anstössig gewesen waren, woher der Basler text dieser stücke stammt, lässt sich nicht feststellen; möglich wäre es, dass ihn der compilator aus einer älteren Alexander- dichtung nahm, deren namen wir durch Rudolf von Ems kennen, eine Vermutung, welche Zacher a. a. o. aussprach. er handelt auch über die herkunft der übrigen sechs abschnitte: taucher- glocke, luftfahrt, bäume der sonne und des mondes, missgeburt, Alexanders Vergiftung, testament und tod und Alexanders statur und lebensjahre, welche wir hier als mit der dichtung Lam- prechts in keinem Zusammenhang stehend übergehen, die Necta- nebus-fabel findet sich s. 3 — 24 dieser ausgäbe abgedruckt,
1) vergl. Zacher Z. f. d. ph. 10. einiges auch schon im Anno und der Kaiserchronik vergl. Z. f. d. ph. 15, 224,
II. Die Historia de preliis. XVII
einmal um Lamprechts beziehungen auf dieselbe zum vollen Verständnis zu bringen, dann um den anfang der Historia mit- zuteilen und zu zeigen, wo unsre gedichte dieselben zu benutzen anfangen.
II. Die Historia de preliis Alexandri Magni.
Über die sogenannte Historia de preliis (Historia1 oder Liber2 Alexandri Magni regis Macedonie de preliis; Liber3 oder Vita4 Alexandri) des Neapolitanischen archipresbyters Leo gab zuerst genauere auskunft auch in bezug auf das französische und deutsche gedieht Zacher in seinem Alexandri Magni Iter ad paradisum , Regimonti Pr. 1859 s. 8 flg. und in seinem Psetido- kallisthenes , forschungen zur kritik und geschichte der ältesten aufzeichnung der Alexandersage, Halle Waisenhaus 1867 s. 108 flg. einige weitere notizen brachte Toischer Über die Alexandreis Ulrichs von Eschenbach, Wien Gerold 1881 s. 58 flg. und zu- letzt Ausfeld, Über die quellen zu Rudolfs von Ems Alexander, Programm (no. 545) von Donaueschingen 1883 s. 2 flg. das Verhältnis der beiden hauptsächlichsten textrecensionen habe ich im ^einzelnen dargelegt in dem programm (no. 51) des Berlini- schen gymnasiums zum Grauen Kloster 1884 betitelt Zwei recen- sionen der Vita Alexandri Magni interprete Leone archipres- bytero Neapolitano, Berlin Gärtners Verlag 33 s.
Folgende handschriften und drucke sind benutzt: I, 1. B. Bamberg, E. III, 14. die benutzung einer abschrift derselben wurde mir von herrn director dr. Volkmann (Schulpforta) gestattet, über die handschrift handelte G. Waitz in Pertz' Archiv f. alt. d. gesch. IX 673 — 703 (vergl. ebenda VI, 48 f.). es ist eine sammelhandschrift in gr. 4°, 351 bl., 2 co- lumnen. zwei Schreiber des 11. Jahrhunderts, heimat Italien, auf Paulus Diaconus folgt fol. 192 — 219: Incipit prologus libri Alexandri. Certamina vel victorias excellentium virorum infide- lium etc. 193 incipit nativitas et victoria Alexandri M. regis.
1) Strassburger druck.
2) Utrechter druck.
3) Bamberger handschrift.
4) Münchener handschrift. Kinzel, Alexander.
XVIII Einleitung.
Sapientissimi namque Egiptiorum scientes mensuram etc. schluss: Duodecima Alexandria que dicitur Egyptus. hie finit vitam suam Alexander magnus et mirabilis rex. es schliessen sich hieran die verwandten oft zusammen abgeschriebenen stücke: f. 219 ineipit commonitorium Palladii; f. 222 Dindimus nomine Bragmanorum magister vitas eorum referens; f. 223 ineipit epistola Alcxandri regis ad Dindimum regem und antwort; f. 226 item responsio Alexandri ad Dindimum. ad hec respondit Din- dimus; fol. 227 antwort Alexanders. Waitz sah in diesem texte eine Überarbeitung des ursprünglichen Werkes in barbarischem latein, während jetzt Ausfeld a. a. o. nachweist, dass B dem original sehr nahe steht.
2. M. Cod. Monacensis 23489 sec. XII/XIII in 8° nach einer in Schindlers auftrage gefertigten und von ihm vergliche- nen abschrift in Zachers besitz, beginnt mit dem Prologus in vitam Alexandri: Certamina vel victorias excellentium virorum infidelium etc. pag. 3a beginnt die vita Alexandri: Sapien- tissimi namque Egiptiorum scientes mensuram terre etc. schliesst fol. 33 a: Duodecima Alexandria que dicitur Egiptus. explicit. hoc descripta lib° patet omni vita legenti. regis Alexandri victoria pugna. 1 ortus. scripsit Udalricus huic pmia sorte superna. det deus. et requie mentis viteque salutem. dies ist nach Ausfeld a. a. o. p. 4 die abschrift einer unmittelbar nach der Bamberger hs. gefertigten bearbeitung der Hdpr.
II. P. Pariser handschriften. die von prof. Wendelin Foerster gefertigte abschrift resp. collation mir zur einsieht überlassen von dir. dr. Volkmann.
1. Para. Cod. lat. paris. nouv. acq. 174 sec. XII/XIII. 46 fol. ohne prologus. beginnt: Sapientissimi namque Egiptii scientes mensuram terre atque undis maris dominantes et celestium ordinem agnoscentes id est stellarum cursum com- putantes etc. die handschrift ist lückenhaft und unvollständig, zu ergänzen aus den folgenden im wesentlichen mit ihr über- einstimmenden handschriften.
2. Parb. Cod. par. 14169 sec. XIII (? nach R. Suchier eher XL als XII. sec). ohne prologus. beginnt: Sapientis- simi Egipcii scientes mensuram terre atque undas maris
II. Die Historia de preliis. XIX
dominantes et celestia cognoscentes etc. am Schlüsse fehlt wie in der folgenden handschrift die aufzählung der von Alexander gegründeten 12 Städte Alexandria-, es folgen statt dessen einige hexameter.
3. Parc. Cod. par. 2477 sec. XIV. ohne prologus. beginnt: Sapientissimi namque Egyptii scientes mensuram terre atque undas maris dominantes et celestium ordinem cognos- centes id est etc. schliesst ohne die hexameter1).
III, 1. Be, eine soviel ich sehe bisher nicht benutzte Berliner Handschrift: Alexandri Magni historia, cod. lat. 49 in 8° sec. XV pap. es sind 96 blätter, mit bleistift von 1 — 94 numeriert, dazu 2b und nach 19 ein blatt übersprungen. 24 zeilen auf der seite. die Überschriften sind später einge- fügt, dazu ein eigner prologus: Tractatus philosophorum super his, que gessit Alexander rex. Quoniam tarn philosophorum quam poetarum dogmata pronuntiant antiquorum vitam formam (? normam) esse posteris etc.2). — fol. 2a, ende der ersten zeile: Incipit historia Alexandri Macedonis de vita artibus et nativitate eius translatum de greco in latinum. Sapientissimi quippe Egyptii scientes mensuram terre undasque maris et celestium ordinem cognoscentes id est stellarum cursum, motum etiam firmamenti tradiderunt ea universo orbi per altitudinem doctrine et per noticiam artium magicarum etc. schliesst fol. 87 a: Duodecima Alexandria dicitur Egyptus. explicit historia Alexandri pueri magni Phylippi Macedonis de nativitate actibus et morte ipsius. dann folgt bis 94 b ein nach wort, enthaltend allgemeine betrachtungen, moralisierend, mit mehreren gedienten auf Alexan- ders tod. fol. 90 a flg. ein brief des Mardacheus judeus anti- quissimus cupiens ab ydolorum eultura ad cognitionem dei altis- simi revocare. auch dieser brief3) ist de greco in latinum conscripta. die einteilung in abschnitte entspricht meist dem
1) über eine 4. Pariser hs. Bibl. nat. lat. No. 8514 vergl. Morel- Fatio Eomania IV S. 57 f.
2) abgedruckt in meinem programm s. 4.
3) er findet sich auch in der ndd. Übersetzung der Hist. (Berliner Kgl. Bibliothek) vergl. Z. f. d. ph. 16, 125.
b*
XX Einleitung.
folgenden druck, nicht so der Wortlaut der später hinzugefügten Überschriften, die handschrift wird gegen ende lüderlich und lückenhaft. — der text von Be stellt sich meist zu dem der folg. Strassburger drucke, s. mein progr. s. 5.
2. D, die drucke. Str, Strassburger, 37 zweispaltige blätter, in capitel eingeteilt, mit Überschriften, je drei zeilen eingerückt für die zu malende initiale, enthalten unter einander nur geringe abweichungen. ohne prologus.
a) Str. druck von 1486. titelblatt: Historia Alexandri m. regis macedonie de preliis. beginnt: Sapientissimi Egipcii scientes mensuram terre undasque maris et celestium ordinem cognoscentes id est stellarum cursum, motum etiam firmamenti tradiderunt etc. schliesst nach aufzählung der städte Alexandria mit einem capitel de sepultura Alexandri, in welchem die aus- sprüche der philosophen an seinem grabe aufgezählt werden: alius : heri habuit amicos et inimicos , hodie habet omnes equales. dann: Historia Alexandri Magni finit feliciter. Impressa Argen- tine Anno domini MCCCCLXXXVI finita in die sancti Calixti pape et martiris. gemalte initialen in dem exemplar der Ber- liner Königl. Bibl., keine buchstaben vorgedruckt.
b) Str. druck von 1489. stimmt zeilengetreu mit dem vorigen, enthält nur wenige abweichungen in abkürzungen und buchstaben, wie fol. 2a, 1 zeile 21 incantatione f. incantationes, z. 26 Anectabi f. Anectanabi, z. 28 Artaxerses f. Arthaxerses. notiz am schluss: Historia Alexandri magni finit feliciter. Im- pressa Argentine Anno domini MCCCCLXXXIX. Finita in die sancte Gerdrudis virginis1).
c) Str. druck von 1494, fast genau seitengetreu mit dem vorigen; den initialen sind kleine buchstaben vorgedruckt, hat weniger abkürzungen, einige abweichungen vom vorigen, wie 2a, 1 zeile 11 de astrologia für in astr., z. 23 claves navium f. classes navium, z. 28 Anectabe f. Anectanabe. notiz am
1) ein buchstäblicher nachdruck dieser ausgäbe soll sein: Historia A. m. regis macedonie de preliis etc. am ende: Hist. A. m. finit feli- citer Anno salutis MCCCCLXXXX finita vero die XVI mensis Novembris. Laus deo. 64 Bl.
II. Die Historia de preliis. XXI
schluss: Historia Alexandri magni finit feliciter. Impressa Ar- gentine Anno domini MCCCCXCIIIL Finita altera die Urbani.
3. Utr. Utrechter drucke. Incipit über Alexandri Magni regis Macedonie de preliis. beginnt: Sapientissimi Egipcii scientes mensuram terre atque undas maris dominantes et cele- stium ordinem cognoscentes id est stellarum cursum com- putantes dicunt de Neptanebo etc. schliesst wie die Strass- burger mit dem zusatze nach equales: Sufficit huic tumulus cui non suffecerat orbis. dann: Explicit hystoria Alexandri magni. ohne ort und jähr, einspaltig, die capiteleinteilung von den Strassburgern abweichend, die Überschriften kürzer, z. b. 1) in- cipit über Alexandri m. regis Macedonie de preliis umfasst cap. 1 — 2 ; 2) de victoria Philippi regis Str. cap. 3 — 6a ; 3) de nativitate Alexandri Str. cap. 6b; 4) de equo Bucephalus Str. cap. 7 — 8a; 5) de exitu Alexandri ad coronandum se Str. cap. 8b— 10 etc.
Utr. druck editio princeps rar. 1473. auf der Berliner Königl. Bibl. Incun. no. 777. ausserdem enthält diese bibliothek noch zwei exemplare eines andren drucks Incun. no. 777a und no. 1397 ex bibl. Dieziana. einteilung und Überschriften stim- men, doch finden sich im text abweichungen, z. b. auf dem ersten blatt: tenensque in manu virgam enenam f. eneam, siriis f. syriis, argis f. arginis, princips f. princeps.
Ich benutze im folgenden ein exemplar des Str. drucks von 1489 aus Zachers bibliothek mit einer von demselben gefertigten collation der letzteren Utrechter ausgäbe.
Eine eigentümlichkeit der älteren texte scheint schon der prologus zu sein mit dem anfange: Certamina vel victorias excellentium virorum infidelium ante adventum Christi, quamvis extitissent pagani, bonum et utile est omnibus Christianis ad audiendum et intelligendum, tarn prelatis quam subditis, videlicet secularibus et spiritualibus viris, quia cunctos ad meliorem pro- vocant actionem. nur vorreden mit diesem anfang sind echt, die jüngeren texte haben sie entweder fortgelassen oder durch andre ersetzt, wie oben gezeigt ist. der echte prologus aber, gedruckt in Alexandri Magni iter ad paradisum ed. J. Zacher Regimonti Pr. 1859 (einl. pag. 8), ist dadurch so interessant,
XXII
Einleitung.
dass er nach der allgemeinen einleitung mitteilung über die fast zufällige entstehung des büches macht, dem es vorbehalten war, die Alexandersage über das ganze abendland zu verbreiten.
Ist so das fehlen des prologus für die Zusammengehörig- keit der texte charakteristisch, so scheint es auch der Wortlaut des anfangs, die älteren texte haben Sapientissimi Egyptiorum, die erweiterten der gruppen II und III aber Sapientissimi Egyptii.
Eine Übersicht über den inhalt und die abweichungen der texte I und III versucht folgende tabelle zu geben:
|
M-B |
Lamprecht |
D |
Psk.-Yal. |
|
|
reihen- |
Inhalt der kürzeren fassung. |
|||
|
folge. |
S vers. |
cap. |
cap. |
|
|
no. 1 |
flucht des Nectanebus . . . |
1 |
I 1-3 |
|
|
2 |
Nectanebus bei Olimpias . . . |
2 |
4-7 |
|
|
— |
[drachener scheinung bei Phil.] |
3a |
— |
|
|
3 |
Philipps träum und rückkehr . |
3b |
8-9 |
|
|
4 |
drache beim mahl |
(cf. 159 fl.) |
4 |
10 |
|
5 |
schlänge aus dem ei ... . |
5 |
11 |
|
|
6 |
Alexanders geburt und gestalt. |
125 — 180 |
6a |
12. 13a |
|
7 |
Bucephalus gebracht .... |
270—307 |
7 |
13b |
|
8 |
Ph's Unzufriedenheit. N's tod . |
262 — 269 |
6b |
14 |
|
9 |
Bucephalus gebändigt . . . . |
308—420 |
ga |
15. 17 |
|
10 |
Alexanders ausrüstung . . . |
421—445 |
||
|
und kämpf mit Nicolaus . . |
446—451 |
8b. 9a |
18. 19 |
|
|
11 |
hochzeit der Cleopatra, Lisias |
|||
|
tod, Olimpias Versöhnung . |
452— (519*)) |
9b |
20—22 |
|
|
12 |
gesandte des Darius . . . . |
(546—585) |
10 |
23 a |
|
13 |
Armenia beruhigt |
(586—605) |
lla |
23 b |
|
14 |
Philipp ermordet und bestattet |
(606—637) |
llb 12 |
24 |
|
15 |
regierungsantritt Alexanders . |
(638 — 689) |
13 |
25. 26 |
|
16 |
zug nach Italien, Africa, . . |
(690—741) |
14 |
29. 30 |
|
17 |
Aegypten, Syrien, Tyrus . . |
(742 flg.) |
15 a |
31-35 |
|
— |
[lyrus (expedition nach Jeru- salem.) castell. kämpf (Jeru- |
15b — 16 fehlt Utr. |
— |
|
|
— |
salem)] |
bis 1421 |
— |
|
|
18 |
Darius brief mit geschenken . |
1422—1487 |
17. 18. |
36 |
*) Die eingeklammerten zahlen , bezeichnen das nur in der Vor. hs. über- lieferte nach Weismanns Zählung.
II. Die Historia de preliis.
XXIII
|
M-B |
Lamprecht |
D |
Psk. -Val. |
||
|
reihen- |
Inhalt der kürzeren fassung. |
||||
|
folge. |
S vers. |
cap. |
cap. |
||
|
19 |
Soldaten beruhigt, boten begna- |
||||
|
digt |
1488 — 1514 |
19 |
I 37 |
||
|
20 |
antwort Alexanders . . . |
1515 — 1592 |
20 |
38 |
|
|
21 |
Darius an die Satrapen . . |
1593—1611 |
21 |
39 a |
|
|
22 |
antwort derselben .... |
1612—1642 |
22 |
39 b |
|
|
23 |
Darius brief mit mohn . . |
2044—2062 |
23 |
(40) |
|
|
24 |
empfang desselben und nachric |
ht |
|||
|
von Olimpias |
2063 — 2087 |
24 |
|
||
|
25 |
Alexanders antwort mit pfeffer |
2088—2110 |
25 |
— |
|
|
26 |
kämpf gegen Aminta .... |
2129 — 2156 |
26 |
(41) |
|
|
Darius empfängt den brief . |
2111-2128 |
— |
|||
|
bestattung der toten . . . |
2157-2172 |
— |
|||
|
27 |
Ach.ai2i[I) Gilieia. Savinia]. Taurus. |
— |
27 |
— |
|
|
Persorpolis. Frigia. Scamander. |
— |
42 |
|||
|
Olimpias gesund |
2173 — 2185 |
|
|||
|
28 |
rückkehr nach. Persien: Abdira. |
2197-2242 |
28 |
43 |
|
|
Molitho. Caldeopolis. Xenis. |
— |
44 • |
|||
|
29 |
Locri. Apollotempel . . . . |
— |
29 |
45 |
|
|
30 |
Theben |
2243—2294 2295 — 2307 2308- 2318 |
30 31 32 33 34 |
46 |
|
|
31 |
Corinth |
47 |
|||
|
32 |
Platea |
LI, 1 |
|||
|
33 |
Athen |
2 |
|||
|
34 |
rede des Demosthenes . . . |
3-4 |
|||
|
35 |
geschenke der Athener u. brief |
||||
|
Alexanders |
— |
35. 36 |
5 |
||
|
36 |
Lacedemon. brief Alexanders. |
||||
|
kämpf ........ |
2319—2432 |
37 — 39 |
6 |
||
|
37 |
Persien, beratung des Darius . |
2433-2546 |
40. 41 |
7 |
|
|
38 |
Alexanders bad und heilung ) |
2547-2609 |
' 42. 43 |
8 |
|
|
39 |
Medien, Armenien, Andriaci. |
||||
|
brücke |
2610—2641 |
44 |
9a |
||
|
40 |
brücke nach dem Übergang zer- |
||||
|
stört |
2642—2699 |
45 |
9b |
||
|
41 |
kämpf gegen Darius1 generale. |
||||
|
Alexanders lebensgefahr . . |
2700—2804 |
46a |
9« |
||
|
42 |
Bactra erobert. Darius' familie |
||||
|
gefangen |
2805 — 2823 |
46 ,J |
fof. I 41] • |
||
|
43 |
Verräter des Darius von A. ab- |
||||
|
gewiesen |
2824—2851 |
47 |
10a |
||
|
44 |
brief der Satrapen an Darius |
2852—2875 |
48 |
10 b |
XXIV
Einleitung.
|
M-B |
Lamprecht |
D |
Psk. -Val. |
|
|
reihen- |
Inhalt der kürzeren fassung. |
|||
|
folge. |
S vers. |
cap. |
cap. |
|
|
45 |
brief des Darius an Alexander. |
2876—2910 |
49 |
II 10 c |
|
46 |
Alexanders antwort .... |
2911 — 2923 |
50 |
10d |
|
47 |
Alexander an die unterworfenen |
|||
|
Satrapen |
— |
51 |
lla |
|
|
48 |
meidung des satrap. Nostadi an |
|||
|
Darius |
— |
52 |
llb |
|
|
49 |
Darius antwort u. bitte an Porus |
— |
53 |
llc |
|
50 |
antwort des Porus |
2924—2943 |
54 |
12a |
|
51 |
Darius' mutter an ihren söhn . |
— ■ |
55 |
12 b |
|
52 |
list. Alex, als böte bei Darius |
2944—3181 |
56 |
13 — 15 |
|
53 |
A. ermutigt die seinen . . . |
3182—3201 |
57 |
16a |
|
54 |
Darius geschlagen flieht . . . |
3202—3383 |
58 |
16b |
|
55 |
Darius' klage u. brief an Alex. |
3384—3483 |
59. 60 |
16c. 17a |
|
56 |
rat des Parmenius. pflege der |
|||
|
verwundeten |
3484—3532 |
61 |
17b |
|
|
57 |
palast des Xerxes. gräber. ge- |
|||
|
fangne |
3533—3585 |
62 |
17 c. 18 |
|
|
58 |
Darius zweiter brief an Porus . |
3586 — 3661 |
63 |
19a |
|
59 |
an Alexander verraten . . . |
3682 — 3689 |
64 |
19b |
|
60 |
Darius ermordet, von A. gefunden |
3690—3768 |
65. 66 |
20 |
|
61 |
rede A.'s u. Darius' bestattung |
3769—3889 |
67. 68 |
21a |
|
— |
[beschreibung des throns.] |
— |
Str. 69 |
— |
|
62 |
edict Alexanders an die Perser |
3890—3911 |
70 |
21b |
|
63 |
bestrafung der mörder . . . |
3912—3981 |
71 |
21c |
|
64 |
Darius oheim dux in Persien . |
— |
72 |
22 a |
|
65 |
A.'s Vermählung mit Eoxane . |
3982—4057 |
73 |
22 b |
|
66 |
zug gegen Porus. rebellion in |
|||
|
Alexanders heer |
4058—4188 |
74 |
III, 1 |
|
|
67 |
brief Wechsel mit Porus. soldate* |
|||
|
ermutigt |
4189—4315 |
75—77 |
2 |
|
|
68 |
Porus heer |
4316—4327 |
78 |
3a |
|
69 |
kämpf |
4386—4609 |
79 |
3b |
|
[pallast des Porus erobert |
80 |
|||
|
— |
[Amazonen, briefwechsel s. u. |
— |
81—83*) |
|
|
— |
[zweiter zug gegen Porus. s. u.] |
— |
84—89 |
|
|
70 |
Zweikampf mit Porus und sieg |
|||
|
Alexanders |
4610—4761 |
90 |
4a |
*) Die cursiven zahlen sind solche, welche in BM an andrer stelle ihren platz rinden, also noch einmal dastehen.
IT. Die ITistoria de preliis.
XXV
|
M-B |
Lamprecht |
D |
Psk. -Val. |
|
|
reihen- |
Inhalt der kürzeren fassung. |
|||
|
folge. |
S vers. |
cap. |
cap. |
|
|
71 |
Oxidraces - gymnosophiste . . [säulen des Hercules, iveiber, |
4762—4889 |
91 — 93 |
4b— 6 |
|
— |
ungeheuer [elephanten in Indien, mulie- |
— |
94. 95 |
|
|
— |
res barbate [nackte. Jcynocephali. stürm. |
— |
96. 97 |
|
|
— |
kälte, regen |
— |
98 |
LTI 17 k |
|
[Bragmanen. hippopotami. |
||||
|
— |
cocodrilli |
— |
99 |
[cf. Zacher |
|
scorpiones. briefwechsel mit |
p. 145] |
|||
|
— |
Didimus |
— |
100—104 |
|
|
— |
[Siegessäule errichtet .... |
— |
105 |
|
|
72 |
brief an Aristoteles : bitter- |
|||
|
wasser |
4928—4943 |
84 |
in 17e |
|
|
73 |
stadt im flusse. bestien . . . |
4944—4959 |
85 |
LTI 17e |
|
74 |
süsswasser und wilde tiere . . |
4960—5019 |
86. 87 |
m 17f |
|
75 |
scbweine , sechshänder , odon- tirannus. fuchse, crocodile. |
[cf. II 34] |
||
|
fledermäuse |
5020—5055 |
88 |
HI 17&h |
|
|
76 |
Acia. giganten |
5056-5098 |
106 |
[n 32] |
|
77 |
homo agrestis pilosus .... |
5359—5410 |
107 |
[U 33] |
|
78 |
bäume mit der sonne wachsend. |
[U 36] |
||
|
dämonen. kleine vögel . . |
5099-5142 |
108 |
||
|
— |
[basiliscus |
— |
Str. 109 |
|
|
79 |
fines oceani. griech. Insulaner |
5489 — 5510 |
126 |
[H 35. 38] |
|
80 |
bäum ohne laub. Phoenix . . |
5143—5156 |
lllb |
|
|
81 |
palast der sonne |
5411 — 5472 |
110. 111 |
in 28 |
|
— |
[arbores solis et lune . . . |
— |
112 |
ni iv |
|
— |
[zwei denksäulen errichtet. . |
— |
Str. 113 |
|
|
82 |
land Prasiaca. fischhäute . . |
5473 — 5488 |
114 |
III 17 |
|
83 |
Candacis . . . |
5511-6464 |
115 — 121 |
in 18—24 |
|
84 |
Amazonen |
6465-6579 |
81—83 |
HI 25. 26 |
|
— |
[wilde tiere. flussweiber . . |
— |
122 — 124 |
|
|
— |
[12 könige besiegt: Gog, |
|||
|
Magog etc |
— |
125 |
||
|
— |
[von greifen in die luft getragen |
— |
127 |
|
|
— |
[die tiefen des meeres erforscht |
— |
128 |
|
|
— |
[einhörner. gehörnte schlangen |
— |
129. 130 |
|
|
— |
[rinocephali. Bucephalus stirbt |
— |
131. 132 |
|
|
— |
[fluss Tyrus ...... |
— |
133 |
XXVI
Einleitung.
|
M-B |
Lamprecht |
D |
Psk. -Val. |
|
|
reihen- |
Inhalt der kürzeren fassung. |
|||
|
folge. |
S vers. |
cap. |
cap. |
|
|
85 |
palast des Xerxes mit wundern |
|
134 |
in 28 |
|
— |
[Babylon, brief an Olimpias |
|||
|
und Aristoteles .... |
— |
135 |
||
|
|
[antwort des Aristoteles . . |
— |
136 |
|
|
|
[thron und kröne Alexanders |
— |
137. 138 |
|
|
86 |
Wunderkind, bitte an Jupiter . |
— |
139. 140 |
in 30 |
|
87 |
Antipaters verrat |
— |
141. 142 |
in 3i |
|
— |
[Vergiftung Alexanders . . . |
— |
143. 144 |
|
|
88 |
brief an Aristoteles: testament |
— |
145 |
|
|
89 |
naturerscheinungen .... |
— |
146a |
|
|
90 |
antwort des Aristoteles . . . |
— |
136 |
in 27 |
|
91 |
brief A's an Olimpias : säulen des |
m 27 |
||
|
Hercules, weiber, ungeheuer |
— |
94. 95 |
||
|
92 |
von greifen in die luft getragen |
—. |
127 |
[U 41] |
|
93 |
die tiefen des meeres erforscht |
— |
128 |
[n 38] |
|
94 |
Vergiftung Alexanders . . . |
— |
143. 144 |
m 32 |
|
95 |
abschied von den Soldaten . . |
— |
146—148 |
in 32 |
|
96 |
Vermächtnis Alexanders . . . |
— |
149 |
m 33 |
|
97 |
begräbnis |
— |
150 |
in 34 |
|
98 |
leben und taten Alexanders |
— |
151 — 152 |
in 35 |
|
— |
[gedächtnisreden ..... |
" — |
153 |
Es ergiebt sich folgendes: die beiden fassungen gehen zusammen bis zum kämpfe gegen Porus no. 69. D hat einen doppelten zug Alexanders gegen den könig und mitten hinein geschoben die geschichte der Amazonen und die wundererzäh- lungen, welche den anfang des briefes an Aristoteles bilden.1) 'säulen des Hercules, weiber, ungeheuer', in MB am schluss no. 91 in einem besondern briefe Alexanders an Olympias ent- halten , sind in D nach den gymnosophisten no. 71 eingeschoben, ebenso finden sich in MB erst weiter gegen schluss die geschichten von den greifen no. 92, von der erforschung der
i) dieser doppelte zug gegen Porus, welcher durch einschub der Epistola Alexandri de situ Indiae zu stände kommt, findet sich merkwür- diger weise auch in einer handschrift der Epitome Julii Valerii aus dem 12. jh. Zacher Epitome p. 54 anm.
II. Die Historia de preliis. XXVII
meerestiefe no. 93, die antwort des Aristoteles no. 90 und die Vergiftung Alexanders no. 94. ausserdem enthält D eine anzahl von geschienten mehr, keine derselben findet sich ' bei Lam- precht, einige stehen schon in gewissen texten des Pseudok., die meisten aber sind als jüngere zutaten in D, nicht als aus- lassungen des kürzeren textes zu betrachten.
Während der Wortlaut des textes in den Pariser hand- schriften mit dem der drucke mehr übereinstimmt, weicht die anordnung des Stoffes sehr ab. Übereinstimmung zeigt sich zu- nächst nur bis no. 271), worauf in Pbc (in Pa lücke) die eroberung Thebens etc. folgt cap. 30 — 39. darauf erzählt Pb (fehlt Pc, lücke Pa) einen zug nach Cizeum, Bizancium, Cal- eidonia. es folgt: cap. 28 Abdira, Olinth, Calceopolis, Senis; 29 Locrii; 40 — 41 die beratung des Darius, 44 Armenien, Andriaci, die brücke und 45 ihre Zerstörung, dann cap. 52 die meidung des Nostadi und 53 Darius' antwort. cap. 47 der Ver- räter abgewiesen, 48 brief der Satrapen an Darius, 49 Darius' brief an Alexander und 50 Alexanders antwort. dann cap. 56 Alexander als böte bei Darius, 57 rückkehr zu den seinen; ein kämpf des Darius und cap. 51 Alexanders edict an die unter- worfenen Satrapen, cap. 53 brief des Darius an Porus und 54 antwort. dann erst cap. 42. 43 Alexanders bad und heilung. es folgt nun cap. 46 und zwar so, dass nach einem kämpfe der könige die gefangennähme der familie des Darius durch Alexander, dann die lebensgefahr Alexanders erzählt wird, cap. 59 — 61 klage des verwundeten Perserkönigs und sein brief an Alexander, rat des Parmenius und pflege der verwundeten, cap. 63. 64 zweiter brief an Porus, an Alexander verraten, daran schliesst sich cap. 55 der brief der mutter des Darius an ihren söhn und von cap. 56 die list des heeres mit den baumzweigen, cap. 58 Darius geschlagen flieht, cap. 62 pallast des Xerxes, gräber, gefangne im türm. cap. 65 — 73 von Darius' ermordung bis zu Alexanders Vermählung mit Roxane, ausgenom- men die beschreibung des throns.
1) die angaben mit 'no.' beziehen sich auf die laufende zahl unter MB der Übersicht, die mit 'cap/ auf die capitel der Drucke.
XXVIII Einleitung.
Hierauf folgt eine grössere interpolation : Unterwerfung der Hyrcani, Magli, Parthi. die gens immunda1) wird aus dem Orient in den norden verwiesen, schlangen bei Portae caspiae. Albani mit furchtbaren hunden werden durch vorgehaltene schweine überwunden.
Dann cap. 74 — 90 die besiegung des Porus in zwei ztigen, eingeschoben die wunder und der Amazonenbriefwechsel, es folgt cap. 94 säulen des Hercules, danach viele wunderbare Völker: Chorasmos und Dagas, Kestas et Cantienthas, Persidas et Gan- garides, Cophites etc. dann cap. 95 — 98 weiber, ungeheuer, elephanten, mulieres barbatae, nackte, stürm, kälte, regen, cap. 91 — 93 Oxidraces, cap. 108 bäume mit der sonne wach- send und kleine vögel. cap. 99 — 104 Bragmanenbriefwechsel. cap. 106 Acia und 107 homo agrestis pilosus. cap. 110. 111 palast der sonne, bäum ohne laub mit dem phoenix. cap. 112 arbores solis et lunae. cap. 114 land Prasiaca. cap. 115 — 121 Candacis. ferner cap. 122 — 124 wilde tiere, flussweiber. cap. 126 fines oceani. griechische insulaner.
Kampf gegen Mardi. inselkönig Ambira. erscheinung des Ammon.
cap. 127. 128 erforschung der luft und des meeres. cap. 129—131 ungeheuer rinocephali. dazu riesenameisen, cyclopen und andre ungeheuer, cap. 132 ,tod des Bucephalus. cap. 133 fluvius sol. cap. 134 — 136 palast des Xerxes, Babylon.2) brief an Olimpias und Aristoteles, antwort des letzteren, cap. 113 zwei denksäulen errichtet, cap. 139—152 vom wunderkinde, tode und begräbnisse Alexanders.
Aus dem angegebenen ist klar, dass wir in den Pariser handschriften eine dritte besondre bearbeitung der Historia vor uns haben.
Für unsren zweck genügt es, bei diesen resultaten stehn zu bleiben, um den Pseudokallisthenes und Julius Valerius zum vergleich heranziehen zu können, sind in der letzten reihe die capitel derselben angegeben, soviel dies die Müllersche ausgäbe
1) vgl. Zacher Psk. p. 165.
2) von hier an fehlt Pa.
III. Das Alexanderlied und seihe quelle. XXIX
(Parisiis, Didot 1846, hinter Arriani anabasis ed. Dübner) und Zachers schrift (Pseudokallisthenes Halle 1867) p. 112 flg. ermög- lichten, wer sich besonders mit der quelle der Historia de preliis beschäftigen will, wird dazu noch eines anderen materials als des bei Müller veröffentlichten bedürfen, denn die texte des griechischen Werkes weichen eben so stark von einander ab, als die des lateinischen, 'von seinen nachweislich noch vor- handenen zwölf handschriften scheint nur eine einzige, die Pariser nr. 1711 (Psk. cod. A), noch die älteste, die alexandrinische textgestalt, und auch sie nicht mehr in ursprünglicher fassung darzubieten, alle übrigen gewähren — soweit sich aus den freilich meist nur spärlichen über sie vorhandenen nachrichten erkennen lässt — entweder eine zweite jüngere und mannigfach veränderte, wahrscheinlich in Griechenland entstandene, oder gar eine dritte noch jüngere, durch änderungen, auslassungen und zusätze noch mehr entstellte recension.' *)
III. Bas Verhältnis des Alexanderliedes zu seiner quelle.
A. Lamprecht und Alberich.
Lamprecht berichtet im eingange seines gedichts vers 13: ATberich von Bisinzo der hrähte uns diz lit zu; er het ez in wal- hisken getihtet. dieses werk ist bis auf ein kleines bruchstück von 105 versen verloren, welches von Paul Heyse im cod. 35 Plut. LXIV der Laurenziana in Florenz aufgefunden und zuerst in seinen 'Romanische Inedita auf italienischen bibliotheken gesammelt Berlin 1856' veröffentlicht wurde.2) ein vergleich des romanischen mit dem deutschen texte ergiebt folgendes: den 105 versen Alberichs entsprechen etwa 200 verse Lamprechts in der Vorauer handschrift. die sechs weisen meister sind bei
1) Zacher Julii Valerii epitome p. III.
2) weitere litteraturangaben bei E. Stengel, Ausgaben und abhand- lungen aus dem gebiete der romanischen pbilologie I. Marburg Elwert 1881 s. 72. diese arbeit kam mir erst bei der druckrevision meines textes zu gesicht, welcher Heyses abdruck mit den bessrungen von Eochat, Tobler, Hofmann, Bartsch Germania I und II, und Stengel giebt.
XXX Einleitung.
Lamprecht umgestellt-, das bruchstück reicht nur bis zum fünften, es fehlt ihm aber die astronomie, Lamprechts vierter; also genau 200 weniger 8; davon gehen 18 verse der ein- leitung ab.
Die darstellung ist von Lamprecht im allgemeinen ins breite gezogen, so gleich im anfange: (kein könig war so bedeutend) Alb.: 'wie Alexander Magnus, welcher aus Griechen- land gebürtig war' = Lamp.i 'wie der wunderbare Alexander; niemand gleicht ihm, der in Griechenland geboren und zum könige auserwählt war und der herste mann war, den Griechen- land zum könige gewann.' sie enthält aber auch sachliche erweiterungen. dahin gehört der vergleich Alexanders mit Salomos herrlichkeit, zu dem diu frowe regina austri kam: 'als sie seinen hof sah, sagte sie mit recht, dass es, seit ein mann geboren, nie einen so tüchtigen könig gab (wie Salomo): ihn allein muss man ausnehmen; Alexander war ja auch ein heide' (V vers 62 — 70).
Während uns dies die ausführung eines geistlichen dich- ters zeigt und .die möglichkeit eröffnet, dass auch mancher der späteren geistlichen zusätze ihm zuzurechnen ist, weist eine erweiterung mit Sicherheit darauf hin, dass Lamprecht seine französische quelle nicht ohne selbständige auffassung übertrug und entweder im allgemeinen eine weitere kenntnis der Alexander- sage hatte oder neben der dichterischen ausgestaltung derselben durch Alberich sogar die quelle dieser vorläge die Historia de preliis selbst kannte und benutzte.
Alberich erzählt : ' gelb hatte er das haar wie eines fisches ; ganz lockig (crispus) wie die mahne des löwen; ein äuge hatte er bläulich wie des drachen und das andere schwarz wie des falken.' Lamprecht V 126: 'emporstehend und rot war sein haar wie einem fische, den man im meere fängt: es war ziem- lich dicht, kraus (grispe) wie eines löwen locke, nun will ich euch von seinem gesicht erzählen: ein äuge war bläulich wie eines drachen beschaffen.' und nun fügt der deutsche dichter hinzu V 134: 'das kam daher: als seine mutter daran war ihn zu tragen, da trat ihr eine furchtbare erscheinung ent- gegen.' wenn man nicht annehmen will, dass diese worte aus
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XXXI
der auf uns gekommenen französischen handschrift *) zufällig ausgefallen sind, so muss man hierin eine reminiscenz an die in der Historia erzählte geschichte erkennen, mit der diese Schilderung von Alexanders gestalt in der tat zusammenhängt, die aber aus abneigung gegen die Nectanebusfabel von Alberich ausgeschieden war. es ist die in der Basler bearbeitung vers 315 flg. stehende fabel (vgl. den Wortlaut der quelle dort unter dem texte): als Philipp, aus dem kriege heimgekehrt, einst beim mahle sitzt, erscheint Nectanebus in drachengestalt, legt sein haupt der schwangren Olympias in den schoss und küsst sie; der könig erkennt in ihm denselben drachen, der ihm schon vordem im kämpfe erschienen war. ausser Lamprecht hat keine unsrer quellen bei der Schilderung von Alexanders gestalt eine beziehung auf diese geschichte vergl. Basl. bearb. 425 und die Historia: oculi eius sicut stelle micantes, sed colore dispari radiäbant unus niger alter vero glaucus apparens.2)
Bei den übrigen abweichungen ist ein wichtiger grund nicht nachweisbar. V 96 wird von Olympias bruder Alexander gesagt, er herschte über Epirus. Lamprechts Lze Ferse' wird auf einem missverständnis beruhen.3) V 120 Alb.: 'er hatte mehr kraft von drei tagen als andre kinder von vier monaten' = Zamp.: 'als drei monat alte kinder.' V 154 Alb.-, 'er läuft besser mit dem ersten jähre als andre kinder im siebenten* = Zampr.: 'im ersten jähre wuchs ihm macht und sinn mehr als einem andern in drei jähren.' V 123 Alb. : wenn ihn etwas ärgerte, blickte er wie ein gefangener wolf = Zampr.: 'wie der wolf, wenn er über dem essen steht.' V 139 Alb.: 'ein äuge
1) dass dem deutschen dichter ein vollständigerer französischer text vorgelegen habe, nimmt Stengel a. a. o. s. 72 ohne nähere begründung an. er hat sich aber nicht einmal um den ältesten text des deutschen gedichts gekümmert, sondern benutzt ohne weiteres zum vergleich mit Alberich den text S nach Weismanns ausgäbe.
2) strüb S 150 (V 125) fehlt bei Albr., es findet sich aber in Str. Hist. aspera. auch dies lässt auf eine benutzung der Historia durch Lamprecht schliessen.
3) vgl. Harczyk Z. f. d. ph. 4, 148. Miller ib. 10, 10. und meine anmerkung zu der stelle.
XXXII Einleitung.
war schwarz wie des falken' = Zampr.: 'wie einem greifen.' die künste, in denen Alexander unterrichtet wurde, sind ver- schieden geordnet. Alb.: 1 lesen und schreiben, 2 waffen, 3 recht, 4 musik, 5 arithmetik. Zampr.: 1 lesen und schreiben, 2 musik, 3 arithmetik, 4 astronomie, 5 waffen, 6 recht.1) end- lich ist zu bemerken, dass nach V 84 die bemerkung fehlt Alb.: Philipp war der söhn des Amint. da sie in der Strass- burger bearbeitung steht, so dürfen wir annehmen, dass sie in V nur zufällig ausfiel.2)
Die aufgeführten unterschiede zeigen, dass wir keineswegs dem deutschen dichter eine sklavische Übertragung aus dem französischen zutrauen dürfen, doch gestattet uns das dürftige bruchstück der vorläge keine ausreichend sichere beurteilung der arbeit Lamprechts, ebenso wenig können wir uns eine zuver- lässige Vorstellung von Alberichs Verhältnis zu seiner quelle machen, um eine solche überhaupt zu versuchen, müssen wir Lamprecht mit Alberich identisch setzen und (unter der abkür- zung A-L) mit der Historia de preliis vergleichen, da wir aber für die zweite hälfte des deutschen gedichts abermals auf eine Umarbeitung angewiesen sind, so wollen wir einen vergleich des Vorauer und Strassburger textes in sachlicher beziehung vorauf- schicken, um zu sehn, ob wir diesem im zweiten teile ohne weiteres folgen können, oder ob wir auch dem Strassburger bearbeiter eine benutzung der Historia zuschreiben müssen.
B. Vorauer und Strassburger Alexander. Die sachlichen unterschiede zwischen V und S
mit berücksichtigung des Basler textes (i?), des französischen bruchstücks und der lateinischen quelle sind der reihe nach folgende :
1) Zusätze in S.
70 — 77 ausmalung der herlichkeit Salomos 8.
99 — 100 Philipps ahne Omin S (in V ausgefallen, s. o.)
1) man kann hierin eine bessrung Lamprechts sehen, vgl. Miller Z. f. d. ph. 10, 4. Stengel vermutet s. 73 corruption des französ. textes.
2) vergl. Zacher in seiner zs. 10, 29 anm.
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XXXIII
276 — 279 S das ross hat ungeheure kraft, beisst und schlägt die leute. ausführung und Wiederholung aus v. 354.
330— 333 S Alexander überlegt, als er das ross schreien hört, was es wol sein mag.
484 — 485 S Lysias war mit der braut dahin gekommen; davon hatte er wenig frommen, fehlt auch in B, in der Historia und im Valerius, während uns Psk. I, 21 cod. B das Verständnis vermittelt, dort sagt Lysias : OiKitctce vvv ya^iov ooi xelovfxev KleoTtäTqag rrjg ädeXq)fjg s^fjg. woher die notiz in S stammt, ist nicht nachzuweisen.
504 — 507 S auf die andre seite fiel die braut, kein spielmann verlangte da etwas, fehlt B. im Str. druck der Historia findet sich folgender zusatz, welcher im Utr. druck, in den Pariser hss. und in der kürzeren fassung MB fehlt: Alexander itaque omnium discumbentium mensas eiecit. ipsa etiam Cleopatra turpiter de triclinio prosiliit.
Es folgt nun nach der lücke in S die belagerung von Tyrus 959 — 1421, in welcher die besondren Übereinstimmungen mit der darstellung der Historia spärlich sind.
966 — 977 S (wenn sie sich ihm ergäben) wollte er sie leben lassen und ihnen gnädig sein-, wenn nicht, wollte er alles zerstören und sie töten, fehlt B.
1011 — 1022 ausführung des gedankens in S ohne beson- dren inhalt. fehlt B.
1029 — 1032 S Alexander gewinnt eines zornigen löwen mut. ähnlich B.
1035 — 1042 S die Tyrier bereiten ihre.stadt zum kämpf und gehen an die zinnen. fehlt B. 1045—1048 ausführung von S. 1052 S 100000 mann besatzung gegen VB 20 000. 1059—1063 S es war der in den büchern genannte Boreas, der die wellen am meisten reisst. B der wester -wind, der das meer oft reisst.
1065 S viele, VB 100 schiffe.
1073 — 77 S Alexander klagt seinen schaden, seine kampf- genossen, doch muss er sich des Schadens trösten, fehlt B lücke. 1165 flg. ausführungen in S.
Kinzel, Alexander. C
XXXIV Einleitung.
• 1205 — 8 S belagerungswerke auf Scheiben wie 1241. B lückenhaft.
1225 S 'gemosete' steine an der mauer. B lückenhaft.
1251 S Alexanders schwert. B lückenhaft, ebenso 1254 S ein von gold gedrechselter (ger).
1311 — 13 S soviel lagen tot, dass die wellen des meeres rot wurden, fehlt B.
1319 — 24 S die pfeile flogen wie schnee und regen, fehlt B.
1339 — 40 S Alexander nahm den heimlichen rat der fürsten. fehlt B.
1347—48 SB (sie raten ihm) über see nach Verstärkung zu schicken, in den lat. drucken findet sich eine ähnliche stelle (gegen PMB) : Alexander autem attendebat quomodo posset urbem invadere. cepit itaque exercitus indigere. mox Alexander misit literas ad pontifices Judeorum etc.
1354 S (mangen) mit hurden behangen und gemannet, fehlt B.
1357 — 59 S mangen an die bürg getrieben, kein friede, werfen in die bürg, fehlt B.
1418 — 21 und 1428- 29 ausführung von S.
1441 — 51 S brief des Darius im Wortlaut: Alexander handelt wie ein unerfahrener kindischer mann; dadurch wird er zu falle kommen, denn er wird seine ehre verlieren oder sein leben, wenn er nicht alsbald heimkehrt, fehlt B. V: Darius schätzte den könig gering und sandte ihm etc. Historia MB: rex regum terrenorum parens solis qui lucet una cum Persidis diis. famulo meo dirigo gaudium. audivi de te quod pro mea inimi- citia venias per vanam gloriam. quapropter precipio tibi terminare gressum et redi ad matrem tuam et requiesce in sinu eius# direxi enim tibi spheram etc. in den drucken ist der brief viel breiter, zeigt aber auch keine ganz sichren Übereinstimmungen.
1570 S oder ich werde meines lebens und meiner leute beraubt, fehlt B.
1574 S so gelobe ich, dass mir ferner weder freude, gut noch ehre werde, fehlt B.
1591 S dass ers nimmer mehr tue, denn er erhebt sich zu früh, fehlt B.
III. Das Alexanderlied und seine quelle. xxxv
1635 — 38 S er will unsern herrn aller seiner ehren Ver- stössen, Darius soll sich bedenken, fehlt B.
1663 — 76 S (die herzöge würden geschändet) vielleicht am leben, an kind und weib und gut. so glaube ich. die her- zöge wurden traurig, sie berieten sich, fehlt B.
1695 — 96 S Alexander ärgerte das. fehlt B.
1740 — 50 S wenn es wirklich so war, so kann es uns mit recht wundern; auf beiden Seiten drangen die leute vor; grosse bedrängnis entstand, dichter staub flog, fehlt B.
1765 — 71 (V 1278 der stand ihm des tages sehr nah.)
S als er von den feinden überfallen war, hatte er sein schwert
bloss, eilte herbei, hieb um sich wie ein held; dafür dankt ihm
• Alexander. B er sprang sogleich über Alexander, weil er sein
herr war und half ihm^ dass er am leben blieb.
1776 — 78 S er war ein edler Jüngling, auf der andern seite im kämpf, fehlt B.
1888 — 89 S er ritt von dannen, wo er die seinen wusste. fehlt B.
Die letzten stücke von 1663 an haben ihre quelle nicht in der Historia. die zusätze in S sind aber auch wol alle als selbständige er Weiterungen aufzufassen, die ausführliche dar- legung zu geben war zur characteristik der selbständigen Stel- lung nötig, welche S seiner vorläge gegenüber einnahm. Wir lassen nun 2) diejenigen stellen folgen, wo V plusverse hat:
359 V 299 — 306 Alexander lässt sich den Schlüssel brin- gen; keiner wagt das ross herauszuziehen, sie giengen alle ungern hinein; Alexander zornig brach die tür nieder, hiess alle zurücktreten, er wollte allein hineingehen, ebenso B. die geschiente fehlt in der Historia von S vers 334 an, steht aber im Psk. und Val., mit ausnähme von V 299 — 303, während sich die Schlussworte von V 304 — 6 in beiden finden (custodibus evitatis, claustrisque dimotis). Harczyk (Z. f. d. ph. IV 150) wollte daraus schliessen, 'dass V zum griechischen texte, zum Val. und der epit. mehr stimmt, während S dem Lib. näher steht.' Werner stimmte dem zu und machte aus diesem einen falle sogar einen allgemeinen satz (Basl. bearb. 87). da aber
XXXVI Einleitung.
S in den 25 versen vorher dem Val. folgt, so ist der beweis hinfällig und vielmehr aus der Übereinstimmung von BV in S eine lücke anzunehmen.
1476. V 1051 — 56 denn ein Schuhband benutzt man täglich; also sollte er wie seine vorfahren Dario Untertan sein, in B nur noch eine spur davon (s. zu S 1470) den man nüczet alle stund, fehlt in den quellen, ebenso
1479. V 1061 — 62 dass er führe, ihm den zins zu brin- gen, fehlt B.
1526. V 1103 er zeigt ihm die kehle (?) B zahne. 1729. V 1252—56 er stach Mennes durch den schilt,
dass das blut rann; Mennes stach durch den seinen, der war von elfenbein, dass das blut am spere sichtbar wurde, ebenso B. quelle fehlt.
1737. V 1261 — 64 beziehung auf Samson fehlt auch B.
1822. V 1303 — 4 so streute Alexander, das konnte kein andrer, fehlt B.
1929. V 1406 — 7 dass er vor einem geringeren fällt und sich nicht bei zeiten warnt, fehlt B.
3) Diejenigen stellen, in welchen die darstellung in S von der in V abweicht:
416. V sieht er sich schuldig, so versäume er sich nicht. S wer dir zins geben soll, darf dir nicht widerstreben etc. auch in B vom zins vertanden. fehlt in der quelle.
1452. S ball für VB stützel.
1527. V eures herrn brief gefällt mir nicht, denn er passt nicht zur gäbe, die gäbe ist zu loben und der brief zu ver- stehen (nicht?); er hat einen andern sinn. — S so hat Darius getan: er bereitet sich gefahr, aus der er nicht entrinnen kann, die gäbe hat einen andern sinn. — B so ist eures herrn sinn; ich sage euch, was eures herrn brief meint, er macht eine andre deutung sichtbar. B stimmt zu S. in der quelle kein anhält.
1595. S stellt die namen Marius und Tybotes voran, die in VB erst später folgen, ebenso hat die kürzere fassung der Historia MB hier keine namen, wol aber PD.
HE. Das Alexanderlied und seine quelle. xxxvil
1631. V er will ihn in seinem eignen lande fangen. S will ihm Darius entgegenkommen, er will ihn männlich empfangen. B schliesst sich an S.
1656 — 59. V sie dürften nimmer vor seine äugen kom- men. — S laster und kummer wächst ihnen darunter, und schade und schände. B fehlt beides, doch zeigt es schon die- selbe reimbessrung wie S.
1700 — 1706. V (der donner) vor dem sich niemand be- wahren kann, wer ihn von fern sah, ehe er hinter sich blickte, hatte er einen schlag, dass er sein blut alles spie und danach nicht mehr lebte, hiezu stimmt B. — S was ihm vor die hände kam, der blieb nicht am leben, niemand konnte sich vor sei- nen schlagen bewahren; denn er hatte ein seltnes schwert.
1719 — 24. V 100 ritter mit guten Schwertern ... zu ihm konnte niemand brechen, als wer sein leben aufgeben wollte. — S zehn hundert aus einem heere ausgesondert, die ihn beschützen sollten mit kraftvollem sinn, der (Mennes) zog Alexander ent- gegen, als Alexander das hörte. — B nur: er hatte sich mit 100 rittern beschützt.
1756 — 60. V wäre er nicht so gut bewaffnet gewesen, er hätte das tageslicht nicht widergesehen, abgesehen davon, dass sein tod noch nicht sein sollte; ein ritter hiess Daklym. — S als er dalag, litt er bittre not, er war beinah tot, doch half ihm seine gute bewaffnung, dass er am leben blieb; alsbald kam ihm Daklym zu hilfe. — B Alexander war sorgfältig bewaffnet ; das half ihm, dass er am leben blieb; nun kam ein ritter.
1802 — 8. V er war in grosser erregung, er drehte sich um: wehrt euch, herr könig, sprach Daklym, heute zeigt eure kraft. — S seine (Alexanders) glieder waren zerbläut; das merkte Daklym und rief mit lauter stimme : Alexander herr könig, gedenket heut an eure tüchtigkeit und mahnt eure gesellen, dass sie dies heer schallen machen. — B seine kraft war ihm zur zeit genommen; jetzt kam er zu sich: nun wehrt euch, herr, sprach Daklym, zeigt eure kraft.
1965. V die fürsten will ich zählen und die menge, die mit ihnen kam, wie dem Darius ziemte, denn er war der ge- waltigste könig, von dem man las. weit gieng seine gewalt.
XXXVIII Einleitung.
32 könige etc. — S so viel sollen in einer schar sein, zu Darius zogen 32 könige. — fehlt B.
Das resultat ist folgendes: auch hier ergiebt sich zu- nächst die Unsicherheit über die textgestalt der von den dichtem benutzten quelle als ein grosses hinderniss für sichere Schlüsse, dazu kommt die verhältnismässig grosse gewandtheit und Selb- ständigkeit, welche S seiner vorläge gegenüber einnahm, end- lich werden wir nicht aus dem äuge verlieren dürfen, dass wir, auch ohne die annähme einer directen benutzung der Historia neben dem deutschen gedieht, dem umarbeiter eine genauere kenntnis der Alexandersage zumal bei seiner gelehrten bildung zutrauen können und müssen, kannte doch auch Veldeke den Vergil neben seinem französischen roman. aus dieser kenntnis können speciellere züge wol geflossen sein, wie 484 von Lysias, 504 von Cleopatra, 1347 hilfe über see. am schwersten wiegt die stelle 1441 vom briefe des Darius, welche eine directe benutzung der Historia durch S vorauszusetzen scheint, leider lässt uns hier B im stich, so dass die möglichkeit nicht aus- geschlossen bleibt, in V liege eine kürzung vor.
Mangelt es hier also an einem festen resultat, so mahnt das ergebnis doch zur vorsieht in den Schlüssen, wenn wir im vergleich Lamprechts mit der Historia jenen an die stelle Alberichs setzen, einmal wird weder jede abweichung noch jede überein-. Stimmung mit dem lateinischen auf Alberichs rechnung zu setzen sein; dann aber wird man auch nicht bei jedem zuge der dar- stellung ängstlich nach der quelle zu suchen haben, die arbeit ist eben durch drei resp. zwei hände gegangen, welche ihre auf- fassung nicht immer der der quelle unterordneten.
0. Alberich -Lamprechts lateinische quellen.
Nach der oben gegebenen Inhaltsübersicht der drei uns zugänglichen textgestalten der Historia folgt A-L der kürzeren fassung derselben, jedoch mit folgenden andrangen.
Die Vorgeschichte der Alexandersage no. 1 — 5 vom Necta- nebus ist als lügenhaft (v. 82. 266) abgeschnitten und eine allgemeine einleitung über Salomos und Alexanders herlichkeit voraufgeschickt v. 20 — 124. diese bezugnahme auf den Aegyp-
III. Das Alexanderlied und seine quelle. xxxix
tischen könig setzt voraus, was Birch - Hirschfeld Über die epischen Stoffe der Troubadours (Leipzig 1878) s. 20 flg. nicht hervorhob, dass die fabel dem publicum Alberichs bekannt war. dies wird bestätigt durch die worte Bertrans de Paris, welcher dem spielmann vorwirft: Ni lo sabetz d'Aripodes l'efan . . ni del bon rey Neptanabus prezan, per que laisset sos homes ses capdel (Bartsch Denkm. d. prov. lit. 87.).
125 — 180. Alexanders geburt und gestalt no. 6. hinzu- gefügt ist die ausführliche erzählung von den sechs meistern 181 — 261.
Während in MB, dem Psk. und Val. gemäss, der anfang der Bucephalusgeschichte no. 7 (v. 270 — 307) vor dem tode des Nectanebus (no. 8) eingeschoben ist, folgt die erzählung des letz- teren in A-L (v. 262 — 269) entsprechend den drucken und Pariser handschriften unmittelbar nach Alexanders gestalt. vom Bucephalus (no. 7 und no. 9) wird also bis 420 im zusammen- hange gehandelt.
(606) — 1642 ist eine ab weichung in der anordnung nicht zu verzeichnen, von 1643 an verlässt A-L die darstellung der Historia und wendet sich ihr erst v. 2044 wieder zu.
An die sendung des pfeffers no. 25 v. 2088 — 2110 wird in A-L der empfang derselben durch Darius 2111 — 28 ge- knüpft, welche die Historia erst nach dem kämpf gegen Aminta (no. 26. v. 2129—56) erzählt.
Im folgenden stimmt A-L im allgemeinen mit der Ordnung der erzählung in MB bis Acia und giganten no. 76 v. 5056 — 5098. der homo agrestis pilosus (no. 77 v. 5359 — 5410) ist hinter die in der Historia fehlenden blumenmädchen (5157 bis 5358, oder, wenn man diese abrechnet, hinter die bäume ohne laub no. 80 v. 5143 — 5156) gerückt, und die bäume mit der sonne wachsend (no. 78 v. 5099 — 5142) sind vorgezogen, dage- gen sind die fines oceani und griechischen insulaner no. 79 hinter den palast der sonne no. 81 und das laiid Brasiaca no. 82 ge- stellt, nach den vorn angegebenen nummern der geschienten sieht die Ordnung bei Lamprecht so aus: 76. 78. 80. — 77. 81. 82. 79. es folgt 83 die geschichte der Candacis und der Ama- zonen bis v. 6579.
XL Einleitung.
Diese anordnung findet sich in keinem der uns vorliegen- den texte, und es wäre müssig, Vermutungen darüber auf- zustellen, wie sie zu stände gekommen ist.
Denn wenn auch ein text der kürzeren fassung dem fran- zösischen gedieht zu gründe lag, so muss doch derselbe schon mannigfache interpolationen enthalten haben, welche wir z. t. in den erweiterten texten wiederfinden, es ist schon oben p. XXXIII auf die stelle S 504 und p. XXXI anm. auf S 150 aufmerksam gemacht, hier schien die darstellung auf Str. zurückzugehen, darauf führen noch folgende beobachtungen :
2724 heisst es in der schlacht bei Issus: Darms und sine fursten fähten f reislichen (fehlt B) , während der Perserkönig gar nicht in der schlacht war, sondern nach 2852 durch einen brief von ihrem ausgang benachrichtigt wurde, derselbe irtum findet sich nun in den Pariser hs. und dem Str. druck: convenerunt Darius et Alexander, während BMUtr. lesen: Alexander cum suis et prineipes milicie Darii. siehe den text s. 202. 206.
3471. die erwähnung von Batra (fehlt Basl.) stimmt zu Str., gegen Utr.BM. — 3571 und 3583 die angäbe, dass jene gefangne im türm von Darius bewahrt wurden und dass man ihren besitz eingezogen hatte (fehlt Basl.) findet sich nur in Str. und der Berliner handschrift. — ebenso schliesst sich die er- zählung 3702 si gingen in da% palas, da Darius eine inne was (Basl. in den palas leomen) offenbar an die nur in Str. Be vor- handenen worte: ascenderunt palacium et ante Darium etc. — 3763 dö wart ime gezalt, wi i% Dario was irgän (fehlt Basl.) findet sich nur DBe audiens Alexander interitum Darii. — die form Tholomeus für Ptolomeus 5613 wie Str.
5027 iz hete dri stangen (fehlt Basl.) findet sich nicht in BM, sondern nur in den erweiterten texten: in fronte eius tria cornua armata. — ebenso 4116 Alexander gienc üf einen lere stän (auch Basl.) = BeDP ipse vero ascendit in eminentem locum.
3326 wird die zahl der in der schlacht gefallenen auf 200000 angegeben ohne die, welche im flusse ertranken (ebenso Basl.). dies findet sich nur in den erweiterten texten (siehe s. 231): in hoc siquidem prelio mortui sunt ex Persis trecenta
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XLI
milia hominum exceptis his, quos profunditas fluvii suffocavit. — 4393 lässt Alexander die ehernen bildsäulen erst anfertigen, wie Be Str. fecit statuas ereas fabricari, während er sie nach den kurzen texten mit sich führte.
In der beschreibung der äugen des königskindes S 158 (V 132) hält sich Alberich genau an die von den drucken gebotene fassung vers 62 Tun glauc, 63 Valtre neyr = unus niger, alter vero glaucus, während BM haben: unus niger atque albus alter.
Diese reihe von stellen, welche sich vermehren lässt, beweist, dass keiner der bis jetzt bekannten texte die vorläge Alberichs bildete, einige male hat es den anschein, als müsste dieselbe aus der Münchener hs. oder aus derselben grundlage wie diese geflossen sein, so v. 6396, wo allein M wie Lamprecht berichtet , dass die königin Candacis den Alexander in die götter- versamlung geführt habe, während B und die andern dies dem Candaulus zuschreiben, die form des namens Candaulus 5599 steht in M wie in den andern texten gegen Candaulis in B. aspindei 6094 stimmt mit M aspitis mehr als mit B asiptis. der irtum 3449 könnte eher auf M als auf B zurückgehen etc.
Von den in MB überlieferten erzählungen fehlen in L folgende: no. 27 ereignisse auf dem rückmarsch nach Macedonien : Taurus, Persopolis, Frigia, Scamander. von no. 28 Molitho, Caldeopolis, Xenis. 29 Locrus, Apollotempel. 32 Platea. 34. 35 Demosthenes und Alexanders brief an die Athener. 47 bis 49 Alexanders brief an die Satrapen, Nostadi, Darms' bitte an Porus. 51 Darius' mutter an ihren söhn. 64 der oheim des Darius Statthalter in Persien.
Es kann wol keinem zweifei unterliegen, dass wir es hier mit ausscheidungen des französischen dichters zu tun haben, denen wie bei der Verwerfung der Nectanebus-sage ethische resp. religiöse, oder aesthetische gründe untergelegen haben mögen, da die kenntnis des dichters von der Alexander -sage aber über die Historia hinausgieng, so mag auch dies dazu beigetragen haben, wie es ihn auch veranlasste zusätze zu machen, solche sind: die erziehung Alexanders 181—261, zug gegen Antonia 520 — 545. kämpf gegen Mennes 1642 — 1904. eroberung von Sardes 1905 — 1924. samlung der heere des Darius 1925 bis
XLII Einleitung.
2035 und des Alexander 2036 — 2043. antwort des Porus auf Darius zweiten brief 3662 — 82. die elefanten 4328 — 85. blumenmädchen 5157 — 5358.
Für einige dieser grösseren zusätze ist eine quelle bisher nicht nachzuweisen, der zug gegen Antonia weist uns auf Pseudo- kallisthenes-Valerius. in allen uns zugänglichen texten der Historia folgt auf die aussöhnung des Philipp und der königin die gesandtschaft des Darius und die Unterwerfung Armeniens, letztere mit den Worten : et post hec rebellata est Armenia et direxit illuc Philippus Alexandrum [ut pugnaret] cum hoste ut (et) expugnaret eam. Valerius I, 23 dagegen erzählt nach der Versöhnung: at his ferme diebus, quibus hec acta videbantur, descivisse obsequio Mothana civitas nunciabatur, ad quam animo Philippus incitatus, cum adhuc viribus corporis deficeretur, Opti- mum ratus ultionem non distulisse, numerum qui forte adesset militum ducere Alexandrum iubet idque adolescens properanter exsequitur diligenterque : subactam enim populatamque ad vin- dictae ostentationem raptim Mothanam reversus annunciat. am Schlüsse des capitels findet sich nach der gesandtschaft des Darius nur die notiz: igitur cum vicina rursus civitas de obsequio vacillaret, datur Alexandro expeditio pergitque quo iussus est. genauer ist die darstellung im Psk.: TtdXiv oliv \xeqag 7t6letog äTccxvovörjQ x&v Qqccköv %($ (DikiTtrcty Tce\mei 6 (DlXi7Z7Zog töv 'iXe^avöqov \iexd 7zhf]&ovg Gx^axuotüv TcohefxfjöaL amrjv. mit dem zusatz in cod. A ö de Tcaqayevonevog Xöyq) eneiöz avTovg v7T7]%6ovg eivcu, ttj x&v 07thov dvvdfxei d7tora^df.ievog, %al Xaßwv 7taq avr&v gjogovg dvioTqexpev. es erscheint zu- nächst unwahrscheinlich, dass die in den allgemeinsten aus- drücken sich bewegende erzählung des Psk-Val. directe quelle für die an einzelnen zügen reiche darstellung des A-L gewesen sei. da sie sich im Psk findet, so wäre es möglich, dass eine ausführliche darstellung auch in dem Alberich vorliegenden texte der Historia gestanden habe. wir werden erst an eine wirk- liche benutzung des Valerius von seiten A-L zu glauben ge- zwungen, wenn wir eine stelle finden, in welcher A-L gegen die übereinstimmende darstellung der texte der Historia, wo mög- lich in Verbindung mit Psk., dem Valerius folgt.
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XLIII
Prüfen wir also die stellen, in denen sich A-L mit Valerius berührt.
201 — 261. der Unterricht der sechs meister. fehlt Hist. in Psk. Val. werden fünf namen genannt als der magister lite- raturae , musices , geometriae , oratoriae , philosophiae.
261 — 269. zu vers 263 den stiz er ze tale ubir einen stein, daz ime sin hals in zwei brach. Hist.: proiecit eum in foveam. Psk. Val.: precipitat ibique letali ictu cervicis Nectana- bus afflictus etc.
270 fl. Hist. berichtet: princeps Cappadociae adduxit equum. ebenso Psk. cod A.; im Psk. cod CB und Val. sind es i7Z7tocpO()ßol eye rCov mTCCxpoQßlcov aueov . . . towov xbv ci7t7tov ev rölg ßaathnölg utTtocpoQßioig evQOf.iev yevvrjd-evra.
378 fl. es wird dem Philipp gemeldet, dass Alexander den Bucephalus gebändigt hat; Philipp geht ihm entgegen . . . begrüsst ihn: du wirst könig werden etc. Hist.: AI. ascendit illum et equitans cepit exire; cumque ergo vidisset eum Philippus dixit ei. Psk. Val. I, 17 quod cum admirationi visentibus foret, ex cursu quidam rem periculi huius nuntiat Philippo. sed . . . oecur- rit ad puerum et salutat inde ut orbis integri dominum.
462 fl. AI. setzt dem vater die dem Nicolaus entrissene kröne auf. fehlt Hist.: reeipe a me de prima pugna mea victo- rialem coronam. Val. I, 20 et una coronam in caput patris transtulit. diese worte stehen in keiner der bei Müller benutzten hss. des Psk. — in gegensatz dazu steht die oben p. XXXIII besprochene stelle 484 — 85, welche ihre erklärung aus Psk. allein zu finden scheint.
510 fl. Alexander schlägt mit dem schwert um sich; nie- mand, der ihm widerstand leistete, kam mit dem leben davon, fehlt Historia. Psk. Val. I, 21 et cum dicto rapit gladium omnesque, qui forte sese veluti ad comprehendendum irruerant, dissicit.
558 fl. AI. ärgerte sich, dass Philipp dem Darius tribut zahlte, fehlt in Hist. und Psk. doch Val. I, 23 dolebat ergo altiusque adolescentuli vim carpebat, quod viri Graeci nominis ac dignitatis vectigales barbaris fierent. — 572. der tribut wird ihm nicht mehr geschickt. Hist.: Darius tributis et censibus est
XLIV Einleitung.
privatus. die worte fehlen nur in MB vergl. Harczyk IV, 153. doch fehlt in der Hist. die drohung 578 fl.: wenn Darius den zins nicht entbehren wolle, so solle er ihn daheim mit seinem köpfe verteidigen. Psk. Val. I, 23 unaque cum his, quae ante dispensa sint, propria quaecumque sint Persis Alexandrum petiturum.
620 fl. AI. sticht den Pausanias nieder, führt ihn gebun- den vor Philipp; der befiehlt ihn zu töten. Hist.: vibrata hasta percussit Pausaniam et statim mortuus est. Psk. Val. I, 24 cum spirare etiam tunc patrem Philippum comperisset, eundem ad- vehi illorsum iubet gladiumque quem gerebat ipse conlatum in dexteram patris misit, quo manu eius oppeteret Pausanias, cui poenam quamque pro facto debuerat.
648 fl. Alexanders rede an die Soldaten bei der thron- besteigung: auf zur ehre Griechenlands und befreiung von der schimpflichen tributpflicht. Hist.: blicket auf mich, fürchtet euch nicht vor den barbaren, wir wollen sie besiegen und den rühm erwerben. Psk. Val. I, 25 in eos quippe militabimus barbaros, qui nos iampridem re, nunc vero spoliare pergunt etiam libertate. igitur eamus ducere in servitutem Persas. hi, quibus turpe erat servientibus non sub venire, enim nunc etiam ipsi servimus.
696 fl. fahrt nach Sicilien fehlt Hist., aber Psk. Val. er- wähnen I, 26 Thracien, 29 pergit ad Lycaoniam, cui nunc aetas recens nom'en Lucaniae dedit . . . transmittit protinus ad Siciliam atque ibi si qua forte ab obsequio refragarentur oppida reeepit. exinque Italiam transiens legatione pariter et honore potitur Romanorum. ebenda findet sich auch die stärke des heeres ad LXX milia militantium angegeben.
716 fl. dass Alexander von Rom Soldaten mitnahm, erwähnt nicht die Hist., wol aber Psk. Val. I, 29 addunt tarnen Romani militum duo milia.
744 fl. die gründung Alexandrias wird zwar in der Hist. erwähnt (gegen Harczyk IV, 155), es fehlt aber der vergleich mit Babilon, Troja, Gapadotia, Pede, Karthago, Rom, Antioch. dieser findet sich Psk. cod. A und Val. I, 31 wo zum vergleich die grössenverhältnisse von Antiochia, Carthago, Babylon, Rom angegeben werden.
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XLV
780 flg. belagerung von Tyrus. die Verhandlungen mit den Tyriern fehlen in der Hist., werden aber Psk. Val. I, 35 (nicht nur in der Epitome; gegen Harczyk IV, 155) ausführlich er- wähnt: die be wohner der Stadt weisen die botschaft Alexanders ab und schlagen die boten ans kreuz.
1513. den kleinen zug, dass AI. den boten das von Darius ihm in der lade geschickte gold beim abschied schenkt, finde ich nicht in der Hist., auch nicht im Psk., wol aber bei .Val. I, 37: donati auro omni, quod secum in loculis advexerant, ad regem cum litteris remittuntur.
1654 fl. Darius antwortet den Satrapen, ihre feigheit scheltend und sie bedrohend, ähnliches nur in Psk. und Val. I, 39.
2173 fl. rückkehr nach Macedonien: manche Stadt wird unterwegs zerstört, ein grosses heer von hundert tausenden ge- sammelt, während die Hist. eine reihe von orten aufzählt, die samlung des heers aber verschweigt, haben Psk. Val. von einer ruckkehr überhaupt nichts, aber die fassung ihrer erzählung und die angaben über das heer haben mit L. ähnlichkeit. Alexan- der befiehlt dem Cassander in Macedonien ein heer zu sammeln Val. I, 42 (fehlt im Psk.): quae dum pro commodo festinan- tur ipse una exercitu Achaia peragrata multisque praeterea civi- tatibus receptis aut quaesitis etiam centum et septuaginta milia collegit armatorum Taurumque transducit.
2553 fl. Alexanders bad: die sonne schien heiss, der schweiss quälte sie sehr, fehlt in der Hist, auch im Psk. doch Val. II, 8 Alexander cum multum spatii sub aestivo sole armis onutus pedibus exegisset .... qüippe calente etiam tunc et sudante corpore incidens aquae illius vehementiam vel rigo- rem ...
3099 fl. bewirtung Alexanders bei Darius: man befahl A. dem könige gegenüber platz zu nehmen, damit Darius selbst sähe, ob man ihn ordentlich versorgte. Hist.: Darius una cum Alexandro in triclinium discubuit, wozu andre texte fügen: sederunt et principes eius facie ad faciem. im Val. II, 15 (nicht im Psk.) steht folgendes: ubi tempus coenandi fuit rex- que accubuit ceterique secundum ordinem dignitatis, iit illis mos erat, discubuere, adversum tarnen Darium coenare sedentarius
XLVI Einleitung.
iussus Alexander honore legati omnium oculos in se facile con- vertebat.
4891 fl. einen ähnlichen Übergang zum briefe an Olym- pias und Aristoteles finde ich nur im Val. III, 17 (nicht im Psk.): his talibus cum sese tunc Alexander oblectavisset, exim iter prorsus obsequitur arduum quidem illud et laboriosissimum inviis locis asperitate naturae et colentium vastitate. deque labore hoc Aristoteli scribens magistro, ut vel maximum sibi testimonium dicit: eiusque litterae sententia talis fuit.
Hiernach ist an einer beeinflussung des A-L oder seiner lateinischen vorläge durch die Übersetzung des Julius Valerius nicht zu zweifeln, ob aber diese selbst oder nur der unter dem titel Julii Valerii epitome bekannte auszug derselben benutzt sei,1 ist eine schwer zu entscheidende frage, da bis jetzt nur zwei, noch dazu lückenhafte handschriften des Julius Valerius bekannt sind, dieses werk, sagt Zacher, 'mag wol überhaupt nicht häufig abgeschrieben worden sein, da ein beträchtlicher teil seines inhaltes allmählich sein interesse verloren hatte und auch an sich schon abendländische leser nur wenig ansprechen konnte.' dagegen fand der auszug, welcher 'schon vor dem 9- Jahrhundert entstanden sein muss' grosse Verbreitung. Zacher führt zehn handschriften auf und ist der meinung, dass durch die Epitome 'die vollständige Übersetzung des J. Valerius allmählich ganz verdrängt wurde und völlig in Vergessenheit geriet.'
Eine abhängigkeit der darstellung in A-L von der Epi- tome ist nun nicht, wie Harczyk will Z. f. d. ph. IV 149 u. ö., dadurch zu erweisen, dass beiden gewisse züge und erzählungen fehlen, denn die Epitome ist eben ein auszug, dessen kürze 'eine grosse beschränkung und Verkümmerung des inhaltes bedingte.' und eine sorgfältigere vergleichung hätte Harczyk gelehrt, dass die in seiner arbeit angegebenen beziehungen zu vers 672 fl., 712 fl., 785 fl. (IV, 154 flg.) sich wie in der Epitome auch im J. Valerius finden, dasselbe ergiebt ein ver-
1) Zum ersten mal herausgegeben von Julius Zacher. Halle, Waisenhaus 1867.
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XLVII
gleich mit allen von mir aufgeführten stellen mit folgenden ausnahmen :
zu 558. die drohung , Alexander wolle alles bezahlte geld und das eigne dazu den Persern abnehmen, ein gewicht ist auf diese stelle nicht zu legen.
zu 744 flg. der vergleich Alexandrias mit den grössten Städten Val. I, 31.
zu 1654 fl. die antwort des Darius an die Satrapen.
zu 723. Alexander verliess Karthago; sehr wenige der bürger ritten mit ihm: Val. I, 30 hinc igitur pergens paucis admodum comitatus.
An diesen stellen lässt die Epitome im stich, dagegen könnten folgende zwei stellen für eine directe anlehnung an den auszug sprechen, wenn die Überlieferung des Valerius hier zuverlässig ist:
der brief des Darius schliesst mit den worten vers i486: wenn er gegen seinen willen handelte, würde er ihn mit ruten schlagen lassen. Val. I, 36 quodsi hisce monitis ac praeceptis ulterius refragare, mittam protinus qui te comprehensum huc transferant; non enim ut Philippi filius coercebere. Epit: sin autem iussionibus nostris obaudire distuleris, protinus mittam viros, qui te vinctum atque contumeliose verberibus affectum maiestati nostrae deducant.
über den empfang Alexanders bei Candace 5859 — 5882 findet sich in der Historia kein wort. Val. III, 21 erzählt, als die kömgin ihren söhn umarmen wollte , habe dieser sie zurück- gehalten und auf Antigonus verwiesen, den gesandten Alexan- ders, welcher ihm die gemahlin widererobert habe. Epit: occurrit adventanti filio Candace regina congratulans ei, quod amissam coniugem recuperasset. et cum super Alexandro quaereret, quisnam esset, respondet Candaules, hunc esse Antigonum, Alexandri internuntium , qui sibi quoque auxilium uxoris recu- perandae praebuerit. at illa his cognitis complexans deoscula- batur illum gratias ei referens.
Wenn schon hier bei den nächsten lateinischen quellen von A-L nach ihrer beschaifenheit oder infolge mangelhafter Über- lieferung eine entscheidung sehr schwer ist, so ist dies noch
XLVHI Einleitung.
mehr bei den oben angeführten hauptstücken und vielen kleineren episoden (wie 416 -37. 726—729. 6235 — 6259 u. a. m.) der fall, welche dort fehlen, wir werden uns begnügen müssen ähnlichkeiten bei den historikern nachzuweisen , ohne damit directe entlehnung behaupten zu wollen.
Sehr auffallend ist es, dass grade die Schlacht am Granicus in allen uns zu geböte stehenden lat. quellen fehlt, während bei Lamprecht 1667 — 1908 ein anschauliches bild derselben erhalten ist. von den bei ihm genannten namen lehnt sich frei- lich kaum einer an die historische Überlieferung an. in Mennes könnte man Memnon sehen, welcher bei Arrian I, 15 Diodor. XVII, 19 unter den persischen führern genannt wird. Überein- stimmung mit der deutschen darstellung ist in folgenden zügen nicht zu verkennen, die wir nach Diodor geben (vergl. hinten s. 144 flg. des textes Arrian und Plutarch) : kämpf um den Über- gang über den fluss. Spithrobates kämpft mit erfolg, deshalb greift ihn Alexander an und tötet ihn, nachdem des königs schild und panzer durchbohrt worden. Rosaces kommt ihm zu hilfe und verwundet Alexander durch den heim am köpfe. Klitus eilt herbei und schlägt dem Perser die band ab.
Harczyk verwies für den zug Alexanders gegen die 'am Libanon wohnenden Araber' vers 1090 — 1129 auf Curtius IV, 2 und Christensen, Beiträge zur Alexandersage s. 26 wies auf einige andre berührungen ebenda, ein genauerer vergleich aber lehrt (man vergl. das lateinische unter dem text s. 99), dass die darstellung der belagerung von Tyrus ohne zweifei direct oder indirect aus Curtius geflossen ist. es ist das auch gar nicht auffallend, wenn wir bedenken, dass Rudolf von Ems in seinem Alexander die geschichte des Curtius zur hauptquelle machte, daher liegt die Vermutung nahe, dass auch die Schlacht am Granicus aus dieser leider unvollständig erhaltenen quelle stamme, ebenso wie die einnähme von Sardes. über das nähere vergleiche man das lateinische unter dem text und die anmerkungen.
Mit dem ende des briefes Alexanders an Olympias und Aristoteles v. 6596 verlässt der dichter die darstellung der Historia völlig und folgt dem Iter ad paradisum, herausgegeben
III. Das Alexanderlied und seine quelle. XLIX
von Zacher, Regimonti Pr. apud Theile 1859, 32 s., dessen text ich mit gütiger erlaubnis des herausgebers vollständig s. 357 flg. abgedruckt habe, über die ausgäbe und das werk selbst äussert sich derselbe in der einleitung s. 15 — 18 folgendermassen :
'Denique Albericus fabulae exitum mutavit. rejectis enim iis quae Leo archipresbyter narraverat de Alexandri fatis ultimis atque morte in locum eorum substituit commentum de Alexandri itinere ad Paradisum. quod cum latine exstare comperissem in Bibliothecae Regiae Parisiensis cod. lat. n. 5819 saec. XIII, formae quam dicunt, octavae, membranaceo, continente Vitam Alexandri (fol. 1—31), epistolam de mirabilibus Indiae (fol.32-49), et de itinere ad Paradisum (fol. 49 — 56), rogavi Gervinuni, ut describendum illud mihi curaret. ille vero non solum voto comiter satisfecit, sed, qua est liberalitate eximia, descriptum a Michelantio dono mihi dedit. deinde ipsc cum Guelferbyti Codices perlustrarem ad Alexandri historiam spectantes, idem commentum deprehendi in cod. lat. Extravag. n. 163, saec. XIII, formae octavae, membranaceo, continente l) Alexandri M. iter ad Paradisum (foliorum 9) ; 2) artis poeticae Horatii fragmentum glossatum (fol. 3); 3) fragmentum ex Chalcidii Timaeo Platonico (fol. 3); 4) tractatum de Sibyllis (fol. 4); 5) laudem, ut videtur, musicae, notis musicis ornatam (paginarum 4*/2), incipientem: Vitq dator omni ft) factdr d's natura formator mundi globü sub
potenti claudy volubilem palmo in factum sua splendet magnificm
codicis ultima folia rescripta sunt, cum sub quarto quintoque tractatu pallida conspiciantur vestigia unius vel potius duorum erasorum tractatuum theologicorum latinorum. — Quam in cod. membr. Collegii Corporis Christi Oxoniensis 1549, 82 ex catalogo codd. mss. Angliae et Hiberniae exstare didiceram u Epistolam de adventu Alexandri ad Paradisum", eam ut descriptam adipiscerer maxima quidem data opera nullo tarnen modo impetrare potui.
Dedi igitur Alexandri itineris ad Paradisum narrationem, qua Albeiicum usum esse ex Lamberto nostro (v. 6446 sqq.) manifestum est, adhibitis codicibus quos modo dixi duobus saeculi XIII, et Parisino (A) et Guelferbytano (B), utroque satis bono, sed Parisino aliquantum integriore, ita, ut Parisini libri menda manifesta, quantum fieri hoc posset, Guelferbytani ope corrigerem.
Kinzel, Alexander. ^
L Einleitung-.
Latinao narrationis et argumentum et color aperte produut originem hebraeam. et re vera antiquissima, quam novi, huius commenti commemoratio occurrit in tractatu Talmudico Tamid (IV. fol. 32), ubi his fere verbis relatum dicit Eisenmenger *): "Als derselbige kam, sass er an ein fliessendes wasser, und ass brod, und hatte kleine gesalzene fische in seiner hand. da man nun dieselbigen abwusch, bekamen sie einen guten geruch2); darauf sprach er: hieraus kann man abnehmen, dass dieses quellen -wasser vom Paradeis herkomme, einige sagen, er habe von demselbigen wasser genommen und sein angesicht damit gewaschen: andere aber melden, er sei so lange dem wasser nachgegangen, bis dass er zur pforten des Paradeises gekommen sei, und daselbsten habe er gerufen: öffnet mir die pforte; man sprach aber zu ihm: dieses ist die pforte des herrn, die gerech- ten müssen da hinein gehen.3) da sagte er: ich bin auch ein könig, und bin hoch geachtet; gebet mir etwas, hierauf gaben sie ihm einen totenkopf, und er nahm ihn mit sich, und legte ihn auf eine wageschale, und all sein gold und silber, das er bei sich hatte, legte er auf die andere wageschale, und der totenkopf war doch schwerer als das gold und silber. da fragte er die rabbinen, was solches wäre; und sie antworteten ihm, es wäre ein totenkopf, und dass das äuge des fleisches und blutes (i. e. des menschen) nicht könne gesättiget werden, und als er sie weiter fragte, woher er es wissen könnte, dass dem also sei, nahmen sie ein wenig staub, und bedeckten den toten- kopf damit, und alsbald war das gold und silber schwerer, denn es stehet geschrieben: das grab und die hölle werden nimmermehr gesättiget, und die äugen des menschen werden nicht satt."4)
In Pseudo-Callisthenis codicibus quibusdam graecis5) legitur fabula, quae huic commento rabbinico respondet, de Alexandro
1) Entdecktes Judenthum. Königsberg 1711. 2, 321.
2) Cf. Pseudo-Callisth. Mülleri lib. 2 c. 39.
3) Ps. 118, 20.
4) Proverb. 27, 20.
5) Pseudoc. ed. Müller lib. 2 c. 39 — 41. Cod. Lugd. 245b — 249« vergl. noch Zaoher Pseudocall. s. 140 % und besonders s. 142.
IV. Die spräche der deutschen texte. LI
Terram Beatorum Fontemque Juventutis frustra quaerente, et de coquo eius, cui nomen fuit Andreas, qui cum piscem sale conditum (ragr/ov) lavando fontem illum invenisset, eumque dominum celasset, hausta fontis aqua in daemonem marinum est mutatus: quae quidem fabula efficta videtur ad similitudinem illius, quam de GJauco refert Schol. Piaton. p. 421 (in Rempubl. p. 611 D. ed. Steph. Lugd. 1590). graecam hanc fabulae for- mam ut aetate paullo priorem dicas illa rabbinica, idem tarnen concedes, transfiguratione ista rabbinica plane aliam novamque eam factam, multoque et venustiorem et augustiorem quasi red- ditam. Sed interpretatio nostra latina cum nimis tarnen distet ab ista talmudica, necesse est aliam etiam fabulae relatjonem item rabbinicam inter utramque fabulae formam mediam inter- cessisse, cuius etiamsi vestigium nondum invenerim, non tarnen dubito, quin in decimi vel undecimi saeculi hagadicorum librorum, quos dicunt, aliquo lateat, unde haustam eam saeculo fere un- decimo doctus aliquis judaeus vel christianus Galliae australis lattnam fecerit.'
IT. Die spräche der deutschen texte.
Die spräche, in welcher uns der Vorauer Alexander überliefert ist, trägt im allgemeinen einen oberdeutschen character. Scherer (Geistl. poet. II 60) wies denselben der vorläge zu, aus welcher der Schreiber der bandscbrift abschrieb, weil 'die hand- schrift die Orthographie ihrer vorlagen im allgemeinen sehr genau überliefert.' diese vorläge bewahrte eine anzahl diabe- tischer eigentümlichkeiten, welche in Verbindung mit den reimen auf die heimat des Originals führen, wie V 182 heuen, (939 auer), 228 gezien : geliegen, 989 gesiht (1. gesciet) : nieht vgl. 279. 1514; 317 zöm für zoum, 696 höhet, 561 ioos für wuohs, 659 braten für brähten wie 990 f orten für forhten, 585 telich für teile ich wie he den 1016 für heiden, 753 mit grahp für craft, wie scaph 1378, 384 ensaht für enmt : stat (neben 396 sazthe : hete), 620 erwarph, 626 erhapte neben erhaft 611 u. a. m. demgemäss wies Pfeiffer Germania 3, 494 flg. das original in die gegend von Köln, d. h. er vermutete mit recht die mittelfränkische heimat des dichters. dieselbe näher zu bestimmen ist auch der ein-
d*
Ln Einleitung.
gehenden Untersuchung von Rödiger Anz. f. d. a. 1, 78 flg. nicht gelungen, seine am schluss ausgesprochene Vermutung: 'vielleicht haben wir ihn doch mehr nach osten zu rücken' zeigt, wie wenig sicheres sich über die sache ausmachen lässt, ist aber insofern ohne bedeutung, als der rechtsrheinische teil des mittelfränkischen zwischen Neuss und Bonn einen ziemlich schmalen streifen bildet, stünde das schw. praet. geschiede von geschehen für Alex. V 1322 (S 1842) fest, das Weinhold mhd. gr.2 424 trotz meines ein- wandes Beitr. z. d. ph. 61 nicht aufgegeben hat, so wären wir wenigstens auf den nördlichsten teil von Mittelfranken, die gegend von Köln Jülich Limburg mit einiger Sicherheit beschränkt, allein dafür spricht weder das Verhältnis der texte noch der sinn der stelle, eine festere bestimmung der heimat Lamprechts aus dem gedichte zu erreichen ist vermutlich noch dadurch erschwert, dass derselbe sein werk nicht daheim verfasste, was gewiss auf seine dialektischen eigentümlichkeiten nicht ohne einfluss gewesen ist. Scherer wies zuerst (Geistl. poet. II 62) auf die gründe hin, welche 'für Baiern zu sprechen scheinen, keiner davon durch- schlagend, aber alle erwägenswert', und rückte das gedieht in den litterarischen Zusammenhang, welchem es auch abgesehen von dieser Vermutung, zweifellos angehört.
Wie sich der Strassburger bearbeiter in formaler beziehung zu seiner vorläge verhielt, habe ich Z. f. d. ph. 10, 19 flg. ausführlich dargetan und auch seine reimbessrungen ib. s. 20 flg. dargelegt, eine eingehende Untersuchung der spräche und reim- kunst des umdichters veröffentlichte ich Beitr. z. d. ph. s. 27 flg. fassen wir hier zunächst die frage ins äuge, ob derselbe reime seiner vorläge aus dialectischen gründen änderte, wir dürfen ihm ja nach seinem ganzen verhalten zur vorläge bis zu einem gewissen grade auch die reime zurechnen, welche er derselben entlehnte; vom grössten gewicht wäre es jedoch, wenn wir nach- weisen könnten, dass er gewisse eigentümlichkeiten absichtlich gemieden habe, dies ist aber im grossen und ganzen nicht der fall, die reime getan : vähen V 127 und getan : gesähen V 139 sind zwar in S geändert, dort getan : gän S 151, hier getan : wän S 165, doch der erste reim ist z. b. S 235 erhalten und ähn- liche finden sich bei ihm auch sonst (Beitr. s. 41). wenn er
IV. Die spräche der deutschen texte. LIII
m : gezien V 227 in : betrügen S 259 ändert, so dürfen wir darin wol nur entfernung eines unreinen reimes erkennen wie oft. wenn er er aß : vaht S 101 gegen mäht : vaht V 85 und craft : mäht S 276 gegen craft : haß V 241 schreibt, so müssen wir darin ändrungen aus andern als diabetischen gründen sehen, da auch V selbstverständlich fl : ht reimt wie V 309 u. ö.; ebenso wie S andrerseits mäht : scaf V 1377 in craft : schaß S 1895 umformt, was gesciet : Mg V 279 ist in S entfernt, während er sonst die form wenigstens übernommen (nie selb- ständig eingesetzt?) hat (s. Beitr. s. 61). dem reim hete : gelehte V 371 ist S ausgewichen durch hete : gesezte S 436 (vergleiche hatten : sazten VS 1199, cf. Weinh. 196), welche bindung er selbst wiederum, aber aus andern gründen S 462 vermeidet. wol : zal V 763 ist in S 1049 geändert in zale : tale, während der reim ihm sonst genehm ist (Beitr. s. 38). wenn er präht : gesaget V 1123 in : gedäht ändert, so entfernt er wol nur den unreinen reim, auch endwart von entwürlcen ist nicht aus diabe- tischen gründen beseitigt, da sich gewart (= geworht) : hart 6390 findet (vergl. V 705 harte : geworhte). ebenso verhält es sich mit brief : lieb V 1129 und warf : starb V 1349, an beiden stellen in S vermieden, doch ihm sonst gebräuchlich, vgl. S 1593 und Beitr. s. 39. es bleibt von allen fällen nur zu urgieren, dass die form deit, welche sich auch in V nur als nebenform von tut findet (wie V 1087 tut : müt u. a. beweisen), in allen stellen bis auf eine (deit : steit S 147) ausgemerzt ist. diese form scheint in der tat speeifisch mittelfränkisch zu sein, während geit, steit auch sonst im md. vorkommen, Weinh. mhd. gr.2 362. doch ist für die Verbreitung der form zu bemerken, dass sie auch einmal im Arnsteiner Marienieich 2, 8 steht, also auf der äussersten südostgrenze gegen Südfranken und die Wetterau hin. wir sehen also hieraus, dass der dialect des Strassburger Alexander sich nicht wesentlich von dem Lamprechts unterscheidet, ich war daher in meiner Untersuchung in den Beiträgen f. d. ph. berechtigt, die Überarbeitung nach der sprachlichen seite als ein einheit- liches ganze aufzufassen, um so mehr als dieselbe ergab, dass der Schreiber der Strassburger handschrift keine dialectischen änderungen mit dem gedichte vorgenommen habe.
L1V Einleitung.
Dennoch ist es von wert, dies hier noch einmal dadurch zu erweisen, dass wir voraussetzungslos zu werke gehen und nur diejenigen reime zusammenstellen, welche aus einem ver- gleich mit dem erhaltenen bruchstück von V sich sicher als eigentum von S ergeben, vorangestellt werden die reime, welche lediglich als unrein zu betrachten sind, ohne anhält für den dialect zu geben1): stat : lach 1203. Alexander : lande 1424, : scande 1659. 1945, : wunder 1245, : tumber 1440. Alexandren : scanden 1563. müter : guten 474, : ungemüte 454. stimme : sinne 332, : innen 1803. huninge : lugene 117. 1967. hebet : liget 1929. velde : selben 1901. Jcuninc : tugint 1805. ingagen : scaden 1689. cumber : under 1657. binden : gierige 1466.
Es folgen die dialectischen reime: umlaut gaste : vaste (adv.) 1185 neben geste : beste 1227. »lagen (subst.) : sagen 1799. wäre (conj.) : zwäre 1279. — sinewal : bal 1452, Weinh. mhd. gr.2 49. sal : val 1444, Weinh. 30. sagete : habite = säte : häte 1669, Weinh. 33. — brähten : ahten 1997.
e : i rede : lide 1801, Weinh. 46. vernemet (3. sing.) : ergre- met 1523. — e : e bedehten : r<Ä 1015. — sibenzich : rieh 1971.
i : i sih : gelich 1769. — ie : i ginc : jungelinc 1775.
o : 6 gehörte : antworte 1861.
o : ü mohte : bedühte 1151, : besuhte 1458, neben mähte wie (bedähte : mähte 1187) Äfo : mo^te 330. Weinh. 410.
o : u enboten (praet. plur.) : roten 995.
6 : uo do : frö (fruo) 1359. zö : Alexandra 1781, : Dario 2011. — 6 : üe zestoren : zevören 974. Weinh. 141.
Consonantische: 'b im inlaut für v, das an stelle der tonlosen labialspirans f getreten ist. das eigentliche gebiet dieses b ist das südliche Franken, Hessen und Thüringen; in Ripuarien, wo die spirans ihre herschaft behauptete, bieten es die Schriften nur ausnahmsweise, wie das inlautende b überhaupt' (Weinh. 162). vergl. libes : zwibel 1303. dies b im inlaut ist der handschrift sehr geläufig (Beitr. 33) und wird auch sonst
1) in betracht kommen etwa 387 plusverse in S, wenn wir die lücke in S 508 — 959 und die entsprechende stelle in V 430 — 728 ausser acht lassen.
IV. Die spräche der deutschen texte. LV
durch den reim gestützt (Beitr. 41. 45). an den stellen, wo S mit V übereinstimmt, müssen wir annehmen, dass S sich den- selben reim dialectisch umgestaltete, so ist S 1947 graben : gäben gemacht aus V 1419 gräven : gäven. der andre derartige reim in V 595 lieve : brieven fällt leider in die lücke von S (vergl. auch Rödiger Anz. I 82). hier ist freilich ebenfalls keine Sicherheit für die bestimmung des dialects zu erreichen, da die dialecte auch hierin schwanken. Weinhold führt § 176 sehr viele belege dafür an, dass sich die spirans v gemeindeutschem b gegenüber auch im südlichen Franken, dem Mosellande, Hessen, Thüringen findet, wenn sie auch grade besonders fest in Ripu- arien wurzelt.
'Jenem inlautenden b aus f entspricht in denselben gegenden ein auslautendes b für V (Weinhold 163), während wiederum das umgekehrte Verhältnis besonders in den nördlich- sten gegenden von mittelfranken statthat (freilich mit derselben unsicheren einschränkung, s. Weinhold 177 1)). hier haben wir keinen selbständigen reim in S zu verzeichnen, unter den vier fällen, die in betracht kommen, steht V 611 huof (von heben) : scuoph in der lücke von S, V 1349 restarf : warf (von werfen) und V 1129 lief : brief sind in S vermieden, doch ist lieb : trieb S 1593 aus lief: brief V 1159 mundgerecht gemacht, und so noch oft (Beitr. 39).
d im inlaut für oberd. t ist allgemein md. (Weinh. 188), erden : swerten 1731. — daz : saz 1695. über diese reime habe ich ausführlich gehandelt Beitr. 52. der reim stat : ensat V 384 ist mit der orthographischen ändrung entsatzt S 449 übernom- men. Weinhold 197 setzt ohne weiteres bat (= baz), vermut- lich für das original an.
n im auslaut schwindend behandelt Weinh. 217, Rödiger Anz. I 79. — m : n in S häufig: begaoi : quam 71. gwan : nam 1913. man : quam 506, 1815, 1889. : gezam 1325. : nam 1793.
1) Weinhold scheidet leider auch in der 2. aufläge seiner so wert- vollen mhd. graramatik nicht zwischen dem gedichte Lamprechts und der Strassburger bearbeitung, sondern citiert ohne weiteres nach Weismann, so stehen bisweilen reime nebeneinander, von denen der eine nur in S, der andre in V steht.
LVI Einleitung.
evangelistam 1923. heim : inein 1448. vernam : stau 460. un- dertän : quam 1021. fehlt Weinh. 218.
g geschwunden zwischen i und e: Armenie : menige 2001 fehlt Weinh. 225. — cht für ft, in Sachsen und ndfr. allgemein, begegnet im md. besonders in Ripuarien, und kommt sonst im westlichen md. nur vereinzelt vor (Weinh. 236). auch hier zählt Weinhold ohne unterschied die reime des Alexander S auf. über die, welche sich in V finden, s. Rödiger Anz. I 83.
S allein: burch : durht 1357. Beitr. 45. 53. vergl. worf : burh 1379. — c (g) : ch sprach : mac 334. 342. Weinh. 237.
h im inlaut geschwunden flihe : geschie (conj.) 1573 (dies ie für ehe am häufigsten in Ripuarien, doch auch sonst Wein- hold 53). niet : flihet 1525. umbevän : getan 1035. forhten : Worten 1408. Weinh. 244.
Endlich ist zu verzeichnen wile (3. sing.) : vile 1053, namentlich ripuarisch, doch auch sonst (Weinh. 422), z. b. Arn- steiner Marienlcich 255.
Hieraus ergiebt sich, dass wir die heimat des Strassburger Alexander im südlichsten teile von Mittelfranken, auf der grenze von Südfranken, also etwa im Mosellande zu suchen haben werden.
Auf diese bearbeitung des gedichts bezieht sich die bemer- kung Lachmanns zu Iwein 4928, dass dem Alexander der Eraclius örtlich nahe stehe. Graef hat dies in seiner ausgäbe des gedichts (Strassburg, Trübner 1883) s. 26 mit beifall wieder aufgenom- men, doch merkwürdiger weise ohne auf die frage einzugehen, während ihm doch das material zur prüfung zu geböte gestanden hätte, er begnügt sich mit der bemerkung: 'in der tat stimmen die reime des Alexanderliedes (welches?) mit denen des Eraclius im wesentlichen überein. da der Alexander jedoch seinerseits örtlich nicht bestimmt fixiert ist, so ist es, um den Eraclius in bezug auf seinen dialect an einem bekannten und giltigen masse messen zu können notwendig, eine dichtung zu vergleichen, die innerhalb Mitteldeutschlands eine feststehende bekannte heimat hat', dies ist Herborts von Fritzlar liet von Troie. Graef stellt die reime desselben übersichtlich zusammen und giebt am schluss die differenzen beider gediente, ein vergleich mit dem Strass-
V. Abfassungszeit der deutschen gediente. LVII
burger Alexander ergiebt, dass zwar fast alle dialectischen reime des Eraclius im Alexander vorkommen, nämlich diejenigen, welche ziemlich allgemein md. sind, dass aber viele grade der charac- teristischen reime des Alexander sich nicht im Eraclius, wol aber bei Herbort finden, ich erwähne von den vokalischen ie : i, iu : ou, iu : ü, o : u, o : uo, 6 : uo (üe : uo zufällig nicht im Alex., doch üe : 6) und uo : u. ferner sämmtliche consonantische, wie hrieb : lieh, hohe : lohe, huoh : sluoc, sticken : hegriffen etc. ; alle diese sind bei Otte nicht vorhanden, auch die Übereinstimmung mit Herborts gedieht ist natürlich nicht vollständig 5 wichtige dinge, wie z : t fehlen, soviel ich sehe, bei dem Hessen, das erwähnte aber wird genügen, die behauptung von der lands- mannschaft des Eraclius und Alexander ins rechte licht zu, stellen, auch wenn ihre Wahrheit zu erweisen wäre, würde uns das ergebnis der Untersuchung Graefs in der frage nach der heimat des Alexander nicht fördern, da er nur zu der sehr allgemeinen bestimmun g gelangt ist, dass die heimat des Eraclius 'auf einer wagerechten linie zu suchen ist, die ein stück südlich von Fritzlar, etwa durch das heutige Nassau, Oberhessen und Unter- franken läuft' (s. 30). die wagerechten linien sind in solchen Untersuchungen wol zu finden, aber die senkrechten! ihr fehlen macht sich vielfach auch in Wenkers Sprachatlas recht fühlbar. Über die art der Umgestaltung des gedichts im Basler texte und über den dialect habe ich Z. f. d. ph. 10, 50 bei- läufig gehandelt, weil gleichzeitig R. M.Werner an einer special- Untersuchung arbeitete: 'die Basler bearbeitung von Lambrechts Alexander untersucht Wien Gerold 1879', wo s. 56 — 75 eine genaue laut- und flexionslehre gegeben ist.
Y. Abfassungszeit des gedichts und seiner Überarbeitung.
Die Chronologie der litteraturgeschichte des 12. Jahrhun- derts ist zuletzt, wie mir scheint, wesentlich gefördert worden durch Edw. Schröder in der Z. f. d. a. 27, 70 flg.; nicht dass hier neue überraschende resultate zu tage gefördert wären, solche werden auf diesem gebiete überhaupt schwerlich zu erwarten sein, sondern dass hier eine oft besprochene Vermutung durch
LVIII
Einleitung.
eine reihe feiner beobachtungen festgelegt worden ist, das ist das wichtige: jede solche etappe auf diesem wüstenwege ist mit fieuden zu begrüssen. Scherer hatte zuletzt überzeugend nach- gewiesen, dass Kaiserchronik, Roland, Rother eng zusammen- gehören (Z. f. d. a, 18, 30), dass jene unter Lothars von Sachsen
(1125 1137) regierung in Baiern verfasst, nach seinem tode
und vielleicht erst nach dem der 'seligen königin' Richenza (1141) vollendet wurde, dabei ist nicht ausgeschlossen, dass teile der Kaiserchronik schon früher bekannt geworden, in die- selbe zeit nach dem tode des kaisers, vor dem tode Heinrichs des Stolzen (1139) setzte er auch die entstehung des Roland (vergl. auch Bartsch einl. zu Rol. s. XII.). Schröder weist nun zunächst in einer reihe von stellen, welche Konrad seiner quelle hinzufügt, beziehungen auf personen und Verhältnisse aus der zeit Heinrichs des Stolzen nach und geht für die datierung des Roland auf die unmittelbare folge des Jahres 1131 zurück, in welchem der herzog von seiner reise vielleicht in begleitung Konrads das französische gedieht mitbrachte, er legt dabei u. a. aufs neue gewicht darauf, dass Lothar Rol. 9025 (308, 18) noch nicht kaiser genannt wird, was nach dem j. 1133 unwahrschein- lich wäre, das Verhältnis des gedichts zur Kaiserchronik aber sucht Schröder dahin zu bestimmen, dass er annimmt, Konrad habe 'das hinterlassene werk eines ihm vielleicht persönlich bekannten dichters' überarbeitet und fortgesetzt, wir zweifeln kaum bei der oft auffallenden verwandschaft beider werke, dass ihm der nähere nachweis dieser engen Zusammengehörigkeit gelingen wird.
In diesen kreis gehört nun auch Lamprechts gedieht, es zeitlich zu fixieren ist schwer, da es keinerlei geschichtliche oder persönliche züge enthält, die uns zu Vermutungen anlass böten, dass das gedieht auf die Zeitgenossen grossen eindrück gemacht und auch nur annähernd solchen einfluss auf einen dichter geübt habe, wie die Str. Überarbeitung auf Veldeke, lässt sich nicht nachweisen, selbst bei einem nach stoff, stil und dialect so verwandten gedichte wie Ernst A, lässt sich irgend ein abhängig- keitsverhältnis nicht statuieren (man vergl. etwa Alex. V 568 mit Ernst A IV 43); auch bei den reisen und morgenländischen
V. Abfassungszeit der deutschen gediente. LIX
abenteuern des Alexander und Ernst, wo sich mannigfache gelegenheit zu berührungen gefunden hätte, scheinen solche nicht vorhanden • gewesen zu sein, wie man aus Ernst B schliessen darf: selbst bei der erwähnung derselben dinge wie der gigan- ten, Babylons, ja Alexandrias ist keine bekanntschaft mit der Alexanderdichtung zu merken.
Anders ist dies beim Roland: derselbe zeigt eine ganze anzahl berührungen mit dem Alexander, und es ist wahrschein- lich, dass wir bei dem fortschritt, welchen Konrads gedieht dem Lamprechts gegenüber in der entwicklung des stils, dem reich- tum der gedanken und Situationen, dem fluss der diction zeigt, Lamprecht die priorität zuschreiben müssen, die Untersuchung ist sehr verwickelt, da uns V nicht vollständig vorliegt, da S vermutlich den Roland gekannt und benutzt hat und endlich, da die Kaiserchronik vielfach hineinspielt, über deren ursprüng- lichen von Konrad unabhängigen bestand wir nach Schröders andeutungen im unklaren sind.
Eine directe anspielung auf Lamprechts gedieht sehe ich in den Worten Rol. 3974:
unt lebete ther wunderliche Alexander (: einander)
ivolte er thä thurh thringen,
er mähte lihte scaden gewinnen. zwar findet sich DKchr. 10, 10 des wunderlichen Alexanders man entlehnt aus Anno 324, doch ist hier sowol der Wortlaut als die gedankenverbindung eine durchaus andre-, es wird nicht wie im Roland auf Alexanders persönliche tapferkeit angespielt, sondern es ist vielmehr von seinem tode in Babylon die rede, in einer weise , welche durchaus von Lamprecht unabhängig ist. dagegen steht derselbe reim wie im Rol. Alex. V 932 in einer kämpf es- Schilderung :
da hete jämer ein also der ander äne der wunderliche Alexander, er slüch des Hutes die menige etc. und das einzige mal, wo er ausserdem erscheint V 45, ist es Übersetzung von Alexander Magnus (bei Alberich), in Konrads französischer vorläge fehlt aber die anspielung, während er an diese stelle den ausdruck durch dringen gebraucht, (vers 4464
LX Einleitung.
wiederholt), der sich, so viel ich sehe, sonst nur noch Alex. 3170 findet: er dranc durch Darien man. wir dürfen also an- nehmen, dass Lamprecht bei seiner Übersetzung sich an den ausdruck der Kaiserchronik resp. des Anno anlehnte, während Konrad zugleich an das Alexanderlied erinnert wurde.
Im folgenden stelle ich zusammen, was mir bei wieder- holter lesung aufgefallen ist; allgemeine berührungen im Sprach- gebrauch, welche die anmerkungen reichlich beibringen, sind fortgelassen :
Alex. V 1244 Rol. 4954
riter mit swerten vil guten die täten si im ze
maneh fielt guoter wären gescaffet ze huote.
dagegen weicht S ab und nähert sich Rol. 7873
di sin solden hüten mit ellenthaften muten.
thie sin in allen ziten huoten, thie helethe wären so gemuote.
Alex. V 1312 also der daz ler as nider sleit, so strouwet Alexander, der ausdruck findet sich zunächst nur Rol. 8370 helethe gestrout after velde vergl. ib. 5141. er steht nicht Alex. S.
sih seifen über V 622 und V 1218, nicht S, findet sich nur noch Rol. 8608. — V 356 scheint der früheste beleg für sih versümen in absoluter bedeutung wie Rol. 8623. 8812. 9069. — redehaft V 412 (S 483) findet sich nur noch Rol. 1371, 8788, womit man Eneit 8533 vergleiche.
Bei den folgenden stellen muss es unentschieden bleiben, wie weit etwa S erst die anlehnung an den Roland voll- zogen hat:
Alex. 2553
die sunne schein vil heiz, harte mute si der sweiz.
Rol. 395 ther tah was vile heiz: harte muote sie ther sweiz.
die letzte zeile wiederholt Konrad 2057.
Alex. 3981 daz er were ein rehter rihtere, wie Rol. 702 er was ein reht rihtäre, in Kehr, meist guoter rihtere. Alex. 2146 Rol. 4151
di helede woten in den blute vaste biz an di Jcni.
sie wuoten in theme bluote unz an thie knie.
danach Eilh. 6036; ähnliche Wendungen sind zwar volkstümlich, doch findet sich nirgends solche Übereinstimmung.
V. Abfassungszeit der deutschen gediente. LXI
Rol. 3481 wider got drehen vergl. Alex. 6638. — vole 'ros im 12. Jahrhundert nur Alex. 3032, Rol. 4711 Eneit und Oren- del. — Alex. 4698 di grünen wisen wurden rot, vergl. Rol. 5026. — der ausdruck ungenozzen sterben Alex. 5014 scheint nicht ohne Zusammenhang mit genozzen hine varn Rol. 4295. 5433. — golt äne wage Alex. 3619. 6370 findet sich im 12. jh. nur noch Rol. 6282. — Alex. 2359 mit siner ellenthaften hant, Rol. 6300 mit ellenthafter hant, dann Eilh. und Eneit. — Alex. 6984 der ne geniset nehein harn = Rol. 6322 there ne genas nie nehein harn, dann Eneit, s. anm. zu 1703. — Alex. 4058 di brütloft was gelant =• Rol. 7453 daz ungemaeh ist gelendet. der ausdruck kommt vorher in übertragener bedeutung nicht vor.
In der erzählung vom träume des kaisers, in welchem sich derselbe von wilden tieren angegriffen sieht Rol. 7092 flg. finden sich mehrfach anklänge an Alex. 4983 flg.: Alex. 4987 den lewen moste wir uns were = Rol. 7092 näh thiu körnen leyuen unde leren, thaz sie sih niht entrüweten erweren. A. 5002 slangen : lange = R. 7096. A. 5012 harte muweten si min here = R. 7100 thie muoten sie vile sere. vergl. A. 5020 fl. mit R. 7114.
Dass der Strassburger Alexander vom Roland abhängig ist, wird durch folgende stelle bewiesen:
Rol. 1121 (cf. 6228) tha wären ie thie reichen mit ire scarpen ekken.
Alex. S (fehlt in V) dö slügen di recken mit den brünen ecken.
eine ältere stelle mit dieser reimbindung ist mir nicht bekannt. ecke und recke kommen auch in den Nibelungen vor, aber nie- mals gereimt und in dieser Verbindung.
Rol. 6454 sin herze was harte ergremet = Alex. S 1699 ergremet was ime sin müt (vergl. 4423 und anm. zu 1524). das wort fehlt in V und kommt auch sonst im 12. Jahrhundert nicht vor. — ebenso scheint S 365 das verbum unsiten aus R. 5520 entlehnt.
Auf die beiden gedichten gemeinsame Verwendung des Salomo und der . heldensage hat Scherer (Geistl. poeten II 63) hingewiesen, aufmerksam zu machen ist auch darauf, dass Konrad wie Lamprecht zwölf edelsteine aufzählen: Rol. 1553, Alex. 7042.
Lxn
Einleitung.
Die berührungen des Alexander mit dem Sprachgebrauch der Kaiserchronik sind sehr zahlreich, wie die anmerkungen zeigen, selten aber sind solche Wendungen, die sich nicht zu- gleich aus dem Roland belegen liessen. das für unsern zweck verwendbare material ist daher sehr gering, dennoch glaube ich die abhängigkeit Lamprechts von der Kaiserchronik erweisen zu können, zunächst indirect aus der schon oben erwähnten stelle vom wunderlichen Alexander, ferner auch Lamprecht nimmt auf die prophetie Daniels V 473 bezug, und trotz der abweichung (s. die anm. zu der stelle) von der Kaiserchronik 17, 13 fl. zeigen sich berührungen in den Worten V 478 da% bezeichent die zwene chunige mit DKchr. 17, 20 diu hezeichent vier Tcunincriche, aber der dichter der Kehr., welcher die ganze stelle dem Anno entlehnt, zeigt mit keinem worte, wie doch Konrad tut, dass er eine Alexander- dichtung kennt, dann folgt die abhängigkeit aber direct aus der angäbe, wie gross eine schar sein soll V 1430. die Alexander- quellen haben nichts der art, die Kehr, aber giebt nicht nur in breiter ausführung eine deutung der zahl, sondern sie enthält auch ausdrücklich 200, 3 die berufung auf ihre quelle.
Diese annähme wird durch folgende stellen gestützt: DKchr. 184, 13 Alex. V 831
n slugen unde mengen al daz si ir begiengen.
K 16, 15 in engegene : mit minre menige = V 1501 in zegegene : mit einer minner menige. gleich darauf in beiden gedienten die bemerkung, dies sei der grösste kämpf gewesen. — K 42, 16 er spranc üf al gerillte => V 485 Alexander spranc üf al gerihte zu der boten gesihte; vergl. V 658 und denselben reim gerihte : zu ir aller gesihte K. 391, 25 cf. 63, 21. — ebenhohe kommt, wie es scheint K 525, 30 zuerst vor, wird auch als etwas neues eingeführt, danach V 785 und in der Eneit. — stat stiften K 12, 19 u. ö., dann V 1010. — K 34, 29 (223, 2) gruntfeste brechen V 836. — gesez Belagerung ' K 137, 14. V 816 (nicht S). Es folgen die stellen, in welchen V nicht erhalten ist: K 34, 28 daz wären jämerlichiu dinc : leint = Alex. 3357. — vermaret K 59, 5. Alex. 2310 sind die frühesten belege. — werltscande K 357, 26 kommt nur noch Alex. 7009 vor.
unde fiengen alle die si drüffe begiengen.
di alden mit den jungen, da si zesamene drangen.
lidige von /reisen wituwen und weisen.
V. Abfassungszeit der deutschen gediente. LXin
DKchr. ,79, 28 Alex. 6139
elliu sine varwe sih verwandelote garwe
verwandelte sih garwe. min sin und mine varwe.
DKchr. 160, 6 Alex. .3218
beide di jungen vil vaste si zesame drungen. ähnlich Rol. 4814, doch nicht derselbe reim.
DKchr. 181, 8. 417, 11 Alex. 723*
witwen und icaisen
wil ich losen von ir fraisen. scar durhbrechen K. 160, 9. 217, 2. 226, 26. Alex. 4549. — K. 238, 25 diu wile dulde si vil lanc Alex. 5206. — K. 239, 30 heimliche holden Alex. 6807.
Zugleich berührung mit Roland zeigen u. a. folgende stellen: einmuot s. zu V 568. — K. 54, 26 handelest duz mit sinne -.gewinnen, Rol. 592. 1413. Alex. 1639 u. ö. — K. 135, 18 da wart manic heim scart = Alex. 3287, s. zu d. st. — K. 217, 22 da viel man über man — Alex. 4730. — K. 226, 3 sich gemischen vom kämpf wie Alex. 4694. — weitin siehe zu 158.
Nach den dargelegten Verhältnissen kommen wir zu dem schluss, dass Lamprecht sein gedieht um 1130 verfasst habe, und da vermutlich die alte Kaiserchronik vor ihrer Überarbeitung nach Lothars tode keine Verbreitung gefunden, der Alexander aber bald nach seiner Vollendung dem pfaffen Konrad bekannt war, so kann dies zur bestätigung der annähme Scherers dienen, dass der mittelfränkische dichter sein werk in Baiern gedichtet habe.
Für die datierung des Strassburger Alexander haben wir auszugehen von seinem Verhältnis zur Eneit. die p. XII erwähnte notiz in der handschrift lehrt, dass er vor 1187 abgefasst ist; die tatsache, dass er Heinrich von Veldeke bekannt war, nötigt uns ein etwas höheres alter anzunehmen, über diese abhängig- keit der Eneit von unserm gediente handelte ich Z. f. d. ph. 14, 1 — 18 und Behaghel einl. zur Eneit s. 180 — 185. der beweis muss als erbracht gelten, dass Heinrich nicht die Vorauer fas-
LXIV Einleitung.
sung resp. Lamprechts gedieht, sondern die Überarbeitung benutzt hat. die Eneit ist um die mitte der achtziger jähre vollendet worden (vergl. Behaghel einl. s. 163); aber nicht dies, sondern der beginn der arbeit kommt in betracht. es ist nicht möglich liierfür einen einigermassen sicheren Zeitpunkt anzusetzen, doch scheint der grösste teil des gedichts, welcher dem Verfasser auf jener hochzeit Ludwigs III. entwendet wurde, um 1175 vollendet gewesen zu sein, also haben wir die entstehung des Strass- burger Alexander in den anfang der 70ger jähre zu setzen, dazu nötigt uns seine eigne abhängigkeit vom Tristran Eilharts von Oberge, welche zuerst Lichtenstein (einl. zu Eilhart s. 154 flg.) überzeugend nachgewiesen hat, und welche trotz des von Wil- manns erhobenen Widerspruchs (Z. f. d. a. 27, 294 flg.) aufrecht zu erhalten ist. einer erneuten Untersuchung bedarf die sache deshalb, weil durch Kniescheks arbeit (Der ßechische Tristram und Eilhart von Oberge, Wien Gerold 1882) neues licht über die beschaffenheit des ursprünglichen gedichts Eilharts gekommen ist. über das abhängigkeitsverhältnis der dichtungen ist zunächst nur festgestellt, dass Eilhart und Veldeke in keiner nachweis- baren beziehung zu einander stehen : ein Überarbeiter des Tristran hat erst die anlehnung an die Eneit vollzogen, für das original Eilharts aber ergab sich, dass schon die uns erhaltenen alten bruchstücke des Tristran no. I — IX (Eilhart s. 3 — 23) inter- poliert sind, und dass die bearbeitung X im allgemeinen das ältere biete, wo es mit dem cechischen (C) übereinstimmte, der vergleich mit C ist also vorläufig massgebend, hr. dr. Knie- schek hat daher auf meine bitte die grosse gute gehabt, mir die folgenden hier in betracht kommenden stellen aus C zu übersetzen.
Zunächst ergiebt sich, dass die beziehungen, welche Lich- tenstein einl. s. 152. 153 aushob (freilich ohne einen schluss daraus zu ziehen) fast sämtlich einer stelle entnommen sind, welche in C fehlt: Eilh. X 6022-6072 sind in C 292, 2 — 5 durch nur vier Zeilen wiedergegeben: '*o stiessen sie denn zusammen | und warfen dadurch viele feinde zu hoden, \ so dass von ihnen viele gefangen wurden \ und von hundert kaum der zehnte am leben Hieb: es fallen hierher die angezogenen verse X 6025. 6028. 6046.
V. Abfassungszeit d'er deutschen gediente.
LXV
6058. 6043. — X 6006. 6011 gehören in die vorhergehende partie, welche in C 291,1 — 292,1 lautet: ''Tristram wandte sich gegen eine dichte schar \ und richtet unter ihnen ein trauriges gemetzel an, \ dass gar mancher ritter prächtig in der rüstung \ vor ihm schmählich entweichen musste, \ indem er dadurch seine seele zu retten suchte. \ auch des königs Schwester söhne, junge herren, \ ritten unter die feinde hierher und dorthin j und schlugen auf dieselben los schrecklich und ohne erbarmen, \ so dass ihrer da umkamen mehr als genug. \ Tristram und die ihm dienstlich untergebenen machten da manche frau zur witwe | und Hessen ihrer genug wenig am leben. | die feinde töteten auch unter ihnen \ ihre pferde, hengste und ihre rosse, | weshalb sie grosse not erlitten; \ denn sie mussten zu fusse gehn. \ und sie sagten: ' schon müssen wir mit ihnen kämpfen auch gegen unsern willen, \ unser leben und unsre ehre schützen, \ unsre feinde schwer verwunden. \ denn wenn wir auch von da gerne davon liefen, \ so können wir das nicht tun und wenn wir wütend würden. | und sollte es geschehn nach ihrem willen, \ so wird von uns keiner lebend sein auf dem felde?
Nur zwei stellen werden wirklich aus dem alten Tristran stammen, nämlich X 891 und X 5964:
Eilhart 891 vacht als ein wilde swin. C 29, 1 wie ein wilder eber in der not. Eilhart 5964 dö wart die herteste strit den mannes ouge i gesach. C 289, 10 sie fielen vor ihm zahlreich, dass nicht bald ein so schwerer
nicht
wie er dort stattfand; denn es wurden ihrer
wenig n
un.
Alex. V 945 = S 1317 V si fuhten also wildiu swin. S di fuhten so die wilden swin.
Alex. V 920 = S 1282 da hüb sich der bitteriste stritf da ich noch ie abe hörte gesagen.
S wie V.
wenn in diesen stellen an eine entlehnung zu denken wäre, so könnte man sie nur auf Seiten Eilharts sehen.
Kinzel, Alexander. e
LXVI
Einleitung.
Dasselbe (entlehnung Eilharts aus Lamprechts gedieht) nahm Lichtenstein s. 154 auch an für
— Alex. V 353 = S 414 unt swer eigen tugent iemsr sal
der sal sin in siner jugende inen.
Eilh. 509 flg. sal ich ummir lop gewinnen,
ich müz des in zit beginnen.
und in der tat finden sich die worte auch in C 16,8: 'sei ver- sichert davon ohne scherz, | dass wenn ich irgend lob einmal erwerben sol, | so muss ich das in der Jugend versuchen'; und zwar noch mehr zum Alexander stimmend in den Worten 'in der jugend\
Hieran schliessen sich nun in S 416 — 420 die viel besprochenen verse. Wilmanns (Z. f. d. a. 27, 294 flg.) ist der ansieht, dass die Verderbnis der verse in Y auf die vorläge zurückgehe, d. h. dass auch schon in der vorläge von S eine Unklarheit vorhanden gewesen sei. ähnlich hatte ich mich Z. f. d. ph. 10, 31. 57 ausgesprochen, der gedanke, welchen S hat, ist sicherlich ursprünglich: 'ich will meine tüchtigkeit früh beweisen daran, dass ich dir widerspenstige tributzahler zum gehorsam zurückbringe.' aber niemand kann annehmbar machen, dass er mit ähnlichen Worten, wie sie S zeigt, schon in der vorläge von V gestanden habe; dagegen zeugt B. dies würde nur glaublich, wenn sich die Verderbnis von V irgendwie aus S erklären Hesse, nun schliesst sich aber der Wortlaut von S ziemlich genau an einige nahestehende stellen des Tristran an, aus welchen er wahrscheinlich zusammengeflickt ist:
Alex. S 416
unt swer dir zins sol geben,
wil er iht derwider streben, der müz en dir mit scanden
senden von sinen landen
und ouh leisterliche.
Eilh. 417 daz he mime heren zins sal
geben ; und wil he da wedir strebin... 388 mir ist gröz ungemach, daz dir Marke niht ensante den zins von sinem lante. 394 er müz dir in lasier liehe
V. Abfassungszeit der deutschen gediente.
LXVII
und diese stellen standen im alten Tristran, wie C beweist: 13, 5 dass er meinem herrn den zins soll geben, | das will ich an ihm beweisen (flickvers); | wenn er aber hierin etwas andres tun will etc. 12, 2 ich ärgere mich darüber sehr, dass Jcönig Marie uns zurückbehalten hat in seinem lande den zins. 12, 7 er muss dir ihn mit schände schicken.
Aus derselben stelle des Tristran ist dann wol auch Alex. 4483 — 85 geflossen: Eilh. 391 ich verlöre eir minen lip
Alex. ih ne bringe niemer wider heim gesunt minen lib oder ih mache sühtende wib.
oder ich mache süßende wtp.
die stelle fehlt in B, ist also vermutlich eigentum von S und findet sich in C 12, 5 wenigstens dem hauptgedanken nach: (ich mache genug leidvoller witwen\
Über die stelle Eilh. 8495 dich enhilfet niht al din Est: ich wetz wol, wer du bist.
Alex. 6161 ich weiz wol, wer du bist, dih ne Mißt neheine dine Ust.
lässt sich nicht urteilen, weil C hier Heinrich von Freiberg folgt. der gedanke scheint Lamprechts gedieht angehört zu haben (vergl. B zu 6185), ob aber dieser Wortlaut, muss unent- schieden bleiben.
Die andern stellen (Lichtenstein s. 155) sind nicht ent- scheidend, um der Vollständigkeit willen erwähne ich, dass sich Eilh. 4455 (= Alex. 6299) auch in C 213, 2 findet: 'dass er sein leben dafür gebe | oder diesen spürhund töte.1 — Eilh. 914 er slüg mit ellenthafter hant in dorch sinen stälhüt etc. C 30, 7 { gab ihm eine wunde durch den heim eine grosse' zeigt im Wortlaut etwas mehr ähnlichkeit mit S 1884 als mit V 1368. — Eilhart 5873 (= Alex. 2151) fehlt in C. endlich Eilh. 3909 (Eilh. 1473, wo derselbe ausdruck steht, fehlt in C) = C 185, 21: 'das war eine grosse unlclugheit \ und mancherlei Unverstand' findet sich auch V 1346!
Demgemäss dürfen wir vorläufig von Lichtensteins hypo- these nicht abgehen, und es wird bei der reihe sein bewenden
LXVIU Einleitung.
haben: Kaiserchronik — Lamprecht — Roland — Eilhart — Str. Alexander — Veldeke. Eilharts name scheint urkundlich bis ins zweite Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts bezeugt (Lichten- stein einl. s. 49. 52), es ist also unwahrscheinlich, dass er sein gedieht viel vor 1170 verfasst hat; und so gewinnen wir auch von dieser seite den anfang der 70ger jähre als abfassungszeit des Strassburger Alexander.
TL Metrik.
A. Vorauer Alexander.
In dem Anz. f. d. a. 6, 225 will es Rödiger dahingestellt sein lassen, ob Amelung Z. f. d. ph. 3, 253 fl. zweisilbige Sen- kungen in md. gedichten nachgewiesen habe, wie er sich im gegensatz zu ihm die alt - mittelhochdeutsche metrik in diesem punkte vorstellt, hatte er zur Litanei Z. f. d. a. 19, 288 aus- gesprochen: 'ehe so zu sagen gewerbsmässige dichter auftraten, übertrug der dilettant, der sich einmal zu poetischen ergüssen getrieben fühlte, ohne scheu seine dialectische rede weise in die dichtung. er sprach die verse mit all den Verschiffungen, Syn- kopen, Verkürzungen, die er sich im täglichen verkehr gestattete und welche die schrift nicht immer widerzugeben vermochte, indes, wo sie es an sich fehlen Hess, half der Vorleser nach und machte wieder gut, was sie verdarb.' dies ist, wie ich glaube, nur eine scheinbar verschiedene auffassung der sache, die im wesentlichen auf dasselbe hinausläuft. Amelung gieng von der beobachtung der tatsache aus und stellte das beobachtete methodisch dar. Rödiger nimmt von vornherein das gesetz der einsilbigkeit für die gediente des 12. jahrh. in anspruch und sucht in der angegebenen weise die abweichungen zu erklären, deshalb fügt er hinzu: 'es liegt darin gar nichts gewaltsames, wenn wir von starken kürzungen reden, so nennen wir sie so im hinblick auf das kunstmässige. mit etwas naturwidrigem haben wir es dabei nicht zu tun.' man wird seiner erklärung beipflichten können und doch behaupten müssen, dass diese dichter sich in anwendung von zweisilbigen Senkungen viel grössere freiheit gestatten, als die späteren.
VI. Metrik. LXIX
Amelung weist zweisilbige Senkungen nach im Rother, Glauben, Tundalus, Ernst, Rudolf und Alexander, was diesen anbetrifft, so hat er sich in der Untersuchung auf den Strass- burger text beschränkt, die gleiche metrische eigentümlichkeit aber auch für den Vorauer behauptet (a. a. o. s. 270). es genügt, dies mit einigen beispielen zu belegen, andre ergeben die weiter unten angeführten verse.
I. doppelte Senkung durch praefixe , suffixe und zweite glie- der von compositen angefüllt : künege gewan 50. was er gewal- tic 80. dannen gewan 169. fursten genüge 44. Alexander genant 95. mannes geburte 67. selben gedanc 32. walhisken getihtet 15. dütisken be- 16. müter bestunt 135. gelichet nehein 46. sunne ver- 112. sezzen an eineme perment 173.
II. selbständige worte in doppelter Senkung: tihte der 4. himel der 111. wände des 29. starke daz 110. jungelinge daz 146. — chömen ir 136. was ime ze lanc noh ze 145. andren in 154. begunden in 165. lerten in 167. — gerne ze 5. pilde ze 136. furste von 162. — wolte niht 27. deheiner so 38. wären ouh 51. willen ie 58. nach sinen 113.
Wie wir also hierin nichts den klassischen gesetzen im princip widersprechendes sehen, so verhält es sich auch mit einem teile der scheinbar zu langen verse. es ist ja freilich bei Otfrid und in der klassischen periode im allgemeinen das gesetz vom vierhebig- stumpfen resp. dreihebig- klingenden verse durchgeführt. wird aber dies gesetz nicht im gründe durch jeden zweisilbigen auftact durchbrochen, und versteigt sich nicht Hartmann zum dreisilbigen und Otfrid1 zum viersilbigen? wenn man bei diesen strengsten dichtem solche freiheiten beobachtet, die den stumpfen vers zum fünf hebigen, den klingenden zum vierhebigen erweitern, wird man an die versmacher der Über- gangszeiten einen milderen massstab anlegen.
Der Vorauer Alexander enthält 1533 verse. von diesen fügen sich, die zweisilbigen Senkungen und auftact bis zu drei silben vorausgesetzt, den gesetzen Hartmanns nicht 160 verse, also 10,4 °/0. unter diesen haben 4 hebungen klingend 91 verse.
1) Lachm. z. Iwein 2170. Abriss II, 1.
LXX Einleitung.
ziehen wir diese ab, als die leichteste freiheit enthaltend, so sind es nur 4,6 °/0. mit stumpfem ausgange 5 hebig sind 30 verse, 5 hebig klingend 19. es bleiben 7 verse mit sechs hebungen, darunter wie es scheint drei mit klingendem ausgang. man vergl. die Untersuchungen von Rödiger über Heinrich von Melk und die Litanei Z. f. d. a. 19, 288. er zählt (s. 301) in der Grazer Lit. 208 verse von 4 hebungen klingend, die er zu den regelmässigen rechnet, 'überschritten wird das mass des erlaubten durch 5 hebungen mit stumpfem reim 64 mal und 5 hebungen mit klingendem 38 mal. sogar bis zu 6 hebungen schwillt die zeile an. dabei findet sich stumpfer ausgang 1 1 mal, klingender nur dreimal, das höchste sind 7 hebungen klingend . . . überlang sind 12,3 % der verse.' ein unmittelbarer vergleich mit unsrer Zählung ist nicht möglich, da Rödiger wie es scheint u. a. dreisilbigen auftact nicht annimmt, in der 'Erinnerung' Heinrichs von Melk finden sich nach Rödigers annähme unter 1000 versen 208 vierhe big -klingende; mit diesen zusammen 913 regelmässige, also 91,3 °/0. vom reste haben 51 Zeilen 5 hebungen bei stumpfem, 22 bei klingendem reim; 9 sechs hebungen stumpf, 1 klingend; 1 sieben hebungen stumpf, also 8,6 °/o überlange zeilen. das 'Priesterleben' ist unregelmässiger; es hat nach Rödiger (p. 306. 309) 12,5 °/0 überlange verse.
Schwankend in der beurteilung des auftactes und ohne genauere Zählung handelt Rödiger vom Trierer Aegidius Z. f. d. a. 21, 381 flg. vergl. s. 410. anders zum Trierer Silvester Z. f. d. a. 22, 170 fl. hier kommt er zu dem resultat: 'von den erhaltenen 515 zeilen fügen sich 95 dem masse der vier hebungen nicht, d. h. 18,4%. darunter sind jedoch 50 verse von 4 hebungen mit klingendem ausgang, und rechnen wir diese ab, so ergibt sich ein procentsatz von 8,7. im versbau steht also der Silvester hinter dem Aegidius zurück.' diese angaben bedür- fen natürlich nach den lesungen von Bartsch Germania 26, 1 bis 63 erneuter prüfung. Sonst vergl. man noch Busch, Legen- där Z. f. d. ph. 10, 406 flg. und Rödiger dazu im Anz. f. d. a. 6, 225.
I. Vier hebungen mit stumpfem ausgange und dreisilbigem auftact :
VI. Metrik. LXXI
86 awi wi manic volcwic er vaht 107 dö wart ir ein vil michel nötfal 163 die meister die Alexander ouch gewan 194 zerchennen daz gestirne unt ouch sineri ganc. 242 fon siner gescephte joch von siner chraft. der auftact also amphibrachisch, ebenso 252 an sinen. 261 man hiez daz. 264 wan umbe. 270 er sprach; man. 273 er sprach, daz. 401 wan eines. 417 do hete der. 473 diz was Da-. 475 diz was den. 490 wan daz er. 510 von einer. 529 da wider-. 544 er sprach: dis. 566 er nam sin. 574 die aller. 633 unt eine. 654 er hiez si. 665 unt fürte. 696 da Judith. 726 nie wan si. 749 unt sante. 776 er thete die. 856 unt hiz den. 950 unt wichen. 959 des mordes. 1010 die stifte. 1054 unt wäre. 1096 er sprach: a-. 1129 diz sazte. 1130 daz was dem. 1132 er wart dem. 1139 ze Babi-. 1191 daz ern in. 1219 an eime. 1242 ein hundert. 1250 unt liez iz. 1273 unt wärer. 1280 der sich vil. 1351 er sprach: ge-. 1403 er tete al-. 1518 da Ale-. 1520 unt also. 1522 da ir vil. — hierher gehören auch 308 unt ez Ale -. 835 daz man si in. 1459 also si in. 767 also vil. 536 daz wart ime. 504 des wären die. 799 wider einen 298 niwiht er ne. — 669 er ne ge-. 922 da ne ge-. 1274 er ne be-. zweisilbig sind: 80 ubir al, 1076 here tut. ergänzt sind: 33 unt ich ne. 208 unt wie er. durch conjectur: 731 unt sprach ob; 389 (wenn es stumpf ist) sin fater.
II. Drei hebungen mit klingendem ausgange und drei- silbigem auftact:
71 und 233 nü sprechent böse lugenäre. 166 unt zugen in zu grözen eren. 180 daz alle thöni dar in giengen. 203 unt wie er den erchiesen mahti. 217 unt lertin wie er daz bedähte. ebenso: 135 dö in sin. 337 unt also. 370 daz sim eins. 378 unt üz dem. 398 daz ich mit. 420 unt slüg en. 511 von sinen. 563 daz er mit. 564 sin riche. 589 si sprächen. 596 er sante. 610 daz er sin. 635 diu gäbe. 737 si sprächen. 771 daz siner. 772 unt sine. 806 die Tyrin. 863 der chunich. 869 die ie
LXXII Einleitung.
de-. 875 die wären. 884 dö hiez er. 992 gewunners. 994 er hiez die. 1014 daz er mit. 1029 daz er in. 1030 dö er ir. 1040 unt tet des. 1083 daz under. 1084 neheiner. 1115 unt ich is. 1173 der hoste. 1208 sie wurden. 1224 e Ale-. 1294 da er der-. 1336 unt die ouch. 1370 daz houbet. 1399 in sinem. 1406 daz er für. 1414 des er sich. 1421 unt chömen. 1480 si nämen. 1486 gereitech-. — hierher gehören auch: 250 ich wäne ez. 286 die mit ime. 1188 die unseren. 70 wände Ale-. 296 wände ez er. 801 wände im die. 1106 wände er zer. 1034 er sante im. 1039 unt sante im. 213 unt wie er zen. 1194 ich wäne ers. 357 der chunich ne. 397 er sprach fater? — 46 im ne ge-. 608 und 881 also sie. 726 niewan sie. — zweisilbig sind: 214 umbe daz. 221 umbe diz. 1181 ubar Je-.
Es liegt auf der hand, dass man diese beiden kategorien auch anders auffassen und für 5 hebig stumpf resp. vierhebig klingend halten kann, ich habe jedoch dazu nur die rechnen zu müssen geglaubt, welche sich durchaus nicht anders ansehen Hessen und schliesse daher hier zunächst an die
III. Vier hebungen mit klingendem ausgang a) mit zweisilbigem auftacte, wie
16 nü sol ich es üch in dütisken berihten. 27 er ne wolte niht langer ledec sitzen. 45 so der wunderliche Alexander.
ebenso 222. 255. 256. 291. 301. 302. 347. 361. 372. 485. 516. 545. 553. 590. 625. 626. 661. 712. 755. 756 786. 827. 853. 858. 862. 908. 918. 932. 957. 975. 991. 993. 1018. 1042. 1046. 1055. 1066. 1128. 1161. 1187. 1207. 1238. 1254. 1287. 1388. diese angeführten zeilen können meist ohne Schwierigkeit so gelesen werden, natürlich lassen einige auch eine andre einteilung zu. unter allen sind mir nur drei verse aufgestossen, welche zur annähme einsilbigen auftactes nötigen, nämlich
136 dö | chö'men ir freislich pilide ze gegene. 923 da | mähti man mänegen degen scöwen. 1453 si | chömen mit funzich tüsint chnehten.
VI. Metrik. LXXIII
Dagegen ist die zahl derer gross, welche zugleich b) dreisilbigen auftact haben:
162 aiser ein furste von allen landen wäre.
211 unt wie er sinen vianden lagen solte.
218 daz er von deme unrehti beschiede daz rehte. und so in allen folgenden fällen immer amphibrachisch: 314. 316. 375. 395. 419. 505. 513. 515. 546. 603. 636. 741. 742. 785. 879. 931. 967. 1049. 1157. 1158. 1171. 1174. 1189. 1209. 1214. 1267. 1384 (si ne ge-). 1397. — 673 Trojä ne. 1266 Mennes der. 295 mit tilgung des er sprach: here ez ne. 805 nü de Ära | bati (mit Umstellung), schwer fügen sich nur folgende verse:
278 tö alrerst heter sine meister verläzen.
371 al die wil als er so vil chunichriches niuht hete.
514 si heten zeim anderen gevangen. Diese fälle berühren sich noch mit den fünfhebigen versen bei klingendem ausgange. deshalb mögen diese hier folgen.
IV. Verse von fünf hebungen und klingendem reime :
72 daz er eines goukeläres sun wäre.
99 er ne wolte ouh ni üz neheineme stürme geflihen.
103 nü wil ich iu sagen von Alexanderes geburte.
131 umbe sin gesüne wil ich iuch bereiten.
313 also chundeclich was dem rosse al sin gebäre.
353 unt swer eigen tugent iemer sol gewinnen.
354 der sal sin in siner jugende beginnen. 403 daz ir mine müter liezet iuwers willen.
860 von den aller lengisten poumen die sie haten.
948 sie ne dorften sich des siges niemer gerümen.
1059 daz daz ter zins wäre den ime sin vater chulte.
1090 wände wir getorsten die botscaf niet läzen.
1105 er sprach: iwers heren brief mir niuht gevellet.
1135 er sprach, er ne wolte niuht langer lengen.
1400 dö er sante Johannes dar ze poten sante.
In allen diesen kann zweisilbiger auftact angenommen
werden, sie sind nicht alle gleich zweifellos; z. b. die mit
er sprach beginnenden legen es nahe den auftact zu beseitigen.
LXXIV Einleitung.
und die form nievht ist gewiss nicht immer zweisilbig niwtkt, sondern oft niet zu lesen.
Hieran reihen sich nun einige verse mit dreisilbigem auftact :
348 vil lange müzet ir iuwer riche mit genäden büwen. 851 nü willich sagen allen die des niene chunnen. 917 da brächen sie die besten müre zu der erde. 996 der aller richisten burgäre die in der burch säzen. 1069 unt deter iwiht mere wider sinen willen. 1101 so ne getar er sich dar näher niuht geziehen. 1193 si sprächen: unser here hantil iz noch mit sinne.
V. Dieselben formen zeigen die verse mit fünf hebungen und stumpfem reim:
64 dö diu frowe regina austri zu im kom. ebenso mit zweisilbigem auftacte 30. 155. 281. 289. 434. 499. 528. 562. 569. 643. 984. 1005. 1196. 1220. 1275. 1283. 1396. 1411. mit tilgung von er sprach 489. — einsilbigen auftact enthalten die zeilen 531. 877. 891. 983. 483 Darius wart (?). zu 186 vgl. unten zum Strassb. texte no.V vers 216. ohne auftact wäre nur 349, wenn man tilgte: er chot. zweifel- haft ist 407 nu wewen so mir die ougen da ich mit kesihe.
Dreisilbigen auftact haben 200. 229. 294 (under der stüt?). 348. 477. 969. 1111. 1120. 1198. 1206. 1321. 1371. 1412.
VI. Verse mit sechs hebungen sind in sehr beschränkter zahl vorhanden.
98 er ne wolte neheinem kunige wesen undertän.
471 der den zins von sinem fater Philippus wolde enfän. 1264 daz er mit eines eseles backen ein tüsint liutes erslüch.
506 unt wären harte riuwich daz er ir heren wolte verdwäsen.
591 daz er mit genäden vil lange müze leben in sinem riche. 1190 der chunich Alexander hat sich noch eines meren vermezzen.
B. Strassburger Alexander. Dass der Überarbeiter des gedichts einen grossen fort- schritt in der technik zeigt, habe ich schon Z. f. d. ph. 10, 20 fl. nachgewiesen, dort ist erwähnt, dass er die zweisilbigen Sen- kungen zum teil beseitigt, dennoch steht er nicht an, dieselben
VI. Metrik. LXXV
freiheiten zu gebrauchen, als beispiele dienen folgende fälle nach Amelungs Ordnung:
I. meister gewan 227 (ich stelle den leichtesten fall voran, das e ist oft in der schrift ebenfalls getilgt, doch nicht immer an richtiger stelle), listic gewaldic 254. fursten genüge 46. mannis geburte 79. selben gedanc 34. wilhem gedanken 21. sinen gedanc 223. alten geziten 41. walischen getichtet 15. dütischen be- 16. müter be- 161. rechten beschiede daz 249. geliche ne- 48. karte ne- 184. himel ver- 135. sunne ver- 136.
IL tichte der 4. alse der 147. meister den 207. verre diu 216. alle di 221. — begunden in 193. — alliz ein 25. — stüte wil ich ü nü sägen 270.
Es wurden 100 verse mehr herangezogen, als oben; die ausbeute ist viel geringer, übrigens vergleiche man Amelung a. a. o., dessen aufstellungen ich freilich nicht in allen fällen zustimmen kann.
Von den c. 6850 versen des Strassburger Alexander fügen sich unter diesen Voraussetzungen nur sehr wenige den mhd. gesetzen über die anzahl der hebungen nicht, mehr als fünf hebungen wird man in keinem verse zu zählen haben; no. YI fällt also aus. auch die übrigen auffallenden erscheinungen sind verhältnismässig sehr viel seltener.
I. Vier hebungen mit stumpfem ausgange und dreisil- bigem auftacte:
20 dö heter. 65 an eine. 140 alsus ge-. 220 was Ari-. 224 zerkennene. 255 nü allir. 283 di nasen. 317 wandiz noh. 433 si grüzten. 444 so mugit. 448 ze Cesa-. 1019 und iz ne. 1095 üf einen. 1403 di stifte. 1413 dar Chana-. 1488 dö Ale-. 1524 durh sine. 1547 daz er sih. 1565 er sprach: sint. 1686 si schiffeten. 1703 der ne ge-. 1763 der was mit. 2111 dö reit der. 2622 in eine. 2797 swaz er ir. 2867 und daz iz. 2936 urlouge und. 2980 dö troumete. 3159 so machtu. 4397 und wären. 4472 mir ne ge-. 4675 und Ale-. 4690 si ne ver-. 4785 daz Ale-. 4882 di wile ih. 6596 und sinem.
Dass ne die hebung tragen kann, bezeugt unter anderm 5286 so süze stimme ne vernam. auch im auftact erscheint es
LXXVI Einleitung.
vor minder betontem ge-. doch ist auch möglich verschleifung anzunehmen, schwerere fälle sind nur: 18 alse daz. 32 zö dem libe. 33 dar ane ge. 169 sine arme. 230 wi er sih mit. 237 unde da mite. 1372, 2143 wände si ne. 1493 here, ne tut uns nehein ungemacb. — wenn es nicht erlaubt wäre, zwei- silbige Senkung anzunehmen, würde eine anzahl fälle mehr durch dreisilbigen auftact zu erklären sein, als beispiel diene für stumpfen ausgang: 3462 und lazes si dir sin undertän, und für klingenden: 3938 der kuninc ne wolde niht beiten.
II. Drei hebungen mit klingendem ausgange und dreisil- bigem auftacte:
16 ich hän is. 40 daz ie di-. 48 ime ne ge. 82 wände Ale-. 83 noch sprechint. 88 wände er was. 127 von Ale-. 161 dö in sin. 162 dö quam ir. 194 und zügen. 266 nü sprechent. 289 ih wene iz. 313 sin kuninc-. 333 wes were. 426 so man si. 435 daz si ime. 440 an einem. 443 und üz den. 467 daz ih mit. 479 ih swere ü. 494 hete Ale-. 495 den slüch er. 1088 und lange. 1103 wand ime di. 1152 daz er unt-. 1221 di wären. 1229 daz si zer. 1253 und an der. 1386 er hiz di. 1460 und hiz von. 1500 daz under. 1501 neheiner. 1530 er zuckit. 1554 daz ih den. 1572 und ob ih. 1617 und der di. 1687 ze erist. 1694 e Ale-. 1902 und ne ge-. 1908 daz ime ge-. 1919 daz si der. 1941 Darius. 2021 si gunden. 2026 mit zvelif. 2052 also ne. 2062 in lide. 2126 und wolde. 2201 gewaldic-. 2224 ih ne ge-. 2405 dö si des. 2467 dem unge-. 2671 daz wir ne-. 2864 und sine. 3043 wand er ge-. 3446 wand ih ne. 3615 und State. 4109 si sprächen. 4319 ime were. 4365 wand iz ne. 4879 daz mere ne. 4942 d6 was iz. 5037 di iz ir-. 5186 der üz den. 5420 ein scöne. 5479 ouh brähten. 5516 mit eime. 5665 näh Ale-. 5963 unde elfen-. 6081 in eine. 6303 vor sinem. 6638 und wider. 6803 neheine. 7046 der naht ne. 7207 nü merket. 7292 wände ir ne.
Es sind hier möglichst alle fälle aufgeführt, welche die annähme dreisilbigen auftacts zu gestatten schienen, auch hier sind manche abweichende auffassungen möglich, einige würden bei Zulassung grösserer freiheit in der zweisilbigen Senkung ver-
VI. Metrik. LXXVII
schwindeu, andre mögen nach strengem mhd. gesetz für zwei- silbig gelten, nach demselben grundsatze in beiden Überlieferun- gen zu verfahren, schien hier die hauptsache, um den vergleich zu ermöglichen, der Strassburger enthält I 45 und II 75 fälle gegen I 61 und II 65 des Vorauer textes, während er 41/2mal mehr verse zählt.
III. Vier hebungen mit klingendem ausgange a) mit zweisilbigem auftacte:
119 er ne wolde ouh ze neheinen ziten.
243 unde wi er zö den riteren solde gebären.
248 wi er von dem unrehten beschiede daz rehte.
250 und wi er lantreht bescheiden künde.
295 alse daz da tobit zallen stunden.
404 allis gütis ih ü wol getrüwen.
414 swer diheine tugent sol gwinnen, der salis in siner juginde beginnen.
436 so er kunincriches nit ne hete, daz er sinen vinger üf gesezte.
442 und ih ime di crönen abe gezihen.
1619 ubir Jerusalem und ubir Tyre.
6016 lägen vier und zwenzich bläsebeige
Auch einige dieser Schwierigkeiten sind durch annähme starker kürzungen zu beseitigen, so würde man in der folgen- den gruppe auf die annähme von 4 hebungen bei klingendem reime verzichten können, wenn man einen überladenen drei- silbigen auftact zuliesse:
245 der sehste bestünt in mit grözen witzen. 1385 Alexander wolde sih vollen rechen. 1486 oder täte wider sinen willen. 1602 und ubir daz wäzzer nit ne liezen. 1608 daz er ubir älliz daz da lebete. 3147 wi iz Alexander selbe were. 3288 und manige brünje durhstochen. 5123 wände si ne gesä'hen niemanne? 6769 des obizis si wol genozzen.
LXXVm Einleitung.
Dass es aber nicht möglich ist, sich der annähme vier- hebig klingender verse ganz zu entziehen, scheinen mir folgende fälle mit dreisilbigem auftact zu beweisen b):
367 alsiz des kindes vil wol gewone were. 154 und crisp als eines wilden lewen locke. 1389 der richestin bürgere di dar inne säzen. 1601 und sines höhmütes widerstiezen. Hier muss freilich bemerkt werden, dass nur 1389 eine kürzung gegen V aufweist: der aller richisten burgäre die in der burch säzen. Die übrigen zeigen auffallender weise eine Verlängerung; 367 vil, 154 eines wüden, 1601 lautet: unde daz si in wider stiezen.
IV. Dies mass scheinen nur folgende verse zu über- steigen:
29 er ne wolde niwit langer ledich sitzen.
84 daz er eines goucheleres sun were. Im ersten verse hat V niht für niwit • damit wird er vier- hebig. im zweiten wird der auftact durch Verkürzung von eins dreisilbig zu lesen sein, für goucheleres sün und 1601 hochmütes widerstiezen wage ich mich nicht mit Amelung (a. a. o. s. 271) zu entscheiden.
V. Dem entsprechend wird man auch nicht nötig haben, verse von 5 .hebungen mit stumpfem ausgang anzunehmen. 60 ir ne wart aber nie nehein sin genöz; in V fehlt aber. 66 Salemon der was aleine üz getan; in V fehlt aleine. 170 allis sines mütes was er wol bedächt, in V gleichlautend, ist mit zwei- silbigen Senkungen zu lesen. 171 sin buch ne was ime nit ze lanc noh ze breit; in V fehlt nit. 216 wi verre diu sunne von dem mänen geit, in V gleichlautend, ist durch dreisilbigen auf- tact lesbar. 218 wi verre von den wazzeren zö den himelen ist; V schreibt zen, also: wäzzern zen. 308 dem kuninge wart ein böte dö gesant; V fehlt dö.
Im übrigen finden alle freiheiten der späteren dichter reichlich Verwendung, es erhellt dies am besten aus den kür- zesten versen, welche jeden zweifei ausschliessen. verse von fünf silben sind verhältnismässig häufig, es kommen folgende formen vor:
VI. Metrik. LXXIX
1) stumpfe.
a) auftact: 1758 er was vil näh tot.
4252 begägene von mir.
b) Senkung nach erster hebung:
371 wand er was vil wis.
1522 sulih ist sin art.
1784 da er in blöz sach.
2557 baden in den wäc.
4021 weder sint noh e. .
4644 des getröster sih.
c) nach zweiter:
54 her unde mehtich. 1319 ir lebenes dö me.
d) nach dritter:
1157 nie niren gesach.
1269 daz .er näh der stunt.
1351 mit Sturmes gwalt.
1421 ir tohter gesunt.
1579 und er in-gelas.
1769 der hiu umbe sih.
1913 dö er si gwan.
3035 da Därius lac.
3864 din eliche wib.
5022 daz sint oder e.
2) klingende.
a) nach erster:
1701 sine viande cf. 2004, wigande 2441. 4612.
1041 in der burch innen.
1186 in die burch vaste.
1322 flugen di phile.
1381 wesen vil türe
b) nach zweiter:
70 alle besunder
128 wi diu gewurte.
464 hete geroubit.
973 ir lant zevören.
1129 hin zö dem walde.
LXXX
Einleitung. VI. Metrik.
1298 freisliche wunden.
1435 niwit ze helfe.
1436 schire ne queme. 1950 quämen ze helfen.
Und so oft. folgende viersilbige verse kommen vor
1) stumpfe 280 ime was sin munt.
1651 di santer do. 2658 sän an der stunt. 3706 ir swert ale bare 5089 an sehs hundrit. 5597 und ouh ir kint cf. 5641
2) klingende 1668 wart vil leide.
2512 din zinsere.
2517 an ime queme.
2611 sin her leiten.
2842 dinere helfe
3746 zwo verhwunden.
4233 von irn landen.
5989 sus herrliche, cf. 7268 vil.
Einleitung
des
Basler Alexander.
K i n z e 1 , Alexander.
Einleitung des Basler Alexander.
Zuo Egipten Nectanibus kting was, als ich von im geschriben las. in astronoini sinne rieh was er und sin gelich 5 niendert noch in nigramaci, die wont im eigenlichen bi. eins tages kam es also, das dem künge Nectanibö botten wurden gesant 10 von dem fürsten üs Persarum lant, das er im wolte schaden, mit herskreften überladen.
u aufgelöst, ü getrennt in iu und ü, für y immer i, für cz immer z oder tz, frw = frouw, dz in das aufgelöst, weil nie auslautendes z. 1 egiptten. 3 astronimy sinera rieh, besserung Wackernagels. 5 nigra- maeye. 6 by. 8 dz und immer, nettanibo. 10 den. 11 woltte.
Die Historia de preliis beginnt: Sapientissimi [add. BMParA nam- que. Be quippe] Egipcii [BM Egiptiorum] scientes mensuram terre undas- que maris [BM atque domantes (M divinantes) undas maris. add. PUtr dominantes'] et celestium ordinem cognoscentes, id est stellarum cursum [PUtr add. computantes\ , motura etiam firmamenti [dafür BM et cel. id est stellarum ordinem computantes] tradiderunt etiam [Be ea] universo orbi per altitudinem [Be doctrine, P doctrine et per magicas virtutes~\ et per noticiam artium magicarum [dafür BM trad. universo mundo altitudinem doctrine in magicis virtutibus (M artibus)\.
1 — 6. dieunt enim de Anectanabo [BM Nectanebo , ParA Nactanebo. UtrParC Neptanebo. ParB Nectanabo. Be Nectabo] rege ipsorum [fehlt BM , dafür gleich : quomodo hostes subito sicut nubes venissent super eum. sed in hoc non movit. s. «.], quia fuerit [Be fuit homo] ingeniosus in astrologia [al. astronomia] et mathematica eruditus [ParB nigramatica, add. P etiam magicis virtutibus plenus].
7 — 22. quadam autem die dum nuntiatum fuisset ei, quod Artaxerxes Persarum rex cum valida manu hostium super eum veniret, non movit militiam neque preparavit exercitum [BM s. oben: quomodo hostes subito sicut nubes venissent super eum. sed in hoc non movit miliciam nee arma
1*
10
Basler einleitung 13 — 36.
dar üf acht er klein,
er gie in sin kamer ein
und satzte für sich ein bekelin,
regenwasser gos er dar in.
in die hant nam er ein erin ruot,
die im was zem zouffer guot.
die begunde er besweren ze hant, 20 das im wurden die erkant,
die in in sin lant solten
und in betwingen wolten,
das er da wider satzte ze huot
fürsten und ritter guot. 25 dö körnen im mere,
das der küng Persarum were
komen in sin lant
und in roubt und brant.
Nektanibus der ward unfrö. 30 zuo dem botten sprach er dö:
cdu solt wider hein varn,
die vesti heis wol bewarn.'
ze hant sprach der botte dö
zuo dem küng Nektanibö: 35 'du redest, her, gar forchtlich
und nicht als ein fürst rieh,
18 zuffer vgl. v. 43. 21 soltten. 22 beengen woltten. 23 saeztte. 25 mer. 28 brant. 30 den.
nee artißeia ferri, sed intravü palacium], sed intravit cnbiculum palacii sui (eet: solus), et deprendens concham eream [eet: et apprehendit c. £.] plenam aqua pluviali [PBe misitque in eam (BM ponens ibi) aquam plu- vialem\ tenensque in manu virgam eream. hie per magicam incantationem [demones convöcabat et per magicas incantationes fehlt eet. ausser BeBM] in- telligebat in ipsa concha classes navium super eum potentissime venientes. 23 — 40. erant enim prineipes in custodiam militie positi Anectabi [P a Nectanebo] a confinibus Persarum [dafür BM erant enim speculatores in partibus Romanie], venit quidam ex eis dicens: maxime Anectanabe, insurgit in te Artaxerxes rex Persarum cum multitudine hostium et gen- tilium [Be gentibus] infinitis [dafür BM venit super te multitudo non parva dena milia inimicorum. sunt ibi etc\ sunt enim Parthi etc. etc. cum hec audisset Anectanabus suspirans [ParB. UtrBe subridens~] dixit: custodiam, quam [BM custodi aquam\ tibi condidi \cet. exe. Be: credidi], bene observa.
Basler einleitung 37 — 60. 5
sid du dich dar an last,
das du der liut.vil hast;
die mengi der liuten ist selten guot, 40 sine haben den vereinten muot.'
ze der rede sweig er dö,
in sini kamer gieng er dö
und wolt mit zouber vinden,
ob er sin vigent möcht tiberwinden. 45 dö er des nicht envant,
ab sneid er sin hör ze hant.
er verwandlet sin gestalt.
sinen schrin hies er füllen balt
mit schätz und mit golde, 50 als ers dan haben wolte.
da mit wolt er sich fristen
ze andren sinen listen.
hie mit rümet er die veste sin
und kam zuo der statt Belusin, 55 da nach ze Ethiopi in daz land.
an leit er wis linin gewant,
das er ze Macidoni wurd erkant
für einen wissagen dar gesant
durch der Ethiopen er. 60 vor den Kriechen setz er do ml her
39 lütten, seltten. 40 si. vereintten. 43 zuber. 50 den.
woltte. 56 beinin. 59 thyopen oder chyopen.
sed non tarnen sicut prineeps militie egisti [BeBM responsutn dedisti, P respondisti oder loqueris'], sed sicut homo timidus. virtus enim non hec valet in multitudine populi sed in fortitudine animorum. an nescis quod unus leo multos cervos in fugam vertit?
41 — 59. et hec dicens iterum intravit cubicuhim solus et fecit navi- culas ereas [PMB cereas et posuit eas] in concha cum aqua plena plu- viali tenensque in manu virgam palme et respiciens in ipsam (aquam) ineepit totis viribus incantare, et videbat, qualiter Egyptii sternebantur impetu classium barbarorum, statimque mutato habitu [dafür BM ut transßguraret se] radens sibi caput et. barbam (et) tulit aurum, quantum- cumque portare potuit et quecumque erant sibi necessaria ad astrologiam et ad artes magicas [Be mathematicas] exercendas [quecumque — exercendas fehlt BM], fugit prope Pelusium de Egypto. denique (deinde) veniens Ethiopiam [denique — Eth. fehlt BM] induit linea vestimenta [PUtr hoc est sindones albus] , egipeius quasi propbeta intravit Macedoniam.
5 Basler einleitung 61 — 86.
und wissagte wislichen
armen und riehen.
si bäten in sagen dö
von dem klinge Niktanibö. 65 als er die fröge vernam,
er rette als ein wiser man.
sin laster wolt er nicht sagen,
die wil er es mocht vertagen. Do kam es zuo den ziten 70 das küng Philip wolte riten,
der des landes ein here was.
durch urliege fuogt sich das.
und dö er gereit,
Nektanibus nicht vermeid, 75 üf den balast gie er durch schouwen
Olimpia die schöni frouwen,
die da küngine was,
als ich von ir geschriben las.
ze hant als er sie sach, 80 ir mine schös in sere stach,
das sich von ir mine
verkerten sine sine.
gen ir huob er üf sin hant,
mit sinem gruos ward si ermant. 85 (er sprach): 'gegrtiesset sigest du mit sinne,
Macidonie here küngine.'
62 rieh. 63 batten. 66 wisser. 69 zitten. 70 wöltte
ritten. 76 alimpya. 76 schuoni. 79 sich sach. 82 verkertten.
86 herr.
60 — 68. sedensque manam [palam. PBe incognitus] Grecis coram oranibus palam videntibus divinabat. Egiptii vero, ut viderunt, quia Anectanabus non inveniebatur fragen den Serapis [BM perrexerunt ad festum [i. e, Hephaestutn\ deum ülorum et rogaverunt eum, ut manifestaret iis , quid vel ubi esset rex Egiptiorum. ille autem dixit etc.\ die antxvort wird auf eine bildsäule des königs geschrieben. Anectanabus autem mansit Macedonie incognitus.
69 — 130. cap. 2. interea Philippus rex Macedonie abiit in pre- lium. Anectanabus autem ascendens palatium, ut reginam Olimpiam con- spiceret et videret pulcritudinem eius. hie cum videt eam, iaculatum est
Basler einleitung 87 — 114. 7
er wolt nicht sprechen 'frouwe min.'
das muote enteil die küngin:
zuo sinem gruos si stille sweig, 90 iedoch züchtinklichen si im neig.
si empfieng es nicht in has,
si sprach: 'meister, gänd harzuo bas,
sitzent zuo mir nider.'
dö was er niut wider. 95 dö er nun gesas,
die frouw ir zucht nit vergas.
si hie im schenken iren win
in einen kopfguldin.
der turst in nit vil sere twang, ioo es stuond anders sin gedank.
die küngine sprach alsus :
'zwar du bist ein Egiptus.'
des namen was er frö
und antwurt ir also: 105 'du sprichest küngine wort.'
den namen er gerne hört.
wer werden wil der toren gesel,
der rede stetes was er wel.
aber sprach Nectanibus lio zuo Ollimpia alsus:
'got las dich mit seiden leben,
du hast mir rechten namen gegeben.
Egipten küenen (wol) den liuten
ire trüeme wol betiuten.
88 mütte. 90 züchttinkliche. meig. 102 egipttus. 108 stettes. 112 rechtten. 113 egiptun. lütten. 114 betütten.
cor eius [PBe et exarsit\ in concupiscentiam eius, extendensque manum suam salntavit eam dicens: ave regina Macedonie, dedignatus ei dicere domina. ad hec respondens ei ülimpia [PUtr Olimpiadis]: ave magister, accede propius et sede. sedente autem ipso interrogavit eum Olimpia: ne est quin Egiptus sis? respondit illi Anectanabus: verbum regale dixisti, quando Egiptios [P Egiptiuni] nominasti. sunt enim Egiptii sapientes, qui etiam somnia solvunt [PUtr interpretantur] , signa raonstrant, volatilia intelligunt, secreta aperiunt et cognoscunt fata nascentia. de his omnibus
g Basler einleitung 115 — 141.
115 si erkenen ouch an laugen
und offnent des mönschen taugen.
ich beken wol iren höchen sin,
wand ich der besten einer bin.
ich bin ein wissage genant, 120 von den götten üs gesant.'
die wil er alsus sprach,
die küngin er vast ansach.
si sprach: 'meister was meinen ir,
das ir so vast sehen har zuo mir?' 125 des antwurt ir Nektanibus,
er sprach: 'frouw, dem ist alsus:
ein rede hän ich wol bedächt,
die mir an iuch ist brächt.
ich wil dir für wör jehen, 130 die götte heissen dich an sehen.'
dö er geret die wort,
er zöch üs dem buosen ein hört,
das was ein taffei klein
gewirket von helffenbein, 135 gezieret wol mit golde,
als man es wienschen solde.
als die taffei ward üf getan,
dri crais vand man dran,
als mir die geschrift hat geseit. 140 in dem ersten was geleit
zwelf tiutnisse mit sinne.
127 oder: einer rede gedacht. 128 mich. 132 tmssen. 138 drü. 141 zwelff.
ut propheta cognosco [PXJtrBe nam et ego sensu subtilissimo de Ms omnibus cognitus sum sicut propheta atque divinus]. hoc autem cum dixisset, aspexit eam sensu concupiscihili. videns Olimpia, quod sie aspexit eam, dixit: magister, quid cogitasti me taliter inspiciendo? respondit Anectanabus: recordatus sum plurima [cet: pulcherrima] responsa deorum; etenim respon- ßum aeeepi, ut deberem intueri reginam.
131 — 158. hec eo dicente statim protulit de sinu suo purificam [cet: mirificam] tabulam eream [Utr eneam] et eburneam mixtam auro et argento tres in se circulos continentem. primus continebat in se intelli- gentias duodeeim. (BM decem. — cet:) seeundus circulus habebat animalia
Basler einleitung 147 — 172. 9
der ander wiste dar inne
zwelf tier erhaben.
in dem dritten schone ergraben 145 sunne und mone was,
als ich an einem buoche las.
dar nach züegte er ein fesselio,
das was helfenbeinin.
dar üs schuof er den besten sin, 150 der mocht von den siben Sternen sin.
von den zeihen ward im bekant,
wie vil tage ein jör was genant,
als der mönsche was geborn.
hie mit der tiufel ward besworn. 155 üs dem selben helfenbein
nam er siben stein,
die wären harte wol ergraben,
die muoste er zuo dem gestirne haben.
dö das Ollimpias ersach, 160 zuo dem meister si dö sprach:
'meister min, sage mir,
wilttu das ich geloube dir,
mins heren brütlich tag;
anders ich dir niut gelouben mag.' 165 in vil kurzen stunden
hat ers mit zouber funden.
142? hs. wit. 145 monne. 148 helffen beinin. 149 schliff.
154 tüffel. 155 helffen bein. 157 hartte. 159 olli pyas. 162 gelübe. 163 vgl. vers 411 = burtlich. 166 zuber.
duodecim (fehlt Str.). in tertio [BM medius\ vero sol et luna parebant. post hec apparebat catbena eburnea [ParA et BeBM aperuit cantram eburneani] et ex ea protulit septem splendidissima astra horas explorantia et nativi- tates hominum, et septem lapides sculptos (PUtr ad septem astra perti- nentes.) et duos lapides (fehlt PUtr) ad custodiam bominum constitutos [dafür BM septem lucidissimas Stellas exploratrices horarum ex octo lapidibus artificatis, per quas composuit 1wminemi\
159 — 176. videns bec Olimpia dixit illi: magister, si vis ut cre- derem tibi, die mibi annura diem et boram nativitatis regis. [BMParAB add: ad hec Nectanebus cepit computare per mathematicam artem et dicere annum et diem et horam nativitatis regis. cumque hoc fecisset ,] cum hoc dixisset [Be fecisset], ait regine: visne aliud a me audire? regina ait:
IQ Basler einleitung 167 — 190.
Ollimpias aber sprach,
dö si das zeihen sach:
'meister, mir ist geseit 170 ein mer, das ist mir sere leit:
als min her kome her nein,
das er min niut mer mein,
er wel ein ander küngin hän.
wie es dar umb süel ergän, 175 duos tu mir das kunt,
das dunket mich ein specher funt/
er sprach: 'frouwe, zwar
sin ist ein wort nicht war.
du siehst in kurzen tagen, 180 das du solt höche wirde tragen.'
Ollimpia die gemeit
sprach: 'meister, sag die wärheit.'
Nektanibus sprach ze haut:
4 es ist also dar umb gewant, 185 das dir in kurzer zit
ein höcher got bi gelit,
der beschirmet dich vor dem künge wol
Philipö, als er billich sol.'
dö sprach die edle küngin: 190 'wer ist der gesläfe min?'
167 ollipyas. 170 merr. 177 früwe. 181 ollipya. 188 Pilipo. bilich. 190 geslaffe.
volo ut renuncies mihi, quid inter me et Philippum aeeidere debet. refe- runt enim homines, quod, cum veuit Philippus ex prelio, eiieiet me aliam- que connubit uxorem.
177 — 190. cui Anectanabus ait: falsa multa loquuntur, sed ante- quam multa tempora elabuntur, eveniet quod dixisti [UtrP: in paucis diebus]. sed tandem te Philippus habebit in uxorem [Be et Herum volens nolensque habebit te Fh. uxorem. fehlt BM]. ad hec regina ait: obsecro te, magister, ut omnem aperias mihi veritatem. cui Anectanabus ait: unus ex potentissimis diis coneumbet tecum et te [in eunetis prospe- ritatibus et adversitatibus fehlt BMPUtr] adiuvabit. Olimpia respondit [PUtrBM: regina dixit: quis est Me deus, qui coneumbet meeum? Nectanebus respondit: est deus Hamon potentissimus , qui largitur divicias in omnibus. regina respondit]: obsecro te magister,. ut mihi referas, quam figuram gerit ille deus.
Basler einleitung 191 — 216. 11
'frouw, ich wil dich wissen län,
wie er ist getan:
er ist ze jung noch ze alt,
in rechter mos gestalt. 195 er hat an der stirne sin
zwei hörn widrin.
ouch ist im der bart sin
gestalt als einem kitzin.
ouch si dir geseit: 200 du solt im hinacht sin bereit,
so wil er besläfen dich,
daz geloub, frouw, üf mich.'
Ollimpia sprach aber dö
zuo dem meister Nektanibö: 205 'beschicht es, als du mir hast geseit,
so wil ich üf min wärheit
dich für einen got hän
und dich gerne zuo mir län.'
als er der küngin ernst sach, 210 Nektanibus niut me sprach.
von dem palas er gie ze hant,
da er ein wüesti vant.
dö gruob er krüt und wurzelin.
den saff nam zuo dem zouber sin 215 NeManibus, da schuof er mit,
das nach künstlichem sit
194 rechtter. 196 zwe vergl. v. 344. 201 beslaffen. 202 gelüb. 203 olipya. 208 laden. 212 westy cf. v. 272. 213 wurzelen.
214 der saff. zuber. 215 ergänzt Werner.
191 — 240. respondit Anectanabus : neque iuvenis neque senex (est), (cet. add. sed in media etate consistit habens in fronte cornua arietina duo) et barbam canis habens ornatam. unde si placet, esto illi parata, quia in nocte videbis eum et in somno concumbet tecum. regina dixit: si hec videro, non ut prophetam nee divinum, sed ut deum ipsum adorabo (te). statim Anec- tanabus dicens: vale regina. post hec descendens de palacio et exiens continuo castra civitatis [Be extra civitatern\ in desertum locum et evellit herbas terensque eas et suecos illarum tulit et fecit incantationes per diabolica figmenta, ut in eadem nocte Olimpia deum Hamon coneumbentem secum videret dicentemque ei (sibi) post coneubitum [BM et postquam
12 Basler einleitung 217 — 242.
Olimpia troumte schon,
wie der got Amnion
des selben nachtes bi ir leg 220 und ir minne pfleg.
dör des morgens gie von ir,
er sprach: 'frouw, geloube mir,
du hast enpfangen den schirmer din,
des solt du von mir gewis sin.' 225 des andren morgens ze hant
dö wart noch Nektanibö gesant.
als er nun komen was,
iren troum wolte sagen Olimpias.
er sprach: 'Olimpia küngin, 230 mir ist wol kunt der troum din.
wilttu sin gestatten mir,
den selben got zeigi ich dir,
der selbe got wilde
in eines traken bilde 235 kumet er geslichen zuo dir/
'meister, so hab von mir
in minem palas ein gaden.
da släf in an allen schaden.
macht du beweren die wort din, 240 du muost des kindes vatter sin.'
sust ward er gewiset an sin gemach.
und dö der erst slöf geschach,
217 trumte. 219 nachttes. 221 des Des morgens kam er zu ir. ef. v. 247. 222 und sprach, gelübe. 226 nectanabo. 228 trum
woltte. ergänzung von Werner. 229 olipya. 230 trum. 233 den selben, wilt. 234 bild. 237 mine. ' 238 do slaff. 242 sloff.
surrexit abea, dixit illi\: mulier, concepisti defensorem tuum. mane autem facto cum esset Olimpia a somno excitata , convocabat Anectanabum eique somnium quod viderat recitavit. tunc An. dixit : [PUtrBe : at ille dixit ei : (PUtr) scio hoc quod dicis, sed~\ si locum mihi dederis in palacio, deum ipsum facie ad faciem contemplaberis [PUtr: ostendam tibi], nam ille deus infigura draconis ad te veniet et exinde bumanam formam accipiens et mea similitudine apparebit. ad hec Olimpia dixit: sicut dixisti, magister, recipe tibi cubiculum in palacio et si veritatem probare valebis , te quasi patrem pueri habebo. 241 — 252. et bec dicens iussit sibi (ei) cubiculum in palacio fieri. circa autem primam vigiliam noctis cepit Anectanabus per incantationes
Basler einleitung 243 — 266. 13
dö kam (er) in eines traken wis
Nektanibus zuo der küngin lis 245 und volbrächte den willen sin
mit Ollimpia der küngin.
des morgens dö er von ir schied,
er sprach: 'nun lasse ich dir ein grosse miet:
das wisse, edle küngin, 250 din geburt s6 gros sol sin,
das ir dehein man
mit strit mag gesigen an.'
von ir schied er an der stund.
dö si nun grossen begund, 255 dö besante si in wider
und bat in bi ir sitzen nider.
dö das geschehen was,
dö sprach ze hant Ollimpias:
'meister, ich hän gesant nach dir 260 dar umb, das du sagest mir,
so nun kunt der here min,
was sin rede harzuo müege sin.
ich furcht, daz er mir tue den döt
oder ich kume sus in not.' 265 als er ir vorchte sach,
Nektanibus dö sprach:
246 ollinpya. 247 scheid. 248 meit. 249 wise. 253 ollipyas.
magicas transmutari in figuram draconis et sibilando contra cubiculum Olimpie cepit transvolare (cet : ire). ingressusque cubiculum ascendit in lectum eius et cepit eam fortiter osculari et post oscula cognovit eam. cum autem a concubitu surrexisset, percussit eam in utero et dixit: hec conceptio sit ultrix [Be victrix. PUtr: victorialis] et nullatenus convincatur [PUtr: subiugabitur] ab nomine, taliter decepta Olimpia cum nomine tanquam cum deo concubuit. [nach: patrem pueri haben BM nur: ubi autem factum fuit hoc signum , post concubitum percussit uterum eius dixitque Uli : hec conceptio fit victorialis et non subiugabitur. cum autem cepisset Uterus eius intumescere etc. cf. das folg.']
253 — 288. mane autem facto descendit Anectanabus de palacio. regina itaque pregnans erat, cum autem cepisset tumescere venter eius, vocavit ad se Anectanabum et dixit Uli: magister, volo ut dicas mihi, quid de me faciet Philippus, si redibit. cui Anectanabus ait: noli expavescere, quod deus Hamon auxiliator tibi erit. et bis dictis exiit de
j4 Basler einleitung 267 — 290.
'frouw, der rede getage,
deheiner slachte vorchte trage.
ich schaf dir helf an miner stat 270 von Amöne, des ich in bat/
da nach gieng er ze hant,
da er ein wiesti vant
und schuof mit den listen sin,
das küng Pilip von der ktingin 275 troumt, wie der got Amön
si hetti geminet schon.
des andren morgens so ze hant
sinen Sternenseher er besant.
der küng seit im den troum sin 280 von Olimpia der küngin.
si sprächen alle: 'zwar
dire troum wirt vil war.
sin muot, den min frouw wirt tragen,
des wil ich dir für war sagen, 285 mit strite niemer ende hat
bis da hin, da die sun uf gät,
er schafft mit siner hand,
das im dienen witi land.'
da nach in kurzen ziten, 290 solt küng Pilipus striten.
267 getag. 273 schüff. 274 Bilipus vergl. v. 10. 275 trümt.
küng für got. 279 trüm. 280 Olinpya. 282 trum. 284 vergl.
v. SU, 412. 285 stritte. 288 witti. 289 zitten. 290 stritten.
palatio extra civitatem in desertum locum. et evellens herbas trituravit eas et tulit succum illarum, apprehendensque avem marinam cepit super eam incantare illam de succo herbarum liniens [PUtr: ungere]. hec tarnen faciebat per dyabolica figmenta, ut deciperet regem Philippum per 8omnium. factumque est. [in EM nur folg.: noli expavescere, ego ero in adiutorium tui. taliter persuasa Olimpiadis adulterata est ab homine quasi a deo. inter hec apprehendit marinam navem [B avem.Vsk I 8 Ugaxcc nsXdyiov. Val accipitrem] et apparuit Philippo per somniumJ] eadem nocte apparuit Philippo in somnio deus Haraon concumbens cum Olimpia uxore sua. et post concubitum etc. . . exurgens autem Philippus a somno vocavit ariolum et somnium quod viderat intimavit [Be indicavit. UtrP: narravit]. at ille ariolus dixit: Philippe, non ab homine sed a deo uxor tua concepit . . . qui nasci debet ex ipsa, pertinget (eet: pugnando) usque ad orientem, unde sol egre- ditur. et per gladium acutum universe sibi debent subiugari nationes.
Basler einleitung 291 — 316. 15
und dö er stritens begund,
dö kam zuo der selben stund
ein tragk, der vor im gieng.
was der siner vienden gevieng, 295 den det er allen den döt,
und half im üs siner not.
dö er die vient überwant,
dö fuor er hein ze land.
als er kam in sin palas, 300 dö begegenete in Olimpias
die edel küngine ze stund.
die kust er an iren röten mund.
als er ir krankheit ersach,
gezogenlich er dö sprach: 305 'frouw, du hettest übel getan,
hettest du genomen ander man.
dis ist nicht, das weis ich wol.
din muot niut trüren sol.
din geburt ist von eines gottes gewalt, 310 kein übel sol dir sin gezalt
von den liuten noch von mir.
das nu ist geschehen dir,
das hän ich alles in trüemen gesehen,
des wil ich dir für wör jenen.' 315 eins tages fuogt sich das,
das Pilipus ob dem tische sas
291 strittens. 300 Olipyas. 302 rotten. 311 lütten.
314 jhehen.
289 — 314. cap. 3. interea Philippus rex pugnavit et vicit. apparuit namque ei in ipso prelio draco, qui antecedebat eum et inimicos eius prosternebat [apparuit — prosternebat fehlt BM]. cumque rediret Macedo- niam, obviavit ei (cet: in palacio) Olimpia et osculatus est eam [Be osculata est euni]. intuens eam Philippus rex et dixit ei: cui te, Olimpia, tradidisti? peccasti, inquit, et non peccasti [BM in quem peccasti? sed non peceasti, quod vim etc. Utr peccavi, inquit. non peccasti, ait, quia vim sustinuisti a deo], quia violentiam a deo passa es. ego autem hoc totum, quod in te factum est a deo , per somnium vidi, proinde a me ac ab hominibus irreprehen- sibilis esse videris.
315 — 336. cap. 4. quadam die epulabatur Philippus cum princi- pibus et primis Macedonie una cum Olimpia uxore sua. Anectanabus
Iß Basler einleitung 317 — 342.
mit siner herschaft alle, und man dar truog mit schalle bede bröt und'ouch win: 320 dö gie ein trak zuo der tür in mit frevelichem geboren, die ob dem tische wören erschraken vil ges winde, wispelnd zwischen liut und kinde
325 gieng er zuo der küngin und tet ir mit küssen schin, das er ir Munt were
an aller hande swere.
als küng Pilipus das ersach, 330 zuo den rittren er dö sprach:
cir heren, ich wil iuch verjehen,
ich hän den traken e gesehen;
dö ich mit minen vienden streit,
dö half er mir üs arbeit. 335 er brächte min vient in grössi not.
was er ir begreif, die wärent döt.'
kurzlich dar nach geschach ouch das,
das küng Pilipus alleine sas:
ein klein huon kam geflogen dar, 340 das er sin nie wart gewar.
es sas in die schös sin
und leit vil eben ein ei dar in.
318 schall. 324weschza; besserung von Zacher, kint. 325 küügin.
326 mit halsen und mit küssen tet er ir schin. 327 wer. 328 swer. 329 als daz vergl. v. 399. 331 verjhehen. 332 ee. 336 begreiff. 337 kurchlich. 340 = ex improviso. "Werner vermutet: des er sit.
autem per artem magicam induit formam draconis et per medium tricli- nium discumbentium transiens fortiter sibilabat, ut convivantes omnes pavore et perturbatione maxima torquerentur. et appropinquans Olimpie imposuit in gremio suo caput et osculabatur eam. videns hec Philippus dixit Olimpie : tibi dico et omnibus , draconem hunc vidi , quando inimicos meos prostravi [cet : quando preliatus sum cum inimicis meis].
337 — 366. cap. 5. post paucos autem dies sedens Philippus rex in palacio suo (ParAUtrBM solus), apparuit ei parva ac mitissima avis volans [ParA Utr sedens] in gremio eius et generavit ovura cadensque
Basier einleitung 343 — 368. 17
üs siner schös viel das ei
üf einen stein und brach enzwei. 345 dö das ei den brach enpfieng,
dar üs ein gefüeger slange gieng
und wolt ouch wider sin dar in.
das mocht vom bruch niut gesin.
dö er sin houbt dar gebot, 350 dö lag er vor dem ei döt.
der geschieht ward er unfrö.
nach sinen meistren sant er dö.
er nam si besunder
und zeigt in das wunder. 355 dö ieklicher das~ wunder sach,
ir einer under in dö sprach:
;küng, la dir niut wesen zorn,
ein sun wirt dir geborn,
der nach dir gewaltig wirt 360 und ouch niemer verbirt,
er bringe mit gewalt in sin hant
grössi mengi, wite lant.
so er denne volendet sine not,
e er kume ze land, so lit er döt. 365 dis betiutet disiu sache,
die habe niut ze ungemache.' Nun begunde nächen die zit,
als es die nattüre git,
343 schus. 344 enzwe wie v. 196. 346 gefüege. vergl. v. 350.
349 es sin hubt. 351 geschit. 359 gewalttig. 362 witte. 363 dene.
sin. 364 ee. 365 betüttet die geschach. besserung von Zacher, vergl. Trist. 1864 flg.
(Be in terram. UtrP: ipsum ovum de gremio eins in terram) divisum est. et statim ex eo parvissimus serpens egressus est. congiransque intrare ovum voluit et antequam ibi caput immitteret, est extinetus. vidensque hec Philippus turbatus est valde et voeavit ariolum eique monstrum quod viderat monstravit. cui ariolus dixit: rex Philippe, nascetur tibi filius, qui regnaturus est post tuum obitum, circumibitque totum orbem gentes universas obtinendo. et antequam revertatur in terram nativitatis sue, morte velocissima morietur.
367 — 418. cap. 6, appropinquans autem tempus pariendi Olimpia cepit -dolere et torquebatur venter eius et vocari fecit ad se ariolum [cet:
Kinzel, Alexander. 2
18 Basler einleitung 369 — 394.
das die küngine solt gebern 370 und die wetag si des begunden bewern:
si bat mit heimlichen sinen
ir Nektanibum gewinen.
als der dö komen was,
zuo im sprach Ollimpias: 375 'meister, mir ist unmässen we,
rät wie das an mir zerge.'
an der selben stunde
der Sternen louf begünde
er messen und reiten: 380 'von den arbeiten
kumst du schiere küngin.
rieht dich üf, küngin,
wand all din ding an dire frist
betrüebet sind, sint das nicht ist.' 385 dö nun das für kam,
der frouwen es alle we benam.
er sprach: 'sitz wider, frouwe min/
des was gehorsam die küngin.
als si dö gesas 390 des kindes schiere si genas.
dö das zer weit was komen,
an der zit ward vernomen
erdbidem und dornblik.
das beschach so stark so dik,
369 geberen. 373 als do der. 374 Ollipyas. 375 wee.
377 den s. stunden. 378 lüff. 379 reitten. 380 arbeitten. 381 kunst
du scheire. 382 uff. ist einmal frouwe min zu lesen wie 387? 384 vergl. v. 307 dis ist nicht. 386. 387 fruwe. 390 scheire.
Nectanebum\ et dixit illi: magister, venter meus maximis doloribus tor- quetur. Anectanabus cepit (PUtr: computare et) dicere: subleva te pau- lulum , regina , a solio tuo , quia hac hora elementa a sole turbata sunt, factum que est et recessit ab ea dolor, et post paululum dixit ad eam Anectanabus: sede, regina. et sedens [factumque est — sedens fehlt BM] peperit. statimque puer cum cecidisset in terram, factus est [Be terre motus validm et fulgura etc.'] tonitruus validus et fulgura et signa et choruscationes facte sunt per Universum orbem. [Pütr factus est terre motus et fulgura et tonitrua magna et signa per totum mundutn\. tunc
Basler einleitung 395 — 420. 19
395 das alle liute begunden jenen,
es wer ein grosses wunder besehenen.
die nacht bleib unz üf primzit,
das beschach niemer sid.
als küng Pilipus das ersach, 400 er erschrak und het sin ungemach.
doch gelichet er frcelich ze sin,
er gie für das bet hin in,
er wunste in beden selic sin,
der frouw und dem kindlin. 405 er sprach: 'ich hän gedächt
alle die zit, so das kind wurde brächt
zer weit, das man es züge nicht
in minem namen durch die geschieht,
das es eins gottes ist, 410 das man mag merken sunder list.
wand an sinem brütlichen tag —
das ich für wör sagen mag
und sin offenlichen gich —
die ellimenten verkerten sich. 415 doch ziueh es mit flise und mit zart
und als min eigen kint bewart.
lä dir nicht wesen swer
und heis es Alexander/
als das vernam die küngin, 420 si zöch mit flis das kindelin.
395 lütte, jhehen. 397 brim zit. 399 Pilip vergL v. 329. 401 l. ge- lichset? 404 die fr. u. das. 405 gedach. 407 es nüt zug. bessr.von Werner. 414 ellimentten verkertten. 415 nüt zart. 417 nich wessen.
dilatata est nox et usque ad penultimam [cet: plurimani] partem diei extensa est pariter et divisa [Utr extendi visa est. — tunc in Italia partes de nubibus ceciderunt fehlt Utr. Be petre , P saxa. BM statim facta sunt fulgura et tonitrua seu terre motus. quod cum vidisset Philippus etc.], videns autem Philippus rex hec signa tremefactus ingressus est ad Olimpiara et dixit: cogitavi, quod infantulus iste nullatenus nutriatur; non enim ex nie coneeptum sed a deo creatum intelligo [PUtr: pro eo quod non est coneeptus de me. sed tarnen intelligo nunc a deo esse coneeptum], quia in nativitate eius vidi elementa mutari. nutriatur in (mei) memoria aesi filius meus esset (proprius) et in filii quem ex altera uxore habui (qui mortuus fuit) succedat locum (cet : imponaturque ei nomen Alexander).
2*
20 Basler einleitung 421—442.
es was, ich sag iuch für war,
als ein lüewe umb die brüst gehär.
das was vil swer der muoter sin.
sin ouge gab griuwelichen schin 425 das eine swarz, das ander gel,
ze blike wären si vil snel.
dö er zuo zwenzig jören kan,
als ich an der istori vernan,
ze schuole lert er gar swind, 430 er was über alle kint
in buochen, snelle unde zal.
die ritter lerten überall
turnieren, schehen, springen,
werfen, loufen, ringen, 435 dar an was er mit kreften gros
für ander sin genös.
Als küng Pilipws dö ersach
des kindes frümdikeit, er sprach:
'Alexander lieber sune min, 440 mir ist lieb die kreffte din.
doch eines dinges türet mich:
das du mir nienän bist gelich.'
421 uch vir. änderung Werners. 422 es was als ein ein.
423 mutter. 424 ögen gros gruwelichen. 425 swacz. 427 daz.
429 schuller. 431 ergänzt Zacher. 432 lertten. 433 schechen.
434 werffen luffen. 437 vergl. v. 399. 439 ergänzt Werner. 442 nie an.
419 — 426. hec eo dicente cum omni diligentia infantulum guber- navit [PUtr: famule ceperunt nutrire]. figura autem pueri nee patris nee matris effigiem habuit. coma capitis sicut leonis [aspera videbatur fehlt BMPUtr]. oculi eius [sicut stelle fehlt ib.] micantes (et magni PUtr), sed colore dispari radiabant, unus niger, alter vero glaueus apparens. dentes siquidem eius erant acuti. impetus illius fervidus ut leonis. forma quippe illius vigorem et prudentiam, quem in posterum habuit, ostendebat. [vocatus est a parentibus Alexander — PUtrBM schon vor hec eo dicente].
427 — 442. in scolis itaque, ubi sedebat (PUtrMB cum diseipulis), pugnabat cum eis tarn in literis quam in loquelis et velocitate obtinens prineipatum. cum autem esset annorum duodeeim, instruebatur ad pugnam (Utr et sicut videbat facere a militibus sie faciebat) [et antecedebat in artnis fehlt PUtr]. cuius velocitatem Philippus intuens commendabat eum [PUtr placuit et] et ait Uli: fili Alexander, velocitatem tuam et ingenium tui animi diligo per effectum [Be affectum]. sed conturbor, quod figura tua "videtur mihi dissimilis [et inepta fehlt PUtr].
Basler einleitung 443 — 469. 21
dö Ollimpia erhört,
das der Jcüng sprach disse wort, 445 si hies balde springen,
Nektanibus heimlich bringen.
als er nun komen was,
zuo im sprach Ollimpias:
'meister, ich hän gesant nach dir, 450 das du erfindest, lieber, mir,
was nun der kting min here hab
gedächt mit rede, dö der knab
Alexander vor in gieng,
den er lieplich umbvieng,
455 er sprach: ich mine die kreffte din
und hasse, das du niut bist gelich (der frouwen) min.'
als Nektanibus das erhört,
der küngin forcht er zerstört:
'Ollimpia, du solt früede tragen. 460 ich wil dir sicherlichen sagen,
das guot sind die gedenk sin
gen dir und dem kindelin.'
an der selben stunde
Nektanibus begunde 465 eins Sternen war nemen,
der im wol begonde zemen.
er sprach: 'ich sich an dem stern,
das dir und dem kind müesse mern
all iuwer selikeit.'
443 ollipya. 448 ollipyas. 451 her. 452 einer rede. 453 im.
456 Werner: das du niut bist der forme min. 459 ollipya. 463 stund. 464 begund. 468 müsse. 469 aller einer, besserung von Heinzel.
443 — 469. audiens hec Olimpia terrore perterrita [BM quod ut vidit Olimpiadis , quia tristis erat in hoc Philippus, vocabat etc^\ vocavit Anectanabum et dixit: magister intellige, de me quid Philippus cogitat; dixit enim Alexamiro: fili, velocitatem tuam diligo et ingenium tui animi approbo , sed tristis sum , quia figura tua in nullo mihi similatur. Anectanabus cepit cogitare et dixit: cogitatio illius nullatenus est nociva [PBM cogitatio illius erga te munda est], Solitoque respiciens computabat quandam stellam separabatque desiderium suum [Be solitoque resp. quandam stellam separabat ab ea desiderium suum. BM sol respicit quandam stellam
22 Basler einleitung 470 — 494.
470 nun stund der knab gemeit
Alexander bi in da.
er sprach: 'vatter min, lä
mich wissen, macht du gesehen
an den sternen, was dir sol geschehen.' 475 'ja, vil liebes kint, wol/
Watter, so weist du ouch wol,
wie din döt sol geschehen?'
'ja das wil ich dir verjehen:
ich stirb von dem eigen kint min, 480 das mag anders niut gesin.'
'vatter, bis an allen wän,
der kunst wolt ich gerne künde hän.'
Nektanibus sprach aber dö:
'des bin ich an dir vil frö. 485 so gang ze nacht mit mir,
was ich sich, das züeg ich dir.'
nun giengen si vil trat
des nachtes mit enander spät.
Nektanibus vor gieng 490 üf dem graben, der dö vieng
umb die selbi statt guot,
er sprach mit wisem muot:
'Allexander, kint min,
sich an der sternen schin.
478 verjhehen. 490 gieng. besserung von "Werner.
separando desiderium suum. Utr solliciteque respiciebat quandam stellam sperando ab ea desiderium suum].
470 — 488. audiens hec Alexander dixit ei: Stella quam vides vide- tur in celo. cui Anectanabus dixit: est [PBe etiani] fili. Alexander dixit: potes (ne) mihi eam ostendere? respondit Anectanabus: sequere me hora noctis et ostendam tibi. Alexander dixit: fatum tuum estne tibi cognitum aut incertum? Anectanabus respondit: est satis. Alexander dixit: opto illud cognoscere (et quam mortem debes facere). Anectanabus respondit: scio, quippe quod a filio meo debeo recipere mortem, cum hec dixisset descendente eo de palacio sequebatur eum Alexander hora serotina extra urbem.
489 — 506. et cum incederent supra fossatum civitatis [Utr quod erat circa murum civitatis, et — civitatis fehlt BM], dixit Anectanabus: fili
Basler einleitung 495 — 520. 23
495 sich, wie trürenklichen stät Hercules, und früede hat Mercurjus, der Hechte stern Iovis stöt ouch, des wil ich wern, in ganzer früeden prise.'
500 dö also der wise
über sich ze himel sach, Alexander schuof im ungemach. er sties in in den tiefen graben: 4 du alter schalk, das solt du haben,
505 dö du wissen wilt so wol am himel was geschehen sol.' Nektanibus dö zuo im sprach, dö im geschach das ungemach: 'kint, wiltu der wärheit jehen,
5io ich seit dirs, als es ist beschehen: ich stirb von minem kinde.' Alexander der geswinde sprach: 'bin ich den der sune din?' 'ja das hab üf die triuwe min.'
515 hie mit nam er sin ende, nach disser missewende Alexander kam in riuwe, er gedächt an vetterliche triuwe und nam in an die arm sin.
520 er truog in für die küngin.
495 truenkliche. 497 liechtte. 499 pris. 500 wisse. 503 tieffen. 505 dz wissen. 509 jhehen. 511 kind. 512 geswind. 517ruwe. 518 trw.
Alexander, contemplare sidera; vide stellam Herculis, qualiter conturbatur [cet: tristatur'jj Mercnrius vero gaudet, Iovem siquidem video corruscan- tem. [/ata mea mihi propinquam mortem a JUio meo comminantur fehlt MBP]. taliter eo vidente accessit ad eum prop(inqu)ius Alexander et facto impetu eum corruere fecit usque ad infimam partem fossati , taliter inde ei dicens : infelix [PUtr: vetule~\, sie te mori decet. cum terrena scires, cur celestia presmnpsisti false futura predestinans [Be cum terrena nescires, scire celestia presumpsisti /also f. pr^\.
507 — 534. cui Anectanabus respondit: cognitum mihi fuit, quod tali debeam Bupplicio mori. nonne dixi tibi , quod filius meus me extinguere debebat? Alexander dixit: ergo filius tuus sum? Anectanabus respondit: re vera ego genui te. et hec dicens expiravit. Alexander autem filiali
24 Basler einleitung 521 — 542.
als in Ollimpia ersach,
erschrokenlick si dö sprach:
'was treist du, lieber sun min?'
'Nektanibö den meister din.' 525 'we mir', sprach Olinpias,
'er din rechter vatter was.'
die red was Allexander leit.
er sprach: 'frouw, iuwer tumpheit
händ ir gevolget sere 530 wider iuch und iuwer ere.'
ze der rede kund si stil getagen.
do hies si Nektanibum tragen,
die vil leide bürde,
da er begraben würde. 535 In der selben zit
des mir die gescrift Urkunde git,
ein fürst üs Kabadocienlant
Pilipo ein ros sant.
das was ungezamt freislich, 540 wild und das geschöfte wunderlich.
es beis die liut und sluog,
es was tobehaft genuog. etc. etc.
521 ollipya. 526 rechtter. 531 kund. 534 wurd. 541 bies. 542 tübhaft.
pietate motus [Be pietate paterna commotus] elevansque corpus eius super humeros suos portavit ipsum in palacium suum. cumque videret illum Olimpia, dixit Alexandro : fili Alexander, quid est hoc? cui ille respondit: corpus Anectanabi est. Olimpia dixit: Anectanabus pater tuus i'uit. respondit ille: quemadmodum stulticia fecit tua, ita est. et iussit illum sepeliri.
Lamprechts Alexander.
Vorauer Alexander.
Alberic de
Diz lit, daz wir hi wurchen,
daz sult ir rehte merchen.
sin gevüge ist vil reht.
iz tihte der phaffe Lambret. 5 er täte uns gerne ze märe,
wer Alexander wäre.
Alexander was ein wise man,
vil manec riche er gewan,
er zestörte vil manec lant. 10 Philippus was sin vater genant.
diz mngit ir wol hören
in libro Machabeorum.
Alberich von Bisinzo
der brähte uns diz lit zu. 15 er hetez in walhisken getihtet.
nü sol ich es iuh in dütisken berihten.
niman enschulde sin mich:
louc er, so liuge ich.
Dö Alberich diz lit inslüc, 20 dö heter ein Salemones püch,
da er ane sach vanitatum vanitas:
daz ist allez ein itelcheit, daz diu sunne umbegeit.
Diemer s. 183.
10
15
Hs. s. 109 z. 1 — 1 leer, z. 8 Diz. 3
4 lambret, vergl. 1520 lampret. 11 Diz. 12 machabeoi//. 14 zu. 16 eub. dütisken. 17 niman inshulde. 18 levge. 19 Do. lit inslüc. 20 von do bis salemones auf rasur,
wofür? nicht erkennbar, puch. 23 itelcheit. 24 mnbe geit.
Dit Salomon al quant de son libre
'est vanitatum et universa
Besan^on.
Strassburger Alexander.
primier pas, mot lo clas:
vanitas vanitas.'
Daz liet, daz wir hie wirken,
daz sult ir rehte merken.
sin gevöge ist vil gereht.
iz tihte der paffe Lamprecht 5 unde saget uns ze mere,
wer Alexander were.
Alexander was ein listich man,
vil manige riche er gewan,
er zestörte manige lant. 10 Philippus was sin vater genant.
daz mugit ir wol hören
in libro Machabeorum.
Eiberich von Bisenzun
der brähte uns diz liet zu, 15 der hetiz in walischen getihtit.
ih hän is uns in dütischen berihtet.
nieman ne schuldige mih:
alse daz buch saget, so sagen ouh ih. Do Eiberich daz liet irhüb, 20 dö heter einen Salemonis müt,
in wilhem gedanken Salemon saz,
dö er rehte alsus sprah:
'vanitatum vanitas
et omnia vanitas.' 25 daz quit: iz ist alliz ein itelicheit,
daz di sunne umbegeit.
1 D rot auf neun zeilen. 2 rechte. 3 gevoge.
gerecht. 4 tichte. 5 msere. 6 wsere. 7 A rot.
15 getichtit. 18 buch. ouch. 19 D rot. aelberiihh. 23 uanitatü. 24 öia.
28
Vorauer Alexander 25 — 55.
Alberic de
20
10
25 daz hete Salemon wol virsüht.
dar umbe swar in sin müt.
er ne wolte niht langer ledec sitzen,
er screip von grözen witzen,
wände des mannes müzecheit 1S4
30 ze deme libe noh ze der sele niht versteit.
dar ane gedähte Alberich.
den selben gedanc hän ich.
unt ich ne wil mih niwit langer spam, 5
des liedis wil ich volvarn. 35 Richer chunege was genüc:
daz ne saget uns nehein püch
noh neheiner slahte märe,
daz deheiner so riche wäre,
der in alten ziten 40 mit stürme oder mit strite
i so manec lant gewunne
oder so manegin kunic bedwunge,
herzogen irslüge
unde andere vursten genüge, 45 so der wunderliche Alexander:
im ne gelichet nehein ander. Der von Chrichen was geborn
unde wart da ze einem kunige irchorn unde was der allerherste man, 50 den i Chrihlant ze kunege gewan.
iz wären ouh chune[i09»>]ge creftic 20
über manec dit gewaltic,
vil michel was ir sälicheit, ir list unde ir kundecheit,
26 suar. 29 müzecheit. 30 libe auf rasur.
ursteit. 32 denselben. 34 uol uarn. — 35 Dicher,
D radiert. 42 bedvunge. 43 irslüge. 44 un andern, genüge. 47 Der. crhichen. 48 irchron. 49 und! aller erste. 50 crhihlant unege. 51 waren, e auf rasur von i.
15
5 poyst l'oume toyl le sen solaz nos faz' que tot non sie
En pargamen 10 ne per parabla del temps novel nuls hom vidist
chi per batalle tant rey fesist 15 ne tanta terra ne tan duc nobli
cnn Alexander
qui lud de Grecia
Rey furent fort 2 0 et de pecunia rey furent sapi
5 loume fay men- Bartsch. Heyse : poys tas. Rochat: paucloum mann: 1 oume esmaya — 9 noluid. Bartsch, fad oder no 1 uim. Ro- das s in nuls von andrer
Besan^on.
Strassburger Alexander 27 — 58.
29
fayni' enfirmitas, otiositas. antiquitas, vanitas.
nol vid escrit, non fu dit: ne del antic un rey tan ric,
et per estrit mat ne mendic, cunquesist, occisist
magnus fist,
natiz.
et mul podent
manent,
et prudent
Annitas, besserung von l'oum chay in enfirmi- fay en inflrmitas. Hof- enfirmitas, toyl li sen. Mahn : nul uid oder non chat: nuls vid. — ' 12 liand. — 13 estric. Tobler.
daz hete Salemon wol versüht.
durh daz swar ime sin müt.
er ne wolde niwit langem ledich sitzen, 30 er screib von grözen witzen,
wände des mannis müzicheit
zo dem libe noh zö der sele nit ne versteit.
dar ane gedähte meister Eiberich.
den selben gedanc haben ouh ih. 35 ih ne wil mih niwit langer sparen,
des liedis wil ih vollenvaren.
Iz quit: richere kunin(i3d)ge was genuch:
daz ne sagit uns aber nehein buch
noh neheiner slahte mere, 40 daz ie dichein so riche were,
der in alten geziten
mit stürmen oder mit striten
ie so manige lant gewunne
oder so manigen kuninc bedwunge 45 oder so vil herzogen irslüge
unde andire fursten genüge,
so der wunderliche Alexander.
ime ne gelichet nehein ander. Er was von Kriechen geborn 50 und wart da ze kuninge irkorn
und was der allirheriste man,
den Kriechen ze kuninge ie gwan.
ouh wären kuninge creftich
her unde mehtih 55 ubir manige diet gwaldich,
ir herheit manicfaldich ;
michel was ir wisheit,
ir list unde ir cundicheit,
28 svar. 32 nith. 33 gedachte, aelberich.
34 ouch. 35 mich. 36 uollen varen. 37 J rot.
38 buch. 39 slachte. 43 gewnne. 44 bedwnge.
45 irslvge. 46 unde (so). 47 wnd5liche. 49 E rot. criechen. 50 un. 51 un. 58 cundiheit.
30
Vorauer Alexander 55 — 76.
Alberic de
50
60
C5
70
75
ir scaz der was vil gröz:
der ne wart ni neheiner sin genöz,
der mit listen oder mit mähten
sinen willen i so volbrähte,
so der selbe man,
umbe den ich is began.
Diser rede wil ich mich irvaren. Salemon der was üz getan, der sich üz allen kunegen nam. dö diu frowe regina austri zu im kom> unde si sinen hof gesach,
26
185
mit rehter wärheit si sprah, daz von mannes geburte ni so frumer kunic wurte. man müste in wol üz sceiden, wände Alexander was ein heiden.
M sprechent böse lugenäre, daz er eines goukeläres sun wäre, di ez imer gesagent, di liegent also böse zagen, oder di es i gedähten. er was rehter cheiser slahte.
56 ninehenier, erstes i auf rasur von e. 58 i (so). uol brahte. 59 l. derre? nach selbe punkt radiert.
60 umbe, m auf rasur von be. — 61 Diser. Zacher l. ver- vän. 62 üz. 65 gefach. 69 uzsaeiden. — 71 Nu. 75 t (so).
et exaltat sor tota mais non i ab un
de ehest, dun faz 5 contar vos ey del Alexandre
Dicunt alquant quel reys fud filz mentent fellon 30 mal en credreyz qu'anz fud de ling et filz al rey
22 sor corrigiert aus Stengel. 23 vor mais
Besancon.
Strassburger Alexander 59 — 90.
31
gent,
plus valent
l'alevament.
pleneyrament
mandament.
estrobatour, d'encantatour. losengetour ; nee un de lour; d'enperatour Macedonor.
sur lasen Bartsch und rasur nach Stengel.
ir scaz was mere unde gröz: 60 ir ne wart aber nie nehein sin genöz,
di mit listen oder mit mehten
irin willen ie so vollenbrehten,
so aber dirre selbe man,
umbe den ich diser rede began. 65 An eine andere rede wil ih nü van.
Salemon der was aleine üz getan,
der sih üzir allen kuningen nam.
dö regina austri zö ime quam,
unde si sine wunder 70 alle besunder
rehte merken began,
starke si dö undirquam;
dö si sine wisheit
und sine gröze richeit, 75 sin fleisch und sine vische
und di zirheit siner tische
unde sin templum gesach,
mit rehter wärheit si dö sprach,
daz von mannis geburte 80 frumiger kuninc nie ne wurde.
man müstin wol üz scheiden,
wände Alexander was ein heiden. Noch sprechint manige lugenere,
daz er eines goucheleres sun were, 85 Alexander, dar ih ü von sagen:
si liegent alse böse zagen
alle di is ie gedähten;
wände er was rehte kunincslahte.
sulhe lugenmere 90 sulen sin ummere
62 uollenbrechten. 65 A rot. van. 68 qft.
69 wndJ. 71 rechte. 72 undirqua. 73 si fehlt.
74 un. 75 un. 76 un. 78 rechter. sprah.
80 wrde. 83 N rot. 87 gedachten. 88 kuninc
slahte. 89 lugen mere.
32
Vorauer Alexander 77 — 102.
Alberic de
10
16
nimer geloube ez nehein frum man. sinen vater ich wol genennen kan. sin geslahte daz was herlich, so ubir al Chrichen was er gewaltic. Philippus hiz der vater sin, al Macedonenlant was sin. sin ane was ein gut kneht, über al daz mer gi sin reht.
85 er trüc eine tugentliche mäht, awi wi manic volcwic er vaht wider den kunic Xersen. harte ellenthafte uberwant er den.
Philippus nam im ein wip, 90 si trüc einen frumeclichen lip.
ich sage iu, wi ir name was:
si hiz diu scöne Olimpias.
daz was Alexanders müter.
diu frowe hete einen brüder, 95 der was ouh Alexander genant,
ze Perse heter daz lant.
der was ein vurste also getan,
er ne wolte neheinem kunige wesen undertän. 25
20
er ne wolte ouh ni üz neheineme stürme geflihen, 100 swi im siniu dinc da irgingen. er was ein tüerlich degen unde wolte ouh rehter herscefte phlegen.
80 crhichen. 82 macedonen lant. 84 reht. punkt aufrasurvon e. 86 uolc wie. 87 eren. — 89 Philippus. 91 ev. 93 das. 100 sui. sinev. 101 l. tiwerlicher?
Philippus ab
meyllor vasal non
35 e chel ten Greeia
eis porz de mar
filz fud Amint,
qui al rey Xersen
Et prist moy- 40 quäl pot sub cel
sor Alexandre al qui hanc no deg- ne ad enperadur
Olimpias donna 45 dun Alexandre
37 Bartsch ric für rey. 41 Heyse las car oder
Besanqon.
Strassburger Alexander 91 — 124.
33
ses pare non; vid ainz hom, la region en aveyron. al rey baron,
ab tal tenzon.
lier, dun vos say dir, genzor causir,
rey d'Epir,
net d'estor fugir
servir,
gentil, genuit.
— 40 lausir,
far , Stengel sor aus für
iegelichen frumen man.
sin geslehte ih wol gereiten kan.
sin geslehte was herlich,
ubir al Kriechlant gwaldich. 95 Philippus hiz der vater sin,
al Macedonien was sin.
sin ane der was ein gut kneht,
ubir daz mere ginc sin reht.
er was geheizen Omin. ioo witen ginc der gwalt sin,
michil was sin heriscraft.
vil manich volcwich er vaht
wider den kuninc Xersen:
gewaldicliche verwan er den 105 unde vil eilenthafte
mit siner hercrafte.
Philippus der nam ein wib,
di trüch einen vil herlichen lib.
ih sagü, wi ir name was: no si hiz di scöne Olympias.
diu was Alexandris müter.
di frowe hete einen brüder,
der was ouh Alexander genant,
ze Persien het er daz lant. 115 der was ein furste also getan,
er ne wolde werden undertän
nie neheineme kuninge;
daz sagih ü ane lugene:
er ne wolde öuh ze neheinen ziten 120 von stürmen noh von striten
nie n eh eine wis geflihen,
swi ime sine dinc da irgihen.
er was ein türlicher degen
und wolde .rehter herschefte plegen.
Kinzel.
92 geslecbte. 94 Criecnlant. 97 krieebt. 99 orayn. 102 uacht. 107 P rot wie immer wo nicht anders bemerkt ist. nä. 109 saguh. 118 sagich. v. 124 uii.
Alexander. 3 *
34
Vorauer Alexander 103 — 126.
Alberic de
Nu wil ich iu sagen von Alexanderes wi si alhi gewurte. fgeburte
105 sin müter frow Olimpias
ze den stunden dö siu sin genas, dö wart ir ein vil michel nötfal: diu erde erbibete uberal. dö was der doner vil gröz.
ho awie starke daz weter ave göz. der himel der wandelöte sich unt der sunne verdunchelöte sich, er hete vil nach sinen schimen verlorn, dö Alexander wart geborn.
H5 Nu ne freiscit ich e noh sint
alsus geborn nehain chint. glou[i09<=]bet mir des ich iu sage: der dech baz in drin tagen dan al ander chint,
120 so si drier mänöt alt sint, unt also im ieht gescach, daz ime übel ze hören was, so sah er also der wolf toet, so er obe sineme ezzen stet.
125 daz ich iu von ime sage, daz ist war: strüb unde rot was ime sin här,
186
10
15
103 Nu. eu uon alexanderes sagen geburte. 104 zu wurte. 107 nobtfal. 109 da. 110 ane. Rödiger.
111 wandelohte. 112 uerdunchlote. 114 gebor, n fehlt, loch im pergament. — 115 Nune fressiht. e. 117 glöbeht ; nach glö am ende der zeile lücke im pergament. iv. 119 alander. 120 manoht. 122 imme. 123 wof
te°ht. 125 iv. 126 robt.
Reys Alexander
per granz ensig- crollet la terra de toneyres fud et
50 lo sol perdet sas
per pauc no fud
canget lo eels sas
que reys est forz
En tal forma
55 non i fud naz
mays ab virtud que altre emfes
s'il toca res chi
tal regart fay cun
60 Säur ab lo peyl
52 ianget. gel dies. —
Heyse. —
58 tocares
Strassb. AI. vers 125 — 138 s. liasl. einl. v.389. Str 6: statimque puer cum cecidisset in terram, factus est [Be terre motus validus et fulg. etc.~\ tonitruus validus et fulgura et signa et cboruscätiones [sc. fulgurum Val] facte sunt per Universum orbem. [MB et post paulolum peperit Olimpiadis et facta sunt fulgura atque tonitrua et terre motus. PUtr factus est terre motus et ful. et tonit. magna et signa per totum nundum\ tunc dilatata est nox et usque ad penultimam [cet: plurimam\ partem
Besanc,on.
Strassburger Alexander 125 — 150.
35
|
125 |
Woldet ir alle nü gedagen, so woldih ü sagen |
||
|
quant fud naz, |
von Alexandris geburte, wi diu gewurte: [14»] sjn müter frowe Olympias |
||
|
130 |
zestunt do si sin genas, |
||
|
nes fud mostraz. |
dö wart ein michil nötfal: |
||
|
toz laz, |
di erde irbibete ubir al. |
||
|
tempestaz, |
der donre wart vil gröz. ein starkiz weder nider göz. |
||
|
claritaz, |
135 |
der himel verwandelöte sih |
|
|
toz obscuraz, |
und di sunne vertunkelöte sih |
||
|
qualitaz, |
und hete vil näh irn schin verlorn, |
||
|
en terra naz. |
dö Alexander wart geborn. |
||
|
fud naz lo reys, |
Nü ne vereischetih e nie noh sint |
||
|
emfes anceys. |
140 |
alsus geborn nie nehein kint. geloubit mir des ih ü sagen: |
|
|
de dies treys, |
er gedeih baz in drin tagen |
||
|
de quatro meys. |
dan alle andere kint, so si drier mänede alt sint. |
||
|
michal peys, |
145 |
und alsime iht des gescach, daz ime ubile ze hugen was, |
|
|
leu, qui est preys. |
so sach er alse der wolf deit, aiser ubir |